Alberto

Am nächsten Tag laufe ich nochmal in den Ort, um Albrecht zu treffen und ein wenig über Land und Leute zu erfahren. Ich bringe ihm ein paar Dosen Bier aus meiner Minibar mit und wir trinken eines zusammen. Wie schon gesagt, er bietet Ausflüge an, die sicher sehr schön sind, weil sie direkt zu den Einheimischen gehen, aber ich möchte keinen machen. Stattdessen zeigt er mir die lokale Zigarrenmanufaktur. Das ist echt interessant. Die dominikanischen Zigarren sind zwar nicht so berühmt wie die aus Kuba, aber genauso gut. Wer in Begleitung vom Alberto hier etwas kauft bekommt viel über die Hintergründe erzählt und Alberto erhält danach eine kleine Kommission. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass meine Maniküre französisch spricht hatte ich sie natürlich auch gefragt, ob sie an Alberto Kommission zahlen musste. Ja muss sie.

Inzwischen habe ich im Hotel Gabi getroffen, diese wirklich tolle Frau, die ich nur zu gerne dauerhaft in meiner Nähe haben möchte. Warum nur wohnen die wirklich netten Menschen immer so weit weg, hier in Alabama. Wir leeren unsere Minibar, ich sammele sogar Red Label Jonny Walker ein und mit schwerem Rucksack laufen wir zu Albrecht. Auch Gabi möchte den Zigarrenladen sehen, kauft sogar etwas, dann sagt Albrecht, trinken wir doch ein Bier zusammen. Gerne, so hatte ich das auch geplant. Doch zu meiner Bestürzung führt uns Albrecht in ein lokales Cafe, genau das, wo er auch unsere Beute in den Kühlschrank gestellt hat, schlägt aber vor, eine der großen dominikanischen Flaschen Bier zu kaufen und uns die zu teilen.

Ich bin entsetzt. Sage gar nichts mehr. Gabi unterhält sich nett mit ihm, sie hat auch das Bier bezahlt. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich es nicht zur Sprache bringen würde. Ich war so sauer auf den Alberto, schwor mir, nie wieder dorthin zu gehen und ihm erst recht keine Kunden zu bringen. Wir verließen das Cafe und in einem ruhigen Moment sprach ich ihn darauf an. Ich vergleiche das Land oft mit meinen marokkanischen Erlebnissen und hier hätten die Jungs alles abgestritten. Aber Albrecht überraschte mich. Er sagte einfach die Wahrheit. Sagte dass er absolut blank sei, irgendwie um sein Überleben kämpfen muss und seine Taschen völlig leer seien. Selbst für die Flasche Bier würde er ein paar Pesos Kommission bekommen, die er einfach braucht, um weiter zu leben.

Ich war sehr betroffen. Und er verdient meinen Respekt, dass er das so offen sagt. In den folgenden Tagen brachte ich ihm noch Kundschaft, aber nur wenig, weil Gabi einfach die kommunikativere von uns war und inzwischen abgereist ist. Aber Alberto bedankte sich herzlich und ich freue mich, dass ich ihm doch ein wenig helfen konnte. Auch appelliere ich an alle, die in die Region kommen. Geht zu ihm, er ist sehr nett, ihr könnt viel über das Land erfahren und er haut euch nicht über Ohr.

Lokal shoppen

Wenn ich auch in meinem bisherigen Leben die Reisetante war, die, die ins Land eintauchen will und es von innen heraus kennenlernen wollte, so war dies in der DomRep nicht so. Das letztemal habe ich es damit entschuldigt, dass ich zu Hause von einem Jahr Corona geschädigt war und einfach nur meine Ruhe haben wollte. Hatte sogar einen Mietwagen für eine Woche und bin nur zweimal damit gefahren. Es war mir einfach nicht danach. Diesmal habe ich erst gar kein Auto gemietet, bin einfach zufrieden in diesem  schönen Hotel.

Doch gibt es hier in einem 30 minütigen Strandspaziergang ein kleines Dorf. Dort hat man sich natürlich ganz auf die Touristen eingestellt, es gibt eine Souvenirboutique nach der anderen mit Bildern, Schmuck, farbenfrohen karibischen Kleidern und vieles mehr.

