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Boppard – wo ist nur mein Kindergarten

Aber zwei alte Fotos waren immer noch nicht gefunden, die von meinem Kindergarten. Hier sieht man uns ordentlich in Reih und Glied spielen, natürlich auch hier wieder ohne Spielgeräte, und auf dem zweiten Bild nach einer Theateraufführung mit der Mauer des Kindergartengebäudes im Hintergrund. Beides gelang mir nicht zu finden.

Schließlich machte ich mich auf den Weg zur Stadtbücherei, um Hilfe zu suchen. Dort fand ich eine noch recht junge Bopparderin, die sich natürlich nicht erinnern konnte, aber dafür auf viele historische Bücher Zugriff hatte. Und eine lange Recherche ergab, dass sich der Kindergarten im ehemaligen Waisenhaus befunden haben musste. Ein Teil dieses historischen Gebäudes steht noch, es ist dort sowie in vielen neuen Anbauten, nun das Seniorenstift zum Heiligen Geist untergebracht. Aber die Mauer auf meinem Bild steht nicht mehr, ist einem Neubau gewichen. Die Mauer war leichter zu identifizieren und ich musste mal über mich schmunzeln. Bei diesem Besuch war ich xmal über den Platz gelaufen, aber habe ihn nicht wiedererkannt. Das liegt erstens daran, dass er heute mit Autos zugeparkt ist, und zweitens, dass dort ein Kiosk ist, vor dem immer einige Trinker stehen und ich schon deshalb kein Foto machen wollte. Aber es war ganz klar unser Platz. Was tun? Schließlich sprach ich die Trinker an, speziell die Frau unter ihnen. Erklärte worum es mir ging. Sie waren sofort sehr nett und hilfsbereit, boten sich an, mich zu fotografieren und hatten auch nichts dagegen auf mein Foto zu kommen oder den Platz zu räumen. Manchmal steckt man einfach voller unbegründeter Vorurteile.

Puh! Meine Erinnerungsarbeit war getan. Alle Fotos und Gedächtnisfetzen wieder gefunden. Das hat einen gebührenden Abschluss verdient und was wäre da schöner, als der Besuch eines Gutsausschanks? Als alte Rheingauerin möchte ich nicht so ein großes Weinrestaurant, wo die Touristen hingehen, sondern etwas kleines urtypisches, wo ich vielleicht sogar alte Bopparder treffe. Das Weingut Rolf Bach macht sein Wohnzimmer bereits um 16 Uhr auf und ich war schon bald da. Es gibt zwei winzige Räume, die jeweils über drei Tische verfügen. Einer war besetzt, also setzte ich mich an einen freien, aber schon bald gingen Gespräche hin und her. Dann aber kamen drei Personen in meinem Alter und setzten sich zu mir, obwohl noch ein Tisch ganz frei war. So liebe ich es. Natürlich fragte ich sehr bald, ob es alte Bopparder sind. Nein, sind sie nicht. Die eine Frau war in Wiesbaden geboren. Man glaubt es ja kaum, mein Wiesbaden. Aber sie wohnen schon 30 Jahre in Boppard und wo? Natürlich in der Sabelstraße. Wenn auch nicht in meinem kleinen Reich, sondern da, wo die Sabelstraße an der Burg wieder hinunter geht, also keine 100 m von unserem Haus entfernt, dennoch bin ich kaum in diese Richtung gekommen. Es war so ein wunderschönes Gespräch, das sich entwickelte, und als sie dann erzählten, dass in dieser Gastwirtschaft die Oma kocht und es immer ein anderes traditionelles Gericht gibt wie Düppekuche und gefüllte Klöße, da war ich in meinem Element. Genau das hatte meine Mutter immer gekocht und noch viele andere leckere Speisen meist ohne Fleisch, das wir gar nicht vermisst haben. Ich habe mein altes Boppard wiedergefunden und am liebsten würde ich auf der Stelle wieder zurück ziehen. Diese kleine Stadt mit nur 9000 Einwohnern bietet einfach alles, was ich mir von einer Wohnstadt erträume. Der Abschied war lebhaft, wir gingen zusammen zu dem Auto, das sie auf meinem Kindergarten-Spielplatz geparkt hatten, um die 500 m in die Sabelstraße zurück zu fahren. Ich bin so traurig, dass wir uns nicht öfter treffen können, ach wäre ich doch schon in Boppard.

Später Telefonat mit meiner Kusine, die auch schon lange nicht mehr in der Stadt wohnt. Sie meinte, sie träumte auch schon davon, im Alter mal in das Seniorenstift an meinem alten Kindergarten umzuziehen. Ich mach mit, sofort. Aber erst im Alter, das ja noch unendlich weit weg ist. Vorher müssen wir erst noch sehr viel reisen.

