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Reisebericht

Auf der Haschischroute

Ein letztes Abenteuer stand noch auf dem Programm, bevor es rüber nach Europa geht. Ich möchte von Fes nach Chefchaouen, aber diesmal direkt durch das Rifgebirge, über Ketama, dem Zentrum des Hanfanbaus. Ende der 1980er, als ich ganz neu in Marokko war, bin ich diese Route einmal gefahren und es war der reinste Horror. Zwischen Ketama und Taounate wurde ich von Händlern mit Pickup verfolgt, sie wollten mich zum Anhalten zwingen und mir ihre Ware andrehen, es war eine Höllenfahrt, die erst vor der Polizeikontrolle vor Taounate endete. Seitdem bin ich die Strecke nie mehr gefahren, nur einmal von Chefchaouen über Ketama nach Alhoceima vor 10 Jahren, da ging es wesentlich ruhiger zu. Lust hatte ich also nicht auf die Route, aber ab und zu muss ich ja mal testen, mal ausprobieren, was ich meinen Lesern so empfehlen kann.

Von Fes aus nach Taounate gab es keinerlei Probleme. Dies ist ein landwirtschaftliches Anbaugebiet, jetzt, Mitte Mai, werden die Getreidefelder gerade abgeerntet und es war viel Verkehr auf der Straße. Taounate ist die Geburtsstadt der berühmten marokkanischen Schriftstellerin und Soziologin Fatima Mernissi.

40 km vor Ketama dann der erste Zwischenfall. Direkt vor mir fährt ein älterer Mercedes vom Straßenrand auf meine Spur, ich überhole, er blendet auf und macht Zeichen. Aber er verfolgt mich nur ganz kurz, dann gibt er auf. Richtig auffallend ist an dieser Strecke, wie viele PKW am Straßenrand parken, meist mit Fahrer im Wagen und meist handelt es sich um ältere Mercedes. Keramik wird an Straßenständen verkauft, Haschisch ganz offensichtlich aus dem Wagen. Man hebt die Hand, blendet auf, aber das ist es auch schon. Es gibt keinerlei aggressive Belästigung mehr, wie ich es in den 1980ern erlebt habe. Aber damals gab es ja auch keinerlei Verkehr. Wer auf der Straße war, war entweder Käufer oder Händler, sonstigen Verkehr gab es nicht. Das ist heute anders, viele Fahrzeuge sind unterwegs und solche Verfolgungsfahrten wie damals wären heute nicht mehr möglich.

Hier reichen die Hanffelder wirklich bis an die Straße heran, es wird nicht nur in abgelegenen Tälern angebaut, sondern ganz offen und von den Behörden geduldet. Keine großen, zusammenhängenden Felder, sondern jedes kleinste fruchtbare Eckchen wird ausgenutzt. Ich komme dann durch Tleta Ketama, das hier ist wirklich das Zentrum der Hanfanbaus, in den Cafés sitzen die Männer und heben nur leicht die Hand, jeder sieht mich als Käufer an. Richtig feige bin ich, halte nicht an. Der Horror von damals sitzt mir noch in den Knochen, aber eigentlich ist alles ganz friedlich. Die Bauern wollen nur ihre Waren verkaufen, halt keine Kartoffeln oder Arganöl, sondern Haschisch, das in den meisten Ländern gesetzlich verboten ist.

Hinter Ketama geht es dann auf die Straße nach Chefchaouen. Ich fühle mich hier wie im Schwarzwald, hohe Zedern, sprudelnde Quellen, die von den Autofahrern zum Waschen benutzt werden. Nachdem ich nun die Haschischroute gefahrlos hinter mich gebracht habe, fällt auch die Spannung von mir ab und ich habe absolut keine Lust mehr zum Fahren. Jeder Kilometer fällt mir schwer, ich will nur noch ankommen. Die zwei Monate haben mich geschlaucht, ich mag nicht mehr. Und noch viel deutlicher spüre ich das, als ich in Chefchaouen ankomme. Diese Stadt, die täglich hunderte von Touristen anzieht, die alle total begeistert sind, stößt mich nur ab. Ich finde sie schrecklich, unecht, verlogen; sehne mich nach der Ruhe und dem Frieden des Südens. Ich kenne natürlich auch dieses kleine Städtchen seit 30 Jahren, komme aber nicht so oft her, ich mag halt den Frieden und die Weite der Wüste, das beruhigt mich. Diese Stadt stresst mich nur. Ich hatte das Dar Mounir gebucht, fast alle Hotels waren bereits ausgebucht, vor allem die außerhalb mit Parkplatz. Das Mounir hatte in seiner Beschreibung ebenfalls einen Parkplatz hervorgehoben, aber das stellte sich als nicht ganz zutreffend heraus. Das Hotel, eigentlich sehr hübsch, liegt wirklich mitten in der Medina, nahe dem großen Platz vor der Kasbah, und dorthin führt weder eine Autostraße noch gibt es einen Parkplatz. Ich war total genervt, auch weil ich es nicht fand. Ein Anruf ergab, ich soll auf dem kleinen Parkplatz vor dem Hotel Parador parken. Okay, ich fand ihn. Aber keinen Platz. Ein Soldat schickte mich weg. Ich rastete aus. Der Parkwächter hatte Mitleid und bat mich zu warten. Und tatsächlich fuhr bald jemand weg und ich konnte parken. Nur wo ist das blöde Riad? Ich fragte, wurde erstmal in die falsche Richtung geschickt und erst, als ich in einem anderen Hotel nachfragte, wies der nette Mann an der Rezeption mir den richtigen Weg. Gut dass ich es erstmal ohne Gepäck versucht hatte. Im Dar Mounir gab man mir dann zwar jemand mit, um das Gepäck zu tragen, aber ich dachte an den Rückweg am Morgen 200 m über ziemlich grobes Pflaster und packte nur ein paar Übernachtungssachen in einen Beutel. Uffz!