Nichts davon brauche ich. Mein Zuhause ist voll mit wunderschönen Mitbringseln aus Marokko, da ist einfach kein Platz für die Karibik. Außerdem bin ich ja auch nicht hier, um das Land kennenzulernen, sondern einfach nur, um die Zeit abzusitzen bis zur Einreise nach Florida. Und dafür gibt es wahrlich schlechtere Orte. Das Hotel ist wunderschön, aber was es ausmacht, ist vor allem das Personal. Es ist sehr, sehr freundlich. Natürlich freuen sie sich über ein Trinkgeld, aber das ist nicht alles. Auch ohne sind sie sehr, sehr lieb. Heute beim Lunch habe ich mich hingesetzt, die junge Kellnerin kam sofort und fragte: Champagner? Nur weil ich gestern welchen bestellt hatte. Nie zuvor war ich in einem All-Inclusive Hotel, aber ich muss sagen, es ist schon schön.

Aber, man kann es nicht verleugnen, die Insel besteht nicht nur aus den Hotels. Es gibt auch Menschen, die hier leben und vor allem, die ihr Leben bezahlen können wollen. Die meisten Touristen setzen keinen einzigen Fuß aus dem Hotel heraus und wenn, dann mit einer im Hotel angebotenen Tour.

Ich bewege mich gerne und so brach ich schon im März beim ersten Aufenthalt auf in das kleine Dorf, es liegt gut 2 km entfernt und der beste Zugangsweg läuft entlang des Strandes. Beim letztemal fand ich schließlich eine Dame, die mir recht gute Maniküre und Pediküre bot. Das wollte ich wieder, zusammen mit meiner Enkelin. Doch wir fragten überall, jeder kannte zwar Anita, doch sie ward schon lange nicht mehr gesehen. Dann traf ich auf Alberto. Das ist ein Deutscher, der eigentlich Albrecht heißt, was aber hier kein Mensch aussprechen kann. Er sitzt einsam vor seinem Laden und wartet auf Kunden, denen er Ausflüge anbieten möchte. Außerdem arbeitet er mit einer lokalen Zigarrenmanufaktur zusammen und bekommt dort Kommission für alles, was in seiner Begleitung eingekauft wird.

Traurig zu sagen, dass ich absolut nichts brauche. Außer dieser Maniküre und Pediküre. Da Anita nicht da ist empfiehlt Alberto mir eine andere junge Dame. Sie hat einen kleinen Souvenirladen gegenüber von Albertos Geschäft und die Beiden arbeiten zusammen. Wir nehmen an. Okay, so gut wie Anita ist sie nicht. Ich sitze schon über eine Stunde hier, kann mich nicht mit ihr verständigen, da ich kein Spanisch spreche, Albrecht muss übersetzen. Und dann plötzlich erfahre ich, dass die Dame aus Haiti stammt. Damit ist das Eis gebrochen, wir reden Französisch miteinander. Fast die ganze Shopping Meile ist in haitischen Händen und so steht der Kommunikation künftig nichts mehr im Wege.

 

Mister Model

Eines Morgen verließ ich den Shuttle an der Rezeption und einstiegen lauter schöne junge Männer. Alle mit einer Schärpe um den Hals. Das erweckte Neugier. Ich machte ein Foto und sie winkten und lachten, ganz sicher nicht fotoscheu.

Die Recherche ergab, dass die Jungs wegen einem internationalen Wettbewerb für eine Woche im Hotel sind, zur Wahl des Mister Model International. Es waren 24 junge Männer, der älteste aus Peru glaube ich 31 Jahre alt. Sie hatten jeweils in ihrem Land den nationalen Wettbewerb gewonnen. Viele waren aus spanisch sprechenden Ländern, Chile, Peru, Kolumbien, Bahamas, Curacao usw. Der Thailänder war eher der Exot, da er sich schlecht verständigen konnte. Europa war nur durch Belgien, Spanien und Andorra vertreten, wobei der Spanier Leif zu den Bestaussehendesten gehörte. Aber auch der Inder war wie aus einem Bollywood Film entsprungen. Und selbst aus der Dominikanischen Republik gab es zwei Teilnehmer.

Meine Freundin Gabi schloss sofort Freundschaft mit allen, die sehr natürlich reagierten und sich gerne mit uns unterhielten. Den jungen Mädchen schauten sie kaum nach und auch Alkohol war tabu, denn es war ja harte Arbeit für sie. Den ganzen Tag gab es irgendwelche Wettbewerbe und Foto Shootings, da muss man fit sein. Wir Hotelgäste durften bei allem zuschauen und es war einfach die Attraktion. Muss ich sagen, dass besonders die anwesenden schwulen Paare total ausflippten vor Begeisterung?

