Archiv für den Monat: Januar 2020

New Smyrna Beach Home Show

Was liebe ich solche Veranstaltungen. Die lokalen Gewerbe stellen aus, verteilen Bonbons und kleine Geschenke, geben praktische Einkaufstaschen ab, um die schrecklichen Plastiktüten einzusparen (was aber leider nicht klappt) und es gibt immer interessante Gespräche. Normalerweise sind solche Shows in der Halle, aber in New Smyrna findet sie immer in der historischen Canal Street statt. Und das Wetter war natürlich wieder wunderbar. Ich bekam nur einen Schritt von der Canal Street einen Parkplatz für mein SUV, auch das etwas, was es in Deutschland nicht gäbe bei einer solchen Veranstaltung.

Und wie von selbst wurden alle Dinge erledigt, die auf meinem Plan standen, die ich immer aufgeschoben habe. Zunächst Waste Pro. Das ist die Firma, die den Müll sammelt und mit der ich böse bin. Natürlich sammle ich seit Anbeginn alle recyclebaren Abfälle in der grünen Kiste, aber diesmal wurde mein erster Kasten nicht geleert. Stattdessen hing ein Zettel daran, dass Glasflaschen nicht mehr genommen werden.

Gut, ich habe alles Glas heraus genommen und die folgende Woche meine Kiste wieder an den Straßenrand gestellt. Nix da, sie wurde wieder nicht geleert. Wieder hing ein Zettel daran, aber diesmal ohne dass angekreuzt war, was denn so falsch war. Da wurde ich stur, seitdem recycle ich nicht mehr. Und konnte dies den Leuten vortragen. Ja, sagten sie, es hat Änderungen gegeben, Glasflaschen können nicht recycelt werden und ob ich denn keinen Flyer bekommen hätte. Nein, habe ich nicht. Sofort wurde meine Adresse aufgeschrieben und er bat mich ganz lieb, doch wieder zu sammeln, wenn ich denn den Flyer bekommen hätte, den sie mir schicken.

Am nächsten Stand ging es um Medical Research. Ich wollte näheres wissen. Und wurde sofort zu einem kostenlosen Mittagessen im Golden Coral eingeladen. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen, wenn ich auch nicht im Traum daran denke, mich als Versuchskaninchen missbrauchen zu lassen. Aber diese Informationen werde ich mir sehr gerne einmal anhören.

Dann kam ich zu dem Stand einer Versicherung. Volltreffer! Das ist genau die Versicherung, die meine Nachbarin neu abgeschlossen hat und die auch ältere Mobilheime versichern würden. Am Montag habe ich einen Termin, wäre schön, wenn das klappen würde vor dem nächsten Hurrikan.

Aber der Höhepunkt kam dann! Der Stand eines Bikeshops. Auch der stand auf meinem Programm, den wollte ich in den nächsten Tagen besuchen und mein Buch anbieten. Die Chefin war vor Ort und sofort begeistert. Auch mit ihr habe ich einen Termin am Montag und sie möchte mir am liebsten alle noch vorhandenen Exemplare abkaufen. Oje, langsam wird es eng. Ich habe nicht mehr viele.

Und ob man es glaubt oder nicht, als ich heim kam klingelte das Telefon. Der Port Orange Bikeshop will mehr Bücher.

Ich glaube das wird doch noch was mit der Time-Bestsellerliste.

Hickory Bluff und DeBary Hall

Was haben die beiden gemeinsam? Schnell und einfach gesagt, absolut nichts! Außer dass beide heute auf meinem Programm standen und insgesamt einen wunderschönen Tag ergaben.

Schon um 8 Uhr musste ich aus dem Haus, weil Trey vom Volusia County zu einem interessanten Event eingeladen hatte. Hickory Bluff ist eines der vielen naturbelassenen Grundstücke, die der Kreis aufgekauft hat, um die Natur zu bewahren. Für mich bedeutet das eine knappe Stunde Anreise, um mitten im Wald dann 26 Leute zu treffen, die alle ein Smartphone in der Hand haben.

Denn genau das war das Thema des heutigen Tages, Einführung in die App iNaturalist. Damit kann man mit seinem Smartphone alles Mögliche fotografieren, und sei es nur ein Loch im Boden, und die App gibt einem dann Vorschläge, was es sein könnte. Dafür braucht man natürlich eine Internetverbindung im Wald, die ich nicht habe. Bin also die Einzige ohne Handverlängerung. Aber Trey hat sich erbarmt und mir sein Tablet geliehen und es war wirklich toll. Es funktioniert. Mein Loch im Boden wurde zwar nicht korrekt erkannt, aber das kleine Sandhäufchen als Blattschneiderameise. Der Fuß einer Teilnehmerin richtig als Homo Sapiens. Ich bin begeistert, aber brauche Internet in der Wildnis.