Am liebsten würde ich nur im Zimmer bleiben, ausruhen, lesen, alles aufschreiben. Aber das geht natürlich nicht. Wenn ich schon mal hier bin muss ich mir auch was ansehen, muss neue Fotos machen. Dieses Städtchen war ja immer bekannt für seine schöne maurische Bauweise, die man auch in Andalusien finden könnte, durch die weiß gestrichenen Häuser, die einen matten Blaustich hatten. Doch da dies bei den Touristen gut ankam versucht man jetzt, es zu übertreiben. Kilos des natürlichen Farbstoffes Indigo werden hier in die Farbe gegossen und alles blau angepinselt, in den grellsten Tönen. So war das original nicht, aber die Besucher lieben es. Und natürlich schlendern Hunderte durch die engen Gassen, reiht sich ein Souvenirladen an den anderen, ein Restaurant ans andere, und alle bieten den gleichen Einheitsbrei. Was sehne ich mich nach einem gut gewürzten europäischen Essen. Ich mag mich in keine dieser Touristenfallen setzen, muss aber zugeben, dass sie durchaus günstige Preise haben, aber lecker sieht es nicht aus, und ein deutsches Paar, das ich schon vom Campingplatz kenne, bestätigt mir das. Dann sehe ich Einheimische beim Tee sitzen und dazu Schfinsch essen, die leckeren Schmalzkringel. Ich frage, wo es die zu kaufen gibt, war natürlich unvermeidlich, dass mir einer geschenkt wird und ich kann ihn auch nicht ablehnen, aber dann frage ich mich doch durch, und finde den Laden auch, wo eine lange Schlange von Kunden bereits auf die leckeren Kringel für wenig Geld wartet, die nur am frühen Morgen und am Abend gebacken werden. Zurück im Hotel, wo die letzte Flasche Wein auf mich wartet, verspeise ich diese und bin zufrieden.

Und auch der nächste Morgen fängt nicht besser an. Um 8 Uhr will ich runter zum Frühstück. Ich wusste bereits, dass dies nicht hier im Haus auf der schönen Dachterrasse serviert wird, sondern im Restaurant der Familie 100 m weiter. Doch nein, an der Rezeption ein neuer Mann, arbeitet erst 2 Tage im Haus und deshalb immun gegen alle Beschwerden, sagt nonchalant, Frühstück erst ab 8:30 Uhr. So spät habe ich das bisher noch nie angetroffen. Ich bekomme die öffentliche Frühstückskarte gezeigt, das Frühstück ist zwar inklusive, wird aber auch für 25 Dirham angeboten. Ich bekomme ein Spiegelei, 5 Oliven, etwas Ziegenfrischkäse, ein Brot, so winzig, wie ich es noch nicht gesehen habe, einen Kaffee und einen kleinen O-Saft. Das ist echt das spärlichste Frühstück auf meiner ganzen Reise, hätte ich doch immer hier gelebt, ich hätte nicht die 2 kg zu viel mit mir herumzutragen.

Wie kann man nur so ein schönes Hotel an so einer guten Stelle bauen und dann mit miesem Service alles kaputt machen? Ich gebe mir die Antwort selbst: Weil die Gäste trotzdem kommen, Chefchaouen völlig überlaufen ist.

Fes ist noch immer eine sehr ursprüngliche Stadt

In meinem Reisehandbuch schreibe ich

Am besten mit den Einheimischen in die Medina eintauchen und sich einfach vom Strom der Menschen treiben lassen. Ohne auf den Weg zu achten geht es immer durch die Gassen, die am vielversprechendsten aussehen. So sprengt man die Grenzen der Touristensouks und kann den Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen, sieht den Metzger am frühen Morgen seine Fleischstücke aufschichten oder den Bäcker seine hauchdünnen Pfannkuchen zum Frühstück über tönernen Gefäßen backen. Hier wird man von den Händlern freundlich und uneigennützig gegrüßt, denn sie wissen, dass man wohl keine Unterwäsche oder Billigschuhe bei ihnen kaufen wird. Männer mit schwerbeladenen Eselskarren bringen den Nachschub, denn LKWs passen nicht in die engen Gassen. …

Und wenn die Füße wehtun und man zurück zum Hotel möchte, bekommt man von den freundlichen Händlern, die keine Touristenware anbieten, die beste Auskunft. Lassen Sie sich einfach wieder den Weg zurück zum Platz R’Cif weisen oder zu jedem anderen Medinaausgang, der gerade in der Nähe ist. Ein Taxi bringt sie für weniger Geld wieder ins Hotel, das ein Führer gekostet hätte, und Sie haben einen herrlichen, relaxten Medinabesuch genossen. Ob da nun ein Teppichgeschäft dabei war oder nicht liegt ganz an Ihnen selbst. Und zu den bekannten Sehenswürdigkeiten kommt man ganz von selbst.

