Archiv für den Monat: Februar 2018

Halbschwerer Abschied

Carla hat sich zum Glück wieder so weit erholt, dass Sie kommen kann. So fahren Carla, Bob und ich zum Caribean Jack, einem schönen Lokal direkt am Fluss mit herrlichem Ausblick, gutem Essen und Musik. Und natürlich dauert es nicht lange, bis Carla und ich auf der Tanzfläche stehen, zur fetzigen Musik von Altrockern, so genau in meinem Alter. Vermutlich haben sie auch zur Zeit der Beatles angefangen. Mit uns tanzen wieder nur Mädels, was ist eigentlich mit den Jungs los? Die kommen erst mit der Liebsten, wenn langsame Schnulzen gespielt werden.

Dann geht es weiter zu First Turn. Dort spielt heute Hayfire, einer der besten lokalen Bands, und heute, an diesem herrlich warmen Abend, ist es gepackt, wie die Amis sagen. Sicher einige Hundert Menschen, jung und alt, und die Tanzfläche auch hier brechend voll. Da werde ich traurig, dass ich heim muss und finde es so schade, dass es so etwas nicht in Deutschland gibt. Wirklich jeden Abend kann man hier tanzen, jung und alt, es gibt keine Klassen, jeder hat Spaß. Ich bin so glücklich, dass ich diese beiden Freunde gefunden habe, die so unterschiedlich sind wie zwei Welten, aber beide sind treue Freunde. Ich werde sie sehr vermissen und freue mich schon auf das nächste Jahr. Wenn so einige kleine Wenns nicht wären, ich könnte mir vorstellen, ganz hier zu leben.

Aber nun freue ich mich auf das kalte Zuhause, aber vor allem darauf, zu packen und in eine ganz andere Welt zu fahren. Meine dritte Welt.

I dream of Jeannie

Wer kennt sie nicht, die Fernsehserie mit der Jeannie aus der Flasche und dem Astronaut. Sie spielt in Cocoa Beach beim Kennedy Airspace Center. Schon die Lage des Ortes ist einzigartig, auf einer schmalen, lang gestreckten Halbinsel. Und die wollten Bob und ich mal entdecken, auch Bob war noch nicht dort. Nun ist es schon anders, mit Bob zu fahren als mit Carla, Carla will genau wie ich alles ausprobieren, Bob nur durchrasen. Aber man muss seine Freunde so nehmen wie sie kommen und es wurde ein schöner, wenn auch kurzer Ausflug. Wir fuhren nicht die US1 nach Titusville, sondern durch den Naturpark Merritt Island. Und trafen da auch gleich auf zwei dicke, fette Alligatoren, die sich faul in der Sonne räkelten. Weiter ging es nach Port Canaveral, wo die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen. Aber auch das haben wir nicht näher erforscht, Bob wollte ja nach Cocoa. Und das ist gar nicht so einfach zu entdecken. Es gibt nur eine Hauptstraße über die Halbinsel, die A1A. Und die ist dicht bebaut. Wo da ein Ort aufhört, der nächste anfängt ist schwer zu erkennen, Ortsschilder gibt es nicht und man kann höchstens von den Namen der Hotels darauf schließen. Cocoa Beach Resort dürfte ja einen klaren Hinweis geben. Wir fuhren also suchend nach Süden, denn Bob wusste, es gibt ein Pier im Zentrum von Cocoa, und das wollte er sehen. Wir fuhren und fuhren und drehten um. Wir schienen schon vorbei zu sein. Ich konnte ihn überzeugen, doch mal anzuhalten und jemand zu fragen, ja, da waren wir dann schon kurz davor. Aber die Parkplätze dort kosten Geld, was Bob gar nicht mag. Aber auch hier konnte ich ihn überzeugen, dass wir uns 2,50 $ für eine Stunde doch leisten können. Das Pier ist wirklich das touristische Zentrum der Halbinsel und war an diesem schönen, sonnigen Tag gut besucht. Jeder ist froh, dass die lange Kälteperiode vorbei ist. Das Pier ist dicht bebaut mit Shops und Restaurants und ganz am Ende muss man 2 $ zahlen, wenn man noch weiter raus will. Zu viel für Bob, aber auch für mich. Wir gingen zurück, Bob kaufte sich ein Eis, für 5,50 $, und siehe da, mit diesem Bon könnten wir umsonst raus aufs Pier. Das haben wir natürlich auch sofort getan. Und ich wollte mich für den Ausflug revanchieren und kaufte für uns 2 Bier. 12,70 $. Mein Gott, ich will doch nicht die ganze Tiki-Bar kaufen. Bei uns in Port Orange hätte es genau 4,50 gekostet. Ja, aber das ist Tourismus. Wir fuhren auf direktem Wege wieder zurück und waren schon um 14 Uhr wieder in Port Orange, mit Carla hätte der Tag erst angefangen.