Und hier geht es weiter: http://marokkoblog.edith-kohlbach.de/auf-spurensuche-in-bad-kreuznach-1954-bis-1958/

Boppards Innenstadt

Da meine Welt die Sabelstraße war habe ich wenig Erinnerungen an die Innenstadt, nur an das Rheinufer, wo wir Sonntags Spaziergänge mit der Familie unternahmen. Die Stelle, von der dieses Foto aufgenommen wurde, war schwer zu finden. Klar war, es ist am Rhein, nur fand ich keine Stelle, von der der Turm der Severuskirche zu sehen war mit dem großen Haus mit dem markanten Giebel im Vordergrund. Aber schließlich fand ich das Haus, nur wenige Schritte von meinem Hotel Ebertor entfernt, aber die Rheinfront wurde später zugebaut und der Turm ist nicht mehr zu sehen.

Meine Kusine Renate, fast im gleichen Alter, wäre eine ideale Spielkameradin gewesen. Aber sie wohnte in der Oberstraße, etwa 1.000 Meter entfernt. Das war zu weit für mich und ich bin nur manchmal mit meiner Mutter zu einem Besuch hingegangen. Ich erinnere mich an das Haus, aber es sieht heute sehr viel schöner aus. Nach dem Krieg hatte man kein Geld, um sein Haus schön zu verputzen.

Aber ich erinnere mich, dass wir von dort manchmal gemeinsam auf den Angert gingen. Dort vor der evangelischen Kirche war der einzige Spielplatz, den es gab, ich glaube außer ein paar Bänken gab es nur einen Sandkasten. Ich suchte und suchte, fand die Kirche, aber keinen Angert, obwohl er noch immer der Straße ihren Namen gibt. Eine Begegnung mit einem 90jährigen Bopparder gab dann die Erklärung. In der Innenstadt sind viele neue Straßen gebaut worden, rund um die Bahn, auch Unterführungen und Parkhäuser. Dabei wurde ein Stück vom Angert abgeschnitten und es bleibt nur eine kleine Wiese vor der Kirche. Aber dafür gibt es etwas anderes, sehr beeindruckendes, was ich als Kind nie wahr genommen habe und mich sehr erstaunt hat. Die Vielzahl der römischen Ruinen, die gerade an dem Angert zu sehen sind und gut gepflegt werden. Hier folgt eine kleine Bilderauswahl vom heutigen Boppard, das unbedingt einen Besuch wert ist.

Die Sabelstraße (Boppard) im Bildervergleich

Dieser Besuch in Boppard war wunderschön. Ich hatte mir die wenigen Fotos aus der damaligen Zeit ausgedruckt und wollte die Stellen wiederfinden, die auf den Fotos zu erkennen sind. Ich wohnte ja nur bis zum 6. Lebensjahr in Boppard; war gerade an Ostern eingeschult worden und musste schon im Sommer 1954 die Schule wieder verlassen, da wir nach Bad Kreuznach zogen. Deshalb ist mir aus der Schulzeit nichts mehr bekannt, ich kann mich noch nicht mal mehr an die Schule erinnern. Allerdings an meinen Kindergarten.

Ich wohnte bei diesem Besuch im Hotel Ebertor. Es liegt direkt am Rhein, wo wir damals unsere Sonntagsspaziergänge machten und ich erinnere mich an das Hotel. Aber man hat es nur ehrfürchtig angeschaut, es war für unsereinen doch viel zu groß und zu teuer. Ganz klar führte mich mein erster Weg in die Sabelstraße. Das Haus der Großmutter, das sie zusammen mit dem Großvater wohl um 1913 dort gebaut hatte, war lange im Familienbesitz und ist erst kürzlich verkauft worden. Es war wie viele Häuser im Ort massiv aus Feldsteinen gebaut, aber hat nun unter dem neuen Besitzer sein Aussehen stark verändert. Damals gab es auch noch einen Vorgarten und ein Mäuerchen, auf dem wir gerne saßen und viele Fotos dort aufnahmen, aber die Stadt hat davon schon vor einiger Zeit ein Stück abgeschnitten, um einen Bürgersteig anzulegen.

 

Die meisten der wenigen Kinderfotos stammen alle aus der Sabelstraße und es ist recht einfach, die Stellen zu finden. Am oberen Ende ist die Sabelburg, als Kind war ich nie darin und auch heute noch nicht, aber der Turm des mächtigen Tores ist auf vielen Fotos zu sehen.

Auch dieses Foto ist von der gleichen Stelle. Der Briefkasten ist weg, aber die Schraublöcher noch zu sehen.

Von unserem Haus an der Sabelstraße abwärts ging es zum Fraubach, das Gebiet meines damaligen „Spielplatzes“, hier ein schönes Foto von meiner Schwester und mir an Fastnacht. Das große Haus im Hintergrund steht immer noch.

