Archiv der Kategorie: Florida

YouTube Videos

Wir haben ja schon alle von den schrecklichen Tictoc Videos gehört, in denen junge Menschen dazu verleitet werden, ganz unmöglichen Dingen nachzueifern. Und wie sehr das von der Jugend geschaut wird. Ich möchte euch heute gestehen, dass ich auch viel Videos schaue, nicht Tictoc, sondern meinem Alter entsprechend YouTube. Und ich muss sagen, da gibt es ganz wundervolle Videos. Es liegt ja an dem einzelnen, was genau er sich aussucht. Also ich schaue wahnsinnig gerne die sogenannten Lawn Service Videos. Ja, natürlich, fast alle meine Favoriten sind in Englisch, man kann aber oft die Sprache wählen. Diese Videos inspirieren mich, wenn ich in Florida bin, gleich in den Garten zu gehen und etwas zu arbeiten. Da sind zum Beispiel die Blessing Boys, sie wohnen in Austin, Texas. Ein Vater, der einmal pro Woche mit seinen Söhnen loszieht, um völlig überwucherte Gärten in Ordnung zu bringen. Oft sind die Bewohner aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage es selbst zu tun und über die Jahre ist ihnen alles buchstäblich über den Kopf gewachsen. Oft sind es aber auch verlassene Häuser, die seit Jahren leer stehen, keiner kümmert sich darum und die Nachbarn müssen mit diesem übel aussehenden Anwesen nebenan leben. Zion, der Jüngste von Justin‘s Boys ist gerade mal sechs. Man konnte ihn schon sehen, wie er zu Hause noch auf Mutters Schoß saß, aber mit 6 Jahren war er schon dabei und eiferte seinen großen Brüdern nach, nun ist er fast 7. Es ist so wunderbar diese Familie zu erleben. Das ist wirklich ein Video, das man sich mal anschauen sollte. Ich finde, Justin hat eine wunderbare Art, seine Söhne zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen. Inzwischen hat er 700.000 Abonnenten.

https://www.youtube.com/@TheBlessingBoys

An zweiter Stelle kommt für mich Midlife Stockman. Sean arbeitet alleine und hat sich auf die Fahne geschrieben, Detroit zu einer schöneren Stadt zu machen. Sein Motto: Work hard, love your neighbor. Auch er widmet sich überwucherten Grundstücken, vor allem die Sidewalks schaufelt er frei. In USA ist ein solcher Sidewalk, Bürgersteig, zwar von der Stadt angelegt und betoniert, aber muss von den Anwohnern gepflegt werden. Und wenn er überwuchert ist kann er halt nicht mehr benutzt werden. Sean repariert auch schon mal abgerissene Regenrinnen, Zäune oder Garagentore, aber seine Besonderheit ist, dass er sich mit dem Zuschauer persönlich unterhält. Er redet sehr viel während seinen Videos und das ist ganz unterhaltsam. Und immer erzählt er auch die Geschichte, die hinter dem Grundstück steckt. Inzwischen ist er in Detroit so bekannt, dass dauernd vorbeifahrende Leute anhalten, ihn erkennen und sich für seine Arbeit bedanken. Er hat inzwischen über eine Million Abonnenten.

https://www.youtube.com/@MidlifeStockman

Spannend ist es auch, M&D Lawn Care zuzusehen. Da ist Martin, mexikanischer Abstammung, mit seinem Sohn Daniel, auch hier kümmert man sich um überwucherte Grundstücke. Es wird nicht so viel geredet, aber das besondere hier ist, wie Vater Martin mit seiner Machete umgeht, da ist er ein wirklicher Meister, wie es nur ein Mexikaner kann, da bekommt man nicht genug davon. Wo andere elektrische Sägen einsetzen haut er mit seiner Machete drauf. Der Kanal hat etwa 620.000 Abonnenten. 

https://www.youtube.com/@MDLawn-care

Zwar gibt es noch ein, zwei andere, die ich schaue, aber das sind meine Favoriten. Doch dann gibt es noch Cole Simpson aus Columbia, South Carolina. Er ist noch nicht so lange im Geschäft, hat nur 145.000 Abonnenten, aber was er tut ist wirklich beeindruckend. Mit dieser geringen Mitgliederzahl kann er noch nicht so viele Einnahmen haben, er sagt auch selbst, dass sich sein Kanal noch nicht selbst trägt, aber gerade deshalb ist es so umwerfend, was er macht. Die anderen investieren lediglich ihre Arbeitszeit, brauchen natürlich auch Geräte, aber er gibt den Leuten unglaublich teure Geschenke. Er kommt mit seinen Männern, offeriert angeblich nur Lawn Care, und setzt ihnen am nächsten Tag ein komplettes neues Dach auf das Haus, was schon mal 10.000 $ kosten kann. Heute sah ich eine andere Episode. Er sprach einen Obdachlosen auf der Straße an, lud ihn zum Frühstück ein, und sorgte dann dafür, dass er einen Job und eine Unterkunft bekam. In der Episode einen Monat später hatte er ihn sogar selbst beschäftigt. Es ist wirklich grandios was er macht und ich wünsche ihm ganz schnell eine Million Abonnenten.

https://www.youtube.com/@sodacitysimpson

Schaut euch mal ein paar von diesen Videos an, die gerade in dieser schrecklichen Zeit übler Politik und Kriege ein wenig Hoffnung machen. Social Media kann auch gute Inhalte haben.

