Auch dieser Trail ist in meinem Buch beschrieben, aber es ist kein bequem asphaltierter Multi-Use-Trail, sondern eher ein Offroad Abenteuer. Der komplette Trail ist 15 Meilen lang und mehr zum Wandern geeignet. Ich schaute mir diesmal nur den südlichen Teil an, aber im Buch ist der komplette Trail beschrieben. Die Bücher findet ihr hier:
Der Flagler Trail verläuft entlang einer stillgelegten Eisenbahnstrecke, die als „Okeechobee Branch“ der Florida East Coast Railway oder Flagler Railway bekannt war und später als State Road 13 bezeichnet wurde. Der Korridor wurde jedoch nie als Straße genutzt, und die Eisenbahnstrecke wurde schließlich in den 1950er Jahren stillgelegt. Die Wegerechte wurden 1984 vom Seminole County vom Verkehrsministerium von Florida erworben und sind für die öffentliche Nutzung reserviert. Der Weg ist für Fußgänger, Reiter und alle Fahrräder zugänglich, die mit dem unebenen Untergrund zurechtkommen. Der wilde und abgelegene Weg führt durch das ländliche Seminole County, ist unbefestigt und dicht bewaldet, während der gerade Pfad der Trasse der ehemaligen Eisenbahnschienen zwischen den kleinen Ortschaften Geneva und Chuluota folgt. Er wird durch ein privates Wohngebiet in Geneva in einen nördlichen und einen südlichen Teil geteilt, gefolgt von einem historischen Abschnitt.
Wer es irgendwie schafft, mit seinem Rad diesen unwirtlichen Weg zu meistern, wird durch eine wunderbare Natur entschädigt. Hier nur einige Fotos vom südlichen Teil, zwar hatte ich die Bikecam eingeschaltet, aber irgendwie hat es nicht geklappt.
Ja, und dann ging es doch wieder nach Hause. So ein wunderbares Wochenende, und so ungeplant. Ich will nicht zurück nach Deutschland!!!
Wer es noch nicht weiß, ich liebe die wunderbaren Bike Trails in Florida und habe darüber auch zwei Bücher geschrieben, die sich ganz gut verkaufen. Und wenn ich dann schon mal in Lakeland bin prüfe ich natürlich, welcher Trail in der Nähe liegt, damit ich ihn noch mal abfahren und nach Änderungen schauen kann.
Der südliche Startpunkt des General James A. Van Fleet State Trail liegt tatsächlich nur 10 Meilen entfernt. Er ist benannt nach einem General, der in beiden Weltkriegen und im Koreakrieg ein angesehener Kampfkommandeur war (von einer Fahrradtruppe vielleicht???). Der Trail ist bereits in meinen Büchern enthalten, aber ich bin ihn nur einmal gefahren. Die ideale Gelegenheit also, schnell mal hinzudüsen und alles zu überprüfen. So viel kann ich sagen, es hat sich nichts geändert, alles noch aktuell im Buch.
Was ich aber gesehen habe, war dieser nette Mann in einem Wagen des Sheriffs, der den Trail sehr langsam abgefahren ist und auf die Radfahrer aufpasste. Hintergrund ist, dass es in USA andere eBikes gibt als bei uns, class 1, 2 und 3. Sie sehen schon aus wie ein Motorrad, haben einen Throttle (wie heißt das bloß in Deutsch?) und können bis 28 mph fahren (class 3), selbst ohne zu treten. Es gibt natürlich wie überall gute und schlechte Menschen, aber die Raser machen uns anderen alles kaputt. Sie sausen den Weg entlang und nehmen wenig Rücksicht, das ist ein Ärgernis, das in Florida zu immer mehr Diskussionen führt. Gesetze sollen es regeln, aber noch ist nichts entschieden. Dieser zivile Hilfssheriff, der keine Polizeigewalt hat, fährt also mit seiner Frau die Strecke ab und schaut nach dem Rechten. Er kann, wenn es nötig ist, die Polizei hinzuziehen. Ich finde es gut, dass hier ein wenig aufgepasst wird. In USA ist die Kriminalität ja sehr hoch, deshalb haben normale Polizisten natürlich keine Zeit, Fahrradwege zu kontrollieren.
Ich genoss die Fahrt unheimlich. Nach der großen Hitze auf dem Flugfeld gestern heute auf diesem schattigen Weg zu radeln war einfach eine Erholung.
Vom Eagles zum Wetland
Nun geht es heim! Oder? Nochmal die gleiche I 4 zu fahren habe ich einfach keine Lust. Ich suche nach einer Alternative und finde ein Eagles in Kissimmee. Was ist ein Eagles? Das könnt ihr hier nachlesen:
Ich wurde super nett empfangen, trank ein Bier, ein zweites, zu dem ich eingeladen wurde, musste ich dankend ablehnen. Muss ja noch fahren. Aber die Eagles-Familie ist einfach immer so nett.
Doch heim wollte ich immer noch nicht, es war einfach so ein schöner Tag und wenn ich schon mal dort bin …
Also ab zu Orlando Wetlands. Diesen Park liebe ich, habe ihn auch schon öfter beschrieben und eine kurze Runde kann ich ja drehen. Wollte vor allem auch das mit meiner neuen Bikecam aufnehmen. Ich traf eine Gruppe von orientalisch aussehenden jungen Männern. Interessiert mich immer, obwohl mir klar war, aus Marokko sind sie nicht. Ich fragte nach, nein, sie waren tatsächlich aus mehreren Ländern, Gäste einer Hochzeitsfeier und wollten einfach mal ein wenig Luft schnappen. Einer konnte wenige Worte Arabisch, womit ich glänzte: ana Edith, anti? Sie wollten schon umdrehen, aber ich kenne eine Stelle, wo immer Alligatoren sind. Und da sie noch nie einen getroffen hatten, führte ich sie hin. Sie waren begeistert. Hatten eigentlich Angst, aber ich erklärte, keine Sorge, sind meine Freunde.
