Archiv der Kategorie: Florida

Chlorhühnchen

Sicher erinnern sich noch alle an die Chlorhühnchen von den TTIP-Verhandlungen. Genauso fühle ich mich nun. Auch heute Morgen, nach einer erholsamen Nacht, rieche ich noch komplett nach Chlor und auch mein Badezimmer, wo der Bikini trocknet, duftet diskret nach der Chemikalie. Zumindest bin ich nun weitgehend keimfrei.

Aber wie kam das? Gestern war ich wieder in meiner schönen Gym, natürlich mit dem üblichen Abschluss der 10 Minuten im Jacuzzi. Der ist stark gechlort, muss ja sein als öffentliches Heißwasser-Paradies für Keime. Wie immer waren auch andere Leute dort, darunter ein recht gut aussehender Mann, den ich auf 50+ schätzte, nur wenig älter als mein Sohn. Nach meinem ersten Wort fand er heraus, dass ich Deutsche bin (wie geht das eigentlich so schnell). Und daraufhin waren alle anderen im Becken abgemeldet. Wir stiegen ein in eine so lange, interessante Unterhaltung, dass ich am Ende 1,5 Stunden in der Chlorbrühe saß. Manchmal auf dem Rand, weil kein Kreislauf das aushält, dann wieder im Becken. Und es war ziemlich schwierig, im endlosen Redefluss von Al eine Pause zu finden, wo ich einwerfen konnte, dass wir die Unterhaltung doch lieber an einem anderen Tag weiterführen sollten. Aber schön wars. Al ist nicht der typische Florida-Redneck, der niemals aus dem Land heraus kommt und kein Wort einer Fremdsprache spricht. Er ist aus New York, war Banker in Wall Street, hat dort wohl so viel zusammen gezockt, dass er nun nicht mehr arbeiten muss, lebt in Florida, aber reist um die ganze Welt. Wo er wie ein Seeman in jedem Hafen eine Braut hat. Dazu spielt er Gitarre, teils auch in einer Band und ist wirklich eine sehr interessante Persönlichkeit. Irgendwann kamen wir aufs Alter zu sprechen und ich war ziemlich platt zu erfahren, dass er 63 ist. Er sieht selbst für einen, der 53 wäre, sehr jugendlich aus. Witzig war nur, als wir aus dem Becken stiegen und ich merkte, dass er fast einen halben Kopf kleiner ist als ich. Aber Größe zeigt sich anders.

Doch ich musste weg, da ich am Abend mit Carla im First Turn verabredet war. Bob war natürlich auch dort. Der Abend war kalt, und so baute die Band diesmal ihre Instrumente im Innenraum auf, ungewöhnlich, denn sonst bleibt trotz Kälte, Sturm und Regen jeder draußen, hält sich rund um das Fire Pit warm. Diesmal also drin, was insofern schlecht war, dass es nicht genug Platz zum Tanzen gibt. Denn Carla hat die Musik im Blut und liebt Tanzen, ich habe ja auch Lust dazu, traue mich aber nicht allein auf die Tanzfläche. Und Bob ist ja ziemlich faul geworden. Um 18 Uhr fing die Band also an, sie heißen Penta, sind Altrocker, und waren superspitze gut. 18 Uhr ist die Florida Zeit, da geht man abends aus und liegt dann meist um 22 Uhr schon im Bett. Und es dauerte nicht lange, da rockten auch Carla und ich und eine Menge anderer Mädels in dem engen Gang herum. Das ist genau das was ich an Florida liebe. Man kann in jedem Alter ausgehen, findet immer gute Bands, kann tanzen, was das Zeug hält und braucht noch nicht mal einen Partner dazu. Ein Deutscher würde nun sagen: Hier fühle ich mich wieder jung. Aber ein Floridianer kann immer jung sein, egal in welchem Alter. Es gibt so viele Möglichkeiten, auszugehen, dass ich schon jetzt wieder in meine Depression verfalle, wenn ich an Taunusstein denke. Dort gibt es am Abend nichts, als auf der Couch zu sitzen. Selbst im nahen Wiesbaden sind die coolen Lokale nur für die Jugend, da kann man als alte Frau alleine nicht hingehen und Spaß haben.

Ach, ich will nicht heim.

