Dar Azawad – Wohnen wie eine Königin

Kurz vor Mhamid, am Tor zur weiten Wüste, gibt es das Hotel Dar Azawad. Es wurde irgendwann nach der Jahrtausendwende erbaut, ich war zum erstenmal im Jahr 2005 dort. Es ist wunderschön. In einem großen, blühenden Garten liegen einzelne Gebäude, jeweils mit ein bis zwei Suiten, und die sind mit unglaublichem Geschmack eingerichtet. Kleine erlesene Details aus marokkanischem Kunsthandwerk runden die Inneneinrichtung ab. Und der Service unter französischer Leitung war einfach fantastisch. Es war so schön, dass im Jahr 2009 sogar Königin Sofia von Spanien auf einer Marokkoreise dort in der Suite Nr. 15 wohnte und sehr begeistert war.

Doch dann kam es zu einem Besitzerwechsel, die Franzosen gingen weg und zunächst fiel der Standard des Hauses um ein paar Stufen. Jahre vergingen. Dann wurde das Anwesen von den Besitzern des nahe gelegenen Hotels Chez Le Pacha gekauft. Ich wohnte nun zwei Tage dort, um mir ein Bild vom heutigen Zustand zu machen. Nein, in der Suite Nr. 15 habe ich nicht gewohnt, aber in der Nummer 16, und die ist auch schön und für mich eine Person mehr als ausreichend. Was mich gleich zu Beginn angenehm überrascht hat war der freundliche Service. Kein Wunder, denn fast das gesamte Team vom Beginn arbeitet noch immer in diesem Hotel. Ich wurde mit eisgekühlten Tüchern zur Erfrischung empfangen, bekam Tee und Kuchen. Das Hotel hat sehr schöne Empfangsräume, hier kann man sich richtig wohl fühlen. Aber dann ging es zu meiner Suite. Dazu muss man über lauschige Pfade wandeln, in den Bäumen zwitschern Vögel. Meine Suite bestand aus einem Wohn- und einem Schlafbereich, aber witzig war das Badezimmer, dort gab es eine kleine Insel in der Mitte mit Waschbecken und Dusche. Ich habe mir noch einige andere Zimmer angesehen, sie sind weitgehend im gleichen schönen Stil geblieben wie zur Eröffnung und die Abrundung bildet natürlicher der Spa mit Hammam. Hier ist ein Video mit einer Vorstellung des Dar Azawad.

 

Die netten Endurofahrer aus Österreich

Bonjour Edith, wenn man so von der Polizeikontrolle angesprochen wird, dann gehört man doch langsam dazu, oder? Es ist einfach richtig schön hier und ich möchte am liebsten ganz hier bleiben. Vorgestern Abend war es ja eher öde, zwei Ehepaare deutscher Herkunft, aber so langweilig. Da kam einfach nichts zustande und ich ging früh ins Bett. Aber dann, gestern Abend! Das war bisher der Höhepunkt. Wir hatten ziemlichen Sandsturm und mittendrin fuhren vier Enduros in den Hof, schwer beladen mit Gepäck, aber auch mit den kräftigen Fahrern. Ein Blick aufs Nummernschild zeigte, sie kommen aus Österreich. Klar dauerte es da nicht lange, bis ich bei ihnen am Tisch saß. Die Biere kamen in einer Reihe und wir unterhielten uns prächtig. Sie waren aus Merzouga gekommen und ich hielt es natürlich für selbstverständlich, dass sie über die südliche Piste gefahren sind mit den schönen Maschinen. Ich habe sie dafür bewundert, dass sie die lange Strecke in relativ kurzer Zeit geschafft hatten. Doch dann kam ihr Führer, ein Freund, der vor 20 Jahren mal in Marokko war und gerne Piste gefahren wäre. Doch gab es ein paar Angsthasen in der Gruppe und sie entschieden sich, Asphalt zu fahren. Wolfgang, der Führer, war schon ein wenig traurig und wollte daher unbedingt nach Foum Zguid über Piste.

Doch zunächst ging das Gespräch über allerlei und schließlich erzählten sie, dass sie schon in Taouz von einem Führer angesprochen worden waren. Er hatte ihnen zur Legitimation seines Könnens einen Reiseführer gezeigt, in dem er empfohlen wurde, er heißt Mohammed. Okaaay. Dann ist ja alles klar. Auch er hatte ihnen schon angeboten, einen Pickup zu besorgen und sie zu begleiten, aber der eine Angsthase traute sich nicht, doch sie tranken zumindest Tee bei Mohammed und seiner Familie. Und Mohammed Ouattou? Ja klar kenne ich ihn. Und empfehle ihn sehr in meinen Büchern. Und selbstverständlich war es mein Buch, das er ihnen gezeigt hat. Es war ganz klar, die Jungs wollten sofort von mir dieses Buch kaufen und eine Widmung darin haben. Ich komme mir selbst schon blöd vor, wenn ich dauernd auf meine Bücher hinweise, ich sehe mich schon fast als so narzisstisch wie Trump, aber es ist einfach eine Tatsache, es geht hier ziemlich viel um diese Bücher und immer bekomme ich sehr viel Lob. Auch sie werden sich in die Schlange einreihen, wenn das neue im Dezember/Januar herauskommt, denn sie wollen auf jeden Fall noch einmal nach Marokko.

