Corona – Gefahr für unser Leben?

Langsam werde ich richtig sauer. Was ist nur los in Deutschland, warum gibt es hier keine sachliche Kritik der Pandemie und der Maßnahmen dagegen? Wer sich kritisch äußert gilt sofort als Verschwörungstheoretiker oder Rechtsradikaler, selbst anerkannten Wissernschaftlern wird ihre Sachkenntnis aberkannt. Mir reicht es langsam. In anderen Ländern darf man durchaus kritisieren, allen voran Österreich. In Servus TV tagt jeden Sonntag das Corona Quartett und ich finde dort gibt es durchaus seriöse Meinungsäußerungen, die nicht nur Angst verbreiten, sondern sehr konstruktiv klingen. Deutschland wird dort immer nur als Negativ-Beispiel erwähnt. Hier bei uns entscheidet nur die Regierung, kritische Stimmen wie der FDP-Vorsitzende Christian Lindner werden sofort abgewürgt und die Personen abgewertet. Den Menschen wird so starke Angst eingejagt, dass sie jeder Maßnahme, die in ihre Grundrechte eingreift, sofort zustimmen und sogar noch mehr fordern. Das lassen tatsächlich vorwiegend Deutsche mit sich machen. Dabei ist die Frage, ob diese Angst überhaupt berechtigt ist. Ja, es sind nun wieder höhere Infektionszahlen. Aber sind diese Menschen überhaupt krank? Sie tragen das Virus in sich, aber es macht sie nicht krank. Und das ist doch eigentlich gut. Wir Bürger haben keine Vergleichszahlen. Niemand hat uns je über die Zahlen zur Grippe informiert. Wieviele tragen hier das Virus in sich, wieviele werden krank. Wir hatten Tote, ja, aber auch nicht mehr als bei Grippe.

Das Covid-19 Virus ist sicher nicht schön, aber es berechtigt nicht dazu, so stark in die Grundrechte einzugreifen. Wenn wir hier unter allen Umständen Tote vermeiden müssen und Intensivbetten frei bekommen sollen, dann müssen wir uns genauso auch mit jeder anderen Lebensgefahr beschäftigen. Aber das tun wir nicht. Die getroffenen Maßnahmen wie Maskenpflicht für Kinder oder Sperrstunden bzw. Schließungen von Unternehmen, dieTotalausfälle für so viele Berufsgruppen tragen auch zu der Gefahr für unser Leben bei. Gegen eine Gefahr kämpfen wir, nehmen dafür aber viele andere in Kauf.

Auch ich habe Ausfälle, aber das ist nicht der Grund, warum ich so denke. Ich habe immer noch ein Einkommen, wenn auch meine Lebensaufgabe dahin ist. Aber die vielen Solo-Selbstständigen wie kleine Reisebüros oder Reiseführer-Verlage, vor allem natürlich die Künstler, denen wurde von heute auf morgen alles entzogen. Und ich finde, das Virus ist als Begründung dazu nicht ausreichend.

So oft höre ich, haben denn die Menschen die frühen Bilder aus Italien und Spanien vergessen? Nein, ich glaube nicht, dass wir diese vergessen haben. Wir schätzen sie nur anders ein. Das waren schlimme Zustände am Anfang der Pandemie in Ländern, die nicht darauf vorbereitet waren. Deutschland war nicht betroffen, unser Gesundheitswesen, das durchaus Kritik verdient, hat es geschafft. Warum sollten wir es also heute nicht schaffen, wo wir doch so viel mehr über die Krankheit wissen. Macht die Menschen bitte nicht kaputt!

Kleidermarkt in Ighzer

Heute haben wir ein gutes Geschäft gemacht. Wir haben uns den Ort Ighzer angesehen. Dort waren sehr freundliche Leute, die uns alles gezeigt haben. Zum Dank gaben wir einige Kleidungsstücke, so konnten die anderen sehen, dass wir einen ganzen Koffer voll Sachen dabei haben. Und sie wollten kaufen, sie rissen sich sogar darum. Das Zeug wurde uns aus der Hand gerissen, man hielt uns Geldscheine hin und nachher hatten wir ohne es zu wollen 460 DA. Das sind für uns 120 DM. Wir waren ganz happy, so können wir uns heute Abend ein schönes Essen im Lokal leisten. Auch der Ort selbst war sehr interessant, der Alte, der uns führte, bot uns an, kostenlos in der alten Kasbah zu schlafen. Das wäre auch mal ein Abenteuer. Wenn ich noch einmal hierhin komme, gehe ich sicher wieder dorthin. Aber zusammen mit den Schlangen und Skorpionen werde ich doch nicht schlafen.

Heute ist der dritte Tag in Timmimoun, es langt aber auch langsam. Wir haben alles gesehen und mir wird langweilig. Ich freue mich schon wieder auf Marokko. Natürlich geht einem der Geschäftssinn dort auf die Nerven, aber es macht auch Spaß, etwas Schönes zu ergattern. Und wir brauchen noch so einiges an Souveniren.

Eben sitzen wir in einem süßen Restaurant faul am Boden und sind total mit Couscous vollgefressen. Es ist wirklich hübsch eingerichtet hier, das hätte ich nicht erwartet. Der Couscous war schön in einer Holzschale angerichtet, vorher gab es Harira und Datteln. Wir wissen zwar noch nicht den Preis, aber wir haben heute ja gut verdient. Das Lokal ist ringsum mit Kissen ausgelegt und hat niedrige Tischchen mit Tabletts darauf. So ähnlich werde ich es zu Hause auch machen.

