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9-Euro-Ticket forever

In Facebook hatte ich geschrieben: „Ich liebe das 9-Euro Ticket. Bitte dauerhaft einführen.“ Es war schon etwas provokativ gemeint. Darauf bekam ich die Antwort: „Frage mich nur wer das auf Dauer alles bezahlen soll. 9-Euro als Jobticket wäre noch ok, aber nicht für das Vergnügen.“

Ich finde darauf ist eine Antwort fällig. Zunächst einmal realistisch: Ja, das wäre teuer, aber tatsächlich sind die öffentlichen Verkehrsmittel viel zu teuer. Statt diesem Ticket hätte ich mir schon lieber eine dauerhafte Änderung in diesen Preisen gewünscht und tatsächlich gibt es einzelne Gemeinden im In- und Ausland, die kostenlosen öffentlichen Nahverkehr anbieten.

Aber eigentlich will ich ja auf das „Vergnügen“ antworten. Denn ich denke, es ist sehr viel mehr als Vergnügen, dieses Ticket gibt den Menschen eine große Freiheit. Und die können sie nach eigenem Gutdünken nutzen. Ich habe schon die 7 vor meinem Alter, das ist nicht so einfach. Da muss man überlegen, was man in seiner noch verbleibenden Lebenszeit anfangen will. Das geht jedem so. In meinem Fall kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Ich hatte einen Selbstverlag, habe Reiseführer über Marokko geschrieben. Das ist durch Corona vollkommen weggebrochen. Nun ist es hauptsächlich das Radfahren, das mich aufrecht und am Leben erhält. Jeder Mensch braucht irgendetwas. Und nachdem ich die Radwege in meiner Umgebung längst zigmal abgefahren habe ermöglicht mir dieses Ticket, mehr von meiner Umgebung zu sehen. Ich habe wunderschöne Tage dadurch, die meiner seelischen Gesundheit helfen.

Etwas Besonderes ist aber gestern meiner älteren Nachbarin passiert, das finde ich erwähnenswert. Ich hatte ihr von diesem Ticket erzählt und sie überzeugt, auch eines zu kaufen. Wir haben damit einen schönen Ausflug nach Boppard zusammen gemacht. Aber dann beschloss sie, das Ticket für einen Besuch bei einer guten, aber alten und kranken Freundin zu nutzen. Eine Reise mit 4x umsteigen und 7 Stunden in der Bahn, aber es machte ihr nichts aus, sie hatte ja Zeit. Im Altersheim angekommen bekam sie sogar ein schönes Zimmer zu einem guten Preis und konnte sich zwei Tage mit der Freundin beschäftigen, die sich unsäglich gefreut hat. Gestern Abend kam sie zurück und erzählte mir von den Erlebnissen, auch, dass es der 85jährigen nicht gut geht und es vermutlich nicht mehr lange dauern wird.

Zwei Stunden später rief sie mich wieder an. Die Freundin ist gestorben! Also am gleichen Tag, als sie sich morgens noch umarmt hatten. Vielen, vielen Dank an das Ticket, niemals wäre meine Nachbarin sonst gefahren, sie war so glücklich, die Dame noch mal zu treffen und es scheint auch so, dass diese sich gerade noch am Leben gehalten hat, um die Freundin noch einmal zu sehen.

Ich bin sicher viele von euch können von solch besonderen Erlebnissen mit dem Ticket erzählen, gerade Rentner, die nicht so viel Geld haben. Das dann nur auf ein Jobticket zu beziehen finde ich mal wieder sehr einseitig und egoistisch.

Hot Bike

Endlich mal eine Temperatur, bei der ich zum Leben erwache. Heute waren für Taunusstein 31 Grad gemeldet, das bedeutet unten am Rhein noch ein paar Grad mehr. Schön. Ich bin hitzebeständig, aber kälteempfindlich. Allerdings scheine ich die einzige zu sein. Kein Mensch will mit mir fahren, alle stöhnen über die Hitze. Das ist Deutschland. Hier schimpft man entweder über zu kaltes oder zu warmes Wetter, Petrus kann es nie recht machen.

Also, ja, heute ist genau mein Wetter. Und natürlich muss ich aufs Rad. Die wenigen Kumpane, die ich habe, stöhnen nur und wollen nicht aufs Rad. Zum Glück brauche ich ja keinen. Also geht es am Morgen nach Wiesbaden, dort muss ich erst noch Johannisbeertörtchen machen als Überraschung für meine Familie, wenn die heute Abend aus einem kurzen Hollandurlaub zurückkehren.

Dann geht es quer durch Wiesbaden zum Südfriedhof, nicht schön, aber auch nicht zu schlimm an einem Sonntag, wo bereits jeder im Schwimmbad liegt. Von dort aus gibt es einen schönen Weg direkt nach Kastel am Rheinufer. Dort sind gerade Graffiti Künstler am Werk, ist wohl ein großes Happening. Aber ich kann nur gerade ein Foto machen, da mein Handy mal wieder überhitzt ist. Das bedeutet auch, keine Navigation mehr, aber die brauche ich auch nicht, da der Radweg Nr. 3 nach Frankfurt sehr gut ausgeschildert ist. Doch auch meine Apps Komoot und Strawa brechen bei der Hitze ab und ich kann die Route nicht komplett aufzeichnen. Schade. Ich fahre gemütlich am Main entlang bis nach Flörsheim und treffe durchaus andere Radler. In Flörsheim entscheide ich, von dort wieder mit dem Zug zurück zu fahren. Habe ja das gute 9-Euro-Ticket. Also das müsste es echt immer geben.

Die S 1 nach Wiesbaden ist ziemlich leer, kein Problem also mit meinem Fahrrad. Vom Bahnhof will ich wieder etwas Bus fahren und warte auf die 274 nach Bad Schwalbach. Himmel und Menschen warten auf den ab hier eingesetzten Bus, aber kein Rollstuhl, kein Kinderwagen und kein zweites Fahrrad. An der Abstellfläche sitzt ein Mann auf dem Notsitz, ich versuche, mein Rad trotzdem zu stellen, da steht er sehr freundlich auf und geht zu einem anderen Platz. Danke, das war nett.

