In Memoriam Isolde

Gestern, auf dem Abend in Idstein, sah ich auf der Diashow von Peter und Patricia ein Foto von Isolde. Das hat so viele Erinnerungen in mir geweckt, dass ich unbedingt einen Blog schreiben muss, um ihrer zu gedenken. Ich muss Isolde im Jahr 2011 kennengelernt haben und ich weiß noch, schon beim erstenmal stand uns der Mund nicht mehr still. Wir hatten uns so viel zu erzählen.

Aufzeichnungen dieser ersten Begegnung habe ich nicht, denn diesen Blog gibt es erst seit 2013, und alte online Berichte gingen verloren. Es gibt aber noch ein paar persönliche Notizen. Und merkwürdigerweise sind auch alle Fotos, die ich direkt in ihrem Café Fata Morgana gemacht habe, verschwunden. Es gibt nur noch einige Fotos, die unter einer anderen Überschrift abgeheftet wurden.

Ich kam also irgendwann einmal nach Mhamid, auch für mich meine zweite Heimat in Marokko, und traf irgendwie auf Isolde. Sie war zuvor Buchhändlerin in München und hat nach ihrer Pensionierung ihre Ersparnisse genommen und sich ein hübsches kleines Haus in Ouled Driss bei Mhamid gebaut. Als es fertig war hat sie darin ein Café eröffnet und leckeren Kaffee mit selbst gebackenem Kuchen angeboten. Dazu hatte sie ihren Helfer und Haushüter Ali. Am Abend kam immer die ganze Dorfjugend der Umgebung, hat sich hingesetzt und eine Trommelsession abgehalten. Das war sehr wichtig für die Jungs, denn sonst gibt es in dieser Einöde nichts für sie. Hier nun also ein paar Auszüge aus meinem Tagebuch, wo sie erwähnt wird.

29.12.2011

Und nun bin ich also in Mhamid eingetroffen. Der erste Tag war nicht unbedingt dazu angetan, mir etwas Ruhe und Erholung zu verschaffen. Nach dem Frühstück stand Isolde vom Café Fata Morgana vor der Tür. Aber bevor ich sie richtig begrüßen konnte brachte mir das Zimmermädchen sechs Österreicher, geführt von Martin, hier im Forum bekannt als Martin 1101. Sie kamen mit drei Geländefahrzeugen auf eine Stippvisite vorbei, aber das wichtigste war, dass mir Martin mein Schweizer Messer brachte, das ich bei Thomas vergessen hatte. Es hat mich bei all meinen Marokkoreisen – und nicht nur da – begleitet und ist mein Talisman. Hier seht ihr Martin vor den Fahrzeugen, wobei der Geländewagen ganz rechts nicht dazu gehört. Und noch die ganze Truppe einschließlich Isolde.

Doch damit nicht genug. Nachdem die Österreicher weg waren bin ich mit Isolde ins Städtchen, wir hatten noch viele nette Gespräche. Zum Abschluss fuhren wir zum Café Boussole, es liegt sehr schön auf einem Hügel am Beginn der Piste nach Chegaga. Dort fand ich ein etwas abenteuerliches Wohnmobil samt Anhänger mit deutschem Kennzeichen, dem ich auf der schmalen Straße nach Mhamid schon ausgewichen war. Und wer kochte sich darin sein Süppchen? Saharasepp!

30.12.2011

Die Tage hier sind so turbulent, es passiert so viel, jede Minute ist so ausgefüllt, dass ich überhaupt nicht dazu komme, alles aufzuschreiben. Der gestrige Tag war wohl die Spitze der Turbolenz und ich will sehen, ob ich nun genügend Zeit finde, davon zu erzählen.

