Kategoriearchiv: Marokko

Reisebericht

In Memoriam Isolde

Gestern, auf dem Abend in Idstein, sah ich auf der Diashow von Peter und Patricia ein Foto von Isolde. Das hat so viele Erinnerungen in mir geweckt, dass ich unbedingt einen Blog schreiben muss, um ihrer zu gedenken. Ich muss Isolde im Jahr 2011 kennengelernt haben und ich weiß noch, schon beim erstenmal stand uns der Mund nicht mehr still. Wir hatten uns so viel zu erzählen.

Aufzeichnungen dieser ersten Begegnung habe ich nicht, denn diesen Blog gibt es erst seit 2013, und alte online Berichte gingen verloren. Es gibt aber noch ein paar persönliche Notizen. Und merkwürdigerweise sind auch alle Fotos, die ich direkt in ihrem Café Fata Morgana gemacht habe, verschwunden. Es gibt nur noch einige Fotos, die unter einer anderen Überschrift abgeheftet wurden.

Ich kam also irgendwann einmal nach Mhamid, auch für mich meine zweite Heimat in Marokko, und traf irgendwie auf Isolde. Sie war zuvor Buchhändlerin in München und hat nach ihrer Pensionierung ihre Ersparnisse genommen und sich ein hübsches kleines Haus in Ouled Driss bei Mhamid gebaut. Als es fertig war hat sie darin ein Café eröffnet und leckeren Kaffee mit selbst gebackenem Kuchen angeboten. Dazu hatte sie ihren Helfer und Haushüter Ali. Am Abend kam immer die ganze Dorfjugend der Umgebung, hat sich hingesetzt und eine Trommelsession abgehalten. Das war sehr wichtig für die Jungs, denn sonst gibt es in dieser Einöde nichts für sie. Hier nun also ein paar Auszüge aus meinem Tagebuch, wo sie erwähnt wird.

29.12.2011

Und nun bin ich also in Mhamid eingetroffen. Der erste Tag war nicht unbedingt dazu angetan, mir etwas Ruhe und Erholung zu verschaffen. Nach dem Frühstück stand Isolde vom Café Fata Morgana vor der Tür. Aber bevor ich sie richtig begrüßen konnte brachte mir das Zimmermädchen sechs Österreicher, geführt von Martin, hier im Forum bekannt als Martin 1101. Sie kamen mit drei Geländefahrzeugen auf eine Stippvisite vorbei, aber das wichtigste war, dass mir Martin mein Schweizer Messer brachte, das ich bei Thomas vergessen hatte. Es hat mich bei all meinen Marokkoreisen – und nicht nur da – begleitet und ist mein Talisman. Hier seht ihr Martin vor den Fahrzeugen, wobei der Geländewagen ganz rechts nicht dazu gehört. Und noch die ganze Truppe einschließlich Isolde.

Doch damit nicht genug. Nachdem die Österreicher weg waren bin ich mit Isolde ins Städtchen, wir hatten noch viele nette Gespräche. Zum Abschluss fuhren wir zum Café Boussole, es liegt sehr schön auf einem Hügel am Beginn der Piste nach Chegaga. Dort fand ich ein etwas abenteuerliches Wohnmobil samt Anhänger mit deutschem Kennzeichen, dem ich auf der schmalen Straße nach Mhamid schon ausgewichen war. Und wer kochte sich darin sein Süppchen? Saharasepp!

30.12.2011

Die Tage hier sind so turbulent, es passiert so viel, jede Minute ist so ausgefüllt, dass ich überhaupt nicht dazu komme, alles aufzuschreiben. Der gestrige Tag war wohl die Spitze der Turbolenz und ich will sehen, ob ich nun genügend Zeit finde, davon zu erzählen.

Ich saß mal wieder beim Frühstück, als draußen vor der Tür Knuth vorbei ging. Knuth, den ich schon auf der Farm von Thomas Friedrich getroffen habe, der im Forum nur ein stiller Mitleser ist. Thomas war ja eine seiner ersten Stationen in Marokko und während ihn nichts umhaut, litt seine Frau noch unter dem Kulturschock und wollte keinesfalls weit in den Süden fahren, nicht „im Sandkasten spielen“. Umkehren und heim nach Europa hätte ihr ganz gut gefallen. Ich konnte sie mit dem Argument, dass es doch dort unten bei Merzouga sehr viel wärmer als bei Thomas ist, zunächst mal umstimmen. Und dann gingen sie draußen am Fenster vorbei. Sonja hat ihren Schock inzwischen überwunden und sich ganz gut eingewöhnt, ich bin sicher, zurück in Deutschland wird sie von dem Marokkovirus infiziert sein. Sie brachten noch zwei weitere Paare mit, ein Nürnberger VW-Bus und ein italienisches Isuzu-Wohnmobil. Wir saßen also gemütlich vor der Kasbah und tranken Tee. Vor dem Haus hatten auch etliche Geländewagen geparkt. Ein Chauffeur stieg ein, fuhr rückwärts raus und auf den Nürnberger VW. Blinker kaputt, Delle in der Seite, Stoßstange ein wenig beschädigt. Damit war der Tag für die sechs Leute gelaufen, denn man darf sich nicht vorstellen, dass so was schnell abläuft. Endlose Diskussionen, der Chauffeur hatte absolut kein Geld dabei und arbeitet auch für eine fremde Agentur, nicht für Sahara Services, denen die Kasbah gehört. Hin und her gings und schließlich holte der Chauffeur, nicht der Geschädigte, die Polizei. Mit dem Ergebnis, dass sein Führerschein einkassiert wurde.

Ich musste aber zum Souk in Tagounit, schließlich ist der nur an einem Tag in der Woche und ich brauchte dringend etwas. Auf dem Rückweg stoppte ich bei Isolde. Ich saß nicht richtig kam eine Gruppe von sechs Deutschen zum Kaffeetrinken. Nicht nur verkaufte ich ihnen gleich ein Buch, ich änderte auch noch ihren Reiseplan und buchte sie in die wunderschöne Casbah des Arts in Agdz ein statt in eine einfache Herberge in Taliouine.

Es war schon Nachmittag, als ich zurück nach Mhamid kam. Knuth und Gefolge waren noch da, die Sache immer noch nicht geklärt. Vom Chauffeur war einfach nichts zu holen, er am Weinen, weil sein Führerschein weg war. Da kann nur noch Abdou helfen. Er versprach dem Nürnberger, dass er sich um die Reparatur in Marrakech kümmern wird. Der war dann besänftigt und ging mit dem Chauffeur zur Polizei, damit dort alles geregelt wird und er seinen Führerschein wieder erhält. Um halb sechs am Abend war es dann endlich so weit, etwa sieben Stunden für einen leichten Blechschaden.

Inzwischen rief Isolde an, dass ausgerechnet an dem Nachmittag der Thomas eingetroffen ist, der für ein soziales Projekt in Ouled Driss 7 Notebooks gesammelt hat und sie übergeben wollte. Der Termin war uns vorher nicht bekannt. Ich lud die sechs Wohnmobilleute also ein, mit zu Isolde zu fahren. Dort findet wirklich jeden Abend ein Ahidous statt, ein Abend mit Trommelmusik, über den ich noch gesondert berichten werde. Die Jungs trommelten, was das Zeug hielt, war eine tolle Stimmung, Isolde hatte außerdem noch eine Familie, Verwandte aus Deutschland, zu Gast. Plötzlich kam die Frau von Thomas ziemlich aufgelöst ins Café und fragte nach einem Arzt. Thomas war beim abendlichen Spaziergang in den Dünen so unglücklich gestürzt, dass er sich die Schulter verletzt hatte und sie stark geschwollen war. Er konnte nicht mehr laufen und saß in seinem Bus. Isoldes Verwandte sagte ganz schüchtern, ja, sie wäre Ärztin, aber Tierärztin. Sie ging mit hinaus, wir trommelten, sangen und tanzten weiter.