Wenn ihr aber nun denkt, der Tag wäre vorbei, so irrt ihr euch. Denn ich kannte noch einen Trail, der auf dem Heimweg liegt und den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Weiter zum Flagler Trail.
Was haben diese drei so unterschiedlichen Dinge miteinander zu tun? Und doch reihen sie sich wie Perlen in einer Kette aneinander.
Dieses wunderschöne, absolut nicht geplante Wochenende fing an mit Stan. Unsere Kommunikation ist nicht auf sehr hohem Stand, denn er ist taub und versteht mich nicht, außerdem nuschelt er und deshalb verstehe ich ihn nicht. Gehen kann er auch nicht, sondern er schleicht sehr langsam hinter seinem Rollator her. Und trotzdem sind wir gute Freunde, ich helfe ihm Donnerstags zum Food Pantry. Wo er Unmengen von Lebensmitteln geschenkt bekommt, die er an seine Tochter weitergibt. Er selbst braucht wenig, geht mittags in der Kommune zum Altenessen, und abends spendiert er sich manchmal ein gutes Dinner im Eagles. Und zu Dank schenkt er mir immer mal was, diesmal ein Paket Brisket.
Brisket
Nun überlegt ihr euch sicher, was ist denn Brisket. Wikipedia sagt: Beef Brisket ist ein im Barbecue-Smoker heißgeräuchertes Kernstück der Rinderbrust und klassischer Bestandteil des amerikanischen Barbecues, eingerieben mit einem speziellen Würzsalz. Ich habe es schon mehrmals gegessen, es zerfällt auf der Zunge und ist einfach köstlich. Doch hier bekam ich das rohe Fleisch, ein knappes Kilo für mehr als 30 $. Und wie bereite ich das zu? Ganz für mich alleine? Keine Ahnung, einen Smoker habe ich eh nicht.
Aber da gibt es doch Karl. Er kann so einiges, aber auch gut kochen. Also rief ich ihn spät am Freitagabend an: Wo bist du gerade, störe ich dich? Er: Ich bin in Lakeland, auf Sun ’n Fun. Als ehemalige Pilotin, eigentlich immer noch, muss nur den Schein erneuern, weiß ich natürlich was das ist. Einfach nur die größte Airshow in USA, direkt nach der von Oshkosh. Der Punkt Brisket trat erstmal zurück, als Karl meinte, komm doch, wir haben noch Tickets, schlafen auf dem Campingplatz und wenn du Decken mitbringst, kannst du auf dem Boden meines Vans schlafen.
Ihr hättet mal sehen sollen, wie schnell Decken im Auto waren und ich im Bett, denn um 6 sollte der Wecker klingeln und um 7 ich auf der Straße sein. Gut 2 Stunden die schreckliche Autobahn I 4, die aber am Sonntagmorgen nicht so schlimm ist.
Karl und sein Freund David betrieben zusammen einen Ausstellungsstand auf dieser Show, deshalb bekam ich per Whatsapp den Parkschein und die Standnummer aufs Handy, sollte das am Gate zeigen und sie würden mich dann am Gate abholen. Naja, ihr kennt Karl nicht. Weder sein Handy noch das von David erzielten irgendeine Reaktion und ich schmuggelte mich erfolgreich mitsamt Auto auch ohne Ticket rein, und da ich nicht wusste, in welcher Halle sie sind, schaffte ich es auch, einen Helfer mit Golfcart zu finden, der mich direkt hinbrachte. Das war also schon mal geschafft.
Sun ’n Fun Aerospace Expo
Der Flugplatz von Lakeland, auf dem das ganze stattfindet, ist riesig. Wikipedia sagt: Er ist jährlicher Veranstaltungsort der sechstägigen Flugshow Sun ’n Fun Aerospace Expo, der nach dem EAA AirVenture Oshkosh zweitgrößten Luftfahrtausstellung der Vereinigten Staaten. Während der Woche des Sun ’n Fun wird der Lakeland Linder International Airport mit über 60.000 Flugbewegungen zum verkehrsreichsten Flughafen der Welt.
Ich schlenderte zunächst auf dem Gelände herum. Es gibt eine Reihe von Ausstellern, meist untergebracht in Hangars. Aber viel interessanter sind ja die vielen unterschiedlichen Flugzeuge, die man sich anschauen kann. Zehntausende Besucher schlenderten ebenfalls herum, aber noch viel besser, sie hatten alle ihre Klappstühle dabei und können sich so den besten Platz suchen. Viele Piloten kommen mit dem eigenen Flieger und campen dann daneben, sie sitzen ganz stolz im Schatten ihrer Wings. Denn das ist der Punkt beim diesjährigen Event. Es ist glühend heiß. Über 30 Grad im Schatten, nur wo ist der Schatten. So sitze ich auch, als die Show beginnt, direkt in der glutheißen Sonne.
