Djebel Sarho

Spaß macht es nicht, die Piste von Boumalne in den Djebel Sarhro zu fahren. Weder für den Fahrer, der viel zu angespannt ist, um sich die herrliche Landschaft anzuschauen, weil die Piste fast nur aus Felsstufen besteht und er trotz Schrittgeschwindigkeit dauernd fürchten muss, dass die Reifen das nicht aushalten, aber auch nicht für die Passagiere, die viel zu durchgeschüttelt werden und sich zu krampfhaft festhalten müssen, um die Landschaft zu genießen. Am besten kann man diese herrliche Bergwelt zu Fuß erleben und dazu werden auch überall Trekkingtouren angeboten. Allerdings ist an der schwierigen Piste ein großes, offizielles Schild angebracht, das besagt, dass diese Strecke asphaltiert werden soll. Das wird ein Verlust für jeden sein, der die schöne Landschaft liebt, das ist doch ein ganz gehöriger Einschnitt. Aber aufhalten kann man die Entwicklung nicht.

In Nekob wollte ich mir wieder ein paar Hotels anschauen. Der Deutsche Hartmut Dahnelt hat dort ja seinen Lebenstraum verwirklicht und inmitten der 45 Kasbahs von Nekob das sehr urige Hotel Kasbah Ait Omar gebaut. Aber irgendwie klappt es nicht mit uns. Die Geister scheinen sich gegen uns verschworen zu haben. Ich will es nicht im Einzelnen schildern, das Hotel ist schön, aber ich nahm das Angebot, dort zu wohnen, nicht an. Hauptsächlich weil an dem Tag kein Gast da war und ich mich deshalb einsam gefühlt hätte.

Weiter ging es zum Hotel Ennakhil. Da habe ich sogar mal vor vielen Jahren meine einzige Nacht bisher in Nekob verbracht. Ich konnte es kaum glauben, aber im Eingang stand der Besitzer und erkannte mich sofort. Dabei waren das wohl an die 15 Jahre her. Aber er erwähnte Einzelheiten, die keinen Zweifel aufkommen ließen. Auch hier eine Einladung. Doch ich ließ es offen. Wollte ja noch zur Auberge Bassou, die mir empfohlen worden war. Sie liegt 5 km außerhalb ganz allein auf dem flachen Land. Auch hier war ich völlig allein mit dem Inhaber und wollte ganz sicher nicht bleiben. Die Auberge ist hübsch, die neun Zimmer sind nett eingerichtet, alle mit Bad und so heiß ist es noch nicht, dass man die fehlende Klimaanlage vermissen würde. Ibrahim ist mit einer Französin verheiratet, aber die war unterwegs, sollte am Abend wiederkommen. Wir plauderten und plauderten und irgendwann war dann doch klar, hier bleibe ich. Diese einfache Auberge, die auch eine Campingmöglichkeit hat, strahlt etwas aus. Eine Ruhe und Gelassenheit, die mir sehr wohl tat. Obwohl Ibrahim endlos redete, aber sehr sympathisch. Spät am Abend dann kam Brigitte und Ibrahim servierte uns ein wirklich köstliches Mahl, das ich in dieser Einsamkeit nicht erwartet hätte. Er war früher in Frankreich im Gastgewerbe beschäftigt und hat dort ganz sicher etwas gelernt.

 

Warum nicht mal mit dem eigenen Flieger nach Marokko

Nicht zuletzt weil ich selbst Pilotin bin hat es sich in der letzten Zeit herumgesprochen, dass ich eine gute Anlaufstelle bin für Leute, die mit dem eigenen Flugzeug nach Marokko kommen und hier etwas unternehmen wollen. So hatte ich für den ersten Kunden dieser Art, dessen erster Stopp Ouarzazate war, eine Tour auf der Straße der Kasbahs und dem Rosental in die Dadesschlucht organisiert, danach einen Wüstentrip ab Zagora und am Ende dann noch einen Aufenthalt in Essaouira. Der Kunde, selbst Chef eines kleinen Flughafens, schrieb darüber im Fliegermagazin und so kommen nun immer wieder Piloten, die von mir eine Wüstentour organisiert haben wollen. Das mache ich total gerne. Ich helfe allen meinen Kunden gerne, aber Piloten sind halt doch noch etwas Besonderes.

Aber der Clou kam am Freitag. Abends spät rief mich ein Christian an und wollte spontan am Sonntag von Sevilla nach Marrakech fliegen. Bis Samstag um die Mittagszeit hatte ich alles fertig organisiert, ein schönes Riad gefunden, natürlich immer mit dem bewährten Sahara Experience und dem tollen Mitarbeiter Jawad. Christian kam pünktlich an, brauchte aber eine gute Stunde, um sich durch die Formalitäten zu kämpfen und wurde dann zu seinem Riad gebracht, ich selbst war ja in Südmarokko auf Tour. Aber einen Piloten selbst zu empfangen, das hat mich einfach total gereizt und ich änderte mein Programm. Als ich Dienstag um 11 Uhr in Zagora einfuhr, der Flugplan sagte, der kleine Flieger solle um 11:30 Uhr eintreffen, klingelte mein Telefon und Christian war dran. In Zagora gäbe es kein AvGas und er müsse noch in Marrakech tanken und diese ganze schreckliche Prozedur dauerte eine Stunde. Er konnte dort zwar noch mit Kreditkarte bezahlen, aber kam dann später in Zagora genau mit 5 Euro Bargeld an, ich kann jedem Piloten nur raten, sich damit reichlich einzudecken, hier gibt es Gebühren und dort, und alles erfordert Bares.

