Ein ganz normaler Tag in Florida

Heute ist Samstag, gestern war Black Friday, davor Thanksgiving. Nur zur Einordnung. Heute brauchte ich einfach mal wieder ein wenig Bewegung. Also aufs Fahrrad. Inzwischen pendelt sich hier der Benzinpreis bei so um die 3 $ pro Gallone ein, also unter 1 Euro pro Liter. Da kann ich mir doch wieder einige Meilen leisten. Fuhr also nach Winter Springs, 43 Meilen, und parkte da am Central Winds Park. Schöne Sportstätten, Restrooms, Picknick, Spielplatz und natürlich Tools für das Bike.

Ich möchte euch von dieser Fahrt so gerne etwas Aufregendes erzählen, aber es gab einfach nichts. Wunderschöne Tour auf Bike Trails, nur selten musste ich eine Straße mit Ampel überqueren, also es passierte einfach nichts. Alles in allem 68 Kilometer hin und leider auf gleichem Wege zurück. Aber einfach schön.

Auf dem Heimweg dann kurz bei Safe a lot gehalten, brauche Milch zum Frühstückskaffee. Auch die ist hier, genau wie die Eier, sehr teuer geworden. Ich könnte ja mal nach Steaks schauen. Esse selten Fleisch, brauche es einerseits nicht, andererseits sind auch die teuer geworden. Doch heute die T-Bones 3.99 das Pound. Super Preis, schon lange nicht mehr gesehen. Also sofort eine Packung gekauft und eins auf dem Grill gelegt. Dazu gibt’s nur Steaksauce und eine Tomate. Lecker. Dann kurz mal in die Heuteshow geschaut. Was in Deutschland so los ist. Dann gelangweilt. Am liebsten gleich ins Bett gegangen, morgen ist ja ein schöner neuer Tag. Aber noch so früh.

Doch halt. Ich bin ja in Florida. Also habe ich das Rad wieder raus geholt und bin rüber ins First Turn. Eine Rock Band hat gespielt. Ich brauche da kein Getränk, stelle mich einfach vor die Band und tanze vor mich hin. Schön ist das. Tue so als sind die Rockband und ich die einzigen Menschen auf der Welt. Niemand, der mich mal wieder enttäuscht. Nur die und ich und ich tanze.

Genau das ist es, was mir in Taunusstein fehlt.

Thanksgiving with Shay

Thanksgiving ist in USA der höchste Feiertag, mehr noch als Weihnachten. Und niemand möchte an diesem Tag alleine sein. Im letzten Jahr war ein wunderschönes Weihnachtsessen veranstaltet von einer Kirche, dort habe ich mich sehr wohl gefühlt. Leider machen die das in diesem Jahr nicht.

Also habe ich in der lokalen Facebookgruppe mal nachgefragt, ob jemand eine andere Kirche kennt, die ein solches schönes Essen mit netten Menschen veranstaltet. Daraus ging unter anderem eine persönliche Einladung hervor, die ich schließlich annahm. Shay hatte Freunde, Familien, Nachbarn zu Gast zum Turkey Dinner und lud mich herzlich ein.

Also Shay. Ich sollte um 12 erscheinen. Es ist nicht meine erste Einladung zu einem amerikanischen Thanksgiving Dinner, so hatte ich in etwa eine Vorstellung, was mich erwartete. Man steht zusammen, trinkt ein Glas, setzt sich dann um einen großen Tisch und die vielfältigen traditionellen Speisen werden aufgetragen.

Bei der Anfahrt fiel mir auf, dass nicht allzu viele Autos vor der Tür parkten, was man bei vielen Gästen ja eigentlich erwarten würde. Die Familie saß versammelt in der Garage, hier in Florida gang und gäbe. Garagen werden selten für Autos verschwendet. Statt hallo waren die ersten Worte, die Shay zur Begrüßung sagte, wir rauchen Weed, stört dich das? Nein, überhaupt nicht! Ich fühlte mich auf einen Schlag versetzt in meine Anfangstage in Marokko, als die ganzen Jungs um mich herum Haschisch rauchten. Ich rauche gar nichts, weder Zigaretten noch Haschisch, das sagte ich auch, aber damit war dann alles klar. Ein Stuhl wurde bereit gestellt und ich wurde fröhlich aufgenommen. Ich hatte Wein mitgebracht, Shay suchte Gläser, was nicht so einfach war, denn sie trinken selten Wein. Sie trinken tatsächlich hauptsächlich Softdrinks, keinen Alkohol, und ich leerte die Flasche quasi allein. Dafür wird dann so eine dicke Tüte gedreht, die reihum ging. Man bot sie mir an, akzeptierte aber meine Weigerung, eben ganz genau wie früher in Marokko.

Shay stellte mir ihren Mann Kris vor, ihre Schwester mit Boyfriend und ihren Schwiegervater. Dazu gehörten ein Baby und ein vierjähriger Sohn. Alle sehr nett und es gab überhaupt keine Schwierigkeiten mit der Kommunikation. Irgendwann erwähnte Shay, dass Kris sich um den Turkey kümmern würde, während sie einen Kuchen als Nachtisch gemacht hatte. Dann bot sie mir stolz an, eine Tour durchs Haus zu machen. Nun könnte ich sagen, dass ich geschockt war, aber das stimmt nicht. Ich habe schon einige amerikanische Haushalte gesehen und die reichen vom Luxus bis zur totalen Unordnung. Das Haus hier war auf der Skala von 1 bis 10 so etwa bei 3. Aber Shay war so stolz auf ihr Haus mit Garten, das sie erst vor einigen Monaten bezogen haben und sah die totale Unordnung als völlig normal an. Dabei konnte ich auch einen Blick in die Zimmer der zwei großen Mädels (10 und 15) werfen, die noch zur Familie gehören. Sie lagen auf dem Bett und hörten Musik.

Inzwischen war es halb drei, in der Küche hatte ich vom Turkey weder etwas gesehen noch gerochen, und ich sagte, ich wolle aufbrechen. Auch das wurde sehr freundlich aufgenommen und ich verabschiedete mich herzlich.

Auf dem Heimweg stoppte ich bei deutschen Freunden vor Ort, die auch ein fettes Tier brieten, aber eine Einladung von denen erfolgte nicht. Obwohl ich viel für die tue. Also ging es nach Hause und eine Dose aus dem Gefrierschrank musste daran glauben. Ich aß gemütlich, trank noch ein Gläschen und dachte zwei Dinge. Erstens dass ich nun ein wenig Bewegung brauche und zweitens, dass es bei Shay doch eigentlich ganz nett war. Also stieg ich auf mein Fahrrad und fuhr wieder zurück. Alle freuten sich. Der Vierjährige war von meinem Fahrrad begeistert, worauf ich ihn durch die Nachbarschaft fuhr. Übrigens lief er die ganz Zeit barfuß. Ich war zuvor schon mit ihm und dem Baby spazieren gegangen, wobei er den ganzen Weg über spitze Steine barfuß zurück legte. Eben wie die Kinder in Marokko.

