Archiv der Kategorie: Mauretanien

Reisebericht

24.2. Abschied von Mauretanien

Gestern hat mich Idoumou zu einem wunderbaren Couscous bei seiner Familie eingeladen, mein Abschiedsessen aus Mauretanien. Ich habe mich extra dafür in eine Mahlafa gehüllt, sieht eigentlich doch gar nicht schlecht aus.

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Dann haben wir uns verabschiedet, ich schlief wieder im Baie de Levrier von Ali, und seinen Bruder Ahmeida wollte ich am nächsten Morgen um 8 Uhr treffen. Ahmeida ist Grenzhelfer und ich wollte seine Dienste in Anspruch nehmen. Er verlangt dafür 10 Euro. Und es war echt toll. Ich blieb fast immer im Auto sitzen, er ging mit den Papieren in die Büros, nur einmal musste ich aussteigen und meine Zeigefingerabdrücke geben, damit ich es auch wirklich bin. Getestet und für gut befunden. Kurz vor 9 war ich an der mauretanischen Grenze, 9.15 Uhr an der marokkanischen. Ahmeida ist mir in seinem Mercedes durchs Niemandsland vorausgefahren. Dort geht er auch noch mal mit meinen Papieren ins erste Häuschen, holt mir den Einreisezettel, aber dann muss ich allein weiter machen. Ist ja nicht mehr sein Land. Es geht recht flott von Haus zu Haus, bis ich an den Scanner komme. Und da staut sich’s. Nur ein Scanner für beide Richtungen. Kleine Fahrzeuge aus Richtung Marokko müssen nicht durch, nur LKW, aber aus Mauretanien müssen alle durch. Es passt jeweils nur einer der großen, leeren Laster hinein. Das kann ja munter werden. Es dauert eine ganze Weile, bis ich mir den Ablauf verinnerlicht habe. Mal ein Laster von der Seite, mal einer von uns, aber keiner der kleinen Fahrzeuge. Da gehe ich zum Responsable, ganz freundlich, und erkläre ihm, dass ich noch bis Boujdour muss, da es vorher kein Hotelzimmer gibt. Bin doch eine arme Frau allein. Und irgendwie hat er Verständnis. Noch ein großer Laster, dann kommt ein kleiner und mein Vordermann und ich kommen noch rein. Kurz vor 11 bin ich durch alles durch, genau 2 Stunden, während es auf dem Hinweg 4 waren. Der Zöllner, der verzweifelt meine Fahrgestellnummer gesucht hatte, erkennt mich wieder und so bin ich bei ihm diesmal schnell durch.

Diesmal will ich möglichst viele Kilometer hinter mich bringen, nur einen kleinen Abstecher mache ich, ich schaue mir noch den freien Stellplatz bei Imlili an, wo ich auf dem Hinweg im Vorbeifahren Wohnmobile gesehen hatte. Und ich finde mal wieder eine wunderschöne Stelle. Bisher dachte ich immer, zwischen Dakhla und Grenze ist gar nichts, es lohnt sich nicht, dort hin zu fahren, wenn man nicht bis Mauretanien will, aber ich muss da doch komplett umdenken. Es gibt unglaublich schöne, einsame Buchten hier. Diese hier ist ganz einsam, eingerahmt von fast weißen Sanddünen. Die Wagen stehen auf einem Plateau über der Bucht, es haben sich lauter Quadfahrer hier eingefunden, und die Dünenlandschaft ist bestimmt wunderschön zu fahren. Zumindest stören sie niemand mit dem Lärm, es sind außer einem Militärposten keine Bewohner da.

