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Was ist eigentlich das Gegenteil von Heimweh? Keine Ahnung, kann es nicht benennen, nur fühlen. Bald muss ich heim und ich will absolut nicht. Jetzt gibt es wieder die Superschlauen, die sagen, ja bleib doch. Wandere aus. Aber leider ist dies nicht so einfach, es gibt eine Menge Gründe dagegen, die ich euch jetzt nicht aufzählen werde. Zu persönlich. Ergebnis ist, ich muss heim.

Wenn es irgendetwas Schönes an dieser Tatsache gibt, so ist dies nur der Flug. Auf den freue ich mich wirklich. Mein Hinflug ging ja über die DomRep, so dass ich nun einen extra Rückflug brauchte. Also nur Einweg. Habt ihr so etwas schon mal gebucht? Schweineteuer! Hätte in der billigsten Economy etwa 1000 Euro gezahlt, nur einfach ohne Gepäck. Schließlich habe ich für nur wenig mehr einen Roundtrip gefunden in der besten Economy Klasse. Delta hat umgebaut und bietet nun in Economy drei Klassen an. Ich habe die Premium Select, nur ein wenig schlechter als Business und es scheint sogar Zugang zu der Lounge zu bieten. Kann gerne nach dem Flug über die Erfahrung berichten. Das heißt natürlich auch, dass ich für den Herbst schon meinen Rückflug nach Florida habe und dann wieder vor der gleichen Situation stehe, zurück nach Deutschland zu müssen.

Aber so weit sind wir ja noch nicht. Erst einmal geht es um das Negativ-Heimweh. Ich bin hier inzwischen so sehr verwurzelt und werde gebraucht, dass ich mich nur sehr schwer lösen kann. In Taunusstein wartet kein Schwein auf mich, braucht mich niemand. Das ist schon schwer.

Snowbird

Eine Bekannte sagte einmal zu mir, du bist doch immer nur kurz dort, da kannst du doch keine Beziehungen aufbauen. Wie falsch das war. Florida ist einfach einzigartig, dies ist ein State, in den viele Amerikaner und Kanadier, sogar ein paar Deutsche, tatsächlich nur für den Winter kommen. Das ist hier das normale Leben, darauf ist alles aufgebaut. Und es hat tatsächlich eine lange Tradition. Schon vor über 100 Jahren haben hier die Reichen aus New York überwintert, haben den Staat erst aufgebaut. Und wie schön, dass dies heute auch für Nicht-Reiche so wie mich möglich ist. Fast alle Leute, mit denen ich zu tun habe sind nur im Winterhalbjahr hier und alle Serviceprodukte sind darauf aufgebaut. Nehmen wir einmal Internet und TV. Letzteres brauche ich nicht, da ich streame, aber Internet ist sehr wichtig. Mein Provider, Spectrum, bietet da einfache Lösungen. Entweder ich kündige jeweils bei meiner Abreise und melde mich danach wieder neu an. Das kostet eine Gebühr. Oder ich melde eben seasonal an, also eine Auszeit für den Sommer. Das kostet pro Monat ebenfalls eine Gebühr, aber gering, so dass die beiden Alternativen in etwa aufs Gleiche rauskommen. Diesmal habe ich seasonal gewählt, da ich ja auch durch den Rückflug den genauen Tag kenne, wo ich wiederkomme, und automatisch habe ich von diesem Tag an wieder Internet.

Strom und Wasser lasse ich immer weiter laufen, aber wichtig ist mir da noch mein Sportstudio. Schon allein der normale Preis ist der Hammer. Ich zahle monatlich knapp 30 $ für ein komfortables Studio mit Pool, Sauna und Jacuzzi. Auch hier könnte ich mich einfach ganz abmelden, oder gegen geringe Gebühr den Vertrag einfach einfrieren. Diesmal war ich nicht so ganz sicher, ob ich vielleicht doch kündige, zögerte, und schon bot man mir an, den Vertrag ohne Gebühr einzufrieren. Das ist Service.

Und dann sind wir beim Autofahren. Darüber habe ich schon oft berichtet, aber man kann einfach nie genug darüber sagen. Für mich ist Autofahren einfach ein humanitäres Recht, ich brauche es und möchte nicht darauf verzichten. Und hier kann man dies einfach entspannt. Zwar schossen auch hier durch den Krieg in der Ukraine die Benzinpreise in die Höhe, aber sie sind immer noch nur halb so hoch wie in Deutschland. Aber das ist es nicht alleine. Gerade kürzlich lese ich in Facebook in der Gruppe Polizeikontrolle von den täglichen Blitzern, die irgendwo stehen. Das gibt es hier einfach nicht. Hier kann man recht entspannt fahren. Ich rede hier nicht zugunsten von Rasern, das ist natürlich nicht richtig, aber jedem normalen Autofahrer kann es passieren, dass er mal zu schnell ist und schon ist es kriminell. Hier nicht. Hier läuft es entspannt und ich habe noch nie ein Ticket bekommen. Auch Rotlichtkameras gibt es so gut wie nicht.