Und wie schon gesagt, unten am Beginn der Sabelstraße lag unser Garten. Davon gibt es leider kein altes Foto. Der Garten exisitiert noch heute, gehört aber zu einem Neubau gleich daneben, und der abenteuerliche Weg dorthin exisitiert ebenfalls noch. Genau wie der Weg, der nach oben um den Garten führt, alles die Schleichwege meiner Kindheit und es gibt sie noch.

 

 

 

Auf Spurensuche in Boppard – 1947 bis 1954

Ein Jubeln ging durch das Krankenhaus. Mitten in der „schlechten Zeit“, also nach dem Krieg, als es wenig zu essen gab, wurde endlich mal ein pralles Baby geboren. Natürlich kann ich mich nicht wirklich an das Geschrei erinnern, aber es war so etwas besonderes, dass es mir noch oft erzählt wurde. Genauso wie der Ärger meiner Schwester, die 9 Jahre lang ihr Dasein als Einzelkind genoss und die böse war, weil meine Mutter ausgerechnet am Nikolausabend ins Krankenhaus musste.

 Auf dem ersten Bild seht ihr meine Oma mit mir und einer Kusine, auf dem zweiten mich zusammen mit meiner Mutter und zwei Damen, die gleichzeitig mit ihr im Krankenhaus entbunden haben.

Wir wohnten im Haus meiner Großmutter. Es hatte drei Stockwerke. Das Erdgeschoss bewohnte meine Oma, auch einen Opa gab es damals noch, aber er starb recht früh und ich kann mich nur wenig erinnern. Hier war auch das einzige WC. Im Stock darüber hatten wir zwei Zimmer und eine Wohnküche, und im großen Untergeschoss war die Waschküche, wo wir Samstags alle in einer Zinkwanne badeten, natürlich nacheinander im gleichen Wasser, das im großen Wäschekessel erhitzt wurde. Von hier aus ging es in den Garten und zum Hühnerstall. Und zur Wiese, wo die weiße Wäsche immer zum Bleichen ausgelegt wurde. Okay, hier auf dem Foto hatte ich die Wanne noch für mich allein.

Aus dieser Zeit kann ich mich gut an die Dämmerstunde erinnern, die ich am liebsten bei der Oma verbrachte. In der Wohnküche gab es ein Sofa, dort saß ich, Oma werkelte herum und erzählte Geschichten; am Waschbecken lag in einem Wasserglas ihr Gebiss. Strom war teuer und wurde gespart, deshalb wurde das Licht erst angemacht, wenn es wirklich ganz dunkel war. Im Backofen des großen Kohleherds briet sie manchmal Äpfel, deren Zimt-Duft durch das ganze Haus zog. Manchmal durfte ich auch bei Oma im großen Bett schlafen, was ich sehr genoss. Im Bett hörte ich immer die Schiffe tuten, die Nebelhörner, die heute in Zeiten des Radars überflüssig geworden sind. Diese Töne haben sich mir stark eingeprägt, im Gegensatz zu der Eisenbahn, die ja ziemlich nahe vorbei fuhr und die ich eigentlich nicht hörte. Ich weiß auch nicht genau, warum die Schiffe in ihre Hörner bliesen, aber vermutlich war es, weil der Rhein bei Boppard eine scharfe Biegung macht und sich die Schiffe ohne Radar nicht gut sehen konnten. Wie gerne wäre ich einmal mit einem solchen Schiff gefahren; mein Patenonkel war Binnenschiffer und fuhr den Rhein herauf bis Holland, aber ich durfte nie mit.

Meine Welt bestand damals aus der Sabelstraße, von unserem Haus ging es 125 m leicht bergab zum Fraubach, wo unser Garten lag und die Sabelstraße begann. Das war unser Spielplatz, dort verbrachte ich mit den Nachbarskindern und vor allem mit dem wilden Heribert den Tag. Sandkasten, Schaukel, so etwas gab es nicht. Aber wir liebten unsere Straße. Ich besaß noch vor einem Roller einen Puppenwagen, und was gab es schöneres, als sich darauf zu setzen und den Berg herunter rollen zu lassen. Damals fuhren dort sehr selten Autos, alle noch mit schwarzem Schild und weißer Schrift, das Kennzeichen der französischen Zone. Und von Unfällen ist mir nichts bekannt. Ich fand die Strecke endlos lang, aber als ich nun für ein Wochenende nach Boppard kam, nach Jahrzehnten, sah ich wie kurz doch in Wahrheit diese Strecke war, wie klein meine Welt. Auch unser erstes Auto hatte im Jahr 1953 dieses schwarze Nummernschild.