24.2. Zurück nach Nouadhibou

Gestern ging es wieder die vielen Kilometer zurück nach Nouadhibou ins Baie de Levrier, wo mein Land Rover steht. Es ist richtig heiß geworden, für Nouakchott waren 30 Grad gemeldet. Hier in Mauretanien ist es auf jeden Fall im Winter sehr angenehm, viel wärmer als in Marokko und von daher besser fürs Überwintern geeignet. Aber das Leben ist schon etwas teurer hier, zumindest für Touristen, die auf den Wechselkurs angewiesen sind. Eine vernünftige, saubere Unterkunft kostet über 30 Euro, und was geboten wird, zum Beispiel Frühstück, ist eher bescheiden. Campingplätze gibt es kaum, und die wenigen haben äußerst bescheidene Einrichtungen. Man muss halt schon einen ausgeprägten Sinn fürs Abenteuer haben, hier längere Zeit zu bleiben. Ich bin ganz froh, dass es nun wieder zurück ins schöne Marokko geht, habe aber noch einige schwierige Tage vor mir, denn die Westsahara ist auch nicht viel komfortabler als Mauretanien und ich möchte noch nach Smara. Dann ab Tata wird es langsam etwas besser und ich hoffe, Naji in Foum Zguid anzutreffen, wo ich gerne ein paar Tage im Bab Rimal bleiben möchte.

Im letzten Jahr hatte ich mir Gedanken gemacht, ob ich eventuell eine Gruppe von Wohnmobilen zusammenstellen soll, um sie nach Mauretanien zu führen. Es gibt bereits eine Liste von Leuten, die Interesse gezeigt haben. Und ich habe hier vor Ort sogar schon Deutsche getroffen, die es ganz allein gemacht haben und bereits seit vier Wochen hier sind. Wollen heute genau wie ich zurück fahren. Aber ich habe klar erkannt, dass ich nicht die Person dazu bin. Da gehört eine Führernatur dazu, der es Spaß macht, sich um eine solche Gruppe zu kümmern, dies alles zu organisieren. Ich bin eher die Einzelgängerin. Ich fahre am liebsten alleine. Freue mich immer, wenn ich interessante Menschen treffe, mit denen ich einige Tage etwas zusammen unternehmen kann. Aber dann geht’s wieder allein weiter. Idoumou dagegen brennt darauf, einer Gruppe von deutschen Wohnmobilisten sein geliebtes Mauretanien zu zeigen. Ich habe mir deshalb folgendes ausgedacht: Wenn ich wieder zu Hause bin werde ich alle Interessenten anschreiben und zu einem Treffen einladen. Dann können wir uns austauschen, ich kann über alle Erfahrungen genau berichten, und dann können die Teilnehmer entweder alleine solche Reise antreten oder idealerweise finden sich einige, die zusammen fahren möchten. Die Gruppe wird dann an der Grenze von Idoumou abgeholt, es geht durch schöne Landschaften, die mit dem Mobil erreichbar sind, und wo es nicht mehr weiter geht, wie zu den Krokodilen, wird eine Geländewagenfahrt organisiert. Ich muss zuerst mal in Deutschland einen schönen Treffpunkt finden, dann sehen wir weiter.