Um den Garagentisch fehlten einige Personen, dafür waren neue dazu gekommen. Man erwähnte sogar ganz kurz wieder etwas von einem Turkey, aber wiederum konnte ich ihn weder sehen noch riechen. Er schien aber bereits gegessen worden zu sein. Auf dem Tisch lagen einige interessante Tüten und ich wollte nun doch mal genaueres wissen. Was sie rauchen ist also medizinisches Cannabis, dafür braucht man ein Rezept, was aber alle Mitglieder der Familie hatten. In einer Dose war die reine Pflanze, die zerkrümelt und mit Tabak gemischt in einer selbst gedrehten Zigarette geraucht wird. Aber auf einer anderen Tüte stand Milchschokolade. Man zeigte mir ein Stückchen, bot mir es auch hier wieder freundlich an (nein, danke) und es gab noch eine zweite Tüte mit dem Geschmack von Pecan Nüssen. Mhm. Und die ganzen Kinder drumherum. Ich wollte wissen, was besser ist. Man meinte, geraucht wirkt es schneller. Der Vater litt unter Nackenschmerzen, ich fragte, ob er dafür das Cannabis rauche, ob es seine Schmerzen lindere. Nein, sagte er, er wäre nun schon so daran gewöhnt, dass es keinen Unterschied mehr macht. Warum also raucht man es? Ich weiß es nicht. Übrigens konnte ich den ganzen Nachmittag lang an den Menschen keine Veränderung feststellen, sie waren unverändert freundlich und herzlich. Wenn ich an Menschen denke, die so viel Alkohol trinken, dann verändern die sich doch sehr. Welche Droge ist also schlechter?

Ich blieb noch ein Weilchen, weil ich mich bei den Leuten wirklich wohl und herzlich aufgenommen gefühlt habe, dann machte ich mich auf dem Heimweg, es wurde ja schon langsam dunkel. Shay bot mir an, etwas von ihrem Kuchen mitzunehmen, was ich auch gerne tat. Den gab es also.

Zuhause musste ich mich sofort ausziehen und meine Kleidung in die Waschmaschine stecken, so sehr habe ich nach Weed und Zigaretten gestunken. Aber schön wars. Haben uns für die Weihnachtsparty verabredet.

Brita Taunusstein

Auf den Family Days in Port Orange war ein Stand von Brita, einer Firma, die Wasserfilter herstellt und in meinem Wohnort Taunusstein beheimatet ist. War natürlich klar, dass ich an diesem Stand stehen bleiben und alle aufklären musste, dass Brita aus meiner Stadt kommt. Das hat nun nicht wirklich jemand von dem freundlichen Personal beeindruckt, die hatten weder eine Ahnung, wo Brita herkommt noch hat es sie überhaupt interessiert. Es wurde einem die Teilnahme an einer Verlosung versprochen für einen 500 $ Einkaufsgutschein beim örtlichen Supermarkt. Kann man in Zeiten von Inflation gebrauchen, aber ich gewinne ja nie was. Was sie wirklich wollten war die Anschrift von Hauseigentümern. Weil es Brita war habe ich den Zettel ausgefüllt.

Und schon am Montag bekam ich einen Anruf. Ob jemand vorkommen dürfe um meine Wasserqualität zu testen. Und wieder habe ich zugestimmt, einfach weil es Brita ist und ich neugierig war, was kommt. Und ja, die 500 $ hatte ich nicht gewonnen, aber ich würde doch einen 50 $ Gutschein bekommen für meine Zeit. Ich stimmte zu und dachte im Stillen, der kann mich mal, den Gutschein nehme ich und dann muss ich ihn loswerden.

Aber es kam so ganz anders als ich dachte. Es erschien ein sehr sympathischer junger Mann, Will, und packte seinen Testkoffer aus. Während er noch das Wasser laufen ließ, bot ich ihm einen Espresso an. Nun ist mein Espresso immer gewürzt mit einem Sambucca, alte Familientradition. Damit hatte ich ihn schon mal gewonnen. Er war begeistert. Doch dann legte er los und nun war ich begeistert. In den knapp zwei Stunden, die er bei mir war, habe ich so viel über das Floridawasser gelernt, und es waren sehr wichtige Dinge, die ich nicht wusste. Zunächst einmal erklärte er mir, dass Brita tatsächlich der Marktführer ist in USA für solche im Haus installierten Filtersysteme. Er testete zunächst das Wasser aus dem Wasserhahn (1), dann das aus meinem Kühlschrank (2), der an einen Filter angeschlossen ist (USA – Kühlschränke haben einen Wasseranschluss für gekühltes Trinkwasser und Eiswürfel), dann fragte er mich, ob ich gekauftes Wasser in Flaschen habe. In USA wird zweierlei Wasser angeboten, Purified (3) und Spring Water (4). Ich hatte beides im Kühlschrank, wenn ich auch vorwiegend Spring Water kaufe, ist doch aus einer natürlichen Quelle. Dachte ich.

Zu diesen vier Proben kam dann noch eine Probe von Brita gefiltertem Wasser hinzu, das er mitgebrachte hatte. Und dann wurde getestet mit verschiedenen Fläschchen, von denen er etwas ins Wasser träufelte. Bestanden hat das Brita Wasser, das aus meinem Kühlschrank und das Purified. Spring Water und das aus dem Hahn färbte sich schrecklich gelb. Hier in Florida wird sehr wenig getan um das Trinkwasser zu reinigen, man schüttet einfach nur Chlorbleiche hinzu, was man auch riecht und schmeckt. Sonstige Bakterien werden nicht abgetötet, außerdem enthält das Wasser auch viel Sand, was wiederum den Geräten wie Kühlschrank, Waschmaschine und Heißwasserbereiter schadet. Es war wirklich eindrucksvoll, was er mir gezeigt hat und die Zeit für diesen Besuch war nicht verschwendet. Ich werde nie mehr das Spring Water kaufen, das noch nie eine Quelle gesehen hat.

Zum Abschied servierte ich ihm noch einen Limoncello und wir wurden Freunde fürs Leben. Er rief dann seinen Chef an, berichtete ihm von meinem Besuch und überzeugte ihn, dass ich als Snowbird, die ja nur einige Monate jedes Jahr im Land bin, mir diese schöne und sicher gute Anlage nicht zulegen kann. Aber ich kann Brita nur in höchsten Tönen loben. Von der Qualität der Produkte her und von der Freundlichkeit der Mitarbeiter.

