Titusville

Was für ein schöner Tag! Schon vor vier Wochen habe ich Jason getroffen und er hat mir von dem neuen Welcome Center in Titusville berichtet, das ich in meinen Bikeführer einbauen will. Und bis heute hat es gedauert, bis ich endlich nach Titusville fahren kann. Es gibt einfach immer so viel zu tun hier, Langeweile kenne ich nur von Taunusstein. Oder wenn es hier mal regnet.

Aber ich kann noch eine andere Recherche einbauen in diese Tour. Der Chef des Bikeshops in New Smyrna, ein guter Kunde von mir, hat gesagt, dass es auf Merritt Island noch einen guten Trail für MTB gibt, den ich ausprobieren soll. So bin ich also schon um 8:30 Uhr losgefahren, voller Vorfreude. Zunächst ein kurzer Abstecher zur Mosquito Lagoon, weil es dort so schöne Vögel gibt. Aber kein einziger war da, ich bin einfach zu spät. Die Vögel machen halt nur im warmen Winter hier Station, so wie ich auch normalerweise, und nun sind sie schon längst Richtung Norden aufgebrochen. Sie haben ja zum Glück keine Corona-Einreise-Beschränkungen.

Weiter ging es zur Biolab Boat Ramp, sie ist auf Merritt Island nahe dem Kennedy Airspace Center und auch an der Mosquito Lagoon. Hier sollte eine Möglichkeit für MTB sein. Aber nicht wirklich. Es gibt zwar eine ungeteerte Straße, die ist aber für Autos und kostet 10 $ Nutzung. Kein Parkplatz. Daneben ist die Boat Ramp, mit Parkplatz, kostet auch 10 $ Benutzung der Ramp. Da stand ich also ratlos davor. Weder wollte ich mit Auto rein noch auf die Rampe mit meinem Bike, muss ich also bezahlen? Ist ja ziemlich teuer. Da kam ein Ranger. Meine Frage hat ihn etwas überfordert, aber er war sehr hilfsbereit, rief alle möglichen Leute an und bekam keine Verbindung. Dann meinte er, ich solle einfach fahren.

Das tat ich. Es ist eine sehr schöne Straße entlang der Mosquito Lagoon, wenige Leute waren unterwegs, hauptsächlich Angler, denn die Vogel Beobachter kommen um diese Zeit weniger, es sind ja auch nur wenige Vögel da. Aber es war trotzdem recht schön und ziemlich heiß. Einige Vögel und auch ein Krokodil. Dann traf ich noch ein Anglerpaar, wir unterhielten uns und auch hier sofort die Frage, wo ich herkomme. Und klar, auch diese Frau hatte eine deutsche Mutter. War ein  nettes Gespräch und ich bekam noch den Tipp in Titusville nach dem Chaine of Lakes zu suchen., da man dort auch gut Fahrrad fahren kann.

Am Himmel brauten sich ziemlich dunkle Wolken zusammen, aber bikerfreundlich hat es erst geschüttet, als ich bereits wieder im Wagen saß. Und hörte auf, als ich in Titusville wieder aufs Rad wollte. Im Internet hatte ich mir die Adresse des Welcome Centers herausgesucht, wunderte mich schon etwas, da es doch ziemlich weit vom Biketrail entfernt ist. Kein Wunder, es war ja auch nicht das Welcome Center, sondern das Chamber of Commerce, also die übergeordnete Stelle. Aber das Glück hat mich hergeführt, denn hier war ich bei Jessica besser ausgehoben, man konnte meine Fragen gut beantworten und interessierte sich sehr für mein Buch. Ich bekam die Adresse der Chefin und mal sehen, was sich daraus noch ergibt.

Weiter gings zum einzigen Bikeshop der Stadt, Jessica meinte, die seien sicher an dem Buch interessiert. Aber schon der Eintritt war ein Schock, es ist eine elende Bude, der Chef war nicht da, aber der Mitarbeiter meinte, er hätte auch sicher kein Interesse. Ich glaube es, denn der Laden sah nun wirklich nicht aus, als würde er gute Geschäfte machen, und das in der Coronazeit, wo die anderen Läden nur so brummen und die Floridianer mehr Rad fahren als je zuvor. Selbst eBikes kommen langsam. Aber nicht in Titusville.

