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Reisebericht

IMEX 2022

Nicht viele Menschen werden diese Messe kennen, ist sie doch nur für ein begrenztes Publikum. Länder und Tagungshotels stellen sich vor für Geschäftsreisen und Tagungen, die Besucher sind hauptsächlich Event-Manager. Ich kam vor Jahren schon auf diese Messe durch meine Kontakte zu Marokko, auch von dort stellen sich befreundete Unternehmen vor und ich wurde eingeladen. Seitdem ist es meine Lieblingsmesse geworden. Die ITB in Berlin ist bestimmt noch viel interessanter, aber auch weiter weg, während Frankfurt für mich leicht zu erreichen ist.

Zunächst ging es um die Anreise. Natürlich bin ich bisher immer mit dem Auto gefahren, das geht ziemlich schnell und man kann direkt im Parkhaus über der Halle parken, das kostet allerdings 20 Euro. Nun gibt es ja zeitlich perfekt abgestimmt das 9-Euro Ticket, aber ich müsste zweimal umsteigen. Lange habe ich überlegt, aber den Ausschlag gab schließlich, dass ich etwas trinken kann. Denn auch das gehört zur Messe, die landestypischen Spezialitäten werden gereicht, bei den Brasilianern Caipirinha, bei den Dominikanern Rum, bei vielen Wein und bei den Engländern mussten wir auf das Thronjubiläum der Queen mit Sekt anstoßen. Am Abend war dann ganz sicher, die Bahnanreise war die richtige Entscheidung!

Gespannt war ich, ob sich diese Messe nach den zwei Coronajahren, wo natürlich nichts stattfand, geändert hat. Ja, schon ein wenig. Einige Aussteller, die immer dabei waren, waren nicht mehr vertreten, die meisten Länder aber schon. Nur gab es früher mehr Aktionen, landestypische Tänze in wunderschönen Kostümen wurden gezeigt, was es nun nicht mehr gab. Auch Essen wurde kaum gereicht, gerade die Franzosen waren da früher einzigartig und hatten immer einen Starkoch dabei. Aber zu trinken gab es noch genug. Und die Gespräche, es war einfach toll.

Ich schlenderte am Stand von Bahrain vorbei, da fragte mich ein Kalligraph nach meinem Namen. Edith. Und mit unglaublicher Kunstfertigkeit zeichnete er meinen Namen dann mit Tusche in arabischen Schriftzeichen, das werde ich mir auf jeden Fall aufheben. Ich kam dabei mit einem Ägypter ins Gespräch, wie schön, sich über sein Land auszutauschen, das ich doch auch ein wenig kenne. Ich war einmal kurz davor einen Reiseführer Ägypten zu schreiben, aber da ich damals noch keinen eigenen Verlag hatte wurde nichts daraus. Ein zweiter Ägypter schaltete sich ein und dieser Mann war einfach unglaublich. Er schaute mich nur an und konnte mir unglaublich viel über mich sagen, ohne meine Hand oder sonst etwas auch nur zu berühren, und es stimmte alles. Sehr eindrucksvoll.

Leichter ging es dann beim Kölsch-Stand der gleichnamigen Stadt zu. Ein ganz junger Besucher trank gerade ein Kölsch und lud mich ein, dazu zu kommen. Ja warum nicht mal ein Kölsch. Und später fand ich ihn dann am Weinstand von Israel wieder, wie wir wieder anstoßen mussten.

Natürlich ging ich auch zum Marokko-Stand. Diesmal kannte ich keinen einzigen vom Standpersonal. Es sind ja einerseits Vertreter des Touristenbüros (ONMT) dort, andererseits aber auch Repräsentanten von Hotels. Ich ging zum Tresen des ONMT und nannte meinen Namen. Der recht junge Mann, aber schon 12 Jahre dabei, sagte sofort, ja natürlich kenne ich Ihren Namen, habe Sie aber noch nie selbst getroffen. Ich erkundigte mich nach den Coronabeschränkungen und bekam sehr interessante Auskünfte. Man hätte gelernt, dass die Maßnahmen zu streng waren. Man hätte auch gemerkt dass einige Länder, wie die Türkei, sehr früh gelockert haben, und dies dem Tourismus sehr abträglich war und Länder wie die Türkei bevorzugt habe. Er bekräftigte, dass dies nicht mehr vorkommen wird. Es wird, vorausgesetzt es kommt nicht wieder eine schlimme Variante, keine Grenzschließungen mehr geben. Einreisen darf nun jeder, entweder mit Impfung oder mit PCR-Test und er meinte ich solle doch bald wieder kommen.

Schön war es natürlich auch am Stand der Dominikanischen Republik. Auch dort traf ich mit einem Mitarbeiter des Touristenbüros zusammen und wieder ein wunderbarer Austausch und Tipps für meine nächste Reise dorthin im Dezember. Ich fragte ihn, ob es denn auch Mamma Juana gäbe. Wer das nicht kennt, das ist ein sehr spezielles Getränk aus Rum und Kräutern, gibt es nur in der DomRep. Nein, sagte er, aber er hätte einen guten Rum. Ich trinke ja eigentlich keine Schnäpse pur, musste aber doch probieren und erfuhr so, dass die beste Qualität wirklich unglaublich samtig schmeckt. Den muss ich beim nächstenmal kaufen. Als ich am Stand von Miami entlang lief wo es wirklich schöne Taschen gab, fragte ich etwas provozierend, ob ich eine bekäme, wo ich doch statt nach Miami immer nach Daytona Beach fahre. Der nette Mann sagte, nehmen Sie zwei, da Sie so ehrlich waren. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, denn ich hatte meiner Nachbarin versprochen, ihr Taschen mitzubringen. Da drin gab es noch Koffer Anhänger und – natürlich – eine Sonnenbrille.

