Archiv für den Monat: Januar 2018

Visum für die USA

Ein Deutscher, der seinen Urlaub in USA verbringen will, muss zuvor kein Visum beantragen, weil eine solche Urlaubsreise ja nicht länger als drei Monate dauert. Wer aber vorhat, länger im Land zu bleiben, weil er zum Beispiel in Rente ist und ein Haus in Florida oder sonstwo, wo es schön warm ist, besitzt, der muss zunächst ein Visum beantragen, damit kann er bis zu sechs Monate im Land bleiben. Dann muss er aber wieder heim. Es handelt sich um ein „B2 Nonimmigrant visa“

Ein solches Visum muss zunächst online beantragt werden auf folgender Seite:

https://ceac.state.gov/genniv/

Für den folgenden Prozess sollte man sich 2 Stunden Zeit an einem ruhigen Platz nehmen.

Günstig ist es, einen relativ neuen Pass zu haben, denn das Visum gilt 10 Jahre. Außerdem benötigt man ein digitales Passbild, das den biometrischen Anforderungen entspricht. Ich hatte nur ein Papierpassfoto, das habe ich abfotografiert, dann muss man es auf der Webseite noch bearbeiten und erhält ein „cropped photo“.

Zunächst bestimmt man, an welcher Stelle man zum Interview erscheinen will, möglich sind Berlin, Frankfurt und München. Dann folgt man Schritt auf Schritt den Anweisungen, muss endlos viele Fragen beantworten (Planen Sie einen Terrorangriff auf die USA?) und erhält am Ende die Aufforderung, eine Gebühr von 150 $ bzw. 144 Euro zu bezahlen. Das sollte man mit Kreditkarte tun, denn nur so bekommt man eine Bestätigungsnummer. Es geht zwar auch mit Banküberweisung, aber das dauert ein paar Tage, bis die Zahlung bestätigt ist. Die Bestätigung hat einen Barcode, den braucht man bei der Vorsprache.

Mit der Zahlungsbestätigung klickt man sodann auf „Schedule My Appointment“. Es wird einem der nächste freie Termin angezeigt (bei mir nach 14 Tagen) und wieder eine Bestätigung mit Barcode erzeugt, die man ebenfalls mitnehmen muss.

Interview

Mein Interview war für 8:15 Uhr angesetzt. In den Unterlagen steht, dass man nicht früher als 30 Minuten vorher da sein soll und wichtig ist es auch, alle elektronischen Geräte im Fahrzeug zu lassen. Mit Handy und dergleichen kommt man nicht rein und es gibt auch keine Lagermöglichkeit.

Leider hatte ich den Berufsverkehr in Frankfurt völlig falsch eingeschätzt und zudem schickte mich mein Navi auf einen riesigen Umweg um Frankfurt herum. Ich hatte Stress pur, war viel zu spät, aber beschloss, es trotzdem zu versuchen, weil ich immerhin mir das Gebäude mal ansehen wollte. Mit all den Vorschriften war mir eigentlich klar, dass man absolute Pünktlichkeit erwartet. Ich stellte mir vor, dass ich in ein Büro gerufen werde, wie beim Zahnarzt so alle 15 Minuten kommt ein Antragsteller und dann fragt man mich aus.

Es war ganz anders.

Um den großen Komplex, wo das Generalkonsulat angesiedelt ist, sind zwar viele Parkplätze. Aber alle besetzt. Ich bin schon 10 Minuten zu spät. Ich fahre ums Karree und finde nur das Ibis-Hotel, auf dessen Parkplatz ich zwar nicht darf, aber ich tus trotzdem. Hetze wie verrückt zurück zum Tor, der Wachmann empfängt mich sehr freundlich und sagt, ich solle doch erstmal verschnaufen und ich könnte meinen Termin noch wahrnehmen.

Das hätte ich echt nicht erwartet. Der Mann war sehr freundlich. Und es standen auch ziemlich viele Leute in der Warteschlange. Also von wegen, so alle 10 Minuten ein Antragsteller. Aber alles lief sehr geordnet und zügig ab.

Zunächst stellt man sich in die Schlange vor einem Fenster, dort zeigt man seine beiden Formulare und den Pass und erhält eine Nummer. Dann wieder zum Wachmann, dort kommt alles, was bei der Schleuse piepsen kann, in einen Plastikbeutel und rein geht’s.

