Der erste Tag in Marokko ist ganz schön abwechslungsreich

Mein Hotel in Tanger war zwar nicht romantisch, aber zweckmäßig und das Personal freundlich. Und am besten war die geräumige Tiefgarage, wo mein voll gepackter Land Rover gut übernachtet hat. Am Morgen ging es dann ins nahe Asilah, wo ich die seit meinem letzten Campingführer neu organisierte Campingwelt recherchieren wollte. Das klappte auch ganz gut. Weiter sollte es nach Larache gehen. Dort hatte einer meiner Leser mir einen Tipp für einen Stellplatz am Meer gegeben, den wollte ich nun selbst erforschen. Und das war eine Wahnsinns-Entdeckung.

Von der Hauptstraße zweigt eine breite, vierspurige Straße mit Mittelinsel ab, die in 4 km zu einer riesigen Hotelanlage mit Golfplatz geht. Kein Mensch auf der Straße. Aber schon hier bin ich völlig hin und weg von der Schönheit der Landschaft. Der breite, wasserführende Fluss Oued Loukos schlängelt sich hin bis zum Meer, darauf vereinzelte Fischerboote, auf der anderen Seite auf einem Hügel die weiße Stadt Larache, die leider fast ganz im Nebel verschwindet. Was für eine grandiose Aussicht. Und so unbekannt. Der einzige Gegenverkehr, genauer gesagt kreuzt der Verkehr die Straße, sind Schildkröten. Irgendwie ist das der Tag der Schildkröten. Zunächst wollte ich anhalten und sie retten, aber dann fuhr ich drumherum, es war ja eh kaum Verkehr. Und es kamen immer mehr.

Die Entdeckung kommt 1 km später, wo die nun schmale Straße am Meer endet. Dort sind einige hübsche Strandcafés, die bei gutem Wetter sicher gern besucht werden. Heute ist es eher neblig und kühl. Ein Stück weiter eine Betonplatte direkt vor dem schmalen Sandstrand, dort kann man mit der Nase zum Meer stehen und der Brandung zuschauen. Einfach traumhaft. Natürlich wird dieser Platz sofort für den nächsten Campingführer notiert.

Zurück an der Hauptstraße liegt die punisch-römische Ruinenstätte Lixus. Ich bin vor Jahren schon mal allein durch die Trümmer gewandert, hatte keinen Führer gefunden, und einige Fotos gemacht. Doch das war vor der digitalen Zeit und so hielt ich an. Das ganze Gelände ist nun eingezäunt, es gibt ein Wärterhäuschen und ein Museum ist im Bau. Der Eintritt ist kostenlos, aber die Führer erhalten ein Trinkgeld. Und dieser Führer hat sich wirklich gelohnt, denn ich hatte die vielen Ruinen auf der Berghöhe bei meinem Alleingang nicht gefunden. Und dann erst der Ausblick! Die Punier hatten sich da schon eine tolle Stelle ausgesucht für ihre Stadt.

Ab Larache ging es auf die Autobahn und an der ersten Raststätte hielt ich für einen Kaffee an. Doch bevor ich zum Café gelangte sprachen mich zwei Jungen an. Sie hatten große Steigen mit Erdbeeren, Riesenfrüchte, fast so groß wie ein Apfel. Das wäre doch ein leckerer Mittagsnack für mich. Aber die Steige war mir doch zu groß und ich kaufte dem Jungen nur eine Schale ab. Sie wollten schon gehen, da rief ich die Beiden zurück, gab ihnen ein paar von meinen Karnevalsbonbons. Sie haben sich total gefreut. Aber kaum saß ich auf der Bank und wollte meine Erdbeeren essen, kamen noch drei andere hinzu. Okay, ich habe ja noch Bonbons und die Kinder waren nett. Als ich sagte, nachher, wenn ich gegessen habe, haben sie dies sofort akzeptiert. Behielten mich aber trotz ihrer Verkaufsaktivitäten genau im Auge und waren zur Stelle, als ich zum Wagen ging.

