Was haben diese drei so unterschiedlichen Dinge miteinander zu tun? Und doch reihen sie sich wie Perlen in einer Kette aneinander.
Dieses wunderschöne, absolut nicht geplante Wochenende fing an mit Stan. Unsere Kommunikation ist nicht auf sehr hohem Stand, denn er ist taub und versteht mich nicht, außerdem nuschelt er und deshalb verstehe ich ihn nicht. Gehen kann er auch nicht, sondern er schleicht sehr langsam hinter seinem Rollator her. Und trotzdem sind wir gute Freunde, ich helfe ihm Donnerstags zum Food Pantry. Wo er Unmengen von Lebensmitteln geschenkt bekommt, die er an seine Tochter weitergibt. Er selbst braucht wenig, geht mittags in der Kommune zum Altenessen, und abends spendiert er sich manchmal ein gutes Dinner im Eagles. Und zu Dank schenkt er mir immer mal was, diesmal ein Paket Brisket.
Brisket
Nun überlegt ihr euch sicher, was ist denn Brisket. Wikipedia sagt: Beef Brisket ist ein im Barbecue-Smoker heißgeräuchertes Kernstück der Rinderbrust und klassischer Bestandteil des amerikanischen Barbecues, eingerieben mit einem speziellen Würzsalz. Ich habe es schon mehrmals gegessen, es zerfällt auf der Zunge und ist einfach köstlich. Doch hier bekam ich das rohe Fleisch, ein knappes Kilo für mehr als 30 $. Und wie bereite ich das zu? Ganz für mich alleine? Keine Ahnung, einen Smoker habe ich eh nicht.
Aber da gibt es doch Karl. Er kann so einiges, aber auch gut kochen. Also rief ich ihn spät am Freitagabend an: Wo bist du gerade, störe ich dich? Er: Ich bin in Lakeland, auf Sun ’n Fun. Als ehemalige Pilotin, eigentlich immer noch, muss nur den Schein erneuern, weiß ich natürlich was das ist. Einfach nur die größte Airshow in USA, direkt nach der von Oshkosh. Der Punkt Brisket trat erstmal zurück, als Karl meinte, komm doch, wir haben noch Tickets, schlafen auf dem Campingplatz und wenn du Decken mitbringst, kannst du auf dem Boden meines Vans schlafen.
Ihr hättet mal sehen sollen, wie schnell Decken im Auto waren und ich im Bett, denn um 6 sollte der Wecker klingeln und um 7 ich auf der Straße sein. Gut 2 Stunden die schreckliche Autobahn I 4, die aber am Sonntagmorgen nicht so schlimm ist.
Karl und sein Freund David betrieben zusammen einen Ausstellungsstand auf dieser Show, deshalb bekam ich per Whatsapp den Parkschein und die Standnummer aufs Handy, sollte das am Gate zeigen und sie würden mich dann am Gate abholen. Naja, ihr kennt Karl nicht. Weder sein Handy noch das von David erzielten irgendeine Reaktion und ich schmuggelte mich erfolgreich mitsamt Auto auch ohne Ticket rein, und da ich nicht wusste, in welcher Halle sie sind, schaffte ich es auch, einen Helfer mit Golfcart zu finden, der mich direkt hinbrachte. Das war also schon mal geschafft.
Sun ’n Fun Aerospace Expo
Der Flugplatz von Lakeland, auf dem das ganze stattfindet, ist riesig. Wikipedia sagt: Er ist jährlicher Veranstaltungsort der sechstägigen Flugshow Sun ’n Fun Aerospace Expo, der nach dem EAA AirVenture Oshkosh zweitgrößten Luftfahrtausstellung der Vereinigten Staaten. Während der Woche des Sun ’n Fun wird der Lakeland Linder International Airport mit über 60.000 Flugbewegungen zum verkehrsreichsten Flughafen der Welt.
Ich schlenderte zunächst auf dem Gelände herum. Es gibt eine Reihe von Ausstellern, meist untergebracht in Hangars. Aber viel interessanter sind ja die vielen unterschiedlichen Flugzeuge, die man sich anschauen kann. Zehntausende Besucher schlenderten ebenfalls herum, aber noch viel besser, sie hatten alle ihre Klappstühle dabei und können sich so den besten Platz suchen. Viele Piloten kommen mit dem eigenen Flieger und campen dann daneben, sie sitzen ganz stolz im Schatten ihrer Wings. Denn das ist der Punkt beim diesjährigen Event. Es ist glühend heiß. Über 30 Grad im Schatten, nur wo ist der Schatten. So sitze ich auch, als die Show beginnt, direkt in der glutheißen Sonne.
Zum Glück gehe ich immer mal zurück zum Stand von Karl und David, denn diese Halle ist wunderbar gekühlt und ich kann mich erholen. Und weil die Burschen auch dauernd unterwegs sind, steht ich am Counter und spreche mit den Besuchern, so etwas habe ich schließlich beruflich mal gemacht. Die Mittags-Airshow endet um 17 Uhr, dann wird auch der Stand geschlossen und wir tigern langsam los zum Island. Das ist ein Bereich, wo es Essen und Trinken gibt, Musik und schöne Stühle bereitstehen, von denen aus man den Kunststücken der Flieger zusehen kann. Hier wollen wir was essen. David bringt mir eine Margerita und so wird die Wartezeit verschönt. Um 19 Uhr soll die Nightshow beginnen. Ich kann mir erstmal nicht vorstellen, wie das gehen soll, wie kann man die Flugzeuge sehen, wenn es dunkel wird.
Doch da sollte ich mich täuschen, es war einfach wunderbar. Viele verschiedene Flieger, sogar eine Frau: Melissa Burns & Shooting Stars. Da war es schon dunkel und Lichtbogen schossen aus dem Flugzeug, leuchtende Fallschirme schwebten hinab. Leider kann ich euch davon keine Fotos zeigen, ich war einfach zu fertig und hingerissen, um zu fotografieren.
Wir waren ziemlich müde, als wir zum Auto zurückwollten, die Männer von der Arbeit, ich von der Hitze und keine Tram mehr zu sehen. Vor allem für Karl, der einen Handicap Ausweis hat, war es schwer, so weit zu laufen. Das war der einzige Negativpunkt an dem ganzen Tag. Und genau zu diesem Zeitpunkt kam das wirklich beeindruckende Feuerwerk, mit leuchtenden Drohnen, und ich konnte es nicht richtig genießen.
Zurück auf dem Campingplatz breitete ich wie geplant meine Decken im Van aus und schlief wie ein Murmeltier.
Wie es aber weiter zum General Van Fleet geht könnt ihr im nächsten Bericht lesen.
Karls Night-Video