 

 

Auf Spurensuche in Bad Kreuznach – 1954 bis 1958

Im Herbst 1954, ich war an Ostern gerade eingeschult worden, musste ich meinen Geburtsort Boppard verlassen und zog mit meinen Eltern nach Bad Kreuznach. Mein Vater arbeitete auf der Post und wurde öfters versetzt. Wir zogen in eine 3-Zimmer-Wohnung in einem Neubaublock gleich unterhalb des Friedhofs, erst viel später wies mich ein Klassenkamerad darauf hin, dass es ziemlich unheimlich ist, am Friedhof zu wohnen. Ich empfand das aber gar nicht. Die Wohnung, in der ich mir ein Zimmer mit meiner Schwester teilte, war „State of the Art“, sie hatte ein richtiges Badezimmer. Bis dahin hatten wir in Boppard im Einfamilienhaus meiner Großmutter zwei Zimmer bewohnt. Der einzige Klo war eine Etage tiefer, zum Waschen wurde die Spüle in der Küche benutzt und als Badewanne diente am Samstag eine Zinkwanne im Keller. Und auch der altmodische Kohleherd war gegen einen modernen Gasherd ausgetauscht worden, was mir als Kind jedoch ziemlich schnuppe war. Der alte Kohleherd hatte doch viele Vorteile. Es war immer warmes Wasser da und im Backofen lagen oft herrlich duftende Bratäpfel.

Die Zeit in Kreuznach war wild und wunderschön. Das Gelände unterhalb unserer Neubau-Siedlung war nicht bebaut und voller Unkraut, einen schöneren Spielplatz kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Nach den Hausaufgaben ging es sofort hinaus, die Nachbarskinder warteten schon und bis zum Abendessen sahen uns unsere Eltern nicht mehr.

Ganz wichtig waren damals die Amerikaner. Kreuznach hatte eine amerikanische Kaserne und die Soldaten waren ein bedeutender Bestandteil des Lebens. In der Amisiedlung waren die einzigen richtigen Spielplätze und an St. Martin klingelten wir dort mit unseren Laternen, denn bei den Amis gab es köstliche Süßigkeiten. Von Halloween hatte damals noch nie einer gehört. Meine erheblich ältere Schwester hatte dann auch irgendwann einen amerikanischen Freund, das war die absolute Spitze. Er kam öfter zu uns und brachte uns nicht etwa ein paar Süßigkeiten mit, sondern volle Kartons, die man sonst nur aus den Auslagen der Geschäfte kannte. Es war ja alles noch sehr kurz nach dem Krieg und eines Tages fand ich sogar mitten auf der Straße vor dem Friedhof eine richtige Pistole in einem Holster. Brachte sie gleich nach Hause und gab sie meinem Vater, was dann daraus wurde habe ich nie erfahren.

Wenn wir am Morgen in die Schule gingen verließen wir die Siedlung auf einem schmalen Fußweg den Berg hinab, also quer über unseren Abenteuer-Spielplatz und stießen gleich auf den mächtigen roten Kasten der Ringschule. Gefühlt waren das alles richtig lange Wege. Aber noch bevor es in die Schule ging stoppten wir natürlich an dem kleinen Ecklädchen genau gegenüber, eine ganz wichtige Institution. Wer es zu ein paar Groschen Taschengeld gebracht hatte, konnte sich da mit Süßigkeiten eindecken und am beliebtesten war der rosa Bubble Gum, mit dem man so schöne Blasen erzeugen konnte. Was Besseres gab es nicht. Auf dem Pausenhof konnten wir dann vergleichen, welche Schätze jeder hatte und auch hier waren die Ami-Süßigkeiten die besten. Ich vergesse nie den Tag, als ein Mädel kleine Riegel mitbrachte, die sehr gut schmeckten. Wir erfuhren erst sehr viel später, dass es Hundekuchen waren. Aber toll war, dass wir an Fastnacht immer im Kostüm zur Schule kommen durften.

Ein für mich weniger erfreuliches Detail war die Kirche. Es war ja die Zeit, als meine Erstkommunion bevorstand. Einmal die Woche hatten wir in der Kirche Unterricht und am Samstag mussten wir  dorthin pilgern und beichten. Ich schrieb mir immer zu Hause einen Zettel mit meinen Sünden, damit ich sie nur ja nicht vergesse. Und dann bekam ich ein oder mehrere Vaterunser zur Buße auferlegt. Aber vor der Kirche stand ein wunderschöner Kiosk in Form eines Fliegenpilzes, dort konnte man sich ein Eis kaufen, wenn man es denn zu Geld gebracht hatte. Für kurze Zeit hatte ich eine gute Einnahmequelle entdeckt. Wenn ich morgens die Wohnung verließ standen im Hausflur immer die leeren Milchflaschen. Damals kam noch der Milchmann und stellte die gefüllten Flaschen vor die Tür. Das Geld dafür lag unter der Flasche. Und so bediente ich mich heimlich daran. Bis eines Morgens die Nachbarin am Türspion mich entdeckte und zu meinen Eltern schleppte. Da nahm meine kurze Karriere als Meisterdiebin ein jähes Ende. Und ich konnte wieder eine neue Sünde beichten.

