Der Beach gehört uns allen

Nachdem gestern der Beach und alle anliegenden öffentlichen Parkplätze geschlossen wurden hat man heute teilweise wieder zurück gerudert. Wohl auf heftigen Protest der Bürger. Es ist ja so dass es in unserem Bereich recht wenige Orte gibt, wo man sich körperlich betätigen kann und deshalb wurde heute zwar die Schließung nicht aufgehoben, aber die sportliche Betätigung erlaubt. Schwimmen, laufen, radfahren, surfen, alles erlaubt. Aber nicht sonnen, sitzen, lesen. Nach dem Sport soll es gleich wieder heim gehen. Und damit das nicht überhandnimmt lässt man die Parkplätze zu. Da muss man sich schon sehr gut auskennen, um noch ein Plätzchen zu finden.

Und nur mal so für mich hin gedacht. Es ist ja sehr viel zu, vor allem auch etliche Bootsrampen. Boot fahren, vor allem zum Fischen, ist aber sehr verbreitet in Florida und nicht verboten. Und deshalb drängen sich nun auf den wenigen geöffneten Plätzen ganz viele Menschen. Auch einige Parks sind geschlossen, was dazu führt, dass die offenen mehr Besucher haben. Wie war das mit dem 6 ft Abstand? Wäre mehr offen könnten wir mehr Abstand halten.

1. Tag mit Ausgangssperre

Ich war nun ziemlich neugierig, wie das läuft mit den geschlossenen Stränden, also fuhr ich gleich am Morgen Richtung Ponce Inlet. Sämtliche öffentlichen Parkplätze entlang der A1A waren gesperrt, bewacht von so vielen Polizeifahrzeugen, wie ich es noch nie gesehen habe. Dass die überhaupt so viele Wagen haben. Örtliche Polizei, Sheriff, alles war da um die Kriminellen davon abzuhalten, am Strand frische Luft zu schnappen. Ponce Inlet hat zahlreiche schöne Bürgersteige, die gerne zum Laufen und Radfahren genutzt werden, sie sind weiterhin auf, aber wenn man nicht zu den Anwohnern gehört muss man ja irgendwo parken. Mein Port Orange hat überhaupt keine Trails, da kann ich nicht fahren. Schließlich fand ich am Leuchtturm den Parkplatz für die Bootstrailer offen und parkte. Dann traf ich den Sheriff und erkundigte mich, ob der Parkplatz auf bleibt, denn Barrikaden standen schon in der Nähe. Er sagte wenn ich zurück komme und mein Auto ist weg dann weiß ich dass ich nicht parken darf. Ich habe ihn so geschockt angeschaut, dass er gleich meinte, das war ein Scherz. Also gut, ich begab mich auf meine Radstrecke und bekam mein heutiges Training, aber irgendwie fühlt man sich komisch. Zwar wird ausdrücklich gesagt, dass es erlaubt ist, alleine für sich Sport zu machen, aber irgendwo muss das Auto ja bleiben. Nur wenige Begünstigte haben den Radweg gleich vor der Tür.

Na gut, ich übe dann schon einmal zu Hause.

Meine Weltreise

Gestern hat nun auch Florida eine Ausgangsbeschränkung angeordnet, ähnlich wie Deutschland. Man darf nur noch raus, um zur systemwichtigen Arbeit zu gehen, zum Arzt und für Lebensmittel usw. Zum Glück scheinen die Bikeshops noch systemwichtig zu sein, was sie ja auch sind. Seit Beginn der Einschränkungen verkauft der Laden in meinem Ort wesentlich mehr Fahrräder, und fast jeder nimmt mein Buch mit dazu. Stay healthy. Und heute wurden nun auch die Strände geschlossen, was die Locals sehr trifft. Auch ich bedaure es, aber die Bike Trails sind mir wichtiger. Was aber noch nicht so klar ist, ist, wie weit man fahren darf, um seinen Freizeitsport auszuüben. Port Orange hat ja leider keine Bike Trails, ich muss da schon so 20 – 40 km fahren und ob das erlaubt wird muss man erst mal sehen. Also auch, ob es Kontrollen gibt, wer auf der Straße ist. So richtig weiß noch keiner hier, wie es abgeht. Heute früh war ich zunächst in einem Bike Shop, um vor meiner Abreise noch ein paar Bücher hinzubringen. Danach ging es aufs Rad, und zwar in einen State Forest in Ormond Beach, da ich ja schon mal da war. Hier kann man exzellentes Social Distancing machen, denn es war absolut niemand da. Zwei Stunden auf relativ weichem Untergrund, das war genug Kondition für heute.

