USA-Visum

Es sind jetzt 30 Jahre seit ich nach USA, Florida, reise, und 25 Jahre, seit ich dort ein Heim besitze, mein kleines Paradies. Zuvor waren es nur einige Wochen Urlaub, aber seit ich in Rente bin, bleibe ich den ganzen Winter und brauche dafür das B2 Visum, das mir einen Aufenthalt von 6 Monaten erlaubt. Mit dem ESTA könnte ich nur 3 Monate bleiben, was mir nicht genügt.

Dieses Visum wird für 10 Jahre ausgestellt und es ist gerade jetzt abgelaufen, muss erneuert werden. Bestimmt sagen die Meisten nun, was willst du denn in der aktuellen politischen Zeit in den USA, da würde ich nicht mehr hinfahren. Ja, ihr habt recht, das ist ein gutes Argument. Wäre ich Urlauber würde ich wohl ganz genauso denken und nach Marokko oder sonst wohin fahren.

Aber ich bin keine Urlauberin, ich habe mein Heim dort und es ist einfach so schön. Auch in Deutschland habe ich eine Wohnung, sie ist in vielem sogar besser als mein bescheidenes Florida Heim, aber in vielem eben auch weniger schön. Und mein Herz hängt daran, ich liebe es sehr. Natürlich liebe ich auch das milde Winterwetter und die vielen Aktivitäten, die ich dort machen kann.

Nun muss das Visum also erneuert werden. Das gibt mir schon ein ungutes Gefühl in der augenblicklichen Weltlage. Aber – ich bin doch eine alte weiße Frau, in einem Alter, in dem ich mein eigenes Einkommen habe und in USA nicht arbeiten will. Das tröstet mich und ich starte also den Prozess.

Zunächst muss ich auf der Seite

https://ceac.state.gov/GenNIV/Default.aspx

den Antrag DS-160 ausfüllen. „The first step in applying for a U.S. nonimmigrant visa is to complete your application. It takes approximately 90 minutes to do this.“

Ja, das stimmt wohl, es dauert so lange, es sind viele Fragen zu beantworten. Wann ist meine Mutter geboren? Sie ist schon viele Jahre tot. Die Namen meiner Social Media Accounts, nicht aber alle meine Kontakte, wie es in der Presse mal hieß. Auch benötige ich ein Passbild im US-Format, aber mein lokaler Fotograf weiß, wie das geht, ich zahle 30 Euro und bekomme zwei Fotos sowie einen Link zur online-Version. Beides wird benötigt.

Aber ich schaffe das und muss dann eine neue Seite aufrufen, eine Seite, wo man das Interview terminieren soll. Und da wird es schwierig. Die Seite ist einfach nicht aufzurufen, immer erscheint error. Es kostet mich Stunden, aber irgendwann schaffe ich es.

Dort erfahre ich, dass man auf das Interview verzichten kann, da ich bereits ein abgelaufenes Visum habe. Ich werde aufgefordert, die Gebühr zu bezahlen, 166,50 Euro. Außerdem soll ich angeben, ob ich einen UPS-Service nutzen möchte, um meine Pässe (alt und neu) an das Konsulat in Frankfurt zu senden, das für mich zuständig ist. Die Gebühr dafür ist hoch, aber ich wohne nicht weit entfernt und beschließe, das Angebot zu nutzen, die Pässe kostenlos in einem Postbox Büro in Frankfurt abzugeben.

Ich verstehe die Website so, dass ich nun eine Aufforderung bekommen soll, an welcher Adresse ich die Pässe abgeben soll. Es kommt nichts. Geduldig wie ich bin warte ich zwei Wochen und rufe dann nochmal die Website auf. Das war natürlich mein Fehler, denn dort steht unter dem Punkt „manage your visa“ die Adresse eines Büros „Postbox“, wo ich alles abgeben soll. Fahre gleich am nächsten Tag dort hin, dem 3. Juni. Ich soll alles in einen Umschlag stecken und meinen Namen sowie die UID darauf schreiben.

Was zum Teufel ist die UID? Ich habe nichts gefunden. Fahre zur Postbox und hoffe, die können mir das sagen. Nein, sie brauchen die Nummer, ohne das geht nichts. Wo ist denn bloß die Nummer. In meinem Profil auf der Webseite.

