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Byebye Eagles

Morgen geht es zurück nach Deutschland, das heißt noch viel Arbeit, Koffer packen, umpacken, neu packen. Haus absichern für die Hurricane Season. Alles muss rein, nichts darf rumfliegen. Auto gut verpacken. Puh. Aber da bleibt doch noch eine kurze Minute. Da wäre doch noch Zeit für eine letzte Margarita im Eagles.

Es ist ruhig so früh am Montag, nur ein paar sitzen an der Bar und wie üblich spielt Gene Smith auf seiner Gitarre. Er plaudert viel lieber mit uns als viel spielen, begrüßt mich nett, als ich rein komme. Ich sage ihm, dass dies mein letzter Besuch ist, morgen geht es heim, und ob er mir noch einmal mein Lieblingslied spielt. Aber klar doch, er freut sich immer, wenn er für jemand spielen kann.

An der Bar sitzt eine Dame, die ich zwar schon oft gesehen habe, aber noch nie gesprochen. Monique. Wir unterhalten uns sehr anregend, Gene kommt dazu. Hab ich schon gesagt, dass er lieber plaudert? Er sagt so am Rande, dass Monique gut singen kann. Monique, sing für uns. Es kostet ein wenig Überredung, aber dann singt sie.

So ein wunderbarer Abschluss meiner Zeit in Florida. Habe ich schon gesagt, wie sehr ich das Eagles vermissen werde?

Kentucky Derby Party

Das Kentucky Derby ist wohl die größte Reitsport Veranstaltung in USA. Und alle Pferdeliebhaber, die nicht dorthin reisen können, machen eben zuhause eine Party und lassen die Veranstaltung über die Bildschirme laufen. Und da macht natürlich auch unser Eagles keine Ausnahme. Sonntag 15 Uhr waren alle da zur großen Party, natürlich entsprechend gekleidet, die Damen mit Hut, die Herren mit Krawatte. Auf den Zylinder haben sie verzichtet. Ich hatte ja schon Judy kennengelernt, sie kam mit allen Damen ihrer Community.

Sie wohnt in Crane Lakes, eine der vielen „Gated Communities“ in Florida. So etwas gibt es bei uns nicht. Ein komplettes Wohnviertel, mal von einem Bauherren errichtet, mit Golfplatz, Schwimmbad, Fitness, alles was man so zum Leben braucht. Und ein Gate, das nicht jeden durchlässt, im waffenliebenden Amerika wohl keine schlechte Idee. Man hat dort ein Haus, das man natürlich selbst gebaut oder gekauft hat, doch zahlt man eine monatliche Gebühr für all die Annehmlichkeiten, dazu gehört dann auch das Rasenmähen. Jeder darf einen kleinen Vorgarten selbst bearbeiten, aber es gibt strenge Vorschriften, was man pflanzen darf. Alles wird bestimmt von der HOA, auch wie das Haus außen aussehen darf. Und das kostet dann 1.000 $ monatlich. Aber die lustigen Damen habens. Sie pflegen ein nettes gesellschaftliches Leben, treffen sich regelmäßig zum Kartensielen, oder nun eben zur Derby Party. Und ich, die armselige Trailerbewohnerin, wurde gnädig aufgenommen. Nein, sorry, wenn es auch wahr ist, dass man eher auf Trailerbewohner herunter schaut, so sind die Damen doch sehr lieb zu mir und ich soll sie unbedingt im Herbst mal besuchen.

Es gab den traditionellen Mint Julep zu trinken, was ich natürlich mal probieren musste. Ein wichtiger Bestandteil ist der Kentucky Bourbon. Ja, schmeckt gut, aber mein Margarita ist mir lieber. Neulich kam ich an die Bar, die Bardame sagte zu mir: Margarita? Und der Herr daneben sagte, ah, das ist Ihr Name.

Der Höhepunkt war dann der Hat Contest, es galt den schönsten Hut zu wählen. Zunächst marschierten die Hutdamen durch den Raum, damit jeder einen guten Blick haben konnte. Dann gewann natürlich die Dame mit dem aufgeblasenen Pferd auf dem Hut, aber der zweite Platz war doch eine Überraschung für mich. Denn eigentlich hatte die Dame gar keinen Hut auf. Erst danach fiel mir auf, warum sie gewann. Sie war wie ein Jockey gekleidet.

Dann waren wir müde, brachen auf und plötzlich fiel uns auf, dass wir noch nicht einmal dem Rennen auf dem Bildschirm zugeschaut hatten.

