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Reisebericht

Kleidermarkt in Ighzer

Heute haben wir ein gutes Geschäft gemacht. Wir haben uns den Ort Ighzer angesehen. Dort waren sehr freundliche Leute, die uns alles gezeigt haben. Zum Dank gaben wir einige Kleidungsstücke, so konnten die anderen sehen, dass wir einen ganzen Koffer voll Sachen dabei haben. Und sie wollten kaufen, sie rissen sich sogar darum. Das Zeug wurde uns aus der Hand gerissen, man hielt uns Geldscheine hin und nachher hatten wir ohne es zu wollen 460 DA. Das sind für uns 120 DM. Wir waren ganz happy, so können wir uns heute Abend ein schönes Essen im Lokal leisten. Auch der Ort selbst war sehr interessant, der Alte, der uns führte, bot uns an, kostenlos in der alten Kasbah zu schlafen. Das wäre auch mal ein Abenteuer. Wenn ich noch einmal hierhin komme, gehe ich sicher wieder dorthin. Aber zusammen mit den Schlangen und Skorpionen werde ich doch nicht schlafen.

Heute ist der dritte Tag in Timmimoun, es langt aber auch langsam. Wir haben alles gesehen und mir wird langweilig. Ich freue mich schon wieder auf Marokko. Natürlich geht einem der Geschäftssinn dort auf die Nerven, aber es macht auch Spaß, etwas Schönes zu ergattern. Und wir brauchen noch so einiges an Souveniren.

Eben sitzen wir in einem süßen Restaurant faul am Boden und sind total mit Couscous vollgefressen. Es ist wirklich hübsch eingerichtet hier, das hätte ich nicht erwartet. Der Couscous war schön in einer Holzschale angerichtet, vorher gab es Harira und Datteln. Wir wissen zwar noch nicht den Preis, aber wir haben heute ja gut verdient. Das Lokal ist ringsum mit Kissen ausgelegt und hat niedrige Tischchen mit Tabletts darauf. So ähnlich werde ich es zu Hause auch machen.

27.4. Zurück in Taghit

Nun sind wir also wieder in Taghit angekommen, so schließt sich der Kreis in Algerien. Morgen geht es zurück nach Marokko. Ich freue mich schon richtig darauf und ich will auch noch mal nach Zagora fahren. Dann können wir dort auf dem Markt nochmal richtig einkaufen. In Marokko gefällt es mir halt doch besser als in Algerien. Gestern hatten wir ein schönes Erlebnis. Wir fuhren nach Ksabit, einer kleinen Oase, in die nicht sehr viele Touristen kommen. Frauen, die in den Palmengärten arbeiteten, winkten uns, näher zu kommen und zeigten uns alles. Sie waren sehr hübsch angezogen, hatten die Haare zu Zöpfen geflochten und luden uns zum Bleiben und Essen ein. Aber es war noch früh am Morgen, wir wollten weiter und verwiesen auf den Ramadan. Eine Frau zog spontan ihren Ring aus und gab ihn mir. Eine andere gab daraufhin ihren Ring an Traute. Wie gut, dass wir noch Kleidungsstücke zum Verschenken im Auto hatten, denn das Geschenk konnten wir nicht abweisen. Nur revanchieren konnten wir uns. Die meisten trauten sich aber nicht, sich fotografieren zu lassen. Nur eine rückte sich nochmal Haare und Kleidung zurecht und ich durfte ein Foto schießen. Hoffentlich wird es was. Zum Schluss nahm uns die eine mit in ihr Haus und gab uns noch Datteln und süßes Gebäck mit auf den Weg. Und natürlich sollen wir beim nächstenmal wieder vorbei kommen.

Abends haben wir uns im Hotel nochmal vollgefuttert, es gab Couscous und so viel davon, dass noch zwei Personen hätten satt werden können. Wir mussten ja das Geld ausgeben, das wir bei dem Verkauf der Kleider verdient haben. Kurz vor der Grenze haben wir noch einmal vollgetankt und da das Geld nicht reichte, habe ich noch eine Jeans dazu gelegt. Der Tankwart war so zufrieden, dass er das Auto noch etwas gerüttelt hat, damit mehr hinein passt.