Ich setze mich ins Treppenhaus und versuche die Seite aufzurufen. Vom Handy. Zuhause habe ich die Zugangsdaten, nicht hier. Zum Glück erinnere ich mich dann noch an meinen Benutzernamen, aber das Passwort? Nunja, ich kann es neu anfordern. Doch dann will ich mich anmelden, beantworte sogar die Sicherheitsfragen richtig, aber die Seite geht einfach nicht auf. Verliere meine letzten Nerven. Soll ich wirklich wieder nach Hause fahren, die Nummer suchen und wieder nach Frankfurt? Ich rufe meine Schwiegertochter an, sie versucht im Büro rein zu kommen. Und schafft es ohne Probleme. Es scheint an dem Browser zu liegen, den mein Handy nutzt. Auf der Seite steht zwar auch nicht direkt UID, aber hinter meinem Namen eine Nummer. Damit gehe ich zur Postbox zurück, und juhuh, es klappt. Papiere abgegeben.

In der Zwischenzeit habe ich eine Woche Radurlaub im Saarland geplant und denke mir, danach ist das Visum sicher fertig zum Abholen. Ich bin erstaunt, dass noch am Vorabend der Abreise, am 10.6., also nur 7 Kalendertage nach dem Abgeben per Email die Nachricht kommt, dass ich die Pässe abholen kann. Ob das Visum drin ist oder nicht, weiß ich natürlich noch nicht.

Zum Glück steht in der Email auch, dass meine Post für 14 Tage aufgehoben wird. Ich fahre also von der Saar direkt nach Frankfurt und siehe da, alles drin. Ich kann nun für weitere 10 Jahre einreisen.

Ich berichte hier über den Prozess, weil in der Presse so viel von Schwierigkeiten mit dem Visum für USA berichtet wird und es mir deshalb viele Kopfschmerzen verursacht hat. Aber es ging genauso einfach wie früher auch.

Saarland 6 – Völklinger Hütte

Der Tag fing schon mal gut an. Erster Programmpunkt war tanken, da es morgen heim gehen soll vom Hotel direkt auf die Autobahn mit vollem Tank. Und nachdem der gute Trump zu seinem Geburtstag zum 40. Mal verkündet hat, dass es nun ein Friedensabkommen geben soll, waren die Spritpreise über Nacht massiv gefallen und ich konnte für 163,9 mit Diesel volltanken.

Eine weitere Komoot Tour sollte danach kommen: Bisttalweg – Kapelle am Linslerhof Runde von Völklingen, 35 km. Meine Idee war, doch noch ein paar Fotos von der historischen Völklinger Hütte zu bekommen, die ich am Tag 2 versäumt hatte zu machen. Das würde mir diese Tour ermöglichen. Ich fand den Parkplatz am Radweg ohne Probleme und fuhr los auf der Komoot Tour. Absolut schlecht. Es ging nicht auf dem Radweg, sondern auf Straßen ohne Radspur auf die Höhe, ziemlich steil, was ich nicht so mag. Irgendwann dann im Wald auf einem Weg, der wirklich nicht geeignet war, nur dazu, mir durch Brombeerbüsche die Waden zu zerkratzen. Dann kam ich nach Völklingen in die Bahnhofsgegend, absolutes Verkehrschaos, das ich aber auf dem Bürgersteig umging. Und dann brach Komoot ab, da der Vorradler die Runde ab Bahnhof aufgenommen hatte und Komoot deshalb hier auch enden wollte. Habe dann die Tour erneut gestartet, was aber zur Folge hat, dass sie in Komoot nicht zusammenhängend angezeigt wird.

Völklinger Hütte

Aber dann, nach dem Bahnhof, hob ich meinen frustrierten Kopf mal etwas vom Lenker und was sah ich? Die Völklinger Hütte! Gerade vor mir. Der Sinn der Tour wurde also erfüllt, ich konnte meine Fotos machen und im Blog Saarland 2 einfügen. Ich erkenne ja durchaus den Wert als Kulturdenkmal an, aber ein solches rostiges Eisenmonstrum mitten in der Stadt zu haben ist schon schrecklich. In Völklingen möchte ich nicht wohnen. Lieber auf dem Fahrradweg daran vorbei fahren.

Heute wird es kein Video geben, die Kamera war dabei, aber die SD-Karte steckte noch in meinem Computer. Nicht so schlimm, habe ja Fotos, und die Tour heute war eh nicht sehr schön. Eigentlich sollte es ja nach Komoot noch weiter gehen, ins Bisttal. Aber ich hatte einfach keine Lust mehr.

