Ich bin nun eine stolze SIM!

Nein, mit Mobiltelefonen habe ich nichts zu tun. In meiner geliebten Gruppe Explore Volusia mit unserem Führer Trey hat sich eine kleine Extra-Gruppe gebildet, Leute, die immer noch nicht genug Bewegung und Natur haben, die SIM. Seniors in Motion. Klar, dass ich dazu gehören möchte. Bisher waren alle Verabredungen immer schief gegangen, hatte es nicht in meinem Kalender notiert, aber heute hat es geklappt. Wie immer beim Kayakfahren war es ein eher kühler Tag, das schreckt uns aber nicht ab und die Sonne kam ja bald heraus. Wir haben uns in New Smyrna Beach getroffen und sind eine sehr schöne Tour gefahren vorbei an Traumvillen direkt am Flussufer. Da kann man sich ja schon mal was aussuchen, wenn denn der große Lottogewinn kommt. Ich glaube in Deutschland gibt es nicht viele Gegenden, wo man so wunderschön wohnen kann, mit dem Boot direkt vor dem Haus. Ich meine, ein richtiges Boot, so in der gleichen Preisklasse wie das Mansion. Egal, träumen darf man und in der Zwischenzeit freue ich mich an meinem rosa Kayak. Auch die Vogelwelt war wieder sehr reichhaltig, es war eine der schönsten Fahrten, die wir in der letzten Zeit gemacht haben. Und nein, ich habe keine Häuser fotografiert. Zu schwierig vom wackeligen Kayak.

Cracker Creek

Gestern zum Kayakfahren mit zwei langen Hosen übereinander, oben drei Lagen Shirts und Jacke. Heute in ganz kurzen Hosen und T-Shirt, genau das ist Winter in Florida. Ich habe ja schon so viel erkundet mit meinem rosa Bootchen, aber ich war noch nie im nahe gelegenen Cracker Creek paddeln. Das stand heute an diesem schönen Tag auf dem Plan, zur Abwechslung mal ganz allein. Cracker Creek liegt am Ortsrand von Port Orange, meinem Wohnort, und ist ein kleiner privater Park mitten im Wald bzw. Hammock. Und direkt am Spruce Creek, einem kleinen Fluss der sich durch den Urwald schlängelt. Man kann Bootstouren mitmachen oder sich selbst ein Kanu mieten, aber man kann auch sein eigenes Boot mitbringen und zahlt dann 5 $ Launchgebühr.

Erst als ich am Ufer stand und eine Frau mich fragte, in welche Richtung ich denn nun losziehen will ging mir auf, dass ich mich nicht weiter um die Örtlichkeit gekümmert und auch kein GPS dabei habe. Sie meinte, ich solle rechts ab fahren, wäre schöner, links käme ich recht bald zur Straße.  Also so ganz hat das nicht gestimmt, wie ich nun weiß. Hier kann man den Flusslauf schön erkennen, mein Ausgangspunkt an der Pin-Nadel.

Also gut, dann rechts rum. Unglaublich schöne Landschaft, so muss es ausgesehen haben, als die Indianer dieser sumpfige Land noch für sich hatten und mit den Kanu zum Fischen gefahren sind. Allerdings war es damals mit Sicherheit leiser. Heute grenzt an den Fluss, aber so, dass man es nicht sehen kann, die Spruce Creek Fly-in. Und dort starten und landen Flugzeuge fast minütlich. Aber Flugzeuge haben mich noch nie gestört und es ist einfach schön. Was ich ein wenig vermisse ist Tierleben. Ein einziger Vogel ist zu sehen und leider auch kein Alligator. Dabei sieht es absolut so aus, als könnte es ihnen hier gefallen. Aber das Wasser ist glasklar und alle Bäume sind zweimal zu sehen, einmal in echt, einmal als Spiegel, man wird richtig schwindlig. Traumhaft.

Doch die Fahrt ist nicht ganz einfach. Der Wasserlauf und sein sumpfiger Rand sind naturbelassen. Da fallen während eines Hurrikans auch öfter mal Bäume ins Wasser und versperren den Weg, ich muss mich oft ducken. Und irgendwann geht es einfach nicht mehr weiter und ich muss umkehren. Das Google Earth Foto hatte ich ja vorher nicht gesehen, dort sieht man, dass der Creek immer schmaler wird und dann irgendwie versickert. So ganz recht hat die Frau also nicht gehabt und ich kehre um. Vor allem, wenn man ganz allein unterwegs ist, ist es ja nicht so einfach, man kennt das Wasser nicht und weiß nicht, was noch kommt. Denn außer mir ist kein Mensch unterwegs.