28.4. Figuig

Endlich wieder in Marokko, Hamdullilah! Es gibt wieder alles zu kaufen, es gibt Cafes, es ist Leben auf der Straße. Gerade ist Harira-Zeit. Die Leute (einschließlich uns) sitzen im Cafe und beim Heulen der Sirene schlürft alles die Suppe. Die Geschäfte hatten mit dem Untergehen der Sonne geschlossen. Die Leute haben sich noch schnell mit Süßigkeiten versorgt, die sie zur Suppe essen. Gleich kommen die Jungen und verkaufen Zigaretten: Marlboro, Marlboro, Marquise, Marquise. Ja, das ist Leben. Hier herrscht viel lockerere und freundlichere Atmosphäre. Und nun, da alle wohlgesättigt und zufrieden, kommen die Schuhputzer. Nun wird sich zurück gelehnt und nun kann auch noch für ein besseres Outfit gesorgt werden. Wir fühlten uns richtig ausgehungert nach Algerien. Obwohl wir in Wirklichkeit genug zu essen dort hatten. Aber über allem ist ein Gefühl des Mangels gewesen. Hier ist Überfluss! Traute ist ganz süchtig nach dem frisch ausgepressten Orangensaft. Wir übernachten im schönen Hotel Figuig.

Von Adrar nach Timmimoun

Heute haben wir eine sehr große Etappe geschafft. Ich wollte unbedingt nach Adrar, da es dort im Hotel Touat einen Pool geben sollte, der sogar mit Wasser gefüllt ist. Und so sahen wir uns an der Strecke nichts an und fuhren nur die gut 500 km bis Adrar. Unterwegs habe ich dann extra wegen Traute den Wagen in den Sand gefahren, damit sich die Mitnahme der Sandbleche gelohnt hat und Traute endlich mal zum Sand schaufeln kam. Ich wollte so gern den Wagen allein flott bekommen oder es zumindest versuchen, aber gleich hielt ein Wagen und drei Männer halfen uns. Eine Belohnung wollten sie natürlich auch dafür und zwar in Form von Lebensmitteln. In Marokko will man Geld, hier lieber Sachwerte. Und hier in Adrar merke ich auch langsam warum. In Marokko kostet ein Kilo Orangen 2 DH, hier 9 DA. Und das obwohl der marokkanische Dirham weniger wert ist. An Lebensmitteln ist auch kaum etwas zu bekommen, hätten wir doch nur einen großen Vorrat mitgenommen. Eine Harira sollte 20 DA kosten, in Marokko kosten 2 Suppen 3 DH. Allerdings muss man auch sagen, dass wir an der Grenze quasi einen Zwangsumtausch machen mussten, Algerien ist ein sozialistisches Land wie die DDR. Und die Menschen. Sie sind ganz anders. So aggressiv. Wenn wir über die Straße gehen, immerhin in einer Stadt wie Adrar, werden wir angesehen wie Freiwild. Ich komme mir wie ein unerwünschter Eindringling vor. Kinder haben sogar mit Steinen auf uns geworfen. Und wir laufen durchaus nicht freizügig herum. Wir tragen lange Hosen und T-Shirts. In Marokko habe ich nie das Gefühl gehabt, unerwünscht zu sein. Man war immer froh, mich zu sehen. Gerade auch, wenn ich in einem sehr kleinen Dorf hielt, wo selten ein Tourist hinkommt, umringte man mich, lud mich ein. Jeder war stolz, wenn ich sein Gast war. Man freute sich zwar über ein Gastgeschenk, aber man forderte es nicht. In Taghit war die Stimmung nicht so aggressiv, eher uninteressiert. Aber wir konnten in Ruhe hingehen, wohin wir auch wollten.

Heute hatten wir aber auch ein nettes Erlebnis. Wir suchten Brot und fanden keinen Laden. So gerieten wir in ein Viertel, in dem einfache Leute wohnten. Wir fragten nach einem Bäckerladen, aber das Brot war alle. Ein alter, armamputierter Mann erklärte sich bereit, von zu Hause ein Brot zu holen. Wir gaben ihm ein paar Kleidungsstücke und alle waren wir zufrieden.

23.4. Timmimoun

So, nun sind wir also in Timimoun, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Wir wohnen hier in einem kleinen Paradies, dem Hotel Gourara direkt an der Palmenoase. Es ist ein warmer Sommerabend, ein Lüftchen weht, das Hotel haben wir fast nur für uns. Und im Zimmer einen unbeschreiblichen Luxus, einen Kühlschrank, in dem wir sogar Eiswürfel machen können. Timmimoun ist ein unwahrscheinlich hübscher Ort, der mich mit seinen roten Lehmhäusern an die Architektur in Mali erinnert. Es kommt mir auch sauber und ordentlich vor, das einzige, das mir nicht gefällt, sind die eher unfreundlichen Leute. In Marokko habe ich mich immer herzlich aufgenommen gefühlt, hier fühle ich mich wie ein unerwünschter Eindringling. Heute wollten wir uns das zweite Hotel im Ort ansehen, da verlangte man doch 100 DA dafür.

