Auf Spurensuche in Bad Kreuznach – 1954 bis 1958

Im Herbst 1954, ich war an Ostern gerade eingeschult worden, musste ich meinen Geburtsort Boppard verlassen und zog mit meinen Eltern nach Bad Kreuznach. Mein Vater arbeitete auf der Post und wurde öfters versetzt. Wir zogen in eine 3-Zimmer-Wohnung in einem Neubaublock gleich unterhalb des Friedhofs, erst viel später wies mich ein Klassenkamerad darauf hin, dass es ziemlich unheimlich ist, am Friedhof zu wohnen. Ich empfand das aber gar nicht. Die Wohnung, in der ich mir ein Zimmer mit meiner Schwester teilte, war „State of the Art“, sie hatte ein richtiges Badezimmer. Bis dahin hatten wir in Boppard im Einfamilienhaus meiner Großmutter zwei Zimmer bewohnt. Der einzige Klo war eine Etage tiefer, zum Waschen wurde die Spüle in der Küche benutzt und als Badewanne diente am Samstag eine Zinkwanne im Keller. Und auch der altmodische Kohleherd war gegen einen modernen Gasherd ausgetauscht worden, was mir als Kind jedoch ziemlich schnuppe war. Der alte Kohleherd hatte doch viele Vorteile. Es war immer warmes Wasser da und im Backofen lagen oft herrlich duftende Bratäpfel.

Die Zeit in Kreuznach war wild und wunderschön. Das Gelände unterhalb unserer Neubau-Siedlung war nicht bebaut und voller Unkraut, einen schöneren Spielplatz kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Nach den Hausaufgaben ging es sofort hinaus, die Nachbarskinder warteten schon und bis zum Abendessen sahen uns unsere Eltern nicht mehr.

Ganz wichtig waren damals die Amerikaner. Kreuznach hatte eine amerikanische Kaserne und die Soldaten waren ein bedeutender Bestandteil des Lebens. In der Amisiedlung waren die einzigen richtigen Spielplätze und an St. Martin klingelten wir dort mit unseren Laternen, denn bei den Amis gab es köstliche Süßigkeiten. Von Halloween hatte damals noch nie einer gehört. Meine erheblich ältere Schwester hatte dann auch irgendwann einen amerikanischen Freund, das war die absolute Spitze. Er kam öfter zu uns und brachte uns nicht etwa ein paar Süßigkeiten mit, sondern volle Kartons, die man sonst nur aus den Auslagen der Geschäfte kannte. Es war ja alles noch sehr kurz nach dem Krieg und eines Tages fand ich sogar mitten auf der Straße vor dem Friedhof eine richtige Pistole in einem Holster. Brachte sie gleich nach Hause und gab sie meinem Vater, was dann daraus wurde habe ich nie erfahren.

Wenn wir am Morgen in die Schule gingen verließen wir die Siedlung auf einem schmalen Fußweg den Berg hinab, also quer über unseren Abenteuer-Spielplatz und stießen gleich auf den mächtigen roten Kasten der Ringschule. Gefühlt waren das alles richtig lange Wege. Aber noch bevor es in die Schule ging stoppten wir natürlich an dem kleinen Ecklädchen genau gegenüber, eine ganz wichtige Institution. Wer es zu ein paar Groschen Taschengeld gebracht hatte konnte sich da mit Süßigkeiten eindecken und am beliebtesten war der rosa Bubble Gum, mit dem man so schöne Blasen erzeugen konnte. Was Besseres gab es nicht. Auf dem Pausenhof konnten wir dann vergleichen, welche Schätze jeder hatte und auch hier waren die Ami-Süßigkeiten die besten. Ich vergesse nie den Tag, als ein Mädel kleine Riegel mitbrachte, die sehr gut schmeckten. Wir erfuhren erst sehr viel später, dass es Hundekuchen waren. Aber toll war, dass wir an Fastnacht immer im Kostüm zur Schule kommen durften.

Ein für mich weniger erfreuliches Detail war die Kirche. Es war ja die Zeit, als meine Erstkommunion bevorstand. Einmal die Woche hatten wir in der Kirche Unterricht und am Samstag mussten wir  dorthin pilgern und beichten. Ich schrieb mir immer zu Hause einen Zettel mit meinen Sünden, damit ich sie nur ja nicht vergesse. Und dann bekam ich ein oder mehrere Vaterunser zur Buße auferlegt. Aber vor der Kirche stand ein wunderschöner Kiosk in Form eines Fliegenpilzes, dort konnte man sich ein Eis kaufen, wenn man es dann zu Geld gebracht hatte. Für kurze Zeit hatte ich eine gute Einnahmequelle entdeckt. Wenn ich morgens die Wohnung verließ standen im Hausflur immer die leeren Milchflaschen. Damals kam noch der Milchmann und stellte die gefüllten Flaschen vor die Tür. Das Geld dafür lag unter der Flasche. Und so bediente ich mich heimlich daran. Bis eines Morgens die Nachbarin am Türspion mich entdeckte und zu meinen Eltern schleppte, da nahm meine kurze Karriere als Meisterdiebin ein jähes Ende. Und ich konnte wieder eine neue Sünde beichten.

Aber der Gegenpool zu dem lästigen Beichten war natürlich die Erstkommunion. An schönen Kleidchen sparten meine Eltern eigentlich nie und so zogen wir ins beste Geschäft von Kreuznach und suchten ein herrliches weißes Kleid für mich aus. Dazu noch Kniestrümpfe mit Spitzen und weiße Ballerinas, ich fand mich unglaublich schön. Damals konnte man das Kleid zweimal anziehen. Das erstemal natürlich zur festlichen Erstkommunion, aber dann noch einmal zu der großen Prozession durch die Stadt an Fronleichnam.

Doch eines Mittags, als ich gerade aus der Schule kam, es war das vierte Schuljahr, waren meine Eltern ganz ernst und meinten, ich müsse meine Sachen packen. Wir ziehen um. Das war ein unglaublicher Schock. Alle meine Freundinnen blieben zurück und ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir das Leben je wieder Spaß machen könnte.

