Saarland 4 – Niedtalradweg

Heute stand der Niedtalradweg auf dem Programm. Darauf habe ich mich sehr gefreut. Er klang so vielversprechend, führte bis nach Frankreich (bekomme ich da was Leckeres zu essen?) und so viel weiß ich ja schon, Flusstalradwege sind sehr bequem und für mich alte Frau gerade richtig.

https://www.wildganz.com/radweg/de-1092-niedtalradweg

Ich hätte mich nicht mehr täuschen können. Der Beginn war ja tatsächlich auf dem tags zuvor gefundenen Parkplatz direkt am Saarradweg und von dort ging es auf Gravel in die Natur. Ich hatte die komplette Streckenführung auf Komoot, brauchte mich also um die Navigation nicht zu kümmern, und das war gut so. Denn dies ist kein zusammenhängender, ausgebauter Radweg, das ist ein Mix aus vielen verschiedenen Wegen und Straßen. Zwar gibt es zuweilen Wegweiser, aber nicht immer, und ich war froh, mich also nur auf das Fahren konzentrieren zu können, denn das war nicht ohne. Der Untergrund wechselte ständig, die Landstraßen waren zum Glück sehr ruhig und die Nied war auch sehr oft zu sehen. Doch ging es keineswegs gemütlich durchs Tal, es gab zum Teil sehr heftige Steigungen, auf einer musste ich sogar mein Rad schieben. Es war nicht nur steil, sondern zu Beginn auch eine Kurve, so dass man nicht richtig Anlauf nehmen konnte. Es brachte mich an meine Grenzen, aber auch das braucht man ja manchmal, nicht?

Hier war auch die Rede vom Druidenpfad, es gibt wohl einige Relikte aus der Vorzeit und auch die (nachgebauten) Keltenhäuser.

Nach halber Strecke überschritt ich auch die Grenze nach Frankreich, was ich nur an einem patriotisch geschmückten Haus und an den geparkten Autos davor erkennen konnte. Migranten, kommt mit dem Fahrrad, hier keine Kontrollen! Die Ortschaft durch die ich kam bestand nur aus wenigen recht neuen Wohnhäusern, von einem Restaurant mit typisch französischer Cuisine keine Spur.

Der Pfad ist schwierig, die Landschaft dagegen wunderschön, ich habe zwar keine Rehe gesehen, dafür aber Angler. Es war wohl gerade ein Angelwettbewerb und ziemlich viel los. Und dann bekam ich die Belohnung für die schwierige Strecke, die Wackenmühle. Diese Mühle am rauschenden Bach ist ein beliebtes Ziel für alle Radfahrer und während ich in den französischen, verschlafenen Dörfern keine Einkehrmöglichkeiten gefunden habe, stürmten hier um 12 Uhr, als das Restaurant aufmachte, jede Menge Franzosen die Terrasse. Auch ich nahm Platz und bestellte mir eine Gulaschsuppe. Von daher und dem was ich auf den anderen Tellern gesehen habe, muss ich sagen, das Essen überzeugt mich nicht. Wohl aber das gemütliche Lokal mit der herrlichen Aussicht.

Saarland 3 – von Saarlouis nach Merzig

Diesmal soll es auf dem Saarradweg in die andere Richtung gehen.

Auch hier finde ich einen guten Parkplatz für mein Auto und komme recht schnell zur Saar. Wieder sehr gut geteert, es ist Samstag und viele Leute unterwegs. Was mir hier auffällt ist auch die Reichweite meines eBikes. Im hügeligen Taunus, wo ich immer Steigungen habe, komme ich nicht weiter als 68 km mit einer Akkuladung, doch auf diesem flachen Weg komme ich sehr viel weiter.

Ich will bis Merzig fahren, das sind wie gestern ungefähr 25 km, die ich natürlich auch wieder zurück muss. Zunächst weht mir ein köstlicher Duft in die Nase und ich sehe entlang des Weges lange Erdbeerfelder. Sie sind vollreif, aber eingezäunt, leider ist niemand da, von dem man eine Handvoll kaufen könnte.

