Archiv für den Monat: Juli 2018

Orlando-Adventure

Nach dem unfreiwilligen Besuch des Emergency Room dachte ich eigentlich, ich hatte genug Abenteuer für meine drei Wochen Florida. Aber weit gefehlt. Unser Heimflug sollte abends um 20 Uhr ab Orlando gehen. Der ganze Morgen war angefüllt mit Haus putzen und für die Hurrikan Saison vorbereiten, dann bin ich noch zum Krankenhaus gehetzt, um mir eine CD mit den Untersuchungsergebnissen abzuholen. Um 15 Uhr fuhren wir los, kamen gut vor 18 Uhr in Orlando an, und was begann da? Durchfall! Genau was man braucht auf so einer Reise, aber Ergebnis meiner ER-Diagnose. Ich will euch nicht mit Einzelheiten quälen. Wir kamen zum Gate, die Maschine war da, das Personal schon drin und man dachte, nun müssten wir doch bald einsteigen. SMS von Lufthansa, neuer Abflug 21:45 Uhr. Shit! Aber zumindest gab es einen 7 $ Gutschein, mit dem wir einen Kaffee und ein Muffin bekamen.

Dann neue Durchsagen: Abflug 22:30 Uhr. Inzwischen glaubte kaum noch einer, dass wir jemals wegkommen, aber gegen 23 Uhr konnten wir endlich einsteigen. Hatten wunderbare Sitze mit viel Platz, für die wir auch viel bezahlt hatten. Aber irgendwie hätten wir doch mal abfliegen müssen. Irgendwann kam eine Durchsage des Captains, in der er erklärte, dass ein Catering Truck beim Zurückstoßen gegen den Flieger gefahren war und eine Verkleidung abgerissen hatte. Es hatte einige Stunden gedauert, bis mit Frankfurt geklärt war, dass die Maschine auch so fliegen kann, aber mehr Treibstoff braucht.

Gut, war uns recht. Familien verständigt wegen späterer Abholzeit. Doch diese Durchsage zeigte, dass der Bordfunk nur teilweise funktionierte. Es folgten viele Tests, viele hektische Techniker stürmten auf und ab durch die Gänge und gegen Mitternacht kam dann die finale Durchsage, dass diese Maschine nicht vom Boden abheben wird. Ich frage mich, ob die Lufthansa zur Bundeswehr gehört. Dort geht doch auch kaum ein Fluggerät in die Luft.

Es folgte endlose Warterei, am Gepäckband, am Counter. Eine Umbuchung bekamen wir automatisch über SMS, aber unser schöner Sitz war verloren und Jan und ich würden getrennt zurück fliegen müssen, da sein Endziel Hamburg ist. Eigentlich kann ich ja froh sein, dass ich auf die gleiche Maschine einen Tag später gebucht wurde, denn für alle war dort kein Platz.

Um 2 Uhr kamen wir dann, mit kaum was im Magen, im Hotel an. Jan hatte ein eher einfaches Hotel mit einem Restaurant, das um diese Zeit geschlossen war, voraus gesagt, aber seine erste Prophezeiung erfüllte sich nicht. Wir kamen ins wunderschöne Hyatt direkt am International Drive, das auch mitten in der Nacht lebhaft wie am Tag war und etliche offene Restaurants sowie einen Laden hat, in dem man sogar etwas bezahlbares bekommt. Aber Essensgutscheine hatten wir nicht. Und eigentlich auch keinen Hunger. Aber waren völlig aufgedreht. Gegen fünf Uhr kam ich erst ins Bett und war um 7:30 Uhr schon wieder wach. Im Badezimmerspiegel ist ein TV integriert.

Mal sehen, was der heute Tag noch so an Überraschungen aufweist.

Emergency Room live

Ihr kennt alle die Soap Operas, wo Ärzte hektisch durch die Krankenhausflure sausen, ein Stethoskop um den Hals, eine hübsche Krankenschwester in Reichweite und über allem blökt der Lautsprecher: Doc soundso. Das muss ich doch einmal selbst testen, wenn ich schon in USA bin. Deshalb habe ich mir gestern Abend nach dem Essen ein paar Bauchkrämpfe zugelegt, brav die Nacht über die Schmerzen ausgehalten und am Morgen dann erstmal in Walgreens nach Buscopan gefragt. Haben die nie von gehört. Also weiter zu Jan, der hat angekündigt, er hat ein Schmerzmittel.

Wieder nach Hause, 45 Tropfen wie vorgeschrieben mit Wasser genommen, 10 Minuten später war alles wieder draußen. Die Krämpfe wurde schlimmer, nochmal ein paar Tropfen, wieder alles raus, keine Besserung. Also nichts wie hin zu einem Emergency Room. Ich brauchte 4 Anläufe, und landete dann in ziemlich geschwächtem Zustand bei Halifax Emergency. Eine nette Dame nahm mich in Empfang, aus Deutschland, wollte plaudern, bin aus Frankfurt, woher sind Sie, daneben nahm sie die Daten auf. Ich saß zusammengekrümmt auf dem Stuhl, der Schweiß lief mir nur so herunter und ich wollte nur ein Bett. Dann bekam ich die volle Ladung. Rollstuhl, Liege im Untersuchungszimmer, das berühmte Nachthemd mit nacktem Po und angewärmte Decken. Die waren auch nötig. Auf der kurzen Rollstuhlfahrt hatte ich abwechselnd Schweißausbrüche und Gänsehaut auf den eiskalten Armen und mein dünnes Sommerkleid war klatschnass.

An der Wand hing eine Punkteliste, wie das Personal sich genau verhalten sollte, und sie haben sich haargenau daran gehalten. Hände desinfizieren, Begrüßung, Vorstellen, Fragen nach Zustand, beim Rausgehen Erklärung weiterer Prozedur. Ich wurde erstmal an eine Maschine angeschlossen, Katheder zur Blutentnahme gelegt und so weiter. Der Arzt klopfte meinen Bauch ab und meinte, es könne Blinddarm sein. War sicher falsch. Dann sollte ich Urin abgeben. Oh mei, das war schwer. Ich konnte ja nichts trinken, da sofort alles in dreifacher Menge wieder heraus kam und mein Körper war völlig trocken.

Vor der Klotür wartete dann schon wieder ein Rollstuhl und ich wurde zur Röhre geschoben, wo man ein CMT gemacht hat. Also ich muss sagen, einfach super. Und als dann endlich der Arzt wieder kam, hatte er sogar eine Diagnose, zwar kein Blinddarm, aber ich sage es euch nicht. Wollte mich über Nacht dabehalten und Infusionen geben. Habe ich aber abgelehnt, hatte mir den ER ja inzwischen genug angeschaut.

Als Fazit muss ich sagen: einfach super und sehr effektiv. Eine Diagnose wurde gefunden für Beschwerden, die ich schon früher hatte und die nie jemand erkannt hat. ER gerne wieder, danke Doc.

Okay, es kommt auch noch eine saftige Rechnung. Aber hoffentlich zahlt die Krankenkasse.