27.4. Zurück in Taghit

Nun sind wir also wieder in Taghit angekommen, so schließt sich der Kreis in Algerien. Morgen geht es zurück nach Marokko. Ich freue mich schon richtig darauf und ich will auch noch mal nach Zagora fahren. Dann können wir dort auf dem Markt nochmal richtig einkaufen. In Marokko gefällt es mir halt doch besser als in Algerien. Gestern hatten wir ein schönes Erlebnis. Wir fuhren nach Ksabit, einer kleinen Oase, in die nicht sehr viele Touristen kommen. Frauen, die in den Palmengärten arbeiteten, winkten uns, näher zu kommen und zeigten uns alles. Sie waren sehr hübsch angezogen, hatten die Haare zu Zöpfen geflochten und luden uns zum Bleiben und Essen ein. Aber es war noch früh am Morgen, wir wollten weiter und verwiesen auf den Ramadan. Eine Frau zog spontan ihren Ring aus und gab ihn mir. Eine andere gab daraufhin ihren Ring an Traute. Wie gut, dass wir noch Kleidungsstücke zum Verschenken im Auto hatten, denn das Geschenk konnten wir nicht abweisen. Nur revanchieren konnten wir uns. Die meisten trauten sich aber nicht, sich fotografieren zu lassen. Nur eine rückte sich nochmal Haare und Kleidung zurecht und ich durfte ein Foto schießen. Hoffentlich wird es was. Zum Schluss nahm uns die eine mit in ihr Haus und gab uns noch Datteln und süßes Gebäck mit auf den Weg. Und natürlich sollen wir beim nächstenmal wieder vorbei kommen.

Abends haben wir uns im Hotel nochmal vollgefuttert, es gab Couscous und so viel davon, dass noch zwei Personen hätten satt werden können. Wir mussten ja das Geld ausgeben, das wir bei dem Verkauf der Kleider verdient haben. Kurz vor der Grenze haben wir noch einmal vollgetankt und da das Geld nicht reichte, habe ich noch eine Jeans dazu gelegt. Der Tankwart war so zufrieden, dass er das Auto noch etwas gerüttelt hat, damit mehr hinein passt.

28.4. Figuig

Endlich wieder in Marokko, Hamdullilah! Es gibt wieder alles zu kaufen, es gibt Cafes, es ist Leben auf der Straße. Gerade ist Harira-Zeit. Die Leute (einschließlich uns) sitzen im Cafe und beim Heulen der Sirene schlürft alles die Suppe. Die Geschäfte hatten mit dem Untergehen der Sonne geschlossen. Die Leute haben sich noch schnell mit Süßigkeiten versorgt, die sie zur Suppe essen. Gleich kommen die Jungen und verkaufen Zigaretten: Marlboro, Marlboro, Marquise, Marquise. Ja, das ist Leben. Hier herrscht viel lockerere und freundlichere Atmosphäre. Und nun, da alle wohlgesättigt und zufrieden, kommen die Schuhputzer. Nun wird sich zurück gelehnt und nun kann auch noch für ein besseres Outfit gesorgt werden. Wir fühlten uns richtig ausgehungert nach Algerien. Obwohl wir in Wirklichkeit genug zu essen dort hatten. Aber über allem ist ein Gefühl des Mangels gewesen. Hier ist Überfluss! Traute ist ganz süchtig nach dem frisch ausgepressten Orangensaft. Wir übernachten im schönen Hotel Figuig.

Von Adrar nach Timmimoun

Heute haben wir eine sehr große Etappe geschafft. Ich wollte unbedingt nach Adrar, da es dort im Hotel Touat einen Pool geben sollte, der sogar mit Wasser gefüllt ist. Und so sahen wir uns an der Strecke nichts an und fuhren nur die gut 500 km bis Adrar. Unterwegs habe ich dann extra wegen Traute den Wagen in den Sand gefahren, damit sich die Mitnahme der Sandbleche gelohnt hat und Traute endlich mal zum Sand schaufeln kam. Ich wollte so gern den Wagen allein flott bekommen oder es zumindest versuchen, aber gleich hielt ein Wagen und drei Männer halfen uns. Eine Belohnung wollten sie natürlich auch dafür und zwar in Form von Lebensmitteln. In Marokko will man Geld, hier lieber Sachwerte. Und hier in Adrar merke ich auch langsam warum. In Marokko kostet ein Kilo Orangen 2 DH, hier 9 DA. Und das obwohl der marokkanische Dirham weniger wert ist. An Lebensmitteln ist auch kaum etwas zu bekommen, hätten wir doch nur einen großen Vorrat mitgenommen. Eine Harira sollte 20 DA kosten, in Marokko kosten 2 Suppen 3 DH. Allerdings muss man auch sagen, dass wir an der Grenze quasi einen Zwangsumtausch machen mussten, Algerien ist ein sozialistisches Land wie die DDR. Und die Menschen. Sie sind ganz anders. So aggressiv. Wenn wir über die Straße gehen, immerhin in einer Stadt wie Adrar, werden wir angesehen wie Freiwild. Ich komme mir wie ein unerwünschter Eindringling vor. Kinder haben sogar mit Steinen auf uns geworfen. Und wir laufen durchaus nicht freizügig herum. Wir tragen lange Hosen und T-Shirts. In Marokko habe ich nie das Gefühl gehabt, unerwünscht zu sein. Man war immer froh, mich zu sehen. Gerade auch, wenn ich in einem sehr kleinen Dorf hielt, wo selten ein Tourist hinkommt, umringte man mich, lud mich ein. Jeder war stolz, wenn ich sein Gast war. Man freute sich zwar über ein Gastgeschenk, aber man forderte es nicht. In Taghit war die Stimmung nicht so aggressiv, eher uninteressiert. Aber wir konnten in Ruhe hingehen, wohin wir auch wollten.

Heute hatten wir aber auch ein nettes Erlebnis. Wir suchten Brot und fanden keinen Laden. So gerieten wir in ein Viertel, in dem einfache Leute wohnten. Wir fragten nach einem Bäckerladen, aber das Brot war alle. Ein alter, armamputierter Mann erklärte sich bereit, von zu Hause ein Brot zu holen. Wir gaben ihm ein paar Kleidungsstücke und alle waren wir zufrieden.

23.4. Timmimoun

So, nun sind wir also in Timimoun, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Wir wohnen hier in einem kleinen Paradies, dem Hotel Gourara direkt an der Palmenoase. Es ist ein warmer Sommerabend, ein Lüftchen weht, das Hotel haben wir fast nur für uns. Und im Zimmer einen unbeschreiblichen Luxus, einen Kühlschrank, in dem wir sogar Eiswürfel machen können. Timmimoun ist ein unwahrscheinlich hübscher Ort, der mich mit seinen roten Lehmhäusern an die Architektur in Mali erinnert. Es kommt mir auch sauber und ordentlich vor, das einzige, das mir nicht gefällt, sind die eher unfreundlichen Leute. In Marokko habe ich mich immer herzlich aufgenommen gefühlt, hier fühle ich mich wie ein unerwünschter Eindringling. Heute wollten wir uns das zweite Hotel im Ort ansehen, da verlangte man doch 100 DA dafür.