Dass es überall Parkplätze gibt habe ich ja früher schon erwähnt, aber auch die reinen Fahrzeugkosten sind viel niedriger, so dass sich wirklich jeder ein Auto leisten kann. Einen TÜV und die damit verbundene Gebühr gibt es nicht, auch eine Autosteuer nicht, nur das Tag, also die Zulassung, muss jährlich bezahlt werden, Kosten unter 50 $. Und auch die Autoversicherung, die auf deutschem Niveau ist, lässt sich bequem absenken für die Zeit, die das Fahrzeug unberührt in der Garage steht.

Ein paar Gründe fürs Hierbleiben, aber es gibt noch so viel mehr. Das Wetter, die niedrigeren Hauspreise, das entspannte Leben. Ach, ich mache lieber nicht so viel Reklame, sonst kommen alle.

Goodwill

Wenn ich einen Laden vermisse werde, wenn ich zurück in Deutschland bin, dann ist es Goodwill. Das ist für mich wie eine Wundertüte, jeden Tag finde ich eine neue Überraschung.

Es gibt hier in Florida etwas, was ich mir sehnlichst für Deutschland wünsche. Das sind die Thrift Stores. Es sind Läden geführt von gemeinnützigen Organisationen, als Arbeitskräfte meist freiwillige Helfer, die gebrauchte Sachen anbieten. Oft gehören sie zu Kirchen, oder Hospizen oder Tierhilfevereinen und zahlen daher auch keine Steuern. Menschen bringen ihre überflüssigen Sachen dorthin, von Kleidung über Hausrat bis hin zu Möbeln, geben dies kostenlos ab und dann wird es zugunsten der Einrichtung sehr billig verkauft. Ich weiß, dass es auch in Deutschland die Sozialkaufhäuser gibt. Aber erstens sind es sehr wenige und zweitens werden sie von der Bevölkerung nicht so angenommen wie hier. Hier gehen also nicht nur arme Menschen einkaufen, die sich nichts Neues leisten können, hier geht jeder hin und findet immer was Interessantes. So hat eine kleine Kirche auf dem Weg zum Sportstudio, wo ich häufig vorbei fahre, einen solchen Laden, und ich habe dort hauptsächlich Geschirr für meinen Haushalt gekauft. Sehr schön und sehr billig. Und wenn ich selbst überflüssige Sachen habe bringe ich sie vorwiegend dorthin. Zwar haben wir in Deutschland Altkleider-Container, aber wir wissen ja alle, dass diese Sachen oft nicht wiederverwendet werden. Oder nach Afrika verschifft werden und dort die lokalen Preise kaputt machen. Hier wird alles örtlich wiederverwertet, was in den Laden kommt.

Goodwill dagegen ist ein klein wenig anders. Es ist eine ziemlich große, überregionale Organisation, die es sich hauptsächlich zum Ziel setzt, Menschen Arbeit zu geben. Also nicht nur mit kostenlosen Freiwilligen zu arbeiten, und sie zahlen auch Steuern. Daher sind die Preise dort ein wenig höher. Das hält aber niemand vom Kaufen ab. Der Laden wird gestürmt. Er hat 7 Tage die Woche auf und gerade der Sonntag ist ein sehr beliebter Tag. Dort sieht man Menschen aller Schichten einkaufen, und an der hinteren Tür, wo man seine Sachen abliefern kann, fährt eine beständige Autoschlange vor. Im Laden selbst sind die Mitarbeiter ununterbrochen dabei, die Regale mit den gespendeten Sachen aufzufüllen.

Fast jeden Tag gehe ich mal in den Laden und es ist unglaublich, was ich da schon gefunden habe. Nagelneue Kleidungsstücke, die das Preisschild noch haben, für unter 10 $. Riesenauswahl an Sportklamotten, womit ich mich reichlich eingedeckt habe. So reichlich, dass ich einen neuen Koffer kaufen musste und trotzdem noch nicht recht weiß, wie ich das alles heimschleppen kann.

Aber am Interessantesten ist das Technik – Regal. Was man da nicht immer findet, Dinge, von denen man nie geglaubt hat, dass sie existieren. Wie zum Beispiel der Bierdosenhalter für die Dusche. Ist das nicht absolut lebenswichtig? Der schöne nagelneue Duschkopf, den ich mir geleistet habe, ist da schon weit weniger spannend. Oder die Light-Show für den Pool. Und so richtig motivierend fand ich die neue Tasse mit dem Plan B, ein Ratschlag, der immer wichtig ist.

Biker

Selbst in Florida habe ich manchmal ziemlich depressive Stimmungen. Als Single fehlt mir einfach oft jemand zum Quatschen. Aber ich weiß, wenn ich nur auf meiner Couch sitzen bleibe hilft mir das absolut nicht. Raus muss man. Das ist nicht nur schön, um etwas zu sehen und sich zu bewegen, oft trifft man auch nette Leute.

Diese Woche bin ich mit dem Zug nach Orlando gefahren, um einen Biketrail auszuprobieren. Auf dem Rückweg habe ich dann in Winter Park Station gemacht. Wer das nicht kennt, dieser Ort ist absolut einen Stopp wert. Völlig unamerikanisch. Ein nettes Zentrum zum Bummeln, schöne Boutiquen und tolle Restaurants. Viele Leute sind zu Fuß unterwegs, lassen ihr Auto stehen. Und absolut Upper Class.

