Ankunft der Privatflieger in Fes

Am Morgen erhielt ich die Nachricht, dass unser Führer Hicham mich um 11 Uhr treffen wollte. Doch die Piloten wollten frühestens um 12:45 eintreffen, also setzten wir uns in ein Café und warteten bis 12 Uhr. Hicham spricht sehr gut Deutsch, obwohl er unser Land nie besucht hat, er hat es während dem Studium erlernt und wollte eigentlich Deutschlehrer werden. Doch als er keinen Job bekam entschloss er sich Stadtführer zu werden und meinte, es sei eine gute Wahl. Sehr stolz war er auf seine zweite Tochter, weil die gerade erst vor 40 Tagen geboren war. Um 12 Uhr ging es dann los Richtung Flughafen und das war dann mal die erste Gelegenheit für mich nervös zu werden. Die Stadt war völlig verstopft, die engen Straßen um die Schulen total zugeparkt, wie in Deutschland von SUVs, die die Kinder von der Schule abholen. Da sage noch einmal jemand, Marokko sei unterentwickelt.

Wir trafen tatsächlich pünktlich um 12:45 am Flughafen ein, aber es war ja eigentlich klar, dass von unseren Piloten keine Spur zu finden war. Selbst wenn sie bereits gelandet sind, 13 Flugzeuge abzufertigen ist keine Kleinigkeit und zieht sich, vor allem, weil die noch tanken müssen. 13? Hieß es nicht 14? Ja, ein Flugzeug mit nur dem Piloten musste wegen technischer Schwierigkeiten zurück bleiben, so kam ich in den Genuss, in meinem Zimmer im Riad bleiben zu können, sonst hätte ich in ein anderes umziehen müssen. Zu unserem Riad Bleue muss ich noch sagen, dass das wirklich ein wunderbares Riad ist, das ist wirklich Schönheit mit Service vereint. Wenn man abends vom Essen in sein Zimmer zurück kommt ist das Bett aufgeschlagen, die Vorhänge zugezogen und die Lichter zum Empfang an. Ich kann das Maison Bleue wirklich nur in den höchsten Tönen loben. Natürlich hat alles seinen Preis.

Die Terminals in Marokko sind alle für Abholer gesperrt, eintreten darf nur, wer wirklich fliegen will. Und Informationen, ob unsere Flieger schon eingetroffen sind, konnte ich auch nicht bekommen. Die Flugzeuge sind unterschiedlich stark und damit schnell, wir hatten ein- und zweimotorige dabei, wobei die Sirrus mit nur einem Motor die schnellste war. Ich ging zum Rand des Terminals und schaute in die Richtung, aus der die Flieger zu erwarten waren und tatsächlich sah ich nach einiger Zeit einen kleinen Punkt in der Luft. Ob der natürlich zu uns gehört oder nicht konnte ich nicht sagen. Der private Flugverkehr in Marokko ist sehr gering, im ganzen Land soll es nur 30 Privatpiloten geben und so häufig kommt es ja nicht vor, dass Ausländer mit dem eigenen Flugzeug anreisen.

Eigentlich hatten wir für 15 Uhr die Stadtführung angesetzt und Hicham wollte so gerne seinen Job gut machen. Aber die ersten Piloten kamen erst gegen 14.30 Uhr endlich aus dem Terminal. Das große Problem war das Tanken, alle 13 Maschinen mussten aufgefüllt werden und dazu gab es einen Truck mit Anhänger, der daraus mit einer Handpumpe befüllte. Nach 2, 3 Maschinen war der Anhänger leer und musste zurück zum Depot. Es ist schon verständlich, dass eine so große Rallye zuvor angemeldet werden muss. Bis alle da und im Hotel untergebracht waren war es also schon nach 17 Uhr und der arme Hicham musste seine Tour sehr kurz halten. Sehenswürdigkeiten waren natürlich schon geschlossen und im Gerberviertel war es viel zu dunkel, um Fotos zu machen. Ich sage es ja immer wieder, kommt nach Marokko, aber bringt viel Zeit mit.

Zumindest das Abendessen im Riad Maison Bleue konnte dann pünktlich starten. Wir wurden von Gnaoua-Musikern empfangen und bekamen die vorzügliche Salatauswahl vorgesetzt, für die Fes so berühmt ist. Die Besucher hatten zuvor gefragt, kann man Salat essen ohne krank zu werden, doch da kann ich beruhigen, diese Feser Salatvariationen bestehen sämtlich aus gekochtem Gemüse und sind somit ganz sicher. Danach wurde ein Gericht gereicht, das selbst ich nicht kannte, eine große Schale nur mit Fleisch, ganz zartes, gekochtes Rindfleisch, das sehr delikat gewürzt war. Tangia Fassia. Ich kenne die Tangia Marrakschi, die auch nur aus Fleisch besteht, aber der Geschmack ist sehr unterschiedlich. Danach gab es Couscous, aber ebenfalls auf Feser Art, ohne Gemüse, aber mit Hühnchen, das mit glasierten Zwiebeln und Rosinen bedeckt war. Sehr lecker. Zum Dessert eine Auswahl der saisonalen Früchte. Ich war eigentlich noch nie zu dieser Zeit in Marokko und bin völlig begeistert von der Reichhaltigkeit der Obstsorten, vor allem die frischen Feigen haben es mir angetan. Und auch die Granatäpfel schmecken viel besser als man es aus Deutschland kennt.