Trick or Treat

Gestern war der 31. Oktober, Halloween. Dieses etwas verrückte Fest kommt ja aus den USA, wo ich gerade bin, wenn es auch seinen Weg über den Atlantik gefunden hat. Dennoch ist es hier ein wenig anders. Die Tradition will, dass die Kinder von Haus zu Haus ziehen und um Süßigkeiten bitten, Treat; anderenfalls sie schreckliches androhen und vollziehen, Trick. Doch werden schon seit Jahren Eltern immer mehr gewarnt, das doch nicht zu machen oder zumindest die Kinder zu begleiten, zu sehr hat man Angst vor bösen Menschen, die die Süßigkeiten vergiften könnten oder sonstwas anstellen.

Ja, die Welt wird halt immer gefährlicher.

Um dieser Gefahr entgegen zu wirken, den Kindern aber trotzdem ihren Spaß zu lassen, hat es sich immer mehr durchgesetzt, dass es ein öffentlich organisiertes Trick or Treat gibt. Manchmal organisiert von Privatleuten, von Geschäften, der Stadt, aber vor allem von den Kirchen. Und die machen den Job gar nicht mal so schlecht. Diesmal fiel der Tag auf einen Montag, deshalb war auch schon das ganze Wochenende mit Halloween Veranstaltungen angefüllt. Für mich die Ideale Gelegenheit, das Rad einzusetzen und die verschiedenen Adressen abzufahren. Am Samstag war es meine Stadt Port Orange, die daraus ein dreitägiges Family Days Event gemacht hat mit Buden und Kirmes. Am Sonntag fuhr ich dann drei Kirchen ab. Die erste sehr schön in einem Park, im großen Kreis waren Autos geparkt, die jeweils furchterregend dekoriert waren, die wie in unserem Fasching verkleideten Kinder gingen im Kreis umher mit einem Eimerchen und packten Süßigkeiten ein. Ließen sich auch gerne und stolz fotografieren.

Bei der zweiten Kirche ging es sehr viel ruhiger zu, ich wurde mit meinem Fahrrad von einigen älteren Damen begrüßt und meinte spaßig, ich wäre ja wohl schon zu alt für Trick or Treat. Nein, nein, meinten sie, ich solle nur losziehen. Und so war es. Habe ein Körbchen vorne am Rad und jeder warf mir etwas ein, eine sagte, mein Zahnarzt wird sich freuen.

Bei der dritten Kirche war dann richtig was los. Auf der Straße stand schon ein Polizeiwagen und leitete die Fußgänger sicher auf die andere Straßenseite und dort war es dann richtig schwer, überhaupt mit meinem Rad durchzukommen. Aber es fiel kein einziges böses Wort, jeder machte mir freundlich Platz. Hier konnten die Kinder sehr viel machen, im Hamsterrrad drehen, Hüpfburg, Streichelzoo und Ponyreiten. Kein Wunder, dass hier so ein Gedränge war. Aber mein Körbchen wurde nicht gefüllt, ich kam ja noch nicht mal durch zu den Ausgabestellen und gönne es gerne den Kindern.

Am Montag dann, dem eigentlichen Halloween, gab es im Riverwalk Park direkt am Fluss wieder ein großes Fest, auch diesmal von einer Kirche. Es spielte sogar eine Band, zu den Süßigkeiten gab es noch Eis und Popcorn. Jedes Auto war auch wieder schön dekoriert, die dazu gehörigen Menschen natürlich auch, und immer wurde ein christliches Thema dargestellt. Man ging in einer langen Schlange an den Autos vorbei und hielt sein Körbchen zum Füllen hin, oft mussten die Kinder auch irgendwas spielen, Angeln, Axtwerfen oder so. Hier bekam ich dann auch wieder was ab. Das wird nun sicher bis zum Ende meines Aufenthaltes reichen, denn ich darf ja täglich nur einen Snack essen. Die Linie ….

Komoot in USA

Zuhause in Deutschland nutze ich zum Fahrradfahren die App Komoot. Das ist eine schöne Sache. Ich aktiviere beim Start die Aufzeichnung, nach dem Ende bekomme ich dann genaue Daten über KM-Zahl, Steigung und Geschwindigkeit. Dazu eine schöne Skizze und wenn ich unterwegs Fotos mache die auch noch dazu. Wenn ich mal gar nicht weiß, wohin ich fahren soll lasse ich mir ab meinem Standort schöne Radtouren anzeigen und habe schon sehr viel abgefahren. Immer voll zufrieden.

Nun bin ich aber in Florida. Einerseits ist Komoot hier nicht sehr bekannt, andererseits gibt es direkt um meinen Standort auch keine regulären Biketrails. Es gibt allerdings hin und wieder Straßen, die auf dem Bürgersteig oder neben der Fahrbahn ausgewiesene  Radspuren haben. Aber wenige. Radfahren ist noch nicht so richtig angekommen in diesem Autoland und wenn, dann freizeitmäßig auf den Biketrails, aber nicht in der Stadt, um irgendwohin zu kommen.

Deshalb ist es auch kein Wunder, dass mir Komoot auch absolut keine schöne Rundtour in meiner direkten Umgebung zeigt. Nun hat Komoot aber auch die Funktion, sich selbst eine Route anzulegen. Die kann man am PC genau bearbeiten und dann sogar ohne Internet unterwegs abfahren. Genau das habe ich heute getan. Eine Rundtour von gut 30 km. Ohne designierte Biketrails und entlang wirklich großer Straßen. Zum Glück gab es an den wirklich großen einen Bürgersteig, der für Radfahrer zugelassen ist, und an den Kreuzungen jeweils Drück-Ampeln. Nicht nur, dass man an solchen Ampeln eine Ewigkeit wartet ( es geht immerhin um 6- und mehr spurige Straßen), sondern vor allem rechnen die Autofahrer absolut nicht mit Radfahrern und es gibt immer wieder tödliche Unfälle.

Heute also habe ich das Risiko auf mich genommen und bin tatsächlich lebend zurück gekommen. Richtig Spaß macht es nicht, aber anders kann man kein Ziel erreichen. Plötzlich leitete mich die Komoot App in eine Wohnsiedlung, ich habe schon Böses geahnt. Es ging etliche Kilometer durch diese Siedlung, die laut Schildern ja nur für Residents ist, und am Ende war dann auch ein großes Tor, das mich eigentlich die vielen Kilometer wieder zurück schicken wollte. Aber zum Glück kam gerade ein Auto rein und ich konnte durchschlüpfen. Auf dieser Strecke hatten die großen Straßen jeweils einen schmalen Bereich am Rande, den ich nutzen konnte, der aber eigentlich nie als Bikelane ausgeschildert war. Und es bleibt einfach das Risiko.

