Archiv des Monats: November 2025

Frage: Ist Marokko gefährlich?

Antwort: Das gefährlichste an Marokko ist die Durchreise durch Spanien.

Im Jahr 1995 fuhr ich auf dem Weg nach Marokko auf der A 7 in Höhe von Barcelona, als ein großer BMW, besetzt mit 4 Männern, mir Zeichen machte, dass mit meinem Auto etwas nicht stimmt. Offensichtlich eine Reifenpanne. Sie drängten mich dazu anzuhalten. Doch ich, Frau alleine, halte doch nicht, wenn mir 4 fremde Männer so etwas andeuten. Ich fuhr weiter mit ungutem Gefühl, man denkt dann immer, irgendwas ist doch los. Also fuhr ich zum nächsten Rastplatz und sprach einen deutschen LKW – Fahrer an. Er meinte, das sei eine Diebesbande. Sie stoppen Autos, stechen in die Reifen und räumen dann das Auto aus. Nach meiner Rückkehr sah ich sogar im deutschen TV einen Bericht darüber.

Nun hofft man natürlich, dass die Polizei einschreitet und den Dieben das Handwerk legt. Doch leider sind sie heute, 30 Jahre später, nicht nur weiterhin mit diesem Trick unterwegs, sondern haben ihn sogar noch ausgebaut. Neuerdings sind sogar große Warnschilder zu Beginn der A 7 mit dem Hinweis, in solchen Fällen nicht anzuhalten, sondern den Notruf zu wählen.

Mein persönlicher Tipp dazu: den Notruf können Sie sich sparen. Alles was die Polizei dazu unternimmt, ist einen schönen Bericht zu schreiben, man hat sogar inzwischen ein Formular entworfen, das in jeder beliebigen Sprache ausgedruckt werden kann. Sehr viel besser hilft, das Handy deutlich hochzuhalten, so, als riefe man an und mache ein Foto. Dann verschwinden sie blitzschnell.

Wenn das der einzige Trick wäre ginge es ja noch, man kann sich darauf einstellen. Aber es gibt noch eine ganze Reihe mehr. Ich hielt am hellichten Tag an einer Raststätte, gleich die erste nach der französisch-spanischen Grenze. Leute standen aufgeregt auf dem Parkplatz und warnten mich, auf die Toilette zu gehen. Einem anderen Reisenden hatte man bei dieser Gelegenheit, die Scheibe eingeschlagen und das Auto ausgeräumt. Aber meistens geht es ganz ohne Gewalt ab und dieser Trick wird auch sowohl bei Tag als auch bei Nacht angewandt. Ein Fahrzeug hält auf einem Rastplatz, der Fahrer steigt, um etwas zu erledigen, aus und wieder ein. Es gibt ja eine automatische Türverriegelung, aber die hat eine kleine Zeitverzögerung. Genau in diesen Sekunden reißt ein Gauner die Tür auf, stellt blöde Fragen und schaut, wo eine Tasche griffbereit herum liegt. Sieht er was schnappt er sie und haut blitzschnell mit einem Wagen ab, dessen Fahrer ganz nah gewartet hat.

Wenn das auch Tag und Nacht vorkommt so ist es natürlich ganz blöde in dunkler Nacht. Deshalb: auf keinen Fall nachts auf einem Rastplatz anhalten, lieber die Autobahn verlassen und in den Wald pinkeln. Am Tag immer die Umgebung im Auge behalten und evtl. bei anderen Reisenden halten. Und vor allem Wertgegenstände und Papiere gut verstecken.

Das sind so die Tricks, die gerade in 2025 sehr häufig vorkommen. Und zwar entlang der A 7. Über die anderen Autobahnen, z.B. via Madrid, habe ich nichts gergleichen gehört. Aber ich kann nicht garantieren, dass es noch ganz andere gibt. In Marokko dagegen kann man sein Fahrzeug ohne Probleme überall abstellen.

Ausreise Melilla

Zweimal habe ich bisher die Einreise über Melilla gemacht, mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Obwohl ich jeweils um die gleiche Zeit morgens am Grenzübergang ankam, also nach Eintreffen der Fähre in einer langen Schlange von Autos, hat es bei erstenmal nur eine Stunde gedauert, beim zweitenmal aber zwei Stunden. Es lag daran, dass viele Ortsansässige bevorzugt abgefertigt wurden. Das Fahrzeug wurde jeweils von Spaniern als auch Marokkanern gründlich durchsucht, aber nichts beanstandet.

Nun war ich gespannt, wie die Ausreise laufen wird. Meine Fähre nach Motril sollte um 15:30 Uhr abgehen, und ich wollte sie nicht verpassen. In Meknes wurde mir schon um 7 Uhr das Frühstück ins Zimmer gebracht, schön, wenn der Hoteldirektor ein langjähriger Freund ist. Und so kam ich dann auch schnell auf die Autobahn. Diese geht ja leider nicht ganz bis nach Nador, es bleiben noch etwa 100 km Landstraße, aber trotzdem war ich um 12 Uhr an der Grenzstelle. Meine Rechnung war: 2 Stunden an der Grenze, 2 Stunden vor Abfahrt an der Fähre.

Aber das Schicksal war mir wohlgesonnen, die Abfertigung dauerte diesmal nur etwa 30 Minuten. Es waren nicht viele Autos dort um die Mittagszeit, eine gute Zeit. Und so kam ich auch früh genug am Hafen an, um noch etwas von der Stadt zu sehen. Bisher war ich ja nur frühmorgens im Dunkeln durchgefahren.

Von den Fährhafenstädten, die ich kenne, gehört Melilla sicher zu den schönsten, einfach weil es klein und damit der Weg vom Hafen zur Stadt kurz ist. Ich stieg hinauf auf den Berg, um von der Festung aus einen schönen Ausblick zu haben und wurde nicht enttäuscht. Beim Bummel zurück zum Hafen konnte ich noch eine wunderschöne Hochzeit sehen und filmen.

Mein Auto stand auf dem Parkplatz, man hatte mir gesagt, ab 14 Uhr könne ich in die Schlange Richtung Schiff und das lief auch ganz hervorragend ab. Es gab noch nicht einmal einen Scanner. Nachdem der Drogenhund keinerlei Interesse an meinem Wagen gezeigt hatte, meinte der Zollbeamte aber doch, er müsse mich rauswinken und mit einem mobilen Scanner absuchen. Hat er aber dann doch gelassen und ich kam früh aufs Schiff.

Die Überfahrt nach Motril dauerte 5 Stunden, wir kamen um 20:30 in Motril an, aber da ich ziemlich hinten in der Schlange war, dauerte es dann doch eine Stunde, bis alle am Polizeiposten vorbei waren. Das war aber witzig. Es ging ziemlich langsam. Und dann plötzlich, es waren vielleicht noch 20 Wagen vor mir, hatten die Zöllner wohl Lust auf Feierabend und winkten alle durch.

Um 21:30 war ich dann auf der Autobahn und beschloss durchzufahren.