Merritt Island

Es war einfach wieder ein traumhafter Tag, but what else is new in Florida. Heute war es lauwarm gemeldet, kein Wind, kein Regen, also ideal zum Fahrradfahren. Also habe ich mal ganz spontan Merritt Island auf mein Programm gesetzt. Das ist eine Halbinsel, auf der auch das Cap Canaveral Space Center liegt, von hier starten die irren Milliardäre ins All, aber es ist auch ein weitläufiger Naturpark mit einigen Attraktionen. Ich hatte mir den eigentlich aufs Programm gesetzt, wenn meine Wiesbadener Freundin kommt. Sie sollte diesen Mittwoch eintreffen, aber kam erst in letzter Minute darauf, dass zur Einreise in die USA ja ein vollständiger Impfschutz gegen Corona notwendig ist, den sie nicht hat. Also bin ich nun einfach los.

Auf Merritt Island gibt es die Biolab Road, die ich bereits für Fahrradfahrer entdeckt und in mein Buch aufgenommen habe. Lustig war damals, dass dies als State Park einen Tagespass erfordert, der 10 $ kostet. Was es aber als Radfahrer kostet stand nicht dabei. Ich traf sogar einen Ranger, der das auch nicht wusste und seinen Chef anrief. Der wusste ebenfalls nichts, ich fuhr mit seinem Segen einfach los und schrieb das auch so in meinem Buch über die Bike Trails. Außer diesem Trail gibt es aber noch den Black Point Wildlife Drive, und der ist wirklich etwas Besonderes. Es geht über 8 km durch die sumpfige Landschaft, amigerecht mit dem Auto und bisher war ich das auch noch nie mit dem Fahrrad gefahren. Hier ist die komplette Vogelwelt zu sehen und die Alligatoren liegen manchmal quer über dem Weg. Als ich diesmal zum Gate kam gab es zwei Überraschungen. Die erste, dass es nun auch einen Preis für Fahrradfahrer gibt, 1 $ gegenüber 10 $ für ein Auto, und dann dass der Park geschlossen war. Das war eine Überraschung, war ich doch von weither extra angereist. Und ich war nicht allein. Autos über Autos stauten sich am Eingang, kamen aber nicht herein.

Naja, dann eben weiter auf der Hauptstraße. Die führte mich zum Ausgang aus diesem Wildlife Drive. Kein Verbotsschild in Sicht. Also rein. Gleich zu Beginn ein dicker fetter Alligator, aber vor denen habe ich keine Angst, die wollen zartes junges Fleisch und solange ich die nicht reize bin ich sicher. Am Rundweg angekommen sah ich drei Fahrzeuge. Schlechtes Gewissen, also erstmal angehalten und abgewartet. Nach einiger Zeit setzte sich eines der Fahrzeuge in Bewegung und kam in meine Richtung. Der Ranger. Aber so was von nett. Technically you are in the wrong direction. Stimmt. Der Drive ist Einbahnstraße und ich kam ja von hinten. Aber er meinte ich solle nur gut auf die Dumster Trucks aufpassen und so bald wie möglich rausfahren. Also ging es in aller Ruhe weiter und traf auf die beiden anderen Fahrzeuge. Es waren Birdwatcher mit riesen Kamera Linsen. Sie hatten das Glück, noch vor der Schließung des Gate in den Park reinzukommen. Nun konnten wir in aller Ruhe die Vögel beobachten, die Attraktion waren die weißen Pelikane, die relativ selten sind. Aber meine Freunde sind nun mal die Alligatoren.

Dann ging es weiter über die Straße und zur Biolab Route, die ich natürlich auch mal wieder fahren wollte. Zu Beginn gab es tatsächlich ein neues Schild, auch hier wird nun für Fahrradfahrer eine Gebühr von 1 $ erhoben. Ob die vielleicht durch mein Buch darauf aufmerksam wurden? Und obwohl das ja nie kontrolliert wird habe ich diesmal den Beutel mit einer Dollarnote bestückt und in den Kasten geworfen, so richtig in der Gewissheit, etwas zur Erhaltung der Natur getan zu haben. Ja, hier gab es auch noch einige meiner Freunde und dann ging es zum Playalinda Beach. Eigentlich ist der durch das normale Tor und mit einer Gebühr von 20 $ Auto und 10 $ Fahrradfahrer zu erreichen, aber über die Biolab Route kommt man so hinein. Naja, heute wollte ich ja eh nicht zum Strand, aber eine schöne Tour war es trotzdem. Auch hier gibt es einen Nacktbadestrand, bewacht von Geiern.