Fazit: ich brauche unbedingt eine Transportmöglichkeit für mein Auto, um die schönen Biketrails zu erreichen.

EBike Kauf und Test

4 Tage besitze ich nun mein neues eBike und möchte einen ersten Bericht geben. Zunächst mal der Hintergrund. Da ich in zwei Welten lebe, Deutschland und Florida, muss ich leider auch die lebenswichtigen Dinge zweimal besitzen. Für den hügeligen Taunus habe ich mir ein eBike von Giant zugelegt. Das Giant Explore+ 2 GTS zu 2499 Euro hat die neueste Technik, hier mein Erfahrungsbericht:

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/2-wochen-giant-ebike-erfahrung/

Nachträglich muss ich zufügen, dass mir erstens der Rücken nicht mehr weh tut und ich zweitens viel mehr Kilometer fahren kann. Hab es nie bis zum letzten ausprobiert, aber als ich von Boppard nach Taunusstein fuhr hatte ich 85 km auf dem Display und immer noch eine halb volle Batterie.

Nun also nach Florida. Ich kam mit dem festen Vorsatz, mir KEIN eBike zu kaufen. Am ersten Tag auf meinem MTB 18 km gemacht. Ich war müde. Am zweiten die gleiche Strecke auf dem älteren Rad, ich war fertig. Und bei alldem geht es nur auf gerader Strecke, nicht auf die Brücke, die ich mithilfe der Gangschaltung zwar schaffe, aber es ist doch ziemlich lang und steil und gern macht man es nicht. Bin einfach nicht fit seit ich hier bin. Jetlag?

Die Brücke ist im Hintergrund

Am dritten Tag Recherche über eBikes begonnen. Aufgrund der doppelten Haushaltsführung sind meine Mittel begrenzt und ich kann mir keinesfalls ein qualitativ so gutes Rad kaufen wie mein Giant zu Hause. Ich wollte möglichst unter 1.000 $ ausgeben. Auch hier gibt es natürlich online Angebote. Ein sehr gutes Angebot für 1.100 $ gebraucht war leider schon weg, sonst nichts Berühmtes. Ein eBike Laden in Daytona Beach Shores hatte ein Rad, ein Eunorau E-Torque für 1.400 $. Es hatte eigentlich alles, was ich mir vorstelle. Kein Mountain Bike, sondern ein Cruiser mit Schutzblechen und Gepäckträger. Ich hätte sonst nichts weiter gebraucht. Nun muss man wissen, dass hier immer noch eine Salestax von 7 % drauf kommt. Der Verkäufer bot mir an, bei Barzahlung die Salestax zu streichen. Das ist ein tolles, wenn auch illegales Angebot, aber ich wollte ja keine 1.400 $ ausgeben. Ich versprach, es mir zu überlegen.

Daytona Electric Bikes

Auf dem Rückweg kam ich an dem Laden vorbei, der vornehmlich eBikes vermietet und sie dann später gebraucht verkauft. Daytona Electric Bikes, 116 Dunlawton Ave Ste 4, Daytona Beach Shores, daytonaelectricbikes.com.

Ich kam rein, der Verkäufer schaute mich an: Edith? Ja. Wieso kennst du mich? Ich bin doch Jimmy aus dem Bikestore in Sanford, wo wir deine Bücher verkaufen.

Großes Hallo. Aber nun zum Geschäft. Angeboten wird hauptsächlich das Surface 604 Colt zu einem Preis von knapp 3.000 $ neu und 1.450 $ gebraucht. Es ist ein sehr gutes, starkes Rad, das die Brücke, die an dem Laden beginnt, in einem Ruck hochsaust. Ja, macht Spaß. Aber es kam mir auch ziemlich groß und schwer vor. Und halt zu teuer. Denn auch hier käme ja noch die Salestax hinzu. Und ein Verhandeln über den Preis ergab nichts. Ich versprach, es mir zu überlegen.

Zuhause habe ich noch ein wenig im Internet geschaut, einige Gebraucht-Angebote kontaktiert und einen weiteren Laden gefunden. Ich vergaß zu erwähnen, dass es ja auch noch die drei lokalen Bikeshops gibt, die schon lange existieren und die meine Bücher verkaufen. Aber keiner dieser Läden hatte ein Rad in meiner gewünschten Preisklasse. Diese eBike und Rental Shops, die ich gefunden habe, sind dagegen ziemlich neu und bieten auch nicht das volle Equipment eines Bikeshops.

Gear Bicycle Sales

Ein solcher Shop ist auch Gear Bicycle Sales in 209 Dunlawton Ave, Port Orange. Ich düste mit meinem MTB dorthin. Sie hatten ein neues Aventon MTB inseriert für 1.000 $. Es gefiel mir schon, fuhr sich auch gut. Klar war aber schnell, wenn ich es auf meinen Autoträger montieren will brauche ich eine zusätzliche Querstange. Ich fragte was das alles zusammen kosten solle. Er addierte und addierte. Rad, Sales Tax, Battery Recycle fee, Querstange. Und kam auf 1203,45 $ Noch nicht mal den Change wollte er mir erlassen, handeln war absolut unmöglich. Dennoch war ich einigermaßen auf das Rad fixiert und fuhr zur Bank, um Geld zu holen. Und zu Hause das Auto. Doch inzwischen war die Antwort von einem Gebrauchtrad gekommen, das 500 $ kosten sollte. So ein Preis würde mir gefallen. Auf dem Foto konnte ich die Marke erkennen: Hyper. Und fand, dass Walmart es neu für 598 $ verkauft. Erstens zu billig, um gut zu sein, zweitens sind da 500 $ ein ziemlich schlechter Preis für ein gebrauchtes Rad. Mir ist auch die Kilometerleistung wichtig. Der Verkäufer sagte, er wäre immer 15 Meilen zur Arbeit gefahren und 15 Meilen zurück, dafür reichte es, ist mir aber etwas wenig. Zu den meisten Rädern im Angebot heißt es, sie fahren 45 – 50 Meilen (72 – 80 km).

Ich schaute mir das Foto noch einmal genau an. Es war ein MTB, hatte also keinen Gepäckträger und keine Schutzbleche. Das genügt mir nicht. Schaute noch mal das Aventon zu 1.200 $ an. Ebenso. Das war die Entscheidung! Die zurück zum Eunorau, das alles hat, was ich brauche für 1.400 $. Mein Cash gezählt und genau die geforderten Scheine gefunden, nichts wie ab zum Laden.

Nun muss ich das Rad aber auch nach Hause kriegen. Meine Autohalterung für 2 Normalräder ist nicht für schwere eBikes ausgelegt, zudem hat das Rad auch keine Querstange. Aber ich werde es versuchen.

