Archiv für den Monat: April 2017

Abschied von Zagora und damit von meinem geliebten Süden

Die Zeit in Zagora war wie immer wunderschön, aber vor allem weil ich wieder nette Menschen getroffen hatte. Zum Abschied ging es mit den Augsburgern und einem Ehepaar aus der Schweiz, das auch im Dar Sofian wohnte, zu Belaid in die Auberge Prends ton Temps. Dort kann man nicht nur gut, reichlich und preiswert essen, sondern danach gibt es noch hervorragende Musik. Belaid ist ein ausgezeichneter Musiker, spielt viele Instrumente und singt auch dazu. Viele seiner Lieder schreibt er sogar selbst. Die Stimmung war ausgezeichnet, die Gespräche lebhaft und mir tat es mal wieder fruchtbar leid, dass sich am nächsten Tag unsere Wege trennen sollten. Die Schweizer hatten den Bus ganz früh am Morgen gebucht und wollten nach Agadir, ich konnte ausschlafen und wollte dann nach Tinerhir, nur die Augsburger müssen noch einen Tag bleiben, damit ihr Pickup wieder zusammen gebastelt wird vom bewährten Ali Nassir. Aber wir konnten natürlich keineswegs nach dem Essen einfach so nach Hause gehen, denn Mostafa in seinem Restaurant Dromadaire Gourmand wartete darauf, dass ich mich von ihm verabschiedete. Also fuhren wir alle zusammen noch schnell bei ihm vorbei. Aber was ist schon schnell in Marokko? Mostafa hatte einen guten Rotwein – Touareg hieß er passenderweise – für uns bereit gestellt und ich fürchte, es waren am Ende drei Flaschen ausgetrunken, die Stimmung ausgezeichnet und die Schweizer, die ja den frühen Bus nehmen wollten, bliesen zum Glück um Mitternacht zum Aufbruch. Die Zeit war so schnell vergangen mit den lebhaften Gesprächen in der internationalen Gruppe aus Marokko, Griechenland, Schweiz und Deutschland, dass ich alte Schlafmütze überhaupt nicht gemerkt hatte, wie spät es schon ist.

Kommen die Flieger oder nicht?

Oh mein Gott, war das spannend. Beim Frühstück im geschützten Innenhof des Dar Sofian war ich eigentlich noch guter Dinge. Doch sobald ich vors Haus trat bekam ich Panik. Ein heftiger Wind wirbelte den Sand auf, das konnte man zwar noch nicht Sandsturm nennen, aber die Luft war so sehr mit Staub und Sand angefüllt, dass die Sicht gleich Null war. Und heute sollten meine zwei Flieger kommen.

Gegen acht hatten sie von Ouarzazate angerufen, alles in Ordnung, um 10:30 Uhr sind wir in Zagora. Doch als ich zum Flugplatz kam sah es gar nicht gut aus. Die bereit stehenden Feuerwehrmänner waren sehr skeptisch, dass eine Landung möglich sei, eine Maschine, die von Marrakech kommen sollte und dabei den Hohen Atlas überqueren muss, hatte bereits abgesagt. Doch dann die Nachricht vom Turm, in 15 Minuten kommen sie. Okay, dann sind sie natürlich immer noch nicht auf dem Boden, müssen im schlimmsten Fall umdrehen. Und plötzlich – Motorenlärm. Sehen konnte ich absolut nichts, dichter Dunst. Aber sie haben es geschafft, 3 Personen und ein Hund namens Piper waren sicher auf dem Boden. Ich durfte natürlich wieder in den Sicherheitsbereich, bin inzwischen dort bekannt und während das erste Team noch dabei war, die Maschine gegen den Sand zu sichern, ertönte der Lärm der zweiten Maschine. Ein kleiner Hüpfer und dann war auch sie sicher am Boden. Die Sicht war unter 3 km, so schlecht dass ich die Flieger nicht mehr sehen konnte beim Ausrollen.

Alle waren wirklich glücklich, dass sie dieses Abenteuer geschafft hatten. Und berichteten, dass es in der Höhe von 6.500 Fuß, in der sie geflogen waren, eine gute Sicht gab, nur am Boden war es so schlecht. Zum Glück gibt es in Zagora weder nahe Berge noch viel Flugverkehr, die zweite Maschine musste aber eine Extrarunde einlegen, um der ersten Zeit zu geben, die Bahn frei zu machen. Auf dem Turm eine sehr junge, äußerst kompetente Lotsin, die ausgezeichnet Englisch sprach.

Auch hier wieder ein wirklich nettes Grüppchen, wir aßen zusammen im Dar Sofian zu Mittag und machten dann einen kleinen Ausflug in den Palmenhain, obwohl es ehrlich gesagt auch da bei der Staubluft wenig zu sehen gab. Dann habe ich die Gruppe meinem bewährten Freund Mostafa übergeben für einen Besuch von Amezrou und wollte zurück ins Hotel, um mich ein wenig auszuruhen.