Ich fahre also zurück und habe für den Abstecher tatsächlich nur 30 Minuten gebraucht. Also fahre ich doch noch in die andere Richtung. Ja, der Fluss ist hier breiter, das große Pontonboot fährt hier ja auch, aber es ist trotzdem noch eine sehr schöne Landschaft. Es gibt kaum sichtbare Anwohner. Und auch hier keine Alligatoren. Schließlich erreiche ich einen Bootsanlegesteg ohne Verbotsschild, also öffentlich zugänglich. Das ist selten. Es sind Anlegebuchten für drei Kayaks, aber weitere können am Rand festmachen. Aber heute macht mir keiner die schöne Kayakbucht streitig.Paddeln kann ich ja ganz gut trotz meinem beschädigten Rücken, aber das Aussteigen aus dem flachen Ding! Das ist schon echt schwierig und ich habe Glück, dass ich nicht im Wasser lande.

Ein Schild besagt, dass es sich hier um die Russel Property handelt und dass mit öffentlichen Geldern diese Anlegestelle gebaut wurde. Sie ist ja wirklich komfortabel, was umso ungewöhnlicher ist als man sie von Land nicht anfahren kann. Das Haus auf dem Gelände steht leer und ein Tor verschließt die Zufahrt. Aber es gibt einen Picknicktisch und ein Dixieklo, also ganz klar ist dies als Zwischenstation für Kayakfahrer gedacht. So etwas habe ich bisher noch nie angetroffen und nehme es gerne an. Das nächstemal muss ich mir echt ein Picknick mitbringen und hier länger bleiben. Und als dann noch eine Schar Wanderdrosseln Station macht und ich fotografieren kann bin ich restlos zufrieden.

Insgesamt hat die gemütliche Paddelei hier zwei Stunden gedauert und ich komme zufrieden zurück.

Mal wieder ein Wintertag

6°C waren es heute Morgen, unser fantastischer Führer Trey hat ein Talent dafür, zum Kayak fahren immer die kältesten Tage auszusuchen. Noch gestern war ich mit knappen Shorts Fahrrad fahren, und zwar von Osteen zum Green Springs Park. Es sind nur 7 km, aber so eine herrliche Natur. Das Wetter war genau so, wie man es zum Biken braucht, glasklarer, tiefblauer Himmel, warm, aber nicht heiß, es kann einfach nicht besser sein. Der Trail geht schnurgerade durch einen dichten Hammock, so heißt hier der mit Palmen durchsetzte Wald. Im Park bin ich dann noch kurz zu dem tiefgrünen Teich geradelt, bevor es dann auf dem gleichen Weg zurück ging. Und ein Bussardpaar habe ich auch hoch oben auf dem Baum gesehen.

  

Heute also Kayak. Es war schon gestern auf das Dach gekommen und damit bereit, aber ich war es nicht. Schließlich erzählten die in den News dauernd, wie kalt es ist. Ich habe die Gruppe angeschrieben, gefragt, ob die anderen kommen und um ein wenig Ermutigung gebeten. Und die kam postwendend. Also habe ich mich mit etlichen Lagen Kleidung gewappnet, bin los und war erstaunt. Erstens natürlich über die große Gruppe, die dem Wetter Trotz bietet, dann aber auch über die relative Wärme. Es war halt wieder ein azurblauer Himmel und mit Sonne ist alles nicht so schlimm. Konnte sogar eine Kleidungsschicht zurücklassen. Wir waren im Riverbreezepark, wo sich immer die Delfine tummeln, aber die hatten heute keine Lust. Oder es liegt an der Uhrzeit. Ich bin sonst immer am Nachmittag dort, treffe immer Tümmler, aber heute früh kein Einziger. Aber schön war es doch.