Ich saß mal wieder beim Frühstück, als draußen vor der Tür Knuth vorbei ging. Knuth, den ich schon auf der Farm von Thomas Friedrich getroffen habe, der im Forum nur ein stiller Mitleser ist. Thomas war ja eine seiner ersten Stationen in Marokko und während ihn nichts umhaut, litt seine Frau noch unter dem Kulturschock und wollte keinesfalls weit in den Süden fahren, nicht „im Sandkasten spielen“. Umkehren und heim nach Europa hätte ihr ganz gut gefallen. Ich konnte sie mit dem Argument, dass es doch dort unten bei Merzouga sehr viel wärmer als bei Thomas ist, zunächst mal umstimmen. Und dann gingen sie draußen am Fenster vorbei. Sonja hat ihren Schock inzwischen überwunden und sich ganz gut eingewöhnt, ich bin sicher, zurück in Deutschland wird sie von dem Marokkovirus infiziert sein. Sie brachten noch zwei weitere Paare mit, ein Nürnberger VW-Bus und ein italienisches Isuzu-Wohnmobil. Wir saßen also gemütlich vor der Kasbah und tranken Tee. Vor dem Haus hatten auch etliche Geländewagen geparkt. Ein Chauffeur stieg ein, fuhr rückwärts raus und auf den Nürnberger VW. Blinker kaputt, Delle in der Seite, Stoßstange ein wenig beschädigt. Damit war der Tag für die sechs Leute gelaufen, denn man darf sich nicht vorstellen, dass so was schnell abläuft. Endlose Diskussionen, der Chauffeur hatte absolut kein Geld dabei und arbeitet auch für eine fremde Agentur, nicht für Sahara Services, denen die Kasbah gehört. Hin und her gings und schließlich holte der Chauffeur, nicht der Geschädigte, die Polizei. Mit dem Ergebnis, dass sein Führerschein einkassiert wurde.

Ich musste aber zum Souk in Tagounit, schließlich ist der nur an einem Tag in der Woche und ich brauchte dringend etwas. Auf dem Rückweg stoppte ich bei Isolde. Ich saß nicht richtig kam eine Gruppe von sechs Deutschen zum Kaffeetrinken. Nicht nur verkaufte ich ihnen gleich ein Buch, ich änderte auch noch ihren Reiseplan und buchte sie in die wunderschöne Casbah des Arts in Agdz ein statt in eine einfache Herberge in Taliouine.

Es war schon Nachmittag, als ich zurück nach Mhamid kam. Knuth und Gefolge waren noch da, die Sache immer noch nicht geklärt. Vom Chauffeur war einfach nichts zu holen, er am Weinen, weil sein Führerschein weg war. Da kann nur noch Abdou helfen. Er versprach dem Nürnberger, dass er sich um die Reparatur in Marrakech kümmern wird. Der war dann besänftigt und ging mit dem Chauffeur zur Polizei, damit dort alles geregelt wird und er seinen Führerschein wieder erhält. Um halb sechs am Abend war es dann endlich so weit, etwa sieben Stunden für einen leichten Blechschaden.

Inzwischen rief Isolde an, dass ausgerechnet an dem Nachmittag der Thomas eingetroffen ist, der für ein soziales Projekt in Ouled Driss 7 Notebooks gesammelt hat und sie übergeben wollte. Der Termin war uns vorher nicht bekannt. Ich lud die sechs Wohnmobilleute also ein, mit zu Isolde zu fahren. Dort findet wirklich jeden Abend ein Ahidous statt, ein Abend mit Trommelmusik, über den ich noch gesondert berichten werde. Die Jungs trommelten, was das Zeug hielt, war eine tolle Stimmung, Isolde hatte außerdem noch eine Familie, Verwandte aus Deutschland, zu Gast. Plötzlich kam die Frau von Thomas ziemlich aufgelöst ins Café und fragte nach einem Arzt. Thomas war beim abendlichen Spaziergang in den Dünen so unglücklich gestürzt, dass er sich die Schulter verletzt hatte und sie stark geschwollen war. Er konnte nicht mehr laufen und saß in seinem Bus. Isoldes Verwandte sagte ganz schüchtern, ja, sie wäre Ärztin, aber Tierärztin. Sie ging mit hinaus, wir trommelten, sangen und tanzten weiter.

Nach einer guten Weile kam Thomas auf seinen eigenen Beinen zu uns, gefolgt von der Tierärztin. Sie verarztet nicht nur Tiere, sondern hat auch einen Sohn, der sich ständig die Schulter ausrenkt, war also prädestiniert für die Aufgabe. Thomas wurde mit Schmerztabletten zugepumpt, der Arm eingerenkt und es ging ihm schon besser.