Aber wie gesagt, keine Messer, elektronischen Geräte usw. Eine Frau hatte ein Handy und kein Fahrzeug zur Ablage, sie wurde in ein Blumengeschäft etwa 100 Meter entfernt geschickt, dort hat man ein Abkommen, dass die Sachen dort deponiert werden können.

Nach Eintritt ins Haus und Passieren der Schleuse kam ich in einen großen Raum mit vielen Schaltern. Dort am ersten Schalter wieder alle Papiere vorzeigen und 10 Finger-Abdrücke machen. Weiter zum nächsten Schalter, dort noch einmal Fingerabdruck-Kontrolle. Weiter zur dritten Schlange mit Schalter, dort fand dann das sogenannte Interview statt. Warum will ich in die USA? Habe ein Haus, bin in Rente und möchte den Winter dort verbringen. Your visa is approved, heißt es sofort und der Pass käme in einer Woche per Post.

Bei den anderen Antragstellern, die wesentlich jünger waren, ging es nicht so schnell. Vor allem ein Mann um die 45, der etwa ein Kilo Papiere mit sich führte, sprach so lange heftig am Schalter, dass ich den Ausgang des Interviews nicht mehr mitbekam. Es schien mir schon so, dass wir Hausbesitzer in Rente doch sehr gern gesehene Devisenbringer sind, immerhin unterstütze ich die lokale Handwerkerschaft ja auch regelmäßig.

Alles in allem hat es eine Stunde gedauert und mein Auto auf dem Hotelparkplatz war auch noch da.

Wie in der Anweisung zu lesen hatte ich alles außer meinen Papieren im Auto gelassen. Auch mein Geld. Das habe ich aber bereut, denn es gibt eine kleine Kaffeeecke, wo man auch schöne Muffins bekommt. Schade.

Chlorhühnchen

Sicher erinnern sich noch alle an die Chlorhühnchen von den TTIP-Verhandlungen. Genauso fühle ich mich nun. Auch heute Morgen, nach einer erholsamen Nacht, rieche ich noch komplett nach Chlor und auch mein Badezimmer, wo der Bikini trocknet, duftet diskret nach der Chemikalie. Zumindest bin ich nun weitgehend keimfrei.

Aber wie kam das? Gestern war ich wieder in meiner schönen Gym, natürlich mit dem üblichen Abschluss der 10 Minuten im Jacuzzi. Der ist stark gechlort, muss ja sein als öffentliches Heißwasser-Paradies für Keime. Wie immer waren auch andere Leute dort, darunter ein recht gut aussehender Mann, den ich auf 50+ schätzte, nur wenig älter als mein Sohn. Nach meinem ersten Wort fand er heraus, dass ich Deutsche bin (wie geht das eigentlich so schnell). Und daraufhin waren alle anderen im Becken abgemeldet. Wir stiegen ein in eine so lange, interessante Unterhaltung, dass ich am Ende 1,5 Stunden in der Chlorbrühe saß. Manchmal auf dem Rand, weil kein Kreislauf das aushält, dann wieder im Becken. Und es war ziemlich schwierig, im endlosen Redefluss von Al eine Pause zu finden, wo ich einwerfen konnte, dass wir die Unterhaltung doch lieber an einem anderen Tag weiterführen sollten. Aber schön wars. Al ist nicht der typische Florida-Redneck, der niemals aus dem Land heraus kommt und kein Wort einer Fremdsprache spricht. Er ist aus New York, war Banker in Wall Street, hat dort wohl so viel zusammen gezockt, dass er nun nicht mehr arbeiten muss, lebt in Florida, aber reist um die ganze Welt. Wo er wie ein Seeman in jedem Hafen eine Braut hat. Dazu spielt er Gitarre, teils auch in einer Band und ist wirklich eine sehr interessante Persönlichkeit. Irgendwann kamen wir aufs Alter zu sprechen und ich war ziemlich platt zu erfahren, dass er 63 ist. Er sieht selbst für einen, der 53 wäre, sehr jugendlich aus. Witzig war nur, als wir aus dem Becken stiegen und ich merkte, dass er fast einen halben Kopf kleiner ist als ich. Aber Größe zeigt sich anders.