Lehigh Bike Trail

So viele Leute fahren zum Shoppen und für die Themenparks nach Florida, mich interessiert das überhaupt nicht. Die Natur ist mir wichtig, und die kann man wunderbar in den Parks erleben. Was ich aber erst seit diesem Jahr so richtig schätze sind die Bike Trails. Da tut Florida etwas, was es in Deutschland so nicht gibt. Es sind nicht Fahrradwege gemeint entlang der Straßen, sondern es sind eigens angelegte Fahrradwege durch die herrliche Natur. Meist schön asphaltiert mit 2 Spuren, aber teils auch richtig schwere Mountainbike Trails. Mein Sohn beabsichtigt, einmal mit dem Rad von Miami herauf zu mir zu fahren, so habe ich ihm also kurzentschlossen ein Buch gekauft: Florida’s Paved Bike Trails (hoffe, er liest nicht den Blog). Und natürlich auch sofort ausprobiert. Das erste Problem sah ich sofort beim Aufschlagen. Das Buch ist Ausgabe 2016, aber der schöne Biketrail in Edgewater ist nicht drin. Es gab ihm schon im letzten Jahr, aber wann er genau eröffnet wurde weiß ich nicht. Ich habe mir den Trail ausgesucht, der am nächsten bei mir liegt, der Lehigh Trail in Flagler Beach.

Viele hier wissen es ja, ich schreibe Reiseführer, aber über Marokko, und dort geht es in erster Linie um Routenbeschreibungen, also genau um das, um was es hier auch geht, wenn auch das Verkehrsmittel unterschiedlich ist. Und da habe ich dann auch die erste Kritik. Die Beschreibung ist viel zu ungenau, das könnte ich besser. Die Straße, in der er beginnt, heißt Colbert Lane und nicht wie im Buch Colbert Boulevard. Eine Hausnummer gibt es nicht, deshalb hätten hier die GPS-Punkte stehen müssen, die ich natürlich sofort aufgeschrieben habe. Am liebsten möchte ich nun einen Radreise-Führer über Florida schreiben, aber wer soll ihn in Deutsch kaufen. Die Disney-Shopper bestimmt nicht. Und mein Englisch ist nicht gut genug für ein Buch. Er beschreibt nur die Trails an sich, ich würde ein richtiges Radreise-Buch daraus machen mit den Dingen, die man am Rande sehen und wo man schlafen kann.

Zu Beginn gibt es einen Parkplatz (N29 30.107 W081 09.557) mit Klohaus, auf dem Trail gibt es keines mehr. Der Trail fängt dann 300 m versetzt mit einem Boardwalk über ein Sumpfgebiet an und reichlich Warnschilder vor den Alligatoren. Die müssen das aber gelesen haben, denn sie lassen sich nicht sehen. Aber sonst, Wildlife pur! Selbst bei meinen Kayakfahrten habe ich nicht so viele Vögel gesehen, dazu gab es zwei Gürteltiere. Es geht meist schnurgerade in Ost-West-Richtung entlang eines künstlich gegrabenen Kanals, die Landschaft ist sumpfig bestanden mit Palmen und anderen Bäumen, sehr, sehr hübsch und keine Wohnhäuser. Hin und wieder gibt es Bänke und Abfallkörbe, alles ist sauber und gepflegt. Die insgesamt 6,7 Meilen sind alle halben Meilen mit Markern versehen. Dazwischen müssen zweimal Straßen überquert werden.

Nach 3,6 km die Old Kings Road mit der auf einer Brücke kreuzenden Autobahn I95. Dort ist ein nicht-gekennzeichneter bzw. nicht-asphaltierter Parkplatz. Und auch eine Reparaturstation, falls jemand einen Platten hat.

Jenseits der Straße geht es wieder am Kanal entlang bis nach 6,5 km der Belle Terre Parkway kommt, der am sichersten an der versetzt liegenden Ampel zu überqueren ist. Nach 11 km enden sowohl der Kanal als auch der Pfad an der US1 (N29 29.774 W081 15.887), wo keine Parkmöglichkeit wäre. So kann der Pfad nur vom Osten oder von der Mitte aus angegangen werden und man muss die gleiche Strecke zurück fahren.

