Hontoon Island State Park

Dieses Naturreservat gehört zu meinen Lieblingsparks, hauptsächlich, wegen der Fahrt auf der kostenlosen Fähre. Der große, weitverzweigte St. Johns River umschließt hier eine Insel, die komplett zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und man kann nur mit der kleinen Elektro-Fähre hinüber gelangen. Dort gibt es zu Beginn eine Rangerstation mit Laden, einen Spielplatz, Grillhütten und auch einen Campingplatz, wo man sein eigenes Zelt aufschlagen oder in netten Hütten wohnen kann. Die Insel ist lang und schmal, aber doch etliche Kilometer breit und lang. Diese Flächen kann man zu Fuß oder mit dem Rad erschließen. An der Rangerstation kann man Fahrräder und Kanus mieten, man kann natürlich auch seine eigenen Geräte mitbringen. Das Fahrzeug wird an der Fährstation geparkt und alles Zeltmaterial wird auf einer bereit stehenden Schubkarre transportiert.

Jedes Jahr fahre ich einmal auf diese schöne Insel, aber diesmal habe ich gefragt, was die Kanus kosten. Sie kosten 20 $ für einen halben Tag, und das ist ein echt guter Preis, es gibt auch Zweisitzer für das gleiche Geld. Ich versprach dafür wieder zu kommen.

Und es war nicht schwer meinen Reisegefährten Jan dazu zu überreden. Er hatte seine vielfältigen Arbeiten, wegen denen er gekommen war, ziemlich abgeschlossen, und so fuhren wir am Montag los. Gegen 12 Uhr waren wir auf der Insel und nahmen unser Kanu in Empfang. Essen, Trinken und Sonnenöl waren dabei, aber offensichtlich unser Kopf nicht ganz, denn wir vergaßen, uns einzuölen, was sich nachher noch rächte. Aber wir paddelten voller Eifer los. Der Ranger hatte gesagt, dass die Strecke um die ganze Insel ziemlich lang ist und für gute Ruderer 5 Stunden erfordert. Nur zwei völlig Trainierte hatten es mal in unglaublichen 3 Stunden geschafft. Unser Ziel war es, ein, zwei Stunden aufwärts zu paddeln und dann wieder zurück, alles würden wir nicht schaffen. Haben durch unser Anti-Outdoor-Leben in Deutschland ja nicht unbedingt viel Training. Außerdem hatte ich gar nicht die Absicht, schnell zu rudern, wollte viel lieber die schöne Landschaft genießen. Und die ist einfach wunderschön. So eine Stille, so eine Einsamkeit. Am sumpfigen Ufer schlenderten einige Rehfamilien durch die Landschaft, sogar ein weiß geflecktes Bambi war zu sehen. Vögel aller Couleur, aber kein Alligator. Dem war es wahrscheinlich zu heiß. Es waren gut 30 Grad, aber auf dem Wasser gut auszuhalten. Für den Nachmittag waren Gewitter gemeldet, aber doch ein wenig von uns entfernt sollten sie sein.

hier sieht man zwei Rehe

Doch dann zogen dunkle Wolken auf. Ich kannte schon vom Strand wie schnell die sich zu einem Gewitter ausweiten können und Blitzschlag hat in Florida schon viele Menschen getötet. Wir kennen ja die Regel, bei Gewitter nie unter Bäume. Doch hier waren Bäume einfach überall. So ganz gut habe ich mich nicht gefühlt und schlug Jan vor umzukehren. Aber Jan wollte unbedingt noch sehen, was hinter der nächsten Ecke ist. Und ganz ehrlich, das wollte ich auch. So geht es mir auf meinen Spaziergängen auch immer, was ist hinter der Ecke?

Also fuhren wir weiter, und weiter, und weiter. Es war auch einfach zu schön. Und die Wolken verzogen sich. Nun hatten wir aber immer noch das Problem, umzukehren, am Abend geht um 7 Uhr die letzte Fähre zurück, danach muss man auf der Insel bleiben. Wir hatten eine Karte des Wasserwegs, aber deutlich war sie nicht. Ich hatte aber zusätzlich ein GPS, auch das nicht sehr deutlich, da die Landschaft hier einfach sehr verzweigt ist und nicht so ganz deutlich abgebildet werden kann. Dann kamen wir an eine Verzweigung. Der Hauptstrom bog rechts ab, links ging ein kleinerer Creek in unsere Richtung. Damit müssten wir abkürzen können und die andere Inselseite erreichen. Aber ist der Creek wirklich durchgehend. Man kennt das, plötzlich wird es schmal und schmäler und versandet dann. Mein GPS zeigte, dass es vermutlich durch geht, aber in vielen Schlangenlinien, die viele Flusskilometer ergeben. Wir fuhren los. Herrliche Landschaft und nun wirklich völlige Einsamkeit. Kamen und vorher etwa 5 Boote entgegen war hier niemand mehr. Und hier würde uns auch niemand finden. Zwar hatte ich die Telefonnummer der Rangerstation und könnte mithilfe des GPS unserer Position genau angeben, doch hatten wir meistens keinen Telefonempfang. Jan meinte immer, gleich sind wir da, auf der anderen Seite. Blick auf das GPS, wir sind noch lange nicht da. Und dann plötzlich, alles grün. Kein Wasser mehr zu sehen, alles war zugewachsen. Was nun? Umdrehen wäre einfach furchtbar, wir waren schon fast drei Stunden unterwegs, die Kraft, das alles zurückzufahren hätte ich nicht. Also durchkämpfen. Was, wenn nun ein Alligator den Weg blockiert. Hier kämen wir nicht durch. Und auch zu Fuß das Kanu schieben ist nicht unbedingt interessant bei dem unbekannten Untergrund, wo Schlangen und sonst was lauern können. Schieben, schieben, Jan beschwerte sich, weil ich lauter grünes Zeug nach hinten warf, wo er saß. Aber vorne war wieder eine Wasserfläche zu sehen, das gab Kraft.

Und wir schafften es. Irgendwann erreichten wir tatsächlich den breiten Fluss auf der anderen Seite der Insel. Wieder dunkle Wolken am Himmel, aber wenn schon Gewitter dann lieber hier wo doch ab und zu ein Boot kommt. Jan glaubte wieder, ach, nur um die nächste Ecke, dann sind wir da. Aber wie immer wusste es mein GPS besser, es war noch eine ganze Weile. Und dann plötzlich eine Anlegestelle, die erste auf dem ganzen Weg. Vorher gab es nur Sumpfland. Also nichts wie hin und erstmal verschnaufen. Ich kam kaum aus dem Kanu raus, war völlig steif. Und hatte knallrote Beine, Jan nicht weniger, hatten wir doch das Einölen vergessen. Wir stärkten uns mit unseren Vorräten, konnten während dem Paddeln ja nur schwer was zu uns nehmen. Und weiter gings. Es war immer noch eine ganz schöne Strecke, aber als wir nach 4,5 Stunden ankamen hatten wir 10 Meilen oder 18 km zurückgelegt. Nicht schlecht. Und das darf man dann auch mit einem guten Essen in einem netten Restaurant beschließen.