Und genau daran habe ich mich heute wieder gehalten. Wenn man versucht, den Weg einzuhalten, eine bestimmte Sehenswürdigkeit zu suchen, ist das nur Stress. Aber einfach durchbummeln das macht Spaß, man sieht unglaublich viel und heim kommt man immer, notfalls mit Fragen. So kam ich auch irgendwann am Platz R’Cif an. Dort liegt das Palais de Fes, altbekanntes Teppichhaus, Restaurant und Gästehaus von Azzedine Tazi, den ich aus früheren Jahren gut kenne. Aber nun war ich schon lange nicht mehr dort und wollte ihn mal wieder aufsuchen. Und es war wie immer schön. Es hat sich kaum etwas geändert, Tazi hat nur noch ein weiteres Riad hinzugekauft, ein wahrer Palast, wo eine der Suiten sogar einen Jacuzzi im Boden eingelassen hat. Und schließlich lädt er mich zum Mittagessen ein, oben auf der Terrasse, wo man einen herrlichen Blick auf die Altstadt von Fes hat und dadurch ganz abgelenkt wird vom köstlichen Mahl. Doch sollte man sich unbedingt darauf konzentrieren, denn wer die Nase voll hat vom oft fade gewürzten Tajine und Couscous Allerlei, der erfährt in Fes, und besonders im Dar Tazi, ein ganz besonderes Erlebnis. Ich habe den Salat als Vorspeise bestellt und vor mich werden dann Schälchen um Schälchen aufgetischt, viel zu viel für nur eine Person. Das deutsche Paar, das dann auch auftaucht, macht es geschickter, sie bestellen diese Salatplatte für nur eine Person und werden beide davon satt. Die frittierten Auberginen waren das allerbeste, sehr gut gewürzt mit Honig und Zimt, einfach köstlich. Und dann kommt noch ein großer Teller Linsen, die esse ich so gerne. Die Lammspießchen danach können mich da nicht mehr so begeistern wie die Vorspeise. Aber dafür gibt es mit den Münchnern, die zwei Wochen mit dem Mietwagen unterwegs sind, ein nettes Gespräch.

Es ist ganz schön heiß in Fes, was sich in der Kessellage immer drückend anfühlt. Und so bin ich auch einigermaßen geschafft, als ich im Riad ankomme. Dort jedoch wartet eine nette Überraschung auf mich, die Masseuse des Hauses. Und das ist genau das richtige an so einem Tag, eine richtig gute Vollmassage zur Entspannung.

Ach, was geht es mir heute wieder so gut!

Fes – immer wieder schön

Aufzuwachen mit diesem Blick von diesem Fenster, entschädigt das nicht für vieles?

Ich weiß, viele von euch beneiden mich um meine Reisen und es ist auch ganz sicher wunderschön und ich weiß mein schönes Leben zu schätzen. Aber es ist halt auch Arbeit. Gut zwei Monate durch ein Land zu reisen, viele Kilometer zu fahren, dabei Notizen zu machen, Fotos zu schießen, mit unendlich vielen Leuten reden, abends im Hotels all das zu ordnen und aufzuschreiben, dazwischen noch die Buchführung für meinen Verlag zu machen und Anfragen zu beantworten, aber vor allem auch, zwei Monate aus dem Koffer zu leben und nur selten mal länger an einem Ort zu bleiben, um zu verschnaufen. All das schlaucht auch ziemlich. Erholt hatte ich mich im Tazarkount und in Marrakech, dennoch merke ich dass die Erholung immer schneller auch wieder aufgebraucht ist und die Müdigkeit mich überkommt. Ich brauche einfach wieder eine längere Zeit in meinen eigenen vier Wänden, mit meinen eigenen Sachen, meiner eigenen Küche, mit meiner Waschmaschine, um für mich zu sorgen, um aufzutanken. Um neue Energie zu schöpfen. Deshalb geht es nun langsam Richtung Taunusstein.

Vor allem die letzte Nacht hatte mich ziemlich geschlaucht, als die Ameisen meinen Schlaf unmöglich machten. So kleine Tierchen, ich hätte fast eine Lupe gebraucht, aber dennoch so lästig. Wenn sie über mich liefen kitzelte es und ich wachte auf, bzw. konnte gar nicht richtig einschlafen. Am Morgen war ich dann um 6:30 Uhr schon auf der Straße. Allzu anspruchsvoll war mein Plan für den Tag nicht, ich wollte Richtung Fes und dabei die Tazzeka-Rundfahrt nach langen Jahren mal wieder machen.

Viel Neues brachte die Rundfahrt nicht, die Landschaft ist schön, kommt aber dennoch nicht mit meinem geliebten Süden mit. Die Höhle Friouato, die ich vor Jahren mal besichtigt hatte, ist zur Zeit geschlossen, weil es im letzten Jahr einen tödlichen Unfall gegeben hat. Ich wäre aber auch nicht hineingegangen, einmal reicht mir, es ist ziemlich steil nach unten und zumindest damals gab es kaum eine Sicherung. Sicher also richtig, sie erst mal zu schließen und dann vielleicht an besserer Sicherung zu arbeiten.

