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London Heathrow

Ich hatte ja einen schönen Sitz ganz vorne gebucht und war dort auch alleine mit viel Beinfreiheit. Doch war es eigentlich egal, was man gebucht hatte. Die etwa 25 Personen konnten sich im Flieger verteilen wo sie wollten und ich habe mich später sogar in der Mitte über 4 Sitze gelegt, um etwas zu schlafen. Was aber nicht geklappt hat. In den nationalen Flügen gab es keinerlei Bewirtung, aber es war ja klar, dass man uns auf dem neunstündigen Flug nicht verhungern lassen konnte. Es gab also eine Mahlzeit gleich am Abend, so wie immer. Getränke dazu, auch Alkohol, aber später kam niemand mehr. Doch konnte man sich Wasserflaschen holen. Die meisten Leute im Flieger trugen Masken, auch die Flugbegleiter, aber wir hatten ja auch genug Abstand zueinander. Am Morgen dann das übliche Frühstück. Da ich keinen Hunger hatte nahm ich das mit für später. Und das war gut so. Nach dem Aussteigen ging es sofort in den Transitbereich, noch einmal Sicherheitskontrolle, und dann gähnende Leere. So leer hat man diesen Hauptstadtflughafen noch nie gesehen vor Corona. Ich musste mir am Lufthansa Schalter zunächst eine Bordkarte holen, da American Airlines das nicht ausstellen konnte. Sie mussten mich ja auf Lufthansa umbuchen, da AA keine Flüge mehr nach Deutschland hat. Aber alles ohne Aufpreis, das ist zumindest etwas. Wenn ich da an die armen Freunde denke, die in Marokko gestrandet waren, die mussten für die Rückholflüge richtig Geld bezahlen und erst recht, wenn sie mit ihrem Wohnmobil auf den Sonderfähren heimfahren wollten.

Und dann galt es, 10 Stunden zu warten, ich war ja schon kurz nach sechs da und mein Flug sollte um 16:30 Uhr abgehen. Mein Telefonprovider sendete mir eine Willkommensmitteilung mit der Nachricht, dass ich Telefon und Internet zum Inlandspreis nutzen kann. Wenigstens etwas. Aber im Flughafen war wirklich alles zu. Einzig ein kleiner Laden, der Drogerieartikel, Bücher, kalte Getränke und Sandwichs verkauft, war offen, es durfte immer nur einer hinein. Kein Kaffee zu bekommen, was es ja in Fort Worth noch gab. Zwar gibt es in diesen leeren Zeiten genug Sitze, aber die sind so miserabel hart und unbequem. Und nur ganz wenige USB-Anschlüsse um das Handy aufzuladen, was auf einer 33-stündigen Reise ja nötig ist. Die Lounges der Airline natürlich auch geschlossen. Also immerhin spare ich viel Geld. Nur eine einzige gute Sache kann ich hier entdecken, und zwar die Wasserspender. Sie stehen überall und man kann dort seine Trinkflasche auffüllen, was ich ausgiebig tue. Kostenloses Trinkwasser ist etwas, das ich in Deutschland sehr vermisse.

Aber die Sitze. Das geht gar nicht. Vor allem wenn es mal eine Ladestation gibt, sitzen natürlich dort auch die wenigen Leute, mit zu wenig Abstand. Als ich sehe, dass um 9.30 Uhr tatsächlich eine zweite Lufthansa Maschine abgeht, gehe ich an den Schalter. Aber ich kann nichts erreichen, noch nicht mal kostenpflichtig umbuchen. Denn ich habe ja nicht direkt gebucht, sondern AA hat mich umgeleitet. Ich beschwere mich über die unbequemen Sitze und da sagt das Mädel, aber es gibt doch bessere. Ja, wo denn? Ich habe das Terminal schon xmal durchquert und nichts gefunden. Sie meint, sie hat sowieso nichts zu tun und führt mich hin. Ich traue meinen Augen nicht. Ganz abseits vom Laufstrom ist eine hübsche Ecke mit Sesseln und jeder mit USB. Ja, da kann ich es aushalten. Es gibt 10 Sitzgelegenheiten und außer mir sind noch 3 junge Leute da, sie gehören zusammen. Sonst hat kein Mensch diese schöne Ecke gefunden. Ich chatte ausführlich mit Freunden und Familie, lese, schlafe ein wenig. Schreibe diesen Blog. Trotzdem geht die Zeit sehr langsam um. Und vor allem esse ich nun mein Frühstück. Zum Glück habe ich recht wenig Hunger, es ist auch nur ein Joghurt mit Granola, den Müsliriegel hebe ich mir für später auf.