Dann ging es Richtung Sanford, wo ich einen Bike Trail recherchieren wollte, der im Sommer gebaut worden war und noch nicht in meinem ansonsten sehr aktuellen Buch enthalten ist. Das hat alles gut geklappt und dann fuhr ich zum Bikeshop in Sanford. Dort hatte ich ja Anfang Dezember gefragt, ob Interesse an meinem Bikebook besteht und man hatte mir sehr zögerlich 3 Exemplare abgekauft. Hatte mich dann nicht so schnell wieder dorthin getraut. Fasste heute allen Mut zusammen und ging rein, den Blick direkt auf die Theke gerichtet. Dort stand nichts von mir. Der Inhaber kam, ein junger Typ mit Dreadlocks, und als ich sagte, wer ich sei, leuchteten seine Augen auf. Ja, alle Bücher sind weg und bitte neue.

Das freut einen doch. Irgendwann stehe ich noch auf der Times-Bestsellerliste. Inzwischen war Mittag vorbei und um 3 Uhr sollte ich Roger Fulton in DeBary treffen, zu einer Biketour. DeBary ist nicht weit von Sanford und erst nach Hause fahren lohnt nicht, also fuhr ich in die nächste Mall. Oh, mein Gott. Da habe ich bisher die Volusia Mall gemocht. Aber die Mall in Sanford ist fünfmal so groß. Auch Hollister war da und ich hatte noch einen Gutschein. Also nichts wie hin und einen sehr molligen Trainingsanzug gekauft für 13 $ nach Gutschein. Solche Preise bekommt man in Deutschland nicht. Ich will ihn gar nicht mehr ausziehen, so gemütlich ist er, aber geht nicht, es ist einfach zu warm. Das ist ja auch so lustig hier. Die Fernsehnachrichten leben von Katastrophen und das Wetter ist natürlich immer gut für so was. Der Florida – Winter ist eher warm, aber ab und zu rollen Kaltfronten durchs Land, die dann immer richtig schön ausgeschlachtet werden und dargestellt, als ginge gleich die Welt unter. Dummerweise ist der Winter dieses Jahr sehr mild und sie haben nicht so richtig was zum Ausschlachten, also wird die augenblickliche „Kaltfront“ so richtig durchgehechelt. Nur ist sie sehr, sehr warm. Waren es letzte Woche noch 84 °F, also etwa 28 °C, so sind es jetzt nur 74, also eisig (23 °C). Und ganz einfach zu warm für mein molliges Teil.

DeBary Hall

Ich war recht früh an der DeBary Hall. Das ist das ehemalige Wohnhaus des Stadtgründers, ein wunderschönes Südstaatenhaus, heute Community Zentrum und auch offen zur Besichtigung. Roger Fulton hatte dorthin zu einer Tour eingeladen. Mit diesem Mann habe ich ja erstaunlich viel gemeinsam. Zunächst einmal ist er genauso alt wie ich, aber dann ist er ebenfalls Buchautor. Er schreibt Bücher über Kayking, Biking und Hiking. So richtig Konkurrenten sind wir aber nicht, weil er kein aktuelles Bikebook hat. Ich habe ihn schon vor etwa 3 Jahren kennengelernt und auf den ersten Blick nicht gemocht. Er ist ziemlich dominierend, war in seinem früheren Leben ja auch Polizeioffizier im Staate New York, ist aber schon lange retired. Wenn er eine Wanderung führt gibt es ganz klare Regeln. Keiner geht vor ihm und keiner nach dem Schlussmann usw. Er ist nicht so lässig wie Trey. Und natürlich ist er allen anderen überlegen und mich nahm er schon gar nicht ernst.