Ein schwarzer Engel steht vor der Tür

Heute war Gartenarbeit angesagt. Der Lawn Service sollte kommen, um meinen Rasen zu mähen, und daran anschließend wollte ich endlich mal die Büsche hinten am Teich zurückschneiden. Das mache ich jedes Jahr einmal und ich brauche meist 3 Tage dafür, denn das Bücken fällt mir nicht leicht und seit dem Rangieren mit dem Kühlschrank habe ich ganz offensichtlich meinen Rücken verletzt. Er war vorher ja schon angeknackst, aber nun ist es ganz schlimm. Ich kann in meiner Gym keinen Workout mehr machen, tut einfach zu weh. Also gehe ich nur noch in den Whirlpool und hoffe, dass es endlich mal besser wird. Aber wenn ich beobachte, wie schnell sich mein Zustand in den letzten Jahren verschlechtert hat, so sehe ich mich schon eines Tages im Rollstuhl sitzen.

Da war es natürlich klar, dass ich mich nicht wirklich um die Arbeit gerissen habe. Frank war da, hat schön gemäht, und ich habe das Gras zusammen gerecht. Das geht noch, ist ja nicht so viel, jetzt im Winter wächst es nicht schnell. Dann immer mal wieder an den Computer, ich stehe ständig mit Lesern in Kontakt. Nun ist Saison der Wohnmobilfahrer und ich bekomme ab und zu neue Infos, die ich für mein Buch brauchen kann. Ich muss in den nächsten Monaten sowohl den Campingführer als auch das Reisehandbuch aktualisieren.

Wie ich da so schön sitze klopft es an meiner Tür. Ein unbekannter schwarzer Mann steht draußen. Zeigt auf meine Palme und meint, ob er vielleicht die Wedel zurückschneiden soll, damit sie im nächsten Hurrikan nicht auf mein Haus fallen. Ich habe das früher, als der Baum kleiner war, immer selbst gemacht, aber nun komme ich nicht mehr dran. Wollte es so lassen. Aber fragte, was er denn dafür haben wolle. 20 $. Also da kann man nichts sagen und ich ließ Jermaine aus der Karibik gewähren. In kurzer Zeit hat er alles runter geschnitten und ein Riesenberg Palmwedel lag am Boden, aber die hat er dann fein säuberlich vor dem Haus aufgeschichtet, wo die Stadt sie abholt. Mit dem letzten Wedel hat er dann noch meinen Weg gekehrt.

Da habe ich ihn gefragt, ob er nicht hinten am Teich ….

Klar, in einer Stunde war alles komplett fertig und ich habe ihn gut bezahlt. War doch ein richtiger Engel, der mir da geschickt wurde. Dieser Betrag hat sich echt gelohnt. Und ich finde es super, wenn jemand aktiv von Haus zu Haus geht und nach Arbeit fragt statt auf dem Sofa zu sitzen und zu jammern.

Ich liebe Events …

… vor allem, wenn sie kostenlos sind. So hatte das Atlantic Center for the Arts eingeladen zu einer Vernissage, Fotos einer Künstlerin sollten gezeigt werden. Ich war pünktlich um 17 Uhr vor Ort, kein Mensch. Noch nicht mal Angestellte. Ich schlenderte umher, bediente mich an den kleinen Leckereien und schließlich, endlich, tauchte jemand auf. Im kurzen Gespräch ergab sich sehr schnell, dass ich aus Deutschland komme, eine weitere Angestellte, Stephanie, eine junge Frau, wurde sofort gerufen, weil sie deutsch spricht. Naja, so gut war ihr Deutsch nicht, aber sie hatte den Weinausschank unter sich. Mutter Deutsche, Vater Amerikaner, hat sie doch hauptsächlich hier gelebt. Aber die Mutter würde ein Reisebüro betreiben. Visitenkarten wurden ausgetauscht, ich werde die Dame aufsuchen, denn vielleicht ergibt sich eine Zusammenarbeit bezüglich Marokko. Im weiteren Gespräch kamen alle Museumsmitarbeiter dazu und ich wurde ganz genau über die Ausstellung aufgeklärt. Ganz ehrlich, die Fotos haben es mir nicht angetan. Sie waren nicht gut, nicht scharf und die dargestellten Szenen waren einfach nicht rund. Ich bin keine besondere Fotografin, aber ich hätte sicher bessere Fotos in meinem Fundus gefunden. Das besondere kam erst im Gespräch heraus. Es waren Fotos aus den 1970ern, eine Fotografin, die seitdem nicht mehr hervorgetreten ist, und die Bilder zeigten meist Familienszenen, und meist nackt. Stopp, nein, keine Pornografie, sondern z.B. ein Baby auf dem Arm der Mutter, beide ohne Kleider, und das ist im prüden Amerika auf jeden Fall eine Seltenheit. Wenn auch die Siebziger mitten in der Befreiungsbewegung lagen, die auch hier ein wenig zu spüren war.