Ach, ich muss jede Minute dieser Reise auskosten, denn so was kommt so schnell nicht mehr.

 

Paar Stunden später

Die Wartezeit ging ganz gut rum, ich konnte sogar einen Kaffee kaufen und Verpflegung hatte ich dabei. Von Charlotte gab es keinerlei internationalen Füge und auch viele nationale waren gecancelt. Es werden halt viele Flüge zusammen gelegt. Dann konnten wir in die Maschine steigen, ich hatte ja einen Sitz in der ersten Reihe der Economy und ich konnte nur staunen wieviele Menschen an mir vorbei gingen. Gefühlt waren es so viele, dass sie ganz sicher hinten wieder raus mussten. Als die Tür zuging sah ich, dass wirklich jeder Platz besetzt war. Die Flugbegleiter haben ja jetzt einen ganz bequemen Job, denn es werden keine Getränke ausgeschenkt, sie haben während des Fluges nichts zu tun und sammeln nur nachher Abfall ein, denn die Leute dürfen sich was mitbringen.

Wie schon zuvor hob auch dieser Flug überpünktlich ab, einen Vorteil haben die ausgefallenen Flüge schon und wir kamen auch wieder viel zu früh an. Dallas Fort Worth. Mein Gott, ist dieser Airport groß. Wir rollten endlos über das Flugfeld, Frankfurt könnte sich hier locker verstecken, und als wir endlich ankamen und ich den Shuttle zu einem der anderen Terminals nahm konnte ich so richtig die Ausmaße erkennen, es ist eine endlose Fahrt.

Zum Glück hatte ich hier genügend Zeit zum Umsteigen. Während die nationale Abteilung ziemlich voll ist, ich schätze nur 40 % tragen Masken, ist das internationale Terminal fast leer. Auch die Geschäfte und Restaurants haben überwiegend zu, nur einige wenige sind geöffnet, wo ich bei Starbucks stolze 5,30 USD für einen mittleren Kaffee lasse.

Nun warte ich, Boarding muss gleich losgehen. Mit mir warten etwa 25 Personen.

19. April: Es geht heim

Mein offiziell gebuchter Rückflugtermin war der 19. April. Aber die Coronakrise hat vieles verändert und auch meinen Flug gecancelt. Doch gerade das erlaubte mir auch die Freiheit der Entscheidung. Ich konnte sofort zurückfliegen, was die vernünftigen, ängstlichen Leute wohl getan hätten. Ich konnte auch für den 19.4. einen Flug bekommen, wenn auch umständlich. Aber es wäre auch möglich gewesen, das alles bis in den Mai zu verschieben in der Hoffnung, dass dann alles wieder besser wird.

Leicht war die Entscheidung nicht. Oft ging es in meinen Gedanken hin und her. Aber schließlich habe ich mich entschieden, es bei dem 19. April zu belassen. Und der ist nun heute.

Den 33 stündigen Flug sehe ich als vielleicht letztes Abenteuer in diesem Jahr an. Reisen sind mein Leben, nur auf Reisen bin ich glücklich. Was sicher auch damit zu tun hat dass ich alleine lebe und nur auf Reisen nette Menschen treffe. Und nun ist erstmal alles verboten. Keine Reisen innerhalb Deutschlands und erst recht keine internationalen. Und wenn man sich die Liste der Länder mit Reisebeschränkungen, d.h. Einreiseverboten anschaut, so sind so ziemlich alle dabei. Ich glaube im zweiten Weltkrieg war es nicht so schlimm. Und deshalb freue ich mich nun auf jede einzelne Etappe.

