Im Stress

Im Gegensatz zu meinem langweiligen Leben in Taunusstein ist hier immer so viel zu tun, dass ich kaum dazu komme, meinen Blog zu schreiben. Am Samstag war ich im Marine Science Center in Ponce Inlet, das ist ein Hospital für verletzte und kranke Seetiere und Vögel. Sie werden wenn möglich gepflegt und dann wieder in die Freiheit entlassen, aber einige Tiere leben dort auch für immer, weil sie in Freiheit nicht mehr zurecht kommen. So wie der kleine Rundschwanzsperber, ein Tagraubvogel. Sein Nest wurde von einem größeren Vogel angegriffen, gerettet, aber das kleine Jungtier hatte bereits ein Auge verloren, da kann er nicht mehr auf die Jagd gehen und hat im Marine Science Center ein neues Heim gefunden. Die Explore Volusia Gruppe traf sich hier, um für diese Vögel Spielzeug zu basteln, damit sie sich nicht so langweilen. Es hat Spaß gemacht, wir konnten kreativ sein, kamen vor allen den Vögeln ziemlich nah, aber als wir dann die Gebilde in die Käfige hangen haben sich die Tiere absolut nicht dafür interessiert. Wir hätten vielleicht kleine Mäuschen darin verstecken sollen.

Ich war dann nochmal kurz an Jetty von Ponce Inlet, so heißt die Stelle, wo sich der Intracoastal Waterway zum Atlantik hin öffnet. Tonnen von Seegras haben die Wochen starker Ostwind ans Ufer gespült, was zumindest den Seevögeln gut zu gefallen schien. Aber diese ganzen Strände davon wieder zu befreien wird Wochen dauern.

Heute war ich tatsächlich richtig froh, dass ich einmal nicht in aller Frühe wieder zu einem Event muss. So schön die immer sind, es fängt immer schon um 9 Uhr an und da Volusia County ziemlich groß ist sind die Örtlichkeiten oft weit entfernt und ich muss bereits um 8 Uhr abfahren. Dabei ist mir der Morgen wichtig. Nach dem ausgedehnten Frühstück mit lokaler Zeitung und Fernsehnachrichten ist meine beste Schaffenszeit, denn auch hier habe ich täglich viel zu erledigen, mein Geschäft läuft weiter, es gibt Anfragen und auch die Buchführung muss erledigt werden. So gegen 10 bin ich dann aber meistens fertig und heute ging es zum Strand. Das Wetter ist schon außergewöhnlich, es ist heiß und schwül, nach dem vielen Regen ist die Luft sehr feucht. Dazu kam dass statt herrlich breitem Strand, auf dem sich neben den Sonnenhungrigen die Autofahrer tummeln, durch den Ostwind nur ein schmaler Streifen frei ist und der mit Tonnen von Seegras bedeckt. So richtig schön ist es nicht und ich freue mich schon auf den November, wo die Hurrikanzeit vorbei ist und die schönste Zeit des Jahres beginnt.

Eine raue Woche geht zu Ende

Heute morgen bin ich zum erstenmal aufgewacht, ohne dass ein Sturm ums Haus bläst. Sollte es tatsächlich besser werden? Gestern war es ja furchtbar, den ganzen Tag Regen. Mal sanftes Nieseln, mal richtiger tropischer Regensturm. Zum Glück habe ich ums Haus trotz meinem Teich kein Hochwasser, aber die, die an einem Gewässer liegen, das mit dem Meer verbunden ist, haben da schon mehr Probleme. Freund Bob kann sozusagen vor der Haustür ins Kayak steigen.

Doch haben die letzten Tage mehr als nur Sturm gebracht. Jeder hat von dem Massaker in Las Vegas gehört, ich will da nicht mehr groß darüber schreiben. Dieser Mann hat über 40 Waffen, teils Sturmgewehre, zusammengekauft, aber ein Gesetz, das die privaten Waffen beschränkt ist nicht in Sicht. Bei einem so großen Verbrechen ist das Geschrei groß, aber es gibt viel mehr Tote, die auf leise Weise völlig unnötig sterben. Erst vor wenigen Tagen starbin Florida wieder ein kleiner Junge, weil er von seinem Vater in einem geparkten Wagen kurz zurückgelassen wurde, eine Pistole im Wagen fand und sich damit selbst erschoss. Darüber regt sich hier schon keiner mehr auf.

http://www.wftv.com/news/local/double-check-your-weapons-orange-county-deputies-urge-gun-safety-after-child-5-kills-himself-/619046171

Und die Höhe der amerikanischen Heuchelei ereignete sich diese Woche auch noch. Der republikanische Senator Tim Murphy ist schon immer dafür bekannt, sehr streng gegen Abtreibung vorzugehen. Doch als der verheiratete 65jährige nun von seiner Geliebten hörte, sie sei schwanger, textete er zurück, dass sie eine Abtreibung machen müsse. Sie wies in ihrer Antwort darauf hin, dass er im Senat doch ganz anders redet, worauf er antwortete, das ist mein Team, das diese Texte entwirft, nicht ich. Er musste sein Amt niederlegen, auch seine Ehe ist am Ende. Und die Geliebte scheint gar nicht schwanger gewesen zu sein, sondern wollte ihn nur provozieren. Danke, Shannon.