Bei Siersburg treffe ich auf einen kleinen Parkplatz und erkenne sofort, dass dies der richtige Parkplatz für den morgigen Tag sein wird, denn hier beginnt der Niedtalweg, der auf dem Plan steht. Ich unterhalte mich kurz mit Spaziergängern, die mir dort die Wackenmühle empfehlen für ein knuspriges Hähnchen. Naja, mal sehen. Der Weg an der Saar ist hier kurz unterbrochen, doch auf der Landstraße gibt es eine breite Radspur. Ich fahre wieder auf der westlichen Seite, dem offiziellen Saarradweg. Doch an der Rehlinger Schleuse will mich Google Maps auf die andere Seite schicken. Dem folge ich zwar nicht, aber merke es mir für die Rückfahrt.

Die Fahrt geht gemütlich weiter bis ich zu einem Freizeit- und Sportzentrum komme und ein wenig verwirrt über den Fortgang bin. Es liegt an einer hohen Brücke, auf deren anderer Seite Merzig liegt. Aber diese Brücke mag ich gar nicht, ist ziemlich weit, dort hochzukommen und fahre lieber weiter bis zur nächsten Brücke. Ja, die ist mir viel lieber, eine kleine Fußgängerbrücke.

Eigentlich wollte ich in die Innenstadt, aber änderte meine Pläne, als ich den schönen Hafen sah. Dort kann man gemütlich sitzen und was trinken, könnte sogar ein Boot mieten und ich legte eine Pause ein.

Und fuhr dann auf dieser anderen Seite zurück. Die erste Station war die Bietzener Heilquelle, sehr schön im Grünen angelegt. Kurz danach ist der Radweg auf dieser Seite unterbrochen, es geht für wenige Kilometer über die Landstraße, aber auch hier wieder auf einer Radspur. Der Weg unten an der Saar wird zur Zeit ausgebaut. Doch dann kam ich im Bereich Beckingen zum Saar Garten, und das ist etwas ganz Besonderes. Ein Garten für die ganze Familie, mit einem Kunstwerk, ganz außerordentlichen Spielgeräten und einem Bistro. Ich habe keine Fotos davon, aber im Video ist er ausführlich zu sehen. Kurz bevor es dann an der Rehlinger Schleuse wieder auf die andere Seite ein gut besuchter Biergarten.

Alles in allem hat mir diese nördliche Route nach Merzig etwas besser gefallen, vor allem auch weil es ein richtiger Rundweg war, aber beide Touren sind schön.

Da aber meine 50 km noch nicht ganz voll waren fuhr ich noch nach Saarlouis und war überrascht. Es ist eine schöne Stadt, hat nur 37.000 Einwohner, aber eine ausgedehnte Altstadt mit vielen Lokalen und auch eine große Festungsanlage. Hier könnte ich wohnen. Nur das kulinarische Angebot, wenn auch reichlich, war nicht so meins. Weißenburg ist eher meine Stadt.

Saarland 2 – von Saarlouis nach Saarbrücken

Auch der zweite Tag war regnerisch, aber egal, Regenjacke an und los. Ich suchte mir einen Parkplatz südlich von Saarlouis. Kann sagen, dass ich an den meisten Tagen eine Anfahrt von etwa 10 – 15 km zu einem Parkplatz hatte, das geht ja noch.

Muss offen gestehen, dass ich nicht sehr viel über das Saarland weiß und daher sehr erstaunt war, als ich bei Völklingen eine riesige rostige Industrielandschaft sah. Ziemlich heruntergekommen in meinen Augen. Ich hielt an und fragte einen Vorbeikommenden. Hatte damit auch gleich den richtigen Mann gefunden, denn er hat mir ausführlich erklärt, dass die Völklinger Hütte ein von der UNESCO geschütztes Weltkulturerbe ist. Völklingen sei früher die reichste Stadt des Saarlandes gewesen, aber die Leute hätten ihre Wäsche nur am Sonntag waschen und zum Trocknen raushängen können, da an den Werktagen die Hochöfen so viel Schmutz in die Luft gepustet haben.

https://voelklinger-huette.org/

Auch dieser Radweg ist wunderbar geteert und führt meist direkt an der Saar entlang. Besondere Vorkommnisse gab es nicht, bis ich dann bei Saarbrücken Studenten traf, die eine Unterführung neu mit Graffitis verzierten. Von dort nahm ich die Brücke in die Innenstadt und schaute mich ein wenig in der Fußgängerzone um. Leider fuhr ich auf der gleichen Seite wieder zurück nach Saarlouis, obwohl es zumindest für einige Zeit auch auf der anderen Seite einen Radweg gegeben hätte.