Bouzonville

Dann gab es noch einen letzten Programmpunkt. Kurz über die Grenze nach Bouzonville, um dort einzukaufen und vielleicht ein nettes Restaurant zu finden. Also letzteres fiel absolut ins Wasser, ich sehe es immer mehr, die guten französischen Restaurants, die früher für kleines Geld eine tolle Küche geboten haben, oft mit einem Rotwein inklusive, werden immer mehr von Dönerbuden ersetzt. Und so war auch im ganzen Ort nichts Gescheites zu essen zu bekommen. Also ab zum Lidl und dort groß eingekauft. Ich gebe es zu, das meiste waren Alkoholika, da dies in Frankreich günstiger ist als bei uns, oder Wasser, da ich dort kein Pfand zahlen muss. Brauche nun wochenlang in Deutschland keinen Wein zum Abendessen mehr einzukaufen.

Fazit Saarland

Dieses Bundesland wird eigentlich immer unterschätzt. Ich habe unter Radfahrern oder Wanderern noch nie davon sprechen hören. Aber ich bin absolut begeistert. Was hier an Radwegen geboten wird ist unglaublich, ich bin noch lange nicht alles gefahren. Und es ist nicht nur die Zahl, auch die Ausstattung. Meist gut asphaltiert, aber es gibt auch gute Beschilderung, Bänke, Werkzeug, Einkehrmöglichkeiten usw. Vor allem gab es immer unweit des Radwegs einen kostenlosen Parkplatz für Autofahrer, die das Bike auf dem Rack haben.

In meiner heimischen Taunusregion können wir da nicht mithalten und auch der Radweg am Rhein ist so gut nicht ausgebaut. Also Radler, ab ins Saarland.

Saarland 5 – Saarschleife

Heute stand nun die Saarschleife auf dem Programm, von Merzig nach Mettlach bzw. Saarhölzbach. Auch dies war wieder eine Komoot-Tour und ich bin stur nach dieser Navigation gefahren. Der Mensch bezieht sich ja auf seine Erfahrungen, und das hieß für mich: der Saarradweg ist wunderbar asphaltiert. Aber auch da habe ich mal wieder das Falsche gedacht.

Zunächst ging es auf den Parkplatz, den ich schon auf meiner Saar-Nord Tour gesehen hatte, bei dem Freizeitzentrum Merzig. Wo auch ein Brauereirestaurant ist, vielleicht …

Die Parkplätze waren völlig leer und damit kein Problem und ich fuhr los, das erste Stück kannte ich schon von meiner Merzig-Tour, auch da bin ich über die schöne Fußgängerbrücke gefahren. Diesmal aber links abgebogen statt rechts. Ja, und schon nach kurzer Zeit Ende Asphalt, Anfang Waldweg. Doch muss man sagen, er war in Ordnung und mit meinem Hybrid-eBike gut zu fahren. Und die Landschaft ist einfach traumhaft. Meist direkt an der Saar, dort paddeln ein paar Kajaks, und durch dichten Wald. Im Hotel hatte man mir schon von dem Baumwipfelpfad erzählt, das ist ein hoher Turm direkt über der Saarschleife und bietet daher eine traumhafte Aussicht. Aber so richtig kam in mir das Verlangen nicht auf, den steilen Berg hoch zu radeln, ich schaute mir das lieber von unten her an und hatte sicher genauso viel Spaß.

Bald kam ich an die Brücke bei Mettlach, dort sollte es auch rüber nach Keuchingen gehen und auf der anderen Saarseite zurück. Aber Komoot schickte mich erst noch geradeaus nach Saarhölzbach. Gibt es da vielleicht etwas besonders Schönes zu sehen? Ich hatte genug Zeit und radelte los. Nein, schön war der Weg nicht, entlang einer Hauptstraße, aber immerhin mit Radweg, und was war am Ende? Nein, keine herrschaftliche Kirche, noch nicht mal ein gutes Ausflugslokal, sondern einfach nur der Bahnhof, von dem mein Vorradler wohl gekommen war. Na macht nichts, 5 km mehr oder weniger machen mir nichts.

Ein bisschen brummte mir der Magen, aber an der Brücke, an der es auf den Rückweg auf der anderen Saarseite geht, also in Keuchingen, war nur ein Chinarestaurant. Nein danke, heute nicht. Unterwegs war dann ein richtig schönes Lokal, hatte aber zu, ist halt Montag. Ich fand also auf dem Rückweg nichts mehr, aber am Parkplatz? Erinnert ihr euch? Die Brauerei. Dort bekam ich nicht nur einen Tisch, sondern auch das beste Essen bisher im Saarland (die Vorgänger setzten die Lanze aber nicht sehr hoch) und genehmigte mir ein Bier zu Serviettenknödeln mit Pilzsoße.

