Archiv der Kategorie: Mauretanien

Reisebericht

New Travel Guidebook Mauritania 2019

Dear travelers,

I just came back from an amazing trip through Mauritania to update my travel guide Mauritania 2019. Unfortunately it is in German. There is no other recent travel guide about this adventourous country in the market. But the guide is available as eBook for just 12 Euro. You’ll get a link with wetransfer to download the pdf file and then you can use google translate to read it in your language. My Mauritanian assistant, who organized for me this wonderful trip, used this and could not stop to read the book. It contains full descriptions of asphalt roads and offroad with GPS points, as well as descriptions of the cities and the border formalities. You can order the book with emailing me from this website: https://shop.edith-kohlbach.de/epages/0fe3ac9e-c832-4c40-930f-078d3bf05905.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/0fe3ac9e-c832-4c40-930f-078d3bf05905/Categories/Imprint

Here part of the content:

Nordteil  ………………………………………………………………………………

N1: Dakhla – Grenze  Mauretanien – Nouadhibou……………………….

N2: Nouadhibou – Choum – Zouerate – Tindouf  ………………

  N2.1: Nouadhibou – Choum – Zouerate mit dem Erzzug……………

  N2.2: Bou Lanouar – Choum – Zouerate entlang der Bahngleise            

  N2.3: Zouerate – Tindouf    ……………………………………………

N3: Kreuzung bei Grenze Mauretanien – Nouakchott ………………….

       Nouakchott………………………………………………………………………

       Banc d’Arguin…………………………………………………………………

N4: Nouakchott – Banc d’Arguin auf Ebbstrandpiste  ………..

Adrar – Region……………………………………………………………………..

A1: Nouakchott – Akjoujt – Atar………………………………………………

A2: Atar – Ouadane………………………………………………………………..

A3: Ouadane – Chinguetti  ……………………………………………..

A4: Chinguetti – Amogjar – Atar   …………………………………..

A5: Terjit – Tidjikja  ………………………………………………………

Tagant …………………………………………………………………………………

T1: Sangrafa – Matmata – Tidjikja…………………………………………….

T2: Tidjikja – Boumdeid – Kiffa ………………………………………

T3: Tidjikja – Tichit – Enji – Oualata – Nema

   T3.1: Tidjikja – Tichit ………………………………………………….

   T3.2: Tichit – Enj ………………………………………………………..

   T3.3: Enji – Oualata …………………………………………………….

   T3.4: Oualata – Nema ………………………………………………….

Route de l’Espoir………………………………………………………………….

E1: Nouakchott – Boutilimit – Aleg – Sangrafa…………………………..

E2: Sangrafa – Kiffa ……………………………………………………………….

E3: Kiffa – Matraucha – Ayoun el Atrous – Nema ……………………..

Senegal-Region……………………………………………………………………..

S1: Kiffa – Selibabi   ………………………………………………………

S2: Selibabi – Kaedi – Boghé …………………………………………………..

S3: Aleg – Boghé …………………………………………………………………..

S4: Boghé – Rosso…………………………………………………………………

S5: Rosso – Nouakchott …………………………………………………………

S6: Nouakchott – Keur Massene – Diama …………………………………

 

Von Kiffa nach Selibabi und weiter nach Nouakchott

Eine Route bleibt aber noch, die ich gerne für mein Buch hätte. Und zwar die Verbindung von Kiffa direkt runter zum Senegal statt über die Route de l’Espoir zu fahren. Bei meinem letzten Besuch war das ein sehr langes Stück Piste, Idoumou riet ab, es würde mindestens 12 Stunden dauern. Nun aber sind die ersten 100 km bis Kankossa asphaltiert. Es bleiben jedoch noch 200 km Piste, die aber in der Regenzeit keinesfalls zu fahren sind, dort unten wäre dann alles verschlammt. Und das genau ist die Frage, hat es geregnet oder nicht? Und wird es regnen? Wir warten mit der Nachfrage bis zum Abend vor der geplanten Abfahrt und dann kommt die befreiende Auskunft, nein, es hat nicht geregnet, die Fahrt ist möglich. Inzwischen sind wir ja ein eingespieltes Team, wir stehen früh auf und laden den Pickup neu. Adana hat sich inzwischen verabschiedet, so sind es nur drei Männer und ich, die noch vor 7 Uhr abfahrtbereit sind. Die ersten 100 km auf Asphalt bis Kankossa sind schnell vorbei und bieten nichts besonderes, aber dann kommt die Piste. Ich habe es ja auch in Marokko schon gemerkt, wo immer mehr Pisten asphaltiert wurden, sobald das Teerband die Piste ersetzt ändert sich die Landschaft und die Schönheit nimmt Schaden. Und so ist es ein großer Unterschied, als wir auf der Piste sind. Hier sind wir viel näher dran an den Menschen. Es geht direkt durch die Dörfer, die immer afrikanischer werden. Hier unten ist der Großteil der Bevölkerung schwarz und Idoumou klärt mich auf, dass es in dieser Region zwei Stämme gibt, die sehr unterschiedlich sind. Die Toucouleur leben hauptsächlich nomadisch und ziehen mit ihren Herden, hauptsächlich Kühe mit langen spitzen Hörnern, umher. Ihre Dörfer bestehen aus malerischen Rundhütten mit Strohdach. Auf dieser Route kann man viele sehen. Vor einer Hütte steht eine wunderhübsche Frau, nett gekleidet, mit schönen Armbändern und zerstößt etwas im großen Holzmörser. Wir dürfen ungestört fotografieren. Das ist das tolle hier, die Menschen sind offen und freundlich und freuen sich sogar über Fotos.

Die Soninke dagegen leben immer in festen Häusern und betreiben Landwirtschaft. Sie leben mit der ganzen weitverzweigten Großfamilie zusammen, deshalb sind es sehr große Häuser, die bis an die 50 Zimmer haben können. Sie sind meist einstöckig und es ist ein Zimmer gleichförmig ans andere gereiht, es erinnert fast an ein Hotel. Es geht ihnen wirtschaftlich ganz gut, deshalb erbauen sie in ihren Dörfern sehr schöne, zweitürmige Moscheen. Auch der schwarze Bevölkerungsanteil ist ja zu 100 % dem Islam angehörend.

Im Dorf Hassi Chaggar kommt eine Frau an unser Auto gelaufen und fragt, ob wir sie bis Selibabi mitnehmen können. Natürlich, wir haben ja massenhaft Platz, jetzt wo Adana fehlt. Ein Deutscher hätte es sich vielleicht noch einmal überlegt, aber hier ist das keine Frage, natürlich nehmen wir sie mit. Es ist eine Soninke-Frau in mittleren Jahren, und wir erfahren erst im Laufe der Reise, dass sie bis nach Nouakchott will, um dort ihre Tochter abzuholen, die in der Hauptstadt arbeitet und zu Hause Ferien machen will. Das ist eine ziemlich weite Reise, fast 1.000 km. Und dafür hat sie nur ein ganz kleines Bündelchen dabei, ich glaube diese Frau hätte absolut kein Verständnis für mein Jammern nach dem vermissten Koffer. Und ich fürchte selbst Idoumou hat das nicht, obwohl er natürlich viel zu höflich ist, um das zuzugeben, und alle Räder in Bewegung gesetzt hat, um ihn zu finden.

Wir sind nun in dem Gebiet, wo man bei Regen nicht mehr durchkommen soll, und die Spuren davon sieht man deutlich. Fast metertief haben sich Reifenspuren eingegraben und die Zeichen des Ausbuddelns sind auch deutlich zu sehen. Hier ist alles Matsch bei Regen, hier geht nichts mehr, wir sind auf nur 50 Meter Höhe. Aber obwohl am Abend vorher schon dunkle Wolken zu sehen waren ist immer noch alles trocken. Ich greife mal kurz vor, wir kamen bei bestem Wetter durch. Aber am anderen Morgen erreichten uns zahlreiche Telefonate, zwischen Kiffa und Selibabi hat es die ganze Nacht geregnet und hört immer noch nicht auf. In dem Dorf der Soninke-Frau, sie heißt übrigens Kumba, ist kein Durchkommen mehr. Was haben wir doch alle für ein Glück gehabt.

In Selibabi eingetroffen dachte ich, Kumba steigt aus. Aber meine Männer haben ihr angeboten, dass sie weiter mitfahren darf, sie will ja genau wie wir nach Nouakchott, wenn wir das auch heute nicht mehr erreichen werden. Unterwegs erzählt sie, dass ein Sohn von ihr in Frankreich lebt, schon seit 13 Jahren, aber immer noch keine legalen Papiere hat. Sie fragt Idoumou, warum er nicht auch nach Europa geht, als weißer Maure müsste es doch einfach für ihn sein (keine Ahnung wie sie auf den Gedanken kommt). Aber gerade die Mauren fühlen sich in ihrem Land sehr wohl und wollen nicht fort, es ist eher der schwarze Bevölkerungsanteil, der diesen Wunsch hat. Im letzten Jahr ist ein Boot mit 40 Flüchtlingen auf dem Weg zu den kanarischen Inseln gekentert, die Menschen ertranken, 10 davon waren aus Kumbas Dorf.