Freitag und Samstag gab es dann große Veranstaltungen im Theater, die 24 schlenderten über den Laufsteg und zeigten sich von ihrer besten Seite. Es wurde nicht nur ein Endpreis vergeben, sondern viele Preise in verschiedenen Kategorien. So erhielt zum Beispiel der Junge aus Curacao den Preis für den besten Body, der schwarze US-Amerikaner den Preis für Mr. Personality. Der Endsieger schließlich kam aus Puerto Rico.

Feeling

Zunächst einmal, die Handtuchmonster sind nicht zurückgekehrt. Kann aber auch daran liegen, dass es zur normalen Handtuch-heraus-leg-Zeit gerade geregnet hat. War aber schnell wieder vorbei.

Heute habe ich meinen depressiven Tag, habe schreckliches Heimweh nach Florida. Nach so einer herrlichen Zeit mit Zoe, dann mit der lustigen Gabi und sogar mit dem sympathischen Paar Peter und Henry aus Kanada sind sie nun alle weg. Zwar gehe ich oft alleine auf Reisen, bin es gewohnt, aber der Unterschied ist so krass. Mit Zoe war es ganz speziell, sie ist ja Familie, meine Enkelin. Und gerade am letzten Tag, bevor sie zurück fahren musste, geschahen zwei Dinge. Gabi sprach uns an und die männlichen Models erschienen. Gabi ist eine tolle Frau, sehr kommunikativ, und alle Leute, die ich danach kennenlernte, traf ich durch sie. Sie quatscht alle an, und jeder mag sie. Vor allem die Models. Und Zoe war richtig traurig, dass sie schon heim musste.

Handtuch-Monster

In unserem schönen Bavaro Princess ist es überhaupt kein Problem, eine freie Liege am Pool oder am Strand zu bekommen, es ist immer noch etwas frei. Wenn man also nach einem späten Frühstück zum Pool geht, eine schöne Liege besetzt, darf man gerne für den ganzen Tag sein Handtuch hinlegen, kein Mensch wird es anrühren. Der Platz bleibt frei, auch wenn man zwischendurch schwimmt, an die Bar geht oder zum Mittagessen. Richtig entspannt hier also.

Doch über Nacht scheinen hier Deutsche mit Mallorca-Erfahrung eingetroffen zu sein. Am schönsten Platz sind insgesamt 8 Liegen mit Handtüchern reserviert, auf jeweils 2 nebeneinander wurde am Kopfteil ein Handtuch quergespannt. Niemand lag da, keine Badeschlappen zu sehen. Ich sah das und konnte nicht anders, als dies den ganzen Tag zu beobachten, einfach weil es so ungewöhnlich in diesem Hotel ist. Kein Mensch erschien. Nun muss man wissen, dass man das Strandhandtuch nur gegen eine Karte erhält, die man am Ende wieder abgeben muss. Oder es kostet 20 $ Gebühr.

Mittags war immer noch keiner da. Auch am Nachmittag nicht. Da konnte ich nicht anders. Ich setzte mich so ganz unauffällig auf eine dieser Liegen, dann stand ich auf und nahm das Handtuch mit. Eine Stunde später mit den nächsten 2 Liegen. Und sofort wurde der freie Platz dankbar angenommen. Nicht, weil es bei uns so wenig Liegen gibt, sondern weil es sehr gute Plätze waren.

Nun ist es Abend und die restlichen 4 Liegen mit den 2 Handtüchern sind immer noch unberührt. Und natürlich werde ich morgen mal schauen, ob sich das wiederholt. Macht mir diebischen Spaß, da gegen zu wirken.

DomRep Intermezzo

 

Nun bin ich schon fast 2 Wochen hier und so richtig fällt der Stress noch nicht von mir ab. Zunächst hatte mich meine Enkelin begleitet, wunderschöne 19 Jahre alt. Aber … was in der DomRep geschieht bleibt in der DomRep, deshalb gab es keine Berichte. Dann traf ich Gabi. Eine Deutsche, die seit 21 Jahren in USA lebt. Wir haben uns gesucht und gefunden, das klappte einfach. Leider ist sie heute abgereist. Ich kam zu nichts. Es war einfach wunderschön, aber zum Blog schreiben blieb einfach keine Zeit. Eigentlich auch heute nicht, deshalb bleibt es kurz. Nur so viel, mir geht es gut, könnte nicht besser sein und morgen hört ihr mehr.