22.2. Nouakchott – Sebkha

Gestern Abend traf ich mich mit meinen zwei deutschen Freunden, die ich auch schon in Marrakech getroffen hatte. Eigentlich war ausgemacht, dass wir uns in Nouakchott treffen und dann evtl. etwas gemeinsam unternehmen. Aber sie waren schon zwei Tage vor mir in der Stadt, haben das touristische Programm, so wie ich es in meinem Buch beschreibe, durchgemacht und langweilten sich. Statt auf mich zu warten fuhren sie für zwei Tage nach Atar. Gestern Abend also trafen wir uns kurz, heute früh sind sie weiter nach Kiffa und Mali.
Wie anders sind doch meine Tage hier in Nouakchott. Von Langeweile keine Spur. Heute ist der dritte Tag und ich habe nichts von dem touristischen Programm gemacht, stattdessen für mein Buch recherchiert und dabei die herrlichsten Erlebnisse gehabt. Wie gestern schon am Strand. Heute früh habe ich zunächst Idoumou in die Werkstatt begleitet, weil er etwas reparieren lassen wollte. Und dabei dann gleich auch alle wichtigen Werkstätten der Stadt für mein Buch aufgenommen und die Inhaber fotografiert. Allzuviel Arbeit war das nicht, denn in punkto Autoreparatur steht man hier eher auf zusammennieten, Hauptsache, der Motor läuft. In Abouds Werkstatt traf ich dann eine Frau. Sie ist irgendwie selbstständig, genau kapierte ich nicht, was sie macht. Sie fährt so einen alten Pickup, auf den sie schwört, und der brauchte einen neuen Motor. Also war sie bei Aboud genau richtig. Und nun bleibt sie den ganzen Tag neben dem Auto und beobachtet alles. Es war sehr interessant, mit ihr zu reden. Ein Foto wollte sie allerdings nicht. Wir sprachen über die Unterschiede in den Lebensweisen, sie hat auch schon in Frankreich gelebt, und meinte, wir würden die Alten wegschmeißen (jeter in französisch), indem wir sie in Heime geben. Hier werden die Alten geehrt und in der Familie behalten. Ja, natürlich denkt man dann sofort an seine eigene Familie und daran, wie selten man von ihr hört. Und die Essenreste würden nach der Mahlzeit in den Kühlschrank gegeben, hier würde man sie den Armen weiter geben. Und sie war auch sehr stolz darauf, eine muslimische Frau zu sein, war bereits in Mekka, aber hält nichts davon, wie sich manche arabische Frauen so verschleiern, dass von Gesicht und Händen nichts mehr zu sehen ist. In Mauretanien wären die Frauen frei, könnten gehen, wohin sie wollten. Ich kann das bestätigen. In den Cafés sitzen immer auch Frauen, rauchen sogar, und ich habe nie gesehen, dass sie angemacht worden sind. Und auch von Extremisten hält sie nichts.
Dann ging es noch mal ins Viertel Sebkha, weil dort zwei wichtige Werkstätten liegen. Ein sehr interessanter Stadteil nahe zum Hafen, dort hat sich hauptsächlich die senegalesische Bevölkerungsgruppe angesiedelt, da sie fast alle irgendwie beruflich mit Fisch und dem Hafen zu tun haben. In diesem Viertel haben nicht alle Häuser fließend Wasser, weshalb die Wasserverkäufer mit ihren Eselskarren sehr viel zu tun haben. Dort ist vor allem ein wunderbar bunter Markt, der Marché Cinquième, den ich neulich schon kurz besucht hatte. Völlig frei von Touristen und mit einem farbenfrohen Angebot für die Bevölkerung des Viertels. Zunächst ist es schwer, sich in diesem engen Viertel zu orientieren, doch lernt man dies recht schnell. Und die Menschen sind freundlich. Ich schlenderte umher, konnte mich doch nicht zum Kauf eines senegalesischen Kleides bewegen, da ich weder die tolle Figur der Frauen habe noch die schöne Hautfarbe, wozu die bunten Stoffe perfekt passen. Aber ich konnte zumindest einige Bilder machen. Während ich gestern noch dachte, hier kann man nicht alleine hin, habe ich es heute versucht und es war ganz problemlos. Idoumou wartete in seinem Auto, was natürlich auch hieß, dass ich nicht allzu lange bleiben konnte. Und nun habe ich mich entschlossen, diesen herrlichen Markt doch in den Führer aufzunehmen.
Zum Abschluss gingen wir dann in ein senegalesisches Lokal gleich beim Markt. Es war überraschend sauber, was sogar Idoumou bemerkte. Und es hat uns gut geschmeckt.