So schob ich also mein Bike durch die netten Gassen, kam an einem Straßencafe vorbei. Dort saß ein Biker, ganz klar zu erkennen an seinem eindeutigen T-Shirt. Wir lächelten uns an. Ich stoppte. Er forderte mich auf, doch auf einen Kaffee zu bleiben. Ich tats. Es folgte eine wahnsinnig tolle Unterhaltung von gut einer Stunde, in deren Verlauf er sogar mein Buch kaufte, das ich natürlich dabei hatte. Die Unterhaltung war wirklich interessant, es gab so viele Gemeinsamkeiten, aber als ich erwähnte, dass wir am kommenden Sonntag ein großes Bike-Event haben, wo man noch mitmachen kann, fragte er nach der Uhrzeit. Er hatte durchaus Interesse, aber als ich sagte, Sonntag Morgen, meinte er sofort, nein, das geht nicht, er muss in die Kirche, sei Republikaner und sehr konservativ. Mhm, so kann man sich in Menschen täuschen, bis dahin wirkte er tolerant und offen. Aber egal, es war schön, mit ihm zu reden.

Ähnlich ging es mir vor zwei Tagen. Ich saß im Jacuzzi des Sport Studios und kam mit zwei Männern ins Gespräch. Beide Biker. Also, um es klar zu sagen, Fahrradfahrer, nicht Motorrad. Was ja im englischen nicht immer klar zu erkennen ist. Auch hier wieder nette Unterhaltung. Einer gab sich als Nachbar des örtlichen Bike Shop Inhabers zu erkennen. Ich meinte nur, dann sollte er in den Laden gehen, dort würde er mein Buch auf der Theke finden. Und auch hier sprach ich die Einladung zum Bike Event für diesen Sonntag aus und bekam die gleiche Antwort. Nein, muss zur Kirche.

Das ist schon ein Unterschied zwischen der Gesellschaft hier und der in Deutschland. Es waren ja die extrem gläubigen Christen, die ihr Heimatland vor gut 200 Jahren verlassen haben, nach Amerika auswanderten, um ihren Glauben freier ausüben zu können. Das hat sich bis heute erhalten. Während in Deutschland kaum noch einer zur Kirche geht.

Heute nun ein unglaublich schöner Tag, 29 Grad waren vorausgesagt und ich entschied, Beach is the place to be. Natürlich mit Fahrrad von Zuhause, was immer den endlos langen Anstieg zur Brücke beinhaltet. Immerhin ernannte mich Strava daraufhin zur Local Legend, weil ich den Anstieg so oft geschafft habe. Am Strand war High Tide, was bedeutet, dass das Wasser sehr hoch kommt und es keinen wirklich harten Sand zum Radfahren gibt. Also schob ich und schob auch dann noch, als es längst wieder möglich war. Es machte mir einfach Spaß, meine Beine zu bewegen. Da kam mir wieder ein Radler entgegen. Er hielt extra an und fragte, warum ich schiebe.

Hier ein kleiner Einschub. In Deutschland gibt es so oft die Rassismus Debatte, bei der man nicht fragen darf, woher jemand kommt. Das ärgert mich zutiefst. Ich finde es gerade sehr wichtig, zu wissen, woher jemand kommt, wo seine Wurzeln sind. Nehmen wir mal das Beispiel: Comedian Abdelkarim hat seine Wurzeln in Marokko. Beschwert sich in jeder seiner Shows darüber, dass ihn jemand fragt, woher er kommt und betont, dass er Deutscher ist. Das will ich ihm nicht nehmen, aber ich finde, dass gerade die marokkanischen Wurzeln ihn interessant machen. Zumindest für mich. Ich frage immer Menschen, die offensichtlich nicht deutsche Wurzeln haben, woher sie bzw. ihre Eltern kommen und leite daraus sehr interessante Gespräche ab. Im persönlichen Gespräch hat sich darüber auch noch nie jemand beschwert.

Und man darf ja nicht vergessen, dass wir alle Ausländer sind. Irgendwo. Ich spreche ganz gut Englisch, aber ich habe natürlich einen Akzent. Einen Deutschen. Und ich werde ständig darauf angesprochen. Und bin stolz darauf. Und möchte deshalb allen Menschen zurufen, seid stolz auf eure Wurzeln und verleugnet sie nicht. Sie machen eure Persönlichkeit aus.

Zurück also an den Strand. Wir kamen ins Gespräch. Und ich wurde gefragt, woher ich komme. Ich fragte, generell oder gerade jetzt. Generell. Also gut, aus Deutschland. Er überschwänglich: ich auch. Ich sagte auf Deutsch, aber sie sind doch kein Deutscher. Nein, war er nicht, sondern Pole. Seit 50 Jahren in USA lebend. War für ihn aber alles gleich, wir sind schließlich Nachbarn. Auch hier wieder eine richtig nette Unterhaltung, bis wir auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen kamen. Ich äußerte meine Ängste für Deutschland. Seiner Meinung nach besteht dazu überhaupt kein Grund. Ursache des Übels ist allein die Ukraine, sie müssen aufgeben, sich den Russen ergeben, und dann ist das Problem aus der Welt.