Bavaro Princess zum zweiten

Noch einmal führt mich ein Flug nach Florida auf den Umweg über die Dominikanische Republik. Aber es gibt schlimmeres. Lange habe ich überlegt, ob ich wieder ins gleiche Hotel gehen oder etwas Neues ausprobieren soll. Aber ich wusste, ich würde das wunderschöne Bavaro Princess vermissen und habe es wieder gebucht. Und diesmal kam sogar meine Enkelin für ein paar Tage mit. Da wir unterschiedlich gebucht hatten schrieb ich einen Tag vorher an die Rezeption und bat darum, uns nahe gelegene Zimmer zu geben.

Im Hotel angekommen empfing uns Daniel. Ich habe ihn noch in guter Erinnerung und auch er erkannte mich sofort. Das war wirklich wie nach Hause kommen. Mein Zimmer war schnell klar, es war wohl vorbereitet, aber Zoe sollte zwei Häuser weiter wohnen. Doch Daniel schaute und schob und probierte und am Ende machte er es doch möglich, dass wir im gleichen Haus wohnen. Die Anlage ist riesig und daher kann man nur von sehr wenigen Villen auf den Pool oder den Strand schauen. Das letztemal war ich sehr zufrieden mit meinem Zimmer, zwar kein direkter Blick zum Pool, aber nur wenige Schritte. Und diesmal dann direkt das Haus davor. So schön. Wenn ich auf meiner Terrasse sitze habe ich einen herrlichen Blick auf den Pool und sogar das Meer. Und auf dem Tisch stand eine Flasche Sekt und ein Obstteller. Offensichtlich macht man das hier so bei wiederkehrenden Gästen.

Dennoch gibt es zum Aufenthalt im März ein paar kleine Änderungen. Wohltuend empfand ich, dass die Coronaregeln nicht mehr so streng ausgeführt werden, in der Dominikanischen Republik gibt es ja auch kaum Krankheitsfälle. Nur bei Eintritt ins Büffet-Restaurant erhält man einen Handschuh, hin und wieder wird dort die Temperatur gemessen, aber das war es schon. Ansonsten ist wieder Leben und Freiheit.

Bis auf die Restaurants. Sie sind nicht täglich alle geöffnet. Im März musste man vorher reservieren, damit die Gäste gut verteilt werden konnten, der Abstand eingehalten wird. Das ist nun anders. Nun dürfen nur noch die Platinum Gäste reservieren, die anderen müssen schauen, ob sie noch einen Platz bekommen. Und das führt dazu, dass teilweise lange Schlangen entstehen. So an unserem ersten Abend. Wir wollten ins Tartufo, allerdings ist dies auch das beste Restaurant. Lange Schlangen, Wartezeit bis zu einer Stunde. Die Amis sind das gewöhnt und geduldig, viele gingen auch weg und damit ins Büffet-Restaurant, wo man immer Platz bekommt. Aber ich war sauer. Wollte ich doch gerade mit Zoe unseren ersten Abend hier feiern. Ich schimpfte und es gelang uns irgendwie, doch recht bald einen Tisch zu bekommen.

Aber damit nicht genug. Ich schrieb einen langen und durchaus höflichen Brief an das Hotel, mit sanftem Hinweis auf die vielen sozialen Medien, in denen ich aktiv bin. Von da an lief alles. Die Dame vom Gästeservice kümmerte sich persönlich um uns ich habe nun für jeden Abend eine feste Reservierung. So macht das Spaß.

Aber trotzdem. Ich fände es viel besser, wenn jeder reservieren könnte.