Nun ging es zum Welcome Center. Es ist in der Innenstadt, nahe dem Biketrail und hat einen großen Parkplatz, wo man seinen Wagen parken und losradeln kann. Zwar gibt es auch Klos, aber die sind abgeschlossen. So richtig, richtig freundlich waren sie auch nicht, jedenfalls nicht so wie Jessica, aber es ging. Der Chain of Lakes ist, wie der Name schon sagt, eine Kette von kleinen Seen, um die herum Spazier- und Radwege sind. Sehr hübsch für eine stadtnahe Erholung.

Das waren nun also gut 30 km für diesen Tag, ohne eBike, aber auch ohne Berge und ich konnte zufrieden heimfahren. Ob ihr es glaubt oder nicht, sobald ich im Wagen saß, fing es wieder an zu regnen.

Biolab Road

Chaine of Lakes

Zufrieden

Oh, Mann, ich kann kaum noch japsen, so voll und zufrieden bin ich. Um 11 fiel ich gerade völlig erschöpft auf meinen Terrassenstuhl, als mein Handy klingelte. Ich konnte nur noch stöhnen. Am Apparat war eine Freundin aus Deutschland und verstand überhaupt nicht, warum ich morgens um 11 Uhr schon so fertig bin. Aber ich hatte gerade den letzten Pinselstrich getan an der Decke im Wohnzimmer und war am Ende. Neulich habe ich ja schon die Küche gestrichen, heute also ging es weiter. Dazu muss ich sagen, die Farbe gibt es hier in sehr großen Eimern, die kann man meist nicht aufbrauchen. Und mein Eimer mit der weißen Farbe stand etwa 1 – 2 Jahre im Schuppen, genau weiß ich nicht mehr, wann ich sie gekauft habe. Sie war immer noch sehr gut, überhaupt nicht klumpig, aber wohl doch etwas fester, als neue Farbe es ist. Und das war genau das Richtige für die Decke. Ich habe zwar einige Möbel beiseite geräumt und auch ein Betttuch über das Sofa gespannt, aber eigentlich hat es kaum getropft. Allerdings weiß ich nicht, wie ich es trotzdem fertig bringe, danach von Kopf bis Fuß mit Farbflecken übersät zu sein.

Unglaublich aber wahr, die Farbe hat exakt gereicht bis zur letzten Deckenecke und dann war der Eimer leer. Besser hätte es nicht sein können. Aber ich, wie gesagt, völlig fertig. Ich habe dann immer Ruhepausen gemacht, ein Espresso und so, auf der Terrasse, und in Etappen geputzt. Nun ist fast alles fertig, auch die Deckenlampe hängt, aber offen ist noch der Deckenventilator. Ich hatte das antike Stück, das nicht mehr richtig funktionierte, entfernt, bzw. Nachbar Jim schraubte es ab, und nun warte ich bis er am Abend kommt und das neue Teil aufhängt. 30 $ kostet so was hier nur, und es ist sogar noch eine Lampe daran.

Mein Fitness Tracker zollte dieser Leistung Respekt und zeigte mehr Schritte und aktive Minuten an als wäre ich in der Gym. Und damit hatte ich mir dann auch ein gutes Mittagessen verdient. Schon am Samstag hatte ich die Nachbarn zu Rinderbraten in Biersause, Semmelknödel und Rotkraut eingeladen, und davon gibt es noch genug Reste.

Also, pappsatt und zufrieden.

Zahnarzt 2

Nun habe ich es hinter mir. Und ja, es hat sich bewahrheitet, der Zahnarzt und seine ganze Mannschaft sind supernett. Haben mich tausend private Sachen gefragt. Zunächst hat er sich schildern lassen, was mein Problem sei, am Vorderzahl fehlt ein Stück und es bröckelt immer mehr, dann hat er als erstes einen Kostenplan erstellt. 351 $ soll es kosten, wobei er mir die 30 $ für das Röntgenbild erlässt.