Ahidous im Café Fata Morgana

Viele kennen Isolde schon mit ihrem Café Fata Morgana in Ouled Driss und sind auf einen leckeren Capuccino und einen selbst gebackenen Kuchen vorbei gekommen. Aber die beste Zeit, Isolde zu besuchen, ist der frühe Abend. Immer abends so gegen 5 – 6 Uhr kommen die Jugendlichen des Dorfes bei ihr vorbei, greifen sich eine Trommel und fangen an zu spielen. Es ist oft eine super Stimmung, besonders wenn alle mittanzen. Isolde erfüllt damit eine ganz wichtige Funktion, nämlich den jungen Leuten einen Treffpunkt und eine Beschäftigung zu bieten. Einige der Jungs haben sich sogar schon zu einer Gruppe zusammengetan und treten bei Veranstaltungen auf.

31.12.2011

Am nächsten Morgen sollten die Notebooks übergeben werden und ich wurde dazu gerufen. Doch so einfach und schmerzlos läuft nichts in Marokko. Die Spender waren bereit, die Dinger gleich anzuschließen, aber es stellten sich einige Probleme in den Weg, die uns zunächst ziemlich unklar blieben. Zuvor besichtigten wir aber mal die örtliche Schule. Es gibt eine staatliche und eine, die durch die örtliche Association gegründet wurde, eben die, die die Computer haben wollte. Und ich war beeindruckt. Ich habe schon viele marokkanische Schulen gesehen, staatliche allerdings, und die hier unterscheidet sich sehr stark. Sie macht einen netten, frischen Eindruck, die süßen Erstklässler waren gerade im Unterricht, und es gibt Spielzeug und Lehrmittel fast wie bei uns. In einer staatlichen Schule gibt es das all nicht. Ich war mal in Imilchil in einem Kindergarten, um dort zwei Säcke voll pädagogisches Spielzeug abzugeben. Da ich vergessen hatte, Fotos zu machen, fuhr ich noch mal zurück. Der Erzieher hatte alles in einem Raum verschlossen, um es für sich zu behalten, die Kinder hatten als einziges Spielmaterial einen Bleistift und ein Blatt Papier.

Diese Schule hier in Ouled Driss macht also einen super Eindruck. Allerdings suchen sie noch dringend Sponsoren. Wir gingen dann in die sogenannte Bibliothek, wo die Computer aufgestellt werden sollten. Und dort war es dann nicht mehr so super. Der Raum ist in der alten Kasbah, wo auch das sehr sehenswerte Museum ist. Es war ein staubiger, schmutziger Raum, vollgestellt mit allem möglichen, und das Dach undicht. Es waren einige PC – Arbeitsplätze vorhanden, aber es hieß gleich, die seien alle kaputt, arbeiten nicht mehr durch den vielen Staub und das Regenwasser. Mir scheint also, hier ist mehr nötig, als nur neue PCs aufzustellen. Der Verantwortliche des Vereins, genannt Kiki, versprach, eine Putzbrigade aufzutreiben und den Raum zu säubern, am Sonntag sollen dann die Notebooks angeschlossen werden. Eine Internetverbindung gibt es noch nicht, aber das soll kommen. Und wenn man lernen will, mit einem PC umzugehen, gibt es ja noch etwas anderes als das Internet.

Nun ja, wir besichtigten noch das Museums, das einen guten Einblick in das Leben der Stämme im Dratal gibt, und tranken einen Tee zum Abschluss.

1.1.2012

Silvester in Chegaga. Seit Jahren veranstalten meine Freunde von Sahara Services dort eine große Party. Wenn ich auch nicht unbedingt ein Freund von so was bin, so wollte ich mir das doch mal anschauen, um darüber berichten zu können. Es hieß teilweise, dass bis zu 200 Leute dort sein werden und mir graute davor. Zur Sicherheit brachte ich eine Flasche Sekt aus Deutschland mit, der Plan war, um Mitternacht allein auf einer Düne zu sitzen und mit mir anzustoßen.