Explore Volusia

Heute ist es richtig stürmisch. Seit Tagen haben wir einen starken Ostwind, der das Wasser des Atlantik in die Creeks treibt, überall Hochwasser. Und genau heute hat Explore Volusia Kayak fahren angesetzt. Um 9 Uhr. Seit halb acht schaue ich in meine Emails und bin ziemlich sicher, dass dies gecancelt wird, andere Veranstalter canceln schon bei lauem Lüftchen. Aber nichts. Und ja, das Kayak ist schon seit dem Abend sicher im Auto verstaut, dann fahre ich also einfach mal los. Es geht nach New Smyrna, nicht weit entfernt. Und tatsächlich, die meisten sind schon vor Ort. 16 Kayaks, einschließlich der zwei Tour Guides, wollen los. Nun muss man sagen, dass ich absolut untrainiert bin, im Leben vielleicht zehnmal im Kayak saß, den ganzen Sommer nichts gemacht habe. Aber egal, es wird los gepaddelt. Und solange es durch kleine Kanäle geht ist es auch unproblematisch. Okay, am Anfang hielt ich das Paddel falsch herum und musste erst aufgeklärt werden, ja okay, kann ja mal passieren. Und wenn das Kayak auch öfter im Kreis herum fuhr statt geradeaus, auch nicht so schlimm. Aber als der Wind dann so richtig im breiteren Intracoastal Waterway durchblies (welchen Namen hat der Sturm denn diesmal?), da fuhr mein Kayak wunderschön rückwärts. Trey, unser Führer, erbarmte sich und verband sich mit mir mittels eines Taus. Dann ging das ganze doch sehr viel leichter. Zweimal habe ich noch versucht, alleine loszukommen, aber irgendwie haben sich das blöde Kayak und auch die Mangroven gegen mich verschworen und sind trotz meiner deutschen Flüche eine enge Verbindung eingegangen, so dass Trey mich doch bis zum Ende andocken musste. Schon beschämend! Aber trotzdem großer Spaß und nette Gruppe. Ich freue mich aufs nächste Mal ohne Sturm.

Explore Volusia ist eine staatliche Stelle (Volusia heißt der Kreis, in dem ich wohne), die extra einen Mitarbeiter (Trey) beschäftigt, der Events organisiert, um die Natur des herrlichen Umlands zu erleben. Es gibt hier sehr viele staatliche Naturparks und dort findet immer ein anderes Event statt, mal einfach nur laufen und viel über die Natur erfahren, mal mit dem Fahrrad oder eben Kayak. Schnorcheln ist leider nur im Sommer, wenn ich im tristen Taunusstein sitze. Gestern zum Beispiel waren wir in der Wiregrass Preserve zu einem Geocaching. Verschiedene Punkte mussten mittels GPS gefunden werden, dort war jeweils eine Kapsel, die Antworten zu der Natur lieferte und danach gab es eine Preisverteilung. Ich liebe diese Events und vor allem sind sie völlig kostenlos.

Weiter im Text

Es ist 10 Uhr und ich bin für heute zum erstenmal durchgeschwitzt, verdreckt und völlig erledigt. Nach dem Frühstück bin ich gleich in den Garten, um das meterhohe Unkraut zu jäten, kaum angefangen, kam schon mein Rasenmähservice. Das hat sich gut ergänzt und jetzt sieht der Garten schon viel besser aus. Allerdings muss nun in den nächsten Tagen noch neu gepflanzt werden. Pflanzen sind hier sehr teuer, genauso wie Obst und Gemüse, das geht ins Geld, und meistens ist im nächsten Jahr alles kaputt. Einzig mein Rosmarin hat vom letzten Jahr überlebt, aber die Büsche, für die ich weit über 100 $ ausgegeben habe, sind weitgehend tot. Vielleicht sollte ich eine Rosmarinhecke pflanzen, sieht man in Marokko oft. Allerdings gehen einige Schäden auch auf das Konto des Rasenmähers, der auf seinem Sitzmäher alles umsägt.