Vorher noch schnell einen Rundgang über den Campingplatz Oasis Palmier, mein üblicher Nachmittagspaziergang in Zagora. Ein Pickup aus Augsburg war gerade dabei, die Wohnkabine abzumontieren, wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie ein Problem am Fahrzeug hatten und zu der bewährten Garage von Ali Nassir wollten. Doch hatten sie die Rechnung ohne die Schlepper gemacht, die sich bereits am Camping versammelt hatten, um sie zu ihrer Werkstatt abzuwerben. Jaja, Ali, das ist unsere Werkstatt, aber natürlich war es dann eine ganz andere. Das Paar konnte auch kein Französisch und so sind wir unter den wütenden Blicken der Konkurrenz zusammen zu Ali gefahren. Es war schon kurz vor 18 Uhr abends, Ali schaute sich den Schaden an, machte einen Kostenvorschlag und ich fragte, kannst du denn morgen anfangen? Nein, sagte Ali, wir fangen sofort an! Ja, das ist eben Ali. Der Fahrer blieb, wir Frauen wurden zum Camping zurückgefahren und Ali bot dem Fahrer an, morgen bei der Reparatur dabei zu sein, was er auch wollte, was die Konkurrenz aber abgelehnt hatte.

Genau wegen dieser Konkurrenz musste ich im vergangenen Jahr auch schon eingreifen. Ich wollte gerade abreisen, als ein deutsches Paar in meinem Hotel auftauchte. Sie hatten gehört, dass ich dort wohnte und wollten mich um Hilfe bitten, weil diese Werkstatt bei einer Reparatur etwas beschädigt hatte und dann noch einen überhöhten Preis verlangte. Auch das konnte ich damals regeln und es war mir natürlich ganz wichtig, dass die Augsburger nicht zur gleichen Werkstatt gehen.

Ja, so muss ich hier öfter mal ADAC spielen, mache das aber gerne.

Ouarzazate mal auf anderen Wegen

Mir bleiben noch 2 Tage, bevor ich einen Termin in Zagora habe, und die möchte ich gerne in einem Hotel in Ouarzazate verbringen, wo es gutes Internet gibt. Die letzten Tage habe ich so viel erlebt, aber weder hatte ich Zeit, alles aufzuschreiben, noch Internet, um meine Büroarbeiten zu machen. Und noch weiß ich nicht, wo ich schlafen werde, es ist ja immer noch Osterzeit.

Ich habe wenig Lust auf die langweilige Straße von Taliouine über Taznakht nach Ouarzazate. Bei Taznakht muss ich zunächst einen Stellplatz prüfen, der mir empfohlen worden war, und danach weiß ich eine gute Alternative, eine Piste, die ich früher schon gefahren bin und die geprüft werden muss. Aber bis dahin: nur Langeweile.

Bis 25 km nach Taliouine ein Wegweiser auftaucht, links geht eine Asphaltstraße nach Assaisse. Mhm. Ich bleibe eine Weile am Straßenrand stehen und überlege. Ein Mann kommt, will mit mir reden. Er ist freundlich und gebildet, lädt mich zum Safran-Tee ein. Es stellt sich heraus, dass er Agriculteur ist und unter anderem Safran anbaut. Und er kennt die Straße genau. Sie ist teils geteert, teils gute Piste, er sei erst vor kurzem mit einem PKW dort gefahren, und, das ist der Knaller, die Straße kommt genau an dem Stellplatz vorbei, den ich suche. Das ist doch mal toll und los geht’s. Wieder schöne, abwechslungsreiche Landschaft, ursprüngliche Dörfer, keine Radarkontrollen. So liebe ich das. Die Piste ist genau wie er sagte gut, nach 20 km beginnt schon wieder der Asphalt und dann stehe ich am Stausee Taghdout mit dem schönen Stellplatz (1. Foto). Immer gut, wenn ich so eine Information selbst verifizieren kann.

Von Taznakht fahre ich dann die schöne Route entlang des Oued Ait Douchene, viel zu wenig bekannt und gut zu fahren. Und mache einen kurzen Abstecher zum Mittagessen in der Oase Fint (2. Foto).

Allerdings habe ich immer noch keine Ahnung, wo ich in Ouarzazate schlafen soll. Hatte früh am Morgen Abdou angerufen, er wollte sich kümmern und zurückrufen, aber es kam nichts. Also rief ich mittags im Büro an, erreichte Jawad, und innerhalb von 20 Minuten hatte ich mein Zimmer. Kein Riad, wie Jawad es eigentlich wollte, damit ich dies kennenlerne, sondern ein Zimmer im bewährten Berbere Palace. Obwohl ich große Hotels eher nicht mag, so haben die doch auch ihre Vorteile. Ich will gerne anonym und ungestört sein, ich will arbeiten, brauche ein Zimmer mit Schreibtisch und Internet. Und so etwas bietet mir ein großes Hotel dann auch am besten.

Später telefoniere ich doch noch mit Abdou. Er entschuldigt sich, sagt, dass diese Osterzeit wirklich völlig verrückt sei, er hatte meinen Anruf sofort vergessen, alles ist voll, es gibt nirgends mehr Zimmer, keine Mietwagen, ich fürchte, selbst keine Kamele. Endlich nach zwei mageren Jahren ist der Tourismus in Marokko wieder so richtig aufgeblüht. Und er bittet um Verständnis für ihn selbst und auch für die anderen Hotelbesitzer, die zu meinen Freunden gehören, aber einfach keine Zeit haben. Es geht alles drunter und drüber.

