Salon de Beauté Chez Ahmed

Ja, ich weiß, ich habe schon oft von meinen Schönheitsbehandlungen erzählt, aber leider muss es wieder sein. Sonst wohne ich immer im Tichka und gehe dort zu einem kleinen Vorstadtfriseur, aber diesmal wohne ich im Riad Tawargit in der Medina. Hier gibt es auch einige Salons, aber die haben Mondpreise und da ich sowieso Peter in Gueliz besuchen wollte konnte ich dort gleich zu Chez Ahmed gehen, bei dem ich mir schon einmal die Haare schneiden ließ. Dieser Salon ist sehr groß und modern, liegt gleich hinter dem Carre Eden und ist dennoch bei Touristen nicht bekannt. Hier gehen die besser gestellten Marokkanerinnen hin. Habe dann ein Rundum-Paket genommen, zunächst Haare waschen, schneiden, fönen, dann Epilage, Maniküre und Pediküre. Eigentlich wollte ich ja keine Pediküre, da die erst vor 2 Wochen am Tichka gemacht wurde, aber die nette und kompetente Fatima wies auf meine von der trockenen Wüstenluft sehr verschorften Füße hin und meinte, sie habe da eine klasse Paraffinbehandlung. Also das kenne ich noch nicht, deshalb ließ ich mich ziemlich schnell überreden. Ich war ganze vier Stunden in dem Laden. Zunächst schnitt Rachid mir sehr gekonnt die Haare, dann werkelte Fatima mit ihrem Lehrling an mir herum. War teilweise ziemlich heiß, weil beide Beine in der Luft hingen, um bearbeitet zu werden und gleichzeitig mir der Massagestuhl den Rücken knetete. Am Ende wurde auf die Füße heißes Paraffin aufgestrichen und dann in Folie eingewickelt. Nach 15 Minuten kam das wieder runter und die Füße waren babyweich.

Es war einfach toll und wenn die Preise hier auch höher sind, sie sind es wert, weil viel mehr geboten wird und alles blitzeblank sauber ist. Ich habe schließlich für diese Luxuskur 40 Euro gezahlt, da wären zu Hause gerade mal die Haare ab gewesen.

Chez Ahmed, 30 Rue Tariq Bnou Ziad, Gueliz (etwas versetzt hinter Carre Eden), Tel. 0524 – 433460, Fatima Tel. 0670 97 24 73. Ich war an einem Vormittag da und Fatima wurde herbei telefoniert, aber besser ist es, man macht einen Termin aus. Dienstag ist ihr Ruhetag, nicht aber von dem Salon.

Von Skoura über Demnate nach Marrakech

Diese Strecke, die östlich von Ouarzazate hinauf in den Hohen Atlas führt, kenne ich gut. Vor langen Jahren war es noch Piste und ich hatte mir vorgenommen, diese zu erkunden. Doch als es nach etwa 30 km hinauf in die Berge gehen sollte verengte sich die Piste plötzlich auf nur eine Spur und außer für Maultiere war hier kein Durchkommen. Dafür habe ich eine nette Familie kennengelernt, die in der Nähe wohnt. Genau zwei Jahre, 2003, später war ich wieder in der Gegend und traute meinen Augen nicht, als plötzlich eine Asphaltstraße über den Hohen Atlas bis nach Demnate führte, die sogar für Wohnmobile befahrbar war. Doch dieses Vergnügen war nur von kurzer Dauer, denn jeden Winter zerstören heftige Regenfälle und Schneeschmelzwasser die Straße, die nicht fest genug angelegt war. Und so erhob sich die Frage, wie ist der Zustand zur Zeit, welche Fahrzeuge können passieren.

Schon als ich im letzten Jahr im 123Soleil in Skoura war hatte ich eine Abkürzung entdeckt, die direkt von Skoura auf diese Passstraße führt. Damals noch im Bau ist es heute eine gute Trasse, die von allen Fahrzeugen gefahren werden kann. Und auch die Demnate-Straße ließ sich gut an. Zwar nur ein schmales Teerband, aber Gegenverkehr gab es so gut wie keinen. Es waren schon etliche Kilometer vorbei gezogen, bis sich dann ab Tamezrit doch Schwierigkeiten ergaben. Und die verstärkten sich. Im mittleren Teil ist die Straße auf lange Strecken nur Piste. Es ist ja sowieso eine sehr kurvige Strecke, gerade Passagen gibt es überhaupt nicht und wenn ich es tatsächlich mal schaffte, in den 3. Gang zu schalten musste ich gleich wieder zurück, wegen enger Kurve oder Geröllmassen auf der Strecke. Zwar ist nach den letzten Regenfällen schon wieder alles beiseite geräumt worden, und man kommt gut durch, aber eben langsam und nur mit geländegängigem Fahrzeug. Ich kann mir einen 4×4 VW Bus hier durchaus vorstellen, aber ein Privat PKW sicher nicht. Es sind noch nicht mal Schlaglöcher, sondern der Belag ist entweder völlig weg oder von fest gewordenem Schlamm überdeckt.

