Die kleinen Freuden des Quarantäne Alltags

Ich trinke gerne einen guten Kaffee mit geschäumter Milch und habe deshalb einen Kaffeevollautomaten. Keinen aus der gehobenen Klasse, sondern aus dem mittleren Segment so um die 400 Euro. Er ist jetzt schon ein paar Jährchen alt und macht einen ganz ordentlichen Kaffee, aber beim Milchaufschäumen gibt es schon Verbesserungsbedarf. Aber bin ja kein Krösus und nicht bereit für so etwas an die 1000 Euronen hinzulegen, genauso bin ich auch nicht bereit, jemals eine Kapselmachine zu nutzen. Eine solche Verschwendung von Umweltressourcen wegen der kleinen Kapseln und ein unverschämter Kaffeepreis. Ich möchte immer in meinem Leben frei sein und auch im Kauf von Kaffee.

Nun macht aber die Dampfdüse Probleme und schäumt die Milch nicht mehr auf, der Kaffee kommt dagegen noch einwandfrei. Was tun? Einen neuen Automaten kaufen? Habe einen ganz ordentlichen in Amazon gesehen für 300 Euro. Ja, kommt infrage. Natürlich könnte ich auch, wenn ich nicht gerade in Quarantäne wäre, die Maschine zu einem Service bringen. Kostet aber bestimmt auch eine Menge. Und deshalb kam ich auf die Idee, mal nach Alternativen zu suchen. Und war erstaunt, dass es inzwischen elektrische Milchaufschäumer für 40 Euro gibt, die den Schaum auch erhitzen. Gestern also in Amazon bestellt, und da wir ja in Deutschland sind ist das gute Stück schon da. Ich verkaufe ja selbst in Amazon und bekomme sofort eine Beschwerde, wenn ich nicht schnell genug liefere, anders ist das in USA, dem Herkunftsland von Amazon, wo eine Lieferung ganz offiziell 10 – 14 Tage dauert, was mich immer sehr ärgert. Deshalb wollen sie ja auch das kostenpflichtige Amazon Prime promoten, was ich aber ablehne. Und hier in Deutschland ist es ja auch nicht nötig.

Das Päckchen war also da, ich habe es sofort ausgepackt und meinen ersten Kaffee gekocht. Und bin begeistert. Ein wunderbarer Schaum, grandios. Nun muss ich noch ein wenig daran arbeiten, den Schaum so schön wie ein Barista zu verzieren.

Wer also in der Nähe ist, ein schöner Latte wird gerne geboten. Selbstverständlich NACH meiner Quarantäne.

Quarantäne

Nun bin ich also in häuslicher Quarantäne, darf das Haus noch nicht mal zum Arztbesuch verlassen. Am Flughafen drückte man mir einen Flyer mit Informationen in die Hand und ich sollte unverzüglich das Gesundheitsamt anrufen. Na gut, am Abend werden die nicht mehr arbeiten, aber am Morgen habe ich sie erreicht. Man hat meine Daten aufgeschrieben und gefragt, ob ich Kontakt mit Infizierten hatte. Nein, habe noch niemals einen zu Gesicht bekommen. Also soll ich nun 14 Tage in häuslicher Quarantäne verbleiben und darf noch nicht mal zum Arzt. Nach 5 Monaten Abwesenheit hat man ja so seine Problemchen, neue Rezepte und so, aber mehr, als dass ich den Arzt zu einem Hausbesuch verleite, wollte man mir nicht zugestehen. Und 3 – 4 Tage vor Ablauf würde man mich anrufen, um zu erfragen, ob ich Symptome habe.

Nun, ich habe einen sehr netten Arzt, und sein Hausbesuch würde mich außerordentlich freuen, aber ich werde es mir dennoch verkneifen. Aber irgendwie will ich mir auch die in Florida erworbene gute Kondition erhalten, also gibt es das Treppentraining. Am ersten Tag 32 Minuten treppauf, treppab hat mein Fitness Tracker besser honoriert als alle Biketouren in Florida. So muss es weiter gehen. Doch weiß ich, dass ich zunächst mal mit Muskelkater zu kämpfen habe. In Florida gibt es so gut wie keine Treppen und ich habe eh immer Muskelkater, wenn ich heimkomme. Denn meine fantastische Wohnung ist alles andere als behindertengerecht. Zunächst mal eine Treppe bis zur Haustür, dann eine weitere Treppe bis zum Aufzug, dann wieder eine Treppe zu meiner Wohnung, denn in unserem Haus sind die Wohnungen versetzt angeordnet und nur jede zweite ist vom Aufzug direkt zu erreichen.