Erwartungsvoll in Fes

Es ist ja nicht üblich, dass ich meine Kunden selbst durch das Land führe, normalerweise organisiere ich nur die Reise und die ausgezeichneten Fahrer der Agentur sind zugleich die Führer. Allerdings nur auf der Fahrt, in Städten gehen Sie nicht mit den Kunden, da müsste auf Wunsch ein zusätzlicher Stadtführer besorgt werden. Deshalb war es für mich eine Premiere, einmal drei Tage mit Kunden auf der Reise zu sein und ich war gespannt, wie es läuft. Das Paar hatte zwei Wochen gebucht mit Königstädten und Wüste, so fuhr ich also die ersten drei Tage mit von Marrakech nach Rabat und weiter über Meknes nach Fes. Die Beiden haben es mir leicht gemacht, es waren super nette Leute. In Casablanca ließ ich sie noch allein durch die Moschee laufen, in Rabat erklärte ich ein wenig, wo alles ist, denn ich wollte mich nicht zu sehr aufdrängen. Doch als ich merkte, dass sie die Medina doch nicht richtig gefunden haben bot ich in Meknes an, sie auf einen Stadtbummel mitzunehmen. Das war richtig schön. Und in Moulay Idriss schließlich war es unbedingt nötig. Wie schon gesagt, die Fahrer bleiben beim Wagen, gehen nicht mit, und Moulay Idriss hat sich in den letzten Jahren insofern verändert, als es nun eine Menge falscher Führer gab, die sich gleich zu Beginn aufdrängen. Ich ließ Khalid bis ganz nach oben fahren, wo sich von der Panorama-Terrasse ein toller Ausblick bietet, danach wollten wir den Berg hinunter alleine laufen. Ich war erst einmal dort, und das ist schon Jahre her, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Terrasse nicht auf Anhieb wiederfand. Doch ein Schuljunge zeigte uns den Weg und bekam ein paar Dirham. Hier geht der Blick vom Stadtteil Khiber hinüber auf die andere Seite und dazwischen liegt der grün gekachelte Grabbezirk. Das Herunterlaufen ist dann nicht so schwierig und wir kamen genau beim Mausoleum raus, wo Andreas sich gleich mit Nougat eindeckte. Dieser wird ja meist in der Nähe von religiösen Gebäuden verkauft. Durch den überdachten Souk ging es hinab zum Taxi-Standplatz, wo Khalid uns wieder einsammelte. Und Barbara deckte sich dort mit frischen Feigen ein, es ist gerade Saison und an jeder Ecke bekommt man diese leckeren süßen Früchte, die aber für marokkanische Verhältnisse nicht ganz billig sind. Das wiederum sind aber die Kaktusfeigen, die auch gerade reichhaltig angeboten werden. Vorher hatten wir noch Volubilis besichtigt, wo das Zurechtfinden nicht schwierig ist, und dann ging es nach Fes zu unseren jeweiligen Riads. Richtig schade, ich wäre gerne noch mit ihnen weiter gefahren.

Doch in Fes wartet ja erst die richtige Herausforderung auf mich. Hier wird es spannend. Ich bin im Maison Bleue untergebracht, weil am nächsten Tag dort meine Gruppe von 27 Personen ankommen soll, angereist in 14 kleinen Flugzeugen. Das ist schon ein ziemliches Unterfangen, es musste zuvor eine Genehmigung eingeholt werden, wozu 110 Dokumente eingereicht werden mussten. Und die Genehmigung kam dann gerade am Abend zuvor. Nun ist der Morgen angebrochen, die Spannung steigt und schon vor Tagesgrauen erhielt ich die Meldung, dass ein Flugzeug technische Probleme hat und nicht kommen wird. Ich werde berichten …

 

Meknes

Es ist ja nicht üblich, dass ich meine Kunden selbst durch das Land führe, normalerweise organisiere ich nur die Reise und die ausgezeichneten Fahrer der Agentur sind zugleich die Führer. Allerdings nur auf der Fahrt, in Städten gehen Sie nicht mit den Kunden, da müsste auf Wunsch ein zusätzlicher Stadtführer besorgt werden. Deshalb war es für mich eine Premiere, einmal drei Tage mit Kunden auf der Reise zu sein und ich war gespannt, wie es läuft. Das Paar hatte zwei Wochen gebucht mit Königstädten und Wüste, so fuhr ich also die ersten drei Tage mit von Marrakech nach Rabat und weiter über Meknes nach Fes. Die Beiden haben es mir leicht gemacht, es waren super nette Leute. In Casablanca ließ ich sie noch allein durch die Moschee laufen, in Rabat erklärte ich ein wenig, wo alles ist, denn ich wollte mich nicht zu sehr aufdrängen. Doch als ich merkte, dass sie die Medina doch nicht richtig gefunden haben bot ich in Meknes an, sie auf einen Stadtbummel mitzunehmen. Das war richtig schön. Und in Moulay Idriss schließlich war es unbedingt nötig. Wie schon gesagt, die Fahrer bleiben beim Wagen, gehen nicht mit, und Moulay Idriss hat sich in den letzten Jahren insofern verändert, als es nun eine Menge falscher Führer gab, die sich gleich zu Beginn aufdrängen. Ich ließ Khalid bis ganz nach oben fahren, wo sich von der Panorama-Terrasse ein toller Ausblick bietet, danach wollten wir den Berg hinunter alleine laufen. Ich war erst einmal dort, und das ist schon Jahre her, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Terrasse nicht auf Anhieb wiederfand. Doch ein Schuljunge zeigte uns den Weg und bekam ein paar Dirham. Hier geht der Blick vom Stadtteil Khiber hinüber auf die andere Seite und dazwischen liegt der grün gekachelte Grabbezirk. Das Herunterlaufen ist dann nicht so schwierig und wir kamen genau beim Mausoleum raus, wo Andreas sich gleich mit Nougat eindeckte. Dieser wird ja meist in der Nähe von religiösen Gebäuden verkauft. Durch den überdachten Souk ging es hinab zum Taxi-Standplatz, wo Khalid uns wieder einsammelte. Und Barbara deckte sich dort mit frischen Feigen ein, es ist gerade Saison und an jeder Ecke bekommt man diese leckeren süßen Früchte, die aber für marokkanische Verhältnisse nicht ganz billig sind. Das wiederum sind aber die Kaktusfeigen, die auch gerade reichhaltig angeboten werden. Vorher hatten wir noch Volubilis besichtigt, wo das Zurechtfinden nicht schwierig ist, und dann ging es nach Fes zu unseren jeweiligen Riads. Richtig schade, ich wäre gerne noch mit ihnen weiter gefahren.

Doch in Fes wartet ja erst die richtige Herausforderung auf mich. Hier wird es spannend. Ich bin im Maison Bleue untergebracht, weil am nächsten Tag dort meine Gruppe von 27 Personen ankommen soll, angereist in 14 kleinen Flugzeugen. Das ist schon ein ziemliches Unterfangen, es musste zuvor eine Genehmigung eingeholt werden, wozu 110 Dokumente eingereicht werden mussten. Und die Genehmigung kam dann gerade am Abend zuvor. Nun ist der Morgen angebrochen, die Spannung steigt und schon vor Tagesgrauen erhielt ich die Meldung, dass ein Flugzeug technische Probleme hat und nicht kommen wird. Ich werde berichten …

