Mautfrei On Tour

Erst am frühen Nachmittag fuhr ich los von Taunusstein, da ich zuvor noch einen Arzttermin hatte, aber alles in Ordnung und los gings. Mautfrei soll es wieder gehen, damit habe ich gute Erfahrungen gemacht, ich habe ja auch genügend Zeit. Vielleicht spart man auf der Autobahn sogar Geld, weil es schneller geht und man vielleicht Übernachtungen spart, aber ich rechne es nicht nach und finde die Landstraßen einfach interessanter. Man kann am Wegesrand auch noch einkaufen und vor allem tanken. In Frankreich kostet der Diesel an der Autobahn bis zu über 1,80 Euro, an örtlichen Tankstellen so um die 1,60 – 1,70, aber eigentlich kann man nur an Supermärkten tanken. Habe es zweimal getan, den Ort immer über meine Benzinpreis App gefunden und einmal 1,54, einmal 1,55 Euro gezahlt. Und konnte dann auch gleich meine Einkäufe erledigen.

So sehr ich Frankreich und seine Lebensart liebe, so sehr nervten mich die vielen Blitzer. Frankreich bringt es tatsächlich fertig, noch mehr dieser Geräte zu haben als Deutschland, alle paar Kilometer tauchen sie auf. Natürlich benutze ich eine Blitzer App, aber die heulte ständig und das geht schon an die Nerven.

Ich fuhr so 540 km bis Auxerre, dort konnte ich einkehren und etwas essen. Dann ging es weiter, denn ich war überhaupt nicht müde. Nach 740 km fand ich einen sehr ruhigen, dunklen Parkplatz und schlief von 1:30 bis 6 Uhr, für meine Verhältnisse sogar recht gut eingeknickt auf den 2 Sitzen vorne.

Weiter gings, am Ende auch ein langes Stück auf der mautfreien A 75, aber dann wollte ich doch ein Hotel für die Nacht. Unglaublich lange habe ich mit der Suche verbracht, fand einfach nichts am Wegesrand für angemessenes Geld. Es ist Freitagabend, vielleicht ist da alles teurer wegen dem Wochenende. Dann entschied ich mich für El Jonqera direkt hinter der spanischen Grenze, weil ich weiß, dass es dort etliche Hotels gibt. Die aber in meinen Apps alle nicht zu finden waren. Es war noch früher Nachmittag, aber das erste Hotel war schon besetzt, aber im zweiten hatte ich Glück und auch einen sicheren Parkplatz. Das ist mir wichtig, denn ich habe ja auch über Nacht viel Gepäck im Wagen. Später dann war auch dieses Hotel completo.

Aber alles gut, nur ein Restaurant hatten sie nicht, auch das in der Nähe gefiel mir nicht, aber ich habe noch genug zu essen dabei.

Vor dem Schlafengehen und nach der Dusche, die ich nach der Nacht im Auto dringend nötig hatte, suchte ich mir ein Hotel für die kommende Nacht. Es war furchtbar, ich konnte einfach nichts finden. Nach langer Zeit fand ich eins, aber bei der Onlinebuchung wollten die meine Kreditkarten nicht akzeptieren. Wie es weiter geht werde ich euch dann morgen berichten.

Privat

Das ist heute ein ganz privater Beitrag, ein Blick in mein Seelenleben. Ich bin am glücklichsten, wenn ich auf Reisen bin. Einfach unterwegs, egal wo. Und ich schlafe auch wahnsinnig gerne in Hotels, viel lieber als zu Hause, obwohl ich doch ein schönes Heim habe. Zum Glück bin ich ja nur selten in Deutschland, und diese Zeit kürze ich mir öfter ab, indem ich kleine Ausflüge für Radtouren mache. Fahren muss ich dazu nicht so viel, Fahren tue ich in Marokko schon genug, da müssen die heimischen Ausflüge nicht so weit sein. Am liebsten nicht mehr als 100 – 200 km, das reicht bis zur Mosel, in die Pfalz oder ins Elsass. Ich suche mir ein nettes Zimmer und mache dann vor Ort schöne Radtouren. Ganz toll war es auch letzten Monat, da ging es für 2 Nächte nach Frankfurt, und das schon ab der Haustür mit dem Rad. Es war wunderschön.