Danach ist putzen angesagt, vor allem die Fenster sind kaum noch durchsehbar. Und auch das ist ein super Training für mein Fitnessband, ich erhalte eine Gutschrift von 60 aktiven Minuten. Warum nur macht das nicht so viel Spaß wie ein Lauf am Strand.

Womit man in der Quarantäne natürlich am meisten zu kämpfen hat ist die Einsamkeit. Keine Menschen zum Reden, das ist hart. Deshalb der Appell an alle, die mich kennen, ruft mich an. Auch ihr sitzt ja weitgehend zu Hause und langweilt euch vielleicht. Dann können wir vielleicht zusammen vom glücklichen Reisen träumen.

https://mobilunterwegs.eu/

Freunde

Die Lufthansa Maschine stand pünktlich vor der Tür und auch das Einchecken geht in Coronazeiten blitzschnell. Der kleine Airbus war zu 40 % voll und der Käptn sagte durch, dass jeder sich einen Platz suchen kann, wo er anderen nicht zu nah kommt. Das haben auch viele ausgenutzt. Ich empfand die Atmosphäre sehr bedrückend. Natürlich waren auch in USA viele Einschränkungen, im Supermarkt war der Zutritt beschränkt, einige Gänge waren als Einbahn markiert und überall gibt es Tücher zum Desinfizieren. Dennoch empfinde ich die Lage dort angenehm und nicht panisch. Doch das hat sich sofort geändert als ich in diese Maschine stieg, zum ersten Mal wieder Landsleute um mich herum hatte. Eine Maske zu tragen ist ja gut und nützlich, aber es gab etliche Personen in Vollverkleidung, das heißt sie trugen einen Schutzanzug mit Kapuze, Schutzbrille und Handschuhe. Fast alle Passagiere waren in jüngerem Alter, würde mal sagen Durchschnitt so um die 35, den ich kräftig in die Höhe gedrückt habe. Also nicht unbedingt Risikogruppe. Also das finde ich doch sehr übertrieben.

Mein Plan war, vom Flughafen die S-Bahn nach Wiesbaden zu nehmen und dann ein Taxi nach Taunusstein. Meine Familie wollte/konnte mich nicht abholen, da in Deutschland ja die schöne Regel gilt, dass Großeltern nicht besucht werden sollen. Was natürlich in USA nicht gilt. Dort war das Leben viel freier. Ja, ich weiß, die Krankheitszahlen sind übel, die USA sind nicht unbedingt ein Vorbild, aber das liegt an dem großartigen Präsidenten, der Corona ja eigentlich nicht wahrhaben will. Ein Vorbild können sie nicht sein, aber trotzdem habe ich mich dort sehr viel wohler gefühlt. Als ich aus dem Gate kam standen dennoch einige Abholer da und ich war schon etwas traurig, dass auf mich niemand gewartet hat, gerade in diesen traurigen Zeiten braucht man jemand. Und dann sah ich ein bekanntes Gesicht. Ein Freund, mit dem ich von London gechattet hatte, den ich aber im richtigen Leben seit Jahren nicht gesehen hatte. Stand da und wollte mich abholen.

Gut dass ich eine Maske trug. So konnte niemand sehen wie ich den Mund vor Staunen aufriss und erstmal überhaupt kein Wort heraus brachte. Er meinte so lapidar, ach, er hätte sich gelangweilt und gedacht, warum soll ich nicht zum Flughafen fahren. Klar, in Coronazeiten hat man ja am Abend Langeweile, aber ich weiß, dass da mehr dahinter steckte. Einfach eine absolut liebe und nette Geste, weil ich so einen langen umständlichen Flug hatte. Reiner ich liebe dich und ganz herzlichen Dank.

Das heißt natürlich nicht, dass wir uns demnächst nicht wieder virtuell zerfetzen!

Und so eine Krise zeigt dir auch sehr gut, wer dein Freund ist und wer nicht.