Daytona Outdoors

Ist in Daytona Beach Shores, 2408 S Atlantic Ave, https://daytonaoutdoors.com. Auch hier werden vornehmlich Fahrräder zum Vermieten angeboten, aber auch neue verkauft. Und der Verkäufer ist ein wirklich netter Typ. Mein Eunorau E-Torque stand noch wie gewünscht in der Ecke und ich erkundigte mich zunächst mal, ob zu den 1.400 $ auch wirklich nichts dazu kommt, wie diese blöde Recycling Fee. Nein, das ist der Endpreis. Und schon wurden wir uns einig. Als erstes half er mir, das Rad auf meinem Wagen zu befestigen. Schon dabei zeigte sich, dass diese Billighalterung einfach nicht ausreichend ist. Aber ich schaffte es, das Rad sicher heim zu bringen. Und es fühlt sich in dem schönen Abstellraum, der in den Florida-typischen Farben wie das Rad gestrichen ist, sichtlich wohl.

Auto-Rack

Aber das Thema Autohalterung besteht weiter. Mein Budget ist erschöpft, und mein Auto hat keine Anhängerkupplung, ich bin nicht mal sicher, ob man eine anbringen könnte. Aber es fehlen mir einfach die Mittel dazu. Ich habe daraufhin in der Fahrradgruppe nach Empfehlungen gefragt, welche Halterung ich benutzen könnte, die wie bisher an der Rückseite befestigt wird, aber auch ein eBike aushält. Die Antworten sind ernüchternd. Es scheint einfach nicht möglich zu sein. Mein Entscheidung für den Moment ist also, das Rad nur in der heimischen Umgebung zu benutzen und für die schönen Florida Trails, zu denen ich im Auto anreisen muss, noch das alte Rad zu nutzen.

Kilometerleistung

Und so radele ich also munter durch die Daytona Area. War schon zur Main Street während der Bike Week, habe den neuen Sweetheart Trail an der Beachstreet ausprobiert und war in Ponce Inlet. Alles einfach super. Dabei waren etliche Brückenüberquerungen nötig, die das Bike locker schafft. Ich mache im Schnitt 30 km pro Tour. Übernommen habe ich das Rad voll geladen und diese erste Ladung hatte nach 3 Tagen und 103 km noch einen Füllstand von 25 %. Also kann ich wesentlich mehr Kilometer damit fahren als von den Verkäufern angegeben. Es kommt mir etwas langsamer vor als mein Giant, aber ist vollkommen ausreichend für das flache Florida.

Throttle

Anders als in Deutschland haben die eBikes hier einen Throttle, also einen Gashebel. Eigentlich fand ich das als Biker ja blöd. Will doch kein Moped haben, sondern mich trotz Motor noch sportlich betätigen. Ein eBike ist pedal assisted, also der Motor läuft nur, wenn man in die Pedale tritt. Hier in Florida sind die meisten eBikes tatsächlich halbe Mopeds, mit breiten Reifen, einem starken Motor und werden meist ohne in die Pedale zu treten gefahren. Das ist mir aber nicht sportlich genug. Ich wollte ein richtiges Fahrrad und habe es mit dem e-torque bekommen. Aber es hat auch einen Throttle. Und natürlich muss ich den auch mal ausprobieren. Und muss zugeben, dass es doch schön ist. Vielleicht hat man nach einer langen Fahrt mal müde Beine und kann sich ein paar Meilen ausruhen. Das Bike beschleunigt dann auf 18 mph, denn es ist ja genau wie die deutschen eBikes auf 25 kmh begrenzt. Wo ich es aber besonders hilfreich finde ist es bei einer Anfahrt im Berg. Aufsitzen, den Throttle drücken und schon fährt man los. Ich freue mich inzwischen darüber und hätte es mir auch für mein deutsches Bike gewünscht.

Allerdings steht in der Beschreibung, dass man bei Nutzung des Throttles nur etwa 15 Meilen mit einer Ladung fahren kann, es braucht ja wesentlich mehr Energie.

Marokko nach Corona

Es waren genau zweieinhalb Jahre, in denen mit Marokko nichts lief. Nach Ausbruch der Pandemie hat Marokko seine Grenzen ziemlich schnell und abrupt dicht gemacht. Es war Anfang März, noch viele Wohnmobilisten waren im Land, um wie jedes Jahr die Wintermonate dort zu verbringen. Von einem auf den anderen Tag konnten sie das Land nicht mehr verlassen. Als dann die Bundesregierung Sonderflüge organisierte, um wenigstens die Menschen nach Hause zu bringen, mussten viele ihr teures Gefährt im Land zurücklassen, auf lange, lange Zeit.

Das hat vielen einen Schock versetzt. Einzelne blieben zwar vorläufig im Land, gestrandet auf einem Campingplatz, wo oft sich der Inhaber super nett um seine Gäste gekümmert hat. Hier ein paar Fotos vom Camping Soleil in Sidi Kaouki aus dieser Zeit:

Doch mit Schließung der Grenzen war Marokko als Urlaubsland erstmal vorbei. Meine schönen Reiseführer blieben im Lager, keiner wollte mehr ein Buch kaufen und ich war arbeitslos. Eine schreckliche Zeit. Geht es mir doch nicht um die paar Euro, die ich mit den Büchern verdiene, wobei gar nicht viel bleibt, wenn Nebenkosten und Recherche-Reise bezahlt sind. Aber mein Lebensinhalt war weg. Keiner rief mehr an und stellte Fragen zu Marokko, keine nächste Reise konnte geplant werden, nein, wir mussten alle zuhause bleiben.

Im November 2020 bestellten dann ein paar Hoffnungsvolle doch wieder ein paar Bücher, die Grenzen sollten angeblich wieder geöffnet werden, aber die Lage war doch immer noch viel zu unstabil. So hat sich das auch wieder gelegt. Erst im August 2022, als nicht nur die Grenzen wieder geöffnet waren und auch die Fähren wieder fuhren, festigte sich der Marokkowunsch in vielen Herzen erneut. Langsam ging es aufwärts.