Nach einer guten Weile kam Thomas auf seinen eigenen Beinen zu uns, gefolgt von der Tierärztin. Sie verarztet nicht nur Tiere, sondern hat auch einen Sohn, der sich ständig die Schulter ausrenkt, war also prädestiniert für die Aufgabe. Thomas wurde mit Schmerztabletten zugepumpt, der Arm eingerenkt und es ging ihm schon besser.

Ahidous im Café Fata Morgana

Viele kennen Isolde schon mit ihrem Café Fata Morgana in Ouled Driss und sind auf einen leckeren Capuccino und einen selbst gebackenen Kuchen vorbei gekommen. Aber die beste Zeit, Isolde zu besuchen, ist der frühe Abend. Immer abends so gegen 5 – 6 Uhr kommen die Jugendlichen des Dorfes bei ihr vorbei, greifen sich eine Trommel und fangen an zu spielen. Es ist oft eine super Stimmung, besonders wenn alle mittanzen. Isolde erfüllt damit eine ganz wichtige Funktion, nämlich den jungen Leuten einen Treffpunkt und eine Beschäftigung zu bieten. Einige der Jungs haben sich sogar schon zu einer Gruppe zusammengetan und treten bei Veranstaltungen auf.

31.12.2011

Am nächsten Morgen sollten die Notebooks übergeben werden und ich wurde dazu gerufen. Doch so einfach und schmerzlos läuft nichts in Marokko. Die Spender waren bereit, die Dinger gleich anzuschließen, aber es stellten sich einige Probleme in den Weg, die uns zunächst ziemlich unklar blieben. Zuvor besichtigten wir aber mal die örtliche Schule. Es gibt eine staatliche und eine, die durch die örtliche Association gegründet wurde, eben die, die die Computer haben wollte. Und ich war beeindruckt. Ich habe schon viele marokkanische Schulen gesehen, staatliche allerdings, und die hier unterscheidet sich sehr stark. Sie macht einen netten, frischen Eindruck, die süßen Erstklässler waren gerade im Unterricht, und es gibt Spielzeug und Lehrmittel fast wie bei uns. In einer staatlichen Schule gibt es das all nicht. Ich war mal in Imilchil in einem Kindergarten, um dort zwei Säcke voll pädagogisches Spielzeug abzugeben. Da ich vergessen hatte, Fotos zu machen, fuhr ich noch mal zurück. Der Erzieher hatte alles in einem Raum verschlossen, um es für sich zu behalten, die Kinder hatten als einziges Spielmaterial einen Bleistift und ein Blatt Papier.

Diese Schule hier in Ouled Driss macht also einen super Eindruck. Allerdings suchen sie noch dringend Sponsoren. Wir gingen dann in die sogenannte Bibliothek, wo die Computer aufgestellt werden sollten. Und dort war es dann nicht mehr so super. Der Raum ist in der alten Kasbah, wo auch das sehr sehenswerte Museum ist. Es war ein staubiger, schmutziger Raum, vollgestellt mit allem möglichen, und das Dach undicht. Es waren einige PC – Arbeitsplätze vorhanden, aber es hieß gleich, die seien alle kaputt, arbeiten nicht mehr durch den vielen Staub und das Regenwasser. Mir scheint also, hier ist mehr nötig, als nur neue PCs aufzustellen. Der Verantwortliche des Vereins, genannt Kiki, versprach, eine Putzbrigade aufzutreiben und den Raum zu säubern, am Sonntag sollen dann die Notebooks angeschlossen werden. Eine Internetverbindung gibt es noch nicht, aber das soll kommen. Und wenn man lernen will, mit einem PC umzugehen, gibt es ja noch etwas anderes als das Internet.

Nun ja, wir besichtigten noch das Museums, das einen guten Einblick in das Leben der Stämme im Dratal gibt, und tranken einen Tee zum Abschluss. Isolde und ich mussten dann ja nach Chegaga zur Silvesterfeier starten.

1.1.2012

Silvester in Chegaga. Seit Jahren veranstalten meine Freunde von Sahara Services dort eine große Party. Wenn ich auch nicht unbedingt ein Freund von so was bin, so wollte ich mir das doch mal anschauen, um darüber berichten zu können. Es hieß teilweise, dass bis zu 200 Leute dort sein werden und mir graute davor. Zur Sicherheit brachte ich eine Flasche Sekt aus Deutschland mit, der Plan war, um Mitternacht allein auf einer Düne zu sitzen und mit mir anzustoßen.

Zwei Tage vorher kam ein englisches Wohnmobil in die Kasbah, sie wollten evtl. eine Wüstentour buchen. An Bord nicht die typischen Rentner, sondern 5 junge Engländer, darunter zwei Schotten und ein in Südafrika Geborener. Zu allem Überfluss hatte der eine Schotte Roma – Vorfahren, war also absolut nicht so, wie ich mir den typischen Schotten vorstelle. Der andere schon eher mit seiner blassen Haut und den hellroten Haaren, Gregor McDermot hieß er. Alle zwischen 25 und 30, also ein richtig knackiges Alter. Wir verstanden uns schon an dem Abend prächtig. Ich konnte sie überzeugen, dass es sinnvoll wäre, zwei Nächte in der Wüste zu schlafen und somit die Party mitzumachen.

Am nächsten Abend kamen zwei junge Spanierinnen. Allerdings hören sie das nicht gern, sie bezeichnen sich lieber als Kataloninnen. Und sie sprachen perfekt englisch, was ja selten in Spanien ist. Die eine war Englischlehrerin für Grundschule und Kindergarten und meinte, dass sich das in Zukunft ändern wird, Englisch wird jetzt überall gelehrt. Auch das zwei süße junge Mädchen. Ich konnte auch die davon überzeugen, dass sie die Party mitmachen, was nicht geplant war. Da sie schon früher als ich aufbrachen wies ich sie gleich auf die netten Engländer hin.

Es kam also der Silvestermorgen. Die Mädels und viele andere brachen zunächst mit Kamelen auf, obwohl man Chegaga so natürlich nicht in einem Tag erreicht. Sie sollten später von Geländewagen aufgelesen werden. Ein Wohnmobil aus Hamburg kam angefahren, besetzt mit Mutter, Tochter und zwei Hunden. Die hatte ich schon vorher auf dem Camping Caravan Carrefour kennengelernt. Ich konnte auch sie von der Silvesterparty überzeugen. Abdou muss langsam mal Provision zahlen. Am Nachmittag fuhren wir also mit Abdou in seinem Pickup los.

Abdou hat an den Dünen von Chegaga zwei Camps, ein normales mit Berberzelten und einfachem Sanitärblock und eines mit weißen Zelten, die alle noch ein Babyzelt hinten dran haben mit Bad: Chemieklo, Waschbecken, heiße Dusche. Und Licht. Man glaubts kaum. Breites Doppelbett für mich. Die Hamburger, Isolde und ich waren in diesem Luxuscamp, die jungen Leute leider nicht. Eine große Bühne war aufgebaut, DJ, Discobeleuchtung, alles da. Der ganze Platz und die umliegenden Dünen waren von Kerzen besetzt, eine traumhafte Kulisse. So wunderschön. Eine Folkloregruppe spielte zum Auftakt, das Feuer wärmte uns. Und dann kamen sie angebraust, die Geländewagen. Alle Gäste vom anderen Camp. Dem Billigcamp. Genial. So brauchte man nur an einem Platz Musik zu machen und alle konnten zusammen feiern. Laut Abdou waren es 80 Personen zum Essen, mir kam es aber nicht so voll vor, es ist ja auch viel Raum.

Aber natürlich zuerst die Begrüßung mit meinen englischen Jungs und den spanischen Mädels, die längst zusammen gefunden hatten. Wir blieben den ganzen Abend zusammen, es war einfach eine unglaubliche Stimmung. Den Schotten konnte ich zunächst überhaupt nicht verstehen mit seinem Slang, aber im Laufe des Abends habe ich mich daran gewöhnt. Und wie wir dann so schön im Zelt saßen, kam ein weiß Gekleideter von der zweiten Folkloregruppe und zog mich mit den beiden Mädels hoch zum Tanzen. Also wer mich kennt, der weiß, wie ungewöhnlich das ist, niemals tanze ich, niemals mache ich was mit. Und ich warf alles über Bord und war locker und vergnügt. Danach legte dann der DJ heiße Platten auf und alle tanzten, auch ich. Die ganze Nacht.