Stress pur

Oh Mann, es gibt ja immer so viel zu tun. Prince redet ja schon lange mit mir, es gibt eine richtige Miau-Konversation zwischen uns, aber die anderen Katzen sind scheuer. Seit einigen Tagen kommt aber die Graue immer näher, ich darf sie vorsichtig streicheln und heute hat sie den Mund aufgemacht und zum ersten Mal miaut. Und ich habe ganz klar verstanden, was sie maute: Gib mir doch endlich ein eigenes Schälchen, damit der dicke Kater mir nicht alles wegfrisst. Das habe ich natürlich sofort befolgt als anständige Katzenbedienerin. Nur die Schwarze traut sich nicht herbei, muss warten, bis die anderen satt sind und kommt dann für die Reste. Ich schaue immer mal aus dem Fenster, um zu sehen, was da so vor sich geht, aber eben war ich doch ziemlich erstaunt, das große Monstrum ist doch nicht die schwarze Katze. Das ist der Waschbär, der immer tiefe Löcher in meinen Garten gräbt, um nach Würmern zu suchen. Gleich rase ich raus, um ihm das leckere Futter wegzunehmen. Und kurz darauf kommt der schwarze Kater und schaut in die Röhre. Und mich von weitem auffordernd an. Natürlich fülle ich ihm sofort erneut einen Teller.

Und während diese lebhaften Besuche am Boden stattfinden kommen einen Stock höher die Vögel zum Häuschen, auch hier ist viel Betrieb. Noch besser besucht ist jedoch das Futterhaus hinten. Dort fliegt abwechselnd eine ganze Schar von Rotschulterstärlingen an, stürmt mein Futterhaus, so dass viele Körner auf den Boden fallen, die dann von der ebenso großen Schar von Tauben aufgepickt werden. Das kann ich aber nicht fotografieren, sie sind so scheu, dass schon ein Schatten hinter dem Fenster sie aufschreckt. Dieses Jahr ist der Winter in Florida unverhältnismäßig kalt, da ist es wichtig, dass man auch an die Vögel denkt. Wenn es mild ist kommen sie kaum, da finden sie genug frisches Futter in der Natur.

Bei all diesen Aktivitäten rund ums Haus ist es ja kein Wunder, dass ich kaum dazu komme, meinen Blog zu schreiben. Auch die schönen Events mit Explore Volusia mussten zum Teil abgesagt werden wegen dem schlechten Wetter. Aber am Freitag konnten wir endlich mal wieder Kayak fahren, wir waren 19 Boote, eine ganz schön große Gruppe. Es ging auf den St. Johns River. Alligatoren haben wir ja vom Kayak aus leider noch nie gesehen, aber viele, viele Vögel waren am Ufer. Es hat einfach wieder Spaß gemacht. Am Abend ging es dann wieder ins First Turn, es war ein milder Abend und die Tiki-Bar im Freien gut besucht. Am kalten Samstag dagegen ging ich mit Bob lieber in den Eagle Club, wo wir drinnen sitzen konnten. Das ist ein privater Club, in dem man Mitglied sein muss, was sehr beliebt ist in USA, und es war auch richtig voll. Altersgrenze so ab 69, wir gehörten zu den Jüngsten.

Mutter der Kompanie

Sie fressen mir die Haare vom Kopf! Was soll nur werden, wenn ich in einem Monat wieder abreise? Wenn die 3 Katzen und die Heerschar von Vögeln das Sagen hätten hier in USA statt dem Clown da oben, sie würden mir sofort die Greencard ausstellen. Bei der Kältewelle sind die Vogelhäuser vorne und hinten gut besucht, der große Futtersack hat sich absolut gelohnt, nur beim Katzenfutter habe ich immer noch nicht auf den Zentnersack umgestellt und muss ständig Kilo-Tüten heran schaffen. Die Katzen fühlen sich bei mir inzwischen vollkommen zu Hause, eigentlich gehört das Anwesen eher ihnen. Prince kommt ja nicht mehr ins Haus, warum weiß ich nicht, aber draußen ist er zu Hause. In den kalten Winternächten, die wir zur Zeit haben, kuschelt er sich in das mollige Kissen auf meiner Hollywood-Schaukel unter dem Carport, am Morgen dagegen liegt er auf der sonnigen Terrasse hinter dem Haus und schaut den Vögeln zu. Und auch die beiden anderen Katzen kommen immer näher, dürfen aber nicht auf der Schaukel schlafen, obwohl da genug Platz wäre. Prince ist der Chef und gibt den Ton an, er duldet keine Katzen neben sich und muss immer zuerst fressen. Den starren Hungerblick haben alle drei gut drauf, den Blick: Nun füll doch endlich das Schälchen! Heute früh durfte ich zum erstenmal die graue Katze kurz streicheln. Meine Nachbarin ist ja immer öfter beim Boyfriend, so dass ich für die Tierchen wichtig geworden bin. Und Vogelhäuser gibt es keine anderen in der Nachbarschaft. Witzig ist ja auch, dass vorne und hinten jeweils unterschiedliche Vogelarten kommen, vorne ist es meist der rote Kardinal und die Indianermeise, während hinten kleinere, unscheinbare Vögel kommen, viel von dem Futter auf den Boden werfen und dies wiederum von kleinen Täubchen aufpickt wird.