Ich brauchte keinen Wecker, denn um 3:20 Uhr weckte mich eine Message der Airline und teilte mir mit, dass es ab Gate 3 geht. Prima. Dann findet der Flug also statt. Jimmy, ein Nachbar, fuhr mich, bestand aber darauf, dass ich eine Maske anlege, auch er hatte sich in der Bankräuber-Fashion etwas ums Gesicht gebunden. Der Flughafen Daytona Beach war gespenstisch leer, als ich um kurz nach 4 Uhr dort eintraf. Natürlich gab es keine Schlangen, auch wenn man wirklich mein Gepäck gut durchsucht hat nach meinen Cookies und ich überall abgetastet wurde. Nein, leider nicht von einem schicken jungen Mann. Dann kam der Aufruf zum Boarding, echt witzig, sie zählte ab, Passagier 1, 2 …8, Sie können nun alle boarden. Ich hatte mir auf den drei American Airline Etappen immer die erste Reihe reserviert, gab ja keine Konkurrenz. Für die letzte Etappe mit Lufthansa habe ich weder eine Bordkarte noch konnte ich den Sitz kostenlos wählen. Jaja, die Lufthansa. Hoffentlich gibt es dort wenigstens Sekt. Und an Bord hieß es dann auch, Sie können sich hinsetzen wo sie wollen, um social distance zu halten. Zu trinken gab es nichts, die Damen kamen während des Fluges auch nicht durch die Reihen. Aber waren ja nur 90 Minuten.

Nun sitze ich also in im leeren Flughafen von Charlotte und schaue wie es weiter geht. Werde berichten.

Der Beach gehört uns allen

Nachdem gestern der Beach und alle anliegenden öffentlichen Parkplätze geschlossen wurden hat man heute teilweise wieder zurück gerudert. Wohl auf heftigen Protest der Bürger. Es ist ja so dass es in unserem Bereich recht wenige Orte gibt, wo man sich körperlich betätigen kann und deshalb wurde heute zwar die Schließung nicht aufgehoben, aber die sportliche Betätigung erlaubt. Schwimmen, laufen, radfahren, surfen, alles erlaubt. Aber nicht sonnen, sitzen, lesen. Nach dem Sport soll es gleich wieder heim gehen. Und damit das nicht überhandnimmt lässt man die Parkplätze zu. Da muss man sich schon sehr gut auskennen, um noch ein Plätzchen zu finden.

Und nur mal so für mich hin gedacht. Es ist ja sehr viel zu, vor allem auch etliche Bootsrampen. Boot fahren, vor allem zum Fischen, ist aber sehr verbreitet in Florida und nicht verboten. Und deshalb drängen sich nun auf den wenigen geöffneten Plätzen ganz viele Menschen. Auch einige Parks sind geschlossen, was dazu führt, dass die offenen mehr Besucher haben. Wie war das mit dem 6 ft Abstand? Wäre mehr offen könnten wir mehr Abstand halten.