Auch Condor war vertreten. Beim letztenmal flog ich mit Condor in die DomRep, war sehr zufrieden mit Premium Economy und wollte das auch diesmal wieder für meine Familie haben. Gab es aber nicht mehr diese Klasse. Die nette Dame erklärte mir, warum nicht, ein neues Flugzeug und packte mir zum Trost eine ganze Tasche voll mit Werbegeschenken.

Am Stand der Stadt London lief natürlich der Fernseher mit Live-Übertragungen der Parade zum 70. Krönungsjubiläum der Queen. Und der Sekt floss in Strömen. Aber dann war es bei den Brasilianern endlich so weit für den Caipirinha, mein Lieblingsgetränk. Ich liebe einfach dieses Zusammentreffen von süß und sauer. Einfach köstlich, doch Gespräche ergaben sich hier nicht. Das kam aber dann wieder als ich zum Ausklang noch mal zur Queen ging. Traf am Tresen mit zwei Ugandern zusammen. Sagt man so? Auch hier einfach wieder wunderschön. Wir haben von einer Welt geträumt, wo alle sich lieben, wo es keinen Rassismus gibt.

Wie schade, dass es schon zu Ende ging. Und wie gut dass ich kein Auto mehr fahren musste.

Florida oder Marokko

Meine Leser der Marokko-Reiseführer sind erstaunt, dass ich in Florida bin und nicht in Marokko. Deshalb möchte ich das mal ein wenig erklären. Im letzten Jahr, als Covid gerade ausbrach, hatte Marokko sehr schnell seine Grenzen geschlossen, keiner durfte rein noch raus. Da es März war und noch Saison für die Wohnmobilfahrer waren diese richtig traumatisiert. Schließlich konnten sie mit Sonderflügen das Land verlassen, aber das Wohnmobil musste stehen bleiben. Das ist ein lang anhaltender Schock. Und ganz klar ist es nun, dass keiner mehr so richtig Marokko traut. Es zeigt sich ja gerade wieder. Nach langer Zeit waren endlich wieder Flüge erlaubt, gestern wurden sie wieder gestrichen. Das Land blockt sich ab und man kann nicht planen.

Das führt natürlich auch dazu, dass ich keine Bücher mehr verkaufen kann. Das Lager ist voll und an eine neue Auflage absolut nicht zu denken. Wer sollte sie auch kaufen. Mein Plan war daher, in diesem Winter in mein geliebtes Florida-Heim zu fahren und im Frühjahr vielleicht nach Marokko. Aber das werde ich erst später nach Sachlage entscheiden.

Es kommt noch etwas anderes hinzu. Hier in Florida gibt es so gut wie keine Covid-Maßnahmen mehr, das Leben ist zurück auf normal. Wer eine Maske tragen will zum eigenen Schutz kann dies tun, wer dies nicht möchte lässt es, und das sind die meisten. Nur noch in öffentlichen Gebäuden werden Masken verlangt und das ist ziemlich pervers, da ja gerade der Gouverneur von Florida gegen Masken ist. Er hat nun einige Schulen verklagt weil die einen Maskenzwang hatten.

Aber das interessiert mich überhaupt nicht, das müssen die mit sich ausmachen. Mir ist wichtig, dass es wieder ein normales Leben gibt. In den Geschäften sind seit dem Sommer auch die Umkleidekabinen wieder geöffnet. Das Personal in großen Geschäften trägt aber meist eine Maske. Und die Restaurants sind voll und auch Feste können in vollem Umfang stattfinden. Ja, das ist meine Lebensart, hier fühle ich mich wohl.

Erholung im All-Inclusive Resort

Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich die Abenteurerin bin. Ich reise gerne, aber will ein Land nicht nur an der Oberfläche kennenlernen, will eindringen und etwas über das Leben der Einwohner erfahren.  Doch manchmal gibt es Situationen, die anderes erfordern. Und dies hier war so eine. Ich lebe ja nur den Sommer in Deutschland, den Winter verbringe ich zum Großteil in meinem Heim in Florida. Dort war ich auch, als Covid-19 auf die Menschheit kam. Ab Mai war ich dann in Deutschland, in einem Land, in dem nichts mehr so war wie zuvor. Mich hat das sehr gestresst. Dazu kam noch ein Unfall, der mir bewusst gemacht hat, dass das schöne, aktive Leben auch ganz schön schnell zu Ende sein kann. Und ich hatte keine Möglichkeit in mein Haus in Florida zu kommen, da Trump die Einreise für alle Menschen gesperrt hat, die 15 Tage zuvor im Schengen Raum waren. Ich empfand das bereits damals ungerecht, denn es gab auch da schon Länder, in denen das Virus schlimmer herrschte, aber die durften rein.

Meine Hoffnung lag auf dem neuen Präsidenten. Aber damit wurde ich enttäuscht, er hat die Beschränkung noch einmal bekräftigt. Dann fing ich an zu überlegen. Wenn man die letzten 14 Tage also woanders ist, dann geht es. Und die Planung begann und endete im 5-Sterne-Resort in der Dominikanischen Republik. Zunächst hatte ich auch da vor, das Land zu erkunden, aber es kam anders. Auch während dem Aufenthalt hatte ich viel Stress, denn ich musste die Weiterreise nach USA organisieren mit vielen Unwägbarkeiten. Nichts zog mich aus meinem gemütlichen Hotel hinaus ins Land. Nie zuvor war ich in einem solchen All-Inclusive Resort, hatte eher eine Abneigung dagegen. Aber es gefiel mir, gefiel mir sogar sehr. Nicht eine Minute habe ich mich gelangweilt. Überall wurde ich verwöhnt. Nicht leicht für mich, da ich mir ja strenge Beschränkungen wegen dem Essen auferlege, ich will nicht zunehmen und hatte deshalb auch meine Waage dabei. Es war schwer, auf so viele Leckereien zu verzichten, gleichzeitig war es aber auch toll, gezielt darunter auszuwählen. Darf es noch ein Champagner sein? Oder einen Cocktail vor dem Essen? Ja, das Leben kann schön sein.