Doch noch gibt es das Problem Piste nach Foum Zguid zu erörtern. Sie arbeiten strikt nach Navi-Karten, und das zeigt ihnen eine Straße von Mhamid über Tagounit und die Zaouia nach Foum Zguid. Einerseits ist dies ein ziemlicher Umweg, andererseits ist diese Piste üble Schotterpiste und schön auch nicht. Schön ist nur die Piste über Chegaga, aber auch sehr sandig. Und davor haben sie Angst. Ich finde schließlich die Lösung für das Problem. Ein Pickup wird am Morgen hier sein und sie begleiten. Zum einen kommt das gesamte Gepäck da rein, vor allem aber dient das vorausfahrende Auto aber auch als Pistenführer und Omar wird ganz klar die Piste suchen, die am wenigsten Sand hat. Und wenn wirklich ein oder zwei unterwegs aufgeben kommen die Bikes hinten auf die Ladefläche.

Nach einem sehr lustigen Abend gehen alle früh ins Bett, um ausgeruht zu sein und schon früh am Morgen treffen wir uns zum Frühstück. Auch Omar ist lange vor der Zeit da. Das Gepäck wird aufgeladen und dann geht es zur Tankstelle. Eine solche gibt es zwar nicht in Mhamid, aber Treibstoff aus Fässern ist da. Alle tanken voll und ich begleite die Gruppe bis zum ersten Sand. Unterwegs verliert einer schon seine Wasserflaschen. Na, das fängt ja gut an. Aber ich bin so froh, dass sie sich entschlossen haben, einen Führer mitzunehmen. Das wird klar gehen, aber ich hätte so meine Zweifel, wenn sie alleine gefahren wären. Mittags um eins bekomme ich Bescheid, sie sind gerade auf dem Lac Iriki. Und haben damit den Sand hinter sich gelassen. Und wohl auch alle sitzen noch auf den Bikes.

Ach, was war das für eine nette Truppe.

Und hier ein Link zum Video über den Start:

Leben im Hotel

Ich weiß, viele haben sich gefragt, was ist denn mit der Edith los, sie schreibt ja überhaupt nichts mehr. Aber ich musste eine Auszeit nehmen, um mein Buch fertig zu schreiben und an die Druckerei zu senden. In der kurzen Zeit, die ich in Deutschland sein werde, muss es geliefert werden, damit ihr im Dezember/Januar die neue Ausgabe in der Hand halten werdet. Und dazu bin ich in die Kasbah Sahara Services gefahren und lebe nun mein Leben in einem Hotel, wie so manche Prominente das auch schon getan haben.

Und ganz ehrlich, es hat viele Vorteile. Nicht nur brauche ich mich nicht um Kochen oder sauber machen zu kümmern, vor allem habe ich immer tolle Gesellschaft. Jeder Tag ist spannend, wer kommt denn heute? Und ich habe schon so viele interessante Menschen kennengelernt. Wenn man den ganzen Tag arbeitet gibt es nichts Schöneres, als am Abend mit netten Leuten zusammenzusitzen. In meine Wohnung in Taunusstein kommt niemand, aber hier ist immer jemand.

Mal überlegen. Zuerst kam ein Geländewagen mit Dachzelt aus der Schweiz. Eine Familie mit zwei Kindern und zwei großen Hunden und alles passte irgendwie in den Wagen. Sehr nette Leute, Pistenfahrer, die schon oft in Marokko waren. Auch Reiseführer dabei hatten, aber mein Bücher noch nicht kannten. Nun kennen und kaufen sie sie.

Dann waren da die zwei jungen Mädchen aus Österreich. Eigentlich sahen sie aus, als hätten sie gerade die Schule fertig gemacht, aber in Wahrheit hatten sie bereits das Medizinstudium abgeschlossen, ein neunmonatige Assistenzzeit im Krankenhaus hinter sich und wollten nun erst einmal die Welt sehen, bevor sie sich auf eine Fachrichtung festlegen. Sie hatten am Tag zuvor die Kasbah in Agdz besichtigt, aber wenig über die Geschichte erfahren, denn in anderen Reiseführern steht nichts darüber und die Führung war in Französisch. Als sie meinen dicken Reiseführer sahen, wollten sie ihn sofort haben. Und als ich meinen Freund Anouar anrief stellte sich heraus, ja, die Führung war von seinem Vater gemacht.

Dann kamen meine zwei Kundinnen, die eine Rundreise ab Marrakech bei mir gebucht hatten

www.marrakechtours.de

Sie hatten den Abend zuvor in dem eleganten Riad Dar Sofian in Zagora verbracht, aber auch in der Kasbah Sahara Services gefiel es ihnen sehr gut, wenn wir auch nur das Mittagessen zusammen einnahmen. Sie haben bei mir die Filmtour gebucht, wo man einige Stätten besichtigt, an denen berühmte Filme gedreht wurden. Daher hatten sie auch in der Casbah-des-Arts genächtigt, die von dem Filmproduzent Kamal el Kacimi restauriert wurde. Den hätten sie natürlich gerne einmal persönlich getroffen. Aber wozu gibt es facebook? Im Nu hatten wir den Kontakt hergestellt und die Beiden sind nun mit Kamel für Sonntag verabredet.

Danach habe ich ihnen noch ein wenig die Umgebung gezeigt, bevor sie dann auch zu einer Wüstentour aufbrachen. Ich habe hier ja meine geheimen Orte. Okay, nein, sie stehen natürlich auch in meinem Buch, aber wenn ich die Leute persönlich führe ist es doch etwas ganz anderes. Und das mache ich sehr gerne. Also kommt alle her.

