Tetuan – Restaurant Argovia

Wer mit der Mittelmeerfähre ankommt, egal, ob in Tanger-Med oder Ceuta, braucht einen sicheren Platz für die erste Übernachtung. Es gibt dafür den altbekannten Campingplatz in Martil, der weiterhin zu empfehlen ist. Aber es gibt auch eine super Alternative. Und das ist der Parkplatz des Restaurants Argovia. Zwar hatte ich das auf Empfehlung von Jürgen Reinert schon in den neuen Campingführer aufgenommen, aber noch nicht selbst besichtigt. Und für meinen Abreisetag stand also dieser Besuch an. Ich hatte mich vorher bei Susanne Koch angekündigt, das geht entweder über Facebook oder mit einer Email, und sie sagte, dass sie ab mittags selbst dort ist. Sie hat zusammen mit ihrem marokkanischen Mann das Restaurant selbst gebaut, es liegt am Hang und deshalb ist unten eine richtige Tiefgarage entstanden. Davor ist ein Parkplatz, einigermaßen eben, dort finden etwa drei Wohnmobile Platz. Das Restaurant ist eine Etage höher und hat außen eine Toilette mit Waschbecken, die ist die ganze Nacht offen, kann also von den Campern genutzt werden. Dass es sauber ist braucht man ja nicht extra zu erwähnen, das ist klar. Und Wi-Fi ist auch vorhanden. Eine Gebühr fürs Stehen gibt es nicht, aber man sollte zumindest eine Kleinigkeit im Restaurant essen. Montags ist geschlossen, man könnte sich aber trotzdem hinstellen, wenn man sich vorher anmeldet und der Wächter so Bescheid weiß.

Ich kann diese Stellmöglichkeit vor allem für Erstbesucher von Marokko heiß empfehlen. Susanne ist sehr nett und hilfsbereit, freut sich selbst über ein Schwätzchen und kann viele Fragen beantworten. Standardfrage ist natürlich, wo bekomme ich die SIM-Karte. Vertraut euch einfach Susanne an, bei ihr seid ihr in besten Händen. Und bringt der Tochter (4. Schuljahr) ein Buch zum Lesen mit, haha. Denn mein Ali-Buch hat sie verschlungen.

Mohammedia

Hotel L‘Amphitrite Palace & Spa – das klingt doch toll! In meinen ersten Jahren in Marokko, besonders als ich dann anfing, Reiseführer zu schreiben, spukte immer wieder dieser Namen in meinem Kopf herum. Es war ein großes Hotel am Strand von Mohammedia und ich hätte zu gerne einmal dort gewohnt. Es war das beste weit und breit. Aber irgendwie klappte es nie und dann war es plötzlich geschlossen. So kam es dass ich nie wirklich in Mohammedia war. Zwar gibt es einige Campingplätze dort, die ich regelmäßig besuche und auch manchmal dort wohne, aber sie sind weit außerhalb, in die Stadt kommt man dabei nicht.

Doch vor einigen Jahren wurde das Hotel komplett renoviert und hat nun unter dem Namen Avanti neu eröffnet. Schon lange wollte ich endlich dorthin. Ich bat die Agentur, mit der ich arbeite, mir dort ein Zimmer zu reservieren, aber auch das klappte zunächst nicht. Es war immer ausgebucht. Nun endlich habe ich meine Reservierung bekommen. Freute mich total und fuhr voller Erwartung hin.

Die Ankunft war bereits eine Enttäuschung. Das Wochenende zuvor war Mouloud, 2 Tage alles geschlossen, auch die Banken, und so war die Bezahlung für das Zimmer noch nicht eingegangen. Man wollte meine Kreditkarte oder einen Deposit, was ich beides nicht leisten wollte. Denn das Zimmer wird von der Agentur bezahlt und ich wollte keine Doppelzahlung riskieren. Ich stand ziemlich blöde in der Eingangshalle herum, bis das endlich geklärt war. Kein Getränk wurde angeboten, keine Entschuldigung. Und als ich endlich meinen Zimmerschlüssel bekam half man mir freiwillig noch nicht einmal mit dem Gepäck, das musste ich erst einfordern. Ankunft also schon ziemlich mies.