Nein, nicht die ganze. Denn es gab ja auch Essen. Zwei ganze Lämmer wurden gebraten, Mechoui. Dazu gabs Couscous. Die Engländer hatten einen unglaublichen Vorrat an Alkohol, den sie immer nur heimlich nachfüllten. Davon allerdings auch Abdou anboten, und wahrscheinlich gar nicht merkten, dass er ja der Boss von allem ist. Aber Abdou ist da nicht so streng, wenn man auch alles kaufen kann, so hat er doch nichts dagegen, wenn man etwas mitbringt.

Um 23 Uhr kam Hassan, um mir einen Kuss zu geben und Bonne Année zu wünschen. Denn in Deutschland war es ja soweit. Er kündigte aber gleich an, dass er um Mitternacht noch einmal kommen würde. Hassan ist der allerbeste und lustigste Chauffeur, der für Abdou arbeitet und die meisten, die schon Touren bei mir gebucht haben, kennen und schätzen ihn.

Dann aber leuchteten viele Kerzen auf den Dünen in dem Schriftzug 2012. Mitternacht war gekommen. Was dann folgte war einfach unbeschreiblich. Hassan war natürlich der erste, aber danach wurde so viel geküsst und gedrückt wie in meinem ganzen Leben noch nicht. In diesem bunt gewürfelten, internationalen Häufchen wollte jeder jeden umarmen und küssen.

Das schönste an dieser ganzen Nacht war eigentlich die Stimmung. Es war „Eine Welt“, die da gefeiert hat. Menschen von so vielen unterschiedlichen Nationen und alle freundlich und ausgelassen, und keiner maßlos betrunken. Und meine Sektflasche habe ich natürlich mit vielen teilen müssen/dürfen.

Als ich am nächsten Morgen mit meinem siebener Grüppchen zusammen saß, um uns zu verabschieden, wurde genau dies betont, jeder empfand gleich. So schön die Location war, das eigentliche machten die Menschen aus. Abdou hat eine perfekte Organisation, einen perfekten Rahmen geliefert, aber der eigentliche Erfolg des Festes kam von den Teilnehmern selbst.

Ich würde im nächsten Jahr gerne wieder dabei sein!

9.1.2014

Ach, ja. Es gibt Dinge, die sind einfach viel zu privat, um sie in einem öffentlichen Reisebericht zu schreiben. Deshalb gab es so lange nicht von mir hier im Forum. Aber der heutige Abend war einfach wieder zu schön, zu aufwühlend, und es gelingt mir nicht einzuschlafen. Wir, die wir beide schon Ü50 sind, haben gegiggelt wie die jungen Mädchen. Isolde vom Café Fata Morgana ist einfach spitze, wir verstehen uns super.

11.3. Weiberabend und Masochisten …

Gestern abend ging es lustig zu und das war alles nur Isoldes Schuld. Die Damen hatten einen Spaziergang auf Mhamid’s Frauensouk gemacht und besuchten mich dann in der Kasbah. Abdou wollte uns einen Rosé anbieten, aber Isolde schrie gleich, nein, Champagner muss es sein! Sie wollte ihn nur aufziehen und hätte natürlich im Traum nicht damit gerechnet, dass es hier in der Wüste so etwas gibt. Und als unser Rosé alle war und der Champagner anrollte, wollte sie sich vor Scham am liebsten unter dem Tisch verstecken. Aber da musste sie nun durch und mit Abdou anstoßen. Und dann wurde der Couscous aufgetischt, Abdou meinte, dazu passt am besten Rotwein.

18.3. Spaghetti Bolognese …. hmm

Wenn man wie ich schon fast drei Monate im Land ist und nur von Restaurants lebt, keine Möglichkeit hat, selbst etwas zu kochen, dann kann einem schon mal das ewige Couscous-Tajine zum Halse heraus hängen. Vor allem nun, wo ich länger in der Kasbah Sahara Services bin. Hier kommen die Gäste meist nur für eine Nacht oder ein Mittagessen, bevor es ins Wüstencamp geht, und da bringt man keine große Vielfalt auf den Tisch. Ich sagte deshalb zu Abdou, dass ich gerne mal für mich etwas anderes kochen würde, sobald die Kasbah nach dem Festival wieder leerer wird. Aber Abdou meinte sofort, nein, so geht das nicht. Nicht nur für mich, auch ihm hängt sein eigenes Essen zum Halse heraus. Und es muss unbedingt eine Vorspeise und ein Dessert dazu geben, ich solle doch für 10 Personen kochen.

Die erste Herausforderung ist, Gerichte zu finden, deren Zutaten in dem entlegenen Mhamid überhaupt erhältlich sind. Ich entscheide mich für eine italienische Menüfolge:

Bruchetta

Spaghetti Bolognese

Orangen-Bananen-Creme

Amia kommt mich in der Kasbah besuchen, ich erzähle ihr von meinem Plan und sie meint, dazu brauchst du natürlich auch Parmesan. Ich sage, ja klar, aber darauf müssen wir hier verzichten. Sie sagt, nein, geht zum Wohnmobil und schenkt mir ein Stück. Obwohl sie beim Essen gar nicht dabei sein kann. Unglaublich, was sie alles in dem kleinen Wagen dabei hat. Sie hat ja auch für Isoldes Kleiderkammer schon viele Kindersachen gebracht. Als nächstes fahre ich zu Isolde, denn sie hat eine Reibe. Und Mondamin für die Orangencreme. Und einen Garten mit etlichen Wildkräutern. Nun fehlt mir noch Oregano, den Namen hat hier noch kein Mensch gehört. Ich fahre zum Herboristen in Ouled Driss. Es ist ja irgendwie ein Jammer, dass es in diesem Land so eine Vielzahl von wunderbaren Gewürzen und Kräutern gibt, aber sie werden nicht benutzt. Kräuter sind Medizin oder kommen in den Tee, aber nicht in Gerichte. Auch er kennt kein Oregano, winkt mich aber in seinen Kräuterkeller und lässt mich schnüffeln. Ich finde etwas, das passend riecht, mir aber ansonsten unbekannt ist und ich kaufe es. Am nächsten Morgen bekomme ich auf dem Souk noch Schalotten, die etwas würziger sind, und Lorbeerblätter.

Als erstes kommt die Orangencreme dran, sie macht kaum Arbeit, alle Zutaten bis auf Mondamin sind am Ort erhältlich, aber man könnte ja notfalls Mehl nehmen. Ich bin diese täglichen frischen Apfelsinen dermaßen leid. Das Essen soll gegen 19 Uhr stattfinden, ich hole Isolde ab und wir schnippeln eifrig. Was uns noch fehlt ist das Fleisch, es sollte um 17 Uhr mit dem Taxi aus Tagounit ankommen. Ich will euch das nun folgende Theater lieber ersparen, es war ein einziger Stress und ein Gebrülle, weil sie wohl alle zu doof oder faul oder was weiß ich was waren, das Fleisch zu bestellen. Um 18.30 Uhr traf es schließlich ein. Aber es hat ja eh niemand geglaubt, dass wir schon um 19 Uhr essen werden.

Auch Bruschetta ist kein großer Aufwand. Ich habe die Fladenbrote quer aufgeschnitten, mit Öl und Knoblauch eingerieben und gebacken. Isolde schichtete dann den Belag darauf und endlich konnten wir der hungrigen Meute die Teller hinein bringen. Da ich die vier Bruschetta-Teller nicht auf einmal schaffte, trug ich sie hintereinander ins Restaurant und als ich mit der zweiten Ladung kam, war die erste bereits fast weg. Abdou hat es so gut geschmeckt, ich hab den sonst ziemlich mäkeligen Esser noch nicht so schnell schaufeln sehen. Aber als dann die Spaghetti kamen waren sie alle hin und weg. Solche Beifallsrufe habe ich zu Hause noch nicht erhalten. Abdou sagte, nun verstehe er, warum die Europäer mit Essen nicht aufhören können und so dick seien. Ratzeputze leer waren alle Schalen in kurzer Zeit. Was so ein paar Gewürze alles erreichen können.