Am nächsten Tag lagen zwei Männer am Pool, gerade angekommen, aus Hamburg. Auch mit ihnen kam ich ziemlich schnell auf Reiseführer zu sprechen. Sie hatten zwei, einer schön detailliert, der andere nicht so. Von wem ist der bessere? Wussten sie nicht, rannten aufs Zimmer, und, ja klar, es war natürlich mein Südmarokkoführer. Sie waren sprachlos, dass die Autorin nun ihnen gegenüber saß. Okay, nicht ganz so sprachlos, denn auch mit ihnen habe ich einen wunderbaren kommunikativen Abend verbracht. Und dafür, dass sie meinen Reiseführer „nur“ aus der Bibliothek ausgeliehen hatten, entschädigten sie mich mit einer Einladung zu einem Glas Wein. Am nächsten Tag wollten sie zu einer zweitägigen Wüstentour aufbrechen.

Doch zuvor saß noch ein Mann mit Wuschelkopf am Pool. Er telefonierte in Spanisch, verstehe ich nicht, aber ein Wort fiel, das ich als Mauretanien deutete. Nach dem Gespräch bin ich also sofort hin, fragte ob er auch Englisch spricht. Er antwortete, ja, aber ich spreche auch Deutsch. Er ist Argentinier, lebt aber sein einiger Zeit in Leipzig und ist mit einer Deutschen verheiratet. Hat drei Töchter, eine vierte ist auf dem Weg und von seiner Frau bekam er eine kurze Auszeit geschenkt, eine Woche Marokko. Die wollte er allein mit seinem Zelt in der Wüste bei Mhamid verbringen, hielt es aber nur zwei Tage aus in der Hitze, dann stolperte er zurück und wurde von Redouane halb verhungert aufgelesen, dem Manager der Kasbah. Er gab ihm einen super Preis und er bleibt nun zwei Tage. Wir setzten uns mit den zwei Männern aus Hamburg zum Abendessen zusammen und es war wieder ein einmalig schöner Abend, von dem man hier fast jeden Tag einen hat.

Am nächsten Tag fuhr ich dann mit einem Fahrer zum Erg Chegaga, um alle Biwaks zu sehen. Die kenne ich zwar schon zur Genüge, aber es hat sich viel verändert. Darüber werde ich in einem nächsten Blog berichten. Zunächst haben wir die drei Biwaks besichtigt, dann fuhren wir ins nahe gelegene Oued. Das ist ein sehr schöner Platz mit kleinen Sanddünen und schattigen Bäumen. Wenn man zwei Nächte in Chegaga bleibt kann man mit dem Kamel her reiten und hier ein Picknick machen, und hier fand ich auch meine zwei Freunde aus Hamburg. Zwar waren sie überrascht, mich plötzlich zu sehen, aber auch nicht zu viel, denn das „Telefon Arabe“, das schon vor der Telefonie hervorragend funktionierte, hatte längst die Nachricht übermittelt, dass eine Frau zu ihnen auf dem Weg sei. Und dann haben wir drei ein herrliches Picknick unter einer weitausladenden Tamariske gehalten.

So schön, ein neuer Marokkofan

Am Anfang meiner Reise hatte ich in Essaouira auf dem Campingplatz Le Calme einen älteren Herrn getroffen, ich habe es hier kurz geschildert:

http://marokkoblog.edith-kohlbach.de/imsouane/

Er war mit so gut wie keinen Informationen nach Marokko gekommen und wollte eigentlich nur die großen Städte besuchen, der Süden interessierte ihn überhaupt nicht. Rabat, Marrakech, Agadir, Fes, Meknes, das waren so seine Punkte. Ich konnte ihm, der ein wenig verloren wirkte, insofern helfen, dass ich ihm eine Marokkokarte auf sein GPS aufspielte und einen Campingführer verkaufte. Das Reisehandbuch wollte er nicht, da er ja nur in die Städte wollte. Ich traf ihn noch kurz in Imourane, wo er über meinen Campingplatztipp recht froh war, dann hörte ich nichts mehr.

Heute bin ich nun in Tinerhir und traf mich mit Hussein, der den Tinerhir Besuchern gut bekannt ist, weil er immer auf dem Camping Ourti zu finden war und gut deutsch spricht. Und da erzählte er mir, dass er vor genau einer Woche einen Deutschen traf, der am Stock ging. Er war mit dem Taxi vom Camping Soleil in die Stadt gekommen und an Hussein geraten. Als er dann hörte, dass es der gleiche Hussein ist, den ich in meinem Buch empfehle, war er begeistert. Und ich bin noch mehr begeistert. Es ist genau dieser Deutsche, den ich in Essaouira getroffen habe, und der hat den Mut aufgebracht, in den Süden zu fahren. Ganz offensichtlich hat ihm mein Campinggführer Appetit gemacht. Das freut mich so sehr. Für mich ist Marokko das der kleinen Dörfer, der ländlichen Regionen, nicht der Städte, und ich würde mich freuen, ihn noch einmal zu treffen. Denn er wollte tatsächlich weiter in die Wüste, was er zu Anfang noch kategorisch abgelehnt hat. Aber ich glaube, das ist sehr typisch für einen Marokko-Neuling.