B-2 Visum für USA

Es sind jetzt 30 Jahre seit ich nach USA, Florida, reise, und 25 Jahre, seit ich dort ein Heim besitze, mein kleines Paradies. Zuvor waren es nur einige Wochen Urlaub, aber seit ich in Rente bin, bleibe ich den ganzen Winter und brauche dafür das B2 Visum, das mir einen Aufenthalt von 6 Monaten erlaubt. Mit dem ESTA könnte ich nur 3 Monate bleiben, was mir nicht genügt.

Dieses Visum wird für 10 Jahre ausgestellt und es ist gerade jetzt abgelaufen, muss erneuert werden. Bestimmt sagen die Meisten nun, was willst du denn in der aktuellen politischen Zeit in den USA, da würde ich nicht mehr hinfahren. Ja, ihr habt recht, das ist ein gutes Argument. Wäre ich Urlauber würde ich wohl ganz genauso denken und nach Marokko oder sonst wohin fahren.

Aber ich bin keine Urlauberin, ich habe mein Heim dort und es ist einfach so schön. Auch in Deutschland habe ich eine Wohnung, sie ist in vielem sogar besser als mein bescheidenes Florida Heim, aber in vielem eben auch weniger schön. Und mein Herz hängt daran, ich liebe es sehr. Natürlich liebe ich auch das milde Winterwetter und die vielen Aktivitäten, die ich dort machen kann.

Nun muss das Visum also erneuert werden. Das gibt mir schon ein ungutes Gefühl in der augenblicklichen Weltlage. Aber – ich bin doch eine alte weiße Frau, in einem Alter, in dem ich mein eigenes Einkommen habe und in USA nicht arbeiten will. Das tröstet mich und ich starte also den Prozess.

Zunächst muss ich auf der Seite

https://ceac.state.gov/GenNIV/Default.aspx

den Antrag DS-160 ausfüllen. „The first step in applying for a U.S. nonimmigrant visa is to complete your application. It takes approximately 90 minutes to do this.“

Ja, das stimmt wohl, es dauert so lange, es sind viele Fragen zu beantworten. Wann ist meine Mutter geboren? Sie ist schon viele Jahre tot. Die Namen meiner Social Media Accounts, nicht aber alle meine Kontakte, wie es in der Presse mal hieß. Auch benötige ich ein Passbild im US-Format, aber mein lokaler Fotograf weiß, wie das geht, ich zahle 30 Euro und bekomme zwei Fotos sowie einen Link zur online-Version. Beides wird benötigt.

Aber ich schaffe das und muss dann eine neue Seite aufrufen, eine Seite, wo man das Interview terminieren soll. Und da wird es schwierig. Die Seite ist einfach nicht aufzurufen, immer erscheint error. Es kostet mich Stunden, aber irgendwann schaffe ich es.

Dort erfahre ich, dass man auf das Interview verzichten kann, da ich bereits ein abgelaufenes Visum habe. Ich werde aufgefordert, die Gebühr zu bezahlen, 166,50 Euro. Außerdem soll ich angeben, ob ich einen UPS-Service nutzen möchte, um meine Pässe (alt und neu) an das Konsulat in Frankfurt zu senden, das für mich zuständig ist. Die Gebühr dafür ist hoch, aber ich wohne nicht weit entfernt und beschließe, das Angebot zu nutzen, die Pässe kostenlos in einem Postbox Büro in Frankfurt abzugeben.

Ich verstehe die Website so, dass ich nun eine Aufforderung bekommen soll, an welcher Adresse ich die Pässe abgeben soll. Es kommt nichts. Geduldig wie ich bin warte ich zwei Wochen und rufe dann nochmal die Website auf. Das war natürlich mein Fehler, denn dort steht unter dem Punkt „manage your visa“ die Adresse eines Büros „Postbox“, wo ich alles abgeben soll. Fahre gleich am nächsten Tag dort hin, dem 3. Juni. Ich soll alles in einen Umschlag stecken und meinen Namen sowie die UID darauf schreiben.