Zum Glück gehe ich immer mal zurück zum Stand von Karl und David, denn diese Halle ist wunderbar gekühlt und ich kann mich erholen. Und weil die Burschen auch dauernd unterwegs sind, steht ich am Counter und spreche mit den Besuchern, so etwas habe ich schließlich beruflich mal gemacht. Die Mittags-Airshow endet um 17 Uhr, dann wird auch der Stand geschlossen und wir tigern langsam los zum Island. Das ist ein Bereich, wo es Essen und Trinken gibt, Musik und schöne Stühle bereitstehen, von denen aus man den Kunststücken der Flieger zusehen kann. Hier wollen wir was essen. David bringt mir eine Margerita und so wird die Wartezeit verschönt. Um 19 Uhr soll die Nightshow beginnen. Ich kann mir erstmal nicht vorstellen, wie das gehen soll, wie kann man die Flugzeuge sehen, wenn es dunkel wird.
Doch da sollte ich mich täuschen, es war einfach wunderbar. Viele verschiedene Flieger, sogar eine Frau: Melissa Burns & Shooting Stars. Da war es schon dunkel und Lichtbogen schossen aus dem Flugzeug, leuchtende Fallschirme schwebten hinab. Leider kann ich euch davon keine Fotos zeigen, ich war einfach zu fertig und hingerissen, um zu fotografieren.
Wir waren ziemlich müde, als wir zum Auto zurückwollten, die Männer von der Arbeit, ich von der Hitze und keine Tram mehr zu sehen. Vor allem für Karl, der einen Handicap Ausweis hat, war es schwer, so weit zu laufen. Das war der einzige Negativpunkt an dem ganzen Tag. Und genau zu diesem Zeitpunkt kam das wirklich beeindruckende Feuerwerk, mit leuchtenden Drohnen, und ich konnte es nicht richtig genießen.
Zurück auf dem Campingplatz breitete ich wie geplant meine Decken im Van aus und schlief wie ein Murmeltier.
Wie es aber weiter zum General Van Fleet geht könnt ihr im nächsten Bericht lesen.
Es gibt diese besonderen Tage, und das war einer. Hier in Florida weiß man, die Edith kennt alle Trails. Nur, wenn ich schon alle gefahren bin, dann ist das langweilig, ich möchte neues sehen, neues erfahren. Also habe ich mir einen Roadtrip ausgesucht, er wurde in Komoot aufgezeigt. 61 Kilometer, ja, das schaffe ich bequem. Vorher wusste ich nicht, gibt es Bikelanes oder ist alles auf Straßen, aber ich war bereit. Startpunkt war der Parkplatz eines Sportkomplexes, schnell gefunden, geparkt und ab geht’s.
Zunächst war tatsächlich ein Sidewalk, der auch mit dem Rad befahrbar war. Mir fiel das Straßenschild auf: South Tropical Trail. Klingt ja schon mal gut. Heute denkt jeder Biker bei dem Wort Trail an einen richtigen, sicheren Radweg, doch ist das Wort viel älter und bedeutet eben auch Weg. So gibt es zum Beispiel den berühmten Tamiami Trail von Miami durch die Everglades, auch der nur für Autos. Später dann kein Fahrradweg mehr, ich musste auf der Straße fahren, aber es war eine eher ruhige Straße, dennoch schrie mir eine Frau hinterher. In USA denken Autofahrer ja, ihnen gehört die Welt. Aber ich kam sicher weiter und überquerte auf einer kleinen Brücke den Indian River, rüber zum Atlantik. Hier ging es entlang der A1A mit viel Verkehr, aber auch einer Bikelane. Die war allerdings schmal, zwischen mir und den Autos meist kein Sicherheitsabstand. In Satellite Beach dann mal ein kurzes Foto.
Bislang war ja alles nett und ereignislos gelaufen. Dann aber kam ich in Höhe der Patrick Space Force Base an einer langen Reihe geparkter Autos vorbei. Was ist denn hier los. Ich erfuhr, dass es eine Airshow geben sollte. Also parkte ich mein Bike in der Reihe wie die anderen und unterhielt mich mit meinen Nachbarn. Beide Zahnärzte in Rente, kannten sich noch von der Uni. Der eine war auch Pilot, so konnte ich mit ihm Fliegergeschichten austauschen (ja, auch die nicht so schönen, Insider wissen Bescheid). Schon die Wartezeit war toll.
Dann flogen zwei Hubschrauber ein, ein Cargoplane C 130. Ein Flugzeug, auf die Entfernung in meinen Augen ein Business Jet, weil es so nett rot und weiß gestrichen war, rollte zur Runway. Doch dann, schneller als ich denken und zur Kamera greifen konnte, schoss es in die Höhe. Senkrecht, 180 Grad! Wahnsinn. Das hätte ich gerne noch ein zweitesmal erlebt.
Endlich aber marschierten die Piloten in einer Reihe zu den wartenden Fliegern und es ging los. Ganz so einfach ist es nicht, das mit meiner Handykamera aufzunehmen, aber ein wenig konnte ich doch einfangen. Schon auf dem Hinweg mit dem Auto staunte ich über den Stau auf der Brücke, und so ganz langsam musste ich einsehen, dass sie alle nur wegen der Airshow gekommen waren. Am besten konnte man es vom Strand aus sehen, und da mussten an diesem Tag wohl zehntausende Menschen gewesen sein.