Prost!

Saarland 4 – Niedtalradweg

Heute stand der Niedtalradweg auf dem Programm. Darauf habe ich mich sehr gefreut. Er klang so vielversprechend, führte bis nach Frankreich (bekomme ich da was Leckeres zu essen?) und so viel weiß ich ja schon, Flusstalradwege sind sehr bequem und für mich alte Frau gerade richtig.

https://www.wildganz.com/radweg/de-1092-niedtalradweg

Ich hätte mich nicht mehr täuschen können. Der Beginn war ja tatsächlich auf dem tags zuvor gefundenen Parkplatz direkt am Saarradweg und von dort ging es auf Gravel in die Natur. Ich hatte die komplette Streckenführung auf Komoot, brauchte mich also um die Navigation nicht zu kümmern, und das war gut so. Denn dies ist kein zusammenhängender, ausgebauter Radweg, das ist ein Mix aus vielen verschiedenen Wegen und Straßen. Zwar gibt es zuweilen Wegweiser, aber nicht immer, und ich war froh, mich also nur auf das Fahren konzentrieren zu können, denn das war nicht ohne. Der Untergrund wechselte ständig, die Landstraßen waren zum Glück sehr ruhig und die Nied war auch sehr oft zu sehen. Doch ging es keineswegs gemütlich durchs Tal, es gab zum Teil sehr heftige Steigungen, auf einer musste ich sogar mein Rad schieben. Es war nicht nur steil, sondern zu Beginn auch eine Kurve, so dass man nicht richtig Anlauf nehmen konnte. Es brachte mich an meine Grenzen, aber auch das braucht man ja manchmal, nicht?

Hier war auch die Rede vom Druidenpfad, es gibt wohl einige Relikte aus der Vorzeit und auch die (nachgebauten) Keltenhäuser.

Nach halber Strecke überschritt ich auch die Grenze nach Frankreich, was ich nur an einem patriotisch geschmückten Haus und an den geparkten Autos davor erkennen konnte. Migranten, kommt mit dem Fahrrad, hier keine Kontrollen! Die Ortschaft durch die ich kam bestand nur aus wenigen recht neuen Wohnhäusern, von einem Restaurant mit typisch französischer Cuisine keine Spur.

Der Pfad ist schwierig, die Landschaft dagegen wunderschön, ich habe zwar keine Rehe gesehen, dafür aber Angler. Es war wohl gerade ein Angelwettbewerb und ziemlich viel los. Und dann bekam ich die Belohnung für die schwierige Strecke, die Wackenmühle. Diese Mühle am rauschenden Bach ist ein beliebtes Ziel für alle Radfahrer und während ich in den französischen, verschlafenen Dörfern keine Einkehrmöglichkeiten gefunden habe, stürmten hier um 12 Uhr, als das Restaurant aufmachte, jede Menge Franzosen die Terrasse. Auch ich nahm Platz und bestellte mir eine Gulaschsuppe. Von daher und dem was ich auf den anderen Tellern gesehen habe, muss ich sagen, das Essen überzeugt mich nicht. Wohl aber das gemütliche Lokal mit der herrlichen Aussicht.

Saarland 3 – von Saarlouis nach Merzig

Diesmal soll es auf dem Saarradweg in die andere Richtung gehen.

Auch hier finde ich einen guten Parkplatz für mein Auto und komme recht schnell zur Saar. Wieder sehr gut geteert, es ist Samstag und viele Leute unterwegs. Was mir hier auffällt ist auch die Reichweite meines eBikes. Im hügeligen Taunus, wo ich immer Steigungen habe, komme ich nicht weiter als 68 km mit einer Akkuladung, doch auf diesem flachen Weg komme ich sehr viel weiter.

Ich will bis Merzig fahren, das sind wie gestern ungefähr 25 km, die ich natürlich auch wieder zurück muss. Zunächst weht mir ein köstlicher Duft in die Nase und ich sehe entlang des Weges lange Erdbeerfelder. Sie sind vollreif, aber eingezäunt, leider ist niemand da, von dem man eine Handvoll kaufen könnte.