Beim Duschen stelle ich fest, dass meine große Flasche teures Shampoo leer im Schrank steht. Im ebenso teuren Duschgel ist nur noch ein Tropfen drin. Die Mieter! Zur letzten Bikeweek waren ja noch Mieter im Haus, weil ich es zugesagt hatte, aber schon beim letztenmal habe ich diese Zusage sehr bereut. Es sind alles Kleinigkeiten, nichts großes, aber wenn alle meine privaten Dinge verbraucht werden, nichts ersetzt wird, und dann noch der Schalter am Trockner defekt ist, weil wohl jemand die Tür zu heftig zugeschlagen hat, dann reicht es mir einfach. Nie wieder möchte ich Mieter. Ich mache sicher mal eine Ausnahme, wenn es um Freunde geht, aber auch das eigentlich nicht. Es lohnt nicht. Die erhöhten Kosten für Wasser und Strom, das teure Internet, das heute verlangt wird, und Putzfrauen sind hier auch nicht billig. Dazu noch Reparaturen, nein, ganz sicher nicht mehr.

Dafür hatte ich gestern Glück. War mal kurz am Strand, es war sehr windig, vom Meer herüber, so wurde aller mögliche Abfall und Seegras ans Ufer gespült. Schön sah es nicht aus. Aber Fotos habe ich doch gemacht. Hatte wieder alle Hände voll und als ich so schön auf dem Pier stand und filmte, fiel mir auf, dass die Kameratasche fehlt. Mist. Da sind auch meine ganzen Ersatz-Akkus drin. Wegen dem schlechten Wetter war ja nicht allzuviel los, aber die wenigen Leute suchten gezielt in dem Seetang, ob sich vielleicht Schätze finden. Ich ging eilends meinen Weg zurück, sah schon in der Ferne etwas Schwarzes liegen, und tatsächlich, es war meine Tasche. Hat mich sehr gefreut.

Erledigt

Das schwüle Wetter dauert an. Wenn man auch nur einen Handschlag außen macht ist man durch und durch nass und völlig kaputt. Und ich mache viele. Gestern, als ich vom Baumarkt heim fuhr, dachte ich, ach, ich kann ja mal nach dem Haus meiner Freunde sehen. Sie waren bis vor kurzem noch da, sind nun aber zurück in Deutschland, sind halt noch keine Rentner und beneiden mich darum. Vor dem Haus macht es klick und mein Tablet ist im Internet. Oh Gott, ich bin ja wirklich blöd. Gerade um die Ecke ist das schnellste Internet und ich darf es nutzen. Wir verbanden uns über Videokonferenz, ich erfahre, dass bis zum Mittwoch freie Bahn herrscht und ich jederzeit zum Arbeiten kommen darf. Dann mach ich noch den Staub weg und neue Mieter können kommen. Hoffentlich wieder so nette wie im letzten Jahr, wo ein schöner Kontakt entstand.

Auf dem Heimweg will ich kurz ins Big Lots, um zu schauen, ob es da preiswerte Rauchmelder gibt. Schon im Eingang will mir eine Verkäuferin einen Wagen in die Hand drücken, ich, nein danke, brauch nicht viel. Sie sagt, überlegen Sie es sich, heute ist alles 20 % billiger. Wagen bleibt stehen, ich auch, in der Möbelabteilung. Ich sehe einen Tisch mit 4 Stühlen und bin begeistert. Meine bisherigen Stühle sind zu niedrig und ich dachte über die Anschaffung von neuen nach, aber Möbel sind in USA sehr teuer und nicht schön. Dieses Ensemble kostet weniger als 4 Stühle und ich wollte schon immer mal so einen hohen Tisch. Und der Hammer, es gab einen ähnlichen Stuhl als Einzelstück für nur 8 $, wenn mal mehr Besuch kommt.

Die Frage ist nur, wie krieg ich das Ding heim. Wie bei Ikea ist alles in einer Kiste verpackt, der nette Verkäufer misst aus, ich mein Auto, keine Chance. Selbst in meinen schönen SUV, dem Kayaktransporteur, geht die Kiste nicht rein. Ein Transport kostet 45 $. Ich fahre heim, mit dem Einzelstuhl, und rufe meinen Nachbar Tom an, Pickupbesitzer. Schon nach wenigen Minuten geht es zurück zu Big Lots und die Kiste ist auf der Ladefläche.

Hier nur mal kurz: genau das ist es doch, was mir in Taunusstein fehlt. Diese Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Fast 8 Jahre wohne ich nun schon da, aber so einen Freundeskreis habe ich dort nicht gefunden. Dürfte also keinen wundern, dass ich mich in Florida viel mehr heimisch fühle.