Aber die wollten auch alle wieder heim! Unglaublich, was da an Autos und Fußgängern unterwegs war. Ich konnte sie zwar auf der sehr schmalen Bikelane überholen, auf dem Bürgersteig waren ja Menschenmassen, die Polizei regelte alles. Aber dann wollte ich doch mal schauen, wie mein Weg weiter gehen sollte. Es war ja eine Rundfahrt, ich musste irgendwann wieder auf die andere Seite und zu meinem Auto. Aber – mein Handy war tot! Absolut tot, kein Mucks mehr. Und ja, ihr könnt alle sagen, hättest du doch. Aber ich hatte eben nicht. Hatte kein Powerbank mitgebracht, hatte nicht das Kabel, mit dem ich das Handy ans Rad anschließen kann, nichts. Ich hatte einfach nicht daran gedacht. Bin mit 100 % losgefahren, aber die Navigation, die Airshow und das Tracken mit Komoot haben viel Zeit und Batterie verbraucht.
Wie soll es nun weitergehen, ich war noch nie hier und kenne den Weg nicht genau. Wie hieß der Sportkomplex nochmal? Alles in Handy und Komoot gespeichert. Ich bin einfach nichts mehr ohne Handy, so weit ist es heute. Früher, ohne diese Hilfsmittel, hätte man sich den Weg zuvor genau angeschaut, auswendig gelernt oder sogar eine Karte mitgebracht. Heute steht man einfach auf dem Schlauch. Ich brauche ein Handy!
Eine Frau sitzt auf der Parkbank mit dem Handy in der Hand. Ich spreche sie an, sie ist freundlich, aber auch misstrauisch, und gibt das Phone nicht aus der Hand. Aber nur wenn ich es habe kann ich den Sportkomplex finden. Ich sage ihr, ein Sportkomplex am Tropical Trail. Sie, auch ihr Kollege, kennen es nicht, aber beschreiben mir den Weg zum Tropical Trail. Ich fahre. Unterwegs kommen mir Zweifel, denn der Weg ist nicht ganz wie beschrieben. Ich suche, hier jedoch kein Mensch auf der Straße. Schließlich sehe ich einen Mann, der auf dem Parkplatz am Steuer seines Pickups sitzt. Ich spreche ihn an. Auch er kennt keinen Sportkomplex am Tropical Trail, obwohl es nicht mehr als 2 Meilen entfernt ist. Aber auch er erklärt mir den Weg zum Trail.
Ich bedanke mich und fahre los. Aber er ruft mich zurück. „Ich könnte Sie auch hinbringen“. Naja, ich kenne ja all die True Crime Stories, wo die toten Frauen im Pickup in den Wald gefahren werden. Aber ich riskiere es, er ist nicht nur freundlich, sondern sagt auch, er tut mir nichts. Das würde der Mörder auch tun, nicht? Aber wir packen das Rad auf die Ladefläche, ich steige ein und wir fahren los zum Tropical Trail.
Dort angekommen erkenne ich nichts. Kein Sportkomplex, kein Auto. Jetzt brauche ich doch das Handy, er gibt es mir. Und schon finde ich den Parkplatz. Nur heißt die Straße Courtenay Parkway and geht erst später in den Tropical Trail über, deshalb kannte auch niemand den Komplex. Schließlich fanden wir mein Auto, das dort ganz allein auf mich wartete und der nette Mann, Angelo, half mir noch, es aufs Rack zu packen. Ohne Angelo hätte ich mein Auto so schnell nicht wieder gefunden, ganz lieben Dank.
Doch bevor ich heimfuhr sah ich, dass es ganz in der Nähe ein Eagles gab, also schnell dort hin und ein Bud Light bestellt. Und an der Theke konnte ich auch gleich meine Geschichte loswerden. So ein toller Tag, irgendwie besser als auf einem richtigen Trail zu fahren, dort ist es viel langweiliger.
Antwort: Das gefährlichste an Marokko ist die Durchreise durch Spanien.
Im Jahr 1995 fuhr ich auf dem Weg nach Marokko auf der A 7 in Höhe von Barcelona, als ein großer BMW, besetzt mit 4 Männern, mir Zeichen machte, dass mit meinem Auto etwas nicht stimmt. Offensichtlich eine Reifenpanne. Sie drängten mich dazu anzuhalten. Doch ich, Frau alleine, halte doch nicht, wenn mir 4 fremde Männer so etwas andeuten. Ich fuhr weiter mit ungutem Gefühl, man denkt dann immer, irgendwas ist doch los. Also fuhr ich zum nächsten Rastplatz und sprach einen deutschen LKW – Fahrer an. Er meinte, das sei eine Diebesbande. Sie stoppen Autos, stechen in die Reifen und räumen dann das Auto aus. Nach meiner Rückkehr sah ich sogar im deutschen TV einen Bericht darüber.
Nun hofft man natürlich, dass die Polizei einschreitet und den Dieben das Handwerk legt. Doch leider sind sie heute, 30 Jahre später, nicht nur weiterhin mit diesem Trick unterwegs, sondern haben ihn sogar noch ausgebaut. Neuerdings sind sogar große Warnschilder zu Beginn der A 7 mit dem Hinweis, in solchen Fällen nicht anzuhalten, sondern den Notruf zu wählen.
Mein persönlicher Tipp dazu: den Notruf können Sie sich sparen. Alles was die Polizei dazu unternimmt, ist einen schönen Bericht zu schreiben, man hat sogar inzwischen ein Formular entworfen, das in jeder beliebigen Sprache ausgedruckt werden kann. Sehr viel besser hilft, das Handy deutlich hochzuhalten, so, als riefe man an und mache ein Foto. Dann verschwinden sie blitzschnell.