Die Kältewelle nutze ich vorwiegend, um an meinem Buch zu schreiben, aber heute war doch wieder ein Ausflug angesagt, diesmal mit einer neuen Gruppe. Es war sehr nett und ging zur Princess Place Preserve, die ich schon von früheren Besuchen kannte. Sie ist in Palm Coast, etwa eine Stunde entfernt. Und es war kalt, sehr kalt. Die Floridianer hatten ihre Winterkiste ausgepackt, kamen mit Mütze, Schal und Handschuhen, ich bin nicht ganz so gut ausgerüstet, aber es ging. Denis hat uns geführt, mehr Wert auf Pflanzen als auf Vögel gelegt, wir stapften über überflutete Wiesen, aber es war wieder richtig nett. Und ich habe einen neuen Vogel für meine Sammlung entdeckt, Nummer 99, den Keilschwanz-Regenpfeifer.

Plenty of Rain, but no Snow

Diese Überschrift in der heutigen Wettervorhersage für Central Florida lässt doch etwas stutzen: Schnee in Florida? Aber wir haben seit einigen Tagen eine solch schlimme Kältewelle, wie sie seit Jahrzehnten in Florida nicht herrschte, und das brachte die Social Media schon dazu, Schnee zu sichten und die Wetterleute im TV dazu, dies zu verneinen. Aber auch so reicht es. Freunde aus Deutschland kamen an Silvester zu Besuch, ich hatte mich sehr darauf gefreut und viel geplant, wollte doch alles, was schön ist hier bei mir, stolz vorzeigen. Der Silvesterabend war auch noch nett, sie kamen bei Sonnenschein an, doch konnten wir das nicht ausnutzen, denn das New Year Eve – Menü wartete schon und danach fuhren wir nach Daytona Beach zur Main Street, wo eine große Straßenfete stattfand mit vielen guten Bands. Ich hatte mich ziemlich warm angezogen, weil der Abend vorher kalt war, doch wurde mir das bald zu warm, denn der Abend war eher mild. Und auch als wir mit allen anderen zum Strand zogen, um dort das Mitternachtsfeuerwerk anzuschauen, war es immer noch angenehm. Leider hatte ich – wie immer – die Sektflasche zu Hause vergessen, aber dadurch gab es auch keine Probleme mit der aufmerksamen Polizei.

Am Neujahrstag dann war ein Ausflug nach Saint Augustine geplant, um noch schnell die schöne Weihnachtsbeleuchtung zu erleben und natürlich auch, damit Norbert und Rebecca die älteste Stadt des Landes kennenlernen konnten. Doch der Morgen begann mit Regen und Sturm. Nach ausführlichem Studium aller Wettervorhersagen war klar, St. Augustin ist gestrichen und auch sonst können wir nur etwas machen, wo wir im Trockenen sein können. Also zeigte ich Ihnen auf einer Rundfahrt mein schönes Daytona Beach, historical District mit Spukhaus, Beach Street und International Speedway Boulevard, dann ging es in die Volusia Mall und zum Abschluss in den Bass Pro Shop. Das ist nicht nur ein Laden, sondern eine Sehenswürdigkeit, erst im letzten Jahr eröffnet gehört er fest zum Sightseeing-Programm. So einen Laden muss man einfach gesehen haben. Er hat alles, was man so für das amerikanische Outdoor-Leben braucht, Zelte, Boote, Angeln und natürlich Unmengen von Waffen, aber auch die passende Tarnkleidung. Und der ganze Shop ist mit ausgestopften Tieren geschmückt, das Aquarium unterhalb des Wasserfalls hat lebende Fische.

Aber ein bisschen was wollte ich doch auch von der schönen Natur zeigen. Also fuhren wir nach New Smyrna Beach, ein wunderschönes Örtchen am Meer mit einer Flaniermeile mit kleinen Läden und wunderschönen alten Holzhäusern. Doch zuvor wollte ich in den Dünenpark, wo Bretterwege über die Dünen führen und wir ein wenig laufen wollten. Genau als wir ankamen fing der Regen an zu prasseln. Richtig heftig. Ich schlug dennoch einen kurzen Gang mit Regenschirm vor, Rebecca und Norbert waren viel zu höflich, um nein zu sagen, und los gings. Genau bis hinter den Restroom, wo die offene Landschaft der heftigen Brise so richtig freie Bahn gab und unsere Regenschirme mal sofort umknickten. Also, das war ein Satz mit X.

