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Reisebericht

Das Ende ist ein neuer Anfang

Seit Wochen jammere ich herum, dass ich nicht heim will. Und nun sind es nur noch wenige Tage bis zum Rückflug und ich würde am liebsten schon morgen fliegen. Komisch wie sich die Gedanken so ändern können. Es liegt natürlich teils auch an dem schlechten Wetter, das wir dieses Jahr hatten. Aber irgendwie ist es auch genug. Ich freue mich nicht auf mein tristes Taunusstein, aber auf den schönen Rückflug, wo ich wieder Champagner schlürfen kann, und auf das Faschingsfrühstück mit meiner Familie. Ist doch schön, sie alle wieder zu sehen. Und dann wird gepackt, ausgepackt, umgepackt, eingepackt, und dann geht es Richtung Marokko.

Lange habe ich ja hin und her überlegt, wie genau ich diesmal reise. Meine Mauretanien-Freunde wollen unbedingt, dass ich komme, um meinen Reiseführer zu aktualisieren. Ganz, ganz langsam normalisiert sich das Leben in dem Land nach den verheerenden Anschlägen im Jahr 2007, nach denen die Touristen wegblieben. Sehr zögernd kommen die ersten wieder. Und natürlich sind die alten Angaben bezüglich Unterkünften völlig überholt. Es kamen ja keine Touristen. Also hat man entweder zu gemacht, die oft ausländischen Besitzer sind abgereist, oder man hat das Anwesen einfach verkommen lassen, es war ja weder Geld noch Nachfrage da. Natürlich gibt es dann auch manchmal stille Vorwürfe, warum denn mein Reiseführer so überholt ist. Aber da muss ich um Verständnis bitten. Ich kann von diesem Buch nur sehr geringe Auflagen drucken, und selbst die tragen sich nicht, die Kosten für den Druck usw. kommen absolut nicht rein. Und von den Kosten für die Reise, die in einem schwierigen Land wie Mauretanien wesentlich höher sind als in Marokko, schon gar nicht. Ich tue das nicht aus geschäftlichen Gründen, es ist ein Zusatzgeschäft, sondern ganz allein für meine Freunde, die wirklich darauf angewiesen sind, dass Touristen kommen. Das kann sich natürlich nur so ein nicht-kommerzieller Verlag wie meiner leisten, ein Dumont etc. würde die Kosten nicht investieren.

Mit meinem Auto werde ich vermutlich nicht über die Grenze fahren, es ist nicht nur sehr langwierig, sondern auch unversichert. Europäische Versicherungen gelten nicht in Mauretanien und die Unfallgefahr dort ist ziemlich hoch. Ich werde fliegen. Aber wann genau, und ob mal kurz von Marokko aus oder später im Jahr von Deutschland aus das weiß ich noch nicht. Dazu kommt, dass mein Kontaktmann Idoumou, der mich bei der Recherche unterstützt, jetzt im Frühling doch viele Kunden hat, die mit ihm reisen wollen. Vermutlich werde ich doch wieder im Sommer hinfliegen, zu der gleichen Zeit wie bei meinem ersten Besuch 2007. Ich weiß noch genau, wie heiß es damals war, aber ich liebe ja die Hitze.

Nun hoffe ich, dass der harte Winter, der diesmal wirklich überall herrschte, langsam vorbei ist und ich auf der langen Autofahrt durch Frankreich und Spanien einigermaßen akzeptables Wetter habe.

Visum für die USA

Ein Deutscher, der seinen Urlaub in USA verbringen will, muss zuvor kein Visum beantragen, weil eine solche Urlaubsreise ja nicht länger als drei Monate dauert. Wer aber vorhat, länger im Land zu bleiben, weil er zum Beispiel in Rente ist und ein Haus in Florida oder sonstwo, wo es schön warm ist, besitzt, der muss zunächst ein Visum beantragen, damit kann er bis zu sechs Monate im Land bleiben. Dann muss er aber wieder heim. Es handelt sich um ein „B2 Nonimmigrant visa“

Ein solches Visum muss zunächst online beantragt werden auf folgender Seite:

https://ceac.state.gov/genniv/

Für den folgenden Prozess sollte man sich 2 Stunden Zeit an einem ruhigen Platz nehmen.

Günstig ist es, einen relativ neuen Pass zu haben, denn das Visum gilt 10 Jahre. Außerdem benötigt man ein digitales Passbild, das den biometrischen Anforderungen entspricht. Ich hatte nur ein Papierpassfoto, das habe ich abfotografiert, dann muss man es auf der Webseite noch bearbeiten und erhält ein „cropped photo“.