Wenn das der einzige Trick wäre ginge es ja noch, man kann sich darauf einstellen. Aber es gibt noch eine ganze Reihe mehr. Ich hielt am hellichten Tag an einer Raststätte, gleich die erste nach der französisch-spanischen Grenze. Leute standen aufgeregt auf dem Parkplatz und warnten mich, auf die Toilette zu gehen. Einem anderen Reisenden hatte man bei dieser Gelegenheit, die Scheibe eingeschlagen und das Auto ausgeräumt. Aber meistens geht es ganz ohne Gewalt ab und dieser Trick wird auch sowohl bei Tag als auch bei Nacht angewandt. Ein Fahrzeug hält auf einem Rastplatz, der Fahrer steigt, um etwas zu erledigen, aus und wieder ein. Es gibt ja eine automatische Türverriegelung, aber die hat eine kleine Zeitverzögerung. Genau in diesen Sekunden reißt ein Gauner die Tür auf, stellt blöde Fragen und schaut, wo eine Tasche griffbereit herum liegt. Sieht er was schnappt er sie und haut blitzschnell mit einem Wagen ab, dessen Fahrer ganz nah gewartet hat.
Wenn das auch Tag und Nacht vorkommt so ist es natürlich ganz blöde in dunkler Nacht. Deshalb: auf keinen Fall nachts auf einem Rastplatz anhalten, lieber die Autobahn verlassen und in den Wald pinkeln. Am Tag immer die Umgebung im Auge behalten und evtl. bei anderen Reisenden halten. Und vor allem Wertgegenstände und Papiere gut verstecken.
Das sind so die Tricks, die gerade in 2025 sehr häufig vorkommen. Und zwar entlang der A 7. Über die anderen Autobahnen, z.B. via Madrid, habe ich nichts gergleichen gehört. Aber ich kann nicht garantieren, dass es noch ganz andere gibt. In Marokko dagegen kann man sein Fahrzeug ohne Probleme überall abstellen.
Zweimal habe ich bisher die Einreise über Melilla gemacht, mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Obwohl ich jeweils um die gleiche Zeit morgens am Grenzübergang ankam, also nach Eintreffen der Fähre in einer langen Schlange von Autos, hat es bei erstenmal nur eine Stunde gedauert, beim zweitenmal aber zwei Stunden. Es lag daran, dass viele Ortsansässige bevorzugt abgefertigt wurden. Das Fahrzeug wurde jeweils von Spaniern als auch Marokkanern gründlich durchsucht, aber nichts beanstandet.
Nun war ich gespannt, wie die Ausreise laufen wird. Meine Fähre nach Motril sollte um 15:30 Uhr abgehen, und ich wollte sie nicht verpassen. In Meknes wurde mir schon um 7 Uhr das Frühstück ins Zimmer gebracht, schön, wenn der Hoteldirektor ein langjähriger Freund ist. Und so kam ich dann auch schnell auf die Autobahn. Diese geht ja leider nicht ganz bis nach Nador, es bleiben noch etwa 100 km Landstraße, aber trotzdem war ich um 12 Uhr an der Grenzstelle. Meine Rechnung war: 2 Stunden an der Grenze, 2 Stunden vor Abfahrt an der Fähre.
Aber das Schicksal war mir wohlgesonnen, die Abfertigung dauerte diesmal nur etwa 30 Minuten. Es waren nicht viele Autos dort um die Mittagszeit, eine gute Zeit. Und so kam ich auch früh genug am Hafen an, um noch etwas von der Stadt zu sehen. Bisher war ich ja nur frühmorgens im Dunkeln durchgefahren.
Von den Fährhafenstädten, die ich kenne, gehört Melilla sicher zu den schönsten, einfach weil es klein und damit der Weg vom Hafen zur Stadt kurz ist. Ich stieg hinauf auf den Berg, um von der Festung aus einen schönen Ausblick zu haben und wurde nicht enttäuscht. Beim Bummel zurück zum Hafen konnte ich noch eine wunderschöne Hochzeit sehen und filmen.
Mein Auto stand auf dem Parkplatz, man hatte mir gesagt, ab 14 Uhr könne ich in die Schlange Richtung Schiff und das lief auch ganz hervorragend ab. Es gab noch nicht einmal einen Scanner. Nachdem der Drogenhund keinerlei Interesse an meinem Wagen gezeigt hatte, meinte der Zollbeamte aber doch, er müsse mich rauswinken und mit einem mobilen Scanner absuchen. Hat er aber dann doch gelassen und ich kam früh aufs Schiff.
Die Überfahrt nach Motril dauerte 5 Stunden, wir kamen um 20:30 in Motril an, aber da ich ziemlich hinten in der Schlange war, dauerte es dann doch eine Stunde, bis alle am Polizeiposten vorbei waren. Das war aber witzig. Es ging ziemlich langsam. Und dann plötzlich, es waren vielleicht noch 20 Wagen vor mir, hatten die Zöllner wohl Lust auf Feierabend und winkten alle durch.
Um 21:30 war ich dann auf der Autobahn und beschloss durchzufahren.
Auch für heute gab es wieder einen wunderschönen Plan. Frühe Abfahrt vom Hotel, möglichst schon um 8 Uhr, Fahrt auf der Autobahn nach Meknes, zu meinem guten Freund Moulay Abdellah im Z Hotel, oder wenn ich früh genug bin noch schnell einen Besuch in Meknes Stadt.