Goldie

Was machen eine 81jährige und eine 78-jährige am Freitagabend? In Wiesbaden vielleicht ins Theater oder zu einem Weinchen in den Rheingau, alles ganz ruhig. In Florida rockt man im Eagles durch die Nacht! Ach, ich liebe das Eagles und werde es in Deutschland sehr vermissen. Wo kann man als älterer Mensch schon hingehen zum Tanzen, und vor allem zu Rockmusik. Uns Älteren wird in Deutschland ja nur die Wahl zwischen Schlager und Volksmusik gelassen. Dabei sind wir doch in den rebellischen 1960ern aufgewachsen, meine erste LP war von den Beatles, zu meinem 18. Geburtstag.

Aber noch etwas ist anders im Eagles bzw. in USA. Das sind die Komplimente. Wildfremde Menschen machen mir ein Kompliment über meine Kleidung, sehr oft auch über meine deutsche Brille, die es so nicht in USA gibt. Hier haben alle nur das Billig-Kassen-Modell. Das tut was mit mir, es hebt meine Stimmung. Ich fühle mich gesehen, während ich in Deutschland unsichtbar bin. So richtig fing es an mit diesem Sweatshirt.

Ich hatte es in Goodwill für wenige Dollar bekommen. Machte einen kurzen Spaziergang durch das ziemlich ruhige New Smyrna und drei Menschen sprachen mich an und lobten mein Outfit. Am selben Abend ging ich ins Eagles und wurde völlig überwältigt, schon am Eingang wurde mein Shirt gelobt. Das kenne ich einfach so nicht, finde es wundervoll, auch wenn Deutsche es sofort als oberflächlich abwerten würden. Für mich bedeutete dies ab diesem Tag eine richtige Herausforderung. Da ich ja sowieso jeden Tag zu Goodwill gehe schaute ich dann nach besonders wirksamen Kleidungsstücken. Habe ganz offensichtlich ein Auge dafür, denn ab da wurde es richtig toll. Es vergeht kein Besuch im Eagles, ohne dass ich mehrmals höre: „I love your Outfit“. Und so richtig toll wurde es, als ich vor einer Woche eine schwarz-goldene Leggins fand und ein passendes Shirt dazu. Das war wirklich der vorläufige Höhepunkt und mit einer Frau, die mich ansprach, entwickelte sich ein nettes Gespräch, seitdem verabreden wir uns zum Tanzen. Eben die 81-Jährige, Judy.

Aber wenn ich es bisher schon toll fand so war es gestern doch das absolute Highlight. Man muss wissen, dass ich sehr problematische Füße habe, Hallux Valgus plus Neuropathie, dazu Größe 43. Schicke Schuhe kann ich also vergessen, brauche sehr bequeme, breite Schuhe. Und dann stand ich in Goodwill und goldene Stiefeletten strahlten mich an, in meiner Größe. Was tut man da? Man packt sie ein. Ein Stadtbummel damit wäre zwar völlig unmöglich, aber ich versuche es mit Tanzen. Packe mir vorsichtshalber ein bequemes Paar ein. Und schon geht es los. Alle schauen auf meine Schule, ich bin der Star des Abends. Thyme spielt, meine absolute Lieblingsband. Die Sängerin, auch nicht mehr die Jüngste, aber sie machen eine Wahnsinns-Musik, ist immer toll und glitzernd angezogen.

Und was macht sie in der Pause? Sie kommt an meinen Tisch and lobt mein Outfit und meine Schuhe. Ich bin sprachlos. Meine Heldin! In Deutschland schaut keiner nach mir, und hier werde ich gelobt. Ich kann es nicht fassen.

Meine neue Freundin Judy und ich lassen keinen Tanz aus, es ist ein toller Abend, und dann spricht mich noch eine Frau auf der Tanzfläche an. Jeanni heißt sie. Ich frage woher sie mich kennt, sie sagt sie hat mein Buch und folgt mir auf Facebook. Sagt zu Judy, das ist eine Berühmtheit.

Während des Tanzens spüre ich meine Füße kaum, das Adrenalin hilft. Aber sobald ich mich auf mein Rad schwinge und heim fahre kommt der Schmerz durch. Ach ja, was tut man nicht alles für die Schönheit.

Nächste Woche geht es heim nach Deutschland und zurück in die Versenkung.

Vom Eagles zu Orlando Wetlands

Nun geht es heim! Oder? Nochmal die gleiche I 4 zu fahren habe ich einfach keine Lust. Ich suche nach einer Alternative und finde ein Eagles in Kissimmee. Was ist ein Eagles? Das könnt ihr hier nachlesen:

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/the-fraternal-order-of-eagles/

Ich wurde super nett empfangen, trank ein Bier, ein zweites, zu dem ich eingeladen wurde, musste ich dankend ablehnen. Muss ja noch fahren. Aber die Eagles-Familie ist einfach immer so nett.