Höllenfahrt mit Ali vom Ksar Bicha

Heute früh war ich mit Ali vom Ksar Bicha verabredet, der mir zeigen wollte, wo nun seit der großen Änderung seine Wüstenbiwaks sind. Bisher gab es inmitten der Sanddünen viele feste Camps, aber die wurden nun verboten. Und damit wir alles gut erreichen können stand Ali mit seinem Buggie bereit. Bisher bin ich schon Quad gefahren, diese geländetauglichen Motorräder mit vier Rädern, aber immer nur hinten drauf, eine kurze Probefahrt zeigte mir, dass ich nicht dafür gemacht bin. Diesmal also Buggie. Hier wird Sicherheit groß geschrieben, es gibt einen Helm und einen Sicherheitsgurt. Man kann bei Ali auch eine Tour mit einem solchen Gefährt buchen und selbst fahren, aber es gibt Regeln zu beachten und es ist immer ein Führer dabei. Ich nahm also auf dem Beifahrersitz Platz. Nun bin ich über die Jahrzehnte natürlich genug Wüstenpisten gefahren, auch sandige, blieb auch mal stecken, aber immer habe ich mir die einfachste Passage gesucht. Ali macht etwas ganz anderes, er sucht immer die höchsten Dünen aus, die danach scharf abfallen, was man vor allem nicht einsehen kann. Mit vollem Karacho also den Dünenberg hinauf, über uns nur der Himmel und dann geht’s abwärts. Es macht Spaß, daneben zu sitzen, aber ein ganz klein wenig Angst habe ich schon. Ali zeigt mir die schönsten Stellen, zeigt mir, wo seine Gästen hinreiten, um den Sonnenuntergang zu bewundern, ich sehe den leeren Platz des alten Camps und die Reihe der neuen Biwaks hinter den Dünen. Sie müssen nun etwas Abstand vom Sand halten, nicht nur, um die Natur zu schützen, ich vermute, man denkt auch an einen Notfall. Ein Gast, der vom Kamel stürzt und ein Krankenwagen muss anfahren, aber auch – Gott möge es verhüten – ein Anschlag. So etwas ist noch nie vorgekommen, aber die Marokkaner sind vorsichtig. So mittendrin könnte man nichts machen. Die wilde Fahrt ist einfach toll. Muss natürlich sagen, dass ich im Grunde gegen die Dinger bin, wegen dem lauten Knattern und der Natur. Aber ich glaube, es gibt kaum jemand, der wenn er darauf sitzt, nicht doch total begeistert ist. Von Angsthasen mal abgesehen.

Wir kommen in Alis Lager an, das wirklich einen schönen Platz hat. Nicht in den Dünen, wie vorgeschrieben, dennoch mit herrlichem Blick darauf und vor allem, keine direkten Nachbarn. Es gibt andere Stellen, da sind auf 100 Meter fünf Camps und die Generatoren dröhnen. Ali hat ein Standard und ein Luxuscamp direkt nebeneinander. Sehr schön.

Wir wollen zurück. Er sagt, du fährst! Ich? Kann ich nicht. Doch kannst du, du folgst einfach immer nur den Spuren.

Okay. Also wieder Helm auf und los. Ein bisschen Angst habe ich schon, vor allem wenn ich seitlich schräg am Abhang hänge. Und dann die hohen Dünen. Ich muss auch da hinauf. Natürlich mit Karacho, weil ich sonst nicht rüber komme. Bin ich zu langsam muss ich zurück und einen neuen Anlauf nehmen. Ein eigenartiges Gefühl, mit voller Wucht hochzubrausen und nicht zu wissen, was dahinter kommt. Aber die anderen Spuren vor mir haben es ja wohl geschafft und Ali will seinen Buggie auch nicht verlieren. Ich bin mir nicht sicher, ob es jetzt einfacher oder schwieriger als Fliegen ist, irgendwie habe ich mich als Pilotin im kleinen Flieger doch sicherer gefühlt. Hier wie dort kann man hart landen.

Ein Traum. Es war superschön und ich danke Ali, dass er es mir zugetraut hat.

Wüstenausflug am Erg Chebbi

Wer hat nicht den Traum, einmal eine Nacht in der Wüste zu verbringen, mit dem Kamel über die Dünen zu reiten, den blau verschleierten Jungs beim Trommeln zuzuhören und unter dem Sternenhimmel zu schlafen. Es ist ein Erlebnis und wird es immer sein. Und dennoch bringt dies Probleme mit sich. Für die Anwohner, weniger für die Touristen.

Ich kannte Merzouga noch als ein verschlafenes Dorf mit einigen Lehmhütten. Es gab lediglich das sehr einfache Hotel Merzouga, die Zimmer hatten nur Betten, auf dem Gang Klo und Dusche. Klimaanlage? Es gab noch nicht mal Strom. Vor den Dünen waren drei Cafés, auch ohne Strom und Wasser, dort herrschte aber eine super Atmosphäre. Wenn man dort schlafen wollte musste man es entweder auf den Sitzpolstern tun oder in einem kleinen Zelt hinter dem Haus, wozu man natürlich seinen eigenen Schlafsack brauchte. Aber es war toll.

Das war 1986. Heute sind wir 33 Jahre älter und gut 100 Hotels reicher. Alle haben Strom, alle haben Wasser, die Klimaanlagen surren und es gibt einen erfrischenden Pool. Eine Zeitlang waren die gut gefüllt. Die Touristen kamen und blieben ein paar Tage, aßen in den Restaurants, kauften mal einen Teppich und buchten einen Ausflug in die Wüste. Daran konnten viele verdienen und es war gut so, wenn auch der Luxus einiger Hotels für diese Abgeschiedenheit etwas zu groß war. Trotzdem, die einfachen Auberges gab es noch und die Stimmung dort war besser, denn dort wurde abends auf die Trommeln gehauen, was das Zeug her gab.

