2. Nachsorgetermin

Vor dem Termin graute es mir, gleichzeitig konnte ich kaum erwarten, zu sehen, wie sich mein Fuß entwickelt hat. Wird sie wieder mit mir schimpfen? Wir setzten uns wieder an die Rezeption, dann gingen wir aber lieber ins Wartezimmer, um so die Strecke zu verkürzen, die die Ärztin mich auf Krücken sehen würde. Der Plan ging auf, denn sie rief nur kurz von der Rezeption, gehen Sie ruhig schon mal ins Untersuchungszimmer, und ich gelangte zu meinem Platz, ohne dass sie mich auf Krücken humpeln sah. Erster Punkt geschafft.

Der Fuß wurde ausgepackt und schon rief sie, sehen Sie wie schön der heute ist? Nicht mehr geschwollen! Ihr war wohl bewusst, wie sehr sie mich beim letzten Mal ausgeschimpft hatte, meinte aber, sie müsse streng sein, damit die Patienten sich an die Anweisungen halten. Naja, ich könnte mir auch eine andere Methode vorstellen. Jedenfalls war die Heilung so weit fortgeschritten, dass sie die Fäden ziehen konnte und ich auch keinen Verband mehr brauchte. Die Zehen wurden mit Tape gerichtet und dann einfach der Vacopedes darüber angezogen. Aber als ich aus dem Zimmer humpelte, kam trotz aller heutigen Freundlichkeit doch wieder ein Dämpfer: Sie treten ja doch auf! Nein, hab ich nicht!

Der Plan ist, dass ich nun erst in zwei Wochen einen Termin habe, bis dahin weiterhin den Fuß hoch lege und kühle, keine Spaziergänge zu Briefkästen mache und möglichst auch nicht mein Bett. Dann könnte, wenn alles nach Plan verheilt, ich die Krücken vergessen und auf meinen zwei Beinen laufen, natürlich mit Vacopedes.

Später telefonierte ich mit einer Bekannten, die vor wenigen Jahren eine vergleichbare OP durchgemacht hat. Aber ihre Methode war eine ganz andere. Sie durfte die ersten 6 Wochen gar nicht auftreten, bekam Rollstuhl und Toilettenstuhl, aber auch eine Putzhilfe. So überlege ich, mit dem nächsten Bein doch wieder zu Frau Dr. Schröder zu gehen oder mich zumindest vor einer OP genau über den Plan danach zu informieren.

Mobi-Roll

Meine OP hing ja schon lange wie ein Damokles-Schwert über mir und so war ich besonders aufmerksam, als ich eine Bekannte in USA erlebte, die trotz einer Fuß-OP auf einem Knieroller nur so durch die Lande brauste. Auf unserem Fahrrad-Event gehörte sie zu den Helfern und ließ sich nicht abhalten, voll dabei zu sein. Sie sagte mir, dass sie das Teil bei Amazon für recht wenig Geld gekauft hatte.

Es war natürlich klar, dass auch ich so etwas wollte. Das deutsche Amazon zeigte mir aber recht wenig Angebote dazu und schnell merkte ich, dass ein Knieroller in Deutschland noch ziemlich ungewöhnlich ist, daher auch viel teurer. Meine Ärztin schrieb mir ein Rezept für einen Orthoscooter zur Miete. Mein Sohn fand dann im Netz noch den Mobil-Roll. Den gibt es in verschiedenen Ausführungen, auch als Mietobjekt wie den Orthoscooter und offiziell als Medizin Hilfsmittel unter der MDR.-Nr. 22.50.02.0002 gemäß Medizinprodukteverordnung (EU) 2017/745 (MDR) zugelassen.

https://www.mobi-roll.de/

Ein endloser Dialog mit der Hallesche, meiner privaten Krankenkasse, begann. Da ich das Teil noch vor dem Krankenhausaufenthalt benötigte und eine Entscheidung der Hallesche nicht eintraf, beschloss ich, den von Mobi-Roll selbst zu kaufen, eine Investition von immerhin etwa 400 Euro. Da ich immer noch unsicher war, welches Modell, rief ich bei der Firma an und hatte ein wirklich nettes Gespräch mit Herrn Göbel, dem Inhaber. Er versprach mir die Auflage kostenlos dazu zu geben. Die medizinisch zugelassene Version gibt es nur als Mietobjekt und ich entschied mich als passionierte Fahrrad-Fahrerin für die Version Sitzroller, mit einem Fahrradsattel und vorne einer Auflage für das verletzte Bein. Schon im Krankenhaus erreichte mich dann der Bescheid der Halleschen, dass ein Knieroller grundsätzlich abgelehnt wird.