Nicht so im Berbere Palace. Das ist einfach ein schönes Hotel, sehr gepflegt, sehr guter Service. Natürlich hat Jawad seine Beziehungen spielen lassen und ich bekomme eine schöne Suite zugeteilt. Im Salon steht ein kleiner Obstteller. Ich stürze mich gleich an den Computer, aber es ist so viel aufzuschreiben. Zunächst wird geschaut, ob irgendwelche dringenden Emails zu beantworten sind, aber dann poste ich auch gerne meine Erlebnisse in facebook. Da ich alleine reise habe ich oft wenig Kommunikationsmöglichkeiten, kann meine Erlebnisse niemanden mitteilen. Aber facebook ist ein Weg, die Kommunikation zu bekommen. Im Blog kann ich viel ausführlicher schreiben, aber in facebook kommt eine sofortige Reaktion, das ist schön.

Dann geht es zum Abendessen. Es gibt Büffet und das ist wirklich toll. Bei den Vorspeisen gibt es sogar Schinken, nach so vielen Wochen ohne Schweinefleischprodukte stürze ich mich doch sehr darauf. Die Hauptgerichte sind abwechslungsreich, mir aber ein wenig zu fade, doch das Nachtischbüffet ist einfach grandios. Es sieht nicht nur toll aus, sondern jedes einzelne Stück, das ich probiert habe, ist einfach köstlich.

Und genau toll ist das Frühstücksbüffet, die Orangen konnte jeder an einer Maschine selbst zu Saft pressen, zu den frisch gebackenen Crèpes gab es ausgelassene Schokolade, keine Nussnougatcreme. Und auch sonst war alles da, vom besten Schinken über Lachs zu frischem Ziegenkäse, bei mir blieb nur der Wunsch übrig, noch recht lange hier zu bleiben. Der Berbere Palace wird immer wieder auf meiner Wunschliste stehen, wenn ich nach Marokko komme. Da ich nur Halbpension habe und auch nicht so viel essen will nahm ich mir vom Büffet ein Ei, 3 Datteln und ein Apfel mit, das muss reichen. Doch als ich dann in meiner Suite saß und arbeitete, klopfte es, zwei Mädchen standen draußen und brachten mir einen viel größeren Obstkorb, einen Teller mit Gebäck und eine Schale mit Nüssen. Habe mich richtig geschämt. Oh Gott, ich will hier nicht mehr weg!

Und mit diesem Blogbeitrag habe ich dann auch endlich so langsam die Schreibarbeiten aufgeholt.

Wo schlafe ich nur?

Zurück in Arbaa Toubkal nahm ich die neue Straße nach Aoulouz, die noch nicht in den Karten verzeichnet ist. Eine neue Route für mein Buch. Schöne Landschaft, aber keine weitere Aufregung. In Aoulouz wollte ich dann die Route über Askaoun nach Anezal fahren. Der zweite Teil davon ist Piste, ist in meinem Buch schon immer enthalten, aber ich bin es seit vielen Jahren nicht gefahren. Eine solche Strecke muss immer mal geprüft werden. Könnte ja inzwischen asphaltiert sein, wie so viele andere Pisten in Marokko. Natürlich ist es inzwischen später Nachmittag und mir ist ziemlich klar, dass ich kein Hotel mehr erreichen kann, wenn ich diese Strecke fahre. Aber ich will auf keinen Fall 50 km zurück nach Taliouine und dann wieder die 50 km herauf. Ich will es jetzt probieren, und wenn ich zur Not auf dem Sitz im Auto schlafen muss. Es wird eine lange Nacht werden bis es hell wird, und wegen dem Gepäckschutzgitter, das verhindert, dass mir auf Pisten das Gepäck in den Nacken rutscht, kann ich mich nicht ausstrecken.

Die Koordinaten dazu habe ich ja, aber in Askaoun sah alles plötzlich ganz anders aus. Es gibt dort eine Silbermine, die seit einiger Zeit wieder ausgebeutet wird, deshalb wurde zur Mine eine neue, breite Piste angelegt. Und da sie so schön in meine Richtung geht lasse ich mich dazu verleiten, sie zu fahren. Und stehe vor der geschlossenen Schranke zur Mine. Ein Ingenieur erklärt mir, wo ich falsch abgefahren bin und fährt bis zur richtigen Abzweigung mit mir. Diese Piste ist miserabel. Nach 4 km wird sie sehr, sehr schlecht und ich klettere mit meinem Discovery nur über einzelne Steinbrocken. Nach 6 km geht dann gar nichts mehr. Eine Ouedfurt ist dermaßen zerstört, dass hier kein normalbreites Gefährt mehr durchkommt. Auf dieser schmalen Felsbrockenpiste dann zu drehen ist schon eine Herausforderung, und auch hier wieder zeigt sich, dass mein Discovery einfach mit allem fertig wird.