Ich verabschiedete mich recht schnell und radelte weiter. Wollte zur Ponce Preserve, da dort heute ein Naturkundetag ist, wo sich bestimmte Institutionen vorstellen. Und auch dort war es wieder nett, Bekannte zu treffen. Lisa von DeBary Hall, wo ich schon zwei Vorträge gehalten habe. Wir machten gleich aus, dass es im Herbst wieder etwas mit mir geben wird.

Ich fuhr zurück zum Strand und traf dort im Pavillon zwei Biker. Einer mit einem normalen eBike, pedal assistet, aber der andere mit einem „Motorrad“. Also fette Räder und E-Motor, für den man nicht in die Pedale treten muss. Natürlich machte ich auch hier meinen Mund auf, aber immer freundlich. Und auch hier blieb ich wieder fast eine Stunde stehen. Super nette Unterhaltung. Erfuhr von den Beiden auch, dass bald in Port Orange ein neuer Aldi aufmacht, wichtige Information für mich. Nach ausgiebiger Hetze über Throttle-eBikes, aber diesmal nicht über Politik fuhr ich glücklich und zufrieden weiter. Solche Tage brauche ich. Hatte diesmal kein Buch bei mir, aber auch dieser nette Fahrradfahrer wohnte genau neben dem Inhaber des Bike Shops von Port Orange und ich empfahl ihm, mal dort auf der Theke nachzuschauen.

Beach Life

Ganz unvermutet tauchte heute ein freier Tag in meinem Terminkalender auf. Was tue ich da nur? Am liebsten würde ich nach Mims zu dem freundlichen Bike Stop fahren und von dort aus bis nach Titusville radeln. Aber die Autofahrt würde insgesamt etwa 180 km sein und auch hier in USA ist der Sprit sehr teuer geworden und ich gezwungermaßen schon sehr viel auf der Straße. Doch da fiel es mir ein. Ein herrlicher Tag heute, wir erwarten 29 Grad. Das ist doch DER Tag für den Beach. Wir haben Spring Break, die Strände sind zum Platzen voll. Aber ich nehme mein Fahrrad, muss mich halt wieder über die hohe Brücke kämpfen und werde den Tag am Strand verbringen.

Ach, warum nur muss ich bald wieder zurück ins traurige, kalte Taunusstein.

P.S. Fotos folgen

Aunt Catfish

Seinen Geburtstag feiert man immer dreimal. So hatte ich noch eine Giftcard von Aunt Catfish and heute war der Tag. Wir haben herrliches Sommerwetter mit 30 Grad. Das warme Wetter hatte bis weit in den Januar gereicht, dann zu Ende kam der Florida Winter. Im Wochenabstand rollen hier Kaltwellen durch. Zu Beginn ging das tatsächlich nachts an die Gefriergrenze, aber dann schwächt es sich wieder ab, der eigentliche Winter hier hat etwa 2 Wochen gedauert. Das kann ich gerade noch so aushalten.

Aunt Catfish bietet Sonntags Brunch, das wollte ich einmal ausprobieren. Das Lokal liegt direkt am Fluss und ist sehr beliebt. Eine riesig lange Schlange stand vor dem Haus, in Doppelreihen und auch drin sah es nicht besser aus. Hochbetrieb hoch 3. Ich meldete mich an der Rezeption, man gab mir einen Transponder, über den ich verständigt würde, wenn was frei wird. Ich fragte nochmal nach, wird es draußen oder drinnen sein. Was zuerst frei ist, aber lieber draußen. Ach, sagte die nette Dame, ich glaube da ist was frei. Ein Zweiertisch mit Blick aufs Wasser in voller Sonne, ideal für mich. Also spazierte ich mit der Dame strahlender Laune an der ganzen langen Schlange vorbei und nahm Platz. Die Amis wollen halt lieber drin und wenn, dann schon gar nicht in der Sonne.

Diese dritte Geburtstagsfeier war also wieder mal der volle Erfolg und wurde mit einer Margarita besiegelt.

Alltag

Die liebe Silviane hat gefragt, was denn mit mir los sei, da ich nichts mehr schreibe. Andere haben vielleicht das gleiche gedacht, aber nicht gefragt. Deshalb hier so ein kleiner Situationsbericht. Eigentlich läuft alles smooth, aber vor einer Woche bin ich tatsächlich vom Klo gefallen. Beim Aufstehen wurde mir plötzlich schwarz vor Augen, ich fiel wie ein Stein um und dabei mit dem Po heftig auf die Klobrille. Das ist auch die Stelle, die immer noch weh tut. Zum Glück weder Knochen gebrochen noch Kopf angeschlagen.

Am Wochenende kamen meine Freunde aus Deutschland, auch das ein kleines Abenteuer, da ihr Flug zunächst gecancelt wurde. Samstag Abend sollten sie noch einen späten Flug aus Atlanta nach Daytona nehmen, und ich zitterte, dass sie den auch bekommen. Denn das war so ziemlich der letzte Flug bis Montag. Am Sonntag rollte ein schlimmer Schneesturm über Atlanta an die Ostküste und alle Flüge wurden gestrichen. So wartete ich denn ungeduldig in DAB Airport und sah keine Spur von ihnen, bis sie denn schließlich so ziemlich als letzte ankamen und ich sie in die Arme nehmen konnte.