Es gibt mehrere Zimmertypen, ich hatte das Zimmer „Club“, das laut Aushang 250 Euro kosten sollte. In der Hotelreklame wird geschrieben, dass die Zimmer alle groß sind, manchmal heißt es mindestens 22 qm, manchmal sogar 40 qm. Nichts davon war zutreffend. Ich kam gerade so um mein Bett herum, und wenn ich einen Sessel vor den Schreibtisch stellen wollte so musste ich über das Bett steigen, um durchs Zimmer zu kommen. Das Badezimmer jedoch ist sehr schön und groß, vermutlich stecken die qm dort drin. Es gab einen Bademantel, einen Föhn und gute Pflegeprodukte. Auch ein Balkon war da, aber keine Möbel darauf.

Frühstück gibt es ab 6 Uhr, da es hauptsächlich ein Businesshotel ist und viele Geschäftsreisende früh aufstehen. Als ich um 7 Uhr erschien waren die Platten leer gefegt. Kaffeetassen und Gläser waren auch keine mehr da. Das Personal lungerte herum. Ich musste für alles erst fragen. Dann wurden die Croissants geholt, dann wurden Messer und Gabel bereit gelegt. Fazit meines Aufenthaltes, nein, nicht gerne wieder.

Doch hatte ich nun endlich Gelegenheit, mir Mohammedia etwas anzuschauen. Die Stadt hat zwei Gesichter. Da ist zum einen das Seebad mit einem schönen Strand, auf dem Pferde zum Reiten angeboten werden, doch ist es auch ein wichtiger Industriestandort, wo auch deutsche Firmen tätig sind. Und das merkt man schon am Strand, wo Industrieanlagen den Ausblick begrenzen. Übrigens soll in der Gegend Salz abgebaut werden, das vorwiegend nach Deutschland als Streusalz für den Winter exportiert wird. Deutsche Schiffe kommen und laden sie auf. In der Innenstadt gibt es eine kleine Kasbah, wo am Nachmittag in den Straßen Markt herrscht. Ein netter Ort, aber einer, den man im kulturreichen Marokko durchaus links liegen lassen kann.

Tetuan, die weiße Taube

Nach zwei vollen Tagen hier in der Stadt fühle ich mich schon richtig heimisch. Langsam kenne ich mich aus. Am ersten Abend hatte ich was zu essen gesucht, so kleine Garküchen, aber ich hatte nichts gefunden. Nun weiß ich es, es war gerade um die Ecke. In der Innenstadt kenne ich mich nun ganz gut aus. Vor allem habe ich unzählige Fotos gemacht. Ich hatte ja tatsächlich null! Zwar war ich schon in Tetuan, aber zu Zeiten, als man noch Dias machte, doch heute muss alles digital sein und mit den alten Bildern kann ich nichts mehr anfangen. Dann gibt es aber noch ein historisches Foto von 1958, es ist mir erst heute Abend wieder in den Sinn gekommen. Zunächst konnte ich die Stelle nicht erkennen, wo es aufgenommen wurde, aber der Mann an der Rezeption sagte mir, es ist das Bab Tut. Das ist heute etwas verändert.Also spazierte ich sofort dorthin. Nun brauche ich aber jemanden, der mich aufnimmt. Nach einer Weile kam ein Mann vorbei, der mich freundlich grüßte. Ich erzählte ihm mein Anliegen, zeigte das alte Foto, und er war total begeisert. Versuchte genau den Ausschnitt aufs Foto zu bekommen.