Ich fuhr zum nagelneuen großartigen Terminal von Zagora, das mit Berlin etwas Wichtiges gemein hat, es ist immer noch nicht eröffnet. Hier aber nicht wegen Baumängeln, die Marokkaner können das wohl besser, sondern weil erst der König kommen muss, um das Terminal festlich zu eröffnen. Vorher läuft da gar nichts, wird ein abgetrennter Bereich genutzt. Gleichzeitig mit mir fuhr ein weiterer Wagen auf den ansonsten leeren, riesigen Parkplatz und der Fahrer sprach mich an. Ich fragte ihn etwas abweisend, was er denn wolle, und er stellte sich als der neue Direktor des Flugplatzes heraus, er ist erst seit zwei Monaten dort und soll den Betrieb auf ein internationales Niveau bringen. Die Polizei kam gleich mit, die Sicherheitsvorkehrungen hier sind riesig, jeder, der zum Flughafen kommt, wird genau registriert, mein Pass wurde fotografiert, aber die Leute waren total nett und boten mir Tee an. Und riefen gleich beim Tower an, der uns verständigte, dass Christian in etwa 30 Minuten zu erwarten sei.

Daraufhin zeigte mir der Direktor das verschlossene neue Terminal und dadurch verpasste ich leider den Landeanflug von Christian, ich konnte nur noch knipsen, wie er parkte. Er kam mit Frau und Kind und wir verstanden uns sofort super. Abdelkhalek, der Chef von Sahara Experience war persönlich gekommen, um die Gäste abzuholen, und bot vollen VIP-Service. Abdou beschäftigt für seine große Flotte an Geländewagen zahlreiche Chauffeure und fährt nur die Prominenz persönlich, so wie Königin Sofia von Spanien oder den Sänger Seal, aber er war gerade vor Ort und auch er freut sich über die Piloten.

Wir fuhren alle zusammen ins Riad Dar Sofian zum Mittagessen, danach ließ ich die Familie alleine ihre Zeit im gut 30 Grad heißen Zagora genießen.

Trekking im Dades-Tal

Ich habe mich immer für relativ fit und sportlich gehalten. Zuletzt heute früh um zehn. Das ist aber nun endgültig vorbei, durch einen kleinen Spaziergang im Dades-Tal.

Auf den Rundreisen, die ich für meine Kunden organisiere, kommt im Dades-Tal auch immer ein Trekking dazu, so 1 – 2 Stunden. Und natürlich muss ich das auch selbst mal ausprobieren. So ein bisschen wandern, was ist das schon. Youssef wartete an der Hotelrezeption auf mich und los ging es. Sein Ausgangspunkt war etwas oberhalb der Affenpfoten-Felsen, bei Ait Arbi. Er sagte, es gäbe verschiedene Trekkingrouten, aber das sei die schönste.

Wir überquerten die Brücke und gingen an schönen, zerfallenen Kasbahs entlang, durch Oasengärten. Eins ist klar, diesen Weg kann man nicht allein laufen, er ist nicht zu finden. Oft geht es einfach querein über Felder. Und dann kamen wir zu den Affenpfoten-Felsen, hier sollte unsere Schlucht beginnen. Oh mein Gott, was war das schwierig. Oft noch nicht mal 50 cm breit der Weg, ging es über Felsen, durch Bäche, hinauf und Hinunter. Youssef musste mir oft die Hand reichen, ich hätte es alleine nie geschafft. Ich bin für Trekking weder ausgerüstet (Turnschuhe) noch trainiert (tausende Kilomater am Steuer). Und die Turnschuhe erwiesen sich recht schnell als glitschig.

Ich musste mich erstmal setzen und was trinken, dann ging es weiter, aber schon bald kam ich an eine Stelle, da ging es einfach nicht mehr. Ich sollte einen weiten Schritt auf einen Felsen amchen, der einfach keinen Tritt hatte, hoch oben, und auch der weitere Weg sah nicht leichter aus. Youssef versprach mir von oben eine herrliche Aussicht und Nomaden, die dort noch in Höhlen wohnen. Aber ich schaffte es nicht, kam nicht über den Felsspalt hinüber und musste zurück. Mist, habe mich ziemlich geärgert.

Es gab allerdings noch ein zweites Problem. Heute früh nach dem Frühstück, das gar nicht so umfangreich war, hatte ich schon ziemliches Bauchgrimmen und ganz klar wartete mein Darm darauf, einen schönen sauberen Klo zu finden, was aber nicht in reichweite kam. Zwar war das nicht schuld an meinem Umdrehen, das war einfach meine Angst, aber als ich dann schließlich nach einer weiteren Stunde am Auto ankam, war ich ziemlich fertig. Habe mich natürlich vollkommen vor Youssef blamiert.

Youssef nahm ein Taxi zurück, ich wollte noch weiter im Tal recherchieren. Doch eigentlich wollte ich einfach nur irgendwo ganz ruhig sitzen und umsorgt werden, konnte mich kaum hinterm Steuer halten. Zwei Herbergen dafür kannte ich, wo man mich sicher lieb aufnehmen würde, aber bei beiden ward er Hausherr nicht da. Um die Mittagszeit ist man noch nicht auf Schlafgäste eingerichtet. Also fuhr ich weiter bis zu dem Camping Taghia, der im vergangenen Jahr gerade anfing und ich wollte den Fortschritt sehen. Den Mann dort an der Rezeption kannte ich nicht, aber er war ganz lieb. Kochte mir einen Tee mit einheimischen Kräutern, ich nutzte das ziemlich primitive Stehklo, und es ging wieder besser. Weg ist der Durchfall nicht, im schönen Xaluca bin ich einige Zeit zwischen Bett und Klo gependelt, aber es geht jetzt doch immerhin besser.