Bei Siersburg treffe ich auf einen kleinen Parkplatz und erkenne sofort, dass dies der richtige Parkplatz für den morgigen Tag sein wird, denn hier beginnt der Niedtalweg, der auf dem Plan steht. Ich unterhalte mich kurz mit Spaziergängern, die mir dort die Wackenmühle empfehlen für ein knuspriges Hähnchen. Naja, mal sehen. Der Weg an der Saar ist hier kurz unterbrochen, doch auf der Landstraße gibt es eine breite Radspur. Ich fahre wieder auf der westlichen Seite, dem offiziellen Saarradweg. Doch an der Rehlinger Schleuse will mich Google Maps auf die andere Seite schicken. Dem folge ich zwar nicht, aber merke es mir für die Rückfahrt.

Die Fahrt geht gemütlich weiter bis ich zu einem Freizeit- und Sportzentrum komme und ein wenig verwirrt über den Fortgang bin. Es liegt an einer hohen Brücke, auf deren anderer Seite Merzig liegt. Aber diese Brücke mag ich gar nicht, ist ziemlich weit, dort hochzukommen und fahre lieber weiter bis zur nächsten Brücke. Ja, die ist mir viel lieber, eine kleine Fußgängerbrücke.

Eigentlich wollte ich in die Innenstadt, aber änderte meine Pläne, als ich den schönen Hafen sah. Dort kann man gemütlich sitzen und was trinken, könnte sogar ein Boot mieten und ich legte eine Pause ein.

Und fuhr dann auf dieser anderen Seite zurück. Die erste Station war die Bietzener Heilquelle, sehr schön im Grünen angelegt. Kurz danach ist der Radweg auf dieser Seite unterbrochen, es geht für wenige Kilometer über die Landstraße, aber auch hier wieder auf einer Radspur. Der Weg unten an der Saar wird zur Zeit ausgebaut. Doch dann kam ich im Bereich Beckingen zum Saar Garten, und das ist etwas ganz Besonderes. Ein Garten für die ganze Familie, mit einem Kunstwerk, ganz außerordentlichen Spielgeräten und einem Bistro. Ich habe keine Fotos davon, aber im Video ist er ausführlich zu sehen. Kurz bevor es dann an der Rehlinger Schleuse wieder auf die andere Seite ein gut besuchter Biergarten.

Alles in allem hat mir diese nördliche Route nach Merzig etwas besser gefallen, vor allem auch weil es ein richtiger Rundweg war, aber beide Touren sind schön.

Da aber meine 50 km noch nicht ganz voll waren fuhr ich noch nach Saarlouis und war überrascht. Es ist eine schöne Stadt, hat nur 37.000 Einwohner, aber eine ausgedehnte Altstadt mit vielen Lokalen und auch eine große Festungsanlage. Hier könnte ich wohnen. Nur das kulinarische Angebot, wenn auch reichlich, war nicht so meins. Weißenburg ist eher meine Stadt.

Saarland 2 – von Saarlouis nach Saarbrücken

Auch der zweite Tag war regnerisch, aber egal, Regenjacke an und los. Ich suchte mir einen Parkplatz südlich von Saarlouis. Kann sagen, dass ich an den meisten Tagen eine Anfahrt von etwa 10 – 15 km zu einem Parkplatz hatte, das geht ja noch.

Muss offen gestehen, dass ich nicht sehr viel über das Saarland weiß und daher sehr erstaunt war, als ich bei Völklingen eine riesige rostige Industrielandschaft sah. Ziemlich heruntergekommen in meinen Augen. Ich hielt an und fragte einen Vorbeikommenden. Hatte damit auch gleich den richtigen Mann gefunden, denn er hat mir ausführlich erklärt, dass die Völklinger Hütte ein von der UNESCO geschütztes Weltkulturerbe ist. Völklingen sei früher die reichste Stadt des Saarlandes gewesen, aber die Leute hätten ihre Wäsche nur am Sonntag waschen und zum Trocknen raushängen können, da an den Werktagen die Hochöfen so viel Schmutz in die Luft gepustet haben.

https://voelklinger-huette.org/

Auch dieser Radweg ist wunderbar geteert und führt meist direkt an der Saar entlang. Besondere Vorkommnisse gab es nicht, bis ich dann bei Saarbrücken Studenten traf, die eine Unterführung neu mit Graffitis verzierten. Von dort nahm ich die Brücke in die Innenstadt und schaute mich ein wenig in der Fußgängerzone um. Leider fuhr ich auf der gleichen Seite wieder zurück nach Saarlouis, obwohl es zumindest für einige Zeit auch auf der anderen Seite einen Radweg gegeben hätte.