Cathy und André

Das schönste am Tree Give away Freitag war die Zeit, als ich noch allein mit den Kunden war. Wir konnten reden, uns über die Büsche austauschen und sie konnten in Ruhe den schönsten aussuchen. Habe auch nicht direkt mitgezählt, wieviel jeder mitnahm, denn ich hatte ja keine Ahnung, dass dies auf 2 Stück begrenzt war. Sollte halt die Anweisungen auch tatsächlich lesen, haha. Einer der Kunden, André, gab mir seine Karte. Das tun öfter mal Leute, aber wer die Amis kennt weiß, dass da nie was raus kommt. Er bekam meine auch, aber das wars.

Nachdem ich wegen fehlendem Baumnachschub am Samstag arbeitslos war nutzte ich das schöne Wetter, um Cathy zu besuchen. Sie gehört zu einer Kirchengemeinde in Mims, der UMS Chain of Faith. Die liegt direkt am Bike Trail, und Cathy hat einen ganz tollen Bike Stop aufgebaut. Es gibt einen Raum mit Kühlschrank, Kaffeemaschine und Barbecue und hier gibt es einfach alles, was der Biker so braucht. Vor allem interessant für die Überlandfahrer. Hier können sie duschen oder sogar ihr Zelt über Nacht aufbauen. Man kann auch das Auto parken und den Trail von hier beginnen. Offiziell allerdings nur Samstag vormittag geöffnet. Cathy kümmert sich liebevoll um alle und bringt immer frische Donuts mit. Es gibt eine Donation Box, da kann man einfach reinwerfen, was man so möchte. Man freut sich aber auch über größere Spenden, denn alles was hier gebaut wird, wird nur mit den Spenden getan. Wenn wieder mehr Geld da ist soll ein guter Restroom mit WC und Dusche errichtet werden und natürlich auch eine Werkzeugstation. Cathys Ideen sind grenzenlos. Sie ist nicht ganz gesund, hat Knieprobleme, deshalb hat sie nun ein ganz tolles Rad gekauft, ein Trike mit E-Motor. Die sind hier in Florida sehr beliebt, so kommen auch ältere oder nicht ganz bewegliche Leute noch immer aufs Rad und in die frische Luft. Ich hatte für diesen Zweck aber am Trailhead Maytown Spur geparkt (gut 30 Meilen von zuhause), und bin dann die 12 Meilen hin und 12 zurück geradelt. Natürlich bei Cathy mit Kaffee und Donut gestärkt.

Am Sonntag früh ein wenig Büroarbeit erledigt und dann die Nase vor die Tür gehalten. Was für ein schönes Lüftchen. Ideal zum Radeln. Aber wohin? Hatte keine Lust, das Auto einzusetzen und tatsächlich kenne ich natürlich alle Ziele hier in und auswendig. Da bekam ich eine Message von André. So im Sinn, wenn du mal in die Gegend kommst …

Nun muss man erstmal meine Umgebung kennen. Ich wohne in Port Orange. Dies ist eine selbstständige Stadt, aber entlang der US1 reihen sich viele Städte ohne Zwischenraum wie an einer Perlenkette auf. Port Orange liegt am südlichsten, dann kommen South Daytona, Daytona Beach, Holly Hill, Ormond Beach und schließlich Ormond by the Sea. Ohne Unterbrechung. Warum das nicht eine einzige Stadt ist weiß ich nicht. Es sind in direkter Linie genau 20 Meilen oder 33 Kilometer und tatsächlich wohne ich am südlichsten Punkt und André am nördlichsten. Mein GPS spuckte also genau 20 Meilen aus und gab 1:50 h Fahrzeit an. Los gings.

An der Granada Bridge in Ormond Beach waren es immer noch 8 Meilen und ich überlegte umzukehren. Nicht dass ich keine 20 Meilen durchhalte, aber ich muss ja auch wieder zurück. Aber mein Stolz siegte. Nun habe ich es so weit gebracht, da geht auch noch mehr. Und klopfte schließlich an Andrés Tür. Wau, wau. Oh, werde ich jetzt zum Frühstück verspeist? Dem Geräusch nach (und auch in Wahrheit) ein richtig großer Hund. Aber nachdem er sich bemerkbar gemacht hatte zeigte er sein wirkliches und verschmustes Gemüt. Ich konnte also ohne Gefahr rein. Eine Gefahr ging auch von André nicht aus, er scheint kein Serienkiller zu sein, der seine Leichen im Garten vergräbt (ich sehe zu viel True Crime). Nein, stattdessen setzten wir uns in diesen Garten und ich konnte seine gärtnerischen Bemühungen sehen. André wohnt noch nicht so lange in dem Haus, deshalb brauchen seine Pflanzen nun erst einmal einen Sommer, aber es könnte schön werden. Gibt sogar Papayas und Olivenbäume.