Saarland 1 – Bliestal

Ich mache gerne kleine Touren mit dem Rad. Nicht über Nacht, jeweils so bis 50 – 55 km. Aber in meiner Umgebung habe ich alles abgefahren, und immer nur die gleichen Wege zu fahren ist langweilig.

Gleichzeitig fahre ich nicht allzu gerne Auto. Auf meiner jährlichen Marokkoreise kommen so um die 12 – 15.000 km zusammen, das reicht mir. Da möchte ich zuhause keine langen Strecken fahren. Aber neue Radwege müssen her. Also habe ich in den letzten Jahren Pfalz und Elsass bereist, jeweils ein Hotel für einige Tage und dann die Wege der Umgebung erkundet. Elsass ist natürlich mein Lieblingsziel wegen der kulinarischen Seite. Aber dort kenne ich in dem Bereich, der in einer Entfernung von 200 km von meinem Heim liegt, auch schon alles.

Etwas neues muss her. Und als alte Floridafahrerin liebe ich weitgehend ebene Wege, Steigungen auf Zweitausender müssen nicht sein. Da kommt mir das Saarland in den Blick. Es gibt doch den Saarradweg! Das ist es. Die erste Herausforderung ist es, ein passendes Hotel zu finden. Am liebsten hätte ich zwei unterschiedliche gehabt, um meine Wege auszudehnen. Aber das war das Problem. Ich habe ja so einige Vorbedingungen, zum Beispiel soll man gut und kostenlos parken können, da kommt ein Stadthotel wie in Saarbrücken nicht infrage.

Hotel Scheidberg

Nach langem Suchen entschied ich mich für ein Hotel bei Saarlouis, Hotel Scheidberg, und fand auch kein anderes. Es erfüllt nicht alle Kriterien, liegt zum Beispiel nicht direkt an einem Radweg, sondern sogar auf einem Hügel mit einer steilen Auffahrt ohne Radspur. Das gäbe Ärger mit den Autofahrern. Aber viele andere Anforderungen wurden erfüllt und so buchte ich über

https://www.kurz-mal-weg.de

ein recht günstiges Paket für 6 Tage. Ich habe ein schönes Zimmer und mein eBike steht in der abgeschlossenen Garage, wo es auch geladen werden kann. Im Zimmer habe ich ein komplettes Home-Office aufgebaut, da ich ja nicht nur über meine Touren berichten will, sondern nebenbei auch noch etwaige Bestellungen von Büchern erledigen muss. Nach einer schönen Radtour kann ich dann am Abend in der Sauna entspannen.

 

Schon auf der Anfahrt habe ich mir aber einen Radweg gesucht, um die Anfahrt etwas kurzweiliger zu gestalten und auch, um nicht vor dem Checkin im Hotel zu sein.

Bliestal-Radweg

Ich verlies die Autobahn also etwa 50 km vor dem Ziel und fuhr nach Blieskastel. Lustig, die Orte, die an diesem kleinen Bach liegen, beginnen eigentlich alle mit Blies. Über mir ein Himmel mit ziemlich dunklen Wolken, es wird doch nicht …. . Der Radweg ist exzellent, so etwas wünsche ich mir in Taunusstein. Die offiziellen Stellen können sich wohl über die Länge der Strecke nicht so richtig einigen, ich jedenfalls fuhr von Blieskastel nach Süden etwa 25 km bis Bliesbruck in Frankreich, das gleiche wieder zurück.

Ab und zu nieselte es, aber nicht genug, um zu stoppen und Schutz zu suchen. Ein wirklich schöner Radweg in gutem Zustand, es gibt Sitzgelegenheiten, Werkzeug und viele Einkehrmöglichkeiten. Hallo, meine Taunus-Bürgermeister, so etwas entlang der Aar, das wäre ein Traum.

Ein Schild am Weg erregte meine Aufmerksamkeit. Beim Durchfahren sah es so aus, als wäre hier eine Bushaltestelle. Das kann ja nicht sein auf dem schmalen Weg, also stoppte ich. Tatsächlich war es ein Treffpunkt für Grundschulkinder, die sich hier am Morgen treffen und zusammen mit dem Rad zur Schule fahren. Finde ich super. Die Kinder bewegen sich sportlich in geschützter Umgebung und lerne auch schon Selbstverantwortung. Wenn ich da an Florida denke, wo selbst an der High School so lange Schlangen vor und nach der Schule stehen, von Eltern, die die Kinder abholen, dass sogar die Polizei den Verkehr regeln muss.