Tagsüber ist es hier ganz schön heiß, da kann man nur noch faul im Schatten liegen. Morgen müssen wir uns noch die Palmeraie ansehen. Im Hotel sind die Leute freundlich, das ist aber auch das erstemal.

24.4. Durstig im Sand

Heute habe ich mich endlich ausgetobt mit den Sandblechen. Wir haben die Sebka Rundfahrt gemacht, die ist am Ende ganz schön sandig. Mir hat es riesig Spaß gemacht, obwohl man bei der Hitze auch sehr durstig wird. Ich habe im Gepäck immer einen Kanister Wasser und einen Kanister Rotwein, also packte ich einen Kanister ein und wir fuhren los. Und nicht lange, da steckten wir auch schon im Sand. Sandbleche runter und geschaufelt. Machte Spaß in dem weichen Sand, aber eben auch durstig. Wie gut, dass ich Wasser dabei habe. Griff zum Kanister, ein großer Schluck. Igitt! Ich habe die Kanister verwechselt. Und Durst mit Rotwein löschen geht absolut nicht. Wir waren völlig fertig.

Die Ausblicke den Felsabbruch hinunter waren sehr schön, aber eigentlich hatte ich mir Timmimoun ganz anders vorgestellt. Viel mehr inmitten von Sanddünen gelegen. Da entsprach Tighit schon mehr meinen Vorstellungen. Und das Essen hier ist wirklich teuer. Ich habe dauernd Angst zu verhungern. Es ist manchmal schwierig, überhaupt etwas zu bekommen.

2. Algerienreise 1989

Dann begann das für mich bisher schönste Stück der Reise. Die Fahrt nach Algerien. Endlich mal etwas Neues. Ich wollte die Piste nach Boudenib ausprobieren, deren Anfang ich beim letztenmal gesehen hatte. Und da war endlich das Abenteuer. Endlich war Neues zu entdecken. Diese Piste war so voller Neues, aber leider viel zu kurz. Und endlich Einsamkeit. Auf der ganzen Strecke ist uns nicht ein Mensch begegnet, nicht ein Haus oder Zelt war zu sehen. Herrlich nach all der Anmache bisher. Doch bald waren wir in Boudenib. Es ist nur ein kleiner Ort, aber alles zu haben. Ein einfaches Hotel gab es, war aber geschlossen. Nicht ein Mensch sprach uns an, eine Wohltat. Man merkt, dass nicht viel Touristen hierher kommen.

Bouarfa

Wir fuhren also weiter und hofften, noch irgendwo ein Hotel zu finden. Aber die wenigen Orte waren so klein, da gab es nichts. Einen geeigneten Platz im Freien fanden wir auch nicht und Traute fror sehr, da sie eine Erkältung hatte. Es wurde schon dunkel. Plötzlich sahen wir in der Ferne eine Lichterkette. Was war das? Ein beleuchteter, fahrender Zug? Hier gibt es doch keine Eisenbahn. Eine Moschee mit Lichterkette, ein Fest? Die Neugierde und das Rätsel wurden immer größer. Wir fuhren und fuhren, die Lichter kamen nicht näher. Erst nach 40 km dann die Auflösung, es war die Straßenbeleuchtung von Bouarfa. Wie verschwenderisch hier mit Licht umgegangen wird. Und das in einem so entfernten Winkel von Marokko. Wir waren auch über die Größe der Stadt sehr überrascht. Ein richtiges Geschäftszentrum. Und es gab auch zwei Hotels, so dass für die kranke Traute ein warmes Bett gefunden wurde. Die Zimmer waren zwar ohne fließend Wasser, auch draußen gab es keine Dusche, aber für eine Nacht reichte es. Am nächsten Morgen um 8 Uhr wollten wir aufbrechen, aber das Hotel lag in tiefem Schlaf, die Tür war verschlossen. Zum Glück fand ich eine Hintertür und bezahlt hatten wir auch schon. Im hellen Tageslicht fanden wir auch einen hübschen Rastplatz, der nun für eine Frühstückspause genutzt wurde.

20.4. Einreise nach Algerien

Nun ging es weiter nach Figuig. Dieser Ort macht einen hübschen Eindruck und lohnt eine Besichtigung auf der Rückreise. Wir wollten aber gleich zum Grenzübergang. Die Abfertigung verlief sehr unarabisch geordnet, zwar wurde sehr genau nach Devisen gefragt und das Gepäck durchsucht, aber alles verlief völlig vorschriftsmäßig. Nach knapp zwei Stunden betraten wir algerischen Boden.

Taghit

Hinter der Grenze ist gleich eine Tankstelle, so kamen wir sofort in den Genuss des billigen algerischen Diesels. Die Straße nach Bechar bietet keine Abwechslung. Auch die Straße, die hinter Bechar nach Taghit abzweigt, bietet nur langweilige Landschaft. Ich konnte mir bis kurz vor Taghit nicht vorstellen, dass ich bald in einer malerischen Oase sein sollte. Aber dann, wenige Kilometer vor Taghit, tauchten hinter der Oase plötzlich riesige goldgelbe Sanddünen auf. Nein, so etwas hat Marokko nicht zu bieten. Im Tal davor eine grüne Palmenoase, ein Gewässer fließt träge dahin, am Rand blüht der Oleander und Feigenbäume. Ein Paradies. Und in dem Paradies zu allem Überfluss noch ein ansprechendes Hotel. Die ehemals sehr schöne Anlage mit Gärten und Swimmingpool ist leider etwas herunter gekommen. Hier, wo sowohl Wasser als auch Elektrizität knapp sind, läuft das warme Wasser im Bad und in der Toilette ohne Unterbrechung. Mit ein paar Dichtungen könnte man eine Menge Geld sparen.