Gestern nun führte mich eine Erledigung nach Bad Kreuznach und ich beschloss, die alten Stätten aufzusuchen. Ich hatte meine Adresse als „In der Sandkaut 4“ in Erinnerung, direkt unterhalb des Friedhofs. Der freundliche Autohändler half mir bei der Recherche und schießlich fanden wir heraus, dass die Straße einfach nur Steinkaut hieß. Kreuznach ist gar nicht so groß und so konnte ich ganz gut dorthin schlendern. Ich fand meine Steinkaut und den Friedhof, aber das wilde Gelände unterhalb war weg, hier ist ein Wohnviertel mit kleineren Häusern entstanden, nur ein Kindergarten, den es damals noch nicht gab, hatte in seinem Garten genau noch die wilde Fläche, die ich damals liebte, natürlich etwas kleiner und geschützter.

Die Hausnummer 4 gab es nicht, dem Gefühl nach sagte ich mir, dass es die Nummer 8 sein musste. Genau dort stand eine Frau an einem kleinen Balkon, gar kein richtiger Balkon, an den ich mich nicht erinnerte. Sie klagte darüber, in welch schlimmem Zustand die Wohnungen seien, die Fenster kaputt, das Bad völlig desolat. Die Siedlung sei schon mehrmals verkauft worden und nichts sei renoviert worden. Was sich allerdings im Moment ändert, denn der nachfolgende Häuserblock wurde gerade renoviert und von außen isoliert. Deshalb war er auch von Gerüsten und Planen eingehüllt und ich konnte nichts sehen. Erst zu Hause, beim Vergleich meiner alten Fotos, konnte ich sehen, dass ich in diesem nächsten Block gewohnt hatte, in der Nummer 11. Davon habe ich nun keine neuen Fotos. Aber ist schon interessant, damals State of the Art, heute völlig heruntergekommen. Ja, 60 Jahre sind inzwischen vergangen, eine lange Zeit.

Ich fand dann auch den Fußweg hinunter zur Schule, eigentlich ganz kurz, so hatte ich es damals aber nicht empfunden. Die Ringschule war früher eine Volksschule, heute ist es die Crucenia Realschule. Der mächtige rotbraune Block des Haupthauses steht immer noch, aber im Pausenhof sind viele neue Gebäude hinzu gekommen. Aber mein Eckladen hat leider geschlossen.

Die Innenstadt ist sehr stark verändert. Meine Kirche steht natürlich noch, der Fliegenpilz ist verschwunden und das große Postamt gegenüber, in dem mein Vater gearbeitet hatte, ist Neubauten gewichen. Die Post wird nun in einem DHL-Paketshop abgewickelt. Aber etwas anderes habe ich gefunden! Das Café Wonsyld, das allerdings heute von einem anderen Inhaber geführt wird. Ursula Wonsyld ging mit mir in die Klasse und war meine beste Freundin. Vor dem Café war damals noch ein freier Platz und auf diesem Platz, wo heute ein Sraßencafé ist, habe ich damals Fahrrad fahren gelernt. Wir haben oft bei ihr gespielt, auch in der Backstube, ach, es war einfach eine tolle Zeit. Und vielleicht habe ich sogar das Geschäft wiedergefunden, dem damals mein Kommunionskleid gekauft wurde.

   

Ich erinnere mich noch an ein anderes Detail, an das Ferienlager im Sommer, das bei den Salinen stattfand. Hier ist ein Foto vom Lager damals und der Saline heute, die leider auf keinem alten Foto zu sehen ist.

VPN – muss man das haben?

Ein Virtual Private Network bezeichnet ein virtuelles Netzwerk, mit dem man sicher und privat Daten und Dateien über das Internet versenden kann. Mit einem VPN kann man zusätzlich seine eigene Internet-Identität verschleiern und auf diesem Wege auch Geoblockaden, etwa von Streaming-Anbietern, umgehen. Eine Anwendung, die im beruflichen Bereich wichtig sein kann. Sie können auf Geschäftsreise auf das Firmennetzwerk zugreifen und so arbeiten, als ob Sie im Büro wären, obwohl Sie hunderte Kilometer entfernt sind.

Viel wichtiger für uns Rentner und Weltreisende ist allerdings der private Bereich. Ganz klar muss eines vorausgeschickt werden: man kann auch ohne VPN leben. Aber in meinem Fall war es zwingend, dass ich auf eine US-Seite zugreifen musste, die so sehr geschützt war, dass sie nur innerhalb der Vereinigten Staaten geöffnet werden konnte. Ich erinnerte mich an VPN und hoffte, dass dies damit möglich wäre. Allerdings ist VPN ein kostenpflichtiger Service, denn dazu ist es nötig, dass man eine Software erhält, die auf ein Netzwerk firmeneigener Server zugreift. Und meistens muss man ein Jahres-Abo abschließen, das dann auch noch automatisch verlängert wird. Ich wollte aber kein Abo, sondern erst einmal ausprobieren, ob es auch für meinen Zweck funktioniert.

Das war nicht so leicht. Alle Seiten, die google mir anbot, versprachen zwar eine kostenlose Probezeit, aber die Angaben der Kreditkarte waren nötig, und gerade die wollte ich nicht geben. Erst am nächsten Morgen gelang es mir mit frischer Kraft, F-Secure zu finden. Auch hier gibt es ein Abo, knapp 5 Euro monatlich gegenüber den anderen Angeboten, die fast 10 Euro kosteten, aber das Besondere, es gab einen 30tägigen Probezeitraum ohne jede Kreditkarte. Ich habe dann die nötige Software heruntergeladen und installiert, was sehr einfach war und nach wenigen Minuten gelangte ich zu der Seite Freedom VPN, wo ich mit einem Klick das Land wählen konnte, in dem ich mich angeblich befinden will. Ich wählte natürlich USA und schon konnte ich meine gewünschte Seite aufrufen. Das war also ein voller Erfolg in wenigen Minuten, der leicht und von jedem auszuführen ist.

Nicht jeder muss aber auf die Bezahlseite eines Krankenhauses zugreifen, so wie in meinem Fall. Was für andere Vorteile bietet also VPN? Zunächst mal ist in der Software ein sicheres Browsen im Internet eingeschlossen und zusätzlich wird das Nachverfolgen, welche Seiten ich aufrufe, gesperrt. Das wäre mir zwar nicht sooo wichtig, da ich ja keine Kinderpornos oder Waffenkäufe sehen will, aber dadurch bekommt man auch weniger zielgerichtete Werbung. Wichtiger ist die Aufhebung der Geoblockade. Wenn ich z.B. in USA oder Marokko bin kann ich die deutsche Mediathek nur bedingt aufrufen, viele Sendungen sind von anderen Ländern aus geblockt. Ich gebe also mit einem einfachen Klick an, dass ich in Deutschland bin und schon klappt es. Umgekehrt genauso. Viele US-TV-Sender haben Life-Streaming, das von Deutschland aus geblockt ist. Wenn ich dann aber den Standort USA eingebe, geht es. In Marokko sind zwar google maps zu öffnen, aber das wichtige google earth, das ich beruflich viel nutze, ist blockiert. Mit VPN geht es.