In Demnate angekommen rief ich dann im Büro an, um zu erfahren, in welcher Unterkunft man für mich gebucht hat. Das Riad Tawargit soll es sein und ich soll doch direkt dahin fahren, meinen Pajero Sport auf den Parkplatz in der Medina stellen, er würde dann abgeholt.

Haha. In die Medina. Mit so einem schönen Auto, das trotz aller schlechten Pisten der letzten zwei Tage keinen Kratzer abbekommen hat. Niemals! Also fuhr ich zur Agentur, ein Fahrer kam runter und fuhr mich. Etliche Male musste ich die Augen zu machen, ich hätte das nie gekonnt, auch den Weg nicht gewusst. Dankbar verabschiedete ich mich von dem weißen Prachtstück, aber ganz ehrlich, mein Land Rover Discovery zu Hause ist trotz seiner fast 120.000 km noch immer das bessere Auto. Der Pajero geriet leicht ins Schleudern.

Merzouga – Nekob – Skoura

Auf dieser kurzen Reise kann ich ja leider nicht alle meine Freunde besuchen, aber die wenigen, die an der Strecke liegen, müssen sein. Zwischen Merzouga und Nekob gab es keine besonderen Vorkommnisse, das geht schnell voran, und in Nekob machte ich bei Brahim und Brigitte von der Auberge Chez Bassou Station. Einerseits wollte ich guten Tag sagen, andererseits aber auch die Strecke über Bab-n-Ali fahren, um zu sehen, wie weit die Bauarbeiten voran geschritten sind. Beim Mittagessen sagte Brahim jedoch, es gäbe eine neue Piste direkt nach Skoura, also fuhr ich lieber diese. Brahim gab mir Infos, er war sie erst vor wenigen Wochen gefahren, aber vor dem Regen.

Also machte ich mich auf den Weg. Zu Beginn ist die Piste richtig breit zur Trasse ausgebaut und ich dachte, das ginge bis zur Minenstadt Bouskour so. Aber nein, schon auf halber Strecke war eine Mine und die Trasse führte nur dorthin. Weiter ging es auf einer Piste, der man ansah, dass sie erst kürzlich ausgebessert worden war, Spuren schwerer Baumaschinen waren zu sehen und die Erde noch recht locker, ganz offensichtlich war ich das erste Fahrzeug. Ich kam ganz gut voran, ab und zu ein Oued mit etwas Wasser, sehr einsam alles, aber dann. Ein größeres Oued, am Rand wusch eine Frau die Wäsche, zusammen mit einem Kind die einzigen Lebewesen, die ich fand. Ich querte das Oued zweimal, kam gut durch das Wasser, aber dann. Geröll hatte die Piste so verengt, dass kein Fahrzeug mehr durchkam. Jenseits konnte ich meine schöne Piste sehen, das GPS zeigte Bouskour in nur 8 km Luftlinie, aber es gab kein Hindurchkommen. Ohne jegliche Hoffnung auf Antwort lief ich zur Waschfrau, fragte „Bouskour“, bekam aber nur Kopfschütteln. Monsieur? Kopfschütteln. Schließlich wies sie auf einen Berg etwas neben meiner Piste, auch da ging eine Spur hinauf. Zunächst musste ich meinen Wagen wieder rückwärts aus dem Geröll kriegen, ich hatte mich schließlich so weit wie möglich hinein gewagt, und dann ging es den Berg hinauf. Keinerlei Autospuren ließen nichts Gutes vermuten und so war es auch. Nach gut 1 km war die Piste wieder so verengt, dass ich nur rückwärts wieder zurück kam. Und das alles ohne die Rückfahrkamera meines guten Discovery, der leider zu Hause in der Garage steht. So richtig wohl war mir nicht, als ich wieder auf Höhe der Frau angekommen war. Die ganzen 68 km teils schlechter Piste zurück nach Nekob? Die weiteren Pläne aufgeben? Und wo bin ich überhaupt? Irgendwie hatte ich keine Ahnung.