An der Eisernen Hand steige ich aus und fahre die letzten 4 km wieder schön durch den Wald. War gut, insgesamt 33 km. Und zu Hause gibt es lecker gerillten Ziegenkäse auf Ruccola. Mhm.

 

Radwege um Taunusstein

Taunusstein ist nicht gerade das Mekka für Radfahrer. Außerhalb gibt es ja etliche Wirtschafts- und Forstwege, die man mehr oder weniger gut fahren kann, aber innerhalb der Ortsteile gibt es so gut wie nichts. Für alle Fremden: Taunusstein (ca. 30.000 Einwohner) ist keine gewachsene Stadt, sondern ein Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Bleidenstadt, Hahn, Neuhof, Seitzenhahn, Watzhahn und Wehen. Später kamen Hambach, Niederlibbach, Orlen und Wingsbach dazu. Ich wohne in Wehen, unser Rathaus steht in Hahn. Neuhof, Wehen, Hahn und Bleidenstadt liegen aufgereiht im Tal, also wäre es ideal wenn alle diese Orte mit einem Rad- und Spazierweg verbunden wären. Aber leider gibt es den innerhalb der Ortsteile nicht, da muss man über die Straßen fahren und Radspuren gibt es dort nicht. Also Helm auf und schön auf die bösen Autofahrer aufpassen.

Doch dann stieß ich im Stadtjournal auf folgenden Artikel, der jedes Radfahrerherz höher schlagen lässt:

Radweg nach Niedernhausen ausgebaut

Niederhausen ist die Nachbargemeinde, grob gerechnet 10 km Luftlinie entfernt. Ein Fahrradweg dorthin, das wäre doch einfach ein Traum. Ja, man kann mit dem Rad schon jetzt dorthin fahren, aber es geht ziemlich zickzack und eine gute Navigation ist notwendig, denn entsprechende Ausschilderung gibt es nicht.

Ich fuhr also in die nahe gelegene Siedlung Platte und weiter analog google maps zur Siedlung Wildpark. Keine Spur von einem neu ausgebauten Weg. Ich suchte und suchte, fuhr runter bis nach Niedernhausen. Nichts. Eine schöne Rundtour bei herrlichem Wetter gemacht, aber kein neuer Radweg.

Das Thema lässt mir keine Ruhe. Heute früh ging es also auf direktem Wege wieder zur Siedlung Wildpark. Vielleicht habe ich ja was übersehen. Dort gibt es einen zentralen Platz, von dem viele Spazierwege abgehen. Eine Gruppe von Frauen mit Wanderstöcken machte sich gerade warm, ich sprach sie an. Sie hatten noch nie von diesem Weg gehört, geschweige denn ihn gefunden. Ein Anwohner mit Hund kam vorbei, kennt alle Wege, aber diesen, nein.

Zurück zu Hause dachte ich, es ist doch am besten, mal direkt im Rathaus anzurufen. Das ist leichter gesagt als getan. Bei der zentralen Rufnummer geht absolut niemand ans Telefon. Eine Nummer von einem Mitarbeiter direkt zu finden ist sehr, sehr schwer. Schließlich fand ich genau 2 Mitarbeiter, die aber für etwas ganz anderes zuständig waren. Nummer 1 nicht vorhanden. Nr. 2 meldete sich. Ich konnte es kaum glauben, mit einem richtigen Menschen, einer sehr netten, hilfsbereiten Dame zu sprechen. Da sie nicht zuständig war wollte sie mich mit der richtigen Adresse verbinden. Nichts. Es war übrigens kurz vor 14 Uhr, also weder Mittagspause noch Feierabend. Sie suchte schließlich jemand anderen, der auch nicht zuständig war, aber doch etwas Ahnung hatte. Wir plauderten nett und schließlich versprach er mir, mit der genauen Lage zurück zu rufen. Was er auch tat und mir sogar die Koordinaten mitteilte. Fazit: Wenn man von der Stadt tatsächlich mal jemand erreicht sind sie freundlich und hilfsbereit.

Am Nachmittag also fuhr ich zu der entsprechenden Stelle. Und stellte fest, dass ich sowohl am Anfang als auch am Ende schon einmal war, den Weg jedoch nicht als solchen erkannte, vor allem, da er ja auch nicht nach Niedernhausen geht und auch nach meinem Display gerade mal 1,2 km lang ist. Diese Überschrift ist sehr irreführend und nur damit zu erklären, dass die Siedlung Wildpark zur Gemeinde Engenhahn gehört, die wiederum zu Niedernhausen gehört, aber ganz wo anders liegt.

Oh je, kann ich da nur sagen. Und so ein paar kleine Wegweiser würden auch nicht schaden, daran spart man hier sehr. Bisher habe ich nur den Main-Radweg hervorragend ausgeschildert gefunden.

Anfang Siedlung Platte Zur Kohlwiese, Ende Siedlung Wildpark Zeisigweg:

Exkurs Radwege Florida

In Florida bin ich ja sehr engagiert in der Radfahrgemeinde und dort wird sehr viel mehr getan. Es gibt wunderschöne geteerte Multi-Use-Trails, die sehr gute Einrichtungen inklusive sauberen, kostenlosen Toiletten, Trinkwasser, Werkzeugstationen und Rastplätze haben. Und Wegweiser! Und wenn ein Radweg fertig gestellt wird, wird er von den Honoratioren eingeweiht, zusammen mit den Radclubs (und natürlich auch von mir).

Mein 9-Euro-Ticket

Seit dem 1. Juni gibt es dieses Ticket und heute möchte ich es zum erstenmal testen. Muss nach Frankfurt, zur Messe, und habe lange überlegt, ob ich mit dem Auto oder dem ÖVM fahren soll. Das zweimalige Umsteigen hat mich gestört, aber den Ausschlag hat gegeben, dass ich auf der Messe wohl wieder so viele Drinks bekomme, dass Bahnfahren sicherer ist.