Und dann ging es zum Airport. Mein Reisebüro stellt sich ja tot, vielleicht ist es schon bankrott. Noch neulich hatte ich am Schalter erfahren, dass es relativ einfach sein wird umzubuchen, es käme nur eine weitere Zwischenstation dazu. Das war heute schon wesentlich schwieriger. Aber die Mitarbeiter am Flughafen haben ja nichts zu tun und deshalb genug Zeit, sich um mein Anliegen zu kümmern, was sie auch sehr freundlich getan haben. Schließlich bekam ich einen Flug mit drei Stopps und 10 Sunden Aufenthalt in London. Aber wenn es so klappt wie es im Augenblick ist, ist es zwar eine richtige Weltreise, aber ich könnte in Daytona einsteigen und am Ende in Frankfurt aus. Doch sagte die Dame gleich, dass es möglich ist, dass der Daytona Flug storniert wird, wenn zu wenige Personen übrig bleiben fliegen sie nicht. Und dann muss ich nach Orlando, was ziemlich schwierig ist in der augenblicklichen Lage. Als Abreisetag bleibt wie vorgesehen der 19.4. Aber warten wirs ab.

Dann ging es nach Hause, Gas Grill anwerfen. Heute ist wieder Steak angesagt, 2 sind noch in der Truhe und ich muss ja langsam zusehen, dass meine Vorräte aufgegessen werden. Gestern hatte ich noch mal Brot gebacken, das wird so etwa bis zum 19. reichen. Zum Essen gab es dann von überall her Updates. Volusia County hat informiert, dass die Strände zubleiben, Port Orange hat extra Weisungen gegeben und auch der Präsident hatte was zu sagen. So geht die Zeit hier rum. Dann noch den Garten wässern, bei mir und bei Freunden und später schaue ich mir dann an, was in Deutschland so abgeht in Punkto Virus. Vielleicht mit einem Corona-Bierchen in der Hand?

Eine Auszeit vom Virus

Schon den ganzen März über haben wir richtiges Sommerwetter mit fast 30 Grad und keinen Regen. Einfach ein Traum, so als sollten wir hier in Florida für die harten Zeiten entschädigt werden. Heute früh überlegte ich kurz, was auf dem Programm stehen sollte und ich entschied mich für Titusville. Dort war ich schon lange nicht mehr und ich wollte schauen, wie der Trail (natürlich in meinem Bike Book enthalten) weitergeht. Der offizielle Trail endet ja vor der Brücke zu Merritt Island, aber über die Brücke sollte doch eine Spur gehen. Ich parkte also kurz vor der Brücke und fuhr zunächst den Trail ein wenig rückwärts, dann wieder zur Brücke. Tatsächlich geht eine Spur hinauf, aber nur durch eine Linie von der Fahrbahn getrennt. Also fuhr ich lieber unter die Brücke. Ach, was für ein herrliches Wetter. Die Sonne brennt so richtig auf meine Haut, genau was ich brauche und liebe. Und überall sitzen Angler und warten, dass einer anbeisst. Die offiziellen Bootsrampen sind ja seid heute geschlossen, wenn ich auch nicht genau weiß, warum. Nirgendwo kann man so schön social distancing üben wie allein auf einem Fischerboot. Und bei dem herrlichen Wetter zieht es die Menschen einfach raus. Aber es ist relativ ruhig, keine Menschenansammlungen und im Restaurant wird die Auszeit für einen Neuanstrich genutzt.