Zwei Tage vorher kam ein englisches Wohnmobil in die Kasbah, sie wollten evtl. eine Wüstentour buchen. An Bord nicht die typischen Rentner, sondern 5 junge Engländer, darunter zwei Schotten und ein in Südafrika geborener. Zu allem Überfluss hatte der eine Schotte Roma – Vorfahren, war also absolut nicht so, wie ich mir den typischen Schotten vorstelle. Der andere schon eher mit seiner blassen Haus und den hellroten Harren, Gregor McDermot hieß er. Alle zwischen 25 und 30, also ein richtig knackiges Alter. Wir verstanden uns schon an dem Abend prächtig. Ich konnte sie überzeugen, dass es sinnvoll wäre, zwei Nächte in der Wüste zu schlafen und somit die Party mitzumachen.

Am nächsten Abend kamen zwei junge Spanierinnen. Allerdings hören sie das nicht gern, sie bezeichnen sich lieber als Kataloninnen. Und sie sprachen perfekt englisch, was ja selten in Spanien ist. Die eine war Englischlehrerin für Grundschule und Kindergarten und meinte, dass sich das in Zukunft ändern wird, Englisch wird jetzt überall gelehrt. Auch das zwei süße junge Mädchen. Ich konnte auch die davon überzeugen, dass sie die Party mitmachen, was nicht geplant war. Da sie schon früher als ich aufbrachen wies ich sie gleich auf die netten Engländer hin.

Es kam also der Silvestermorgen. Die Mädels und viele andere brachen zunächst mit Kamelen auf, obwohl man Chegaga so natürlich nicht in einem Tag erreicht. Sie sollten später von Geländewagen aufgelesen werden. Ein Wohnmobil aus Hamburg kam angefahren, besetzt mit Mutter, Tochter und zwei Hunden. Die hatte ich schon vorher auf dem Camping Caravan Carrefour kennengelernt. Ich konnte auch sie von der Silvesterparty überzeugen. Abdou muss langsam mal Provision zahlen. Am Nachmittag fuhren wir also mit Abdou in seinem Pickup los.

Abdou hat an den Dünen von Chegaga zwei Camps, ein normales mit Berberzelten und einfachem Sanitärblock und eines mit weißen Zelten, die alle noch ein Babyzelt hinten dran haben mit Bad: Chemieklo, Waschbecken, heiße Dusche. Und Licht. Man glaubts kaum. Breites Doppelbett für mich. Die Hamburger und ich waren in diesem Luxuscamp, die jungen Leute leider nicht. Eine große Bühne war aufgebaut, DJ, Discobeleuchtung, alles da. Der ganze Platz und die umliegenden Dünen waren von Kerzen besetzt, eine traumhafte Kulisse. So wunderschön. Eine Folkloregruppe spielte zum Auftakt, das Feuer wärmte uns. Und dann kamen sie angebraust, die Geländewagen. Alle Gäste vom anderen Camp. Dem Billigcamp. Genial. So brauchte man nur an einem Platz Musik zu machen und alle konnten zusammen feiern. Laut Abdou waren es 80 Personen zum Essen, mir kam es aber nicht so voll vor, es ist ja auch viel Raum.

Aber natürlich zuerst die Begrüßung mit meinen englischen Jungs und den spanischen Mädels, die längst zusammen gefunden hatten. Wir blieben den ganzen Abend zusammen, es war einfach eine unglaubliche Stimmung. Den Schotten konnte ich zunächst überhaupt nicht verstehen mit seinem Slang, aber im Laufe des Abends habe ich mich daran gewöhnt. Und wie wir dann so schön im Zelt saßen, kam ein weiß Gekleideter von der zweiten Folkloregruppe und zog mich mit den beiden Mädels hoch zum Tanzen. Also wer mich kennt, der weiß, wie ungewöhnlich das nicht, niemals tanze ich, niemals mache ich was mit. Und ich warf alles über Bord und war locker und vergnügt. Danach legte dann der DJ heiße Platten auf und alle tanzten, auch ich. Die ganze Nacht.