Tetuan ist eine sehr schöne Stadt. Die weißen Häuser ziehen sich die Hügel hinan und im Stadtbild sind viele schöne alte Gebäude aus der Zeit der spanischen Kolonie. Und sie sind großenteils in gutem Zustand. Auch in der Altstadt habe ich viele Renovierungsarbeiten gesehen. Von früher her weiß ich noch, dass es hier unzählige Taschendiebe gab, deren Finger hatte ich schon in meinen Taschen gefunden. Also bin ich diesmal ganz besonders vorsichtig, aber ich kann nichts entdecken. Die Stadt kommt mir sehr sicher und friedlich vor. Allerdings ist hier auch sehr viel Polizei auf der Straße. In der Innenstadt sind wohl viele wichtige Gebäude, die besonderen Schutz erfordern. Später erfahre ich dass dies ein bekanntes Problem war und tatsächlich viel unternommen wurde, um die taschendiebe arbeitslos zu machen.

 

Tetuan im Regen

Ja, meine Lieben, ich bin sicher, viele haben meine Berichte vermisst. Aber irgendwie hatte ich keine Zeit zu schreiben und muss das nun erst langsam nachtragen. Ich fange mit dem Ende an. Ich bin nun in Tetuan. Meine Fähre geht am Samstag ab Tanger-Med und ich hatte mir überlegt, wo ich kurz vorher übernachten will. Oft residiere ich ja in der Nacht vorher im El Minzah in Tanger, aber da gehe ich dann auch am nächsten Morgen früh auf die Fahre nach Tarifa, vom Stadthafen aus. Diesmal wird es Tanger-Med sein, und das spät am Abend. Das heißt, ich muss mich irgendwo noch so lange herum drücken. Als mein Blick auf der Karte aber auf Tetuan fiel, da erinnerte ich mich, dass ich wirklich ewig nicht dort war. Und entschuldige mich auch gleichzeitig, dass es selbst im neuen Reisehandbuch keinen aktuellen Text über Tetuan geben wird, denn das Buch ist ja schon im Druck. Muss also auf die nächste Ausgabe warten.

Aber allzu viel hat sich auch nicht geändert. Die Medina steht noch, der Königspalast auch. Den kleinen Platz Aljala kann ich nicht finden, der ist irgendwie verschwunden. Und der Busbahnhof ist auch etwas außerhalb verlegt. Aber den brauchen meine Kunden sowieso nicht. Dafür wohne ich in einem Hotel, das es so vorher nicht gab und es ist wunderschön. Ganz neu renoviert, modern, hell und freundlich eingerichtet, nah zur Innenstadt und ich habe 2 Wochen zuvor einen sehr guten Preis über booking.com gefunden. Im Internet stand, dass es einen Parkplatz gibt, das hatten Kenner angezweifelt. Ich rief an, man bestätigte den Parkplatz, und ich war daher mal ziemlich gespannt.

Es ist eine verkehrsreiche, enge Straße und als ich ankam wollte gerade Panik in mir aufsteigen. Aber ein Hotelmitarbeiter sah meinen ängstlichen Blick sofort und half. Am Rand sind also nun 3 Parkplätze für das Hotel reserviert, kosten auch nichts, aber man muss sie ergattern. Und das habe ich mit Hilfe des netten Herrn. Dafür bleibt der Wagen aber auch die ganzen drei Tage unberührt stehen, den bewege ich hier nicht weg. Brauche ich ja auch nicht. Auf dem Weg hierher habe ich mir schon den Camping Al Boustane angeschaut, und den Stellplatz beim Restaurant Argovia werde ich bei der Abreise besuchen. Und in die Stadt kann ich ohne Probleme zu Fuß, das ist nicht weit. Ich würde ganz sicher wieder dieses Hotel wählen, ist sicher das beste in der Innenstadt. Nur das Wetter! Nach gut zwei Monaten im Süden und bis auf die allerletzten Tage immer über 30 ° warm, ist es hier unangenehm kalt. Musste also erstmal Jacken auspacken. Und dann kam gestern noch ein Regen hinzu und ein kalter Wind. Hatte zum Glück genau die richtige Jacke.