Ich hätte ja noch mehr solche Touren gemacht, aber dann dachte ich, nein, bleib mal in der Nähe, ohne Übernachtung, und spar das auf für deine Marokkoreise. Und die startet nun morgen. Ach, ich bin ja so kribbelig, kann es kaum erwarten. Ich nehme die Fähre ab Almeria und könnte die mit nur 2 Übernachtungen erreichen, aber ich mag nicht. So fahre ich nun schon morgen, und schaue einfach, wie weit ich komme. Ich werde wieder mautfrei durch Frankreich fahren, und dabei kommt man durch ganz interessante Gegenden, an die man sonst überhaupt nicht gedacht hätte.

Tage habe ich schon damit verbracht, mir geeignete Übernachtungsplätze zu suchen, fand tolle Unterkünfte, aber entschied mich gegen eine Buchung. Ich will frei sein, will mich nicht hetzen und finde bestimmt unterwegs was Schönes.

Hier zum Beispiel eine Nacht auf einem Campingplatz in Confolens, Frankreich:

Autofähre nach Marokko

Gefühlt war ich letzte Woche nur mit den Autofähren beschäftigt. Es gibt ja für jede Fähre ein für und gegen, aber vor allem ist das sehr persönlich. Deshalb sind meine schlauen Erkenntnisse, die ich letztlich gewonnen habe, auch nicht für alle gedacht, nur für meinen besonderen Fall. Ihr alle wisst, man kann von vielen Orten starten. Fangen wir mal im Osten an. Da wäre Genua, Sète, Barcelona, Almeria, Motril, Malaga, Algeciras und schließlich Tarifa. Ich fahre mit Geländewagen und ohne Hund, also ist alles offen. Denn Hundebesitzer nehmen gerne Algeciras, weil dann der Hund nicht so lange im Auto bleiben muss, Tarifa wäre zwar noch kürzer, aber die Fähre nicht so groß, so dass es für sehr große Fahrzeuge nicht reicht, und vor allem ziemlich teuer. 375 Euro hätte es für mich und meinen LR Discovery gekostet.

Genua und Sète sind für Leute, die eine bequeme Anreise suchen, und wenn sie Glück haben, bekommen Hundebesitzer sogar eine Kabine, wo das Tier mitdarf.

All das gilt für mich nicht. Ich bin im letzten Jahr über Almeria gefahren und war recht zufrieden. Die Fähre geht so gegen Mitternacht los und man ist morgens um 7 im Land, die Abfertigung war recht geordnet. Habe also zunächst unser liebes Carlos-Büro angerufen und gefragt, ob sie Bücher brauchen. Ja, ein paar. Aber dann habe ich entschieden, dass ich nicht deswegen bis nach Algeciras muss, Tarifa hätte ich gerne gehabt, aber es ist einfach zu teuer geworden dort.

Zwischenzeitlich hatte ich auch mal an Sète gedacht. Das Internet zeigte mir einen wahnsinnig teuren Preis, 1 Person mit Geländewagen für 1250 Euro, aber Frau Tuschick von Sahara Wings hat das doch besser hinbekommen und mir etwa 600 Euro geboten. Was wirklich günstig ist, wenn man Spritkosten und Hotelübernachtung dazu zählt. Dennoch habe ich mich dagegen entschieden, einfach weil die Abfahrtstermine nicht so recht in meinen Zeitplan gepasst haben und ich bei Anreise mit Auto viel schneller da bin.

Letztlich habe ich mich wieder für Almeria entschieden, aber für die Rückfahrt gab es ein kleines Problem. Die Fähre geht nicht an den Tagen, an denen ich möchte. Also fahre ich jetzt zurück über Motril. Im letzten Jahr hatte ich von Almeria nach Melilla 118 Euro bezahlt. Man muss wissen, dass man von Almeria zwei Optionen hat, nach Melilla und nach Nador. Melilla ist billiger, da immer noch spanisch und subventioniert. Und da ich zurück die Fähre ab Melilla nicht bekommen habe, weil ich mich halt vorher nicht über die Tage informiert habe, musste ich zurück über Nador und das hat dann 180 Euro gekostet, hin und zurück also 298 Euro.