In Facebook gepostet gab es mal wieder eine riesige Aufregung. Gibt halt immer Themen, an denen sich der liebe Deutsche aufhängt. Wie kann man Kindern nur Bonbons geben, wie kann man nur die Bettelei unterstützen. Die Kinder sollen lieber in die Schule gehen, wenn man Bonbons gibt, gehen sie nicht mehr. Vermisst habe ich das Argument, dass die Bonbons die Zähne zerstören.

Also ich habe mich freundlich zurückgehalten, aber ich finde diese deutsche Überheblichkeit zum Kotzen. Wofür sind Bonbons eigentlich da? Für Kinder, denen man mal eins zur Belohnung gibt. Und nicht nur für übergewichtige deutsche Kinder, die sie vom reichlichen Taschengeld kaufen können, auch ärmere Kinder freuen sich über ein Geschenk. Geschenke geben gehört zum Menschsein doch dazu. Und gebettelt haben sie ja nicht.

Viel eher müsste man die Frage untersuchen, warum sie wohl Erdbeeren verkaufen. Ich kann nicht beurteilen, ob sie die Schule besuchen. Einige waren so alt, dass sie die vorgeschriebenen 6 Jahre schon hinter sich haben konnten, sie konnten auch etwas französisch, was auf Schule schließen lässt. Und es war Nachmittag, also kann die Schule schon aus gewesen sein. Aber alle meine deutschen Facebook-Freunde wissen das ja besser. Nein, ich sammele weiter Bonbons an Karneval und gebe sie weiter an Kinder, die das verdienen.

Nun aber ab nach Marokko

Guadix hat mir sehr gut gefallen, aber Marokko ruft. Und der eine Tag hat auch ausgereicht. Was ich mir dort besser gewünscht hätte wären interessante Speiselokale, das Angebot war eher mittelmäßig. Ich denke, es liegt daran, dass nur wenige Gäste über Nacht bleiben.

Gut ist es, wenn man nicht nur Frühaufsteher ist, sondern auch noch schlecht schlafen kann. Eigentlich war ich um 4 wach, hab aber noch die News auf meinem Tablet geschaut, um 6 Uhr war ich abfahrtbereit. Hatte mit Maria zuvor geregelt, dass ich einfach den Schlüssel im Haus liegen lasse und die Tür zuziehe. So was habe ich gerne, da fühle ich mich frei. Auf leerer Autobahn kam ich auch gut durch und war recht schnell in Algeciras, wo ein Besuch bei Carlos auf dem Programm stand. Er hatte mir schon im letzten Jahr einen Karton Campingführer abgekauft. Im Büro fand ich nur seine Tochter, die eher widerstrebend den Vater anrief. Aber als ich ihn dann doch an die Strippe bekam bestellte er mich sofort auf sein vollgestopftes Zimmer im Hotel über seinem Laden, wo er krank darnieder liegt, der Arme. Trotzdem nahm er mir wieder einen Kasten Bücher ab, wer also demnächst zu Carlos fährt und noch keins hat kann sich dort eindecken.

Über die Schnellfähre ab Tarifa gibt es nichts Neues zu berichten, sie ist gut und schnell wie eh und je. Bin ja weniger ein Preisfuchs, mir ist es egal, was die Überfahrt kostet und ich bin immer sehr zufrieden. Um 14 Uhr marokkanischer Zeit war ich in Tanger, wo ich mir die beiden Campingplätze anschaute.

Miramonte kann man weiterhin empfehlen, stadtnah, strandnah, freundlich. Wenn nur die schwierige Auffahrt nicht wäre. Achakar war absolut ungemütlich, dafür ein ganzes Stück teurer, die sanitären Anlagen schlecht und ich kann es nicht mehr empfehlen.