Zunächst bestimmt man, an welcher Stelle man zum Interview erscheinen will, möglich sind Berlin, Frankfurt und München. Dann folgt man Schritt auf Schritt den Anweisungen, muss endlos viele Fragen beantworten (Planen Sie einen Terrorangriff auf die USA?) und erhält am Ende die Aufforderung, eine Gebühr von 150 $ bzw. 144 Euro zu bezahlen. Das sollte man mit Kreditkarte tun, denn nur so bekommt man eine Bestätigungsnummer. Es geht zwar auch mit Banküberweisung, aber das dauert ein paar Tage, bis die Zahlung bestätigt ist. Die Bestätigung hat einen Barcode, den braucht man bei der Vorsprache.

Mit der Zahlungsbestätigung klickt man sodann auf „Schedule My Appointment“. Es wird einem der nächste freie Termin angezeigt (bei mir nach 14 Tagen) und wieder eine Bestätigung mit Barcode erzeugt, die man ebenfalls mitnehmen muss.

Interview

Mein Interview war für 8:15 Uhr angesetzt. In den Unterlagen steht, dass man nicht früher als 30 Minuten vorher da sein soll und wichtig ist es auch, alle elektronischen Geräte im Fahrzeug zu lassen. Mit Handy und dergleichen kommt man nicht rein und es gibt auch keine Lagermöglichkeit.

Leider hatte ich den Berufsverkehr in Frankfurt völlig falsch eingeschätzt und zudem schickte mich mein Navi auf einen riesigen Umweg um Frankfurt herum. Ich hatte Stress pur, war viel zu spät, aber beschloss, es trotzdem zu versuchen, weil ich immerhin mir das Gebäude mal ansehen wollte. Mit all den Vorschriften war mir eigentlich klar, dass man absolute Pünktlichkeit erwartet. Ich stellte mir vor, dass ich in ein Büro gerufen werde, wie beim Zahnarzt so alle 15 Minuten kommt ein Antragsteller und dann fragt man mich aus.

Es war ganz anders.

Um den großen Komplex, wo das Generalkonsulat angesiedelt ist, sind zwar viele Parkplätze. Aber alle besetzt. Ich bin schon 10 Minuten zu spät. Ich fahre ums Karree und finde nur das Ibis-Hotel, auf dessen Parkplatz ich zwar nicht darf, aber ich tus trotzdem. Hetze wie verrückt zurück zum Tor, der Wachmann empfängt mich sehr freundlich und sagt, ich solle doch erstmal verschnaufen und ich könnte meinen Termin noch wahrnehmen.

Das hätte ich echt nicht erwartet. Der Mann war sehr freundlich. Und es standen auch ziemlich viele Leute in der Warteschlange. Also von wegen, so alle 10 Minuten ein Antragsteller. Aber alles lief sehr geordnet und zügig ab.

Zunächst stellt man sich in die Schlange vor einem Fenster, dort zeigt man seine beiden Formulare und den Pass und erhält eine Nummer. Dann wieder zum Wachmann, dort kommt alles, was bei der Schleuse piepsen kann, in einen Plastikbeutel und rein geht’s.

Aber wie gesagt, keine Messer, elektronischen Geräte usw. Eine Frau hatte ein Handy und kein Fahrzeug zur Ablage, sie wurde in ein Blumengeschäft etwa 100 Meter entfernt geschickt, dort hat man ein Abkommen, dass die Sachen dort deponiert werden können.

Nach Eintritt ins Haus und Passieren der Schleuse kam ich in einen großen Raum mit vielen Schaltern. Dort am ersten Schalter wieder alle Papiere vorzeigen und 10 Finger-Abdrücke machen. Weiter zum nächsten Schalter, dort noch einmal Fingerabdruck-Kontrolle. Weiter zur dritten Schlange mit Schalter, dort fand dann das sogenannte Interview statt. Warum will ich in die USA? Habe ein Haus, bin in Rente und möchte den Winter dort verbringen. Your visa is approved, heißt es sofort und der Pass käme in einer Woche per Post.

Bei den anderen Antragstellern, die wesentlich jünger waren, ging es nicht so schnell. Vor allem ein Mann um die 45, der etwa ein Kilo Papiere mit sich führte, sprach so lange heftig am Schalter, dass ich den Ausgang des Interviews nicht mehr mitbekam. Es schien mir schon so, dass wir Hausbesitzer in Rente doch sehr gern gesehene Devisenbringer sind, immerhin unterstütze ich die lokale Handwerkerschaft ja auch regelmäßig.