Am Abend dann kaufe ich zum erstenmal ein Stück des mauretanischen Kunsthandwerks. Und zwar eine schön verzierte Reisekiste zur Teezubereitung inklusive einer Teekanne und vier Gläsern. Schon die Verhandlung mit dem Verkäufer ist so anders als ich es aus Marokko gewöhnt bin, wo Handeln eine lang dauernde Kunst ist. Hier hat eigentlich der Händler alleine gehandelt, hat mir immer niedrigere Preise genannt, bis er bei 12.000 Ougiya stehen blieb für die große Kiste mit Inhalt. Ich sagte gar nichts. Genau in dem Moment rief Idoumou an. Ich fragte ihn, was so was kosten kann, er meinte er hätte neulich eine Kiste ohne Inhalt für etwa 7.000 gekauft. Da bot ich dem Verkäufer 8.000 für alles und er akzeptierte. Macht hier eigentlich gar keinen Spaß. Und er fragte irgendwie unsicher, ob er vielleicht einen Tee kochen solle. Er brachte den gleichen Spruch wie auch marokkanische Händler und sagte, ich sei der erste Kunde für den Tag und schließlich sei Samstag. Nur hier habe ich es tatsächlich geglaubt, und es war schon Abend. Hier kommt wirklich kein Tourist und kauft was, die tun mir richtig leid. Aber meine Kiste ist schön. Ich mag vor allem die Gläser. Sie werden von Frauen aus Boutilimit hergestellt, die eine emailartige bunte Verzierung auf die Gläser aufbringen. Dazu eine typische rote Emailkanne, wie es sie auch in Marokko in der Wüste gibt, aber auch mit dieser Verzierung. Sieht sehr hübsch aus. Und in die Kiste kann man dann noch Zucker und Tee geben und eventuell einen Kocher.

20.2. Crazy Driver

Es war ja schon das letzte Mal so, als ich mit Idoumou fuhr, er ist der verrückteste Fahrer, den ich kenne. Fährt jeden Meter, und zwar exakt bis vor sein Ziel, ob da nun ein Weg ist oder nicht. Und biegt ab, wo er will, ob da nun ein Auto kommt oder nicht. Die roten Ampeln in der Stadt sind für ihn nur als Farbtupfer gedacht. Und natürlich telefoniert er ununterbrochen auf zwei Telefonen, dazwischen schreibt er sms und email. Aber es ist gut, ihn zur Seite zu haben, er regelt alles. Nicht nur ist er den Reisenden bei den Einreiseformalitäten behilflich und räumt alle Hindernisse beiseite, eben habe ich ihn zu meinem elektronischen Engel ernannt. Abdou in Marokko ist ja mein gelber Engel, und er nun der Elektronikengel. Noch nie bin ich auf den Straßen mit 120 km/h dahingerast und hab gleichzeitig meine Emails gescheckt, Rechnungen geschrieben, Reiseangebote erstellt. Er hat mir eine 3G-Telefonkarte besorgt, dazu hat er ein kleines Huawei-Modem, das Wifi erzeugt. Und nun kann ich von meinem Computer im Auto ins Internet. Die Verbindung ist auf der Straße Nouadhibou – Nouakchott sehr gut.
Aber ich hatte ja auch ein Problem mit meiner Lumix-Kamera. Habe in der letzten Zeit leider viele Kameras kaputt gemacht. Die Lumix hat vorne eine Abdeckung, die manuell aufgesetzt wird. Wenn man vergisst, sie abzunehmen, erscheint ein Hinweis und das Objektiv fährt nicht aus. In Marokko fiel mir die Kamera auf einen Betonfußboden, Deckel kaputt. Und nun glaubt die Kamera immer, dass der Deckel noch drauf ist und fährt nicht raus. Ich dachte, hier in Nouakchott kann man alles reparieren. Wir also hin zu einem Spezialisten. Er hat alles versucht, aber hat es nicht hinbekommen. Dann sagt Idoumou beim Fahren, gib mir die Kamera, ich mache das auf meine Art. Nun, sie ist eh nicht mehr zu benutzen, also bitte. Er hält mitten auf der Straße, steigt aus, schmeißt die Kamera auf den Asphalt, und das Objektiv fährt aus. Einfach unglaublich. Dies ist das erste Foto, das ich dann damit gemacht habe.

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Heute war ich auf einem absolut interessanten Markt. Ich brauche ihn nicht erst in den Reiseführer aufzunehmen, denn man geht dort nicht alleine hin, braucht schon eine einheimische Begleitung und sollte auch sein Auto dort nicht unbewacht stehen lassen. Er ist im Stadtteil Sebkha, wo hauptsächlich der schwarze Bevölkerungsanteil wohnt. Ich wäre gerne langsam durchgeschlendert, überall gab es die schönen Kleider der schwarzen Frauen, aber mein Führer lotste mich ziemlich schnell durch und wir fanden doch nicht das richtige. Ein so farbenfrohes Bild! Hier mit Zeit und einer einheimischen Frau durchzugehen wäre ideal.