Zurück am Auto entscheide ich, über die Brücke und weiter zu Merritt Island zu fahren, denn das ist ein schöner, alternativer Rückweg. Ich komme zum Blackbear Wildlife Drive, den ich wegen seinem Wildlife sehr liebe. Es ist viel los, Auto hinter Auto, aber schon am Eingang konnte man es ahnen. Kein Wildlife in Sicht. Deshalb wurde für die Strecke auch keine Eintrittsgebühr erhoben. Aber ich kenne die Tierwelt hier ja gut, habe unzählige Fotos und so ist es auch interessant, diesen Drive einmal im Sommer zu sehen. Die Hitze und Trockheit haben die meisten Wasserstellen ausgetrocknet, die Migrantenvögel sind in ihre Sommergefilde zurück gekehrt und die Alligatoren bleiben lieber im kühlen Wasser, nur ein Kleiner liegt am Ufer.

Weiter geht es und ich komme am Scrub Ridge Trail vorbei, ein kleiner Spazierweg von einer Meile. Auch hier einfach wunderschön, durch die Landschaft zu streifen. Hier und da mal ein Vogel, aber sehr wenig. Und auch noch ein weiterer Trail folgt, den ich diesmal mit dem Fahrrad fahre, denn meine Kilometerleistung für heute ist noch nicht erreicht. Ich genieße jeden Sonnenstrahl, als wäre es mein Letzter.

Zu Hause habe ich auch etwas besonderes vor, eigentlich soll es Ente mit Orangensauce geben, ein Gericht, für das mein Sohn berühmt ist. Er hat mir sein Rezept verraten. Enten gibt es in Florida nicht, also muss Hühnchen her, das ich schon am Morgen in eine Marinade aus Kräutern und Orangen gelegt habe. Dazu gibt es Reis und eben die Orangensauce. Mein Sohn sagte, ohne Sherry und Cointreau geht es nicht, also ab zum Inder. Wird eine richtig teure Sauce. Das junge Mädel im Laden, das mich neulich so fachkundig über Margarita Mix beraten hat, hat von Sherry noch nie was gehört und denkt, es muss irgendwie Schnaps mit Kirschgeschmack sein. Aber als ich sage, es ist eine Art Wein schickt sie mich in die Weinecke und tatsächlich, dort steht der Sherry. Sie ist erstaunt, hat noch nie was davon gehört. Cointreau gibt es dann in der Miniflasche.

Nun habe ich also alle Zutaten zusammen und es geht los. Aber die Ehre gebührt doch weiterhin meinem Sohn, der Geschmack kommt bei weitem nicht an seine Sauce heran. Nun ja, es kann ja nicht jeder alles können.

Nach dem Essen muss ich unbedingt noch meinen Krimi zu Ende lesen. Das Buch Bad Wolf von Nele Neuhaus spielt im Frankfurter Raum. Aber es ist doch sehr, sehr seltsam, ein deutsches Buch in der englischen Übersetzung zu lesen. Manch ein Wort verstehe ich in der Übersetzung noch nicht mal, obwohl ich amerikanische Bücher fließend lese. Ich schaue nach dem Namen des Übersetzers, aber er scheint wirklich ein Muttersprachler zu sein. Dazu kommt, dass die Geschichte zu Anfang auch sehr kompliziert ist, viele Personen sind darin verwickelt, die man erst einmal auseinander halten muss.

Und dann war es schon Schlafenszeit, ein ganzer Tag vergangen ohne Nachrichten über den Virus. Ich glaube, ich lasse es heute auch dabei. Was für ein schöner Tag und das alles ohne dass ich einem Menschen zu nah kommen musste.