Dann geht es ans Werk. Nicht ein altes Röntgengerät, wo sich die Assistentin hinter der Tür verstecken muss. Nein, ich bleibe auf meinem Stuhl sitzen, sie bringt ein kleines tragbares Gerät und schon ist ein X-Ray erstellt, das ich gleich auf dem Bildschirm sehen kann. Ich bekomme eine Sonnenbrille, um mich gegen Wasserstrahlen und das Licht der Lampe zu schützen und los gehts. Er macht auch eine Spritze, ohne mich zu fragen, denn eigentlich brauche ich die nicht. Aber die Nadel steckt schneller drin als ich denken kann, aber er ist ganz sanft. In Deutschland habe ich ja den Dr. Ehnes, zu dem ich sehr gerne gehe, weil er nett ist, man mit ihm mal plaudern kann und er sogar Lebenshilfe gab zu meinem verletzten Bein. Er ist einfach super und hatte vor der Reise alles getan, um die Behandlung rechtzeitig zu beenden, damit ich auch pünktlich weg kam. Aber dieser Dr. Obeng aus der Karibik ist genauso nett. Ich habe ihm natürlich auch gesagt, dass ich ihn vor allem gewählt habe, weil er aus der Karibik kommt.

Im einzelnen kann ich nicht beschreiben, was die Beiden so an meinem Mund gewerkelt haben, ein wenig anders fühlte es sich schon an als zuhause, aber die 351 $ müssen ja auch irgendwie verdient werden. Ich saß fast eine Stunde auf dem Stuhl nur wegen der Füllung. Aber es war nötig, ich hätte nicht bis zu Hause warten können. Die alte Füllung, die schon seit Jahren bestand, ist brüchig geworden und hätte man nichts getan, wäre mir der ganze Zahn abgebrochen. Vor der Tür war ein Jaguar geparkt, ein Patient, schon daran sieht man, dass sich in USA nur die Wohlhabenden eine Zahnbehandlung leisten können. Ist in der normalen Medicare nicht drin.

P.S. Am 29.4. war ich beim Zahnarzt und habe mit KK bezahlt, am 6.5. ist das Geld von meiner Krankenkasse auf meinem Konto. Das ist doch mal eine super Kasse.

Wo kommst du her

Ich bin so was von rein deutsch, da kann ich suchen und suchen, die einzige Urahnin war mal aus Polen, aber das ist lange her. Aber schon mein Vater ist gerne gereist, trieb sich in vielen Ländern der Welt herum und ich habe das geerbt. Ich liebe fremde Kulturen, aber habe ja auch meine besonderen Vorlieben, wie man weiß, Marokko und die Menschen dort sind einfach meine Herzensangelegenheit. Und so interessiert es mich auch immer, wenn ich jemand treffe, der nicht so richtig deutsch ausschaut, woher er denn eigentlich kommt. Beziehungsweise, wenn er in Deutschland geboren ist, wo seine Wurzeln liegen. (Und nein, ich gendere ganz bestimmt nicht, ich benutze aus Überzeugung das generische Maskulin.)

Wenn die Person dann aus einem Land stammt, das ich gut kenne, dann haben wir sofort einen Draht zueinander, ich freue mich total und wir haben viel zu erzählen. Kürzlich war ich bei einer neuen Friseuse, die marokkanisch aussah. Es brannte mir auf der Zunge, hatte Angst zu fragen, da man immer dafür kritisiert wird, von den Medien, nicht von den Betroffenen. Dann traute ich mich. Zwar war sie aus Syrien, aber durch den arabischen Hintergrund hatten wir sofort wieder ein Thema und wir redeten und redeten. So viel, dass ich vor lauter Reden vergaß, ihr ein Trinkgeld zu geben und extra nochmal zurück musste.

Oder kürzlich, als ich in der Dominikanischen Republik war, wo man spanisch spricht, das ich nicht kann, traf ich hin und wieder einen Menschen aus Haiti, der Französisch sprach. Auch dadurch hatten wir sofort eine Verbindung und ich konnte viele Fragen über Haiti stellen.