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Am Nachmittag dann besichtigen wir das neue Camp von Sylvie. Sie hat ursprünglich eine sehr schöne Auberge in Chinguetti, da dort aber keiner mehr hinkommt hatte sie im Park Diawling an der Grenze zu Senegal ein Biwak eröffnet. Ich war im letzten Jahr dort und fand es wunderschön. Da aber auch dort keine Gäste hinkamen hat sie nach einem kurzen Umweg über Senegal nun am Strand von Nouakchott ihr Biwak errichtet. Es gefällt mir zwar dort weniger gut als im Park, aber es ist halt nicht so abgelegen und es kommen schon eher mal Gäste. Auch einfach nur mal so zum Abendessen und das ist bei ihr immer sehr gut. Mit Wohnmobil kann man es nicht erreichen, aber wunderbar mit dem 4×4 auf einer sandigen Piste. Sie nimmt nur 1.000 UM fürs parken, essen ist nicht obligatorisch, aber sollte schon ab und zu sein. Eine sehr schöne und sichere Stelle.

Zurück nahmen wir dann nicht die Hauptstraße, sondern bretterten mit 100 km/h über den Strand bis zum Hotel Sabal. Einfach herrlich.

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18.2. Über die Grenze

In meinem Buch habe ich es geschrieben: es bringt nichts, früh an der Grenze zwischen Marokko und Mauretanien zu sein. Aber leider halte ich mich nicht an meine eigenen Ratschläge. Punkt 9, zur offiziellen Grenzöffnung, bin ich da. Zwei endlos lange Schlangen, links LKW, rechts PKW. Und ganz weit da vorne das Tor zum marokkanischen Posten. Wovon ich einige hundert Meter entfernt bin. Ein Schreiber nimmt 5 Dirham für den Einreisezettel und droht, wenn man es nicht bei ihm macht, würde man den ganzen Tag warten.
Die Beamten machen tatsächlich schon um 9 das Tor auf, aber zunächst nur für Fußgänger und LKW. Wir anderen sollen beim Auto warten. Und sie teilen bereitwillig den Einreisezettel aus. Die ersten am Tor sind übrigens die italienischen Wohnmobile, die ich gestern schon in Lamhiriz gesehen habe. Sie haben die Nacht in der Schlange verbracht. Ein Nachtwächter kassiert nun von allen 5 Dirham, auch von mir will er was, bekommt aber nichts, ich war schließlich in der Nacht noch nicht da. Rückblickend muss ich sagen, dass es wohl besser gewesen wäre, im Hotel direkt an der Grenze zu schlafen und den Wagen schon in der Schlange zu parken, aber am allerbesten ist es, erst am frühen Nachmittag anzukommen.
Ab und zu schert einer aus der Schlange aus und verschwindet hinter den LKW. Viel denke ich mir nicht dabei. Aber außer den Wohnmobilen kam noch keiner aus unserer Reihe ins Grenzgelände hinein. Ich komme mit den anderen Wartenden ins Gespräch, am nettesten sind die Senegalesen. Einer davon wohnt in Frankfurt. Plötzlich erfährt er, dass man den Beamten am Eingang Schmiergeld zahlen muss, dann kann man hinter den LKW vorbei nach vorn fahren. Wir beide spazieren vor, mein Senegalese klärt ab, 2x 200 Dirham wechseln den Besitzer und wir machen’s wie die anderen, fahren hinter den LKW nach vorn und ins Gelände rein. Dann geht alles seinen Gang. Erst zum Polizeischalter, Pass in die Reihe legen und warten. Aber als ich dran bin heißt es, erst zur Douane und dort einen Stempel holen. Dann wieder zum Schalter. Das Gute daran, dass die Beamten immer nur einige Wagen ins Gelände lassen, ist, dass am Schalter nicht so ein Gedränge herrscht. Meine Formalitäten gehen recht schnell, aber dann kommt der Zoll. Und sucht die Fahrgestellnummer. Bei meinem Land Rover ist sie ja oben durch die Scheibe deutlich zu erkennen. Aber das genügt ihnen nicht. Sie legen sich unter den Wagen, suchen überall und meinen, da muss doch eine ins Metall eingravierte Nummer sein. Finden keine. Also wird eine Anfrage gemacht, ob das Fahrzeug gestohlen wurde. Das habe ich schon mal erlebt, 2007. Und es dauerte fast eine Stunde. Aber diesmal geht es schneller, etwa 10 Minuten. Dann noch mal alle Personen- und Fahrzeugdaten handschriftlich in ein Buch eingetragen. Um 9 Uhr kam ich an der Grenze an, um 11.30 geht’s ins Niemandsland.