Von Marrakech nach Rabat

Am Sonntagmorgen fing das touristische Programm meiner kurzen Reise an. Um 8 Uhr stand der Chauffeur vor dem Hotel, um mich abzuholen. Zunächst ging es in die Medina, um ein deutsches Ehepaar abzuholen, meine Kunden, für die ich eine zweiwöchige Marokkorundfahrt organisiert hatte und die ich auf den ersten drei Tagen begleiten wollte. Wir verstanden uns auf Anhieb und der arme Fahrer, der sonst ja gerne sich selbst um seine Gäste kümmert, kam gar nicht zum Zug. Aber dazu hat er noch genug Gelegenheit, wenn ich die Gruppe in Fes verlasse. Er heißt Khalid und ist sehr nett, aber das sind wirklich alle unsere Fahrer. Wir fuhren über die Autobahn nach Casablanca, denn auf dieser Strecke lohnt die Landstraße kaum, es gibt wenig zu sehen. Außerdem wollten wir Casablanca schnell erreichen, um noch eine Führung durch die Moschee Hassan II zu erwischen. Das hat geklappt, ich blieb aber lieber draußen, denn ich habe die Moschee schon früher besichtigt und wollte nicht wieder die 120 Dirham Eintritt zahlen. Dafür konnte ich außen fotografieren. Die Moschee steht ja immerhin auch schon über 20 Jahre und so gibt es immer was zu machen, überall sind kleine Baustellen, die ein schönes Fotomotiv stören. Anschließend wollten wir in einem typischen Café etwas trinken und sagten dies Khaled, er fuhr uns zu einem richtig teuren Restaurant. Ganz genau hat er noch nicht gespürt, was wir wollen. Aber direkt dahinter war ein ortstypisches Café und da waren wir richtig.

Die Beiden wollten eine Telefonkarte und so versuchten wir, einen Laden zu finden. Aber keine Chance, es ist Sonntag und alles ist geschlossen. Also ging es wieder auf die Autobahn und ab nach Rabat, das wir zu einer angenehmen Zeit erreichten, wo man noch wirklich etwas unternehmen kann. Und trotzdem reicht ein solcher Nachmittag nicht aus für einen Besuch dieser wirklich schönen Stadt. Vor allem seit Mohammed VI ist hier wirklich viel geschehen, das Flussufer vor der Ouadaia Kasbah ist ein richtiges Ausflugsziel für Einwohner und Fremde geworden und an diesem Sonntag fand sogar eine Kirmes statt. Die Ruderboote nach Salé waren ständig im Einsatz, die Überfahrt kostet nur 2,5 Dirham und lohnt sich selbst, wenn man Salé nicht besichtigen will, sondern gleich zurück fährt. Ich hatte einen langen Bummel gemacht, zunächst durch die geschäftige Medina, dann über den Jahrmarkt hinauf zur Kasbah, die gerade in den Abendstunden in einem wunderbaren Licht liegt. Die Semaphore Terrasse ist beliebt bei Jung und Alt für einen Spaziergang und gerade der Sonnenuntergang lässt sich hier prächtig genießen.

Als ich wieder zurück in mein Riad kam, schenkte ich mir mein Abendessen, labte mich dafür an dem bereit gestellten Obstteller und fiel erschöpft ins Bett. Endlich mal schlafen!

 

Männerabend

Zum Schlafen komme ich im Augenblick recht wenig. Ganz unvermittelt geriet ich in eine Abendveranstaltung, die sehr typisch für das marokkanische Leben ist, wenn auch lange nicht so aufregend wie die Disco. Doch sehr vielfrüher als die Disconacht hat das auch nicht geendet.

Am Samstag ging es wie üblich gegen 19 Uhr zum Plauderstündchen auf der Hotelterrasse. Der Direktor saß alleine dort und fragte, ob ich mitkommen wolle, wir seien zum Abendessen eingeladen. Hm, warum nicht. So was kann ja nicht lange dauern, spätestens um 22 Uhr bin ich wieder zu Hause und kann den Schlaf nachholen, nach der kurzen Nacht bin ich schon reichlich müde. Kurz darauf kam ein weiterer Freund und wir fuhren in seinem Wagen los. Zu meiner Überraschung ging es nicht in ein Restaurant, sondern ich erfuhr, dass Abdelouahad uns in sein neues Haus zum Essen eingeladen. Ich nenne ihn jetzt kurzerhand Abdel. Er kommt zwar öfter mal auf ein Glas Wein ins Hotel, ich weiß dass er touristisches Transportunternehmen hat, aber über sein Privatleben weiß ich nichts, keine Ahnung, ob er verheiratet ist oder Familie hat. Irgendwie glaubt man ja, wenn man zum Essen eingeladen ist, muss es da zumindest eine Frau geben, die sich um die Küche kümmert. Aber vielleicht bin ich da auch zu eingefahren. Das Haus war ziemlich groß, wenn auch nicht schön, denn im Erdgeschoss bestand es aus einer großen Garage, wo auch mal seine Minibusse untergestellt werden können. Über neu geflieste Marmorstufen ging es hinauf, auf den Treppenabsätzen standen Blumenkübel, darum große Wasserflecken auf den neuen Fliesen und dennoch waren die Blumen verdorrt. Oben öffnete Abdel und war ziemlich erstaunt mich zu sehen, von wegen „wir sind zum Abendesen eingeladen“. Aber egal, er freute sich und begrüßte mich herzlich. Die Wohnung war groß, ja man sah, dass alles neu war, der Anschluss für das Klimagerät hing noch aus der Wand, aber vor dem Kamin war eine gemütliche Polstergarnitur und an der Wand ein großer Fernseher, der natürlich den ganzen Abend lief. Als ich mich umsah, sah ich schon ziemlich schnell, dass hier keine Frau für Dekoration sorgt. Aber was ist mit der Küche? Essensgerüche gab es nicht. Wir tranken Wein und knabberten Nüsse, gegen 22 Uhr fragte Abdel, ob ich hoffentlich nicht zu hungrig sei, denn wir würden noch auf weitere Freunde warten. Das Essen sei schon bereit, ich solle mir doch mal die Küche ansehen. Oh, die war schön, modern und offen, hätte direkt aus Deutschland kommen können, aber der Tajinetopf stand zwar auf dem Ofen, aber nicht auf einer Flamme, es hatte noch gar nicht angefangen zu kochen. Und dann fuhr auch noch unser Fahrer weg, meinte, er käme bald wieder, und alle Chance auf eine frühe Heimkehr war dahin. Nach einer halben Stunde waren plötzlich Schneidegeräusche aus der Küche zu hören, einer von Abdels Chauffeuren war eingetroffen und begann den Salat zu bereiten. Hat vermutlich auch das Tajine angeheizt.