Nun gibt es keine andere Möglichkeit für mich, ich muss runter nach Taliouine und bekomme somit die Möglichkeit, in einem richtigen Bett zu schlafen. Mein Ziel ist der Camping Toubkal, wo auch Zimmer angeboten werden. Der Chef ist nicht da, ich frage nach, und man meint, der ist sicher im neuen Hotel. Neues Hotel? Wo ist denn das? Es stellt sich heraus, dass er gerade 20 m weiter tatsächlich ein neues Hotel, ebenfalls mit Pool und Campingplatz, gebaut hat. Na, da scheinen ja viele Touristen nach Taliouine zu kommen, wenn sich das lohnt.

Ich mache meine Fotos, bekomme ein Zimmer, leider ohne Bad, und muss also die Campingduschen nutzen. Die ja zum Ansehen schön und sauber sind. Der Gebrauch allerdings zeigt immer erst, ob es auch was taugt. Und diese hier nicht. Da es innen keinerlei Möglichkeit gibt, die Kleider trocken abzulegen, stelle ich alles vor die Tür. Bin die einzige Camperin, also kann ich mir leisten, nackt herauszugehen. Ich dusche, will meine Sachen anziehen, alles nass. Das Wasser läuft wunderschön unter der Tür nach draußen. Ja, ich weiß schon, warum ich nicht campe.

Auf dem Parkplatz stehen drei Geländewagen, ein Gruppe Franzosen. Ein wirklich gut aussehender Mann ist der Führer, den habe ich doch schon mal gesehen? Ja, es ist Robby vom Paradis Nomad bei Agadir, einem sehr schönen 4×4 Camp, wo man sich sehr viel besser aufgehoben fühlt als im arroganten Fort Bou Jerif. Während seine Frau Jacky sich um Haus und Hotel kümmert führt Robby oft Gruppen mit gemieteten, aber selbst gefahrenen Geländewagen über Marokkos verbliebene Pisten. Ein sehr charmanter Mann und nach dem Essen setzen wir uns alle noch zusammen auf ein Gläschen französischen Roten. Die Männer sind vor allem an meinem Discovery interessiert, auf den sie begehrlichere Blicke werfen als auf die von ihnen gefahrenen Toyota Prado. Es ist nett, sich mal zu unterhalten, nach den Tagen in Agadir war ich ziemlich viel allein.

Von dem pistenkundigen Robby und auch vom Hoteleigner Hafid erfahre ich dann, dass die von mir gesuchte Piste nach Anezal seit drei Jahren zerstört ist, sie wird nicht mehr repariert, da die Dörfer von der anderen Seite besser zu erreichen sind, die angebrachte Markierung dient nur noch Quads und Enduros-Touren. Hier war der Endpunkt:

Ein Tag voller Abenteuer

In Agadir war ich noch so unglücklich, weil ich nicht wusste, wo ich während der Osterzeit mein Lager aufschlagen sollte und mir das Stadtleben eigentlich nicht zusagt, aber der gestrige Tag hat alles geändert und die Abenteuer sprudeln nur so. Nachdem ich schon die schöne, neue Route entdeckt hatte, habe ich in der Auberge Irocha von Ahmed noch weitere interessante Details erfahren. Die Asphaltstraße, die ich gestern erreicht hatte, führt weiter zum Lac Ifni.

Lac Ifni – das erweckt Träume

Den Wegweiser dazu habe ich schon oft gesehen, er steht in Agioum an der Abzweigung der neuen Teerstraße. Immer schon wollte ich da mal hin. Aber der Lac Ifni liegt hoch oben in den Bergen, zu Füßen des Toubkal, des höchsten Berges in Nordafrika, und ist nur zu Fuß erreichbar. Schon immer wollte ich diesen natürlichen Bergsee sehen, aber es sind von Arumd aus, der Talstation zur Ersteigung des Toubkal, einige Tagesmärsche. Sollte ich da nun wirklich mit dem Auto hinkommen? Ahmed meinte, ja. Das würde eine völlig neue Region für mich erschließen, für mich und für meine Leser, denn im neuen Reisehandbuch könnte ich einen eigenen Bereich nur für den mir bis dahin ziemlich unbekannten Djebel Siroua bis zum Toubkal machen.

Also gab es mal wieder eine Programmänderung und ausgerüstet mit den Tipps von Ahmed fuhr ich wieder die gleiche Straße zurück, die ich gestern gekommen war. Aber eben darüber hinaus. Ich erreichte, immer noch auf Teer, Arbaa Toubkal, ein kleines Marktdorf zu Füßen des Djebel Toubkal. Bisher ziemlich unbekannt, denn die Toubkal-Besteigung läuft immer von der anderen Seite aus, von Arumd/Imlil. So gibt es eine Trekking-Tour, bei der man am 4. Tag den See erreicht, auch von der Seite her, auf der ich nun bin. Über den Gipfel geht es dann zurück nach Imlil. Deshalb ist dieses Arbaa Toubkal auch noch ein rein einheimisches Dorf, ganz ohne Touristen. Immerhin gibt es einen ganz großen Wegweiser dort, der zum Lac Ifni zeigt. Es sind noch 11 km bis zum See. Eine sehr schmale Piste, ausreichend für meinen Land Rover, aber schlecht mit Gegenverkehr, führt an einem Abhang durch etliche Dörfer. In Amzouzerte soll ich dann Belaid treffen, der mir vielleicht jemand mitgeben kann für die restliche schwierige Piste. Doch als ich bei Belaid ankomme winkt er ab. Hier bei ihm ist Endstation, mit dem 4×4-Auto geht es nicht mehr weiter, nur noch mit dem 4×4 Maultier. Oder den 2×2 Beinen.