Um es kurz zu machen, die Geschichte der Menschen ist immer sehr interessant und es ist wichtig, die Wurzeln zu kennen und stolz darauf zu sein. Ich bin immer besonders traurig, wenn man in Deutschland es oft als rassistisch darstellt, wenn man einen Menschen nach seiner Herkunft fragt. Was mir übrigens selbst noch nie passiert ist. Immer wurde mir freundlich geantwortet. Ich bin ja oft in USA, dort erkennt man an meinem fürchterlichen Akzent sofort, dass ich nicht hier geboren bin, erkennt auch oft recht schnell, dass ich aus Deutschland komme. Auch hier ist es immer ein Gesprächsstoff, oft wird die eigene deutsche Verwandtschaft hervorgekramt und man freut sich. Aber selbst die TV-Moderatorin Dunya Halali, die ich sehr schätze, weist energisch darauf hin, dass man damit den Menschen unterstellen würde, keine Deutschen zu sein. Aber ich frage ja nicht nach der Staatsangehörigkeit, die ist mir egal, sondern nach den Wurzeln.

Also, warum ist es so schlimm, einen Menschen nach seiner Herkunft zu fragen?

P.S. Und warum das alles genau jetzt? Es liegt an dem Zahnarzt aus der Karibik, bei dem ich noch nicht war, wo aber inzwischen schon drei Telefonate stattfanden, die alle sehr nett waren. Irgendwas hat das doch mit der Herkunft zu tun, oder?

Zahnarzt die erste

Ich werde den Zahnarzt-Blog nummerieren, denn ich ahne schon, es gibt Fortsetzungen. Schon in der Dominikanischen Republik ist mir ein kleines Stück vom Vorderzahn abgebrochen, weh tat nichts, aber man musste fürchten, dass mehr wegbricht. Aber in der DomRep zum Zahnarzt? Lieber nicht. Dann doch lieber in dem Land des medizinischen Fortschritts, in den USA!

Immer beim Zähneputzen merke ich, wie die Zahnbürste daran hängen bleibt. Heute Morgen dann bekam ich die Borsten kaum noch los, ein zweites Stückchen brach. Hier muss was geschehen. Sah ich nicht in der Dunlawton ein großes Schild Dentistry? Also dorthin. Eine Dame an der Anmeldung: wie ist ihr Name? Den werden sie nicht kennen. Ich schilderte mein Problem und sie war sehr unfreundlich. Nein, das können sie nicht machen, alle Termine sind ausgebucht, der Arzt mit Arbeit voll. Wer mir denn helfen könnte? Keine Ahnung. Ich soll doch einfach zur nächsten Tür gehen, das ist Halifax Health Emergency. Nun, die Leute kenne ich, sie haben mir bei einem Notfall mal sehr gut geholfen, wenn auch zu horrenden Preisen. Aber dort ist kein Zahnarzt. Die Dame meinte doch, da ist einer. Sie wollte mich einfach nur loswerden.

Halifax Health hat natürlich wirklich keinen Zahnarzt, aber zumindest freundliche Leute. Sie produzierten ein Infoblatt mit der Nummer eines zahnärztlichen Notdienstes. Ich rief an, aber man meinte, sie würden nur ziehen, sonst nichts. Wer mir denn sonst helfen könnte? Auch hier absolut unfreundlich, keine Ahnung, wer helfen kann. Die freundliche Halifax Dame rief dann selbst noch mal an, aber auch sie erfuhr nur Unwillen. Ich habe ja schon bemerkt, dass die Amerikaner in meiner Umgebung sehr schlechte Zähne haben, auch viele Zahnlücken, es wundert mich nicht. Wobei wir ja auch noch nichts über die Höhe der Rechnung wissen.

Ich musste also unverrichteter Dinge wieder heimkehren und beschloss, das Internet zu Rate zu ziehen. Port Orange hat viele Zahnärzte, und der erste, den ich mich entschloss, anzurufen, stammt aus der Karibik. Dort habe ich doch so viele freundliche Leute kennengelernt. Also los. Schon die Dame am Telefon war sehr nett, woher sie auch stammen mag. Ich schilderte mein Problem und war sprachlos als sie freundlich sagte, sure, heute Mittag um eins?

Ich konnte es nicht fassen, freue mich total, verzichte auf meine für heute geplante Biketour und warte freudig auf den Termin.

Car Problems

Ich sitze am Strand, lasse die Sonne auf mich scheinen und freue mich des Lebens. Das war aber nicht normal die letzten Tage, ich hatte mit so einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das schlimmste war das Auto. Vor zwei Wochen gab ich es zur Inspektion, wobei man feststellte, dass die beiden vorderen Radlager ausgetauscht werden mussten. Ja, nun erklärt sich, woher der ziemliche Lärm kam, den ich beim Fahren hörte. Teure Sache, 900 Euros bin ich insgesamt losgeworden.