Nun bin ich in Tanger in einem Hotel an der Strandpromenade, schreibe alles auf und morgen geht es Richtung Asilah und Larache. Schon seit einigen Jahren ist man dabei, diese Hafenpromenade neu anzulegen, sie wurde auch zu Ehren von König Mohammed VI umbenannt. Aber noch ist nicht alles fertig. Aber immerhin ist der Sandstrand schon zu sehen, der früher hinter hässlichen Gebäuden versteckt war, neue Lampen wurden montiert, Türme gebaut, für was auch immer, und vor allem ein Jachthafen angelegt. Aber bis zur Fertigstellung wird wohl noch ein Weilchen vergehen. Hier der Blick von meinem Hotel.

Kindheitserinnerungen

Es gefällt mir so gut in meiner Höhle, dass ich spontan einen Tag angehängt habe. Am Vormittag lief ich hinunter zum Ort und bestellte mir in einer Bar Kaffee und ein Croissant. Auch da kam es wieder hoch. Ich sah mich mit meinen Eltern in den 50ern in spanischen Bars, wo der Boden mit Sägespänen bedeckt war und die Gäste alles auf den Boden warfen, Zigarettenstummel, Olivenkerne, alles ging hinab. Hier am Morgen waren es nur die Servietten und die Zuckerbeutelchen, aber es ist halt Tradition in Spanien, dass man alles einfach auf den Boden wirft. Für meine zwei Kaffee und das Croissant bezahlte ich gerade mal 2,50 Euro, hier lebt es sich echt günstig. Gestern Abend hatte ich mal google bemüht, wegen dem Flamenco in den Zigeunerhöhlen. Und tatsächlich, ich habe es gefunden, das Internet weiß einfach alles. Aber es war nicht in Guadix, es war in Granada, dort im Ortsteil Sacramento gibt es auch Höhlen, und die Zigeuner zeigen noch heute dort ihre Shows. Da kam alles wieder zu mir zurück. Ja, wir waren in einem Hotel in Granada, normal machten wir immer Camping, damals noch mit Zelt, Wohnwagen gab es in den 50ern nicht. Aber Granada hatte keinen Campingplatz, dafür viele Kathedralen, die mein Vater besichtigen musste und natürlich die Alhambra. Und eines Abends gingen wir zu der Flamenco-Show. In Erinnerung blieb mir auch, wie unglaublich spät man dort aß, für uns Kinder viel zu spät, wir machten ja nicht wie die Spanier Siesta, es war so gegen 22 Uhr, als das Abendessen im Hotel serviert wurde, und was auch für mich ganz besonders in Erinnerung blieb, ist, dass wir alle nach dem Essen eine Schale mit Wasser bekamen, um unsere Finger zu waschen.

Man hat mich in eine Höhle verfrachtet

Meine Liebe zum Reisen habe ich von meinem Vater geerbt. Jeden Sommer fuhr er mit uns sechs volle Wochen in den Süden, Spanien, Portugal oder Italien. Als Kind hasste ich das, musste mir jede Kathedrale anschauen, während ich lieber zu Hause mit meinen Freunden gespielt hätte. Aber sobald ich erwachsen war hat mich dieser Reisevirus voll gepackt.

Ein Erlebnis aus meinen frühen Jahren, irgendwann in den 1950ern, hat sich in verschwommenen Bildern in meinem Kopf festgebrannt. Ich sitze mit den Eltern in einer Höhle irgendwo in der Nähe von Granada, in den Höhlen wohnen Zigeuner und sie tanzen für uns Flamenco und singen ihre Lieder. Später habe ich niemals wieder gehört, dass es so etwas ähnliches gibt. Aber auf meinen Fahrten nach Marokko komme ich immer an Guadix vorbei und sehe eben dort die schön heraus geputzten Höhlenwohnungen. Und diesmal muss es einfach sein, am letzten Rastplatz trinke ich einen Kaffee, nutze das kostenlose Wifi und buche ein Höhlenzimmer in Guadix!