Ich winke ab. Nein danke. Wie immer habe ich ein großes Programm und ein weiterer wichtiger Punkt ist auch die Frage, wo ich heute Abend schlafe. Bei der Strecke, die ich mir vorgenommen habe, sind noch ziemlich viele Kilometer zurückzulegen, am Abend möchte ich in Ouarzazate sein und in einem anständigen Hotel schlafen, nicht in einer Berghütte. Wo soll ich da die Zeit hernehmen, 4 km mit dem Muli hochzureiten und 4 km wieder zurück, in etwa je eine Stunde. Ein Anruf bei Ahmed, er verspricht, mir Fotos vom See zu schicken für mein Buch. Das reicht.

Belaid bietet mir zumindest einen Tee an, das nehme ich gerne. Dazu bringt er ein frisches, hausgebackenes Brot und lokalen Honig, in dem noch die Wabe schwimmt. Mhm, so etwas köstliches. Hinter mir rauscht es ziemlich laut, ich schaue mich um, sehe von ganz oben einen Wasserfall herunter stürzen und da macht es Klick. Es ist so ein schöner Anblick. Und in dem Moment weiß ich, was ich versäume, wenn ich das nicht mache. Ich muss zum See!

Gesagt, getan. Das Maultier steht in Windeseile bereit, ich kann nur noch schnell Hose und Schuhe wechseln. Natürlich kann man die 4 km auch laufen, tun die Meisten, aber ich habe weder Bergschuhe noch bin ich trainiert, berghoch komme ich furchtbar ins Schnaufen und so ein Maultier ist ja auch mal was Neues und muss sein Brot verdienen. Allerdings denkt das Tierchen da wohl etwas anders, es bleibt öfter mal stehen und mein Führer Hassan muss kräftig ziehen. Kurz hinter Belaids Gaststube sind die letzten Häuser des Tales und die Piste, die tatsächlich bis zum See mal wunderschön für Fahrzeuge angelegt wurde, ist an mehreren Stellen durch Regenfälle beschädigt und wird nicht mehr ausgebessert. Es gibt ja keine Anwohner mehr. Ein Durchkommen ist also selbst für Geländefahrzeuge nicht mehr möglich.

Eine gute Stunde ging es so, recht locker, wenn es auch ungewohnt ist, die Beine auf dem breiten Maultiersattel so weit zu spreizen. Aber laufen ist anstrengender. Gerade als wir das Schild erreichen, das den Beginn des Nationalparks Toubkal anzeigt, ist der schneebedeckte Gipfel auch schon in Sicht. Aber es geht doch noch ein Weilchen aufwärts, bis endlich nach einer Art Passhöhe ein kleines Hüttchen auftaucht. Hassan stellt mal sofort für mich ein Schild auf „Café el Garat“. Und schon fängt er an Tee zu kochen. Aber ich schaue nur. Da unten liegt er, der See. Mein Traum. Ich habe es geschafft. Wir sind hier auf 2.400 m, mein Auto haben wir auf 1.900 m zurückgelassen, aber zum See geht es noch mal 200 m tiefer. Ich gehe nicht ganz nach unten, denn der Tee ist fertig.

Wenn ich dachte, das war dann mein Abenteuer für heute, hatte ich mich geirrt. Denn das beginnt jetzt erst. Hinaufreiten war ja ganz nett, aber abwärts ist das doch etwas anderes. Hassan bekam irgendwie zu viel wie er mich da auf dem Rücken des armen Tieres festgekrallt sah. Wie machen das nur die Einheimischen. Schon kleine Kinder reiten locker auf den Mulis. Ich wäre ja zurecht gekommen, habe mich halt sehr festgehalten. Aber Hassan war nicht zufrieden, wies mich an, nach hinten zu rutschen, und zack, saß er vor mir. Nun musste das arme Tierchen gleich zwei tragen. Aber Hassan gab mir mit seinem Körper einen guten Halt, ich brauchte mich nicht mehr so festzuklammern und saß ganz bequem. Aber ganz ehrlich, es hat schon was erotisches, so zu zweit auf einem Maultier!