Was zum Teufel ist die UID? Ich habe nichts gefunden. Fahre zur Postbox und hoffe, die können mir das sagen. Nein, sie brauchen die Nummer, ohne das geht nichts. Wo ist denn bloß die Nummer. In meinem Profil auf der Webseite.

Ich setze mich ins Treppenhaus und versuche die Seite aufzurufen. Vom Handy. Zuhause habe ich die Zugangsdaten, nicht hier. Zum Glück erinnere ich mich dann noch an meinen Benutzernamen, aber das Passwort? Nunja, ich kann es neu anfordern. Doch dann will ich mich anmelden, beantworte sogar die Sicherheitsfragen richtig, aber die Seite geht einfach nicht auf. Verliere meine letzten Nerven. Soll ich wirklich wieder nach Hause fahren, die Nummer suchen und wieder nach Frankfurt? Ich rufe meine Schwiegertochter an, sie versucht im Büro rein zu kommen. Und schafft es ohne Probleme. Es scheint an dem Browser zu liegen, den mein Handy nutzt. Auf der Seite steht zwar auch nicht direkt UID, aber hinter meinem Namen eine Nummer. Damit gehe ich zur Postbox zurück, und juhuh, es klappt. Papiere abgegeben.

In der Zwischenzeit habe ich eine Woche Radurlaub im Saarland geplant und denke mir, danach ist das Visum sicher fertig zum Abholen. Ich bin erstaunt, dass noch am Vorabend der Abreise, am 10.6., also nur 7 Kalendertage nach dem Abgeben per Email die Nachricht kommt, dass ich die Pässe abholen kann. Ob das Visum drin ist oder nicht, weiß ich natürlich noch nicht.

Zum Glück steht in der Email auch, dass meine Post für 14 Tage aufgehoben wird. Ich fahre also von der Saar direkt nach Frankfurt und siehe da, alles drin. Ich kann nun für weitere 10 Jahre einreisen.

Ich berichte hier über den Prozess, weil in der Presse so viel von Schwierigkeiten mit dem Visum für USA berichtet wird und es mir deshalb viele Kopfschmerzen verursacht hat. Aber es ging genauso einfach wie früher auch.

AAA

American Airline Adventure. Nun sollte ich im kalten Taunusstein sitzen und meine vielen Koffer mit den Goodwill-Schätzen auspacken, stattdessen sitze ich in einem Hotel in Charlotte. Der Aufbruch gestern war einfach wunderbar. Freunde brachten mich zum Flughafen von Daytona Beach, den ich sehr liebe. Parkte direkt vor dem Eingang, von dort 5 Meter bis zum Check-in mit meinen 3 Koffern, kein Mensch vor mir, dann gemütlich im Foyer solange sitzen, bis es Zeit wird, durch die Sicherheitskontrolle, auch hier niemand vor mir und am Gate wird angezeigt Boarding in 5 Minuten. Kann man noch entspannter einchecken?

Charlotte

Umsteigen in Charlotte. Auch hier sehr entspannt, keine Hetze, wenn auch ungleich mehr Menschen. Noch 1 1/2 Stunden bis zum Boarding. 5 Minuten vorher heißt es, ist noch Maintenance an Bord, Boarding dauert noch etwas. Aber schon weitere 5 Minuten später konnten wir doch einsteigen. War sehr zufrieden mit meinem Platz, viel Beinfreiheit.

Wir warten. Der Pilot sagt etwas durch, muss noch etwas repariert werden, ein Ingenieur muss das dann prüfen und abzeichnen. Wir warten. Und warten. Nichts zu essen und trinken, aber ich frage nach einm Orangensaft und bekomme ihn. Durchsage. Alle müssen den Flieger verlassen und zum Nachbar-Gate gehen, dort steht ein neues Flugzeug bereit.

Abflug natürlich um 2 Stunden verschoben. Oh weh, meine Schwiegertochter holt mich gerne morgens um 7 am Flughafen ab, aber später wird es schwierig, sie muss arbeiten.

Abflug um weitere 2 Stunden verschoben. Das Warten wird verkürzt durch die nette Christina, wir unterhalten uns gut. Eine neue Crew reist an. Das Personal darf eine gewisse Anzahl von Arbeitsstunden nicht überschreiten und deshalb darf die bisherige Crew nicht mehr auf diesen Langstreckenflug gehen. Abflug weiter verschoben. Auch hier wird das Flugzeug auf seine Sicherheit geprüft und der Prüfer ist ganz offensichtlich nicht zufrieden. Was für einen Schrottpark haben die denn hier, man könnte meinen, es ist die deutsche Bundesflotte. Charlotte ist immerhin die Basis für American Airlines. Die müssten doch in der Lage sein, ein flugfähiges Gerät zur Verfügung zu stellen.