Also habe ich beschossen, dass ich diesen Service kaufen will. Auch F-Secure hat einen Button, auf den man zwecks Kauf klicken kann, aber zufällig fand ich im Internet, dass auch andere Firmen die F-Secure Software anbieten. Ohne Abo und viel billiger. Ich habe nun gut 2 Euro pro Monat gezahlt für ein Abo, das 2 Jahre läuft und nicht automatisch verlängert wird, und ohne Angabe der Kreditkarte. In dem Service sind 3 Geräte inbegriffen und ich hatte schon vorher das auch auf mein Tablet geladen. Nach Eingabe der Lizenznummer war zwar das sichere Browsen installiert, nicht aber die VPN. Auf der Webseite der Firma ist eine Liste mit Service-Nummern in vielen Ländern, also rief ich die deutsche Nummer an und in wenigen Minuten bekam ich nicht nur einen echten Mitarbeiter ans Telefon, sondern auch die Lösung des Problems war gefunden. Ich musste auf dem Tablet nur die App Freedome VPN löschen, wieder neu laden, Tablet neu starten und alles lief. Ich bin sehr zufrieden, mit der preiswerten und guten Software und dem tollen Service.

Emergency Room – die zweite

Wer meinen Blog fleißig liest weiß dass ich während meines Florida – Urlaubs wegen eines Notfalls die Ambulanz aufsuchen musste, siehe 3. Juli. Wer nun denkt, dass mit den vier Stunden Aufenthalt dort alles abgeklärt war, irrt sich gewaltig. Das Drama begann erst zu Hause und zog sich über Wochen hin, ein Drama, bei dem wirklich jeder Schritt erstmal schief ging.

Als Fazit muss ich sagen, fahrt nur niemals nach USA, ohne eine Krankenversicherung zu haben.

Ich war schon zwei Wochen wieder zu Hause, als die erste Rechnung aus Florida eintrudelte. Behandlung im Emergency Room 9.750 $! Ja, kein Irrtum. Ist schon klar, dass ich trotz Versicherung erst einmal Panik bekam. Ich reichte die Rechnung zwar sofort ein, versuchte aber in der folgenden Woche, meine Versicherung telefonisch zu erreichen, da ich nicht auf die schriftliche Antwort warten wollte. Bei so einer Rechnung kann ich einfach nicht mehr gut schlafen. Was ist, wenn ich das selbst zahlen muss? Zur Erklärung, ich habe eine private Krankenversicherung, die 6 Monate Auslandsaufenthalt mit einbezieht.

Leicht war es nicht, zu der Sachbearbeiterin durchzudringen, ich brauchte eine ganze Woche. Dann sagte sie mir lapidar, die Rechnung sei nicht eingegangen. Ich schickte alles erneut, immer das Zahlungsziel des Krankenhauses im Blick. Nach einer weiteren Woche kam dann endlich die Abrechnung, meine Versicherung zahlt! Wie schön. Dann ist ja alles erledigt. Denkt ihr.

Keineswegs. Denn nun musste das Geld ja nach USA transferiert werden, als Privatpatient muss ich mich selbst darum kümmern. Online-Überweisungen gibt es in USA nicht, niemand teilt dir seine Kontonummer mit. Stattdessen lag ein Umschlag dabei, ich soll einen Scheck schicken. Scheck? Die sind in Deutschland lange out, und selbst wenn, sie wollen ganz sicher keinen Scheck auf eine deutsche Bank. Die Internetseite des Krankenhauses hat „Bill-Pay“, einen Online-Bezahlservice. Ich klickte darauf, nichts tat sich. Die Seite ist so sicher, dass sie sich aus Deutschland nicht öffnen lässt. Dann gibt es noch die Möglichkeit, seine Kreditkartendaten einzugeben. Ein Gespräch mit meiner Bank ergab, dass ich bis 5000 Euro pro Tag abbuchen könnte. Ich füllte das Formular aus, scannte es und schickte es an der Customerservice mit der Bitte, an zwei verschiedenen Tagen jeweils die Hälfte abzubuchen. Keine Antwort, keine Abbuchung. Tagelang.

Anrufen wollte ich nicht, man kennt das ja, wird ewig von einem Automat zum anderen geschickt, bis man irgendwo ein menschliches Wesen an der Strippe hat. Ich studierte die Internetseite und fand als einzige andere Emailadresse die von der Beschwerdestelle. Prima, also mal gleich eine Email dorthin. In der Zwischenzeit konnte ich an nichts anderes mehr denken, als an die Bezahlung der Rechnung. Inzwischen kamen noch zwei kleinere, 180 $ und 400 $, und natürlich jede mit einem anderen Online-Bezahlservice. Eine davon konnte ich öffnen, so war die 180 $ – Rechnung schnell gezahlt. Aber die andere ließ sich ebenfalls nicht öffnen. Es ratterte und ratterte in meinem Kopf und schließlich fiel mir ein, dass es doch diese ominöse VPN gibt. So richtig hatte ich mich damit noch nicht beschäftigt, aber mit VPN kann man seinen Standort verbergen und auch welche Seiten man aufruft. Das wollte ich ausprobieren. Aber das ist ein kostenpflichtiger Service, man bekommt ein Abo für ein ganzes Jahr. Ich suchte und suchte und fand schließlich F-secure, der einzige Dienst, der 4 Wochen Probezeit gibt, ohne dass man Kontodaten angeben muss. Ich installierte es auf meinem PC und oh Wunder, die Bezahlseite ließ sich aufrufen. Aber – bezahlen konnte ich trotzdem nicht, denn zusätzlich zu einem Code musste die auf der Rechnung angegebene Postleitzahl angegeben werden, und die wurde jedes Mal als falsch ausgewiesen.

Irgendwann rief ich auch mal meinen Freund Bob in Florida an, um ihm mein Leid zu klagen und von der hohen Rechnung zu berichten. Er sagte, niemand zahlt das in der Höhe, man müsse handeln bzw. einen Rechtsanwalt einschalten. Ich fand das zwar interessant, hätte es aber nie gemacht, zudem mir ja meine Krankenkasse das Geld bereits überwiesen hatte.