   

Menschen im Hotel

Heute bin ich im Xaluca vor der Dadesschlucht. Es ist recht groß, hier kommen viele Gruppen und irgendwie habe ich die Essenzeit schlecht gewählt. Zwei sehr unterschiedliche Gruppen sind gleichzeitig mit mir da, einmal junge Chinesen und dann eine große Gruppe älterer, marokkanischer Frauen mit Djellabah und Kopftuch. Die Reihenfolge Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch kennen sie wohl nicht. Die Chinesen begeben sich erstmal zum Nachtisch. Die marokkanischen Frauen dagegen stürmen den Bereich mit dem Hauptgang und laden sich hohe Berge auf die Teller. Die Chinesen merken irgendwann, dass es noch andere Speisen gibt und bringen alles gleichzeitig zum Tisch, so a la asiatische Reistafel.

Mein Gott, was bin ich gehässig. Ich jedenfalls warte noch ein Weilchen und greife dann ordentlich als Deutsche der Reihe nach zu. Und natürlich war es wieder zu viel, im Xaluca schmeckt es einfach immer zu gut.

Hassan zum Zweiten

Eine Fortsetzung hat meine Erfahrung mit Hassan noch genommen und leider auch eine Freundin. Sehr schade.

Gestern, vor dem Tajine-Essen, hatte ich mit der Bekannten einen Ausflug gemacht. Es war schon schwer genug, sie dazu zu bewegen. Sie, die in Mhamid immer gerne auf einen Ausflug mitgekommen ist, war hier ganz anders. Am liebsten wäre sie geblieben oder hätte alle, eben auch Hassan, mitgenommen. Unterwegs habe ich schon gemerkt, dass sie mehr als nervös war, ständig getextet hat, habe eher gedacht, es war wegen ihrem Mann, aber es war wohl Hassan, der auf ihr Rückkommen gedrängt hat. Hassan hat sie vollkommen unter seinem Bann. Er macht für sie alles, geht einkaufen, macht die Wäsche, kocht. Und bekommt dafür fürstliche Geschenke wie ein sehr hochwertiges Mountainbike. Aber Hassan will dafür auch völlige Kontrolle über sie, will seinen Geldgeber nicht verlieren.

Aus diesem Grunde habe ich mich heute zunächst von dem Wohnmobil und Hassan fern gehalten, als dieser schon beim Frühstück dort saß. Am Nachmittag bin ich mal kurz hin, setzte mich zu den Campern, Hassan natürlich dabei. Wie üblich ab dem Nachmittag mit Alkohol, der ihm freizügig angeboten wird. Meine Bekannte wollte mir was erzählen, was aus irgendwelchen Gründen Hassan nicht hören sollte, zweimal setzte sie an, als er kurz weg war, hörte sofort auf, als er zurück kam. Ihre Bitte, dass uns Hassan mal kurz allein lässt, wurde von ihm nicht respektiert. Dieses aufdringliche Verhalten von ihm ging mir so sehr gegen den Strich, dass ich fluchtartig die Wagenburg verließ und meiner eigenen Wege ging.

Später am Abend saß ich an der Rezeption, als meine Bekannte erschien, dicht gefolgt von Hassan. Sie fragte, was los sei, ich entgegnete, dass ich das nur unter vier Augen sagen würde. Hassan, stark alkoholisiert, verhielt sich einfach unglaublich. Er ließ uns nicht allein, setzte sich gegen unseren Wunsch zu uns und drängte die Bekannte, doch mit ihm zurück zum Wohnmobil zu kommen. Was sie dann auch folgsam tat, nicht ohne, dass ich mir vorher ein Wortgefecht mit Hassan geleistet habe.

Ich weiß nicht, warum so viele Camper auf ihn und seinen totalen Besitzanspruch herein fallen. Denn angeblich kommen alle nur wegen Hassan. Ich kann das nicht so recht glauben. Ich halte ihn für einen sehr durchtriebenen, berechnenden Menschen, der sich natürlich nur wegen seines Vorteils so sehr um seine Camper kümmert. Ich hatte danach noch ein langes Gespräch mit Ahmed, dem Besitzer. Er profitiert natürlich von den Gästen, die Hassan ihm heranschleppt, weiß auch genau, dass dieser zu viel trinkt, wenn es ihm angeboten wird, und er dann ausfallend werden kann. Aber Geld geht vor.

Ein wenig Vertrauen in die Menschenkenntnis der Camper habe ich ja doch noch und kann nicht glauben, dass alle von Hassan begeistert sind. Ich könnte mir ganz gut vorstellen, dass einige sang und klanglos abgereist sind, weil ihnen die persönliche Betreuung doch ein wenig zu viel war.

Was ich morgen früh auch und gerne tue. Merzouga hat für mich eine eigenartige Atmosphäre. Es ist schön hier, bin gerne da, aber sehr oft gibt es persönliche Verwicklungen, gerade hier. Merkwürdig.

Es gibt so viele schöne Plätze in Merzouga, wo man romantisch und unbelästigt stehen kann. Für Gruppen ist La Chance super, für Einzelreisende gibt es viel gemütlichere Plätze.