Doch ich musste weg, da ich am Abend mit Carla im First Turn verabredet war. Bob war natürlich auch dort. Der Abend war kalt, und so baute die Band diesmal ihre Instrumente im Innenraum auf, ungewöhnlich, denn sonst bleibt trotz Kälte, Sturm und Regen jeder draußen, hält sich rund um das Fire Pit warm. Diesmal also drin, was insofern schlecht war, dass es nicht genug Platz zum Tanzen gibt. Denn Carla hat die Musik im Blut und liebt Tanzen, ich habe ja auch Lust dazu, traue mich aber nicht allein auf die Tanzfläche. Und Bob ist ja ziemlich faul geworden. Um 18 Uhr fing die Band also an, sie heißen Penta, sind Altrocker, und waren superspitze gut. 18 Uhr ist die Florida Zeit, da geht man abends aus und liegt dann meist um 22 Uhr schon im Bett. Und es dauerte nicht lange, da rockten auch Carla und ich und eine Menge anderer Mädels in dem engen Gang herum. Das ist genau das was ich an Florida liebe. Man kann in jedem Alter ausgehen, findet immer gute Bands, kann tanzen, was das Zeug hält und braucht noch nicht mal einen Partner dazu. Ein Deutscher würde nun sagen: Hier fühle ich mich wieder jung. Aber ein Floridianer kann immer jung sein, egal in welchem Alter. Es gibt so viele Möglichkeiten, auszugehen, dass ich schon jetzt wieder in meine Depression verfalle, wenn ich an Taunusstein denke. Dort gibt es am Abend nichts, als auf der Couch zu sitzen. Selbst im nahen Wiesbaden sind die coolen Lokale nur für die Jugend, da kann man als alte Frau alleine nicht hingehen und Spaß haben.

Ach, ich will nicht heim.

Lehigh Bike Trail

So viele Leute fahren zum Shoppen und für die Themenparks nach Florida, mich interessiert das überhaupt nicht. Die Natur ist mir wichtig, und die kann man wunderbar in den Parks erleben. Was ich aber erst seit diesem Jahr so richtig schätze sind die Bike Trails. Da tut Florida etwas, was es in Deutschland so nicht gibt. Es sind nicht Fahrradwege gemeint entlang der Straßen, sondern es sind eigens angelegte Fahrradwege durch die herrliche Natur. Meist schön asphaltiert mit 2 Spuren, aber teils auch richtig schwere Mountainbike Trails. Mein Sohn beabsichtigt, einmal mit dem Rad von Miami herauf zu mir zu fahren, so habe ich ihm also kurzentschlossen ein Buch gekauft: Florida’s Paved Bike Trails (hoffe, er liest nicht den Blog). Und natürlich auch sofort ausprobiert. Das erste Problem sah ich sofort beim Aufschlagen. Das Buch ist Ausgabe 2016, aber der schöne Biketrail in Edgewater ist nicht drin. Es gab ihm schon im letzten Jahr, aber wann er genau eröffnet wurde weiß ich nicht. Ich habe mir den Trail ausgesucht, der am nächsten bei mir liegt, der Lehigh Trail in Flagler Beach.

Viele hier wissen es ja, ich schreibe Reiseführer, aber über Marokko, und dort geht es in erster Linie um Routenbeschreibungen, also genau um das, um was es hier auch geht, wenn auch das Verkehrsmittel unterschiedlich ist. Und da habe ich dann auch die erste Kritik. Die Beschreibung ist viel zu ungenau, das könnte ich besser. Die Straße, in der er beginnt, heißt Colbert Lane und nicht wie im Buch Colbert Boulevard. Eine Hausnummer gibt es nicht, deshalb hätten hier die GPS-Punkte stehen müssen, die ich natürlich sofort aufgeschrieben habe. Am liebsten möchte ich nun einen Radreise-Führer über Florida schreiben, aber wer soll ihn in Deutsch kaufen. Die Disney-Shopper bestimmt nicht. Und mein Englisch ist nicht gut genug für ein Buch. Er beschreibt nur die Trails an sich, ich würde ein richtiges Radreise-Buch daraus machen mit den Dingen, die man am Rande sehen und wo man schlafen kann.