Inzwischen bekam ich aber Antwort von der Beschwerdestelle. Man gab mir die Email und direkte Telefonnummer vom Financial Director. Super. Ich schrieb ihm, bat noch einmal um Abbuchung per Kreditkarte. Schließlich bekam ich von seiner Mitarbeiterin eine Antwort und die Zusicherung, dass sie den Betrag per Kreditkarte einziehen werden. Aber der Hammer war der nächste Satz in der Email. Sie sagte, als Selbstzahler würde ich einen Rabatt von 40 % erhalten, wenn ich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zahle.

So eine Erleichterung, ich telefonierte kurz mit ihr, bedankte mich, aber fragte noch kurz nach der als falsch ausgewiesenen Postleitzahl. Sie sagte: haben Sie es schon mal mit 00000 probiert? Nein, auf die Idee war ich nicht gekommen. Aber trotzdem bat sie mich, nichts zu überweisen, da sie die Kasse schon angewiesen hatte, das Geld über die Kreditkarte einzuziehen. So eine Erleichterung. Ich verabschiedete mich mit einem schönen Wochenende und ging in die Sauna.

Am nächsten Morgen sah ich gleich eine Email von der Mitarbeiterin, dachte, sie wünscht mir ebenfalls ein schönes Wochenende, aber weit gefehlt. Stattdessen sagte sie, meine Bank hätte die Zahlung verweigert. Es war ja Wochenende, also hatte ich genug Zeit, zu überlegen. Zunächst probierte ich die 00000 aus, es ging. Dann versuchte ich zu zahlen, probierte es aber zunächst mit 2.000 $. Ging durch. Aber jede weitere 2.000 $ Zahlung wurde abgewiesen. Ich dachte, naja, versuche ich es am Sonntag. Aber auch da wurde die Zahlung abgewiesen, obwohl sowohl das Konto gedeckt als auch der Kreditrahmen hoch genug waren. Also habe ich Schritt für Schritt in 500 $ Beträgen überwiesen und es irgendwann geschafft, die geforderte Summe zu überweisen. Darauf schrieb ich eine Email und bat um Bestätigung, ob nun alles gezahlt ist. Kam nichts, 4 Tage lang nicht. Ich rief mal wieder an, und die Dame bestätigte mir mündlich, dass alles erledigt sei, nur das System braucht noch ein bisschen, um es auch auszuweisen.

Also ehrlich, wenn man in USA krank wird, muss man zu Hause kerngesund sein. Und irgendetwas stimmt nicht mit dem amerikanischen Gesundheitssystem. Die vielen Unversicherten können sich keinen Emergency Room leisten.

Saunawelten – Test

Was macht man mit diesem schönen Sommer, nachdem man braun gebrannt von Florida heim gekommen ist? Man versucht, die Bräune möglichst lange zu bewahren und auch, die blöden weißen Streifen loszuwerden. Also habe ich mir vorgenommen, einmal die Woche eine Saunalandschaft zu besuchen, um das Beste aus dem Sommer herauszuholen.

Den Anfang macht meine geliebte Rheinwelle bei Gau-Algesheim, ich muss etwa 40 km Autobahn fahren. Schon öfter war ich dort in früheren Jahren, oft auch mit Kindern, so dass ich den Sauna-Teil nicht besuchen konnte. Eine Tageskarte für die Sauna kostet dort 19,- Euro. Es gibt zahlreiche Saunen innen und außen und jede Stunde einen Aufguss. Ab und zu ist der gefolgt von einem Mineraldrink, der die heraus geschwitzten Mineralien wieder auffüllen soll. Das Freigelände ist wunderbar, mit großen Wiesen mit ausreichend Liegen, einigen riesigen Sonnenschirmen und einem Badeteich mit Goldfischen. Witzig ist die Weinkellersauna, die natürlich gut in diese Weingegend passt. Herrlich die Panoramasauna, von deren wandhohem Fenster man auf den Badeteich blickt. Zum Kühlen in der heißen Sauna kann man sich mit Eiswürfeln eindecken. Wer lieber drinnen liegt findet in einem extra Gebäude herrlich große Wasserbetten, ideal zum Relaxen. Dort muss man auch entsprechend leise sein. Im Hauptgebäude ist eine Kaminecke mit Liegen und das Restaurant hat wirklich leckere Speisen. Trotzdem stört es niemanden, wenn man seinen eigenen Picknickkorb auspackt. Auch hier gibt es noch viele Ruhemöglichkeiten.

Saunagäste können über eine Schleuse hinüber in den Schwimmbereich gehen, umgekehrt ist das nicht möglich, denn der Schwimmbereich ist viel günstiger, hier kostet die Tageskarte 7,50 Euro. Es gibt ein innengelegenes Spaßbecken mit Strudelkanal und Wellenbereich, eine Kletterwand und auch noch eine Menge sonstiger Spielmöglichkeiten für die Kleinen, vor allem eine Riesenrutsche. Ein großes Schwimmbecken ist zum Bahnenschwimmen und außen ist noch ein geheiztes Solebad, das auch im Winter zugänglich ist. Dort sind auch Liegewiesen. Wenn es so richtig voll ist, ist natürlich jede Liege besetzt, aber trotzdem muss ich sagen, dass es fast ausreichend Ruhemöglichkeiten gibt und auch niemand schimpft, wenn man sein Handtuch liegen lässt. Im Schwimmbereich ist ein Whirlpool.

Viel näher habe ich es von meinem Wohnort jedoch zum Tournesol in Idstein. Die Tageskarte kostet in der Sauna 21,- Euro, im Schwimmbad 8,50 Euro. Der Schwimmbereich lässt sich zur Hälfte öffnen, so dass man hier vom schönen Wetter profitiert. Es gibt Innen- und Außenbecken und natürlich auch wieder eine Riesenrutsche. Das Außenbecken hat noch eine kleine Rutsche.

Der Saunabereich ist kleiner als die Rheinwelle, es gibt auch nicht ganz so viele Saunen. Aber auch hier stündlich ein Aufguss, ohne Mineralgetränk. Dafür gibt es ab und zu Aroma-Dampfbäder, wo ein Kräutersalz zum Peeling gereicht wird. Das macht die Haut babyweich. Auch hier werden Eiswürfel zur Verfügung gestellt. Statt einem Fußbadebecken gibt es zwei Becken, in denen man waten kann, abwechselnd warm und kalt sowie ein kaltes Tauchbecken. Im Außenbereich waren zwar genügend Liegen teils auf Wiese, teils auf Schotter, aber zu wenige Sonnenschirme, in dem heißen Sommer schon ein Manko. Zur Abkühlung ist auch hier ein Badeteich, zusätzlich gibt es ein Strudelbecken. Für mich nur die Nummer 2 nach der Rheinwelle.