Saarland 1 – Bliestal

Ich mache gerne kleine Touren mit dem Rad. Nicht über Nacht, jeweils so bis 50 – 55 km. Aber in meiner Umgebung habe ich alles abgefahren, und immer nur die gleichen Wege zu fahren ist langweilig.

Gleichzeitig fahre ich nicht allzu gerne Auto. Auf meiner jährlichen Marokkoreise kommen so um die 12 – 15.000 km zusammen, das reicht mir. Da möchte ich zuhause keine langen Strecken fahren. Aber neue Radwege müssen her. Also habe ich in den letzten Jahren Pfalz und Elsass bereist, jeweils ein Hotel für einige Tage und dann die Wege der Umgebung erkundet. Elsass ist natürlich mein Lieblingsziel wegen der kulinarischen Seite. Aber dort kenne ich in dem Bereich, der in einer Entfernung von 200 km von meinem Heim liegt, auch schon alles.

Etwas neues muss her. Und als alte Floridafahrerin liebe ich weitgehend ebene Wege, Steigungen auf Zweitausender müssen nicht sein. Da kommt mir das Saarland in den Blick. Es gibt doch den Saarradweg! Das ist es. Die erste Herausforderung ist es, ein passendes Hotel zu finden. Am liebsten hätte ich zwei unterschiedliche gehabt, um meine Wege auszudehnen. Aber das war das Problem. Ich habe ja so einige Vorbedingungen, zum Beispiel soll man gut und kostenlos parken können, da kommt ein Stadthotel wie in Saarbrücken nicht infrage.

Hotel Scheidberg

Nach langem Suchen entschied ich mich für ein Hotel bei Saarlouis, Hotel Scheidberg, und fand auch kein anderes. Es erfüllt nicht alle Kriterien, liegt zum Beispiel nicht direkt an einem Radweg, sondern sogar auf einem Hügel mit einer steilen Auffahrt ohne Radspur. Das gäbe Ärger mit den Autofahrern. Aber viele andere Anforderungen wurden erfüllt und so buchte ich über

https://www.kurz-mal-weg.de

ein recht günstiges Paket für 6 Tage. Ich habe ein schönes Zimmer und mein eBike steht in der abgeschlossenen Garage, wo es auch geladen werden kann. Im Zimmer habe ich ein komplettes Home-Office aufgebaut, da ich ja nicht nur über meine Touren berichten will, sondern nebenbei auch noch etwaige Bestellungen von Büchern erledigen muss. Nach einer schönen Radtour kann ich dann am Abend in der Sauna entspannen.

 

Schon auf der Anfahrt habe ich mir aber einen Radweg gesucht, um die Anfahrt etwas kurzweiliger zu gestalten und auch, um nicht vor dem Checkin im Hotel zu sein.

Bliestal-Radweg

Ich verlies die Autobahn also etwa 50 km vor dem Ziel und fuhr nach Blieskastel. Lustig, die Orte, die an diesem kleinen Bach liegen, beginnen eigentlich alle mit Blies. Über mir ein Himmel mit ziemlich dunklen Wolken, es wird doch nicht …. . Der Radweg ist exzellent, so etwas wünsche ich mir in Taunusstein. Die offiziellen Stellen können sich wohl über die Länge der Strecke nicht so richtig einigen, ich jedenfalls fuhr von Blieskastel nach Süden etwa 25 km bis Bliesbruck in Frankreich, das gleiche wieder zurück.

Ab und zu nieselte es, aber nicht genug, um zu stoppen und Schutz zu suchen. Ein wirklich schöner Radweg in gutem Zustand, es gibt Sitzgelegenheiten, Werkzeug und viele Einkehrmöglichkeiten. Hallo, meine Taunus-Bürgermeister, so etwas entlang der Aar, das wäre ein Traum.

Ein Schild am Weg erregte meine Aufmerksamkeit. Beim Durchfahren sah es so aus, als wäre hier eine Bushaltestelle. Das kann ja nicht sein auf dem schmalen Weg, also stoppte ich. Tatsächlich war es ein Treffpunkt für Grundschulkinder, die sich hier am Morgen treffen und zusammen mit dem Rad zur Schule fahren. Finde ich super. Die Kinder bewegen sich sportlich in geschützter Umgebung und lerne auch schon Selbstverantwortung. Wenn ich da an Florida denke, wo selbst an der High School so lange Schlangen vor und nach der Schule stehen, von Eltern, die die Kinder abholen, dass sogar die Polizei den Verkehr regeln muss.