Aber dann kam raus, dass er gar kein waschechter Ami ist. André ist Schweizer, und trotz seines französischen Namens schwyzerdütsch aufgewachsen. Und jetzt kommts: nachdem er seinen Militärdienst abgeleistet hatte und in der Richtung nicht mehr eingesetzt werden wollte, ging er ins Ausland, nach Wiesbaden! Und lernte Friseur, brauchte es bis zum Meister. Das war in den 1960ern, also die Zeit, als auch ich nach Wiesbaden kam. Ich fragte ihn nach dem bekanntesten Friseur dieser Zeit, dem Salon Hölzel, und er sagte, ja klar, das war mein Meister. Tja, so klein ist die Welt. André nahm aber an internationalen Wettbewerben teil und so bekam er schließlich ein Jobangebot in die USA. Ihr merkt schon, wir haben uns an diesem netten Nachmittag unser ganzes Leben erzählt und ich will natürlich nicht alles mitteilen, nur so viel, er blieb nicht beim Haareschneiden, sondern hatte später ein Baugeschäft. Und nun Retired in Florida.

Inzwischen war es Lunchtime und André bot an, für uns Pasta zu kochen. Das tat er richtig gut. Ist halt kein Ami! Ein Gläschen Wein dazu und schließlich meinte ich, ich müsse mich auf den Heimweg machen. Er bot an, mein Rad in seinen Van zu packen und mich heimzufahren. Shit, ich faule S… nahm das tatsächlich an. Mit schlechtem Gewissen natürlich, aber so konnte ich André dann noch mein kleines Paradies zeigen und wir nahmen uns vor in Kürze zu einem schweizer Käsefondue zusammen zu kommen.

Mandarinen und Blaubeeren

Neulich hat eine Bekannte gepostet, dass sie mit Roger Fulton im Chuck Lennon Park war und dort Orangen und Mandarinen gesehen hat. So etwas höre ich mir nicht zweimal an und habe es direkt auf meinen Stundenplan gesetzt, ideal für heute, da ich am Mittag im Tiger Bay State Forest sein musste. Chuck Lennon ist die gleiche Strecke, nur noch etwas weiter.

Gleich nach dem Frühstück ging es also los. Ein wenig war ich enttäuscht, ich hoffte auf eine schöne Hikingstrecke im Park, gesäumt von Mandarinenbäumen. Aber es waren nur anderthalb Meilen, viel zu wenig für mich. Mein Autorenkollege Roger Fulton macht ja Mittwochs und Sonntags Touren und lädt seine Fans dazu ein, meist ältere Damen, die ihn anhimmeln. Gehimmelt habe ich noch nie, aber früher ging ich ganz gerne mit ihm. Doch auch Roger wird älter und seine Touren sind einfach zu kurz für mich. 1,5 Meilen, noch nicht mal 3 Kilometer. Deshalb habe ich schon lange aufgehört, da mitzugehen. Aber Mandarinen. Das zieht. Und trotz der Kürze der Tour bekam ich ein Säcklein voll.

Auf dem Rückweg zum State Forest hatte ich aber noch eine weitere Herausforderung zu meistern. Inflation ist überall, aber was hier zur Zeit bei Eiern abgeht ist historisch. Skyrocketing nennen das die Amis. Früher hatte ein Duzend im Schnitt so um die 2,50 $ gekostet, wenn Aldi sie manchmal für nur 79 Cent angeboten hat war das ja schon krank, heute ist es schon günstig, wenn sie 7 $ kosten. Bei Aldi zur Zeit 4,89 $. In den Nachrichten werden verschiedene Gründe genannt, Inflation, Vogelgrippe …

So war es eigentlich günstig, dass ich kürzlich im Safe-a-Lot Eier ohne Käfighaltung für 3,39 gesehen hatte, aber nicht gekauft, ich Esel. Heute nur noch ein Ei im Kühlschrank, aber bei Safe-a-Lot ausverkauft. Das witzige ist, dass tatsächlich im Moment die Eier von großen Farmen teurer sind als die von kleinen Betrieben, die die Hühner gesünder halten. Anscheinend sind diese von der Vogelgrippe nicht so stark betroffen. Aber Frühstück ohne Ei, das geht gar nicht für mich. Also wollte ich beim Safe-a-Lot in DeLand vorbei schauen. Und tatsächlich, der hatte die Eier noch. Steine fielen mir vom Herzen, mein Frühstück für die nächsten Tage gesichert.

Aber wenn wir schon mal bei den Preisen sind. Auch Brot, Muffins, Bagels sind hier deutlich teurer geworden, wenn auch nicht egg-skyrocketing. Meist backe ich selbst (aber auch das Mehl ist teuer), aber wenn ich gutes Brot bekomme kaufe ich auch mal. So war ich in meinem 6th Street Sale, ein Laden, der große Restmengen billig verkauft. Muss zwar hin und zurück 30 km fahren, aber wozu hat man ein eBike. Und da gab es einen Beutel mit kleinen Ciabata Brötchen für 2,99 $, das ist günstig. Zuhause nachgezählt, es waren 27. Also gut 10 Cent für ein Brötchen. Schmeckt echt lecker.