Merzouga Touristen

Heute bin ich im Nomadenpalast von Ali Mouni. Zum Frühstück treffen sich hier nicht nur die Gäste aus den Zimmern, auch die Leute, die die Nacht im nahen Wüstenbiwak verbracht haben, reiten am frühen Morgen zurück und frühstücken im Hotel. Und ich freue mich immer wieder, wie viele Marokkaner ich sehe zwischen den Chinesen, Brasilianern und Franzosen. Junge Paare und Familien. Nicht nur geht es vielen Menschen in den Städten inzwischen so gut, dass sie auch an eine Urlaubsreise denken können, nein, sie haben auch ein Interesse daran, ihr eigenes Land kennenzulernen. Im Sommer zur Atlantikküste war ja schon immer ein Ziel, aber die Wüste bei Merzouga zu entdecken, das ist neu. Bisher kamen höchstens Rheumakranke im Sommer zu den berühmten Sandbädern. Bei der Ankunft humpelten sie vor Schmerzen, nach zwei Wochen reisten sie beweglich und vergnügt wieder ab. Doch ist nun auch der schöne Wüstentourismus entdeckt worden.

Hassan von der Tankstelle

Hier in Merzouga habe ich einen neuen Beruf kennengelernt, den Camper-Betreuer. Bisher kannte ich ja nur Campingplatzbesitzer. Ist es ein kleiner Platz kümmert der sich häufig selbst sehr gut um die Gäste, beantwortet Fragen, offeriert Touren. Ist es ein großer Platz wie Atlantica Park gibt es natürlich einen Stab von Mitarbeitern für die einzelnen Bereiche und es ist nicht immer so persönlich und nett.

Merzouga bietet wohl die meisten Campingmöglichkeiten konzentriert in einer relativ kleinen Region. In meinem Campingführer habe ich sie alle beschrieben. Sie sind unterschiedlich, bieten von wunderschönen Stellplätzen direkt in den goldenen Dünen bis zum ummauerten Platz ohne Sicht, von einfachen Sanitärs bis zu blitzblanken Klos und heißen Duschen wirklich alles. Und dennoch ist es interessant, welcher Platz sich schließlich zu einem Favoriten der Camper etabliert. Es liegt ganz sicher nicht an meiner Beschreibung, die relativ neutral ist.

Direkt in Merzouga sind das die netten, kleinen Plätze Le Petit Prince und Les Roches. Letzterer hat nun einen Pool direkt vor den Dünen gebaut und ist sehr hübsch. Hier sind nur wenige Stellplätze, aber immer ein paar zufriedene Besucher.

In Hassi Labiad gibt es eigentlich nur zwei Plätze, wo man immer Camper findet, Ocean des Dunes und Haven La Chance. Ocean des Dunes ist nur klein, völlig ummauert und ich würde mich da eher beengt fühlen, dennoch ist der Platz sehr beliebt, wohl wegen der Freundlichkeit des Betreibers.

La Chance ist da ganz anders. Die Lage ist super, dennoch nicht einzigartig. Im Umkreis gibt es mehrere Campingplätze, die einen schönen Stellplatz direkt an den Dünen haben und sehr romantisch sind. Aber La Chance hat das Rennen gemacht. Inzwischen hat der Inhaber Ahmed den Platz sehr vergrößert, von den oberen Standplätzen ist es schon ein Stück bis zu den Sanitäranlagen und viele, viele Gruppen kommen. Dennoch fühlen sich auch die Individualcamper wohl.

Und das liegt wohl an Hassan. Und damit kommen wir zu dem neuen Beruf des Camper-Betreuers.

Hassan ist nicht auf dem Campingplatz angestellt. Sein Arbeitsplatz, sein Büro, ist die Tankstelle von Merzouga, der Treffpunkt des Ortes schlechthin. Dort wartet er darauf, dass ein Wohlmobil vorfährt, wer auf der Straße von Zagora über Alnif anreist hat vermutlich Bedarf an Treibstoff und dann ist die Stunde von Hassan gekommen. Er schlägt den Campern La Chance vor, vielleicht noch mit dem unterschwelligen Hinweis, wie schlecht die anderen Zufahrten seien, und zeigt den Weg. Von da an sind das seine Camper, die er rundum betreut. Er kocht, er macht Ausflüge, er unterhält. Ich hätte das als einfache Besucherin, die den Platz checkt, niemals gemerkt. Aber eine gute Bekannte ist schon seit längerem ein Fan von Hassan, kommt gerade wegen ihm zu diesem Platz und hat mich eingeladen zu einem gemeinsamen Abendessen. Zwei deutsche Wohnmobile stehen zusammen, Hassan hat eingekauft und kocht im Camper das tolle Tajine. Es schmeckt gut, nichts dagegen zu sagen.

Ich gönne ihm seinen Beruf, jeder muss leben, die Camper sind zufrieden, warum also nicht.

Aber kurz danach muss ich feststellen, dass ich schon längst in seine Marketingstrategie eingebunden bin. Ein Leser fragt per Email nach einem Buch, eine Kommunikation entsteht und der Leser sagt, ach, in Merzouga sind Sie. Hassan hat mir sehr stolz berichtet, dass Sie ihn jedes Jahr besuchen.

Hups! Ich kannte ihn gar nicht. Ich besuche Ahmed und den Camping La Chance. Habe ihn erst gestern Abend persönlich kennengelernt. Clever Kerlchen.