Zu Beginn gibt es einen Parkplatz (N29 30.107 W081 09.557) mit Klohaus, auf dem Trail gibt es keines mehr. Der Trail fängt dann 300 m versetzt mit einem Boardwalk über ein Sumpfgebiet an und reichlich Warnschilder vor den Alligatoren. Die müssen das aber gelesen haben, denn sie lassen sich nicht sehen. Aber sonst, Wildlife pur! Selbst bei meinen Kayakfahrten habe ich nicht so viele Vögel gesehen, dazu gab es zwei Gürteltiere. Es geht meist schnurgerade in Ost-West-Richtung entlang eines künstlich gegrabenen Kanals, die Landschaft ist sumpfig bestanden mit Palmen und anderen Bäumen, sehr, sehr hübsch und keine Wohnhäuser. Hin und wieder gibt es Bänke und Abfallkörbe, alles ist sauber und gepflegt. Die insgesamt 6,7 Meilen sind alle halben Meilen mit Markern versehen. Dazwischen müssen zweimal Straßen überquert werden.

Nach 3,6 km die Old Kings Road mit der auf einer Brücke kreuzenden Autobahn I95. Dort ist ein nicht-gekennzeichneter bzw. nicht-asphaltierter Parkplatz. Und auch eine Reparaturstation, falls jemand einen Platten hat.

Jenseits der Straße geht es wieder am Kanal entlang bis nach 6,5 km der Belle Terre Parkway kommt, der am sichersten an der versetzt liegenden Ampel zu überqueren ist. Nach 11 km enden sowohl der Kanal als auch der Pfad an der US1 (N29 29.774 W081 15.887), wo keine Parkmöglichkeit wäre. So kann der Pfad nur vom Osten oder von der Mitte aus angegangen werden und man muss die gleiche Strecke zurück fahren.

Stress pur

Oh Mann, es gibt ja immer so viel zu tun. Prince redet ja schon lange mit mir, es gibt eine richtige Miau-Konversation zwischen uns, aber die anderen Katzen sind scheuer. Seit einigen Tagen kommt aber die Graue immer näher, ich darf sie vorsichtig streicheln und heute hat sie den Mund aufgemacht und zum ersten Mal miaut. Und ich habe ganz klar verstanden, was sie maute: Gib mir doch endlich ein eigenes Schälchen, damit der dicke Kater mir nicht alles wegfrisst. Das habe ich natürlich sofort befolgt als anständige Katzenbedienerin. Nur die Schwarze traut sich nicht herbei, muss warten, bis die anderen satt sind und kommt dann für die Reste. Ich schaue immer mal aus dem Fenster, um zu sehen, was da so vor sich geht, aber eben war ich doch ziemlich erstaunt, das große Monstrum ist doch nicht die schwarze Katze. Das ist der Waschbär, der immer tiefe Löcher in meinen Garten gräbt, um nach Würmern zu suchen. Gleich rase ich raus, um ihm das leckere Futter wegzunehmen. Und kurz darauf kommt der schwarze Kater und schaut in die Röhre. Und mich von weitem auffordernd an. Natürlich fülle ich ihm sofort erneut einen Teller.

Und während diese lebhaften Besuche am Boden stattfinden kommen einen Stock höher die Vögel zum Häuschen, auch hier ist viel Betrieb. Noch besser besucht ist jedoch das Futterhaus hinten. Dort fliegt abwechselnd eine ganze Schar von Rotschulterstärlingen an, stürmt mein Futterhaus, so dass viele Körner auf den Boden fallen, die dann von der ebenso großen Schar von Tauben aufgepickt werden. Das kann ich aber nicht fotografieren, sie sind so scheu, dass schon ein Schatten hinter dem Fenster sie aufschreckt. Dieses Jahr ist der Winter in Florida unverhältnismäßig kalt, da ist es wichtig, dass man auch an die Vögel denkt. Wenn es mild ist kommen sie kaum, da finden sie genug frisches Futter in der Natur.

Bei all diesen Aktivitäten rund ums Haus ist es ja kein Wunder, dass ich kaum dazu komme, meinen Blog zu schreiben. Auch die schönen Events mit Explore Volusia mussten zum Teil abgesagt werden wegen dem schlechten Wetter. Aber am Freitag konnten wir endlich mal wieder Kayak fahren, wir waren 19 Boote, eine ganz schön große Gruppe. Es ging auf den St. Johns River. Alligatoren haben wir ja vom Kayak aus leider noch nie gesehen, aber viele, viele Vögel waren am Ufer. Es hat einfach wieder Spaß gemacht. Am Abend ging es dann wieder ins First Turn, es war ein milder Abend und die Tiki-Bar im Freien gut besucht. Am kalten Samstag dagegen ging ich mit Bob lieber in den Eagle Club, wo wir drinnen sitzen konnten. Das ist ein privater Club, in dem man Mitglied sein muss, was sehr beliebt ist in USA, und es war auch richtig voll. Altersgrenze so ab 69, wir gehörten zu den Jüngsten.