Ansonsten gab es weder Probleme noch Abenteuer, in Fes wollte ich zum Riad Tafilalet in der Medina, was ich auch nach nicht allzu vielen Umwegen geschafft habe. Dann aber erstmal Ärger mit dem Parkwächter, auf dem Schild steht 7 DH für Tag und Nacht, er will 20 DH. Naja. Aber zumindest der Kofferträger war nett und anständig. Im Riad netter Empfang und schönes Zimmer, aber ich fiel ziemlich geschafft auf mein gemütliches Bett. Ohne Ameisen! Zwar völlig müde konnte ich dennoch kein Auge zutun und setzte mich an den PC, um die dringendsten Dinge aufzuschreiben. Gestern hatte ich ja kaum Internet, nur ab und zu kam eine Mail durch, Antworten war unmöglich.

Abendessen war um 20 Uhr angesetzt, aber vorher legte ich mich dann doch noch mal hin. Eigentlich war ich zu müde, um zu essen. Aber der Tisch im Innenhof des Riad Tafilalet war so romantisch gedeckt, Ahmed kümmerte sich um mich und die anderen Gäste sehr freundlich, Musiker spielten sich schon mal warm, und so wurde es doch ein richtig toller Abend. Die Musik aus Fes ist stark andalusisch-maurisch geprägt und mir oft viel zu steif, aber diese zwei Musiker verstanden es, richtig Stimmung zu machen. Im Nebensaal war eine große Gruppe zum Essen angekommen, nur Frauen, sie sahen sogar deutsch aus, aber ich hörte sie nicht sprechen, und als sie schließlich aufbrachen, spielten die Musiker eine Polonaise zum Abschied und die Stimmung war auf dem Höhepunkt. Ich kam also doch wieder kaum vor Mitternacht ins Bett.

Das war ein Satz mit X!

Nicht immer kann man Glück haben, die heutige Pistenerfahrung verlief nicht erfolgreich, ich musste ein ziemliches Stück zurückfahren, weil die Straße einfach nicht mehr passierbar war. Nur 25 km hoch bis zum Pass, auf den von der anderen Seite eine Teerstraße führt, aber es gibt dort keine Dörfer mehr, also werden die Winterschäden der Piste nicht mehr repariert. Ich hatte mir eine schöne Strecke aus der Landkarte ausgesucht, die so aussah, als wäre sie möglich, aber dann war Schluss bei einer Schule in einem einsamen Dorf. So richtig akzeptieren wollte ich das ja nicht und ging in das Klassenzimmer. Der Lehrer sprach französisch und englisch, ich ja auch, aber er ist wohl den Umgang mit Ausländern nicht gewöhnt und schimpfte dauernd, er würde mich nicht verstehen. Alle anderen hier verstehen mich einwandfrei. Meinte, ich sei aus Spanien oder England. Nein, sagte ich, ana alemania. Und er: Heil Hitler. Da wurde ich ziemlich böse und erklärte ihm, dass dies eine Beleidigung für jeden Deutschen sei und er das ja nie mehr sagen solle. Er jedoch meinte, das sei doch Teil der Geschichte. Aber ich bestand darauf und er entschuldigte sich. So richtig einvernehmlich war unser Gespräch also nicht.

Doch über die Piste bekam ich Klarheit. Sie ist zerstört und wenn ich weiterfahren würde, müsste ich sogar rückwärts zurück, denn Drehen wäre nicht mehr möglich. Also gut, ich glaube ihm und fahre zurück. Dennoch haben sich die 50 km ins Nichts gelohnt, denn es sind unglaublich schöne Dörfer da am Hang zu sehen. Was für eine einsame Gegend, und was für ein schweres Leben müssen die Menschen hier haben.

Damit ist der Tag angeschlossen, es gibt keine neuen Abenteuer mehr für mich, keine einsamen Strecken zu erkunden, nur noch ein neuer Campingplatz, den ich aufsuche und dort auch schlafen möchte. Also wieder eine Aufgabe abgehakt. Der Campingplatz hat Gästezimmer und ich werde freundlich aufgenommen, bekomme auch ein leichtes Abendessen, so wie es mir gefällt. Aber die Nacht wird dann die schlechteste meiner Reise. Eine Ameisenstraße mit ganz winzigen Exemplaren führt mitten über mein Bett und kitzelt mich, es ist noch nicht Mitternacht, als ich aufwache und nicht mehr schlafen kann. Ich ziehe um ins andere Bett, aber auch da kommen immer wieder einzelne Ameisen. Mehr schlecht als recht bringe ich die Nacht um und sitze noc

Nicht immer kann man Glück haben, die heutige Pistenerfahrung verlief nicht erfolgreich, ich musste ein ziemliches Stück zurückfahren, weil die Straße einfach nicht mehr passierbar war. Nur 25 km hoch bis zum Pass, auf den von der anderen Seite eine Teerstraße führt, aber es gibt dort keine Dörfer mehr, also werden die Winterschäden der Piste nicht mehr repariert. Ich hatte mir eine schöne Strecke aus der Landkarte ausgesucht, die so aussah, als wäre sie möglich, aber dann war Schluss bei einer Schule in einem einsamen Dorf. So richtig akzeptieren wollte ich das ja nicht und ging in das Klassenzimmer. Der Lehrer sprach französisch und englisch, ich ja auch, aber er ist wohl den Umgang mit Ausländern nicht gewöhnt und schimpfte dauernd, er würde mich nicht verstehen. Alle anderen hier verstehen mich einwandfrei. Meinte, ich sei aus Spanien oder England. Nein, sagte ich, ana alemania. Und er: Heil Hitler. Da wurde ich ziemlich böse und erklärte ihm, dass dies eine Beleidigung für jeden Deutschen sei und er das ja nie mehr sagen solle. Er jedoch meinte, das sei doch Teil der Geschichte. Aber ich bestand darauf und er entschuldigte sich. So richtig einvernehmlich war unser Gespräch also nicht.