Doch heim wollte ich immer noch nicht, es war einfach so ein schöner Tag und wenn ich schon mal dort bin …

Also ab zu Orlando Wetlands. Diesen Park liebe ich, habe ihn auch schon öfter beschrieben und eine kurze Runde kann ich ja drehen. Wollte vor allem auch das mit meiner neuen Bikecam aufnehmen. Ich traf eine Gruppe von orientalisch aussehenden jungen Männern. Interessiert mich immer, obwohl mir klar war, aus Marokko sind sie nicht. Ich fragte nach, nein, sie waren tatsächlich aus mehreren Ländern, Gäste einer Hochzeitsfeier und wollten einfach mal ein wenig Luft schnappen. Einer konnte wenige Worte Arabisch, womit ich glänzte: ana Edith, anti? Sie wollten schon umdrehen, aber ich kenne eine Stelle, wo immer Alligatoren sind. Und da sie noch nie einen getroffen hatten, führte ich sie hin. Sie waren begeistert. Hatten eigentlich Angst, aber ich erklärte, keine Sorge, sind meine Freunde.

Wenn ihr aber nun denkt, der Tag wäre vorbei, so irrt ihr euch. Denn ich kannte noch einen Trail, der auf dem Heimweg liegt und den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Weiter zum Flagler Trail.

Flagler Trail

Auch dieser Trail ist in meinem Buch beschrieben, aber es ist kein bequem asphaltierter Multi-Use-Trail, sondern eher ein Offroad Abenteuer. Der komplette Trail ist 15 Meilen lang und mehr zum Wandern geeignet. Ich schaute mir diesmal nur den südlichen Teil an, aber im Buch ist der komplette Trail beschrieben. Die Bücher findet ihr hier:

https://bikecentralflorida.com/

Der Flagler Trail verläuft entlang einer stillgelegten Eisenbahnstrecke, die als „Okeechobee Branch“ der Florida East Coast Railway oder Flagler Railway bekannt war und später als State Road 13 bezeichnet wurde. Der Korridor wurde jedoch nie als Straße genutzt, und die Eisenbahnstrecke wurde schließlich in den 1950er Jahren stillgelegt. Die Wegerechte wurden 1984 vom Seminole County vom Verkehrsministerium von Florida erworben und sind für die öffentliche Nutzung reserviert. Der Weg ist für Fußgänger, Reiter und alle Fahrräder zugänglich, die mit dem unebenen Untergrund zurechtkommen. Der wilde und abgelegene Weg führt durch das ländliche Seminole County, ist unbefestigt und dicht bewaldet, während der gerade Pfad der Trasse der ehemaligen Eisenbahnschienen zwischen den kleinen Ortschaften Geneva und Chuluota folgt. Er wird durch ein privates Wohngebiet in Geneva in einen nördlichen und einen südlichen Teil geteilt, gefolgt von einem historischen Abschnitt.

Wer es irgendwie schafft, mit seinem Rad diesen unwirtlichen Weg zu meistern, wird durch eine wunderbare Natur entschädigt. Hier nur einige Fotos vom südlichen Teil, zwar hatte ich die Bikecam eingeschaltet, aber irgendwie hat es nicht geklappt.

Ja, und dann ging es doch wieder nach Hause. So ein wunderbares Wochenende, und so ungeplant. Ich will nicht zurück nach Deutschland!!!

General James A. Van Fleet State Trail

Wer es noch nicht weiß, ich liebe die wunderbaren Bike Trails in Florida und habe darüber auch zwei Bücher geschrieben, die sich ganz gut verkaufen. Und wenn ich dann schon mal in Lakeland bin prüfe ich natürlich, welcher Trail in der Nähe liegt, damit ich ihn noch mal abfahren und nach Änderungen schauen kann.

https://bikecentralflorida.com/

Der südliche Startpunkt des General James A. Van Fleet State Trail liegt tatsächlich nur 10 Meilen entfernt. Er ist benannt nach einem General, der in beiden Weltkriegen und im Koreakrieg ein angesehener Kampfkommandeur war (von einer Fahrradtruppe vielleicht???). Der Trail ist bereits in meinen Büchern enthalten, aber ich bin ihn nur einmal gefahren. Die ideale Gelegenheit also, schnell mal hinzudüsen und alles zu überprüfen. So viel kann ich sagen, es hat sich nichts geändert, alles noch aktuell im Buch.