Aber … auch dieser Plan ging in die Hose. Gut, ich habe es nicht ganz um 8 geschafft, es war viertel vor neun, als ich mich auf den Weg gemacht habe. Die Straßen sehr voll, Autos vor mir, neben mir, hinter mir. Plötzlich macht es krrr. Habe deutlich gemerkt, ich bin über irgendetwas gefahren, das ich nicht sehen konnte. Straße war ja voll mit Autos, hätte also auch nicht ausweichen können. Ein ungutes Gefühl war gleich da, ich fuhr weiter, hatte auch keine andere Chance, da im Flow. Aber nach ca 1 km war klar, da stimmt was nicht. Wir fuhren alle ums Rondell Stadtausfahrt Richtung Casablanca, danach war rechts eine Spur gesperrt. Perfekt, da hinein. Und ja, ein ziemlicher Platten.
Sahara Experience
Und da kommt wieder Sahara Experience ins Spiel. Diese Agentur ist einfach toll. Und wenn ihr jetzt meint, ich bekomme da eine Sonderbehandlung, weil ich die Edith Kohlbach bin, jaja, das stimmt schon. Aber ihr bekommt sie auch. Sobald ihr Kunde bei Sahara Experience seid kümmert man sich um euch. Wenn ihr zum Beispiel bei mir eine schöne Rundfahrt durch Marokko bucht, mit dem Geländewagen und einem netten Fahrer, dann seid ihr einfach in guten Händen bei Sahara Experience. Und es kann ja tatsächlich immer etwas passieren. Die letzten Kunden zum Beispiel sind ohne ihr Gepäck angekommen. Aber unser guter Mohammed kümmert sich, Telefonate gehen hin und her und am nächsten Tag fuhr er mit dem Kunden zum Flughafen und holte das Gepäck ab. Oder das ganz große Chaos vor ein paar Jahren. Zwischen Weihnachten und Silvester ist immer viel los, das Biwak in Chegaga war voll und plötzlich kam ein Sturzbach von Norden her. Chegaga war wie eine Insel, man konnte nicht mehr weg. Und die Kunden hatten fast alle baldige Heimflüge ab Marrakech. Was machte der Chef? Sobald die Wagen wieder fahren konnten und Zagora erreichten, organisierte er ein Flugzeug und die Kunden konnten ihre Rückflüge noch rechtzeitig erreichen.
Solch schlimme Dinge sind selten, aber gerade voriges Jahr waren meine Kunden, die zugleich Freunde sind, zu viert mit Fahrer unterwegs von Chegaga nach Tata. Eine Nacht dort in der Kasbah auf dem Berg, dann sollte es weiter nach Tafraoute gehen für 2 Nächte. Doch auch hier großes Unwetter, am Morgen waren bei beiden Stadtausfahrten die Brücken zerstört. Unser toller Fahrer Khalid sorgte sofort dafür, dass man noch eine Nacht in Tata bleiben konnte, stornierte das Hotel in Tafraoute und spielte mit den Kunden Dame, die Zeit verflog wie im Flug.
Doch zurück zu mir. Habe die Agentur angerufen, meinen Standort geschickt und schließlich kam ein Mechaniker mit seinem PKW. Er wechselte den Reifen und fuhr dann mit mir zurück zu einem großen Reifenhaus. Man schaute sich den Reifen an und meinte, il est mort. Kaputt! Nichts geht mehr. Der Gummi war innen ganz zerrieben. Wieder viele, viele Telefonate, den gleichen Reifen hatte man nicht, ich wollte das Risiko auf mich nehmen ohne Ersatz zumindest bis Spanien zu fahren, aber nein, ein Reifen wurde organisiert, zwar anderes Profil, doch sonst passt er.
Danke, danke Sahara Experience. Ihr seid einfach die besten.
Um 12:15 konnte ich dann weiterfahren, 475 km bis Meknes. Am Abend davor konnte ich ja nicht mehr in die Medina, um nach Blumentöpfen zu suchen. Direkt vor der Autobahn Keramikstände, sie haben die gewünschten Töpfe ohne lange zu suchen zu einem super Preis! Und nun bin ich völlig kaputt im Z Hotel. Bin nicht mehr so frisch wie noch vor ein paar Jahren.
Das berühmteste Hotel in Marrakech ist das Mamounia, in dem während des zweiten Weltkrieges Churchill gewohnt und Weltgeschichte geschrieben hat. Das teuerste ist das Royal Mansour, wo ein Zimmer ab 2.800 Euro die Nacht kostet und eine Familienvilla 35.000 Euro. Nein, nicht zum Kauf. Für eine Nacht. Aber mit Butler und allem pipapo. Beide liegen quasi nebeneinander und nehmen so ziemlich ein ganzes Stadtviertel ein.
Und dazwischen – das uralte, abgewohnte Hotel Chems. Und nun könnt ihr raten, wo ich denn wohne.
Heute ist mein letzter Tag in Marrakech (praktisch auch in Marokko) und ich hatte ganz klar einen Plan in meinem Kopf ausgearbeitet. Um 10 bekomme ich eine Lieferung ans Hotel, der Fahrer nimmt mich dann mit nach Gueliz. Dort gehe ich zum Friseur und zur Pediküre, die ich nach 2 Monaten Trockenheit im Süden dringend nötig habe. Dann sollte ich zum Lunch eingeladen und danach an der Medina abgesetzt werden für letzte Einkäufe. Ist doch ein prima Plan, oder?