Aber ich war doch auf dem Weg zum Tiger Bay State Forest. Dort war ich für das Tree Giveaway als Volunteer eingesetzt, wir sollten heute Nachmittag und morgen früh kostenlos Bäume ausgeben, Bäume, die in Florida heimisch sind. Da mein Mandarinen-Wanderweg zu kurz war, war ich statt wie gefordert um 12.30 Uhr schon um 11.30 Uhr dort. Die Bäume waren da, aber noch keiner der anderen Helfer, kein Registrierungsformular, kein Tisch. Aber Kunden. Obwohl das ganze ja erst um 13 Uhr anfangen sollte. Zunächst aber kam Keith, er ist der zuständige Gärtner und erklärte mir alles über die Pflanzen. Machte richtig Spaß und ich sicherte mir auch 3 davon, zwei Blueberry Büsche, also Heidelbeeren, und ein Yaupon Holly (?). Dies ist ein größerer Busch, der Beeren bringt, die von der Vogelwelt geliebt werden. Ja, das brauche ich für meinen Garten.

Dann kamen die Kunden. Es war richtig toll. Immerhin konnte ich sie über die Bäume aufklären, dank Keith, half ihnen auszusuchen. Immer ganz allein. So gegen 12.30 Uhr kamen dann die Helfer, der Tisch, das Registrierungsformular. Der Spaß war vorbei. Die Leute standen Schlange. Und waren auch ein wenig böse, dass schon um 13.30 Uhr alles ausgegeben war. Sollte ja nicht nur bis 16 Uhr dauern, sondern auch am nächsten Morgen noch weitergehen. Aber die 190 Bäume wurden uns sozusagen aus den Händen gerissen, kein Wunder, bei den Preisen, die man dafür in der Baumschule zahlt.

 

Nachdem ich also so früh schon mit der Arbeit fertig war konnte ich mein Bike abschnallen und noch auf eine kleine Radtour durch den Forst gehen. Als ich zurück kam, kam der Ranger zu mir und sagte, dass ich den Park durch den Hintereingang verlassen müsste, der Vordereingang musste versperrt werden, weil unablässig Leute kamen, die Bäume wollten.

Zuhause dann hatte ich die dankbare Aufgabe mich um die Mandarinen zu kümmern. Es gab einen Ansatz für einen Mandarincello (diesmal eben nicht Limoncello) und noch 3 Gläser Mandarinmarmelade. Das ist doch ein erfüllter Tag. Die Bäume bekamen Wasser. Werden aber erst morgen gepflanzt. Ich bin kaputt!

Purple Martin

Die Purpurschwalbe oder Purple Martin im Englischen gehört auch zu den Vögeln, die immer mehr ihren angestammten Lebensraum verlieren und für die wir etwas tun müssen. Sie überwintern in Brasilien und ziehen im Frühling gen Norden bis nach Kanada zum Brüten. Während sie anderswo verlassene Spechthöhlen, Löcher in Kakteen oder Bäumen, auch Felsklippen zum Nisten nützt, brütet sie im Osten fast ausschließlich in Nistkästen, die von den Menschen zur Verfügung gestellt werden. Die Purpurschwalbe nistet gerne in der Nähe der Menschen, weil deren Anwesenheit die Feinde abhält, und bevorzugt weite, offene Gebiete in der Nähe von Wasser. Sie fängt Insekten im Flug und trinkt sogar im Flug, indem sie dicht über der Wasseroberfläche fliegt und mit dem Schnabel Wasser aufnimmt. Die Vögel kehren zum Brüten immer wieder an die Stelle zurück, an der sie geboren wurden.

Wir treffen uns also im Marine Discovery Center, das ideal an einer offenen Fläche am Wasser liegt und stellen Nistkästen auf. Diese wurden bereits vorgefertigt, bekommen jeder einen weichen Boden aus Piniennadeln im Innern und werden dann hoch aufgehängt. Zum Anlocken tönt aus einem Lautsprecher der Schwalbengesang und eine passende Figur sitzt auf der Stange. Es ist nicht wirklich so, dass wir uns abgeschuftet haben, um diese Nistkästen aufzuhängen, es war ja alles vorbereitet, aber indem immer wieder Volontäre in solche Projekte eingebunden werden, soll einfach eine größere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für die Natur erfolgen.

Nun warten wir alle, dass die ersten Vögel kommen und sich bei uns niederlassen. Es hätte ja auch den Vorteil für sie, dass sie sich und ihren Nachkommen den weiten Weg bis nach Kanada ersparen.