Aber Carla ist krank. Sie hatte für 4 Tage ihre Mutter im kalten North Carolina besucht und sich ziemlich erkältet. Schade, denn wir wollten doch am Abend wieder tanzen gehen. Nun hoffe ich, dass sie sich bald erholt und wir Freitag meinen Abschied feiern können.

Schmerzen

Ich bin ein neuer Mensch. Nicht nur wegen dem schönen Wetter. Nach endlosen kalten Tagen, nein Wochen, endlich man wieder ein Abend, wo ich in einem Top weggehen und die Jacke im Auto lassen kann. Da ist die Stimmung einfach besser und die Musik klingt schöner. Heute Abend waren wir im Eagles, dort spielt genau wie im First Turn jeden Abend eine Band und die Leute tanzen wie verrückt. Ich bin ein Youngster hier, der Altersdurchschnitt liegt deutlich über meinem Jahr.

Aber vor allem bin ich wieder schmerzfrei. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie ich die letzten Tage gelitten habe. Ich habe sowieso Probleme mit meiner Wirbelsäule, Rückenschmerzen sind nichts Unbekanntes für mich, aber das war schlimmer. Oben im Nacken-Schulter Bereich tat es unglaublich weh. Am schlimmsten waren die Nächte, ich konnte mich kaum drehen und hätte am liebsten geschrieen vor Schmerzen. Zunächst dachte ich, ein Zug, warm halten, das geht vorbei. Aber es wurde nur schlimmer. Kaufte mir eine spezielle Salbe, half nichts. Und dann kommen hier fern von der Heimat immer schlimme Gedanken auf, wie neulich schon mal. Ich kann halt nicht schnell mal zum Arzt gehen und es abklären, also staut sich da eine richtige Panik an. Rücken nun ganz kaputt, kann nicht mehr gehen, Autofahren ist vorbei, kein Marokko mehr, kein Florida, nur noch Altersheim. Für euch klingt das vielleicht lächerlich, aber in so einer Situation kommen mir die schlimmsten Gedanken. Soll ich hier zum Arzt gehen, soll ich schon einen Termin machen für meinen Arzt in Deutschland? Es geht ja glücklicherweise bald heim.

Da muss ich einfach meine Familie anrufen, in so einer Lage braucht man Zuspruch. Ich erreiche auch gleich meinen Sohn, der ja noch viel mehr als ich von Rückenproblemen geplagt ist. Er sagt, ich brauche Ibuprofen. Mann, ich will doch kein Schmerzmittel, will die Schmerzen nicht verdecken, sondern heilen. Aber er erklärt, dass die Tabletten entzündungshemmend wirken und unbedingt nötig sind, es wäre ein Fehler, die Schmerzen auszuhalten, dann ginge es nicht weg.