Fazit: dieser Abstecher war auf jeden Fall lohnenswert. Hier das Video der Tour, aber sorry, schlechte Qualität wegen dem Regen:

AAA

American Airline Adventure. Nun sollte ich im kalten Taunusstein sitzen und meine vielen Koffer mit den Goodwill-Schätzen auspacken, stattdessen sitze ich in einem Hotel in Charlotte. Der Aufbruch gestern war einfach wunderbar. Freunde brachten mich zum Flughafen von Daytona Beach, den ich sehr liebe. Parkte direkt vor dem Eingang, von dort 5 Meter bis zum Check-in mit meinen 3 Koffern, kein Mensch vor mir, dann gemütlich im Foyer solange sitzen, bis es Zeit wird, durch die Sicherheitskontrolle, auch hier niemand vor mir und am Gate wird angezeigt Boarding in 5 Minuten. Kann man noch entspannter einchecken?

Charlotte

Umsteigen in Charlotte. Auch hier sehr entspannt, keine Hetze, wenn auch ungleich mehr Menschen. Noch 1 1/2 Stunden bis zum Boarding. 5 Minuten vorher heißt es, ist noch Maintenance an Bord, Boarding dauert noch etwas. Aber schon weitere 5 Minuten später konnten wir doch einsteigen. War sehr zufrieden mit meinem Platz, viel Beinfreiheit.

Wir warten. Der Pilot sagt etwas durch, muss noch etwas repariert werden, ein Ingenieur muss das dann prüfen und abzeichnen. Wir warten. Und warten. Nichts zu essen und trinken, aber ich frage nach einm Orangensaft und bekomme ihn. Durchsage. Alle müssen den Flieger verlassen und zum Nachbar-Gate gehen, dort steht ein neues Flugzeug bereit.

Abflug natürlich um 2 Stunden verschoben. Oh weh, meine Schwiegertochter holt mich gerne morgens um 7 am Flughafen ab, aber später wird es schwierig, sie muss arbeiten.

Abflug um weitere 2 Stunden verschoben. Das Warten wird verkürzt durch die nette Christina, wir unterhalten uns gut. Eine neue Crew reist an. Das Personal darf eine gewisse Anzahl von Arbeitsstunden nicht überschreiten und deshalb darf die bisherige Crew nicht mehr auf diesen Langstreckenflug gehen. Abflug weiter verschoben. Auch hier wird das Flugzeug auf seine Sicherheit geprüft und der Prüfer ist ganz offensichtlich nicht zufrieden. Was für einen Schrottpark haben die denn hier, man könnte meinen, es ist die deutsche Bundesflotte. Charlotte ist immerhin die Basis für American Airlines. Die müssten doch in der Lage sein, ein flugfähiges Gerät zur Verfügung zu stellen.

Langsam fangen wir aber auch an zu murren. Der ganze Tag ist vertan und zu essen haben wir schließlich auch nichts bekommen. Also fragen wir am Schalter nach und bekommen einen Voucher über 12 $. Habt ihr schon einmal in einem Flughafen-Terminal, vor allem in USA, etwas zu essen für 12 $ bekommen? Ich bin natürlich geizig und nicht bereit, etwas vom eigenen Geld draufzulegen. Bei Starbucks kostet eine Latte 7,75, ein Plätzchen, die berühmten Cookies, 5,45 $. Ein nackter Bagel, ohne Belag, 4,45 $ Da bekomme ich bei Aldi zwei Beutel mit 12 Stück dafür.  Es ist nicht Geiz, ich bringe es einfach nicht fertig, ein Cookie für 5,45 zu kaufen und zu essen, auch auf Gutschein, da sträubt sich etwas ganz tief in mir. Ein Sandwich würde über 20 $ kosten. Christina kauft ein Getränk, ich nichts. Wir gehen zum Schalter zurück.

Große Unruhe. Auch das zweite Flugzeug ist nicht flugbereit. Über die App bekommen wir die Aufforderung, uns ein Hotel auszusuchen. Christina übernimmt das, denn sie ist Vielfliegerin und so etwas ist ihr schon oft passiert. Wir buchen das gleiche Hotel, sie weiß wo der Shuttle abfährt und gegen 21 Uhr sind wir dann im Hotel. Nein, Luxus wie bei der Lufthansa stellt uns American Airlines nicht zur Verfügung, es geht ins Comfort Inn. Habe zwar den ganzen Tag außer ein paar Nüsschen nichts gegessen, aber auch keinen Hunger. Aber in der Nähe ist ein Chili`s, da bekomme ich doch wenigstens eine Margerita zum Abschluss.