Aber der Gegenpool zu dem lästigen Beichten war natürlich die Erstkommunion. An schönen Kleidchen sparten meine Eltern eigentlich nie und so zogen wir ins beste Geschäft von Kreuznach und suchten ein herrliches weißes Kleid für mich aus. Dazu noch Kniestrümpfe mit Spitzen und weiße Ballerinas, natürlich auch ein Kränzchen fürs Haar, ich fand mich unglaublich schön. Damals konnte man das Kleid zweimal anziehen. Das erstemal natürlich zur festlichen Erstkommunion, aber dann noch einmal zu der großen Prozession durch die Stadt an Fronleichnam.

Doch eines Mittags, als ich gerade aus der Schule kam, es war das vierte Schuljahr, waren meine Eltern ganz ernst und meinten, ich müsse meine Sachen packen. Wir ziehen um. Das war ein unglaublicher Schock. Alle meine Freundinnen blieben zurück und ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir das Leben je wieder Spaß machen könnte.

Gestern nun hatte ich einen Termin in einer Werkstatt in Bad Kreuznach und ich beschloss, das zu nutzen, um die alten Stätten aufzusuchen. Ich hatte meine Adresse als „In der Sandkaut 4“ in Erinnerung, direkt unterhalb des Friedhofs. Der freundliche Autohändler half mir bei der Recherche und schießlich fanden wir heraus, dass die Straße einfach nur Steinkaut hieß. Kreuznach ist gar nicht so groß und so konnte ich ganz gut dorthin schlendern. Ich fand meine Steinkaut und den Friedhof, aber das wilde Gelände unterhalb war weg, hier ist ein Wohnviertel mit kleineren Häusern entstanden, nur ein Kindergarten, den es damals noch nicht gab, hatte in seinem Garten genau noch die wilde Fläche, die ich damals liebte, natürlich etwas kleiner und geschützter.

Die Hausnummer 4 war es nicht, dem Gefühl nach sagte ich mir, dass es die Nummer 8 sein musste. Genau dort, wo wir früher mutmaßlich wohnten, stand eine Frau an einem kleinen Balkon, gar kein richtiger Balkon, an den ich mich nicht erinnerte. Sie klagte darüber, in welch schlimmen Zustand die Wohnungen seien, die Fenster kaputt, das Bad völlig desolat. Die Siedlung sei schon mehrmals verkauft und nichts renoviert worden. Was sich allerdings im Moment ändert, denn der nachfolgende Häuserblock wurde gerade renoviert und von außen isoliert. Deshalb war er auch von Gerüsten und Planen eingehüllt und ich konnte nichts sehen. Erst zu Hause, beim Vergleich meiner alten Fotos, konnte ich erkennen, dass ich in diesem nächsten Block gewohnt hatte, in der Nummer 11. Davon habe ich nun keine neuen Fotos. Aber ist schon interessant, damals State of the Art, heute völlig heruntergekommen. Ja, 60 Jahre sind inzwischen vergangen, eine lange Zeit.

Ich fand dann auch den Fußweg hinunter zur Schule, eigentlich ganz kurz, so hatte ich es damals aber nicht empfunden. Die Ringschule war früher eine Volksschule, heute ist es die Crucenia Realschule. Der mächtige rotbraune Block des Haupthauses steht immer noch, aber im Pausenhof sind viele neue Gebäude hinzu gekommen. Und mein Eckladen hat leider geschlossen.

Die Innenstadt ist sehr stark verändert. Meine Kirche steht natürlich noch, der Fliegenpilz ist verschwunden und das große Postamt gegenüber, in dem mein Vater gearbeitet hatte, ist Neubauten gewichen. Die Post wird nun in einem DHL-Paketshop abgewickelt. Aber etwas anderes habe ich gefunden! Das Café Wonsyld, das allerdings heute von einem anderen Inhaber geführt wird. Ursula Wonsyld ging mit mir in die Klasse und war meine beste Freundin. Vor dem Café war damals noch ein freier Platz und auf diesem Platz, wo heute ein Sraßencafé ist, habe ich damals Fahrrad fahren gelernt. Wir haben oft bei ihr gespielt, auch in der Backstube, ach, es war einfach eine tolle Zeit. Und vielleicht habe ich sogar das Geschäft wiedergefunden, in dem damals mein Kommunionkleid gekauft wurde.