Doch dann kamen immer mehr Touristen nur für eine Nacht. Und die soll natürlich in der Wüste verbracht werden. Das führte dazu, dass viele Hotels nur gering gefüllt sind, aber in den Dünen immer mehr Biwaks entstanden. Feste Biwaks, die Zelte mit Betonuntergrund und die Ausstattung immer luxuriöser. Seit neuestem sogar mit Klimaanlage, der Strom kommt aus Solarpanelen. Und natürlich hat jedes Luxuszelt ein vollwertiges Badezimmer, oft noch besser eingerichtet als die Hotels. Zählen kann man diese Camps nicht mehr, es sind sicher 200 – 300, da fast jedes Hotels Biwaks anbietet und dann getrennt nach Standard und Luxus. Diese Gäste kamen nie in den Ort, kauften nichts, aßen nicht in den Restaurants. So verdienen nur wenige.

Lange haben die Behörden dem tatenlos zugesehen. Für ein Hotel brauchte man eine Erlaubnis, für ein Biwak nicht. Also wurden immer mehr aufgeschlagen. Doch seit 2019 ist damit Schluss. Alle Camps mitten in den Dünen, das waren vor allem die Standardcamps, mussten abgebaut werden. Regeln wurden aufgestellt. Jedes Biwak muss mindestens 200 Meter von den Dünen entfernt sein, um die schöne Natur nicht immer mehr zu zerstören. Der Erg ist ja ziemlich klein und Biwak an Biwak tut der Natur nicht gut. Aber die Camps müssen auch für Notfälle anfahrbar sein. Das hat für sehr viel Verunsicherung gesorgt, kein Veranstalter wusste mehr so recht, wo er hin soll. Und es muss nun eine Erlaubnis beantragt werden. Leider sind die Vorschriften noch ziemlich vage, in der Zukunft soll noch einiges geändert werden, so dass die Biwakbetreiber nicht recht wissen, was genau sie machen sollen/können.

Im Moment ist die Sachlage so, dass sowohl vor als hinter dem Erg Biwaks sind. Viele sehr dicht nebeneinander, so dass man den Generator und die Musik vom Nachbarn hört. Eine Tour sieht in der Regel nun so aus:

Ist das Biwak nahe der Auberge vor den Dünen, so reitet man zunächst mit dem Kamel 40 – 60 Minuten in die Dünen, um den Sonnenuntergang zu erleben; dann geht es zum Camp. Dort hat man dann die Wahl zwischen Standard und Luxus. Standard bedeutet Zelt nur mit Betten, Klos sind draußen. Das Luxuszelt hat bequeme Betten wie ein Hotel, oft noch schöne Möbel und Sitzecken und ein vollwertiges Bad mit WC und Dusche. Standard kostet etwa 40 – 50 Euro für die Nacht mit Halbpension und Kamelritt, Luxus etwa 100 Euro, pro Person. Wenn das Biwak in der Nähe der Auberge ist hat man auch städtischen Strom und Wi-Fi, was ja leider für viele auch im Urlaub unverzichtbar ist. Und Auberge du Sud bietet sogar Klimaanlagen.

Ist das Biwak jedoch auf der anderen Seite der Dünen, wo ja keine Hotels sind, dauert der Kamelritt zwei Stunden. Die Gäste haben meistens die Wahl, ob sie alles reiten wollen, oder eine Stunde Kamel und den Rest mit dem Auto. Vor allem am Morgen sieht man die Kamelkarawanen ohne Reiter zurücklaufen, weil die Gäste ja schnell weiter müssen und mit dem Wagen abgeholt werden. Es gibt ein Dünental von einer Seite zur anderen, das niedriger ist und wo sich nun viele Karawanen und Fahrzeuge begegnen, die Einsamkeit der Wüste findet sich hier nicht.

Und genau deshalb bietet Ali vom Ksar Bicha nun eine dritte Möglichkeit an. Zurück zu den Ursprüngen. Ein Paar bucht zum Beispiel eine solche Tour, um die Einsamkeit der Wüste zu erleben. Sie besteigen zwei Kamele, ein Packtier trägt ein echtes Nomadenzelt und den Hausrat und ab geht es wie die richtigen Nomaden und hinein in die herrlichen Sanddünen. Feste Biwaks sind hier nun verboten, aber nicht, nur für eine Nacht sein Zelt aufzubauen und am Morgen ohne Spuren zu hinterlassen wieder wegzureiten. Eine solche Tour ist etwas teurer als Standard, weil der Aufwand höher ist, aber hier erlebt man die richtige Wüste und die Einsamkeit, hier sucht man sich einfach ein schönes Plätzchen und bleibt für die Nacht.

So schön das ist, und ganz ohne Luxus und Hilfsmittel, es bleibt abzuwarten, wie es weiter geht. Denn wenn es jeder machen würde wäre die Wüste auch wieder voll und die Toilette ist ja in freier Natur und kann nicht entsorgt werden.