Mutter der Kompanie

Sie fressen mir die Haare vom Kopf! Was soll nur werden, wenn ich in einem Monat wieder abreise? Wenn die 3 Katzen und die Heerschar von Vögeln das Sagen hätten hier in USA statt dem Clown da oben, sie würden mir sofort die Greencard ausstellen. Bei der Kältewelle sind die Vogelhäuser vorne und hinten gut besucht, der große Futtersack hat sich absolut gelohnt, nur beim Katzenfutter habe ich immer noch nicht auf den Zentnersack umgestellt und muss ständig Kilo-Tüten heran schaffen. Die Katzen fühlen sich bei mir inzwischen vollkommen zu Hause, eigentlich gehört das Anwesen eher ihnen. Prince kommt ja nicht mehr ins Haus, warum weiß ich nicht, aber draußen ist er zu Hause. In den kalten Winternächten, die wir zur Zeit haben, kuschelt er sich in das mollige Kissen auf meiner Hollywood-Schaukel unter dem Carport, am Morgen dagegen liegt er auf der sonnigen Terrasse hinter dem Haus und schaut den Vögeln zu. Und auch die beiden anderen Katzen kommen immer näher, dürfen aber nicht auf der Schaukel schlafen, obwohl da genug Platz wäre. Prince ist der Chef und gibt den Ton an, er duldet keine Katzen neben sich und muss immer zuerst fressen. Den starren Hungerblick haben alle drei gut drauf, den Blick: Nun füll doch endlich das Schälchen! Heute früh durfte ich zum erstenmal die graue Katze kurz streicheln. Meine Nachbarin ist ja immer öfter beim Boyfriend, so dass ich für die Tierchen wichtig geworden bin. Und Vogelhäuser gibt es keine anderen in der Nachbarschaft. Witzig ist ja auch, dass vorne und hinten jeweils unterschiedliche Vogelarten kommen, vorne ist es meist der rote Kardinal und die Indianermeise, während hinten kleinere, unscheinbare Vögel kommen, viel von dem Futter auf den Boden werfen und dies wiederum von kleinen Täubchen aufpickt wird.

Die Kältewelle nutze ich vorwiegend, um an meinem Buch zu schreiben, aber heute war doch wieder ein Ausflug angesagt, diesmal mit einer neuen Gruppe. Es war sehr nett und ging zur Princess Place Preserve, die ich schon von früheren Besuchen kannte. Sie ist in Palm Coast, etwa eine Stunde entfernt. Und es war kalt, sehr kalt. Die Floridianer hatten ihre Winterkiste ausgepackt, kamen mit Mütze, Schal und Handschuhen, ich bin nicht ganz so gut ausgerüstet, aber es ging. Denis hat uns geführt, mehr Wert auf Pflanzen als auf Vögel gelegt, wir stapften über überflutete Wiesen, aber es war wieder richtig nett. Und ich habe einen neuen Vogel für meine Sammlung entdeckt, Nummer 99, den Keilschwanz-Regenpfeifer.

Plenty of Rain, but no Snow

Diese Überschrift in der heutigen Wettervorhersage für Central Florida lässt doch etwas stutzen: Schnee in Florida? Aber wir haben seit einigen Tagen eine solch schlimme Kältewelle, wie sie seit Jahrzehnten in Florida nicht herrschte, und das brachte die Social Media schon dazu, Schnee zu sichten und die Wetterleute im TV dazu, dies zu verneinen. Aber auch so reicht es. Freunde aus Deutschland kamen an Silvester zu Besuch, ich hatte mich sehr darauf gefreut und viel geplant, wollte doch alles, was schön ist hier bei mir, stolz vorzeigen. Der Silvesterabend war auch noch nett, sie kamen bei Sonnenschein an, doch konnten wir das nicht ausnutzen, denn das New Year Eve – Menü wartete schon und danach fuhren wir nach Daytona Beach zur Main Street, wo eine große Straßenfete stattfand mit vielen guten Bands. Ich hatte mich ziemlich warm angezogen, weil der Abend vorher kalt war, doch wurde mir das bald zu warm, denn der Abend war eher mild. Und auch als wir mit allen anderen zum Strand zogen, um dort das Mitternachtsfeuerwerk anzuschauen, war es immer noch angenehm. Leider hatte ich – wie immer – die Sektflasche zu Hause vergessen, aber dadurch gab es auch keine Probleme mit der aufmerksamen Polizei.