Kurz vor Sonnenuntergang besteigen wir die Dünen, um den schönen Ausblick zu genießen. Aber woran liegt es nur, jeder Schritt fällt unheimlich schwer, wir sind völlig fertig, als wir oben ankommen. Ein paar einheimische Kinder machen das im Laufschritt. Hier fällt mir wieder der große Unterschied zu Marokko auf; keiner spricht uns an, keiner bettelt, kein Fossilienverkäufer sitzt schon auf der Düne.

Später im Garten des Hotels sehe ich den Vollmond. Es ist so hell, man könnte einen Fußmarsch in die Wüste unternehmen. Halbzeit im Ramadan. Bisher hatten wir nicht die geringsten Probleme damit. Allerdings wollten wir auch tagsüber noch nie etwas zu essen haben. Die Leute sind alle freundlich zu uns, keiner ist aggressiv, nur manchmal heißt es, ich bin müde. Das macht der Ramadan.

Am nächsten Morgen machten wir einen Ausflug zu den Felsgravuren. Sie sind leicht zu finden, eine Teerstraße führt direkt zu dem Felsabhang an dem sie sich befinden. Das heißt natürlich auch Touristenbusse. Viele Gravuren sehr neuen Datums sind dazu gekommen, viele Besucher mussten sogar ihre Namen verewigen. Wenn man nach links etwa 1 km weiter spaziert kann man noch besser erhaltene Gravuren finden. Heruntergelaufene Wachsreste zeigen, dass hier jemand Abdrücke gemacht hat.

Hier in Taghit gibt es außer dem Hotel ein Cafe, wenige Läden, Post und ein Souvenirgeschäft. Dort gibt es kaum etwas zu kaufen und das wenige ist sehr teuer. Abends werden wir noch zu einem Tee eingeladen. Ein junger Mann sprach uns im Hotel an, lud uns in sein Haus ein und wir gingen prompt mit. Dort wartete ein zweiter junger Mann und mir wurde sehr unbehaglich zumute. Wir tranken unsere drei Gläser Tee und machten uns dann wieder davon. Irgendwie ist die Atmosphäre hier in Algerien anders.

 

Djerba und nach Hause

Ärger in Houmt Souk

Ich blieb noch bis zum 4. Januar in Douz, aber dann wollte ich doch noch mal zurück nach Houmt Souk ins Hotel Marhaba. Der abrupte Aufbruch dort ging mir irgendwie nach und ich wollte nochmal mit Haschmi reden. Ich bekam wieder mein Zimmer, wir sprachen am Abend, aber es war dennoch eine Enttäuschung. Am Morgen dann ein großer Schreck. Mein Suzuki SJ 410 hat ja nur eine Plane, die man leicht aufmachen kann. Also hatte ich alles Gepäck ausgeräumt. Als einziges waren der algerische Karton voller Sandrosen und ein Plastikbeutel mit meinen verknipsten Diafilmen im Auto zurück geblieben. Und genau dieser Beutel war weg. Völlig nutzlos für den Dieb, aber eine Katastrophe für mich. Außerdem habe ich Krach mit Haschmi, aber ich kann noch nicht weg, weil ich auf meine Sachen aus der Reinigung warten muss.

Am 6. Januar fahre ich ab aus Houmt Souk und damit ist die Reise auch im Wesentlichen beendet. Zwischenübernachtung in Kairuan und bin furchtbar genervt. Habe sowieso schlechte Laune und hier ist die Anmache noch schlimmer als anderswo.

Sidi Bou Said

Sitze nun in meinem Lieblingslokal in Sidi Bou Said und komme langsam wieder zu mir. Bekomme heute, am letzten Tag, wieder etwas Spaß an meinem Urlaub. Dieses Sidi Bou Said ist ein guter Ort. Zwar gibt es auch hier Souvenirgeschäfte, aber die Anmache ist nicht so schlimm wie anderswo. Hier kann man noch Ruhe finden. Habe hier ein tolles Geschäft entdeckt mit wundervollen alten Dingen und festen Preisen. Der Inhaber hat es nicht nötig, die Leute auf der Straße abzufangen. Schade, dass mein Geld alle ist. Aber wie er so schön sagte, la prochaine fois!

Damit endete meine erste Tunesien-Reise, die ich mit eigenem Fahrzeug gemacht habe. Ich kam noch etliche Male wieder. Viele Namen wurden genannt, aber der einzige, mit dem ich ich immer noch einen netten Kontakt habe, ist Kamel. Er kam mich sogar mal in Deutschland besuchen.

Das Fest des Marabut

Walli und ich zogen um ins Hotel Saharien. Am Morgen wurde ich von dumpfen Trommelschlägen geweckt. Die Leute im Hotel konnten mir nicht so recht erklären, was es mit der Musik auf sich habe, so suchte ich also nach Kamel. Er erklärte mir, dass es sich um ein Fest zu Ehren eines Marabuts handelte, eines heiligen Mannes. Wir gingen zusammen zu dem Festplatz. Er liegt nicht weit vom Stadtzentrum neben einer Moschee, mitten in den Sanddünen. Gegenüber steht das Grabhäuschen des Marabut und vor diesem hatte sich eine riesige Menschenmenge versammelt. Diesmal waren die Menschen aber ganz strikt nach Männern und Frauen getrennt, Kamel sagte gleich zu Beginn, dass er auf mich warten wolle. Auf keinen Fall wollte er auf diesem Fest in Begleitung einer Frau gesehen werden. Ältere Männer in Djellabas mit einem Gewehr auf der Schulter (sicher nur zur Zierde) patrouillierten auf und ab und achteten streng darauf, dass die Ordnung eingehalten wurde. Kinder mussten bei den Frauen sitzen, schon etwa 10jährige Mädchen wurden sofort von der Männerseite vergrault. Wenn ich allerdings mal bei den Männern stehen blieb, sagte keiner etwas, ich war auch die einzigste Touristin.

Reiter stellten sich in ihren schönsten Trachten auf, man sah sowohl herrliche Araberpferde als auch Reitkamele. Wenn eine Gruppe beisammen war, jagten sie auf ein Zeichen hin durch die von den Zuschauern gebildete Gasse und schossen ihre reich verzierten Gewehre ab. Es war ein Schauspiel, so schön und so echt, dass es mir viel lieber war, als das ganze Saharafestival.