Tagsüber ist es hier ganz schön heiß, da kann man nur noch faul im Schatten liegen. Morgen müssen wir uns noch die Palmeraie ansehen. Im Hotel sind die Leute freundlich, das ist aber auch das erstemal.

24.4. Durstig im Sand

Heute habe ich mich endlich ausgetobt mit den Sandblechen. Wir haben die Sebka Rundfahrt gemacht, die ist am Ende ganz schön sandig. Mir hat es riesig Spaß gemacht, obwohl man bei der Hitze auch sehr durstig wird. Ich habe im Gepäck immer einen Kanister Wasser und einen Kanister Rotwein, also packte ich einen Kanister ein und wir fuhren los. Und nicht lange, da steckten wir auch schon im Sand. Sandbleche runter und geschaufelt. Machte Spaß in dem weichen Sand, aber eben auch durstig. Wie gut, dass ich Wasser dabei habe. Griff zum Kanister, ein großer Schluck. Igitt! Ich habe die Kanister verwechselt. Und Durst mit Rotwein löschen geht absolut nicht. Wir waren völlig fertig.

Die Ausblicke den Felsabbruch hinunter waren sehr schön, aber eigentlich hatte ich mir Timmimoun ganz anders vorgestellt. Viel mehr inmitten von Sanddünen gelegen. Da entsprach Tighit schon mehr meinen Vorstellungen. Und das Essen hier ist wirklich teuer. Ich habe dauernd Angst zu verhungern. Es ist manchmal schwierig, überhaupt etwas zu bekommen.

2. Algerienreise 1989

Dann begann das für mich bisher schönste Stück der Reise. Die Fahrt nach Algerien. Endlich mal etwas Neues. Ich wollte die Piste nach Boudenib ausprobieren, deren Anfang ich beim letztenmal gesehen hatte. Und da war endlich das Abenteuer. Endlich war Neues zu entdecken. Diese Piste war so voller Neues, aber leider viel zu kurz. Und endlich Einsamkeit. Auf der ganzen Strecke ist uns nicht ein Mensch begegnet, nicht ein Haus oder Zelt war zu sehen. Herrlich nach all der Anmache bisher. Doch bald waren wir in Boudenib. Es ist nur ein kleiner Ort, aber alles zu haben. Ein einfaches Hotel gab es, war aber geschlossen. Nicht ein Mensch sprach uns an, eine Wohltat. Man merkt, dass nicht viel Touristen hierher kommen.

Bouarfa

Wir fuhren also weiter und hofften, noch irgendwo ein Hotel zu finden. Aber die wenigen Orte waren so klein, da gab es nichts. Einen geeigneten Platz im Freien fanden wir auch nicht und Traute fror sehr, da sie eine Erkältung hatte. Es wurde schon dunkel. Plötzlich sahen wir in der Ferne eine Lichterkette. Was war das? Ein beleuchteter, fahrender Zug? Hier gibt es doch keine Eisenbahn. Eine Moschee mit Lichterkette, ein Fest? Die Neugierde und das Rätsel wurden immer größer. Wir fuhren und fuhren, die Lichter kamen nicht näher. Erst nach 40 km dann die Auflösung, es war die Straßenbeleuchtung von Bouarfa. Wie verschwenderisch hier mit Licht umgegangen wird. Und das in einem so entfernten Winkel von Marokko. Wir waren auch über die Größe der Stadt sehr überrascht. Ein richtiges Geschäftszentrum. Und es gab auch zwei Hotels, so dass für die kranke Traute ein warmes Bett gefunden wurde. Die Zimmer waren zwar ohne fließend Wasser, auch draußen gab es keine Dusche, aber für eine Nacht reichte es. Am nächsten Morgen um 8 Uhr wollten wir aufbrechen, aber das Hotel lag in tiefem Schlaf, die Tür war verschlossen. Zum Glück fand ich eine Hintertür und bezahlt hatten wir auch schon. Im hellen Tageslicht fanden wir auch einen hübschen Rastplatz, der nun für eine Frühstückspause genutzt wurde.

20.4. Einreise nach Algerien

Nun ging es weiter nach Figuig. Dieser Ort macht einen hübschen Eindruck und lohnt eine Besichtigung auf der Rückreise. Wir wollten aber gleich zum Grenzübergang. Die Abfertigung verlief sehr unarabisch geordnet, zwar wurde sehr genau nach Devisen gefragt und das Gepäck durchsucht, aber alles verlief völlig vorschriftsmäßig. Nach knapp zwei Stunden betraten wir algerischen Boden.