Wir fahren kurz nach Selibabi rein, aber die Stadt ist nicht besonders sehenswert, den Umweg muss man nicht machen und kann gleich nach Mbout und Kaedi weiter fahren. Inzwischen ist Mittagszeit und wir suchen ein schönes Plätzchen. Gar nicht so leicht in der jetzt kurz vor der Regenzeit eher tristen Savannenlandschaft. Doch dann kommt eine hübsche Gruppe von schattigen Kokospalmen. Nur ist dieser schattige Rastplatz bereits besetzt. Toucouleur-Hirten mit ihren Kühen haben es sich hier bequem gemacht. Das ist wieder genau Idoumous Ding. Genau wie er mitten unter den Kamelnomaden biwakieren wollte muss es nun ein Lunch inmitten einer Kuhherde sein. Wir parken, Ahmed packt seine Küche aus, Idoumou haut sich aufs Ohr, Kumba macht es sich bequem und ich schaue mir die Kühe an mit einem kleinen Kälbchen, erst eine Woche alt. Ein Hirte ist so etwa Anfang 20, dazu drei Helfer im Teenageralter. Sie finden den Besuch natürlich toll, endlich etwas Abwechslung. Da stehe ich auf und hole aus meinem Vorrat eine Handvoll Bonbons. Gebe sie dem Ältesten zum Verteilen. Das macht er auch wirklich sehr gerecht. Es schmeckt ihnen und ich freue mich. Doch dann erhalte ich eine Lektion in Sachen Gastfreundschaft oder Großzügigkeit, die mich echt beschämt. Ich habe nur eine Handvoll Bonbons geholt, aber Kumba schaut sich das an, steht auf und holt aus ihrem kleinen Reise-Bündelchen, in dem wirklich nicht viel drin sein kann, eine ganze Tüte Datteln und gibt sie den Jungs. Ich bin platt. Das wäre doch eigentlich ihr Reiseproviant. Und als Ahmed unser Mittagsmahl fertig hat, bekommen die Jungs, obwohl sie dabei sind, sich selbst etwas zu kochen, eine eigene Schale mit Nudeln und Fleisch hingestellt und zwei Brote dazu. Eine solche Großzügigkeit habe ich in Deutschland noch nicht erlebt. Zum Abschied bedanken sich die Jungs für den schönen Tag.

In Kaedi fahren wir an den Senegal, denn einmal möchte ich doch den Fluss sehen. Die neue Asphaltstraße geht nämlich ein wenig entfernt vom Fluss, damit sie sicher vor den Überschwemmungen der Regenzeit ist. Ganz schönes Gewimmel am Fluss, der vom Regen braun ist. Alle sind fleißig mit Reinigungsarbeiten beschäftigt, keiner bettelt und wir können auch hier Fotos machen. Etwas entfernt ist eine Bootsanlegestelle mit dem Grenzübergang nach dem Land Senegal. Kleine Barken bringen Personen hinüber und ich traue meinen Augen nicht, es gibt sogar ein Holzfloß, mit dem man das Auto hinüber bringen könnte. Da Idoumou ja jeden kennt, auch den dort wartenden Grenzbeamten, fragt er, ob hier auch Ausländer rüber dürfen, und der Beamte sagt, ja. Von Mauretanien aus nach Senegal auf jeden Fall, in der Gegenrichtung nur, wenn der Reisende ein Multi-Entry-Visum hat. Das ist doch mal interessant, bisher nämlich nicht bekannt. Idoumou meint aber, es sei besser, wenn er vorher anriefe und das Vorhaben ankündigt.

Dann aber rast Idoumou nur so. Er will so viele Kilometer wie möglich auf dem Weg nach Nouakchott zurücklegen, denn er hofft am nächsten Tag schon früh in der Stadt zu sein, schließlich hat er mit mir viel Zeit verbracht und konnte sich nicht um seine Geschäfte kümmern. Solange wir auf Pisten waren hatte er ja keinen Mobilfunkempfang, aber seit wir wieder die mauretanische Zivilisation erreicht haben, geht sein Telefon ununterbrochen.

Wir hatten schon am Morgen ausgemacht, dass wir auch an diesem Abend wieder ein Biwak abseits der Route de L’Espoir aufschlagen. Also wird Kumba gefragt, ob sie in Aleg aussteigen und den Bus zur Weiterfahrt nehmen oder mit uns zusammen übernachten will. Sie will bei uns bleiben, es gefällt ihr inzwischen recht gut. Ich frage Idoumou ob sie das auch getan hätte, wenn ich nicht dabei wäre und damit keine Frau. Aber er meint, ja, das hätte sie. Das ist eben der Unterschied zwischen Mauretanien und Marokko, hier werden Frauen sehr respektiert und man würde sich nicht an einer Frau vergreifen. Dann finden wir zwischen Aleg und Boutilimit ein schönes Plätzchen auf Sanddünen, ein Dorf ist in Sichtweite. Und nun wird es Kumba doch mulmig. Hier gibt es Schlangen, Skorpione und was noch für ein Getier, meint sie. Soninke wohnten ja immer in festen Häusern, im Gegensatz zu fast allen anderen Mauretaniern, und dieses Schlafen unter dem freien Himmel, direkt auf dem Sandboden, das traut sie sich nicht zu. Wir bauen extra das Zelt auf, das wir bisher noch nicht gebraucht hatten, aber sie traut sich dennoch nicht und wird schließlich zusammengekrümmt im Auto schlafen. Ein Kamelreiter kommt vorbei und fragt nach etwas Wasser, aber es ist klar, das ist nur ein Vorwand. Er wollte doch einfach mal schauen, was für Menschen sich da nahe dem Dorf niedergelassen haben. Er ist zufrieden und zieht ab. Ahmed setzt uns sein Abendmahl vor und wieder sucht sich jeder sein Eckchen, ich gehe ins Zelt, wenn es schon mal da steht, lasse aber die Tür auf, damit Luft herein kommt. So langsam freunde ich mich mit dem biwakieren an. Es macht Spaß und ist auf jeden Fall schöner als eine Einfach-Auberge. Sofern ich jeden zweiten Tag irgendwo eine Dusche bekomme. Aber immerhin bekomme ich immer eine Flasche Wasser für die „Dusche“, habe nun mein Waschzeug und einen Pyjama.

Auch an diesem Morgen sind wir früh wieder auf der Straße. Eigentlich dürfte es nun kein Abenteuer mehr geben, nur noch der Kamelmarkt am Rande von Nouakchott. Ich stelle mir vor, wir parken davor und ich schlendere drüber. Habe mal wieder meine Rechnung ohne Idoumou gemacht. Er fährt mitten auf den Markt, mitten in die dicht gedrängt stehenden Kamele mit ihren Besitzern hinein. Ich fasse es nicht. Leider ist es hier nicht ganz einfach Fotos zu machen, die Kameltreiber und Käufer haben das nicht gerne, dabei wären malerische Fotos möglich. Gebe die Kamera Idoumou in die Hand, er macht zumindest einige.

Pünktlich um 10 Uhr bin ich dann im Hotel, wieder im Royal Suites wie zu Beginn, und da alles mit Idoumou abgesprochen ist darf ich auch so früh schon in meine alte Suite. Ist ja schon interessant, mit wie unterschiedlichen Augen man etwas sehen kann. Am ersten Tag, frisch aus Deutschland gekommen, habe ich über alles nur geschimpft. Das Wasser ist nicht warm und tröpfelt nur, die Kaffeemaschine geht nicht, im Bad steht eine Waage, aber die Batterien sind leer, das Frühstück so was von unprofessionell. Habe mich aber dennoch entschieden wieder hierher zu kommen, weil der von Idoumou ausgehandelte Preis einfach unschlagbar ist. Und nach all meinen Wüstennächten kann ich das gemütliche Bett schätzen, die Klimaanlage genießen, das Internet auf dem Zimmer, und das Hotel ist plötzlich gar nicht mehr so schlecht. Bin mal gespannt, was es morgen zum Frühstück gibt.

Von Ayoun bis Kiffa

In Ayoun machen wir einen Halt bei einem schönen Hotel. Ja, hier hätte ich es ausgehalten. Idoumou kennt den Besitzer und der stellt uns für ein paar Stunden ein Apartment zur Verfügung. Wir haben Internet, Dusche, Sitzklo!, was Kühles zu trinken. Ich mache einen Bummel durch die Stadt, denn auch Ayoun hat eine besondere Architektur zu bieten, mit Steinen geometrisch verzierte Hausfassaden. Trotzdem leben viele Menschen auch in der Innenstadt noch in richtigen Gehöften, wie man sie vor allem auf dem Land findet. Dörfer bestehen hier nicht aus festen Häusern, sondern es ist jeweils ein sandiges Karree eingezäunt, zum Schutz gegen freilaufende Tiere. Darin steht oft, aber nicht immer, ein festes Haus für die Vorräte und vielleicht Regen, aber im Hof steht vor allem ein großes Khaima, ein rechteckiges, von niedriger Mauer umgebenes Gebilde, das von einem Zeltdach vor Sonne geschützt wird. Die Seiten sind offen, aber meistens mit Draht versehen, so dass die Luft durchgeht, aber kein Tier rein kommt. Hier hält man sich auf, hier schläft man bei Nacht. Evtl. gibt es auch noch eine Ecke für die Tiere in der Nacht, am Tage laufen sie frei draußen herum und verzehren z.B. in Städten den Müll, der einfach an den Straßenrand geworfen wird.