Ich habe den Abend sehr genossen, alle waren für mich da und ich wurde sofort zu einer weiteren Vernissage am nächsten Tag eingeladen. Was für ein Unterschied.

Sehr viel mehr Besucher, keine Häppchen, der Wein musste bezahlt werden. Die Kunstwerke, es waren viele verschiedene, Bilder, Keramiken, Skulpturen, Schmuck, haben mich nicht überzeugt. Ich bin gezielt durchgewandert und habe mir zur Aufgabe gemacht, wenn jemand sagt, ich dürfte mir hier ein Werk aussuchen und mitnehmen, welches würde ich wählen. Und, ganz ehrlich, ich habe keines gefunden, das mir wirklich gefiel. Viel schöner dagegen war es, die Besucher anzuschauen. Florida ist ein sehr eigener Staat. Sehr relaxt. Was sich vor allem auch in der Kleidung der Bewohner ausdrückt. So wird hier wenig Wert auf schickes Aussehen gelegt, eher auf cooles wie Biker-Shirts, Bärte, Tattoos und löchrige Jeans. Selbst in der Upper Class Fly-in Community, wo naturgemäß nur reiche Leute wohnen, zieht man sich eher bescheiden an. Doch hier in der Art Gallery war das ganz anders. Ich frage mich, wo diese schicken Leute sich sonst verstecken. Sie waren eigentlich genauso wie man es sich auch bei uns vorstellt, etwas extravagant angezogen, natürlich eher die Frauen. Die Männer waren durchschnittlich gekleidet, aber es waren andere Typen, als ich sie im First Turn an einem Bikerabend treffe, zum mindesten im Aussehen intelligent und gebildet. Ziemlich schnell habe ich also meine Aufmerksamkeit von den Exponaten umgelenkt auf die Besucher und bin auf meine Kosten gekommen. Leider nicht gesprächsmäßig, da war der andere Abend doch sehr viel ergiebiger.

Ganz anders war dann der Samstag Morgen bei dem Sheriff. In einem kleinen Familien-Event hatte er eingeladen, Ausrüstung und Fahrzeuge zu besichtigen und als Abrundung gab es Hot Dogs und Hamburger. Ein lebendiger Hot Dog war Ceno, Officer in der K9 – Staffel, der Hundestaffel. Er liebte es, sein Spielzeug zu verteidigen und suchte immer jemand, der es ihm aus dem Maul zog. Ich habe mich lieber etwas fern gehalten, so ein Polizist, wenn auch auf vier Beinen, flößt mir Respekt ein. Der rote Polizeiflitzer war dagegen super. Da wäre ich am liebsten sofort der Polizei beigetreten. Er wird aber nicht dazu genutzt, Verbrecher zu jagen, sondern zur Rekrutierung von neuen Beamten. Das klappt sicher, denn ich hätte ja auch am liebsten sofort angefangen. Mike Chitwood, der oberste Sheriff des Bezirks, den ich natürlich schon lange vom Sehen kenne, war offiziell nicht da, er kam inkognito auf seiner morgendliche Radfahrerrunde vorbei und schaute nach seinen Leuten. Noch hat er mich nicht gegrüßt, aber ich glaube, so langsam kennt er mich, bin ich doch immer überall, das letztemal sah ich ihn auf der Christmas Parade.

Heute früh dann habe ich einen weiteren Bike Trail erkundet. Zwar gibt es einen, der mich sehr reizt, aber nicht nur ist er etwa 70 km von mir entfernt, vor allem ist er 18 km lang und es muss die gleiche Strecke zurückgefahren werden. Das schaffe ich im Moment nicht mit meinem Rücken. Doch dann fand ich einen kleinen Trail im Nachbarort New Smyrna Beach, von dem ich überraschenderweise noch nicht gehört hatte. Ja, das ist ein gutes Vorhaben und ich brach früh auf. Heute ist es sonnig, aber kühl gegen fast 30°in den letzten Tagen. Also ideal zum Fahrradfahren. Der Trail war insgesamt 3,6 km lang, aber ich fand eine inoffizielle Verlängerung auf 5, 6 km, so waren es hin und zurück 11 km, gerade genug für meinen Rücken.

