Es sind nun etwa 50 Jahre her. Ich war noch verheiratet, mein Sohn ein Schulkind, aber noch aus der Kindergartenzeit waren wir ein kleines Grüppchen von Eltern, die sich oft trafen. Eines Abends schwärmten wir vom wundervollen französischen Essen und kamen auf die Idee, doch einfach mal einen Kurztrip nach Straßburg zu machen und im berühmten Restaurant Kammerzell direkt neben dem Münster zu dinieren. Gesagt, getan, ich buchte eines dieser berühmten alten französischen Billighotels mit durchgelegenen Matratzen, um dann im teuersten Restaurant der Stadt zu essen. Aber dieser Abend blieb mir eben bis heute im Gedächtnis, es war sicher mit ein Grund, dass ich diesmal Straßburg ausgewählt hatte. Außer während eines Betriebsausflugs mit dem Statistischen Bundesamt war ich nie mehr in der Stadt. Und gleich am ersten Nachmittag stand ich tatsächlich davor. Die Tische draußen elegant gedeckt mit weißem Linnen, aber alles schon reserviert. Doch nun habe ich ebenso spontan die Webseite angeklickt und einen Tisch ganz für mich allein zum Lunch reserviert.
Doch vor dem Vergnügen kommt die Arbeit. Die heutige Tour heißt „Von Strasbourg nach Bassin des Remparts“ und ist 40 km lang. Grob geht es in einem Ring um Straßburg. Einfach ein Traum, die Radspuren, sie sind einfach überall. Und eine Menge weißer Farbe ist hier verarbeitet, überall gibt es Hinweise aufgezeichnet, man kann sich eigentlich nicht verfahren. Als ich die schöne russisch-orthodoxe Kapelle sehe merke ich, dass ich wieder ein Stück auf der Route von gestern bin und gleich ins europäische Viertel komme. Aber von dort aus geht es dann anders weiter, und zwar für viele Kilometer entlang des Kanals. Sehr schöner Radweg, gutes Vorwärtskommen.
Einige Dörfer folgen, auch hier wieder schöne Restaurants, aber ich freue mich ja auf das Mittagessen im Kammerzell. Später dann ging es durch den Wald über die Piste des Forts, ein von der Stadt ausgeschilderter Rundkurs, der zu alten Festungsanlagen führt. Dann eher langweilig durch einige Orte, aber das letzte Stück war wieder schön, schattiger Weg entlang eines Baches. Um Straßburg gibt es einfach sehr viel Wasser.
Aber dann, das Maison Kammerzell! Ich hatte mich ja so sehr darauf gefreut. Es liegt inmitten des Touristiktrubels, aber es ist so ein ehrwürdiges Haus und so eine schöne Erinnerung. Auf der Karte entschied ich mich für Choucroute Canard confits für 26,90 Euro. Also nicht die urtypische Elsässer Schlachtplatte mit Sauerkraut, sondern etwas abgewandelt mit Entenbeinchen.
Ich war ja so enttäuscht! Mein Gott, das könnte ich ja besser kochen. Mir scheint, hier denkt man sich, einfach abkassieren, auf dem Ruhm ausruhen, die Küche ist nicht mehr so wichtig, die Lage zählt. Die kleinen Kartöffelchen hart und trocken, genau wie das Entchen, das Sauerkraut absolut langweilig im Geschmack, da hat der Biss gefehlt. Nein, das war rausgeworfenes Geld. Und schon wieder denke ich wehmütig an das L’Ami Schutz.