Djebel Siroua

Das war einfach mal wieder ein Tag nach meinem Geschmack. Obwohl es zunächst nicht danach aussah. Ich bin ziemlich spät von meinem schönen Dar Zitoune abgefahren, weil ich ja nur den kurzen Weg nach Taliouine fahren wollte. Aber als ich ankam, gefiel es mir einfach nicht, dort zu übernachten. Es war ja noch früh. Ich wollte eigentlich auf den Campingplatz, aber dort war kein einziges Wohnmobil, nur der Organisator einen kleinen Rallye, der auf seine Teilnehmer wartete, und da hatte ich keine Lust drauf. In der Auberge Safran war man ziemlich beschäftigt, ist ja Hochsaison, und bei Ahmed in der Auberge Souktana war überhaupt kein Mensch und da wollte ich auch nicht bleiben. Also ging es um 13 Uhr weiter. Eigentlich auf Asphalt nach Askaoun, von dort nur eine kurze Piste bis nach Anezal, die ich schon kannte, aber lange nicht gefahren bin. Doch dann fand ich in Askaoun eine neue Trasse, die ich eben noch nicht kannte. Sie war nicht in der Karte eingezeichnet, aber es war möglich, dass sie schließlich in die Tizi-n-Tichka Straße einmündet. Ich bin ja immer neugierig, also nichts wie los. Unterwegs hat mir ein entgegenkommender Lastwagenfahrer genau das bestätigt. Es war eine schon für Asphalt vorbereitete Trasse, zu fahren von jedem Fahrzeug. Und so schöne Landschaft. Es ging meist auf 2300 – 2500 Meter, unendlich viele Blüten dufteten, am intensivsten eine Abart von Lavendel. Ich fuhr auf einen Pass, musste schon wieder anhalten, um herrliche gelbe Blumen zu fotografieren, fuhr um die Ecke und traute meinen Augen nicht. Keine Blumen mehr, keine schöne Trasse, schmale Piste, die absolut nicht ausgereicht hätte für ein entgegenkommendes Auto. Auf meinem Navi stellte ich mal zielstrebig Agioum ein, und es sah ganz gut aus, wenn es auch keine Straße gab, die Richtung stimmte. Die Piste wurde schlechter und schlechter. Aber der LKW-Fahrer meinte doch, es geht und Spuren waren auch ganz deutlich zu sehen. Also mit einem guten privaten PKW würde ich das nicht fahren, aber es gab tatsächlich Einheimische, die hier mit einem solchen unterwegs waren. Eher nicht zu empfehlen.

Und nachdem ich nun ganz von meiner Richtung abgekommen war musste ich mir ja auch langsam Gedanken machen, wo ich heute schlafe. Es ist schwierig in der Osterzeit. Ich rief Freund Ahmed von der Auberge Irocha an, wohin ich sehr viele Kunden schicke. Und Ahmed sicherte mir zu, dass er mich unterbringt. Im privaten Teil hat er noch was für mich. Also kann ich ganz beschwingt weiter fahren. Nach knapp 50 km nicht so guter Piste treffe ich dann wieder eine Asphaltstraße, die neue Straße von Agioum zum Lac Ifni und es geht nun etwas flotter voran, allerdings nicht allzu schnell, denn eine Kurve jagt die andere und im Winter wurde die Straße wohl ganz schön beschädigt, man sieht viele zerstörte Furten. Nach 5 Stunden für die 150 km treffe ich in Agioum ein und zur Auberge Irocha in Tisselday sind es nun nur noch einige Minuten. Das ist wie Heimkommen. So etwas brauche ich ganz sehr.

Es geht weiter nach Taroudannt

Vier Tage Agadir waren wirklich genug und ich freue mich, aus der Stadt raus zu kommen. Obwohl sich Agadir inzwischen zu einer hübschen Badestadt gemausert hat ist das einfach nicht meine Welt. Ich will Abenteuer, kleine Orte, Nebenstraßen ohne Polizeikontrollen, fahren ganz allein auf der Straße, anhalten wo man möchte, will die Freiheit spüren. Heute kann ich das natürlich noch nicht erleben, das nur 80 km entfernte Taroudannt stand auf meinem Programm. Aber heute war irgendwie nicht mein Tag, es lief zunächst alles schief. Das erste war, dass ich in der engen Altstadt meinen Kotflügel an einem Hühnerwagen verkratzte, was aber dem Fahrer des Karrens nichts ausmachte, er hatte schon genug Beulen und winkte mich weiter. Da muss ich in Marrakech mein Auto mal wieder Abdou übergeben zum Ausbessern. Ich quälte mich weiter durch die engen Gassen, hatte schon lang aufgegeben, das Riad zu finden, das ich besichtigen wollte und suchte nur noch den Ausgang. Jawad hatte mir für die Nacht ein Hotelzimmer gebucht, außerhalb von Taroudannt. Ich kenne da zwei. Kurz vor der Stadt das Dar Zitoune, aber ich glaubte mich zu entsinnen, dass er das Arganier d’Or meinte, 18 km nach Taroudannt. Ich fuhr hin, sagte an der Rezeption, dass es eine Reservierung für mich gäbe und man wies mir ein Zimmer an. Total netter Empfang. Ich packte mein Picknick aus und platzierte mich im Garten. Da kam der Empfangschef nochmal vorbei und wollte genau wissen, von welcher Agentur ich käme. Nach langer Telefoniererei stellte sich heraus, dass ich im falschen Hotel war. Ich hätte zwar bleiben können, es war ja ein hübsches Hotel und alle sehr freundlich, aber irgendwie wurmte es mich, das andere Hotel sollte wohl doch noch besser sein. Also wieder 25 km zurück, obwohl ich nie zurück will, immer nur voraus.

Und als ich meinen Wagen drehte kam mir der Rezeptionist noch nachgelaufen mit meinem Schweizer Messer. Hatte es liegen gelassen. In letzter Zeit vergesse ich immer und überall etwas. Ich brauche dringend einen neuen Kopf.

An der Rezeption des Dar Zitoune hieß es dann, Edith Kohlbach? Nein, da haben wir keine Reservierung. Erneutes hektisches Telefonieren. Diesmal aber mit Erfolg. Die Bestätigung wurde gefunden. Oh, meine Nerven!