Prof. Drosten for President

Jede Zeit und jedes Land hat seine Helden. In USA ist es Dr. Fauci, Corona Experte des Weißen Hauses, der auch schon mal klar macht, dass er mehr weiß als der allmächtige Präsident. Aber in Deutschland ist es ganz klar Professor Drosten von der Charite. Nicht nur sieht er gut aus, ist jugendlich, er versteht es auch, sein Wissen auf eine verständliche Art an die Öffentlichkeit zu geben. Während Dr. Fauci ein kleines Männlein ist und manchmal vor sich her stottert, klärt Drosten im abendlichen Podcast die Öffentlickeit ruhig und sachlich auf, ohne Panik zu verbreiten. Und fast schon für den Normalo verständlich, nicht nur für den Medizinstudenten im 20. Semester. Ich liebe seine Podcasts und auch seine Auftritte in den zahlreichen Talkshows, obwohl man sich schon wundern muss, wie er das zeitlich schafft. Eigentlich hat er nun keine Zeit mehr um nachts auch nur ein Auge zu zu tun und dennoch berichtet er vom sonntäglichen Jogging in Berlin.

Ach, ich liebe ihn.

Corona versus Grippe

Langsam fange auch ich an zu zweifeln. Ich habe hier eine Seite des RKI über die Grippe gefunden

https://de.statista.com/infografik/13040/woechentliche-influenzafaelle-in-deutschland/

Dabei ist in der Saison 2019/20 das Ende noch nicht erreicht, die Zahl kann noch höher werden. Diese Zahlen über die Grippe zeigen erschütternd hohe Infektionszahlen. Und das, obwohl es eine Grippeimpfung gibt und sie auch von einem großen Teil der Bevölkerung in Anspruch genommen wird. Und obwohl Grippe einigermaßen gut behandelt werden kann.

Die Zahlen über Corona sind erheblich niedriger. Hier zitiere ich die Seite, deren Ziffern auf der John Hopkins Universität beruhen. Sie sind erheblich höher als die vom RKI. Und trotzdem gibt es mit Stand heute, 26.3.2020, mit 40421 Fällen deutlich weniger Infizierte und 229 Todesfälle gegenüber 265. Warum also diese Panik? Warum werden wir Menschen eingeschlossen?

https://www.worldometers.info/coronavirus/country/germany/

Ich weiß, dass etliche Verschwörungstheorien existieren. Ich bin aber kein Verschwörungsfanatiker, ich denke immer noch, ich bin ein Mensch mit gesundem Menschenverstand. Und ich kann einfach nicht mehr glauben, dass diese heftigen, einschneidenden Maßnahmen wirklich gerechtfertigt sind, dass die komplette Weltwirtschaft lahm gelegt werden muss.

Aber genau wie damals bei der Flüchtlingskrise (ich war ein freiwilliger Helfer) ist es auch hier nicht erlaubt, eine Meinung zu sagen, die gegen den Mainstream geht. Traue mich nicht, diesen Blog wie üblich in Facebook zu teilen. Langsam mache ich mir Sorgen, was aus der Demokratie, aus der Menschheit wird.

Coronazeiten

Schon vor Ausbruch der Krise war ich in USA und beobachte wie alle anderen Menschen auch die Lage. In meinem Fall interessieren mich aber Deutschland, USA und Marokko. Es ist schlimm, sehr schlimm und bringt einschneidende Veränderungen für jeden Menschen. Was ich aber absolut hasse ist die Aufpasser-Mentalität in Deutschland. Dort wird genau beobachtet, was der andere macht, und dann in den sozialen Medien angeschwärzt. Einfach furchtbar. Das gibt es in USA in diesem Maße nicht. Ein verstärktes Miteinander kann ich im Umgang mit Deutschland nicht finden. In USA auch nicht, aber hier wird wenigstens nicht so viel angeschwärzt. Hier lebt jeder sein Leben weiter, so gut es eben geht mit den Einschränkungen. Ich merke einfach, dass die Menschen in Deutschland in einen Panikmodus geschaltet haben, der sie die Sache nicht mehr realistisch sehen lässt.