Alles in allem hat es eine Stunde gedauert und mein Auto auf dem Hotelparkplatz war auch noch da.

Wie in der Anweisung zu lesen hatte ich alles außer meinen Papieren im Auto gelassen. Auch mein Geld. Das habe ich aber bereut, denn es gibt eine kleine Kaffeeecke, wo man auch schöne Muffins bekommt. Schade.

Brazilian Pepper

Wer in Florida lebt und sich für die Natur interessiert hat ganz bestimmt schon von Brazilian Pepper gehört. Der Brasilianische Pfefferbaum (Schinus terebinthifolia) wird auch Weihnachtsbeere genannt, weil er im Dezember leuchtende rote Beeren hat. Obwohl der Baum nicht wirklich zu der Familie der Pfeffergewächse gehört schmecken die Beeren pfefferartig und werden auch in buntem Gewürzpfeffer als rosa Pfefferkörner genutzt.

Dieser nicht in Florida heimische Baum wurde einst als Schmuck in Gärten gepflanzt und hat sich sehr stark ausgebreitet. Er überwuchert natürliche Biotope, vertreibt die heimischen Bäume, vor allem die Mangroven, die der Erosion vorbeugen, und sie werden von Naturschützern stark bekämpft. Nur lassen sie sich nicht so leicht vertreiben, die Wurzeln sind extrem haltbar. Die beste Methode ist, den Stamm im Frühjahr dicht über dem Boden abzusägen und den Stumpf mit Glyphosat zu bearbeiten.

Zwar wurde bei den geführten Rundgängen oft gefragt, was man mit den Beeren anfangen kann, aber niemand hatte so recht eine Idee. Doch fand ich nun in Doreens Blog ein Rezept, in dem sie die Körner, die sie in Marokko gefunden hat, verarbeitet. Klar, dass ich dieses Rezept sofort nachmachen musste. Hier nun eine Schale der in Olivenöl, Lorbeerblättern und rosa Pfefferkörnern eingelegten Käsewürfel. Leider muss ich sie nun eine Woche ziehen lassen, bevor ich probieren kann.

Zur Erklärung, Doreen, die ich aus Marokko kenne, reist um die Welt in einem blauen Kastenwagen, manchmal in einem Segelboot, und hat ein Kochbuch geschrieben darüber, was sie alles so auf engstem Raum kocht.

Hier geht es zum Rezept:

Käse eingelegt in Öl und rosa Pfeffer

Die Ruhe vor der Kälte

Weiterhin Entwarnung. Die Farbe wird immer heller. Aber es war doch erschreckend für mich, zu erfahren, wie ein solcher Verdacht sich auf die Stimmung auswirkt. Ich war wirklich völlig am Ende und habe mich gleichzeitig richtig krank, alleine und schwach gefühlt. Musste sogar eine Wanderung mit meiner Gruppe früher beenden, weil es mir einfach nicht gut ging. Nun weiß ich zwar immer noch nicht, woher die schwarze Farbe kommt, es können ja tatsächlich Blutungen gewesen sein und ich werde weiter beobachten, aber ich bin nicht mehr so alarmiert und fühle mich wieder fit.

Das ist auch gut so, denn das Wochenende wird voller Aktivitäten sein. Leider wird es auch das erste richtige Florida-Winter-Wochenende sein mit Temperaturen nachts bis fast zum Gefrierpunkt und am Sonntag nur 13 Grad. Das ist schon eisig in Florida und ich muss meine neu gepflanzten Bäumchen schützen. Morgen dann wird es wieder die Toy Parade auf dem Airport geben und ich werde berichten.

Gestern war ich kurz shoppen im nahe gelegenen Thrift Store. Zwei Frauen unterhielten sich, in Deutsch, und da musste ich mich sofort beteiligen. Stellte sich heraus, dass Monika, ein wenig jünger als ich, schon 25 Jahre gerade bei mir um die Ecke wohnt. Unglaublich. Sie ist auch allein und versprach, sich zu melden. Bisher waren ja alle Versprechen dieser Art ins Leere gelaufen, mal sehen, was diesmal heraus kommt.

Todesangst

Meine Einträge hier sind ja eher humoristisch aus dem Leben, aber nie ernst. Heute ist dies anders. Ich bin eben durch eine Erfahrung gegangen, die ich nicht unbedingt noch einmal erleben möchte. Und es ist auch etwas unappetitlich, aber es muss sein, denn wem sonst soll ich es berichten.