Und deshalb, auch unter anderen Menschen gibt es welche, die im Berufsalltag sehr gestresst sind, die eine Auszeit brauchen. Und ich habe nun vollstes Verständnis, dass sie sich diese holen und nicht auf Biegen und Brechen versuchen, ein Land kennenzulernen. Nach einem erfüllten Arbeitsleben haben auch sie Zeit und können immer noch auf Erkundungstour gehen.

Es geht wieder aufwärts

Das schlimme ist ja, dass man nichts anderes tun kann, als morgens bereits auf den Abend zu warten, dass es dazwischen absolut nichts gibt. Aber mit dem herrlichen Wetter an diesem Wochenende ändert sich das für mich. Gestern bin ich schon entgegen dem Ratschlag meines Arztes 12 km Rad gefahren und hatte am Abend ein gutes Gefühl. Deshalb waren es heute bereits 23 km. Noch immer fühlt es sich gut an, mein Zinkleimverband ist noch drauf und gibt mir Halt. Heute früh traf ich sogar im Wald an der Platte auf meinen Sohn mit seinem MTB. Wenn ich die herrliche Sonne am Himmel sehe ruft natürlich auch das Kayak. Noch dürfen wir nicht in der Gruppe fahren, nur allein. Aber ich brauche Hilfe beim Heraustragen des Bootes. Und nun habe ich jemand gefunden. Am Dienstag ist es soweit und wir wollen auf den Rhein. Ach, es geht doch vorwärts!

 

Der Tiger im Käfig

Ich halte es nicht mehr aus. Ich kann so nicht leben. Das Leben besteht nur noch aus existieren. Warten bis zum Mittagessen, warten auf den Abend, dass man ins Bett gehen kann. Aufstehen und der gleiche Trott fängt an. Natürlich gehe ich raus, durchlaufe wie eine Wilde die Wälder um Taunusstein, laufe und laufe, aber nichts davon füllt mich aus. Und das Highlight des Monats ist ein Arztbesuch. Das kann doch einfach nicht alles sein.

Mein Lebensinhalt ist einfach dahin. Reisen, Menschen treffen, Neues erleben. Ich habe Freunde, aber sie wohnen weit weg in der Welt und eben da kann ich nicht hin. Ich sinne nur noch auf Fluchtmöglichkeiten.

Was ich mir wünsche wäre ein Gleichgesinnter. Ein Mensch, der sich eingesperrt fühlt wie ich und mit dem zusammen man versucht, das Beste daraus zu machen. Ja, ich habe Nachbarn. Drei sogar, alle Single. Und wenn wir uns treffen – nicht immer gleichzeitig – sind wir illegal. Ich tue es trotzdem. Aber es erfüllt mich nicht. Ich bin dankbar für sie, möchte keinen einzigen von ihnen missen. Aber sie sind anders als ich. Ich wünsche mir zum Beispiel jemand, mit dem man etwas machen kann. Ja, in der Pilzsaison bin ich mit einigen in den Wald gegangen, aber die Pilze sind vorbei. Ich würde mir wünschen, dass wir etwas gemeinsam tun. Zusammen kochen vielleicht, einen Ausflug zusammen machen. Aber nichts kommt da zurück, gar nichts. Jeder darbt allein vor sich hin. Dann kommen solche Äußerungen wie: Ich hoffe auf bessere Zeiten. Mit der Situation habe ich mich schon lange abgefunden. Ich gehe viel spazieren.

Also ich habe mich absolut nicht abgefunden, ich will raus.

Ich denke oft, dass unsere Politiker vollkommen abgesetzt sind von der Wirklichkeit. Es gibt viele Problemgruppen in der Gesellschaft, die sich schwer tun. Familien mit Kindern, Einzelhändler und so weiter. Ich will aber nur für meinen Bereich sprechen, ich kann nicht für andere reden. Unsere Politiker haben täglich Besprechungen, ob persönlich oder virtuell, aber sie sind immer in Kontakt mit Menschen, haben ihre Arbeit. Der Blick für solche allein lebenden Menschen wie ich, die einerseits in Rente sind und nicht mehr mit anderen beruflich in Kontakt kommen, andererseits aber auch von ihren normalen Freizeitbeschäftigungen abgeschnitten sind. Zum Beispiel dem Sportverein. Bei mir ist es meine Nebentätigkeit. Ja, ich habe auch einen großen Verdienstausfall, weil niemand mehr meine Reiseführer kauft. Die Menschen können ja nicht reisen. Aber das kann ich aushalten. Was mir fehlt ist der Lebensinhalt, der dahin ist. Keine Bestellungen abarbeiten, Bücher verschicken, Buchführung machen, keine Anfragen beantworten. Kein Kontakt, nichts. Ich halte es nicht mehr aus. Wenn es dir genauso geht, bitte melde dich. Ich brauche einfach Gleichgesinnte zum Austausch.

Am nächsten Tag: Fluchtplan A ist geschmiedet. Nun heißt es abwarten!!!