Eine Situation wie diese hatten wir noch nie. Jeden Tag gab es neue Entwicklungen und jeden Tag mussten und müssen neue persönliche Entscheidungen getroffen werden. Und Personen sind nun einmal unterschiedlich und leben auch unter unterschiedlichen Bedingungen. Was die Marokkofahrer anbetrifft, so konnte man natürlich nicht zu Beginn absehen, was sich später entwickeln würde. Aber auch da werden Menschen fertig gemacht, nur weil sie andere Entscheidungen getroffen haben. Zu Anfang war die Idee gar nicht so dumm, die Lage einfach in der Sahara auszusitzen. Dort unten im dünn besiedelten Gebiet ist die Ansteckungsgefahr sehr gering, auf jeden Fall weniger als auf einer Rückfahrt durch Spanien, Frankreich, Italien mit vielen Infizierten. Ängstliche fuhren sofort nach Hause, das ist ihnen unbenommen, aber andere dachten mit gutem Grund, dass sie in Marokko gut aufgehoben sind. Nun sind die Grenzen dicht und etliche sitzen fest. Ich kann Marokko durchaus verstehen, sie meinen, sie können die Gefahr so eindämmen. Doch ich verstehe auch die Reisenden, die bis dahin dachten, sie wären sicher. Es gibt einfach keine vergleichbaren Ereignisse, aus denen man Lehren ziehen konnte.

Auch meine Situation ist noch ungeklärt, aber ich beobachte die Lage genau und hoffe, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Noch fühle ich mich in Florida sicherer als in Deutschland und vor allem auch auf einem Rückflug. Aber die Lage kann sich täglich ändern, denn der Höhepunkt der Krise ist hier noch nicht erreicht, es fängt erst an. So wie ich es sehe, kommt Corona in Wellen. Zunächst war Asien dran, dann schwappte es nach Europa über, das in meinen Augen gerade den Höhepunkt erlebt, und nun kommt es nach USA. Ein Land mit einem Präsidenten, der ganz sicher keine klugen Entscheidungen trifft, aber Gouverneuren in den einzelnen Staaten, die eine bessere Arbeit machen.

Ich beobachte und hoffe …

Heim oder nicht heim fliegen

Gestern habe ich Anne Will gesehen, Talkshow über die Auswirkungen des Coronavirus. Nach einiger Zeit musste ich aus machen, es ist einfach zu schlimm, sich das anzuhören. 18 Monate mit dieser Krise, das hält kein Mensch und keine Wirtschaft aus. Ich sehe tatsächlich schon die Gefahr, dass nach diesen 14 Tagen die Jüngeren wieder mehr raus dürfen, aber die Alten streng zu Hause bleiben müssen. Ich gehe kaputt so.

Die große Frage für mich ist also, in Florida bleiben oder gehen. Mein Rückflug ist gecancelt, das Reisebüro meldet sich nicht, weder Email noch Telefon, und das deutsche Konsulat in Miami lässt auch nichts von sich hören. Das Leben hier ist sehr viel angenehmer und leichter, wenn auch hier täglich mehr eingeschränkt wird. Denn so richtig haben die Amis noch nicht den Ernst der Lage erfasst. Sollte ich aber krank werden ist die Sterberate sehr hoch, während sie in Deutschland die niedrigste in der ganzen Welt ist. Zudem bin ich auch nicht begeistert, mich gerade jetzt in ein Flugzeug zu setzen. Ich befürchte aber, dass irgendwann Flughäfen geschlossen werden. In Orlando sind schon mehrere TSA Mitarbeiter infiziert.