Fazit: dieser Abstecher war auf jeden Fall lohnenswert. Hier das Video der Tour, aber sorry, schlechte Qualität wegen dem Regen:

AAA

American Airline Adventure. Nun sollte ich im kalten Taunusstein sitzen und meine vielen Koffer mit den Goodwill-Schätzen auspacken, stattdessen sitze ich in einem Hotel in Charlotte. Der Aufbruch gestern war einfach wunderbar. Freunde brachten mich zum Flughafen von Daytona Beach, den ich sehr liebe. Parkte direkt vor dem Eingang, von dort 5 Meter bis zum Check-in mit meinen 3 Koffern, kein Mensch vor mir, dann gemütlich im Foyer solange sitzen, bis es Zeit wird, durch die Sicherheitskontrolle, auch hier niemand vor mir und am Gate wird angezeigt Boarding in 5 Minuten. Kann man noch entspannter einchecken?

Charlotte

Umsteigen in Charlotte. Auch hier sehr entspannt, keine Hetze, wenn auch ungleich mehr Menschen. Noch 1 1/2 Stunden bis zum Boarding. 5 Minuten vorher heißt es, ist noch Maintenance an Bord, Boarding dauert noch etwas. Aber schon weitere 5 Minuten später konnten wir doch einsteigen. War sehr zufrieden mit meinem Platz, viel Beinfreiheit.

Wir warten. Der Pilot sagt etwas durch, muss noch etwas repariert werden, ein Ingenieur muss das dann prüfen und abzeichnen. Wir warten. Und warten. Nichts zu essen und trinken, aber ich frage nach einm Orangensaft und bekomme ihn. Durchsage. Alle müssen den Flieger verlassen und zum Nachbar-Gate gehen, dort steht ein neues Flugzeug bereit.

Abflug natürlich um 2 Stunden verschoben. Oh weh, meine Schwiegertochter holt mich gerne morgens um 7 am Flughafen ab, aber später wird es schwierig, sie muss arbeiten.

Abflug um weitere 2 Stunden verschoben. Das Warten wird verkürzt durch die nette Christina, wir unterhalten uns gut. Eine neue Crew reist an. Das Personal darf eine gewisse Anzahl von Arbeitsstunden nicht überschreiten und deshalb darf die bisherige Crew nicht mehr auf diesen Langstreckenflug gehen. Abflug weiter verschoben. Auch hier wird das Flugzeug auf seine Sicherheit geprüft und der Prüfer ist ganz offensichtlich nicht zufrieden. Was für einen Schrottpark haben die denn hier, man könnte meinen, es ist die deutsche Bundesflotte. Charlotte ist immerhin die Basis für American Airlines. Die müssten doch in der Lage sein, ein flugfähiges Gerät zur Verfügung zu stellen.

Langsam fangen wir aber auch an zu murren. Der ganze Tag ist vertan und zu essen haben wir schließlich auch nichts bekommen. Also fragen wir am Schalter nach und bekommen einen Voucher über 12 $. Habt ihr schon einmal in einem Flughafen-Terminal, vor allem in USA, etwas zu essen für 12 $ bekommen? Ich bin natürlich geizig und nicht bereit, etwas vom eigenen Geld draufzulegen. Bei Starbucks kostet eine Latte 7,75, ein Plätzchen, die berühmten Cookies, 5,45 $. Ein nackter Bagel, ohne Belag, 4,45 $ Da bekomme ich bei Aldi zwei Beutel mit 12 Stück dafür.  Es ist nicht Geiz, ich bringe es einfach nicht fertig, ein Cookie für 5,45 zu kaufen und zu essen, auch auf Gutschein, da sträubt sich etwas ganz tief in mir. Ein Sandwich würde über 20 $ kosten. Christina kauft ein Getränk, ich nichts. Wir gehen zum Schalter zurück.

Große Unruhe. Auch das zweite Flugzeug ist nicht flugbereit. Über die App bekommen wir die Aufforderung, uns ein Hotel auszusuchen. Christina übernimmt das, denn sie ist Vielfliegerin und so etwas ist ihr schon oft passiert. Wir buchen das gleiche Hotel, sie weiß wo der Shuttle abfährt und gegen 21 Uhr sind wir dann im Hotel. Nein, Luxus wie bei der Lufthansa stellt uns American Airlines nicht zur Verfügung, es geht ins Comfort Inn. Habe zwar den ganzen Tag außer ein paar Nüsschen nichts gegessen, aber auch keinen Hunger. Aber in der Nähe ist ein Chili`s, da bekomme ich doch wenigstens eine Margerita zum Abschluss.