45 Minuten später bin ich dort und traue meinen Augen nicht. Ein Einzelzimmer habe ich gebucht, für 36 Euro. Das ziemlich primitive Zimmer gestern Nacht hat 30 Euro gekostet. Cuevas de Maria heißt die Unterkunft. Ich folge dem Navi, aber mein dicker Land Rover hat ziemliche Probleme, die engen, steilen Gassen zu fahren. Einmal muss ich nachfragen, aber dann stehe ich auf einem kleinen Platz vor einer Kirche und bin umrahmt von Höhlenwohnungen. Maria hat ein kleines Lädchen, wartet schon auf mich und begrüßt mich mit Küsschen. Zu meiner Höhle müssen wir etwas laufen. Ein Gittertor führt zu einer Terrasse mit gemauertem Grill und Sitzplatz, zwei Türen führen in die beiden Höhlenzimmer, die der Komplex umfasst. Was sage ich da, Zimmer. Nein, wirklich nicht. Es sind zwei komplette Wohnungen. Meine, für 36 Euro!, umfasst ein Wohnzimmer mit Esstisch und Sitzecke, daneben die komplette Küche mit offenem Kamin, im höhlenartigen Badezimmer ist neben der Dusche eine Waschmaschine und dann gibt es drei Schlafzimmer für jeweils zwei Personen. Warum nur habe ich meine Familie nicht mitgebracht. Auch Sonnenschirm und Terrassenstühle stehen bereit. Das zweite Apartment ist gerade von einem holländischen Paar bezogen worden und sie laden mich zum Anschauen ein, auch das schön groß, großes Bad, Wohnküche und Wohnzimmer, aber nur mit zwei Schlafzimmern. Was für eine Armut! Und all das für 33 Euro.

Dies hier ist ein Ort zum Bleiben, zum Genießen, zum Urlaub machen. Und nicht für eine Übernachtung und weiter. Aber eigentlich will ich ja nach Marokko. Mal schauen, was ich mir morgen früh überlege.

Santa Susanna, Costa Brava

Ja. Ich bin weg. Kurz entschlossen habe ich alles gepackt, habe Marlies noch die mageren Lebensmittel übergeben, die bis zu meinem offiziellem Abreisedatum im Haus waren, habe den Land Rover gepackt und Wehen fluchtartig verlassen. Die gesperrte Zufahrt zur Platte hatte mir den Rest gegeben. Um 3:30 in der Nacht. An einem Samstag. Was sich als eine sehr gute Entscheidung heraus gestellt hat. Es waren recht wenige LKW’s auf der Autobahn und ich kam super durch. Als ich kurz hinter Besançon war dachte ich, ich träume. Ein Auto nach dem anderen kam mir entgegen, alle mit einer Gepäckbox obendrauf. Aber es ist ja kein Wunder. Sie alle kamen auf der Autobahn ab Grenoble, aus einem Skigebiet, an einem Samstag, dem idealen Abreisetag. Aber lustig sah es trotzdem aus.

Für mich gibt es an diesen 3 Tagen nur, das Gaspedal durchtreten und fahren. Ich will nach Marokko und am ersten Tag habe ich die meiste Energie. Das ist die eine Sache, die andere ist die, dass in Spanien die Autovias einfach viel schöner sind und mehr Spaß machen. In anderen europäischen Ländern hat man Autobahnen gebaut, mit Raststätten, wo die Klos inzwischen Geld kosten, die Preise überteuert sind und alles gleich geschaltet ist. Deutschland hat ja alle Konzessionen an eine Firma gegeben. Frankreich zeigt bei den Raststätten schon mehr Vielfalt, aber teuer sind sie auch. In Spanien jedoch ist das völlig anders, dort gibt es neben den Autobahnen die Autovias. Und die sind toll. Eine Autovia schneidet nicht das örtliche Geschäft ab, es gibt die sogenannten via servicio, die zu genau diesen Unternehmungen führen. Ob Restaurant, Hotel oder einfach nur Cafe. Was am Wegesrand liegt wird nicht einfach abgeschnitten sondern angefahren, hat eine Zukunft.