Tom allerdings ist gerade von einer OP genesen, er kann nur das Auto fahren, alles andere muss ich selbst machen, will ich ja auch. Die 4 Tischbeine sind relativ schnell angeschraubt im Carport, was aber ziemlich schwierig wird, ist den Tisch ins Haus zu schaffen. Ich habe mir das Teil nicht so schwer vorgestellt und ohne Helfer ist es ziemlich schnell passiert, dass ich einen hässlichen Kratzer auf der Tischplatte habe. Müssen halt immer meine schönen Platzdeckchen drauf!

Weiter geht es mit den Stühlen. Ist gar nicht so einfach, die einzelnen Schrauben auseinander zu halten. Der erste Stuhl dauert ziemlich lange, die Finger tun weh vom Schrauben, aber irgendwann ist er fertig. An diesem Abend schaffe ich nur 2 Stühle. Am nächsten Morgen kommen die anderen zwei dran und dann merke ich, dass der letzte Stuhl vom Abend falsch zusammengeschraubt ist. Also alles noch mal aufschrauben, dann sieht es besser aus. Am Ende habe ich kurze Schrauben übrig, aber zwei lange fehlen. Ich bin geschafft.

Aber nein, ausruhen geht nicht. Wenn ein Haus so lange leer steht, vor allem in einem so tropischen Klima und mit dem Durchzug von Irma, dann ist in und ums Haus sehr viel zu machen. Der Garten wird warten müssen, aber im Wohnbereich kann ich mich erst wieder wohl fühlen, wenn zumindest ein wenig sauber gemacht wurde. Zudem ist ja auch alles an Terrassenmöbel usw. in meine Eingangsdiele geräumt. Zuerst mache ich also unter dem Carport sauber, damit ich die Möbel wieder dorthin stellen kann. Und dann sieht es doch schon sehr viel besser aus. Im Grunde ist es doch ganz praktisch, dass das Internet nicht geht, so habe ich mehr Zeit fürs Putzen und mein netter Mitarbeiter zu Hause wird sich schon um alles kümmern.

Um die Mittagszeit (habe ja wegen Jetlag schon sehr früh angefangen) ist dann wenigstens so viel Ordnung eingebracht, dass ich mich etwas besser fühle, wenn auch trotzdem alle Zimmer noch ein zweites Mal sauber gemacht werden müssen.

Ich schildere hier aber lediglich, was ich so alles tue, es ist keinesfalls eine Beschwerde. Ich liebe die Hitze, auch wenn ich dreimal am Tag durchgeschwitzt bin und duschen muss, und ich liebe es, wenn ich so ums Haus werkeln kann. Das alles fehlt mir zu Hause und trägt zu meinem Wohlbefinden bei. Freue mich allerdings auch schon darauf, wenn ich wieder Exkursionen in die Natur machen kann. Am Dienstagmorgen ist Geocaching geplant.

Das ist der neue Tisch

Angekommen

Oh mein Gott, was für ein Stress! Mein Flug war super, alles planmäßig, das Essen gut und die Alkoholzufuhr reichlich. Bob wartete schon am Airport und konnte mir mit meinen 4 Gepäckstücken helfen. Zunächst zeigte er mir das Haus, wo er ein Zimmer gemietet hat. Es liegt nicht weit von einem Wasserlauf, ist aber doch etwas erhöht, ich schätze bestimmt 3 Meter Höhe vom Wasser bis zu der Veranda, von der es ins Haus geht. Und trotzdem hat das Wasser es geschafft, hinein zu kommen. Der Boden ist nass, wohl schimmelig und es riecht furchtbar, Bob hat schon Atmungsprobleme und sucht sich eine neue Wohnmöglichkeit. Und es war ein schönes Haus, von der Lage her hätte ich nicht gedacht, dass es Probleme gibt. Harley und Auto des Hauseigentümers sind auch hinüber, Bob war so schlau und brachte seine Fahrzeuge zum stabilen Haus einer Freundin, das er für sie hütete.

Er schlug vor, doch erst mal heim zu fahren, um zu prüfen, ob sich meine Batterie nicht doch noch aufladen lässt. Das wichtigste überhaupt in USA ist ein einsatzbereites Auto, ohne wäre ich verloren. Alles ist sehr weitläufig und alternative Verkehrsmittel gibt es nicht. Die Luft war schwülheiß und ziemlich feucht. Die Batterie war schnell am Charger, danke Jan und Gabor, dann brachte ich die Koffer ins Haus. Eine Sauna ist nichts dagegen. Der erste Griff ging also zum Schalter der Klimaanlage, aber es tat sich nichts. Irgendwie hatte ich das schon vorher gespürt. Die Anlage ist sehr alt, älter als mein Sohn, aber sie hat immer gut gearbeitet. Nun nimmt sie sich eine Auszeit. Sicher ist, dass man ohne bei diesem Klima nicht schlafen kann und ich überlegte schon, wie ich meine große Matratze auf die hintere Terrasse bekomme.