Ayoun bietet aber noch eine weitere Besonderheit. Wenn man von Westen in die Stadt einfährt kommt man zu Beginn durch eine wunderschöne bizarre Felsformation. Im weiten flachen Land ist das überraschend. Deshalb wird auch Ayoun gerne als eine der schönsten Städte Mauretaniens bezeichnet.

Die Krokodile von Metraucha

Doch bevor es weitergeht nach Kiffa, Idoumous Stadt, wo er seine Jugend verbracht hat und ein Hotel besitzt, möchte ich noch mal einen kurzen Besuch bei meinen Krokodilen machen. Ich liebe die ja, irgendwas haben diese Tiere an sich, dass sie mich wahnsinnig anziehen. Wie auch die Alligatoren in Florida. Wir fahren die kurze Piste, doch dann heißt es zu Fuß weiter gehen. Es ist wieder sehr, sehr heiß. Schlimmer sind noch meine offenen Sandalen, wo alle kleinen Steine und scharfen Dornen vorne rein kommen und sich festsetzen. Alle paar Schritte muss ich stoppen und die Schuhe leeren. Dann endlich stehe ich vor dem Guelta. Ein Guelta in der Sahara ist ein Felsenbecken, dessen Untergrund so fest ist, dass das Wasser ganzjährig nicht verdunstet. Dieses hier wird von einer Quelle gespeist. Und hier finden sich die berühmten Saharakrokodile. Wenn man zunächst zum Ufer kommt ist kein einziges zu sehen, sie haben Angst vor Menschen. Man muss sich ganz ruhig auf einen Felsen setzen und warten. Nach einiger Zeit strecken sie ihren Kopf aus dem Wasser. Beim ersten Besuch 2013 konnte ich 11 Krokodile auf der Felswand liegend fotografieren, während sich sicher noch 20 im Wasser tummelten, diesmal war es aber so heiß, dass sie nicht aus dem Wasser kamen. Mit ihren großen Augen schauten sie uns nur an. Ich saß nahe am Ufer, das Kroko glotzte mich an, ich wollte ein Foto machen, aber meine Batterie war leer. Also ging ich. Adana, der hoch auf dem Felsen saß, berichte mir, dass das Kroko kurz danach genau an dieser Stelle aus dem Wasser kam. War das nun gut oder schlecht?

Ahmed hatte inzwischen unter schattigen Bäumen das Mittagessen zubereitet. Ein Ziegenhirte kam vorbei und freute sich, eine Unterhaltung zu haben. Noch 2013 sagte man mir, dass die Krokodile harmlos seien und kein Herdentier fressen würden. Das hat sich aber inzwischen geändert. Irgendwann einmal kamen sie auf den Geschmack und unser Hirte hat schon zwei Ziegen an sie verloren. Aber für Menschen sind sie harmlos, unser Hirte ging zum Guelta und wusch sich erstmal gründlich. Dann füllte er seinen Ziegenbeutel mit diesem Kroko-Wasser zum Trinken. Als er uns zum Wagen begleitete sah er mein Buch mit dem Reisebericht von Mauretanien und den Fotos der Krokodile. Er war ganz begeistert und freute sich so, als ich ihm das Buch schenkte.

Dann ging es weiter nach Kiffa, wo ich endlich wieder ein richtiges Zimmer bekam. Aber halt, ich habe ja das allerwichtigste vergessen! In Kiffa wurde ich ja erwartet. Von wem? Meinem Koffer natürlich. Endlich, nach 8 vollen Tagen, wieder mit richtigem Waschzeug, mit allen meinen Sachen und den Geschenken für Idoumous Familie, und ganz klar gab es als erstes eine wunderschöne Dusche. Und was ziehe ich danach an? Meine Sachen aus dem Koffer? Nein. Es ist so heiß, dass meine mauretanischen Kleider tatsächlich die beste Kleidung hier darstellen, zwei lässt Idoumou für mich waschen, das andere ziehe ich an.

Oualata – Nema

Die Männer tauchen auf und es kann weiter gehen. Ich bin sehr froh, dass wir nicht in dieser doch recht einfachen Auberge schlafen müssen, ein Biwak ist da wirklich besser, aber mir wurde ja ein Hotel mit Bad und Internet versprochen. Die Piste nach Nema ist sandig, aber trotzdem kommen wir gut voran, wenn auch mitten auf der Spur ein verlassenes Auto steht, das nicht mehr weiter kam, der Besitzer holt wohl Hilfe. Das kam schon vorher einmal vor. Gegen 17 Uhr sind wir in Nema. Ich bin überrascht, wie groß und sauber die Stadt doch ist, relativ gesehen natürlich. Und es gibt auch tatsächlich zwei sehr schöne Hotels, zwar ohne Internet, aber mit Bad und Klimaanlage. Ach wie schön!? Aber Idoumou will nicht. Will noch weiter fahren. Wir könnten doch noch einige Kilometer hinter uns bringen. Also, ich bin ja nicht blöd. Hier stimmt was nicht. Denn nach Ayoun und damit zum nächsten Hotel ist es weit, unterwegs gibt es nichts. Wir fahren zwar, aber ich bohre immer mehr nach. Und endlich kommt sie dann raus, die Wahrheit. Idoumou will nicht für alle Helfer ein teures Hotel bezahlen und er kennt niemand in der Stadt, wo sie bleiben können. In Ayoun wäre das besser. Aber wir können es nicht mehr im Hellen erreichen und ich bin für Argumente, die Sinn machen, durchaus empfänglich. Wir bräuchten mindestens 3 Zimmer, denn auch Idoumou will nicht mit den anderen zusammen schlafen, und eines kostet immerhin 50 Euro. Also gebe ich klein bei, verzichte auf mein schönes Zimmer und schlage vor, im nächsten Ort etwas zum Kochen zu kaufen und dann eine schöne Stelle fürs Biwak zu suchen. Die Männer sind begeistert.

Wir fahren ja ab Nema die Route de L’Espoir, eine wichtige Verkehrsader und auch in der Nacht befahren. Idoumou klärt mich auf, dass man zum Biwak niemals eine Stelle wählen dürfe, wo Sand mit Gras bewachsen ist. Denn dort seien CramCrams, irgendwelche kleine, distelartige Teilchen, die stechen und überall hängen bleiben. Sanddünen, also Sand, der sich bewegt, ist okay. Und tatsächlich finden wir bald eine richtig schöne Stelle und richten unser Biwak hinter einer Düne ein. Ahmed kocht das Abendessen, Mohammed den Tee und endlich erfahre ich auch, wozu der dritte, Adana, gut ist, er ist eigentlich der Fahrer und damit auch für alle Reparaturen am Fahrzeug zuständig. Ich hatte mich schon unterwegs gewundert, warum Idoumou nie hupte, um Menschen und Tiere wegzuscheuchen, nun zerlegt Adana die Lenksäule, weil die Hupe defekt ist. Außerdem haben wir auch noch einen Platten, na ob wir hier wieder wegkommen.

Wir essen zu Abend, wie üblich Fleischbrocken in Zwiebel gebraten, mit Wasser aufgefüllt und dann einen Riesenberg Nudeln dazu geworfen. Jeder sucht sich eine Stelle zum Schlafen aus und dann geht er los, der Wind. Wind hier heißt, irgendwo regnet es. Und wir hatten auch schon das junge Grün gesehen. Also Regen brachte die Nacht zum Glück nicht, aber der Sturm war heftig und es war nicht so leicht, ein geschütztes Plätzchen zu finden. Es gelang mir aber tatsächlich doch, einige Stunden Schlaf zu bekommen und um 5 Uhr waren wir alle wieder auf den Beinen. Ahmed bereitet das Frühstück, Adana baut die Lenksäule zusammen und holt den Kompressor, um den platten Reifen aufzupumpen. So kommen wir bis zur nächsten Stadt, Timbedra, und können ihn dort richtig flicken. Es ist nur ein kleines Loch.

