Mandarinen und Blaubeeren

Neulich hat eine Bekannte gepostet, dass sie mit Roger Fulton im Chuck Lennon Park war und dort Orangen und Mandarinen gesehen hat. So etwas höre ich mir nicht zweimal an und habe es direkt auf meinen Stundenplan gesetzt, ideal für heute, da ich am Mittag im Tiger Bay State Forest sein musste. Chuck Lennon ist die gleiche Strecke, nur noch etwas weiter.

Gleich nach dem Frühstück ging es also los. Ein wenig war ich enttäuscht, ich hoffte auf eine schöne Hikingstrecke im Park, gesäumt von Mandarinenbäumen. Aber es waren nur anderthalb Meilen, viel zu wenig für mich. Mein Autorenkollege Roger Fulton macht ja Mittwochs und Sonntags Touren und lädt seine Fans dazu ein, meist ältere Damen, die ihn anhimmeln. Gehimmelt habe ich noch nie, aber früher ging ich ganz gerne mit ihm. Doch auch Roger wird älter und seine Touren sind einfach zu kurz für mich. 1,5 Meilen, noch nicht mal 3 Kilometer. Deshalb habe ich schon lange aufgehört, da mitzugehen. Aber Mandarinen. Das zieht. Und trotz der Kürze der Tour bekam ich ein Säcklein voll.

Auf dem Rückweg zum State Forest hatte ich aber noch eine weitere Herausforderung zu meistern. Inflation ist überall, aber was hier zur Zeit bei Eiern abgeht ist historisch. Skyrocketing nennen das die Amis. Früher hatte ein Duzend im Schnitt so um die 2,50 $ gekostet, wenn Aldi sie manchmal für nur 79 Cent angeboten hat war das ja schon krank, heute ist es schon günstig, wenn sie 7 $ kosten. Bei Aldi zur Zeit 4,89 $. In den Nachrichten werden verschiedene Gründe genannt, Inflation, Vogelgrippe …

So war es eigentlich günstig, dass ich kürzlich im Safe-a-Lot Eier ohne Käfighaltung für 3,39 gesehen hatte, aber nicht gekauft, ich Esel. Heute nur noch ein Ei im Kühlschrank, aber bei Safe-a-Lot ausverkauft. Das witzige ist, dass tatsächlich im Moment die Eier von großen Farmen teurer sind als die von kleinen Betrieben, die die Hühner gesünder halten. Anscheinend sind diese von der Vogelgrippe nicht so stark betroffen. Aber Frühstück ohne Ei, das geht gar nicht für mich. Also wollte ich beim Safe-a-Lot in DeLand vorbei schauen. Und tatsächlich, der hatte die Eier noch. Steine fielen mir vom Herzen, mein Frühstück für die nächsten Tage gesichert.

Aber wenn wir schon mal bei den Preisen sind. Auch Brot, Muffins, Bagels sind hier deutlich teurer geworden, wenn auch nicht egg-skyrocketing. Meist backe ich selbst (aber auch das Mehl ist teuer), aber wenn ich gutes Brot bekomme kaufe ich auch mal. So war ich in meinem 6th Street Sale, ein Laden, der große Restmengen billig verkauft. Muss zwar hin und zurück 30 km fahren, aber wozu hat man ein eBike. Und da gab es einen Beutel mit kleinen Ciabata Brötchen für 2,99 $, das ist günstig. Zuhause nachgezählt, es waren 27. Also gut 10 Cent für ein Brötchen. Schmeckt echt lecker.

Aber ich war doch auf dem Weg zum Tiger Bay State Forest. Dort war ich für das Tree Giveaway als Volunteer eingesetzt, wir sollten heute Nachmittag und morgen früh kostenlos Bäume ausgeben, Bäume, die in Florida heimisch sind. Da mein Mandarinen-Wanderweg zu kurz war, war ich statt wie gefordert um 12.30 Uhr schon um 11.30 Uhr dort. Die Bäume waren da, aber noch keiner der anderen Helfer, kein Registrierungsformular, kein Tisch. Aber Kunden. Obwohl das ganze ja erst um 13 Uhr anfangen sollte. Zunächst aber kam Keith, er ist der zuständige Gärtner und erklärte mir alles über die Pflanzen. Machte richtig Spaß und ich sicherte mir auch 3 davon, zwei Blueberry Büsche, also Heidelbeeren, und ein Yaupon Holly (?). Dies ist ein größerer Busch, der Beeren bringt, die von der Vogelwelt geliebt werden. Ja, das brauche ich für meinen Garten.

Dann kamen die Kunden. Es war richtig toll. Immerhin konnte ich sie über die Bäume aufklären, dank Keith, half ihnen auszusuchen. Immer ganz allein. So gegen 12.30 Uhr kamen dann die Helfer, der Tisch, das Registrierungsformular. Der Spaß war vorbei. Die Leute standen Schlange. Und waren auch ein wenig böse, dass schon um 13.30 Uhr alles ausgegeben war. Sollte ja nicht nur bis 16 Uhr dauern, sondern auch am nächsten Morgen noch weitergehen. Aber die 190 Bäume wurden uns sozusagen aus den Händen gerissen, kein Wunder, bei den Preisen, die man dafür in der Baumschule zahlt.

 

Nachdem ich also so früh schon mit der Arbeit fertig war konnte ich mein Bike abschnallen und noch auf eine kleine Radtour durch den Forst gehen. Als ich zurück kam, kam der Ranger zu mir und sagte, dass ich den Park durch den Hintereingang verlassen müsste, der Vordereingang musste versperrt werden, weil unablässig Leute kamen, die Bäume wollten.

Zuhause dann hatte ich die dankbare Aufgabe mich um die Mandarinen zu kümmern. Es gab einen Ansatz für einen Mandarincello (diesmal eben nicht Limoncello) und noch 3 Gläser Mandarinmarmelade. Das ist doch ein erfüllter Tag. Die Bäume bekamen Wasser. Werden aber erst morgen gepflanzt. Ich bin kaputt!

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