Sehr schwere Entscheidung. Also habe ich mich heute entschlossen zum Flughafen zu fahren, um mich nach meinem Flug zu erkundigen. Ich liebe ja meinen kleinen Airport in Daytona Beach, hier sind die Wege kurz und das Auto parke ich draußen bei den Mietwagen, am Schalter keine Schlange. Ich fuhr trotzdem mit einem sehr unguten Gefühl hin. Und bin so froh, dass ich es gemacht habe. Mein Rückflug sollte ja am 19.4. sein mit American Airlines. Die haben aber vorsorglich alle Flüge gecancelt. Die Dame sagte mir, sie könne mich ohne weitere Kosten für den gleichen Tag umbuchen, allerdings mit United und Zwischenstopp. Das wäre ja generell okay.

Aber will ich wirklich am 19.4. nach Hause? Richtig schön ist die Lage nicht in Deutschland, noch möchte ich lieber bleiben. Die nette Dame war wirklich sehr hilfsbereit und sagte, sie könne mich auch auf ein späteres Datum buchen. Einmal habe ich eine Umbuchung kostenfrei. Dennoch riet sie mir, das lieber durch mein Reisebüro machen zu lassen, denn auch die machen das kostenlos, und wenn ich später meine Meinung ändere, könnte sie mich noch einmal umbuchen. Sie meinte, es gäbe immer Optionen, ich brauche mir keine Gedanken zu machen. Sie erwartet für die Zukunft eher mehr Flüge als bisher, wenngleich ich diese Ansicht nicht teile. Das Reisebüro will sich ja erst melden, wenn mein Abreisetermin näher rückt.

Nach diesen positiven Antworten werde ich also abwarten, wie sich die Lage in beiden Ländern entwickelt. Es scheint so, dass ich doch relativ schnell einen Flug nach Hause bekomme.

Entschuldigung an die Leser meiner Marokkobücher und die Mitglieder der Gruppe

Die Coronakrise hat sich ja erst langsam, dann aber rasend schnell in Marokko ausgebreitet. Ich meine damit nicht die Infizierten, sondern die Auswirkungen. Und noch im Anfang schrieb ich mal als Antwort auf einen Post von Eva-Maria Grimbergen:

Aber bei allen Sorgen, seid euch auch bewusst, dass es euch immer noch recht gut geht. Ihr seid in Rente und müsst an keinen Arbeitsplatz zurück. Habt keine kleinen Kinder zu betreuen und seid in einem Land mit relativ wenig Krankheitsfällen.

Das stieß auf ziemliche Kritik von Familien, die auch mit meinen Büchern in Marokko sind, nicht in Rente und nach Hause müssen.

Ganz ehrlich, diese Kritik geht mir nach, so sehr, dass ich mich jetzt bei allen Betroffenen entschuldigen möchte. Es stimmt ja, ich kenne meine Leser ganz gut, etwa 80 % davon sind in Rente und haben ihr eigenes Reich dabei. Aber es waren gerade Osterferien. Ich habe zu dem Zeitpunkt, es war wohl der 13. März, das ganze Ausmaß dieser Tragödie nicht erkannt. Weil ich auch gerade nicht im Land bin. Immer war ich in den letzten Jahren im März in Marokko, aber gerade diesmal nicht wegen einer Familienfeier. Und ich habe auch nicht bedacht, dass auch viele andere meine Gruppe Marokko-Mauretanien mobilunterwegs abonniert haben, um Informationen zu bekommen.

Also noch einmal: bitte entschuldigt. Das war falsch von mir.

Aber im Übrigen finde ich es wunderbar, was ihr ganz ohne meine Hilfe aus der Gruppe gemacht habt. Wie ihr die ganz aktuellen eigenen Erlebnisse gepostet habt, die für andere so sehr wichtige und hilfreiche Informationen waren. Ganz herzlichen Dank dafür. In den letzten Tagen sind reihenweise Beitrittsanfragen gekommen, weil jeder informiert werden wollte. Ich möchte nur hoffen, dass wir eines Tages wieder unbeschwert in dieses schöne Land reisen können und dass ihr dann zurück in die Gruppe kommt und nur positive Berichte lesen könnt.