Meine wichtigsten Bücher sind das Reisehandbuch mit Beschreibungen von Land, Leuten und vor allem Straßen, sowie der Campingführer. Und dieser letzte ging inzwischen aus. Ein Nachdruck des alten hätte keinen Sinn gemacht, aber ich konnte auch noch nicht nach Marokko fahren, aus privaten Gründen. Also begann ich eine große Aktion, die Campingplatzbesitzer zu kontaktieren. Das ist nicht leicht. Denn telefonieren wollte ich nicht, viel zu teuer. Also schrieb ich die, von denen ich eine Email habe, an. Der Rücklauf war bescheiden, aber dennoch, ein neues Buch musste her. Eine so große Auflage wie vor Corona kam nicht infrage und wenn die Druckkosten einer Kleinauflage unter dem erzielbaren Verkaufspreis bleiben sollten musste ich kürzen. Deshalb schmiss ich zunächst mal Mauretanien raus, über dieses Land hatte ich sowieso keine neuen Informationen. Nur allzugerne möchte ich mal wieder dorthin fahren, die Reise wäre von den Coronabedingungen sogar noch vor Marokko möglich gewesen, aber ich verkaufe doch recht wenig Bücher über dieses kleine Land und kann mir noch keinen Neudruck leisten. Also wurde der ursprüngliche Campingführer von 360 auf 236 Seiten gekürzt, was gerade so einen vertretbaren Druckpreis ermöglichte. Doch kaum war das Buch im Druck trudelten immer noch Emails von den Campingplätzen ein. Ja, ich hätte warten können, aber dann hättet ihr kein Buch gehabt. Bis heute bekomme ich noch Antworten, manche Inhaber lassen sich richtig Zeit oder antworten überhaupt nicht. Ich habe das so gelöst, dass ich in meinem Shop

https://shop.edith-kohlbach.de/

im Bereich eBooks ein kostenloses Update eingestellt habe, wo die verspäteten Antworten aufgeführt werden.

Nun sind also die ersten Besucher wieder in Marokko eingetroffen. Und man hört nur Gutes. Fast alle Campingplätze haben weiterhin geöffnet, die Preise haben sich nur unwesentlich geändert, vor allem natürlich der Strompreis. Die Marokkaner selbst sind unendlich glücklich, dass ihr wieder kommt und wir wollen einfach nur hoffen, dass die Zukunft gesund und friedlich bleibt.

Save Food

Oh, was habe ich gerade so gut gegessen. Es gab Lachs auf Rahmporree und Penne, mit Käse überbacken. Zum Nachtisch dann ein schönes Stück Obsttorte. Einfach köstlich. Und nichts davon habe ich selbst gekauft und bezahlt, alles sind gerettete Lebensmittel.

Wenn ich das im Bekanntenkreis erzähle ist jeder sehr erstaunt. Aber du bist doch nicht Hartz 4 oder so. Stimmt. Hier geht es nicht um die Überlebensversorgung von armen Menschen, sondern um das Retten von Lebensmitteln. Ich habe es durch Zufall entdeckt und es macht total Spaß. Geht so:

Man braucht einen Mittelmann. Hier in Taunusstein ist das ein sehr aktives Paar, die sich unglaublich engagieren. Sie haben selbst nicht viel Geld, aber fahren jede Woche viele Kilometer, um Lebensmittel in Geschäften und Restaurants abzuholen, die kurz vor dem MHD sind. Die werden dann an eine Gruppe von Interessenten verteilt. Die Grundbedingung war ursprünglich nicht, dass es um Menschen gehen muss, die nicht genug Geld zum Leben haben. Es ging darum, Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu bewahren. Und wenn man erst einmal hinter die Kulissen schaut, ist man wirklich total erstaunt. Neulich fuhr ich mit zum Abholen. Eine Bäckerei schießt Samstags um 13.30 Uhr. Unser Abholtermin war 13.20 Uhr. Wir kamen hin, die Regale in der Bäckerei waren noch ziemlich voll. Brot, Brötchen, Kuchen, sogar belegte Brötchen. Alles wurde eingepackt und ins Auto verladen.

Samstagabends ist dann der Termin zum Verteilen. Wir treffen uns auf einem Parkplatz. Alles übrigens völlig legal und mit der Ordungsbehörde abgesprochen. Während vorher es völlig unerheblich war, wer genau diese Lebensmittel bekommt, es ging ja ums Retten, so kommen nun immer mehr Menschen, die von der wachsenden Inflation erschlagen werden. Oder auch zum Beispiel die Nachbarsfamilie, um die ich mich kümmere. Sie kamen im Juni aus der Ukraine und haben 3 Kinder. Sie können wirklich jedes Teil gebrauchen, das es hier gibt.

Bewundern muss man die Helfer, die viele Kilometer fahren, um diese Lebensmittel abzuholen, und auch die viele Zeit, die sie investieren. Deshalb gibt es bei den gestiegenen Spritpreisen nun auch die Ansage, dass jeder ein paar Euro für Benzin an die Abholer gibt. Aber das kommt spielend wieder rein bei den vielen schönen Sachen, die hier verteilt werden.

Ich habe auch mal gefragt, warum diese Lebensmittel nicht an die Tafel gingen. Die Antwort war sehr leicht zu verstehen. Die Tafel hat nur bestimmte Tage zur Abholung, nicht am Wochenende. Und wenn also am Samstag die Bäckerei ihre nicht verkauften Waren abgibt, so müssten die bei der Tafel bis zum Montag liegen. Die können einfach nicht so flexibel sein wie die privaten Abholer. Und die haben dann jeweils einen kleinen Kreis von Menschen, die davon profitieren. Natürlich kommt immer die Tafel an erster Stelle. Aber die privaten nehmen dann Lebensmittel, die die Tafel nicht brauchen oder zeitlich nicht abholen kann.

Es hat mir echt weh getan in der Bäckerei, zu sehen, wie viele Backwaren dort am Samstag übrig waren. Ich bin sehr froh, dass es diese Initiative gibt und das Ganze nicht im Abfall oder bei den Schweinen landet.

Und wenn ihr mitmachen wollt könnt ihr euch hier informieren:

https://foodsharing.de/

Den heutigen Lachs habe ich nicht fotografiert, aber dies ist eine „gerettete Lauchtorte“. Es ist einfach inspirierend, irgendetwas zu retten und sich dann etwas leckeres einfallen zu lassen, was man daraus zubereiteten kann.

Schöner Morgen

Seit einiger Zeit ist ja jeder Morgen recht schön, mit steigender Tendenz. Denn endlich läuft mein Geschäft wieder, habe ich was zu tun, werden Marokko-Bücher bestellt. Aber heute war es doch besonders. Ich machte die Bestellungen fertig und lief dann zur Post. Ein junger Mann kam mir entgegen, sah ganz manierlich aus und lächelte mich an. Dachte schon, kenne ich den? Aber nein, nie gesehen. Ich ging weiter, kreuzte die Straße, doch dann sah ich zurück, hatte das Gefühl, er folgt mir. Zum Glück um 9 Uhr morgens und nicht in dunkler Nacht (ich sehe zu viel True Crime).

Er rief mir sogar hinterher, also blieb ich stehen, um zu sehen, was er will. Vielleicht nach dem Weg fragen?