Nein, nicht die ganze. Denn es gab ja auch Essen. Zwei ganze Lämmer wurden gebraten, Mechoui. Dazu gabs Couscous. Die Engländer hatten einen unglaublichen Vorrat an Alkohol, den sie immer nur heimlich nachfüllten. Davon allerdings auch Abdou anboten, und wahrscheinlich gar nicht merkten, dass er ja der Boss von allem ist. Aber Abdou ist da nicht so streng, wenn man auch alles kaufen kann, so hat er doch nichts dagegen, wenn man etwas mitbringt.

Um 23 Uhr kam Hassan, um mir einen Kuss zu geben und Bonne Année zu wünschen. Denn in Deutschland war es ja soweit. Er kündigte aber gleich an, dass er um Mitternacht noch einmal kommen würde. Hassan ist der allerbeste und lustigste Chauffeur, der für Abdou arbeitet und die meisten, die schon Touren bei mir gebucht haben, kennen und schätzen ihn.

Dann aber leuchteten viele Kerzen auf den Dünen in dem Schriftzug 2012. Mitternacht war gekommen. Was dann folgte war einfach unbeschreiblich. Hassan war natürlich der erste, aber danach wurde so viel geküsst und gedrückt wie in meinem ganzen Leben noch nicht. In diesem bunt gewürfelten, internationalen Häufchen wollte jeder jeden umarmen und küssen.

Das schönste an dieser ganzen Nacht war eigentlich die Stimmung. Es war „Eine Welt“, die da gefeiert hat. Menschen von so vielen unterschiedlichen Nationen und alle freundlich und ausgelassen, und keiner maßlos betrunken. Und meine Sektflasche habe ich natürlich mit vielen teilen müssen/dürfen.

Als ich am nächsten Morgen mit meinem siebener Grüppchen zusammen saß, um uns zu verabschieden, wurde genau dies betont, jeder empfand gleich. So schön die Location war, das eigentliche machten die Menschen aus. Abdou hat eine perfekte Organisation, einen perfekten Rahmen geliefert, aber der eigentliche Erfolg des Festes kam von den Teilnehmern selbst.

Ich würde im nächsten Jahr gerne wieder dabei sein!

9.1.2014

Ach, ja. Es gibt Dinge, die sind einfach viel zu privat, um sie in einem öffentlichen Reisebericht zu schreiben. Deshalb gab es so lange nicht von mir hier im Forum. Aber der heutige Abend war einfach wieder zu schön, zu aufwühlend, und es gelingt mir nicht einzuschlafen. Wir, die wir beide schon Ü50 sind, haben gegiggelt wie die jungen Mädchen. Isolde vom Café Fata Morgana ist einfach spitze, wir verstehen uns super.

11.3. Weiberabend und Masochisten …

Gestern abend ging es lustig zu und das war alles nur Isoldes Schuld. Die Damen hatten einen Spaziergang auf Mhamid’s Frauensouk gemacht und besuchten mich dann in der Kasbah. Abdou wollte uns einen Rosé anbieten, aber Isolde schrie gleich, nein, Champagner muss es sein! Sie wollte ihn nur aufziehen und hätte natürlich im Traum nicht damit gerechnet, dass es hier in der Wüste so etwas gibt. Und als unser Rosé alle war und der Champagner anrollte, wollte sie sich vor Scham am liebsten unter dem Tisch verstecken. Aber da musste sie nun durch und mit Abdou anstoßen. Und dann wurde der Couscous aufgetischt, Abdou meinte, dazu passt am besten Rotwein.

18.3. Spaghetti Bolognese …. hmm

Wenn man wie ich schon fast drei Monate im Land ist und nur von Restaurants lebt, keine Möglichkeit hat, selbst etwas zu kochen, dann kann einem schon mal das ewige Couscous-Tajine zum Halse heraus hängen. Vor allem nun, wo ich länger in der Kasbah Sahara Services bin. Hier kommen die Gäste meist nur für eine Nacht oder ein Mittagessen, bevor es ins Wüstencamp geht, und da bringt man keine große Vielfalt auf den Tisch. Ich sagte deshalb zu Abdou, dass ich gerne mal für mich etwas anderes kochen würde, sobald die Kasbah nach dem Festival wieder leerer wird. Aber Abdou meinte sofort, nein, so geht das nicht. Nicht nur für mich, auch ihm hängt sein eigenes Essen zum Halse heraus. Und es muss unbedingt eine Vorspeise und ein Dessert dazu geben, ich solle doch für 10 Personen kochen.