Doch über die Piste bekam ich Klarheit. Sie ist zerstört und wenn ich weiterfahren würde, müsste ich sogar rückwärts zurück, denn Drehen wäre nicht mehr möglich. Also gut, ich glaube ihm und fahre zurück. Dennoch haben sich die 50 km ins Nichts gelohnt, denn es sind unglaublich schöne Dörfer da am Hang zu sehen. Was für eine einsame Gegend, und was für ein schweres Leben müssen die Menschen hier haben.

Damit ist der Tag angeschlossen, es gibt keine neuen Abenteuer mehr für mich, keine einsamen Strecken zu erkunden, nur noch ein neuer Campingplatz, den ich aufsuche und dort auch schlafen möchte. Also wieder eine Aufgabe abgehakt. Der Campingplatz hat Gästezimmer und ich werde freundlich aufgenommen, bekomme auch ein leichtes Abendessen, so wie es mir gefällt. Aber die Nacht wird dann die schlechteste meiner Reise. Eine Ameisenstraße mit ganz winzigen Exemplaren führt mitten über mein Bett und kitzelt mich, es ist noch nicht Mitternacht, als ich aufwache und nicht mehr schlafen kann. Ich ziehe um ins andere Bett, aber auch da kommen immer wieder einzelne Ameisen. Mehr schlecht als recht bringe ich die Nacht um und sitze noch vor Sonnenaufgang am PC.

Cirque de Jaffar

Das Frühstück mit hausgemachten Pfannkuchen war lecker und stärkend und so fuhren Maria und ich wie geplant um 8:30 Uhr los. Fran war schon um 6 Uhr aufgebrochen, um die Hitze zu vermeiden. Es gehört schon was dazu, auf diesem Wege zu reisen, mein Ding wäre es nicht, aber jeder Mensch hat andere Bedürfnisse. Maria war jedenfalls ganz froh, dass sie mal nicht radeln musste. Die neue Straße nach Tassent bot wieder unglaublich schöne Ausblicke. Was ist Marokko doch für ein herrliches Land. So wunderschöne Natur und so abwechslungsreich. Nach 35 km trafen wir Fran, nach weiteren 15 km musste Maria dann aussteigen, da ich in die andere Richtung weiter fuhr.

Ich wollte einen Tipp von Hamou ausprobieren und eine Strecke nach Tounfite fahren, die nicht in der Karte ist, für die ich keine Koordinaten hatte und von der ich nicht genau wusste, wie der Zustand ist. Kurz nach der Abzweigung lag ein Lastwagen auf der Seite. Wie gut, dass es mich nicht miterwischt hatte. In meinen 31 Jahren Marokko hatte ich noch nie einen Unfall und ich drücke alle Daumen, dass es auch so bleibt. Meine Strecke war zunächst asphaltiert bis zum 10 km entfernten Ort, in den ich natürlich auch reinfuhr. Die Leute schauten mich komisch an, wussten halt sehr genau, dass ich falsch war und machten mir Zeichen. Das ist manchmal das knifflige an Asphaltstraßen. Man fährt so schön vor sich hin, aber sie gehen nicht immer in die gewünschte Richtung.

Nun, die freundlichen Leute am Wegesrand halfen mir, den richtigen Einstieg in die Piste zu finden. Ich hatte für den Tag ja noch ziemlich viel vor und war gespannt, wie es läuft, ob ich wirklich am Abend in Midelt ankommen würde wie geplant und reserviert. Deshalb war ich auch sehr erfreut, als sich herausstellte, dass die Piste nur 7 km lang war, danach folgte eine zwar sehr schlechte Teerstraße, aber sie war dennoch schnell genug zu befahren.

Mein Wunsch für heute war der Cirque de Jaffar. Dieser Name hat schon immer für alle Pistenfahrer einen legendären Klang, jeder muss ihn mal gefahren haben. Ich tat dies auch, in meinen ersten Reisejahren, noch mit dem kleinen Suzuki. Und seitdem hatte es sich nie wieder ergeben. Hatte die Beschreibung auch längst aus meinem Reiseführer raus genommen, denn sie war ja völlig veraltet. Schade, denn sie gehört in jeden Marokko-Straßenführer. Ob ich es heute schaffe? Von der Zeit her und von der Schwierigkeit, denn ich möchte spätestens um 16 Uhr in Midelt sein.