Was ich aber gesehen habe, war dieser nette Mann in einem Wagen des Sheriffs, der den Trail sehr langsam abgefahren ist und auf die Radfahrer aufpasste. Hintergrund ist, dass es in USA andere eBikes gibt als bei uns, class 1, 2 und 3. Sie sehen schon aus wie ein Motorrad, haben einen Throttle (wie heißt das bloß in Deutsch?) und können bis 28 mph fahren (class 3), selbst ohne zu treten. Es gibt natürlich wie überall gute und schlechte Menschen, aber die Raser machen uns anderen alles kaputt. Sie sausen den Weg entlang und nehmen wenig Rücksicht, das ist ein Ärgernis, das in Florida zu immer mehr Diskussionen führt. Gesetze sollen es regeln, aber noch ist nichts entschieden. Dieser zivile Hilfssheriff, der keine Polizeigewalt hat, fährt also mit seiner Frau die Strecke ab und schaut nach dem Rechten. Er kann, wenn es nötig ist, die Polizei hinzuziehen. Ich finde es gut, dass hier ein wenig aufgepasst wird. In USA ist die Kriminalität ja sehr hoch, deshalb haben normale Polizisten natürlich keine Zeit, Fahrradwege zu kontrollieren.

Ich genoss die Fahrt unheimlich. Nach der großen Hitze auf dem Flugfeld gestern heute auf diesem schattigen Weg zu radeln war einfach eine Erholung.

Brisket – Airshow – General Van Fleet

Was haben diese drei so unterschiedlichen Dinge miteinander zu tun? Und doch reihen sie sich wie Perlen in einer Kette aneinander.

Dieses wunderschöne, absolut nicht geplante Wochenende fing an mit Stan. Unsere Kommunikation ist nicht auf sehr hohem Stand, denn er ist taub und versteht mich nicht, außerdem nuschelt er und deshalb verstehe ich ihn nicht. Gehen kann er auch nicht, sondern er schleicht sehr langsam hinter seinem Rollator her. Und trotzdem sind wir gute Freunde, ich helfe ihm Donnerstags zum Food Pantry. Wo er Unmengen von Lebensmitteln geschenkt bekommt, die er an seine Tochter weitergibt. Er selbst braucht wenig, geht mittags in der Kommune zum Altenessen, und abends spendiert er sich manchmal ein gutes Dinner im Eagles. Und zu Dank schenkt er mir immer mal was, diesmal ein Paket Brisket.

Brisket

Nun überlegt ihr euch sicher, was ist denn Brisket. Wikipedia sagt: Beef Brisket ist ein im Barbecue-Smoker heißgeräuchertes Kernstück der Rinderbrust und klassischer Bestandteil des amerikanischen Barbecues, eingerieben mit einem speziellen Würzsalz. Ich habe es schon mehrmals gegessen, es zerfällt auf der Zunge und ist einfach köstlich. Doch hier bekam ich das rohe Fleisch, ein knappes Kilo für mehr als 30 $. Und wie bereite ich das zu? Ganz für mich alleine? Keine Ahnung, einen Smoker habe ich eh nicht.

Aber da gibt es doch Karl. Er kann so einiges, aber auch gut kochen. Also rief ich ihn spät am Freitagabend an: Wo bist du gerade, störe ich dich? Er: Ich bin in Lakeland, auf Sun ’n Fun. Als ehemalige Pilotin, eigentlich immer noch, muss nur den Schein erneuern, weiß ich natürlich was das ist. Einfach nur die größte Airshow in USA, direkt nach der von Oshkosh. Der Punkt Brisket trat erstmal zurück, als Karl meinte, komm doch, wir haben noch Tickets, schlafen auf dem Campingplatz und wenn du Decken mitbringst, kannst du auf dem Boden meines Vans schlafen.

Ihr hättet mal sehen sollen, wie schnell Decken im Auto waren und ich im Bett, denn um 6 sollte der Wecker klingeln und um 7 ich auf der Straße sein. Gut 2 Stunden die schreckliche Autobahn I 4, die aber am Sonntagmorgen nicht so schlimm ist.

Karl und sein Freund David betrieben zusammen einen Ausstellungsstand auf dieser Show, deshalb bekam ich per Whatsapp den Parkschein und die Standnummer aufs Handy, sollte das am Gate zeigen und sie würden mich dann am Gate abholen. Naja, ihr kennt Karl nicht. Weder sein Handy noch das von David erzielten irgendeine Reaktion und ich schmuggelte mich erfolgreich mitsamt Auto auch ohne Ticket rein, und da ich nicht wusste, in welcher Halle sie sind, schaffte ich es auch, einen Helfer mit Golfcart zu finden, der mich direkt hinbrachte. Das war also schon mal geschafft.