Nachruf auf die Marrakech

In Facebook wurde dieses herrliche Schiff erwähnt, was in mir viele Erinnerungen wachgerufen hat. Hier ein Bericht von meiner ersten Reise 1987:

„Diesmal will ich endgültig allein fahren, deshalb schreckt mich die endlos lange Anreise über Spanien. Von Sète in Südfrankreich aus gibt es ein Fährschiff direkt nach Tanger und so buche ich eine Passage für mich und den Suzuki. Die Anfahrt nach Sète ist ein Kinderspiel, gut 1 000 Kilometer Autobahn. Und da liegt sie nun, die Marrakech. Ein Traumschiff! Riesengroß und blütenweiß schwimmt sie im Hafen. Die Schlange zur Abfertigung ist nicht sehr lang, ich parke den Wagen in dem kleinen Hafen und habe genug Zeit, mir den nahegelegenen Ort anzusehen.

Am Nachmittag beginnt endlich die Einschiffung. Die Marrakech ist das schönste und sauberste Fährschiff, das ich je gesehen habe, ich lerne Marokko zum erstenmal von seiner luxuriösen Seite kennen. Das Schiff gehört dem König, wenn er es selbst zu einer Kreuzfahrt benötigt, nimmt er es einfach aus dem normalen Liniendienst heraus. Ich habe Touristenklasse gebucht, aber meine Kabine ist schön und sauber und ich muss die vier Betten mit niemand teilen, die Fähre ist nicht ausgebucht. Das Schiff ist wie ein marokkanischer Palast eingerichtet, wunderschöne Fotografien vom Land hängen an den Wänden. Ich bin so glücklich wieder auf der Reise in mein geliebtes Land zu sein, dass mir beim Anblick dieser Fotos die Tränen kommen. Den marokkanischen Einreisestempel bekommen wir gleich an Bord, da kann es eine solche Überraschung wie in Melilla nicht geben.

Die Welt an Bord teilt sich in zwei Teile: Komfortklasse für die meist europäischen Reisenden und Touristenklasse für überwiegend marokkanische Passagiere. Ich hänge irgendwo dazwischen. Bei den Marokkanern bin ich für die Mahlzeiten, aber zwischendurch erhalte ich Zutritt zu den Salons der ersten Klasse. Als alleinreisende Frau genießt man Privilegien. Noch vor der Abfahrt sitze ich im Teesalon. Es gibt auch hier schon den original Pfefferminztee, den aber außer mir kein Tourist trinkt. Für sie ist alles noch neu, sie kennen die marokkanischen Spezialitäten noch nicht. Die erste Einladung habe ich schon, der Kellner Hassan hat nach dieser Überfahrt Urlaub und will mich in seine Heimatstadt Fes mitnehmen.

Der Platz an der Bar des Teesalons wird mein bevorzugter Aufenthaltsort für den Rest der 38-stündigen Überfahrt. Immer wieder kommt jemand von der Mannschaft vorbei, um einen Tee zu trinken und ich lerne alle kennen. Am meisten unterhalte ich mich mit Tayeb, dem Bordfunker. Er ist schon älter und war in der Kolonialzeit beim französischen Militär. So ist er bis nach Deutschland gekommen. Er zeigt mir seinen Funkraum und ich darf sogar auf die Brücke. Am zweiten Abend soll in der Bar ein Folkloreabend stattfinden und Tayeb möchte nach Feierabend mit mir hingehen. Ich warte in dem Funkraum, er liegt auf dem achten Deck des Schiffes, sehr weit oben. Das Schaukeln schiebe ich auf die exponierte Lage des Raumes. Als wir nach dem Dienst heruntergehen, sind in den Gängen Papiertüten verteilt. Mir schwant schlimmes! Und tatsächlich, als ich die tanzenden Menschen in der Bar sehe, kann ich nur noch den schnellsten Weg zu den Toiletten suchen.

Auch hier auf dem Schiff sind die Männer, das heißt das Schiffspersonal, nur an einem interessiert. Der Maschinist will mir seine Kabine zeigen, er meint, ich könne gerne die Nacht bei ihm verbringen. Selbst Tayeb erklärt mir, dass er die Frau seines Lebens suche. Es ist immer schwer zu unterscheiden, ob es sich um echte Freundschaft handelt oder ob nur ein Abenteuer gesucht wird. Ich handele immer nach meinem Gefühl und habe so schon viele gute Freunde gefunden.“

Auf den folgenden Fahrten habe ich dann nicht mehr Touristenklasse gebucht, sondern nur noch einen Platz in einer Vierbettkabine der Komfortklasse. Meist hatte ich die allein, weil es nicht möglich war, alleinreisende Frauen zu mir zu stecken, waren keine da. Mir kamen jedesmal Tränen vor Freude und Rührung, wenn ich wieder auf dem Schiff war. Und das Essen war einfach grandios. Nach Ankunft auf dem Schiff wurde jedem ein Platz am Tisch zugeteilt für die ganze Zeit und so entstanden sehr interessante Gruppen. Da ich englisch und französisch spreche war auch die Kommunikation kein Problem, die Zeit auf dem Schiff verflog nur so. Das Essen bestand aus einen sehr guten Viergang-Menü, der Wein dazu war preiswert und meist hatten es die Kellner schwer, uns wieder vom Tisch weg zu bekommen. Aber dann sind wir halt zur Bar oder in den Teesalon gewechselt. Von der 1988er Reise schrieb ich:

„Nun bin ich wieder auf der Marrakech. Es ist ganz anders als ich es mir ausgemalt hatte. Der Funker ist nicht mehr da, nur noch der Barkeeper. Aber dafür habe ich einen jungen Amerikaner kennengelernt, der mir sehr sympathisch ist. Mit dem würde ich gerne ein paar Tage fahren, aber er hat kein Visum und darf nicht bleiben. Der erste Tag in Marokko verlief völlig anders als ich es mir vorgestellt hatte. Es kostete mich zwar eine Menge Geld, aber ich bin nicht böse darüber. Es war ja freiwillig. Auf dem Schiff habe ich so nette und interessante Leute kennengelernt, mit denen ich gerne noch zusammen bleiben wollte. Darunter war der amerikanische Konsul in Casablanca. Und irgendwie landeten wir alle zusammen im teuersten Hotel von Tanger. Es ist mal eine ganz andere Welt, die ich hier kennenlerne, ich würde zwar niemals meine Welt aufgeben, aber es ist doch interessant, es kennengelernt zu haben.“

Das Schiff gehörte zum Besitz von König Hassan II und wenn er es für seine eigenen Zwecke brauchte, dann wurde es einfach abgezogen. So kam ich auch einmal an den Hafen und ein anderes Schiff stand dort. Eine wahre Katastrophe, denn die Marrakech ist einzigartig. Auch die Einrichtung der Salons war im marokkanischen Stil, schön verzierte Holzschnitzereien und jeden Abend spielte eine Band zum Tanz. Sie wurde betrieben von der marokkanischen Reederei Comanav, doch irgendwann ging es mit der bergab. Zunächst wurde am Essen und am Service gespart und dann war sie pleite. Ich glaube meine letzte Fahrt mit ihr war 2005. Die heutigen italienischen Schiffe können da einfach nicht mithalten.

Die ersten Fotos sind von 1987

Diese Fotos von 2005

Kleidermarkt in Ighzer

Heute haben wir ein gutes Geschäft gemacht. Wir haben uns den Ort Ighzer angesehen. Dort waren sehr freundliche Leute, die uns alles gezeigt haben. Zum Dank gaben wir einige Kleidungsstücke, so konnten die anderen sehen, dass wir einen ganzen Koffer voll Sachen dabei haben. Und sie wollten kaufen, sie rissen sich sogar darum. Das Zeug wurde uns aus der Hand gerissen, man hielt uns Geldscheine hin und nachher hatten wir ohne es zu wollen 460 DA. Das sind für uns 120 DM. Wir waren ganz happy, so können wir uns heute Abend ein schönes Essen im Lokal leisten. Auch der Ort selbst war sehr interessant, der Alte, der uns führte, bot uns an, kostenlos in der alten Kasbah zu schlafen. Das wäre auch mal ein Abenteuer. Wenn ich noch einmal hierhin komme, gehe ich sicher wieder dorthin. Aber zusammen mit den Schlangen und Skorpionen werde ich doch nicht schlafen.

Heute ist der dritte Tag in Timmimoun, es langt aber auch langsam. Wir haben alles gesehen und mir wird langweilig. Ich freue mich schon wieder auf Marokko. Natürlich geht einem der Geschäftssinn dort auf die Nerven, aber es macht auch Spaß, etwas Schönes zu ergattern. Und wir brauchen noch so einiges an Souveniren.

Eben sitzen wir in einem süßen Restaurant faul am Boden und sind total mit Couscous vollgefressen. Es ist wirklich hübsch eingerichtet hier, das hätte ich nicht erwartet. Der Couscous war schön in einer Holzschale angerichtet, vorher gab es Harira und Datteln. Wir wissen zwar noch nicht den Preis, aber wir haben heute ja gut verdient. Das Lokal ist ringsum mit Kissen ausgelegt und hat niedrige Tischchen mit Tabletts darauf. So ähnlich werde ich es zu Hause auch machen.

27.4. Zurück in Taghit

Nun sind wir also wieder in Taghit angekommen, so schließt sich der Kreis in Algerien. Morgen geht es zurück nach Marokko. Ich freue mich schon richtig darauf und ich will auch noch mal nach Zagora fahren. Dann können wir dort auf dem Markt nochmal richtig einkaufen. In Marokko gefällt es mir halt doch besser als in Algerien. Gestern hatten wir ein schönes Erlebnis. Wir fuhren nach Ksabit, einer kleinen Oase, in die nicht sehr viele Touristen kommen. Frauen, die in den Palmengärten arbeiteten, winkten uns, näher zu kommen und zeigten uns alles. Sie waren sehr hübsch angezogen, hatten die Haare zu Zöpfen geflochten und luden uns zum Bleiben und Essen ein. Aber es war noch früh am Morgen, wir wollten weiter und verwiesen auf den Ramadan. Eine Frau zog spontan ihren Ring aus und gab ihn mir. Eine andere gab daraufhin ihren Ring an Traute. Wie gut, dass wir noch Kleidungsstücke zum Verschenken im Auto hatten, denn das Geschenk konnten wir nicht abweisen. Nur revanchieren konnten wir uns. Die meisten trauten sich aber nicht, sich fotografieren zu lassen. Nur eine rückte sich nochmal Haare und Kleidung zurecht und ich durfte ein Foto schießen. Hoffentlich wird es was. Zum Schluss nahm uns die eine mit in ihr Haus und gab uns noch Datteln und süßes Gebäck mit auf den Weg. Und natürlich sollen wir beim nächstenmal wieder vorbei kommen.