So ein Traumwetter

Im letzten Jahr hatte ich zu Silvester und zu Neujahr Besuch aus Deutschland. Sie waren zum erstenmal hier und Florida hat sich von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Silvester war noch schön, wir haben in der Main Street gefeiert, wo unzählige Bands spielen und dann nachher am Strand das Feuerwerk geschaut, aber Neujahr war dann so scheußlich, dass wir noch nicht mal mit Regenschirm raus konnten. Der war umgehend umgebogen. Überraschenderweise war aber der Strand für Fahrzeuge offen und wir fuhren sehr abenteuerlich auf einem Strand entlang, wo man absolut nichts sah und das Wasser gegen unseren Wagen brauste. Ein Erlebnis. Bald darauf hat man dann gemerkt, was los ist und die Strandzufahrt geschlossen.

Und dann dieses Jahr. Erst neulich musste ich mich ja für die Kältewelle neu warm einkleiden, aber die war schnell wieder weg. Und über die Feiertage haben wir dermaßen heißes Wetter, dass man sich wie mitten im Sommer fühlt. Bin gleich verabredet zum Fahrrad fahren am Strand, deshalb wünsche ich euch nur kurz ein wunderschönes Neues Jahr.

Immer nur Biken

Zur Zeit verbringe ich unendlich viele Kilometer im Auto, nur um meine Biketrails zu erkunden. Sie sind oft ziemlich weit von mir entfernt und ich fahre oft 100 und mehr Kilometer am Tag, nur um dann 10 km zu biken. Aber es geht mir ja darum, ein Büchlein darüber zu schreiben und deshalb muss ich öfter zum gleichen Trail. Heute habe ich so ziemlich die Trails in meinem Bezirk abgeschlossen und ich werde zunächst eine Pause einlegen. Aber es macht halt auch Spaß, hier im Auto zu fahren, wenn man für eine Tankfüllung gerade mal 20 Euro zahlt. Davon kann man in Deutschland nur träumen und ich will eigentlich gar nicht mehr heim.

Freunde oder Friends?

Ich komme schon über 20 Jahre nach Florida und immer war mir daran gelegen, auch hier Freunde zu finden und zu behalten. Es ist nicht leicht. Am Anfang fand ich durch das Fliegen Gleichgesinnte. Aber sie zu behalten war schon schwerer, nachdem ich nicht mehr flog waren die Bande zerbrochen. Der einzige, der mir aus dieser Zeit lange blieb, war mein Fluglehrer. Aber auch den kann ich nicht mehr sehen, weil er nun verheiratet und seine Frau eifersüchtig ist. Meine Erfahrung hier ist, dass sehr viel hier in der Familie bleibt. Mit der verbringt man seine Zeit und mit sehr engen alten Freunden. Für Neue ist da kein Platz.

Und am Ende der Reihe kann ich sagen, dass die wenigen, die ich gefunden habe, tatsächlich alles Deutsche sind. Sogar Deutsche, die gar nicht hier leben und die ich daher nicht so oft sehen kann. Woran liegt das? Ist es die gemeinsame Kultur? Wenn ich mir die Menschen hier ansehe, die weißen Amerikaner, so denke ich oft, ach, den kenne ich doch, den habe ich schon getroffen. Das stimmt nicht, es liegt nur daran, dass sie im Aussehen doch sehr ähnlich sind. Kein Wunder, sind doch fast alle weißen Amerikaner aus dem alten Europa und sehr, sehr viele haben deutsche Wurzeln. Warum klappt es also nicht besser? Ich kann es mir ehrlich gesagt selbst nicht erklären. Wie oft treffe ich Menschen in Situationen, aus denen sich nette Gespräche ergeben. Begeistert teilt man Adressen, aber nie kommt etwas zurück. Meine Nachbarin mit den Hunden, die so begeistert war, in mir eine neue Freundin gefunden zu haben. Ich kam zweimal zu ihrem Haus, sie nie zu meinem. Erst neulich war diese nette Frau in der Gym, wir haben uns sofort für den nächsten Sonntag verabredet. Doch bevor es dazu kam erhielt ich eine Absage. So ist es oft. In der gleichen Gym lernte ich zwei deutsche Frauen kennen, die schon lange hier leben. Hier lief es ganz anders. Wir haben uns schon mehrmals getroffen, hatten eine tolle Zeit, und heute bin ich bei ihnen zum Weihnachtsessen eingeladen.