Wir fuhren wieder zurück als ich merkte, dass die Zufahrt zum Strand offen war. Rebecca konnte sich ja nicht vorstellen, dass man am Strand Auto fahren kann. Also nichts wie hin. Neujahr war ja der erste Tag, wo der Tagespreis für den Strand auf 20 $ hochgesetzt worden war, aber ich glaube, keiner der auswärtigen Besucher kommt an diesem Tag auf die Idee, das zu bezahlen. Ich habe ja meinen Resident Pass, der nicht teurer geworden ist. Und dann begann das Abenteuer. Ich habe mich gefühlt wie in der Sahara, oder auch auf der Ebbstrandpiste in Mauretanien. Die Spuren waren kaum zu erkennen, die Brandung toste wild, die wenigen Möwen stellten sich in Gruppen gegen den Sturm, die Verkehrszeichen waren irgendwohin geweht worden, das Auto war kaum in einer geraden Linie zu halten, der Wind versuchte uns wegzuwehen und als die Räder schließlich ein wenig durchdrehten genau wie im FechFech der Sahara, da war klar, wir müssen umkehren, wenn wir nicht buddeln wollen. Aber dieses kleine Abenteuer war doch der Höhepunkt des Tages, von dem wir noch oft reden werden.

Und heute Morgen stand in der Zeitung, dass alle Strände in Volusia County vorläufig für Autos und Schwimmer gesperrt sind. Der Markierungen sind weg geweht, müssen erst neu aufgestellt werden, natürlich muss erstmal der Sturm abgewartet werden, und, was ich noch lustig fand, alle Strandduschen seien weg geweht worden. Ja, dann kann man natürlich erst mal nicht mehr schwimmen.

Am nächsten Morgen riet ich dann Norbert dringend davon ab, doch noch nach Saint Augustine zu fahren, sondern statt dessen über den schönen Blue Springs Park, wo sich bei diesem kalten Wetter die Manatees treffen, weiter an die südliche Westküste zu fahren, wo es doch etwas angenehmer ist. Und abends war dann tatsächlich auch ein Bericht im TV, wie unglaublich viele Manatees sich dort gerade tummeln.

My first ball game in USA

Gestern hatte ich ein richtiges Date. So, wie das hier in USA läuft. Man geht ins Kino, zum Essen oder eben zu einem Ball Game. In Deutschland interessiere ich mich nicht für Sport, weder live noch im TV, hier eigentlich auch nicht, aber man muss ja alles einmal gemacht haben. Also ließ ich mich gerne zu einem Basketball Spiel einladen. Gespielt haben die Eagles von der Embry Riddle University (ERAU), eine aeronautische Universität, wo man sich zum Beispiel zum Berufspiloten ausbilden lassen kann und wo deshalb sehr viele ausländische Studenten eingeschrieben sind. Gegner waren die Spartans von der Tampa University. Leider sind gerade Schulferien, das heißt, es gab keine Cheerleader und keine musikalische Einlage, echt schade. Und daher waren auch nicht sehr viele Zuschauer da. Zuerst haben wir noch das Ende des Spiels der Damen gesehen, für die Eagles spielt eine große, hellblonde Deutsche und sie ist auch sehr gut. Leider haben die Mädels gegen das überragende Team von Tampa verloren. Dann kamen die Jungs, auf die ich mich sehr viel mehr gefreut habe. Wer sieht nicht gerne einen gut gebauten, großen jungen Mann. Im Programm steht für jeden Spieler Größe und Gewicht. Der größte Player gehörte zu dem Tampa Team, er misst 7 feet, 1 inch, das sind ganze 2,16 Meter. Wahnsinn. Doch war er gut eingehüllt in seine warmen Hosen, er scheint verletzt zu sein und spielt nicht mit. Im Tampa Team waren sehr viele Schwarze, weniger Afro-Amerikaner als Studenten aus der Karibik, und sie waren sehr, sehr gut. Bei den Eagles überwiegen die weißen Spieler und hierbei vor allem welche aus Serbien. Sie waren dann auch bei weitem die besten im Team.