Abends haben wir uns im Hotel nochmal vollgefuttert, es gab Couscous und so viel davon, dass noch zwei Personen hätten satt werden können. Wir mussten ja das Geld ausgeben, das wir bei dem Verkauf der Kleider verdient haben. Kurz vor der Grenze haben wir noch einmal vollgetankt und da das Geld nicht reichte, habe ich noch eine Jeans dazu gelegt. Der Tankwart war so zufrieden, dass er das Auto noch etwas gerüttelt hat, damit mehr hinein passt.

28.4. Figuig

Endlich wieder in Marokko, Hamdullilah! Es gibt wieder alles zu kaufen, es gibt Cafes, es ist Leben auf der Straße. Gerade ist Harira-Zeit. Die Leute (einschließlich uns) sitzen im Cafe und beim Heulen der Sirene schlürft alles die Suppe. Die Geschäfte hatten mit dem Untergehen der Sonne geschlossen. Die Leute haben sich noch schnell mit Süßigkeiten versorgt, die sie zur Suppe essen. Gleich kommen die Jungen und verkaufen Zigaretten: Marlboro, Marlboro, Marquise, Marquise. Ja, das ist Leben. Hier herrscht viel lockerere und freundlichere Atmosphäre. Und nun, da alle wohlgesättigt und zufrieden, kommen die Schuhputzer. Nun wird sich zurück gelehnt und nun kann auch noch für ein besseres Outfit gesorgt werden. Wir fühlten uns richtig ausgehungert nach Algerien. Obwohl wir in Wirklichkeit genug zu essen dort hatten. Aber über allem ist ein Gefühl des Mangels gewesen. Hier ist Überfluss! Traute ist ganz süchtig nach dem frisch ausgepressten Orangensaft. Wir übernachten im schönen Hotel Figuig.

Von Adrar nach Timmimoun

Heute haben wir eine sehr große Etappe geschafft. Ich wollte unbedingt nach Adrar, da es dort im Hotel Touat einen Pool geben sollte, der sogar mit Wasser gefüllt ist. Und so sahen wir uns an der Strecke nichts an und fuhren nur die gut 500 km bis Adrar. Unterwegs habe ich dann extra wegen Traute den Wagen in den Sand gefahren, damit sich die Mitnahme der Sandbleche gelohnt hat und Traute endlich mal zum Sand schaufeln kam. Ich wollte so gern den Wagen allein flott bekommen oder es zumindest versuchen, aber gleich hielt ein Wagen und drei Männer halfen uns. Eine Belohnung wollten sie natürlich auch dafür und zwar in Form von Lebensmitteln. In Marokko will man Geld, hier lieber Sachwerte. Und hier in Adrar merke ich auch langsam warum. In Marokko kostet ein Kilo Orangen 2 DH, hier 9 DA. Und das obwohl der marokkanische Dirham weniger wert ist. An Lebensmitteln ist auch kaum etwas zu bekommen, hätten wir doch nur einen großen Vorrat mitgenommen. Eine Harira sollte 20 DA kosten, in Marokko kosten 2 Suppen 3 DH. Allerdings muss man auch sagen, dass wir an der Grenze quasi einen Zwangsumtausch machen mussten, Algerien ist ein sozialistisches Land wie die DDR. Und die Menschen. Sie sind ganz anders. So aggressiv. Wenn wir über die Straße gehen, immerhin in einer Stadt wie Adrar, werden wir angesehen wie Freiwild. Ich komme mir wie ein unerwünschter Eindringling vor. Kinder haben sogar mit Steinen auf uns geworfen. Und wir laufen durchaus nicht freizügig herum. Wir tragen lange Hosen und T-Shirts. In Marokko habe ich nie das Gefühl gehabt, unerwünscht zu sein. Man war immer froh, mich zu sehen. Gerade auch, wenn ich in einem sehr kleinen Dorf hielt, wo selten ein Tourist hinkommt, umringte man mich, lud mich ein. Jeder war stolz, wenn ich sein Gast war. Man freute sich zwar über ein Gastgeschenk, aber man forderte es nicht. In Taghit war die Stimmung nicht so aggressiv, eher uninteressiert. Aber wir konnten in Ruhe hingehen, wohin wir auch wollten.

Heute hatten wir aber auch ein nettes Erlebnis. Wir suchten Brot und fanden keinen Laden. So gerieten wir in ein Viertel, in dem einfache Leute wohnten. Wir fragten nach einem Bäckerladen, aber das Brot war alle. Ein alter, armamputierter Mann erklärte sich bereit, von zu Hause ein Brot zu holen. Wir gaben ihm ein paar Kleidungsstücke und alle waren wir zufrieden.

23.4. Timmimoun

So, nun sind wir also in Timimoun, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Wir wohnen hier in einem kleinen Paradies, dem Hotel Gourara direkt an der Palmenoase. Es ist ein warmer Sommerabend, ein Lüftchen weht, das Hotel haben wir fast nur für uns. Und im Zimmer einen unbeschreiblichen Luxus, einen Kühlschrank, in dem wir sogar Eiswürfel machen können. Timmimoun ist ein unwahrscheinlich hübscher Ort, der mich mit seinen roten Lehmhäusern an die Architektur in Mali erinnert. Es kommt mir auch sauber und ordentlich vor, das einzige, das mir nicht gefällt, sind die eher unfreundlichen Leute. In Marokko habe ich mich immer herzlich aufgenommen gefühlt, hier fühle ich mich wie ein unerwünschter Eindringling. Heute wollten wir uns das zweite Hotel im Ort ansehen, da verlangte man doch 100 DA dafür.

Tagsüber ist es hier ganz schön heiß, da kann man nur noch faul im Schatten liegen. Morgen müssen wir uns noch die Palmeraie ansehen. Im Hotel sind die Leute freundlich, das ist aber auch das erstemal.