In diesem Blog will ich euch über meine Erlebnisse in den nächsten Tagen erzählen, wird immer nachgetragen, schaut doch öfter mal rein. Ich wohne in Taunusstein, ab hier gibt es leider nicht so häufig Busse und einen Bahnanschluss haben wir auch nicht. Will ich mit der Bahn geht also immer der Bus nach Wiesbaden oder Niedernhausen voraus.

2. Juni Messe Frankfurt

1. Versuch. Ich nähere mich der Haltestelle, rechtzeitig. Ein Mann sitzt und wartet. Mit Maske vor dem Gesicht. Oh shit! Also wieder heim und den nächsten genommen. Bin ja zum Glück immer früher als geplant.

2. Versuch: klappt. Bus nur zu einem Drittel gefüllt und Abstellplatz für Fahrrad wäre auch vorhanden. Aber heute geht es ja nicht zum Fahrradfahren, heute geht’s zur Messe. Trotzdem, den merke ich mir, 8.49 ab Walkmühlstrasse. Hier auf dem Land haben ja nicht alle Busse genügend Platz.

In Wiesbaden umsteigen in die S-Bahn. Natürlich habe ich mir auch die Bahn App aufs Handy geladen, dort ist nicht nur mein 9-Euro Ticket zum Vorzeigen im Bus, ich kann mir auch die Fahrstrecken speichern. Und das ist bei längeren Fahrten in Regionalzügen ja wichtig, denn man muss oft umsteigen. Dabei habe ich heraus gefunden, dass man als Startpunkt nicht nur den Namen der Start-Haltestelle angeben kann, sondern man kann auch Verbindungen ab dem aktuellen Standort aufrufen. Also, ich finde die Bahn hat den Einstieg ins digitale Zeitalter geschafft.

Auch die S-Bahn ist nur halb gefüllt, es ist ja nach dem Berufsverkehr. Laut Plan sollte ich den Zug um 9.32 nehmen, aber eine S-Bahn nach Offenbach stand schon bereit und ab gings um 9.18 schon. In Frankfurt tief angekommen war ich zunächst einmal verwirrt, wo denn nun mein Zug zur Messe ist, aber der Putzmann, der die Papierkörbe bearbeitete, konnte mir helfen und mich zum richtigen Bahnsteig schicken. Bin halt zum erstenmal seit langem wieder mit ÖVM unterwegs.

Auf der Messe war ich dann halb 11, eine sehr gute Zeit, alles hat perfekt geklappt und die erste Erfahrung war super. Habe etwa 100  Minuten gebraucht, mit Auto wären es 40 gewesen.

3. Juni Berufsverkehr

Wollte den Bus 270 um 16.19 Uhr nach Wiesbaden nehmen, um ein wenig zu shoppen. An der Haltestelle 10 Personen, echt viel für uns. Der Bus kommt, ich steige ein, noch genug Platz. Er fährt los, aber oh Schreck, biegt an der nächsten Kreuzung in die Gegenrichtung ab. Mist. War der 240er statt 270. Ich muss wohl noch viel lernen. Mein Auto und auch mein Rad fahren immer dahin wo ich will :(. Spaziergang nach Hause, kein shoppen heute.

6.Juni mit Fahrrad

Heute nun endlich der große Versuch mit dem Fahrrad. Es ist Pfingstmontag, also Feiertagsverkehr. Aber oh Wunder, während es früher sonntags keine Busse ab Wehen gab ist der Fahrplan nun wesentlich erweitert worden und es gibt Verbindungen. Um 9.06 soll ein Niederflurbus abfahren. Ich äußerst gespannt, hatte ich doch in den letzten Tagen schon beobachtet, dass seit dem 9-Euro-Ticket wesentlich mehr Leute an der Haltstelle stehen. Und wenn es nun einen Rollstuhl im Bus gibt, dann komme ich nicht mehr mit.

Der Bus kommt, kein Rollstuhl, aber ein Fahrrad. Trotzdem klappt es. Ich komme rein. Ist nicht so ganz einfach das Rad und mich gleichzeitig festzuhalten, vor allem in den Kurven, aber es geht. Dann steigt ein Rad aus und ja super, so geht es wesentlich besser.

Im Hauptbahnhof Wiesbaden will ich dann den Regionalzug nach Neuwied bekommen. Oh mein Gott, der Bahnsteig ist brechend voll. Wanderer, Reisende, wenige Fahrräder. Wenn es nicht klappt fahre ich halt woanders hin. Aber der Zug kommt, alle stürzen auf die Türen zu, ich auch und ich komme rein. Gar nicht mal so schlecht. In Rüdesheim dann nicht fahrradgerecht, aus dem Zug wird eine Treppe ausgeklappt und auch vor dem Bahnhofsgebäude sind Stufen. Ich schaffe das, aber die Rollstuhlfahrer?

Nun geht es am Rhein entlang auf dem R 3, dann ab Eltville in die Berge und direkt nach Hause. 38 km. War kurz nach 12 schon wieder zu Hause? Warum nur habe ich nicht ein paar Pausen am schönen Rhein gemacht?

  1. Juni Wandern in Boppard

8.49 Uhr ab Wehen habe ich ja schon ausprobiert, auch heute ein guter Bus, es gibt bequem Platz. Am Wiesbadener Hauptbahnhof steigen wir in die S-Bahn nach Mainz, auch hier gibt es Sitzplätze für uns zwei Wanderer. In Mainz dann soll es in die Regionalbahn nach Koblenz gehen mit nur wenigen Zwischenhalten, ein sehr guter Zug. Und sehr voll. Die Leute stehen dicht gedrängt, die bisher schon sitzen haben sich ausgebreitet und überall muss man bitten, dass das Gepäck von den Sitzen abgeräumt wird. Schnell sind alle Plätze belegt, wir beiden finden noch einen Sitzplatz, aber der Gang ist brechend voll. Und ab Bingen kommt dann die Durchsage, dass die Bahn voll ist und man möglichst auf den nachfolgenden Regiozug ausweichen soll. Auch Fahrräder würden nicht mehr mitgenommen. In Boppard kommen wir dann mit etwa 10 Minuten Verspätung an.