   

Ich erinnere mich noch an ein anderes Detail, an das Ferienlager im Sommer, das bei den Salinen stattfand. Hier ist ein Foto vom Lager damals und der Saline heute, die leider auf keinem alten Foto zu sehen ist.

VPN – muss man das haben?

Ein Virtual Private Network bezeichnet ein virtuelles Netzwerk, mit dem man sicher und privat Daten und Dateien über das Internet versenden kann. Mit einem VPN kann man zusätzlich seine eigene Internet-Identität verschleiern und auf diesem Wege auch Geoblockaden, etwa von Streaming-Anbietern, umgehen. Eine Anwendung, die im beruflichen Bereich wichtig sein kann. Sie können auf Geschäftsreise auf das Firmennetzwerk zugreifen und so arbeiten, als ob Sie im Büro wären, obwohl Sie hunderte Kilometer entfernt sind.

Viel wichtiger für uns Rentner und Weltreisende ist allerdings der private Bereich. Ganz klar muss eines vorausgeschickt werden: man kann auch ohne VPN leben. Aber in meinem Fall war es zwingend, dass ich auf eine US-Seite zugreifen musste, die so sehr geschützt war, dass sie nur innerhalb der Vereinigten Staaten geöffnet werden konnte. Ich erinnerte mich an VPN und hoffte, dass dies damit möglich wäre. Allerdings ist VPN ein kostenpflichtiger Service, denn dazu ist es nötig, dass man eine Software erhält, die auf ein Netzwerk firmeneigener Server zugreift. Und meistens muss man ein Jahres-Abo abschließen, das dann auch noch automatisch verlängert wird. Ich wollte aber kein Abo, sondern erst einmal ausprobieren, ob es auch für meinen Zweck funktioniert.

Das war nicht so leicht. Alle Seiten, die google mir anbot, versprachen zwar eine kostenlose Probezeit, aber die Angaben der Kreditkarte waren nötig, und gerade die wollte ich nicht geben. Erst am nächsten Morgen gelang es mir mit frischer Kraft, F-Secure zu finden. Auch hier gibt es ein Abo, knapp 5 Euro monatlich gegenüber den anderen Angeboten, die fast 10 Euro kosteten, aber das Besondere, es gab einen 30tägigen Probezeitraum ohne jede Kreditkarte. Ich habe dann die nötige Software heruntergeladen und installiert, was sehr einfach war und nach wenigen Minuten gelangte ich zu der Seite Freedom VPN, wo ich mit einem Klick das Land wählen konnte, in dem ich mich angeblich befinden will. Ich wählte natürlich USA und schon konnte ich meine gewünschte Seite aufrufen. Das war also ein voller Erfolg in wenigen Minuten, der leicht und von jedem auszuführen ist.

Nicht jeder muss aber auf die Bezahlseite eines Krankenhauses zugreifen, so wie in meinem Fall. Was für andere Vorteile bietet also VPN? Zunächst mal ist in der Software ein sicheres Browsen im Internet eingeschlossen und zusätzlich wird das Nachverfolgen, welche Seiten ich aufrufe, gesperrt. Das wäre mir zwar nicht sooo wichtig, da ich ja keine Kinderpornos oder Waffenkäufe sehen will, aber dadurch bekommt man auch weniger zielgerichtete Werbung. Wichtiger ist die Aufhebung der Geoblockade. Wenn ich z.B. in USA oder Marokko bin kann ich die deutsche Mediathek nur bedingt aufrufen, viele Sendungen sind von anderen Ländern aus geblockt. Ich gebe also mit einem einfachen Klick an, dass ich in Deutschland bin und schon klappt es. Umgekehrt genauso. Viele US-TV-Sender haben Life-Streaming, das von Deutschland aus geblockt ist. Wenn ich dann aber den Standort USA eingebe, geht es. In Marokko sind zwar google maps zu öffnen, aber das wichtige google earth, das ich beruflich viel nutze, ist blockiert. Mit VPN geht es.

Also habe ich beschossen, dass ich diesen Service kaufen will. Auch F-Secure hat einen Button, auf den man zwecks Kauf klicken kann, aber zufällig fand ich im Internet, dass auch andere Firmen die F-Secure Software anbieten. Ohne Abo und viel billiger. Ich habe nun gut 2 Euro pro Monat gezahlt für ein Abo, das 2 Jahre läuft und nicht automatisch verlängert wird, und ohne Angabe der Kreditkarte. In dem Service sind 3 Geräte inbegriffen und ich hatte schon vorher das auch auf mein Tablet geladen. Nach Eingabe der Lizenznummer war zwar das sichere Browsen installiert, nicht aber die VPN. Auf der Webseite der Firma ist eine Liste mit Service-Nummern in vielen Ländern, also rief ich die deutsche Nummer an und in wenigen Minuten bekam ich nicht nur einen echten Mitarbeiter ans Telefon, sondern auch die Lösung des Problems war gefunden. Ich musste auf dem Tablet nur die App Freedome VPN löschen, wieder neu laden, Tablet neu starten und alles lief. Ich bin sehr zufrieden, mit der preiswerten und guten Software und dem tollen Service.