London Heathrow

Ich hatte ja einen schönen Sitz ganz vorne gebucht und war dort auch alleine mit viel Beinfreiheit. Doch war es eigentlich egal, was man gebucht hatte. Die etwa 25 Personen konnten sich im Flieger verteilen wo sie wollten und ich habe mich später sogar in der Mitte über 4 Sitze gelegt, um etwas zu schlafen. Was aber nicht geklappt hat. In den nationalen Flügen gab es keinerlei Bewirtung, aber es war ja klar, dass man uns auf dem neunstündigen Flug nicht verhungern lassen konnte. Es gab also eine Mahlzeit gleich am Abend, so wie immer. Getränke dazu, auch Alkohol, aber später kam niemand mehr. Doch konnte man sich Wasserflaschen holen. Die meisten Leute im Flieger trugen Masken, auch die Flugbegleiter, aber wir hatten ja auch genug Abstand zueinander. Am Morgen dann das übliche Frühstück. Da ich keinen Hunger hatte nahm ich das mit für später. Und das war gut so. Nach dem Aussteigen ging es sofort in den Transitbereich, noch einmal Sicherheitskontrolle, und dann gähnende Leere. So leer hat man diesen Hauptstadtflughafen noch nie gesehen vor Corona. Ich musste mir am Lufthansa Schalter zunächst eine Bordkarte holen, da American Airlines das nicht ausstellen konnte. Sie mussten mich ja auf Lufthansa umbuchen, da AA keine Flüge mehr nach Deutschland hat. Aber alles ohne Aufpreis, das ist zumindest etwas. Wenn ich da an die armen Freunde denke, die in Marokko gestrandet waren, die mussten für die Rückholflüge richtig Geld bezahlen und erst recht, wenn sie mit ihrem Wohnmobil auf den Sonderfähren heimfahren wollten.

Und dann galt es, 10 Stunden zu warten, ich war ja schon kurz nach sechs da und mein Flug sollte um 16:30 Uhr abgehen. Mein Telefonprovider sendete mir eine Willkommensmitteilung mit der Nachricht, dass ich Telefon und Internet zum Inlandspreis nutzen kann. Wenigstens etwas. Aber im Flughafen war wirklich alles zu. Einzig ein kleiner Laden, der Drogerieartikel, Bücher, kalte Getränke und Sandwichs verkauft, war offen, es durfte immer nur einer hinein. Kein Kaffee zu bekommen, was es ja in Fort Worth noch gab. Zwar gibt es in diesen leeren Zeiten genug Sitze, aber die sind so miserabel hart und unbequem. Und nur ganz wenige USB-Anschlüsse um das Handy aufzuladen, was auf einer 33-stündigen Reise ja nötig ist. Die Lounges der Airline natürlich auch geschlossen. Also immerhin spare ich viel Geld. Nur eine einzige gute Sache kann ich hier entdecken, und zwar die Wasserspender. Sie stehen überall und man kann dort seine Trinkflasche auffüllen, was ich ausgiebig tue. Kostenloses Trinkwasser ist etwas, das ich in Deutschland sehr vermisse.

Aber die Sitze. Das geht gar nicht. Vor allem wenn es mal eine Ladestation gibt, sitzen natürlich dort auch die wenigen Leute, mit zu wenig Abstand. Als ich sehe, dass um 9.30 Uhr tatsächlich eine zweite Lufthansa Maschine abgeht, gehe ich an den Schalter. Aber ich kann nichts erreichen, noch nicht mal kostenpflichtig umbuchen. Denn ich habe ja nicht direkt gebucht, sondern AA hat mich umgeleitet. Ich beschwere mich über die unbequemen Sitze und da sagt das Mädel, aber es gibt doch bessere. Ja, wo denn? Ich habe das Terminal schon xmal durchquert und nichts gefunden. Sie meint, sie hat sowieso nichts zu tun und führt mich hin. Ich traue meinen Augen nicht. Ganz abseits vom Laufstrom ist eine hübsche Ecke mit Sesseln und jeder mit USB. Ja, da kann ich es aushalten. Es gibt 10 Sitzgelegenheiten und außer mir sind noch 3 junge Leute da, sie gehören zusammen. Sonst hat kein Mensch diese schöne Ecke gefunden. Ich chatte ausführlich mit Freunden und Familie, lese, schlafe ein wenig. Schreibe diesen Blog. Trotzdem geht die Zeit sehr langsam um. Und vor allem esse ich nun mein Frühstück. Zum Glück habe ich recht wenig Hunger, es ist auch nur ein Joghurt mit Granola, den Müsliriegel hebe ich mir für später auf.