Für den Rückweg hatte ich mir den Zug um 17.44 raus geschrieben, denn auch er ist schnell mit nur 2x Umsteigen. Die Verbindungen davor würden viel länger brauchen. Aber eine dunkle Wolke steht am bisher sonnigen Himmel und wir schlendern schon mal Richtung Bahnhof. Die wunderbare Bahn App kommt auch hier wieder zum Einsatz und ich finde einen Zug, der um 16.18 Richtung Mainz geht. Wir steigen ein und diesmal bekommen auch wir keinen Sitzplatz mehr. Überdies finde ich dann heraus, dass wir den Zug in Bingen verlassen müssen, da er weiter über den Hunsrück nach Kaiserslautern fährt. Aber wir haben ja Zeit, es macht uns überhaupt nichts aus, wenn es länger dauert. Beim Umsteigen hilft wieder die App schnell den richtigen Bahnsteig zu finden. Und welche Überraschung, die Mittelrheinbahn steht gemütlich auf dem Gleis und wartet auf uns. Sie wurde hier erst eingesetzt und bietet genügend Platz, auch Fahrräder hätten jede Menge reingepasst. In Mainz dann mussten wir noch nicht mal das Gleis wechseln, die S-Bahn nach Wiesbaden kam nach wenigen Minuten und bot genügend Sitzplatze.

Aber dann wurde es spannend. Der Zug sollte um 17.44 in Wiesbaden einlaufen, der Bus nach Taunusstein aber auch um 17.44 abfahren. Wenn wir den nicht bekommen müssen wir 30 Minuten warten. Ich sah Marlies an: versuchen wir es? Wir sind nicht mehr die Jüngsten, ich aber doch ein wenig schneller. Der Bus war gerade am Ausscheren, öffnete jedoch für mich noch mal die Tür. Ich deutete auf Marlies, die noch ein Stück entfernt voran hechelte, der Fahrer konnte nicht warten, war ja mitten im Verkehr, meinte aber, wenn die Ampel rot ist ….

Und sie war rot. Er öffnete für Marlies die Tür und wir nahmen beide entspannt Platz. So ein netter Fahrer, so ein rundum gutes 9-Euro-Ticket Erlebnis.

Nachtrag

Ich hatte meiner älteren Nachbarin von diesem Ticket erzählt und sie überzeugt, auch eines zu kaufen. Wir haben damit einen schönen Ausflug nach Boppard zusammen gemacht. Aber dann beschloss sie, das Ticket zu nutzen und einen Besuch bei einer guten, aber alten und kranken Freundin zu machen. Eine Reise mit 4x umsteigen und 7 Stunden in der Bahn, aber es machte ihr nichts aus, sie hatte ja Zeit. Im Altersheim angekommen bekam sie sogar ein schönes Zimmer zu einem guten Preis und konnte sich zwei Tage mit der Freundin beschäftigen, die sich unsäglich gefreut hat. Gestern Abend kam sie zurück und erzählte mir von den Erlebnissen, auch, dass es der 85jährigen nicht gut geht und es vermutlich nicht mehr lange dauern wird.

Zwei Stunden später rief sie an. Die Freundin ist gestorben! Also am gleichen Tag, als sie sich morgens noch umarmt hatten. Vielen, vielen Dank an das Ticket, niemals wäre meine Nachbarin sonst gefahren, sie war so glücklich, die Dame noch mal zu sehen und es scheint auch so, dass diese sich gerade noch am Leben gehalten hat, um die Freundin noch einmal zu treffen.

IMEX 2022

Nicht viele Menschen werden diese Messe kennen, ist sie doch nur für ein begrenztes Publikum. Länder und Tagungshotels stellen sich vor für Geschäftsreisen und Tagungen, die Besucher sind hauptsächlich Event-Manager. Ich kam vor Jahren schon auf diese Messe durch meine Kontakte zu Marokko, auch von dort stellen sich befreundete Unternehmen vor und ich wurde eingeladen. Seitdem ist es meine Lieblingsmesse geworden. Die ITB in Berlin ist bestimmt noch viel interessanter, aber auch weiter weg, während Frankfurt für mich leicht zu erreichen ist.

Zunächst ging es um die Anreise. Natürlich bin ich bisher immer mit dem Auto gefahren, das geht ziemlich schnell und man kann direkt im Parkhaus über der Halle parken, das kostet allerdings 20 Euro. Nun gibt es ja zeitlich perfekt abgestimmt das 9-Euro Ticket, aber ich müsste zweimal umsteigen. Lange habe ich überlegt, aber den Ausschlag gab schließlich, dass ich etwas trinken kann. Denn auch das gehört zur Messe, die landestypischen Spezialitäten werden gereicht, bei den Brasilianern Caipirinha, bei den Dominikanern Rum, bei vielen Wein und bei den Engländern mussten wir auf das Thronjubiläum der Queen mit Sekt anstoßen. Am Abend war dann ganz sicher, die Bahnanreise war die richtige Entscheidung!

Gespannt war ich, ob sich diese Messe nach den zwei Coronajahren, wo natürlich nichts stattfand, geändert hat. Ja, schon ein wenig. Einige Aussteller, die immer dabei waren, waren nicht mehr vertreten, die meisten Länder aber schon. Nur gab es früher mehr Aktionen, landestypische Tänze in wunderschönen Kostümen wurden gezeigt, was es nun nicht mehr gab. Auch Essen wurde kaum gereicht, gerade die Franzosen waren da früher einzigartig und hatten immer einen Starkoch dabei. Aber zu trinken gab es noch genug. Und die Gespräche, es war einfach toll.