Doch schließlich habe ich mir die Taunustherme in Bad Homburg gegönnt. Sie ist mit 26,20 Euro wesentlich teurer, auch die Anfahrt ist weit, aber ich fand in Groupon eine Ermäßigung und zahlte nur 19,50 Euro. Das geht wieder, wenn ich auch wegen dem langen Anfahrtsweg nicht so schnell wieder hin möchte. Auf dem Hinweg über die Autobahn im Stau 55 km, auf dem Rückweg übers Land nur 45 km, aber dafür langsame Straßen. Das Konzept richtet sich hier ganz klar an Erwachsene. Zwar gibt es auch hier einen Schwimmbereich, der textilfreie Saunabereich ist davon getrennt, aber der Eintrittspreis schließt beides ein und man kann ohne Probleme die Seiten wechseln, muss natürlich in der Sauna die Hüllen fallen lassen. Der Schwimmbereich ist teils innen, teils im Freien und zudem gibt es dort auch zwei Saunen, in denen man den Badeanzug an lassen kann, sowie Infrarot – Kabinen.

Der Saunabereich ist unglaublich. Die Architektur ist Pseudo-Japanisch, sehr verwinkelt, so dass man immer wieder neue Ecken entdeckt. Bei einem Besuch kann man gar nicht alles ausprobieren, hier müsste man wiederkommen. Selbst an diesem über 30° heißen Tag brannte innen ein gemütlicher Ethanol-Kamin, es gibt Sitzecken, unzählige Ruheräume und Saunen. Ich glaube so richtig wohl fühlen würde ich mich hier an einem kühlen Wintertag. Zu jeder halben Stunde wird ein Aufguss geboten. Ganz besonders ist der Aufguss mit Klangschalen in der Feng Shui-Sauna. Einen Badeteich gibt es nicht, aber ein großzügiges Kaltwasserbecken sowie ein Thermalbecken und einen Whirlpool. Die Außenanlage mit Betonuntergrund ist nicht ganz so schön wie die beiden vorherigen Anlagen, es gibt auch zu wenig Schatten und die Liegewiese ist etwas entfernt von den Saunen.

Als Besonderheit gibt es einen kleinen Saunabereich nur für Damen. Hier sind einige Saunen und jede volle Stunde wird ein Aufguss geboten. Allerdings sind die Bademeister meist männlich. Mir hat die Damensauna nicht so gut gefallen, da sie doch ziemlich klein und verwinkelt ist.

Der Hammer befindet sich jedoch im Untergeschoss. Hier ist eine riesige Hammamlandschaft. Als erfahrene Marokkofahrerin weiß ich zwar, dass es zu einer echten Hammam gewaltige Unterschiede gibt, zum Beispiel fehlen die Eimer, mit denen man sich das Wasser über den Kopf schüttet, aber es es ist trotzdem einfach unglaublich. Hier könnte man allein schon einen Tag verbringen mit den 15 Stationen, die man der Reihe nach durchmachen sollte. Lasst euch einfach überraschen. Und ja, für relativ wenig Geld kann man auch eine Gommage bekommen, also ein Abrubbeln durch eine Badmeisterin.

Wäre es nicht so weit bis nach Bad Homburg, diese Sauna stände für mich an erster Stelle. Übrigens durfte man in allen Saunen sein mitgebrachtes Picknick verzehren.

So ein netter Morgen

An meinen Bestellungen merke ich, dass viele Wohnmobilfahrer langsam beginnen, ihre Winterreise nach Marokko zu planen. Und so war denn unter den Bestellungen des Tages auch eine aus Hohenstein. Dieses Örtchen liegt im Taunus, nur wenige Kilometer von mir entfernt. Und so beschloss ich spontan, den herrlichen Morgen zu einer Spazierfahrt zu nutzen und dabei selbst DHL zu spielen. Ich klingelte, hielt das Buch hoch, sagte meinen Namen und schon saß ich auf der Terrasse bei einem frisch gebrühten Kaffee und vor der Marokkokarte. Ein Freund und Reisebegleiter wurde noch schnell herbeizitiert und die Reiseroute besprochen. Für meine Kunden war es die erste Marokkofahrt und so gab es dann doch einige Fragen. Es war total nett und hat mir großen Spaß gemacht.

Marokko deluxe

Heute muss ich mal ein wenig Werbung in eigener Sache machen und euch meine Reiseseite vorstellen.

https://marokko-deluxe.de/

Wie ihr wisst reise ich schon drei Jahrzehnte durch Marokko und mein Engagement ist kontinuierlich gestiegen. Am Anfang nur Urlaub, dann begann ich Reiseführer zu schreiben, zunächst im fremden Verlag, dann im eigenen, und schließlich sagte jemand zu mir: Warum organisieren Sie keine Reisen durch Marokko, da Sie das Land ja so gut kennen?

Und das war der Auslöser, auch sehr individuelle Touren durch Marokko anzubieten. Erleichtert wurde mir die Sache, da ich den Inhaber einer einheimischen Agentur gut kenne, die einfach die beste ist. Was die machen klappt, und wenn mal etwas nicht klappt, dann finden sie eine Lösung. Gerade das Wetter kann manchmal einen Strich durch die Rechnung machen und so hatten wir einmal um die Weihnachtszeit so heftige Regenfälle, dass die Biwaks im Erg Chegaga weggeschwommen sind. Schlimmer aber war, dass das Sanddünenmeer eine richtige Insel geworden war, umgeben von Wasser, und dass es alles Können und Ortskenntnis der Fahrer abverlangt hat, von hier wieder wegzukommen. Sie haben schließlich die Gäste auf einer Fahrt von 10 Stunden wieder nach Mhamid gebracht, eine Fahrt, die sonst zweieinhalb Stunden dauert. Und eine extra Übernachtung in Zagora organisiert. Nur waren auch die Straßen nach Norden zerstört, die Rückflüge standen an und schließlich organisierte Sahara Services eine Chartermaschine, die die Gäste zurück nach Marrakech brachten. Das war aber auch schon das größte Abenteuer, sonst handelt es sich eher um verlorene Koffer oder dergleichen.