Dann aber Entspannung. Ein herrlicher Garten, Blumen, Orangen, Papayas, zwei Pools plus Jacuzzi. Hier kann man es aushalten. Und die Suite, die ich bekomme, ist auch nicht gerade schlecht. Das ist auf jeden Fall besser als die englische Kasbah, hier gefällt es mir und ich gehe gleich mal an den Pool. Bademäntel sind auch vorhanden. Heute kann nun eigentlich nichts mehr schief gehen. Nur, dass sich mein PC einfach nicht mit dem Internet hier verbinden kann.

Zahlst du mehr, kriegst du mehr

Zur Zeit spiele ich Touristin in Agadir. Das tue ich immer mal zwischendurch zum Ausruhen und habe dabei ganz verschiedene Hotels getestet. Vor drei Jahren war ich im Tivoli, einem Mittelklassehotel, das ich deshalb gewählt hatte, weil es mit Lufthansa-Punkten zu bezahlen war. Die Halbpension kostete so um die 28 Euro. Das Zimmer war ganz nett, groß, gut eingerichtet, hat mir gefallen, wenn auch die Möbel älter waren. Der Pool war nur klein, sonst gab es im Hotel keine Angebote, und das Essen war bescheiden, aber akzeptabel. Dann im letzten Jahr der Tiefpunkt. Ich wählte aus sentimentalen Gründen das Tagadirt, weil ich auf meiner ersten Marokkoreise dort war. Ich buchte über FTI eine Woche, umgerechnet 18 Euro pro Tag Halbpension und es war natürlich klar, dass man dafür nichts bekommen kann. Das Essen schlechter als Kantinenqualität, das Zimmer klein und mickrig im Jugendherbergsstil, der Pool winzig. Die Gäste deutsche Rentner an der Armutsgrenze. In diesem Jahr wollte ich da mal raus, ich habe es ja schon oft bemerkt, dass mein Freund Abdou mich total verdorben hat, indem er mich an den Luxus gewöhnte. Fast zwei Stunden saß ich über booking.com und wählte schließlich das Palais des Roses. Es liegt abseits des Zentrums im neuen Hotelbereich Founty und ich fand es schon immer schön, genauso wie das daneben liegende Sofitel. Und wollte immer schon mal hin. Eine normal gebuchte Nacht kostet mehr als 100 Euro, aber booking bot mir trotz der Osterwoche einen guten Preis mit 57 Euro für ein Zimmer mit Frühstück.

Bei der Ankunft war ich ein wenig enttäuscht. In der Beschreibung heißt es, dass alle Zimmer auf den Pool, das Meer oder den schönen Garten zeigen, meines ging zu einer hässlichen Mauer. Ich beschwerte mich sofort, aber der junge Mann an der Rezeption sagte nur lapidar, dass die anderen Zimmer einen Aufpreis von 20 Euro kosten. Dabei haben wirklich fast 90 % der Zimmer einen schönen Ausblick und ich war schon ziemlich sauer, dass man mir so einen miesen Blick gab. Vielleicht auch, weil es als Einzelzimmer galt, denen gibt man immer das schlechteste. Aber heute früh war ich nochmal an der Rezeption und man versprach mir, dass ich um 14 Uhr wechseln kann. Und nun habe ich einen schönen Ausblick zum Pool. Und sogar Wi-Fi im Zimmer, obwohl man mir bei der Beschwerde sagte, es gäbe keine Zimmer mit wi-Fi. Der Kerl gestern war wirklich blöde, aber heute früh geriet ich direkt an den Chef der Rezeption, das war hilfreich.

Ansonsten ist es wirklich ein tolles Hotel. Das Zimmer ist geräumig, ich habe zum Doppelbett noch eine bequeme Couch, einen kleinen Tisch mit Stuhl, große Schränke mit Bügel und Safe, einen Kühlschrank und einen Balkon mit Tisch und 2 Stühlen. Und das Frühstück heute Morgen war Spitze. Das Büffet ist wirklich abwechslungsreich, auf der Terrasse steht eine Frau, die frische Crèpe backt und ein Koch, der Eierspeisen nach Wunsch frisch zubereitet. Das Publikum ist für mich überraschend. Im Tourismussektor in Marokko hat sich einiges geändert, Deutsche und Franzosen stehen nicht mehr unbedingt an erster Stelle, sehr viele Gäste hier sind aus arabischen Ländern. Vielleicht einige auch aus Marokko, das kann ich nicht genau erkennen. Aber in booking.com kann man sehen, dass gerade aus Saudi-Arabien viele Buchungen kommen.

Das hat dann vermutlich auch damit zu tun, dass die Sportangebote nicht angenommen werden. Stretching um 10 oder Aquagymnastik um 11, kein Mensch war da und alleine wollte ich nicht rumturnen. Da gehe ich lieber in den Fitnessraum und laufe mit Blick auf die wirklich herrliche Poollandschaft. Das Palais des Roses hat vielleicht den schönsten Pool mit dem herrlichsten Garten hier in Agadir, sehr groß und vielseitig. Um wirklich draußen zu liegen ist es mir noch nicht warm genug. Auch der Wellnessbereich ist sehr groß und schön, aber natürlich kostenpflichtig, so dass ich nur den kostenfreien Fitnessraum nutze.