Es war 13 Uhr, als ich die Strecke begann. Der Beginn zwar wie erwartet Schotterpiste, doch nach wenigen Kilometern Teer. Das kann nicht sein und ich habe sehr gut aufgepasst, um den Pisteneinstieg nicht zu verfehlen. Der eigentliche Beginn des Cirque kam dann nach 20 km, nun musste ich mich entscheiden. Die Asphaltstraße hätte mich in 46 km bequem nach Midelt gebracht, der Cirque sollte 53 km lang sein und nach meiner Erinnerung schlechte Piste. Das kann schon 3 Stunden in Anspruch nehmen. Aber es war ja noch Zeit und zudem ein sehr schöner sonniger Tag und es hatte eine Zeitlang nicht geregnet, beste Voraussetzungen also für die schmale Piste am Hang, die bei Regen ganz schön glitschig sein kann. Los ging es also. Ich war vollkommen allein, es kam mir niemand entgegen, was aber auch gut war, denn an den meisten Stellen hätten wir nicht passieren können. Ab und an kamen mal Frauen mit Maultieren vorbei, die Futter oder Feuerholz gesucht hatten. Und irgendwie war ich enttäuscht. Diese landschaftliche Schönheit, die ich in Erinnerung hatte, war einfach nicht mehr wiederzufinden. Aber vermutlich bin ich verwöhnt. Damals hatte ich noch nicht viel von Marokko gesehen, kannte noch nicht die wunderschönen Bergpisten im Hohen Atlas, die dieser Landschaft im Mittleren Atlas einfach überlegen sind. Und auch die Piste, die ich als sehr schwer und manchmal unpassierbar in Erinnerung hatte, war eine Überraschung, ging sie doch bereits nach 20 km in eine gut ausgebaute, autobahnähnliche Trasse über. Ja, so verändert sich das Land und ich auch.

So kam es also, dass ich rechtzeitig nach Midelt kam, sogar noch Zeit hatte, einen Halt und kleinen Lunch in der Auberge Jaffar zu machen, den Campingplatz in Midelt, der leer nicht nur an Gästen, sondern auch an Personal war, zu besuchen und pünktlich um 16 Uhr in der Kasbah Asmaa vor der Tür stand, wo ich für heute eingebucht war.

Pisten, Schafe und Fahrradfahrer

Kaum habe ich Marrakech verlassen beginnt schon wieder das Abenteuer. Zunächst sah es nicht so aus, denn ich musste den ganzen, uninteressanten Weg nach Azilal zurückfahren, den ich ja erst vor ein paar Tagen gekommen war. Und das alles nur, um eine kleine, 50 km lange Straße zu testen, die neu asphaltiert worden war. Der Ausgangspunkt dafür war das Städtchen Taguelft, wo gerade der Wochenmarkt stattfand. Prima, so bekam ich noch etwas Obst als Mittagessen.

Aber dann – unglaublich schöne Landschaft. Und absolut keine Touristen. Diese Straße, die letztlich nach Imilchil führt, ist noch nicht bekannt. Die steinigen Bergwiesen, saftig grün jetzt im Frühling, schmeicheln dem Auge, die Schafe dazwischen fallen farblich kaum auf. Sie können sich mal so richtig satt fressen. Auch ich mache ein Päuschen und esse meine zuckersüßen Beldi-Aprikosen, in der Ferne ist ein Hund eifrig dabei, seine Schafe über die Straße zu treiben, die beiden jungen Hirten schauen, kommen aber nicht näher. So eine Rücksicht muss belohnt werden und ich bringe ihnen meine restlichen Bonbons.

Dann komme ich an eine Kreuzung. Meine zu entdeckende Straße würde links abbiegen. Geradeaus dagegen geht es nach Anergui, genau der Ort, zu dem ich neulich schon mal fahren wollte, es wegen schlechtem Wetter aber aufgegeben habe. Ein kurzer Anruft bei Hamou, bist du da? Hamou betreibt eine kleine, einfache Gite in Anergui, die einzige Unterkunft in der ganzen Region. Ich rufe auf seinem Festnetz an und bin erstaunt Hamou zu erreichen, obwohl er nicht zu Hause ist. Er ist auf dem Markt in Taguelft. Aber er fährt mit seinem Festnetzapparat herum und ist im ganzen Vorwahlbereich zu erreichen. Ich bin platt. So etwas habe ich noch nie gehört. Aber Hauptsache, wir können sprechen.

Da Hamou am Abend wieder zurück sein will beschließe ich, nach Anergui zu fahren. Doch da ruft gerade mein Sohn an (Muttertag!) und fragt: wo bist du denn? Ich sage: mitten in der Landschaft. Er ist erstaunt, bis ich ihm ein Foto schicke. Ja, sagte er, du hast recht, das ist wirklich mitten in der Landschaft.

Kaum in der Gite angekommen trifft ein junges Paar aus Spanien ein, sie sind mit Fahrrädern unterwegs. Das ist schon eine Leistung in diesen bis zu 3000 m hohen Bergen. Fran ist topfit, Maria dagegen ziemlich kaputt. Als sie hören, dass ich am nächsten Tag 50 km von ihrer beabsichtigten Strecke fahren werde, fragt Maria gleich, ob sie mitkommen kann. Also zerlegen wir noch am Nachmittag ihr Fahrrad und bekommen es auf die Rückbank, hinten passt es wegen dem Gepäckschutzgitter nicht rein.