Gegenüber einem Fußballspiel ist Basketball sehr viel flotter und ereignisreicher. Die Spielzeit dauert 2x 20 Minuten, unterbrochen von 15 Minuten Pause. Nach Balleinwurf haben die Spieler 30 Minuten Zeit, den Ball ins gegnerische Körbchen zu werfen, dann geht es andersherum. So lange das Speil läuft, läuft auch die Uhr, aber zwischendurch wird oft die Zeit angehalten, um das Team zu sammeln. Insgesamt hat das Team so um die 12 Spieler, auf dem feld sind 5, aber sie werden oft ausgewechselt. Ich fand alles sehr viel spannender als ein Fußballspiel. Nur leider, unsere ERAU-Jungs waren gut, die Tampas jedoch viel besser. Nicht nur haben sie so ziemlich jeden Ball eingetütet, sie haben auch die Gegner am Korb so sehr behindert, dass die ihr Ziel meist verfehlten. Nur einmal lagen die Eagles nur 4 Punkte zurück, das Endergebnis war 98 zu 82 für Tampa. Echt spannend. Und wenn die Cheerleader wieder da sind will ich nochmal zu einem Spiel.

https://youtu.be/VMOIesrsFWw

Auf dem Heimweg haben wir dann noch bei First Turn gestoppt. Es war eine ziemlich kalte Nacht, zu der die Reggae Musik nicht richtig passte. Aber ein großes Feuer erwärmte uns und es war ein richtig schöner Abend. Noch einmal kann ich nun mit Ricardo ausgehen, aber das dritte Date muss unbedingt vermieden werden. USA-Kenner wissen warum.

Älter werden

Als ich heute so in meinem Jacuzzi saß, mir gegenüber ein älterer Herr, überlegte ich, wie alt er wohl sein mag. Es geht euch doch sicher auch so, dass ihr das immer in Bezug auf die eigene Person macht. Ist er älter oder jünger als ich. Und da dachte ich, oh Gott, das geht nicht mehr lange. Dann komme ich zu dem Punkt, wo alle Männer jünger sind als ich, ist doch die Lebenserwartung der Frauen so viel länger. Da heisst es nur, den Tag genießen und nicht an morgen denken.

Auch mein Nachbar macht mir Sorgen. Es ist ein einzelner Herr, er wohnt schon lange hier und schaut in meiner Abwesenheit immer mal nach dem Rechten am Haus, leert auch meinen Briefkasten. Er ist nur wenig älter als ich und schon seit dem letzten Jahr fällt mir auf, dass man sich nicht mehr richtig mit ihm unterhalten kann. Er ist nicht etwa dement, nur erzählt er mir immer die gleichen Geschichten. Und wenn er über Nachbarn spricht, die ich ebenfalls schon lange kenne, erzählt er es so, als wüsste ich nicht, wer das sei. Tut so als erzähle er mir etwas ganz neues. Auch mit meiner Mutter ging das so vor Jahren. Es ist traurig das mitzuerleben und gleichzeitig scheiden diese Menschen für ein richtiges Gespräch aus. Sie leben plötzlich nur noch in einer ganz kleinen Welt, die sich immer im Kreise dreht, etwas Neues hat da keinen Platz mehr. Und meine Geschichten, also echtes Leben, das interessiert ihn nicht mehr. Schade, schade. Und vor allem, ich brauche ihn. Sonst gibt es niemand, zu dem ich Vertrauen haben kann, der mal nach meinem Briefkasten schaut. Er hat auch Zugang zum Haus. Und weil er anscheinend schon ahnt, was vor sich geht, hat er entschieden, im nächsten Jahr sein Haus abzugeben und zu Verwandten zu ziehen.

Es ist so furchtbar traurig das mitanzusehen. Es werden immer weniger. Und irgendwann ist man auch nicht mehr.

Aber heute Abend freue ich mich auf mein erstes Ball Game in USA. Ricardo wird mich abholen, es ist Basketball. Bin ja so gespannt.

Nashornpelikan (Pelecanus erythrorhynchos)

Und wieder liegt ein unglaublich schöner Ausflug hinter mir, diesmal war ich ganz allein Kayak fahren. Meine Freunde wissen ja, wie sehr ich den Vögeln hinterher jage und vor allem den seltenen Vögeln. Der Nashornpelikan heißt bei den Amerikanern weißer Pelikan, was ich viel treffender finde. Und während der braune Pelikan, der das Meerwasser braucht, das ganze Jahr zahlreich in Florida beobachtet werden kann, ist der weiße Pelikan ein Migrationsvogel, der nur in einem relativ kurzen Zeitraum im Winter und nur an wenigen Orten gesichtet werden kann. Der weiße Pelikan braucht Süß- und Brackwasser zum Fischen und lebt deshalb meist in der Nähe von Seen. Und ein solcher Ort ist eine winzige Insel auf dem großem Spruce Creek See ganz in meiner Nachbarschaft. Wenn man auf der US 1 von Port Orange nach New Smyrna fährt sieht man das Inselchen, vielleicht 5 m im Durchmesser. Und das witzige daran, es liegt mit seiner Oberfläche, die nicht bewachsen ist, knapp unter der Wasseroberfläche, wo die Vögel immer noch die Füße im Wasser haben. Warum sie sich in der großen Landschaft ausgerechnet dieses winzige Stückchen Erde aussuchen und Jahr für Jahr wieder herkommen ist mir unerklärlich. Ist ein bisschen so wie Weihnachtsmarkt für Pelikane.