Der Winter war bisher bei uns in Florida wirklich gnädig, wir hatten bis zum Wochenende noch gut über 20 Grad und die vorgeschriebene Kleidung waren Shorts. Doch pünktlich mit der Ankunft der Freunde kam der Winter. Das ist eigentlich immer so. Ich verdächtige sie, das kalte Wetter aus Deutschland im Koffer mitzubringen. Naja, besser als Leichen.

Mit Shorts war also nichts. Aber wir hatten auch so ein volles Programm mit lauter Erledigungen, unter anderem haben sie mein Türschloss geflickt und meinen Radreifen gewechselt. Ja, solche Freunde kann man brauchen. Aber klar, dass ich da nicht dazu kam, Blog zu schreiben. Ich bin sogar nach ihrer Abreise auf die Couch gecrasht, bin einfach nur noch an mein ruhiges Singledasein gewöhnt. Trotzdem, keine Beschwerde, ich freue mich immer über ein bisschen Leben.

Heute nun ist der Winter in Florida erstmal wieder vorbei, das geht immer schnell, und so ging es heute Morgen mit der Gruppe zum Kayakfahren. Neulich hatte ich Radfahren schon abgesagt, eben wegen meinem Sturz, das tat ziemlich weh, aber nun kann ich ja wieder gut laufen und sogar Radfahren. Also sicherheitshalber noch eine Ibuprofen geschluckt und los. Am Ufer Kayak abgeschnallt, rein gesetzt. Autsch! Auf der Couch kann ich sitzen, selbst auf dem Rad, aber im Kayak brauche ich genau die schmerzhaften Muskeln, die wohl beschädigt wurden. Ich habe ein bisschen unter Schmerzenslauten versucht, aber keine Chance. Nichts wie raus, es geht einfach nicht. Stattdessen habe ich einen schönen Spaziergang gemacht zwischen Fluss und Meer.

Zu Hause hat mich dann wieder mein Pond gerufen. Den kennt ihr sicher noch nicht. Das ist der Teich hinter meinem Haus, der früher mal schön klar war und auf dem es viele Wildtiere gab. Doch ist der nun völlig überwuchert. Seit Monaten schon bin ich dabei, ihn einigermaßen frei zu machen, was schon ein echt heftiger Aufwand ist und eine schwere Arbeit. Teilweise bin ich mit einem Angler-Gummianzug rein, ich kann immer nur ein, zwei Stunden dort arbeiten, bin ja schon älter. Das Wasser sieht nicht sehr tief aus, man denkt vielleicht 20 cm, aber darunter ist ziemlich heftiger Schlamm, wohl 50 – 100 cm. Trotzdem reizt es mich, ist wie ein Puzzle, man will immer ein Stückchen weiter machen.

Und dann fiel ich rein. Echt zum erstenmal. Abgerutscht und dann abgesackt im Schlamm. Eigentlich bräuchte man am Ufer immer jemanden, der aufpasst und einem ein Seil reichen kann. Denn der Schlick ist heftig, der hält mich fest. Ich trug Clogs, und ein Schuh blieb auch im Schlamm stecken. Ich hoffe, wenn das Wasser wieder klar ist dann finde ich ihn. Zwar habe ich auch Gummistiefel, aber erstens sind sie nicht sehr hoch und zweitens komme ich nicht mehr rein mit meinen schlechten Füßen, die ja dringend eine OP brauchen. Die Belohnung für die Mühsal ist dann, wenn man sieht, dass doch wieder einige Tiere zurück kommen, wie die Schnappschildkröte, die mich immer so hungrig ansieht.

Naja, so ist das Leben. Ich habe es mir ausgesucht und es macht mir riesigen Spaß. Lieber im Teich versinken als auf der Couch verschimmeln.

Winter

Für heute war uns Winter versprochen. In den letzten Wochen hatten wir ein super Wetter, 25 – 28 Grad, ideal für den Strand. Aber in der Nacht sollte ein Tief durchziehen, Regen bringen und am Tag dann kühle 15 Grad. Man freut sich darauf in Florida. Im November gab es mal kühle Tage, da konnte man endlich mal seine Jeans anziehen, wenn auch nur die zerrissenen. Und ich habe ja auch noch wärmere, sogar einen Pullover. Aber nichts war es. Regen schon mal gar nicht, stattdessen Wind. Um 4 Uhr früh waren es immer noch 21 Grad, aber bis 9 Uhr sollte es auf 13 Grad zurückgehen. Freue mich auf lange Hosen. Aber für mehr als die Capris hat es nicht gereicht. Im Haus ist es gerade unter dem Limit, wo man die Kühlung einschaltet und draußen sind es 18 Grad. Sonne satt. Vorhersage für morgen 20 Grad. Ja, das ist Winter in Florida. Und ich jammere auf sehr hohem Niveau.