Ich schlenderte am Stand von Bahrain vorbei, da fragte mich ein Kalligraph nach meinem Namen. Edith. Und mit unglaublicher Kunstfertigkeit zeichnete er meinen Namen dann mit Tusche in arabischen Schriftzeichen, das werde ich mir auf jeden Fall aufheben. Ich kam dabei mit einem Ägypter ins Gespräch, wie schön, sich über sein Land auszutauschen, das ich doch auch ein wenig kenne. Ich war einmal kurz davor einen Reiseführer Ägypten zu schreiben, aber da ich damals noch keinen eigenen Verlag hatte wurde nichts daraus. Ein zweiter Ägypter schaltete sich ein und dieser Mann war einfach unglaublich. Er schaute mich nur an und konnte mir unglaublich viel über mich sagen, ohne meine Hand oder sonst etwas auch nur zu berühren, und es stimmte alles. Sehr eindrucksvoll.

Leichter ging es dann beim Kölsch-Stand der gleichnamigen Stadt zu. Ein ganz junger Besucher trank gerade ein Kölsch und lud mich ein, dazu zu kommen. Ja warum nicht mal ein Kölsch. Und später fand ich ihn dann am Weinstand von Israel wieder, wie wir wieder anstoßen mussten.

Natürlich ging ich auch zum Marokko-Stand. Diesmal kannte ich keinen einzigen vom Standpersonal. Es sind ja einerseits Vertreter des Touristenbüros (ONMT) dort, andererseits aber auch Repräsentanten von Hotels. Ich ging zum Tresen des ONMT und nannte meinen Namen. Der recht junge Mann, aber schon 12 Jahre dabei, sagte sofort, ja natürlich kenne ich Ihren Namen, habe Sie aber noch nie selbst getroffen. Ich erkundigte mich nach den Coronabeschränkungen und bekam sehr interessante Auskünfte. Man hätte gelernt, dass die Maßnahmen zu streng waren. Man hätte auch gemerkt dass einige Länder, wie die Türkei, sehr früh gelockert haben, und dies dem Tourismus sehr abträglich war und Länder wie die Türkei bevorzugt habe. Er bekräftigte, dass dies nicht mehr vorkommen wird. Es wird, vorausgesetzt es kommt nicht wieder eine schlimme Variante, keine Grenzschließungen mehr geben. Einreisen darf nun jeder, entweder mit Impfung oder mit PCR-Test und er meinte ich solle doch bald wieder kommen.

Schön war es natürlich auch am Stand der Dominikanischen Republik. Auch dort traf ich mit einem Mitarbeiter des Touristenbüros zusammen und wieder ein wunderbarer Austausch und Tipps für meine nächste Reise dorthin im Dezember. Ich fragte ihn, ob es denn auch Mamma Juana gäbe. Wer das nicht kennt, das ist ein sehr spezielles Getränk aus Rum und Kräutern, gibt es nur in der DomRep. Nein, sagte er, aber er hätte einen guten Rum. Ich trinke ja eigentlich keine Schnäpse pur, musste aber doch probieren und erfuhr so, dass die beste Qualität wirklich unglaublich samtig schmeckt. Den muss ich beim nächstenmal kaufen. Als ich am Stand von Miami entlang lief wo es wirklich schöne Taschen gab, fragte ich etwas provozierend, ob ich eine bekäme, wo ich doch statt nach Miami immer nach Daytona Beach fahre. Der nette Mann sagte, nehmen Sie zwei, da Sie so ehrlich waren. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, denn ich hatte meiner Nachbarin versprochen, ihr Taschen mitzubringen. Da drin gab es noch Koffer Anhänger und – natürlich – eine Sonnenbrille.

Auch Condor war vertreten. Beim letztenmal flog ich mit Condor in die DomRep, war sehr zufrieden mit Premium Economy und wollte das auch diesmal wieder für meine Familie haben. Gab es aber nicht mehr diese Klasse. Die nette Dame erklärte mir, warum nicht, ein neues Flugzeug und packte mir zum Trost eine ganze Tasche voll mit Werbegeschenken.

Am Stand der Stadt London lief natürlich der Fernseher mit Live-Übertragungen der Parade zum 70. Krönungsjubiläum der Queen. Und der Sekt floss in Strömen. Aber dann war es bei den Brasilianern endlich so weit für den Caipirinha, mein Lieblingsgetränk. Ich liebe einfach dieses Zusammentreffen von süß und sauer. Einfach köstlich, doch Gespräche ergaben sich hier nicht. Das kam aber dann wieder als ich zum Ausklang noch mal zur Queen ging. Traf am Tresen mit zwei Ugandern zusammen. Sagt man so? Auch hier einfach wieder wunderschön. Wir haben von einer Welt geträumt, wo alle sich lieben, wo es keinen Rassismus gibt.

Wie schade, dass es schon zu Ende ging. Und wie gut dass ich kein Auto mehr fahren musste.

Taunusstein nein danke

Ich hatte mein ganzes Erwachsenenleben in Wiesbaden gewohnt als ich vor 12 Jahren die Nachricht bekam, dass das Haus, in dem meine Mietwohnung lag, abgerissen werde und ich mir etwas Neues suchen muss. Ein Schock, denn ich wohnte trotz einiger Mängel doch gerne da, die Miete war preiswert und ich konnte zur Arbeitsstelle laufen. Eine neue Wohnung musste her. Und es wurde Taunusstein. Nicht weil es ein so schöner Ort ist, sondern weil nur hier die Wohnungspreise noch erschwinglich waren.

Schon vom ersten Tag an suchte ich Kontakt. Den fand ich zunächst. Vor allem, weil es in meiner Wohnanlage Schwimmbad und Sauna gibt, das ist ein Treffpunkt. Ich fand Menschen mit denen ich reden konnte. Aber mit denen ich nichts gemeinsam hatte. Nicht das was ich brauche.

Dann kam das Jahr 2015 mit der Flüchtlingskrise. Aufgrund meiner Auslandserfahrung, vor allem durch die herzlichen Erlebnisse in Marokko durch die einfachen Menschen auf dem Land, die nichts hatten, aber mir alles gaben, dachte ich, ich müsste was zurück geben und engagierte mich in der Flüchtlingshilfe. Ich lernte dadurch auch nette Flüchtlinge kennen, wurde auch von denen herzlich angenommen, aber nicht von den Taunussteinern. Bei denen stieß ich auf Ablehnung. Ich kam in Kontakt mit so vielen Frauen in meinem Alter, und keine einzige wollte etwas mit mir zu tun haben. Das war zum Beispiel U. Sie schrieb in Facebook von einem wunderschönen Abend mit ihren Freundinnen, die ich alle durch die Flüchtlingshilfe zum mindesten namentlich kannte, und ich antwortete, warum nehmt ihr mich nicht mal mit. Eine entrüstete Antwort kam, aber das war doch ein Abend mit meinen Mädels!