Langsam fangen wir aber auch an zu murren. Der ganze Tag ist vertan und zu essen haben wir schließlich auch nichts bekommen. Also fragen wir am Schalter nach und bekommen einen Voucher über 12 $. Habt ihr schon einmal in einem Flughafen-Terminal, vor allem in USA, etwas zu essen für 12 $ bekommen? Ich bin natürlich geizig und nicht bereit, etwas vom eigenen Geld draufzulegen. Bei Starbucks kostet eine Latte 7,75, ein Plätzchen, die berühmten Cookies, 5,45 $. Ein nackter Bagel, ohne Belag, 4,45 $ Da bekomme ich bei Aldi zwei Beutel mit 12 Stück dafür.  Es ist nicht Geiz, ich bringe es einfach nicht fertig, ein Cookie für 5,45 zu kaufen und zu essen, auch auf Gutschein, da sträubt sich etwas ganz tief in mir. Ein Sandwich würde über 20 $ kosten. Christina kauft ein Getränk, ich nichts. Wir gehen zum Schalter zurück.

Große Unruhe. Auch das zweite Flugzeug ist nicht flugbereit. Über die App bekommen wir die Aufforderung, uns ein Hotel auszusuchen. Christina übernimmt das, denn sie ist Vielfliegerin und so etwas ist ihr schon oft passiert. Wir buchen das gleiche Hotel, sie weiß wo der Shuttle abfährt und gegen 21 Uhr sind wir dann im Hotel. Nein, Luxus wie bei der Lufthansa stellt uns American Airlines nicht zur Verfügung, es geht ins Comfort Inn. Habe zwar den ganzen Tag außer ein paar Nüsschen nichts gegessen, aber auch keinen Hunger. Aber in der Nähe ist ein Chili`s, da bekomme ich doch wenigstens eine Margerita zum Abschluss.

Byebye Eagles

Morgen geht es zurück nach Deutschland, das heißt noch viel Arbeit, Koffer packen, umpacken, neu packen. Haus absichern für die Hurricane Season. Alles muss rein, nichts darf rumfliegen. Auto gut verpacken. Puh. Aber da bleibt doch noch eine kurze Minute. Da wäre doch noch Zeit für eine letzte Margarita im Eagles.

Es ist ruhig so früh am Montag, nur ein paar sitzen an der Bar und wie üblich spielt Gene Smith auf seiner Gitarre. Er plaudert viel lieber mit uns als viel spielen, begrüßt mich nett, als ich rein komme. Ich sage ihm, dass dies mein letzter Besuch ist, morgen geht es heim, und ob er mir noch einmal mein Lieblingslied spielt. Aber klar doch, er freut sich immer, wenn er für jemand spielen kann.

An der Bar sitzt eine Dame, die ich zwar schon oft gesehen habe, aber noch nie gesprochen. Monique. Wir unterhalten uns sehr anregend, Gene kommt dazu. Hab ich schon gesagt, dass er lieber plaudert? Er sagt so am Rande, dass Monique gut singen kann. Monique, sing für uns. Es kostet ein wenig Überredung, aber dann singt sie.

So ein wunderbarer Abschluss meiner Zeit in Florida. Habe ich schon gesagt, wie sehr ich das Eagles vermissen werde?

Kentucky Derby Party

Das Kentucky Derby ist wohl die größte Reitsport Veranstaltung in USA. Und alle Pferdeliebhaber, die nicht dorthin reisen können, machen eben zuhause eine Party und lassen die Veranstaltung über die Bildschirme laufen. Und da macht natürlich auch unser Eagles keine Ausnahme. Sonntag 15 Uhr waren alle da zur großen Party, natürlich entsprechend gekleidet, die Damen mit Hut, die Herren mit Krawatte. Auf den Zylinder haben sie verzichtet. Ich hatte ja schon Judy kennengelernt, sie kam mit allen Damen ihrer Community.

Sie wohnt in Crane Lakes, eine der vielen „Gated Communities“ in Florida. So etwas gibt es bei uns nicht. Ein komplettes Wohnviertel, mal von einem Bauherren errichtet, mit Golfplatz, Schwimmbad, Fitness, alles was man so zum Leben braucht. Und ein Gate, das nicht jeden durchlässt, im waffenliebenden Amerika wohl keine schlechte Idee. Man hat dort ein Haus, das man natürlich selbst gebaut oder gekauft hat, doch zahlt man eine monatliche Gebühr für all die Annehmlichkeiten, dazu gehört dann auch das Rasenmähen. Jeder darf einen kleinen Vorgarten selbst bearbeiten, aber es gibt strenge Vorschriften, was man pflanzen darf. Alles wird bestimmt von der HOA, auch wie das Haus außen aussehen darf. Und das kostet dann 1.000 $ monatlich. Aber die lustigen Damen habens. Sie pflegen ein nettes gesellschaftliches Leben, treffen sich regelmäßig zum Kartensielen, oder nun eben zur Derby Party. Und ich, die armselige Trailerbewohnerin, wurde gnädig aufgenommen. Nein, sorry, wenn es auch wahr ist, dass man eher auf Trailerbewohner herunter schaut, so sind die Damen doch sehr lieb zu mir und ich soll sie unbedingt im Herbst mal besuchen.