Von Enji nach Oualata

Nach Oualata sind es wie gestern noch einmal 200 km, aber Idoumou ist zuversichtlich, dass wir es schaffen, Oulata zu besichtigen und dann noch weiter bis nach Nema zu fahren. Er lockt mich mit der Aussicht auf ein bequemes Hotel dort. Ich kenne ihn ja nun schon eine Weile und habe trotzdem noch nicht gelernt, dass man sich auf diese Versprechungen nicht 100 prozentig verlassen kann. Die Piste gleich nach Enji ist am Beginn trostlos, mit gestern nicht zu vergleichen. Doch bald schon kommen wieder kleine Sanddünen und auch Brunnen. Aber eines ist klar, das Highlight der ganzen Strecke ist die mittlere Etappe zwischen Tichit und Enji. Wir treffen mehrere Familien, die gerade mit allem Hausrat nach Süden ziehen. Als sie uns sehen bleibt der Mann gleich stehen, denn natürlich will er reden. Doch seine Frau treibt ihn an, wir müssen weiter, die Kinder sind vorne mit den Tieren, haben kein Wasser, wir dürfen sie nicht verlieren. Einfach toll durch Idoumou von diesem Gespräch zu hören, diese interessanten Details zeigen viel von dem Wesen der Menschen, was man nicht mitbekommt, wenn man alleine reist. Und die Frauen der Nomaden, aber auch generell in Mauretanien, sind stark und haben oft das Sagen.

Oualata

Dieser Teil der Piste ist schneller zu fahren als bisher und so erreichen wir Oualata tatsächlich schon zur Mittagszeit. Es ist glühend heiß. Oualata ist eine alte Karawanenstadt und die schönste Stadt in Mauretanien. Denn hier ist es üblich, dass die Frauen die Portale der Häuser wunderschön mit geometrischen Mustern verzieren. Ein Auszug aus meinem Reiseführer:

Besonders ist die Stadt berühmt für die strahlend weißen Ornamente und Medaillons, die die Frauen des Ortes seit jeher als festliche Rahmen für Türen und Fenster auf die lehmverputzten Wände der Innenhöfe und um die Eingangstüren auftrugen. Oualata liegt an einem Hügel, um den sich die traditionsreiche Altstadt windet. Dort sind viele Häuser bereits verfallen, aber einige Familien leben noch hier. Die eng aneinandergebauten ein- bis zweistöckigen, mit rotem Lehm verputzten und mit gemalten Ornamenten verzierten Wohnbauten aus Stein wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Aber auch im flacheren Umkreis, wo neue Häuser gebaut wurden, tragen die Wände noch immer diese schönen Motive, die nicht mehr nur in weiß sind, sondern es werden immer häufiger auch bunte Farben verwendet. Oualata ist die einzige Stadt Mauretaniens, deren Bewohner nie in Khaimas gewohnt haben.

Entlang der Straße fotografieren wir einige Eingangstüren, aber auch die Innenhöfe sind sehr schön bemalt. Idoumou meint, die Leute seien hier ein wenig speziell und ließen nicht gerne Fremde ins Haus. Wir fahren zu der Auberge, wo wir eigentlich übernachten wollten, und machen Pause. Die Männer fallen müde auf den Teppich, ich mache eine kleine Tour. Fotos über Fotos kann man hier machen, ein Paradies für jeden Fotografen. Es ist Freitag und die Männer gehen gerade zum Gebet. Ein Mädchen winkt mir zu ihr zu folgen. Sie führt mich immer weiter und schließlich stehen wir vor ihrem Haus im alten Kern. Sie winkt mich herein und tatsächlich betrete ich das Haus noch vor ihr. Die Frauen lachen sich kaputt, von wegen sind speziell und lassen niemand rein. Ich werde gleich zum Tee und Bleiben eingeladen, aber kann die Männer in der Auberge ja nicht warten lassen, sie haben sicher etwas zu essen vorbereitet. Aber ich kann so viel sagen, als alleinreisende Frau ist man immer willkommen und kommt überall rein. Als ich frage, ob ich Fotos machen kann winkt die Dame des Hauses aber ab, sie müsse erst aufräumen. Ich kann trotzdem kurz fotografieren, aber es ist tatsächlich nicht das allerschönste Haus. Da gibt es ganz andere, in die ich gerne reinginge.

Doch die Zeit habe ich nicht, wir wollen ja nach Nema, noch einmal 100 km Piste. Ich gehe zur Auberge, von den Männern keine Spur. Sind natürlich auch in der Moschee. Aber kaltes Wasser steht bereit. Ich habe den Spaziergang ja in der vollen Sonne gemacht, kann nur schätzen, aber 45 bis 50 ° sind es schon. Mein mauretanisches Kleid könnte ich auswringen und auch sonst bin ich vollkommen erschöpft von dem kleinen Bummel.

Von Tichit ins Nomadenland zum Brunnen Enji

Die Männer haben alle im Freien geschlafen, mir hat man ein Bett in einer der Rundhütten bereitet. Bett heißt, dünne Matte und sonst nichts. Als von marokkanischem Luxus verwöhnte Dame habe ich natürlich gemeckert, ich bräuchte doch zumindest ein Betttuch, aber das gibt es nicht. Also nehme ich meine Melahfa, die mir in Terjit geschenkt wurde. Ich muss wirklich die Frauen hier bewundern, wie sie mit diesem Gewand arbeiten können, ich kann noch nicht mal damit laufen und falle dauernd über meine Füße. Als Kopfkissen nehme ich das große Handtuch, das ich in der Auberge in Tidjika auch erst nach Jammern bekommen habe. Das heißt, am Abend hieß es, haben wir nicht, am Morgen nahm man es dann frisch von der Leine. Ich ließ in meiner Rundhütte Fenster und Türen offen, aber an Schlaf war nicht zu denken. Einfach viel zu heiß. Literweise schwitze ich täglich das Wasser aus. Und nachts ebenso. Kein Auge konnte ich zutun, also nahm ich irgendwann am frühen Morgen mein Bündel und legte mich wie die Männer draußen hin. Jeder schläft hier in seinen Kleidern, natürlich tue ich das auch, habe ja sonst nichts. Zum Glück hatte ich mir in Nouakchott drei Kleider gekauft, eines davon nur mit schmalen Trägern, und das ist nun immer mein Nachthemd.

Auf der Brunnenpiste

Am Morgen gab es Frühstück und um 7 Uhr waren wir schon auf der Piste. Bis Oualata, dem nächsten Ort, sind es 400 km Piste, das kann man nicht in einem Tag schaffen. Daher war ein Biwak in der Mitte geplant. Ich Luxusweibchen hatte keine besonders große Lust darauf, aber es gibt keine Alternative. Doch zunächst galt es ja, diese 200 km hinter uns zu bringen. Und ich muss sagen, es war eine traumhaft schöne Strecke, das ist jede Mühe wert. Man könnte es auch die Brunnenpiste nennen, denn um die Brunnen dreht sich alles in diesem Kamelzüchterland. Ich habe noch niemals im Leben so viele Kamele gesehen, und so schöne, gepflegte. Nicht so geschundene Tiere wie in Marokko. Am Anfang, als ich nur auf der Karte Tichit und Oualata las und an die tüchtigen marokkanischen Straßenbauer dachte, stellte ich mir vor, dass der Staat bestimmt doch auch bald diese Piste teeren wird. Aber nachdem ich sie gefahren bin glaube ich das nicht mehr. Wir sind hier in der Welt der Kamele, hier passt keine Straße hin und sie gehört auch nicht zur nomadischen Kultur, die hier noch voll gelebt wird.

Die Tiere brauchen jetzt im Sommer alle 5,6 Tage Wasser, im Winter kommen sie wochenlang ohne aus. Die Nomadenfrauen bleiben meist in der Nähe der Brunnen und hüten die Kinder und Ziegen, die Männer gehen weite Strecken mit den Kamelen, die natürlich Dromedare sind und nur einen Höcker haben. Aber trotzdem darf man sie auch Kamel nennen. Mich verwundert, wie freundlich die Leute sind und wie gerne sie sich fotografieren lassen. Es ist natürlich wunderschön, dass ich meine vier einheimischen Männer dabei habe, so können wir kommunizieren. Wenn ein Kamelreiter uns von weitem sieht kommt er flugs herbei geritten, denn wir bringen ja die vielbegehrten Nachrichten. So passierte es, dass wir an einem Brunnen mit Männern sprachen, die erzählten, sie wollen in Kürze weiter, und am nächsten Brunnen Familie von ihnen fanden, die sehr froh über diese Nachricht waren. Identifiziert wurden sie natürlich anhand der Fotos. Ich kann jedem nur dringend empfehlen, einen einheimischen Führer mitzunehmen, es ist viel interessanter. Und natürlich auch sicherer. Wir reden bei dieser Piste von insgesamt 750 km ohne Asphalt, die zurückgelegt werden müssen, um Hilfe zu bekommen, hier gibt es keine Abkürzung und auch keinen Telefonempfang. Und ein Satellitentelefon ist keine schlechte Idee, auch Idoumou hat eins zur Sicherheit dabei.

Brunnen Enji

Doch Idoumou hatte mir für heute ein weiteres Highlight versprochen, den Elefantenfelsen. Natürlich war ich neugierig. Und es war wirklich traumhaft. Eingebettet in goldgelbe Sanddünen steht eine bizarre Felsengruppe, ausgewaschen von Wind und Regen. Von Europäern Elefantenfelsen genannt, aber bei den Einheimischen heißt die Gruppe Machrouga und bedeutet, der Felsen mit den vielen Löchern. Wo nun genau der Elefant sein soll, kann sich jeder selbst aussuchen.