Heute Morgen nun fragte Abdou, ob es denn keine Reste gäbe. Und ich ging wieder in die Küche und kochte gleich noch mal einen weiteren Topf Bolognese.

15.3.2015 Forumstreffen

So viele Tage seit dem letzten blog, so viele Eindrücke. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Am besten vielleicht beim letzten Moment. Komme gerade vom Spaghetti-Essen. Schon im letzten Jahr habe ich das eingeführt. Nach Wochen in Marokko mit Tajine, Brochette und Couscous hat man einfach mal Lust auf was anderes, und nicht nur ich. Im letzten Jahr habe ich zusammen mit Isolde einen Riesentopf Bolognese gekocht, es war gar nicht so einfach, hier die richtigen Zutaten zu finden. Isolde weilt leider nicht mehr unter uns und sie fehlt mir sehr. In diesem Jahr habe ich zumindest die Gewürze aus Deutschland mitgebracht, leider den Parmesan vergessen, aber auch so haben meine Freunde laut geschmatzt beim Essen, weil es einfach so gut war. Auch sie essen gerne mal was anderes und Spaghetti Bolognese schmeckt nicht nur jedem Kind, sondern auch jedem Marokkaner. Das besondere sind eben die Gewürze, die sie vom Alltag her nicht kennen.

17.3.2015 Fata Morgana

Heute gibt es eher trauriges zu berichten. Nachdem ich bereits eine Woche in Mhamid bin habe ich mich endlich ins Café Fata Morgana getraut, das Café der Münchnerin Isolde. Isolde ist im letzten Mai plötzlich gestorben, kurz nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland. Sie war eine gute Freundin und fehlt mir sehr. Natürlich hat es mich interessiert, was nun mit ihrem Haus passiert, und als ich hörte, dass das Café wieder offen ist war ich eher ärgerlich. Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass Ali, ihr Angestellter, das Haus einfach okkupiert hat, es sich unter den Nagel gerissen hat. Ich wollte nicht hin.

Aber heute habe ich es mir doch anders überlegt. Ali war ganz allein und wir haben uns traurig an Isolde erinnert. Und natürlich ist die Situation doch anders, als ich es mir vorgestellt habe. Isolde hat keine Kinder, nur einen Bruder, der aber schon alt und krank ist. Dieser hat zwei Kinder, der Neffe hatte angerufen und Ali mitgeteilt, dass Isolde gestorben ist. Darauf wurden alle Zahlungen eingestellt und Ali steht nun da und weiß nicht recht, was er machen soll. Er wurde im Winter als Angestellter bezahlt und im Sommer als Hüter des Hauses und die Zahlungen für den Unterhalt des Hauses kamen aus Deutschland. Nun muss er, wenn er das Haus offen halten will, Strom und Wasser zahlen, zudem hat er ja kein Einkommen mehr. Von der Familie hat sich nach der Todesnachricht keiner mehr gemeldet, alle Zahlungen wurden gestoppt. Also führt Ali das Café nun weiter, mit ein paar Änderungen, die ich für sinnvoll halte. Er wohnt im Haus, hat nun auch mittags geöffnet und bietet kleine Speisen an. Abends kommen noch immer die Jungs zum Trommeln und er bietet den Tee für die Einheimischen zu einem Preis an, den diesen auch zahlen können, vorher war es ja ziemlich teuer. Und abends gibt es Suppe. Mit diesen Angeboten kann er sich gerade so über Wasser halten. Aber natürlich ist die rechtliche und finanzielle Situation nicht geklärt, es müssen ja auch Steuern gezahlt werden und ich sehe da noch viele Probleme in der Zukunft liegen. In der Zwischenzeit aber wünsche ich Ali viel Glück. Isolde hat immer morgens um 11 Uhr zusammen mit Ali im Garten Tee getrunken, dazu gab es Nüsschen und alle Vögel der Region wussten das und fanden sich ein, um auch ein paar Nüsschen zu bekommen. Ali führt die Tradition nun ganz einsam weiter, für morgen habe ich meinen Besuch dazu angekündigt.

Marokko im Reiseführer

Und in Idstein

Eine Email flatterte in meine Inbox. Ich wurde zu einem Kabarett-Abend ins nahe Idstein eingeladen. Das klingt interessant und kommt auch nicht so häufig vor, also bekundete ich sofort mein Interesse. Absender waren Patricia und Peter. Ich konnte mit den Namen nicht gleich etwas anfangen, aber war sicher, es hängt irgendwie mit meinen Marokko-Kontakten zusammen. Also sagte ich zu.

Gestern Abend war es also soweit. Das Thema war „Frauengold“ und die Künstlerin Birgit Link zog uns in einem lustigen Reigen durch die Frauenbewegung der letzten 150 Jahre. Allein schon das war wirklich super gut. Das kleine Gerberhaus war brechend voll und einige Gäste mussten wegen Platzmangel sogar abgewiesen werden.

In der Wartezeit vor der Show lief aber eine Diashow mit Bildern von Frauen aus der ganzen Welt. Und diese Show war zusammengestellt von den Weltreisenden Patricia und Peter, eben die, die mich eingeladen hatten, und die mich kannten, weil sie auch in Marokko waren und zu diesem Zweck meine Bücher gekauft und sogar selbst in Taunusstein abgeholt hatten. Ich hatte dies vergessen. Hier gehts zu ihrer Website.

Und diese Show war einfach so toll, weil ich etliche der Frauen, die dort zu sehen waren, persönlich kannte. Heraus stachen sowohl die Nomadenfrau Fdoum, die auf der Farm von Thomas Friedrich lebt und so vielen meiner Leser bekannt ist, aber auch die Deutsche Isolde. Sie war eine ganz liebe Freundin von mir, deren Freundschaft ich leider nur wenige Jahre genießen konnte, da sie viel zu früh starb. Sie hatte ihr kleines persönliches Paradies in Südmarokko aufgebaut und ließ viele an ihrem Leben dort teilhaben. Berühmt waren die Trommelabende, wenn die Jungs der Umgebung zusammenkamen und eine Session nur für sie abhielten.

Als ich wieder zuhause war musste ich viel über mein eigenes Reisehandbuch nachdenken. In den vier Jahrzehnten, die ich in Marokko herumgereist bin, habe ich viele interessante Menschen kennengelernt und sie in meinen Büchern beschrieben. Die Bilder von Patricia und Peter zeigten mir eindrücklich, wie gut das bei meinen Lesern ankommt, auch sie lernen diese tollen Menschen kennen, Menschen, die in den herkömmlichen Reiseführern eben nicht beschrieben werden, und die es wert sind, sie kennenzulernen. Schaut in mein Buch und ihre werdet so manche entdecken.

https://shop.edith-kohlbach.de/

Individuelle Tour

Während meine Bücher ja Reisenden dienen, die mit ihrem eigenen Fahrzeug nach Marokko fahren, so organisiere ich aber auch Touren für Menschen, die das nicht tun, sondern nur eine kurze Reise planen. Auch für die arbeite ich besondere Touren aus. Sie werden in einem Geländewagen mit persönlichem Führer durchs Land gefahren und kommen eben auch auf ihrer Reise zu so ganz individuellen Zielen. Die Tour, die noch in diesem September beginnt, 2 Personen mit privatem Fahrer, geht zum Beispiel zu Zaid, ein ganz außergewöhnlicher Mensch, der ein hervorragendes Freilicht-Museum im Süden des Landes aufgebaut hat, durch das er in perfektem Deutsch führt. Oder auch zur Berberfarm bei Nekob, wo die Gäste zum Mittagessen die Berberpizza von der Farmersfrau zubereitet bekommen und beim Herstellen zuschauen können. Auch das in Hochglanz-Reiseführern nicht zu finden.