Es gab den traditionellen Mint Julep zu trinken, was ich natürlich mal probieren musste. Ein wichtiger Bestandteil ist der Kentucky Bourbon. Ja, schmeckt gut, aber mein Margarita ist mir lieber. Neulich kam ich an die Bar, die Bardame sagte zu mir: Margarita? Und der Herr daneben sagte, ah, das ist Ihr Name.

Der Höhepunkt war dann der Hat Contest, es galt den schönsten Hut zu wählen. Zunächst marschierten die Hutdamen durch den Raum, damit jeder einen guten Blick haben konnte. Dann gewann natürlich die Dame mit dem aufgeblasenen Pferd auf dem Hut, aber der zweite Platz war doch eine Überraschung für mich. Denn eigentlich hatte die Dame gar keinen Hut auf. Erst danach fiel mir auf, warum sie gewann. Sie war wie ein Jockey gekleidet.

Dann waren wir müde, brachen auf und plötzlich fiel uns auf, dass wir noch nicht einmal dem Rennen auf dem Bildschirm zugeschaut hatten.

Goldie

Was machen eine 81jährige und eine 78-jährige am Freitagabend? In Wiesbaden vielleicht ins Theater oder zu einem Weinchen in den Rheingau, alles ganz ruhig. In Florida rockt man im Eagles durch die Nacht! Ach, ich liebe das Eagles und werde es in Deutschland sehr vermissen. Wo kann man als älterer Mensch schon hingehen zum Tanzen, und vor allem zu Rockmusik. Uns Älteren wird in Deutschland ja nur die Wahl zwischen Schlager und Volksmusik gelassen. Dabei sind wir doch in den rebellischen 1960ern aufgewachsen, meine erste LP war von den Beatles, zu meinem 18. Geburtstag.

Aber noch etwas ist anders im Eagles bzw. in USA. Das sind die Komplimente. Wildfremde Menschen machen mir ein Kompliment über meine Kleidung, sehr oft auch über meine deutsche Brille, die es so nicht in USA gibt. Hier haben alle nur das Billig-Kassen-Modell. Das tut was mit mir, es hebt meine Stimmung. Ich fühle mich gesehen, während ich in Deutschland unsichtbar bin. So richtig fing es an mit diesem Sweatshirt.

Ich hatte es in Goodwill für wenige Dollar bekommen. Machte einen kurzen Spaziergang durch das ziemlich ruhige New Smyrna und drei Menschen sprachen mich an und lobten mein Outfit. Am selben Abend ging ich ins Eagles und wurde völlig überwältigt, schon am Eingang wurde mein Shirt gelobt. Das kenne ich einfach so nicht, finde es wundervoll, auch wenn Deutsche es sofort als oberflächlich abwerten würden. Für mich bedeutete dies ab diesem Tag eine richtige Herausforderung. Da ich ja sowieso jeden Tag zu Goodwill gehe schaute ich dann nach besonders wirksamen Kleidungsstücken. Habe ganz offensichtlich ein Auge dafür, denn ab da wurde es richtig toll. Es vergeht kein Besuch im Eagles, ohne dass ich mehrmals höre: „I love your Outfit“. Und so richtig toll wurde es, als ich vor einer Woche eine schwarz-goldene Leggins fand und ein passendes Shirt dazu. Das war wirklich der vorläufige Höhepunkt und mit einer Frau, die mich ansprach, entwickelte sich ein nettes Gespräch, seitdem verabreden wir uns zum Tanzen. Eben die 81-Jährige, Judy.

Aber wenn ich es bisher schon toll fand so war es gestern doch das absolute Highlight. Man muss wissen, dass ich sehr problematische Füße habe, Hallux Valgus plus Neuropathie, dazu Größe 43. Schicke Schuhe kann ich also vergessen, brauche sehr bequeme, breite Schuhe. Und dann stand ich in Goodwill und goldene Stiefeletten strahlten mich an, in meiner Größe. Was tut man da? Man packt sie ein. Ein Stadtbummel damit wäre zwar völlig unmöglich, aber ich versuche es mit Tanzen. Packe mir vorsichtshalber ein bequemes Paar ein. Und schon geht es los. Alle schauen auf meine Schule, ich bin der Star des Abends. Thyme spielt, meine absolute Lieblingsband. Die Sängerin, auch nicht mehr die Jüngste, aber sie machen eine Wahnsinns-Musik, ist immer toll und glitzernd angezogen.