Anergui ist ein sehr kleines, unscheinbares Dorf am Assif Melloul, einem wilden Gebirgsbach. Es besteht zwar nur aus wenigen Häusern, ist aber das Verwaltungszentrum der Region und erwacht erst so richtig zum Leben am Donnerstag, wenn zum Wochenmarkt die Bewohner aus den umliegenden Dörfern kommen, die meisten immer noch mit ihrem Maultier, obwohl es nun einige neue Straßen gibt. Dieser Markt ist etwas ganz Besonderes, da er bis in die Nacht geht und am Abend die Stände von Lampen erhellt werden, sehr romantisch. Anergui ist ein idealer Ausgangspunkt für Trekkingtouren, aber noch recht wenig bekannt, es kommen aber oft Fahrradfahrer und Enduros. Und bei Hamou ist eben die einzige Unterkunft. So kommen an diesem Abend auch noch drei weitere spanische Mopedfahrer. Und auch Hamou trifft schließlich ein und ist wie immer für mich ein Quell der Information. Er kann mir genaue Auskunft über alle Straßen im Umkreis geben und möchte am liebsten, dass ich länger bleibe. Aber ich habe die Rückfahrt nun schon fest geplant und die Hotels bestellt. Nach einem ausgiebigen Tajine ziehe ich mich zurück in mein einfaches Zimmer, das einzige mit einem richtigen Bett. Die anderen haben nur Matten. Aber Hamou kennt mich noch gut von meinem letzten Besuch vor acht Jahren, wo er mich unterwegs abholen musste und mein Auto durch einen reißenden Strom fahren musste, den ich mir allein nicht zutraute.

Marrakech ade

Über eine Woche bin ich nun bei schönstem Wetter in Marrakech, aber heute kam das ganz starke Gefühl hoch: es reicht! Ich muss weiter. Deshalb habe ich mich an die Planung der Rückreise gemacht, allerdings wird es schon ein paar Tage dauern, bis ich Tanger erreiche. Ich musste aber zwischendurch auch wieder ADAC spielen, wenn auch diesmal nicht so ganz erfolgreich. Ein Peter hatte mich kontaktiert, war mit einem Freund auf zwei Mopeds in Tanger, und wollte, da es für eine Buchsendung zu spät war, mein Marrakech-Buch als PDF haben. Einer Email folgte die andere und schließlich kam ein Panikanruf, eines der Mopeds war kaputt und sie brauchten Hilfe. Zum Glück hatten sie auch ein Transportfahrzeug dabei. Ich konnte am Telefon nicht so richtig lokalisieren, wo sie waren und schließlich stellte sich heraus, dass sie 24 Stunden lang brav den irrigen Anweisungen des Navis nachfuhren und schließlich völlig erschöpft in Marrakech ankamen. Hier habe ich Verbindungen und hoffte, dass sich die Maschine reparieren lässt. Innerhalb einer Stunde nach Ankunft kam auch ein Helfer zum Hotel, schaute sich das Desaster an und sagte, ab in die Werkstatt. Doch heute stellte sich leider heraus, der Kolben ist defekt und Ersatzteile für eine KTM sind in Marokko nicht zu bekommen bzw. müssen aus Europa bestellt werden. So hat Peter nun sein Buch in Print, aber keine Maschine zum Pisten fahren.

Einfach nur ausruhen

Nachdem alle weg sind und auch am Sonntag noch der Wahlsieg von Macron mit französischen Freunden gefeiert wurde, gab es für mich nur noch eins, Ruhe, Ruhe, Ruhe. Ich bin doch keine 20 mehr und die wilde Zeit hat mich ganz schön geschafft. Den ersten Tag habe ich fast komplett in meinem Zimmer verbracht, danach zumindest ein wenig gearbeitet.

Mein Freund Peter ist zur Zeit in der Stadt, auch nicht mehr 20 und ebenfalls ruhebedürftig, er wollte mir das Haus zeigen, wo der inzwischen verstorbene deutsche Maler Hans Werner Geerds 50 Jahre gelebt hat, ein winziges Riad in der Medina von Marrakech. Auf dem Weg zu ihm kam ich an einem Friseur vorbei, der von außen sehr schick aussah. Meine Haare haben einen Schmitt mehr als nötig, Peter ist immer so schick und gepflegt angezogen, das war für mich der Wink mit dem Zaunpfahl. Und ich kam auch sofort dran. Von den insgesamt fünf Friseurläden, die ich bisher in Marrakech aufgesucht habe, ist das mit Abstand der beste. Die nette Amal hat sich unglaublich viel Zeit für den Schnitt genommen, ich war an diesem Morgen die einzige Kundin, und dann hat sie noch sehr sorgfältig geföhnt. In Marokko sind die Friseure wahre Meister im Föhnen, man kommt extra dafür, wenn man zum Beispiel abends ausgehen will. Allerdings hat mir dann der an diesem Tag heftige Wind wieder alles durcheinander gewirbelt. Und dafür habe ich dann 120 Dirham, etwa 12 Euro, bezahlt.

Peter wartete schon und so holte ich ihn erst ab und nahm ihn dann noch mit zum Shoppen. Ich brauche unbedingt was nettes, was ich so abends anziehen kann, wenn ich mit dem Direktor auf der Terrasse sitze. Peter wohnt im Carre Eden, eine nagelneue Anlage im Herzen der Neustadt. Unten ist eine Mall mit schönen Läden, oben Wohnung und ein Hotel. In Marwa finde ich dann genau das richtige, ein ziemlich ausgefallener Hosenanzug. Für 25 Euro.

Das winzige Riad liegt mitten im Gewirr der Medina. Hans Werner Geerds hat es 1963 gekauft und zu seinem Wohnsitz erkoren, er starb auch dort im Jahr 2013. Nun ist es ein kleines Tee- und Gästehaus mit nur vier Zimmern, und an den Wänden hängen noch viele Werke des Künstlers. Der junge Bader kümmert sich dort sehr liebevoll um die Gäste und ist auch ein guter Koch.