Beispiele für Reisen findet ihr hier:

https://marrakechtours.de/

Alltag in der Kasbah

Was diese Kasbah für mich bedeutet habe ich ja schon öfter berichtet, zum Beispiel hier.

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/kasbah-sahara-services/

Auch jetzt bin ich für einige Tage hier als Abschluss meiner Reise und zur Erholung nach der stressigen Zeit der Fertigstellung des Reisehandbuchs. Das Besondere hier sind auch die Menschen, die man hier so trifft. Jeden Tag andere, und jedesmal sehr interessant. Im Grunde sollte ich ein Hotel führen, dann könnte ich das immer erleben. Aber nein, wäre ja auch mit Arbeit verbunden, haha. Hier so ein paar Highlights.

Ich langweile mich schnell, lief etwas unmutig durch den Garten und sah ein älteres Paar, offensichtlich Franzosen, die eine kurze Runde drehten und wieder gehen wollten. Ich hatte zwar absolut kein Interesse an ihnen, die haben ganz sicher kein Buch von mir, aber ich sprach sie trotzdem an. Und merkte mal wieder ganz schnell, dass man dem ersten Eindruck eben doch nicht trauen soll. Es waren super nette, super welterfahrene Leute. Und tatsächlich waren sie Elsässer, so dass wir abwechselnd Deutsch und Französisch sprachen. Der Mann hat in früheren Jahren viel in Schwarzafrika gearbeitet, ist sehr bewandert auch im Mittelamerika und hat einen zweiten Wohnsitz in Mexiko. Nein, so vom Ansehen hätte ich es ihnen nie zugetraut. Wir verbrachten schließlich den ganzen Tag zusammen, ich zeigte die Highlights von Mhamid und es war eine sehr schöne Zeit, bevor sie am Abend wieder nach Zagora fuhren. Sie waren nur für eine Tagestour gekommen.

Auch in Peter und Jutta steckte viel mehr, als ich dachte. Auch Peter hat lange Jahre in Schwarzafrika gelebt, und sein Wohnmobil ist durchaus etwas geländegängig und sie gehören ganz sicher nicht zu der Fraktion, die den Winter an der Küste um Agadir verbringt und von Marokko wenig Ahnung hat. Sie kannten Mhamid schon, deshalb war mein Standardprogramm irgendwie überflüssig, aber den beiden hat es dann viel Spaß gemacht, sich mit mir die vielen unterschiedlichen Campingplätze der Region anzuschauen. Natürlich waren wir auch im Museum und tranken Tee dort bei den netten Schwestern. Zwar hätte ich dort gerne ein Essen organisiert, denn das ist die neueste Attraktion, für Kenner. In diesem für Mhamid sehr typischen Haus, bei einer sehr netten Familie, kann man nun mit einem Tag Vorlauf ein Essen bestellen, und das ist sehr viel besser, als ein Restaurant hier es anbieten könnte.

Aber zeitlich hat dies nicht geklappt, weil Peter schon einen Termin ausgemacht hatte zum Sternengucken und wir waren daher nur zum Dejeuner bei Hadj. Das ist der Koch, der jahrelang in der Kasbah gekocht hatte, und nun sein eigenes Restaurant aufgemacht hat. Er hat uns zunächst einen köstlichen Salat serviert, mit einer sehr guten Sauce, was ja selten ist in Marokko, und danach gab es Ziegen-Tajine mit karamellisiertem Kürbis. Sehr lecker.

Und dann traf ich Frank aus Wiesbaden. Hätte ich seinen Beruf raten sollen, ich wäre nie darauf gekommen. Er ist Pfarrer, begleitet von seinem Sozialarbeiter. Die beiden haben ein Auto gemietet, sind auch bereits Afrikaerfahren und auch mit ihnen hatte ich eine schöne Zeit. Sie wollen von hier nach Marrakech, dann über den Tizi-Test wieder runter nach Taroudannt und fragten, was sie dann machen sollen. Vielleicht ins Paradise Valley? Nein, sagte ich. Das ist zwar eine ganz nette Tagestour für Leute, die ein paar Tage in Agadir sind, aber Frank hat ja ein Auto und noch etwas Zeit, da kommt nur Tafraoute infrage. So viel schöner als Paradise Valley. Diese Landschaft ist einfach unvergleichlich und auch wert, ein paar Tage dort zu verbringen. Da ich kein Buch mehr zu verkaufen habe, sind ja alle komplett weg, habe ich ihnen schnell die Seiten über Tafraoute als PDF zusammengestellt.

Nun bin ich mal gespannt, wer heute so kommt.

So schön es hier ist, ich bin ein Nomade, und langsam kribbelt es in mir, ich muss weiter.

Frage: Ist Marokko gefährlich?

Antwort: Das gefährlichste an Marokko ist die Durchreise durch Spanien.

Im Jahr 1995 fuhr ich auf dem Weg nach Marokko auf der A 7 in Höhe von Barcelona, als ein großer BMW, besetzt mit 4 Männern, mir Zeichen machte, dass mit meinem Auto etwas nicht stimmt. Offensichtlich eine Reifenpanne. Sie drängten mich dazu anzuhalten. Doch ich, Frau alleine, halte doch nicht, wenn mir 4 fremde Männer so etwas andeuten. Ich fuhr weiter mit ungutem Gefühl, man denkt dann immer, irgendwas ist doch los. Also fuhr ich zum nächsten Rastplatz und sprach einen deutschen LKW – Fahrer an. Er meinte, das sei eine Diebesbande. Sie stoppen Autos, stechen in die Reifen und räumen dann das Auto aus. Nach meiner Rückkehr sah ich sogar im deutschen TV einen Bericht darüber.

Nun hofft man natürlich, dass die Polizei einschreitet und den Dieben das Handwerk legt. Doch leider sind sie heute, 30 Jahre später, nicht nur weiterhin mit diesem Trick unterwegs, sondern haben ihn sogar noch ausgebaut. Neuerdings sind sogar große Warnschilder zu Beginn der A 7 mit dem Hinweis, in solchen Fällen nicht anzuhalten, sondern den Notruf zu wählen.

Mein persönlicher Tipp dazu: den Notruf können Sie sich sparen. Alles was die Polizei dazu unternimmt, ist einen schönen Bericht zu schreiben, man hat sogar inzwischen ein Formular entworfen, das in jeder beliebigen Sprache ausgedruckt werden kann. Sehr viel besser hilft, das Handy deutlich hochzuhalten, so, als riefe man an und mache ein Foto. Dann verschwinden sie blitzschnell.

Wenn das der einzige Trick wäre ginge es ja noch, man kann sich darauf einstellen. Aber es gibt noch eine ganze Reihe mehr. Ich hielt am hellichten Tag an einer Raststätte, gleich die erste nach der französisch-spanischen Grenze. Leute standen aufgeregt auf dem Parkplatz und warnten mich, auf die Toilette zu gehen. Einem anderen Reisenden hatte man bei dieser Gelegenheit, die Scheibe eingeschlagen und das Auto ausgeräumt. Aber meistens geht es ganz ohne Gewalt ab und dieser Trick wird auch sowohl bei Tag als auch bei Nacht angewandt. Ein Fahrzeug hält auf einem Rastplatz, der Fahrer steigt, um etwas zu erledigen, aus und wieder ein. Es gibt ja eine automatische Türverriegelung, aber die hat eine kleine Zeitverzögerung. Genau in diesen Sekunden reißt ein Gauner die Tür auf, stellt blöde Fragen und schaut, wo eine Tasche griffbereit herum liegt. Sieht er was schnappt er sie und haut blitzschnell mit einem Wagen ab, dessen Fahrer ganz nah gewartet hat.

Wenn das auch Tag und Nacht vorkommt so ist es natürlich ganz blöde in dunkler Nacht. Deshalb: auf keinen Fall nachts auf einem Rastplatz anhalten, lieber die Autobahn verlassen und in den Wald pinkeln. Am Tag immer die Umgebung im Auge behalten und evtl. bei anderen Reisenden halten. Und vor allem Wertgegenstände und Papiere gut verstecken.