Flagler Trail

Für die, die selten Fahrrad fahren in USA will ich erst einmal erklären, was ein Trail ist. Es ist ein eigens angelegter, meistens asphaltierter Pfad durch die Natur, für Spaziergänger, Radfahrer, Skater oder was auch immer man ohne Motor machen kann, manchmal auch für Reiter. Am Anfang und Ende sind meist schön angelegte Park- und Rastplätze mit sauberen Toiletten und Trinkwasser, oft auch Reparaturwerkzeuge für die Radler. Und über diese Trails in meiner Region Central Florida habe ich einen Führer geschrieben.

Neulich war ich unterwegs und sah plötzlich neben der Straße das für Trails typische Schild „No motorized verhicles“ und einen Meilenmarker beginnend mit 0,0 und der Bezeichnung Flagler Trail. Nun waren wir weder in Flagler Beach nördlich von Daytona noch sah ich irgendwo einen Trail. Und hatte den Namen auch noch nie gehört. Aber ich bin sehr neugierig, wenn es um Trails geht und so notierte ich alles, um zu Hause zu recherchieren.

Andere fahren ja Fahrrad, um zu fahren. Bewegung zu haben, möglichst viele Kilometer zurückzulegen. Sicher auch, um etwas Schönes zu sehen. Ich fahre nicht einfach Rad, um zu fahren, sondern mir macht es sehr viel Spaß zu recherchieren, genau das, was ich ja auch in Marokko seit Jahren getan habe. Und da ist es einfach die natürliche Folge, dass man das in ein Buch fasst.

Das Internet war nicht sehr ergiebig. Ja, ich fand etwas, aber es war noch sehr vieles unklar. Wo genau der Trail verläuft und ob er durchgehend ist. Der Beschreibung nach sollte er es sein, aber vieles sprach dagegen. Also genau die richtige Aufgabe für mich.

Zunächst einmal die Geschichte. Das war einfach und fand sich überall. Henry Flagler (1830 – 1913) war eine wichtige Person für die Entwicklung von Florida. Er war vor allem auch der Erbauer der Bahnstrecke an Floridas Ostküste (Florida East Coast Railway). Für diesen Zweck wurde ein Streifen Land gekauft, das aber nach der Einstellung der Eisenbahnlinie nicht mehr benötigt wurde und 1984 vom Seminole County aufgekauft wurde, um eben als öffentlicher Weg zu dienen. Doch anders als viele solcher Trails, die auf der alten Eisenbahnlinie angelegt wurden, wurde dieser nach Henry Flagler benannte Trail nicht asphaltiert.

Ich fand heraus, wo das nördliche Ende des Trails liegt und fuhr hin zum St. Johns River Trailhead. Auch hier wieder ein Parkplatz. Der Trail war leicht zu finden, beginnt direkt am Ufer des Flusses und läuft ganz gerade in Nord-Süd-Richtung. Er ist uneben und wild, also nur für Mountainbikes. Zum Glück ist mein Rad ja genau das. Auf der ganzen Strecke habe ich keinen einzigen Menschen gesehen, es gab nur einige Farmen auf großen Grundstücken, aber keine Menschen und auch keine Tiere. Und am Ende war auch ganz klar, der Trail geht nicht weiter, sondern endet an einem privaten Grundstück mit Drohungen gegen die Menschen, die das nicht beachten. Naja, erschossen werden will ich ja nicht, in Florida muss man mit allem rechnen. Also zurück.

Hin und zurück mit Umwegen 27 km auf unebener Strecke, das reicht mir schon für einen Tag. Doch ich wollte zumindest sehen, wo genau der Pfad weiter geht. Und genau über diese Zwischenstrecke war auch nicht so recht etwas im Netz zu finden. Es gab aber den Hinweis, dass es ab der Geneva Wilderness Area wieder weiter geht. Dorthin fuhr ich also. Und auch an dieser Seite konnte ich sehen, dass es tatsächlich keine Verbindung mehr zwischen diesen beiden Trailenden gibt. An dem Kiosk der Wilderness Area beginnt der Pfad dann neu und ich dachte, ach, komm, ein bisschen kann ich ja noch fahren. Genau eine Meile habe ich geschafft, dann bin ich erschöpft umgedreht. Vollkommen sandig und keinerlei Radspuren. Nur Hiker sind hier unterwegs. Es war ja ohnehin schon spät, also bin ich heim. Nach so einer Fahrt findet der nächste Tag immer am PC statt, denn ich muss ja alles aufschreiben, zu jedem Trail mache ich auch eine Skizze, das kostet schon Zeit.

Aber an Neujahr bin ich dann zu dem Trailhead gefahren, der am Ende dieses Stückes liegt und habe den Pfad also von der anderen Seite aufgerollt. Das ging auch recht gut, auch hier wieder nur für Mountainbiker oder Hiker, ich sah die schöne Holzbrücke am Econ River, der komplett Econlockhatchee River heißt, aber das sagt ja niemand. Und kam an den sandigen Teil. Er ist nicht so lang, etwa 2 km, also möchte ich Radfahrer nicht entmutigen, das Stückchen kann man ja auch schieben. Denn die Landschaft ist schön und man sollte sich den Trail nicht entgehen lassen. Auf diesem südlichen Teil waren am Feiertag auch viele Menschen unterwegs.