Ich war kurz vor dem Heulen. Das Telefon hat natürlich keinen Empfang, keine Menschenseele in der weiten Landschaft. Zum Glück genug Treibstoff, Wasser und Essen. Doch dann ein Alter im Garten. Spricht natürlich nur Berber und hat von Bouskour noch nie gehört. Zuckt mit den Achseln. Ich auch. Gut, wir haben eine Sprache, in der wir uns verstehen. Dann sagt er nur zwei Worte, Piste und Kelaa und weist in die Richtung, aus der ich zuvor kam.

Da klingelt es bei mir. Ich habe ja die schöne Skizze von Brahim. Dort ist eine Kreuzung eingezeichnet, links geht es zu meinem Bouskour, aber rechts nach El Kelaa. Und das ist nicht weit von Skoura, wo ich hin will. Von da ging alles ganz einfach, wenn ich auch völlig fertig nach 20 km an der Hauptstraße ankam und nach weiteren 35 km in Skoura. Dort wartete Hassan im 123Soleil schon auf mich und hielt mir ein kühles Bier entgegen, es ist einfach schön, Freunde zu haben.

Später am Telefon mit Brahim wurde dann klar, dass ich auf der richtigen Piste war, aber der Regen hatte viel zerstört. Zwar war die Piste großenteils repariert worden, aber die Oueddurchfahrt eben noch nicht. So bleibt mir das also für einen neuen Tag. Bei Hassan habe ich es zum erstenmal erlebt, dass gerade kein Camper da war. Hier kommen ja gerade die 4×4-Fahrer gerne hin, weil es so schön ist und die großen Weißen wegen der Enge nicht rein kommen. Aber die Saison hat halt noch nicht angefangen.

P.S. Dieses schöne Auto, ein Mitsubishi Pajero Sport, der mich tapfer durch alle Oueds und hoch auf die Berge gebracht hat, kann man über mich mieten. Anfragen per Email.

Ein Tag in Merzouga

Die meisten Teilnehmer wollten nicht zum Sonnenaufgang geweckt werden, was ich absolut verstehen kann. Erstens sind alle wohl ziemlich erschöpft von der doch stressigen Reise, zweitens sind tatsächlich die Sonnenaufgänge von meinem deutschen Balkon viel schöner. Und so ging der Ritt auf den Kamelen zurück nach einem richtig guten Frühstück, eigentlich das Beste bisher mit zartdünnen Crepes. Ich fuhr natürlich wieder auf meinem Quad voraus, ich wollte die Autokarawane so organisieren, dass ich alle unter bekomme und meinen Mietwagen für mich habe, so dass ich noch einen Tag in Merzouga bleiben kann. Aber Abdou hatte schon an mich gedacht und noch einen zusätzlichen Wagen geschickt. Daher gab es ein großes Abschiednehmen, nur wie ich später hörte, waren die Polizeibeamten in Errachidia nicht so ganz glücklich, dass ich der Gruppe fehlte, die wollen auch immer alle zusammen haben. Aber das Problem ließ sich lösen und ich besuchte zuerst mal Brahim im Sahara Garden. Auch diese Auberge habe ich von Anbeginn in der Entstehung erlebt und es ist schon toll, was daraus nun geworden ist.

Danach ging es zum Haven la Chance, weil dort immer viele Camper sind. Nun, noch vor der Saison, waren nur zwei dort, aber der eine aus meiner Heimatstadt Wiesbaden. Das ging natürlich nicht ohne ein Plauderstündchen bei einem Glas Rose ab, der auch schon früh am Morgen schmeckt. Doch dann klingelte das Telefon und Ali Mouni rief an, er wollte mich unbedingt sehen, auch seinen Nomad Palace kenne ich schon als leeres Grundstück, heute hat er 40 wunderschöne Zimmer und zwei Pools. Ali muss immer was bauen, seine Auberge wird ständig verändert und so ist er auch nun wieder dabei, sein Restaurant schon zum vierten Mal umzubauen.

Es war klar, dass ich dort so schnell nicht mehr weg komme und ein Zimmer wurde bereitet, ich konnte mich endlich mal kurz ausruhen, denn ich bin ziemlich fertig. Ich habe nun größten Respekt vor dem Beruf des Reiseleiters, das ist sehr anstrengend und eigentlich war ich dauernd am Telefon. Doch irgendwie finde ich nie Ruhe und so überredete ich Ali zu einer kurzen Tour. Unterwegs fiel mir ein, dass Barbara und Andreas, mit denen ich zu Anfang unterwegs war, doch auch am Erg Chebbi sind, im schönen Riad Madu. Und so holten wir die Beiden ab und fuhren zum Sonnenuntergang an den Flamingosee.