Von der Werkstatt nur rüber zum Shoppen, das rote Warnlicht leuchtete, Motoröl! Also wieder zurück. Der Schalter sei kaputt, aber müsse erst bestellt werden. Hätte man ja eigentlich sehen müssen, bevor der Wagen ausgeliefert wurde. Am nächsten Tag dann auf Kulanz ausgewechselt. Also  konnte ich losfahren, um meine Biketrails zu erkunden.

Hm, das Auto ist aber immer noch laut. Irgendwie anders aber. Woran liegt das nur? Die Radlager sind ausgetauscht, das kann es nicht sein. Ein ganzes Wochenende ausprobiert und überlegt. Klingt wie starkes Windgeräusch, also habe ich die Kayakhalterung auf dem Dach abgeschraubt. Wieder ein ganzes Wochenende viel gefahren, es wurde immer schlimmer. Nicht nur bekam ich schon fast Kopfschmerzen von dem lauten Geräusch, ich hatte auch richtig Angst, dass mir der Wagen zusammenbricht und ich liegenbleibe. Das wird teuer, ich bin wegen meinem kurzen Aufenthalt diesmal nur minimal versichert. Und niemand, den ich fragen kann. Wenn ich es in die Werkstatt bringe zur Überprüfung fällt wieder eine große Rechnung an.

Am Montag musste ich mich dann erstmal um ein anderes Problem und eine andere Rechnung kümmern. Der Dachdecker ist da, begleitet vom Sohn. Beide machen zwar einen kompetenten Eindruck, aber es wird auch richtig teuer. Aber ich kann mit Brian über vieles sprechen, was mir hier Sorgen macht, das ist auch mal wichtig. Und so kommen wir auch aufs Auto. Vor allem der Sohn kennt sich da gut aus und als ich ihm die Symptome schildere sagt er sofort, das wird wieder das Radlager sein. Vielleicht haben sie vergessen, es zu schmieren.

Das gibt mir nun den letzten Anstoß, wieder zurück zur Werkstatt zu gehen. Man behält den Wagen da, kündigt auch gleich an, dass es über Nacht sein werde. Zum Glück habe ich ja noch meine Fahrräder. Eins kommt immer hinten aufs Rack, wenn ich zur Werkstatt muss, dann kann ich damit zurück nach Hause fahren. Es sind 3 – 4 km bis zur Werkstatt, kein Problem.

Eine Zitterpartie folgt. Was wird es diesmal sein, was wird es kosten? Am nächsten Morgen nutze ich die Zeit zu Hause, um die Küche zu streichen. Sieht gut aus. Gerade als ich den letzten Pinselstrich mache bin ich auch so kaputt, dass mir fast schlecht wird. Habe auch die Decke gestrichen und immer über Kopf, das ist nicht einfach für mich alte Schachtel. Ich setze mich noch bevor ich aufräumen kann mit einem Glas Wasser auf die Terrasse und verschnaufe. Da klingelt das Telefon. Firestone, die Werkstatt. Der Mann erzählt mir Gottweisswas, ich verstehe nur, dass ich den Wagen abholen kann. Also geht es mit Farbkleksen zur Werkstatt. Das macht hier keine Probleme, man kann anziehen was man will und aussehen wie man will. Und vor Ort macht er sich auch keine Mühe, mir lang und breit zu erklären, sondern drückt mir den Schlüssel in die Hand und sagt, der Bericht kommt per Email.

Also den Bericht verstehe ich immer noch nicht ganz und habe ihn deshalb zu einem befreundeten KFZ-Ingenieur geschickt. Also: das rechte Radlager war schon wieder kaputt (hatte man hier Murks gemacht?), aber dabei wurde auch noch die Radnabe, wo das Lager befestigt ist, so sehr beschädigt, dass sie komplett ausgetauscht werden musste. Und all das hat man auf Garantie gemacht.