Deswegen hatte ich jetzt also auch nach der Rückfahrt geschaut und die billige Variante genommen. Ich hätte im Internet buchen können, ich hätte das Ticket auch direkt im Hafen kaufen können. Aber dann dachte ich, ich könnte ja auch hier Carlos etwas zu tun geben. Habe also eine Email geschickt und Susana hat geantwortet, ich habe nun mein Ticket für 195 Euro hin und zurück. Ist doch toll, ich bin zufrieden. Ich weiß, ihr schreit jetzt alle, von Algeciras mit Womo und 2 Personen nur so viel, aber wie ich schon sagte, es ist persönlich und für mich eben die richtige Entscheidung.

Aber was ich natürlich nicht bekommen habe ist der billige Rotwein und den Kuchen von Carlos, die muss ich mir nun selbst kaufen.

Wer die lange Strecke buchen will ist bei Frau Tuschick sehr gut aufgehoben: www.marokkotours.de

Und wer ab Algeciras fahren will geht direkt zum Carlos Büro:

Viajes Normandie, WhatsApp +34 652 806 588, ticket@viajesnormandie.com

Crit’Air-Vignette

Liebe Freunde, die nächste Marokkoreise steht vor der Tür und ich will schon mal anfangen, Blog zu schreiben, um euch wieder mit vielen aktuellen Informationen zu versorgen. Der erste Bericht ist aber ziemlich peinlich für mich, ich möchte euch aber damit zeigen, dass wir alle mal Fehler machen können, auch ich.

Mein letztes Reisehandbuch ist ja schon vor vielen Jahren herausgekommen, verzögert durch Corona. Aber da nun alle alten Bücher verkauft sind, begebe ich mich auf die Reise nach Marokko, um die neue Auflage vorzubereiten. Habe zuhause schon vorgearbeitet und bin im Informationsteil auf diesen meinen Absatz gestoßen:

Seit Juli 2017 müssen Autofahrer für die Fahrten in den Umweltzonen der französischen Städte Paris, Lyon und Grenoble eine Umweltplakette am Fahrzeug anbringen. Die sogenannte „Crit’Air“ Vignette benötigen alle Fahrzeuge (PKW, Wohnmobile, Busse und LKW, leichte Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht). Für 19,85 – 30 Euro wird die Vignette bei einem kommerziellen Anbieter angeboten. Viel preiswerter (4,21 Euro) ist die Vignette auf dem offiziellen staatlichen Portal Frankreichs zur Umweltplakette.

Habe im Internet nachgeschaut und festgestellt, dass der Bereich, in dem die Plakette gefordert wird, nun ausgeweitet wurde und ich mir besser die Plakette hole, will ja gemütlich mautfrei durch Frankreich zockeln. Habe also in google

Crit’Air“ Vignette

eingegeben und stieß auf die sehr offiziell aussehende Seite https://critairfrankreich.de. Stellte fest, dass die Plakette nun 15 Euro kostet plus 1,95 Porto. Nun ja, ist ja nun 8 Jahre her, ist sicher teurer geworden. Also bestellt. Gut fand ich den Service, denn ich bekam sofort eine Emailbestätigung mit einer vorläufigen Plakette, die gültig ist, wenn ich sofort abfahren möchte. Außerdem die Mitteilung, dass die Originalplakette von amtlicher Stelle aus Frankreich verschickt wird. Online bestellt habe ich das also am 17.8. und heute, am 28.8. lag das Schreiben in meinem Briefkasten.

Nun hatte ich das ja auch in Facebook gepostet und ein Mitglied schrieb sofort:

Und nicht auf irgendwelche Fake Seiten reinfallen, die Plakette kostet mit Versand, für nicht in Frankreich zugelassene Fahrzeuge, 4,91€.

