Mal wieder in Komoot geschaut und für heute eine Tour etwas außerhalb gewählt. Es soll zunächst nach Norden bis Gambsheim gehen und dann auf der deutschen Seite zurück nach Kehl, 48 km insgesamt. Kehl und Straßburg sind ja bequem durch zwei mächtige Brücken verbunden.
Zunächst geht es wieder durch Straßburgs Vororte. Ich konnte erneut die unterschiedlichen Radspuren erleben. Manchmal breite Trails, von der Straße abgesetzt, manchmal nur aufgemalte Spuren neben der Autostraße, manchmal aber auch ruhige Nebenstraßen, wo ein weißes Fahrrad Symbol kenntlich macht, dass Autofahrer Rücksicht nehmen müssen. Und das tun sie. Ich mache meine ganze Navigation mit Komoot, aber die Stadt hat auch Rundtouren ausgearbeitet, die besonders gekennzeichnet sind. Ich fahre ja vor allem in Florida und dort ist das riesengroße Problem, dass es zwar manchmal Fahrradspuren gibt, aber keine fahrradgerechten automatischen Ampeln. Man muss immer stoppen, den Knopf suchen und dabei oft vom Rad absteigen, und dann endlos warten. Das ist hier natürlich nicht der Fall, die Ampeln sind speziell auch auf Radfahrer ausgerichtet.
Bald erreiche ich ein paar schöne Elsass-Dörfer und dort sind auch genau die Art von Restaurants, die ich suche. Mit guter Elsässer Küche. Aber das Timing stimmt nicht, es ist noch zu früh. Was natürlich auf andere Art richtig ist, denn wir sind mitten in einer Hitzewelle, mit Höchsttemperaturen von etwa 36 °C. Doch am Morgen ist es noch recht angenehm und der Fahrtwind tut sein Übriges.
Ja, und dann komme ich an die Grenze zu Deutschland. Genau da passiere ich eine verunfallte Radlerin, die gerade im Krankenwagen abtransportiert wird. Der Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland ist riesig, die Radwege sind viel schlechter und teilweise auch überhaupt nicht da. Komoot führt mich über eine Landstraße ohne Seitenstreifen, auf der 100 kmh erlaubt sind.
Zum Glück geht es dann hoch auf den Damm, das macht schon mehr Spaß, auch wenn der Untergrund nicht asphaltiert ist. Ich habe ja immer Angst, dass ich einen Platten habe, aber so weit ist es noch immer gut gegangen.
Dann erreiche ich Kehl, komme nicht richtig in die Stadt, denn ich muss rechts abbiegen und über die berühmten zwei Brücken fahren. Die wären in den Augen der Amerikaner auf jeden Fall erstaunlich, denn es gibt eine breite Radspur und daneben eine Trasse für die Straßenbahn. Öffentlichen Personentransport kennen die ja kaum, und auch Radwege, um zum Arbeiten zu fahren oder einzukaufen gibt es nicht ausreichend. Dafür allerdings einige sehr schöne Trails für die Freizeit, siehe meine Fahrradbücher: www.bikecentralflorida.com
Von der Brücke ist es nicht weit zu meiner Stadtwohnung und ich lege erst einmal eine lange Mittagspause ein. Was esse ich denn heute? Finde in Google Maps ein kleines Restaurant, fahre hin und es ist zu. Im August ist in Frankreich halt vieles zu, auch die Bäckereien, die ich so bräuchte für mein Frühstück. Aber ein Carrefour Express ist gleich an der Ecke, da spaziere ich morgens hin und hole mir frische Croissants. Natürlich geht auch die Radautobahn dorthin, aber die 350 Meter laufe ich doch ganz gerne mal in der Morgen-Kühle.
Ja, heute also kein Restaurant, ich fahre zum Lidl und entscheide mich ganz bescheiden für ein Baguette mit gekochten Eiern. Bin gut ausgerüstet, in der Wohnung ist eine Nespresso-Maschine, aber ich habe mir noch meinen Eierkocher und den Milchschäumer mitgebracht. Ein gutes Frühstück muss sein.