Ja, so ist das. Eine eingeschworene Gemeinschaft, in die ich nicht rein darf. So erlebe ich Taunusstein. Nicht offen, nicht herzlich. Wie anders ist doch da meine Zeit in Florida. Auch dort habe ich keine engen Freundschaften, dafür bin ich selbst viel zu distanziert, aber doch Bekanntschaften. Ich engagiere mich in der Natur und im Freizeitbereich und wenn ich im Winter wieder eintreffe freut man sich und nimmt mich in den Arm. Gerade schrieb mir Maggie wie sehr man mich vermisst. So schön. Am liebsten würde ich meinen Lebensmittelpunkt ganz in Florida haben, aber das geht aus rechtlichen Gründen leider nicht so einfach.

Dieser menschliche Gesichtspunkt ist mir das Hauptargument gegen Taunusstein, aber auch sonst gibt es nicht viele Pluspunkte. Natürlich der Wald, der gleich vor meiner Haustür beginnt. Und die Nähe zu Wiesbaden. In 9 km bin ich in der Stadt. Aber da Taunusstein keine gewachsene Stadt ist, sondern sich aus vielen einzelnen Dörfern zusammensetzt, die man dann als Stadt zusammen genommen hat, gibt es auch kein schönes Stadtzentrum, wo man mal bummeln gehen kann. So wie in Idstein. Als ich eine Wohnung suchte habe ich noch gearbeitet und wollte möglich nah an der Arbeitsstelle wohnen, Idstein war mir da zu weit. Aber heute wäre ich tausendmal lieber in Idstein. Ob die Menschen da freundlicher sind kann ich natürlich nicht sagen.

Auf der Kuchalb

Meine Familie und ich verbringen einige Tage in Geislingen, weil meine Enkelin hier ein Studium angefangen hat und wir sie besuchen. Es sind einfach wunderschöne Tage, wo jeder einzelne Moment erzählenswert wäre. Aber der heutige Abschluss der Reise war doch besonders.

Ich wohne nicht bei meiner Enkelin, sie hat eine schöne Wohnung, aber auch nicht sooo viel Platz, sondern außerhalb in einem netten Hotel auf der Kuchalb. Kennt ihr das? Nein? Komisch. Der Ort hat immerhin genau 12 Häuser und 38 Einwohner, 10 Windräder, etwa 50 Kühe, 100 Schafe, 20 Pferde, etliche Katzen und Zwergkaninchen, die auf der Straße umherhoppeln. Herrlich zum Fahrrad fahren oder wandern.

Mit meiner Familie habe ich so viel Schönes unternommen, dass ich heute schon früh in mein Hotel auf der Alb zurück fuhr, war einfach müde. Aber da ist ja Mutter Franzl. DAS Restaurant des Ortes. Nur Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Eigentlich wollten wir heute dorthin, aber dann haben wir heute in Blaubeuren so gut gegessen, dass wir keinen Hunger mehr hatten. Aber ich könnte ja nur einen Wein trinken …

Ich also hin und von außen durchs Fenster geschaut. Viel Betrieb, die Leute saßen an Tischen und aßen. Keine Bar. Soll ich wirklich? Nein, ich traue mich nicht. Müsste ja an einen Tisch so ganz allein. Die Katze empfing mich nett, lief mir ständig nach als ich ums Haus herum schlich. Aber nein. Also wieder ins Hotel zurück, gerade 50 m entfernt.

Aber im Zimmer? Auch allein. Um 20 Uhr. Langweilig. Wieder zurück. Allen Mut zusammen genommen. Rein! An der Theke gefragt: Haben Sie einen Platz für mich ganz allein? Ja, warum nicht gleich am Stammtisch. Ich völlig perplex. Ja gerne, wenn ich darf. Nur ein Mann saß da, sprach mich gleich an. Er stammt von der Kuchalb, wohnt aber nun im Ort unten, 300 steile Höhenmeter kommt er mit seinem eBike, damit er etwas trinken kann. Woher, wohin. Ich erzählte kurz. Dann kam der nächste. Fragte auch woher. Ich sage dann immer Wiesbaden, weil Taunusstein ja eh keiner kennt und ich mich nach 45 Jahren Wiesbaden dort auch eher zuhause fühle. Er sagte, ach wie interessant, ich habe in Taunusstein gearbeitet. Könnte nun sagen, damit war das Eis gebrochen. Nur, da war niemals Eis. Die beiden waren total nett, nahmen mich sofort auf und waren doch echte, urtypische Schwaben. Geschichten gingen hin und her, so lustig wie der eine seine Frau aus Norddeutschland erobert hat. Der eBike-Fahrer mit Strohhut, Strickjopperl und Cordhose strich regelmäßig Schnupftabak auf seinen Handrücken. Um zumindest etwas typisches zu essen bestellte ich eine Flädlesuppe.

Dann kam Julia. Sie ist die Wirtin und setzte sich zu uns. Ein richtiges Unikum. Ich schätze sie auf 45, so richtig babyspeckdick mit Pausbäckchen, aber gekleidet wie in Florida (heute ist es kalt). Knappe Shorts, Tanktop, Bandana über der Stirn und Speckrollen auf dem Bauch. Super Type. Betonte wie wichtig es ihr ist, die Erzeugnisse der Küche aus dem regionalen Anbau zu beziehen. Vor allem auch das Fleisch. Der eine Gast bezahlte und wollte gehen, da rief sie ihn zurück und bestellte Marillenschnaps für uns alle vier. Übrigens ist die echte Mutter Franzl schon einige Jahre tot und Julia hat die Gastwirtschaft übernommen.