Auf meiner Marokko deluxe Seite sind einige Touren dargestellt, aber eigentlich ist es so, dass jede Reise anders ist. Die Kunden melden sich bei mir, sagen, wie lange sie Zeit haben, was sie sehen wollen und wann die Reise losgehen soll. Dann arbeiten wir zusammen die ideale Tour aus. Manch einer möchte nur von Marrakech aus die Wüste sehen und einmal im Biwak schlafen, andere machen eine richtige Rundereise bis in die Schluchten des Hohen Atlas oder auch nur die Königsstädte im Norden. Auch Aktivitäten wie Kochkurse können eingeschlossen werden. Sehr gern mache ich auch Ausflüge für Privatpiloten, die mit eigener Maschine nach Marokko fliegen und dann einen Wüstenausflug mit Kamelreiten und Biwakübernachtung anfügen wollen.

https://marokko-deluxe.de/

Also klickt mal auf meine Seite und holt euch Ideen.

Orlando-Adventure

Nach dem unfreiwilligen Besuch des Emergency Room dachte ich eigentlich, ich hatte genug Abenteuer für meine drei Wochen Florida. Aber weit gefehlt. Unser Heimflug sollte abends um 20 Uhr ab Orlando gehen. Der ganze Morgen war angefüllt mit Haus putzen und für die Hurrikan Saison vorbereiten, dann bin ich noch zum Krankenhaus gehetzt, um mir eine CD mit den Untersuchungsergebnissen abzuholen. Um 15 Uhr fuhren wir los, kamen gut vor 18 Uhr in Orlando an, und was begann da? Durchfall! Genau was man braucht auf so einer Reise, aber Ergebnis meiner ER-Diagnose. Ich will euch nicht mit Einzelheiten quälen. Wir kamen zum Gate, die Maschine war da, das Personal schon drin und man dachte, nun müssten wir doch bald einsteigen. SMS von Lufthansa, neuer Abflug 21:45 Uhr. Shit! Aber zumindest gab es einen 7 $ Gutschein, mit dem wir einen Kaffee und ein Muffin bekamen.

Dann neue Durchsagen: Abflug 22:30 Uhr. Inzwischen glaubte kaum noch einer, dass wir jemals wegkommen, aber gegen 23 Uhr konnten wir endlich einsteigen. Hatten wunderbare Sitze mit viel Platz, für die wir auch viel bezahlt hatten. Aber irgendwie hätten wir doch mal abfliegen müssen. Irgendwann kam eine Durchsage des Captains, in der er erklärte, dass ein Catering Truck beim Zurückstoßen gegen den Flieger gefahren war und eine Verkleidung abgerissen hatte. Es hatte einige Stunden gedauert, bis mit Frankfurt geklärt war, dass die Maschine auch so fliegen kann, aber mehr Treibstoff braucht.

Gut, war uns recht. Familien verständigt wegen späterer Abholzeit. Doch diese Durchsage zeigte, dass der Bordfunk nur teilweise funktionierte. Es folgten viele Tests, viele hektische Techniker stürmten auf und ab durch die Gänge und gegen Mitternacht kam dann die finale Durchsage, dass diese Maschine nicht vom Boden abheben wird. Ich frage mich, ob die Lufthansa zur Bundeswehr gehört. Dort geht doch auch kaum ein Fluggerät in die Luft.

Es folgte endlose Warterei, am Gepäckband, am Counter. Eine Umbuchung bekamen wir automatisch über SMS, aber unser schöner Sitz war verloren und Jan und ich würden getrennt zurück fliegen müssen, da sein Endziel Hamburg ist. Eigentlich kann ich ja froh sein, dass ich auf die gleiche Maschine einen Tag später gebucht wurde, denn für alle war dort kein Platz.

Um 2 Uhr kamen wir dann, mit kaum was im Magen, im Hotel an. Jan hatte ein eher einfaches Hotel mit einem Restaurant, das um diese Zeit geschlossen war, voraus gesagt, aber seine erste Prophezeiung erfüllte sich nicht. Wir kamen ins wunderschöne Hyatt direkt am International Drive, das auch mitten in der Nacht lebhaft wie am Tag war und etliche offene Restaurants sowie einen Laden hat, in dem man sogar etwas bezahlbares bekommt. Aber Essensgutscheine hatten wir nicht. Und eigentlich auch keinen Hunger. Aber waren völlig aufgedreht. Gegen fünf Uhr kam ich erst ins Bett und war um 7:30 Uhr schon wieder wach. Im Badezimmerspiegel ist ein TV integriert.

Mal sehen, was der heute Tag noch so an Überraschungen aufweist.

Emergency Room live

Ihr kennt alle die Soap Operas, wo Ärzte hektisch durch die Krankenhausflure sausen, ein Stethoskop um den Hals, eine hübsche Krankenschwester in Reichweite und über allem blökt der Lautsprecher: Doc soundso. Das muss ich doch einmal selbst testen, wenn ich schon in USA bin. Deshalb habe ich mir gestern Abend nach dem Essen ein paar Bauchkrämpfe zugelegt, brav die Nacht über die Schmerzen ausgehalten und am Morgen dann erstmal in Walgreens nach Buscopan gefragt. Haben die nie von gehört. Also weiter zu Jan, der hat angekündigt, er hat ein Schmerzmittel.

Wieder nach Hause, 45 Tropfen wie vorgeschrieben mit Wasser genommen, 10 Minuten später war alles wieder draußen. Die Krämpfe wurde schlimmer, nochmal ein paar Tropfen, wieder alles raus, keine Besserung. Also nichts wie hin zu einem Emergency Room. Ich brauchte 4 Anläufe, und landete dann in ziemlich geschwächtem Zustand bei Halifax Emergency. Eine nette Dame nahm mich in Empfang, aus Deutschland, wollte plaudern, bin aus Frankfurt, woher sind Sie, daneben nahm sie die Daten auf. Ich saß zusammengekrümmt auf dem Stuhl, der Schweiß lief mir nur so herunter und ich wollte nur ein Bett. Dann bekam ich die volle Ladung. Rollstuhl, Liege im Untersuchungszimmer, das berühmte Nachthemd mit nacktem Po und angewärmte Decken. Die waren auch nötig. Auf der kurzen Rollstuhlfahrt hatte ich abwechselnd Schweißausbrüche und Gänsehaut auf den eiskalten Armen und mein dünnes Sommerkleid war klatschnass.