Als Fremde ist es natürlich nicht immer leicht, diese kleinen Juwele zu finden. Deshalb habe ich meine kostenlose Guidewriters-App gemacht, um alles, das, was ich so finde, zu erhalten. Und heute bin ich also wieder auf der Piste und halte alles fest, für mich, und für alle die, die auf meinen Spuren reisen.

Ich bin um halb vier von Taunusstein aus gestartet, einfach weil ich am ersten Tag die meiste Energie habe und am meisten Kilometer schaffe. Und ich habe es bis Santa Susanna geschafft. Jetzt mal ehrlich. Wer von euch hat schon jemals von einem Ort  namens Santa Susanna gehört. Er liegt an der Costa Brava, zwischen Loret de Mar und Barcelona. Und ist völlig uninteressant. Aber hier habe ich ein Hostal gefunden, wo ich heute für 30 Euro ein ordentliches, warmes Zimmer mit Bad bekomme und im Restaurant am Abend absolut unter Einheimischen sitze. Ganz egal wo ich bin, ich will es authentisch. Konform mit meiner Low Carb Diät hatte ich einen Salat und einen Teller mit Serrano Schinken bestellt, aber dann bin ich doch schwach geworden und habe einen Nachtisch bestellt. Creme Catalan. Schritt ins Paradies:

 

Ich will nur noch weg

Gerade erst aus der Sonne Floridas ins kalte, graue Taunusstein zurückgekehrt kann ich es hier kaum mehr aushalten. Am Abend denke ich immer, weg, nur weg, bloß, davor haben die Götter das Packen gesetzt, und am Morgen fällt es mir immer sehr schwer, wirklich zielstrebig zu packen. Vor allem, weil ich den Abreisetag noch nicht konkret festsetzen kann. Einiges gibt es noch zu erledigen. Vor allem muss ich warten, bis meine Brillen fertig sind. Aber gerade eben rief der Optiker an, beide Brillen sind fertig, und nun gibt es eigentlich keine Beschränkungen mehr. Den Büchernachschub habe ich bereits heute zu meinem Mitarbeiter gebracht, und morgen werde ich nun endlich richtig heftig daran gehen, meinen vielen Kram zu packen.

Und um den Abend und die Wartezeit zu versüßen werde ich mir nun diesen schönen alten Film ansehen:

Dinieren wie Gott in Frankreich

Früh am Morgen ging es los. Manfred schlief noch, ich wollte ihn nicht aufwecken. Immerhin lagen 1300 km vor mir. Es war noch nicht klar, ob ich die in einem Stück fahren wollte oder noch einmal übernachten. Ein großer Teil der Strecke war Landstraße oder vierspurige Nicht-Autobahn, so kam ich doch recht langsam voran. Ab und zu hielt ich an für eine kurze Einkaufspause. Am Morgen hatte ich in einer kleinen Bäckerei eine Rosinenschnecke mit Kaffee geholt, die war so köstlich, dass ich mir noch eine zweite zulegte. Aber irgendwie fand ich nichts schönes, um einen weiteren Kaffee zu trinken und so verzehrte ich die zweite Schnecke auf der Fahrt. Was aber der Güte keinen Abbruch tat. Zweimal hielt ich dann noch für einen Einkauf, Pasteten und leckerer Käse muss auf jeder Frankreich-Durchfahrt sein, aber sonstige Höhepunkte kamen keine mehr. In Höhe von Lyon war ich mir dann unschlüssig, was ich tun sollte. Immerhin hatte ich noch 700 km vor mir. Besonders müde war ich nicht. Aber irgendwie hatte ich keine Lust, weiter zu fahren. Blieb immer noch auf der Landstraße parallel zur Autobahn. Dann kam ein Routière, die echten Routières sind ja selten geworden in Frankreich. An der Theke ein paar holländische LKW-Fahrer beim Pastis, nahmen mich freundlich auf. Kellnerin noch keine zu sehen. Als sie dann kam wollten sie sogar für mich nach einem Zimmer fragen, dachten, ich könne kein Französisch. Aber so freundlich die Männer waren, so unfreundlich war die Hoteldame. Nein, das letzte Zimmer wäre bereits vergeben. Wers glaubt. Die Holländer wollten einschreiten, eine Lösung suchen, fand ich nett, aber ich verabschiedete mich nur kurz. Und dann kam nur wenige Kilometer weiter ein Hotel an der Straße, sogar mit Pool, den man bei dem Wetter heute aber sicher nicht braucht. Von außen sah es eher langweilig aus. Aber an der Rezeption so eine richtige altfranzösische Madame, so wie man es sich wünscht. Und ja, ein Zimmer gibt es noch, 40 Euro. Und ob ich dinieren wolle. Ich sagte ja, ich schaue mir mal die Karte an.