Ach, was war das so schön. Hier möchte ich wohnen und Mutter Franzl gleich um die Ecke habe. Ich liebe die Kuchalb.

Rösti

Also alle Bocuse-Jünger und Meisterköche, schaltet mal ab. Das ist nichts für euch, die ihr alles besser wisst. Das ist nur der Bericht einer Amateurin. An Ostern will meine Familie zu mir zum Essen kommen. Ich freue mich total. Aber. Vielleicht ergeht es manchem ähnlich, je älter ich werde, desto schwerer fällt mir das ausführliche Kochen. Ich koche ja nur noch für mich, zwar immer gesund mit reinen Zutaten, keine Kochmischungen mit Chemie, aber ein Essen ist in höchstens 15 Minuten fertig. Dabei habe ich ja heute mehr Zeit als ich haben möchte.

Mir fiel schließlich ein Hauptgericht ein, dass ich früher ab und zu gekocht habe, für Besuch, nicht für den Alltag, und ich glaube mein Sohn hat es immer sehr gemocht. Aber da wäre ja noch eine Vorspeise. Es könnte eine schöne cremige Suppe geben. Aber gerade am letzten Samstag war ich zum Essen eingeladen, bei einer Meisterköchin, die nicht nur fantastisch und gesund kocht, sondern es noch versteht, ihr Heim derart hübsch und gemütlich zu machen, dass mir richtig schlecht wird, wenn ich an meine Oster-Aufgabe denke. Und die cremige Bärlauchsuppe mit gerösteten Knoblauch-Brot Streifen kann ich nicht übertreffen. Also besser gar nicht versuchen, hier Konkurrenz aufzubauen.

Dann komme ich auf Kartoffelpuffer mit Lachs, Meerrettich und Dill. Ja, das wäre was. War im Lidl, der hatte keine Kartoffelpuffer, außerdem stelle ich mir so kleine runde vor und die wären eh zu groß. Dann kommt ein sehr überraschender und schöner Anruf. Meine Enkelin schlägt vor, dass sie zu diesem Anlass schon etwas früher kommt und wir zusammen kochen. Ach, wie schön. Ich erzähle von den Rösti, oder was auch immer das ist, mit Lachs, und sie findet es gut. Meint, wenn ich sie nicht bekomme könnten wir sie ja auch selbst machen.

Eigentlich eine gute Idee, natürlich hat auch meine Mutter manchmal Reibekuchen selbst gemacht. Da es aber so nicht unbedingt meins ist habe ich es nie nachgekocht, sondern nur einmal fertige gekauft, weil ich die zu Lachs essen wollte.

Bin dann zu Aldi. Ja, dort gab es Kartoffelpuffer. Sowohl fertig in runder Form als auch ein Becher mit dem Teig, den man ja dann selbst irgendwie in die Pfanne bekommen könnte. Wie üblich schaue ich mir die Liste der Zutaten an: 93% Kartoffeln, Rapsöl, Zwiebeln, Stärke, Speisesalz, Aroma, Raucharoma, Emulgator Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Hefeextrakt, Gewürze. Kann Spuren von Gluten, Milch, Ei, Sellerie und Senf enthalten.

Mhm. Nein. Ist nicht meins. Ich komme immer mehr zu dem Schluss, keine vorgefertigten Speisen zu kaufen, die alles Mögliche enthalten, was ins Originalprodukt nicht rein gehört.

Also Kartoffeln gekauft. Was ja auch viel billiger ist. Und erst einmal im Internet nachgeschaut, was der Unterschied zwischen Kartoffelpuffer und Rösti ist. Sehr interessant. Die schweizer Variante Rösti besteht tatsächlich nur aus Kartoffeln, Pfeffer und Salz. Selbst die Zugabe einer Zwiebel ist nur eine Variante. Deutsche Reibekuchen bestehen wie die Rösti aus geriebenen Kartoffeln. Dazu kommen aber noch Eier und Mehl. Manchmal werden noch Zwiebelwürfel, Milch oder gar Quark zum Teig gegeben.

Ziemlich schnell wurde mir klar, die reine schweizer Variante soll es sein. Nicht aber ohne es zuvor auszuprobieren. Denn eine Premiere beim Osteressen könnte schief gehen. Also rohe Kartoffeln grob gerieben und auch noch eine Zwiebel hinterher. Zwei durchschnittlich große Kartoffeln ergeben einen großen oder zwei kleine Puffer. Butterschmalz soll man nehmen, Aldi hat aber keins, also nehme ich Olivenöl. Und mache einen großen Puffer. Ja, schmeckt recht gut. Vielleicht etwas mehr würzen. Dazu Apfelmus. Lecker. An der Form könnte man noch etwas arbeiten.

Donnerstag Mittag. Was soll ich heute kochen? Warum nicht wieder Rösti, diesmal wie vorgesehen mit Lachs. Der Teig wird bereitet, da fällt mir ein, dass ich auch noch etwas frischen Spinat im Haus habe. Schnell gedünstet. Da ich keine Bacon-Streifen habe werden ein paar Bits gebraten und zwei Puffer. Einen mit Lachs und Meerrettich, einen mit Bacon Bits und Spinat. Oh mein Gott, wie gut. Ich könnte nur noch von Rösti leben und stelle mir unzählige Varianten vor.

Ukraine

21.5.1940

Heute gebe ich für eine unbestimmte Zeit das Zivilleben auf. Um 8.30 fährt mein Zug von Kirn ab, der mich in eine ungewisse Zukunft trägt. Wird es mir vergönnt sein, genau so froh und glücklich nach Beendigung des Krieges nach Hause zurückzukehren? Berta und Sigrid brachten mich an die Bahn. Der Abschied fiel mir verhältnismäßig leicht, da ich immer noch eine gewisse Zeit vor mir habe ehe ich an die Front komme. Aus allen Gegenden kommen junge Leute mit Koffern. Man sieht es ihnen von weitem an, dass sie zu den Soldaten müssen. Alle sind guten Mutes.

