Es geht wieder aufwärts

Das schlimme ist ja, dass man nichts anderes tun kann, als morgens bereits auf den Abend zu warten, dass es dazwischen absolut nichts gibt. Aber mit dem herrlichen Wetter an diesem Wochenende ändert sich das für mich. Gestern bin ich schon entgegen dem Ratschlag meines Arztes 12 km Rad gefahren und hatte am Abend ein gutes Gefühl. Deshalb waren es heute bereits 23 km. Noch immer fühlt es sich gut an, mein Zinkleimverband ist noch drauf und gibt mir Halt. Heute früh traf ich sogar im Wald an der Platte auf meinen Sohn mit seinem MTB. Wenn ich die herrliche Sonne am Himmel sehe ruft natürlich auch das Kayak. Noch dürfen wir nicht in der Gruppe fahren, nur allein. Aber ich brauche Hilfe beim Heraustragen des Bootes. Und nun habe ich jemand gefunden. Am Dienstag ist es soweit und wir wollen auf den Rhein. Ach, es geht doch vorwärts!

 

Coronaunfall

Gibt es noch etwas Schlimmeres als Corona? Ja, verletzt sein in Coronazeiten. Noch in den eisigen Tagen bin ich Freitag im Wald auf Glatteis ausgerutscht, es hat mir einfach die Füße weggezogen und blitzschnell lag ich auf meinem Po, die Beine ausgestreckt, aber das rechte Bein fühlte sich irgendwie verdreht an. Zuerst konnte ich überhaupt nicht aufstehen. Es tat sauweh und mir war schlecht. Irgendwann dann hob ich mich hoch und klammerte mich an einen Baum. Rief Nachbar Aleksander an. Er war aber mit dem Auto unterwegs.

Es dauerte schon eine Weile, bis ich in der Lage war, an den etwa 2 km langen Rückweg zu denken. Ich humpelte los, irgendwie. Aleksander rief an und sagte, er sei auf dem Weg, will mich abholen. Ich übermittelte meinen Standort, aber es würde eh noch eine Weile dauern, bis er da ist. Mit Auto bin ich ja mitten im Wald nicht zu erreichen. Also weiter. Und nach meinen ersten Glatteisunfall vor 2 Wochen weiß ich ja auch, ich sollte in eine Ambulanz gehen. Aber wohin? Hat Taunusstein sowas? Ich rief also die berühmte 116117 an, die durch das Impfen ja bekannt wurde. Und so wurde ich auch gleich vom Automat gefragt, ob ich einen Impftermin wünsche oder ein gesundheitliches Problem habe. Habe ich. Dann hieß es, in Notfällen lieber gleich die 112 wählen. Naja, um Leben und Tod ging es ja noch nicht. Also blieb ich dran, bis mir dann freundlich mitgeteilt wurde, dass ich in der Warteschlange an Platz 15 sei. Humpel, humpel, weiter geht’s. Das Handy in der Tasche zählte brav die Warteplätze ab und irgendwann bog ich auf die letzte Etappe vor der Heimat ein. Dann geschahen zwei Dinge fast gleichzeitig, ich war auf Platz eins und eine freundliche, echte Dame fragte nach meinen Problemen. Ich erfuhr, dass ich in die Ambulanz soll, aber weder gibt es so etwas in Taunusstein noch hat sie bereits geöffnet, es war zwei Uhr. Und ja, mein Hausarzt hat weder nachmittags geöffnet noch ein Röntgengerät. Und dann kamen Aleksander und Hund Elvis um die Ecke. Eingehakt bei ihm kam ich im Grunde auch nicht besser voran, aber fühlte mich nicht mehr so allein.

Zuhause dann erst mal auf die Couch. Und dann doch in die Ambulanz von Wiesbaden. Dort ist natürlich Hochsicherheitstrakt. Am Empfang fragte man mich, ob ich Corona Symptome habe, musste einen Bogen ausfüllen und durfte dann in den grünen Bereich, statt in den roten Coronatrakt. Man röntgte mich und fand, dass zumindest die Knochen heil geblieben seien. Ich soll einfach mal zwei Wochen abwarten, ob die Schmerzen zurück gehen, wenn nicht dann zum MRT. Außerdem verpasste man mir Krücken.

Mit den Krücken also zurück zum glücklicherweise in der Nähe geparkten Auto. Auto fahren kann ich gut, aber dass ich mir mit den Krücken nicht noch beide Beine brach, ist ein kleines Wunder. Mit den Dingern komme ich überhaupt nicht zurecht und sie landeten dann auch sehr bald in der Ecke.