Shit! Da habe ich mich doch nicht an meine eigenen Anweisungen gehalten. Und der Gute hat natürlich recht, ich bin auf eine Dienstleisterseite reingefallen. Das ist kein Fake, einfach ein Dienstleister, der dir Arbeit abnimmt, aber dafür etwas verdienen will. Ja, hat mich schon geärgert. Aber ich schäme mich nicht, es euch gegenüber zuzugeben, damit ihr nicht auf den gleichen Trick reinfallt. Aber dran denken, es dauert etwa 14 Tage bis die Originalplakette da ist, aber auch die amtliche Stelle stellt eine Vorläufige aus.

Aber egal, arm bin ich dadurch ja nicht geworden, war ich ja vorher schon, haha.

Hier also der offizielle Link:

https://www.certificat-air.gouv.fr/

Video zum Ankleben

E-Visa Mauretanien

Idoumou stattete mir einen überraschenden Besuch ab, um mich über das neue e-Visa für Mauretanien zu informieren. Der Grund dafür, dass das Visum nun vor der Reise online beantragt werden muss, ist ein Abkommen mit der EU, das die illegale Migration begrenzen will. Bisher wurde das Visum an der Grenze ausgestellt. Aber Mauretanien möchte nun vor der Einreise wissen, wer ins Land einreist. Europäische Touristen werden da keinerlei Probleme haben, es geht hauptsächlich um afrikanische Immigranten, die nach Mauretanien einreisen, um dann in einem Boot auf die Kanaren überzusetzen. Allein im letzten Jahr sollen das 12.000 Afrikaner geschafft haben, nicht gerechnet die vielen, die bei dem Versuch im Atlantik ertrunken sind. Aber es geht nicht, dass nur Afrikaner unter die neue Regelung fallen, aus Gleichheitsgründen muss das für alle Menschen gelten, die Mauretanien besuchen wollen.

In einem Facebook-Live-Video hat er über das Verfahren informiert:

https://www.facebook.com/share/v/19kZEA6shz/

Nun wird man also vor einer Reise online einen Antrag stellen:

https://anrpts.gov.mr/visa/requestvisa

Ein Visum ist möglich für 30 Tage, ideal für einen Besuch im Land. Wer weiter nach Senegal und südlich fahren will beantragt 90 Tage mit multipler Einreise und kann dann auf dem Rückweg ohne weitere Prozedur wieder einreisen.

Einladung

Wichtig für diesen Antrag ist aber, dass nun ein Einladungsschreiben gefordert wird. Dazu muss ein Tourist also vorher Kontakt mit einem zugelassenen Reisebüro aufnehmen. Das ist natürlich nicht nur Idoumou, aber ich empfehle ihn, er ist gut und zuverlässig, zu erreichen über WhatsApp +222 46 44 24 21 oder Email idoumou@desertmauritanie.com. Bei ihm kostet diese Einladung 25 Euro pro Person. Eine Einladung zum Beispiel über ein Hotel ist nicht möglich, wenn ein Hotel eine solche Anfrage erhält wird es sich ebenfalls an eine Reiseagentur wenden und es kommen vermutlich noch weitere Kosten hinzu. Selbstverständlich geht es über eine Firma, wenn man beruflich einreist.

Die Anforderung für das Foto ist:

  • weniger als 400 KB groß.
  • Die Abmessungen dürfen 1280×960 Pixel nicht überschreiten und sollten mindestens 480×640 Pixel betragen.
  • Das Foto muss klar, scharf und von hoher Qualität sein.
  • Es werden nur JPG- und JPEG-Dateien akzeptiert.

Es kam schon vor, dass das Gesicht auf dem Foto nicht ganz den Anforderungen entsprach und Idoumou konnte es durch Photoshop besser machen lassen, also auch hier ein Vorteil wenn man ihn als Einladenden nutzt.