Meine andere Welt ist ja Marokko. Dort habe ich Freunde, aber die Marokkaner will ich mal beiseite lassen. Ich treffe in Marokko auch viele Deutsche und Schweizer. Auch mit ihnen habe ich oft schnell einen guten Kontakt. Klar stimmt nicht bei jedem die Chemie, aber mit etlichen halte ich Kontakt und finde es schön. Warum also klappt es nicht mit den Amis???

Biken bis der Rücken bricht

Sobald das Küchenproblem endlich gelöst war zog es mich wieder hinaus in die Natur. Zwar ist mein Rücken ziemlich kaputt, tut immer noch weh, aber Radfahren geht, nur auf und ab steigen ist schwierig. Muss man halt sitzen bleiben. Es geht mir weniger um das Radfahren an sich, als um die Erkundung der Bike Trails. Ist ungefähr so wie meine Recherche in Marokko für mein Reisehandbuch, die mir unheimlich viel Spaß macht. Für Marokko ist daraus ein Buch entstanden und auch hier kann ich nicht anders als ein Buch zu schreiben, auch wenn es niemals veröffentlich werden wird. Aber für mich selbst ist es hilfreich. Hier bekommt man kaum eine komplette Übersicht über die Trails, was auch daran liegt, dass sie sehr neu sind. Also muss ich selbst los. Habe gerade den Spring-to-Spring Trail fertig gestellt, es sind nur 40 km, aber ich brauche dafür doch mehrere Tage. Das liegt vor allem daran, dass es hier keinen öffentlichen Transport gibt. Ich muss also jede Strecke, die ich erkunde, auch wieder zurück fahren. Und oft ist es auch schwierig, am Beginn des Trails zu parken, genau diese Dinge gehören dann eben in mein Biker-Handbuch. Und dafür muss ich jeweils von meinem Wohnort Port Orange bis an den Ausgangspunkt des Trails fahren, was oft weit ist. Aber gerade das wird mir hier leicht gemacht. Es ist einfach ein Vergnügen, hier auf den Straßen zu fahren und genau das, was mich Deutschland hassen lässt. Was es hier alles NICHT gibt. Radarkästen zur Geschwindigkeitskontrolle zum Beispiel, die mich in Deutschland, aber auch in Frankreich an jeder Ecke verfolgen und mir immer ein schlechtes Gewissen erzeugen, obwohl ich auf eine korrekte Geschwindigkeit achte. Aber neulich habe ich aus Frankreich einen Knollen geschickt bekommen. 40 Euro weil ich 91 in einer 90er Zone gefahren bin. Ja, das ist Raserei und ich schäme mich. Hier in Florida gibt es das nicht. Kästen sowieso nicht und mobile Kontrollen auch eher selten. Auch keine Rotlichkameras an Ampeln. Ich kann hier in Ruhe auf den Straßen fahren ohne schlechtes Gewissen. Dann der nächste Punkt, die breiten, gut ausgebauten Straßen und der relative wenige Verkehr. Natürlich gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung, aber damit komme ich gut zurecht und bin am Ende schneller am Ziel als bei uns, ich kann die Speed Control eingeben und der Wagen gleitet sachte dahin mit der geforderten Geschwindigkeit. Geht im hektischen deutschen Verkehr überhaupt nicht. Und dann die Treibstoffpreise. Im Augenblick haben wir gerade einen Tiefpunkt mit 2,04 $ pro Gallone (3,78 l), da macht Autofahren Spaß. Natürlich auch mit den wirklich großen Parkplätzen, wo man nicht viel rangieren muss. Deutschland will immer mehr das Autofahren den Menschen verbieten, verbietet damit aber auch Lebensfreude und Komfort. Kein Wunder, dass ich weniger und weniger Zeit in Deutschland verbringe, es macht mir hier einfach mehr Spaß.

Hier kommt ein Video von meiner Recherche der Bike Trails:

Und hier  heute am 1. Weihnachtstag meine Grüße an alle Freunde:

Ein paar Videos aus meinem Leben

Vor meinem Chaos Projekt war ja mein Blog für einige Tage gestört und ich konnte nichts berichten. In der dieser Zeit sind einige Videos entstanden, die ich hier mal verlinke.

Das schönste ist sicher das von meinem Ausflug zum Blue Springs State Park

Aber auch der Waschbär ist nett.

Und hier zeige ich, wie meine Kayakhalterung und mein Bikerack funktionieren:

Biken auf einem Multi-Use Trail

und am Strand von New Smyrna Beach