Direkt hinter dem marokkanischen Posten spricht mich ein junger Mann an. Ob ich Idoumou kenne. Er sei geschickt worden, um mich sicher über die schlimme Piste zu führen, auf der mauretanischen Seite würde dann ein weiterer Gewährsmann warten. Ich habe Idoumou, den Inhaber einer Reiseagentur, bereits auf meiner ersten Reise nach Mauretanien kennen gelernt und weiß seine Dienste zu schätzen. Er oder seine Helfer können alle Formalitäten gegen eine Gebühr erledigen und wirken auch während der reise wie eine Art Schutzbrief.

Und so war’s dann. Ich wurde in Empfang genommen, zum Polizeichef geführt, diesem lag mein Einladungsschreiben von Idoumou vor und er behandelte mich mit äußerster Höflichkeit. Erklärte kurz den Ablauf. Gab mir noch seine Adresse, im Fall, ich würde ihn irgendwie benötigen. Dann wurde ich vom Helfer direkt nebenan ins Visumsbüro geführt. Zwei ganz nette Beamte, sie nahmen Fingerabdrücke und ein Foto, schrecklich sah ich darauf aus. Ich zahlte 50 Euro für 30 Tage und einfache Einreise und war in wenigen Minuten wieder draußen. Einfach super. Kein Vergleich mit der langwierigen Prozedur mit der Botschaft in Berlin oder der Warterei in der Botschaft in Rabat, einfach, schnell, und immer noch günstiger als in Rabat, wenn man die Zeit und die Übernachtung dort einrechnet. Mein Helfer nahm dann den Pass und den Fahrzeugschein und geleitete mich weiter. Zuerst die Ehrenerklärung für das Fahrzeug, die 10 Euro kostet. Man stellte sie auf 7 Tage aus, was ich zum Glück sofort sah und bat, mir 10 Tage zu geben. War kein Problem, man änderte es. Man würde auch mehr bekommen, muss halt nur darauf hinweisen.

Dann wurden in einem weiteren Gebäude die Fahrzeugdaten erfasst. Überall traf ich auf die Gruppe der italienischen Wohnmobilisten, die warten mussten, da sie keinen Helfer hatten. Ich wurde überall zuerst dran genommen. Auch bei der Autoversicherung, die ca. 26 Euro für die 10 Tage kostete. Und verließ schließlich um 13 Uhr noch vor den Italienern die maurische Grenze in Richtung Nouadhibou.

Mein Fazit: die Einreise ist ganz klar ohne Helfer möglich. Aber mit Helfer auf jeden Fall sehr viel schneller und einfacher. Und mein Auto wurde nicht durchsucht, was ansonsten der Fall ist.

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Ein weiterer Grund, warum ich so gern die Hilfe meines lokalen Freundes Idoumou in Anspruch nehme, ist die Zeitersparnis bei allem. Binnen einer Stunde nach meiner Ankunft habe ich eine 3G-Karte fürs Handy, bin telefonisch erreichbar, und er gibt mir sein kleines Huawei-Gerät, mit dem eine Wi-Fi Verbindung zwischen Handy und meinem Computer hergestellt wird. Und ich bin wieder mit der Welt verbunden. Das einzige, das er mir nicht geben kann, ist genügend Zeit für meine Arbeit und mehr Speicherplatz in meinem mit Infos vollgestopften Kopf.