Hunger quälte mich nicht, denn ich kann zur Zeit kaum was essen, aber müde war ich. Zum Glück war eine ganze Ecke der gemütlichen Couch meins und ich machte es mir richtig gemütlich, es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre eingeschlafen. Hier hätte mir Kamal gefehlt, der mich immer wieder zum Tanzen hochgezogen hat. Aber die Männer störten sich überhaupt nicht daran, dass ich etwas schlafen wollte, sie hatten sich viel zu erzählen und meist in Arabisch. Gegen Mitternacht kamen dann endlich die fehlenden Freunde, wir waren dann fünf Männer und ich, und es war genau 0:35 Uhr, als der Salat aufgetragen wurde. Als der große Tajinetopf aufgetragen wurde dampfte er herrlich, es war wirklich lecker. Zum meinen Ehren gab es sogar Teller, alleine würden sie alle aus der Schale essen. Wir sechs schafften ihn nicht ganz und dann kam unser Koch aus der Küche und vertilgte den Rest. Diesmal natürlich traditionell aus dem Topf aufgetunkt.

Um etwa 2 Uhr fragte mich mein Direktor, ob ich vielleicht müde sei. Ach, müde kann man das gar nicht nennen. Aber trotzdem, ich fand es doch sehr interessant, zu sehen, wie so ein gutbürgerlicher Männerabend in Marokko aussieht.

Ab in die Disco

Aber schön war der Abend schon, wann erlebe ich das einmal im tristen Taunusstein und die Disco ist wirklich genau gegenüber. Also gut, ich komme mit, auf einen letzten Drink. Was mir dort am meisten fehlte war Papier und ein Stift, denn ich hätte am liebsten nur gesessen, geschaut und alles aufgeschrieben, über eine marokkanische Disco könnte ich fast ein Buch schreiben. Es geht schon ganz anders zu als bei uns (wobei ich natürlich nicht unbedingt DIE Disco-Spezialistin bin in meinem Alter).

Es war noch recht leer und wir fanden bequem einen Tisch, was natürlich nicht ohne viele Umarmungen und Küsschen zwischen Kamal und der Mannschaft vor sich ging. Er scheint hier wie überall bekannt zu sein wie ein bunter Hund. Das erste, was sehr erstaunlich war, ist die Anzahl des Personals. Ich schätze, dazu gehören in dieser doch recht kleinen Disco mindestens 30 Personen, sie waren zu Anfang in der Überzahl. Aber das sollte sich ändern. Am wichtigsten schienen die Typen in den weißen Hemden zu sein, ich sah etwa fünf. Die kurzen Ärmel spannten sich über dem muskelbepackten Bizeps und die Krawatte deutete auf Autorität hin. Zu Anfang hielt ich sie für Kellner, aber es waren Sicherheitsbeamte, oder sagt man eher Rausschmeißer? Je weiter die Nacht fortschritt und der Raum sich füllte, desto mehr sah ich, wie sie alles fest im Griff hatten, den Saal ständig genau überblickten. Manchmal begleiteten sie sogar die Mädchen zum Ausgang oder auf die Toilette. Ich sah nirgends eine unfreundliche Geste unter den Gästen, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es nach reichlichem Alkoholgenuss leicht dazu kommen kann. Doch die fünf grimmig ausschauenden Kerle werden damit fertig.

Damit sind wir am zweiten Punkt, dem Alkohol. Auf jedem der noch leeren Tische standen eine Flasche stilles Wasser, eine Flasche Sprudel und eine Flasche Cola. Ist man hier so abstinent? Kamal fragte mich, was ich trinken wolle und ich sagte klugerweise, das gleiche wie ihr. Darauf kam ein großer Sektkübel gefüllt mit Eiswürfel, eine Tischrakete und eine Flasche Jonny Walker. Das ist hier so üblich. Mit einer Flasche Bier gibt man sich nicht ab. Und dabei sah ich auch die Kellner. Sie tragen durchweg zu ihren schwarzen Hosen ein weißes Hemd mit Werbeaufdruck, aber mit langem Arm und ohne Muskeln. Und dann gibt es noch die Jungs, die ein graues T-Shirt tragen. Das sind die Kohlenmänner. Auf jedem Tisch steht eine Chicha bereit und sie sind ständig unterwegs mit den glühenden Kohlen, um wieder aufzufüllen. Natürlich hat man hier noch nie von einem Rauchverbot in Räumen gehört, meine Lungen waren sehr froh, doch frisch genug zu sein, um mit der rauchgeschwängerten Luft fertig zu werden.

Was auch auffiel war die große Anzahl von jungen, schick gekleideten Mädchen mit meterhohen High Heels. Ich kenne das ja, was man darüber sagt, es seien Prostituierte. Dennoch kann ich das nicht genau bestätigen. Manche vielleicht, manche aber auch wollten sich nur mit ihren Freundinnen amüsieren. Ich blicke da nicht so recht durch. Jedenfalls habe ich nicht bemerkt, dass sie sonderlich auf die Männer zugingen. Uns betraf das ja nicht, wir waren 3 Männer und 3 Frauen und so vor allen Angriffen gefeit.

Und die Musik! Kein Rock, sondern richtig orientalisch und laut. Und so mitreißend, dass selbst ich mich nicht ruhig auf den Beinen halten konnte. Man braucht hier nicht unbedingt auf die Tanzfläche zu gehen, man tanzt im Sitzen, fasst sich bei den Händen, steht auf und schwenkt sich im Rhythmus. Ich habe voll mitgemacht und alle meine Freunde wissen, wie selten das ist. Es war einfach schön. Zwei Geburtstags-Parties waren da und natürlich wurde jede Gruppe mit einem großen Hallo von den Musikern gefeiert. Aber nicht nur die, die Musiker kamen auch an unseren Tisch, hatten Kamal vorher nach meinem Namen gefragt und sangen mir dann immer Edit ins Gesicht. Was noch konnte ich nicht verstehen. Dann bekam ich sogar eine rote Rose geschenkt, wie lange ist mir das nicht mehr passiert. Und natürlich wechselten ständig große Geldscheine die Besitzer. Ja, das ist auch Marokko. Es gibt nicht nur das touristische, oder das arme Marokko, das Menschen zur Flucht treibt. Es gibt auch eine Mittelschicht, die so richtig erst nach König Hassan II entstanden ist. Kamal zog mich immer wieder von meinem Platz, bezog die anderen Mädels mit ein und forderte zum Tanzen auf. Ach, was für eine Nacht. Brauche natürlich nicht zu sagen, dass bald die Whiskyflasche leer und Kamal voll war. Und ich mich langsam auf den Weg in mein Bett machen sollte.

Das lief tatsächlich ohne Probleme, wurde so gegen 4 von allen akzeptiert und ein herzlicher Abschied folgte. Und schon war ein Bodyguard zur Stelle, der mich bis an den Grundstücksrand begleitete. Asmaa kam noch mit in mein Hotel auf der anderen Straßenseite und beschwor mich, sie mal in Casablanca zu besuchen. Was mich in Marokko immer am meisten erstaunt ist die fehlende Grenze zwischen den Jungen und den Alten. Die gibt es einfach nicht, sondern nur Freundschaft und Menschlichkeit.