Von Kamel hatte ich gehört, dass der Sage nach in dem Häuschen des Marabut eine Schlange leben soll. Einmal im Jahr, an diesem Festtag, soll die Schlange erscheinen und ihr Biss soll völlig ungiftig sein. Kamels eigener Glaube daran war allerdings nicht sehr groß, er wollte sich lieber nicht beißen lassen. Die Menschen versammeln sich, um auf das Erscheinen der Schlange zu warten und verkürzen sich die Zeit mit diesen Reiterspielen. Ob die Schlange aber wirklich noch erschienen ist, kann ich leider nicht sagen.

Douz

So traf ich also am Vormittag des 30. Dezember etwas lustlos in Douz ein, denn ich konnte mir denken, dass hier noch schwieriger ein Zimmer zu finden wäre. Das Festival lief noch, Silvester stand bevor und alle Hotels voll. In der Woche des Festivals ist täglich Markt, die Verkaufsstände sind entlang der Hauptstraße und im Hof der Schule aufgebaut. Nicht nur Händler kommen hierher, um ihre Waren zu verkaufen, auch richtige Nomaden bauen zu dem Fest ihre Zelte im Ort auf. Sie richten darin kleine Restaurants ein, man kann sitzen, Tee trinken und ihre typischen Gerichte probieren. Ich versuchte die Pfannkuchen, sie sind sehr lecker. Die junge, nicht verschleierte Frau gab mir noch eine Handvoll Datteln dazu.

Als ich so über den Markt schlenderte, sprach mich ein junger Mann namens Kamel an und fragte, ob ich eine Schlafgelegenheit suche. Er habe in der Nähe der großen Düne, etwas außerhalb von Douz und nicht weit vom Festplatz, einige Nomadenzelte errichtet, in denen Touristen schlafen könnten. Ich solle mir das doch einmal ansehen, bei Nichtgefallen könnte ich ja wieder gehen. Das war doch genau eine Unterbringung nach meinem Geschmack. Vier Zelte standen im Kreis und bis zum Abend würden noch andere Touristen kommen. Die Zeit bis dahin wollte er nutzen, um mir das Festival zu zeigen. Das war wirklich toll, denn er ist ganz lieb ohne irgendwelche Absichten und er kümmert sich rührend.

Saharafestival in Douz

Dieses Ereignis ist eine rein touristische Veranstaltung und fand vom 27. bis 30. Dezember statt. Große Tribünen waren aufgebaut, der Eintritt ist (noch ?) kostenlos. Es wurden Kamelrennen und -kämpfe gezeigt, aber mit echten Reitkamelen, die zum Teil von den Tuareg im Hoggar gekauft werden.  Nomaden marschierten in ihren bunten Trachten ein und zeigten, wie sie ihre Herden zum Brunnen treiben. Die Attraktion von Douz sind spezielle Windhunde, die zur Gazellenjagd ausgebildet werden. Es wurde allerdings nur gezeigt, wie sie einen armen Fenek zu Tode hetzten. Den glanzvollen Abschluss bildete eine inszenierte Berberhochzeit mit den dazugehörigen Reiterspielen.

Das schönste an dem Fest war für mich aber, die Zuschauer zu betrachten. Vor allem gefielen mir die würdevollen alten Männer, die – auf einen Stock gestützt – den Darbietungen mit ernster Miene zusahen. Überhaupt muss man sagen, dass die Zuschauer zum größten Teil aus Einheimischen bestanden. Männlein und Weiblein waren streng in verschiedene Abteilungen getrennt, nur bei den Touristen gab es eine Ausnahme. Kamel (ist wirklich ein Vorname in Tunesien, wird gesprochen wie Kamell) hatte noch ein deutsches Mädchen unter den Zuschauern getroffen und wir durften mit ihm zusammen in der Touristenabteilung sitzen.

Nach der Veranstaltung zeigte sich dann, dass wirklich noch andere Touristen unser Sahara-Camp gefunden hatten, alle Zelte waren besetzt. Walli, das Mädchen aus Deutschland, kam mit uns, auch sie wollte einmal eine Nacht im Nomadenzelt verbringen. Kamel ließ von seiner Familie einen riesigen Topf Couscous herbeibringen und wir aßen alle zusammen vor unseren Zelten, über uns Millionen Sterne am Himmel. Nach Einbruch der Dämmerung wird es im Dezember empfindlich kalt und auch feucht, aber bei einem Feuerchen konnten wir uns wärmen. Es wurde noch lange erzählt und wir schliefen, in warme, handgewebte Decken gerollt, vorzüglich auf den Teppichen der Zelte. Und hier feierten wir auch Silvester, eine Gruppe Italiener kam noch dazu.

Leider wurde unser Camp nach zwei Tagen abgebaut. Die Familie bekommt jedes Jahr nur für die Dauer des Festivals die Genehmigung für das Camp. Inzwischen hatten Walli und ich uns schon längst mit der ganzen Familie angefreundet. Sie wohnen in Ghellissia, einem kleinen Dorf vor Douz. Das Dorf musste vor zwanzig Jahren neu aufgebaut werden, weil der Wind die alten Häuser vollständig mit Sand zugeweht hatte. Noch heute kann man Mauerüberreste aus dem Sand ragen sehen und es ist nicht auszuschließen, dass der Ort irgendwann einmal wieder verlegt werden muss.

Die Frauen der Familie kamen am Morgen, um die Zelte abzubauen. Wir Beiden boten uns sogleich zur Mithilfe an, was auch akzeptiert wurde. Kamel aber, den wir fragten, warum er nicht mithelfe, lehnte entrüstet ab. Das sei Frauenarbeit und er hätte in den vergangenen Tagen genug gearbeitet (er war hauptsächlich mit uns unterwegs gewesen). Aber diese Arbeitsteilung von alters her muss man wohl akzeptieren.

P.S. Das sind nun die ersten Fotos, die wirklich von dieser Reise stammen, sie waren noch in der Kamera, als mir in Houmt Souk die Tasche mit den vielen belichteten Filmen gestohlen wurden.