Aber nein, er machte mir Komplimente, ich sähe ja so geil aus, ob wir uns nicht mal treffen wollten. Nein danke, sagte ich, Sie sind mir viel zu jung. Ich bin doch schon 34! Ich sagte, auch voller Stolz, ich bin 74! Aber er sagte, ich würde ihm so gut gefallen, sähe so toll aus (in Fahrradhose und dicker Jacke), ob wir denn nicht wenigstens Nummern austauschen könnten, um ein wenig zu chatten. Ich sagte, nein danke, aber ich nehme es als Kompliment.

Ein Kompliment bekam ich in meinen Augen schon einmal diese Woche. War auf einem Fahrradtrip und übernachtete 2x in einem Hotel. Am ersten Abend im Restaurant Einzeltisch. Gegenüber ebenfalls ein einzelner Herr, Mitte 60. Wir redeten ein wenig über die Tische, doch dann bekam er Gesellschaft von seinen Freunden. Am nächsten Abend setzten wir uns dann zusammen und hatten viel zu reden. Über Fahrradfahren (ich), über historische alte Motorroller (mit dem er unterwegs war), über das Unwetter letztes Jahr, über Gott und die Welt. Beileibe nichts Romantisches. Als wir dann endlich gehen mussten, die Chefin wollte zumachen, fragte er, gehen wir zu mir oder zu dir.

Also echt, noch nie in meinem Leben hat jemand diese Worte zu mir gesagt. Auch hier nahm ich es als Kompliment und sagte ihm das gleichzeitig mit einem Gute Nacht.

Irgendwie läuft es doch gut zur Zeit.

Doch es ging tatsächlich weiter mit den guten Dingen. Auf der Durchreise war ich letzte Woche kurz im Globus in Gensingen und kaufte 4 Artikel, unter 10 Euro. Ging an die SB-Kasse zum bezahlen. Vom US-Walmart kenne ich es, dass es für die Bananen eine Taste gibt, Waage ist eingebaut und der Preis kommt. Hier nicht. Ich war etwas verwirrt und rief eine Kassenaufsicht. Sie erklärte mir, wo die Waage ist, ich retournierte noch eine Packung Mehl, die kaputt war, und packte meine Waren ein. Ging zum Auto und fuhr umständlich raus. Bisschen eng halt. Schon auf der Autobahn reflektierte ich über den Vorgang, und erst da fiel mir auf, dass ich nie bezahlt hatte. Ich suchte, ja stimmt, kein Kassenbon. Erster Gedanke war, naja, dann bekomme ich es halt geschenkt. Der zweite Gedanke war an den US-Walmart, wo wirklich alles von der Kamera festgehalten wird (was ich natürlich auch von den True Crime Stories weiß). Und ich sah schon, wie die Polizei zu meinem Haus kommt und mich mit Handschellen abführt. Also habe ich nach der Rückkehr sofort eine Email an Globus geschrieben mit Entschuldigung und Fotos von den Waren, kam sogar noch eine Rückfrage, weil bei zweien die EAN nicht lesbar war. Habe es nachgeholt. Eben kam dann eine Email von Globus, dass ich den Einkauf als Geschenk ansehen sollte, der Aufwand, eine Rechnung zu schreiben, wäre höher. Danke Globus.

Boppard mit Rad

Zum erstenmal wollte ich eine Radtour mit Übernachtung machen. Jetzt im schönen Sommer braucht man dazu ja nur minimales Gepäck, das ging bequem in meinen leichten Rucksack und Ersatzschuhe und Ladegerät in die Tasche auf dem Gepäckträger.

Zunächst brauchte ich aber ein Hotel. Und da kam mir die Email von American Airlines gerade recht, die mich darauf hinwies, dass ich noch viele Meilen gut habe, mit denen ich etwas anfangen könnte. Nur für einen USA-Flug reichte es leider nicht. Dafür aber für das beste Hotel in Boppard, das Bellevue direkt am Rhein und mit einer langen Tradition.

Für den Hinweg wollte ich wieder das 9-Euro-Ticket nutzen und hatte mir den Bus ab Wehen 8:49 Uhr herausgesucht. Von Wiesbaden aus dann sollte es mit dem Zug nach Kamp-Bornhofen gehen. Aber ich war total aufgeregt, warum weiß ich auch nicht. Um 6 Uhr gab es schon Frühstück, um 7:30 war ich abfahrbereit. Die schöne Bahn-App zeigte mir, dass es auch um 8:03 einen Bus gibt. Und da ich inzwischen ja Panik habe, ob ich mit Rad auch mitgenommen werde, dachte ich, je früher desto besser. Ich wurde bisher nur ein einziges Mal aus dem Bus geschickt, in Wiesbaden, weil ein Kinderwagen dazu kam. In Taunusstein kam auch mal ein Kinderwagen, aber wir fanden beide Platz und dem Fahrer war es recht. Deshalb fühle ich mich nun immer ein wenig unwohl.

Aber es ging alles gut, ich hatte das einzige größere Gerät und kam unbehelligt an den Bahnhof. Die RB nach Neuwied war wieder recht voll, aber dennoch ging es. Am Fahrradplatz waren wir 2 Kinderwagen und 2 Fahrräder. Übrigens hatte ich auch Bedenken, ob die Fahrradmitnahme wirklich kostenlos ist. Ein Bekannter meinte, im Bus ja, aber nicht bei der Bahn. Mr. Google wurde ausführlich zu Rate gezogen und ich fand heraus, dass bei der Bahn tatsächlich theoretisch ein Tagesticket fürs Rad zu 6 Euro nötig ist. Gehören Bus und Bahn dagegen zum RMV, dem örtlichen Verkehrsverbund, dann ist es kostenlos. Okay, schön, aber wozu gehört die Regionalbahn? Ich entschloss mich, es einfach zu versuchen und siehe da, der Zug hatte tatsächlich das RMV-Logo. Das ging also glatt.

In Kamp-Bornhofen stieg ich aus und fand auch gleich den Fahrradweg entlang der B 42. Offensichtlich geht überall entlang des Rheins ein Radweg. Sehr schön. Und noch schöner war, als ich in Lahnstein an der Viktoriaquelle vorbei kam. Dort wird Mineralwasser abgefüllt. Aber für die Öffentlichkeit gibt es entlang des Radwegs einen schönen Brunnen, wo das leicht kohlesäurehaltige Wasser kostenlos heraussprudelt. Also schnell mal die Trinkflasche aufgefüllt.

Ansonsten gibt es über den weiteren Weg rechtsrheinisch bis Koblenz und linksrheinisch wieder zurück nach Boppard nicht viel zu berichten. Überall schöner, ausgeschilderter Radweg, es waren insgesamt 48 km. In Rhens, eine weitere Stadt mit einer Mineralwasserabfüllstation, aber ohne kostenlosen Brunnen, machte ich dann Kaffeepause auf einer Bank und bewunderte die schönen alten Häuser.