Byebye Eagles

Morgen geht es zurück nach Deutschland, das heißt noch viel Arbeit, Koffer packen, umpacken, neu packen. Haus absichern für die Hurricane Season. Alles muss rein, nichts darf rumfliegen. Auto gut verpacken. Puh. Aber da bleibt doch noch eine kurze Minute. Da wäre doch noch Zeit für eine letzte Margarita im Eagles.

Es ist ruhig so früh am Montag, nur ein paar sitzen an der Bar und wie üblich spielt Gene Smith auf seiner Gitarre. Er plaudert viel lieber mit uns als viel spielen, begrüßt mich nett, als ich rein komme. Ich sage ihm, dass dies mein letzter Besuch ist, morgen geht es heim, und ob er mir noch einmal mein Lieblingslied spielt. Aber klar doch, er freut sich immer, wenn er für jemand spielen kann.

An der Bar sitzt eine Dame, die ich zwar schon oft gesehen habe, aber noch nie gesprochen. Monique. Wir unterhalten uns sehr anregend, Gene kommt dazu. Hab ich schon gesagt, dass er lieber plaudert? Er sagt so am Rande, dass Monique gut singen kann. Monique, sing für uns. Es kostet ein wenig Überredung, aber dann singt sie.

So ein wunderbarer Abschluss meiner Zeit in Florida. Habe ich schon gesagt, wie sehr ich das Eagles vermissen werde?

Kentucky Derby Party

Das Kentucky Derby ist wohl die größte Reitsport Veranstaltung in USA. Und alle Pferdeliebhaber, die nicht dorthin reisen können, machen eben zuhause eine Party und lassen die Veranstaltung über die Bildschirme laufen. Und da macht natürlich auch unser Eagles keine Ausnahme. Sonntag 15 Uhr waren alle da zur großen Party, natürlich entsprechend gekleidet, die Damen mit Hut, die Herren mit Krawatte. Auf den Zylinder haben sie verzichtet. Ich hatte ja schon Judy kennengelernt, sie kam mit allen Damen ihrer Community.

Sie wohnt in Crane Lakes, eine der vielen „Gated Communities“ in Florida. So etwas gibt es bei uns nicht. Ein komplettes Wohnviertel, mal von einem Bauherren errichtet, mit Golfplatz, Schwimmbad, Fitness, alles was man so zum Leben braucht. Und ein Gate, das nicht jeden durchlässt, im waffenliebenden Amerika wohl keine schlechte Idee. Man hat dort ein Haus, das man natürlich selbst gebaut oder gekauft hat, doch zahlt man eine monatliche Gebühr für all die Annehmlichkeiten, dazu gehört dann auch das Rasenmähen. Jeder darf einen kleinen Vorgarten selbst bearbeiten, aber es gibt strenge Vorschriften, was man pflanzen darf. Alles wird bestimmt von der HOA, auch wie das Haus außen aussehen darf. Und das kostet dann 1.000 $ monatlich. Aber die lustigen Damen habens. Sie pflegen ein nettes gesellschaftliches Leben, treffen sich regelmäßig zum Kartensielen, oder nun eben zur Derby Party. Und ich, die armselige Trailerbewohnerin, wurde gnädig aufgenommen. Nein, sorry, wenn es auch wahr ist, dass man eher auf Trailerbewohner herunter schaut, so sind die Damen doch sehr lieb zu mir und ich soll sie unbedingt im Herbst mal besuchen.

Es gab den traditionellen Mint Julep zu trinken, was ich natürlich mal probieren musste. Ein wichtiger Bestandteil ist der Kentucky Bourbon. Ja, schmeckt gut, aber mein Margarita ist mir lieber. Neulich kam ich an die Bar, die Bardame sagte zu mir: Margarita? Und der Herr daneben sagte, ah, das ist Ihr Name.