Taghit

Hinter der Grenze ist gleich eine Tankstelle, so kamen wir sofort in den Genuss des billigen algerischen Diesels. Die Straße nach Bechar bietet keine Abwechslung. Auch die Straße, die hinter Bechar nach Taghit abzweigt, bietet nur langweilige Landschaft. Ich konnte mir bis kurz vor Taghit nicht vorstellen, dass ich bald in einer malerischen Oase sein sollte. Aber dann, wenige Kilometer vor Taghit, tauchten hinter der Oase plötzlich riesige goldgelbe Sanddünen auf. Nein, so etwas hat Marokko nicht zu bieten. Im Tal davor eine grüne Palmenoase, ein Gewässer fließt träge dahin, am Rand blüht der Oleander und Feigenbäume. Ein Paradies. Und in dem Paradies zu allem Überfluss noch ein ansprechendes Hotel. Die ehemals sehr schöne Anlage mit Gärten und Swimmingpool ist leider etwas herunter gekommen. Hier, wo sowohl Wasser als auch Elektrizität knapp sind, läuft das warme Wasser im Bad und in der Toilette ohne Unterbrechung. Mit ein paar Dichtungen könnte man eine Menge Geld sparen.

Kurz vor Sonnenuntergang besteigen wir die Dünen, um den schönen Ausblick zu genießen. Aber woran liegt es nur, jeder Schritt fällt unheimlich schwer, wir sind völlig fertig, als wir oben ankommen. Ein paar einheimische Kinder machen das im Laufschritt. Hier fällt mir wieder der große Unterschied zu Marokko auf; keiner spricht uns an, keiner bettelt, kein Fossilienverkäufer sitzt schon auf der Düne.

Später im Garten des Hotels sehe ich den Vollmond. Es ist so hell, man könnte einen Fußmarsch in die Wüste unternehmen. Halbzeit im Ramadan. Bisher hatten wir nicht die geringsten Probleme damit. Allerdings wollten wir auch tagsüber noch nie etwas zu essen haben. Die Leute sind alle freundlich zu uns, keiner ist aggressiv, nur manchmal heißt es, ich bin müde. Das macht der Ramadan.

Am nächsten Morgen machten wir einen Ausflug zu den Felsgravuren. Sie sind leicht zu finden, eine Teerstraße führt direkt zu dem Felsabhang an dem sie sich befinden. Das heißt natürlich auch Touristenbusse. Viele Gravuren sehr neuen Datums sind dazu gekommen, viele Besucher mussten sogar ihre Namen verewigen. Wenn man nach links etwa 1 km weiter spaziert kann man noch besser erhaltene Gravuren finden. Heruntergelaufene Wachsreste zeigen, dass hier jemand Abdrücke gemacht hat.

Hier in Taghit gibt es außer dem Hotel ein Cafe, wenige Läden, Post und ein Souvenirgeschäft. Dort gibt es kaum etwas zu kaufen und das wenige ist sehr teuer. Abends werden wir noch zu einem Tee eingeladen. Ein junger Mann sprach uns im Hotel an, lud uns in sein Haus ein und wir gingen prompt mit. Dort wartete ein zweiter junger Mann und mir wurde sehr unbehaglich zumute. Wir tranken unsere drei Gläser Tee und machten uns dann wieder davon. Irgendwie ist die Atmosphäre hier in Algerien anders.

 

Erinnerungen ….

In diesen Coronazeiten hat der Reisende ja nur noch seine Erinnerungen, ansonsten ist er zu Hause eingesperrt. Gestern postete Abdellah vom Riad Fennek Sahara ein Foto eines Feneks, eines Wüstenfuchses. Und das weckte Erinnerungen in mir.

Es ist unendlich lange her. Wann war es? Vielleicht so Mitte der 1990er. Ich war in Merzouga, besuchte meinen guten Kumpel Hassan, der bisher sein Geld verdiente, indem er Touristen auf seinem Kamel vor der großen Düne für ein Foto posieren ließ. Das brachte ihm den Namen Hassan le Touareg und auch etwas Geld ein, so dass er eine kleine Auberge eröffnen konnte und natürlich wohnte ich bei ihm. Die Auberge war noch ganz einfach, aber ich hatte ein kleines Zimmerchen und draußen waren Gemeinschafts-WC und Dusche. Damals brauchte man nicht mehr.