Sun ’n Fun Aerospace Expo

Der Flugplatz von Lakeland, auf dem das ganze stattfindet, ist riesig. Wikipedia sagt: Er ist jährlicher Veranstaltungsort der sechstägigen Flugshow Sun ’n Fun Aerospace Expo, der nach dem EAA AirVenture Oshkosh zweitgrößten Luftfahrtausstellung der Vereinigten Staaten. Während der Woche des Sun ’n Fun wird der Lakeland Linder International Airport mit über 60.000 Flugbewegungen zum verkehrsreichsten Flughafen der Welt.

Ich schlenderte zunächst auf dem Gelände herum. Es gibt eine Reihe von Ausstellern, meist untergebracht in Hangars. Aber viel interessanter sind ja die vielen unterschiedlichen Flugzeuge, die man sich anschauen kann. Zehntausende Besucher schlenderten ebenfalls herum, aber noch viel besser, sie hatten alle ihre Klappstühle dabei und können sich so den besten Platz suchen. Viele Piloten kommen mit dem eigenen Flieger und campen dann daneben, sie sitzen ganz stolz im Schatten ihrer Wings. Denn das ist der Punkt beim diesjährigen Event. Es ist glühend heiß. Über 30 Grad im Schatten, nur wo ist der Schatten. So sitze ich auch, als die Show beginnt, direkt in der glutheißen Sonne.

Zum Glück gehe ich immer mal zurück zum Stand von Karl und David, denn diese Halle ist wunderbar gekühlt und ich kann mich erholen. Und weil die Burschen auch dauernd unterwegs sind, steht ich am Counter und spreche mit den Besuchern, so etwas habe ich schließlich beruflich mal gemacht. Die Mittags-Airshow endet um 17 Uhr, dann wird auch der Stand geschlossen und wir tigern langsam los zum Island. Das ist ein Bereich, wo es Essen und Trinken gibt, Musik und schöne Stühle bereitstehen, von denen aus man den Kunststücken der Flieger zusehen kann. Hier wollen wir was essen. David bringt mir eine Margerita und so wird die Wartezeit verschönt. Um 19 Uhr soll die Nightshow beginnen. Ich kann mir erstmal nicht vorstellen, wie das gehen soll, wie kann man die Flugzeuge sehen, wenn es dunkel wird.

Doch da sollte ich mich täuschen, es war einfach wunderbar. Viele verschiedene Flieger, sogar eine Frau: Melissa Burns & Shooting Stars. Da war es schon dunkel und Lichtbogen schossen aus dem Flugzeug, leuchtende Fallschirme schwebten hinab. Leider kann ich euch davon keine Fotos zeigen, ich war einfach zu fertig und hingerissen, um zu fotografieren.

Wir waren ziemlich müde, als wir zum Auto zurückwollten, die Männer von der Arbeit, ich von der Hitze und keine Tram mehr zu sehen. Vor allem für Karl, der einen Handicap Ausweis hat, war es schwer, so weit zu laufen. Das war der einzige Negativpunkt an dem ganzen Tag. Und genau zu diesem Zeitpunkt kam das wirklich beeindruckende Feuerwerk, mit leuchtenden Drohnen, und ich konnte es nicht richtig genießen.

Zurück auf dem Campingplatz breitete ich wie geplant meine Decken im Van aus und schlief wie ein Murmeltier.

Wie es aber weiter zum General Van Fleet geht könnt ihr im nächsten Bericht lesen.

Karls Night-Video

Verloren auf Merritt Island

Es gibt diese besonderen Tage, und das war einer. Hier in Florida weiß man, die Edith kennt alle Trails. Nur, wenn ich schon alle gefahren bin, dann ist das langweilig, ich möchte neues sehen, neues erfahren. Also habe ich mir einen Roadtrip ausgesucht, er wurde in Komoot aufgezeigt. 61 Kilometer, ja, das schaffe ich bequem. Vorher wusste ich nicht, gibt es Bikelanes oder ist alles auf Straßen, aber ich war bereit. Startpunkt war der Parkplatz eines Sportkomplexes, schnell gefunden, geparkt und ab geht’s.