Das sind so die Tricks, die gerade in 2025 sehr häufig vorkommen. Und zwar entlang der A 7. Über die anderen Autobahnen, z.B. via Madrid, habe ich nichts gergleichen gehört. Aber ich kann nicht garantieren, dass es noch ganz andere gibt. In Marokko dagegen kann man sein Fahrzeug ohne Probleme überall abstellen.

Ausreise Melilla

Zweimal habe ich bisher die Einreise über Melilla gemacht, mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Obwohl ich jeweils um die gleiche Zeit morgens am Grenzübergang ankam, also nach Eintreffen der Fähre in einer langen Schlange von Autos, hat es bei erstenmal nur eine Stunde gedauert, beim zweitenmal aber zwei Stunden. Es lag daran, dass viele Ortsansässige bevorzugt abgefertigt wurden. Das Fahrzeug wurde jeweils von Spaniern als auch Marokkanern gründlich durchsucht, aber nichts beanstandet.

Nun war ich gespannt, wie die Ausreise laufen wird. Meine Fähre nach Motril sollte um 15:30 Uhr abgehen, und ich wollte sie nicht verpassen. In Meknes wurde mir schon um 7 Uhr das Frühstück ins Zimmer gebracht, schön, wenn der Hoteldirektor ein langjähriger Freund ist. Und so kam ich dann auch schnell auf die Autobahn. Diese geht ja leider nicht ganz bis nach Nador, es bleiben noch etwa 100 km Landstraße, aber trotzdem war ich um 12 Uhr an der Grenzstelle. Meine Rechnung war: 2 Stunden an der Grenze, 2 Stunden vor Abfahrt an der Fähre.

Aber das Schicksal war mir wohlgesonnen, die Abfertigung dauerte diesmal nur etwa 30 Minuten. Es waren nicht viele Autos dort um die Mittagszeit, eine gute Zeit. Und so kam ich auch früh genug am Hafen an, um noch etwas von der Stadt zu sehen. Bisher war ich ja nur frühmorgens im Dunkeln durchgefahren.

Von den Fährhafenstädten, die ich kenne, gehört Melilla sicher zu den schönsten, einfach weil es klein und damit der Weg vom Hafen zur Stadt kurz ist. Ich stieg hinauf auf den Berg, um von der Festung aus einen schönen Ausblick zu haben und wurde nicht enttäuscht. Beim Bummel zurück zum Hafen konnte ich noch eine wunderschöne Hochzeit sehen und filmen.

Mein Auto stand auf dem Parkplatz, man hatte mir gesagt, ab 14 Uhr könne ich in die Schlange Richtung Schiff und das lief auch ganz hervorragend ab. Es gab noch nicht einmal einen Scanner. Nachdem der Drogenhund keinerlei Interesse an meinem Wagen gezeigt hatte, meinte der Zollbeamte aber doch, er müsse mich rauswinken und mit einem mobilen Scanner absuchen. Hat er aber dann doch gelassen und ich kam früh aufs Schiff.

Die Überfahrt nach Motril dauerte 5 Stunden, wir kamen um 20:30 in Motril an, aber da ich ziemlich hinten in der Schlange war, dauerte es dann doch eine Stunde, bis alle am Polizeiposten vorbei waren. Das war aber witzig. Es ging ziemlich langsam. Und dann plötzlich, es waren vielleicht noch 20 Wagen vor mir, hatten die Zöllner wohl Lust auf Feierabend und winkten alle durch.

Um 21:30 war ich dann auf der Autobahn und beschloss durchzufahren.

Marrakech en Panne

Auch für heute gab es wieder einen wunderschönen Plan. Frühe Abfahrt vom Hotel, möglichst schon um 8 Uhr, Fahrt auf der Autobahn nach Meknes, zu meinem guten Freund Moulay Abdellah im Z Hotel, oder wenn ich früh genug bin noch schnell einen Besuch in Meknes Stadt.

Aber … auch dieser Plan ging in die Hose. Gut, ich habe es nicht ganz um 8 geschafft, es war viertel vor neun, als ich mich auf den Weg gemacht habe. Die Straßen sehr voll, Autos vor mir, neben mir, hinter mir. Plötzlich macht es krrr. Habe deutlich gemerkt, ich bin über irgendetwas gefahren, das ich nicht sehen konnte. Straße war ja voll mit Autos, hätte also auch nicht ausweichen können. Ein ungutes Gefühl war gleich da, ich fuhr weiter, hatte auch keine andere Chance, da im Flow. Aber nach ca 1 km war klar, da stimmt was nicht. Wir fuhren alle ums Rondell Stadtausfahrt Richtung Casablanca, danach war rechts eine Spur gesperrt. Perfekt, da hinein. Und ja, ein ziemlicher Platten.

Sahara Experience

Und da kommt wieder Sahara Experience ins Spiel. Diese Agentur ist einfach toll. Und wenn ihr jetzt meint, ich bekomme da eine Sonderbehandlung, weil ich die Edith Kohlbach bin, jaja, das stimmt schon. Aber ihr bekommt sie auch. Sobald ihr Kunde bei Sahara Experience seid kümmert man sich um euch. Wenn ihr zum Beispiel bei mir eine schöne Rundfahrt durch Marokko bucht, mit dem Geländewagen und einem netten Fahrer, dann seid ihr einfach in guten Händen bei Sahara Experience. Und es kann ja tatsächlich immer etwas passieren. Die letzten Kunden zum Beispiel sind ohne ihr Gepäck angekommen. Aber unser guter Mohammed kümmert sich, Telefonate gehen hin und her und am nächsten Tag fuhr er mit dem Kunden zum Flughafen und holte das Gepäck ab. Oder das ganz große Chaos vor ein paar Jahren. Zwischen Weihnachten und Silvester ist immer viel los, das Biwak in Chegaga war voll und plötzlich kam ein Sturzbach von Norden her. Chegaga war wie eine Insel, man konnte nicht mehr weg. Und die Kunden hatten fast alle baldige Heimflüge ab Marrakech. Was machte der Chef? Sobald die Wagen wieder fahren konnten und Zagora erreichten, organisierte er ein Flugzeug und die Kunden konnten ihre Rückflüge noch rechtzeitig erreichen.

Solch schlimme Dinge sind selten, aber gerade voriges Jahr waren meine Kunden, die zugleich Freunde sind, zu viert mit Fahrer unterwegs von Chegaga nach Tata. Eine Nacht dort in der Kasbah auf dem Berg, dann sollte es weiter nach Tafraoute gehen für 2 Nächte. Doch auch hier großes Unwetter, am Morgen waren bei beiden Stadtausfahrten die Brücken zerstört. Unser toller Fahrer Khalid sorgte sofort dafür, dass man noch eine Nacht in Tata bleiben konnte, stornierte das Hotel in Tafraoute und spielte mit den Kunden Dame, die Zeit verflog wie im Flug.

Doch zurück zu mir. Habe die Agentur angerufen, meinen Standort geschickt und schließlich kam ein Mechaniker mit seinem PKW. Er wechselte den Reifen und fuhr dann mit mir zurück zu einem großen Reifenhaus. Man schaute sich den Reifen an und meinte, il est mort. Kaputt! Nichts geht mehr. Der Gummi war innen ganz zerrieben. Wieder viele, viele Telefonate, den gleichen Reifen hatte man nicht, ich wollte das Risiko auf mich nehmen ohne Ersatz zumindest bis Spanien zu fahren, aber nein, ein Reifen wurde organisiert, zwar anderes Profil, doch sonst passt er.

Danke, danke Sahara Experience. Ihr seid einfach die besten.

Um 12:15 konnte ich dann weiterfahren, 475 km bis Meknes. Am Abend davor konnte ich ja nicht mehr in die Medina, um nach Blumentöpfen zu suchen. Direkt vor der Autobahn Keramikstände, sie haben die gewünschten Töpfe ohne lange zu suchen zu einem super Preis! Und nun bin ich völlig kaputt im Z Hotel. Bin nicht mehr so frisch wie noch vor ein paar Jahren.