 

Frauenkooperativen für Arganöl

Arganbäume sind endemische Pflanzen, das heißt sie wachsen nur in einer bestimmten Region und können nicht verpflanzt werden. Und zwar im Großraum Essaouira – Agadir – Taroudannt. Seit Jahrhunderten waren es traditionell die Frauen, die aus den Kernen in mühseliger Handarbeit das kostbare Öl gewonnen haben. Zunächst jede Frau alleine zu Hause für den eigenen Bedarf, dann schlossen sie sich in Gruppen zusammen, um das Öl gemeinsam herzustellen und zu vermarkten. Bis dahin waren das reine Frauenkooperativen.

Arganöl war aufgrund der aufwändigen Herstellung schon immer relativ teuer, kostete Anfang der 2000er etwa 8 Euro/Liter. Doch dann wurde das Öl von der Kosmetikindustrie entdeckt und die Preise explodierten. Und gleichzeitig traten die Männer auf den Plan, übernahmen das Marketing, bauten statt der bis dahin einfachen Lehmhütten riesige Verkaufspaläste und die Preise stiegen auch in Marokko enorm, z.B. 20 Euro für 200 ml.

Dieses Geschäft wollten sich dann auch andere nicht entgehen lassen, angebliche Frauenkooperativen entstanden entlang von touristischen Routen im ganzen Land und so wurde nun auch bei Merzouga die erste angebliche Frauen-Kooperative aufgemacht. Zur Zeit gibt es etwa fünf Alibi-Frauen, die hier arbeiten, das heißt, sobald Touristen auftauchen setzen sie sich auf den Boden und bearbeiten die Kerne. In Säcken werden die Kerne aus Agadir hergebracht, im Laden verarbeiten die Frauen diese Kerne und wohnen auch da, aber den Reibach machen hier wie überall die Männer. Und die fertigen, in schöne Flaschen verpackten Produkte werden aus den Fabriken in Agadir hertransportiert.

Moha hat in Tafraoute im Anti-Atlas bereits einen solchen Laden und hat nun eine Filiale in Hassi Labiad aufgemacht, das Maison La Dune Dorée. Er verkauft hier alle möglichen Arganprodukte sowie andere natürliche Schönheitsmittel, auch Kunsthandwerk aus Tafraoute wie die bestickten Pantöffelchen. Die Preise sind extrem hoch.

Ich will nun jedem selbst überlassen, ob er dort hingeht und etwas kauft. Viele kommen auf ihrer Reise ja nicht in die Argangegend. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass dies keine von Frauen aufgebaute und betriebene Unternehmung ist. Hier steckt ein Geschäftsmann dahinter, er macht den Reibach. Sicher ist es schön, wenn die fünf Frauen nun etwas verdienen können, aber es nur wenig und es darf nicht übersehen werden, dass sie nur eine Alibifunktion für den ansonsten sehr teuren Laden haben und kaum ein Erzeugnis dort wirklich von ihnen hergestellt wird.

Geführte Wohnmobil-Touren

Um es mal ganz klar und deutlich zu sagen: Marokko ist nicht gefährlich und man kann ganz ohne Probleme dorthin allein reisen und viel Spaß haben. Ich mache das seit genau 31 Jahren. Natürlich muss man sich gut vorbereiten, Marokko ist anders als Spanien und man muss vorher einiges wissen, zum Beispiel, dass nicht alle Versicherungen die grüne Karte für Marokko ausstellen.

Trotzdem stelle ich in diesem Jahr fest, dass die geführten Wohnmobiltouren sehr stark zugenommen haben. Wenn es auch nicht mein Ding wäre, in einer Gruppe zu fahren und mich nach anderen zu richten, ich freue mich, dass so dem Land Touristen zugeführt werden, die vielleicht alleine nicht gekommen wären. Und viele davon kommen im nächsten Jahr wieder, ohne eine Gruppe, aber mit meinem Reiseführer.

Ganz wichtig bei einer solchen geführten Tour ist natürlich der Führer. Die Zusammensetzung der Gruppe kann man nicht beeinflussen, den Leiter kann man sorgsam aussuchen und Empfehlungen einholen. Und da gibt es doch ein paar schwarze Schafe. Namen möchte ich hier nicht nennen, aber oft gibt es Berichte im Internet, ein wenig googeln kann da schon Erkenntnisse bringen. Allzu oft gibt es Menschen, die mal nach Marokko gefahren sind, das Land schön fanden und nun nach einem Weg suchen, sich die weiteren Reisen finanzieren zu lassen. Und das geht natürlich gut, wenn man eine Gruppe führt. Man braucht auf den Plätzen nichts zu bezahlen und verdient ja auch noch an den Teilnehmergebühren. Nicht immer haben sie eine gute Landeskenntnis und nicht immer einen guten Charakter.

Gestern wohnte ich in der Auberge du Sud direkt an den Dünen des Erg Chebbi, eine wunderschöne Lage. Als ich ankam sah ich dort fünf Wohnmobile geparkt, ohne dazugehörige Menschen, und die Aufschrift der Reiseleitung besagte, dass es sich um SIWA-Tours handelte. Dieser Name ist mir ein Begriff, es handelt sich um ein Unternehmen mit viel Erfahrung, sie machen Touren in viele Länder und wir hatten schon kommuniziert, uns aber nie getroffen. Als die Gruppe von einer 4×4-Fahrt um den Erg zurückkam machte ich mich mit Siggi, dem Leiter, bekannt und er lud mich ein, am Abend mit der Gruppe zu essen. Ich habe mich sehr gut mit Siggi und mit Ali, einem lokalen Führer, der am Erg Chebbi dabei ist, unterhalten. Die Gruppe erschien mir eher zurückhaltend. Das erlebe ich oft. Liegt es daran, dass Gruppenteilnehmer wenig auf andere zugehen oder vermutlich eher daran, dass sie ja in der Gruppe reisen, weil sie alleine nicht so recht auf Menschen zugehen können. Wenn ich Einzelreisende auf den Campingplätzen treffe gibt es immer ein großes Hallo und nette Gespräche. Wie auch immer, ich habe von der SIWA-Gruppe einen guten Eindruck erhalten, es waren diesmal nur 4 Fahrzeuge, aber Siggi hat viel Erfahrung im Land und ist ein guter Anführer. Nach dem Essen genossen wir den windstillen Abend, es gab ein Lagerfeuer und sogar ein Feuerwerk. Was mir fehlte war Musik. Die Auberge du Sud war früher dafür bekannt, dass die Mitarbeiter am Abend in die Trommeln gehauen haben, was sie nur konnten und die traditionellen Lieder sangen, aber gestern war da überhaupt nichts los. Und auch das Abendessen war eher enttäuschend.