Die erste Herausforderung ist, Gerichte zu finden, deren Zutaten in dem entlegenen Mhamid überhaupt erhältlich sind. Ich entscheide mich für eine italienische Menüfolge:

Bruchetta

Spaghetti Bolognese

Orangen-Bananen-Creme

Amia kommt mich in der Kasbah besuchen, ich erzähle ihr von meinem Plan und sie meint, dazu brauchst du natürlich auch Parmesan. Ich sage, ja klar, aber darauf müssen wir hier verzichten. Sie sagt, nein, geht zum Wohnmobil und schenkt mir ein Stück. Obwohl sie beim Essen gar nicht dabei sein kann. Unglaublich, was sie alles in dem kleinen Wagen dabei hat. Sie hat ja auch für Isoldes Kleiderkammer schon viele Kindersachen gebracht. Als nächstes fahre ich zu Isolde, denn sie hat eine Reibe. Und Mondamin für die Orangencreme. Und einen Garten mit etlichen Wildkräutern. Nun fehlt mir noch Oregano, den Namen hat hier noch kein Mensch gehört. Ich fahre zum Herboristen in Ouled Driss. Es ist ja irgendwie ein Jammer, dass es in diesem Land so eine Vielzahl von wunderbaren Gewürzen und Kräutern gibt, aber sie werden nicht benutzt. Kräuter sind Medizin oder kommen in den Tee, aber nicht in Gerichte. Auch er kennt kein Oregano, winkt mich aber in seinen Kräuterkeller und lässt mich schnüffeln. Ich finde etwas, das passend riecht, mir aber ansonsten unbekannt ist und ich kaufe es. Am nächsten Morgen bekomme ich auf dem Souk noch Schalotten, die etwas würziger sind, und Lorbeerblätter.

Als erstes kommt die Orangencreme dran, sie macht kaum Arbeit, alle Zutaten bis auf Mondamin sind am Ort erhältlich, aber man könnte ja notfalls Mehl nehmen. Ich bin diese täglichen frischen Apfelsinen dermaßen leid. Das Essen soll gegen 19 Uhr stattfinden, ich hole Isolde ab und wir schnippeln eifrig. Was uns noch fehlt ist das Fleisch, es sollte um 17 Uhr mit dem Taxi aus Tagounit ankommen. Ich will euch das nun folgende Theater lieber ersparen, es war ein einziger Stress und ein Gebrülle, weil sie wohl alle zu doof oder faul oder was weiß ich was waren, das Fleisch zu bestellen. Um 18.30 Uhr traf es schließlich ein. Aber es hat ja eh niemand geglaubt, dass wir schon um 19 Uhr essen werden.

Auch Bruschetta ist kein großer Aufwand. Ich habe die Fladenbrote quer aufgeschnitten, mit Öl und Knoblauch eingerieben und gebacken. Isolde schichtete dann den Belag darauf und endlich konnten wir der hungrigen Meute die Teller hinein bringen. Da ich die vier Bruschetta-Teller nicht auf einmal schaffte, trug ich sie hintereinander ins Restaurant und als ich mit der zweiten Ladung kam, war die erste bereits fast weg. Abdou hat es so gut geschmeckt, ich hab den sonst ziemlich mäkeligen Esser noch nicht so schnell schaufeln sehen. Aber als dann die Spaghetti kamen waren sie alle hin und weg. Solche Beifallsrufe habe ich zu Hause noch nicht erhalten. Abdou sagte, nun verstehe er, warum die Europäer mit Essen nicht aufhören können und so dick seien. Ratzeputze leer waren alle Schalen in kurzer Zeit. Was so ein paar Gewürze alles erreichen können.