Dafür bin ich dann am Morgen den langen Weg an der Strandpromenade entlang Richtung Zentrum. Diese neu angelegte Promenade ist wirklich wunderschön und sehr gepflegt, sie hat Agadir zu einem schönen Strandbad gemacht. Viele Kilometer kann man hier spazieren, joggen oder mit dem Elektroscooter fahren und die verschiedenen Straßenhändler – Marokkaner und Senegalesen – sind eher eine unterhaltsame Abwechslung. Es gibt Sonnenbrillen, Hüte, Tücher, Djellabahs, Bilder, Figuren, Obst, eigentlich alles, was man sich denken kann. Doch die Händler sind nicht aufdringlich, dafür ist die Security viel zu groß. Nicht nur Polizei und Militär patrouillieren hier, jedes Hotel hat noch seine privaten Security Leute und es kann eigentlich nichts passieren. Auch Frauen allein können unbelästigt spazieren gehen.

Goldene Hochzeit

Heute vor 50 Jahren habe ich geheiratet. Wäre ich bei meinem Mann geblieben könnte ich heute goldene Hochzeit feiern.

Nein, das hätte nicht zu mir gepasst. Das wäre nicht ich. Ich musste frei sein, musste mein eigenes Leben leben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass all das, was ich so tue, mit einem Partner möglich gewesen wäre. Dennoch bin ich froh, dass ich einmal verheiratet war und dass ich einen Sohn habe. Und damit eine Familie. Wäre dem nicht so würde mir ganz sicher etwas fehlen. Und ich habe mit meinem Sohn, seiner Frau und der Tochter eine ganz wunderbare Familie. Schön finde ich es auch, dass sie mir meine Freiheit lassen. Ich kann monatelang weg sein, aber es gibt keine Vorwürfe. Und meine Schwiegertochter ist einfach toll, denn wenn ich auf Reisen bin geht sie regelmäßig in die Wohnung, sieht nach den Rechten und erledigt meine Post. Ohne das ginge es nicht. Und genauso wichtig ist mein Mitarbeiter. Ich bin so glücklich, einen so guten Mann gefunden zu haben und hoffe nur, dass er mir noch lange erhalten bleibt. Mit diesen Beiden ist meine Freiheit erst möglich, ganz lieben Dank an euch, wenn ihr dies liest.

Ein Bier auf die Schrecksekunde

Die Schrecksekunde kam gestern, als ich mein Auto startete und das Display anzeigte, es gäbe keine Verbindung zu meinem Telefon. Hastig Tasche durchsucht, kein Telefon da. Da wird’s mir schon schummrig. Teures Smartphone, das wäre noch zu ersetzen, aber die Nummern darauf. Und die deutsche Karte mit Vertrag drin neben der marokkanischen Prepaidkarte. Ich gehe zur Rezeption und bitte, meine Nummer anzurufen. Handy ist aus. Also ganz klar, es wurde gestohlen und der Dieb hat es mal sofort ausgeschaltet. Nur – ich überlege hin und her, allzu viele Gelegenheiten gibt es nicht, wo es mir abhanden gekommen sein könnte. Ich würde gerne meine heutigen Schritte nachvollziehen und Maria anrufen, in deren schönem neuen Haus ich heute früh Kaffee getrunken habe. Allerdings ist die Nummer auch auf meinem Handy gespeichert.

Ich zwinge mich zur Ruhe, gehe ganz ordentlich noch einmal meine Tasche durch. Und da ist es, ganz brav auf dem Platz, auf den es gehört. Es hatte sich halt nur ein wenig versteckt und alleine ausgeschaltet, was ab und an mal vorkommt, mein Handy hat ein Eigenleben und es ruft manchmal auch selbstständig Leute an. Nur reden kann es noch nicht. Oh, was für ein großer Stein fällt mir vom Herzen!

Aber es gab auch wieder den einen schönen Moment. Ich komme in Tiznit an, will dort auf dem Campingplatz Tazerzite schlafen und fahre auf dem Weg am Restaurant Mauritania vorbei. Nein, da kann ich nicht vorbei fahren, da muss ich kurz stoppen, denn der Kellner Karim ist sehr nett. Ich steige aus, Karim sieht mich sofort, Küsschen links und rechts und schon sitze ich an einem Tisch. Bevor ich überhaupt nur denken kann stehen zwei Biere vor mir, und noch habe ich das eine nicht richtig eingegossen steht ein Teller mit Kefta und Fritten auf dem Tisch. Dieser Karim ist einfach süß, es ist hier so ein wenig wie heimkommen. Auf meinen Recherchereisen geht es natürlich auch viel um Werbung für die Hotels und Campingplätze, aber dazwischen finde ich doch auch immer wieder richtige Freundschaft, freut man sich, einfach weil ich vorbei komme und nicht die Reiseautorin, und das gefällt mir. Dann steige ich mit meinen zwei Bieren im Bauch vor den Augen der Polizei ins Auto und fahre die wenigen Kilometer zum Campingplatz, ja, das ist Marokko!