Small-Talk

Der Neujahrstag war um Längen besser als der Weihnachtstag und das lag nur am Wetter. Am Morgen habe ich etwas länger geschlafen, 8 statt 7 Uhr, haha, da ich ja am Abend schön mit Freunden in der Mainstreet Silvester gefeiert habe zu Rockmusik. Und dann um Mitternacht am Beach das Feuerwerk bewundert.

Nach dem Frühstück dann einige Sachen im Haus erledigt, natürlich auch am Telefon Neujahrswünsche ausgetauscht, doch dann habe ich meine Nase vor die Tür gesteckt. Und war hin und weg von dem lauen Frühlingslüftchen und dem Sonnenschein. Da kann ich nicht im Haus bleiben, da muss ich raus.

Für den Nachmittag war ich zu einer Neujahrsparty bei Maggie eingeladen, aber dazwischen sind ja noch einige Stunden. Und in der Facebook Cycling Gruppe sprach man von einer Verbindung zwischen zwei Trails, die noch ziemlich unbekannt ist. Das ist doch etwas für mich. Ich liebe die Erforschungsarbeit beim Radfahren, mir geht es nicht nur um die Bewegung, ich muss immer was entdecken. Was Neues. In diesem Fall ging es um einen sehr neuen Trail, der erst im letzten Jahr fertig gestellt wurde – von mir selbstverständlich bereits beschrieben -, und von dem es eine Verbindung zum berühmten West Orange Trail geben sollte. Also nicht etwa ein Trail, sondern eine Strecke über Landstraßen. Und es war genauso wie immer, es gibt zwar diese Information, aber sie ist sehr ungenau und man kann es danach eigentlich kaum finden. Deshalb schreibe ich ja mein Buch und deshalb wird es auch so gerne gekauft, weil ich eben genau aufschreibe wie so eine Strecke verläuft, damit es auch jeder finden kann. Und von dort aus kann ich ja dann zu Maggie fahren.

Die Beschreibung lautete: entlang dem Highway 429. Doch das ist eine gebührenpflichtige Autobahn, da kann ich nicht mit dem Rad fahren. Ich will euch nicht mit den Einzelheiten quälen, nur so viel, ich habe meinen Weg schließlich gefunden und fühlte mich so richtig gut. Mission completed. Als ich dann am Straßenrand noch einen wilden Mandarinenbaum fand packte ich mein Fahrradkörbchen so voll wie es ging, damit ich wieder ein paar Gläser Gelee kochen kann.

Inzwischen ist es halb vier, die Party beginnt um 4 und der Trailhead hat keinen Restroom zum Umziehen. Also in voller Fahrradmontur ab zu Maggie, und dort erst mal ins Badezimmer abgerauscht, das ich ja gut kenne, da ich während Hurrikan Nicole bei ihr gewohnt habe. Dann habe ich mich ins Getümmel gestürzt. Nun muss man wissen, dass ich überhaupt nicht für Gruppenereignisse gemacht bin. Wenn ich in Deutschland auf einer Party bin, wo ich kaum jemand kenne, da stehe ich am Rande und sage nichts. Aber in USA ist das anders. Die Amis sind einfach Weltmeister im Smalltalk. Deshalb stand ich auch hier nicht lange allein, immer kommt jemand vorbei und findet die richtigen Worte, um ein Gespräch anzufangen. Was ich so nie könnte. Ob es nun ums Fahrradfahren ging, um die Tatsache, dass ich aus Deutschland komme, wie man an meinen starken Akzent sofort merkt oder auch übers Fliegen. Denn aus dem Zeitungsartikel, der kürzlich erschienen war, haben einige erfahren, dass ich hier in Daytona Beach den Flugschein gemacht habe. Ich sprach mit so vielen Leuten, wie ich in Deutschland nie könnte und habe dazwischen noch die leckeren Appetizer von Maggie probiert. Es war einfach schön. Aber erst als sich der Garten langsam leerte fiel mir ein, ein Foto zu machen, so dass ich euch nicht viel davon zeigen kann.

Ach, bin ich froh, in Florida zu sein!

Van Fleet Trail

Aber nun war endlich der Tag, um den Van Fleet Trail zu erkunden, der mir schon so lange empfohlen worden war. Zunächst ging es also nach Mabel, dem nördlichen Beginn. In der Karte findet man Mabel, aber wenn man jemand darauf anspricht zuckt jeder nur die Schultern. Kein Wunder, stellt sich heraus, wenn man denn da ist. Der Ort besteht nur aus einem Schild am Highway und einigen sehr verstreut liegenden Farmen. Aber vor allem dem Van Fleet Trailhead. Es handelt sich um einen Rail to Trail Radweg, also einen Radweg, der auf dem Track einer früheren Bahnstrecke gebaut wurde. Das ist recht häufig in Florida, da zur Zeit der ersten Siedler das sumpfige Land vor allem durch neu erbaute Bahnstrecken erschlossen wurde. Später wurden diese Strecken durch Highways ersetzt und der Güterverkehr wird durch Lastwagen erledigt.

