29.12. Und erstens kommt es anders …

Hatte ich nicht schon vorher gesagt, dass ich keine Pläne machen soll? Es kommt ja doch immer anders. Heute wollte ich eine sehr interessante neue Route ausprobieren, auch für mein Buch. Von Taza direkt runter nach Midelt über die R 507. Ich hatte mit Youssef vom Camping Timnay telefoniert, er hat mir zugestimmt, die Strecke zu fahren. Sie ist ja auch wirklich schön. Von Taza aus geht es zunächst in Richtung Ras el Ma und dem Djebel Tazzeka, dann zweigt die R 507 links ab. Eine schmale kurvige Teerstrasse, meist gut, hin und wieder von Regengüssen ein wenig beschädigt. Der Himmel war sonnig und klar, von den dunklen Wolken, die am Abend zuvor über Taza hingen, keine Spur mehr. Man sah aber, dass es hier am Tag zuvor doch heftig geregnet haben musste. Das erste Stück war wenigstens noch hin und wieder belebt, aber nach Merhaoua in einem fruchtbaren Tal wurde es ganz einsam. Auf dem Wegweiser war von einem Ort namens Bouyblane die Rede, in der Karte ist nur ein Bergzug dieses Namens eingetragen. Vorher ging es aber noch durch einen ausgedehnten Zedernwald, ein schöner Anblick, denn diese Wälder wurden so viele Jahre lang abgeholzt. Und dann die Straße voller Schafe, ein netter Anblick und ich wurde so richtig froh gelaunt.
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Mir fiel aber auf, dass nach Merhaoua kein einziges Auto entgegen kam. Irgendwie ahnte ich da schon böses. Aber es war weit und breit niemand zum Fragen da. Kaum Bewohner, sehr einssam, und wenn mal ein Hirte am Straßenrand stand so konnte er kein Französisch.
Von den Kilometern her musste ich nun in Bouyblane angekommen sein, auf 2.000 m Höhe. Aber es ist kein richtiger Ort, in der Ferne sehe ich eine Häusergruppe, die fast wie ein Sommercamp aussieht. Sonst nichts. Doch, eins gab es. Schnee! Zunächst nur auf den Hängen, dann aber auch auf der Straße. Man sah, dass es noch vor kurzem wohl auch Glatteis gab, inzwischen von der Sonne geschmolzen. Die nächste mir bekannte Ortschaft sollte Immouzzer Marmoucha sein, in der Karte verzeichnet. Ich schätze mindestens 60 km. Und der Straßenverlauf ist mir völlig unbekannt. Gibt es wohl noch Steigungen? Mehr Schnee. Als ich in der Ferne eine komplett weiße Straße sah, kehrte ich um, 110 km wieder zurück. Wäre ich weiter gefahren und hätte später ein Problem bekommen hätte der Diesel nicht mehr gereicht, es war also die einzige Lösung. Schöner Mist! 220 km für die Katz, Nacken und Rücken tun weh und kein schönes Zimmer und leckeres Abendessen in Timnay.
Damit ich endlich mal wieder spüren kann wie sich schnelles, hindernisfreies Fahren anfühlt, nehme ich nach Fes die Autobahn. Herrlich, Tempomat einschalten und eifach los, es gibt so gut wie keinen Verkehr.Ich halte es für besser, in Azrou Station zu machen, denn es ist schon Nachmittag. Sobald ich auf der Straße nach Ifrane bin sehe ich nur noch Stau. Oder zumindest dichter Schneckenverkehr. Auch in Marokko gibt es Wochenendausflügler, die mal schnell nach Ifrane zum Wintersport fahren. Außerdem haben gerade die Winterferien angefangen. Und Schnee ist in Ifrane. Als ich endlich in Azrou beim Kirschen-Hassan ankomme habe ich 9 Stunden am Steuer gesessen, ohne Stopp und ohne Essen, hatte noch nicht mal gefrühstückt. Und bin völlig fertig.
Auch bei Hassan liegt ein wenig Schnee, es ist knapp über 0 Grad. Ich spreche mit Idoumou in Mauretanien, dort ist es richtig warm. Ach, wie gern wäre ich jetzt dort!

Später
Hatte eben einen wunderschönen Abend mit Hassan. Da bei der Kälte kaum Gäste da sind ließ er uns beiden ein leckeres Hühnchen-Tajine kochen und wir tranken eine Flasche Wein dazu. Sehr gemütlich. Bisher war ich immer nur auf der Durchreise und ganz geschäftlich hier, aber so sprach man mal eher persönlich. Bin also doch noch ein wenig für den anstrengenden Tag entschädigt worden. Und die Katzen hier sind ja so süß. Ganz anhänglich. Kaum hatte ich die Autotür aufgemacht sprangen sie rein und wollten alles inspizieren. Und natürlich bekamen sie die Reste vom Tajine.
Ich habe auch schon einen neuen Plan für morgen, aber ich spreche nicht darüber. Bringt ja offensichtlich Unglück.

Nachtrag vom Morgen nach dem Höllentag:
Ich habe die Route aufgeschrieben und in google nachvollzogen. 5 km lagen vor mir, nur noch 5 km bis zu einer sicheren Kreuzung und niedriger Höhe. Aber die Info konnte ich auf der Strecke nicht bekommen! Weder Internet noch Mobilfunk noch Bewohner. Ich weiß nur eins, ich versuche es irgendwann noch einmal, denn die Route war schön und sie muss mit genauer Beschreibung in mein Buch. Damit es anderen nicht so geht wie mir.

Nachtrag zum Nachtrag vom 12.4.2014

Auf meiner Rückreise war eiun ganz wichtiges Ziel, diese Strecke noch einmal vom anderen Ende zu fahren. Und das tat ich heute. Die Einschätzung nur noch 5 km bis zur Sicherheit war absolut falsch und die Entscheidung zurück zu fahren, absolut richtig! Es folgte ein ziemlich steiler und schmaler Pass, das wäre gefährlich geworden.