Kaum hatten wir diese traumhaft schöne Felslandschaft hinter uns kam der Brunnen Aratane. Hier sind gleich mehrere Wasserstellen, weil es ja auch viele Tiere zu versorgen gibt. Das Wasser ist hier in geringer Tiefe, deshalb braucht man keine Pumpe, sondern bindet einfach ein Kamel an die Seilwinde und schon nach wenigen Metern ist das Wasser oben, worauf hunderte durstige Mäuler warten. Auch hier wieder viele nette Männer, die sich einfach über eine Unterbrechung ihrer Arbeit und eine nette Unterhaltung freuen. Bisher habe ich noch keine Frauen gesehen.

Idoumou, wann kommt das nächste Highlight? Gleich sagt er, wir sind gleich da. Richtig verwöhnt wird man auf dieser Strecke von den vielen einzigartigen Anblicken. Auch das war wieder eine Felsengruppe, diesmal genannt Die Finger, weil viele Felsen wie Nadeln aufragen. Aber diesmal ist es keine einzelne Felsengruppe, sondern eine ganze Reihe davon, die von Wind und Wetter immer wieder andersartig geformt werden. Zwei hohe Felsen bieten einen schmalen Durchlass, der uns jetzt zu der Mittagszeit guten Schatten bot. Ahmed, unser Koch, hatte diesmal nur Salat mit Thunfisch im Angebot, gerade richtig für den heißen Tag.

Weiter soll es gehen, aber das ist nicht so einfach. Die volle Schönheit der Finger-Felsen erkennt man erst, wenn man etwas abseits der Hauptpiste fährt, und um die wieder zu finden, muss man offroad fahren. Im Sand eigentlich kein Problem. Nur, wo ist hier Sand? Es geht über eine scharfkantige Felsenplatte und ziemlich im Zickzack, bis die Jungs gemeinsam wieder die Piste gefunden hatten. Denn Spuren kann man auf Felsen ja nicht sehen. Alle, die mir nachfolgen, bekommen von mir zumindest einen Fixpunkt geliefert, nach dem sie sich richten können. Verglichen mit diesen einzigartigen Naturschönheiten ist der Rest eher langweilig, Sand, Dünen, Kamele, Reiter. Aber dann kommt Enji.

Enji ist ein weiterer Brunnen an der Strecke und hier ist richtig was los. Hier sind auch viele Nomadenfamilien mit Frauen und Kindern, sie haben hier ihr Lager, während die Männer auf Futtersuche gehen. Doch muss man wissen, das ist nicht immer so. Das Nomadenleben ist geprägt vom vorhandenen Futter, und das ist jetzt, direkt vor dem Beginn der Regenzeit, mehr als knapp. Wir treffen einen Nomaden, den Idoumou schon kennt. Er kommt mit seiner Kamelherde gerade von der Wasserstelle. Die Familie kam erst heute nach Enji, konnten noch nicht ihr Zelt aufbauen und er zeigt Idoumou, wo sein Lager zu finden ist. Auch wir wollen hier die Nacht verbringen. Es ist zwar noch früher Abend, wir könnten es noch weiter schaffen, aber einerseits sind wir genau auf halber Strecke nach Oualata, und andererseits ist es eine wunderbare Stelle zwischen Dünen und Akazien. Wir finden die Familie, trinken einen Tee mit den Frauen. Idoumou will eine Ziege fürs Abendessen kaufen, doch die Frauen winken ab. Die Ziegen sind einfach zu geschwächt, zu mager, man kann sie nicht schlachten. Sie schickt uns zu einer Familie, die schon länger hier lagert und vielleicht etwas hat. Doch auch hier finden wir nur die Frauen. Die Männer sind noch in der Wüste mit den Tieren. Wir trinken Tee und als die Sonne untergeht geben wir auf. Der Mann ist noch immer nicht zurück und wegen mir braucht keine Ziege ihr Leben zu lassen. Ich bin mit ein wenig Brot und Thunfisch zufrieden.

Wir erfahren viel über das Leben der Nomaden. Die Tiere sind alles. Eine große Gefahr ist auch der Schakal, der jede Nacht irgendwo eine Ziege reißt. Hier oben gibt es nichts mehr zu fressen, aber unten in Mali soll es regnen. Die Kamele wittern das. Also packen die meisten Familien ihre Sachen und machen sich auf Richtung Süden. Dort wird es bald frisches Gras geben. Aller Hausrat und das leichte Zelt werden auf die Kamele gepackt, auch die Kinder und kleine Zicklein sowie ein Wasservorrat, etwa 5,6 Tiere und sie ziehen los. Die Söhne gehen mit der Kamelherde und den Ziegen vor. Vor allem die Ziegen brauchen täglich Wasser, also gibt es festgelegte Routen entlang der Strecke. Und tatsächlich, als wir später die Route de l’Espoir nach Ayoun fahren kreuzt gerade vor uns eine Familie die Straße. Und rechts und links sieht man tatsächlich schon frisches Grün.

Wir bereiten unser Nachtlager. Und irgendwie taucht plötzlich sogar ein Bettlaken auf. Welch ein Wunder und ein Geschenk. Denn dieses Laken ermöglicht mir, mich bis auf die Unterwäsche auszuziehen, und ich schlafe gar nicht mal so schlecht. Überall um mich herum sind Kamele und sie grunzen leise vor sich hin. Ich wusste gar nicht, dass Kamele selten still sind und auch die Menschen sprechen mit ihnen. Das ist wichtig. Als die Herde spät am Abend ins Lager kam grunzte auch Idoumou, denn die Kamele würden erschrecken, wenn sie plötzlich einen Menschen sehen, und würden weglaufen. Die Nacht ist außergewöhnlich hell, wir brauchen keine Taschenlampen. Ich könnte sogar ein Buch lesen, wenn ich denn meinen Koffer mit meinem Gepäck hätte.

Das Erwachen am Morgen ist wunderschön, die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Überall grunzen die Kamele, viele haben einen Vorderfuß nach oben gebunden, damit sie nicht weglaufen. Die Jungen natürlich nicht, denn sie bleiben bei der Mutter. Unser Nomade bindet seine Tiere los, er kennt sie genau und merkt, eines fehlt. Doch wir können es in der Ferne sehen und er reitet hin, um es zu holen. Eines kann ich jetzt nach dieser Biwaknacht sagen: immer wieder würde ich Biwak einer einfachen Auberge vorziehen. Hier kann man frei schlafen und nicht in einem stickigen Raum. Allerdings waren die Nächte bisher auch windstill. Wir verabschieden uns von der Familie und machen uns auf den Weg.

Tidjikja – Tichit

Es ist als hätte Idoumou meinen Reiseführer verinnerlicht, denn wie auch ich es empfehle fuhr er noch am Abend als erstes zur Tankstelle. Das ist ein Muss für jede Tour in Mauretanien, denn so hat man noch eine zweite Chance am Morgen, wenn am Abend der Treibstoff alle ist oder das Stromnetz mal wieder ausfällt. Und auch der Luftdruck der Reifen wurde verringert, denn heute geht es auf sandige Pisten. Da bleiben wir dann die nächsten Tage. Hatten wir gestern schon den Guide Ahmed dabei, von dem ich nicht so genau wusste, was seine Aufgabe war, saß er doch einfach nur dabei, so haben wir heute noch zwei andere. Also ich und vier Männer ab in die Wüste. Die Landschaft ist wunderschön. Kleine Sanddünen in wechselnden Farben, ein Oued zieht sich an unserem Weg entlang. Damit wir uns nicht falsch verstehen, es hat keinen Tropfen Wasser, aber ist dennoch zu erkennen an seinem Baumbewuchs. Und hie und da ist auch ein Brunnen. Das Wetter ist überraschend angenehm, eher bedeckt und nicht der heiße Wüstenwind wie gestern. Einmal kommen sogar 2,3 Tropfen Regen auf die Windschutzschreibe. Idoumou fährt zügig über den Sand und unser schwer bepackter Pickup schafft das spielend. Ich mache mir Sorgen, ob wir am Abend gemäß unserem Plan Tichit erreichen, wo wir in einer Auberge schlafen wollen, was natürlich bequemer ist. Aber 240 km richtig heftige Wüstenpiste in einem Tag? Das ist schon etwas. Bewohner gibt es kaum, Gegenverkehr natürlich auch nicht, aber dennoch sind Spuren vor uns und die Piste ist recht deutlich zu sehen und außerdem durch rot-weiße Pfosten markiert. Wir fahren und fahren durch sehr schöne abwechslungsreiche Landschaft, Stunden geht es und wir haben noch längst nicht die Hälfte. Dann kommen wir zu einem Brunnen, er wird von einer durch Solarenergie betriebenen Pumpe bedient und es gibt Wächter. Aber das Wasser ist kostenlos. Es gibt nur eine Ortschaft an der Strecke, Lekhcheb, und nur dort ist Mobilfunkempfang. Idoumous Handy fängt an zu piepsen, lauter Nachrichten kommen rein, aber natürlich wird dennoch nicht das Auto kurz geparkt, sondern weiterhin über Sanddünen bugsiert, während er telefoniert. Und so einige Wörter lassen mich aufhorchen. Ich verstehe Bagage und Nouakchott. Das heißt doch nicht etwa …?