Mein Tag in Marrakech

WordPress

Die Nacht war kurz, erstens kann ich sowieso schlecht schlafen, und dann treffe ich heute Abdous Webmaster im Büro. Er soll mir mit einer WordPress-Seite weiter helfen. In Taunusstein hatte das schon die nette Elke getan und ich habe daraufhin einige Tourbeschreibungen in meine neue englische Reiseseite eingefügt. Aber ich hatte einen bestimmten Wunsch, und das gelang mir nicht. Ein kurzes Treffen mit dem jungen Studenten Amlal ergab, dass er ein anderes Design einführen möchte und ich richtete mich auf einen langen Arbeitstag ein, eigentlich meinte er, wir brauchen bestimmt drei Tage. Was mich wunderte, aber okay, er wollte es eben ganz neu machen.

Um dies vorzubereiten stand ich in aller Frühe auf und versuchte, die bisherigen Seiten auf eine neue Subdomain zu verschieben. Außerdem kaufte ich mir sogar eine neue Domain, die billig zu haben war. Aber dann gab es nur Probleme. Ich konnte aufrufen was ich wollte, immer wurde ich auf die alte Seitenadresse umgeleitet und es dauerte nicht lange, da war auch mein schöner Inhalt einfach futsch. Ich glaube jeder, der mit einem Computer arbeitet, hat das schon einmal erlebt. Obwohl ich eigentlich alles richtig gemacht habe.

Das war der Stand, als ich im Büro eintraf. Ich hoffte zwar, Amlal könnte mir helfen, die Seiten wieder zu finden, aber nichts. Und dann entwickelte er mir seinen Plan, was auch erforderte, dass ein neues Design aufgespielt werden müsste. Wie bei jeder PC-Arbeit üblich ging das zunächst einmal schief und es dauerte etliche Stunden, bis endlich alles so weit war, dass wir die erste Seite machen konnten. Das geht in WordPress eigentlich recht einfach und mit Elke zusammen hatten wir das ganz gut hinbekommen. Aber Amlal wollte seinen Seiteneditor nutzen, der ja so einfach ist, und legte los. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, stimmt, ist einfach, für einen Absolventen eines Informatikstudiums. Nicht für mich. Ich versuchte, ihm zu vertrauen, was für eine schöne Webseite ich erhalten soll und so, aber ich merkte immer mehr, dass ich das allein nie hinbekomme. Und es wurde mir immer klarer, dass Amlal wirklich vorhatte, eine komplett neue, professionelle  Webseite für mich zu machen, was schon ein, zwei Wochen dauern kann. Mir kamen echt die Tränen. Das schaffe ich nie und meine schönen Seiten, die ich entwickelt hatte, sind weg. Irgendwann konnte ich nicht anders, als ihm was vorzuheulen und er meinte, ich müsse meinen Provider anrufen, der könnte vielleicht helfen. Vor allem, weil ja auch die neue Domain immer umgeleitet wurde ins Nichts. Naja, ich bin in Marokko, das wird teuer. Amlal reichte mir sein iPhone und ich wählte. Ich bin bei 1und1 und muss sagen, deren Support ist einfach gut und funktioniert tatsächlich auch in Marokko. Die Umleitungen, die ich selbst nicht erfolgreich löschen konnte, waren weg und die Techniker versuchten, die verlorenen Seiten wiederzufinden. Am Ende, als ich zu lange auf Musik geschaltet war, legte ich auf, wollte das teure Gespräch beenden, doch ich traute meinen Augen nicht, als der 1und1 Mann in Marokko anrief, um mir zu sagen, dass die Seiten wieder da sind.

Hamdullilah!

Inzwischen war es Nachmittag und eigentlich waren die ganzen vorherigen Stunden verloren. Endlich konnte ich Amlal zeigen, was genau ich von ihm wollte. Nämlich dass ein kurzer Anriss meiner Touren schon auf der Startseite zu sehen ist mit Link auf die Beschreibung. Amlal atmete auf, denn auch ihm brannte die Zeit unter den Nägeln, neben der Fortführung seines Studiums hat er auch eine eigene Firma und ist mit Aufträgen ziemlich eingedeckt. So sieht meine neue Seite nun aus, sie ist in Englisch, um auch meine Freunde in Florida zu erreichen, sie ist aber weiterhin im Aufbau:

http://4x4morocco.club/

Zurück im Hotel war es richtig, richtig heiß. Ich ging noch mal kurz zum Pool, aber es war kaum auszuhalten. Man konnte schon richtig spüren, dass vielleicht ein Gewitter im Anzug war, also ging ich hoch, um noch ein wenig an meiner Seite zu arbeiten. Um 19 Uhr heißt es ja immer, runter ins Foyer oder auf die Terrasse und ein Plauderstündchen mit dem Direktor halten. Das ist der Grund, warum ich so gerne in dieses Hotel gehe, ich bin abends nie allein. Immer kommen irgendwelche Freunde von ihm vorbei und man lernt interessante Menschen kennen. Heute war es ziemlich ruhig, das Gewitter grollte, wollte aber doch nicht so richtig loslegen und ich bereitete mich schon darauf vor, an diesem Abend früh ins Bett zu gehen. Hatte ja eh wenig geschlafen die Nacht zuvor und stattdessen Webseiten zerstört.

Doch da kam eine Nachricht von Kamal. Wo bist du. Ich sitze auf der Terrasse. Ich komme vorbei. Es war schon nach 22 Uhr als er eintraf und zunächst mal eine Flasche von dem guten Sahari-Rotwein bestellte. Wir plauderten und plauderten und bei der dritten Flasche kündigte er an, dass noch Freunde von ihm vorbei kommen würden. Kamal ist ein unglaublich netter Kerl, wenn man ihn so sieht in seinem verschlissenen T-Shirt denkt man, der hat ja noch nie was auf die Reihe gebracht, ist aber lustig. Dabei ist er ein sehr guter Filmproduzent und hat schon ganz tolle Filme gemacht. Mein Lieblingsfilm ist 24h Marrakech.