Merzouga am Erg Chebbi oder Mhamid mit dem Erg Chegaga

Welches Gebiet ist schöner, werde ich oft gefragt. Wohin soll ich gehen, wenn ich nur für eines Zeit habe?

Ich mag diese Frage nicht, denn ich kann sie nicht beantworten. Die beiden Ergs sind so wie man sich die Wüste vorstellt: gewaltige Gebirge aus rotgoldenem Sand. Dazu Einsamkeit, Kamele, Nomaden. Das ist es, was der westliche Tourist sucht. Schaut man sich nur den Sand an, dann sind beide Gebiete fast gleich. Gleich hoch, gleich ausgedehnt. Aber ansonsten? Ein Unterschied zwischen Tag und Nacht.

Chegaga ist einsam, es ist nur über eine schwierige Piste von 55 km zu erreichen, Mhamid der nächste Ort. An den Dünen nur einige Biwaks, Beherbergungsunternehmen mit mehr oder weniger komfortablen Zelten.

Um den Erg Chebbi gibt es fünf Dörfer, gut 100 Hotels und bestimmt 150 Biwaks versteckt im Sand. Dazu Tausende von Kamelen, die täglich die Gäste zu den Camps transportieren. Auf den ersten Blick stößt das eher ab, aber es muss ja etwas dran sein, wenn jedes Jahr tausende von Touristen zum Erg Chebbi kommen und ungleich weniger zum Erg Chegaga.

Und trotzdem, ich kann die Frage nicht beantworten. Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Für mich haben diese beiden Orte, wie eigentlich alles in Marokko, sehr viel mit persönlichen Beziehungen zu tun, und diese Dinge ändern sich manchmal. In Mhamid, das ich auch schon lange kenne, finde ich immer wieder mal etwas Neues, ob es jetzt Jamal mit seinem wunderschönen, versteckten Ksar ist, der Frauenmarkt am Nachmittag oder die schönes Festivals, immer gehe ich gerne hin. Merzouga, das früher ein bevorzugtes Lieblingsziel von mir war, bietet mir nichts Neues mehr. Ich kenne Alles und Jedes, das einzige, das ich tun kann, ist schauen, ob sich die Preise auf den Campingplätzen geändert haben oder ein neuer aufgemacht hat. Langweilig. Ich bin nun die zweite Nacht hier, aber ich fühle mich total unwohl, unglücklich. Merzouga bringt es einfach nicht mehr für mich. Ich bleibe aber noch, denn heute will ich in der Auberge du Sud wohnen. Sie gehörte zu den ersten Cafés, die es in den 1980ern bei meinem ersten Marokkobesuch um die Dünen gab, wurde dann immer mehr verschönert und vergrößert, erhielt wegen seiner Lage weitab vom nächsten Dorf erst kürzlich elektrischen Strom und ist im Augenblick vielleicht die schönste Herberge am Erg. Ich habe noch nie hier gewohnt und möchte es einmal ausprobieren.

Morgen dann gehe ich zu Ali Mouni in den Nomadenpalast. Ali kenne ich seit vielen Jahren, aber es ist manchmal auch schwer, mit ihm umzugehen. Ali ist auch so ein Rätsel für mich, aus dem ich nicht schlau werde. Früher chauffierte er mit einem alten Land Rover die Gäste von Erfoud aus zum Sonnenuntergang am Erg, dann baute er sich eine kleine Auberge weit abgelegen von den anderen und gab ihr den hochtrabenden Namen Nomad Palace. Und dieser kleine, eher unscheinbare Mann, der so gerne Haschisch raucht und ganz langsam spricht, dem man absolut nichts zutraut, hat daraus einen wahrhaftigen Palast gemacht. Jedes Jahr, wenn ich komme, ist er ein wenig größer geworden, gibt es mehr und schönere Zimmer, deren wunderschöne Einrichtung er selbst kreiert, er braucht dafür keinen Designer. In diesem Jahr kam ein langer Flur hinzu, an dessen Wänden Plakate von den unzähligen Filmen hängen, die in der Gegend von Merzouga gedreht wurden. Und einen neuen Pool gibt es auch. Den bereits bestehenden im hinteren Teil will er als Hallenbad ausbauen.