Inzwischen war der Sitzroller eingetroffen, mein Sohn baute ihn zusammen und monierte, dass man ihn nicht zum Knieroller umbauen konnte. Ich hatte Herrn Göbel ja so verstanden, dass dies möglich sei. Auf meine schriftliche Anfrage danach kam nur eine ziemlich kurze Email, dass ich ja alle Zubehörteile bestellen könnte und auf eine Erwiderung meinerseits kam nichts mehr. Die Nettigkeit war verschwunden.

Nach der OP im Krankenhaus bestieg ich dann den Sitzroller und war zunächst zufrieden. Ich konnte recht gut über den Gang rollen und auch das Krankenhauspersonal war begeistert, sie hatten so etwas noch nicht gesehen. Aber schon am nächsten Tag war die Begeisterung vorbei. Wenn ich korrekt das Bein auflege, entsteht eine so unnatürliche Haltung, dass mir sowohl das Bein als auch der Po weh tut, und das obwohl ich wirklich viel Fahrrad fahre, sogar am Tag vor der OP 60 km. Aber mit dem unnatürlichen Hochlegen des Beines entsteht eine völlig andere Sitzposition und deshalb tat mir eben der Po weh, da genau diese Polster sonst nicht benutzt werden.

Es war schwierig, echt schwierig. Zuhause benutzte ich den Scooter weiter, Herr Göbel hatte ja auf seinen geringen Wendekreis hingewiesen und das ist auch in der Tat so. Worauf aber nicht hingewiesen wurde, ist, dass beim scharfen Einschlagen des Lenkers der Scooter zum Umfallen neigt. Ich kann es kaum noch zählen, wie oft ich seitdem umgefallen bin, natürlich immer nur in Zeitlupe, und ich habe das verletzte Bein mit seinem Vacopedes immer instinktiv hochgehalten, so dass dem Fuß nichts passiert ist, aber das andere Bein voller blauer Flecken ist.

Schnell merkte ich, dass ich auf die vorgesehene Weise mit dem Scooter nicht zurechtkomme, ich das Bein nicht vorne auflegen kann, weil es einfach zu unbequem ist. Auch stört die Auflage, wenn ich um die Kurven fahre. Also montierte ich diese ab, sitze nun in einer ganz anderen Position, fast schon wie im Reiter-Damensattel, und lasse das Bein runter hängen. Nur damit habe ich erreicht, dass ich den Scooter weiter benutzen kann und ihn doch nicht in die Ecke gestellt habe, wie meine Ärztin forderte, als sie vom Umfallen hörte. Denn, um ehrlich zu sein, die Fortbewegung ist eben doch einfacher als mit Krücken. So schade, dass ich den Knieroller nicht ausprobieren kann, aber ich bin nicht bereit, noch mehr Geld in das Projekt zu stecken. Der Sitzroller indes bräuchte noch ein paar Verbesserungen.

Meine Hallux Valgus OP

Bestimmt 10 Jahre hing diese OP wie eine drohende Wolke über mir, ich hatte einfach Angst davor, so lange zur Bewegungsunfähigkeit verdammt zu sein, 3 Monate immobil hatte mir der Orthopäde gesagt. Aber die Probleme wurden immer größer, die Zehen hatten bereits eine erhebliche Fehlstellung und so war es klar, die OP wird in diesem Jahr erfolgen. Ich entschied mich für die Privatklinik Lilium in Wiesbaden-Nordenstadt, wo eine anerkannte Fußspezialistin tätig sei.

Der erste Besuch war etwas seltsam, die Ärztin sehr kurz angebunden, aber ich vertraute auf ihre Fachkompetenz und am 27.5. fand die Operation statt. Von der Klinik war ich sofort begeistert. Nur 10 Zimmer für insgesamt 12 Personen, eher Hotelatmosphäre als Krankenzimmer, mit Minibar, Fernseher und einer Auswahl an Pflegeprodukten im Bad. Das Personal sehr jung und nett. Ich fühlte mich rundum wohl. Die Mahlzeiten kann man sich aus einer Karte aussuchen und auch die Uhrzeit selbst bestimmen, alles war sehr schmackhaft mit Croissant und Latte Macciato zum Frühstück.

So gegen 14 Uhr wurde ich in den OP-Saal gerollt, man trug mir auf, von Florida zu träumen, klappte aber nicht, denn beim Aufwachen war ich tief in Marokko versunken, wo ich ja auch gerade ein paar Tage zuvor war. Um 17.30 Uhr war ich wieder wach in meinem Zimmer, bekam aber leider nur eine Scheibe Brot zu essen, am OP Tag gibt es nicht mehr.