Diese ehemalige Bahnstrecke verläuft absolut gerade 47 km durch Wildnis. Man könnte das nun also als sehr langweilig empfinden, dennoch hat diese Strecke ihre Liebhaber. Es geht durch wilde Natur, begrenzt weitläufig durch Naturparks, sehr gut asphaltiert und man kann hier z.B. Streckenrekorde erzielen. Es kommen auch tatsächlich Profis für Testfahrten. Aber man kann auch langsam machen und die Natur beobachten, dazu gibt es viele Bänke entlang der Strecke, die nicht wie üblich auf den Radweg ausgerichtet sind, sondern auf die Wildnis auf der anderen Seite.

Von den 47 km Strecke habe ich am ersten Tag 31 km gemacht, da ich das gleiche ja auch zurück zu meinem Auto fahren musste. Am nächsten Tag ging es dann zum südlichen Trailhead Polk City, wo ich den Weg von unten aufgerollt habe und bis zu meinem Umkehrpunkt gefahren bin, weil ich ja für mein Buch die ganze Strecke beschreiben möchte.

Während jedoch jeder nur vom Van Fleet Trail spricht verschweigt man immer, dass dieser Trail noch weiter geht, aber unter dem neuen Namen Auburndale Trail und nicht mehr durch Wildnis. Wer sich also mal so richtig austoben möchte kann auf eine Strecke abseits der Straßen auf einem separaten Radweg 59 km und wieder zurück. Auch das bin ich natürlich abgefahren, denn auch dieser 12 km Trail muss in mein Buch.

Doch dann kam der Heimweg. Eigentlich sollten die 180 km kein Problem sein, die Auffahrt zur Autobahn I4 liegt kurz hinter dem Polk City Trailhead. Doch ich war noch nicht richtig auf der Autobahn, als auch schon der Stau begann. Ich kenne die Strecke nicht, war mein erstes Mal, daher wusste ich nicht, ob das normal ist oder eine besondere Situation vorliegt. Im Zuckelverkehr ging es über wenige Meilen, als eine digitale Anzeige mir sagte, dass es bis zu einer bestimmten Ausfahrt 9 Meilen seien, für die man 40 Minuten braucht. Also schnell Tasten auf dem GPS gedrückt, das mir dann gesagt hat, wenn ich gleich rausfahre habe ich 20 Meilen mehr, kann aber Orlando komplett umfahren. Gesagt, getan, und es war klar die richtige Entscheidung. Nicht nur ging es auf der Landstraße sehr flott, sondern ich besuchte auch noch zwei Bikeshops und konnte einige Bücher verkaufen. Voller Erfolg also. Am nächsten Tag hörte ich, dass auf dieser Strecke ein tödlicher Unfall war, deshalb der Stau.

Link zur Trail-Beschreibung

AirBnB in Winter Garden

Weihnachten war es eiskalt! In der Nacht knapp unter dem Gefrierpunkt und am Tag so um die 6 Grad. Nein, ich spreche nicht von meiner Heimat Taunusstein, sondern vom sonnigen Florida. War schon außergewöhnlich. Ich fühlte mich wie im Gefängnis, konnte nichts machen, war einfach zu kalt. Heiligabend habe ich damit verbracht, was richtig Schönes zu kochen und meinem Nachbarn eine festlich gedeckte Platte rüber zu bringen. Er war ganz gebügelt. Ich bringe ihm öfter mal was wenn ich koche, z.B. ein Stück Pizza, aber so mit Kerzchen auf Weihnachtsteller, das hatte er noch nicht und war sehr erfreut. Ist halt ein alter Mann, der sich höchstens Fertiggerichte aufwärmt. Ja, ich hätte ihn ja auch einladen können, denkt ihr nun sicher. Aber nein, das tue ich mir nicht an. Er ist zwar nicht dement, erzählt aber trotzdem immer die gleichen alten Geschichten und da esse ich doch lieber allein an meinem festlich geschmückten Tisch.