Der Höhepunkt war dann der Hat Contest, es galt den schönsten Hut zu wählen. Zunächst marschierten die Hutdamen durch den Raum, damit jeder einen guten Blick haben konnte. Dann gewann natürlich die Dame mit dem aufgeblasenen Pferd auf dem Hut, aber der zweite Platz war doch eine Überraschung für mich. Denn eigentlich hatte die Dame gar keinen Hut auf. Erst danach fiel mir auf, warum sie gewann. Sie war wie ein Jockey gekleidet.

Dann waren wir müde, brachen auf und plötzlich fiel uns auf, dass wir noch nicht einmal dem Rennen auf dem Bildschirm zugeschaut hatten.

Goldie

Was machen eine 81jährige und eine 78-jährige am Freitagabend? In Wiesbaden vielleicht ins Theater oder zu einem Weinchen in den Rheingau, alles ganz ruhig. In Florida rockt man im Eagles durch die Nacht! Ach, ich liebe das Eagles und werde es in Deutschland sehr vermissen. Wo kann man als älterer Mensch schon hingehen zum Tanzen, und vor allem zu Rockmusik. Uns Älteren wird in Deutschland ja nur die Wahl zwischen Schlager und Volksmusik gelassen. Dabei sind wir doch in den rebellischen 1960ern aufgewachsen, meine erste LP war von den Beatles, zu meinem 18. Geburtstag.

Aber noch etwas ist anders im Eagles bzw. in USA. Das sind die Komplimente. Wildfremde Menschen machen mir ein Kompliment über meine Kleidung, sehr oft auch über meine deutsche Brille, die es so nicht in USA gibt. Hier haben alle nur das Billig-Kassen-Modell. Das tut was mit mir, es hebt meine Stimmung. Ich fühle mich gesehen, während ich in Deutschland unsichtbar bin. So richtig fing es an mit diesem Sweatshirt.

Ich hatte es in Goodwill für wenige Dollar bekommen. Machte einen kurzen Spaziergang durch das ziemlich ruhige New Smyrna und drei Menschen sprachen mich an und lobten mein Outfit. Am selben Abend ging ich ins Eagles und wurde völlig überwältigt, schon am Eingang wurde mein Shirt gelobt. Das kenne ich einfach so nicht, finde es wundervoll, auch wenn Deutsche es sofort als oberflächlich abwerten würden. Für mich bedeutete dies ab diesem Tag eine richtige Herausforderung. Da ich ja sowieso jeden Tag zu Goodwill gehe schaute ich dann nach besonders wirksamen Kleidungsstücken. Habe ganz offensichtlich ein Auge dafür, denn ab da wurde es richtig toll. Es vergeht kein Besuch im Eagles, ohne dass ich mehrmals höre: „I love your Outfit“. Und so richtig toll wurde es, als ich vor einer Woche eine schwarz-goldene Leggins fand und ein passendes Shirt dazu. Das war wirklich der vorläufige Höhepunkt und mit einer Frau, die mich ansprach, entwickelte sich ein nettes Gespräch, seitdem verabreden wir uns zum Tanzen. Eben die 81-Jährige, Judy.

Aber wenn ich es bisher schon toll fand so war es gestern doch das absolute Highlight. Man muss wissen, dass ich sehr problematische Füße habe, Hallux Valgus plus Neuropathie, dazu Größe 43. Schicke Schuhe kann ich also vergessen, brauche sehr bequeme, breite Schuhe. Und dann stand ich in Goodwill und goldene Stiefeletten strahlten mich an, in meiner Größe. Was tut man da? Man packt sie ein. Ein Stadtbummel damit wäre zwar völlig unmöglich, aber ich versuche es mit Tanzen. Packe mir vorsichtshalber ein bequemes Paar ein. Und schon geht es los. Alle schauen auf meine Schule, ich bin der Star des Abends. Thyme spielt, meine absolute Lieblingsband. Die Sängerin, auch nicht mehr die Jüngste, aber sie machen eine Wahnsinns-Musik, ist immer toll und glitzernd angezogen.

Und was macht sie in der Pause? Sie kommt an meinen Tisch and lobt mein Outfit und meine Schuhe. Ich bin sprachlos. Meine Heldin! In Deutschland schaut keiner nach mir, und hier werde ich gelobt. Ich kann es nicht fassen.

Meine neue Freundin Judy und ich lassen keinen Tanz aus, es ist ein toller Abend, und dann spricht mich noch eine Frau auf der Tanzfläche an. Jeanni heißt sie. Ich frage woher sie mich kennt, sie sagt sie hat mein Buch und folgt mir auf Facebook. Sagt zu Judy, das ist eine Berühmtheit.