Uffz! Habt ihr den großen Steinbrocken gehört, der mir da vom Herzen fiel? Und das Auto summt leise wie ein Kätzchen. Aber was hätte nicht alles passieren können. Kein Wunder also, dass ich dann zum Strand fuhr und mich erstmal erholen musste.

That’s life

Drei Tage es nun geregnet, wo ich fast nichts machen konnte. Zudem musste ich feststellen, dass mein Dach etwas undicht ist, da kommen hohe Kosten auf mich zu, abgesehen von der Radlager-Reparatur am Auto, die auch eine Stange Geld gekostet hat. Von daher waren die letzten drei Tage nicht so positiv. Heute dagegen sieht es schon anders aus. Zunächst einmal scheint heute die Sonne. Dann musste ich einen Roofer finden, also einen Dachdecker, und durchsuchte meinen Vorrat an Businesskarten. Die dritte brachte mich direkt mit einem Mann ins Gespräch, der auch bald vorbei kam. Brian hieß er, wie mein Sohn, und schnell konnte ich erkennen, dass er Ahnung von der Sache hat. Eine Reparatur ist möglich, er muss ein paar Teile bestellen und nächste Woche soll es los gehen. Das war also schon mal positiv.

Heute ist Grün-Abfall-Tag und da der Regen endlich aufgehört hat wollte ich schnell noch meine Tonnen füllen, bevor sie abgeholt werden. Es ist immer sehr viel Arbeit im Garten, wenn ich so lange nicht im Land bin, und was mich einschränkt, ist nicht so sehr meine körperliche Leistungsfähigkeit, sondern die Kapazität der Tonnen. Meine Freunde schenkten mir mal zu Weihnachten ein kleines Bäumchen im Topf, eine Araucaria columnaris. Ich setzte sie vors Haus und nun ist ein riesiger Baum daraus geworden, nicht zur Freude meiner Nachbarn. Mir gefällt er, vor allem weil er ein guter Sichtschutz zu einem unangenehmen Nachbarn gegenüber ist. Aber die anderen Nachbarn, die auch in der Hurrican Saison im Land sind, haben schon mehrmals angedeutet, dass sie ziemliche Angst haben, wenn der Sturm den Baum durchwirbelt. Aber wie auch immer, es liegen eine Menge Blätter und Äste auf dem Boden und ich muss alles mal aufräumen. Dachte, eine Tonne reicht. Am Ende waren es zwei Tonnen, zwei Kisten und ein Berg Äste, ich nass geschwitzt und noch immer ist nicht alles weg. Dann muss ich zittern, ob der Lastwagen auch kommt, denn manchmal drückt er sich. Aber er kommt, meine Behältnisse sind leer und können wieder neu gefüllt werden. Wieder ein Pluspunkt für den Tag.

Dann endlich konnte ich zum angenehmen Punkt des Tages kommen, meine Biketour. In Daytona ist auf etwa 2 km ein neuer Trail angelegt worden, ich hatte ihn schon mal kurz abgefahren, aber musste es genau recherchieren für mein Buch mit GPS-Punkten und so. Die Fahrt dorthin sind 8 km, wollte ich mit dem Auto fahren, aber auch, weil am Beginn kein Parkplatz ist, bin ich mit dem Rad hin. Das ist nicht immer schön, weil es lange Strecken über verkehrsreiche Straßen geht. Für den Rückweg entschied ich mich, über die A1A zu fahren, sie geht parallel zum Strand, es bedeutet aber auch, zweimal über hohe Brücken zu fahren, ohne eBike und ohne funktionierende Gangschaltung. Okay, so weit so gut. Die ganze Tour sollte am Ende 27 km haben, aber noch war ich vor der zweiten Brücke und sehr durstig. Immerhin haben wir heute so etwa 28 Grad und ich war schon kaputt.