Aber habt ihr in Marokko schon mal erlebt, dass Pläne wirklich ablaufen wie geplant? Ich nicht. Zunächst einmal kam um 10 keine Lieferung. Mein Handy war völlig leer, kein Internet, kein Telefon. Also bin ich immer zwischen Parkplatz und Rezeption hin und her gehetzt und erfuhr, dass der Fahrer eine Panne hatte. Kurz vor 11 war das dann erledigt.
Inzwischen kam aber ein Anruf, der Lunch wird sein im Royal Mansour. Um 12 Uhr!
Was? In dieser Luxusherberge und kein Friseur? Okay, die Pediküre würde ja eh keiner sehen. Also schnell noch mal unter die Dusche, Haare gewaschen und die am wenigsten schmutzigste und am ehesten passable Kleidung ausgesucht. Inzwischen Freunde angerufen, sie wollen mit und holen mich ab. Zeitweise waren 4 Anrufer in der Leitung und das alles im instabilen Internet des Hotels.
Lunch im Royal Mansour
Aber dann ging es los. Das Royal Mansour ist schon hochherrschaftlich, es ist ja auch im Besitz des Königs und das Restaurant, zu dem wir wollten, Le Jardin, verdient seinen Namen, denn wir mussten zunächst durch diesen Garten lustwandeln.
Im Restaurant natürlich entsprechend guter Service, wir wurden an unseren Tisch geleitet und wie schon Jahre zuvor in der Buddha Bar, auch in Marrakech, wurde mir ein Tischchen gebracht für meine Handtasche. Das mag ich. Weder liegt sie auf dem Tisch und nimmt den Platz weg, noch hängt sie am Stuhl und fällt hinunter. Wenn ich mal ein Restaurant eröffne, dann mit solchen Tischchen.
Als Vorspeise hatte ich einen sehr leckeren Salat, endlich mal mit Salatsauce (ich sag nur salade marocaine, krrr), gefolgt von gegrillter Entenbrust. Alles sehr lecker. Nein, kein Nachtisch. Es reicht. Obwohl der dort sehr gut sein soll.
Aber dann spazierten wir noch ins Hotel. Super schön. Ich könnte mir vorstellen, so sieht das kleine Eigenheim des Königs auch aus. Ich sah weder eine Rezeption noch den Eingang zu Zimmern, das ist halt alles sehr diskret. Aber obwohl wir ja nicht direkt Hotelgäste waren, war das Personal sehr freundlich, wir konnten herum laufen und fotografieren.
Und dann war tatsächlich immer noch Zeit, mir einen Friseur zu suchen. Das ist einfach dringend nötig und die komplette Behandlung in einem sehr schicken Salon kostete inklusive Trinkgeld weniger als mein Hauptgericht im Königshaus.
Und ich spazierte fröhlich zurück zum Chems, der Souk-Einkauf muss bis zur nächsten Reise warten.
Von Ait Benhaddou ging es durchs Ounila-Tal nach Telouet. Das war früher eine sehr schwierig-steinige Piste, ich bin sie öfter gefahren, aber die professionellen Tour-Chauffeure haben die lieber vermieden. Das hat sich nun geändert, die Straße ist durchgehend asphaltiert, das bedeutet aber auch, dass sie von langsamen LKW gefahren wird. Aber ich kam immer gut an ihnen vorbei, die Fahrer sind auch sehr verständnisvoll und unterstützen beim Überholen. Auch auf diesem Weg gab es einige Campingmöglichkeiten aus meinem Campingführer zu besichtigen, was aber recht schnell ging. Wenn ihr den Campingführer Marokko 2025 noch nicht habt könnt ihr ihn hier bestellen.
In Telouet wollte ich mich nicht lange aufhalten, ich kenne es gut und auch wenn Mohammed in seinem Palace de Telouet super Essen hat, es ist noch früh und ich bin so satt nach diesen letzten Wochen Hotel-Vollstopfen. Ich wollte schnell nach Marrakech, in das reservierte Hotel Chems, das zwar schon älter ist, sicher nicht mehr seinen vier Sternen entspricht, aber eine super Lage hat zwischen der Medina und Gueliz und zudem einen guten, leicht zu erreichenden Parkplatz. Meine Reise ist ja quasi vollendet, nach Marrakech geht es zügig zur Fähre und die Highlights in Marokko sind abgeschlossen.
Dachte ich.
Kurzer Stopp an der Auberge Telouet, trank einen Kaffee mit Mohammed, dem Chef. Er hat ja einerseits ein schönes Hotel mit direktem Blick zur Kasbah des Glaoui, aber er hat auch einen Stellplatz für Wohnmobile.
Palace de Telouet
Weiter zum Restaurant Palace de Telouet. Viele Leute davor, sie winkten mir, kein Mohammed. Ich sprach nicht mit ihnen, immer diese falschen Führer und so, stattdessen rief ich Mohammed an. Er sagte, er sei auf dem Weg, ich solle warten, und er sagte etwas von einem Fest. So richtig blickte ich nicht durch, wollte ja auch weiter, parkte aber mein Auto und stieg aus. Da kam der winkende „falsche Führer“ und stellte sich als guter Bekannter Aissa heraus. Ich habe echt ein riesiges Problem. Ich kann mir Straßen sehr gut merken, Landschaften auch, deshalb ist das Schreiben des Reisehandbuchs genau mein Ding, aber ich kann mir absolut keine Gesichter merken. Namen schon, aber keine Gesichter. Ich spreche jetzt mit jemand, sehe ihn 10 Minuten später an einem anderen Ort und erkenne ihn nicht wieder.