Am 5.12. war mein siebzigster, also ein Tag, an dem man sich daran gewöhnen muss, dass so einige Gebrechen kommen. Und ich habe auch welche, ich sage nur Rücken. Am Geburtstag habe ich einen schönen Ausflug mit Bob gemacht, und in den vielen Stunden, die wir im Auto saßen, haben wir auch viel geredet. Bob ist nur wenige Monate jünger als ich, die 7 ist also noch nicht ganz erreicht, aber auch er erzählte, wie so etliche kleine Gebrechen langsam zum Vorschein kommen. Ich dachte zwar an meinen Rücken, hatte aber nicht so recht was zum Beitragen.

Das änderte sich am nächsten Morgen. Nun wird’s also unappetitlich, wer nicht mag, liest nicht weiter. Auf meiner morgendlichen WC-Sitzung stellte ich fest, dass mein Stuhlgang schwarz war. Richtig schwarz. Schon seit zwei Tagen. Das war noch niemals vorgekommen und so konsultierte ich Dr. Google. Die Antworten waren alarmierend. Blutungen im oberen Darmbereich, Krebsverdacht, sofortiger Arztbesuch!

Aber wie soll ich das hier machen. Ich bin in Florida, und das noch 2 Monate. Ein früherer Rückflug wäre teuer und sehr, sehr unbeliebt. Ich fühle mich hier wohl, zuhause. Ich will nicht weg. Und ein Arztbesuch hier ist unglaublich teuer. Ich habe alle Möglichkeiten durchgedacht, kam zu keinem Ergebnis. Was ich aber sofort tat, war, aus dem Internet ein Formular hochzuladen und auszufüllen, My last will and testament. Wenn ich eines Tages sterbe und immer noch dieses Haus hier in Florida besitze, ist es sehr schwer für meinen Sohn, dies für sich zu reklamieren ohne Testament. Und den Staat Florida will ich nicht unbedingt bedenken. Das Formular habe ich also auf meinem neuen Drucker ausgedruckt, es muss aber noch beglaubigt werden. Als ich abends nach Hause kam fand ich eine Einladung von Freund Jerry, er arbeitet in einem Bürogemeinschaftsgebäude und ich werde jährlich dort zur Weihnachtsfeier eingeladen. In dem Gebäude ist auch ein Anwalt, der z.B. meine Hauspapiere bearbeitet hat. Das ist die Gelegenheit, dieses Testament rechtsgültig zu machen. Denn die viele Arbeit und Liebe, die ich in dieses kleine Heim hier stecke, darf nicht umsonst sein.

Die Nacht, die folgte, war nicht unbedingt angenehm. Ich schlafe meistens schlecht. Kann einschlafen, wache aber oft nachts auf. Und kann nur wieder einschlafen, wenn wirklich alles in Ordnung ist. Das war es aber nicht. Dieses Todesurteil Darmkrebs schwebte immer noch über mir. Was soll ich tun? Aber jeder, den ich eventuell fragen würde, inklusive ein Anruf bei meinem Hausarzt, würde natürlich raten, sofort zurück zu fliegen. Aber ich will nicht!!!!

Es war klar, dass ich heute Nacht um 3 Uhr, als ich aufwachte, nicht mehr einschlafen konnte. Ja, ich hatte Todesangst. Dachte daran, wie viel ich in meinem Leben noch vorhabe. Es darf einfach noch nicht zu Ende sein. Um sechs Uhr stand ich dann auf, machte Frühstück, und als ich dann zur Toilette musste, extrahierte ich eine Portion auf einen kleinen Pappteller, studierte die Probe genau, und fand, dass sie heller ist. Dunkelbraun. Nicht schwarz.

Erstmal Entwarnung. Sicher noch nicht alles gut, aber erst mal Erleichterung. Bis zum nächstenmal.

Marokko-Neid

In facebook gibt es eine Gruppe „Überwintern in Marokko“. Sie hatte schnell viele Mitglieder, da genau das auch viele Leute tun. Ich wurde vom Admin hinzugefügt, es geschah nicht aus eigenem Antrieb, bin ich ja auch nicht die typische Überwinterin. Mein Winterdomizil ist das milde Florida, die vielen Wochen, die ich in Marokko verbringe, dienen der Recherche und ich fahre viel im Land herum. Inzwischen nutzen an die 90 % der deutschsprachigen Überwinterer zumindest eines meiner Bücher, was ich aus den vielen Gesprächen mit den Campern weiß, die ich auf meinen Touren über die Campingplätze anspreche.