1. Tag mit Ausgangssperre

Ich war nun ziemlich neugierig, wie das läuft mit den geschlossenen Stränden, also fuhr ich gleich am Morgen Richtung Ponce Inlet. Sämtliche öffentlichen Parkplätze entlang der A1A waren gesperrt, bewacht von so vielen Polizeifahrzeugen, wie ich es noch nie gesehen habe. Dass die überhaupt so viele Wagen haben. Örtliche Polizei, Sheriff, alles war da um die Kriminellen davon abzuhalten, am Strand frische Luft zu schnappen. Ponce Inlet hat zahlreiche schöne Bürgersteige, die gerne zum Laufen und Radfahren genutzt werden, sie sind weiterhin auf, aber wenn man nicht zu den Anwohnern gehört muss man ja irgendwo parken. Mein Port Orange hat überhaupt keine Trails, da kann ich nicht fahren. Schließlich fand ich am Leuchtturm den Parkplatz für die Bootstrailer offen und parkte. Dann traf ich den Sheriff und erkundigte mich, ob der Parkplatz auf bleibt, denn Barrikaden standen schon in der Nähe. Er sagte wenn ich zurück komme und mein Auto ist weg dann weiß ich dass ich nicht parken darf. Ich habe ihn so geschockt angeschaut, dass er gleich meinte, das war ein Scherz. Also gut, ich begab mich auf meine Radstrecke und bekam mein heutiges Training, aber irgendwie fühlt man sich komisch. Zwar wird ausdrücklich gesagt, dass es erlaubt ist, alleine für sich Sport zu machen, aber irgendwo muss das Auto ja bleiben. Nur wenige Begünstigte haben den Radweg gleich vor der Tür.

Na gut, ich übe dann schon einmal zu Hause.

Meine Weltreise

Gestern hat nun auch Florida eine Ausgangsbeschränkung angeordnet, ähnlich wie Deutschland. Man darf nur noch raus, um zur systemwichtigen Arbeit zu gehen, zum Arzt und für Lebensmittel usw. Zum Glück scheinen die Bikeshops noch systemwichtig zu sein, was sie ja auch sind. Seit Beginn der Einschränkungen verkauft der Laden in meinem Ort wesentlich mehr Fahrräder, und fast jeder nimmt mein Buch mit dazu. Stay healthy. Und heute wurden nun auch die Strände geschlossen, was die Locals sehr trifft. Auch ich bedaure es, aber die Bike Trails sind mir wichtiger. Was aber noch nicht so klar ist, ist, wie weit man fahren darf, um seinen Freizeitsport auszuüben. Port Orange hat ja leider keine Bike Trails, ich muss da schon so 20 – 40 km fahren und ob das erlaubt wird muss man erst mal sehen. Also auch, ob es Kontrollen gibt, wer auf der Straße ist. So richtig weiß noch keiner hier, wie es abgeht. Heute früh war ich zunächst in einem Bike Shop, um vor meiner Abreise noch ein paar Bücher hinzubringen. Danach ging es aufs Rad, und zwar in einen State Forest in Ormond Beach, da ich ja schon mal da war. Hier kann man exzellentes Social Distancing machen, denn es war absolut niemand da. Zwei Stunden auf relativ weichem Untergrund, das war genug Kondition für heute.

Und dann ging es zum Airport. Mein Reisebüro stellt sich ja tot, vielleicht ist es schon bankrott. Noch neulich hatte ich am Schalter erfahren, dass es relativ einfach sein wird umzubuchen, es käme nur eine weitere Zwischenstation dazu. Das war heute schon wesentlich schwieriger. Aber die Mitarbeiter am Flughafen haben ja nichts zu tun und deshalb genug Zeit, sich um mein Anliegen zu kümmern, was sie auch sehr freundlich getan haben. Schließlich bekam ich einen Flug mit drei Stopps und 10 Sunden Aufenthalt in London. Aber wenn es so klappt wie es im Augenblick ist, ist es zwar eine richtige Weltreise, aber ich könnte in Daytona einsteigen und am Ende in Frankfurt aus. Doch sagte die Dame gleich, dass es möglich ist, dass der Daytona Flug storniert wird, wenn zu wenige Personen übrig bleiben fliegen sie nicht. Und dann muss ich nach Orlando, was ziemlich schwierig ist in der augenblicklichen Lage. Als Abreisetag bleibt wie vorgesehen der 19.4. Aber warten wirs ab.