Am nächsten Morgen, nach meinem leckeren Frühstück, kam die Physiotherapeutin und zeigte mir, wie ich mich auf den Krücken fortbewegen soll. Ich soll den Fuß so zart aufsetzen, dass ein rohes Ei nicht kaputt ginge, ihn dann aber abrollen. Mein Fuß steckt in einem sogenannten Vacopedes, den ich nun Tag und Nacht tragen muss. Es wurde auch nicht nur der große Zeh mit dem Ballen bearbeitet, sondern alle Zehen minimal invasiv angesägt und gerade gerichtet. Auch das Treppensteigen lernte ich. Dann kam noch ein weiterer Physiotherapeut für die Lymphdrainage. Meine Chirurgin kam auch auf eine kurze Visite und wechselte den Verband, es war noch alles blutig.

Das Mittagessen war sehr lecker, mit einem Stück Kuchen und einem Latte als Nachtisch, ich konnte mich nicht beschweren.

Am nächsten Tag der gleiche Ablauf mit Physio und Lymphdrainage sowie kurzer Visite. Und am dritten Tag wurde ich dann entlassen und von einem netten Taxifahrer abgeholt und bis zur Wohnung gebracht, ich muss dazu 25 Stufen steigen, dachte aber, das kann ich, habe es ja gelernt.

Erste Woche zuhause

Am nächsten Morgen war die Herausforderung, mein Frühstück zu bereiten. Auf Krücken ist das nicht so leicht. Habe zwar auch noch einen Mobi-Roll, aber zu dem Thema komme ich später. Von der sonst so einfachen Aufgabe, Kaffee und Ei kochen, alle Sachen aus dem Kühlschrank auf den Tisch, essen, dann alles wieder abräumen und verstauen, wurde eine Wahnsinnsanstrengung, die mich dann erstmal wieder zurück auf meine Couch geworfen hat, wo ich mich gut eine Stunde ausruhen musste, bevor ich es dann schaffte, ins Bad zu gehen und auch mein Bett notdürftig zu machen. Das Mittagessen war nicht so schlimm, ich habe gut vorgesorgt und brauche nicht viel zu kochen.

Den Nachmittag blieb ich weitgehend auf der Couch sitzen und legte meinen Fuß hoch. Später telefonierte ich mit einer älteren Bekannten, die mir prompt erzählte, was sie nach einem Beinbruch so alles auf Krücken geschafft hatte. Das wurmte mich, ich dachte, ich muss mich am Riemen reißen und stapfte auf meinen Krücken die 16 Stufen hinunter zum Briefkasten. Am nächsten Tag kam ein Bekannter und erzählte fröhlich, dass er gerade im Supermarkt war, wo ein einbeiniger Mann auf Krücken fröhlich herumgesprungen ist, um seinen Einkauf zu machen.

Ja, auch am nächsten Tag ging es wieder zum Briefkasten und Youtube zeigte mir eine Stuhlgymnastik.

1. Nachsorgetermin

Eine Woche nach OP war dann der erste Nachsorgetermin bei der Chirurgin. Meine Schwiegertochter holte mich ab, ich zeigte ihr stolz, wie ich meine 25 Stufen bis zur Straße so an Krücken schaffe, ihr erinnert euch an das rohe Ei, und ich dachte, ich habe es gut gemacht. Will ja schließlich auch so schnell wie möglich wieder gesund und mobil sein. Wir setzten uns auf die Stühle an der Rezeption, die Ärztin kam, um uns abzuholen und schimpfte unvermittelt los. Ich soll doch nicht auftreten! Um Gottes willen, so geht es nicht. Die junge, schlanke Frau zeigte mir leichtfüßig, wie ich so über dem Boden schweben sollte.

Dann kam der Verband ab und das Schimpfen ging weiter. Wie sieht das denn aus, der Fuß ist ja ganz geschwollen, da haben Sie sich nicht an die Vorgaben gehalten. Vorgaben? So richtig habe ich dazu nichts bekommen. Sie selbst war ja immer nur kurz bei mir. Die Krankenschwester, ja, die sagte mir, ich soll immer mal kühlen. Ich gebe es zu, das habe ich nicht gemacht. Der Grund dafür war, in 3 Tagen Krankenhaus hatte man nur einmal gekühlt und die Kälte drang durch den dicken Verband auch nicht durch. Da dachte ich, das ist nicht wichtig.

Sie schimpfte dermaßen mit mir und meinte, erst heute sei eine andere Patientin bei ihr gewesen, deren Fuß viel besser ausgesehen habe. Und überhaupt würden von 100 ihrer Patienten sich 98 brav an die Anweisungen halten und gut erholen, nur zwei tun das nicht und hätten unsinnige Argumente dafür, und ich gehöre zu den zweien.