Während des Tanzens spüre ich meine Füße kaum, das Adrenalin hilft. Aber sobald ich mich auf mein Rad schwinge und heim fahre kommt der Schmerz durch. Ach ja, was tut man nicht alles für die Schönheit.

Nächste Woche geht es heim nach Deutschland und zurück in die Versenkung.

Vom Eagles zu Orlando Wetlands

Nun geht es heim! Oder? Nochmal die gleiche I 4 zu fahren habe ich einfach keine Lust. Ich suche nach einer Alternative und finde ein Eagles in Kissimmee. Was ist ein Eagles? Das könnt ihr hier nachlesen:

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/the-fraternal-order-of-eagles/

Ich wurde super nett empfangen, trank ein Bier, ein zweites, zu dem ich eingeladen wurde, musste ich dankend ablehnen. Muss ja noch fahren. Aber die Eagles-Familie ist einfach immer so nett.

Doch heim wollte ich immer noch nicht, es war einfach so ein schöner Tag und wenn ich schon mal dort bin …

Also ab zu Orlando Wetlands. Diesen Park liebe ich, habe ihn auch schon öfter beschrieben und eine kurze Runde kann ich ja drehen. Wollte vor allem auch das mit meiner neuen Bikecam aufnehmen. Ich traf eine Gruppe von orientalisch aussehenden jungen Männern. Interessiert mich immer, obwohl mir klar war, aus Marokko sind sie nicht. Ich fragte nach, nein, sie waren tatsächlich aus mehreren Ländern, Gäste einer Hochzeitsfeier und wollten einfach mal ein wenig Luft schnappen. Einer konnte wenige Worte Arabisch, womit ich glänzte: ana Edith, anti? Sie wollten schon umdrehen, aber ich kenne eine Stelle, wo immer Alligatoren sind. Und da sie noch nie einen getroffen hatten, führte ich sie hin. Sie waren begeistert. Hatten eigentlich Angst, aber ich erklärte, keine Sorge, sind meine Freunde.

Wenn ihr aber nun denkt, der Tag wäre vorbei, so irrt ihr euch. Denn ich kannte noch einen Trail, der auf dem Heimweg liegt und den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Weiter zum Flagler Trail.

Flagler Trail

Auch dieser Trail ist in meinem Buch beschrieben, aber es ist kein bequem asphaltierter Multi-Use-Trail, sondern eher ein Offroad Abenteuer. Der komplette Trail ist 15 Meilen lang und mehr zum Wandern geeignet. Ich schaute mir diesmal nur den südlichen Teil an, aber im Buch ist der komplette Trail beschrieben. Die Bücher findet ihr hier:

https://bikecentralflorida.com/

Der Flagler Trail verläuft entlang einer stillgelegten Eisenbahnstrecke, die als „Okeechobee Branch“ der Florida East Coast Railway oder Flagler Railway bekannt war und später als State Road 13 bezeichnet wurde. Der Korridor wurde jedoch nie als Straße genutzt, und die Eisenbahnstrecke wurde schließlich in den 1950er Jahren stillgelegt. Die Wegerechte wurden 1984 vom Seminole County vom Verkehrsministerium von Florida erworben und sind für die öffentliche Nutzung reserviert. Der Weg ist für Fußgänger, Reiter und alle Fahrräder zugänglich, die mit dem unebenen Untergrund zurechtkommen. Der wilde und abgelegene Weg führt durch das ländliche Seminole County, ist unbefestigt und dicht bewaldet, während der gerade Pfad der Trasse der ehemaligen Eisenbahnschienen zwischen den kleinen Ortschaften Geneva und Chuluota folgt. Er wird durch ein privates Wohngebiet in Geneva in einen nördlichen und einen südlichen Teil geteilt, gefolgt von einem historischen Abschnitt.

Wer es irgendwie schafft, mit seinem Rad diesen unwirtlichen Weg zu meistern, wird durch eine wunderbare Natur entschädigt. Hier nur einige Fotos vom südlichen Teil, zwar hatte ich die Bikecam eingeschaltet, aber irgendwie hat es nicht geklappt.

Ja, und dann ging es doch wieder nach Hause. So ein wunderbares Wochenende, und so ungeplant. Ich will nicht zurück nach Deutschland!!!