Dann ging es nach Hause, Gas Grill anwerfen. Heute ist wieder Steak angesagt, 2 sind noch in der Truhe und ich muss ja langsam zusehen, dass meine Vorräte aufgegessen werden. Gestern hatte ich noch mal Brot gebacken, das wird so etwa bis zum 19. reichen. Zum Essen gab es dann von überall her Updates. Volusia County hat informiert, dass die Strände zubleiben, Port Orange hat extra Weisungen gegeben und auch der Präsident hatte was zu sagen. So geht die Zeit hier rum. Dann noch den Garten wässern, bei mir und bei Freunden und später schaue ich mir dann an, was in Deutschland so abgeht in Punkto Virus. Vielleicht mit einem Corona-Bierchen in der Hand?

Eine Auszeit vom Virus

Schon den ganzen März über haben wir richtiges Sommerwetter mit fast 30 Grad und keinen Regen. Einfach ein Traum, so als sollten wir hier in Florida für die harten Zeiten entschädigt werden. Heute früh überlegte ich kurz, was auf dem Programm stehen sollte und ich entschied mich für Titusville. Dort war ich schon lange nicht mehr und ich wollte schauen, wie der Trail (natürlich in meinem Bike Book enthalten) weitergeht. Der offizielle Trail endet ja vor der Brücke zu Merritt Island, aber über die Brücke sollte doch eine Spur gehen. Ich parkte also kurz vor der Brücke und fuhr zunächst den Trail ein wenig rückwärts, dann wieder zur Brücke. Tatsächlich geht eine Spur hinauf, aber nur durch eine Linie von der Fahrbahn getrennt. Also fuhr ich lieber unter die Brücke. Ach, was für ein herrliches Wetter. Die Sonne brennt so richtig auf meine Haut, genau was ich brauche und liebe. Und überall sitzen Angler und warten, dass einer anbeisst. Die offiziellen Bootsrampen sind ja seid heute geschlossen, wenn ich auch nicht genau weiß, warum. Nirgendwo kann man so schön social distancing üben wie allein auf einem Fischerboot. Und bei dem herrlichen Wetter zieht es die Menschen einfach raus. Aber es ist relativ ruhig, keine Menschenansammlungen und im Restaurant wird die Auszeit für einen Neuanstrich genutzt.

Zurück am Auto entscheide ich, über die Brücke und weiter zu Merritt Island zu fahren, denn das ist ein schöner, alternativer Rückweg. Ich komme zum Blackbear Wildlife Drive, den ich wegen seinem Wildlife sehr liebe. Es ist viel los, Auto hinter Auto, aber schon am Eingang konnte man es ahnen. Kein Wildlife in Sicht. Deshalb wurde für die Strecke auch keine Eintrittsgebühr erhoben. Aber ich kenne die Tierwelt hier ja gut, habe unzählige Fotos und so ist es auch interessant, diesen Drive einmal im Sommer zu sehen. Die Hitze und Trockheit haben die meisten Wasserstellen ausgetrocknet, die Migrantenvögel sind in ihre Sommergefilde zurück gekehrt und die Alligatoren bleiben lieber im kühlen Wasser, nur ein Kleiner liegt am Ufer.

Weiter geht es und ich komme am Scrub Ridge Trail vorbei, ein kleiner Spazierweg von einer Meile. Auch hier einfach wunderschön, durch die Landschaft zu streifen. Hier und da mal ein Vogel, aber sehr wenig. Und auch noch ein weiterer Trail folgt, den ich diesmal mit dem Fahrrad fahre, denn meine Kilometerleistung für heute ist noch nicht erreicht. Ich genieße jeden Sonnenstrahl, als wäre es mein Letzter.

Zu Hause habe ich auch etwas besonderes vor, eigentlich soll es Ente mit Orangensauce geben, ein Gericht, für das mein Sohn berühmt ist. Er hat mir sein Rezept verraten. Enten gibt es in Florida nicht, also muss Hühnchen her, das ich schon am Morgen in eine Marinade aus Kräutern und Orangen gelegt habe. Dazu gibt es Reis und eben die Orangensauce. Mein Sohn sagte, ohne Sherry und Cointreau geht es nicht, also ab zum Inder. Wird eine richtig teure Sauce. Das junge Mädel im Laden, das mich neulich so fachkundig über Margarita Mix beraten hat, hat von Sherry noch nie was gehört und denkt, es muss irgendwie Schnaps mit Kirschgeschmack sein. Aber als ich sage, es ist eine Art Wein schickt sie mich in die Weinecke und tatsächlich, dort steht der Sherry. Sie ist erstaunt, hat noch nie was davon gehört. Cointreau gibt es dann in der Miniflasche.