So ging es also übers Wochenende. Und nun muss ich euch auch noch ein Geheimnis verraten. Am Sonntag war ja ein Date vorgesehen. Wir wollten durch den Wald laufen. Was auch sonst. Also sagte ich die 10 km ab, aber bestätigte den Kuchen danach. Im Moment brauche ich jede Abwechslung. War ganz nett. Aber am Montag rief ich doch lieber meinen Orthopäden an. Zum Glück habe ich ja nur gute Ärzte und bekam sofort einen Termin. Holte schnell die Röntgenbilder ab und fuhr los. Auf den Bildern sah der Gute nichts, an meinem Bein auch nicht, aber als er dann die Mikrowelle einsetzte, sorry, natürlich, den Ultraschall, schrie er vor Schreck. Ich übrigens auch. Es war ein ziemlich großer Muskelfaserriss. Okay, und was nun? Ganz einfach, Ruhe, Ruhe, Ruhe. Kein Sport, keine Belastung. Zinkleimverband.

Zwar fühlte ich mich mit dieser Verletzungsursache wie ein hochdotierter Fußballer, aber so richtig hilft mir das auch nicht. Seitdem bin ich wirklich wie ein Tiger im Käfig, als den ich mich ja schon länger fühle. Bisher konnte ich aber meinen Frust in den Taunuswäldern ablaufen und nun geht gar nichts mehr. Das gemeine ist, es tut kaum weh. Eigentlich könnte ich ganz gut laufen. Ich bin ja leistungsorientiert, möchte eigentlich jeden Tag üben, immer ein bisschen mehr, bis wieder alles gut ist. Und genau das wurde mir verboten. Ich wimmerte, kann ich nicht zumindest ein wenig eBike fahren? Nein, absolut nicht. Und nun steht der Frühling draußen vor der Tür und ich muss mir das von innen anschauen. Wer holt mich hier raus?

P.S. Am Fluchtplan wird weiter gearbeitet.

Der Tiger im Käfig

Ich halte es nicht mehr aus. Ich kann so nicht leben. Das Leben besteht nur noch aus existieren. Warten bis zum Mittagessen, warten auf den Abend, dass man ins Bett gehen kann. Aufstehen und der gleiche Trott fängt an. Natürlich gehe ich raus, durchlaufe wie eine Wilde die Wälder um Taunusstein, laufe und laufe, aber nichts davon füllt mich aus. Und das Highlight des Monats ist ein Arztbesuch. Das kann doch einfach nicht alles sein.

Mein Lebensinhalt ist einfach dahin. Reisen, Menschen treffen, Neues erleben. Ich habe Freunde, aber sie wohnen weit weg in der Welt und eben da kann ich nicht hin. Ich sinne nur noch auf Fluchtmöglichkeiten.

Was ich mir wünsche wäre ein Gleichgesinnter. Ein Mensch, der sich eingesperrt fühlt wie ich und mit dem zusammen man versucht, das Beste daraus zu machen. Ja, ich habe Nachbarn. Drei sogar, alle Single. Und wenn wir uns treffen – nicht immer gleichzeitig – sind wir illegal. Ich tue es trotzdem. Aber es erfüllt mich nicht. Ich bin dankbar für sie, möchte keinen einzigen von ihnen missen. Aber sie sind anders als ich. Ich wünsche mir zum Beispiel jemand, mit dem man etwas machen kann. Ja, in der Pilzsaison bin ich mit einigen in den Wald gegangen, aber die Pilze sind vorbei. Ich würde mir wünschen, dass wir etwas gemeinsam tun. Zusammen kochen vielleicht, einen Ausflug zusammen machen. Aber nichts kommt da zurück, gar nichts. Jeder darbt allein vor sich hin. Dann kommen solche Äußerungen wie: Ich hoffe auf bessere Zeiten. Mit der Situation habe ich mich schon lange abgefunden. Ich gehe viel spazieren.

Also ich habe mich absolut nicht abgefunden, ich will raus.

Ich denke oft, dass unsere Politiker vollkommen abgesetzt sind von der Wirklichkeit. Es gibt viele Problemgruppen in der Gesellschaft, die sich schwer tun. Familien mit Kindern, Einzelhändler und so weiter. Ich will aber nur für meinen Bereich sprechen, ich kann nicht für andere reden. Unsere Politiker haben täglich Besprechungen, ob persönlich oder virtuell, aber sie sind immer in Kontakt mit Menschen, haben ihre Arbeit. Der Blick für solche allein lebenden Menschen wie ich, die einerseits in Rente sind und nicht mehr mit anderen beruflich in Kontakt kommen, andererseits aber auch von ihren normalen Freizeitbeschäftigungen abgeschnitten sind. Zum Beispiel dem Sportverein. Bei mir ist es meine Nebentätigkeit. Ja, ich habe auch einen großen Verdienstausfall, weil niemand mehr meine Reiseführer kauft. Die Menschen können ja nicht reisen. Aber das kann ich aushalten. Was mir fehlt ist der Lebensinhalt, der dahin ist. Keine Bestellungen abarbeiten, Bücher verschicken, Buchführung machen, keine Anfragen beantworten. Kein Kontakt, nichts. Ich halte es nicht mehr aus. Wenn es dir genauso geht, bitte melde dich. Ich brauche einfach Gleichgesinnte zum Austausch.

