Heute ist der große Tag, an dem ich meine Familie treffen werde. Im Hotel-Restaurant Cheval Blanc in Niedersteinbach. Wir waren dort schon öfter, es ist sehr schön da, und vor allem bekommen wir hier genau das tolle französische Essen, das wir so lieben. Ich habe zum Beispiel hier mit meiner Familie meinen 65sten Geburtstag gefeiert.
Und heute eben wollen wir uns hier treffen, die anderen kommen direkt aus Italien. Witzig ist halt nur, dass es im 10 km entfernten Lembach auch ein Cheval Blanc gibt. Und obwohl unseres für sein wunderbares Essen weit und breit berühmt ist, ist das andere noch viel berühmter. Und teurer. Das wusste ich. Trotzdem wollte ich mir den Spaß machen, meine Familie etwas zu verwirren, so tun, als sei ich im falschen eingetroffen, aber dachte auch, eine Kleinigkeit könnte ich dort ja zu Mittag essen, vor dem herrlichen Familiendiner am Abend.
Fuhr also hin, las die Speisekarte.
Ja, inzwischen habe ich mich von den Schock erholt und kann berichten. Meine Lieblingsvorspeise ist ja Fois Gras. Also Enten- bzw. Gänsestopfleber Ja, haut mich bloß, aber es schmeckt. Gerade kürzlich in Wiesbaden gegessen, im Chez Mamie, einem französischen Lokal, für 22 Euro. War furchtbar. Meine Enkelin kann das besser anrichten.
Dann in Straßburg im L’Ami Schutz. Einfach ein Genuss für 14,10 Euro. Besser und billiger kann man es nirgends bekommen.
Und heute im Cheval Blanc von Lembach? Fast genauso zubereitet wie im Schutz! 59 Euro!!!! Als Vorspeise. Ja, wer sind wir denn? Welche Menschen können sich das leisten? Habe dann auch noch die verschiedenen Menüs angeschaut, alle so um die 140 Euro. Nein danke, weiter in UNSER Cheval Blanc.
Wer soll das bezahlen?Wer hat das bestellt?Wer hat so viel Pinkepinke?Wer hat so viel Geld?
In „unserem“ Cheval Blanc wurde ich freundlich empfangen, obwohl es noch vor der Checkin-Zeit war, und bezog mein Kämmerlein unter dem Dach. Nettes Zimmer. Wollte eigentlich auch hier eine Radtour machen, aber entschied dann, mich doch lieber am Pool auszuruhen, es war sehr heiß und die Poolanlage gut besucht. Doch dann plötzlich zog eine Gewitterwolke auf und es platschte nur so. Damit war die Hitzewelle endgülig gebrochen. Die Menschen verschwanden im Haus, aber es war ja auch Zeit, sich für das Abendessen umzuziehen.
Und da kamen sie: meine liebe Familie. Direkt aus Modena angebraust mit ein paar Staus unterwegs, aber dennoch rechtzeitig fürs Essen. Wir haben uns schnell umgezogen und dann was Gutes ausgesucht. Und was wollten alle Vier zur Vorspeise? Fois Gras natürlich. Richtig langweilig. Wenigstens die Hauptspeise bestellten wir unterschiedlich, aber der Clou war doch die Käseplatte als Abschluss. Ein riesiger Käsewagen kam angefahren, ganz wie früher im alten Frankreich. Wie immer waren wir sehr zufrieden und lieben einfach „unser“ Cheval Blanc.