Village Bagage

Es heißt! Zunächst ein guter Bekannter, der vorwarnt, dann der Polizeichef persönlich, dann Abdou aus Marokko. Man muss einfach wissen, dass in der Kofferangelegenheit inzwischen alle wichtigen Persönlichkeiten eingeschaltet sind, angefangen vom Polizeichef am Airport, den Direktoren der RAM in Nouakchott, in Casablanca und in Düsseldorf. Und letzterer hat es wohl geschafft, den Koffer zu lokalisieren, der immer noch in Frankfurt stand. Aber eben letzte Nacht in Nouakchott eingetroffen ist, wo der Polizeichef ihn persönlich in Gewahrsam nahm. Mich wundert nur, warum der Außenminister nicht eingeschaltet war. Nun wurde der Polizeichef gebeten, den Koffer in Richtung Kiffa aufzugeben, wo ich ihn, wenn alles gut geht, in 3 Tagen in Empfang nehmen könnte. Dieses Dorf Lekhcheb wird nun offiziell umgetauft in Village Bagage!

Idoumou futtert unablässig seine noch unreifen Datteln, wir anderen knabbern an einem Stück Brot und ich gehe eigentlich davon aus, dass das unser Mittagessen ist. Gefühlt ist es auch schon spät, weil wir ja schon so viel gefahren sind. Mein Handy ist aus und ich lebe ohne Zeit. Doch dann kommen wir an einen weiteren modernen Brunnen, auch der mit Solarpumpe und Wächter, und einem schönen großen Zelt, wie sie in Mauretanien üblich sind, so wie auch die Restaurants auf den Dörfern sind. Es ist leer, aber für uns werden Decken und Teppiche ausgerollt und die beiden Jungs haben nun ihre Aufgabe, Ahmed kocht das Mittagessen und der andere den Tee, was ja hier eine zeitraubende Angelegenheit ist. Nur der Dritte spielt Tourist, ist scheinbar einfach so mitgekommen, im Fall, es werden Männer zum Schieben gebraucht.

Idoumou fällt todmüde auf die Matte, er leistet ja auch wirklich viel. Gestern 10 Stunden Fahrt, heute die schwierige Piste, er lässt ja auch keinen anderen ans Steuer. Nicht, dass ich etwa wollte. Ich genieße es sehr, mich voll auf meine Arbeit zu konzentrieren, die Wegbeschreibung zu machen und ab und zu ein paar Fotos, zum Beispiel von den Kamelen am Brunnen. Eine Stunde machen wir Pause, es ist erst 14 Uhr und es geht es weiter. 80 km sollen es noch sein bis Tichit und ich habe langsam Vertrauen, dass wir doch vor Abend ankommen. Noch immer ist die Landschaft wunderschön, immer mal wieder beeindruckende Felsformationen. An einer solchen wieder ein Brunnen, auch hier arbeiten ein paar Männer. Kurzes Gespräch, Idoumou fragt immer, ob es noch weitere Fahrzeuge unterwegs gibt und erhält die Auskunft, dass gestern Abend um 9 Uhr zwei große LKW mit Versorgungsgütern für Tichit vorbeikamen. Das muss man sich mal vorstellen, alle Güter, ob Baumaterial oder Lebensmittel und auch Treibstoff, müssen auf dieser schwierigen Piste über 240 km herantransportiert werden. In Tichit gibt es eine Tankstelle, aber der Nachschub kommt auch über diese Piste und das darf auch kein Tourist vergessen, der sich munter auf diese Fahrt begibt und denkt, man kann ja in Tichit und Oualata nachtanken. Das ist durchaus nicht immer so und kostet verständlicherweise ein Drittel mehr. Und tatsächlich, keine halbe Stunde später, sehen wir in der Ferne vor uns zwei LKW stehen. Es sind die erwähnten. Sie stecken im Sand fest und versuchen seit gestern weiter zu kommen. Klar ist, sie werden es auch heute nicht schaffen. Später im Ort fragt uns jeder nach den vermissten Fahrzeugen und sie sind schon mal froh, dass wir sie gesehen haben und bis auf den Sand alles in Ordnung ist, sie sind seit einer Woche auf dem Weg von Nouakchott und bringen dringend benötigten Nachschub. Im Winter sind auf dieser Strecke ab und zu Touristen unterwegs, aber im Sommer kommt oft tagelang kein Fahrzeug vorbei und damit auch keine Nachrichten. Mobilfunkempfang gibt es nicht auf der Strecke.

Nach 9 Stunden Fahrzeit inklusive der Mittagspause erreichen wir Tichit, was natürlich niemandem zu raten ist. Ich arbeite und habe wenig Zeit, Idoumou noch weniger, deshalb fuhren wir sehr schnell, aber jeder, der seine Urlaubsreise hier verbringt sollte für diese Etappe zwei Tage einplanen, es gibt ja auch so schöne Rastplätze unterwegs.

Tichit

In Tichit werden wir von richtig großen Kamelherden begrüßt. Sie ziehen vom Brunnen wieder zurück in die Wüste. In der Zeit der großen Karawanen war Tichit eine sehr wichtige Station, denn hier gab es Salz; keine Kristalle oder Blöcke, sondern einen salzhaltigen Sand, der in Säcke verpackt noch heute in Mauretanien und die anliegenden Wüstenländer verkauft wird, hauptsächlich für die Kamele. So arm und mickrig der 1700-Seelen Ort auch aussieht, hier gibt es richtig reiche Familien, die hunderte von Kamelen besitzen, Tichit ist die Kamelhauptstadt Mauretaniens, sie werden selbst nach Algerien exportiert. Jetzt im Sommer kurz vor der Regenzeit sind die Kamele schwach, sie können nicht arbeiten. Aber im Winter wird das Salz in langen Kamelkarawanen bis Tidjikja transportiert und auch der Nachschub kommt so, verlässlicher als die LKW.

Und trotzdem gibt es zum Abendessen kein Kamelfleisch, aber Idoumou hat tatsächlich ein richtiges Festmahl organisiert mit Ziegenfleisch in allen Formen. Einmal als Mechoui, als halbe im Stück gebratene Ziege, dann noch mal mit Soße gekocht, natürlich gibt es auch die Innereien der Ziege, aber als Vorspeise gab es Kamelmilch und die ganz frischen Datteln der Saison.

Danach möchte ich gerne todmüde ins Bett fallen, muss aber noch die Erlebnisse aufschreiben, denn morgen kommen ja neue hinzu. Aber Internet gibt es hier am Ende der Welt natürlich nicht.

Nouakchott – Akjoujt – Terjit – Tidjikja

Heute geht es also endlich auf große Fahrt – und das Wort Koffer wird in Zukunft nicht mehr erwähnt! So richtig gut war meine Zeit im Sanaga nicht, habe mich mehrmals gefragt, warum ich mir dieses primitive Hotel antue und nicht das Geld für die schöne Suite von letzter Nacht hinlege. Am Abend kam der Junge noch vorbei und spritzte gegen die Moskitos, wonach ich eine halbe Stunde außerhalb des Zimmers zubringen musste. Aber dafür hat er mir gezeigt, dass die Klimaanlage eben doch funktioniert. Das war ein Geschenk und ich habe gar nicht so übel geschlafen.

Idoumou holte mich pünktlich ab und wir gingen zunächst ins Palmeraie frühstücken, bestes Café der Stadt. Dann aber los. Unterwegs holten wir noch den Guide Ahmed ab, der schon mit mir in Diama war. Wir hatten uns zwar am Vorabend auf den Kompromiss geeinigt, Atar auszulassen und direkt nach Tidjikja zu fahren, was über die Route de L’Espoir gehen würde. Aber über Nacht fiel mir ein, dass ich damit ja die neue Straße verpasse, die nun von Terjit nach Tidjikja fertig gestellt wurde und die für den Tourismus, und damit für mein Buch, absolut unumgänglich ist. Als ich das sagte entgegnete Idoumou sofort, daran habe ich auch gedacht und deshalb fahren wir nun nicht die Route de l’Espoir, sondern bis fast nach Atar und dann auf die neue Straße. Aber das bedeutet doch einen Riesenumweg? Statt 630 km mehr als 800. Macht nichts, sagt er, ist es wert.