Am nächsten Tag: Fluchtplan A ist geschmiedet. Nun heißt es abwarten!!!

Wintersportparadies Wehen

Wehen liegt nur 8 km außerhalb von Wiesbaden, ist aber ein ziemlich unbedeutender Ortsteil des ebenso unscheinbaren Taunussteins. Und da Taunusstein viele Ortsteile hat, die irgendwann einmal zusammengeschmiedet wurden, gibt es auch kein richtiges städtisches Zentrum und keinen Grund nach Wehen zu kommen.

All das hat sich an Weihnachten geändert. Denn plötzlich schneite es. Wehen liegt auf 450 m im Taunus im Gegensatz zum eher warmen Wiesbaden auf 180 m und ist umgeben von Wald. Und der Schnee blieb liegen im Gegensatz zu dem warmen Wiesbaden. Und wir haben Corona. Lockdown, Kontaktbeschränkungen, kein Tourismus und gelangweilte Kinder auf der Couch. Und die wollen raus. Zwischen Wiesbaden und Wehen liegt die Platte, sozusagen der Hausberg der Stadt mit einer Wiese zum Schlittenfahren. Was liegt näher als dorthin zu fahren mit seinen Kindern.

Es gibt eine Menge Parkplätze an der Platte, aber eben doch nicht genug. Die Leute suchten sich irgendwie einen Platz. Ich war jeden Tag dort und habe es gesehen. Und als dann auf der Platte kein Platz mehr war bzw. die Polizei die Zufahrt abgesperrt hat, fuhren die Leute einfach weiter zur nächsten Ausfahrt und das ist eben Wehen. Gleich in der ersten Straße ist ein kleines Industriegebiet, da ist am Wochenende absolut nichts los, und da haben sie geparkt.

Den Aufschrei hättet ihr hören müssen. Den Aufschrei der besorgten Bürger. Das geht doch gar nicht, es ist doch Corona und in unseren Wald dürft ihr schon gar nicht. Der Bürgermeister wurde gerufen und schließlich wurden täglich 2 Polizeifahrzeuge an die Platte gestellt und alle Zufahrtswege in den Wald gesperrt.

Die Begründung war: zugeparkte Rettungsgassen, zerstörte Äcker, vollgeschissene Wälder, Coronaausbreitung durch zu wenig Abstand. Da kann man ja starke Maßnahmen auffahren, mich wundert, dass nicht noch das Militär gerufen wurde. Der im Winter nicht benötigte Tennisplatz wurde aufgerufen, seinen Parkplatz zu sperren, was dieser glücklicherweise nicht getan hat.

Meine Beobachtung dazu: Die Leute waren glücklich, die Kinder erst recht. Und sie brauchen die Bewegung an der frischen Luft. Ich habe null zugeparkte Rettungswege gesehen, Äcker haben wir dort schon gar nicht, und die Familien blieben zusammen und hielten Abstand von den anderen.

Ein Kritikpunkt allerdings ist berechtigt, und das sind die vollgeschissenen Wälder. Doch hat das weder mit Corona zu tun noch mit den Ausflüglern, sondern einfach mit der Stadt, die nicht entsprechend vorsorgt. Die Platte ist eines der wichtigsten Ausflugsgebiete von Wiesbaden und dennoch gibt es dort noch nicht mal einen Papierkorb, geschweige denn eine öffentliche Toilette. Schnee und Corona beiseite, hier sind immer sehr viele Ausflügler, aber nirgendwo ist eine Möglichkeit, sein Bedürfnis zu erledigen.

Ich bin täglich im Wald und meistens alleine auf den Wegen. Aber plötzlich hat sich das vollkommen geändert. Plötzlich sind wir ein richtiger Wintersportort. Überall spazierten Menschen, bauten Schneemänner und –frauen. Ich genderisiere hier nicht, sondern es wurden wirklich auch Schneefrauen gebaut. Und ich hatte so viele nette Gespräche. Ich habe die „Fremden“ freundlich angesprochen, wenn sie den Weg nicht kannten, habe meine Winterwelt mit ihnen geteilt und viele schöne Erlebnisse gehabt. Es schadet keinem, wenn man im Wald spazieren geht. Sie gingen familienweise und nicht in Gruppen und es war einfach schön.

Herzlich willkommen ihr Ausflügler.