Aber es gibt ja noch Bob, den Baumeister. Ich rief ihn an, um zu fragen, ob er mir nicht jemand besorgen kann, der sich mit Klimaanlagen auskennt. Vor allem jetzt, am Freitagabend, ist es ja nicht so leicht, schnelle Hilfe zu bekommen. Doch Bob Baumeister setzte sich ins Auto, war in Windeseile da, und als ich mit Bob 1 zurück vom Supermarkt kam, wo ich das erste fürs Frühstück einkaufen musste, sass er schon vor dem Gerät. Und hatte auch schon den Fehler gefunden. Irgendein Relais hat wohl durch Irma zu viel Wasser bekommen. Schon war er am Telefon, rief einen befreundeten Fachmann an und eine Stunde später hatten wir das Teil. Noch rechtzeitig vor der Schlafenszeit lief das Teil wie eins.

Nun meckerte eine Freundin in Facebook ja gleich über den Gebrauch der Klimaanlage. Man sollte nicht meckern, wenn man die Gegebenheiten nicht wirklich kennt. Einerseits gibt es kaum jemand, der so sparsam ist wie ich, andererseits gibt es Wetterbedingungen. In Deutschland die Kälte, gegen die man heizen muss. Ein Leben in einer Wohnung im Winter ohne Heizen ist einfach nicht möglich. Man kann diskutieren, bei wieviel Grad man anfängt und wie hoch man heizt, aber es muss sein. Und genauso, nur umgekehrt, ist es in einem tropischen Landstrich wie Florida. Hier ist die Sommerhitze das Problem, nicht die Kälte. In den milden Wintermonaten braucht mal hier die Klimaanlage nicht, aber jetzt geht es nicht ohne, das ist alles andere als Luxus. Viele Leute, mit teuren Häusern, lassen die AC sogar an, wenn sie im Sommer nicht da sind, denn die Feuchtigkeit dringt ins Haus, sorgt für Schimmel und verdirbt Möbel und Elektronik. Wer den Tropen die Klimaanlage absprechen will hat einfach keine Ahnung und muss es erstmal selbst erleben.

So, genug liebe Petra, weiter im Text. Für den Abend hatte ich genug von Problemlösungen, wusste aber, dass am Morgen da noch etliches auf mich wartet. Wir hatten am Abend mal versucht das Auto zu starten und immerhin hatten die LED-Anzeigen wieder geleuchtet, es bestand also Hoffnung. Am Morgen ging dann mein erster Weg zum Auto, ich startete und der Motor lief. Ich klemmte den Charger ab und kümmerte mich zunächst um häusliche Dinge. Dann wollte ich zu Spectrum fahren, um meinen Internetanschluss zu bestellen. Das Auto machte keinen Mucks. War sicher ein Fehler, nur zu starten und schon abzuklemmen, aber wenn die Batterie so schnell wieder leer ist, kauft man doch besser eine neue. Bob 1 hatte sich ja bereit erklärt, mir zu helfen und so ging es auch ruckzuck, neue Batterie drin, Auto läuft. 107 $, ist okay.

Dann zu Spectrum. Wegen dem Wochenende kann der Mechaniker erst am Montagabend kommen, damit war zu rechnen. Womit ich nicht gerechnet hatte, ist, dass die SIM-Karte, die ich über amazon für teures Geld gekauft und aktiviert hatte, nicht geht. Das Internet ist extrem langsam und meist geht gar nichts. Whatsapp und so geht, aber selbst emails machen Schwierigkeiten. Und so muss ich mir halt immer Möglichkeiten suchen, wo ich ins Netz komme. Wollte in die Bücherei, normal die beste Adresse. Aber nicht heute. Direkt davor, im City Center, ist heute ein Volksfest und alle Parkplätze belegt. Zu McDonalds will ich nicht, da ich ja Figur- und umweltbewusst esse. Aber vom Baumarkt brauchte ich etwas, so sitze ich nun also davor auf einer Bank und schreibe.

Nach einem ausführlichen Einkauf beim neuen Aldi geht es wieder heim, wo noch viele, viele andere Probleme auf mich warten. Bis ich zum Erholen komme und auch den Strand mal sehe wird noch etwas dauern.

 

Inflight

Die ganze Zeit, seit ich aus Marokko zurück kam, war ich im Wartemodus. In Taunusstein fühle ich mich nicht wohl. Oder soll ich sagen, in Deutschland? Der einzige Lichtpunkt hier ist meine Familie, meine winzig kleine, beste und wunderbare Familie. Doch abgesehen davon fühle ich mich nur wohl, wenn ich auf Reisen bin. Nun sitze ich also in der Business Class und entstanden ist das nur, weil ich – zurück aus Marokko – in ein tiefes Loch gefallen war und kaum wusste, was ich da tat. Und gerade weil ich mich so auf diesen Flug gefreut habe, habe ich die Zeit einfach ausgeblendet, damit es schneller so weit ist, bis ich im Flieger sitze.