Also fuhren wir los. Nun, in Tidjikja angekommen, kann ich sagen, das hätten wir nicht in Deutschland geschafft und auch nicht in Marokko, aber in Mauretanien geht es. Die Straße nach Atar ist super gerade und fast verkehrsfrei, hier kann man richtig rasen. Und das tat Idoumou. Er ist ein halsbrecherischer Fahrer. Aber pünktlich zum Mittagessen waren wir am Beginn der neuen Straße (400 km ab Nouakchott) und damit in der Oase Terjit, wo er bei Freunden ein Mittagessen bestellt hatte. Dort bekamen wir die ganz frischen und zuckersüßen Datteln zu essen, jetzt ist Saison und jeder Mauretanier freut sich darauf wie Deutsche auf den ersten Spargel. Danach gab es eine Schale Nudeln mit Ziegenfleisch und natürlich rollen wir alle mit den Fingern kleine Bällchen, die man sich dann in den Mund schiebt. Spart Abwasch. Von der Dame des Hauses werde ich in eine Melahfa gehüllt und als ich sie dann wieder ablegen will schenkt sie sie mir. Vielleicht haben ihr meine nackten Arme nicht gefallen? Ist mir irgendwie peinlich, aber ablehnen kann ich es nicht. Nun habe ich also 3 Kleider und eine Melahfa.

Und dann ging es so richtig auf die neue Straße. Mein Gott, wie ist die schön. Auf jeden Fall in ganz Mauretanien die Asphaltstraße, die durch die schönste und sehr abwechslungsreiche Landschaft führt. Ich bin sicher, das wird in Zukunft die Nummer 1 für alle Touristen. Ein Traum. Und natürlich tadellos. Aber dennoch, ich empfehle sie nur für geländegängige Fahrzeuge. Vielleicht wird später mal, in der Wintersaison, wenn die Straße auch tatsächlich befahren wird, der Sand weggeschaufelt, aber jetzt versperren vor allem im mittleren Bereich viele richtig hohe Sanddünen den Weg. Meistens ist nur eine schmale, sandige Spur frei, zweimal mussten wir offroad drumherum fahren. Wenn also Wohnmobil, dann nur ein geländegängiges.

Im ersten Drittel gibt es den einzigen richtigen Ort und dort auch eine Tankstelle. Idoumou tankt wieder voll und das rate ich auch jedem anderen, man weiß ja nie, wann man wieder Treibstoff bekommt. Ich steige aus, um ein Foto zu machen und der heiße Wind haut mich völlig um. Zwar hatten wir keine Klimaanlage an, da ich aus dem offenen Fenster Fotos machen wollte, aber draußen ist es um ein vielfaches heißer. Wir haben kein Thermometer, aber viel fehlt ganz sicher nicht an 50 °. Meine Wasserflasche vorne im Auto könnte gut zum Tee kochen genutzt werden, so heiß ist es in Marokko nie geworden. Idoumou sagt auch, dass das Duschwasser in seinem Hotel manchmal so heiß ist, dass man nicht duschen kann. Aber in dieser Hitze weiß ich eines zu schätzen, meine neuen luftigen Kleider. Sie sind nicht schön, aber um ein Vielfaches praktischer in diesem Land. Sie liegen ja nirgends am Körper an, nur an den Schultern, sind federleicht und der Wind bläst hindurch. Man kann damit nachts schön schlafen, denn der Körper ist fast ganz bedeckt und die Moskitos kommen nicht so, es dient auch als leichte Zudecke, und trotzdem sieht man am Tage gut damit aus. Ich muss noch nicht mal Unterwäsche drunter tragen, wenn ich die abends wasche und zum Trocknen aufhänge. Ich glaube in Zukunft reise ich nur noch so.

Ansonsten ist die Strecke zwar voller Schönheit, aber bar jedes aufregenden Abenteuers wie zerfetzten Reifen oder einsanden. Wenn auch Idoumou manchmal so über die Sandbarrieren rast, dass nicht viel gefehlt hat zu einem Überschlag. Aber nach 830 km und 10 Stunden kommen wir heil und ganz in Tidjikja an. Und sind noch nicht mal übermüdet.

Eklat bei Royal Air Maroc

Alle, die sich auf weitere Abenteuer aus Mauretanien freuen oder sogar auf Berichte über Pisten, die sie selbst fahren wollen, muss ich leider enttäuschen. Heute Nacht war Idoumou ganz sicher, dass mein Koffer ankommen würde. Aber um 4 Uhr bekam ich eine SMS, dass wieder nichts dabei ist. Da konnte ich natürlich nicht mehr schlafen und machte mich an die Arbeit. Eigentlich sollte ja heute unsere große, mehrtägige Tour anfangen, aber Idoumou wollte sich erstmal ausschlafen. Es war daher schon fast 11, als er endlich zum Hotel kam. Bis dahin hatte sich so ein Ärger auf Royal Air Maroc aufgestaut, dass ich den erstmal ablassen musste. Habe Abdou in Marokko angerufen und ihn gebeten, sich dort zu kümmern. Er fragte nach der TAG-Nummer und nach einer Bestätigung, dass wir den Koffer als vermisst gemeldet haben. Ja aber, Abdou, wir sind doch in Mauretanien, da gehen die Uhren anders. Wir hatten natürlich nichts bekommen und ich muss Abdou recht geben. Denn jeder könnte ja mit dem Gepäckstreifen nachher sagen, hallo, mein Koffer kam nicht an. Also zum Büro von Royal Air in der Stadt. Der arme Direkter, der gerade zur Tür reinkam, wusste gar nicht, wie ihm geschah. So eine Furie hat er wohl noch nicht getroffen. Als er auf dem Flughafen anrief, um nachzufragen, sprach er von Eklat. Hah! Jedenfalls sagte er uns, wir müssten zuerst zum Airport und dieses Papier besorgen. Idoumou fährt ja seit dem 5.Juli nächtlich die vielen Kilometer raus zum neuen Terminal und ist es langsam leid. Aber wir fuhren. Und durften sogar in dem Raum nachschauen, wo die überzähligen Koffer stehen. Natürlich nicht dabei. Dann ging es ins Büro, wo ich ja meine TAG-Nummer haben wollte. Inzwischen haben wir also alle Nummern, aber immer wird nur der eine Koffer angezeigt, der ja angekommen ist. Großes Hin und Her, das immerhin dazu führte, dass ich meine Bescheinigung bekam, nur wo der Koffer ist weiß niemand. Wir können nur vermuten, dass der Anhänger abgerissen wurde und so der Koffer nicht zugeordnet werden kann. Die Frage ist aber, wo ist das geschehen? Wenn es bereits in Frankfurt war, dann müsste er dort stehen. Nun läuft also parallel eine Suchorganisation in Casablanca und Frankfurt.

Nun hatte ich aber dem Direktor gesagt, dass ich mir was zum Anziehen kaufen muss und die Airline verpflichtet ist, mir das zu zahlen. Ganz zu schweigen, von den zusätzlichen Nächten in Nouakchott und dem Ausfall meiner vielen Ausrüstung, die ich einfach auf so einer Recherchefahrt brauche. Idoumou war überrascht, das kannte er nicht, meinte, hier in Afrika gibt es nichts. Doch der Direktor zuckte nicht mit der Wimper, als ich das forderte. Nach Vorlage der Papiere zahlte er mir fast 100 Euro aus, natürlich in Ougiya. Es ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als nichts.

Inzwischen war es drei Uhr geworden und natürlich konnten wir nicht mehr diese weite Reise antreten. Was also tun? Mein Hotel war bereits geräumt und ich fand es auch zu teuer. Hier fallen nur Hotelkosten an und nichts kommt bei raus. Also brauche ich eine preiswerte Unterkunft. Alle empfehlenswerten Gästehäuser waren ausgebucht, ich bekam nur ein Zimmer im Sanaga, das ich zwar bereits kannte, aber es ist doch ziemlich heruntergekommen seitdem. Oberflächlich schönes Bad, aber als ich duschen wollte, stelle sich heraus dass die Dusche aus einem rosa Plastikbecher besteht, der mit Wasser gefüllt über den Kopf gegossen werden muss. An der Badewanne kommt kein Tröpfchen raus. Und wie gut, dass in dem einzig angekommenen Koffer zumindest ein Handtuch war. Es gibt auch eine Klimaanlage, aber ihr müsst nicht denken, dass die geht. Aber ich halte durch für eine Nacht. Bin sehr überrascht, dass die Wasserspülung einwandfrei funktioniert.

Ja, der Koffer. Habe ja schon ein wenig über den Inhalt erzählt und von den Medikamenten gesprochen. Aber die sinds nicht wirklich. Es sind zum Teil nur Nahrungsergänzungsmittel, die dennoch für mein Funktionieren wichtig sind, aber nicht lebensbedrohend. Und alles war halt nicht so richtig fürs Handgepäck geeignet, also schimpft nicht so mit mir. Sehr viel schlimmer ist einfach, keine Kleidung zu haben. Ich hatte ja nur das, was ich am Leib trug. Mit dem zweiten Koffer kamen nur Pyjama und ein Slip hinzu. Und dann soll ich auf eine anstrengende Wüstenfahrt gehen? Das bring ich einfach nicht. In jeder Minute fehlt mir ein anderes Teil, zum Beispiel auch mein Waschmittel mit Klappeimer, mein Kamm, Nagelschere. So Kleinigkeiten halt, es war alles so schön organisiert. Klar, die Kaffeemaschine war Luxus, die Erdbeermarmelade auch, aber trotzdem wäre es so schön, es zu haben. Und auch Bargeld war vorhanden, in einer verschlossenen Geldkassette, denn ich hatte meinen Barvorrat auf zwei Gepäckstücke aufgeteilt. In Mauretanien zahlt man nicht einfach so mit Kreditkarte, man braucht bares.