Ich war erstaunt, dass vor dem Restaurant keine Tische standen wie üblich, sondern Teppiche lagen. Ging hinein, komplett voll. Nicht mit Gästen, sondern mit Mitgliedern einer Folkloregruppe. Die Frauen ganz wunderschön gekleidet und geschmückt in der Tradition des Hohen Atlas. Und schon nahmen die Männer, in weißer Djellabah mit Silberdolch, ihre große Trommel und gingen hinaus auf die Teppiche. Das „Fest“ ging los wie eigens für mich gemacht. Ich habe schon sehr viel Folklore in Marokko erlebt, sie ist in den einzelnen Regionen immer ein wenig anders. Aber tatsächlich noch nie die vom Hohen Atlas. Es war einfach wunderschön. Der Kopfschmuck der Frauen wirklich einzigartig, sie machten den Unterschied aus. Die Männer waren, wie in allen südlichen Folkloregruppen, in hauchdünne weiße Djellabahs gekleidet und trugen den Silberdolch umgehängt an einer roten Kordel.
Und ich konnte filmen soviel ich wollte. Bin ein wenig traurig, dass mein Buch schon im Druck ist, das wäre ein Titelbild wert gewesen. Hassan aus Ait Kine ist zwar auch ein Original, aber diese Frauen hätten sehr viel mehr Farbe eingebracht.
Noch ein Tipp für euch: wenn ihr ab Marrakech in den Süden fahrt plant einen Mittagsstopp in Telouet ein, es lohnt sich auch ohne Fest, besucht die Kasbah, esst bei Mohammed, und fahrt dann zum Übernachten nach Ait Benhaddou. So vermeidet ihr dort den Touristenrummel.
Die Reise war ja nur kurz, aber hier in dem Touristen-Hotspot #1 gibt es immer viel zu recherchieren. Mein Quartier habe ich heute in der Kasbah du Jardin. Das ist ein Hotel mit angeschlossenem Campingplatz. In solch einer Anlage wohne ich immer gerne, denn man hat einfach Platz und das Auto steht sicher und oft nahebei. Und so genieße ich den Abend, einer meiner letzten in Marokko, auch sehr.
Heute um die Mittagszeit habe ich den alten Ksar Ait Benhaddou besucht und es ist einfach schrecklich. Tausende Touristen werden dort täglich durchgeschleust und da es so ziemlich auf halber Strecke von Marrakech bis zum jeweiligen Ziel liegt, essen hier alle zu Mittag. Und steigen dann davor oder danach hoch auf den Berg über dem Ksar. Jede einzelne Treppenstufe wird genutzt um irgendwelche Souvenirs anzubieten, der Ksar ist ein einziger Teppich- und Kitschladen.
Während früher die Menschen in diesem Ksar wohnten, siedelten sie sich später auf die andere Seite des Flusses um, da es zu schwierig war, in dem bergigen Ksar Wasser und Strom zu verlegen und auch die Straße dort verlief. Früher führte der Fluss häufig noch Wasser und nicht immer kam man trockenen Fußes hinüber. Gerne nahm man die Dienste eines Pferdes oder Dromedar an. Später dann wurde der im Verfallen begriffene Ort mit Geldern der UNESCO restauriert, aber die Menschen zogen nicht zurück, stattdessen wurde der Ort zu einem Touristenspektakel umgewandelt. Nur wenige Familien wohnen noch dort, sie betreiben dann meist ein Gästehaus.
Heute ist wirklich jede Ecke mit einem Kunstgewerbeladen ausgefüllt und noch auf den Treppenstufen werden die Artikel ausgebreitet. Gleichzeitig schiebt sich eine Karawane den Berg hoch, kein Spaß in der Gluthitze, die auch Ende Oktober immer noch herrscht.
Wer wirklich ein Interesse hat, den Ort zu besuchen, sollte sich in einem der vielen schönen Hotels der Region einquartieren, und den Ksar am Morgen oder am Abend besuchen, wenn die Karawanen weiter gezogen sind und der Besuch in etwas mehr Ruhe stattfinden kann.
Ich kenne Ait Benhaddou schon lange, habe es noch vor dem Ansturm erlebt, aber damals tatsächlich keine Fotos von den Gassen gemacht, nur von der Anlage im Ganzen. Hier nur ein Foto von einer Freundin aus dem Jahr 2008, ein Foto in solcher Ruhe könnte man heute nicht mehr machen. Viele meiner Kunden sagen schon, der Besuch lohnt nicht mehr.
Diese Ruhe genieße ich aber nun am Abend in der Kasbah du Jardin. In der Kasbah gibt es 16 nette Zimmer, sauber, ordentlich und preiswert. Und dazu gehört ein Campingplatz, auf den sogar 50 – 60 Wohnmobile passen. Aber heute ist keiner da und ich sitze gemütlich vor meinem Zimmer am Piscine und gönne mir ein Kefta-Tajine. Hier werde ich nicht vollgestopft, sondern darf wählen, was ich essen möchte. Ich kann die Anlage sowohl für Camper als auch Hotelnutzer empfehlen und habe im Verlauf der Jahre tatsächlich schon öfter hier gewohnt.
Und so ist es heute:
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