Houmt Souk

Stadtbummel in Houmt Souk und Rundfahrt auf der Insel. Abends kam der junge Mann, den ich in Matmata getroffen hatte und lud mich zusammen mit seiner Frau zum Essen ein. Sein Bruder Haschmi, der das Hotel leitet, kam auch mit. Er war unheimlich lustig. Wir gingen noch in eine Diskothek bis 2 Uhr, ich tanzte wie verrückt.

Auch am nächsten Tag blieb ich noch in Houmt Souk, weil der Haschmi Geburtstag hatte und wir den abends feiern wollten. Aber so ein lustiger Abend lässt sich natürlich nicht wiederholen. Er wollte, dass ich mit ihm schlafe, aber ich wollte nicht.

Am Morgen war der Gute wohl sauer wegen gestern Abend. Da ist es gut, mit dem Auto frei zu sein. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jetzt noch in dem Hotel bleiben. Leider regnet es immer noch.

Ksar Rhilane

Bin bis Ksar Rhilane gefahren. Auf der Piste traf ich Franzosen mit Motorrädern und zeigte ihnen den Weg. Ein Mädel, Beifahrerin, bat mich, ob sie mit mir fahren könne, sie war müde und kaputt und das Wetter so schlecht. Als wir dann in Ksar Rhilane eintrafen waren viele Leute dort. Man unterhielt sich, machte Musik, es war einfach toll, der lustigste war Fati, der mt einer Gruppe dort war. Einer von den Momenten, wo ich weiß, warum ich diese Strapazen auf mich nehme. Wann ist es schon zu Hause so? Nie! Diese neuen Erlebnisse täglich, diese Gespräche mit neuen und oft interessanten Leuten hier. Oft habe ich Momente, wo ich solches Heimweh habe und sofort heimfahren möchte, aber kurze Zeit später ist es wieder ganz toll.

Fati reiste mit seiner Gruppe ab, aber ich blieb noch ein Weilchen. Die Franzosen nahmen mich schließlich mit dem Motorrad mit zu einem Ausflug zu dem alten Fort aus dem 2. Weltkrieg, als Dank fürs Weg zeigen. Das war toll. Mein Fahrer nahm grundsätzlich die höchsten Sanddünen. Wir sind auch einigemale gestürzt, aber in dem Sand passiert ja nichts. Ich merkte, wie schwer doch so eine Maschine ist. Ohne zweiten Mann kann man die nicht wieder aufrichten. Aber habe direkt Lust bekommen, selbst Motorrad zu fahren.

Ksar Rhilane – Douz

In Douz sollte bald das Sahara-Festival stattfinden, es ist jedes Jahr kurz vor Silvester. Deshalb machte ich mich auf den Weg. Doch unterwegs ein erneuter Schock. Mitten in der Fahrt ging plötzlich mein Motor aus. Ich kann es wirklich nicht fassen, dass mich auch diesmal, auf einsamer Piste 60 km vom nächsten Ort, mein Schutzengel nicht verließ. Eine Minute später kam ein Auto vorbei und der Mann verstand wohl etwas von Motoren. Es hielten schließlich 4 Autos bei mir und als der erste mir gerade angeboten hatte, mich nach Douz zu schleppen, ging es wieder. Keine Ahnung wieso. Ich habe wirklich unverschämtes Glück und sollte es nicht weiter strapazieren. Abends traf ich in Grad ein, wo ich Fati wiedertraf.

Steckengeblieben im Salzsee

Am Morgen behielt ich noch das Zimmer und wollte einen schönen Tagesausflug machen. Zunächst ging es nach Tozeur, den Phosphatminenstädten Metlaoui und Moulares, dem wunderschön auf Felsen gelegenen Mides und zu den Wasserfällen von Tamerza. In Chebika erkundigte ich mich nach der Piste zurück nach Nefta. Aber niemand kannte sie. Schließlich fand ich eine breit angelegte Piste, die in die richtige Richtung führte.

Das erstemal wurde mir mulmig, als ich plötzlich mitten auf dem Chott Gharsa war und aus der breiten Piste nur einzelne Spuren wurden. Diese wurden immer spärlicher, und das Auto fuhr immer schlechter, da der Untergrund sehr weich war. Ich dachte an die Karl-May-Geschichten, wo Pferd und Reiter spurlos im Salzsee verschwanden und fürchtete schon, dort übernachten zu müssen, da die Sonne nicht mehr hoch stand.

Doch endlich war der Salzsee zu Ende, dafür aber auch die Spuren. Ich richtete mich nur noch nach dem Kompass, konnte sogar in der Ferne schon eine Oase erkennen. Aber wie viele Kilometer das in einer Wüste noch sind! Plötzlich vor mir ein Fluss. Das darf doch nicht wahr sein! Ich war schon ziemlich mit den Nerven fertig, stieg aus und betrachtete den Wasserlauf. Nicht höher als 20 cm das Wasser. Also durch! Nach zwei Metern stak ich dermaßen im Schlamm, dass das ganze Fahrwerk aufsaß, und die Sonne erfreute mich mit einem wunderschönen Untergang.

Ich räumte alles Gepäck aus dem Wagen, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, dass der Wagen in der Nacht ganz versinkt. Und ohne Gepäck auch leichter ist. Dann ging ich erstmal in Richtung Oase, deren Lichter verführerisch vor mir glitzerten. Nach etwa einer Stunde blickte ich zurück. In der Richtung meines Autos sind doch Lichter! Hat da jemand meine Sachen gefunden? Ich hastete zurück, kam völlig fertig an und sah, dass die Lichter ferner als je zuvor waren. Man wird hier in der Entfernung sehr getäuscht.

Zum Glück hatte ich die gesamte Campingausrüstung samt Wasser und Datteln dabei, der Rest war im Hotel, wo man mich sicher vermisste. Also Zelt aufbauen und schlafen. Im Zelt kam der Schock erst so richtig über mich. Ich zitterte am ganzen Leib, konnte es nicht kontrollieren. Schlief nur wenig. Vor allem die Angst: Ist das Auto vielleicht am Morgen im Schlamm versunken? Wird es noch fahren können? Was wird das alles kosten?