Nouadhibou

Wenn man von Marokko einreist und als erste Station nach Nouadhibou kommt, erleidet man unweigerlich zunächst einen Kulturschock. Marokko hat im letzten Jahrzehnt sehr zugelegt, hat sich wunderbar entwickelt, die Campingplätze und die Hotels sind heute sauber und ordentlich, die Straßen in den Städten sauber angelegt mit Bürgersteigen, die mit Palmen bepflanzt und mit Laternen bestückt sind. Die Einfahrtsstraße nach Nouadhibou nenne ich Avenue des Chèvres. Bürgersteige gibt es nicht, der Müll liegt überall am Wegesrand, und die Ziegen laufen umher, um noch was verwertbares darin zu finden. Das darf auch gern Pappe sein. Die Autos sind Schrottkisten. Es gibt zwei Campingplätze in der Stadt. Baie de Levrier ist der kleinere, ich finde ihn als Campingplatz etwas gemütlicher, es ist ein kleiner, sandiger Hof von Zimmerchen umstanden. Dazu gehören ein nach vorne offener Raum mit einer kleinen Küche und zwei WC mit Dusche. Nicht sehr sauber. Die Zimmer haben nur Schaumstoffmatten und harte Kissen, keine Bettwäsche, keine Handtücher. Das gabs mal in Marokko vor 20 Jahren, aber heute hat sich doch sehr viel geändert. Dieser Camping hat sich absolut nicht geändert seit 2007. Dennoch empfehle ich ihn. Denn der zweite Platz, Abba, ist noch viel ungemütlicher, die Sanitäranlagen noch schlechter. Es ist ein großer Platz, so dass alle mit großem Fahrzeug hierhin müssen, aber er wirkt eher wie der Hof einer Werkstatt oder so. Ursprünglich mal von einem Franzosen angelegt mit Stellplätzen, die von Büschen abgeteilt wurden, ist davon heute nichts mehr zu sehen, es sieht trostlos aus, keine Pflanzen, kaum Stromanschlüsse, nur Staub. Die Zimmer allerdings sind eine Idee besser als Baie Levrier, haben Möbel und es gibt sogar eines mit Dusche und WC. Die Bettwäsche lässt auch hier zu wünschen übrig.

Aber immerhin scheint mein Wunsch auf eine Diätwoche nach der Völlerei in Marokko aufzugehen. Als Idoumou hörte, dass ich an der Grenze angekommen sei, orderte er bei seiner Familie in Nouadhibou sofort ein Willkommens-Barbecue für mich, wie er es ausdrückte. Wir trafen uns am Campingplatz und fuhren zum Haus der Familie, eine dampfende Schale mit gebratenem Fleisch wurde hereingetragen und Idoumou legte mir die besten Stücke vor. Aber ganz ehrlich – für mich waren es nicht die besten. Man hat einfach alles von einem Kamel, was gerade so kam, gebraten und ich konnte es meist nicht so richtig identifizieren. Danach kam noch eine große Schüssel Reis, ich griff mehr als vorsichtig zu. Am Abend dann hatte ich Hunger. Außerdem wollte ich mich mal in Ruhe mit Idoumou über mein Programm für die nächsten Tage unterhalten und schlug die nahe gelegene Patisserie vor, denn auf dem Campingplatz schüttete mich der Inhaber Ali dauernd mit Informationen zu, mein Kopf platzte schon nach dem doch sehr anstrengenden Tag. Doch war dies eine schlechte Idee. Die Patisserie war vollkommen verräuchert, der Fernseher brachte ein Fußballspiel, ich glaube es war Dortmund, ich bestellte aus der Karte einen Cheeseburger, der aber nie kam, und Idoumou nahm jede Gelegenheit, nach dem Burger zu fragen, wahr, um das Fußballspiel zu sehen. Als dann noch ein örtlicher Guide an den Tisch kam und von mir im Buch erwähnt werden wollte, reichte es mir, ich war am Ende und ging ohne Essen zurück ins Camping. Dort allerdings freute Ali sich, dass er mich wieder zudröhnen konnte. Und nun ist es fünf Uhr morgens, ich kann nicht schlafen und sitze schon wieder an der Arbeit. Ach, wie schön ist Mauretanien.