Nachdem das Online-Dokument ausgefüllt, Foto und Einladungsschreiben hochgeladen wurden, wird der Antrag abgesandt und man erhält eine Trackingnummer, mit der man die Bearbeitung nachverfolgen kann. Der Antrag kann vor der Reise gestellt werden, aber das Visum wird erst etwa 3 Tage vor der gewünschten Einreise eintreffen. Die Trackingnummer zusätzlich an Idoumou schicken, der nachverfolgen wird, wie die Ausstellung läuft. Wenn es zu lange dauert ihn kontaktieren und er wird sich kümmern. Die 30 Tage zählen ab der Ausstellung des Visums, nicht ab Einreise. Man versucht aber, das in Zukunft zu ändern.

Wer also dann das Visum erhalten hat sollte zuvor in ein Internetcafé z.B. in Dakhla gehen und das ausdrucken. Damit kann man dann einreisen und zahlt an der Grenze den geforderten Betrag, für 30 Tage sind das 55 Euro.

Ein wildes Land

Mauretanien ist auf jeden Fall eine Reise wert, aber mit dem Nachbar Marokko nicht zu vergleichen. Das Land ist groß und wenig besiedelt und je nach geplanter Reise kann es durchaus Probleme geben. Nicht sicherheitstechnischer Art. Mauretanien hat seine früheren Probleme gut im Griff, aber gerade Unfälle passieren recht häufig, wie ich selbst schon erfahren musste. Wer mit seinem Geländewagen einfach nur die touristischen Gebiete um Nouakchott, Atar und Chinguetti besuchen will, wird kaum Probleme haben. Aber wer tief ins Land einreist tut gut daran, einen Schutzbrief durch Idoumou zu erwirken, wie ich in meinem Reiseführer beschreibe. Er wird alles in Bewegung setzen um zu helfen. Das musste auch ein Endurofahrer erleben, der 600 km tief in der Wüste einen schweren Unfall hatte. Idoumou organisierte ein Militärflugzeug mit Ambulanz, das ihn innerhalb von 2 Stunden ins Krankenhaus brachte.

Reiseführer Mauretanien

In dem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf meinen Reiseführer Mauretanien verweisen. Er ist von 2019, somit nicht ganz neu, aber immerhin das einzige Buch, das es über dieses Land gibt, und enthält immer noch sehr viele wichtige Informationen. Aussagen zu Unterkünften werden aber zum großen Teil nicht mehr korrekt sein, da es noch vor Covid recherchiert wurde und sich seitdem viel geändert hat. Eine neue Auflage ist vorläufig nicht geplant.

Zum Shop

Hier das volle Interview:

Barberville Pioneer Settlement

Auf dem Event in Palatka traf ich Charlie Cracker. Er ist ein Storyteller, also Geschichtenerzähler, und er organisiert die Events in Barberville.

Das Barberville Pioneer Settlement ist sozusagen ein historisches Dorf. Hier wurden alte Gebäude zusammengetragen und als Museumsdorf eröffnet. Er lud mich ein, meine „Story“ zu erzählen. Nun, das lasse ich mir nicht zweimal sagen, ja, ich trete gerne auf und erzähle über das was ich so mache. Ich fuhr also guter Dinge die knappe Stunde nach Barberville, musste allerdings sehen, dass recht wenig los war. Aber egal, ein paar nette Leute sind immer da. Ich war schon recht früh vor Ort und konnte mich im Dorf umsehen. Wollte meinen Ford zum Ölwechsel an der Ford-Werkstatt abgeben, aber man meinte, sie sei nur Dienstag Vormittag auf.

Raisin Potato

Wesentlich interessanter war aber das Kochen von Kartoffeln in „Rosin“. Ein wichtiger Gewerbezweig im Florida der Pioniere war die Erzeugung von Terpentin. Dazu wurden Long Leaf Pine Trees angestochen, heraus lief das Harz, das wurde über Holzfeuer gekocht und daraus das Terpentin hergestellt, das damals als wichtige Exportware galt, unter anderen um Holz besser haltbar zu machen. Der zurückbleibende Rest war eben das Rosin. Und die damaligen Arbeiter kamen darauf, in dieses kochende Rosin Kartoffeln, gerne auch Süßkartoffeln, einzulegen und garen zu lassen. Daraus entstanden wirklich köstliche Baked Potatos, die ich probieren durfte, mit etwas Butter und Salz verfeinert.