Corona in Florida

Als ich im Frühjahr in Florida war hatte ich täglich die Inzidenzen berechnet, es interessierte mich einfach. Nun, den ganzen Sommer über in Deutschland, war das nicht wichtig für mich. Aber es steht eine erneute Reise an und deshalb habe ich mir mal wieder die Zahlen angeschaut. Auch die von der Dominikanischen Republik, da sie als Sprungbrett nach Florida auch diesmal wieder herhalten muss. Die Amis lassen uns immer noch nicht rein. Sehr interessant das Ganze. Quelle: https://www.worldometers.info/coronavirus

In den USA steigen die Infektions-Zahlen wieder stark an. Trotz den Impfungen. Werfen wir zunächst mal einen Blick darauf. Trotz dem schleppenden Impfstart zu Beginn hat Deutschland inzwischen die USA bei der Zahl der vollständig geimpften Personen deutlich überholt. Ich verwende dazu nicht die Zahlen des RKI, sondern wegen der internationalen Vergleichbarkeit https://coronavirus.jhu.edu/vaccines/international (Stand 19.8.2021):

Deutschland       58,52

USA                      51,67%

Florida                 52,27%

Doch geht es hier nicht um die nackten Zahlen. Wenn ich an Deutschland denke dürfte die Zahl einigermaßen korrekt sein, wenn es auch einige wenige gibt, so wie ich und meine Freunde, die sich im Ausland haben impfen lassen und deshalb in dieser Statistik nicht enthalten sind. Doch umgekehrt sind wohl kaum Personen enthalten, die in Deutschland geimpft wurden und dann dauerhaft ausgereist sind. Anders ist dies speziell in Florida. Dort wurden alle willigen Menschen geimpft, die sich dort aufgehalten haben. Das betrifft eine große Zahl von amerikanischen Snowbirds, die im Norden wohnen und den Winter in Florida verbringen. Kanadier sind kaum betroffen, da diese wie auch die Europäer immer noch nicht ins Land dürfen bzw. nach der Rückkehr strikte Quarantäne einhalten müssen und deshalb nicht reisen. Auch Deutsche wie mich wird es nur wenige geben. Aber dafür gab es eine große Zahl von Impftouristen. Wohlhabende Südamerikaner, die es sich leisten konnten, sind in großer Zahl nur wegen der Impfung gekommen. Dazu zählte auch die Familie der Ehefrau des kolumbianischen Präsidenten, die wegen der Impfung anreiste, doch dann bei dem Gebäudeeinsturz in Miami ums Leben kam. Auch meine thailändische Bekannte berichtet von Landsleuten, die nur deshalb nach Florida kamen. Daher dürfte die Zahl der doppelt geimpften Personen, die tatsächlich fest in Florida wohnen, deutlich unter 50 % liegen. Dazu muss man anmerken, dass der Gouverneur von Florida ein starker Anhänger von Trump ist und so ziemlich alle Beschränkungen abgebaut hat, einschließlich dem Tragen von Masken in Schulen.

Anfang Juni, als ich mit der Statistik aufhörte, lag die 7-Tages-Inzidenz in Deutschland bei 29, in Florida bei 53. Inzwischen liegt sie bei 47 (D) und 664 (Fl). Damit liegen in Florida die täglichen Infektionszahlen weit über denen der ganzen bisherigen Coronazeit und könnten beängstigend wirken. Zahlen über die Hospitalisierung konnte ich nicht finden, aber für die Todeszahlen habe ich ebenfalls die 7-Tages-Inzidenz berechnet. Sie lag Anfang Juni in Deutschland zwischen 4 und 5, in Florida im Schnitt bei 1,4. Und das hat sich in Florida bisher nicht geändert, während sie in Deutschland erfreulicherweise bei unter 1 % liegt.

Dominikanische Republik

Für dieses Land habe ich dummerweise die recht guten Zahlen aus dem Frühjahr überschrieben. Aber die Zahlen von heute sind tatsächlich noch besser geworden. 41,7 % der Bevölkerung sind bereits vollständig geimpft, die 7-Tages-Inzidenz liegt aktuell bei 7,8, bei den Todesfällen bei 0,1. In der Domrep gehen die Infektionszahlen im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern zurück, von vierter Welle noch keine Spur. Und das obwohl es dort Tourismus gibt.

Back Home

Ich glaube, ich werde gleich sehr melodramatisch und persönlich. Sitze im Flieger auf dem Weg nach Hause und reflektiere natürlich über mein Projekt. Und über mein Leben. Zuerst mal, es war auf jeden Fall das Beste, das ich in dem Corona Jahr gemacht habe. Und ich hätte es auf jeden Fall schon sehr viel früher machen sollen.