Das Wüstenabenteuer beginnt

Die Geländewagenkarawane brachte uns zunächst von Errachidia nach Erfoud, wo im Restaurant des Dunes das Mittagessen auf uns wartete. Alle Teilnehmer entschieden sich für die Medfouna, das traditionelle Gericht der Region. Ein Fladenbrotteig wird mit einer Masse aus Fleisch, Kräutern und Gewürzen gefüllt und dann im Holzfeuerofen gebacken. Die armen Piloten hatten ja bisher überhaupt keine Gelegenheit, Geld auszugeben und ein paar Souvenirs für die Familie einzukaufen, also verkürzten wir die Wartezeit aufs Essen mit einem Besuch in der dazugehörigen Boutique. Es gab natürlich einen Chech für die Wüste, der ja unbedingt nötig ist, aber auch kleine Schönheitsprodukte mit Arganöl für die Frauen waren sehr gefragt, der Laden sah danach aus wie nach einem Heuschreckeneinfall, leer gekauft. Nach dem Essen ging es noch zu den Fossilienbrüchen und auch da waren die fliegenden Händler ganz glücklich über ein wenig Umsatz, wenn auch meist in Euro.

Weiter ging es offroad direkt zu dem Dünen, wo die Kamele schon auf uns warteten. Das Gepäck wurde in einem Pickup untergebracht, der Fahrer ließ natürlich zunächst etwas Luft aus den Reifen, damit er über die Dünen kommt, denn unser Camp liegt wirklich wunderschön mitten drin. Eine Dame konnte wegen Rückenproblemen nicht reiten, auch für mich war kein Kamel bestellt und dann war der Pickup voll und ich passte nicht mehr rein. Wie herrlich! Denn so wurde extra für mich ein Fahrer mit Quad bestellt und ab ging die heiße Fahrt.

Eigentlich sollte die Karawane rechtzeitig zum Sonnenuntergang ankommen, aber nichts tat sich. Das sind dann die Momente wo ich als Reiseleiterin nervös werde. Natürlich habe ich nicht gedacht, dass etwas passiert ist, nur dass sie doch den schönen Sunset verpassen. Irgendwann organisierte ich meinen Quadfahrer und fuhr der Gruppe entgegen. Aber alles in Ordnung, sie hatten sich unterwegs eine Düne ausgesucht und von dort geschaut. Man hat ja genug davon am Erg Chebbi.

Der Empfang im Biwak war dann einfach grandios. Eine Gnaoua-Gruppe aus Khamlia empfing uns, das war so schön. Es gab Tee und Kekse und danach verteilte ich die Zimmer, wir haben wirklich alle 16 Luxuszelte des Camps aufgebraucht und für mich blieb nur ein einfaches Zeltchen, doch auch mit WC und Dusche. Nur ohne Steckdose, doch die wurde flugs gelegt. Es ist einfach unglaublich, wie der Komfort in der Wüste fortschreitet, aber auch gefragt ist. Einige Zelte haben bereits eine Klimaanlage und ich bin sicher, die anderen werden folgen. So kann man auch im Sommer in der Wüste übernachten. Im Restaurant gab es natürlich Wlan, noch vor kurzem unvorstellbar, ich bin nur gespannt, wann es auch mitten in der Wüste einen Pool geben wird.

Zum Abendessen gab es Tajine und danach natürlich wieder Musik und Tanz. Was für ein herrlicher Abend, bei dem vor allem das Wetter wunderbar mitgespielt hat. Sowohl auf dem Flug als auch hier in der Wüste hatten wir einen klaren, windstillen Tag, nur um die Sterne zu sehen, muss man das beleuchtete Camp ein wenig verlassen.

Von Fes nach Errachidia

Traurig, dass wir dieses schöne Riad so schnell wieder verlassen müssen. Zwei Busse warteten auf uns. Der erste wurde mit allem Gepäck beladen, das an der Rezeption stand, die Leute stiegen ein und ab ging es. Der zweite wurde beladen, doch gerade als es los ging, sagte einer, seine Pilotentasche würde fehlen. Er ging zurück, suchte alles ab, aber nichts wurde gefunden. Ich tröstete ihn mit dem Glauben, dass die Tasche dann sicher in dem ersten Bus sei und wir fuhren los. Er erzählte, er hätte an der Rezeption gestanden und etwas bezahlt, als ihn ein Mann, der nicht zum Hotel gehörte, angesprochen habe und somit abgelenkt. Da wurde mir schon mulmig. Das sah eher nach Diebstahl aus. Und in der Tasche ist wirklich alles, was zum Flugzeug gehört, Schlüssel und Papiere, da kommt er nicht mehr aus dem Land ohne die Tasche. Aber im Moment können wir wirklich nichts machen, wir müssen erst zum Flughafen.