Ich habe trotzdem einen Spaziergang gemacht, in der Medina selbst kann der Wind ja nicht so hinein und als ich auf dem Rückweg von einem Regenschauer überrascht wurde rief mich ein Kellner ins Straßencafé und ich musste noch nicht mal etwas bestellen. Sehr nett. Heute scheint zum Glück wieder die Sonne, wenn es auch immer noch kalt ist, aber ich werde nachher mal wieder in die Stadt gehen und hoffentlich bessere Fotos bekommen. Die werden dann später hier eingestellt, also immer mal reinklicken.

Hammam mit Gommage im Riad Tama

Um 17 Uhr holt mich die Dame von der Rezeption ab und bringt mich zur Hammam auf der Dachterrasse. Ich trage meinen Kaftan mit nur einem Slip darunter, aber sie sagt mir, ich solle den Bademantel aus dem Zimmer mitnehmen. Dazu Shampoo und meinen Kamm.

Jede Hammam-Anwendung in Marokko ist ein wenig anders, es hängt immer von der Badefrau ab, die die Gommage durchführt. Das Wort ist Französisch und ich glaube, es gibt keine deutsche Entsprechung dafür, also bleiben wir dabei. Ich werde empfangen von der jungen Nadia, sie ist gekleidet in einem Sportdress mit Leggins und bleibt auch dabei. Manchmal tragen die Badefrauen Slip und Hemdchen, auch das sehr unterschiedlich. Ich frage, ob ich den Slip anlassen soll, sie sagt, ganz nach Belieben, denn das hier ist ja eine private Hammam. In einer öffentlichen lässt man den Slip meist an.

Sie führt mich in den heiß dampfenden Raum und ich werde mit Wasser aus einem Messingbecher übergossen. Dann muss ich mich auf die Bank legen. Nun wird jeder einzelne Körperteil mit der schwarzen Seife eingerieben. Vorne und hinten. Danach muss die Seife für einige Minuten einziehen und ich werde wieder mit Wasser übergossen. Dann kommt der wichtige Teil. Mit einem rauen Massagehandschuch wird wieder jedes einzelne Körperteil abgeschrubbt, und dabei bilden sich kleine Röllchen abgestorbener Haut. Das muss so sein und tut sehr gut. Ich habe ja mehr als einen Monat im heißen staubigen und vor allem trockenen Süden gelebt, da wird die Haut sehr beansprucht und auch die tägliche Dusche macht nicht wirklich sauber. Eine solche Behandlung nach der Reise ist wirklich richtig toll. Vor allem meine Füße werden erstaunlich heller.

Natürlich wird nun wieder mit Wasser übergossen – nein, wassersparend ist diese Prozedur nicht. Aber so wohltuend. Darauf wird mein ganzer Körper mir Rassoul eingerieben, eine schlammige Masse. Ich bitte darum, dass dies auch auf die Haare kommt, denn auch die sind ausgetrocknet und Rassoul hilft da sehr. Danach wieder Wasser und meine Haare werden schamponiert. Dazu bringt man immer sein eigenes Produkt mit. Doch fertig bin ich immer noch nicht. Nun werde ich wieder am ganzen Körper eingeseift mit einem hellen Duschgel, auch das muss etwas einziehen. Und als ich dann wieder übergossen worden bin ist die Behandlung, die fast eine Stunde gedauert hat abgeschlossen, Nadia holt meinen Bademantel, hüllt mich darin ein und bringt mir noch ein Handtuch für die Haare. Wer will kann nun noch eine Massage anschließen, doch mir reicht es für heute. Diese Behandlung kostet 350 Dirham, also 35 Euro.

Ich bin ganz zufrieden in meinem Riad Tama. Es sind schöne Zimmer, ein nettes Personal und gutes Essen. Was will man mehr.