Ja, aber fehlt da nicht etwas? Ich bin immer noch nicht bei dem 0,0 Marker angekommen, der mich ja erst auf den Trail aufmerksam gemacht hat und der gar kein Trail war. Im Internet gibt es nur Informationen über die beiden Teilstücke, die ich bisher zurück gelegt habe, nichts aber über dieses Ende, immerhin noch 6 km. Das reizt mich und ich machte mich auf die Suche. Und fand auch alles. Wir sind hier in Chuluota, einer Wohnstadt nicht allzu weit von Orlando, und ein großer Teil des Trails ging an Wohnsiedlungen verloren. Aber dennoch sind Reste da. Manchmal ein Grasstreifen neben der Straße, ohne aber ein Trail zu sein, manchmal auch das obligate „No motorized verhicles“ Schild. Und ich fand den historischen Pfad und werde vor allem in meinem Buch darüber schreiben, so dass zumindest die Leute, die es haben, genau Bescheid wissen.

Ach, wo kann ich denn noch was recherchieren, es macht solchen Spaß?!

Personal Diary

Heute gibt es mal was ganz persönliches. Es ist ja Feiertagszeit und ich bin ganz alleine in Florida. Diesmal keine Besucher und auch keine Einheimischen, die mich einladen. Man könnte da als Single schon ein wenig depressiv werden. War sogar kurz davor. Obwohl ich die Tage hier wirklich genieße und mir bewusst bin, wie gut ich es habe. Am Tag vor Silvester ging ich schnell nochmal in die Gym, nur kurz ins Jacuzzi, denn Training brauche ich zur Zeit keines, der Alltag bietet mir genug davon. Dort war es die letzte Zeit sehr ruhig, habe niemand zum Reden gefunden. Was ich ja gerne tue.

Auf dem Weg zur Umkleide sprach mich jemand an, hallo Edith. Oh, hallo. Du bist Michael, nicht wahr. Nein, ich bin Rick. Okay, sorry, aber da fiel es mir wieder ein. Es ist genau vier Jahre her, dass ich ihn traf. Wir gingen ein paarmal aus, einmal zu einem Basketballspiel.

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/my-first-ball-game-in-usa/

Aber dann meinte er, er will mich nicht mehr treffen, da ich keine ernsthafte Beziehung suche, sondern nur Freundschaft. Okaaay, ganz wie er will. Ich brauche ihn zwar nicht, aber Menschen, um etwas zu unternehmen und zu reden schon.

Das ist also das erste Mal seit vier Jahren, dass wir uns treffen. Ich bin da ziemlich gleichgültig, aber Rick flippt total aus. Ich sähe ja so gut aus, so toll, er könne es gar nicht fassen. Und wie er so da vor sich hin brummelt und Lobeshymnen schwingt kommt ein weiterer Herr vorbei, James. Auch ihn kenne ich aus der Gym, auch mit ihm ist die Freundschaft zerbrochen, will gar nicht genau erläutern warum, aber ihr könnt euch ja alle vorstellen, dass er schuld war und auf keinen Fall ich. Er auf dem Weg ins Jacuzzi, ich auch, und dort haben wir natürlich alle Differenzen beigelegt und uns für bald verabredet.

Ein kleines Erlebnis, aber das muntert auf. Danke. Und abends auf dem AB gingen die Lobreden weiter. Noch habe ich nicht zurück gerufen.

Doch damit ob der freudigen Ereignisse nicht genug. Silvester Nachmittag war ich mit Roger Fulton zum Radfahren verabredet, Schriftstellerkollege. Ich war früh dran. Parkte auf dem Trailhead für Biker, wartete. Direkt neben mir ein schöner weißer Jeep, der Mann schnallte sein Fahrrad ab. Irgendwann dann begannen wir ein Gespräch. Ich erzählte, dass ich ein Buch über die Biketrails veröffentliche, er völlig heiß darauf. Kaufte es sofort. Und beschwor xmal, wie froh er doch sei, mich getroffen zu haben. Wir tauschten Adressen aus. Dann kam Roger und auch das war richtig nett. Zunächst fuhren wir ein kurzes Stück 1), dann trafen wir Bekannte von ihm und dann gingen wir zur Picknickhütte zum „Socialising“, wie auch zuvor ausgemacht. Jeder hatte was zu trinken und knabbern dabei. War nett.

1) Ein kurzer Einschub hier. Wie ihr alle wisst, bin ich Ü70, also nicht mehr taufrisch. Und auch die Menschen um mich herum sind etwa im gleichen Alter. Aber was für ein Unterschied zwischen Mädels und Jungs. Wir Weiber sind alle topfit, aktiv und sportlich (tun zumindest so), und die Männer haben lauter Wehwehchen und jammern. Auch Roger. Er kann kaum noch ein paar Kilometer fahren, dann tut sein Knie weh. Okay, so ist es nun mal.