Erfoud – Merzouga

Ich habe im Vallée de Ziz übernachtet, ein kleines Gästehaus auf dem Weg nach Merzouga. Dort wurde ich nett empfangen und bekam das letzte Zimmer. Als es dann am nächsten Morgen weiter nach Erfoud ging, war es noch ziemlich früh und von meinen Bekannten war niemand zu finden. Ich rief Seddiq an vom Restaurant des Dunes und er kam gleich vorbei. Mein Computer machte mir ziemliche Sorgen, Windows will ein neues Update herunterladen und schon im Vallée de Ziz habe ich ein paar Stunden daran gehangen. Auch hier im Restaurant geht es nicht wirklich und ich will abbrechen. Doch dann will der Computer wieder alles rückgängig machen und er hängt schon wieder. Das macht mich ziemlich nervös, ich brauche den PC sehr, muss doch hier mein Buch fertig schreiben. Ich verliere die Geduld und Seddiq fragt mich, ob ich im Xaluca übernachten will. Nur zu gerne, das Hotel ist einfach ein Traum. Ich packe das dumme Ding ein, fahre zum Xaluca und offensichtlich fühlt sich auch der Computer dort pudelwohl, denn er entscheidet sich, wieder zu arbeiten. Ich habe eine tolle Suite mit Schreibtisch und schnellem Internet, mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein, obwohl das Hotel noch viel mehr bietet. Vor Jahren ist ein Spanier mit einer lokalen Familie eine Partnerschaft eingegangen, eben Seddiq und seine Brüder, und er hat es nicht nur verstanden, ein wunderschönes Hotel zu errichten, sondern er versteht sich auch aufs Marketing. Das Hotel brummt, ständig müssen neue Zimmer angebaut werden und zu der Gesellschaft gehören etliche Unterkünfte in Merzouga und auch ein Hotel in Boumalne de Dades. Und alle sind wunderschön und brauchen nicht nach Gästen zu jammern.

Aber nach zwei Tagen Luxus geht es weiter nach Merzouga. Ali Mouni, ein alter Freund, wartet auf mich, ihm gehört das Nomad Palace. Ich treffe ein, es ist Sonntag vormittag, und es gibt weder Strom noch Internet und auch von Ali erstmal keine Spur. Da hilft es auch nicht, dass ich gleich ein Zimmer bekomme, ohne Strom bin ich aufgeschmissen. Am liebsten würde ich sofort wieder wegfahren, aber Edi Kunz, ein guter Bekannter, mit dem ich über Mauretanien sprechen will, soll am Abend mit einer kleinen Reisegruppe kommen. Dann kommt auch Ali, und ich kann meinem Ärger richtig Luft machen. Jeder erzählt über den Stromausfall etwas anderes, aber es scheint tatsächlich so zu sein, dass Sonntags in der Gegend um Merzouga immer der Strom abgestellt wird. Und das zu einer Zeit, wo mein Mitarbeiter auf Urlaub ist und ich für die Vertretung alle Bestellungen vorbereiten muss, Internet absolut notwendig. Vor allem Amazon-Bestellungen müssen sofort erledigt werden, sonst gibt es Strafpunkte.

Wir treffen Max, einen deutschen Bekannten, er hat eine Freundin dabei, Dana. Ich lade sie ein, mit ins Hotel zu kommen und den Pool zu benutzen, so habe ich wenigstens etwas Gesellschaft. Und am Abend gehen wir alle zum Hügel über dem Flamingosee, das ist Tradition, dort schaut man sich den Sonnenuntergang an und trinkt was dazu. Der See hat nur selten Wasser, aber es hat ja geregnet und es ist einfach ein schöner friedlicher Platz.

Zurück im Hotel ist Edi eingetroffen und wir sitzen zum Abendessen zusammen. Also wenn Edi mit mir spricht verstehe ich ihn ja gut, aber wenn er mit seinen Schweizer Reiseteilnehmern in SchwyzerDütsch parliert, verstehe ich kein Wort. Edi ist am Hotel Tombouctou in Tinerhir beteiligt, lebt zum großen Teil auch in Tinerhir, aber er veranstaltet auch spezielle Reisen, vor allem mit besonderen Zügen. Den Desert Train im Osten Marokkos hat er im Angebot, aber auch eine Reise mit dem Erzzug in Mauretanien, so quatschen wir noch eine ganze Weile über dieses Land.

Iche – Marokkos Osten

Für die Aktualisierung meines Buches fahre ich diesmal in den Osten Marokkos. Obwohl ich über diese Region einen Extra-Band herausgegeben habe und es dort wunderschön finde, fahre ich nicht gern hin. Es mangelt einfach an touristischer Infrastruktur und auch an dem Know-How, wie man sich um Touristen kümmert. Ideal ist der Osten Marokkos dagegen für die Wohnmobilfahrer. Hier finden sie eine wundervolle Landschaft ohne jede Belästigung und herrliche Möglichkeiten zum Freistehen, denn Campingplätze gibt es so gut wie nicht.

Mohammed Allal ist mein Ansprechpartner für Iche. Seit Jahren kontaktiert er mich und bittet, dass ich doch wieder mal vorbei schaue, es hätte sich so viel getan in Iche. Und schließlich sei ich es ja gewesen, die den Tourismus in Iche gefördert habe durch meine Sonderausgabe. Vorher kannte niemand den Ort, auch die Marokkaner nicht. Diesmal schiebe ich es also ein. Gern tue ich es nicht, denn ich wohne gerne angenehm und weiß, das ist dort nicht möglich.