Byebye Eagles

Morgen geht es zurück nach Deutschland, das heißt noch viel Arbeit, Koffer packen, umpacken, neu packen. Haus absichern für die Hurricane Season. Alles muss rein, nichts darf rumfliegen. Auto gut verpacken. Puh. Aber da bleibt doch noch eine kurze Minute. Da wäre doch noch Zeit für eine letzte Margarita im Eagles.

Es ist ruhig so früh am Montag, nur ein paar sitzen an der Bar und wie üblich spielt Gene Smith auf seiner Gitarre. Er plaudert viel lieber mit uns als viel spielen, begrüßt mich nett, als ich rein komme. Ich sage ihm, dass dies mein letzter Besuch ist, morgen geht es heim, und ob er mir noch einmal mein Lieblingslied spielt. Aber klar doch, er freut sich immer, wenn er für jemand spielen kann.

An der Bar sitzt eine Dame, die ich zwar schon oft gesehen habe, aber noch nie gesprochen. Monique. Wir unterhalten uns sehr anregend, Gene kommt dazu. Hab ich schon gesagt, dass er lieber plaudert? Er sagt so am Rande, dass Monique gut singen kann. Monique, sing für uns. Es kostet ein wenig Überredung, aber dann singt sie.

So ein wunderbarer Abschluss meiner Zeit in Florida. Habe ich schon gesagt, wie sehr ich das Eagles vermissen werde?

Kentucky Derby Party

Das Kentucky Derby ist wohl die größte Reitsport Veranstaltung in USA. Und alle Pferdeliebhaber, die nicht dorthin reisen können, machen eben zuhause eine Party und lassen die Veranstaltung über die Bildschirme laufen. Und da macht natürlich auch unser Eagles keine Ausnahme. Sonntag 15 Uhr waren alle da zur großen Party, natürlich entsprechend gekleidet, die Damen mit Hut, die Herren mit Krawatte. Auf den Zylinder haben sie verzichtet. Ich hatte ja schon Judy kennengelernt, sie kam mit allen Damen ihrer Community.

Sie wohnt in Crane Lakes, eine der vielen „Gated Communities“ in Florida. So etwas gibt es bei uns nicht. Ein komplettes Wohnviertel, mal von einem Bauherren errichtet, mit Golfplatz, Schwimmbad, Fitness, alles was man so zum Leben braucht. Und ein Gate, das nicht jeden durchlässt, im waffenliebenden Amerika wohl keine schlechte Idee. Man hat dort ein Haus, das man natürlich selbst gebaut oder gekauft hat, doch zahlt man eine monatliche Gebühr für all die Annehmlichkeiten, dazu gehört dann auch das Rasenmähen. Jeder darf einen kleinen Vorgarten selbst bearbeiten, aber es gibt strenge Vorschriften, was man pflanzen darf. Alles wird bestimmt von der HOA, auch wie das Haus außen aussehen darf. Und das kostet dann 1.000 $ monatlich. Aber die lustigen Damen habens. Sie pflegen ein nettes gesellschaftliches Leben, treffen sich regelmäßig zum Kartensielen, oder nun eben zur Derby Party. Und ich, die armselige Trailerbewohnerin, wurde gnädig aufgenommen. Nein, sorry, wenn es auch wahr ist, dass man eher auf Trailerbewohner herunter schaut, so sind die Damen doch sehr lieb zu mir und ich soll sie unbedingt im Herbst mal besuchen.

Es gab den traditionellen Mint Julep zu trinken, was ich natürlich mal probieren musste. Ein wichtiger Bestandteil ist der Kentucky Bourbon. Ja, schmeckt gut, aber mein Margarita ist mir lieber. Neulich kam ich an die Bar, die Bardame sagte zu mir: Margarita? Und der Herr daneben sagte, ah, das ist Ihr Name.

Der Höhepunkt war dann der Hat Contest, es galt den schönsten Hut zu wählen. Zunächst marschierten die Hutdamen durch den Raum, damit jeder einen guten Blick haben konnte. Dann gewann natürlich die Dame mit dem aufgeblasenen Pferd auf dem Hut, aber der zweite Platz war doch eine Überraschung für mich. Denn eigentlich hatte die Dame gar keinen Hut auf. Erst danach fiel mir auf, warum sie gewann. Sie war wie ein Jockey gekleidet.

Dann waren wir müde, brachen auf und plötzlich fiel uns auf, dass wir noch nicht einmal dem Rennen auf dem Bildschirm zugeschaut hatten.