Mitten in der Neustadt, im dichten Verkehr, überholt uns plötzlich ein Mopedfahrer, stoppt den Bus und reicht dem Fahrer die Tasche! Wir wissen nicht wie die Zusammenhänge sind, werden es nie erfahren, aber die Erleichterung war unglaublich groß.

Am Terminal ging dann alles seinen Gang, ich durfte ja mitfliegen, wir mussten trotz Inlandsflug einen Fiche ausfüllen und trotz Privatflieger durch die Sicherheitskontrolle, man fand mein Schweizer Messer, aber nahm es mir nicht weg. Die Maschinen wurden vorbereitet und dann rollten wir in langer Reihe zur Runway. Das Wetter war so hervorragend, wie es besser nicht sein konnte, die Sicht in den blauen Himmel einwandfrei, der Wind ruhig. Und der Flug viel zu kurz. Schon nach 50 Minuten glitzerte unter uns der blaue Stausee von Errachidia und einer nach dem anderen berührte den Boden. Abgefertigt wurde immer nur die komplette Flugzeugbesatzung, also Pilot plus Passagier sofern einer da war, aber ich durfte trotzdem nicht passieren, der Zollbeamte behielt mich als Übersetzer zurück. Zuvor mussten auch hier drei Maschinen betankt werden, was aber in Errachidia viel flotter ging als in Fes und gerade, als eine größere Maschine Urlauber für eine Wüstentour heranbrachte wurden wir komplett noch alle vorher abgefertigt.

Irgendwie hatte ich gedacht, vor dem Terminal stehen nun nur unsere Jeeps, aber das war ein Irrtum. Es stand ein Meer von Geländewagen dort, und die Fahrer hielten Schilder hoch, die Mehrzahl war vom schönen Hotel Xaluca. Man kann nun also auch einen Wüstentrip buchen mit Anreise per Flugzeug, aber diese Leute wissen ja gar nicht, was ihnen entgeht. In Marokko ist der Weg das Ziel, die Landschaft dazwischen so großartig. Von oben hatte ich nur bizarre, aber völlig kahle Bergformationen gesehen, aber ich weiß ja nur zu gut, wie es unten aussieht. Die Landschaft ist so vielfältig und oft auch so grün, und natürlich dann die schönen Dörfer und Kasbahs.

 

Ankunft der Privatflieger in Fes

Am Morgen erhielt ich die Nachricht, dass unser Führer Hicham mich um 11 Uhr treffen wollte. Doch die Piloten wollten frühestens um 12:45 eintreffen, also setzten wir uns in ein Café und warteten bis 12 Uhr. Hicham spricht sehr gut Deutsch, obwohl er unser Land nie besucht hat, er hat es während dem Studium erlernt und wollte eigentlich Deutschlehrer werden. Doch als er keinen Job bekam entschloss er sich Stadtführer zu werden und meinte, es sei eine gute Wahl. Sehr stolz war er auf seine zweite Tochter, weil die gerade erst vor 40 Tagen geboren war. Um 12 Uhr ging es dann los Richtung Flughafen und das war dann mal die erste Gelegenheit für mich nervös zu werden. Die Stadt war völlig verstopft, die engen Straßen um die Schulen total zugeparkt, wie in Deutschland von SUVs, die die Kinder von der Schule abholen. Da sage noch einmal jemand, Marokko sei unterentwickelt.

Wir trafen tatsächlich pünktlich um 12:45 am Flughafen ein, aber es war ja eigentlich klar, dass von unseren Piloten keine Spur zu finden war. Selbst wenn sie bereits gelandet sind, 13 Flugzeuge abzufertigen ist keine Kleinigkeit und zieht sich, vor allem, weil die noch tanken müssen. 13? Hieß es nicht 14? Ja, ein Flugzeug mit nur dem Piloten musste wegen technischer Schwierigkeiten zurück bleiben, so kam ich in den Genuss, in meinem Zimmer im Riad bleiben zu können, sonst hätte ich in ein anderes umziehen müssen. Zu unserem Riad Bleue muss ich noch sagen, dass das wirklich ein wunderbares Riad ist, das ist wirklich Schönheit mit Service vereint. Wenn man abends vom Essen in sein Zimmer zurück kommt ist das Bett aufgeschlagen, die Vorhänge zugezogen und die Lichter zum Empfang an. Ich kann das Maison Bleue wirklich nur in den höchsten Tönen loben. Natürlich hat alles seinen Preis.