Ich war völlig fertig, versuchte, meine Tränen zu verbergen. Man darf nicht vergessen, ich bin ja nicht fit und in meinem Alltag, sondern schon etwas verletzlich durch eine OP. Sie schimpfte ununterbrochen mit mir, Bett machen geht gar nicht in den nächsten vier Wochen, alles was ich sagte und tat, war falsch und irgendwann machte ich überhaupt nicht mehr den Mund auf. Hat ja doch keinen Zweck. Als wir aus der Praxis kamen, sagte meine Schwiegertochter spontan zu mir: Die hat ja überhaupt keine Empathie!

Ich las mir noch einmal meinen Entlassungsbericht durch und dort stand:

Weitere Mobilisation an Unterarmgehstützen mit 20 kg für zunächst 4 Wochen …

Seitdem grübele ich darüber nach, wieviel genau diese 20 kg an meinem Fuß sind. Und denke, dass ich doch eigentlich genau so in das Arztzimmer gehumpelt bin.

Private Krankenversicherung

Oft äußert man sich abfällig darüber, dass ich privat krankenversichert bin. Oft auch neiderfüllt, weil man da ja angeblich so viel besser von den Ärzten behandelt wird. Deshalb möchte ich euch heute mal schildern, wie es dazu kam.

Ich war Angestellte im Öffentlichen Dienst, auf der mittleren Ebene, und hatte eines Tages die Einkommensgrenze erreicht, ab der man sich privat krankenversichern kann. Ich war knapp 40 Jahre alt. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, an meiner gesetzlichen Versicherung irgendetwas zu ändern, aber eine Kollegin überredete mich. Und so ließen wir zusammen einen Vertreter kommen, der uns von den Vorteilen überzeugte, die vor allem darin bestanden, dass der Beitrag erheblich niedriger war, als der bisherige in der gesetzlichen Versicherung.

Für ein paar Jahre war ich zufrieden, meine Ärzte glücklich, und hin und wieder bekam ich tatsächlich eine Sonderbehandlung, indem ich schneller einen Termin bekam oder im Wartezimmer kürzer warten musste. Einmal war ich im Krankenhaus und bekam Chefarztbehandlung und trotz Zweibettzimmer-Tarif ein Einzelzimmer.

Doch dann kamen jedes Jahr erhebliche Erhöhungen und als ich endlich kapierte, dass ich einen Fehler begangen hatte, und mit der gesetzlichen Versicherung wesentlich besser gefahren wäre, war ich über 55 Jahre alt und konnte an meiner Versicherung nichts ändern. Und die Ironie des Schicksals bestand darin, dass meine Kollegin, die mich dazu überredet hatte, kurz nach dem Abschluss ihrer Versicherung an Depressionen erkrankte und aus der Privaten geworfen wurde, weil sie angeblich Vorerkrankungen verschwiegen hatte. Nur unter Schwierigkeiten kam sie in die Gesetzliche zurück und ist heute wesentlich besser dran als ich.

Ich zahle inzwischen knapp 1.000 Euro jeden Monat und bekomme von der Rentenversicherung nur 200 Euro Zuschuss. Die verbleibenden 800 Euro tun mir weh und es wird jedes Jahr teurer.

Nun hatte ich eine OP am Fuß und darf die ersten vier Wochen den Fuß nicht belasten. Meine Versicherung, die Hallesche, zahlt mir zwar das nette private Krankenhaus, aber sonst fast nichts. Musste noch nicht mal die Gehhilfen bezahlen, weil ich noch welche hatte. Alle sonstigen Hilfsmittel haben sie abgelehnt. Meine gesetzlich versicherte Nachbarin mit gebrochener Schulter bekam jeden Morgen eine Helferin fürs Waschen und einmal die Woche eine Putzhilfe, die durch die Wohnung sauste und alles blitzsauber hinterließ. Und eine Bekannte mit gleicher OP bekam Putzhilfe und Rollstuhl.

Ich: NICHTS! Danke Hallesche.