Zum Storytelling gab es eine Bühne unter schattigen Bäumen, doch bevor ich um 2 pm dran kam durfte ich zunächst noch das Mittagessen einnehmen. Hotdogs, Burger oder Pulled Pork. Wobei ich natürlich letzteres wählte, das liebe ich einfach, genau wie Brisket, im Prinzip das gleiche vom Rind. Beim Rundgang durch das Dorf fand ich noch einige alte Gewerbezweige zur Schau gestellt. Dieses Dorf wird auch sehr gerne von Schulklassen angefahren, um etwas über die Geschichte des Landes zu erfahren. Vieles, was ich sah, kenne ich noch gut aus meiner Kindheit. Ich war oft im Hunsrück, wo das Plumsklo im Hof normal war, allerdings nicht wie hier für zwei Personen. Auch das Butterfass kannte ich und vieles andere.

Zum Dorf gehört natürlich auch ein kleiner Laden, er ist im Bridgehaus. Dieses Haus stand früher an einer der vielen Zugbrücken in Florida und wurde original hierher transportiert und aufgebaut. Dort im Laden verkauft man gerne Florida-Typische Artikel und mein Bike Trail Guide passt da doch gut hinein. Mir wurde gesagt, die Chefin, die das zu entscheiden habe, heißt Gudrun. Also, wenn das nicht mal ein urtypischer deutscher Name ist. Ich fand sie und sprach sie auf Deutsch an, aber sie schaute doch etwas verwirrt. Zwar in Deutschland geboren, aber früh nach USA gekommen, spricht sie nicht mehr so gut Deutsch. Aber meine Bücher mochte sie. Nun hat sie das Bike Trails in Florida East und das Buch 101 Birds in Central Florida für den Shop und meine Anfahrt hat sich gelohnt.

Storytelling

Dann war es aber Zeit für meine Geschichte und ich trollte zur Bühne. Vor mir war ein Liedermacher dran, den ich auch schon im Dorf gesehen hatte. Dann erzählte ich vor den weniger als 10 Personen, wie es dazu kam, dass ich Deutsche nun Bücher über Bike Trails schreibe. Es war trotz allem nett und Charlie lud mich ein, Anfang Dezember wiederzukommen, wenn es eine Art Weihnachtsmarkt gibt, zu dem sicher mehr Besucher kommen.

Zwar habe ich versucht, den Vortrag aufzunehmen, was aber komplett in die Hose ging. Der Kopf wurde abgeschnitten und das Video nach der Hälfte gestoppt. Ich bräuchte halt einen Kameraassistenten.

Any Volunteers?

Hier mein ziemlich missglücktes Vortragsvideo

Madeira Beach

Doch stand ja noch ein weiteres Highlight an, Dinner Cruise ab Madeira Beach. Freund Bob hatte mir das sehr empfohlen und ich konnte auch mit Groupon einen günstigen Preis bekommen, 40 $ inklusive Essen und Drinks. Schon früh gab es eine Email der Reederei, man solle doch rechtzeitig zum Boarding um halb sieben da sein, starker Verkehr und wenig Parkplätze. Und das mir mit meiner Parkplatzphobie. Ich hatte schon heraus gefunden, dass alle Parkplätze kostenpflichtig sind. Also fuhr ich schon um 3 Uhr raus, mit dem Fahrrad hinten auf dem Rack. Dachte, so einige Kilometer vorher zu parken und dann zu radeln, obwohl ich dann im Dunkeln zurück muss. Zunächst fuhr ich mal zu dem Parkhaus, von wo aus der Cruise startet. 35 $ für den Tag. Okay, wohl nicht für mich.