Und hier könnt ihr eine schöne Tour durch Marokko finden.

Marrakech de Luxe

Das berühmteste Hotel in Marrakech ist das Mamounia, in dem während des zweiten Weltkrieges Churchill gewohnt und Weltgeschichte geschrieben hat. Das teuerste ist das Royal Mansour, wo ein Zimmer ab 2.800 Euro die Nacht kostet und eine Familienvilla 35.000 Euro. Nein, nicht zum Kauf. Für eine Nacht. Aber mit Butler und allem pipapo. Beide liegen quasi nebeneinander und nehmen so ziemlich ein ganzes Stadtviertel ein.

Und dazwischen – das uralte, abgewohnte Hotel Chems. Und nun könnt ihr raten, wo ich denn wohne.

Heute ist mein letzter Tag in Marrakech (praktisch auch in Marokko) und ich hatte ganz klar einen Plan in meinem Kopf ausgearbeitet. Um 10 bekomme ich eine Lieferung ans Hotel, der Fahrer nimmt mich dann mit nach Gueliz. Dort gehe ich zum Friseur und zur Pediküre, die ich nach 2 Monaten Trockenheit im Süden dringend nötig habe. Dann sollte ich zum Lunch eingeladen und danach an der Medina abgesetzt werden für letzte Einkäufe. Ist doch ein prima Plan, oder?

Aber habt ihr in Marokko schon mal erlebt, dass Pläne wirklich ablaufen wie geplant? Ich nicht. Zunächst einmal kam um 10 keine Lieferung. Mein Handy war völlig leer, kein Internet, kein Telefon. Also bin ich immer zwischen Parkplatz und Rezeption hin und her gehetzt und erfuhr, dass der Fahrer eine Panne hatte. Kurz vor 11 war das dann erledigt.

Inzwischen kam aber ein Anruf, der Lunch wird sein im Royal Mansour. Um 12 Uhr!

Was? In dieser Luxusherberge und kein Friseur? Okay, die Pediküre würde ja eh keiner sehen. Also schnell noch mal unter die Dusche, Haare gewaschen und die am wenigsten schmutzigste und am ehesten passable Kleidung ausgesucht. Inzwischen Freunde angerufen, sie wollen mit und holen mich ab. Zeitweise waren 4 Anrufer in der Leitung und das alles im instabilen Internet des Hotels.

Lunch im Royal Mansour

Aber dann ging es los. Das Royal Mansour ist schon hochherrschaftlich, es ist ja auch im Besitz des Königs und das Restaurant, zu dem wir wollten, Le Jardin, verdient seinen Namen, denn wir mussten zunächst durch diesen Garten lustwandeln.

Im Restaurant natürlich entsprechend guter Service, wir wurden an unseren Tisch geleitet und wie schon Jahre zuvor in der Buddha Bar, auch in Marrakech, wurde mir ein Tischchen gebracht für meine Handtasche. Das mag ich. Weder liegt sie auf dem Tisch und nimmt den Platz weg, noch hängt sie am Stuhl und fällt hinunter. Wenn ich mal ein Restaurant eröffne, dann mit solchen Tischchen.

Als Vorspeise hatte ich einen sehr leckeren Salat, endlich mal mit Salatsauce (ich sag nur salade marocaine, krrr), gefolgt von gegrillter Entenbrust. Alles sehr lecker. Nein, kein Nachtisch. Es reicht. Obwohl der dort sehr gut sein soll.

Aber dann spazierten wir noch ins Hotel. Super schön. Ich könnte mir vorstellen, so sieht das kleine Eigenheim des Königs auch aus. Ich sah weder eine Rezeption noch den Eingang zu Zimmern, das ist halt alles sehr diskret. Aber obwohl wir ja nicht direkt Hotelgäste waren, war das Personal sehr freundlich, wir konnten herum laufen und fotografieren.

Und dann war tatsächlich immer noch Zeit, mir einen Friseur zu suchen. Das ist einfach dringend nötig und die komplette Behandlung in einem sehr schicken Salon kostete inklusive Trinkgeld weniger als mein Hauptgericht im Königshaus.

Und ich spazierte fröhlich zurück zum Chems, der Souk-Einkauf muss bis zur nächsten Reise warten.

Telouet

Von Ait Benhaddou ging es durchs Ounila-Tal nach Telouet. Das war früher eine sehr schwierig-steinige Piste, ich bin sie öfter gefahren, aber die professionellen Tour-Chauffeure haben die lieber vermieden. Das hat sich nun geändert, die Straße ist durchgehend asphaltiert, das bedeutet aber auch, dass sie von langsamen LKW gefahren wird. Aber ich kam immer gut an ihnen vorbei, die Fahrer sind auch sehr verständnisvoll und unterstützen beim Überholen. Auch auf diesem Weg gab es einige Campingmöglichkeiten aus meinem Campingführer zu besichtigen, was aber recht schnell ging. Wenn ihr den Campingführer Marokko 2025 noch nicht habt könnt ihr ihn hier bestellen.

In Telouet wollte ich mich nicht lange aufhalten, ich kenne es gut und auch wenn Mohammed in seinem Palace de Telouet super Essen hat, es ist noch früh und ich bin so satt nach diesen letzten Wochen Hotel-Vollstopfen. Ich wollte schnell nach Marrakech, in das reservierte Hotel Chems, das zwar schon älter ist, sicher nicht mehr seinen vier Sternen entspricht, aber eine super Lage hat zwischen der Medina und Gueliz und zudem einen guten, leicht zu erreichenden Parkplatz. Meine Reise ist ja quasi vollendet, nach Marrakech geht es zügig zur Fähre und die Highlights in Marokko sind abgeschlossen.

Dachte ich.

Kurzer Stopp an der Auberge Telouet, trank einen Kaffee mit Mohammed, dem Chef. Er hat ja einerseits ein schönes Hotel mit direktem Blick zur Kasbah des Glaoui, aber er hat auch einen Stellplatz für Wohnmobile.

Palace de Telouet

Weiter zum Restaurant Palace de Telouet. Viele Leute davor, sie winkten mir, kein Mohammed. Ich sprach nicht mit ihnen, immer diese falschen Führer und so, stattdessen rief ich Mohammed an. Er sagte, er sei auf dem Weg, ich solle warten, und er sagte etwas von einem Fest. So richtig blickte ich nicht durch, wollte ja auch weiter, parkte aber mein Auto und stieg aus. Da kam der winkende „falsche Führer“ und stellte sich als guter Bekannter Aissa heraus. Ich habe echt ein riesiges Problem. Ich kann mir Straßen sehr gut merken, Landschaften auch, deshalb ist das Schreiben des Reisehandbuchs genau mein Ding, aber ich kann mir absolut keine Gesichter merken. Namen schon, aber keine Gesichter. Ich spreche jetzt mit jemand, sehe ihn 10 Minuten später an einem anderen Ort und erkenne ihn nicht wieder.

Ich war erstaunt, dass vor dem Restaurant keine Tische standen wie üblich, sondern Teppiche lagen. Ging hinein, komplett voll. Nicht mit Gästen, sondern mit Mitgliedern einer Folkloregruppe. Die Frauen ganz wunderschön gekleidet und geschmückt in der Tradition des Hohen Atlas. Und schon nahmen die Männer, in weißer Djellabah mit Silberdolch, ihre große Trommel und gingen hinaus auf die Teppiche. Das „Fest“ ging los wie eigens für mich gemacht. Ich habe schon sehr viel Folklore in Marokko erlebt, sie ist in den einzelnen Regionen immer ein wenig anders. Aber tatsächlich noch nie die vom Hohen Atlas. Es war einfach wunderschön. Der Kopfschmuck der Frauen wirklich einzigartig, sie machten den Unterschied aus. Die Männer waren, wie in allen südlichen Folkloregruppen, in hauchdünne weiße Djellabahs gekleidet und trugen den Silberdolch umgehängt an einer roten Kordel.

Und ich konnte filmen soviel ich wollte. Bin ein wenig traurig, dass mein Buch schon im Druck ist, das wäre ein Titelbild wert gewesen. Hassan aus Ait Kine ist zwar auch ein Original, aber diese Frauen hätten sehr viel mehr Farbe eingebracht.