Schreiben tue ich in der Gruppe eigentlich nicht, ich lese auch nur hin und wieder darin, denn einerseits sind es nicht unbedingt meine Probleme, die dort gefragt werden, andererseits werden die Fragen zu Strecken oder Campingplätzen in meinen Büchern ausführlich beantwortet. Aber es gibt Mitglieder, die meine Bücher schätzen und immer wieder mal darauf hinweisen. Selbst auf die praktischen, kostenlosen Guidewriter-Apps. Und das wird dann sofort gelöscht. Ich würde verstehen, wenn frau es nicht akzeptiert, dass ich in ihrer Gruppe selbst Werbung für meine Bücher mache, aber wenn andere darauf hinweisen, da sie selbst damit gut fahren, dann finde ich es doch ziemlich unverschämt, diese Kommentare zu löschen. Warum dieser Neid, wenn wir uns doch in keiner Weise Konkurrenz machen?

 

Meine Wahl 2017

Die Wahl ist gelaufen, die Ergebnisse liegen vor. Das hohe Ergebnis für die AfD war zu erwarten und schockt mich daher nicht, wenn es mir auch Angst macht. Aber noch schlimmer finde ich, dass in meinem Taunusstein das Ergebnis für diese Partei noch deutlich über dem Bundesergebnis liegt, 13,9 zu 12,6 % und 11,9 % in ganz Hessen. Taunusstein also eine AfD-Hochburg?

Es gab schon früher extreme Parteien im Bundestag, aber noch nie hat es ein Anhänger einer rechtsextremen Partei in mein persönliches Umfeld geschafft. Ein Skinhead mit Springerstiefeln und Hakenkreuz auf dem Arm eingeritzt, nein, so was kenne ich nicht. Aber diesmal ist es ganz anders. Ich habe etliche Bekannte, die ich teils schon Jahrzehnte kenne und schätze, und sie sind bekennende AfD-Anhänger. Das erschreckt mich wirklich und ich verstehe sie nicht. Auch ich sehe große Fehler bei der bisherigen Regierung, habe Merkel noch nie gewählt, obwohl es ganz sicher viel schlechtere Kanzler gegeben hat. Was in Griechenland gelaufen ist fand ich nicht gut, wie unser persönliches Vermögen daraufhin vernichtet wurde, hat mich sehr geschmerzt. Aber am meisten tangiert die Menschen und mich die Flüchtlingspolitik. Ich fand es nicht gut, dass die Tore bedingungslos und weit geöffnet wurden und habe auch das bereits in meinem Blog 2015 geschrieben:

„Meiner Meinung nach gibt es nur einen einzigen Weg: Es muss ein einheitlicher Topf gebildet werden, aus dem alle Kosten bezahlt werden. Zunächst Registrierungsheime an den Außengrenzen, dort werden wirklich alle Hereinkommenden erfasst und einheitlich abgespeichert. Die Unterkunft und Versorgung der Flüchtlinge wird nicht von den Erstländern bezahlt, sondern aus dem gemeinsamen Topf, in den alle Staaten gemessen an ihrer Wirtschaftskraft zahlen.“

http://taunussteinblog.apps-1and1.net/wundert-froehlich-20724870

Ich reise viel, aber wohin ich auch reise, ich brauche ordentliche Papiere. Ohne die lässt mich kein Land herein. Ich habe Verständnis, dass es Menschen auf der Flucht gibt, die einfach nur weg von den Bomben wollen. Aber auch bereits in der Türkei und auf der langen Balkanroute gibt es keine Bomben mehr, doch die Menschen wollten ganz gezielt nach Deutschland. Weil es hier am meisten Geld gibt. Und sie wussten, wenn sie ihre Papiere weg werfen, dann ist es für sie leichter zu bleiben. Und als viele in Deutschland angekommen waren dann verschwanden sie spurlos, gingen wohin auch immer. Es gab keine Kontrolle und wir wussten nicht mehr, wer sich denn in unserem Land aufhält. Das war ein riesengroßer Fehler, der sich schon lange gerächt hat. Dass ich viel Verständnis für Flüchtlinge habe kann man in meinem Blog lesen, ich habe lange ehrenamtlich geholfen, bin keine Rechte, bin offen und liberal.

Aber zurück zur AfD. Ich denke, es gibt auch noch andere Möglichkeiten, in einer demokratischen Ordnung und unter Einhaltung des Grundgesetzes zu protestieren. Mein Wunsch war es, die Groko abzulösen. Und hoffentlich ist dies auch geglückt. Ich bin nicht ganz begeistert über den Einzug der Grünen in die Jamaika-Koalition, die haben es bei mir ziemlich verschissen. Ich hätte mir lieber die Linke dazu gewünscht und verstehe nicht, warum Merkel noch nicht mal Verhandlungen mit dieser Partei in Erwägung zieht, die doch immerhin mehr als andere das Wohl des einfachen Menschen im Programm hat. So setze ich also alle Hoffnung auf meinen Held Christian Lindner!