Auf dem Hinweg habe ich mich ja noch sehr als Pionier gefühlt, als jemand, der Neuland entdeckt. Was ich ja auch gemacht habe. Die Rückkehr ist sehr viel weniger aufregend. Zunächst mal die Fakten. Deutschland hat kürzlich seine Einreisebestimmungen geändert und erlässt nun den voll Geimpften sowohl den negativen Test vor Einreise als auch die Quarantäne. Richtig so. Damit habe ich auch gerechnet. Übrigens, ich habe keinem einzigen Deutschen die Impfdosen weggenommen, ist doch auch etwas!

Zunächst galt es Koffer packen. Ich habe in Daytona ja voll den Einkaufsrausch ausgelebt, nach einem Jahr Enthaltung, allerdings nicht ganz so vollkommen, wie ich es gerne getan hätte. Denn meinem Eindruck nach haben zwar alle Geschäfte geöffnet, aber mit dem Nachschub hapert es. Im Grunde gab es die gleichen Kleidungsstücke wie im letzten Jahr, die Auswahl war gering und die Regale leer. Hängt wohl auch mit Corona zusammen. Trotzdem war es nicht ganz einfach, die Gepäckbestimmungen zu beachten. Als ich meinen Koffer zupresste und hochhob, war er gefühlt 30 kg schwer. Die Waage zeigte 21, kam mir schleierhaft vor. Als meine Abholer kamen und den Koffer ins Auto schleppten äußerten sie die gleichen Bedenken. Xmal gewogen, es blieb bei 21. Und schließlich im Flughafen waren es 48 pound. Stimmt also ungefähr.

Daytona ist ja ein kleiner Regionalflughafen und ich war neugierig, ob man nach dem Impfausweis fragen würde. Ich hatte ein Basic Ticket für den Rückflug gebucht, wo man erst beim Check in seinen Koffer anmelden muss und auch erst am Gate seinen Sitz bekommt. Also war ich neugierig, ob man mich nach einem negativen Test oder Impfausweis fragt, was ja innerhalb USA nicht vorgeschrieben ist. Und ja, man tat es. Dann kam ich nach Atlanta und ging zum Gate wegen dem Platz. Vor dem Gate, wo man ja normalerweise nicht mehr an den Schalter muss wenn man seine Bordkarte hat, eine kleine Schlange. Ich muss ja hin, wegen dem Sitz. Doch sehr langsam ging mir auf, dass diesmal jeder dorthin muss. Um eben wegen den Einreisebedingungen von Deutschland seine entsprechenden Papiere vorzuweisen. Ich hatte ja alles beisammen und die Dame atmete richtig auf, als ich ihr zack meine CDC Karte und die deutsche Einreiseanmeldung auf den Tresen legte. Viele andere hatten das nicht parat und so wurde die Schlange auch immer länger, vor allem weil den meisten erst sehr spät klar wurde, dass alle an den Schalter müssen.

Dann konnten wir boarden und nicht wie sonst in den berühmten Gruppen, sondern jeder, der seine Papiere deklariert hatte, konnte gleich rein. Ein Riesenaufwand. Im Flieger stellte sich raus, dass nur etwa die Hälfte besetzt war, ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie lange das dauern würde, wenn das Ding voll besetzt ist.

Im Flieger selbst ging es locker zu, knapp die Hälfte besetzt, aber immer noch mehr als auf meinem Rückflug im Coronajahr , als die Pandemie eben begann und ich über London zurück musste. Jeder konnte sich frei einen Platz ohne Nachbarn suchen. Interessant, dass tatsächlich die meisten Passagiere Amis waren, keine Deutschen, obwohl sie doch eigentlich immer noch nicht nach Deutschland einreisen dürfen.

Aber ich sprach von melodramatisch. Und das kam durch den ersten Film, den ich mir ansah. Eigentlich mag ich keine Filme, tat mir auch schwer mit der Auswahl, und entschied mich schließlich für den Film „In Translation“ mit Bob Murray. Der war echt schön. Aber eben melodramatisch. Man denkt dann automatisch an sich selbst, man möchte auch einfach mal so etwas Schönes erleben. Wie zwei Menschen sich näher kommen und eine wunderbare Zeit haben. Die wirklich in die Tiefe geht. Ja, das fehlt mir. Diese oberflächlichen alten Herren, die im Grunde sich nach eine jungen Pflanze umsehen, die sich mit mir ganz sicher nicht mehr beschäftigen wollen, aber diese junge Pflanze eben auch nicht finden. Okay, Bill bekam auch nicht die schöne Junge, aber er wollte ja auch nicht. Es war ein sehr gefühlvoller Film, der mir gut gefiel.