Mein Weg zur Traumfigur

Angefangen hat es im April 2020. Ich war noch in Florida, aber hörte regelmäßig den Podcast von Professor Drosten zur Corona Pandemie. Und an dem Tag hat er die Fitness Tracker erwähnt. Im Zusammenhang mit einer Datenspende, wo man die Daten zur Forschung spenden könnte. Das hat mich so sehr interessiert, dass ich zunächst das Internet nach so einem Tracker durchforstet habe und dann zu Walmart gefahren bin. Ich fand dort, mitten im ersten Corona Lockdown, den Fitbit Tracker zu ermäßigtem Preis. Und seitdem trage ich ihn. Und seitdem treibt das kleine Ding mich zu Höchstleistungen an.

Seit bestimmt 3 Jahrzehnten habe ich Gewichtsprobleme. Immer geht mein Gewicht hoch, bin ich zu fett, immer wieder versuche ich eine Diät, es klappt auch, für eine gewisse Zeit. Und dann wieder Ende. Immer auf leckere Dinge, die man mag, verzichten zu müssen, ist nicht so ganz leicht. Ein langfristiger Erfolg war mir nie beschieden.

Schon vor dem Tracker achtete ich auf meine Ernährung. Nicht zu viel, Low carb, und vor allem auch viel Bewegung. Im April 2020 wog ich 75 kg und war von den Menschen als normalgewichtig angesehen, sportlich. Ich hatte schon bemerkt, dass ich, je älter ich wurde, desto weniger Nahrung brauchte. Am Abend gab es zum Beispiel einen Teller mit Käsewürfeln, Obststücken und Nüssen. Aber immerhin doch einen Teller voll. Es dauerte Jahre, bis ich mich an geringere, meinem Alter entsprechende Portionen gewöhnt hatte.

Mit dem Tracker fand ich schnell heraus, dass es verschiedene Ziele gab, die innerhalb eines Tages erfüllt werden mussten. Das sind:

  • 10.000 Schritte
  • 30 aktive Minuten (was das Gerät so als aktiv ansieht)
  • Pro Stunde zwischen 8 und 19 Uhr mindestens 250 Schritte
  • Verbrauch von 2101 Kalorien

Ganz schnell wurden mir diese Ziele sehr wichtig. Wenn ich am Nachmittag von einem dieser Ziele noch entfernt war schwang ich mich aufs Fahrrad und fuhr los. Oder lief um die Ecken.

Zusätzlich setzte ich mir noch ein anderes Ziel. Es gibt ja das Intervall-Fasten. Das normale zum Abnehmen ist 8/16. Das bedeutet, während 8 Stunden am Tag kann man essen, was man möchte, die anderen 16 Stunden gibt es nichts. Das wollte ich nicht, denn eigentlich war ich mit meinem Gewicht zufrieden. Gut, 1, 2 Kilo könnte ich noch verlieren, aber es ist nicht so vordringlich. Also verlegte ich mich auf das 12/12 Fasten. Das bedeutet, ich frühstücke morgens so zwischen 7 und 8 Uhr und esse abends vor 19 Uhr das letzte. Das war mein Ziel.

Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass ich das Abendessen so gar nicht brauchte. Nun sieht es so aus, dass ich etwa um 7:30 Uhr frühstücke, bin ja ein Morgenmensch, und das letzte noch vor 18 Uhr esse. Und ich kann echt essen, was ich möchte, brauche auf nichts zu verzichten. Dazu gehören auch Süßigkeiten und Kuchen. Und nur so kann ich es für eine lange Zeit einhalten. Ein normaler Tag sieht so aus:

Frühstück mit gekochtem Ei und einem Brötchen, aber dick mit Butter und Marmelade, dazu Kaffee und Orangensaft. Gegen 11 Uhr ein schöner Latte mit 2 Keksen oder Pralinen. Zwischen 14 und 15 Uhr gibt es ein ausführliches Mittagessen, wirklich auf was ich gerade Lust habe und auch ausreichend viel, und ganz bestimmt gibt es dazu noch einen Nachtisch. Auch durchaus ein Glas Wein, Alkohol ist mir nicht verboten. Am Abend habe ich dann oft keinen Hunger mehr, je nachdem was es zu Mittag gab, wenn doch, dann gibt es ein kleines Tellerchen mit einigen Käsewürfeln und Nüssen, einem Apfel oder auch jetzt im Winter einen Glühwein und 8 Maronen. Im Sommer eher ein Cocktail und paar Erdnüsse. Damit bin ich vollkommen satt, es bleiben keine Wünsche mehr offen.

Was nun meine Gewicht betrifft, seit April 2020 ist es ganz langsam herunter gegangen auf nun 66 kg. Mit wären sogar 68 kg immer noch recht. Ich habe meine Traumfigur und bin glücklich damit.