Zunächst war tatsächlich ein Sidewalk, der auch mit dem Rad befahrbar war. Mir fiel das Straßenschild auf: South Tropical Trail. Klingt ja schon mal gut. Heute denkt jeder Biker bei dem Wort Trail an einen richtigen, sicheren Radweg, doch ist das Wort viel älter und bedeutet eben auch Weg. So gibt es zum Beispiel den berühmten Tamiami Trail von Miami durch die Everglades, auch der nur für Autos. Später dann kein Fahrradweg mehr, ich musste auf der Straße fahren, aber es war eine eher ruhige Straße, dennoch schrie mir eine Frau hinterher. In USA denken Autofahrer ja, ihnen gehört die Welt. Aber ich kam sicher weiter und überquerte auf einer kleinen Brücke den Indian River, rüber zum Atlantik. Hier ging es entlang der A1A mit viel Verkehr, aber auch einer Bikelane. Die war allerdings schmal, zwischen mir und den Autos meist kein Sicherheitsabstand. In Satellite Beach dann mal ein kurzes Foto.

Bislang war ja alles nett und ereignislos gelaufen. Dann aber kam ich in Höhe der Patrick Space Force Base an einer langen Reihe geparkter Autos vorbei. Was ist denn hier los. Ich erfuhr, dass es eine Airshow geben sollte. Also parkte ich mein Bike in der Reihe wie die anderen und unterhielt mich mit meinen Nachbarn. Beide Zahnärzte in Rente, kannten sich noch von der Uni. Der eine war auch Pilot, so konnte ich mit ihm Fliegergeschichten austauschen (ja, auch die nicht so schönen, Insider wissen Bescheid). Schon die Wartezeit war toll.

Dann flogen zwei Hubschrauber ein, ein Cargoplane C 130. Ein Flugzeug, auf die Entfernung in meinen Augen ein Business Jet, weil es so nett rot und weiß gestrichen war, rollte zur Runway. Doch dann, schneller als ich denken und zur Kamera greifen konnte, schoss es in die Höhe. Senkrecht, 180 Grad! Wahnsinn. Das hätte ich gerne noch ein zweitesmal erlebt. 

Endlich aber marschierten die Piloten in einer Reihe zu den wartenden Fliegern und es ging los. Ganz so einfach ist es nicht, das mit meiner Handykamera aufzunehmen, aber ein wenig konnte ich doch einfangen. Schon auf dem Hinweg mit dem Auto staunte ich über den Stau auf der Brücke, und so ganz langsam musste ich einsehen, dass sie alle nur wegen der Airshow gekommen waren. Am besten konnte man es vom Strand aus sehen, und da mussten an diesem Tag wohl zehntausende Menschen gewesen sein.

Aber die wollten auch alle wieder heim! Unglaublich, was da an Autos und Fußgängern unterwegs war. Ich konnte sie zwar auf der sehr schmalen Bikelane überholen, auf dem Bürgersteig waren ja Menschenmassen, die Polizei regelte alles. Aber dann wollte ich doch mal schauen, wie mein Weg weiter gehen sollte. Es war ja eine Rundfahrt, ich musste irgendwann wieder auf die andere Seite und zu meinem Auto. Aber – mein Handy war tot! Absolut tot, kein Mucks mehr. Und ja, ihr könnt alle sagen, hättest du doch. Aber ich hatte eben nicht. Hatte kein Powerbank mitgebracht, hatte nicht das Kabel, mit dem ich das Handy ans Rad anschließen kann, nichts. Ich hatte einfach nicht daran gedacht. Bin mit 100 % losgefahren, aber die Navigation, die Airshow und das Tracken mit Komoot haben viel Zeit und Batterie verbraucht.

Wie soll es nun weitergehen, ich war noch nie hier und kenne den Weg nicht genau. Wie hieß der Sportkomplex nochmal? Alles in Handy und Komoot gespeichert. Ich bin einfach nichts mehr ohne Handy, so weit ist es heute. Früher, ohne diese Hilfsmittel, hätte man sich den Weg zuvor genau angeschaut, auswendig gelernt oder sogar eine Karte mitgebracht. Heute steht man einfach auf dem Schlauch. Ich brauche ein Handy!

Eine Frau sitzt auf der Parkbank mit dem Handy in der Hand. Ich spreche sie an, sie ist freundlich, aber auch misstrauisch, und gibt das Phone nicht aus der Hand. Aber nur wenn ich es habe kann ich den Sportkomplex finden. Ich sage ihr, ein Sportkomplex am Tropical Trail. Sie, auch ihr Kollege, kennen es nicht, aber beschreiben mir den Weg zum Tropical Trail. Ich fahre. Unterwegs kommen mir Zweifel, denn der Weg ist nicht ganz wie beschrieben. Ich suche, hier jedoch kein Mensch auf der Straße. Schließlich sehe ich einen Mann, der auf dem Parkplatz am Steuer seines Pickups sitzt. Ich spreche ihn an. Auch er kennt keinen Sportkomplex am Tropical Trail, obwohl es nicht mehr als 2 Meilen entfernt ist. Aber auch er erklärt mir den Weg zum Trail.