Auf der Piste

So langsam muss ich mich Richtung Merzouga aufmachen, um zu vermeiden, dass ich dort in der Osterzeit bin. Dann ist die Hölle los in Merzouga, ganz Spanien ist dort, die Hotels sind voll bis zum Bersten und die Hoteliers haben keine Zeit. Zum Abschluss besuchte ich mit einer Bekannten noch die örtliche Hammam. Wir hatten eine Badefrau empfohlen bekommen, Mbarka. Sie ist nicht in der Hammam angestellt, sondern arbeitet selbstständig. Man ruft sie an und macht einen Termin aus, allerdings spricht sie nur ihren Berberdialekt, kein Französisch. Ich wollte gerade von den Dünen in Tinfou nach Tamegroute fahren als mein Telefon klingelte. Hassan Tahiri aus Skoura war dran und sagte, er habe gerade mein Auto vorbei fahren sehen. Ja, wo bist du denn? Ich sitze mit Freunden an den Dünen von Tinfou.

Babyhaut in der Hammam

Also fuhren wir wieder zurück, tranken Tee mit ihm und Hassan rief Mbarka an, Termin nächster Morgen um 11 Uhr. Wir erschienen mit Handtuch, Shampoo und frischer Unterwäsche pünktlich vor der Hammam, Hassan war extra gekommen, um uns einzuweisen. Mbarka war schon drinnen und hatte alles vorbereitet, eine Matte auf dem Boden, ein niedriges Schemelchen für sie, die schwarze Hammamseife lag bereit, ein harter Handschuh zum Schrubben. Wir zogen uns, genau wie die anderen Frauen, aus bis aufs Höschen und gaben unsere Kleidung bei einer Aufseherin ab. Wie ein Baby seifte sie uns zunächst mit der schwarzen Seife von oben bis unten ein, übergoss uns immer wieder mit heißem Wasser. Danach kam der Handschuh. Hart, aber ohne weh zu tun, rubbelte sie an mir herum, es ist einfach unglaublich, wie viele Hautschuppen sich da lösen, Spaghetti nannte Mbarka diese gräulichen Röllchen, die von der Haut abgingen. Immer wieder kam ein wenig schwarze Seife auf den Handschuh. Da denke ich, nun ist aber alles weg, nein, Mbarka findet immer noch was. Danach nimmt sie einen locker gehäkelten Handschuh, legt ein Stück Kernseife hinein und seift uns erneut von oben bis unten ein, gleichzeitig massiert sie den ganzen Körper, bis in die Zehenspitzen. Mit einem Bimsstein wird dann die Hornhaut am Fuß noch abgeschliffen, meine Haut ist langsam sanft wie ein Baby. Zu guter Letzt werden die Haare gewaschen, diesmal aber mit unserem eigenen Shampoo.

Danach haben wir uns eine Belohnung verdient, gleich neben der Hammam ist die Bäckerei, wir holen uns Stückchen und trinken im Café Oskar einen Kaffee dazu. Plötzlich fährt ein rotes Auto vor, das ich doch kenne. Ich springe auf und mein diesmal ganz in grellem Gelb gekleideter Freund Mostafa steigt aus. Wie schön. Mostafa, Besitzer des Restaurants Dromadaire Gourmand, ist bekannt dafür, dass er täglich vom Chech bis zu dem Schuhen komplett in eine neue Farbe gekleidet ist. Am Gebetstag, dem Freitag, immer ganz in weiß.

Nach diesem Kaffeetrinken ist aber mehr oder weniger Abschied nehmen angesagt, denn so schön es war, ich muss nun weiter. Am nächsten Morgen geht es vom Riad Dar Sofian gleich auf die Straße nach Tazzarine, die ja inzwischen vollständig asphaltiert ist. Ich jedoch biege unterwegs ab auf die Piste nach Tissimoumine. Viel offroad bleibt hier nicht, es sind nur 20 km bis zum Ort, wo schon wieder für eine kurze Strecke Asphalt ist. In Oum Jrane besuche ich die örtliche Herberge, werde vom Chef zum Essen eingeladen, aber lehne ab. Weiter geht es nach Fezzou. Dort hatte ich im letzten Jahr Brahim kennengelernt, der sein elterliches Haus sehr hübsch zur Auberge umgebaut hat und auch einen Campingplatz eröffnet hat. Ich will ihm den neuen Campingführer zeigen, erst seit 1. März auf dem Markt, wo natürlich über ihn viel geschrieben ist, denn ich war ganz begeistert, was er in dem abgelegenen Fezzou nun geschaffen hat. Brahim lädt mich natürlich auch zum Essen ein, aber ich lehne wieder ab. Ich könnte hier bis zum Platzen gefüttert werden, aber ich will endlich mal ein Wüstenpicknick ganz allein am Wegesrand genießen, ist mir lieber als das ausführlichste Menü. Und so finde ich auch bald einen schattigen Baum und lasse mich dort nieder, um ein gekochtes Ei, die fünf Datteln und zwei Mandarinen zu verspeisen, die ich vom Frühstück eingepackt habe. Reicht völlig aus und befriedigt mich mehr als ein Tajine.

Im letzten Jahr war die Straße Mecissi – Fezzou – Tafraout noch im Bau, aber in diesem Jahr ist alles fertig. Was für das entlegene Tafraout einen enormen Aufschwung bedeutet. Es war bisher nur auf langen, schwierigen, versandeten Pisten zu erreichen und nun geht eine Teerstraße direkt bis zum Lac Maider. Langsam müsste auch mal der Ort Tafraout in einer Karte erscheinen, denn bisher gibt es ihn noch in keiner. Dabei ist Tafraout wunderschön und durchaus nicht mehr klein. Umgeben von schwarzen Bergen und rotgoldenen Sanddünen, die hier in einer dunklen Farbe leuchten wie an keinem anderen Ort in Marokko. Die Herbergen werden auch immer komfortabler, Les Jardins de Tafraout sieht wunderschön aus, aber ich sehe es mir nicht an, denn ich will weiter.