Von Sesam öffne dich zum Zauberland von Oz

Das Riad Tama, in dem ich nun für zwei Nächte untergebracht bin, ist ein Neubau im Riadstil in Tamassinte, der Filmstadt vor Ouarzazate. Die Atlas Studios sind nicht weit, aber ein Besuch dort reizt mich nicht. Es gibt hier elf Suiten und ich habe an meiner sogar einen kleinen Balkon. Es ist schon hübsch und vor allem das Personal ist sehr freundlich. Aber mir wurde von einer Freundin erzählt, dass die gleiche Familie auch einen Kunsthandwerksladen namens Aladin in Tabounte besitzt, der größte der ganzen Stadt. Das interessiert mich, ich fahre in den Vorort von Ouarzazate und denke, es muss doch einfach sein, ihn zu finden. Ist es aber nicht, es gibt Hotels, auch Artisanats, aber nichts mit Namen Aladin. Ich stoppe kurz um zu überlegen, da hält ein Auto, der Fahrer fragt: Edith Kohlbach? Und schon treffe ich den Besitzer des Ganzen, so klein ist halt Ouarzazate und auch Marokko.

Lahcen ist eher der Hotelmann, sein Schwager betreut den Laden und dem übergibt er mich. Kein Wunder dass ich Aladin nicht gefunden habe, denn diese Schatzhöhle heißt Labyrinthe du Sud und ist seinen Namen wert. Oh mein Gott, was sind hier für Schätze vorhanden. Viele Stücke einfach museumsreif, wunderschöne alte Kunstwerke wie ein kostbares, mit Korallen besetztes Diadem für eine Berberfrau. So etwas kann man heute nicht mehr sehen. Immer weiter geht es in neue Räume, richtig kostbare Dinge warten hier auf einen neuen Besitzer und alles was man sich außer dem nötigen Kleingeld wünscht ist ein hübsches Riad in Marrakech zum Einrichten.

Wir trinken Tee und Lahcen erwähnt, dass ein weiteres Hotel der Familie fast fertig ist. Als ich höre, um welches Gebäude es geht bin ich gleich begeistert, denn das kenne ich gut. Seit vielen Jahren steht kurz vor dem Camping Palmeraie ein großes Gebäude, aber es ist immer noch geschlossen und ich habe mich schon lange gewundert, was es damit auf sich hat. Und nun fährt Lahcen mit mir dorthin. Es ist fast fertig und soll in Kürze eröffnet werden. Oz Palace wird der Name sein und Palace ist auf jeden Fall zutreffend. Hier haben erstklassige Handwerker gearbeitet und die Bauzeit von sechs Jahren lässt sich nachvollziehen. Das wird mit Sicherheit das schönste Hotel von Ouarzazate. Mich begeistern vor allem die Zimmertüren, die schon ein Kunstwerk für sich sind. Jede der 14 Suiten ist ein wenig anders geschnitten mit viel Tadelakt und schönen Fliesen und die Holzdecken sind einfach grandios. Nicht etwa alle gleich, sondern hier sieht man die ganze Palette traditionellen Deckendekors. Man erspart sich schon fast einen Museumsbesuch, wenn man hier nächtigt. Auch die Möbel sind Handarbeit, sie sind fein aus Zedernholz geschnitzt. Und die Betten natürlich King Size und extra lang. Hier würde ich mich auch wohlfühlen, aber ich muss noch ein wenig warten, doch mein Riad Tama ist ja auch schön. Toll ist auch, dass man nicht nur für mobilitätseingeschränkte Personen eine schöne Suite hat, auch das ganze Gelände ist barrierefrei berollbar.

Das Hotel liegt bei Tabounte im Palmenhain und so ist auch der Garten von hohen Palmen bestanden, aber es gibt auch blühende Büsche und sogar Obstbäume. Zumindest Orangen habe ich gesehen. Vor dem Restaurant wird ein Springbrunnen sein, und der Piscine ist schon mit Wasser gefüllt. Hier fühlt man sich wirklich wie in einem orientalischen Wunderland.

Aber im Riad Tama wartet nun die Hammam mit Gommage auf mich.