Ach, ich muss jede Minute dieser Reise auskosten, denn so was kommt so schnell nicht mehr.

 

Paar Stunden später

Die Wartezeit ging ganz gut rum, ich konnte sogar einen Kaffee kaufen und Verpflegung hatte ich dabei. Von Charlotte gab es keinerlei internationalen Füge und auch viele nationale waren gecancelt. Es werden halt viele Flüge zusammen gelegt. Dann konnten wir in die Maschine steigen, ich hatte ja einen Sitz in der ersten Reihe der Economy und ich konnte nur staunen wieviele Menschen an mir vorbei gingen. Gefühlt waren es so viele, dass sie ganz sicher hinten wieder raus mussten. Als die Tür zuging sah ich, dass wirklich jeder Platz besetzt war. Die Flugbegleiter haben ja jetzt einen ganz bequemen Job, denn es werden keine Getränke ausgeschenkt, sie haben während des Fluges nichts zu tun und sammeln nur nachher Abfall ein, denn die Leute dürfen sich was mitbringen.

Wie schon zuvor hob auch dieser Flug überpünktlich ab, einen Vorteil haben die ausgefallenen Flüge schon und wir kamen auch wieder viel zu früh an. Dallas Fort Worth. Mein Gott, ist dieser Airport groß. Wir rollten endlos über das Flugfeld, Frankfurt könnte sich hier locker verstecken, und als wir endlich ankamen und ich den Shuttle zu einem der anderen Terminals nahm konnte ich so richtig die Ausmaße erkennen, es ist eine endlose Fahrt.

Zum Glück hatte ich hier genügend Zeit zum Umsteigen. Während die nationale Abteilung ziemlich voll ist, ich schätze nur 40 % tragen Masken, ist das internationale Terminal fast leer. Auch die Geschäfte und Restaurants haben überwiegend zu, nur einige wenige sind geöffnet, wo ich bei Starbucks stolze 5,30 USD für einen mittleren Kaffee lasse.

Nun warte ich, Boarding muss gleich losgehen. Mit mir warten etwa 25 Personen.

19. April: Es geht heim

Mein offiziell gebuchter Rückflugtermin war der 19. April. Aber die Coronakrise hat vieles verändert und auch meinen Flug gecancelt. Doch gerade das erlaubte mir auch die Freiheit der Entscheidung. Ich konnte sofort zurückfliegen, was die vernünftigen, ängstlichen Leute wohl getan hätten. Ich konnte auch für den 19.4. einen Flug bekommen, wenn auch umständlich. Aber es wäre auch möglich gewesen, das alles bis in den Mai zu verschieben in der Hoffnung, dass dann alles wieder besser wird.

Leicht war die Entscheidung nicht. Oft ging es in meinen Gedanken hin und her. Aber schließlich habe ich mich entschieden, es bei dem 19. April zu belassen. Und der ist nun heute.

Den 33 stündigen Flug sehe ich als vielleicht letztes Abenteuer in diesem Jahr an. Reisen sind mein Leben, nur auf Reisen bin ich glücklich. Was sicher auch damit zu tun hat dass ich alleine lebe und nur auf Reisen nette Menschen treffe. Und nun ist erstmal alles verboten. Keine Reisen innerhalb Deutschlands und erst recht keine internationalen. Und wenn man sich die Liste der Länder mit Reisebeschränkungen, d.h. Einreiseverboten anschaut, so sind so ziemlich alle dabei. Ich glaube im zweiten Weltkrieg war es nicht so schlimm. Und deshalb freue ich mich nun auf jede einzelne Etappe.