Aber dann schloss ich mich einer seiner privaten Biketouren an und lernte ihn von einer ganz anderen Seite kennen. Er kann total nett sein und nimmt mich inzwischen sogar als Kollegin wahr. Okay, vielleicht ein paar Stüfchen unter ihm, aber immerhin. Und was mir besonders gefällt, nach seinen Touren gibt es immer ein wenig Socializing. Beim ersten Mal hatten wir ja eine Weihnachtstour in der Nähe seines Hauses gemacht und anschließend lud er uns zum Eggnogg, ein gwürztrer Eierpunsch, typisch hier für die Weihnachtszeit. Wenn wir draußen unterwegs sind hat er eine kleine Kühltasche mit Bier und Wein und ermuntert auch die anderen etwas mitzubringen. Mach ich sicher das nächstemal, diesmal ging es ja nicht, da ich schon so früh das Haus verlassen musste. Aber diese kleinen Zusammensein, wo man die anderen Teilnehmer auch etwas besser kennenlernt, sind einfach schön. Und ich kam richtig zufrieden und erfüllt nach Hause.

Und was werde ich das alles in Taunusstein vermissen!

St. Augustin to Palatka State Trail

Die Feiertage sind vorbei, die Familie weg, da kann ich mich wieder den Biketrails widmen. Die Jahre über, in denen ich den Winter in Florida verbringe, habe ich ja immer andere Vorlieben gehabt. Am Anfang war der Beach, dann habe ich die Naturparks erkundet, danach die Vögel bestimmt, und nun sind halt die Biketrails dran. Mein Bikeführer kommt hier ganz gut an, ist es doch der einzig aktuelle über die Region, den es gibt. Aber natürlich möchte ich auch den erweitern und so fuhr ich also gestern nach Palatka in Nordflorida, um einen weiteren Trail zu erkunden.

Die Region um Palatka war in früheren Zeiten eine wichtige Station in Florida, zu Zeiten, als es noch die Eisenbahn gab. Das Hinterland von St. Augustin diente vor allem als Garten, in dem Gemüse für die Küstenregion gezogen wurde. Es gab den sogenannten “potato belt” mit den Orten Armstrong, Hastings, Elkton and Spuds. Das sind heute eher sterbende Gemeinden, aber Palatka am breiten St. Johns River hat seine Wichtigkeit behalten, wenn auch die Eisenbahn längst eingestellt wurde. Und genau auf diesem alten Eisenbahndamm wurde der schöne Biketrail installiert.

Obwohl der Name impliziert, dass der Beginn in St. Augustin ist, diese schöne, älteste Stadt in Florida, ist doch tatsächlich der Start sehr viel weiter westlich in Vermont Heights. In dieser Gegend sind vor allem mehrere Zementwerke und möglicherweise waren diese Firmen an die Bahn angeschlossen, obwohl ich glaube, dass der Zementtransport doch weitgehend über die Straße geht. Aber tatsächlich hat man die Bahngeleise bis zu den Werken stehen lassen, erst danach wurden sie entfernt und auf dem Damm ein geteerter Weg angelegt, durch die freie Natur. Für Wanderer und Fahrradfahrer. Zu Beginn gibt es Parkmöglichkeiten. Da der ganze Trail 31 km lang ist und ich die nicht hin und zurück fahren möchte/kann, fahre ich jeweils zu den Trailheads mit Parkplatz und erkunde den Pfad von daher vor und zurück. Außerdem verläuft er auch für einige Zeit entlang der Straße, so dass ich das nicht selbst fahren muss. Wie wünschte ich mir hier einen freundlichen Helfer, der mich am Beginn absetzt und am Ende wieder abholt, dann könnte ich alles ohne Probleme fahren.

Dieser spezielle Trail geht also weitgehend durch freie Natur und berührt doch einige interessante Orte, die wie so oft in Florida kaum zu erkennen sind, da ziemlich weitläufig. Zunächst komme ich nach Armstrong. Hier waren in der frühen Siedlerzeit Kartoffel- und Gemüsefelder, aber vor allem wurde hier auch die Eisenbahn gebaut und es entstanden einige Camps, in den denen die Eisenbahnbauarbeiter mit ihren Familien lebten. 1912 dann wurden 40 Grundstücke an afro-amerikanische Familien vergeben und Armstrong ist daher eine der ersten afro-amerikanischen Siedlungen in Florida. Ich kam kurz vorher an eine Stelle, wo der Trail nicht mehr entlang der Straße geht, ich also parken musste, um auf dem Rad weiterzuforschen, aber es gab kein Trailhead mit Parkplatz. So ganz einfach will ich mein Auto aber auch nicht in die freie Natur stellen. An einem Haus saß ein Mann in seiner Hollywoodschaukel, ein Schwarzer. Ich fragte ihn, ob ich den Wagen mal für eine Stunde im Wald abstellen könnte, aber er zeigte mir sehr freundlich den Platz neben seinem Auto und ich konnte beruhigt weiterfahren. Also auch heute ist die Gegend noch immer afro-amerikanisch, was ja nicht so häufig in Nordflorida ist.