Danialand

Die Kasbah auf der Bergspitze ist alles, was vom alten Agadir nach dem verheerenden Erdbeben 1960 zurück blieb. Und wenn ich schon in Agadir bin muss ich natürlich auch die neueste Attraktion testen, die Seilbahn hinauf zur Kasbah. Die Abfahrtsstation ist in der Nähe der Marina. Es gibt große Parkplätze zu 8 DH die Stunde, was für Agadir sehr teuer ist. Die Parkplätze in Strandnähe kosten 2 DH am Tag, 3 DH in der Nacht. Fürs Parken, nicht pro Stunde. Und es geht weiter so, die Seilbahn kostet für Einheimische 95 DH, für Ausländer 120 DH. Grundsätzlich finde ich den Unterschied in Ordnung, Marokkaner verdienen einfach weniger als Touristen, aber insgesamt finde ich den Preis sehr hoch, zudem oben auf dem Berg noch einmal 90 DH gezahlt werden müssen, wenn man in die Kasbah möchte. Aber immerhin sorgt dieses Projekt für viele Arbeitsplätze, so viel Personal habe ich selten gesehen. Ich war kurz auf der Toilette, dort wird nach jedem Besucher durchgewischt. Auch die Gondeln wurden nach jeder Fahrt desinfiziert. Hier sitzt die Pandemie wohl noch in den Knochen.

Der Besuch der Kasbah ist aber nicht nötig, wenn man einfach nur die Aussicht genießen will. Und die ist toll. Schon während der Fahrt öffnet sich ein herrlicher Ausblick über die weite Bucht von Agadir, hier sollte man einen guten Fotoapparat nicht vergessen (so wie ich). Die üblichen Kamele stehen bereit für ein Foto, aber allein die Aussicht ist mir schon genug. Ich war recht früh am Morgen, aber am Wochenende und nachmittags kann es hier ganz schön voll sein. Ob teuer oder nicht, auch die Einheimischen wissen die Seilbahn zu schätzen.

Aber das ist noch nicht alles. Danialand ist ein umfangreiches Projekt, wobei die Seilbahn nur der erste Schritt ist. Auf dem Nachbarberg ist ein enormer Wasserpark kurz vor der Eröffnung, in der Abfahrtshalle konnte man ein Video davon sehen. Es wird ganz sicher eine gut besuchte Attraktion werden. Daneben wird es Restaurants in zwei großen Flugzeugen geben, auch das etwas Einmaliges. Ich konnte von der Straße aus einen Blick auf die Flugzeuge werfen. Wenn ich das nächste Mal nach Marokko komme muss ich das unbedingt erforschen.

Als dritten Schritt wird es einen Campingplatz geben, aber dazu habe ich noch keine Informationen. Es scheint noch etwas zu dauern.

Gite Forest Kasbah

Meine Woche in Agadir wird intensiv genutzt. Es gibt noch eine weitere Campingmöglichkeit, die zwar schon in meinem Buch aufgeführt ist, die ich aber noch nicht verifiziert habe. Im CF steht Kasbah Timsal, und das ist bereits das erste, was nicht so genau stimmt. Deshalb stand ich zwar korrekt davor, die GPS Punkte stimmen, aber am Haus stand Gite Forest Kasbah und ich war irritiert. Wollte anrufen, aber meine INWI-Karte hatte keinen Empfang. Später hörte ich, dass in dieser Bergregion nur Maroc Telecom funktioniert.

Die Anfahrt geht über eine schmale Bergstraße, ist von normalen Wohnmobilen zu schaffen. Wichtig ist es, in Amalou rechts ab zu biegen, weil man sonst auf einer Piste landet. Das hatte mir zwar Isabel am Telefon gesagt, aber ich landete trotzdem auf der Piste. Holprig, aber ging. Ich hatte mich bei Jean-Marc angekündigt und so öffnete er mir auf mein Klingeln sogleich das Tor und ich konnte in seine Garage fahren.

Auch heute hatte ich einen großen Geschichtenerzähler erwischt, weder kam ich groß zu Wort, noch konnte ich fotografieren. Er nahm mir mein Handy aus der Hand und zeigte mir, wo ich mich hinstellen soll, damit er mich dann fotografieren kann. Oje, ich stelle mir nur meinen Campingführer vor, wenn auf jeder Seite ein Bild von mir ist.

Die Gite bietet nicht nur etwa 6 Stellplätze mit Stromanschluss an, im Haupthaus sind auch drei sehr schön und komfortabel eingerichtete Apartments mit voller Küche für 4,5 bzw. 7 Personen. Und im Garten ist ein schöner Pool. Der kostet allerdings für Camper 100 DH pro Tag und Person, was ich ein wenig heftig finde. Und nein, kein schönes Menü heute. Man macht zwar auf Wunsch Frühstück, aber die Gäste sollen sich weitgehend selbst versorgen. Ein Carrefour ist nicht allzuweit.