Die Terminals in Marokko sind alle für Abholer gesperrt, eintreten darf nur, wer wirklich fliegen will. Und Informationen, ob unsere Flieger schon eingetroffen sind, konnte ich auch nicht bekommen. Die Flugzeuge sind unterschiedlich stark und damit schnell, wir hatten ein- und zweimotorige dabei, wobei die Sirrus mit nur einem Motor die schnellste war. Ich ging zum Rand des Terminals und schaute in die Richtung, aus der die Flieger zu erwarten waren und tatsächlich sah ich nach einiger Zeit einen kleinen Punkt in der Luft. Ob der natürlich zu uns gehört oder nicht konnte ich nicht sagen. Der private Flugverkehr in Marokko ist sehr gering, im ganzen Land soll es nur 30 Privatpiloten geben und so häufig kommt es ja nicht vor, dass Ausländer mit dem eigenen Flugzeug anreisen.

Eigentlich hatten wir für 15 Uhr die Stadtführung angesetzt und Hicham wollte so gerne seinen Job gut machen. Aber die ersten Piloten kamen erst gegen 14.30 Uhr endlich aus dem Terminal. Das große Problem war das Tanken, alle 13 Maschinen mussten aufgefüllt werden und dazu gab es einen Truck mit Anhänger, der daraus mit einer Handpumpe befüllte. Nach 2, 3 Maschinen war der Anhänger leer und musste zurück zum Depot. Es ist schon verständlich, dass eine so große Rallye zuvor angemeldet werden muss. Bis alle da und im Hotel untergebracht waren war es also schon nach 17 Uhr und der arme Hicham musste seine Tour sehr kurz halten. Sehenswürdigkeiten waren natürlich schon geschlossen und im Gerberviertel war es viel zu dunkel, um Fotos zu machen. Ich sage es ja immer wieder, kommt nach Marokko, aber bringt viel Zeit mit.

Zumindest das Abendessen im Riad Maison Bleue konnte dann pünktlich starten. Wir wurden von Gnaoua-Musikern empfangen und bekamen die vorzügliche Salatauswahl vorgesetzt, für die Fes so berühmt ist. Die Besucher hatten zuvor gefragt, kann man Salat essen ohne krank zu werden, doch da kann ich beruhigen, diese Feser Salatvariationen bestehen sämtlich aus gekochtem Gemüse und sind somit ganz sicher. Danach wurde ein Gericht gereicht, das selbst ich nicht kannte, eine große Schale nur mit Fleisch, ganz zartes, gekochtes Rindfleisch, das sehr delikat gewürzt war. Tangia Fassia. Ich kenne die Tangia Marrakschi, die auch nur aus Fleisch besteht, aber der Geschmack ist sehr unterschiedlich. Danach gab es Couscous, aber ebenfalls auf Feser Art, ohne Gemüse, aber mit Hühnchen, das mit glasierten Zwiebeln und Rosinen bedeckt war. Sehr lecker. Zum Dessert eine Auswahl der saisonalen Früchte. Ich war eigentlich noch nie zu dieser Zeit in Marokko und bin völlig begeistert von der Reichhaltigkeit der Obstsorten, vor allem die frischen Feigen haben es mir angetan. Und auch die Granatäpfel schmecken viel besser als man es aus Deutschland kennt.