Ich hatte schon mal ein Foto von der Straße aus gemacht, aber es ist doch recht weit. Aber nun habe ich ja ein Kayak! Und heute ist so ein schöner Tag, sonnig, warm, kein Wind. Was ist da besser als Kayak fahren. Zunächst fuhr ich mal mit dem Auto hin, um auszukundschaften, wo ich am besten zu Wasser gehe. Und tatsächlich fand ich einen ganz neuen Park, der sehr beliebt ist bei Anglern und Kayakfahrern und nicht weit von dem Inselchen entfernt ist. Also schnell heim das Kayak holen, SMS an meine Freunde ergab, dass keiner so spontan Zeit hatte, und nichts wie weg. Es war einfach wieder wunderschön. Ich fand in dem Gewirr von Kanälen und Inselchen die richtige Stelle und ich konnte den Tieren ziemlich nahe kommen. Sie saßen dicht an dicht auf der winzigen Landfläche und schienen zu schlafen. Auch andere, kleinere Vögel hielten sich in ihrem Umkreis auf. Der weiße Pelikan ist übrigens mit einer Flügelspannweite von 3 Metern der zweitgrößte Vogel Nordamerikas und auch deutlich größer als der braune Pelikan mit knapp 2 Metern. Erst als ich in ihren Augen doch etwas zu nahe kam reckten sich alle Hälse hoch und man wollte mal schauen, wer sich da nähert. Aber einerseits erkannten sie mich nicht als Gefahr, andererseits wollte ich sie ja auch nicht allzu sehr erschrecken.

 

Paddleing with Dolphins

Das war doch mal wieder ein schöner Tag. Carla und ich fuhren zum Riverbreeze Park, wo ich schon unzählige Male an der Bootslände stand und den Delfinen zugeschaut habe. Sie kommen so nah, man meint, sie mit der Hand erreichen zu können. Und wenn das Wasser wärmer ist tummeln sich hier auch die mächtigen Manatees. Neidisch sah ich immer den vielen Captains zu, die hier ihr Boot zu Wasser lassen.

Aber diesmal haben wir unser eigenes Boot und ich habe Carla Delfine versprochen. Wir laden unsere Kayaks ab, besprechen kurz die Route, einmal den Strom hinauf, auf der anderen Seite wieder hinunter, und los geht’s. Genau 200 Meter. Und da sind sie. Immer zwei Delfine zusammen schwärmen durch das Wasser, springen in die Höhe, es sind sicher 6 bis 8 Tiere. Und dazwischen die Pinguine, sie warten nur darauf, dass die Delfine Fische aufspüren, um sie ihnen dann abzunehmen. Ein herrliches Spiel. Direkt vor unseren Kayaks. Carla kann sich nicht satt sehen und ist nicht bereit, weiter zu fahren, zu viel Spaß macht es ihr hier. Wir verbringen bestimmt eine Stunde damit, den Delfinen bei ihrem wilden Spiel zuzuschauen, die sich an diesem Samstag vor den Feiertagen auch nicht von den vielen laut knatternden Booten abhalten lassen. Einmal schubsen sie sogar Carlas Kayak von unten. Es dauert eine ganze Weile bis ich Carla endlich loseisen kann. Wir verlassen den Strom, den Intracoastal Waterway und fahren durch einen schmalen Kanal hinein in die Mangroven. Ach, wie schön ist es hier. Solch eine Stille, ein Frieden. Außer und gibt es nur viele Vögel, zum Greifen nahe. Zwar hört man vom Fluss her die Boote knarren, aber direkt neben uns ist endlose Stille. Unglaublich schön. Was für ein Tag.