Silvester dann habe ich gefeiert nach deutscher Zeit, dass heißt, um 18 Uhr (Florida) mit Sekt, Dinner for One und Whatsapp mit Family und dann ins Bett. An Neujahr sollte es wieder eine schöne Biketour geben, alleine, etwas weiter weg, also fahre ich wie üblich mit Auto dorthin. Starte, Anzeige kommt: Ölwechsel notwendig“. Ja, das kam auch schon vor ein paar Tagen, so was vergesse ich dann leicht. Aber da ich heute eine längere Strecke fahren will prüfe ich schnell den Ölstand und sehe kaum einen Tropfen. Es ist Neujahr! Und morgen Sonntag! In Deutschland hieße das, bis Montag läuft nichts mehr. Vor allem nicht mein Auto. Ich suche mir die Rechnung des letzten Ölwechsels heraus, damit ich zumindest weiß, welches Öl benutzt wurde. Und wähle einfach mal so die Nummer der Werkstatt. „How can I help you“. Es dauerte einige Sekunden, bis mir klar war, dass dies kein Anrufbeantworter ist. Ja, ich soll gleich kommen, dann kann man mich noch dazwischen schieben. Und mit weniger als einer Stunde Verspätung war ich auf dem Weg zu meinem Trail.

Mein Ziel war, den Flagler Trail zu erkunden, und das allein ist schon ein Blogbeitrag für sich. Doch das folgt morgen. Unterwegs kam ich an eine Wegkreuzung, war mir ziemlich sicher, welcher Trail das war, wollte es aber genau wissen und fragte das junge Paar, das dort rastete. Ja, richtig, es ist der Florida Trail. Und natürlich kamen wir auch hier ins Gespräch. Ein junger Amerikaner, der einige Jahre in Frankreich lebte und auch Deutschland besucht hatte, sogar recht gut deutsch sprach. Okay, auch hier kamen wir darauf zu sprechen, dass ich ein Buch über die Biketrails habe, und auch er ganz heiß darauf. Nein, ich habe es nicht bei mir auf dem Fahrrad. Aber wir haben Adressen ausgetauscht und er will es haben. Im Weggehen fragte er: Parlez-vous francais? Ja, natürlich und wir haben uns noch ein bisschen auf Französisch unterhalten. Das sind einfach die kleinen Begebenheiten am Rande, die ich so liebe. Und meine Bücher helfen mir sehr, die Kontakte zu haben. Ich sagte ihm dann noch das, was ich wirklich immer erlebe. Die Menschen, die man in USA in der Natur trifft, sind immer ganz anders als die Amerikaner, die man sich gemeinhin so vorstellt. Nicht fett und rechtsradikal, sondern natürlich, offen und liberal. Ach, es ist einfach schön, in USA zu sein. Vor allem in der Covid-Zeit.

SunRail

Regionalverkehr in USA. Für mein Buch über die Biketrails wollte ich mal die Zugverbindung prüfen. Leider ist es so, dass es nur eine Linie gibt, der SunRail von DeBary über Orlando nach Kissimee, gut 80 km. Das ist nicht viel und sie fährt auch nur während der Woche, richtet sich also nur an die Commuter. Dennoch ist diese Zugverbindung auch für Radfahrer interessant, zumindest einige der Trails sind so zu erreichen.

Ich kam daher recht früh am Bahnhof in DeBary an. Der erste Pluspunkt für den Regionalverkehr in Florida, es gibt unzählige Parkplätze und kostenlos. Habe also mein Auto geparkt und das Rad abgeschnallt. Am Bahnsteig erst einmal Ausschau nach Tickets gehalten, es gibt einen Automaten. Aber auch einen Ambassador, in diesem Fall eine sehr freundliche Frau, die den ganzen Tag auf dem Bahnsteig herumsteht, an diesem Tag in der Kälte, und den Fahrgästen mit Rat und Tat behilflich ist.

Der Apparat erklärt sich von selbst, man zahlt mit Kreditkarte, aber die nette Dame wies daraufhin, dass ich das Ticket entwerten muss, „tap“. Hätte ich nicht gewusst. Nach dem Aussteigen noch einmal. Das ganze kostet mit Rückfahrt nur 3,85 $ für Senioren, da sollte sich der deutsche Regionalverkehr doch mal eine Scheibe abschneiden. Für etwa 50 km. Und das Fahrrad ist frei. Die Dame wies mich auch noch daraufhin, dass ich am besten in den ersten Wagen einsteige, es gibt eh nur zwei, da wäre mehr Platz für Räder. Und dann sagt sie noch, dass ich eine Maske brauche. Oh, daran hätte ich nicht gedacht, seit meinem Flug nach USA vor 2 Monaten hatte ich keine Maske mehr auf, aber ich krame in meiner Radtasche und finde eine. Nur, der Gummi ist ab! Doch die Ambassadorin kramt in ihrer Handtasche und gibt mir eine neue Maske mit den Worten Merry Christmas. Vorbildlich!

Im Zug dann gibt es eine Längsbank, die klappt man hoch und findet Platz für 2 bis 3 Fahrräder. Super. Ein Mann hinter mir trägt keine Maske, der Zugbegleiter moniert das. Ich höre die Antwort nicht. Nach einiger Zeit kommt der Zugbegleiter wieder, immer noch keine Maske, und der Mann fliegt aus dem Zug. Nein, nicht während der Fahrt, er darf an der Haltstelle aussteigen.

In Orlando dann habe ich Zugang zum Orlando Urban Trail und noch weiter zum Cady Way Trail. Ein wirklich schöner Tag.