Man gönnt sich ja sonst nichts

Aldo, der Junge aus der Flüchtlingsfamilie, die ich schon lange betreue, hatte Geburtstag. Und als Geschenk lud ich ihn ein, mit mir zur IAA in Frankfurt zu kommen. Früh am Morgen holte ich ihn ab. Von seiner Mutter ließ er sich noch 5 Euro geben, er hat immer Hunger und Angst, nicht genug zu essen zu bekommen. Außerdem gibt er gerne Geld aus, ganz normal für einen 12jährigen, der bisher nicht viel vom Leben hatte und in seiner frühen Kindheit dem Vater half, auf Müllplätzen nach Verwertbarem zu suchen. Wir fuhren nach Frankfurt ins Parkhaus, das Jaguar – Land Rover für seine Kunden gemietet hatte, bekamen dort unsere Tickets und wurden mit einem Shuttle zur Messe gefahren. Unser erstes Ziel war das Freigelände von Jaguar, denn dort dürfen Kids von 11 bis 17 in Begleitung eines Fahrlehrers selbst Slalom durch das Gelände fahren. Ein Riesen-Ereignis für Aldo.  Dafür waren dann auch knapp 2 Stunden in der Warteschlange nicht zu viel. Danach ging es über die Messe, aber Aldo hatte nur einen einzigen Gedanken, wie kann ich die 5 Euro ausgeben. An einem Mövenpickstand wurde er die ersten 2 Euro los, danach legte ich ein Veto ein. Auch Kinder müssen schon lernen, dass Messepreise exorbitant sind und man nicht einfach so schnell seine paar Kröten ausgibt. Aldo war schlechter Laune, in jedem seiner folgenden Sätze kam das Wort kaufen vor. Er hätte doch Hunger. Ich verwies ihn auf Brot und Käse, das ihm seine Mutter mitgegeben hatte, aber irgendwie fand das keine Resonanz. Und in den Messehallen war es inzwischen die Hölle. So unglaublich voll, nur Gedränge, Autos konnte man schon gar nicht sehen. Ich sagte, komm, lass uns zurück zu Jaguar gehen. Er, was sollen wir denn da, wir kennen die Autos doch schon. Hatte ich ihn in Orlen doch hin und wieder mit dem einen oder anderen Neufahrzeug abgeholt, ich sagte, nichts da, wir müssen dort hin. Am Empfang von Jaguar bekamen wir dann unsere Bänder ausgehändigt, auch für Aldo korrekt mit seinem Namen gedruckt, obwohl selbst die Schule seinen Namen oft falsch schreibt. Er war geplättet. In der Lounge dann fanden wir einen bequemen Platz, die Mädels kamen unentwegt vorbei und fragten nach unseren Wünschen und Aldo traute sich kaum noch was zu sagen, er riss die Augen auf und staunte. Und von da an war unser Messeerfolg garantiert. Wir konnten uns so richtig ausruhen, Aldo bekam was in seinen Bauch, ach ja, ich auch, und die Stimmung war gehoben. Und danach waren plötzlich auch die Messestände nicht mehr so voll, einige Leute waren wohl schon nach Hause gegangen und wir blieben tatsächlich bis zum Messeschluss. Berieten immer zwischendurch, sollen wir bleiben oder heimgehen, doch die Messe lockte. Am meisten hat Aldo der Bugatti beeindruckt, ein Auto, das in seinen Augen nur sein Fußballidol Ronaldo sich leisten kann und das er noch nie live gesehen hatte.

Zurück im Parkhaus fragte ich ihn dann, willst du heim oder sollen wir noch mal ins Shoppingcenter, in dem wir parken. Aldo nickte nur. Und war schon wieder geplättet. So viel neues hat er an diesem Tag gesehen, so viele Menschen an einem Ort zusammen, wie er noch nie erlebt hat, so viele wunderschöne Geschäfte unter einem Dach, für einen Jungen aus Orlen ein Wunder, und ein McDonalds, in dem er eine letzten 3 Euro ausgeben konnte.

Langstreckenflüge sind nicht bequem, zumindest nicht in der Holzklasse. Und je älter man wird desto unbequemer wird es. Zumindest für mich. Deshalb habe ich mir dieses Jahr etwas gegönnt, rede mir ein, es ist mein Geschenk zu meinem Siebzigsten, und mir einen Business Flug geleistet. Kostet ein Schweinegeld, aber ich freue mich auch wie ein Schneekönig darauf. Warum sagt man eigentlich Schneekönig?