Nachruf auf die Marrakech

In Facebook wurde dieses herrliche Schiff erwähnt, was in mir viele Erinnerungen wachgerufen hat. Hier ein Bericht von meiner ersten Reise 1987:

„Diesmal will ich endgültig allein fahren, deshalb schreckt mich die endlos lange Anreise über Spanien. Von Sète in Südfrankreich aus gibt es ein Fährschiff direkt nach Tanger und so buche ich eine Passage für mich und den Suzuki. Die Anfahrt nach Sète ist ein Kinderspiel, gut 1 000 Kilometer Autobahn. Und da liegt sie nun, die Marrakech. Ein Traumschiff! Riesengroß und blütenweiß schwimmt sie im Hafen. Die Schlange zur Abfertigung ist nicht sehr lang, ich parke den Wagen in dem kleinen Hafen und habe genug Zeit, mir den nahegelegenen Ort anzusehen.

Am Nachmittag beginnt endlich die Einschiffung. Die Marrakech ist das schönste und sauberste Fährschiff, das ich je gesehen habe, ich lerne Marokko zum erstenmal von seiner luxuriösen Seite kennen. Das Schiff gehört dem König, wenn er es selbst zu einer Kreuzfahrt benötigt, nimmt er es einfach aus dem normalen Liniendienst heraus. Ich habe Touristenklasse gebucht, aber meine Kabine ist schön und sauber und ich muss die vier Betten mit niemand teilen, die Fähre ist nicht ausgebucht. Das Schiff ist wie ein marokkanischer Palast eingerichtet, wunderschöne Fotografien vom Land hängen an den Wänden. Ich bin so glücklich wieder auf der Reise in mein geliebtes Land zu sein, dass mir beim Anblick dieser Fotos die Tränen kommen. Den marokkanischen Einreisestempel bekommen wir gleich an Bord, da kann es eine solche Überraschung wie in Melilla nicht geben.

Die Welt an Bord teilt sich in zwei Teile: Komfortklasse für die meist europäischen Reisenden und Touristenklasse für überwiegend marokkanische Passagiere. Ich hänge irgendwo dazwischen. Bei den Marokkanern bin ich für die Mahlzeiten, aber zwischendurch erhalte ich Zutritt zu den Salons der ersten Klasse. Als alleinreisende Frau genießt man Privilegien. Noch vor der Abfahrt sitze ich im Teesalon. Es gibt auch hier schon den original Pfefferminztee, den aber außer mir kein Tourist trinkt. Für sie ist alles noch neu, sie kennen die marokkanischen Spezialitäten noch nicht. Die erste Einladung habe ich schon, der Kellner Hassan hat nach dieser Überfahrt Urlaub und will mich in seine Heimatstadt Fes mitnehmen.

Der Platz an der Bar des Teesalons wird mein bevorzugter Aufenthaltsort für den Rest der 38-stündigen Überfahrt. Immer wieder kommt jemand von der Mannschaft vorbei, um einen Tee zu trinken und ich lerne alle kennen. Am meisten unterhalte ich mich mit Tayeb, dem Bordfunker. Er ist schon älter und war in der Kolonialzeit beim französischen Militär. So ist er bis nach Deutschland gekommen. Er zeigt mir seinen Funkraum und ich darf sogar auf die Brücke. Am zweiten Abend soll in der Bar ein Folkloreabend stattfinden und Tayeb möchte nach Feierabend mit mir hingehen. Ich warte in dem Funkraum, er liegt auf dem achten Deck des Schiffes, sehr weit oben. Das Schaukeln schiebe ich auf die exponierte Lage des Raumes. Als wir nach dem Dienst heruntergehen, sind in den Gängen Papiertüten verteilt. Mir schwant schlimmes! Und tatsächlich, als ich die tanzenden Menschen in der Bar sehe, kann ich nur noch den schnellsten Weg zu den Toiletten suchen.

Auch hier auf dem Schiff sind die Männer, das heißt das Schiffspersonal, nur an einem interessiert. Der Maschinist will mir seine Kabine zeigen, er meint, ich könne gerne die Nacht bei ihm verbringen. Selbst Tayeb erklärt mir, dass er die Frau seines Lebens suche. Es ist immer schwer zu unterscheiden, ob es sich um echte Freundschaft handelt oder ob nur ein Abenteuer gesucht wird. Ich handele immer nach meinem Gefühl und habe so schon viele gute Freunde gefunden.“

Auf den folgenden Fahrten habe ich dann nicht mehr Touristenklasse gebucht, sondern nur noch einen Platz in einer Vierbettkabine der Komfortklasse. Meist hatte ich die allein, weil es nicht möglich war, alleinreisende Frauen zu mir zu stecken, waren keine da. Mir kamen jedesmal Tränen vor Freude und Rührung, wenn ich wieder auf dem Schiff war. Und das Essen war einfach grandios. Nach Ankunft auf dem Schiff wurde jedem ein Platz am Tisch zugeteilt für die ganze Zeit und so entstanden sehr interessante Gruppen. Da ich englisch und französisch spreche war auch die Kommunikation kein Problem, die Zeit auf dem Schiff verflog nur so. Das Essen bestand aus einen sehr guten Viergang-Menü, der Wein dazu war preiswert und meist hatten es die Kellner schwer, uns wieder vom Tisch weg zu bekommen. Aber dann sind wir halt zur Bar oder in den Teesalon gewechselt. Von der 1988er Reise schrieb ich:

„Nun bin ich wieder auf der Marrakech. Es ist ganz anders als ich es mir ausgemalt hatte. Der Funker ist nicht mehr da, nur noch der Barkeeper. Aber dafür habe ich einen jungen Amerikaner kennengelernt, der mir sehr sympathisch ist. Mit dem würde ich gerne ein paar Tage fahren, aber er hat kein Visum und darf nicht bleiben. Der erste Tag in Marokko verlief völlig anders als ich es mir vorgestellt hatte. Es kostete mich zwar eine Menge Geld, aber ich bin nicht böse darüber. Es war ja freiwillig. Auf dem Schiff habe ich so nette und interessante Leute kennengelernt, mit denen ich gerne noch zusammen bleiben wollte. Darunter war der amerikanische Konsul in Casablanca. Und irgendwie landeten wir alle zusammen im teuersten Hotel von Tanger. Es ist mal eine ganz andere Welt, die ich hier kennenlerne, ich würde zwar niemals meine Welt aufgeben, aber es ist doch interessant, es kennengelernt zu haben.“

Das Schiff gehörte zum Besitz von König Hassan II und wenn er es für seine eigenen Zwecke brauchte, dann wurde es einfach abgezogen. So kam ich auch einmal an den Hafen und ein anderes Schiff stand dort. Eine wahre Katastrophe, denn die Marrakech ist einzigartig. Auch die Einrichtung der Salons war im marokkanischen Stil, schön verzierte Holzschnitzereien und jeden Abend spielte eine Band zum Tanz. Sie wurde betrieben von der marokkanischen Reederei Comanav, doch irgendwann ging es mit der bergab. Zunächst wurde am Essen und am Service gespart und dann war sie pleite. Ich glaube meine letzte Fahrt mit ihr war 2005. Die heutigen italienischen Schiffe können da einfach nicht mithalten.

Die ersten Fotos sind von 1987

Diese Fotos von 2005

Umweltverschmutzung

 

Wir Deutschen sind ja viel umweltbewusster, grüner und nachhaltiger als zum Beispiel die Amerikaner. Das glauben wir zumindest. Ich war heute auf der Platte oben, dem Hausberg von Wiesbaden, einem Ort wo am Wochenende hunderte von Menschen zusammenkommen, um die Aussicht zu genießen und spazieren zu gehen. Auch in der Woche ist immer was los, besonders für die Radfahrer ist das ein beliebter Stopp. Am Wegrand erregte eine Plastikschüssel meine Aufmerksamkeit, eine schöne, stabile Schüssel und ich wollte wissen, was es damit auf sich hat. Es war eine Verpackung für ein Essen zum Mitnehmen von Vapiano, dazu Servietten, Besteck, Papierbeutel, alles achtlos auf den Weg geworfen. Zwar war es beileibe nicht der einzige Abfall, der herumlag, aber ich wollte doch zumindest die Dose in einen Müllcontainer werfen, damit das Plastik nicht für Jahrhunderte die Umwelt belastet. Doch dann begann die Suche. Auf der ganzen Platte oben, wo sich immer so viele Menschen einfinden, gibt es kein einziges Müllbehältnis. Mal ganz zu schweigen vielleicht auch von einer Toilette. Und genau hier kommen die USA ins Spiel. Ich kenne hauptsächlich Florida, da dies meine zweite Heimat ist. Dort gibt es überall in Ausflugsgebieten Parks, wo die Menschen spazieren gehen, mit angelegten Trails, mit kompletten Toilettenanlagen mit fließend Wasser, natürlich kostenlos, mit Picknicktischen und Bänken, Trinkwasserbrunnen und Spielplätzen. Und natürlich auch mit Abfallbehältern, alles ist gepflegt und wird aus Steuergeldern bezahlt. Da kann sich Deutschland eine Scheibe abschneiden.

Ich hätte jetzt gerne den Müll aufgesammelt, aber ich hatte noch weit zu laufen und keinen Beutel dabei. Was es in Florida auch gibt sind zahlreiche Umweltorganisationen oder auch städtische Stellen, wo Freiwillige (mich eingeschlossen) zusammen kommen und den Abfall aufsammeln, zum Beispiel am Strand, um zu verhindern, dass so viel Plastikmüll ins Meer kommt. Tonnen haben wir schon gesammelt.