Und was macht sie in der Pause? Sie kommt an meinen Tisch and lobt mein Outfit und meine Schuhe. Ich bin sprachlos. Meine Heldin! In Deutschland schaut keiner nach mir, und hier werde ich gelobt. Ich kann es nicht fassen.

Meine neue Freundin Judy und ich lassen keinen Tanz aus, es ist ein toller Abend, und dann spricht mich noch eine Frau auf der Tanzfläche an. Jeanni heißt sie. Ich frage woher sie mich kennt, sie sagt sie hat mein Buch und folgt mir auf Facebook. Sagt zu Judy, das ist eine Berühmtheit.

Während des Tanzens spüre ich meine Füße kaum, das Adrenalin hilft. Aber sobald ich mich auf mein Rad schwinge und heim fahre kommt der Schmerz durch. Ach ja, was tut man nicht alles für die Schönheit.

Nächste Woche geht es heim nach Deutschland und zurück in die Versenkung.

Vom Eagles zu Orlando Wetlands

Nun geht es heim! Oder? Nochmal die gleiche I 4 zu fahren habe ich einfach keine Lust. Ich suche nach einer Alternative und finde ein Eagles in Kissimmee. Was ist ein Eagles? Das könnt ihr hier nachlesen:

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/the-fraternal-order-of-eagles/

Ich wurde super nett empfangen, trank ein Bier, ein zweites, zu dem ich eingeladen wurde, musste ich dankend ablehnen. Muss ja noch fahren. Aber die Eagles-Familie ist einfach immer so nett.

Doch heim wollte ich immer noch nicht, es war einfach so ein schöner Tag und wenn ich schon mal dort bin …

Also ab zu Orlando Wetlands. Diesen Park liebe ich, habe ihn auch schon öfter beschrieben und eine kurze Runde kann ich ja drehen. Wollte vor allem auch das mit meiner neuen Bikecam aufnehmen. Ich traf eine Gruppe von orientalisch aussehenden jungen Männern. Interessiert mich immer, obwohl mir klar war, aus Marokko sind sie nicht. Ich fragte nach, nein, sie waren tatsächlich aus mehreren Ländern, Gäste einer Hochzeitsfeier und wollten einfach mal ein wenig Luft schnappen. Einer konnte wenige Worte Arabisch, womit ich glänzte: ana Edith, anti? Sie wollten schon umdrehen, aber ich kenne eine Stelle, wo immer Alligatoren sind. Und da sie noch nie einen getroffen hatten, führte ich sie hin. Sie waren begeistert. Hatten eigentlich Angst, aber ich erklärte, keine Sorge, sind meine Freunde.

Wenn ihr aber nun denkt, der Tag wäre vorbei, so irrt ihr euch. Denn ich kannte noch einen Trail, der auf dem Heimweg liegt und den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Weiter zum Flagler Trail.

Flagler Trail

Auch dieser Trail ist in meinem Buch beschrieben, aber es ist kein bequem asphaltierter Multi-Use-Trail, sondern eher ein Offroad Abenteuer. Der komplette Trail ist 15 Meilen lang und mehr zum Wandern geeignet. Ich schaute mir diesmal nur den südlichen Teil an, aber im Buch ist der komplette Trail beschrieben. Die Bücher findet ihr hier:

https://bikecentralflorida.com/

Der Flagler Trail verläuft entlang einer stillgelegten Eisenbahnstrecke, die als „Okeechobee Branch“ der Florida East Coast Railway oder Flagler Railway bekannt war und später als State Road 13 bezeichnet wurde. Der Korridor wurde jedoch nie als Straße genutzt, und die Eisenbahnstrecke wurde schließlich in den 1950er Jahren stillgelegt. Die Wegerechte wurden 1984 vom Seminole County vom Verkehrsministerium von Florida erworben und sind für die öffentliche Nutzung reserviert. Der Weg ist für Fußgänger, Reiter und alle Fahrräder zugänglich, die mit dem unebenen Untergrund zurechtkommen. Der wilde und abgelegene Weg führt durch das ländliche Seminole County, ist unbefestigt und dicht bewaldet, während der gerade Pfad der Trasse der ehemaligen Eisenbahnschienen zwischen den kleinen Ortschaften Geneva und Chuluota folgt. Er wird durch ein privates Wohngebiet in Geneva in einen nördlichen und einen südlichen Teil geteilt, gefolgt von einem historischen Abschnitt.

Wer es irgendwie schafft, mit seinem Rad diesen unwirtlichen Weg zu meistern, wird durch eine wunderbare Natur entschädigt. Hier nur einige Fotos vom südlichen Teil, zwar hatte ich die Bikecam eingeschaltet, aber irgendwie hat es nicht geklappt.