Vor der Brücke ist ein nettes kleines Lokal und eine Pause und ein Bier dort wären nicht schlecht. Hatte zum Glück Geld eingesteckt. Gedacht, getan. Bike auf dem Deck geparkt, zum Tresen, Bier bestellt. Erst dann sah ich, dass auf der anderen Seite des Tresens eine riesige Schlange war, Mittagszeit, aber egal, ich bekam mein Bier sofort. Den Preis konnte ich nicht verstehen. Neben mir saß ein Typ, der wollte gerade bezahlen und holte, typisch amerikanisch, eine Geldrolle heraus, zusammengehalten von einem Gummi. Meine Augen wurden schon etwas größer, als ich sah, dass es hauptsächlich 100er waren. In einem Land, wo meist an der Kasse ein Schild hängt, dass keine Scheine über 20 angenommen werden. Ich fragte ihn, ob er den Preis für mein Bier verstanden hätte. Er sagte nein. Ich wollte der Bardame Geld hinstrecken, er sagte irgendwas, und die Bardame sagte, ist schon okay, der Herr übernimmts.

Hah? Ich war gebügelt. Er steht auf und geht. Für mich ist der Tag einfach gerettet mit diesen ganzen schönen Begebenheiten. So eine nette Geste. Eine, die ihn nicht ärmer macht, mich nicht reicher, aber das Highlight meines Tages ist. Danke dir. Ich suchte mir einen schönen Deckstuhl und genoss einfach die Sonne und den Tag. Ich schaute den Pelikanen zu, aber bekam das Gefühl, dass sie mir ebenso zuschauen. Mal sehen, was die komischen Menschen so machen. Ich bin so glücklich, dass ich diese doch etwas schwierige Flucht auf mich genommen habe, weg aus diesem coronaverseuchten Deutschland und hin in dieses freie und schöne Florida.

Fitness

Irgendwie war ich diesmal faul, ich weiß auch nicht warum. Aber heute, nach 3 Tagen Regen, habe ich mich endlich aufgemacht, in mein Fitness-Studio zu gehen und meinen Vertrag zu erneuern. Das erste, was hier einfach besser ist, hier ist man ziemlich flexibel, was den Vertrag angeht. Ich kann, wenn ich nur 1, 2 Monate im Land bin, auch nur für diese 1,2 Monate Mitglied sein. Beim letztenmal, als uns allen noch nicht so klar war, was Corona uns bringen wird, habe ich bei meiner Rückkehr den Vertrag eingefroren. Das bedeutet, ich zahle zwar monatlich 10,95, aber bekomme dann wieder den günstigen Monatstarif zu 29,90 $. Und das für ein Top Studio mit Schwimmbad, Sauna und Whirlpool.

Wer konnte ahnen, dass dieses Eingefrorensein genau ein Jahr dauern würde. Und sogar noch länger, wenn ich nicht den Umweg über die Dominikanische Republik genommen hätte. Heute, aufgrund des Regens, bin ich endlich dort wieder hingegangen. Und kann also genau diesen einen Monat trainieren, den ich noch im Lande sein werde, und nicht wie in Deutschland an einen Jahresvertrag gekettet werde. Oder, wie zur Zeit, wegen Corona überhaupt nicht trainieren kann.

Wie also ist die Lage im Fitnessbereich? Wir wissen ja, in Florida sind die Infektionen höher als in Deutschland, die Impfungen aber auch, und deshalb die schweren Erkrankungen, und damit die Todesfälle, sehr niedrig. Es gibt tatsächlich kaum Beschränkungen des Lebens. Das große Schwimmbad hat 3 markierte Bahnen, und jetzt wegen Corona darf auch in jeder Bahn tatsächlich nur einer trainieren. In der Sauna und auch im Whirlpool sind jeweils nur 4 Personen erlaubt und in der Umkleide sind viele Schränke zu, um den Abstand zu gewähren. Was aber nicht schlimm ist, denn die meisten Leute kommen eh in ihrer Sportkleidung und brauchen sich nicht umzuziehen. Das ist übrigens ein weiterer Pluspunkt von Florida, hier ist es völlig egal, wie man gekleidet ist. Wenn man also in seinen Sportsachen unterwegs ist, kann man damit trotzdem überall hingehen und niemand findet daran etwas ungewöhnlich.