 

Christian der Belgier

Nun muss ich aber wieder zurück nach Agadir, doch auf dem Weg liegt Biougra. Und ganz in der Nähe davon hat sich ein Belgier angesiedelt und einen Stellplatz eröffnet. Dieser Platz ist zwar schon in meinem Campingführer, aber ich hatte ihn noch nicht selbst besichtigt. Er postet immer in Facebook Fotos von seinen wunderbaren Gerichten, das hat mich neugierig gemacht und ich möchte es unbedingt probieren. Als ich ihm meinen Besuch ankündigte schickte er mir sofort einen Menüvorschlag:

  • Hausgemachter Aperitif, Duo aus Entenpastete und Rillette
  • Entenmagensalat
  • Duo-Gericht aus Enten- und Taubenpastilla
  • Bio-Himbeersorbet Dessert

Ja, da läuft mir doch schon das Wasser im Mund zusammen. Als wir eintreffen stehen Aperitif und Hors d’Oeuvre schon auf dem Tisch. Christian ist sehr nett und hat viel erzählt, vor allem, als ich fragte, wie er auf die Idee kam, diesen Stellplatz zu eröffnen. Ich gebe hier einen kurzen Abriss der langen Geschichte:

Christian lebte und arbeitete in Belgien. Als ihn seine Frau verließ war er auf dem Tiefpunkt und dachte, in seinem Leben muss sich etwas ändern. Also packte er seinen Koffer und fuhr nach Agadir, vor allem auch, weil er hier mit seiner Muttersprache gut zurechtkommt. Er kaufte schließlich ein Gelände bei Biougra und begann mit Landwirtschaft, Gemüse zum Export. Die Souss-Ebene ist ja das größte Landwirtschaftszentrum Marokkos. Allerdings merkte er schnell, dass man es ihm hier als Ausländer nicht ganz leicht machte.

Er heiratete eine Frau mit zwei Kindern, adoptierte diese und auch noch zwei weitere Kinder. Deren allein erziehende Mutter starb an Diabetes, eine der größten Todesursachen in diesem Land mit seinem süßen Pfefferminztee. So lebten sie ganz gut, bis die Covid Pandemie begann. Es gab sofort sehr strenge Restriktionen und Christian beschloss, zum Marjane in Agadir zu fahren und dort Grundnahrungsmittel in sehr großem Stil einzukaufen. Dann fuhr er zum nächsten Souk und kaufte alles an Schlachttieren ein, was er kriegen konnte. Schafe, Ziegen, Hühner, Enten usw. Dann schloss er sein Tor ab und überstand die Pandemie im Kreis seiner Familie.

Als sich das Land wieder öffnete hatte er sich so an seine Tiere gewöhnt und wollte keine Landwirtschaft mehr betreiben. Zufällig lernte er den französischen Campingführer – Autor Emile Verhoost kennen und freundete sich mit ihm an. Der schlug ihm dann die Idee mit dem Stellplatz vor, und seitdem stürzt sich Christian mit Feuereifer darein. Ununterbrochen überlegt er, was für schöne Gerichte man mit seinen Enten und Tauben zaubern kann, und die werden dann von seiner Frau Hanane umgesetzt. Er bietet nun etwa 10 Stellplätze an, es geht ihm nicht darum möglichst viel Geld zu verdienen, sondern ein schönes Leben zu haben und freut sich immer, wenn Camper kommen und er neue Freunde macht. Überall auf dem Bauernhof gibt es kleine Sitzecken, es ist einfach, aber gemütlich und das Essen ist einfallsreich und lecker. Christian bietet seinen Camping-Gästen auch die Möglichkeit der Halbpension zu 145 DH pro Person an, zum Frühstück gibt es ganz leckere Konfitüren, natürlich selbst gemacht. Die Produkte der Farm wie kandierte Entenschenkel kann man auch kaufen.

Camping in Tafraoute

Natürlich habe ich auch den Campingplätzen in Tafraoute einen Besuch abgestattet. Kleine Änderungen gibt es immer. Camping Tazka war zu. Der Betreiber ist ja während der Covid Pandemie gestorben und nun führt seine Schwester den Platz weiter. Aber sie lebt in Frankreich und kommt nur für die Wintermonate. Zudem ist es nicht so ganz ihr Ding und deshalb ist Granite Rose mit Omar nun absolut der beliebteste Platz. Omar hat früher ja ab und zu Ausfälle gezeigt, wenn er die Camper um Alkohol anbettelte und dann aggressiv wurde. Aber das scheint sich gelegt zu haben und er macht einen guten Eindruck. Viele Camper stehen eine Nacht auf dem Trois Palmier, weil es so nah zur Stadt ist, aber wechseln dann zu Omar, weil er einfach netter ist.