Ich bedanke mich und fahre los. Aber er ruft mich zurück. „Ich könnte Sie auch hinbringen“. Naja, ich kenne ja all die True Crime Stories, wo die toten Frauen im Pickup in den Wald gefahren werden. Aber ich riskiere es, er ist nicht nur freundlich, sondern sagt auch, er tut mir nichts. Das würde der Mörder auch tun, nicht? Aber wir packen das Rad auf die Ladefläche, ich steige ein und wir fahren los zum Tropical Trail.

Dort angekommen erkenne ich nichts. Kein Sportkomplex, kein Auto. Jetzt brauche ich doch das Handy, er gibt es mir. Und schon finde ich den Parkplatz. Nur heißt die Straße Courtenay Parkway and geht erst später in den Tropical Trail über, deshalb kannte auch niemand den Komplex. Schließlich fanden wir mein Auto, das dort ganz allein auf mich wartete und der nette Mann, Angelo, half mir noch, es aufs Rack zu packen. Ohne Angelo hätte ich mein Auto so schnell nicht wieder gefunden, ganz lieben Dank.

Doch bevor ich heimfuhr sah ich, dass es ganz in der Nähe ein Eagles gab, also schnell dort hin und ein Bud Light bestellt. Und an der Theke konnte ich auch gleich meine Geschichte loswerden. So ein toller Tag, irgendwie besser als auf einem richtigen Trail zu fahren, dort ist es viel langweiliger.

Valencia 2025

Weiter geht’s mit dem Städtetrip. Die Hotelbuchung und die Anfahrt haben super geklappt, aber ein kleines Problem muss doch immer auftreten. Dieses Mal war es die Parkgarage. Das Hotel Zenit liegt sehr zentral am Bahnhof und logisch, da gibt’s kaum Parkmöglichkeiten. Ich kann noch nicht mal vor dem Hotel halten, um auszupacken. Also stelle ich mich schon mal in die Tiefgarageneinfahrt und hoffe, dass ich erstens einen Platz bekomme und zweitens die Garage hoch genug ist. Ja, ist sie. Aber nicht weit genug. Irgendwann stand ich quer, oben stieß ich dann auch an einen Lüftungsschacht, rechts war die Mauer und ich kam nicht mehr vor und zurück. Hoch an die Rezeption und um Hilfe gebeten. Ein Kellner kam und hat mir wirklich sehr geholfen, alleine wäre ich da nie mehr raus gekommen. Das ist also erledigt.

Mein Zimmer ist eher klein, aber alles ordentlich, diesmal habe ich weder Frühstück noch Dinner, gestern war es nicht so besonders, aber dennoch war ich froh, dass ich nicht mehr irgendwohin gehen musste, denn meine Füße taten schrecklich weh. Zenit Hotel mit Parken 127 Euro. Stadt halt und Wochenende.

Dann aber los. Zum Glück brauche ich keine U-Bahn, mehr Metro-Abenteuer brauche ich wirklich nicht. Natürlich ist Valencia eine beeindruckende Stadt, viele tolle Bauten. Ich bin vor allem hier, weil meine Schwiegertochter mir von Valencia vorgeschwärmt hat. Im letzten Jahr habe ich die Stadt ja unter schlechten Vorzeichen durchquert, es war gerade nach dem schrecklichen Regen, der alles überflutet hat. Hier kannst du nachlesen.

Aber die Innenstadt war ja nicht betroffen und ich mache einen schönen Rundgang durch das historische Viertel. Es gibt nur ein Problem. Ich hätte zuerst nach Valencia kommen sollen, und danach nach Barcelona. Denn Barcelona ist natürlich ein ganz anderes Kaliber, das ist wirklich ein Welterbe, eine unglaublich schöne Stadt. Diesmal bin ich schlauer, hatte im Hotel kein Essen bestellt und wollte irgendwo einkehren. Und ich fand auch das richtige, eine Lambrusqueria. Wirklich nett, das Tagesmenü zu 12,95 Euro, man verdient an den Getränken. Als Stilbruch habe ich mir aber eine Sangria bestellt, war sehr gut, doch dann erhielt ich von meiner Schwiegertochter die Nachricht, dass ich doch das Aqua di Valencia probieren soll. Also auch noch bestellt, muss ja nur noch zurück zum Hotel laufen. Ich schaffe das!

Natürlich servieren die meisten Restaurants die berühmte Paella oder andere Meerestiere, riesige Portionen, sah auch echt gut aus, aber ist halt überhaupt nicht mein Fall.