Bevor noch die Sonne richtig aufgegangen war, machte ich mich erneut auf den Weg. Nach über einer Stunde Fußmarsch in Richtung Ort ein neuer Schreck: Sumpfgebiet. Wenn ich da in der Nacht hineingeraten wäre! Es muss mir wirklich mein Schutzengel die  Lichter zum Umkehren geschickt haben. Es war nicht leicht, aus diesem Labyrinth herauszufinden; wie habe ich mir in diesem Moment einen dieser sonst lästigen kleinen Jungen gewünscht, der mich für ein paar Münzen führt. Ich musste einen großen Umweg machen. Endlich eine Piste! Eine größere Freude hätte ich zu Hause mit Weihnachtspäckchen auch nicht haben können, heute ist ja der 23. Dezember. Und bald traf ich zwei Männer auf einem Traktor. Erst viel später ging mir auf, was für ein Glück das wirklich war. Als ich nämlich die vielen Kilometer, die der Ort noch entfernt war (es war El Hamma), selbst fahren konnte.

Ich stieg auf den Traktor und wir versuchten, den Wagen zu finden. Leicht ist das nicht in dieser unendlichen Weite. Aber wie den Wagen rausbekommen? Der Traktor war jenseits des Flusses und das Seil reichte nicht bis zu dem eingesunkenen Fahrzeug. Also suchten die Männer einen Platz zum Überqueren und blieben prompt ebenfalls stecken. Erneuter Fußmarsch, diesmal nicht von mir.

Nach über zwei Stunden kam der freundliche Mann mit einem Hilfstrupp von weiteren zwei Personen. Aber so ist der Traktor nicht herauszubekommen. Sie zogen wieder ab, und ich wartete mit einem der Tunesier auf neue Hilfe. Glaube, wenn ich heimkomme, habe ich erstmal die Nase voll von der Wüste.

Ich erlebte den zweiten wunderschönen Sonnenuntergang an dieser Stelle und wir warteten immer noch. Wie gut, dass ich wenigstens den richtigen Tee für die Leute dabei hatte. Nur mit meiner Kocherei sind sie nicht zufrieden und übernehmen das selbst. Wir tranken viele Kannen leer in dieser Nacht.

Da endlich tauchten in der Ferne die Lichter eines Autos auf. Es dauerte lange, bis es sich einen Weg durch die unwegsame Landschaft gekämpft hatte. Ein Vortrupp, der verkündete, dass bald ein zweiter Traktor eintreffe. Es hatte stundenlange Verhandlungen und 50 Dinar (über 100 DM) gekostet, den Besitzer zum Kommen zu überreden. Wir versuchten, den Anhänger des Traktors herauszuziehen, es klappte. Als wir aber auch den Traktor befreien wollten, riß das dicke Stahlseil. Also, ab in die Stadt und wieder warten. Nach zwei Stunden kamen sie mit einer schweren Kette (wieder 20 Dinar weg, das wird ja teuer). In diesem Moment betete ich wirklich darum, dass sie es schaffen. Und tatsächlich, der Traktor kommt aufs Trockene. Hamdullah! Die Tränen kommen vor Freude. Wenn die Kette den schweren Traktor geschafft hat, ist der ausgeräumte Suzuki ein Kinderspiel. Und genau 12 Stunden nach dem ersten Eintreffen der Hilfe können wir uns auf den Heimweg machen. Inzwischen hat sich schon eine Piste zu der Unglücksstelle gebildet.

Ich muss natürlich mit zur Familie, dort essen und die Nacht verbringen. Und nun will ich bezahlen. Da kommts: Sie wollen zwar das Geld, das sie ausgelegt haben, aber für sich keinen Pfennig! Im Gegenteil, ich werde noch reichlich mit Datteln bedacht. Da hilft auch kein Überreden. Für 12 Stunden Arbeit, vier Mann, die einen Arbeitstag versäumt haben, und einen Riesenstapel verschlammter Wäsche. In meinem Kleidervorrat finde ich noch einige schöne Kleidungsstücke für die Familie und auch mein Zelt schenke ich ihnen. Am Heiligabend war ich dann wieder in meinem Hotel in Nefta, wo mich kein Mensch vermisst hatte.

Rauswurf aus dem Hotel

Ich war schon einige Zeit in Tunesien unterwegs und es war nie schwierig gewesen, ein Hotelzimmer zu finden. Es ist meist in jeder Preisklasse etwas zu haben, die Hotels sind hübsch, preiswert und sauber und jetzt, Mitte Dezember, nicht ausgebucht. Doch das änderte sich schlagartig, als Weihnachten näher kam. Am Morgen des ersten Weihnachtstages war unter der Tür meines Hotelzimmers in Nefta ein Zettel durchgeschoben: Hotel ist komplett! Das ist ein Rausschmiss. Zudem war das Wetter schlecht, sehr windig, also packte ich meine Sachen und zog weiter. Wohin wusste ich noch nicht, aber schließlich landete ich auf Djerba, im Hotel Marhaba in Houmt Souk, das mir schon in Matmata empfohlen worden war. Das Abendessen musste ich mal wieder in Gesellschaft einnehmen.

Abstecher nach Algerien

Grenzübergang

Und nun geht es weiter zur algerischen Grenze. Die Ausreise aus Tunesien verläuft reibungslos und schnell, auf der algerischen Seite sieht es da schon anders aus. Zunächst muss ich einige Papiere ausfüllen und mich damit vor einen Schalter stellen. Es geht natürlich nicht der Reihe nach, vielleicht sollte man ein kleines Bakschisch geben, aber ich habe ja Zeit. Endlich nimmt man mir den Pass ab und ich muss ein Weilchen warten, bis ich ihn mit Stempel zurückbekomme. Aber dann fängt die Arbeit erst an. Nun muss ich Geld umtauschen, pro Einreise müssen etwa 300 DM zu einem sehr ungünstigen Kurs umgewechselt werden. Dann muss ich ins Versicherungsbüro, denn die deutsche Autoversicherung gilt in Algerien nicht. Ich schließe für 3 Wochen ab. Dann geht es zum Zoll, dort muss ich eine Devisenerklärung ausfüllen und meine Wertsachen, wie Fotoausrüstung, aufschreiben. Der junge Beamte schreibt und schreibt, er tut mir richtig leid, dass er so viel Arbeit hat, und das sage ich ihm auch. Er freut sich, dass sich mal jemand mit ihm unterhält und will persönlich mein Auto untersuchen.