Aber Hassan hatte noch etwas Besonderes. Bei seinen Ritten durch die Sahara hatte er ein kleines Fennek Baby gefunden, das wohl keine Mutter mehr hatte. Er nahm es mit, baute ihm einen kleinen Käfig und zog es auf. Besonders liebte er die frischen Erbsen, die Hassan vor der Auberge zog. Und dann kam ich. Natürlich verliebte ich mich sofort in den kleinen Kerl und der sah mich bald als seine Mutter an, er folgte mir überall hin. Inzwischen durfte er tagsüber frei laufen, unter Aufsicht, denn er soll ja nicht von Raubtieren gefressen werden. Nachts sollte er in den Käfig. Aber natürlich nicht mit mir. Ich nahm ihn mit ins Zimmer und bald schlief er in meinem Bett. Okay, gut, ganz sauber war er nicht. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf für so ein süßes Baby.

Doch irgendwann musste ich wieder heim und als ich im nächsten Jahr wiederkam fragte ich natürlich sofort nach meinem Fennek. Doch Hassan hatte ihn frei gelassen, seiner Wüste zurück gegeben.

In diesem Jahr hatte ich aber noch ein anderes Tier-Erlebnis. Ich war mit Kumpel Ali Mouni unterwegs, kam an einer Auberge vorbei, die wegen Renovierung geschlossen war. Sie liegt auf einem Hügel, bietet eine tolle Aussicht und heißt deshalb auch Panorama. Wir waren hoch gefahren um die Aussicht zu genießen. Und hörten ein jämmerliches Miauen. Ein Kätzchen, ganz offensichtlich eingeschlossen und schrecklich hungrig. Die Auberge war leer und verlassen, keine Ahnung, wie die Katze da rein gekommen war. Jedenfalls bemühten wir uns und bekamen schließlich die Tür unten so einen kleinen Spalt auf, dass ich meine Hand hinein schieben und das Kätzchen greifen konnte. Im Auto hatten wir noch eine Dose Ölsardinen und das Kätzchen fraß sich erstmal satt. Aber nun, wohin damit? Ali hatte noch lange nicht seine Auberge, aber da gibt es doch Hassan. Nichts wie hin zu ihm und um Asyl für das kleine Kätzchen gebeten. Und dort lebte es noch lange.

Und aus der kleinen Auberge, von der ich keine Fotos mehr habe, ja, damals gab es noch kein Smartphone, auf das man immer drückte, wurde die wunderschöne Auberge Le Toureg, eine der vielen Erfolgsgeschichten von Merzouga. Und ich kann nur hoffen, dass Corona ihr nicht den Garaus macht.

Marokko aktuell

Heute hatte ich ein längeres Telefongespräch mit Abdou, alter Freund und Reiseveranstalter in Marokko. Er ist glücklich, nach 3 Monaten des Lockdowns nun endlich wieder einmal in einem Cafe zu sitzen und zu frühstücken. Ich möchte vorausschicken, dass alles, was ich hier berichte, auf Hörensagen beruht, ich habe keine gesicherten Fakten oder Quellen dafür.

Auch in Marokko gab es staatliche Hilfen für die Menschen. So hat ein Großteil seiner fest angestellten Mitarbeiter ein Überbrückungsgeld vom Staat bekommen und Abdou hat noch etwas drauf gelegt. Die Familien im Süden, die wegen ausbleibender Touristen ja keine Einkünfte mehr hatten, haben monatlich 1200 Dirham bekommen, damit sie Nahrungsmittel kaufen können. Abdou sagte, zum Glück verfügt Marokko ja über genügend Nahrungsmittel, so dass niemand hungern muss. Und dieses Hilfsprogramm führt er auf den König zurück, nicht auf die Regierung.

Er selbst hat die Zeit genutzt, um sein Lieblingsprojekt White Camel weiter auszubauen. In den allerersten Wochen war es nicht möglich, dort zu arbeiten, aber danach konnte er doch bauen, immerhin liegt es außerhalb von Marrakech in freier Natur. Er hat ein zusätzliches Haus errichtet für einen Spa mit Hammam und ich kann es kaum abwarten, das zu sehen (und zu nutzen). Ich füge euch ein Video vom weißen Kamel an, das ich letzten November gedreht habe. Ihr könnt davon ausgehen, dass es jetzt noch viel schöner ist.

Inzwischen sind also Geschäfte, Restaurants und sogar die Hammams wieder geöffnet. Das White Camel will ab 11. Juli wieder Gäste empfangen. Es gibt schon Flüge, die hauptsächlich dazu dienen, die vielen Marokkaner, die wegen Corona in Europa gestrandet sind, heim zu holen. Diese Leute sollen nach Ankunft für eine Woche auf Staatskosten in Hotels untergebracht werden. Die Infiziertenzahlen steigen in den letzten Tagen, einfach weil zur Zeit massiv getestet wird. Angestellte im Tourismussektor, auch Abdous Chauffeure werden getestet. Trotzdem oder gerade deshalb hofft Abdou, dass ab 11. Juli das Land wieder für Touristen geöffnet wird. Ich habe mal geschaut und einfach so nach einem Flug Frankfurt – Marrakech für den 22. Juli gesucht. Ryan Air hat nichts, aber auf der Seite von Royal Air Maroc wird mir ein Flug von AirFrance angeboten mit Umsteigen in Paris. 300 Euro sind durchaus korrekt dafür.