Aber im letzten Frühjahr traf ich ihn auch in Merzouga, wo er gerade für Sony einen Videoclip mit Namika machte, der marokkanisch stämmigen Sängerin, die in Deutschland gerade Furore macht.  Die Bar war schon geschlossen, Wein stand noch auf dem Tisch, als endlich lange nach Mitternacht die Freunde kamen. Eine Wahnsinnsfrau, unglaublich temperamentvoll und hübsch. Im Gefolge ihren geschiedenen Ehemann, den sie in wenigen Wochen wieder heiraten wird. Die beiden turtelten wirklich wie die Täubchen. Ich suchte die verlassenen Tische nach zwei Gläsern ab und spülte sie, denn das Personal war lange im Bett. Das Gespräch drehte sich um alles Mögliche, Kamal hatte mich nur als deutsche Freundin vorgestellt und ich hatte absolut nicht die Absicht, irgendetwas von mir zu erzählen, Kamal erzählte lebhaft von seinen Filmprojekten und da passte ich nicht rein. Ganz zum Schluss fragte der Mann noch einmal nach meinem Namen, ich sagte nur Edith. Ja, und der Nachname? Eigentlich eine ungewöhnliche Frage in so lockerer Runde. Kohlbach. Die Edith Kohlbach, die Reiseführer schreibt? Er war ganz aus dem Häuschen und ich ziemlich platt, dass er von mir gehört hatte. Mich sogar in Merzouga bei Freunden einmal getroffen, aber ich konnte mich nicht daran erinnern. Er arbeitet als Reiseleiter und seine Frau betreibt ein Gästehaus. Das war natürlich klar, dass es nun eine Einladung gab, aber ich habe diesmal ja wenig Zeit.

Dann kam noch ein weiteres Pärchen, Asmaa mit ihrem Freund. Sie ist die Assistentin von Kamal bei den Filmen, und das war gut so. Wie schon beim Filmen nahm sie auch hier alles in die Hand und wies Kamal darauf hin, dass dies ein Hotel sei, in dem Menschen gerade über uns schlafen wollen und wir sollten leise sein. Kamal schlug vor, in die Disco zu gehen. Ich freute mich für ihn, wünschte ihm einen schönen Abend, aber ich gehe nun ins Bett. Es war mittlereile 2 Uhr geworden.

Ob das geklappt hat könnt ihr in der Fortsetzung lesen.

Endlich mal wieder Marrakech

Darf ich mich vorstellen, ich heiße Herzliche Grube. Nicht etwa Edith Kohlbach, nein. Kam in meinem geliebten Hotel Tichka in Marrakech an und fragte nach meinem Zimmer. Nichts. Keine Reservierung und spät am Abend. Sofort ab zum Direktor. Er war völlig platt mich zu sehen, aber das Hotel sei ausgebucht. Also habe ich sofort die Agentur angerufen, habt ihr hier was verschlampt? Nein, wir haben doch eine Bestätigung. Aber Jawad kam sofort, um nach dem Rechten zu sehen. Und schließlich fand sich die Reservierung. Für Herzliche Grube, die Unterschrift meiner E-Mail, nur dass aus Grüße Grube wurde. Nun nennen mich alle hier so. Manche aber auch meilleur salutations.

Der Ryanair Flug nach Marrakech war problemlos gelaufen, die Einreise auch. Die Immigration Schalter sind nun genau wie in USA mit Kamera und Fingerabdruckgerät ausgestattet. Noch wurde es aber nicht eingesetzt. Ich frage mich, wann das auch in Deutschland kommt. Vermutlich wenn wir die AfD in der Regierung haben. Bisher gibt es noch nichts Aufregendes zu berichten, denn ich bin hier ja hauptsächlich zu einem Arbeitsbesuch. Also ging ich am ersten Morgen zunächst mal ins Büro der Agentur, um die letzten Details zu meiner Pilotenreise zu klären. Ich bin ja hauptsächlich hier, weil eine Gruppe deutscher Privatpiloten mit 14 kleinen Flugzeugen für zwei Tage ins Land kommt. Dies musste dem Transportministerium gemeldet werden, dafür mussten insgesamt 110 Dokumente eingereicht werden. Und nun warten wir immer noch auf die Zustimmung der Air Force.

Nach einem Stündchen am Pool, das Wetter ist hier schwülwarm, ging es zu meinem Lieblingsfriseur zur Pediküre. Die machen das hier wunderbar für nur 6 Euro. Dann fuhr ich zu den zwei Campingplätzen im Norden der Stadt und obwohl ich da eigentlich jedes Jahr hinkomme ergab sich doch wieder eine Menge neuer Informationen, man muss halt immer am Ball bleiben. Am Nachmittag dann wollte ich 2 Flaschen Wasser und ein paar Erdnüsse kaufen. Leider gab es keine marokkanischen, nur Import. Ich fragte nach dem Preis: 60 Dirham (6 Euro). Mhm. Teuer. Hatte mich aber darauf versteift. Brauche dazu noch 2 Flaschen Wasser. Das wären nach Adam Riese etwa 70 Dirham. Nur – Adam Riese war kein Marokkaner. Gab 100 Dirham und fragte nach der Gesamtsumme. Zwei Menschen warfen die Stirn in Falten, rechneten und rechneten, ganz ohne Maschine. Und kamen schließlich auf den Preis. 45 Dirham zusammen. Ich wies auf meinen 100 Dirham Schein. Man gab mir 45 Dirham zurück. Ich gab auf und nahm sie. Kurz zuvor beim Friseur betrug  die Rechnung 60 Dirham. Ebenfalls 100 Dirham gingen rüber. Zurück kamen 30 Dirham. Ich wies darauf hin, dann kamen die restlichen 10. Die gab ich zurück als Trinkgeld. Ich liebe sie einfach, meine Marokkaner. Aber rechnen können sie nicht.

Insgesamt war der Tag ziemlich anstrengend und ich fiel nur so ins Bett.

Auf Spurensuche in Bad Kreuznach – 1954 bis 1958

Im Herbst 1954, ich war an Ostern gerade eingeschult worden, musste ich meinen Geburtsort Boppard verlassen und zog mit meinen Eltern nach Bad Kreuznach. Mein Vater arbeitete auf der Post und wurde öfters versetzt. Wir zogen in eine 3-Zimmer-Wohnung in einem Neubaublock gleich unterhalb des Friedhofs, erst viel später wies mich ein Klassenkamerad darauf hin, dass es ziemlich unheimlich ist, am Friedhof zu wohnen. Ich empfand das aber gar nicht. Die Wohnung, in der ich mir ein Zimmer mit meiner Schwester teilte, war „State of the Art“, sie hatte ein richtiges Badezimmer. Bis dahin hatten wir in Boppard im Einfamilienhaus meiner Großmutter zwei Zimmer bewohnt. Der einzige Klo war eine Etage tiefer, zum Waschen wurde die Spüle in der Küche benutzt und als Badewanne diente am Samstag eine Zinkwanne im Keller. Und auch der altmodische Kohleherd war gegen einen modernen Gasherd ausgetauscht worden, was mir als Kind jedoch ziemlich schnuppe war. Der alte Kohleherd hatte doch viele Vorteile. Es war immer warmes Wasser da und im Backofen lagen oft herrlich duftende Bratäpfel.