Nun habe ich also alle Zutaten zusammen und es geht los. Aber die Ehre gebührt doch weiterhin meinem Sohn, der Geschmack kommt bei weitem nicht an seine Sauce heran. Nun ja, es kann ja nicht jeder alles können.

Nach dem Essen muss ich unbedingt noch meinen Krimi zu Ende lesen. Das Buch Bad Wolf von Nele Neuhaus spielt im Frankfurter Raum. Aber es ist doch sehr, sehr seltsam, ein deutsches Buch in der englischen Übersetzung zu lesen. Manch ein Wort verstehe ich in der Übersetzung noch nicht mal, obwohl ich amerikanische Bücher fließend lese. Ich schaue nach dem Namen des Übersetzers, aber er scheint wirklich ein Muttersprachler zu sein. Dazu kommt, dass die Geschichte zu Anfang auch sehr kompliziert ist, viele Personen sind darin verwickelt, die man erst einmal auseinander halten muss.

Und dann war es schon Schlafenszeit, ein ganzer Tag vergangen ohne Nachrichten über den Virus. Ich glaube, ich lasse es heute auch dabei. Was für ein schöner Tag und das alles ohne dass ich einem Menschen zu nah kommen musste.

Prof. Drosten for President

Jede Zeit und jedes Land hat seine Helden. In USA ist es Dr. Fauci, Corona Experte des Weißen Hauses, der auch schon mal klar macht, dass er mehr weiß als der allmächtige Präsident. Aber in Deutschland ist es ganz klar Professor Drosten von der Charite. Nicht nur sieht er gut aus, ist jugendlich, er versteht es auch, sein Wissen auf eine verständliche Art an die Öffentlichkeit zu geben. Während Dr. Fauci ein kleines Männlein ist und manchmal vor sich her stottert, klärt Drosten im abendlichen Podcast die Öffentlickeit ruhig und sachlich auf, ohne Panik zu verbreiten. Und fast schon für den Normalo verständlich, nicht nur für den Medizinstudenten im 20. Semester. Ich liebe seine Podcasts und auch seine Auftritte in den zahlreichen Talkshows, obwohl man sich schon wundern muss, wie er das zeitlich schafft. Eigentlich hat er nun keine Zeit mehr um nachts auch nur ein Auge zu zu tun und dennoch berichtet er vom sonntäglichen Jogging in Berlin.

Ach, ich liebe ihn.

Corona versus Grippe

Langsam fange auch ich an zu zweifeln. Ich habe hier eine Seite des RKI über die Grippe gefunden

https://de.statista.com/infografik/13040/woechentliche-influenzafaelle-in-deutschland/

Dabei ist in der Saison 2019/20 das Ende noch nicht erreicht, die Zahl kann noch höher werden. Diese Zahlen über die Grippe zeigen erschütternd hohe Infektionszahlen. Und das, obwohl es eine Grippeimpfung gibt und sie auch von einem großen Teil der Bevölkerung in Anspruch genommen wird. Und obwohl Grippe einigermaßen gut behandelt werden kann.

Die Zahlen über Corona sind erheblich niedriger. Hier zitiere ich die Seite, deren Ziffern auf der John Hopkins Universität beruhen. Sie sind erheblich höher als die vom RKI. Und trotzdem gibt es mit Stand heute, 26.3.2020, mit 40421 Fällen deutlich weniger Infizierte und 229 Todesfälle gegenüber 265. Warum also diese Panik? Warum werden wir Menschen eingeschlossen?

https://www.worldometers.info/coronavirus/country/germany/

Ich weiß, dass etliche Verschwörungstheorien existieren. Ich bin aber kein Verschwörungsfanatiker, ich denke immer noch, ich bin ein Mensch mit gesundem Menschenverstand. Und ich kann einfach nicht mehr glauben, dass diese heftigen, einschneidenden Maßnahmen wirklich gerechtfertigt sind, dass die komplette Weltwirtschaft lahm gelegt werden muss.