Und nun muss ich mich ans Packen machen. Der Business Flieger darf zwei Koffer einchecken, und ganz ehrlich, die krieg ich voll! Unter den bereits eingepackten Dingen sind Gummistiefel, Nähnadeln, Kaffee, Eierlöffel und –becher, Marmelade, Trockenhefe, Gelfix, Gartenrechen und eine Flasche Sambucca.

Was ist ein guter Morgen?

Wenn ich erholt aufwache und mich nachts nicht stundenlang herum gewälzt habe, wenn mein erster Blick auf den Email-Eingang zeigt, dass es einige Buchbestellungen zu erledigen gibt und vielleicht sogar eine Reise nach Marokko organisiert werden will. Dann fühle ich mich wohl. Ich könnte kein untätiges Rentnerleben führen, wo es keine Aufgaben mehr gibt, ich nicht gebraucht werde. Und ziellos durch die langweiligen Taunussteiner Wälder zu laufen bringt mir auch nichts mehr. Heute Morgen gibt es sogar eine Email von einem Kunden, der sich dafür bedankt, dass die bestellten Bücher eingetroffen sind und dass er sie toll findet. Eine solche direkte Rückmeldung bekommt man auch nicht alle Tage. Es bringt mir sehr viel Freude, über Marokko zu schreiben und damit Touristen die Reise in dieses Land zu erleichtern. Marokko ist nicht Spanien, man muss so einiges wissen, bevor man sich auf den Weg dorthin macht. Mit dem eigenen Fahrzeug heißt das. Wer eine Woche mit dem Flieger nach Marokko reist braucht keine großen Vorbereitungen, aber dem kann ich dann mit einer interessanten Wüstentour dienen. All das tue ich aus Leidenschaft, weniger um Geld zu verdienen, es kommt bei meinem kleinen Verlag auch wenig heraus, doch ein kleines Zubrot zur Rente kann jeder brauchen.

Und wenn all dies getan ist schaue ich mir über youtube die neuesten Clips aus den Late Night Shows aus USA an. Das deutsche Fernsehen empfinde ich nur noch als langweilig, und jetzt kurz vor der Wahl ist es einfach furchtbar, da ist in Amerika einfach mehr los. Stephen Colbert ist mein absoluter Held, er ist der beste Talkshow Host und vor allem spricht er sehr deutlich, ich kann ihn gut verstehen. Inzwischen kenne ich die relevanten Namen für USA besser als die deutschen und weiß genau, um was es gerade geht. Meist natürlich über den Komiker Trump, der eigentlich einen Emmy verdient hätte. „Mein“ Colbert hat ja den Moderator der diesjährigen Emmy Awards gemacht und dabei den Gag gebracht, dass ex-Pressesprecher Sean Spicer über die Größe des Publikums spekuliert hat, genau wie bei seiner ersten Pressekonferenz, mit der er sich sofort unmöglich gemacht hat. Habe erst vor wenigen Tagen Spicer bei einer Late Night Show gesehen, bei Jimmy Kimmel, und gedacht, ach, er ist eigentlich ganz okay. Es war sein Job, der diese Lügen von ihm verlangt hat. Und den Gag bei Emmy fand ich super gut.

Marokko ist überall

Ein guter Tipp, der auf dem netten Nostalgietreffen mit Thomas kürzlich heraus kam, war das Internet-Netzwerk Xing, das gute geschäftliche Kontakte verspricht. Mich hatte es bisher nie interessiert, denn meine Kunden sind ganz normale Menschen, die einfach nur nach Marokko wollen, ich hatte mir da weiter keine Vorteile versprochen. Doch Thomas‘ Worte erzeugten meine Aufmerksamkeit, zumindest nette Menschen könnte man da kennenlernen.