Auch im Cardio-Bereich waren einige Maschinen out of Service, um den Abstand zu gewähren, aber sonst lief alles wie üblich. Früher schon habe ich gesagt, der Whirlpool ist der reinste „Social Club“ und so war es auch diesmal. Drei Personen waren drin, winkten mir, dazu zu stoßen, und dann konnte ich mich einfach an den Gesprächen laben. Diesmal ging es um die Börse und gute Tipps. Ja, wenn man das Kapital hätte …

Callalisa Creek

Explore Volusia ist ein vom County (Kreis) bezahltes Programm, mit dem die Natur den Menschen nahe gebracht werden soll. Dazu werden Fahrrad- und Wandertouren angeboten sowie Kayaktouren. Das sind mir die liebsten, denn in den weit verzweigten Kanälen braucht man schon einen Führer, um sich zurecht zu finden, während man die wunderbaren, gut markierten Trails auch alleine schafft. So habe ich in der Vergangenheit bei vielen dieser Exkursionen teilgenommen und kenne daher auch etliche der Teilnehmer.

Ein Jahr war ich von allem abgeschnitten, konnte ich meine zweite Heimat Florida nicht besuchen. Nun endlich wieder vor Ort konnte ich heute die erste Kayaktour mitmachen. Als ich ankam war ein großes Hallo, alle freuten sich, mich zu sehen. Aber sicher nicht mehr, als ich mich gefreut habe. Marsha fragte, darf ich dich in den Arm nehmen, ich bin geimpft. Ja gerne, auch ich bin erstgeimpft. Dialoge, von denen man früher nicht geträumt hätte.

Kaum waren wir draußen im Kanal sind die Delfine um uns herum gesprungen. Aber paddeln und gleichzeitig diese schnellen Tiere fotografieren, nein, das geht nicht. Auch Vögel sind recht wenige da, der Winter ist ja vorbei, die Migranten ziehen gen Norden. Genau wie Freund Roger.

Ich bin hier richtig im Stress, morgen früh treffe ich Jason bei einem Kaffee, am Sonntag Wandern mit Jim. Montag soll es eventuell regnen, aber ich müsste auch dringend die Biketrails neu erkunden, was sich gegenüber meinem Buch geändert hat.

Gestern erfuhr ich, dass es seit 6 Jahren einen weiteren Bikeshop ganz in meiner Nähe gibt, bin bestimmt hundertmal an ihm vorbei gefahren, aber habe ihn noch nie wahrgenommen. Hatte bisher nur mit dem Angestellten Erik zu tun, der ist ganz begeistert von meinem Buch, nun muss er noch den Chef überzeugen. Hat mir heute mein Rad gepflegt, Kette geölt, Luft geprüft, Bremsen nachgestellt, alles weil mein Buch so gut ist. Ach, hier bin ich einfach zu Hause. Neulich kam auch James vorbei, er ist sozusagen mein Mitarbeiter vor Ort, an ihn schicke ich die Bücher und er bringt sie dann zu den Läden, ich verkaufe ja nur über Bikeshops. Wir saßen auf meiner Terrasse hinter dem Haus bei einem Drink, war sehr gemütlich.

Corona-Inzidenz in Florida

Seit ich hier bin errechne ich die Inzidenz und vergleiche mit Deutschland. Sieht gut aus in Relation zu den Einschränkungen zuhause und der Freiheit in Florida. Als Quelle nutze ich wegen der Vergleichbarkeit für beide Länder https://www.worldometers.info/coronavirus/, Dort ist die Inzidenz für Deutschland gegenüber dem RKI ein klein wenig höher.

Inzidenz D FL
9.4. 121 190
10.4. 127 194
11.4. 136 197
12.4. 140 189
13.4. 142 205
14.4. 163 209
15.4. 171 204
16.4. 170 205
17.4. 173 202
18.4. 169 208
19.4. 171 220
20.4. 177 204
21.4. 172 199
22.4. 170 198
23.4. 172 190
24.4. 176 195
25.4. 175 185
26.4. 171 181

Und auch die Todesfälle genau wie die Infektionen bezogen auf 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen:

Todesfälle D FL
10.4. 6,3 1,6
11.4.    
12.4. 6,9 1,5
13.4. 7,2 1,6
14.4. 7,6 1,5
15.4. 7,8 1,5
16.4. 7,9 1,6
17.4. 7,8 1,8
18.4. 7,6 2,0
19.4. 7,7 2,0
20.4. 7,8 1,9
21.4. 7,3 2,1
22.4. 7,2 2,2
23.4. 7,2 2,0
24.4. 7,8 1,9
25.4. 7,7 1,9
26.4. 7,3 2,1