Schon seit Jahren erzählt mir Mohammed, dass die Dorfgemeinschaft ein Gästehaus erbaut hat, sogar mit Pool. Darauf könnte ich mich ja freuen, aber nicht so richtig. Irgendwie habe ich meine Zweifel. Seit einer Woche war mein Besuch angekündigt und Mohammed hat mir gesagt, ein Zimmer sei für mich vorbereitet. Ich fahre also über 400 km auf der immerhin sehr schnellen Straße und erreiche Iche gegen 14 Uhr, nicht ohne zuvor xmal von Mohammed angeschrieben worden zu sein, wo ich denn wäre. Als ich eintreffe lädt er mich in sein neues Haus, zuvor hat er im alten Ksar gewohnt, und stellt ein Mittagessen auf den Tisch. Das ist ja nett. Ich sage, dass ich vorhabe, zwei Tage zu bleiben. Irgendwie schluckt er, ich weiß nicht recht warum. Er meint nur, so viel gäbe es ja nicht zu sehen. Was eigentlich nicht stimmt, es gibt eine Menge zu sehen, aber das meiste kenne ich schon. Dann führt er mich zu meiner Unterkunft. Auch das ein neues Haus, er ist an seines angebaut und soll an Gäste vermietet werden. In einem Raum ein alter Stuhl, ein Plastiktisch und ein schmales Bett. Was wenn ein Paar kommt? Vielleicht wurde das Bett für mich erst rein gestellt. Darauf ein Betttuch hingeworfen und zwei schreckliche Kissen mit Kunststoffüberzug. Okay, ich habe Betttuch und Kissen im Auto, geht schon. Das Klo ist zwar überraschenderweise sauber, aber es ist ein Stehklo. Das fällt mir doch etwas schwer. Dazu ein Waschbecken, keine Dusche. Dafür gibt es einen Wassereimer. Aber dann die Küche. Der Wasserhahn dort ist abgebrochen, geht nicht, und auf der Spüle liegen Abfälle rum, die sicher schon wochenlang da sind. Knoblauchzehen und Zwiebel fallen zusammen, als ich drauf drücke. Als ich später Mohammed andeute, wie schmutzig es war, entschuldigt er sich, er hätte ja keine Zeit gehabt. Ich habe dann mit den wenigen Mitteln, die da waren, sauber gemacht, es dauerte nicht mehr als 10 Minuten. Gut, er wusste ja erst seit einer Woche von meinem Besuch. Hat Zeit genug gehabt, mich xmal anzuschreiben. Hätte sauber machen können, als die letzten Gäste vor Monaten abgereist sind.

Dann aber zeigte er mir die von der Gemeinde gebaute Auberge. Ein schönes Haus von außen, es hat sogar einen Pool, aber es ist kein Wasser drin und die Kacheln fallen bereits ab. Und es ist noch geschlossen. Man hätte kein Geld für Möbel. Aber bald, bald. Das sagt er schon seit Jahren. Dann zeigt er mir ein Haus, das ein Maison d’Hote werden soll. In spätestens drei Wochen sei es fertig. Das Haus ist Baustelle, von Arbeitern keine Spur, der Garten, der mal Camping werden soll ist voller Müll und Bauschutt. Vielleicht im nächsten Jahr, aber nur vielleicht. Das ist einfach das Problem in Iche, sie haben wundervolle Naturressourcen, aber keine Ahnung vom Tourismus.

Mohammed zeigt mir dann noch Felsgravuren. Es gibt sehr viele um Iche und Figuig herum, mehr als an anderen Orten. Einige hatte ich schon gesehen, diese nicht. Sie sind wunderschön, und auch die Landschaft, in der sie liegen. Es gäbe so viel schönes hier. Trotzdem stimme ich Mohammed zu, dass eine Nacht vollkommen reicht. Das neue Fenster in meinem Zimmer hätte ich zwar öffnen können, aber der Rollladen davor ließ sich nicht bewegen und hätte keine Luft gebracht. Also habe ich die Tür aufgelassen, einige Dinge davor gestellt, die Lärm machen, falls jemand reinkommt. Aber das ist wieder das Gute am Osten, die Menschen sind ehrlich und zurückhaltend. Fahrt in den Osten, es ist schön, aber nur mit eurem eigenen Schlafzimmer.

Und auch die gute Piste, die von Iche nach Figuig führt, zeigte eine herrliche Landschaft, vor allem für mich im Morgenlicht glänzte sie goldgelb. Ein Traum. In Figuig dann gibt es einige Gästehäuser, und dennoch will ich nicht bleiben. Ich will nach Hause!!!! Nach Hause bedeutet nun für mich ins Tal des Ziz und Merzouga, hier warten schon viele Freunde auf meinen Besuch.

Franzosen mit Wohnmobil Dades – Todra?

Am Abend kam noch ein französisches Ehepaar mit Wohnmobil auf den Platz. Es gefiel ihnen auch sehr gut und sie wurden an der Hotelrezeption der Kasbah D’Idis mit Tee und Nüsschen empfangen. Ich finde es toll, wie hier Camper und Hotelgäste gleichermaßen freundlich empfangen werden. Wir unterhielten uns ein wenig übers woher und wohin und sie sagten, sie wollten in die Dades-Schlucht rein und rüber zur Todra. Ich war schon ziemlich geschockt. Sie hatten die Michelinkarte, sonst wohl keinen Reiseführer mit Routenbeschreibungen wie mein Reisehandbuch. Und sie dachten, dies ist eine richtige Straße und man kann sie fahren. Gut, ich habe sie aufgeklärt, weiß aber trotzdem nicht, ob sie meinen Rat beherzigen oder es doch versuchen. Geht aber nicht. Schon vor dem Regen war die kurze Verbindung nach Tamtatouchte völlig kaputt und selbst für 4×4 grenzwertig, nach dem Regen geht gar nichts mehr. Die obere Verbindung über Agoudal ist ja besser, aber trotzdem würde ich zu PKW notfalls ja sagen, zu Wohnmobil niemals. Und nach dem Regen ist sie auch nicht besser geworden. Zum Trost habe ich ihnen die schöne neue Straße über Bab-n-Ali nach Nekob angeboten.