An der Wand hing eine Punkteliste, wie das Personal sich genau verhalten sollte, und sie haben sich haargenau daran gehalten. Hände desinfizieren, Begrüßung, Vorstellen, Fragen nach Zustand, beim Rausgehen Erklärung weiterer Prozedur. Ich wurde erstmal an eine Maschine angeschlossen, Katheder zur Blutentnahme gelegt und so weiter. Der Arzt klopfte meinen Bauch ab und meinte, es könne Blinddarm sein. War sicher falsch. Dann sollte ich Urin abgeben. Oh mei, das war schwer. Ich konnte ja nichts trinken, da sofort alles in dreifacher Menge wieder heraus kam und mein Körper war völlig trocken.

Vor der Klotür wartete dann schon wieder ein Rollstuhl und ich wurde zur Röhre geschoben, wo man ein CMT gemacht hat. Also ich muss sagen, einfach super. Und als dann endlich der Arzt wieder kam, hatte er sogar eine Diagnose, zwar kein Blinddarm, aber ich sage es euch nicht. Wollte mich über Nacht dabehalten und Infusionen geben. Habe ich aber abgelehnt, hatte mir den ER ja inzwischen genug angeschaut.

Als Fazit muss ich sagen: einfach super und sehr effektiv. Eine Diagnose wurde gefunden für Beschwerden, die ich schon früher hatte und die nie jemand erkannt hat. ER gerne wieder, danke Doc.

Okay, es kommt auch noch eine saftige Rechnung. Aber hoffentlich zahlt die Krankenkasse.

Hontoon Island State Park

Dieses Naturreservat gehört zu meinen Lieblingsparks, hauptsächlich, wegen der Fahrt auf der kostenlosen Fähre. Der große, weitverzweigte St. Johns River umschließt hier eine Insel, die komplett zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und man kann nur mit der kleinen Elektro-Fähre hinüber gelangen. Dort gibt es zu Beginn eine Rangerstation mit Laden, einen Spielplatz, Grillhütten und auch einen Campingplatz, wo man sein eigenes Zelt aufschlagen oder in netten Hütten wohnen kann. Die Insel ist lang und schmal, aber doch etliche Kilometer breit und lang. Diese Flächen kann man zu Fuß oder mit dem Rad erschließen. An der Rangerstation kann man Fahrräder und Kanus mieten, man kann natürlich auch seine eigenen Geräte mitbringen. Das Fahrzeug wird an der Fährstation geparkt und alles Zeltmaterial wird auf einer bereit stehenden Schubkarre transportiert.

Jedes Jahr fahre ich einmal auf diese schöne Insel, aber diesmal habe ich gefragt, was die Kanus kosten. Sie kosten 20 $ für einen halben Tag, und das ist ein echt guter Preis, es gibt auch Zweisitzer für das gleiche Geld. Ich versprach dafür wieder zu kommen.

Und es war nicht schwer meinen Reisegefährten Jan dazu zu überreden. Er hatte seine vielfältigen Arbeiten, wegen denen er gekommen war, ziemlich abgeschlossen, und so fuhren wir am Montag los. Gegen 12 Uhr waren wir auf der Insel und nahmen unser Kanu in Empfang. Essen, Trinken und Sonnenöl waren dabei, aber offensichtlich unser Kopf nicht ganz, denn wir vergaßen, uns einzuölen, was sich nachher noch rächte. Aber wir paddelten voller Eifer los. Der Ranger hatte gesagt, dass die Strecke um die ganze Insel ziemlich lang ist und für gute Ruderer 5 Stunden erfordert. Nur zwei völlig Trainierte hatten es mal in unglaublichen 3 Stunden geschafft. Unser Ziel war es, ein, zwei Stunden aufwärts zu paddeln und dann wieder zurück, alles würden wir nicht schaffen. Haben durch unser Anti-Outdoor-Leben in Deutschland ja nicht unbedingt viel Training. Außerdem hatte ich gar nicht die Absicht, schnell zu rudern, wollte viel lieber die schöne Landschaft genießen. Und die ist einfach wunderschön. So eine Stille, so eine Einsamkeit. Am sumpfigen Ufer schlenderten einige Rehfamilien durch die Landschaft, sogar ein weiß geflecktes Bambi war zu sehen. Vögel aller Couleur, aber kein Alligator. Dem war es wahrscheinlich zu heiß. Es waren gut 30 Grad, aber auf dem Wasser gut auszuhalten. Für den Nachmittag waren Gewitter gemeldet, aber doch ein wenig von uns entfernt sollten sie sein.

hier sieht man zwei Rehe

Doch dann zogen dunkle Wolken auf. Ich kannte schon vom Strand wie schnell die sich zu einem Gewitter ausweiten können und Blitzschlag hat in Florida schon viele Menschen getötet. Wir kennen ja die Regel, bei Gewitter nie unter Bäume. Doch hier waren Bäume einfach überall. So ganz gut habe ich mich nicht gefühlt und schlug Jan vor umzukehren. Aber Jan wollte unbedingt noch sehen, was hinter der nächsten Ecke ist. Und ganz ehrlich, das wollte ich auch. So geht es mir auf meinen Spaziergängen auch immer, was ist hinter der Ecke?

Also fuhren wir weiter, und weiter, und weiter. Es war auch einfach zu schön. Und die Wolken verzogen sich. Nun hatten wir aber immer noch das Problem, umzukehren, am Abend geht um 7 Uhr die letzte Fähre zurück, danach muss man auf der Insel bleiben. Wir hatten eine Karte des Wasserwegs, aber deutlich war sie nicht. Ich hatte aber zusätzlich ein GPS, auch das nicht sehr deutlich, da die Landschaft hier einfach sehr verzweigt ist und nicht so ganz deutlich abgebildet werden kann. Dann kamen wir an eine Verzweigung. Der Hauptstrom bog rechts ab, links ging ein kleinerer Creek in unsere Richtung. Damit müssten wir abkürzen können und die andere Inselseite erreichen. Aber ist der Creek wirklich durchgehend. Man kennt das, plötzlich wird es schmal und schmäler und versandet dann. Mein GPS zeigte, dass es vermutlich durch geht, aber in vielen Schlangenlinien, die viele Flusskilometer ergeben. Wir fuhren los. Herrliche Landschaft und nun wirklich völlige Einsamkeit. Kamen und vorher etwa 5 Boote entgegen war hier niemand mehr. Und hier würde uns auch niemand finden. Zwar hatte ich die Telefonnummer der Rangerstation und könnte mithilfe des GPS unserer Position genau angeben, doch hatten wir meistens keinen Telefonempfang. Jan meinte immer, gleich sind wir da, auf der anderen Seite. Blick auf das GPS, wir sind noch lange nicht da. Und dann plötzlich, alles grün. Kein Wasser mehr zu sehen, alles war zugewachsen. Was nun? Umdrehen wäre einfach furchtbar, wir waren schon fast drei Stunden unterwegs, die Kraft, das alles zurückzufahren hätte ich nicht. Also durchkämpfen. Was, wenn nun ein Alligator den Weg blockiert. Hier kämen wir nicht durch. Und auch zu Fuß das Kanu schieben ist nicht unbedingt interessant bei dem unbekannten Untergrund, wo Schlangen und sonst was lauern können. Schieben, schieben, Jan beschwerte sich, weil ich lauter grünes Zeug nach hinten warf, wo er saß. Aber vorne war wieder eine Wasserfläche zu sehen, das gab Kraft.