Dann habe ich mich mit Idoumou ruhig zusammen gesetzt. Es war schwer, ihm meine Sicht zu vermitteln. Er meinte einfach, vergiss es die paar Tage, wir fahren los. Trotz abgeschlossenem Studium hat er immer noch seine Nomadenmentalität, er denkt einfach ganz anders als ich und benötigt nicht viel zum Leben. Mit seinem Boubou kann er wochenlang auskommen, die Männer benutzen das Kleidungsstück einfach für alles, auch zum Abtrocknen oder Nase schnäuzen.

Nun hatten wir ja schon drei Tage verloren, er wollte sein Programm durchziehen, wo wir Pistentage gehabt hätten, mit Schlafen im Zelt und täglich 8 – 10 Stunden auf Piste. Ohne jeden Extratag, falls was passiert. Wir haben Brainstorming gemacht und sind nun zu einem Kompromiss gekommen. Ich will es hier nicht aufzählen, weil ich inzwischen so sehr befürchte, dass auf dieser Reise alles in die Hosen geht. Ich habe in Mauretanien nie viel Glück gehabt und komme wirklich nur hierher, um Idoumou und dem Land einen Gefallen zu tun. Was mich diese Reise inklusive aller Missgeschicke kostet ist ein Vielfaches von dem, was ich jemals an dem Reiseführer verdienen kann.

 

Fahrt nach Diama

Da ich die Hoffnung auf mein Gepäck noch nicht ganz aufgegeben habe, bleibe ich noch einen weiteren Tag im Hotel, nutze ihn aber mit einer Informationsfahrt nach Diama, damit er nicht ganz verloren ist. Es sind etwa 250 km bis dorthin und ich will natürlich auch am gleichen Tag zurück. Meine Infos besagen, dass der Zustand der Straße katastrophal ist, und daher war ich angenehm überrascht, dass die aus Nouakchott führende RN 2 ganz offensichtlich neu geteert ist. Aber genau deshalb fahre ich ja auch hier, um den aktuellen Zustand herauszufinden. Also ganz bis ans Ziel hat die tolle Straße nicht gereicht, aber wer es genau wissen will muss bis auf das Erscheinen meines Führers im Herbst warten. Am Hotel holte mich Ahmed ab, ein Guide, der für Idoumou arbeitet, denn er selbst ist ja viel zu müde, muss er doch täglich nachts bis um 4 Uhr auf dem Flughafen sein, um auf meine Koffer zu warten. Am Morgen kam zumindest der kleine, unwichtige. Kleidung, Geld und Medikamente sind weiterhin nicht existent.

Idoumous Sohn Mohammed chauffierte den Pickup, der schon komplett mit der Ausrüstung für unsere kommende Tour beladen war (ob sie jemals kommt?). So schnell kamen wir nicht aus der Stadt raus, denn die Beiden hatten immer noch irgendetwas zu besorgen. Als sie mich an einer Tankstelle im Wagen warten ließen, stürmten einige Jungs den Wagen, um mir Pfefferminze zu verkaufen oder zumindest ein paar Münzen zu erbetteln. Kurzerhand griff ich zur Kamera und knipste sie. Zunächst wehrten sie ab, aber dann zeigte ich ihnen die Bilder. Sie waren begeistert und schnitten alle möglichen Grimassen, nur um dann das Foto zu sehen.

Von der Fahrt gibt es nicht viel zu berichten, es ist nur eine richtige Ansiedlung, Tiguent, auf der Strecke, dazwischen aber sind viele Streusiedlungen mit weit auseinander liegenden Hütten. Die Menschen hier haben keinen Stromanschluss, aber zumindest gibt es eine Wasserleitung, die sauberes Trinkwasser transportiert, dass dann aber an Brunnen geholt werden muss. Nach 150 km verließen wir dann die Rosso-Straße und bogen in Richtung Naturpark Diawling und Senegal-Staudamm Diama ab. Auf der ganzen Fahrt gibt es natürlich wie in Mauretanien üblich viele Polizeikontrollen, und jeder möchte alle Personalien langsam und sorgfältig aufschreiben. Deshalb haben Landeskenner natürlich das sogenannte Fiche, ein Zettel, auf dem die verlangten Angaben bereits aufgedruckt sind. Das muss man sich vor der Reise zusammenstellen und vielfach kopieren. Das spart sehr viel Zeit.

Auch am Eingang zum Park Diawling muss man ein solches Fiche abgeben. Die Piste zur Grenze nach Senegal bei Diama verläuft durch diesen Park und so muss auch jeder diese Gebühr zahlen. Aber nachdem Ahmed erklärte, dass ich Reiseführer schreibe, hat man nicht nur auf die Gebühr verzichtet, sondern mich gleich zur Rangerstation geschickt. Dort erhielt ich Erklärungen, ein Buch über die Vogelwelt in diesem Park und wir drei wurden auch noch zum gemeinsamen Mittagessen mit den Angestellten eingeladen. Und mit den Katzen.

Wer aber in etwas ordentlicherer Umgebung essen und vielleicht sogar schlafen will dem kann ich nur die hervorragende Unterkunft in der Rangerstation empfehlen. Vier Bungalows mit hübschen, sauberen Zimmer und neu gefliesten Bädern, selbst eine Klimaanlage gibt es. Ich möchte wirklich gerne mal länger hier bleiben und auf einer geführten Tour die herrliche Tierwelt kennenlernen. Warzenschweine kreuzten ständig unseren Weg, einmal sauste ein Affe über die Straße, Vögel gibt es zuhauf, aber wer mehr sehen will darf nicht so durchrasen, wie wir es tun.

Dann erreichten wir Diama. Das ist nicht etwa ein Ort, sondern wirklich nur der Grenzübergang bzw. der Beginn der Staumauer. Will man ausreisen, so muss man diesseits drei Stationen ablaufen, um die mauretanischen Formalitäten zu erledigen, dann geht es 700 m über die Staumauer und am anderen Ende warten dann die Senegalesen. Aber wir wollten ja nicht rüber, ich hätte mir nur gerne mal den Damm angesehen. Wir parkten und gingen zum ersten Posten, der Gendarmerie. Der Polizeichef kam sofort herbei, war super freundlich, erklärte alle Prozeduren und schickte mich weiter zur Douane. Ein ganz junger Beamter empfing mich und weckte dann seinen Chef aus dem Mittagsschlaf, auch der sehr freundlich. Nun soll ich weiter zur Polizei gehen. Aber der Beamte war zwar freundlich, aber bestimmt und meinte, weiter geht es nicht. Sperrgebiet bzw. nur für Ausreisende. Also ehrlich, ich verstehs. Also spazierten wir wieder zurück. Ich war überrascht, wie entspannt es hier zugeht und es waren auch nur wenige Grenzgänger da. In Rosso sieht es da schon anders aus, aber das ist ja auch eine große Stadt. Ich kann also jedem Touristen nur zu diesem Grenzübergang raten.

Da ich Rosso schon kannte fuhren wir auf dem gleichen Weg zurück. Aber so unglaublich es ist, nun bin ich schon drei Tage in Mauretanien und habe immer noch nicht den speziellen Tee zu trinken bekommen. Ahmed schien es zu ahnen, er hatte ja eigentlich sogar Material zum Teekochen mitgenommen, aber dann entschied er, das Restaurant Modern (!) in Tiguent zu besuchen, dem einzigen Ort an der Strecke. Ich glaube modern würden es selbst meine marokkanischen Freunde nicht nennen, nein, es ist ganz im traditionellen Stil gehalten. Das bedeutet ein Karree mit Zeltdach, unten ein Mäuerchen, vielleicht um Krabbeltiere abzuhalten, darüber aber alles offen, damit der Wind durchziehen kann. Die Schuhe lässt man vor dem Zelt und lagert sich auf die Teppiche und Matten. Am Rande steht ein großer Suppentopf, darin garen Ziegenschenkel im Salzsud, von der Chefin ständig umgerührt, der lebende Fleischnachschub wartet hinter dem Zelt, und ein junger Mann bereitet unablässig Tee zu und verteilt ihn dann in winzigen Gläschen. Wir hatten uns ja bei den Rangern an Fisch mit Reis gelabt, so tranken wir nur Tee. Der echte, so wie man ihn zu Hause macht. In Marokko würde man sagen, nicht so wie in Touristenlokalen, aber die gibt es hier ja sowieso nicht. Ich konnte auch gut Fotos machen, die Menschen hier sind nicht so scheu.

Zurück in Nouakchott kaufte ich mir zunächst noch zwei von diesen luftigen Kleidern, denn es stellt sich immer mehr heraus, dass mein Koffer nie eintreffen wird.