An diesem Tag hatte ich sparsame Frau schon so viel mehr als üblich ausgegeben, da konnte ich auch noch ein anderes Vorhaben umsetzen, das ich hatte. In meinem Lieblingshotel Riad Dar Sofian in Zagora hatte ich in meinem Zimmer einen so schönen, ausgefallenen Bademantel, dass ich ihn gerne kaufen wollte. Der Besitzer gab mir die Adresse in Marrakech und mit Peter ging ich nun dorthin. Balsatex ist nur ein kleiner Laden, aber hat eine ganz erlesene Auswahl von Handtüchern, Bettwäsche und sonstigen Badartikeln, die Kunden sind vornehmlich Riad-Besitzer. Der Bademantel war vorhanden, 75 Euro sind nicht gerade wenig, aber ich gab mir einen Ruck und kaufte ihn. Er ist wirklich sehr außergewöhnlich und zu Hause gehe ich fast jeden Tag in die Sauna, es ist also eine Anschaffung, die sich lohnt.

Danach sind wir noch Kaffee trinken gegangen. Es war für Peter leicht, mich auch zu einem Stück Kuchen zu überreden, das sind dort richtige kleine Kunstwerke.

Ein Mauretanier in Marrakech

Idoumou wollte den Djemaa el-Fna sehen. Was zunächst schon mal schön war, ich konnte mich entspannt zurücklehnen und die Preisverhandlung mit den Taxifahrern ihm überlassen. Hier am Hotel stieß er bei den wartenden Fahrern auf Granit: der Preis ist 50 Dirham und fertig. Als wir dann an der Koutoubia-Moschee vorbei kamen hatte ich plötzlich einen Gedankenblitz und ließ den Wagen stoppen. Wir stiegen aus, ich schickte Idoumou mit meiner Kamera in die Moschee und heraus kam er mit einer Masse von Fotos, so dass ich endlich mal sehen kann, wie sie innen aussieht. Eher überraschend einfach, ganz weiß.

Auf dem Djemaa war es dann sagenhaft. Wie ein kleiner Junge, oder noch eher wie ein Karawanenführer, der nach langer, harter Reise in die Stadt kommt, schaute sich Idoumou immer genau das an, das am meisten Zuschauer anzog. Und in seiner weiten, blauen Gandora stach er sofort aus der Menge heraus, alle Schausteller sprachen ihn sofort an, zogen ihn ins Gespräch und Fotos konnte er meist machen, ohne was zu bezahlen. Bei den blau gekleideten „Turaeg“, die geheimnisvolle Pülverchen anbieten, ließ er sich genau informieren und kaufte auch etwas. Und Arganöl wurde ihm zu einem sagenhaften Preis verkauft, die 250 ml-Flasche, für die jeder Tourist 200 DH zahlen muss, bekam er ohne Handeln für 50 DH, nicht ohne den Hinweis, dass die andere, die nur 35 DH kosten sollte, Olivenöl und Paraffin als Zusatz hat. Ich geh nur noch mit ihm einkaufen. Zum Abschluss gingen wir auf den Frauenmarkt, genau 5 m vom touristischen Pfad und trotzdem ohne Touristen, und aßen dort eine Harira, besser als in jedem Hotel, für nur 5 DH. Doch zahlte er mehr, denn die Frau an unserem Tisch, die gerade zahlen wollte und dafür mühsam ihre wenigen Dirham abzählte, lud er auch noch ein, und die nächste Frau, die kam, ebenfalls. So viel zum Geben ohne Gegenleistung.

Und für das Taxi zurück zahlte er ab Koutoubia trotz Nachtaufschlag 30 DH ohne zu handeln, aber mit netter Unterhaltung.

Die Eine geht, der Andere kommt

Kaum verwunderlich, dass der nächste Morgen sehr ruhig begann. Auch Lyndsey wachte früh auf und schaffte es, ein gutes Frühstück zu verputzen, was ihre Lebensgeister weckte, trotzdem schlief sie dann weiter bis zum Mittag. Ich versuchte es ebenfalls, sowohl im kühlen Bett als auch auf der sonnigen Privatterrasse meiner Suite, doch keine Chance, ich konnte trotz Müdigkeit nicht einschlafen. Lyndsey hätte eigentlich ihr Zimmer räumen müssen, da sie abends abreist, aber der nette Hotelmanager Imad hat volles Verständnis und lässt sie schlafen ohne Aufpreis. Am Nachmittag geht es dann für letzte Einkäufe in die Souks und am Abend kommt der Fahrer, um sie zum Flughafen zu bringen. Ich hätte ja noch eine Nacht gehabt, ober ohne Lyndsey, nein. Also bin ich mit dem gleichen Auto zum Hotel Tichka zurück, wo man gerade noch geschafft hat, ein Zimmer für mich zu blocken, ist doch mal wieder Wochenende und Marrakech gut besucht. Und dort wartete dann Idoumou auf mich, mein Freund und Kontaktmann aus Mauretanien. Richtig fit bin ich ja nicht und bräuchte Schlaf, doch gibt es hier natürlich auch wieder viel zu erzählen, über alte Freunde und neue Entwicklungen in Mauretanien. Die Franzosen haben die Reisewarnung für das Land zurückgesetzt, im Januar waren die Kosten für das Visum auf mein Drängen gesenkt worden und nun versucht das Land, im Tourismus wieder Fuß zu fassen.

Sieht er nicht einfach schön aus mit seiner weiten blauen Gandora? Auch den weitgehend traditionell gekleideten Menschen in der Medina fällt er sofort als Mauretanier auf.