Ich brauchte keinen Wecker, denn um 3:20 Uhr weckte mich eine Message der Airline und teilte mir mit, dass es ab Gate 3 geht. Prima. Dann findet der Flug also statt. Jimmy, ein Nachbar, fuhr mich, bestand aber darauf, dass ich eine Maske anlege, auch er hatte sich in der Bankräuber-Fashion etwas ums Gesicht gebunden. Der Flughafen Daytona Beach war gespenstisch leer, als ich um kurz nach 4 Uhr dort eintraf. Natürlich gab es keine Schlangen, auch wenn man wirklich mein Gepäck gut durchsucht hat nach meinen Cookies und ich überall abgetastet wurde. Nein, leider nicht von einem schicken jungen Mann. Dann kam der Aufruf zum Boarding, echt witzig, sie zählte ab, Passagier 1, 2 …8, Sie können nun alle boarden. Ich hatte mir auf den drei American Airline Etappen immer die erste Reihe reserviert, gab ja keine Konkurrenz. Für die letzte Etappe mit Lufthansa habe ich weder eine Bordkarte noch konnte ich den Sitz kostenlos wählen. Jaja, die Lufthansa. Hoffentlich gibt es dort wenigstens Sekt. Und an Bord hieß es dann auch, Sie können sich hinsetzen wo sie wollen, um social distance zu halten. Zu trinken gab es nichts, die Damen kamen während des Fluges auch nicht durch die Reihen. Aber waren ja nur 90 Minuten.

Nun sitze ich also in im leeren Flughafen von Charlotte und schaue wie es weiter geht. Werde berichten.

Der Beach gehört uns allen

Nachdem gestern der Beach und alle anliegenden öffentlichen Parkplätze geschlossen wurden hat man heute teilweise wieder zurück gerudert. Wohl auf heftigen Protest der Bürger. Es ist ja so dass es in unserem Bereich recht wenige Orte gibt, wo man sich körperlich betätigen kann und deshalb wurde heute zwar die Schließung nicht aufgehoben, aber die sportliche Betätigung erlaubt. Schwimmen, laufen, radfahren, surfen, alles erlaubt. Aber nicht sonnen, sitzen, lesen. Nach dem Sport soll es gleich wieder heim gehen. Und damit das nicht überhandnimmt lässt man die Parkplätze zu. Da muss man sich schon sehr gut auskennen, um noch ein Plätzchen zu finden.

Und nur mal so für mich hin gedacht. Es ist ja sehr viel zu, vor allem auch etliche Bootsrampen. Boot fahren, vor allem zum Fischen, ist aber sehr verbreitet in Florida und nicht verboten. Und deshalb drängen sich nun auf den wenigen geöffneten Plätzen ganz viele Menschen. Auch einige Parks sind geschlossen, was dazu führt, dass die offenen mehr Besucher haben. Wie war das mit dem 6 ft Abstand? Wäre mehr offen könnten wir mehr Abstand halten.

1. Tag mit Ausgangssperre

Ich war nun ziemlich neugierig, wie das läuft mit den geschlossenen Stränden, also fuhr ich gleich am Morgen Richtung Ponce Inlet. Sämtliche öffentlichen Parkplätze entlang der A1A waren gesperrt, bewacht von so vielen Polizeifahrzeugen, wie ich es noch nie gesehen habe. Dass die überhaupt so viele Wagen haben. Örtliche Polizei, Sheriff, alles war da um die Kriminellen davon abzuhalten, am Strand frische Luft zu schnappen. Ponce Inlet hat zahlreiche schöne Bürgersteige, die gerne zum Laufen und Radfahren genutzt werden, sie sind weiterhin auf, aber wenn man nicht zu den Anwohnern gehört muss man ja irgendwo parken. Mein Port Orange hat überhaupt keine Trails, da kann ich nicht fahren. Schließlich fand ich am Leuchtturm den Parkplatz für die Bootstrailer offen und parkte. Dann traf ich den Sheriff und erkundigte mich, ob der Parkplatz auf bleibt, denn Barrikaden standen schon in der Nähe. Er sagte wenn ich zurück komme und mein Auto ist weg dann weiß ich dass ich nicht parken darf. Ich habe ihn so geschockt angeschaut, dass er gleich meinte, das war ein Scherz. Also gut, ich begab mich auf meine Radstrecke und bekam mein heutiges Training, aber irgendwie fühlt man sich komisch. Zwar wird ausdrücklich gesagt, dass es erlaubt ist, alleine für sich Sport zu machen, aber irgendwo muss das Auto ja bleiben. Nur wenige Begünstigte haben den Radweg gleich vor der Tür.

Na gut, ich übe dann schon einmal zu Hause.