Das ist in Deutschland selten. Natürlich kann ich alleine in den Wald gehen und Müll sammeln, dann streife ich mit einem großen Sack wie ein Waldschrat durch den Forst  und werde von den Spaziergängern als Sonderling angesehen. Gerne würde ich hier im Taunus bei so etwas mitmachen, aber es müsste schon eine Gruppe sein. Dann macht das Spaß und ist ein Vorbild für andere, nichts in den Wald zu werfen.

Heute hat es damit geendet, dass ich zumindest das Plastikbehältnis mit nach Hause nahm zur Entsorgung. Natürlich werden jetzt alle sagen, jeder muss halt seinen Abfall wieder mit nach Hause nehmen. Das ist schon wahr, aber wir wissen, dass es nicht jeder tut. Haben wir jedoch eine ordentliche Infrastruktur mit Abfallbehältern wird sicher etwas weniger Müll in die Landschaft gekippt. Und wir brauchen auch eine Toilettenanlage auf der Platte.

Die Dose

Toilettenanlage entlang eines Bike Trails

Ein Lob auf den Online-Handel

Ja, mir tun die Geschäfte leid in der Innenstadt und ich will auch nicht, dass sie verschwinden. Aber leider werden sie verschwinden, weil sie einfach den Service, den der Online Handel bietet, nicht erbringen können. Ich kann nur jedem Händler raten, über eine Verlagerung seines Geschäftes ins Internet nachzudenken und neue Konzepte zu entwickeln.

Im konkreten Fall ging es um eine Radfahrhose für den Winter. Schon im Oktober suchte ich so etwas und zunächst im lokalen Geschäft 200 m von meinem Haus entfernt. Sie hatten nur eine einzige Hose, Markenware und sehr gut, aber 180 Euro! Ich fiel da erst mal kurz in Ohnmacht. Suchte dann noch zwei weitere Läden auf, fuhr dazu etwa 50 km und erreichte nichts. Also bei Amazon bestellt, nur 30 Euro, das Geschenk gut angekommen.

Später erzählte ich aber von der teuren Hose und sah die Augen meines Sohnes aufblitzen. Er ist ja schon sehr markenbewusst. Nun steht Weihnachten vor der Tür. Das wäre doch was. Also wieder ins Internet. Die gleiche Hose ist noch zu haben, bei der Herstellerfirma kostet sie 170 Euro. Ach, interessant, im Bikerladen also 10 Euro mehr. Und dann Amazon! Dort kostet sie gerade mal 132 Euro. Am liebsten hätte ich sofort bestellt, aber mein Sohn trägt nur schwarz und da war sie ausverkauft. Bei anderen Firmen gab es schwarz noch, aber 150 Euro. Also erstmal nichts.

Am nächsten Morgen erneuter Blick in Amazon. Plötzlich kostet, trotz Black Friday, die Hose 162 Euro. Mhm. Ist aber sowieso immer noch nicht in schwarz erhältlich. Also erneut mit dem genauen Namen gegoogelt. Und gefunden. Bei einer Firma namens Bike Components in Schwarz für 135 Euro. Ich habe sie sofort bestellt, gestern, und heute ist sie schon da. Also echt, das ist einfach nicht zu schlagen und auch trotz vielem Rumlaufen in der Stadt nicht zu schaffen. Es ist nicht nur Corona und die Maskenpflicht, die diese Geschäftsverlagerung ins Internet bringt, sie beschleunigt sie nur.

Mainstream Medien

Ich bin eigentlich kein politischer Mensch. Ich habe eine Meinung, aber ich vertrete sie normalerweise nicht nach außen, sondern behalte sie für mich. Ich will eigentlich nur mein Leben leben, reisen und darüber schreiben. Aber so langsam scheine ich mich zum Streiter für die Meinungsfreiheit zu entwickeln, denn ich habe das ganz starke Gefühl, dass diese immer mehr eingeschränkt wird. Heute wurde mir dieses Video von Dr. Claus Köhnlein zugesandt. Er spricht darin über den Einsatz von Hydroxychloroquin gegen Covid19, der seiner Meinung nach die Übersterblichkeit verursacht hat. Ich bin kein Mediziner und kann das nicht beurteilen, obwohl es plausibel klingt. Was mich in diesem Video am meisten verstört ist aber ein Ereignis, über das er spricht.