Am Neujahrstag dann war ein Ausflug nach Saint Augustine geplant, um noch schnell die schöne Weihnachtsbeleuchtung zu erleben und natürlich auch, damit Norbert und Rebecca die älteste Stadt des Landes kennenlernen konnten. Doch der Morgen begann mit Regen und Sturm. Nach ausführlichem Studium aller Wettervorhersagen war klar, St. Augustin ist gestrichen und auch sonst können wir nur etwas machen, wo wir im Trockenen sein können. Also zeigte ich Ihnen auf einer Rundfahrt mein schönes Daytona Beach, historical District mit Spukhaus, Beach Street und International Speedway Boulevard, dann ging es in die Volusia Mall und zum Abschluss in den Bass Pro Shop. Das ist nicht nur ein Laden, sondern eine Sehenswürdigkeit, erst im letzten Jahr eröffnet gehört er fest zum Sightseeing-Programm. So einen Laden muss man einfach gesehen haben. Er hat alles, was man so für das amerikanische Outdoor-Leben braucht, Zelte, Boote, Angeln und natürlich Unmengen von Waffen, aber auch die passende Tarnkleidung. Und der ganze Shop ist mit ausgestopften Tieren geschmückt, das Aquarium unterhalb des Wasserfalls hat lebende Fische.

Aber ein bisschen was wollte ich doch auch von der schönen Natur zeigen. Also fuhren wir nach New Smyrna Beach, ein wunderschönes Örtchen am Meer mit einer Flaniermeile mit kleinen Läden und wunderschönen alten Holzhäusern. Doch zuvor wollte ich in den Dünenpark, wo Bretterwege über die Dünen führen und wir ein wenig laufen wollten. Genau als wir ankamen fing der Regen an zu prasseln. Richtig heftig. Ich schlug dennoch einen kurzen Gang mit Regenschirm vor, Rebecca und Norbert waren viel zu höflich, um nein zu sagen, und los gings. Genau bis hinter den Restroom, wo die offene Landschaft der heftigen Brise so richtig freie Bahn gab und unsere Regenschirme mal sofort umknickten. Also, das war ein Satz mit X.

Wir fuhren wieder zurück als ich merkte, dass die Zufahrt zum Strand offen war. Rebecca konnte sich ja nicht vorstellen, dass man am Strand Auto fahren kann. Also nichts wie hin. Neujahr war ja der erste Tag, wo der Tagespreis für den Strand auf 20 $ hochgesetzt worden war, aber ich glaube, keiner der auswärtigen Besucher kommt an diesem Tag auf die Idee, das zu bezahlen. Ich habe ja meinen Resident Pass, der nicht teurer geworden ist. Und dann begann das Abenteuer. Ich habe mich gefühlt wie in der Sahara, oder auch auf der Ebbstrandpiste in Mauretanien. Die Spuren waren kaum zu erkennen, die Brandung toste wild, die wenigen Möwen stellten sich in Gruppen gegen den Sturm, die Verkehrszeichen waren irgendwohin geweht worden, das Auto war kaum in einer geraden Linie zu halten, der Wind versuchte uns wegzuwehen und als die Räder schließlich ein wenig durchdrehten genau wie im FechFech der Sahara, da war klar, wir müssen umkehren, wenn wir nicht buddeln wollen. Aber dieses kleine Abenteuer war doch der Höhepunkt des Tages, von dem wir noch oft reden werden.

Und heute Morgen stand in der Zeitung, dass alle Strände in Volusia County vorläufig für Autos und Schwimmer gesperrt sind. Der Markierungen sind weg geweht, müssen erst neu aufgestellt werden, natürlich muss erstmal der Sturm abgewartet werden, und, was ich noch lustig fand, alle Strandduschen seien weg geweht worden. Ja, dann kann man natürlich erst mal nicht mehr schwimmen.

Am nächsten Morgen riet ich dann Norbert dringend davon ab, doch noch nach Saint Augustine zu fahren, sondern statt dessen über den schönen Blue Springs Park, wo sich bei diesem kalten Wetter die Manatees treffen, weiter an die südliche Westküste zu fahren, wo es doch etwas angenehmer ist. Und abends war dann tatsächlich auch ein Bericht im TV, wie unglaublich viele Manatees sich dort gerade tummeln.