4.6.1940

Heute ist der wichtigste Tag im Leben der Soldaten. Es ist Vereidigung. In feierlicher Form wurden sämtliche Kompanien im Hofe des Kornmarktes vereidigt. Bei dem Nachsprechen der Eidesformel befiel mich ein eigenartiges Gefühl. Jetzt bin ich Soldat mit Leib und Seele. Es gilt der Satz; wer auf die preußische Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm selber gehört. Wenn die Frage an mich herantritt, soll ich mein Leben einsetzen oder nicht, werde ich mit allen Konsequenzen meine Pflicht tun.

20.1.1943

Um 6 Uhr sollte es losgehen, doch mussten wir noch auf die Kolonne des Ic warten. Um 7 Uhr kam sie endlich. An sie hängten wir uns an, da die Strecke schon von den Russen bedroht war. In flotter Fahrt ging es los. Unendlich viele Kolonnen überholten wir, die alle auf dem Rückzug waren. Trotzdem ging es schnell bis Bataisk. Dort begannen die ersten Stauungen. Um 10 Uhr waren wir in Bataisk. Zu der gleichen Zeit waren 10 russische Panzerspähwagen bis zum Flugplatz durchgebrochen. Stuckas warfen 5 davon in Brand. Die Stuckas sahen wir wohl, wussten aber nicht, was los war. Erst in Mariupol erfuhren wir es. Von Bataisk bis Rostow ging es in einer langen Kolonne. Der erste Halt war vor der Don-Brücke. Aber dann ging das Theater los. Nur schrittweise kamen wir vorwärts.

Die Stadt überfüllt von Kolonnen und Rumänen auf der Flucht. Mühsam musste jeder Meter erkämpft werden. Eine geschlagene Armee auf der Flucht. Die wenigsten hatten noch Waffen. Nur mit dem, was sie auf den Leibern hatten, waren sie geflohen. Die Rumänen waren in der Kalmückensteppe eingesetzt. Sie sollten bei der Entlastungsoffensive für Stalingrad den zu erwartenden russischen Stoß auffangen. Die Russen kamen aber mit 40 Divisionen und unzähligen Panzern. Die Rumänen hatten wenig Panzerabwehr. Da war es mit Widerstand vorbei. In panikartiger Flucht gingen die Truppen zurück. Noch 200 km hinter der Front warfen sie ihre Gewehre fort. Große Teile der Kampftruppen mit Waffen und Gerät gerieten in Gefangenschaft. Zu essen haben sie nichts. Seit 4 Wochen keine richtige Verpflegung, kaum Brot. In allen Dörfern betteln sie. Sie sind zu bedauern. An Wehrsold bekommen sie im ganzen Monat 1 RM. Ein Volksdeutscher, den wir bis Mariupol mitnahmen, erzählte uns, dass die ganze rumänische Armee nach Hause geschickt wurde. Rechts und links der Straße lagen zahllose tote Pferde. Eine Armee auf dem Rückmarsch.

Dieser Text stammt aus dem Kriegstagebuch meines Vaters. Fast 80 Jahre ist es her, dass er dies schrieb. Und irgendwie wieder schrecklich aktuell. Bitte, bitte beendet den Krieg und lasst es nicht so weit kommen, dass auch unsere Männer wieder in den Krieg ziehen.

Kriegstagebuch

Deutschland

Was ist nur in Deutschland los. Das ist kein Land mehr, auf das ich stolz bin, zu dem ich gehören möchte. Die Coronazahlen schießen in die Höhe, die Politik ist zerstritten wie nie. Die CDU hat monatelang nichts getan, blieb völlig in ihre eigenen Probleme verstrickt, und nun plötzlich werden sie aktiv. Und versuchen die Pläne der künftigen Regierung zu blocken. Ich bin so froh, dass die CDU und ihre unfähigen Minister bald weg sind vom Fenster, aber ich würde zumindest so viel Menschlichkeit erwarten, dass sie nun nicht die Handlungen weiter verhindern. Im Bundestag konnten sie das neue Gesetz nicht verhindern, aber im Bundesrat wollen sie es blockieren.

Ich bin nur froh, dass ich rechtzeitig geflüchtet bin. Wenn alles gut geht kann ich bis zum März bleiben und ich hoffe sehr, dass es in Deutschland bis dahin besser geht. Und kann nur jedem raten, der wie ich Rentner und frei ist, machen Sie das gleiche. Flüchten Sie so schnell wie möglich, suchen sich ein schönes Land für den Winter und bleiben Sie Deutschland fern. Ich habe auch die Befürchtung, dass, wenn die Zahlen in Deutschland weiter steigen, viele Länder ihre Grenzen für Deutsche dichtmachen werden.

Für Corona bin ich kein Experte. Ich kann nur beobachten und mir das für mich persönlich am passendste heraussuchen. Und das habe ich mit Florida getan. Hier waren die Zahlen im Sommer auch extrem hoch. Und man hat so gut wie nichts dagegen getan. Die Impfrate ist ähnlich hoch wie in Deutschland. Was hier deutlich besser ist, ist das Impfangebot. Hier wird nicht beim Arzt geimpft, sondern in den Apotheken. Es gibt zwar auch öffentliche Impfzentren, aber recht wenig,. Dafür sind die Apotheken sehr, sehr zahlreich. Am Tag, als meine zweite Impfung genau ein Jahr her, war fragte ich online nach einem Termin bei meiner bevorzugten Walgreens-Pharmacie für den Booster und konnte bereits nach 45 Minuten vorfahren. Karte ausgefüllt, Pieks und fertig. So geht das hier.

Negativ ist zwar, dass es hier bestimmt so viele Impfgegner gibt wie in Deutschland, aber trotzdem sind die Zahlen sehr niedrig. Es gibt so gut wie keine Coronamaßnahmen mehr. Zwar streitet der Gouverneur mit den Kommunen über eine Maskenpflicht in den Schulen, aber im Alltag ist die Maske praktisch nicht da. Nur einige Angestellte tragen sie, und sehr, sehr wenige Bewohner. Ansonsten ist wirklich alles auf, es gibt Feste, Konzerte und Sportveranstaltungen.

Ja, das ist mein Land.