Kalt

Es ist kalt geworden. Der gestrige Mittwoch war seit Monaten der erste Tag, an dem es mittags nicht über 30 Grad ging. Und heute früh ist es ganz schön frisch, nur im T-Shirt draußen ist ungemütlich, gestern Morgen konnte man in Agdz noch so sitzen. Der Winter ist wohl unaufhaltsam, wenngleich ich noch Möglichkeiten habe, dem schlimmsten zu entgehen. Aber eine ungemütliche Heimfahrt wird es in jedem Fall. Heute wohne ich in dem neuen Riad Tama bei Ouarzazate, den ich testen soll. Naja, hundert Prozent begeistert bin ich nicht. Nettes Personal, schöne Zimmer, gutes Essen, aber irgendetwas fehlt mir. Und gestern Abend wollte ich noch mal im Palmenhain spazieren gehen, doch die Moskitos bissen zu.

Kasbahs und Freunde in Agdz

Die Tage in Zagora waren etwas getrübt, weil ich mich ziemlich schlapp fühlte. Zwar hat Abdellah alles getan, damit ich mich besser fühle und auch eine heiße Suppe gekocht, aber so richtig wurde es nicht. Also setzte ich mich genauso schlapp ins Auto und fuhr nach Agdz. Dort wollte ich in der Casbah-des-Arts wohnen, an deren Aufbau mein guter Freund Kamal el Kacimi beteiligt war. Aber Kamal muss heute so viele Filme drehen, dass er nur noch selten in der Kasbah ist. Doch warteten in Agdz ja noch einige andere Leute auf mich, vor allem mein „bester Mitarbeiter en route“ Wolfgang.

Im letzten Sommer, in der kurzen Periode, in der ich mal in Deutschland erreichbar war, schrieb mich ein Wolfgang aus Österreich an und hatte eine Frage, die sich schlecht schriftlich beantworten ließ. Also rief ich ihn an. Daraus wurde ein sehr langes Gespräch, denn Wolfgang wollte mit seiner Frau zum erstenmal nach Marokko und hatte tausend Fragen. Es gingen noch öfter Emails hin und her und vor wenigen Wochen ist er in Marokko eingereist. Wir unterwegs in entgegen gesetzter Richtung und in Agdz sollten sich unsere Wege kreuzen. Auf seiner Fahrt hatte mich Wolfgang immer über Neuigkeiten und Änderungen informiert, worauf er die Auszeichnung „bester Mitarbeiter en route“ erhielt.

Und da saßen sie denn auch auf dem Campingplatz vor der Kasbah des Kaid Ali, die Beiden im grellroten T-Shirt mit Aufschrift „Immer wieder Österreich“. Das erste persönliche Zusammentreffen verlief sehr herzlich und eine Flasche Wein wurde dazu geköpft. In der Ferne lief ein Mann über den Platz – außer uns war kein einziger Camper da – das ist doch! Ich rief: Mbark. Er drehte sich um und brauchte einen Moment, um mich zu erkennen vor einem für mich doch unüblichen Wohnmobil. Die Überraschung war riesengroß. Er setzte sich zu uns und wir machten ein denkwürdiges Foto, heute und 30 Jahre zuvor im Vergleich.

Ich hatte den Campingplatz 1989 entdeckt, als ich noch nicht begonnen hatte, Reiseführer zu schreiben. Mbark und seine Brüder kümmerten sich um den Platz und es lief alles sehr leger ab, eher freundschaftlich als kommerziell. Es war halt noch eine ganz andere Zeit, als sich noch niemand daran störte, dass die Sanitäranlagen nur aus einem Stehklo bestanden. Aber die Jungs waren nett und ich wurde auch gleich in die Familie aufgenommen. Ich blieb schließlich bis zum Ende meines Urlaubs, weitere 3 Wochen, und es war eine wunderschöne Zeit.

Aber auch mit Wolfgang und Monika war es schön, sie verstehen nicht viel Französisch und waren deshalb froh, in mir eine Übersetzerin zu einer lokalen Persönlichkeit zu bekommen, denn sie hatten viele Fragen. Im Anschluss zeigte ich ihnen noch die Kasbah Kaid Ali, die zum Campingplatz gehört, und auch die Casbah-des-Arts gleich gegenüber, in der ich wohnte. Beide gehören historisch zusammen und ich habe in meinem Reisehandbuch die Geschichte ausführlich aufgeschrieben. Vor allem von dieser zweiten Kasbah, von deren elf Terrassen sich ein wirklich unglaublicher Ausblick bietet, waren sie sehr begeistert. Und am Ende fanden wir dort noch drei interessante Bewohner, nämlich Fledermäuse, die ich noch nie so nahe gesehen hatte.