Parken im Bellvue

In Boppard kam ich noch vor der Check-in Zeit an, aber sorgte erstmal für mein Rad. Ich wurde sofort darauf hingewiesen, dass es aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt sei, den Akku mit aufs Zimmer zu nehmen. Er kann in der Garage aufgeladen werden, das kostet eine Gebühr von 5 Euro. Okay. Ich also hin zu der Garage, die ein wenig entfernt vom Hotel ist. In dem ganzen Gebäude nur eine Steckdose und die gleich am Eingang. Zudem kann jeder auf den Türöffner drücken, das Tor bleibt lange auf und man schaut genau auf meinen Akku. Das ist mir doch viel zu gefährlich, diese Dinger sind ja nicht gerade billig. Also wieder zurück ins Hotel. Man meinte, es gäbe noch eine weitere Garage, dazu bekäme ich einen Schlüssel gegen 10 Euro Pfand. Ich ab in diese recht große und auf jeden Fall viel sicherere Garage und machte mich auf die Suche nach Steckdosen. Ja, gab es. Unter der Decke, in etwa 3 m Höhe. Sooo groß bin ich ja auch nicht, im Alter sogar etwas geschrumpft. Also wieder zurück zur Rezeption. Doch, doch, da ist eine Steckdose, man war ganz sicher und erklärte mir in etwa die Örtlichkeit. Wieder zurück. Nur gut dass ich ein Fahrrad für die Wege habe. Es stellte sich heraus, dass an der Ladestation für die e-Autos tatsächlich eine freie Steckdose ist. Eine. Das Hotel war gut besucht von Bikern. Zum Glück war ja noch kein Check-in und ich die erste Radlerin, konnte also aufladen. Aber als ich später nachschaute, standen schon andere in Warteposition.

Ich habe ja nichts dagegen, dass man eine Gebühr von 5 Euro verlangt. Strom kostet Geld. Aber dann muss man auch eine gute Infrastruktur schaffen. Ich hörte später, dass die Steckdosen so weit oben sind wegen der Hochwassergefahr. Verständlich. Aber warum nicht einfach ein kleines Leiterchen bauen?

Nachdem ich also bestimmt eine Stunde mit Rad parken beschäftigt war konnte ich in mein Zimmer. Es war zwar recht klein, aber immerhin mit direktem Blick zum Rhein und einem kleinen Balkon. Hat mir gut gefallen.

Klettersteig

Bereits kürzlich war ich in Boppard zusammen mit einer älteren Nachbarin. Wir wollten auf den Berg, um den Vierseenblick zu bewundern. Aber der Weg nach oben war für meine Nachbarin viel zu beschwerlich und wir mussten umkehren und die Sesselbahn nehmen. Der Klettersteig geht sehr steil den Berg hoch und ist grob ins Rheinische Schiefergebirge geschlagen, nicht ganz einfach. Mein Ziel war es, diesen Weg nun bis zum letzten zu machen, allein. Und es hat geklappt. Es waren so etwa 35 Grad, die vom Schiefer doppelt zurückgestrahlt wurden. Und natürlich alles in der prallen Sonne. Meine Wasserflasche stand sicher im Hotel. Aber ich sags ja immer, ich bin ein Wärmemensch, je heißer desto besser, und so hatte ich keine Probleme. War aber sehr froh, keine Begleiter zu haben, das hätte wohl kaum einer durchgehalten. Nach dem Abstieg ist gegenüber gleich ein Getränkemarkt. Dort habe ich mir erstmal eine Flasche Apfelschorle geholt und auf einen Zug ausgetrunken.

Weingut Rolf Bach

Aber es gab ja noch ein weiteres Ziel, das ich mir vorgenommen hatte. Ich bin in Boppard geboren, aber schon als Kind weg gezogen. Vor 3 Jahren war ich mal da, um ein wenig in der Familiengeschichte zu recherchieren und hatte in diesem Gutsauschank gute einheimische Gesprächspartner gefunden, die mir viele zusätzliche Informationen geben konnten. Da wollte ich einfach wieder mal hin, da trifft man die Bopparder. Doch saß ich völlig allein an meinem Tisch. Links eine größere Gruppe noch recht junger Leute, rechts ein mittelaltes Paar. Die sprach ich an. Waren aber Touristen aus Saarbrücken.

Doch was spielt sich da ab auf der anderen Straßenseite? Ein großer Tisch war reserviert, ein Mann erschien, eine Frau, noch eine und noch eine. Ein schönes Grüppchen, alle in meiner Altersgruppe. Eine ganze Weile schaute ich mir das an, zumindest so lange, bis ich meinen Spundekäs gegessen hatte. Dann ging ich rüber und outete mich als geborene Bopparderin. Nun wusste ich aber, dass mein Name und selbst der meiner Eltern hier nicht bekannt sind, wir sind ja weggezogen, selbst meine Großeltern, die ja schon sehr lange tot sind und auch keine Jungs hatten, die den Namen fortführen, kannte man natürlich nicht. Aber zwei der fünf Mädchen hatten in Boppard geheiratet und waren geblieben. Die erwähnte ich. Mein Tante Käthe und das Cafe Graeff. Ach, der Hugo. Ja natürlich, den kennen wir. Und die Tante Hannele, die den Apotheker Lerdo geheiratet hat. Ja klar, die Tochter hat dann doch auch einen Apotheker geheiratet. So ging das weiter, es war so schön. Mir tut es ein bisschen leid, dass ich keine Wurzeln habe. Ich habe in meiner Jugend alle paar Jahre den Wohnort und die Schule gewechselt und konnte nirgendwo Bindungen aufbauen. Musste dann sogar hören, dass zwei meiner Kusinen, zu denen ich keinen Kontakt mehr hatte, inzwischen gestorben sind.

Zurück auf direktem Wege, 85km

Auf dem Hinweg hatte ich 48 km per Rad zurück gelegt, was für mich und auch meinen Akku noch lange nicht genug war. Für den Rückweg bestand der Plan, so lange am Rhein entlang zu radeln bis ich müde bin und dann in den Zug zu steigen. Bis Bingen waren es 45 km und ich immer noch top fit. Also gab ich dann mal zuhause in Google maps ein und mir wurde gezeigt, dass es nochmal 40 km sind. Das schaff ich doch mit links. Habe die Fähre nach Rüdesheim genommen und bin dann weiter nach Eltville Kaffee trinken. Bis dorthin waren es 65 km und mein Akku noch zu 70 % voll. Da schaffe ich doch auch noch die letzten 20 km bis Taunusstein, auch wenn es jetzt steil auf die Taunushöhen geht. Zuhause dann, nach 85 km, war der Akku auf 30 %. Ich selbst mindestens noch auf 50 %. Also alles gut.