Saunawelten – Test

Was macht man mit diesem schönen Sommer, nachdem man braun gebrannt von Florida heim gekommen ist? Man versucht, die Bräune möglichst lange zu bewahren und auch, die blöden weißen Streifen loszuwerden. Also habe ich mir vorgenommen, einmal die Woche eine Saunalandschaft zu besuchen, um das Beste aus dem Sommer herauszuholen.

Den Anfang macht meine geliebte Rheinwelle bei Gau-Algesheim, ich muss etwa 40 km Autobahn fahren. Schon öfter war ich dort in früheren Jahren, oft auch mit Kindern, so dass ich den Sauna-Teil nicht besuchen konnte. Eine Tageskarte für die Sauna kostet dort 19,- Euro. Es gibt zahlreiche Saunen innen und außen und jede Stunde einen Aufguss. Ab und zu ist der gefolgt von einem Mineraldrink, der die heraus geschwitzten Mineralien wieder auffüllen soll. Das Freigelände ist wunderbar, mit großen Wiesen mit ausreichend Liegen, einigen riesigen Sonnenschirmen und einem Badeteich mit Goldfischen. Witzig ist die Weinkellersauna, die natürlich gut in diese Weingegend passt. Herrlich die Panoramasauna, von deren wandhohem Fenster man auf den Badeteich blickt. Zum Kühlen in der heißen Sauna kann man sich mit Eiswürfeln eindecken. Wer lieber drinnen liegt findet in einem extra Gebäude herrlich große Wasserbetten, ideal zum Relaxen. Dort muss man auch entsprechend leise sein. Im Hauptgebäude ist eine Kaminecke mit Liegen und das Restaurant hat wirklich leckere Speisen. Trotzdem stört es niemanden, wenn man seinen eigenen Picknickkorb auspackt. Auch hier gibt es noch viele Ruhemöglichkeiten.

Saunagäste können über eine Schleuse hinüber in den Schwimmbereich gehen, umgekehrt ist das nicht möglich, denn der Schwimmbereich ist viel günstiger, hier kostet die Tageskarte 7,50 Euro. Es gibt ein innengelegenes Spaßbecken mit Strudelkanal und Wellenbereich, eine Kletterwand und auch noch eine Menge sonstiger Spielmöglichkeiten für die Kleinen, vor allem eine Riesenrutsche. Ein großes Schwimmbecken ist zum Bahnenschwimmen und außen ist noch ein geheiztes Solebad, das auch im Winter zugänglich ist. Dort sind auch Liegewiesen. Wenn es so richtig voll ist, ist natürlich jede Liege besetzt, aber trotzdem muss ich sagen, dass es fast ausreichend Ruhemöglichkeiten gibt und auch niemand schimpft, wenn man sein Handtuch liegen lässt. Im Schwimmbereich ist ein Whirlpool.

Viel näher habe ich es von meinem Wohnort jedoch zum Tournesol in Idstein. Die Tageskarte kostet in der Sauna 21,- Euro, im Schwimmbad 8,50 Euro. Der Schwimmbereich lässt sich zur Hälfte öffnen, so dass man hier vom schönen Wetter profitiert. Es gibt Innen- und Außenbecken und natürlich auch wieder eine Riesenrutsche. Das Außenbecken hat noch eine kleine Rutsche.

Der Saunabereich ist kleiner als die Rheinwelle, es gibt auch nicht ganz so viele Saunen. Aber auch hier stündlich ein Aufguss, ohne Mineralgetränk. Dafür gibt es ab und zu Aroma-Dampfbäder, wo ein Kräutersalz zum Peeling gereicht wird. Das macht die Haut babyweich. Auch hier werden Eiswürfel zur Verfügung gestellt. Statt einem Fußbadebecken gibt es zwei Becken, in denen man waten kann, abwechselnd warm und kalt sowie ein kaltes Tauchbecken. Im Außenbereich waren zwar genügend Liegen teils auf Wiese, teils auf Schotter, aber zu wenige Sonnenschirme, in dem heißen Sommer schon ein Manko. Zur Abkühlung ist auch hier ein Badeteich, zusätzlich gibt es ein Strudelbecken. Für mich nur die Nummer 2 nach der Rheinwelle.