Die Zeit in Kreuznach war wild und wunderschön. Das Gelände unterhalb unserer Neubau-Siedlung war nicht bebaut und voller Unkraut, einen schöneren Spielplatz kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Nach den Hausaufgaben ging es sofort hinaus, die Nachbarskinder warteten schon und bis zum Abendessen sahen uns unsere Eltern nicht mehr.

Ganz wichtig waren damals die Amerikaner. Kreuznach hatte eine amerikanische Kaserne und die Soldaten waren ein bedeutender Bestandteil des Lebens. In der Amisiedlung waren die einzigen richtigen Spielplätze und an St. Martin klingelten wir dort mit unseren Laternen, denn bei den Amis gab es köstliche Süßigkeiten. Von Halloween hatte damals noch nie einer gehört. Meine erheblich ältere Schwester hatte dann auch irgendwann einen amerikanischen Freund, das war die absolute Spitze. Er kam öfter zu uns und brachte uns nicht etwa ein paar Süßigkeiten mit, sondern volle Kartons, die man sonst nur aus den Auslagen der Geschäfte kannte. Es war ja alles noch sehr kurz nach dem Krieg und eines Tages fand ich sogar mitten auf der Straße vor dem Friedhof eine richtige Pistole in einem Holster. Brachte sie gleich nach Hause und gab sie meinem Vater, was dann daraus wurde habe ich nie erfahren.

Wenn wir am Morgen in die Schule gingen verließen wir die Siedlung auf einem schmalen Fußweg den Berg hinab, also quer über unseren Abenteuer-Spielplatz und stießen gleich auf den mächtigen roten Kasten der Ringschule. Gefühlt waren das alles richtig lange Wege. Aber noch bevor es in die Schule ging stoppten wir natürlich an dem kleinen Ecklädchen genau gegenüber, eine ganz wichtige Institution. Wer es zu ein paar Groschen Taschengeld gebracht hatte, konnte sich da mit Süßigkeiten eindecken und am beliebtesten war der rosa Bubble Gum, mit dem man so schöne Blasen erzeugen konnte. Was Besseres gab es nicht. Auf dem Pausenhof konnten wir dann vergleichen, welche Schätze jeder hatte und auch hier waren die Ami-Süßigkeiten die besten. Ich vergesse nie den Tag, als ein Mädel kleine Riegel mitbrachte, die sehr gut schmeckten. Wir erfuhren erst sehr viel später, dass es Hundekuchen waren. Aber toll war, dass wir an Fastnacht immer im Kostüm zur Schule kommen durften.

Ein für mich weniger erfreuliches Detail war die Kirche. Es war ja die Zeit, als meine Erstkommunion bevorstand. Einmal die Woche hatten wir in der Kirche Unterricht und am Samstag mussten wir  dorthin pilgern und beichten. Ich schrieb mir immer zu Hause einen Zettel mit meinen Sünden, damit ich sie nur ja nicht vergesse. Und dann bekam ich ein oder mehrere Vaterunser zur Buße auferlegt. Aber vor der Kirche stand ein wunderschöner Kiosk in Form eines Fliegenpilzes, dort konnte man sich ein Eis kaufen, wenn man es denn zu Geld gebracht hatte. Für kurze Zeit hatte ich eine gute Einnahmequelle entdeckt. Wenn ich morgens die Wohnung verließ standen im Hausflur immer die leeren Milchflaschen. Damals kam noch der Milchmann und stellte die gefüllten Flaschen vor die Tür. Das Geld dafür lag unter der Flasche. Und so bediente ich mich heimlich daran. Bis eines Morgens die Nachbarin am Türspion mich entdeckte und zu meinen Eltern schleppte. Da nahm meine kurze Karriere als Meisterdiebin ein jähes Ende. Und ich konnte wieder eine neue Sünde beichten.

Aber der Gegenpool zu dem lästigen Beichten war natürlich die Erstkommunion. An schönen Kleidchen sparten meine Eltern eigentlich nie und so zogen wir ins beste Geschäft von Kreuznach und suchten ein herrliches weißes Kleid für mich aus. Dazu noch Kniestrümpfe mit Spitzen und weiße Ballerinas, natürlich auch ein Kränzchen fürs Haar, ich fand mich unglaublich schön. Damals konnte man das Kleid zweimal anziehen. Das erstemal natürlich zur festlichen Erstkommunion, aber dann noch einmal zu der großen Prozession durch die Stadt an Fronleichnam.

Doch eines Mittags, als ich gerade aus der Schule kam, es war das vierte Schuljahr, waren meine Eltern ganz ernst und meinten, ich müsse meine Sachen packen. Wir ziehen um. Das war ein unglaublicher Schock. Alle meine Freundinnen blieben zurück und ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir das Leben je wieder Spaß machen könnte.

Gestern nun hatte ich einen Termin in einer Werkstatt in Bad Kreuznach und ich beschloss, das zu nutzen, um die alten Stätten aufzusuchen. Ich hatte meine Adresse als „In der Sandkaut 4“ in Erinnerung, direkt unterhalb des Friedhofs. Der freundliche Autohändler half mir bei der Recherche und schießlich fanden wir heraus, dass die Straße einfach nur Steinkaut hieß. Kreuznach ist gar nicht so groß und so konnte ich ganz gut dorthin schlendern. Ich fand meine Steinkaut und den Friedhof, aber das wilde Gelände unterhalb war weg, hier ist ein Wohnviertel mit kleineren Häusern entstanden, nur ein Kindergarten, den es damals noch nicht gab, hatte in seinem Garten genau noch die wilde Fläche, die ich damals liebte, natürlich etwas kleiner und geschützter.

Die Hausnummer 4 war es nicht, dem Gefühl nach sagte ich mir, dass es die Nummer 8 sein musste. Genau dort, wo wir früher mutmaßlich wohnten, stand eine Frau an einem kleinen Balkon, gar kein richtiger Balkon, an den ich mich nicht erinnerte. Sie klagte darüber, in welch schlimmen Zustand die Wohnungen seien, die Fenster kaputt, das Bad völlig desolat. Die Siedlung sei schon mehrmals verkauft und nichts renoviert worden. Was sich allerdings im Moment ändert, denn der nachfolgende Häuserblock wurde gerade renoviert und von außen isoliert. Deshalb war er auch von Gerüsten und Planen eingehüllt und ich konnte nichts sehen. Erst zu Hause, beim Vergleich meiner alten Fotos, konnte ich erkennen, dass ich in diesem nächsten Block gewohnt hatte, in der Nummer 11. Davon habe ich nun keine neuen Fotos. Aber ist schon interessant, damals State of the Art, heute völlig heruntergekommen. Ja, 60 Jahre sind inzwischen vergangen, eine lange Zeit.