Ja, und dann ging es doch wieder nach Hause. So ein wunderbares Wochenende, und so ungeplant. Ich will nicht zurück nach Deutschland!!!

General James A. Van Fleet State Trail

Wer es noch nicht weiß, ich liebe die wunderbaren Bike Trails in Florida und habe darüber auch zwei Bücher geschrieben, die sich ganz gut verkaufen. Und wenn ich dann schon mal in Lakeland bin prüfe ich natürlich, welcher Trail in der Nähe liegt, damit ich ihn noch mal abfahren und nach Änderungen schauen kann.

https://bikecentralflorida.com/

Der südliche Startpunkt des General James A. Van Fleet State Trail liegt tatsächlich nur 10 Meilen entfernt. Er ist benannt nach einem General, der in beiden Weltkriegen und im Koreakrieg ein angesehener Kampfkommandeur war (von einer Fahrradtruppe vielleicht???). Der Trail ist bereits in meinen Büchern enthalten, aber ich bin ihn nur einmal gefahren. Die ideale Gelegenheit also, schnell mal hinzudüsen und alles zu überprüfen. So viel kann ich sagen, es hat sich nichts geändert, alles noch aktuell im Buch.

Was ich aber gesehen habe, war dieser nette Mann in einem Wagen des Sheriffs, der den Trail sehr langsam abgefahren ist und auf die Radfahrer aufpasste. Hintergrund ist, dass es in USA andere eBikes gibt als bei uns, class 1, 2 und 3. Sie sehen schon aus wie ein Motorrad, haben einen Throttle (wie heißt das bloß in Deutsch?) und können bis 28 mph fahren (class 3), selbst ohne zu treten. Es gibt natürlich wie überall gute und schlechte Menschen, aber die Raser machen uns anderen alles kaputt. Sie sausen den Weg entlang und nehmen wenig Rücksicht, das ist ein Ärgernis, das in Florida zu immer mehr Diskussionen führt. Gesetze sollen es regeln, aber noch ist nichts entschieden. Dieser zivile Hilfssheriff, der keine Polizeigewalt hat, fährt also mit seiner Frau die Strecke ab und schaut nach dem Rechten. Er kann, wenn es nötig ist, die Polizei hinzuziehen. Ich finde es gut, dass hier ein wenig aufgepasst wird. In USA ist die Kriminalität ja sehr hoch, deshalb haben normale Polizisten natürlich keine Zeit, Fahrradwege zu kontrollieren.

Ich genoss die Fahrt unheimlich. Nach der großen Hitze auf dem Flugfeld gestern heute auf diesem schattigen Weg zu radeln war einfach eine Erholung.

Brisket – Airshow – General Van Fleet

Was haben diese drei so unterschiedlichen Dinge miteinander zu tun? Und doch reihen sie sich wie Perlen in einer Kette aneinander.

Dieses wunderschöne, absolut nicht geplante Wochenende fing an mit Stan. Unsere Kommunikation ist nicht auf sehr hohem Stand, denn er ist taub und versteht mich nicht, außerdem nuschelt er und deshalb verstehe ich ihn nicht. Gehen kann er auch nicht, sondern er schleicht sehr langsam hinter seinem Rollator her. Und trotzdem sind wir gute Freunde, ich helfe ihm Donnerstags zum Food Pantry. Wo er Unmengen von Lebensmitteln geschenkt bekommt, die er an seine Tochter weitergibt. Er selbst braucht wenig, geht mittags in der Kommune zum Altenessen, und abends spendiert er sich manchmal ein gutes Dinner im Eagles. Und zu Dank schenkt er mir immer mal was, diesmal ein Paket Brisket.

Brisket

Nun überlegt ihr euch sicher, was ist denn Brisket. Wikipedia sagt: Beef Brisket ist ein im Barbecue-Smoker heißgeräuchertes Kernstück der Rinderbrust und klassischer Bestandteil des amerikanischen Barbecues, eingerieben mit einem speziellen Würzsalz. Ich habe es schon mehrmals gegessen, es zerfällt auf der Zunge und ist einfach köstlich. Doch hier bekam ich das rohe Fleisch, ein knappes Kilo für mehr als 30 $. Und wie bereite ich das zu? Ganz für mich alleine? Keine Ahnung, einen Smoker habe ich eh nicht.

Aber da gibt es doch Karl. Er kann so einiges, aber auch gut kochen. Also rief ich ihn spät am Freitagabend an: Wo bist du gerade, störe ich dich? Er: Ich bin in Lakeland, auf Sun ’n Fun. Als ehemalige Pilotin, eigentlich immer noch, muss nur den Schein erneuern, weiß ich natürlich was das ist. Einfach nur die größte Airshow in USA, direkt nach der von Oshkosh. Der Punkt Brisket trat erstmal zurück, als Karl meinte, komm doch, wir haben noch Tickets, schlafen auf dem Campingplatz und wenn du Decken mitbringst, kannst du auf dem Boden meines Vans schlafen.