24.4. Durstig im Sand

Heute habe ich mich endlich ausgetobt mit den Sandblechen. Wir haben die Sebka Rundfahrt gemacht, die ist am Ende ganz schön sandig. Mir hat es riesig Spaß gemacht, obwohl man bei der Hitze auch sehr durstig wird. Ich habe im Gepäck immer einen Kanister Wasser und einen Kanister Rotwein, also packte ich einen Kanister ein und wir fuhren los. Und nicht lange, da steckten wir auch schon im Sand. Sandbleche runter und geschaufelt. Machte Spaß in dem weichen Sand, aber eben auch durstig. Wie gut, dass ich Wasser dabei habe. Griff zum Kanister, ein großer Schluck. Igitt! Ich habe die Kanister verwechselt. Und Durst mit Rotwein löschen geht absolut nicht. Wir waren völlig fertig.

Die Ausblicke den Felsabbruch hinunter waren sehr schön, aber eigentlich hatte ich mir Timmimoun ganz anders vorgestellt. Viel mehr inmitten von Sanddünen gelegen. Da entsprach Tighit schon mehr meinen Vorstellungen. Und das Essen hier ist wirklich teuer. Ich habe dauernd Angst zu verhungern. Es ist manchmal schwierig, überhaupt etwas zu bekommen.

2. Algerienreise 1989

Dann begann das für mich bisher schönste Stück der Reise. Die Fahrt nach Algerien. Endlich mal etwas Neues. Ich wollte die Piste nach Boudenib ausprobieren, deren Anfang ich beim letztenmal gesehen hatte. Und da war endlich das Abenteuer. Endlich war Neues zu entdecken. Diese Piste war so voller Neues, aber leider viel zu kurz. Und endlich Einsamkeit. Auf der ganzen Strecke ist uns nicht ein Mensch begegnet, nicht ein Haus oder Zelt war zu sehen. Herrlich nach all der Anmache bisher. Doch bald waren wir in Boudenib. Es ist nur ein kleiner Ort, aber alles zu haben. Ein einfaches Hotel gab es, war aber geschlossen. Nicht ein Mensch sprach uns an, eine Wohltat. Man merkt, dass nicht viel Touristen hierher kommen.

Bouarfa

Wir fuhren also weiter und hofften, noch irgendwo ein Hotel zu finden. Aber die wenigen Orte waren so klein, da gab es nichts. Einen geeigneten Platz im Freien fanden wir auch nicht und Traute fror sehr, da sie eine Erkältung hatte. Es wurde schon dunkel. Plötzlich sahen wir in der Ferne eine Lichterkette. Was war das? Ein beleuchteter, fahrender Zug? Hier gibt es doch keine Eisenbahn. Eine Moschee mit Lichterkette, ein Fest? Die Neugierde und das Rätsel wurden immer größer. Wir fuhren und fuhren, die Lichter kamen nicht näher. Erst nach 40 km dann die Auflösung, es war die Straßenbeleuchtung von Bouarfa. Wie verschwenderisch hier mit Licht umgegangen wird. Und das in einem so entfernten Winkel von Marokko. Wir waren auch über die Größe der Stadt sehr überrascht. Ein richtiges Geschäftszentrum. Und es gab auch zwei Hotels, so dass für die kranke Traute ein warmes Bett gefunden wurde. Die Zimmer waren zwar ohne fließend Wasser, auch draußen gab es keine Dusche, aber für eine Nacht reichte es. Am nächsten Morgen um 8 Uhr wollten wir aufbrechen, aber das Hotel lag in tiefem Schlaf, die Tür war verschlossen. Zum Glück fand ich eine Hintertür und bezahlt hatten wir auch schon. Im hellen Tageslicht fanden wir auch einen hübschen Rastplatz, der nun für eine Frühstückspause genutzt wurde.

20.4. Einreise nach Algerien

Nun ging es weiter nach Figuig. Dieser Ort macht einen hübschen Eindruck und lohnt eine Besichtigung auf der Rückreise. Wir wollten aber gleich zum Grenzübergang. Die Abfertigung verlief sehr unarabisch geordnet, zwar wurde sehr genau nach Devisen gefragt und das Gepäck durchsucht, aber alles verlief völlig vorschriftsmäßig. Nach knapp zwei Stunden betraten wir algerischen Boden.

Taghit

Hinter der Grenze ist gleich eine Tankstelle, so kamen wir sofort in den Genuss des billigen algerischen Diesels. Die Straße nach Bechar bietet keine Abwechslung. Auch die Straße, die hinter Bechar nach Taghit abzweigt, bietet nur langweilige Landschaft. Ich konnte mir bis kurz vor Taghit nicht vorstellen, dass ich bald in einer malerischen Oase sein sollte. Aber dann, wenige Kilometer vor Taghit, tauchten hinter der Oase plötzlich riesige goldgelbe Sanddünen auf. Nein, so etwas hat Marokko nicht zu bieten. Im Tal davor eine grüne Palmenoase, ein Gewässer fließt träge dahin, am Rand blüht der Oleander und Feigenbäume. Ein Paradies. Und in dem Paradies zu allem Überfluss noch ein ansprechendes Hotel. Die ehemals sehr schöne Anlage mit Gärten und Swimmingpool ist leider etwas herunter gekommen. Hier, wo sowohl Wasser als auch Elektrizität knapp sind, läuft das warme Wasser im Bad und in der Toilette ohne Unterbrechung. Mit ein paar Dichtungen könnte man eine Menge Geld sparen.