Armstrong selbst war zwar winzig, es hat etwa 300 – 400 Einwohner, aber doch recht ordentlich und freundlich mit Post und Kirche. Erst mit dem Biketrail wurde es an die Öffentlichkeit angeschlossen, vorher rauschte alles auf der etwas entfernten Straße 207 vorbei. Ganz anders erging es mir aber in Hastings. Wenn es auch fast schon wie eine kleine Stadt wirkt, hatte es dennoch selten mehr als die heutigen 600 Einwohner, war aber trotzdem ein wichtiger Ort, wovon das stolze Gebäude der Hastings Potato Grower Association zeugt. Aber die übrigen Häuser sind überwiegend in einem traurigen Zustand, teils in Ruinen und schon um die Mittagszeit kam mir ein Betrunkener lallend entgegen. Kein Ort, um sich aufzuhalten. Danach ging der Biketrail erst einmal entlang der Straße 207, zwar getrennt vom Fahrweg, aber ohne Schatten. Und ohne Probleme kam ich zum offiziellen Ende des Trails in East Palatka. Diese Stadt liegt am breiten St. Johns River, in früherer Zeit eine wichtige Schifffahrtsstraße, auf dem Dampfschiffe liefen. Die eigentliche Stadt mit dem historischen Distrikt liegt auf der westlichen Seite und es war schön zu sehen, dass der Trail am offiziellen Ende nicht wirklich endet, sondern tatsächlich über die große Brücke in das eigentliche Palatka führt. Übrigens fand ich in East Palatka nicht sofort den Trailhead und hielt ganz kurz am Straßenrand, ein Streifenwagen kam vorbei und fragte sofort, ob ich Probleme habe, gab mir sehr freundlich Auskunft.

Wer in Palatka ist sollte unbedingt den Ravine Gardens State Park besuchen, vor allem, wenn man wie ich zu Beginn des Jahres dort ist. Auf dem Weg dorthin kann man noch die schönen alten Häuser am Fluss bewundern. Wer das flache Florida gewöhnt ist wird erstaunt sein, dass es hier eine relativ tiefe Schlucht gibt, Ravine in Englisch, an deren Hängen die wilden Azaleen wachsen und in deren Tal frische Quellen sprudeln. Zu Anfang gibt es einen formal angelegten Garten, aber von dort geht ein Fußweg aus roten Backsteinen, typisch für Palatka, durch den Park, auf dem man die Azaleen bewundern kann, die von Januar bis März blühen, die Schlucht auf abenteuerlichen Holzbrücken überqueren und zu den Quellen kommt. Für Radfahrer gibt es einen 3 km langen geteerten Trail um die Schlucht herum mit herrlichen Ausblicken und Picknicktischen.

Das Fazit dieser Tour: Unbedingt empfehlenswert. Der Ausflug führt in ein ganz anderes Florida als das touristisch aufgemotzte, der Abschluss mit dem Ravine Gardens State Park ist toll und der Biketrail ist durchgehend.

Weihnachtsbesuch in Florida

Nun ist wieder Ruhe eingekehrt. Und ich vermisse sie schon. In diesem Jahr hatte mich meine Familie über Weihnachten in Florida besucht und es war wunderschön. Zu Silvester hatten wir am Abend zunächst eine Dinnershow besucht, das Polynesian Fire Luau im Hawaiian Inn in Daytona Beach. Es war wirklich ein Erlebnis. Danach ging es in die Mainstreet, wo am Silvesterabend immer zahlreiche richtig gute Band spielen und zum Abschluss gab es Feuerwerk am Strand.

Ein weiteres Highlight war für meinen Sohn Brian die Fahrradtour von Sanford nach Orlando und zurück. Eigentlich habe ich ja nur für ihn mein Bikebook über die Bike Trails in Central Florida geschrieben:

https://shop.edith-kohlbach.de/epages/0fe3ac9e-c832-4c40-930f-078d3bf05905.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/0fe3ac9e-c832-4c40-930f-078d3bf05905/Products/1041

Als Geburtstaggeschenk hatte ich ihm diese Rundfahrt ausgearbeitet mit einer Übernachtung in einem wirklich herrschaftlichen Hotel in Orlando, mitten im Zentrum und im Ausgehbereich, so dass er abends Barhopping machen konnte. Na, über Whatapp konnte ich genau sehen, wann er wieder online war und damit im Bett, es war sehr zeitig.