Meine Weltreise

Gestern hat nun auch Florida eine Ausgangsbeschränkung angeordnet, ähnlich wie Deutschland. Man darf nur noch raus, um zur systemwichtigen Arbeit zu gehen, zum Arzt und für Lebensmittel usw. Zum Glück scheinen die Bikeshops noch systemwichtig zu sein, was sie ja auch sind. Seit Beginn der Einschränkungen verkauft der Laden in meinem Ort wesentlich mehr Fahrräder, und fast jeder nimmt mein Buch mit dazu. Stay healthy. Und heute wurden nun auch die Strände geschlossen, was die Locals sehr trifft. Auch ich bedaure es, aber die Bike Trails sind mir wichtiger. Was aber noch nicht so klar ist, ist, wie weit man fahren darf, um seinen Freizeitsport auszuüben. Port Orange hat ja leider keine Bike Trails, ich muss da schon so 20 – 40 km fahren und ob das erlaubt wird muss man erst mal sehen. Also auch, ob es Kontrollen gibt, wer auf der Straße ist. So richtig weiß noch keiner hier, wie es abgeht. Heute früh war ich zunächst in einem Bike Shop, um vor meiner Abreise noch ein paar Bücher hinzubringen. Danach ging es aufs Rad, und zwar in einen State Forest in Ormond Beach, da ich ja schon mal da war. Hier kann man exzellentes Social Distancing machen, denn es war absolut niemand da. Zwei Stunden auf relativ weichem Untergrund, das war genug Kondition für heute.

Und dann ging es zum Airport. Mein Reisebüro stellt sich ja tot, vielleicht ist es schon bankrott. Noch neulich hatte ich am Schalter erfahren, dass es relativ einfach sein wird umzubuchen, es käme nur eine weitere Zwischenstation dazu. Das war heute schon wesentlich schwieriger. Aber die Mitarbeiter am Flughafen haben ja nichts zu tun und deshalb genug Zeit, sich um mein Anliegen zu kümmern, was sie auch sehr freundlich getan haben. Schließlich bekam ich einen Flug mit drei Stopps und 10 Sunden Aufenthalt in London. Aber wenn es so klappt wie es im Augenblick ist, ist es zwar eine richtige Weltreise, aber ich könnte in Daytona einsteigen und am Ende in Frankfurt aus. Doch sagte die Dame gleich, dass es möglich ist, dass der Daytona Flug storniert wird, wenn zu wenige Personen übrig bleiben fliegen sie nicht. Und dann muss ich nach Orlando, was ziemlich schwierig ist in der augenblicklichen Lage. Als Abreisetag bleibt wie vorgesehen der 19.4. Aber warten wirs ab.

Dann ging es nach Hause, Gas Grill anwerfen. Heute ist wieder Steak angesagt, 2 sind noch in der Truhe und ich muss ja langsam zusehen, dass meine Vorräte aufgegessen werden. Gestern hatte ich noch mal Brot gebacken, das wird so etwa bis zum 19. reichen. Zum Essen gab es dann von überall her Updates. Volusia County hat informiert, dass die Strände zubleiben, Port Orange hat extra Weisungen gegeben und auch der Präsident hatte was zu sagen. So geht die Zeit hier rum. Dann noch den Garten wässern, bei mir und bei Freunden und später schaue ich mir dann an, was in Deutschland so abgeht in Punkto Virus. Vielleicht mit einem Corona-Bierchen in der Hand?

Eine Auszeit vom Virus

Schon den ganzen März über haben wir richtiges Sommerwetter mit fast 30 Grad und keinen Regen. Einfach ein Traum, so als sollten wir hier in Florida für die harten Zeiten entschädigt werden. Heute früh überlegte ich kurz, was auf dem Programm stehen sollte und ich entschied mich für Titusville. Dort war ich schon lange nicht mehr und ich wollte schauen, wie der Trail (natürlich in meinem Bike Book enthalten) weitergeht. Der offizielle Trail endet ja vor der Brücke zu Merritt Island, aber über die Brücke sollte doch eine Spur gehen. Ich parkte also kurz vor der Brücke und fuhr zunächst den Trail ein wenig rückwärts, dann wieder zur Brücke. Tatsächlich geht eine Spur hinauf, aber nur durch eine Linie von der Fahrbahn getrennt. Also fuhr ich lieber unter die Brücke. Ach, was für ein herrliches Wetter. Die Sonne brennt so richtig auf meine Haut, genau was ich brauche und liebe. Und überall sitzen Angler und warten, dass einer anbeisst. Die offiziellen Bootsrampen sind ja seid heute geschlossen, wenn ich auch nicht genau weiß, warum. Nirgendwo kann man so schön social distancing üben wie allein auf einem Fischerboot. Und bei dem herrlichen Wetter zieht es die Menschen einfach raus. Aber es ist relativ ruhig, keine Menschenansammlungen und im Restaurant wird die Auszeit für einen Neuanstrich genutzt.