Es war sehr schade, dass wir uns am nächsten Morgen wieder trennen mussten, ich wäre gerne noch ein wenig mit den Beiden zusammen geblieben. Aber immerhin sandte ich sie nach Zagora in gute Hände, nämlich zu Abdellah, und auch ins Café Oscar mit dem Tipp, sich vorher in der Konditorei ein Stück Kuchen zu kaufen, was natürlich sogleich befolgt wurde.

Von Taragalte nach Zagora

Das Festival habe ich nur am ersten Tag besucht. Aus den Musikgruppen, die am Abend spielen, mache ich mir nicht viel, mir gefällt besser die traditionelle Musik ohne Verstärker, die am ersten Nachmittag gespielt wurde, und die konnte an den nächsten Tagen nicht noch besser werden. Doch hörte ich, dass es abends brechend voll war. Die Einheimischen dürfen das Festival kostenlos besuchen und für die Jugend des Ortes gibt es wenig Abwechslung. Also zog am Abend eine ganze Karawane von Autos und Mopeds hinaus und leider gab es auch zwei tödliche Unfälle bei der An- und Abreise zu beklagen.

Ich genoss deshalb den letzten Tag in der Kasbah in Ruhe und ging nicht vor die Tür. Das Hotel war voll, viele Festival-Besucher wohnten dort und es gab nette Gespräche. Am Abend tauchte dann Belaid auf, ein mir gut bekannter Musiker aus Zagora, den Abdou eigens bestellt hatte, um zu spielen. Doch zunächst ging er mit Abdou zum Festival und ich saß todmüde alleine im Hotel. Um halb zehn ging ich ins Bett. Viertel nach elf dann hörte ich Musik und ging wieder raus. Und dann saßen wir bis nach zwei Uhr zusammen. War es die späte Uhrzeit, an die ich nicht gewöhnt war, oder die zwei Glas Wein? Auf jeden Fall fühlte ich mich am Morgen schauderhaft. Dennoch – ich wollte abreisen. Vier Wochen in der Kasbah sind einfach genug. Es war eine schöne, erholsame und friedliche Zeit, die ich sehr genossen habe. Die Jungs haben alles für mein Wohlbefinden getan. Aber irgendwann ist Schluss und ich muss weiter. Als ich in Zagora im Riad Fennec Sahara ankam war ich total müde und erledigt, mit Essen konnte man mir keine Freude machen und dabei wollte mich jeder einladen. Um 8 Uhr war ich schon im Bett.

Am Montag dann ging es schon viel besser, wenn auch die Energie noch nicht vollständig wiederhergestellt war. Mein Auto blieb jedenfalls in der Garage. Ich wollte zu Belaid, doch der war immer noch in Zagora, auch Mostafa war nicht in seinem Restaurant, also setzte ich mich ins Café Oscar und holte mir einen Kuchen zum köstlichen Milchkaffee. War das lecker. Endlich mal was anderes als das ewige Tajine, ich kann es einfach nicht mehr sehen. Auch an diesem Tag musste ich wieder zwei Einladungen zum Essen ablehnen, doch am Nachmittag spazierte ich zu Belaid.