Aber genau wie damals bei der Flüchtlingskrise (ich war ein freiwilliger Helfer) ist es auch hier nicht erlaubt, eine Meinung zu sagen, die gegen den Mainstream geht. Traue mich nicht, diesen Blog wie üblich in Facebook zu teilen. Langsam mache ich mir Sorgen, was aus der Demokratie, aus der Menschheit wird.

Heim oder nicht heim fliegen

Gestern habe ich Anne Will gesehen, Talkshow über die Auswirkungen des Coronavirus. Nach einiger Zeit musste ich aus machen, es ist einfach zu schlimm, sich das anzuhören. 18 Monate mit dieser Krise, das hält kein Mensch und keine Wirtschaft aus. Ich sehe tatsächlich schon die Gefahr, dass nach diesen 14 Tagen die Jüngeren wieder mehr raus dürfen, aber die Alten streng zu Hause bleiben müssen. Ich gehe kaputt so.

Die große Frage für mich ist also, in Florida bleiben oder gehen. Mein Rückflug ist gecancelt, das Reisebüro meldet sich nicht, weder Email noch Telefon, und das deutsche Konsulat in Miami lässt auch nichts von sich hören. Das Leben hier ist sehr viel angenehmer und leichter, wenn auch hier täglich mehr eingeschränkt wird. Denn so richtig haben die Amis noch nicht den Ernst der Lage erfasst. Sollte ich aber krank werden ist die Sterberate sehr hoch, während sie in Deutschland die niedrigste in der ganzen Welt ist. Zudem bin ich auch nicht begeistert, mich gerade jetzt in ein Flugzeug zu setzen. Ich befürchte aber, dass irgendwann Flughäfen geschlossen werden. In Orlando sind schon mehrere TSA Mitarbeiter infiziert.

Sehr schwere Entscheidung. Also habe ich mich heute entschlossen zum Flughafen zu fahren, um mich nach meinem Flug zu erkundigen. Ich liebe ja meinen kleinen Airport in Daytona Beach, hier sind die Wege kurz und das Auto parke ich draußen bei den Mietwagen, am Schalter keine Schlange. Ich fuhr trotzdem mit einem sehr unguten Gefühl hin. Und bin so froh, dass ich es gemacht habe. Mein Rückflug sollte ja am 19.4. sein mit American Airlines. Die haben aber vorsorglich alle Flüge gecancelt. Die Dame sagte mir, sie könne mich ohne weitere Kosten für den gleichen Tag umbuchen, allerdings mit United und Zwischenstopp. Das wäre ja generell okay.

Aber will ich wirklich am 19.4. nach Hause? Richtig schön ist die Lage nicht in Deutschland, noch möchte ich lieber bleiben. Die nette Dame war wirklich sehr hilfsbereit und sagte, sie könne mich auch auf ein späteres Datum buchen. Einmal habe ich eine Umbuchung kostenfrei. Dennoch riet sie mir, das lieber durch mein Reisebüro machen zu lassen, denn auch die machen das kostenlos, und wenn ich später meine Meinung ändere, könnte sie mich noch einmal umbuchen. Sie meinte, es gäbe immer Optionen, ich brauche mir keine Gedanken zu machen. Sie erwartet für die Zukunft eher mehr Flüge als bisher, wenngleich ich diese Ansicht nicht teile. Das Reisebüro will sich ja erst melden, wenn mein Abreisetermin näher rückt.

Nach diesen positiven Antworten werde ich also abwarten, wie sich die Lage in beiden Ländern entwickelt. Es scheint so, dass ich doch relativ schnell einen Flug nach Hause bekomme.