Nachdem Dr. Köhnlein bereits im März in einem Video eine kritische Meinung geäußert hat und dies zunächst viral ging, dann gelöscht wurde, wollte der NDR ein Interview mit ihm senden. Zunächst weigerte er sich und vermutete, man wolle ihn herein legen, aber nachdem der NDR dies energisch bestritt sagte er zu. In diesem Interview sprach er darüber wie wichtig gerade bei Corona ein starkes Immunsystem ist und dieses noch unterstützt werden müsste. Übrigens genau meine Meinung. Dies sendete der NDR, gefolgt von einer Szene von einem Vater mit seinem Sohn im Rollstuhl, worauf der Vater sagte, die Menschen mit starkem Immunsystem haben seinen Sohn in diese Lage gebracht. Eine wirkliche Frechheit, die aber genau zeigt, wie sehr die Mainstream Medien auf die Linie eingeschworen sind, Corona ist ein Killervirus und wir brauchen alle die einschränkenden Maßnahmen, um es zu bekämpfen. Schaut euch mal das Video an. Ich hasse Verschwörervideos und wollte es zunächst nicht öffnen, aber es ist doch ganz anders und hat mich gefesselt.

Meinungsfreiheit

Ich habe nichts mit den obskuren Demonstranten gemein, die gegen die Maskenpflicht demonstrieren, sich auf der Straße ohne Maske dicht an dicht verbrüdern und feiern. Es sieht für mich so aus, als seien sie einfach dagegen. Egal, was die Regierung beschließt, sie sind dagegen. Meine Meinung ist da sehr viel differenzierter. Ich übe Kritik an vielen Maßnahmen, frage mich kritisch, ob da noch Sinn dahinter steckt. Aber ich leugne nicht etwa vollkommen die Pandemie.

Aber dabei wird deutlich, dass ein Argument dieser „Querdenker“ sehr wohl stimmt. Dass die Meinungsfreiheit in Deutschland verloren geht. Wer nicht auf der Linie der Bundesregierung liegt wird nieder gemacht. Ich sehe es zum Beispiel an den Beiträgen der Medien, wenn dort Leute auf der Straße zu ihrer Meinung über laufende Maßnahmen gefragt werden. Kritische Stimmen werden dort nicht gezeigt, nur positive Zustimmung. Ist das die Wirklichkeit? In meinem völlig normalen Umfeld redet man anders. Ein Beispiel dafür sind die Restaurantschließungen. Warum treffen sie generell das Gastgewerbe. Viele Wirte haben hohe Investitionen getätigt, um ein wirklich gutes Konzept für den Winter vorzubereiten, und dann, einfach zu. Warum kann man hier nicht auswählen, rigoros einfach nur die Betriebe schließen, die sich nicht an die Regeln halten.

In Wiesbaden wurde nun Maskenpflicht in der Fußgängerzone erlassen. Ich habe daraufhin in einer Wiesbaden-Facebook-Gruppe gesagt, dass dies für mich ein Grund ist, nicht mehr in die Stadt zu gehen und mein Weihnachtsshopping nur noch online zu erledigen. Daraufhin wurde mein Beitrag vom Admin gelöscht, dass ich noch nicht sofort gesperrt wurde, ist wahrscheinlich nur vorläufig. Ist das Meinungsfreiheit? Dabei habe ich doch recht. Einerseits kommen so idiotische Aufforderungen der Bundesregierung, sich nur noch mit einem festen Haushalt zu treffen, andererseits soll man sich an den langen Wartereihen bei Ikea anstellen, die mir kürzlich eine Risikobegegnung meiner WarnApp eingebracht haben. Da verstehe ich die Querdenker, wenn so etwas passiert. Und das ist kein Einzelfall. Die Facebook Gruppen, in denen ich bin, sind alle so. Nur wer voll hinter den Corona Maßnahmen steht, darf seine Beiträge posten. Jeder andere wird als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. So können wir keine Gemeinschaft bilden, die gut durch die Pandemie kommt. Und wenn nun die Opposition fordert, das Parlament mehr in die Entscheidungen einzubinden, wird flugs ein strengeres Infektionsschutzgesetz gebildet, mit der Mehrheit der Koalition, die dies zementiert. Nein, das ist nicht mehr mein freiheitliches, liberales Land.

Auch die neueste Aufforderung der Kanzlerin, sich nur noch mit einem festen Haushalt zu treffen, für Kinder, sich nur noch einen festen Spielkameraden zu wählen, ist einfach nur Nonsens. Macht vielleicht Sinn, ja, es macht auch Sinn, alle in einer Einzelzelle einzusperren, das Virus hat keine Chance mehr. Aber die sozialen Folgen machen dafür den Menschen kaputt. Die zweitbeste Freundin ist plötzlich abgemeldet, der Senior, der sowieso nur wenige Kontakte hat, muss plötzlich zwischen den Kindern wählen, die ihn besuchen dürfen und der hilfsbereite Nachbar fällt völlig flach.

Nein, an diese Vorschrift werde ich mich ganz sicher nicht halten und mich weiterhin gelegentlich mit meinen drei ebenfalls alleinstehenden Nachbarn treffen. Vor dem Virus habe ich keine Angst, vor unserer Regierung schon in diesen Zeiten.