Zurück am Auto entscheide ich, über die Brücke und weiter zu Merritt Island zu fahren, denn das ist ein schöner, alternativer Rückweg. Ich komme zum Blackbear Wildlife Drive, den ich wegen seinem Wildlife sehr liebe. Es ist viel los, Auto hinter Auto, aber schon am Eingang konnte man es ahnen. Kein Wildlife in Sicht. Deshalb wurde für die Strecke auch keine Eintrittsgebühr erhoben. Aber ich kenne die Tierwelt hier ja gut, habe unzählige Fotos und so ist es auch interessant, diesen Drive einmal im Sommer zu sehen. Die Hitze und Trockheit haben die meisten Wasserstellen ausgetrocknet, die Migrantenvögel sind in ihre Sommergefilde zurück gekehrt und die Alligatoren bleiben lieber im kühlen Wasser, nur ein Kleiner liegt am Ufer.

Weiter geht es und ich komme am Scrub Ridge Trail vorbei, ein kleiner Spazierweg von einer Meile. Auch hier einfach wunderschön, durch die Landschaft zu streifen. Hier und da mal ein Vogel, aber sehr wenig. Und auch noch ein weiterer Trail folgt, den ich diesmal mit dem Fahrrad fahre, denn meine Kilometerleistung für heute ist noch nicht erreicht. Ich genieße jeden Sonnenstrahl, als wäre es mein Letzter.

Zu Hause habe ich auch etwas besonderes vor, eigentlich soll es Ente mit Orangensauce geben, ein Gericht, für das mein Sohn berühmt ist. Er hat mir sein Rezept verraten. Enten gibt es in Florida nicht, also muss Hühnchen her, das ich schon am Morgen in eine Marinade aus Kräutern und Orangen gelegt habe. Dazu gibt es Reis und eben die Orangensauce. Mein Sohn sagte, ohne Sherry und Cointreau geht es nicht, also ab zum Inder. Wird eine richtig teure Sauce. Das junge Mädel im Laden, das mich neulich so fachkundig über Margarita Mix beraten hat, hat von Sherry noch nie was gehört und denkt, es muss irgendwie Schnaps mit Kirschgeschmack sein. Aber als ich sage, es ist eine Art Wein schickt sie mich in die Weinecke und tatsächlich, dort steht der Sherry. Sie ist erstaunt, hat noch nie was davon gehört. Cointreau gibt es dann in der Miniflasche.

Nun habe ich also alle Zutaten zusammen und es geht los. Aber die Ehre gebührt doch weiterhin meinem Sohn, der Geschmack kommt bei weitem nicht an seine Sauce heran. Nun ja, es kann ja nicht jeder alles können.

Nach dem Essen muss ich unbedingt noch meinen Krimi zu Ende lesen. Das Buch Bad Wolf von Nele Neuhaus spielt im Frankfurter Raum. Aber es ist doch sehr, sehr seltsam, ein deutsches Buch in der englischen Übersetzung zu lesen. Manch ein Wort verstehe ich in der Übersetzung noch nicht mal, obwohl ich amerikanische Bücher fließend lese. Ich schaue nach dem Namen des Übersetzers, aber er scheint wirklich ein Muttersprachler zu sein. Dazu kommt, dass die Geschichte zu Anfang auch sehr kompliziert ist, viele Personen sind darin verwickelt, die man erst einmal auseinander halten muss.

Und dann war es schon Schlafenszeit, ein ganzer Tag vergangen ohne Nachrichten über den Virus. Ich glaube, ich lasse es heute auch dabei. Was für ein schöner Tag und das alles ohne dass ich einem Menschen zu nah kommen musste.