Also, wo bekomme ich die? Muss ich zum Arzt, ein Rezept holen? In aller Frühe fahre ich zu Walgreens, und was liegt da? Ibuprofen over the counter. 40 Tabletten für 4,99 $. Sofort gekauft. Erst später erfahre ich bei Dr. Google, dass es auf den Wirkstoffgehalt ankommt, bis 400 mg pro Tablette sind sie rezeptfrei. Ich nehme sofort eine, und es ist kaum zu glauben, nach einer Stunde ist kaum noch etwas von den doch wirklich heftigen Schmerzen zu spüren. Nun ist es Abend, ich habe bisher 2 Tabletten genommen, werde noch eine für die Nacht einwerfen und bin sehr gespannt, wie die Nacht sein wird. Wenn alles gut läuft kann ich morgen in meine Marokko-Planung einsteigen.

Das Ende ist ein neuer Anfang

Seit Wochen jammere ich herum, dass ich nicht heim will. Und nun sind es nur noch wenige Tage bis zum Rückflug und ich würde am liebsten schon morgen fliegen. Komisch wie sich die Gedanken so ändern können. Es liegt natürlich teils auch an dem schlechten Wetter, das wir dieses Jahr hatten. Aber irgendwie ist es auch genug. Ich freue mich nicht auf mein tristes Taunusstein, aber auf den schönen Rückflug, wo ich wieder Champagner schlürfen kann, und auf das Faschingsfrühstück mit meiner Familie. Ist doch schön, sie alle wieder zu sehen. Und dann wird gepackt, ausgepackt, umgepackt, eingepackt, und dann geht es Richtung Marokko.

Lange habe ich ja hin und her überlegt, wie genau ich diesmal reise. Meine Mauretanien-Freunde wollen unbedingt, dass ich komme, um meinen Reiseführer zu aktualisieren. Ganz, ganz langsam normalisiert sich das Leben in dem Land nach den verheerenden Anschlägen im Jahr 2007, nach denen die Touristen wegblieben. Sehr zögernd kommen die ersten wieder. Und natürlich sind die alten Angaben bezüglich Unterkünften völlig überholt. Es kamen ja keine Touristen. Also hat man entweder zu gemacht, die oft ausländischen Besitzer sind abgereist, oder man hat das Anwesen einfach verkommen lassen, es war ja weder Geld noch Nachfrage da. Natürlich gibt es dann auch manchmal stille Vorwürfe, warum denn mein Reiseführer so überholt ist. Aber da muss ich um Verständnis bitten. Ich kann von diesem Buch nur sehr geringe Auflagen drucken, und selbst die tragen sich nicht, die Kosten für den Druck usw. kommen absolut nicht rein. Und von den Kosten für die Reise, die in einem schwierigen Land wie Mauretanien wesentlich höher sind als in Marokko, schon gar nicht. Ich tue das nicht aus geschäftlichen Gründen, es ist ein Zusatzgeschäft, sondern ganz allein für meine Freunde, die wirklich darauf angewiesen sind, dass Touristen kommen. Das kann sich natürlich nur so ein nicht-kommerzieller Verlag wie meiner leisten, ein Dumont etc. würde die Kosten nicht investieren.

Mit meinem Auto werde ich vermutlich nicht über die Grenze fahren, es ist nicht nur sehr langwierig, sondern auch unversichert. Europäische Versicherungen gelten nicht in Mauretanien und die Unfallgefahr dort ist ziemlich hoch. Ich werde fliegen. Aber wann genau, und ob mal kurz von Marokko aus oder später im Jahr von Deutschland aus das weiß ich noch nicht. Dazu kommt, dass mein Kontaktmann Idoumou, der mich bei der Recherche unterstützt, jetzt im Frühling doch viele Kunden hat, die mit ihm reisen wollen. Vermutlich werde ich doch wieder im Sommer hinfliegen, zu der gleichen Zeit wie bei meinem ersten Besuch 2007. Ich weiß noch genau, wie heiß es damals war, aber ich liebe ja die Hitze.

Nun hoffe ich, dass der harte Winter, der diesmal wirklich überall herrschte, langsam vorbei ist und ich auf der langen Autofahrt durch Frankreich und Spanien einigermaßen akzeptables Wetter habe.