Draußen am Wagen merke ich, dass ihm die Untersuchung nicht sehr wichtig ist, stattdessen fragt er mich, ob ich ihm nicht ein Buch zum Deutsch lernen besorgen kann. Er könnte so etwas im Land nicht bekommen. So ein Buch habe ich tatsächlich, also tauschen wir die Adressen aus. Das alles muss heimlich geschehen, denn den Zollbeamten ist jeder private Umgang mit Touristen verboten.

*** Anmerkung: Ein Jahr später bekam ich plötzlich einen Einschreibebrief von diesem Khaled und er fragte, ob er mich in Deutschland besuchen könne. Ich stimmte zu und er kam für 3 Wochen nach Wiesbaden. Ein interessantes Erlebnis.

Endstation Touggourt

Endlich kann es weitergehen. Eine gute Teerstraße mit wenig Verkehr führt nach El Oued. Nicht weit von der Grenze entfernt winkt ein Mann am Straßenrand, an der Hand einen etwa sechsjährigen Jungen. Ich halte und lasse ihn einsteigen, auch er will nach El Oued. Er spricht in Arabisch auf mich ein, ich kann ihn nicht verstehen und nicke freundlich zurück. Er wird aber immer fordernder, ich kann nur mit den Achseln zucken. Da macht er, trotz der Anwesenheit des Kindes, ganz eindeutige Zeichen, was er von mir möchte. Ich bin total geschockt! Wieviele Anhalter habe ich in Marokko schon mitgenommen, aber so etwas ist mir noch nicht passiert! Nur mit Mühe bewahre ich die Geduld und werfe ihn nicht auf offener Straße aus dem Wagen, aber im nächsten Ort halte ich und schicke ihn hinaus. Er sieht mich sehr verständnislos an, verlässt aber den Wagen.

Das war kein schöner Empfang in Algerien. Auch El Oued präsentiert sich mir nicht besser. Ich finde weder ein Hotel, das mir zusagt, noch die Ausfahrt nach Touggourt. Vielleicht liegt es nur an meinen gereizten Nerven. Endlich finde ich doch hinaus und kann wieder die Landschaft genießen. Meterhohe, gelbe Sanddünen reichen bis an die Straße. Ich halte am Straßenrand und steige eine Düne hinauf. In der Mitte befindet sich ein Trichter, auf dessen Grund Palmen angepflanzt sind. So können die Wurzeln gerade noch das Grundwasser erreichen. Für den Oasenbauer bedeutet das aber, dass er ständig den nachrutschenden Sand auf Eseln hinausschaffen muss. Eine mühevolle Arbeit!

Als ich weiterfahren will, hält ein Taxi an. Der Fahrer glaubt, ich sei im Sand hängengeblieben und bietet mir seine Hilfe an. Nun, das ist nicht nötig, meine Suzi schafft das auch allein, aber ich suche schließlich eine Unterkunft für die Nacht. Der freundliche Mann lädt mich sofort zu seiner Familie ein, die im nur wenige Kilometer entfernten Ben Naceur wohnt. Der Ort liegt mitten in den Sanddünen. Die Familie ist kaum überrascht über meinen Besuch, der Vater bringt öfter Fremde mit. Um einen Innenhof herum sind mehrere Hütten gruppiert, in jeder wohnt ein Bruder mit seiner Familie. Die Großmutter ist eine echte Berberfrau mit hennagefärbten Zöpfen und rotgemusterter Kleidung. Ihre Silberarmbänder sind aber nicht echt alt, und bei einem Tee holt sie gleich einen ganzen Beutel voll davon hervor, sie möchte mir welche verkaufen. Aber die Familie ist trotzdem sehr nett, die Nachbarn kommen zu Besuch, um diese deutsche Frau zu sehen, die allein durch Algerien reist. Später werde ich sogar noch mit dem Taxi des Hausherrn ins nächste Dorf gefahren, um auch dort den Freunden vorgestellt zu werden.

Später zieht sich jede der Familien zum Schlafen in ihr Häuschen zurück, ich schlafe zusammen mit meiner Gastfamilie, sie haben nur ein Kleinkind, auf dem Boden. Am nächsten Morgen fragen mich meine Gastgeber, ob ich nicht Kleidung zu verkaufen habe. Ich habe schon etwas, aber das will ich nicht verkaufen, sondern ihnen als Dank für die Gastfreundschaft schenken. Die Freude ist groß, aber die Kinder werden losgeschickt, um hinter dem Haus noch Sandrosen für mich zu suchen. Man packt mir einen großen Karton voll ins Auto. Der Abschied ist herzlich und man bittet mich, auf dem Rückweg noch einmal vorbei zu kommen.

Am Morgen fahre ich weiter nach Touggourt. Die algerischen Städte stoßen mich irgendwie ab, ich kann mich nicht heimisch fühlen, vermisse mein Marokko. In Temacine traf ich wieder einen netten Mann, der mir alles zeigte. Ich dachte natürlich, für Geld, erst als ich ihm was geben wollte, hatte es den Anschein, er macht es wirklich aus Freude. Es fällt mir schwer, die Leute hier einzuschätzen, zu verstehen. Ich will wieder weg. In Tunesien haben mir wenigstens die Hotels gut gefallen, wenn schon nicht Marokko, dann wenigstens wieder zurück nach Tunesien.

Ich drehte also um und übernachtete in El Oued. Dort traf ich zufällig den netten Zöllner wieder und wir tranken einen Tee zusammen. Am Morgen dann einiges in der Umgebung angesehen, Teppich gekauft, Mörser. Zurück zur Grenze. Vorher Halt an einem Brunnen. Die Leute luden mich zu Kaffee gewürzt mit Pfeffer ein. Traf an der Grenze wieder Khaled. Lernte an der tunesischen Grenze einen dortigen Zollbeamten kennen, nahm ihn mit nach Nefta. Dort nahm ich mir ein Zimmer in dem schönen Hotel Les Nomades, das in ortüblicher Lehmziegelarchitektur errichtet ist. Am nächsten Mittag war ich dann noch beim Zollbeamten zum Mittagessen eingeladen.