Heute Morgen nun fragte Abdou, ob es denn keine Reste gäbe. Und ich ging wieder in die Küche und kochte gleich noch mal einen weiteren Topf Bolognese.

15.3.2015 Forumstreffen

So viele Tage seit dem letzten blog, so viele Eindrücke. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Am besten vielleicht beim letzten Moment. Komme gerade vom Spaghetti-Essen. Schon im letzten Jahr habe ich das eingeführt. Nach Wochen in Marokko mit Tajine, Brochette und Couscous hat man einfach mal Lust auf was anderes, und nicht nur ich. Im letzten Jahr habe ich zusammen mit Isolde einen Riesentopf Bolognese gekocht, es war gar nicht so einfach, hier die richtigen Zutaten zu finden. Isolde weilt leider nicht mehr unter uns und sie fehlt mir sehr. In diesem Jahr habe ich zumindest die Gewürze aus Deutschland mitgebracht, leider den Parmesan vergessen, aber auch so haben meine Freunde laut geschmatzt beim Essen, weil es einfach so gut war. Auch sie essen gerne mal was anderes und Spaghetti Bolognese schmeckt nicht nur jedem Kind, sondern auch jedem Marokkaner. Das besondere sind eben die Gewürze, die sie vom Alltag her nicht kennen.

17.3.2015 Fata Morgana

Heute gibt es eher trauriges zu berichten. Nachdem ich bereits eine Woche in Mhamid bin habe ich mich endlich ins Café Fata Morgana getraut, das Café der Münchnerin Isolde. Isolde ist im letzten Mai plötzlich gestorben, kurz nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland. Sie war eine gute Freundin und fehlt mir sehr. Natürlich hat es mich interessiert, was nun mit ihrem Haus passiert, und als ich hörte, dass das Café wieder offen ist war ich eher ärgerlich. Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass Ali, ihr Angestellter, das Haus einfach okkupiert hat, es sich unter den Nagel gerissen hat. Ich wollte nicht hin.

Aber heute habe ich es mir doch anders überlegt. Ali war ganz allein und wir haben uns traurig an Isolde erinnert. Und natürlich ist die Situation doch anders, als ich es mir vorgestellt habe. Isolde hat keine Kinder, nur einen Bruder, der aber schon alt und krank ist. Dieser hat zwei Kinder, der Neffe hatte angerufen und Ali mitgeteilt, dass Isolde gestorben ist. Darauf wurden alle Zahlungen eingestellt und Ali steht nun da und weiß nicht recht, was er machen soll. Er wurde im Winter als Angestellter bezahlt und im Sommer als Hüter des Hauses und die Zahlungen für den Unterhalt des Hauses kamen aus Deutschland. Nun muss er, wenn er das Haus offen halten will, Strom und Wasser zahlen, zudem hat er ja kein Einkommen mehr. Von der Familie hat sich nach der Todesnachricht keiner mehr gemeldet, alle Zahlungen wurden gestoppt. Also führt Ali das Café nun weiter, mit ein paar Änderungen, die ich für sinnvoll halte. Er wohnt im Haus, hat nun auch mittags geöffnet und bietet kleine Speisen an. Abends kommen noch immer die Jungs zum Trommeln und er bietet den Tee für die Einheimischen zu einem Preis an, den diesen auch zahlen können, vorher war es ja ziemlich teuer. Und abends gibt es Suppe. Mit diesen Angeboten kann er sich gerade so über Wasser halten. Aber natürlich ist die rechtliche und finanzielle Situation nicht geklärt, es müssen ja auch Steuern gezahlt werden und ich sehe da noch viele Probleme in der Zukunft liegen. In der Zwischenzeit aber wünsche ich Ali viel Glück. Isolde hat immer morgens um 11 Uhr zusammen mit Ali im Garten Tee getrunken, dazu gab es Nüsschen und alle Vögel der Region wussten das und fanden sich ein, um auch ein paar Nüsschen zu bekommen. Ali führt die Tradition nun ganz einsam weiter, für morgen habe ich meinen Besuch dazu angekündigt.

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