Mein Plan ist es, so bald als möglich für 2, 3 Wochen nach Marokko zu fliegen und zu erkunden, wie die Situation ist. Natürlich werde ich dann berichten. Natürlich habe ich auch die Seite des Auswärtigen Amtes aufgerufen, um zu sehen, was die über Marokko schreiben. Zwar weiß ich, dass die Reisewarnung für alle außereuropäischen Staaten noch bis Ende August gilt, egal, ob sie nun kaum Infizierte haben oder nicht, aber entsetzt war ich schon, zu sehen, dass das AA noch nicht einmal die augenblickliche Lage kennt. Für sie ist das Land immer noch unter einer Ausgangssperre. Natürlich habe ich gleich geschrieben, aber ob das Erfolg hat? Die Reisewarnung bedeutet natürlich auch, dass alle aus Marokko zurück kommenden Reisenden 14 Tage in Quarantäne müssen. Was natürlich nicht mit der Urlaubsreise eines Arbeitsnehmers zu vereinbaren ist. Ich würde mir wünschen, dass diese Warnungen nach der realen Situation ausgesprochen werden und nicht nach politischen Rücksichten. Ist aber so viel einfacher für die guten Leute, einfach alle unter einen Kamm zu scheren, warum soll man sich die Mühe machen und Einzelfälle anschauen.

Ich rechne schon damit, dass so einiges, was man kennt und liebt, geschlossen sein wird, die Krise nicht überstanden hat. Eines der ersten Opfer ist unsere liebe Susanne in Tetuan, die ihr schönes Restaurant mit Stellplatz leider schließen musste. Ich drücke einfach allen unseren Freunden die Daumen, dass sie irgendwie durch diese Krise kommen werden und es bald wieder aufwärts geht.

Gestrandet in Marokko – nette Antwort auf eine Mahnung

Ich versende meine Bücher mit Rechnung, bei mir braucht niemand vorher zu zahlen. Und ich habe damit ganz gute Erfahrungen. Manchmal denkt jemand, er hätte schon mit Kreditkartte bezahlt, im Shop kann ich dann mit einfachem Klick eine Mahnung schicken und das Geld kommt. Hin und wieder, wirklich sehr selten, gibt es Fälle, wo auch dann keine Reaktion kommt. Dann muss ich nachforschen, eventuell anrufen. Und auch dann kommt sehr oft eine gute Reaktion, denn die Leute hatten ja mit meinen Büchern eine nette Erfahrung in Marokko und senden mir noch mein Geld.

Nun hatte ich wieder mal einen solchen Fall. Die Kundin hatte nicht auf meine Mahnungen geantwortet. Da sie Anfang Januar bestellt hat, hatte ich ja schon so einen Verdacht. Wer bestellt will bald nach Marokko reisen. Und kam in diesem Frühjahr mitten in die Corona Krise und den kompletten Lockdown in Marokko. Also schrieb ich noch einmal eine persönliche Email und fragte, ob sie denn eventuell in Marokko gestrandet sei. Die Antwort finde ich Wert, hier abzudrucken und ich bedanke mich herzlich:

Ohne es wohl selbst zu wissen, haben sie uns bei unserer Rückkehr aus Marokko sehr geholfen. Dafür wollte ich mich schon die ganzen Wochen bei ihnen bedanken.
Tatsächlich mussten wir dies wunderbare Land Hals über Kopf verlassen, was sich mit unserem Riesengefährt und unserer sechsköpfigen Familie als nicht so einfach erwies.
Ein Wüstencamp bei Mahmid, geleitet von Mustafa, dem wir viel verdanken, beherbergte uns, bis wir endlich grünes Licht für einen Flug erhielten.
Mein Bruder, dem ich immer wieder von ihren Reisebüchern vorschwärmte, versuchte damals einen Kontakt zu ihnen herzustellen und traf dabei auf einen Kontakt, der uns in den letzten Tagen in Marokko sehr unterstützte und sich nun um unser dortiges zu Hause auf vier Rädern kümmert.