Sonntag dann gab es aber absolut nichts zu tun. Auch in Florida ist am ersten Weihnachtstag wirklich alles zu. Kein Shoppen, keine Fitness, und zum Biken viel zu kalt. Bin einige Kilometer gelaufen, aber das ist es einfach nicht für mich. Montag – 2. Weihnachtstag, aber hier ganz normaler Arbeitstag – begann dann zwar das langsame Aufwärmen, aber immer noch nicht genug. Den Tag habe ich dann mit Recherche verbracht. Ich muss raus, muss aufs Rad, nur so bin ich glücklich. Und da gibt es doch den Van Fleet Trail. Zu weit weg, um einfach nur morgens hin, abends zurück, also habe ich mir eine Unterkunft gesucht. Das ist nicht ganz einfach. Ich wohne am liebsten in einem Hotel, aber die sind doch recht teuer, über 100 $ die Nacht. Ich fand zwar ein AirBnB in Groveland, sehr nah am Trail, aber die Buchung klappte nicht, man ließ mich lange hängen und ich musste weiter suchen. Fand dann nur etwas in Winter Garden, was aber von meinem Trail noch 50 km entfernt ist. Doch gerade bei Winter Garden gibt es die schönsten Bike Trails und ein wunderbares Downtown, das hat mich dann getröstet.

Ich war ja kürzlich in einem AirBnB in Miami. Hier wie dort habe ich etwa 60 Euro pro Nacht bezahlt, in beiden Fällen war es ein schönes vergleichbares Haus. Man hat jeweils ein Schlafzimmer, muss sich aber das Bad mit jemand teilen, falls noch andere Gäste da sind. In Miami waren die Hausherrn ein aus Südamerika stammendes Paar in meinem Alter, sehr, sehr herzlich und lieb. Aber das Haus! Sehr unordentlich, sehr schmutzig. Mein Zimmer und das Bad waren okay, aber die übrigen Räume wie Küche und Wohnzimmer einfach nicht sauber. Ich habe keine Fotos gemacht und auch keine Bewertung für AirBnB geschrieben, die ja immer nachdrücklich eingefordert wird. Das Paar war so lieb, so kommunikativ, wie kann ich das was Schlechtes schreiben. Aber ich will auch keine Unwahrheit sagen.

So anders in Winter Garden. Ein wunderschönes Haus perfekt eingerichtet. Blitzsauber. Ranaa und ihr Mann Ike etwa Anfang 60 kommen aus Indien, sind aber schon ewig hier. Zwar wurde ich freundlich empfangen und mehrmals gefragt, ob man was für mich tun könne, aber ich spürte einfach, dass es nicht von Herzen kam. Man war geschäftsmäßig freundlich. Aber vor allem war dieses wunderschöne Haus meistens leer. Leer, obwohl das Paar und ihr erwachsener Sohn meistens zu Hause waren. Wo sie gesteckt haben weiß ich nicht. Nur selten habe ich in der Küche jemand angetroffen. Als ich keine Handtücher fand musste ich Ranaa über AirBnB anschreiben, weil ich sie einfach nicht fand. Ich habe mich hier unerwünscht gefühlt, trotz gegenteiliger Aussage. Hier würde ich nicht mehr hinkommen und es wird auch diesmal keine Bewertung von mir geben.

Aber der Nachmittag in Winter Garden war sehr schön. Die Stadt gehört zu den schönsten in Central Florida und war weihnachtlich geschmückt. Das Besondere hier ist, dass der Bike Trail mitten durch die Innenstadt geht und den Ort sehr aufgewertet hat. Alles war geschmückt und in den Straßen ertönte Weihnachtsmusik, einschließlich dem deutschen Oh Tannenbaum. Hier fühlte ich mich wie im Wintermärchen. Ich fuhr hinauf und hinunter und als an der City Hall gerade die Dekoration abgemacht wurde, die aus Weihnachtssternen bestand, konnte ich so viele Töpfe mitnehmen wie ich wollte.

Mobilehome neu

Nun zeige ich euch aber mal, wie so ein Mobilehome installiert wird. Noch ein anderer alter Trailer war durch den Hurrican Ian zerstört worden und der Besitzer hat das Grundstück bereits räumen lassen. Letzte Woche nun kam der neue. Angefahren wird das von einem LKW und es sind tatsächlich Räder unter dem Haus angebracht. Sobald es aber an Ort und Stelle steht werden die abmontiert und das ganze auf Steinen aufgebockt, aber auch in der Erde verankert, so dass es im Sturm nicht so leicht weg fliegt. Alle Installationen, Wasser, Strom, Klimaanlage werden dann in diesem unteren Bereich verlegt. Wie man an den Fotos hier sieht ist der Bereich recht hoch, was nicht nur zur Installation gut ist, sondern auch der Überflutung vorbeugt, die wir ja gerade hatten. Aber die alten Trailer wurden wesentlich niedriger gebaut und deshalb sind viele von denen überflutet worden und brauchten neue Böden und zum Teil auch Wände.

Racoon-Babies

Schon seit Jahren weiß ich, dass in meiner Straße Racoons leben, Waschbären. Vor Jahren konnte ich mal dieses schöne Foto in meinem Carport machen.