Und nun genieße ich jede Minute bewusst. Früher habe ich mich nur gefreut, nach Florida zu kommen, diesmal freue ich mich allein schon auf den Weg dahin. Ähnlich wie ich es heute mit Marokko mache, wo ich schon auf dem Weg dorthin so gut wie möglich die Fahrt genieße und mir möglichst schöne Hotels aussuche, manchmal auch eine Nacht länger bleibe. Man muss es realistisch sehen: viel Zeit bleibt nicht mehr, und die muss ich nutzen.

So hat mich also meine liebe Geli in aller Frühe zum Flughafen gefahren und ich habe mein Frühstück in der Sakura Lounge eingenommen. Obwohl – so gut war es nicht. Weiches Brot und keine Croissants, aber Latte und Sekt um 8 am Morgen. Und ein japanisches selbstreinigendes Klo, dessen geheizte Klobrille allerdings den Eindruck erweckte, es hätte gerade jemand anderes darauf gesessen.

Im American Airline Flieger dann gibt es keine First Class, meine Business ist die Top. Ein Sekt zum Empfang, während die anderen einsteigen, ein Einzelsitz am Fenster, den man wunderbar zum Schlafen ausfahren kann, ohne dem Hintermann die Lehne ins Gesicht zu drücken, Abstellflächen für die verschiedenen Kleinigkeiten und gute Bose-Kopfhörer. Schon vor Abflug fragt Rebecca, meine Flugbegleiterin, welchen Drink ich nach dem Abflug möchte, wohlgemerkt, alles noch ziemlich früh am Morgen. Dazu gibt es warme Nüsschen und schon um 10:20 Uhr wird das Mittagessen serviert, mein Angus Beef hatte ich schon zwei Wochen zuvor online bestellt.

Ich habe für dieses Ticket ein Schweinegeld bezahlt, aber ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich jemals noch anders fliegen kann, es ist schon bequem auf eine so langen Strecke (0:15 Minuten) und ich bereue keinen einzigen Cent.

Meine Wahl 2017

Die Wahl ist gelaufen, die Ergebnisse liegen vor. Das hohe Ergebnis für die AfD war zu erwarten und schockt mich daher nicht, wenn es mir auch Angst macht. Aber noch schlimmer finde ich, dass in meinem Taunusstein das Ergebnis für diese Partei noch deutlich über dem Bundesergebnis liegt, 13,9 zu 12,6 % und 11,9 % in ganz Hessen. Taunusstein also eine AfD-Hochburg?

Es gab schon früher extreme Parteien im Bundestag, aber noch nie hat es ein Anhänger einer rechtsextremen Partei in mein persönliches Umfeld geschafft. Ein Skinhead mit Springerstiefeln und Hakenkreuz auf dem Arm eingeritzt, nein, so was kenne ich nicht. Aber diesmal ist es ganz anders. Ich habe etliche Bekannte, die ich teils schon Jahrzehnte kenne und schätze, und sie sind bekennende AfD-Anhänger. Das erschreckt mich wirklich und ich verstehe sie nicht. Auch ich sehe große Fehler bei der bisherigen Regierung, habe Merkel noch nie gewählt, obwohl es ganz sicher viel schlechtere Kanzler gegeben hat. Was in Griechenland gelaufen ist fand ich nicht gut, wie unser persönliches Vermögen daraufhin vernichtet wurde, hat mich sehr geschmerzt. Aber am meisten tangiert die Menschen und mich die Flüchtlingspolitik. Ich fand es nicht gut, dass die Tore bedingungslos und weit geöffnet wurden und habe auch das bereits in meinem Blog 2015 geschrieben:

„Meiner Meinung nach gibt es nur einen einzigen Weg: Es muss ein einheitlicher Topf gebildet werden, aus dem alle Kosten bezahlt werden. Zunächst Registrierungsheime an den Außengrenzen, dort werden wirklich alle Hereinkommenden erfasst und einheitlich abgespeichert. Die Unterkunft und Versorgung der Flüchtlinge wird nicht von den Erstländern bezahlt, sondern aus dem gemeinsamen Topf, in den alle Staaten gemessen an ihrer Wirtschaftskraft zahlen.“

http://taunussteinblog.apps-1and1.net/wundert-froehlich-20724870

Ich reise viel, aber wohin ich auch reise, ich brauche ordentliche Papiere. Ohne die lässt mich kein Land herein. Ich habe Verständnis, dass es Menschen auf der Flucht gibt, die einfach nur weg von den Bomben wollen. Aber auch bereits in der Türkei und auf der langen Balkanroute gibt es keine Bomben mehr, doch die Menschen wollten ganz gezielt nach Deutschland. Weil es hier am meisten Geld gibt. Und sie wussten, wenn sie ihre Papiere weg werfen, dann ist es für sie leichter zu bleiben. Und als viele in Deutschland angekommen waren dann verschwanden sie spurlos, gingen wohin auch immer. Es gab keine Kontrolle und wir wussten nicht mehr, wer sich denn in unserem Land aufhält. Das war ein riesengroßer Fehler, der sich schon lange gerächt hat. Dass ich viel Verständnis für Flüchtlinge habe kann man in meinem Blog lesen, ich habe lange ehrenamtlich geholfen, bin keine Rechte, bin offen und liberal.

Aber zurück zur AfD. Ich denke, es gibt auch noch andere Möglichkeiten, in einer demokratischen Ordnung und unter Einhaltung des Grundgesetzes zu protestieren. Mein Wunsch war es, die Groko abzulösen. Und hoffentlich ist dies auch geglückt. Ich bin nicht ganz begeistert über den Einzug der Grünen in die Jamaika-Koalition, die haben es bei mir ziemlich verschissen. Ich hätte mir lieber die Linke dazu gewünscht und verstehe nicht, warum Merkel noch nicht mal Verhandlungen mit dieser Partei in Erwägung zieht, die doch immerhin mehr als andere das Wohl des einfachen Menschen im Programm hat. So setze ich also alle Hoffnung auf meinen Held Christian Lindner!

Man gönnt sich ja sonst nichts

Aldo, der Junge aus der Flüchtlingsfamilie, die ich schon lange betreue, hatte Geburtstag. Und als Geschenk lud ich ihn ein, mit mir zur IAA in Frankfurt zu kommen. Früh am Morgen holte ich ihn ab. Von seiner Mutter ließ er sich noch 5 Euro geben, er hat immer Hunger und Angst, nicht genug zu essen zu bekommen. Außerdem gibt er gerne Geld aus, ganz normal für einen 12jährigen, der bisher nicht viel vom Leben hatte und in seiner frühen Kindheit dem Vater half, auf Müllplätzen nach Verwertbarem zu suchen. Wir fuhren nach Frankfurt ins Parkhaus, das Jaguar – Land Rover für seine Kunden gemietet hatte, bekamen dort unsere Tickets und wurden mit einem Shuttle zur Messe gefahren. Unser erstes Ziel war das Freigelände von Jaguar, denn dort dürfen Kids von 11 bis 17 in Begleitung eines Fahrlehrers selbst Slalom durch das Gelände fahren. Ein Riesen-Ereignis für Aldo.  Dafür waren dann auch knapp 2 Stunden in der Warteschlange nicht zu viel. Danach ging es über die Messe, aber Aldo hatte nur einen einzigen Gedanken, wie kann ich die 5 Euro ausgeben. An einem Mövenpickstand wurde er die ersten 2 Euro los, danach legte ich ein Veto ein. Auch Kinder müssen schon lernen, dass Messepreise exorbitant sind und man nicht einfach so schnell seine paar Kröten ausgibt. Aldo war schlechter Laune, in jedem seiner folgenden Sätze kam das Wort kaufen vor. Er hätte doch Hunger. Ich verwies ihn auf Brot und Käse, das ihm seine Mutter mitgegeben hatte, aber irgendwie fand das keine Resonanz. Und in den Messehallen war es inzwischen die Hölle. So unglaublich voll, nur Gedränge, Autos konnte man schon gar nicht sehen. Ich sagte, komm, lass uns zurück zu Jaguar gehen. Er, was sollen wir denn da, wir kennen die Autos doch schon. Hatte ich ihn in Orlen doch hin und wieder mit dem einen oder anderen Neufahrzeug abgeholt, ich sagte, nichts da, wir müssen dort hin. Am Empfang von Jaguar bekamen wir dann unsere Bänder ausgehändigt, auch für Aldo korrekt mit seinem Namen gedruckt, obwohl selbst die Schule seinen Namen oft falsch schreibt. Er war geplättet. In der Lounge dann fanden wir einen bequemen Platz, die Mädels kamen unentwegt vorbei und fragten nach unseren Wünschen und Aldo traute sich kaum noch was zu sagen, er riss die Augen auf und staunte. Und von da an war unser Messeerfolg garantiert. Wir konnten uns so richtig ausruhen, Aldo bekam was in seinen Bauch, ach ja, ich auch, und die Stimmung war gehoben. Und danach waren plötzlich auch die Messestände nicht mehr so voll, einige Leute waren wohl schon nach Hause gegangen und wir blieben tatsächlich bis zum Messeschluss. Berieten immer zwischendurch, sollen wir bleiben oder heimgehen, doch die Messe lockte. Am meisten hat Aldo der Bugatti beeindruckt, ein Auto, das in seinen Augen nur sein Fußballidol Ronaldo sich leisten kann und das er noch nie live gesehen hatte.