Die Zeit bevor die Welt sich begann schneller zu drehen, durften wir mit unseren Kindern in diesem Land verbringen, welches uns immer noch in seinem Bann hat und wir warten nur darauf unsere Reise, unsere Aufgabe weiter zu führen. An Bord hatten wir unzählige Schulmaterialien, welche meine Kinder in einer sehr innigen Aktion in ihren Klassen gesammelt hatten und welche wir zu einer Schule im Hohen Atlas bringen wollten.
Unsere Kinder hatten eine richtige Aufgabe, es war ihre Mission ihre gesammelten Werke dorthin zu bringen, doch unsere Geschichte sollte erstmal anders weitergehen.
Was uns die Zukunft bringt ist ungewiss, außer dass ich ihnen umgehend das Geld für Ihr Buch überweisen werde, was ich in all dem Trubel nicht mehr auf dem Schirm hatte. Ich bitte dies zu entschuldigen.
Ihre Bücher waren eine der besten Investitionen überhaupt in dieser Zeit und entpuppten sich oft als Segen. Schon eine Vorahnung von dem zu haben, was einen hinter dem nächsten Berg erwartet, war für uns Großfamilie viel wert.
Die Werkstatt in Zagora, die Schönheit der Oasen, ab und an einen Pool für die Kinder und die unübertreffliche Freundlichkeit der Menschen von denen sie sprachen, all das sollte sich stets bewahrheiten. Der Spruch meiner Kinder vor jedem neuen Platz „Na Mama, was meint denn Edith dazu?“, klingt noch in meinen Ohren. Wir haben es sehr genossen.

Ihre Bücher liegen leider noch dort, da wir keine Gepäckstücke hatten, konnten wir leider, außer die vier kleinen Kinderrucksäcke der Jungs , nichts mitnehmen.
Doch können wir es kaum erwarten, wieder darin zu blättern.

Wir sind ihnen sehr verbunden und verbleiben mit herzlichsten Grüßen aus der Pfalz, Eva, Jörg, Nil, Mattis, Pontus und Justus 

Chinesisches Narrativ

Ich hatte in meiner Schulzeit Latein, wenn es auch mein schlechtestes Fach war und ich nie irgendwelche Erfolge darin erzielt habe. Trotzdem hilft mir diese Grundausbildung zum Verstehen vieler Fremdwörter in unserer Sprache. Aber nun kommt in jeder Pressemeldung bezüglich Corona, in jedem politischen Fernsehbericht das Wort Narrativ im Zusammenhang mit der Entstehung des Virus. Das habe ich noch nie zuvor gehört, ich möchte mal behaupten, es gehört nicht zu unserem Sprachgebrauch. Dennoch wird es so oft verwendet, dass ich Google benutzen musste, denn ich wusste absolut nicht, was es bedeutet. Wikipedia sagt dazu:

Als Narrativ wird seit den 1990er Jahren eine sinnstiftende Erzählung bezeichnet, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und Emotionen, ist in der Regel auf einen Nationalstaat oder ein bestimmtes Kulturareal bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erzählungen, die mit einer Legitimität versehen sind.

Aha. Nun weiß ich es. Es ist die Erzählung, wie die Chinesen das Virus begründen. Aber muss man wirklich dazu dieses unverständliche Wort nutzen? Könnte man nicht zum Beispiel einfach sagen, die chinesische Version der Dinge? Oder noch deutscher, die Darstellung. Nein, man muss es kompliziert machen.

Coronazeiten

Schon vor Ausbruch der Krise war ich in USA und beobachte wie alle anderen Menschen auch die Lage. In meinem Fall interessieren mich aber Deutschland, USA und Marokko. Es ist schlimm, sehr schlimm und bringt einschneidende Veränderungen für jeden Menschen. Was ich aber absolut hasse ist die Aufpasser-Mentalität in Deutschland. Dort wird genau beobachtet, was der andere macht, und dann in den sozialen Medien angeschwärzt. Einfach furchtbar. Das gibt es in USA in diesem Maße nicht. Ein verstärktes Miteinander kann ich im Umgang mit Deutschland nicht finden. In USA auch nicht, aber hier wird wenigstens nicht so viel angeschwärzt. Hier lebt jeder sein Leben weiter, so gut es eben geht mit den Einschränkungen. Ich merke einfach, dass die Menschen in Deutschland in einen Panikmodus geschaltet haben, der sie die Sache nicht mehr realistisch sehen lässt.