Erwartungsvoll in Fes

Es ist ja nicht üblich, dass ich meine Kunden selbst durch das Land führe, normalerweise organisiere ich nur die Reise und die ausgezeichneten Fahrer der Agentur sind zugleich die Führer. Allerdings nur auf der Fahrt, in Städten gehen Sie nicht mit den Kunden, da müsste auf Wunsch ein zusätzlicher Stadtführer besorgt werden. Deshalb war es für mich eine Premiere, einmal drei Tage mit Kunden auf der Reise zu sein und ich war gespannt, wie es läuft. Das Paar hatte zwei Wochen gebucht mit Königstädten und Wüste, so fuhr ich also die ersten drei Tage mit von Marrakech nach Rabat und weiter über Meknes nach Fes. Die Beiden haben es mir leicht gemacht, es waren super nette Leute. In Casablanca ließ ich sie noch allein durch die Moschee laufen, in Rabat erklärte ich ein wenig, wo alles ist, denn ich wollte mich nicht zu sehr aufdrängen. Doch als ich merkte, dass sie die Medina doch nicht richtig gefunden haben bot ich in Meknes an, sie auf einen Stadtbummel mitzunehmen. Das war richtig schön. Und in Moulay Idriss schließlich war es unbedingt nötig. Wie schon gesagt, die Fahrer bleiben beim Wagen, gehen nicht mit, und Moulay Idriss hat sich in den letzten Jahren insofern verändert, als es nun eine Menge falscher Führer gab, die sich gleich zu Beginn aufdrängen. Ich ließ Khalid bis ganz nach oben fahren, wo sich von der Panorama-Terrasse ein toller Ausblick bietet, danach wollten wir den Berg hinunter alleine laufen. Ich war erst einmal dort, und das ist schon Jahre her, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Terrasse nicht auf Anhieb wiederfand. Doch ein Schuljunge zeigte uns den Weg und bekam ein paar Dirham. Hier geht der Blick vom Stadtteil Khiber hinüber auf die andere Seite und dazwischen liegt der grün gekachelte Grabbezirk. Das Herunterlaufen ist dann nicht so schwierig und wir kamen genau beim Mausoleum raus, wo Andreas sich gleich mit Nougat eindeckte. Dieser wird ja meist in der Nähe von religiösen Gebäuden verkauft. Durch den überdachten Souk ging es hinab zum Taxi-Standplatz, wo Khalid uns wieder einsammelte. Und Barbara deckte sich dort mit frischen Feigen ein, es ist gerade Saison und an jeder Ecke bekommt man diese leckeren süßen Früchte, die aber für marokkanische Verhältnisse nicht ganz billig sind. Das wiederum sind aber die Kaktusfeigen, die auch gerade reichhaltig angeboten werden. Vorher hatten wir noch Volubilis besichtigt, wo das Zurechtfinden nicht schwierig ist, und dann ging es nach Fes zu unseren jeweiligen Riads. Richtig schade, ich wäre gerne noch mit ihnen weiter gefahren.

Doch in Fes wartet ja erst die richtige Herausforderung auf mich. Hier wird es spannend. Ich bin im Maison Bleue untergebracht, weil am nächsten Tag dort meine Gruppe von 27 Personen ankommen soll, angereist in 14 kleinen Flugzeugen. Das ist schon ein ziemliches Unterfangen, es musste zuvor eine Genehmigung eingeholt werden, wozu 110 Dokumente eingereicht werden mussten. Und die Genehmigung kam dann gerade am Abend zuvor. Nun ist der Morgen angebrochen, die Spannung steigt und schon vor Tagesgrauen erhielt ich die Meldung, dass ein Flugzeug technische Probleme hat und nicht kommen wird. Ich werde berichten …

 

Meknes

Es ist ja nicht üblich, dass ich meine Kunden selbst durch das Land führe, normalerweise organisiere ich nur die Reise und die ausgezeichneten Fahrer der Agentur sind zugleich die Führer. Allerdings nur auf der Fahrt, in Städten gehen Sie nicht mit den Kunden, da müsste auf Wunsch ein zusätzlicher Stadtführer besorgt werden. Deshalb war es für mich eine Premiere, einmal drei Tage mit Kunden auf der Reise zu sein und ich war gespannt, wie es läuft. Das Paar hatte zwei Wochen gebucht mit Königstädten und Wüste, so fuhr ich also die ersten drei Tage mit von Marrakech nach Rabat und weiter über Meknes nach Fes. Die Beiden haben es mir leicht gemacht, es waren super nette Leute. In Casablanca ließ ich sie noch allein durch die Moschee laufen, in Rabat erklärte ich ein wenig, wo alles ist, denn ich wollte mich nicht zu sehr aufdrängen. Doch als ich merkte, dass sie die Medina doch nicht richtig gefunden haben bot ich in Meknes an, sie auf einen Stadtbummel mitzunehmen. Das war richtig schön. Und in Moulay Idriss schließlich war es unbedingt nötig. Wie schon gesagt, die Fahrer bleiben beim Wagen, gehen nicht mit, und Moulay Idriss hat sich in den letzten Jahren insofern verändert, als es nun eine Menge falscher Führer gab, die sich gleich zu Beginn aufdrängen. Ich ließ Khalid bis ganz nach oben fahren, wo sich von der Panorama-Terrasse ein toller Ausblick bietet, danach wollten wir den Berg hinunter alleine laufen. Ich war erst einmal dort, und das ist schon Jahre her, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Terrasse nicht auf Anhieb wiederfand. Doch ein Schuljunge zeigte uns den Weg und bekam ein paar Dirham. Hier geht der Blick vom Stadtteil Khiber hinüber auf die andere Seite und dazwischen liegt der grün gekachelte Grabbezirk. Das Herunterlaufen ist dann nicht so schwierig und wir kamen genau beim Mausoleum raus, wo Andreas sich gleich mit Nougat eindeckte. Dieser wird ja meist in der Nähe von religiösen Gebäuden verkauft. Durch den überdachten Souk ging es hinab zum Taxi-Standplatz, wo Khalid uns wieder einsammelte. Und Barbara deckte sich dort mit frischen Feigen ein, es ist gerade Saison und an jeder Ecke bekommt man diese leckeren süßen Früchte, die aber für marokkanische Verhältnisse nicht ganz billig sind. Das wiederum sind aber die Kaktusfeigen, die auch gerade reichhaltig angeboten werden. Vorher hatten wir noch Volubilis besichtigt, wo das Zurechtfinden nicht schwierig ist, und dann ging es nach Fes zu unseren jeweiligen Riads. Richtig schade, ich wäre gerne noch mit ihnen weiter gefahren.