Doch schließlich habe ich mir die Taunustherme in Bad Homburg gegönnt. Sie ist mit 26,20 Euro wesentlich teurer, auch die Anfahrt ist weit, aber ich fand in Groupon eine Ermäßigung und zahlte nur 19,50 Euro. Das geht wieder, wenn ich auch wegen dem langen Anfahrtsweg nicht so schnell wieder hin möchte. Auf dem Hinweg über die Autobahn im Stau 55 km, auf dem Rückweg übers Land nur 45 km, aber dafür langsame Straßen. Das Konzept richtet sich hier ganz klar an Erwachsene. Zwar gibt es auch hier einen Schwimmbereich, der textilfreie Saunabereich ist davon getrennt, aber der Eintrittspreis schließt beides ein und man kann ohne Probleme die Seiten wechseln, muss natürlich in der Sauna die Hüllen fallen lassen. Der Schwimmbereich ist teils innen, teils im Freien und zudem gibt es dort auch zwei Saunen, in denen man den Badeanzug an lassen kann, sowie Infrarot – Kabinen.

Der Saunabereich ist unglaublich. Die Architektur ist Pseudo-Japanisch, sehr verwinkelt, so dass man immer wieder neue Ecken entdeckt. Bei einem Besuch kann man gar nicht alles ausprobieren, hier müsste man wiederkommen. Selbst an diesem über 30° heißen Tag brannte innen ein gemütlicher Ethanol-Kamin, es gibt Sitzecken, unzählige Ruheräume und Saunen. Ich glaube so richtig wohl fühlen würde ich mich hier an einem kühlen Wintertag. Zu jeder halben Stunde wird ein Aufguss geboten. Ganz besonders ist der Aufguss mit Klangschalen in der Feng Shui-Sauna. Einen Badeteich gibt es nicht, aber ein großzügiges Kaltwasserbecken sowie ein Thermalbecken und einen Whirlpool. Die Außenanlage mit Betonuntergrund ist nicht ganz so schön wie die beiden vorherigen Anlagen, es gibt auch zu wenig Schatten und die Liegewiese ist etwas entfernt von den Saunen.

Als Besonderheit gibt es einen kleinen Saunabereich nur für Damen. Hier sind einige Saunen und jede volle Stunde wird ein Aufguss geboten. Allerdings sind die Bademeister meist männlich. Mir hat die Damensauna nicht so gut gefallen, da sie doch ziemlich klein und verwinkelt ist.

Der Hammer befindet sich jedoch im Untergeschoss. Hier ist eine riesige Hammamlandschaft. Als erfahrene Marokkofahrerin weiß ich zwar, dass es zu einer echten Hammam gewaltige Unterschiede gibt, zum Beispiel fehlen die Eimer, mit denen man sich das Wasser über den Kopf schüttet, aber es es ist trotzdem einfach unglaublich. Hier könnte man allein schon einen Tag verbringen mit den 15 Stationen, die man der Reihe nach durchmachen sollte. Lasst euch einfach überraschen. Und ja, für relativ wenig Geld kann man auch eine Gommage bekommen, also ein Abrubbeln durch eine Badmeisterin.

Wäre es nicht so weit bis nach Bad Homburg, diese Sauna stände für mich an erster Stelle. Übrigens durfte man in allen Saunen sein mitgebrachtes Picknick verzehren.

20.4. Rückfahrt

Schon die Ankunft in Almeria frühmorgens am Dienstag der Semana Santa war gut gewählt. Da ja fast alle Spanier in Marokko waren, war die Autovia ziemlich frei und ich konnte lange Strecken gemächlich mit Tempomat fahren. Ich liebe ja die spanischen Autovias. Vierspurig, gebührenfrei und dann immer die Via Servicio, mit Tankstellen, Restaurants, Hotels. Alles da, was der Autofahrer braucht und zu einem günstigen Preis, nicht so schreckliche Massenorte wie die deutschen Autobahn-Raststätten, die ich vermeide. Ich kam durch ganz Spanien ohne Gebühren und bis aufs Ebrotal und Andorra auch vierspurig. Da könnte sich manches Land – auch Frankreich – ein Beispiel nehmen.

Und die Abfahrt von Manfred am Ostersamstag war ebenso gut. Alles, was über Ostern verreisen wollte, war bereits angekommen und auch diese Strecke war recht verkehrsarm und kaum LKW. Mit vielen Stopps fuhr ich die 1250 km durch, ich zog es vor, lieber lange in der Nacht zu fahren, um dann in meinem eigenen Bett zu schlafen. Und es ist kaum zu glauben, was ein 45-Minuten-Schlaf hinter dem Lenkrad doch erfrischen kann. Ostersonntag um 2 Uhr war ich dann zu Hause. Und am Sonntag dann dermaßen kaputt vom vielen Schleppen der Sachen, vom Auto in die Wohnung, von der Wohnung zum Keller, 8 Waschmaschinen voll Wäsche gewaschen, gebügelt, aber ihr kennt das ja.

Und nun muss ich mich erstmal lange erholen!