Ich war auch auf dem etwas außerhalb gelegenen Tete du Lion. Der Deutsche Gerd hat ja seit wenigen Jahren diesen Platz am öffentlichen Schwimmbad gemietet und sehr hübsch hergerichtet. Früher war das Schwimmbecken nur im Sommer gefüllt, aber er hat nun das ganze Jahr Wasser und lässt gerade neue Fliesen anbringen. Besonders für Wanderungen ist das ein idealer Ausgangspunkt.

Aber es gibt auch einen neuen Platz. Ihr kennt ja alle das Freigelände, wo im Winter hunderte von Campern stehen. Dahinter, also zum Berg zu, wurde nun die neue Auberge Tagtout gebaut mit Campingplatz. Auch hier ist ein Pool, der wohl bis zum Sommer fertig sein wird. Es hat mir sehr gut gefallen und ich glaube, der neue Platz hat eine gute Chance, obwohl direkt davor das preiswerte Freistehen ist. Aber auch die Camperwelt ist unterschiedlich eingestellt und eine Reihe von Campern stehen lieber auf einem richtigen Campingplatz. Es gibt auch zwei ordentliche Zimmer, was gerade die Camper lieben, die für ein paar Tage Besuch von ihrer Familie bekommen. Und auf der Höhe ist ein Zeltrestaurant mit Terrasse, wo man einfach wundervoll sitzen und die grandiose Aussicht genießen kann.

Und noch etwas ist neu. Momo hatte ja bisher schon eine Werkstatt, wo er Wohnmobile reparieren oder neu streichen konnte. Aber nun hat er ein großes Gelände gleich am Freistellplatz gekauft und bietet nicht nur seine Werkstatt an, sondern auch einen Stellplatz dazu, für 20 DH pro Nacht. Es gibt Wasser und ein WC, auch Strom ist möglich. Wurde im letzten Winter schon ganz gut angenommen.

 

Ait Mansour

Der schönste Ausflug ab Tafraoute führt ins kühle Oasental Ait Mansour. Das kann man als Ausflug machen, 30 km hin und das gleiche wieder zurück. Ideal für Wohnmobilfahrer. Wer aber die komplette fast 100 km lange Rundtour fahren will, braucht ein nicht zu großes, geländegängiges Fahrzeug. Oder bucht eine Tour bei Lahcen, er kommt oft auf die Campingplätze, aber man findet ihn auch über das Restaurant La Kasbah.

Um 9.30 stand Lahcen mit seinem 4×4 vor der Tür des Riad Nour. Zunächst fuhren wir stadtauswärts vorbei an den Campingplätzen und bogen dann auf die Piste zu den Blauen Steinen ab, die sind immer wieder sehenswert.

Umrahmt von einer imposanten Gebirgskulisse aus rosafarbenem Granit ging es sodann recht trocken und vegetationslos weiter, kaum vorstellbar, dass uns irgendwo saftige grüne Palmen und rauschendes Wasser erwarten sollte. Doch dann fuhren wir hinab in die grüne Oase Ait Mansour unter schattigen mächtigen Palmen. Alle möglichen Obstbäume wachsen hier unter dem Schattendach der Palmen, aber Datteln gibt es hier kaum, dafür ist die Lage mit etwa 1.250 m viel zu hoch. Schmackhafte Datteln reifen nur unter 1.000 m.

Zu Beginn ist ein kleiner Stellplatz für Wohnmobile, diese Stelle ist sehr beliebt, ist es doch hier im Sommer herrlich kühl. Und es ist gleichzeitig der letzte Ort, zu dem man mit dem Wohnmobil fahren kann. Der weitere Weg ist einfach zu eng und zu sehr von Palmen eingerahmt, man würde sich alles verkratzen, es ist nur mit kleineren Fahrzeugen befahrbar. Aber ein paar Tage hier lohnen sich doch, man kann herrlich spazieren gehen und es gibt auch ein paar kleinere Gasthöfe zur Einkehr.

Gite Gdourt

Zum Mittagessen wurden wir bereits von Haj Abdoul erwartet. Er stammt aus dem Ort Gdourt, hat aber sein Leben in den großen Städten verbracht, fleißig gearbeitet und sich nun, gleichsam für die Rente, in der Heimat diese schöne Gite Gdourt am Berghang gebaut, in der er Gäste mit großer Herzlichkeit und gutem Essen bewirtet. Es gibt sogar schöne, saubere Gästezimmer. Auf uns wartete eine große Schale mit Couscous, gefolgt von einem reichhaltigen Obstkorb. Den Abschluss bildete der leckere Pfefferminztee mit einer Auswahl an leckeren Plätzchen.