Doch in Fes wartet ja erst die richtige Herausforderung auf mich. Hier wird es spannend. Ich bin im Maison Bleue untergebracht, weil am nächsten Tag dort meine Gruppe von 27 Personen ankommen soll, angereist in 14 kleinen Flugzeugen. Das ist schon ein ziemliches Unterfangen, es musste zuvor eine Genehmigung eingeholt werden, wozu 110 Dokumente eingereicht werden mussten. Und die Genehmigung kam dann gerade am Abend zuvor. Nun ist der Morgen angebrochen, die Spannung steigt und schon vor Tagesgrauen erhielt ich die Meldung, dass ein Flugzeug technische Probleme hat und nicht kommen wird. Ich werde berichten …

Von Marrakech nach Rabat

Am Sonntagmorgen fing das touristische Programm meiner kurzen Reise an. Um 8 Uhr stand der Chauffeur vor dem Hotel, um mich abzuholen. Zunächst ging es in die Medina, um ein deutsches Ehepaar abzuholen, meine Kunden, für die ich eine zweiwöchige Marokkorundfahrt organisiert hatte und die ich auf den ersten drei Tagen begleiten wollte. Wir verstanden uns auf Anhieb und der arme Fahrer, der sonst ja gerne sich selbst um seine Gäste kümmert, kam gar nicht zum Zug. Aber dazu hat er noch genug Gelegenheit, wenn ich die Gruppe in Fes verlasse. Er heißt Khalid und ist sehr nett, aber das sind wirklich alle unsere Fahrer. Wir fuhren über die Autobahn nach Casablanca, denn auf dieser Strecke lohnt die Landstraße kaum, es gibt wenig zu sehen. Außerdem wollten wir Casablanca schnell erreichen, um noch eine Führung durch die Moschee Hassan II zu erwischen. Das hat geklappt, ich blieb aber lieber draußen, denn ich habe die Moschee schon früher besichtigt und wollte nicht wieder die 120 Dirham Eintritt zahlen. Dafür konnte ich außen fotografieren. Die Moschee steht ja immerhin auch schon über 20 Jahre und so gibt es immer was zu machen, überall sind kleine Baustellen, die ein schönes Fotomotiv stören. Anschließend wollten wir in einem typischen Café etwas trinken und sagten dies Khaled, er fuhr uns zu einem richtig teuren Restaurant. Ganz genau hat er noch nicht gespürt, was wir wollen. Aber direkt dahinter war ein ortstypisches Café und da waren wir richtig.

Die Beiden wollten eine Telefonkarte und so versuchten wir, einen Laden zu finden. Aber keine Chance, es ist Sonntag und alles ist geschlossen. Also ging es wieder auf die Autobahn und ab nach Rabat, das wir zu einer angenehmen Zeit erreichten, wo man noch wirklich etwas unternehmen kann. Und trotzdem reicht ein solcher Nachmittag nicht aus für einen Besuch dieser wirklich schönen Stadt. Vor allem seit Mohammed VI ist hier wirklich viel geschehen, das Flussufer vor der Ouadaia Kasbah ist ein richtiges Ausflugsziel für Einwohner und Fremde geworden und an diesem Sonntag fand sogar eine Kirmes statt. Die Ruderboote nach Salé waren ständig im Einsatz, die Überfahrt kostet nur 2,5 Dirham und lohnt sich selbst, wenn man Salé nicht besichtigen will, sondern gleich zurück fährt. Ich hatte einen langen Bummel gemacht, zunächst durch die geschäftige Medina, dann über den Jahrmarkt hinauf zur Kasbah, die gerade in den Abendstunden in einem wunderbaren Licht liegt. Die Semaphore Terrasse ist beliebt bei Jung und Alt für einen Spaziergang und gerade der Sonnenuntergang lässt sich hier prächtig genießen.

Als ich wieder zurück in mein Riad kam, schenkte ich mir mein Abendessen, labte mich dafür an dem bereit gestellten Obstteller und fiel erschöpft ins Bett. Endlich mal schlafen!