Naja, wenn ich was will, dann immer sofort, also meldete ich mich nicht nur in Xing an, sondern auch gleich zum ersten Business-Stammtisch. Und der war gestern. Im Oberstübchen einer Gastwirtschaft kamen etwa 20 Leute zusammen. Mein Nachbar zur Linken erwähnte, dass er gerade seine Kreditkarte von N26 verloren hat. N26? Bei dieser Internetbank bin ja auch ich neuer Kunde und hatte erst im letzten Blog darüber geschrieben. Natürlich haben wir dann unsere Erfahrungen ausgetauscht, die absolut positiv waren. Zum Beispiel konnte er über sein Onlinebanking sofort den Kreditrahmen seiner Karte auf 0 setzen, worauf sie keiner mehr einlösen kann, er wollte zunächst mal abwarten, ob sich die Karte noch findet, bevor er sie als gestohlen meldet. Hier hatten wir also schon genug Gesprächsstoff. Aber dann stellte sich noch heraus, dass er derjenige ist, den ich auf Xing schon gefunden hatte, der Ernährungsberatung anbietet. Auch das natürlich ein Thema, das mich immer brennend interessiert. Er merkte zwar schnell, dass er mich nicht als Kundin gewinnen kann, denn ich habe ja schon meine Traumfigur, aber um sie zu halten lebe ich schon über ein Jahr nach der „Low Carb“ Methode. Und das ist genau die Methode, die auch er anbietet. Da hatten wir ein weiteres interessantes Thema. Er hat zwar auch ein Kochbuch mit Rezepten dazu herausgebracht, hatte es aber an dem Abend nicht dabei, das wäre was gewesen.

Dann aber gab ich ihn an seine andere Nachbarin weiter, wendete mich meinem rechten Nachbarn zu, der gerade fragte: und was machst du so? Mhm. Bei all den tollen Unternehmern um mich herum, was soll ich da sagen? Also, kurz geschluckt, und: ich schreibe Reiseführer über Marokko und organisiere Reisen dorthin. Krame in meiner Tasche nach einer Visitenkarte. Er nimmt sie, liest, stockt nachdenklich und sagt: Den Namen kenne ich doch. Das sind doch die blauen Bücher. Damit war ich mit einer Gruppe von Freunden mit 4×4 in Marokko!

Also ich war geplättet. Unter 20 Personen einen zu treffen, der nicht nur im Internet mal was gelesen, sondern der tatsächlich ein Buch von mir hatte, da war ich platt. Wie schön, wenn man das jetzt statistisch hochrechnen könnte auf die gesamte Bevölkerung, da wäre ich Millionärin. Aber so ist das ja leider nicht, es war einfach ein Riesenzufall. Und schon wieder war ein Thema für eine lange Unterhaltung gerettet. Lief immer so nach dem Schema, Ja, dann war ich da, diese herrliche Schlucht, wie hieß sie doch mal? (Ich: Todra) Und dann die Wüste, gleich an der algerischen Grenze, wie hieß der Ort? (Ich: Merzouga) Und dann die Stadt mit den schönen Souks, viel schöner als Marrakech? (Ich: Fes) So ging das ewig weiter, war total schön.

Nun hätte mir zur Abrundung meines kompletten Interessen-Spektrums natürlich noch jemand aus Florida gefehlt. Vielleicht hätte ich den ja auch gefunden, aber genau da setzte Stefan zu seinem Vortrag an. Xing bietet auf den Treffen hier und da Vorträge. Thema diesmal: Die Geldschule. Und genau so begann es auch. Ich dachte nur immer, wie komme ich hier so schnell und ungesehen raus wie möglich.

Klaus hielt ein Schiefertäfelchen hoch und meinte, heute Abend wolle er das mal statt einem Tablet nutzen. Seine französische Frau hätte es noch bei ihrer Einschulung 1974 in Frankreich benutzt, aber in Deutschland sei das ja lange vergessen. Ich fühlte mich so unendlich alt, habe ich doch genau damit meine Schreibversuche gestartet. Genauso alt fühlte ich mich, als er zur Demonstration des Wertes von Geld Fotos von alten Billiarden-Scheinen von vor der Währungsreform hervorkramte, die andächtig angeschaut wurden. Ich dagegen hatte als Kind in meinem Kaufladen damit gespielt. Mit den echten, schon ausrangierten.

Bei den weiteren Ausführungen fühlte ich mich aber wieder sehr jung, denn er erklärte seine Geldschule wirklich wie für Erstklässler. Dabei kann auch das Thema Finanzen durchaus spannend sein, ich hätte lieber etwas über die berühmte „Bitcoin“ gehört, die im Vorgeplänkel mal aufkam und mir immer noch ein ziemliches Rätsel ist. Vielleicht wären wir ja irgendwann am Abend noch darauf gekommen, wie wir uns nun unser großes Vermögen anlegen, aber bis dahin hatte ich es doch geschafft, zu fliehen. Fazit, es war ein toller Abend und ich freue mich, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu können. Nun habe ich erstmal ein Rendevouz mit Irma, aber auch mit Jose und Katja, die ebenso wie ich schon auf dem Weg nach Florida sind.