Doch obwohl ich die freilaufenden Katzen in meiner Straße füttere, und nicht nur ich, die leben gut, vermeide ich es doch, den Waschbären Futter zu geben. Das sind Wildtiere, die sollen sich lieber in einer etwas wilderen Gegend ansiedeln und nicht im Wohngebiet. Also stelle ich erst morgens das Katzenfutter heraus und hole die Reste sofort rein, wenn die Katzen fertig sind.

Da war es nicht sehr verwunderlich, dass mitten im Abriss des alten Trailers man plötzlich auf drei sehr junge Waschbärchen stieß, ohne Mutter. Donna in unserer Straße ist ja die anerkannte Tiermutter, die hat die drei in einen Käfig gesetzt und ihnen Wasser und Hähnchenfleisch gegeben. Den Käfig im Carport abgestellt, über Nacht aber in den Schuppen.

Doch wie kommen wir an die Mutter. Das ist ja nicht ganz so leicht. Donna war den ganzen nächsten Tag unterwegs. Als sie abends heim kam war der Käfig weg. Der recht große und schwere Käfig. Weg. Die Nachbarn gefragt, keiner wusste etwas. Donna suchte mit einer Taschenlampe die Gegend ab und fand schließlich den Käfig, gut 100 m entfernt am Rand unseres Teiches. Die Jungen waren noch drin, eins hatte den Kopf zwischen den Gittern gefangen. Nur um es klar zu machen, das war weder ein Einbrecher noch ein Dummejungestreich, das war die Mutter, die es irgendwie geschafft hatte, den Käfig so weit zu zerren. Nur befreien konnte sie ihre Kinderchen nicht.

Donna holte den Käfig zurück, stellte ihn in den Schuppen, ließ ihn aber oben auf. Und stellte sich hinters Fenster. Und tatsächlich. Die Mutter kam und holte nacheinander alle drei ab. Familie glücklich vereint.

Mobilehome alt

Wenn ich im Gespräch erwähne dass ich den Winter in Florida verbringe hat ja jeder sofort die Luxusvilla mit Pool als Bild vor Augen. Leider ist dies aber nicht so, so reich bin ich nicht. Ich habe vor Jahren mal ganz zufällig und preiswert ein Mobilehome erwerben können, auch Trailer genannt. Und da stutzen natürlich die meisten, weil es diese Wohnform in Deutschland ja kaum gibt. Man fragt dann vielleicht, ein Wohnwagen? Nein, kein Wohnwagen. Ein Mobilhome ist, wenn es angeliefert wird, mobil, wird dann aber fest verankert und kann nicht fahren. Oft bekommt es sogar noch Anbauten wie ein Carport oder einen Florida-Room.

Diese Häuser sind natürlich nicht so solide wie ein deutsches Steinhaus und wenn man nicht jedes Jahr etwas ausbessert und erneuert, sind sie eines Tages einfach nur Schrott. Und wenn dann noch ein Hurrikan kommt ist alles zu spät. Genau so ein Haus steht bei mir gegenüber. Schon seit 10 Jahren unbewohnt, wurde es von den Besitzern nur als Lagerraum genutzt und nie etwas repariert. Vor allem wurden die Bäume um das Haus nie gestutzt. Bäume sind hier das ganz große Problem bei einem Hurrikan, sie fallen gerne mal um, beschädigen die Stromleitungen und decken Dächer ab. Und dieser letzte Sturm hat, sehr zur Freude der Anwohner, einen dicken Baum auf das marode Mobilehome fallen lassen und ihm endlich den Garaus gemacht. In der Nachbarschaft hieß es ja nur das Rat-House, weil tatsächlich Ratten und andere Tiere dort lebten.

Nun musste also was getan werden, und wie es heißt, muss das bis Jahresende geschehen sein. Eigentlich braucht man dafür ein Permit, bei der Stadt zu beantragen und viele Dinge müssen erfüllt werden, aber dieser Besitzer will halt nur das notwendigste tun. Nun hat er also einen Bagger bestellt und einige Dumpster, aber halt nicht genug davon, so dass nun doch noch eine Müllhalde zurück bleibt.

Aber in diesem Abriss haben wir auch etwas Schönes gefunden, und diese Geschichte werde ich im nächsten Beitrag erzählen: https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/racoon-babies/

Und dann gab es noch was. Oben im Baum saß ein Bussard und schaute sich alles genau an. Ich dachte, der ist nur neugierig. Doch Donna sagte, der lauert auf die Ratten, die durch den Abbruch nun heimatlos umherlaufen, wie die Waschbären. Sie hat sogar gesehen, wie er eine erwischte und im Schnabel davontrug.

Und hier geht es zum neuen Haus: https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/mobilehome-neu/