Kurz vor Sonnenuntergang besteigen wir die Dünen, um den schönen Ausblick zu genießen. Aber woran liegt es nur, jeder Schritt fällt unheimlich schwer, wir sind völlig fertig, als wir oben ankommen. Ein paar einheimische Kinder machen das im Laufschritt. Hier fällt mir wieder der große Unterschied zu Marokko auf; keiner spricht uns an, keiner bettelt, kein Fossilienverkäufer sitzt schon auf der Düne.

Später im Garten des Hotels sehe ich den Vollmond. Es ist so hell, man könnte einen Fußmarsch in die Wüste unternehmen. Halbzeit im Ramadan. Bisher hatten wir nicht die geringsten Probleme damit. Allerdings wollten wir auch tagsüber noch nie etwas zu essen haben. Die Leute sind alle freundlich zu uns, keiner ist aggressiv, nur manchmal heißt es, ich bin müde. Das macht der Ramadan.

Am nächsten Morgen machten wir einen Ausflug zu den Felsgravuren. Sie sind leicht zu finden, eine Teerstraße führt direkt zu dem Felsabhang an dem sie sich befinden. Das heißt natürlich auch Touristenbusse. Viele Gravuren sehr neuen Datums sind dazu gekommen, viele Besucher mussten sogar ihre Namen verewigen. Wenn man nach links etwa 1 km weiter spaziert kann man noch besser erhaltene Gravuren finden. Heruntergelaufene Wachsreste zeigen, dass hier jemand Abdrücke gemacht hat.

Hier in Taghit gibt es außer dem Hotel ein Cafe, wenige Läden, Post und ein Souvenirgeschäft. Dort gibt es kaum etwas zu kaufen und das wenige ist sehr teuer. Abends werden wir noch zu einem Tee eingeladen. Ein junger Mann sprach uns im Hotel an, lud uns in sein Haus ein und wir gingen prompt mit. Dort wartete ein zweiter junger Mann und mir wurde sehr unbehaglich zumute. Wir tranken unsere drei Gläser Tee und machten uns dann wieder davon. Irgendwie ist die Atmosphäre hier in Algerien anders.

 

Erinnerungen ….

In diesen Coronazeiten hat der Reisende ja nur noch seine Erinnerungen, ansonsten ist er zu Hause eingesperrt. Gestern postete Abdellah vom Riad Fennek Sahara ein Foto eines Feneks, eines Wüstenfuchses. Und das weckte Erinnerungen in mir.

Es ist unendlich lange her. Wann war es? Vielleicht so Mitte der 1990er. Ich war in Merzouga, besuchte meinen guten Kumpel Hassan, der bisher sein Geld verdiente, indem er Touristen auf seinem Kamel vor der großen Düne für ein Foto posieren ließ. Das brachte ihm den Namen Hassan le Touareg und auch etwas Geld ein, so dass er eine kleine Auberge eröffnen konnte und natürlich wohnte ich bei ihm. Die Auberge war noch ganz einfach, aber ich hatte ein kleines Zimmerchen und draußen waren Gemeinschafts-WC und Dusche. Damals brauchte man nicht mehr.

Aber Hassan hatte noch etwas Besonderes. Bei seinen Ritten durch die Sahara hatte er ein kleines Fennek Baby gefunden, das wohl keine Mutter mehr hatte. Er nahm es mit, baute ihm einen kleinen Käfig und zog es auf. Besonders liebte er die frischen Erbsen, die Hassan vor der Auberge zog. Und dann kam ich. Natürlich verliebte ich mich sofort in den kleinen Kerl und der sah mich bald als seine Mutter an, er folgte mir überall hin. Inzwischen durfte er tagsüber frei laufen, unter Aufsicht, denn er soll ja nicht von Raubtieren gefressen werden. Nachts sollte er in den Käfig. Aber natürlich nicht mit mir. Ich nahm ihn mit ins Zimmer und bald schlief er in meinem Bett. Okay, gut, ganz sauber war er nicht. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf für so ein süßes Baby.

Doch irgendwann musste ich wieder heim und als ich im nächsten Jahr wiederkam fragte ich natürlich sofort nach meinem Fennek. Doch Hassan hatte ihn frei gelassen, seiner Wüste zurück gegeben.

In diesem Jahr hatte ich aber noch ein anderes Tier-Erlebnis. Ich war mit Kumpel Ali Mouni unterwegs, kam an einer Auberge vorbei, die wegen Renovierung geschlossen war. Sie liegt auf einem Hügel, bietet eine tolle Aussicht und heißt deshalb auch Panorama. Wir waren hoch gefahren um die Aussicht zu genießen. Und hörten ein jämmerliches Miauen. Ein Kätzchen, ganz offensichtlich eingeschlossen und schrecklich hungrig. Die Auberge war leer und verlassen, keine Ahnung, wie die Katze da rein gekommen war. Jedenfalls bemühten wir uns und bekamen schließlich die Tür unten so einen kleinen Spalt auf, dass ich meine Hand hinein schieben und das Kätzchen greifen konnte. Im Auto hatten wir noch eine Dose Ölsardinen und das Kätzchen fraß sich erstmal satt. Aber nun, wohin damit? Ali hatte noch lange nicht seine Auberge, aber da gibt es doch Hassan. Nichts wie hin zu ihm und um Asyl für das kleine Kätzchen gebeten. Und dort lebte es noch lange.

Und aus der kleinen Auberge, von der ich keine Fotos mehr habe, ja, damals gab es noch kein Smartphone, auf das man immer drückte, wurde die wunderschöne Auberge Le Toureg, eine der vielen Erfolgsgeschichten von Merzouga. Und ich kann nur hoffen, dass Corona ihr nicht den Garaus macht.