Als ich noch verheiratet war hatten mein Mann und ich eine besondere Vorliebe für Frankreich. Und für das Essen. Wir sind oft mal nur für ein Essen rüber nach Frankreich gefahren, und wenn es 200 Kilometer waren. Auch auf meinen Marokko-Fahrten habe ich immer wieder mal ein Essen in Frankreich eingelegt, aber ich wurde in den letzten Jahren oft enttäuscht. Die guten alten Restaurants wurden immer mehr von Pizza und Snacks vertrieben und eine richtig gute französische Küche ist schwer zu finden.

Aber heute fand ich sie. Ich bin total begeistert. Das Drei-Gang-Menü kostete 21 Euro, ich habe es noch mit einen Mousse au Chocolat erweitert und es war ein richtiges Genießer-Essen, der perfekte Abschluss meiner drei-Monats-Reise. Und auch das Zimmer ist schön, so richtig altfranzösisch und es hat einen Schreibtisch, was mir immer wichtig ist. Es geht sogar zum Piscine hin, aber den braucht man an diesem regnerischen Tag ganz bestimmt nicht. Dafür aber den großen Kühlschrank, in dem kann ich meine Einkäufe kühlen. Auch der Hauskater ist altfranzösisch, vermutlich hat er sein Hauptgericht bereits in der Küche erhalten, kam zu mir nur, um ein Stück delikaten Käse zum Abschluss zu erhalten, dann verzog er sich wieder.

Einziger Nachteil, um 22 Uhr wurde das Wifi ausgeschaltet und so kann ich den Bericht erst am Morgen einstellen.

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Bei Manfred auf der Domäne

Mein Rückweg führt mich über Andorra, wo ich ganz gerne noch ein wenig zollfrei einkaufe. Leider ist Sonntag und so halb Ostspanien hat die gleiche Idee. Und der Zoll untersucht schon etliche Kilometer vor Andorra einige Wagen, was mir die Lust zum größeren Einkauf von Alkoholika doch etwas verleidet, vor allem da ich keinen Schimmer habe, wie groß die Freimengen sind. Und an der eigentlichen Grenze dann eine Riesenschlange, es geht nur im Schritt weiter, vermutlich schon die Auswirkungen der Flüchtlingskrise. Ich kaufe daher nur ganz wenig ein. Und dann werde ich überhaupt nicht kontrolliert. Oben am Pass 7 Grad und Schnee, aber die Straßen sind frei. Und bei Manfred auf der Domäne dann Sonnenschein. Die neun Pferde lassen sich kaum sehen, es geht ihnen gut auf der riesigen Weide. Bei Manfred ist das Schöne, dass es keinen Zwang gibt. Man muss nicht gut drauf sein, man muss nicht groß kochen, man ist einfach. Am Abend teilen wir uns eine Tiefkühlpizza, die aber ist grandios, aus Spanien, mit Serrano-Schinken. Wie schade, dass ich nur eine habe und sie nicht nachkaufen kann. Viel besser als alles, was so in unseren Tiefkühlkisten liegt. Dazu einen Roten, da wird doch die munterste Katze müde.