Wir fuhren weiter durch den lauschigen Palmenhain, machten die große Runde und kamen dann noch an einer Koranschule vorbei. Hier lebte der fromme Ahmed Ben Mohammed, ein Mann, dem die segenreiche Baraka zugesprochen wird, also ein Marabut. Nach seinem Tod wirkt die Baraka noch immer, in einem kleinen weißen Schrein legt man seine Hand auf und trägt ihm im Geiste seine Probleme vor. Er wurde in einem schönen Haus mit grünen Dachziegeln begraben, auch dieses Gebäude nennt man Marabut. Davor breitet sich ein großer Friedhof aus, denn wenn man nahe einem Marabut begraben wird kommt man schneller ins Paradies. Die dazugehörige Moschee wird gerade renoviert.

Hier steht auch das Gebäude der Koranschule, ein massiver Bau, der für ältere Schüler ist. Uns aber spricht ein Junge von vielleicht 8 Jahren an und will uns seine Koranschule zeigen. Über enge Treppen führt er uns zu einer dunklen Kammer, in der etwa 10 Schüler im Alter von 6 – 10 Jahren mit dem Koran in der Hand stehen und über unseren Besuch begeistert sind. Ich dagegen denke nur, die armen Kinder.

Kurz vor Tafraoute kommen wir dann noch am Hut des Napoleon vorbei, der wegen seiner Form so genannt wird. Es waren etwa 100 km und eine schöne Tagestour mit herrlicher Landschaft und vielen Erklärungen durch Lahcen.

Wer nun sofort eine solche Rundreise buchen will wendet sich an Lahcen, oft Hassan genannt, Tel. 00212 672 303909 oder geht in den Teppichladen Maison Troc. Und noch ein Hinweis: Keinesfalls in den anderen Teppichladen gehen, das Maison Tuareg. Dort hat man im Gegensatz zu Lahcen keinen Geländewagen, macht die Tour mit Taxi und fährt zurück, sobald die Straße zu eng wird. Verkauft es aber trotzdem als Tagestour mit Geländewagen. Preis bei 4 Personen im Wagen 50 Euro pro Person inklusive Mittagessen.

Auf nach Tafraoute

Mein Mietwagen von www.sahara-experince.com wurde mir pünktlich zum Hotel gebracht. Ich arbeite schon lange mit Sahara Experience und organisiere für Kunden, also gerne für euch, wunderdschöne private Rundreisen in einem Geländewagen mit nettem Chauffeur, der euch alles erklärt. Aber wer selbst fahren möchte kann auch nur einen Wagen dazu mieten oder evtl. Unterkünfte buchen lassen. Alles ganz nach Wunsch. Wir hatten einen Dacia Logan. Am meisten überraschte mich der Spritverbrauch. Mietwagen werden hier völlig leer übergeben, also ging es erst mal zum Marjane, zum Tanken und Einkaufen. Ich tankte voll, wir wollen ja nach Tafraoute, aber als ich später wieder nach Agadir zurückkam und schon mehr als 400 km zurück gelegt hatte, war der Tank immer noch mehr als halb voll. Ich kann das Auto und vor allem die Agentur wirklich nur empfehlen.

Tafraoute ist meiner Meinung nach der schönste Ausflug, den man von Agadir aus machen kann. Es sind zwar nur 170 km, aber um Agadir wird man von heftigem Verkehr aufgehalten und später ist die kurvige Bergstraße auch nicht gerade schnell, daher braucht man schon fast 4 Stunden für die Fahrt. Man muss ja auch immer mal anhalten und die Landschaft bewundern, denn es geht es durch eine wunderschöne Natur und wir haben ja Zeit. In Tafraoute fahren wir natürlich direkt zum Restaurant La Kasbah, wo ich meine Freunde Hassan und Mohammed treffe. Sie stammen aus Merzouga, wo die Familie den beliebten Camping Ocean des Dunes schon lange betreibt. Aber andere Teile der großen Familie sind schon vor vielen Jahren nach Tafraoute ausgewandert und besitzen dort das Teppichgeschäft Maison du Troc sowie das Restaurant. Ganz neu ist nun aber das Riad Nour, in dem wir heute schlafen werden. Und natürlich kann man bei Ihnen auch tolle Ausflüge in die Umgebung buchen.

Am Abend schaute ich mir noch schnell die wichtigsten Campingplätze an und besuchte vor allem Omar auf dem Camping Granite Rose. Das ist zur Zeit der beliebteste Platz, Omar bieten den Gästen einen herzlichen Empfang, kocht auf Wunsch auch ein köstliches Tajine. Der Platz Taska daneben ist nicht mehr ganz so nett, seit der Betreiber gestorben ist und seine in Frankreich lebende Schwester nun den Winter über kommt, aber keine Ahnung vom Geschäft hat. Es gibt aber auch noch einen neuen Platz, über den ich später berichten werde.