Und wir schafften es. Irgendwann erreichten wir tatsächlich den breiten Fluss auf der anderen Seite der Insel. Wieder dunkle Wolken am Himmel, aber wenn schon Gewitter dann lieber hier wo doch ab und zu ein Boot kommt. Jan glaubte wieder, ach, nur um die nächste Ecke, dann sind wir da. Aber wie immer wusste es mein GPS besser, es war noch eine ganze Weile. Und dann plötzlich eine Anlegestelle, die erste auf dem ganzen Weg. Vorher gab es nur Sumpfland. Also nichts wie hin und erstmal verschnaufen. Ich kam kaum aus dem Kanu raus, war völlig steif. Und hatte knallrote Beine, Jan nicht weniger, hatten wir doch das Einölen vergessen. Wir stärkten uns mit unseren Vorräten, konnten während dem Paddeln ja nur schwer was zu uns nehmen. Und weiter gings. Es war immer noch eine ganz schöne Strecke, aber als wir nach 4,5 Stunden ankamen hatten wir 10 Meilen oder 18 km zurückgelegt. Nicht schlecht. Und das darf man dann auch mit einem guten Essen in einem netten Restaurant beschließen.

Driving on the beach

Ich habe euch erzählt, wie ich mit dem Wagen auf den Strand fahre und höre da oft Kritik. Muss man auf den Strand fahren? Deshalb möchte ich hier kurz die Hintergründe erzählen. Zunächst mal, der Strand bei Daytona Beach ist etwa 25 km lang und bei Ebbe 35 m breit. Und vor allem auch bei Ebbe sehr hart, so dass Auto fahren dort sehr einfach ist. Etwas südlich liegt New Smyrna Beach, wo der Strand ebenfalls sehr breit ist. Deshalb gibt es auch eine lange Tradition dafür, die in den 1920ern begann, als der harte Strand für Testfahrten genutzt wurde. 1927 fuhr der Rennfahrer Henry Segrave am Strand von Daytona Beach mit dem Sunbeam HP1000 als erster Mensch schneller als 300 km/h. Als richtige Rennstrecke diente der Strand von 1936 bis zum zweiten Weltkrieg und dann weiter mit dem ersten Rennen der Grand National in 1948 bis 1958, dann wurden die NASCAR – Rennen in den brandneuen Speedway in der Innenstadt verlegt. Darauf war der Strand nur noch für privaten Autoverkehr geöffnet, der zunächst ziemlich ungeordnet verlief.

Heute gibt es zwei Lager in Volusia County, dem Kreis, zu dem der Auto-Strand gehört. Die Traditionalisten, die auf dieses Recht nicht verzichten möchten und die Naturschützer, die den Strand lieber autofrei sehen möchten. Daneben gibt es natürlich auch Sicherheitsaspekte zu beachten.

Hier die Punkte der Naturschützer:

  • Die Luft ist reiner ohne Autos
  • Personen könnten durch Fahrzeuge verletzt werden
  • Das Marine-Leben, z.B. die Nester der Seeschildkröten, ist gefährdet

Die Argumente der Traditionalisten

  • Die 100 Jahre alte Tradition sollte gewahrt werden
  • Autofahren am Strand ist ein Teil der Freiheit
  • Ein praktisches Argument ist, dass eine Familie alle die vielen Stühle, Sonnenschirme, Picknickkoffer nicht anders transportieren könnte
  • Aber das wichtigste, es gibt fast keine Parkmöglichkeiten in Strandnähe

Als Kompromiss hat man nun einige Teile des Strandes für den Autoverkehr gesperrt, andere sind offen, es ist etwa 50:50. Aus Sicherheitsgründen muss das Licht an sein und die Fenster auf, Limit 10mph, texting and driving ist verboten. Bei hoher Flut kann der Strand zeitweilig gesperrt werden.

Es kostet aktuell 20 $ pro Tag, ein Jahrespass 120 $. Für Einwohner des Volusia County kostet der Jahrespass 25 $. Dafür werden Bademeister gestellt und der Strand sauber gehalten, letzteres gilt auch für die autofreie Zone.

Zur Parksituation: In Daytona Beach gibt es um den Strand einige private Parkplätze, wo man etwa für 10 – 15 $ täglich parken kann. Außerdem den schönen Sunsplash Park mit vielen kostenfreien Parkplätzen. Natürlich lange nicht ausreichend im Sommer. Außerhalb des Zentrums findet man in den Seitenstraßen einige wenige kostenfreie Parkplätze und muss dann 100 – 200 m laufen.

In Daytona Beach Shores, wo ein großer Teil Strand liegt, ist es vollkommen verboten, entlang der Straßen zu parken. Es gibt dafür aber einen schönen Park mit WC und einer Menge Parkplätzen. Außerdem noch ca. 3 kleine Off-Beach-Parkplätze. Diese sind in der Wintersaison einigermaßen ausreichend, im Sommer hoffnungslos überfüllt. Das würde bedeuten, nur noch reiche Leute können zum Strand, die den teuren Tagespreis bezahlen können. Die Stadt möchte gerne mehr Parkplätze in Strandnähe bauen, aber ein Haus mit Ferienwohnungen bringt mehr Steuern.

In dem kleinen New Smyrna Beach kann man schon eher Sträßchen finden, wo man parken kann, aber leicht ist das nicht. Am Hauptzugang zum Strand ist ein großer Parkplatz, der aber auch 20 $ pro Tag kostet. Aber New Smyrna hat für die Einwohner den netten Service, dass sie sich registrieren lassen können und diese Plätze kostenfrei nutzen können.

Mit diesem Hintergrund habe ich mich für den 25 $ Resident Pass entschieden und freue mich, nun immer am Strand parken zu können. Lange Fahrten mache ich dort aber nicht.