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Am Sonntag dann gehen wir zum Markt. Das gehört einfach dazu. Diese Ecke von Frankreich ist etwas ganz besonderes. Hier haben sich einige Hippies und Alt-68er angesiedelt, wozu Manfred ja auch gehört. Der halbe Ort spricht deutsch oder andere Sprachen und die wenigen Einheimischen liegen voll auf der Linie. Jeden Sonntag findet ein alternativer Markt statt. Bio-Lebensmittel aus den umliegenden Domänen, Batikkleidung, die Verkäufer sind ein buntes Völkchen und eine solche Mischung gibt’s nirgends sonst auf der Welt. Manfred fühlt sich hier wohl. Hat zusammen mit Freunden mal eben so eine Domäne gekauft und dort leben die neun Pferde. Deutschland fehlt ihm nicht.

Aber ganz ehrlich. Mein Leben wäre das nicht. Wäre mir zu einsam. Ich brauche schon Menschen um mich. Und so fahre ich am Montag dann gleich weiter. Aber das kommt in einem neuen Bericht.

Verveine – Louisa – Zitronenverbene

Ich habe in letzter Zeit ziemliche Probleme beim Schlafen. Entweder ich kann für Stunden nicht einschlafen oder ich wache nachts immer wieder auf. Egal, ob im King Size Bett des Luxushotels oder auf dem harten Strohsack beim Kirschen-Hassan, es ist einfach schrecklich, sich nachts herum zu wälzen. Und während ich mein Leben lang abends nach einem guten Essen einen Espresso genießen konnte geht das plötzlich nicht mehr, neulich habe ich tatsächlich eine komplette Nacht nicht geschlafen.

Dann war ich im Dades-Tal in der süßen kleinen Auberge Les 4 Saisons. Nach dem Essen servierte man mir dort einen Verveine-Tee, wie sie in Französisch sagen. Oder auch Louisa. Mit dem Zusatz, der sei gut zum Schlafen.

Ich habe schon oft Verveine-Tee getrunken, nie etwas gemerkt. Hatte ja auch keine so großen Schlafprobleme. Aber in dieser Nacht schlief ich wunderbar. Und habe mir auch noch mehrmals danach in einer Herberge einen solchen Tee kochen lassen und es hat immer gewirkt. In Meknes dann habe ich für 2 Euro einen großen Beutel dieses getrockneten Krauts gekauft und erst einmal im Auto verstaut.

In Ceuta das gleiche Spiel, mehrmals in der Nacht aufgewacht. Dann unterwegs an der Strecke in einem kleinen Hotel geschlafen, wieder herumgewälzt. Nun bin ich für zwei Tage in Peniscola und wohne in einem Studio mit kleiner Küche. Und fand beim Kramen in meinem Auto den Beutel mit Verveine. Und am Abend einen Tee damit gekocht.

Muss ich noch sagen, wie wunderbar ich geschlafen habe?

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Übrigens, ich habe den Ausdruck Louisa, den die Marokkaner für das Kraut benutzen, immer für aus dem Arabischen kommend gehalten. Aber Wikipedia erzählt mir dazu etwas Interessantes:

Der Zitronenstrauch (Aloysia citrodora), auch Zitronenduftstrauch, Zitronenverbene oder duftende Verbene genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Der Gattungsname Aloysia bezieht sich auf Maria Luise von Bourbon-Parma, die damalige Prinzessin von Asturien Luisa María und als Gemahlin Carlos IV. spätere Königin von Spanien (1788–1808).