Und so rosig es zu Anfang für die Wohnmobilfahrer ausgesehen hat, auch das hat sich ja geändert. Ich bin heilfroh, dass ich nicht auch im Land war. Obwohl ich zunächst recht komfortabel in USA gestrandet bin, aber auch noch nicht weiß, wie es weiter geht. Auch hier werden die Beschränkungen jeden Tag mehr. Und mein Rückflug wurde gestrichen.

Kayaking mit David

Wie kann man in Corona-Zeiten am besten das social distancing durchhalten und dennoch Spaß haben? Man fährt Kayak! Jeder in seinem eigenen Fahrzeug mit dem Kayak auf dem Dach und auf dem Wasser ist man ja auch voneinander entfernt. Ich muss einfach raus, ich würde total verrückt, wenn ich zu Hause eingesperrt wäre. Aber auch der bayerische Ministerpräsident Söder sagte das in seiner heutigen Pressekonferenz, in der er Ausgangsbeschränkungen anordnete, joggen im Wald, spazieren gehen, solche Aktivitäten sind erlaubt, wenn es nicht in Gruppen geschieht und Abstand gehalten wird.

Genau das klappt aber nicht in Florida. Man muss es sich einfach mal vorstellen. Wir haben Spring Break, Osterferien, Hauptreisezeit mit dem Wunsch, diese am Strand zu verbringen. Der Gouverneur ermahnte eindringlich, keine Gruppen von mehr als 10 Personen zu bilden. Das half natürlich nicht. Deshalb hat er ab heute angeordnet, dass die Zufahrt für PKW gesperrt ist, was naturgemäß weniger Leute zum Strand bringt, denn es gibt ja viel zu wenige Parkplätze in Strandnähe. Bars und Nachtclubs sind geschlossen, auch Malls und mein Lieblings-Kleiderladen Ross, also Geschäfte, wo man relativ viel Körperkontakt hat. Die Bike Shops sind weiter auf, gut so. War eben in Walmart, Einkauf im Wesentlichen normal, alle Papierprodukte ausverkauft und bestimmte Reinigungsmittel, aber sonst alles da. Am Eingang Tücher, mit denen man die Einkaufswagen abwischen kann.

Gestern war ich mit David Kayak fahren. Es war wirklich ein Traum. Wir haben ja herrliches Sommerwetter, fast 30 Grad, sonnig und trocken. Kayak ist ideal, dort hat man Abstand zueinander und kann dennoch die frische Luft genießen. Und die Ruhe. Am Fluss war ziemlich viel los, zahlreiche Motorboote fuhren auf dem St. Johns River, aber wir bogen bald ab in den Snake Creek. Das ist ein ganz enger Wasserlauf, sehr flach und stark bewachsen, so dass man gerade so durchkommt. Beobachtet von den am Ufer lauernden Alligatoren. Wir paddelten bis zu der Stelle, wo es wirklich schwierig wird, dann umgedreht. So waren es vier Meilen. Die komplette Runde wären 11 Meilen gewesen, ich habe das mal mit Jan gemacht, und wir haben dazu 5 Stunden gebraucht. Das muss nicht sein. Mit Jan hatte ich damals ein Kanu, so dass sich jeder auch mal ausruhen konnte, aber wir waren ziemlich fertig. Diesmal sind wir nur zwei Stunden gepaddelt, das war wunderschön. David hätte wohl gerne noch mehr gemacht, aber er wohnt nur ein paar Kilometer entfernt und wird sicher noch oft zurück kommen mit seinem neuen Kayak. Ich hätte ihm nicht gleich zu Anfang den allerschönsten Creek zeigen sollen, denn nun erwartet er immer so was tolles, denn dies ist wirklich das Beste in der Gegend. Hier kann man sich im Geiste wie die alten indianischen Ureinwohner fühlen.

Ja, wie ist es also am heutigen Tag? Auch hier etliche Restriktionen, aber immer noch sehr viel angenehmer zu leben, als in Deutschland. Ich verfolge natürlich alle Berichte von dort. Aber mein Rückflug ist immer noch nicht geklärt.