Ach ja. Aber es ist nunmal so, dass ich zwar nicht jung bin, aber ganz viel Aufregendes tue. Wie eben nach USA zu fahren wenn man es gar nicht darf. Und da jemand ebenbürtigen zu finden, der es mir gleich tut ist schwer. Freunde habe ich ja, und meine deutschen Freunde haben es mir gleich getan, auch sie sind über den Umweg DomRep nach Florida gefahren, und haben mich heute zum Flughafen gebracht. Und werden nächste Woche sogar ein paar Tage in meinem Haus wohnen.

Warum? Das ist ganz einfach. Sie haben den Urlaub so geplant, dass der eine, der noch arbeitet und deshalb Urlaubstage nehmen muss, zu Hause eine Quarantäne eingeplant hatte, bevor es zurück zur Arbeit ging. Zunächst konnte ich ihn überzeugen, sich in USA impfen zu lassen, so rechtzeitig, dass er genau dann in Deutschland ankommt, wenn die 14 Tage Frist nach der Impfung vorbei sind. Sein Begleiter dagegen weigerte sich, hatte Bedenken vor der Impfung. Drei Tage hat es gedauert, bis wir auch ihn überzeugen konnten. Was bedeutete, dass er zu Hause doch noch ein paar Tage in Quarantäne muss, bis die Schutzfrist um ist. Also wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, der Rückflüge wurden um die ursprüngliche Quarantänezeit verlängert und so kommt auch der andere in den Genuss der weggefallenen Quarantäne.

Ach ja, sie wurden natürlich mit dem einmaligen J&J geimpft, nur das ist ja in der kurzen Zeit vollkommen abgeschlossen. In USA bekommt man seinen Termin sofort und kann das Produkt auch noch auswählen.

Ja, bloß, ihr Haus war ab dem Zeitpunkt bereits vermietet und sie hätten auf der Straße gestanden. Nun wohnen sie bei mir. Und sie sind nicht die Einzigen. Kurz vor Abflug war ich noch in meiner Lieblingsbar, um mich von Freund Bob zu verabschieden. Er fragte mich, ob ich nicht mein Haus vermieten wolle. Nein, will ich nicht. Erzählte, dass es jemanden gäbe, dessen Wohnung von schlimmem Schimmel befallen sei und der deshalb ganz dringend etwas Neues suche, und das in einer Zeit, wo der Wohnungsmarkt in Florida absolut verrückt ist. Ich war keine 24 Stunden im Land, da erhielt ich zwei SMS auf mein amerikanisches Telefon mit Anfragen von Maklern, die mein Haus wollten und sofort ein Angebot abgeben wollten. Die Preise sind völlig überhöht. Und dieser Bekannte suchte etwas für einige Monate, um in Ruhe dann nach etwas langfristigem Ausschau zu halten. Bob gab mir seine Businesskarte und was mich überzeugte war der Beruf. Baumeister und Renovierer von Häusern. Solche Leute sind Gold wert, die muss man sich zum Freund machen. Nun werden wir mal sehen, wie dieses Projekt läuft.

Und nun lehne ich mich entspannt im Flieger zurück und genieße meinen Baileys auf Eis.

Mein Kampf

Nein, mein Kampf richtet sich nicht gegen eine menschliche Volksgruppe, aber dennoch gegen ein Volk, das mindestens so stark und zahlreich ist wie die Menschenvölker und zumindest auf meinem Grund und Boden ausgerottet werden soll. Das Ameisenvolk ist gemeint. Ich kämpfe nun schon einige Wochen, bin aber immer noch auf der Verliererseite.

Zunächst geht man mal hin, kauft eine Sprühdose und sprüht. Der Erfolg ist augenblicklich. Die Ameisen sind mausetot!

Ja, aber nur die, die durch den Sprühstrahl direkt getroffen werden. Nicht die vielen Tausend oder Millionen, die noch in der Erde sind. Um es mal klar zu machen, es geht mir nicht um die Ameisen, die irgendwo in der Erde leben und das als ihr gerechtes Zuhause betrachten. Die können wegen mir dort bleiben, auch wenn das Zuhause in meinem Garten liegt.