Ihr hättet mal sehen sollen, wie schnell Decken im Auto waren und ich im Bett, denn um 6 sollte der Wecker klingeln und um 7 ich auf der Straße sein. Gut 2 Stunden die schreckliche Autobahn I 4, die aber am Sonntagmorgen nicht so schlimm ist.

Karl und sein Freund David betrieben zusammen einen Ausstellungsstand auf dieser Show, deshalb bekam ich per Whatsapp den Parkschein und die Standnummer aufs Handy, sollte das am Gate zeigen und sie würden mich dann am Gate abholen. Naja, ihr kennt Karl nicht. Weder sein Handy noch das von David erzielten irgendeine Reaktion und ich schmuggelte mich erfolgreich mitsamt Auto auch ohne Ticket rein, und da ich nicht wusste, in welcher Halle sie sind, schaffte ich es auch, einen Helfer mit Golfcart zu finden, der mich direkt hinbrachte. Das war also schon mal geschafft.

Sun ’n Fun Aerospace Expo

Der Flugplatz von Lakeland, auf dem das ganze stattfindet, ist riesig. Wikipedia sagt: Er ist jährlicher Veranstaltungsort der sechstägigen Flugshow Sun ’n Fun Aerospace Expo, der nach dem EAA AirVenture Oshkosh zweitgrößten Luftfahrtausstellung der Vereinigten Staaten. Während der Woche des Sun ’n Fun wird der Lakeland Linder International Airport mit über 60.000 Flugbewegungen zum verkehrsreichsten Flughafen der Welt.

Ich schlenderte zunächst auf dem Gelände herum. Es gibt eine Reihe von Ausstellern, meist untergebracht in Hangars. Aber viel interessanter sind ja die vielen unterschiedlichen Flugzeuge, die man sich anschauen kann. Zehntausende Besucher schlenderten ebenfalls herum, aber noch viel besser, sie hatten alle ihre Klappstühle dabei und können sich so den besten Platz suchen. Viele Piloten kommen mit dem eigenen Flieger und campen dann daneben, sie sitzen ganz stolz im Schatten ihrer Wings. Denn das ist der Punkt beim diesjährigen Event. Es ist glühend heiß. Über 30 Grad im Schatten, nur wo ist der Schatten. So sitze ich auch, als die Show beginnt, direkt in der glutheißen Sonne.

Zum Glück gehe ich immer mal zurück zum Stand von Karl und David, denn diese Halle ist wunderbar gekühlt und ich kann mich erholen. Und weil die Burschen auch dauernd unterwegs sind, steht ich am Counter und spreche mit den Besuchern, so etwas habe ich schließlich beruflich mal gemacht. Die Mittags-Airshow endet um 17 Uhr, dann wird auch der Stand geschlossen und wir tigern langsam los zum Island. Das ist ein Bereich, wo es Essen und Trinken gibt, Musik und schöne Stühle bereitstehen, von denen aus man den Kunststücken der Flieger zusehen kann. Hier wollen wir was essen. David bringt mir eine Margerita und so wird die Wartezeit verschönt. Um 19 Uhr soll die Nightshow beginnen. Ich kann mir erstmal nicht vorstellen, wie das gehen soll, wie kann man die Flugzeuge sehen, wenn es dunkel wird.

Doch da sollte ich mich täuschen, es war einfach wunderbar. Viele verschiedene Flieger, sogar eine Frau: Melissa Burns & Shooting Stars. Da war es schon dunkel und Lichtbogen schossen aus dem Flugzeug, leuchtende Fallschirme schwebten hinab. Leider kann ich euch davon keine Fotos zeigen, ich war einfach zu fertig und hingerissen, um zu fotografieren.

Wir waren ziemlich müde, als wir zum Auto zurückwollten, die Männer von der Arbeit, ich von der Hitze und keine Tram mehr zu sehen. Vor allem für Karl, der einen Handicap Ausweis hat, war es schwer, so weit zu laufen. Das war der einzige Negativpunkt an dem ganzen Tag. Und genau zu diesem Zeitpunkt kam das wirklich beeindruckende Feuerwerk, mit leuchtenden Drohnen, und ich konnte es nicht richtig genießen.

Zurück auf dem Campingplatz breitete ich wie geplant meine Decken im Van aus und schlief wie ein Murmeltier.

Wie es aber weiter zum General Van Fleet geht könnt ihr im nächsten Bericht lesen.

Karls Night-Video