Noch ein Tipp für euch: wenn ihr ab Marrakech in den Süden fahrt plant einen Mittagsstopp in Telouet ein, es lohnt sich auch ohne Fest, besucht die Kasbah, esst bei Mohammed, und fahrt dann zum Übernachten nach Ait Benhaddou. So vermeidet ihr dort den Touristenrummel.

Hier ein paar Fotos:

So wird das neue Reisehandbuch aussehen

Und hier das Video zum Fest

Ksar Ait Benhaddou

Die Reise war ja nur kurz, aber hier in dem Touristen-Hotspot #1 gibt es immer viel zu recherchieren. Mein Quartier habe ich heute in der Kasbah du Jardin. Das ist ein Hotel mit angeschlossenem Campingplatz. In solch einer Anlage wohne ich immer gerne, denn man hat einfach Platz und das Auto steht sicher und oft nahebei. Und so genieße ich den Abend, einer meiner letzten in Marokko, auch sehr.

Heute um die Mittagszeit habe ich den alten Ksar Ait Benhaddou besucht und es ist einfach schrecklich. Tausende Touristen werden dort täglich durchgeschleust und da es so ziemlich auf halber Strecke von Marrakech bis zum jeweiligen Ziel liegt, essen hier alle zu Mittag. Und steigen dann davor oder danach hoch auf den Berg über dem Ksar. Jede einzelne Treppenstufe wird genutzt um irgendwelche Souvenirs anzubieten, der Ksar ist ein einziger Teppich- und Kitschladen.

Während früher die Menschen in diesem Ksar wohnten, siedelten sie sich später auf die andere Seite des Flusses um, da es zu schwierig war, in dem bergigen Ksar Wasser und Strom zu verlegen und auch die Straße dort verlief. Früher führte der Fluss häufig noch Wasser und nicht immer kam man trockenen Fußes hinüber. Gerne nahm man die Dienste eines Pferdes oder Dromedar an. Später dann wurde der im Verfallen begriffene Ort mit Geldern der UNESCO restauriert, aber die Menschen zogen nicht zurück, stattdessen wurde der Ort zu einem Touristenspektakel umgewandelt. Nur wenige Familien wohnen noch dort, sie betreiben dann meist ein Gästehaus.

Heute ist wirklich jede Ecke mit einem Kunstgewerbeladen ausgefüllt und noch auf den Treppenstufen werden die Artikel ausgebreitet. Gleichzeitig schiebt sich eine Karawane den Berg hoch, kein Spaß in der Gluthitze, die auch Ende Oktober immer noch herrscht.

Wer wirklich ein Interesse hat, den Ort zu besuchen, sollte sich in einem der vielen schönen Hotels der Region einquartieren, und den Ksar am Morgen oder am Abend besuchen, wenn die Karawanen weiter gezogen sind und der Besuch in etwas mehr Ruhe stattfinden kann.

Ich kenne Ait Benhaddou schon lange, habe es noch vor dem Ansturm erlebt, aber damals tatsächlich keine Fotos von den Gassen gemacht, nur von der Anlage im Ganzen. Hier nur ein Foto von einer Freundin aus dem Jahr 2008, ein Foto in solcher Ruhe könnte man heute nicht mehr machen. Viele meiner Kunden sagen schon, der Besuch lohnt nicht mehr.

Diese Ruhe genieße ich aber nun am Abend in der Kasbah du Jardin. In der Kasbah gibt es 16 nette Zimmer, sauber, ordentlich und preiswert. Und dazu gehört ein Campingplatz, auf den sogar 50 – 60 Wohnmobile passen. Aber heute ist keiner da und ich sitze gemütlich vor meinem Zimmer am Piscine und gönne mir ein Kefta-Tajine. Hier werde ich nicht vollgestopft, sondern darf wählen, was ich essen möchte. Ich kann die Anlage sowohl für Camper als auch Hotelnutzer empfehlen und habe im Verlauf der Jahre tatsächlich schon öfter hier gewohnt.

Und so ist es heute:

Von Mhamid nach Ouarzazate

Es war richtig schön, wieder auf der Straße zu sein. Diesmal begleitet von Roger Federer, dem Tennisspieler. Am Ende wollte er sogar ein Doppel mit mir spielen. Wenn ihr auch gerne seine Begleitung hättet, nutzt einfach Waze, und stellt als Sprache eben den Roger ein. Sehr lustig, so kommt doch etwas Abwechslung in die Fahrt. Einmal wurde ich rechtzeitig gewarnt vor einer Polizeikontrolle, zweimal habe ich selbst eine eingegeben. Macht total Spaß.

In meinem neuen Reisehandbuch heißt es dazu:

Während Google so ziemlich alles dominiert, so gibt es doch auch Apps, die nicht mit Google arbeiten. Für Marokko wird Waze empfohlen, www.waze.com, ganz normal im Play Store herunter zu laden. Der Vorteil dieser App ist, dass sie Navigation und Blitzerwarnung in einer App verbindet. Die Navigation läuft genauso so wie bei Google, allerdings ist nur PKW oder Motorrad einzustellen, keine Fahrräder. Während Google in Marokko keinerlei lokale Geschwindigkeitsbeschränkung angibt, macht Waze das ab und zu. Radarfallen werden angezeigt, mobile Blitzer nur, wenn jemand zuvor den Standort eingegeben hat. Und ab und zu wird gewarnt, wenn man schneller ist als erlaubt. Alles in allem ist für Marokko Waze besser als Google, man ist mehr geschützt.

Hotel SaharaSky

Meine erste Station war Tinfou, Besuch bei Fritz. Er ist nicht bei guter Gesundheit und lebt eigentlich schon länger nur in Casablanca, aber da seine Frau für einen Monat nach Frankreich muss, wurde er nun in seinem Hotel SaharaSky deponiert, denn dort kann man ihn gut versorgen. Das tut dem Hotel auch gut, denn obwohl Patrick, der Astronom, das Hotel und die Sternwarte weiter führt, ist es doch nicht so wie früher und manchmal ist kein Mensch da.

In Zagora stoppe ich nur beim Dromedar, um mich von Mostafa zu verabschieden. Er wollte mich unbedingt noch einen Tag dabehalten, beschwerte sich, dass ich noch nie bei ihm gewohnt habe. Stimmt, ja, aber in Zagora gibt es halt zu viel. Über dem Restaurant bietet er schöne Apartments, auch mit Küche, ideal, um auch mal länger zu bleiben.

Ansonsten gibt es nichts zu berichten. Die Straße hoch nach Ouarzazate ist gut, ich kam flott voran und die Stationen hatte ich ja alle schon auf der Hinreise getestet. So war ich schon früh in meinem Riad Ouarzazate für diesen Tag, ein Riad, das ich noch nicht kannte und testen wollte. Es ist in einer sehr reich dekorierten Stadtvilla und durchaus angenehm, völlig anders als das Riad Tama, in dem ich auf der Hinreise gewohnt habe. Da es ein Stadthaus ist gibt es keinen Garten, aber einen kleinen Pool im Hof und ich kann es durchaus empfehlen. Gleich gegenüber ist ein Parkplatz, kameraüberwacht, wo mein Auto hoffentlich sicher steht.

Ja, aber was mache ich denn noch bis zum Abendessen. Das Shoppen war nicht so ergiebig, was hier in den Geschäften angeboten wird, ist ziemlicher Ramsch aus China, nicht zu vergleichen mit den Souks in Marrakech, wo ich wohl noch einen kurzen Besuch machen werde.

Camping Municipal

Also gehe ich doch noch schnell mal zum Campingplatz und schaue, ob ich erstens ein paar schöne Fotos machen kann, und zweitens vielleicht jemand zum Schwätzen finde. Erfolg auf der ganzen Linie, eine große Gruppe aus Frankreich zum fotografieren und Peter und Jutta zum Schwätzen. Die hätte ich eigentlich in einer ganz anderen Gegend vermutet.