Nicht aber die Ameisen, die in MEIN Zuhause eindringen. Und vor allem diese winzig kleinen Biester, die man kaum sieht. Die aber eine Menge Dreck hinterlassen oder aus was auch immer ihre Hinterlassenschaft besteht. Es war schon bei meinem letzten Aufenthalt ein Problem, aber so richtig habe ich mich nicht darum gekümmert. Und dann mussten die guten Kleinen erleben, dass ihnen mein Haus ein ganzes Jahr mietfrei zur Verfügung stand. Und so sah es aus. Heftig. Verschmutzt. Nur in einem Raum, nicht im Hauptgebäude, sondern nur in einem Vorraum. Aber trotzdem. Ich will alleine dort leben!

Also, die Spraydose hat keine echte Verbesserung gebracht. Also Pest Control angerufen. Für Nicht-Floridianer, das ist etwas, das hier zum Leben gehört, geht nicht ohne. Dazu wird innen im Haus gesprüht, einmal im Jahr, auch von außen entlang der Grundmauer, und das soll verhindern, dass die lieben Kakerlaken, die hier eine ganz schöne Größe erreichen, ins Haus kommen. Klappt meist. Die Garantie lautet nur, drinnen dürfen keine Lebenden gefunden werden, Tote schon.

Der gute Mann kam, meinte aber, er sei nicht so recht für die Ameisen zuständig, da sie von außen kommen. Dazu müsste man den Lawn Service rufen. Auch das ist Florida, hier hat fast jeder einen Lawn Service und es wird jedes Quartal gesprüht, gegen alle möglichen in der Erde vorkommenden Insekten. Ist teuer, wollte ich mir erstmal ersparen. Also habe ich mir einen Sack des entsprechenden Produktes gekauft und im Garten verteilt. Genau nach Anweisung.

Es zeigte sich, dass dies offensichtlich ein gutes Futter für die Ameisen ist. Sie leben und gedeihen außerordentlich gut. Dann ging ich die Sache methodisch an und kniete mich vor die Mauer. Suchte und fand die Ameisenstraßen, die alle irgendwie durch die Wand wollten und konnten. Meine Idee war nun, die Löcher zu verstopfen. Dazu kaufte ich, in geordneter Reihenfolge, Gips, Silikon, liquid nails und so. Jeweils in so eine Pistole gesteckt und die Masse herausgedrückt. Der ganze Prozess zieht sich nun schon seit Wochen hin. An einem Tag alle Ritzen und Löcher verstopfen, warten. Am nächsten Morgen schauen, noch ist keine neue Straße entstanden. Freude. Hat geklappt. Irgendwann am Tag neuer Blick, Scheiße, die Kerle haben eine neue Straße entwickelt. Man kann es richtig sehen. Da ist ein Baumeister, der kommt von außen, bohrt ein Loch ins Silikon, sein ganzer vorderer Körperteil steckt drin, dann ist er durch und andere folgen nach. Dann kam ich auf die Idee, diese kleinen Löchlein mit noch winzigeren Kieselsteinen zu verschließen, denn Silikon allein hilft ja nicht. Klappt einigermaßen, aber in der Außenwand finden sie immer noch ein Loch.

Also wieder ins Home Depot und nach einer chemischen Keule gefragt. Ant Shield heißt das Produkt. Also der Name klingt gut. Ameisen sind es ja und ein Schutzschild davor wäre auch ganz gut. Schön nach Anleitung den Rasen davor eingesprüht, die Hauswand auch. Am nächsten Morgen: neue Ameisenstraße. Das ganze drei Tage wiederholt, gleiches Ergebnis. Ich würde es lieber Ant Feed statt Ant Shield nennen, denn es schein den Tierchen gut zu schmecken.

Also irgendwas ist in der Mauer, das die Ameisen brauchen. Vielleicht ihre Königin, ich weiß es nicht. Schließlich finde ich eine kleine Metallplatte, die die schwierige Stelle komplett abschirmen soll. Klappt auch. Aber die Biester finden neue Löcher und Wege. Ab zu Jan und seine chemische Keule geborgt. Da steht zwar nichts von Ameisen drauf, aber wer weiß, Jan hat immer nur Gutes.

So, nun war ich lange genug am PC, ich gehe mal raus nachschauen.

Ruhe.

Aber vielleicht nur die Ruhe vor dem Sturm.