Eine Situation wie diese hatten wir noch nie. Jeden Tag gab es neue Entwicklungen und jeden Tag mussten und müssen neue persönliche Entscheidungen getroffen werden. Und Personen sind nun einmal unterschiedlich und leben auch unter unterschiedlichen Bedingungen. Was die Marokkofahrer anbetrifft, so konnte man natürlich nicht zu Beginn absehen, was sich später entwickeln würde. Aber auch da werden Menschen fertig gemacht, nur weil sie andere Entscheidungen getroffen haben. Zu Anfang war die Idee gar nicht so dumm, die Lage einfach in der Sahara auszusitzen. Dort unten im dünn besiedelten Gebiet ist die Ansteckungsgefahr sehr gering, auf jeden Fall weniger als auf einer Rückfahrt durch Spanien, Frankreich, Italien mit vielen Infizierten. Ängstliche fuhren sofort nach Hause, das ist ihnen unbenommen, aber andere dachten mit gutem Grund, dass sie in Marokko gut aufgehoben sind. Nun sind die Grenzen dicht und etliche sitzen fest. Ich kann Marokko durchaus verstehen, sie meinen, sie können die Gefahr so eindämmen. Doch ich verstehe auch die Reisenden, die bis dahin dachten, sie wären sicher. Es gibt einfach keine vergleichbaren Ereignisse, aus denen man Lehren ziehen konnte.

Auch meine Situation ist noch ungeklärt, aber ich beobachte die Lage genau und hoffe, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Noch fühle ich mich in Florida sicherer als in Deutschland und vor allem auch auf einem Rückflug. Aber die Lage kann sich täglich ändern, denn der Höhepunkt der Krise ist hier noch nicht erreicht, es fängt erst an. So wie ich es sehe, kommt Corona in Wellen. Zunächst war Asien dran, dann schwappte es nach Europa über, das in meinen Augen gerade den Höhepunkt erlebt, und nun kommt es nach USA. Ein Land mit einem Präsidenten, der ganz sicher keine klugen Entscheidungen trifft, aber Gouverneuren in den einzelnen Staaten, die eine bessere Arbeit machen.

Ich beobachte und hoffe …

Entschuldigung an die Leser meiner Marokkobücher und die Mitglieder der Gruppe

Die Coronakrise hat sich ja erst langsam, dann aber rasend schnell in Marokko ausgebreitet. Ich meine damit nicht die Infizierten, sondern die Auswirkungen. Und noch im Anfang schrieb ich mal als Antwort auf einen Post von Eva-Maria Grimbergen:

Aber bei allen Sorgen, seid euch auch bewusst, dass es euch immer noch recht gut geht. Ihr seid in Rente und müsst an keinen Arbeitsplatz zurück. Habt keine kleinen Kinder zu betreuen und seid in einem Land mit relativ wenig Krankheitsfällen.

Das stieß auf ziemliche Kritik von Familien, die auch mit meinen Büchern in Marokko sind, nicht in Rente und nach Hause müssen.

Ganz ehrlich, diese Kritik geht mir nach, so sehr, dass ich mich jetzt bei allen Betroffenen entschuldigen möchte. Es stimmt ja, ich kenne meine Leser ganz gut, etwa 80 % davon sind in Rente und haben ihr eigenes Reich dabei. Aber es waren gerade Osterferien. Ich habe zu dem Zeitpunkt, es war wohl der 13. März, das ganze Ausmaß dieser Tragödie nicht erkannt. Weil ich auch gerade nicht im Land bin. Immer war ich in den letzten Jahren im März in Marokko, aber gerade diesmal nicht wegen einer Familienfeier. Und ich habe auch nicht bedacht, dass auch viele andere meine Gruppe Marokko-Mauretanien mobilunterwegs abonniert haben, um Informationen zu bekommen.

Also noch einmal: bitte entschuldigt. Das war falsch von mir.

Aber im Übrigen finde ich es wunderbar, was ihr ganz ohne meine Hilfe aus der Gruppe gemacht habt. Wie ihr die ganz aktuellen eigenen Erlebnisse gepostet habt, die für andere so sehr wichtige und hilfreiche Informationen waren. Ganz herzlichen Dank dafür. In den letzten Tagen sind reihenweise Beitrittsanfragen gekommen, weil jeder informiert werden wollte. Ich möchte nur hoffen, dass wir eines Tages wieder unbeschwert in dieses schöne Land reisen können und dass ihr dann zurück in die Gruppe kommt und nur positive Berichte lesen könnt.

Und so rosig es zu Anfang für die Wohnmobilfahrer ausgesehen hat, auch das hat sich ja geändert. Ich bin heilfroh, dass ich nicht auch im Land war. Obwohl ich zunächst recht komfortabel in USA gestrandet bin, aber auch noch nicht weiß, wie es weiter geht. Auch hier werden die Beschränkungen jeden Tag mehr. Und mein Rückflug wurde gestrichen.