Oase Mharech

Vor Jahren schon war ich mal auf dieser Piste unterwegs mit einem guten Freund. Er heißt Mohammed Ouattou und ist ein sehr guter Führer. Zwar war ich die Strecke schon häufig alleine gefahren, aber er wollte gerne mitkommen. Unterwegs meinte er, ob ich nicht die Oase Mharech sehen wollte, sie sei sehr schön. Ja, ich war tatsächlich noch nie dort. Er bog ab offroad, damals mit meinem Ford Ranger Pickup, nicht sehr sandtauglich mit zu viel Luft in den Reifen und fest saßen wir. Kamen auch allein nicht wieder raus. Fanden schließlich einen Herbergsvater aus Tafraout mit seinem uralten Land Rover, der uns raus zog. Und so wurde nichts aus Mharech, es ging mit ihm nach Tafraout. Auch im letzten Jahr, als ich bei Tafraout eine ziemlich schlimme Reifenpanne hatte, konnte ich mir damit Mharech nicht ansehen, sondern musste versuchen, so schnell wie möglich nach Erfoud zu kommen.

Also diesmal sollte es sein. Es gibt zwei Pisten in die schöne Schlucht, die möchte ich zu einer Rundfahrt für mein nächstes Buch zusammenstellen. Von Tafraout geht es zunächst östlich auf die Piste nach Ramlia und Taouz. In der Ferne sehe ich auf einer Parallelpiste einen Pickup, er kommt näher und winkt. Aus steigt Mohammed Ouattou, nur wenige Kilometer entfernt von der Stelle, wo wir damals eingesandet waren. Ja, das ist Marokko, man läuft sich immer wieder über den Weg. An einem Brunnen biegt dann die Piste ab in die Mharech-Schlucht, es geht direkt über den Trockensee auf einer wirklich üblen Piste. Wenn es mal regnet, was selten vorkommt, besteht dieser See aus einem einzigen Schlamm und dann werden Fahrspuren sehr tief eingegraben, die dann aushärten. Später höre ich in der Herberge, dass auf diesem Wege schon Wohnmobile in der Schlucht eingetroffen sind, aber ich kann es kaum glauben und ganz bestimmt nicht empfehlen. Dazu gehört schon viel fahrerliches Können, aber auch ein doch zumindest etwas geländetaugliches Mobil. In schlechter Erinnerung an die üble Reifenpanne vom letzten Jahr schaue ich alle paar Kilometer meine Reifen an, ob sie noch alle Luft haben.

Am Beginn der Schlucht steht auf einem Hügel eine neue Auberge, Riad Nomad. Ich fahre hinauf, und die Aussicht ist einfach unglaublich. Über das ganze Tal, den staubigen See bis hinein in die Schlucht. Auch wer nicht in dieser Herberge übernachten will sollte einfach mal hoch fahren, um die grandiose Aussicht zu genießen. Sie bietet schöne geräumige Zimmer mit Bad, das Licht kommt vom großen Solarpanel und es soll sogar WiFi geben, auf meinen Test allerdings bekomme ich keine Verbindung mit dem Internet. Der Chef erzählt mir, dass er an diesem Abend englische Gäste haben wird, die mit 10 Pferden kommen. Das ist doch mal eine interessante Tour, auf Pferden durch die Wüste. Ganz wie Kara Ben Nemsi.

Aber ich will nicht warten und fahre nun hinein in die Schlucht. Es gibt noch eine ältere Auberge, die von Brahim, Bruder von Said, den ich aus Tafraout kenne und der mir im letzten Jahr mit meiner Reifenpanne geholfen hat. Ich war auch kurz bei ihm vorbei gefahren, alle Türen standen auf, aber niemand war zu sehen. Die Schlucht ist nicht lang, die Auberge Oasis El Mharech folgt schon nach 2 Kilometern. Wer nun denkt, dass es hier doch wohl einsam ist so tief in der Wüste direkt an der algerischen Grenze, der irrt sich. Denn da hier noch richtige Wüste ist und schöne Pisten, findet hier ein lebhafter Offroad-Betrieb statt. Individuelle Geländewagenfahrer so wie ich und wie es sie früher viel gab, findet man heute kaum noch. Es sind meist geführte Gruppen, so wie kurz zuvor die Pferde, und nun die Enduros. Solche Touren gibt es inzwischen sehr häufig, aber auch geführte Geländewagentouren mit eigenen oder gemieteten Fahrzeugen. Da ja auch die geführten Wohnmobiltouren sehr stark zugenommen haben frage ich mich, wo bleibt die Individualität, die Freiheit, die Selbstständigkeit. Naja, ich zumindest habe sie ja noch.

Wenn ich dachte, dass Brahim in der kleinen Schlucht auch eine kleine Auberge haben muss, so habe ich mich da doch ganz schön geirrt. Eine riesige weitläufige Anlage, und in der Mitte wird gerade ein Pool gebaut. Das ist schon abartig in dieser abgelegenen Gegend, wo es ansonsten nichts gibt, kein Telefon, kein Internet, kein Strom. Auch hier kommt dieser vom Solarpanel, aber 24 Stunden lang und reicht auch zum Laden der Geräte. Die Zimmer sind im Garten im Karree um den neuen Pool angeordnet, man kann direkt davor parken, da aber nun die Poolfläche weg fällt, werde ich schließlich von den Neuankömmlingen ganz schön zugeparkt und muss dann am nächsten Morgen warten, bis alle weg sind.

Aber erstmal steht Abendessen auf dem Programm und danach falle ich völlig erschöpft ins Bett.