Und hier ein Video:

https://youtu.be/EWyEozhgnRY

 

Das Leben bleibt spannend

Zunächst einmal: was bin ich froh, wenn die Weihnachtstage endlich vorbei sind. Dauernd wird man mit Wünschen wie besinnliche Feiertage zugeschüttet. Ich mag mich nicht besinnen und ich feiere lieber im Kayak auf dem Wasser. Ich bin nicht religiös und habe mit Weihnachten nichts im Sinn, und schon gar nicht braucht mich jemand zu bedauern, weil ich doch so alleine bin. Ich bin gerne allein und habe damit bestimmt ein viel ausgefüllteres Leben als viele andere in trauter Zweisamkeit. Also bitte verschont mich mit Wünschen. Und ja, ich habe dann schließlich doch Wünsche ausgesendet, weil man es von mir erwartet, aber ich tue das nur sehr halbherzig. Warum soll ich mich gerade an Weihnachten an die anderen erinnern, kann ich doch viel besser das ganze Jahr über tun.

Hier mein xmas-Video

https://youtu.be/I2JrDrSnq80

Am Freitag war also mal wieder eine Aktion von Explore Volusia angesagt. Diesmal ging es biken in den Doris Leeper Park. Den kenne ich gut, ist er doch in meiner Nachbarschaft. Und auch den Bike Trail kenne ich. Er ist richtig hart. Kein Asphalt, dafür geht es über Stock und Stein, d.h. eher über querliegende Wurzeln, die richtige Treppenstufen bilden. Da ich noch nie das Bedürfnis hatte, über Treppen zu fahren, hatte ich eine Alleinerkundung abgebrochen. Aber mit der Gruppe muss das natürlich sein. Der Pfad ist sehr schmal, daher ist alles nur in einer Richtung zu fahren, es ergibt sich eine Rundfahrt von etwa 12 km. Als wir uns am Parkplatz sammelten wurden gerade auch Pferde für einen Ritt fertig gemacht, denn der Park, und viele andere in Florida, bietet natürlich auch Reiterwege. Wegen der Schwere des Trails ließ ich meinen Rucksack im Auto und nahm nur Kamera und Autoschlüssel mit.

Es war eine nette Gruppe von 8 Personen und eine davon, die zum erstenmal dabei war, hatte ebenso wie ich Zöpfe. Daher begrüßten wir uns gleich mal nett. Sie heißt Carla. Es ging schon gleich ziemlich heftig los, einmal nahm ich eine Kurve zu knapp und fiel hin, aber das ist nicht schlimm, das Laub ist weich. Ich hätte mir so gerne die schöne Landschaft in Ruhe angeschaut, aber das geht hier nicht. Dieser Trail wäre ein Leckerbissen für meinen radfahrenden Sohn Brian, aber für mich schon etwas schwer. Aber die Gruppe ist nett, Trey mit zwei vorausfahrenden Spezialisten ließ immer wieder anhalten und wartete auf uns, ich war im Mittelfeld und auch hinter mir hatten die Leute durchaus zu kämpfen. Nach 4 km kamen wir dann am schönen Aussichtspunkt an. Ich griff zur Kamera für ein Erinnerungsfoto, tastete routinemäßig meine Taschen ab und schrie auf! Der Autoschlüssel war weg.

Da gibt es nur eins: zurücklaufen auf dem engen Trail und suchen. Vielleicht ist der Schlüssel bei dem Sturz aus der Tasche gerutscht. Carla bot sich sofort zur Begleitung und Mithilfe an. Nun ist das ja gar nicht einfach, dieser enge Pfad schlängelt sich in unzähligen Kurven durch den Wald und die Biker rechnen natürlich nicht mit Gegenverkehr. Ich rechnete mit wilden Beschimpfungen. Aber erstens waren nicht all zu viele unterwegs, und dann waren sie sehr verständnisvoll. Wir gingen ja auch ganz langsam, konnten immer rechtzeitig ausweichen, suchten und suchten, und fanden ….

Nichts!

Man müsste sich so ein Metallsuchgerät besorgen, aber die Strecke ist immerhin 4 km lang und ich glaube am besten ist es, mir einfach einen neuen Schlüssel machen zu lassen. Zum Glück habe ich das im letzten Jahr getan, beim Kauf des Wagens gab es nur einen Schlüssel, wenn ich jetzt keinen Ersatz hätte stände ich ganz schön dumm da.

So fuhr mich Carla also noch nach Hause, um den Ersatzschlüssel zu holen und das gab uns Beiden eien gute Gelegenheit, uns kennen zu lernen. Sie ist in meinem Alter, ebenfalls alleinstehend und sehr sportlich, hat lange in Südamerika gelebt und ist ebenso weltoffen wie ich. Zum Dank schenkte ich ihr mein Alibuch und wir haben uns für heute zum Kayakfahren verabredet.