Zurück im Parkhaus fragte ich ihn dann, willst du heim oder sollen wir noch mal ins Shoppingcenter, in dem wir parken. Aldo nickte nur. Und war schon wieder geplättet. So viel neues hat er an diesem Tag gesehen, so viele Menschen an einem Ort zusammen, wie er noch nie erlebt hat, so viele wunderschöne Geschäfte unter einem Dach, für einen Jungen aus Orlen ein Wunder, und ein McDonalds, in dem er eine letzten 3 Euro ausgeben konnte.

Langstreckenflüge sind nicht bequem, zumindest nicht in der Holzklasse. Und je älter man wird desto unbequemer wird es. Zumindest für mich. Deshalb habe ich mir dieses Jahr etwas gegönnt, rede mir ein, es ist mein Geschenk zu meinem Siebzigsten, und mir einen Business Flug geleistet. Kostet ein Schweinegeld, aber ich freue mich auch wie ein Schneekönig darauf. Warum sagt man eigentlich Schneekönig?

Und nun muss ich mich ans Packen machen. Der Business Flieger darf zwei Koffer einchecken, und ganz ehrlich, die krieg ich voll! Unter den bereits eingepackten Dingen sind Gummistiefel, Nähnadeln, Kaffee, Eierlöffel und –becher, Marmelade, Trockenhefe, Gelfix, Gartenrechen und eine Flasche Sambucca.

Was ist ein guter Morgen?

Wenn ich erholt aufwache und mich nachts nicht stundenlang herum gewälzt habe, wenn mein erster Blick auf den Email-Eingang zeigt, dass es einige Buchbestellungen zu erledigen gibt und vielleicht sogar eine Reise nach Marokko organisiert werden will. Dann fühle ich mich wohl. Ich könnte kein untätiges Rentnerleben führen, wo es keine Aufgaben mehr gibt, ich nicht gebraucht werde. Und ziellos durch die langweiligen Taunussteiner Wälder zu laufen bringt mir auch nichts mehr. Heute Morgen gibt es sogar eine Email von einem Kunden, der sich dafür bedankt, dass die bestellten Bücher eingetroffen sind und dass er sie toll findet. Eine solche direkte Rückmeldung bekommt man auch nicht alle Tage. Es bringt mir sehr viel Freude, über Marokko zu schreiben und damit Touristen die Reise in dieses Land zu erleichtern. Marokko ist nicht Spanien, man muss so einiges wissen, bevor man sich auf den Weg dorthin macht. Mit dem eigenen Fahrzeug heißt das. Wer eine Woche mit dem Flieger nach Marokko reist braucht keine großen Vorbereitungen, aber dem kann ich dann mit einer interessanten Wüstentour dienen. All das tue ich aus Leidenschaft, weniger um Geld zu verdienen, es kommt bei meinem kleinen Verlag auch wenig heraus, doch ein kleines Zubrot zur Rente kann jeder brauchen.

Und wenn all dies getan ist schaue ich mir über youtube die neuesten Clips aus den Late Night Shows aus USA an. Das deutsche Fernsehen empfinde ich nur noch als langweilig, und jetzt kurz vor der Wahl ist es einfach furchtbar, da ist in Amerika einfach mehr los. Stephen Colbert ist mein absoluter Held, er ist der beste Talkshow Host und vor allem spricht er sehr deutlich, ich kann ihn gut verstehen. Inzwischen kenne ich die relevanten Namen für USA besser als die deutschen und weiß genau, um was es gerade geht. Meist natürlich über den Komiker Trump, der eigentlich einen Emmy verdient hätte. „Mein“ Colbert hat ja den Moderator der diesjährigen Emmy Awards gemacht und dabei den Gag gebracht, dass ex-Pressesprecher Sean Spicer über die Größe des Publikums spekuliert hat, genau wie bei seiner ersten Pressekonferenz, mit der er sich sofort unmöglich gemacht hat. Habe erst vor wenigen Tagen Spicer bei einer Late Night Show gesehen, bei Jimmy Kimmel, und gedacht, ach, er ist eigentlich ganz okay. Es war sein Job, der diese Lügen von ihm verlangt hat. Und den Gag bei Emmy fand ich super gut.