Dann ging es zum Abendessen, es war lecker, und ich durfte auch meine Rotweinflasche auf den Tisch stellen. Auch das Frühstück war sehr gut mit Omelette. Ich kann das Hotel samt dem Campingplatz also nur empfehlen. Vom folgenden Tag gibt es wenig zu berichten. In Tinerhir ist ja der Camping Ourti zu, aber ich habe eine schöne Alternative gefunden. Allerdings müsst ihr darauf noch etwas warten, es sind Besichtigungen nötig und ich hatte keine Zeit. Später werde ich noch einmal nach Tinerhir kommen und alles Nötige veranlassen. Und nun bin ich bei Thomas in Errachidia und mache mal eine Pause.

Und für alle, die nicht wissen, welche Straßen befahrbar sind, mein Reisehandbuch ist ziemlich aktuell und zeigt es euch:

Reisehandbuch Marokko

So viel Neues zwischen Nekob und Dades

In Nekob wohne ich natürlich immer in der Auberge Chez Bassou, die hat auch einen Campingplatz. Aber leider waren überhaupt keine Besucher da. Dafür habe ich wieder die wunderbare Massage von Ibrahim genossen, er macht das super und ausdauernd, ich glaube, es hat eine ganze Stunde gedauert, aber wer schaut schon auf die Uhr. Er kann genau fühlen, wo gesundheitliche Probleme sind.

Dann ging es natürlich auf die neue Straße zum Bab-n-Ali. Diese ehemalige Piste kenne ich ja schon sehr lange, und sie war immer richtig schwer. In den letzten Jahren hatte man sie schon etwas verbessert, denn sie ist natürlich touristisch sehr wichtig, einfach wunderbare Landschaft, und nun ist sie für alle Fahrzeuge machbar. Die Serpentinen sind richtig breit ausgebaut, da kommen auch Dickschiffe rauf. An der Strecke liegen einige Herbergen und die schönste, die auf der Passhöhe Tizi-Tazazert, hat Pech gehabt. Die neue Straße geht wenige Meter an ihr vorbei. Zwar hat man eine Piste dorthin gebaut, aber das Haus ist eben von der Straße nicht mehr sichtbar, es wird von einem Felsen verdeckt, das wird doch viele davon abhalten, hier Halt zu machen. Dabei lohnt sich das. Diese Auberge ist die schönste an der Strecke und nun hat man ein neues Restaurant gebaut mit unglaublicher Aussicht. Auch Camping ist hier möglich. Okay, riesig sollten die Fahrzeuge nicht sein.

Hier zunächst ein Foto von 2013, der Rest von heute.

Nach dem Pass kommt man an die alte Straße und dort hat man die Wahl. Rechts nach Tinerhir oder links nach Boumalne. Eigentlich war ich ja völlig lustlos, muss morgen nach Errachidia, aber ich gab mir einen Ruck und fuhr dann doch nach Boumalne, also rückwärts. Einfach mal schnell in die Dades-Schlucht und schauen, wie der Straßenzustand ist nach dem heftigen Regen, der viel kaputt gemacht hat.

Zu Beginn der Straße steht dann auch ein Schild, das besagt, dass die Straße von 8 – 17 Uhr gesperrt ist wegen Bauarbeiten. Ich fuhr trotzdem. Und das war gut so, die Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen, die Straße auf. Es gibt zwar einige Campingplätze an der Strecke, die ich erst letztes Jahr angeschaut habe, also habe ich da keine Überraschungen erwartet. Aber da lag ich falsch. Das Hotel Tamelelt mit einem Stellplatz war geschlossen. Der Besitzer war schon vor einigen Jahren gestorben und irgendwie konnten sich die Söhne nicht einigen. Sicher macht es irgendwann wieder auf, aber nun ist es zu.

Genau gegenüber ist der Camping Pattes de Singe. Dort hat Said die Camper immer sehr freundlich empfangen. Nun musste ich erfahren, dass er im letzten Jahr verstorben ist. Aber sein Sohn führt den Camping weiter. Und auf dem Rückweg hielt ich dann bei der Kasbah d’Idis. Das Gebäude auf der Hügelspitze ist schon von weitem zu sehen, ich hatte es kurz nach der Eröffnung besichtigt, aber nun plötzlich steht da auch Camping auf dem Schild. Ja, da muss ich natürlich die kurze Piste hoch fahren. Und bin angenehm überrascht. Nicht nur hat man im letzten Jahr einen großen Piscine angefügt, nein, direkt davor ist auch ein schöner ummauerter Campingplatz mit toller Aussicht. Eine Tür führt zum Pool, und dort sind Duschen und Toiletten und Waschbecken mit warmem Wasser. Es gibt sogar eine Waschmaschine. Das ist nun ganz klar der beste Campingplatz in der Schlucht, den kann man empfehlen. Und ich bleibe gleich mal über Nacht hier und werde euch morgen berichten, ob auch das Essen gut ist.