Und was ich sehr vermisse hier ist mein Fahrrad. Die Stadt setzt sehr stark auf Fahrradfahrer, überall gibt es Spuren und eine sehr breite Straße ist nur für Radler und Fußgänger.

Barberville Pioneer Settlement

Auf dem Event in Palatka traf ich Charlie Cracker. Er ist ein Storyteller, also Geschichtenerzähler, und er organisiert die Events in Barberville.

Das Barberville Pioneer Settlement ist sozusagen ein historisches Dorf. Hier wurden alte Gebäude zusammengetragen und als Museumsdorf eröffnet. Er lud mich ein, meine „Story“ zu erzählen. Nun, das lasse ich mir nicht zweimal sagen, ja, ich trete gerne auf und erzähle über das was ich so mache. Ich fuhr also guter Dinge die knappe Stunde nach Barberville, musste allerdings sehen, dass recht wenig los war. Aber egal, ein paar nette Leute sind immer da. Ich war schon recht früh vor Ort und konnte mich im Dorf umsehen. Wollte meinen Ford zum Ölwechsel an der Ford-Werkstatt abgeben, aber man meinte, sie sei nur Dienstag Vormittag auf.

Raisin Potato

Wesentlich interessanter war aber das Kochen von Kartoffeln in „Rosin“. Ein wichtiger Gewerbezweig im Florida der Pioniere war die Erzeugung von Terpentin. Dazu wurden Long Leaf Pine Trees angestochen, heraus lief das Harz, das wurde über Holzfeuer gekocht und daraus das Terpentin hergestellt, das damals als wichtige Exportware galt, unter anderen um Holz besser haltbar zu machen. Der zurückbleibende Rest war eben das Rosin. Und die damaligen Arbeiter kamen darauf, in dieses kochende Rosin Kartoffeln, gerne auch Süßkartoffeln, einzulegen und garen zu lassen. Daraus entstanden wirklich köstliche Baked Potatos, die ich probieren durfte, mit etwas Butter und Salz verfeinert.

Zum Storytelling gab es eine Bühne unter schattigen Bäumen, doch bevor ich um 2 pm dran kam durfte ich zunächst noch das Mittagessen einnehmen. Hotdogs, Burger oder Pulled Pork. Wobei ich natürlich letzteres wählte, das liebe ich einfach, genau wie Brisket, im Prinzip das gleiche vom Rind. Beim Rundgang durch das Dorf fand ich noch einige alte Gewerbezweige zur Schau gestellt. Dieses Dorf wird auch sehr gerne von Schulklassen angefahren, um etwas über die Geschichte des Landes zu erfahren. Vieles, was ich sah, kenne ich noch gut aus meiner Kindheit. Ich war oft im Hunsrück, wo das Plumsklo im Hof normal war, allerdings nicht wie hier für zwei Personen. Auch das Butterfass kannte ich und vieles andere.

Zum Dorf gehört natürlich auch ein kleiner Laden, er ist im Bridgehaus. Dieses Haus stand früher an einer der vielen Zugbrücken in Florida und wurde original hierher transportiert und aufgebaut. Dort im Laden verkauft man gerne Florida-Typische Artikel und mein Bike Trail Guide passt da doch gut hinein. Mir wurde gesagt, die Chefin, die das zu entscheiden habe, heißt Gudrun. Also, wenn das nicht mal ein urtypischer deutscher Name ist. Ich fand sie und sprach sie auf Deutsch an, aber sie schaute doch etwas verwirrt. Zwar in Deutschland geboren, aber früh nach USA gekommen, spricht sie nicht mehr so gut Deutsch. Aber meine Bücher mochte sie. Nun hat sie das Bike Trails in Florida East und das Buch 101 Birds in Central Florida für den Shop und meine Anfahrt hat sich gelohnt.

Storytelling

Dann war es aber Zeit für meine Geschichte und ich trollte zur Bühne. Vor mir war ein Liedermacher dran, den ich auch schon im Dorf gesehen hatte. Dann erzählte ich vor den weniger als 10 Personen, wie es dazu kam, dass ich Deutsche nun Bücher über Bike Trails schreibe. Es war trotz allem nett und Charlie lud mich ein, Anfang Dezember wiederzukommen, wenn es eine Art Weihnachtsmarkt gibt, zu dem sicher mehr Besucher kommen.

Zwar habe ich versucht, den Vortrag aufzunehmen, was aber komplett in die Hose ging. Der Kopf wurde abgeschnitten und das Video nach der Hälfte gestoppt. Ich bräuchte halt einen Kameraassistenten.

Any Volunteers?

Hier mein ziemlich missglücktes Vortragsvideo