Hochzeit in Zagora

Auf dem kurzen Straßenstück zwischen meiner Unterkunft und Belaids Auberge Prends ton Temps versperrte ein großes Zelt die Straße, eine Hochzeit wurde gefeiert. Ich hätte mich da nie hinein getraut, doch Belaid sagte, geh nur, die Leute sind freundlich und mögen Touristen. Ich linste also zur Tür hinein, sofort kam ein Mann und fragte, wollen Sie mal schauen. Eine schöne junge Frau stand am Treppenaufgang, er übergab mich ihr, Nora führte mich hinauf und da war dann die Hölle los. Bestimmt 200 Frauen in die schönen bestickten schwarzen Tücher von Zagora gehüllt, saßen in dem großen Raum eines ehemaligen Hotels und sangen und trommelten. Ich erfuhr, dass Nora die Braut war, sie war im Gegensatz zu den anderen in einen beigefarbenen Kaftan gehüllt, der wunderschön mit Perlen bestickt war, dazu trug sie goldene Schuhe. Sie war sehr freundlich und wir unterhielten uns in Englisch. Sie studiert Geschichte in Agadir und wird das auch nach der Heirat fortsetzen. Die Frauen waren ihre Schwestern und Freundinnen und Nachbarinnen, natürlich gab es auch ihre Mutter und damit die ältere Generation, und alle trugen unter den schwarzen Tüchern wunderschöne Kaftane in sehr unterschiedlicher Art und natürlich auch viel Goldschmuck. Das ist ein Fest, wo man sich richtig schön macht. Und ich in meiner scheußlichen Alltagskleidung daneben fühlte mich echt mies. Hätte ich das gewusst, hätte ich zumindest mein mauretanisches Kleid angezogen. Viele der jungen Frauen trugen einen Säugling auf dem Rücken oder dem Schoß, das hinderte sie aber nicht daran, zu tanzen. Die Lieder wurden vor allem von den älteren Frauen gesungen. Wir gerne hätte ich Fotos gemacht, aber das ging natürlich nicht. Aber ich dufte ein Selfie mit Nora, der Braut, machen und von den Händen ihrer Freundin, die das schönste Henna-Muster trugen, das ich je gesehen habe. Dann gab es Tee und jede Frau bekam ein kleines Päckchen mit Süßigkeiten. Ich aß zwar einen Keks, wollte das Päckchen aber als Souvenir mitnehmen, doch Nora erkundigte sich besorgt, ob ich denn die Kekse nicht mag. Aber ich konnte sie beruhigen und überzeugen, dass ich es lieber als Erinnerung aufheben möchte. Die Frauen griffen immer wieder zu den Trommeln und auch mich hielt es nicht. Genau wie Nora nahm ich zwei Teegläser und schlug sie im Takt der Musik gegeneinander. Es war richtig schwer, sich zu verabschieden, sie wollten mich am liebsten die ganze Nacht dabehalten.

Situation an der Grenze Marokko – Mauretanien

Die wildesten Gerüchte kursieren im Internet. Die Grenze sei blockiert, man könnte nur noch im Konvoi fahren und so weiter. Nicht davon stimmt. Was ist passiert?

Vor etwa einer Woche wurden marokkanische Sahraouis wegen Schmuggel zwischen den beiden Ländern mit einer Strafe belegt. Darauf haben sie einen Lastwagen quer gestellt und die Straße blockiert. Wohlgemerkt vor Fort Guergarat, die Grenze selbst war nicht gesperrt und es gab auch keine Konvois. Es gab Verhandlungen und der Lastwagen wurde wieder beseitigt. In diesem Zusammenhang muss ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass es sehr sinnvoll ist, sich eine Einladung für das Land zu besorgen wie in meinem Mauretanienführer geschrieben und somit einen lokalen Kontakt zu haben. Der ist bei sehr vielen Problemen behilflich, zum Beispiel auch, wenn irgendwelche Bestechungsgelder verlangt werden oder ganz einfach für die Formalitäten an der Grenze. Mauretanien ist heute ziemlich sicher geworden, aber dennoch ist es ein Land, das noch weit hinter Marokko zurück liegt. Die malische Grenze mit seinen Rebellen ist nicht weit und im Namen der Sicherheit und vor allem auch zur Vereinfachung der Formalitäten ist eine solche Einladung unbedingt ihr Geld wert. Danach kann man alleine durch Mauretanien fahren, hat aber immer eine Telefonnummer, unter der Hilfestellung erreichbar ist.