Ich fand dann auch den Fußweg hinunter zur Schule, eigentlich ganz kurz, so hatte ich es damals aber nicht empfunden. Die Ringschule war früher eine Volksschule, heute ist es die Crucenia Realschule. Der mächtige rotbraune Block des Haupthauses steht immer noch, aber im Pausenhof sind viele neue Gebäude hinzu gekommen. Und mein Eckladen hat leider geschlossen.

Die Innenstadt ist sehr stark verändert. Meine Kirche steht natürlich noch, der Fliegenpilz ist verschwunden und das große Postamt gegenüber, in dem mein Vater gearbeitet hatte, ist Neubauten gewichen. Die Post wird nun in einem DHL-Paketshop abgewickelt. Aber etwas anderes habe ich gefunden! Das Café Wonsyld, das allerdings heute von einem anderen Inhaber geführt wird. Ursula Wonsyld ging mit mir in die Klasse und war meine beste Freundin. Vor dem Café war damals noch ein freier Platz und auf diesem Platz, wo heute ein Sraßencafé ist, habe ich damals Fahrrad fahren gelernt. Wir haben oft bei ihr gespielt, auch in der Backstube, ach, es war einfach eine tolle Zeit. Und vielleicht habe ich sogar das Geschäft wiedergefunden, in dem damals mein Kommunionkleid gekauft wurde.

   

Ich erinnere mich noch an ein anderes Detail, an das Ferienlager im Sommer, das bei den Salinen stattfand. Hier ist ein Foto vom Lager damals und der Saline heute, die leider auf keinem alten Foto zu sehen ist.

VPN – muss man das haben?

Ein Virtual Private Network bezeichnet ein virtuelles Netzwerk, mit dem man sicher und privat Daten und Dateien über das Internet versenden kann. Mit einem VPN kann man zusätzlich seine eigene Internet-Identität verschleiern und auf diesem Wege auch Geoblockaden, etwa von Streaming-Anbietern, umgehen. Eine Anwendung, die im beruflichen Bereich wichtig sein kann. Sie können auf Geschäftsreise auf das Firmennetzwerk zugreifen und so arbeiten, als ob Sie im Büro wären, obwohl Sie hunderte Kilometer entfernt sind.

Viel wichtiger für uns Rentner und Weltreisende ist allerdings der private Bereich. Ganz klar muss eines vorausgeschickt werden: man kann auch ohne VPN leben. Aber in meinem Fall war es zwingend, dass ich auf eine US-Seite zugreifen musste, die so sehr geschützt war, dass sie nur innerhalb der Vereinigten Staaten geöffnet werden konnte. Ich erinnerte mich an VPN und hoffte, dass dies damit möglich wäre. Allerdings ist VPN ein kostenpflichtiger Service, denn dazu ist es nötig, dass man eine Software erhält, die auf ein Netzwerk firmeneigener Server zugreift. Und meistens muss man ein Jahres-Abo abschließen, das dann auch noch automatisch verlängert wird. Ich wollte aber kein Abo, sondern erst einmal ausprobieren, ob es auch für meinen Zweck funktioniert.

Das war nicht so leicht. Alle Seiten, die google mir anbot, versprachen zwar eine kostenlose Probezeit, aber die Angaben der Kreditkarte waren nötig, und gerade die wollte ich nicht geben. Erst am nächsten Morgen gelang es mir mit frischer Kraft, F-Secure zu finden. Auch hier gibt es ein Abo, knapp 5 Euro monatlich gegenüber den anderen Angeboten, die fast 10 Euro kosteten, aber das Besondere, es gab einen 30tägigen Probezeitraum ohne jede Kreditkarte. Ich habe dann die nötige Software heruntergeladen und installiert, was sehr einfach war und nach wenigen Minuten gelangte ich zu der Seite Freedom VPN, wo ich mit einem Klick das Land wählen konnte, in dem ich mich angeblich befinden will. Ich wählte natürlich USA und schon konnte ich meine gewünschte Seite aufrufen. Das war also ein voller Erfolg in wenigen Minuten, der leicht und von jedem auszuführen ist.

Nicht jeder muss aber auf die Bezahlseite eines Krankenhauses zugreifen, so wie in meinem Fall. Was für andere Vorteile bietet also VPN? Zunächst mal ist in der Software ein sicheres Browsen im Internet eingeschlossen und zusätzlich wird das Nachverfolgen, welche Seiten ich aufrufe, gesperrt. Das wäre mir zwar nicht sooo wichtig, da ich ja keine Kinderpornos oder Waffenkäufe sehen will, aber dadurch bekommt man auch weniger zielgerichtete Werbung. Wichtiger ist die Aufhebung der Geoblockade. Wenn ich z.B. in USA oder Marokko bin kann ich die deutsche Mediathek nur bedingt aufrufen, viele Sendungen sind von anderen Ländern aus geblockt. Ich gebe also mit einem einfachen Klick an, dass ich in Deutschland bin und schon klappt es. Umgekehrt genauso. Viele US-TV-Sender haben Life-Streaming, das von Deutschland aus geblockt ist. Wenn ich dann aber den Standort USA eingebe, geht es. In Marokko sind zwar google maps zu öffnen, aber das wichtige google earth, das ich beruflich viel nutze, ist blockiert. Mit VPN geht es.

Also habe ich beschossen, dass ich diesen Service kaufen will. Auch F-Secure hat einen Button, auf den man zwecks Kauf klicken kann, aber zufällig fand ich im Internet, dass auch andere Firmen die F-Secure Software anbieten. Ohne Abo und viel billiger. Ich habe nun gut 2 Euro pro Monat gezahlt für ein Abo, das 2 Jahre läuft und nicht automatisch verlängert wird, und ohne Angabe der Kreditkarte. In dem Service sind 3 Geräte inbegriffen und ich hatte schon vorher das auch auf mein Tablet geladen. Nach Eingabe der Lizenznummer war zwar das sichere Browsen installiert, nicht aber die VPN. Auf der Webseite der Firma ist eine Liste mit Service-Nummern in vielen Ländern, also rief ich die deutsche Nummer an und in wenigen Minuten bekam ich nicht nur einen echten Mitarbeiter ans Telefon, sondern auch die Lösung des Problems war gefunden. Ich musste auf dem Tablet nur die App Freedome VPN löschen, wieder neu laden, Tablet neu starten und alles lief. Ich bin sehr zufrieden, mit der preiswerten und guten Software und dem tollen Service.