Aber ich bin wohl irgendwie ein Glückskind, und fand einen Platz, wo weder ein Schild „No Parking“ stand, noch „Pay Parking“. Traute meinem Glück nicht recht und trödelte so lange herum, bis ich einen Anwohner fand und der meinte, ja ist wohl okay, gab noch nie ein Problem dort. Und es waren gerade mal 800 Meter zum John Pass, dem Abfahrtsort des Schiffes.

Doch zunächst sah ich mir Madeira Beach an. Auch hier haben die Stürme des letzten Jahres viele Schäden angerichtet und auch hier ist noch nicht alles wieder geöffnet. Madeira Beach ist voll mit Hotels und hohen Bauten, sehr lebhaft, da war Gulfport doch viel schöner. Zum Glück war aber eine Bikelane neben der vielbefahrenen Straße. Auf dem Rückweg radelte ich durch eine kleinere Nebenstraße und hörte Musik. Habe ja noch viel Zeit, also rein und mir die Ein-Mann-Band angehört. War auch richtig super, konnte wieder ein Video für Freund Aleksander aufnehmen, nach dem wir dann nach meiner Rückkehr zusammen tanzen können. Nur leider war nach einem Stück Schichtwechsel und die Nachfolgerin lange nicht so gut.

Starlite Dinner Cruise

Dann aber endlich Boarding Time. Ich frage den Captain, wo ich mein Fahrrad parken kann und es durfte mit aufs Schiff. Es waren so etwa 50 – 60 Gäste, zunächst gab es die Drinks (der Rum Punsch ziemlich lau), dann wurde das Buffet eröffnet (die verschiedenen Fleischsorten ganz schmackhaft), und dann nichts wie aufs Deck hinauf. Es ist wirklich wunderschön in dieser Bay, so viele prachtvolle Häuser liegen direkt am Wasser, natürlich mit einer Yacht davor und es ist wirklich hübsch. Ja, ein wenig Geld müsste man halt haben. Das Timing war gut, denn die Sonne bereitete sich aufs Untergehen vor. Auf dem Deck fingen dann einige an zu tanzen und es ging mal wieder ein herrlicher Tag zu Ende.

Gulfport – Florida

Da wir schon früh aufgebrochen sind blieb mir noch genug Zeit, Gulfport zu erkunden. Der kleine Ferienort liegt am Rande von St. Peterburg und hat schon so ein wenig Key West Charme. Ich konnte sogar eine kleine Fahrrad-Rundfahrt daraus machen, die ich dann auch wieder in meinem Buch beschreiben kann. Vom Pinellas Trail gibt es eine Abzweigung nach Gulfport, zunächst Trail durch ruhige Nachbarschaft, dann gut gekennzeichnete Bike Route, das bedeutet, es geht über ruhige Nebenstraßen, auf denen ein aufgemaltes Fahrrad Autofahrer daran erinnert, Rücksicht zu nehmen.

Die letzten Stürme haben nicht nur Gulfport, sondern die ganze Region schwer beschädigt, es liegt ja auch sehr exponiert am Golf. Schilder waren aufgestellt, wo man erkennen konnte wie hoch das Wasser gestiegen ist. Viele Häuser waren jetzt, ein gutes halbes Jahr danach, noch nicht wieder völlig wiederhergestellt. Die kleine Hauptstraße zum Strand hin ist sehr charmant mit vielen netten Restaurants und Boutiquen, ein Urlaub hier ist sicher sehr entspannt und erinnert an Key West.

Ach, ich könnte mir gut vorstellen, hier in der Region 1, 2 Wochen zu bleiben. Gefällt mir besser als Clearwater, ist ruhiger. Ich liebe zwar meine 2. Heimat Daytona, aber das hier ist anders. Trotz der großen Events wie Bikeweek und Speedweek ist Daytona immer noch eine relativ normale Stadt, während hier alles auf dem Tourismus hinläuft. Also Leben gerne weiter in Daytona, aber immer mal wieder für einen kurzen Urlaub nach St. Peterburg.

 

Sailing in St. Petersburg

Ich war schon früh an der Marina und auch Vicki und Thad waren da, unser kleiner Segeltrip konnte losgehen. Sie sind Mitglied in dem Yachtclub, das kostet 500 $ im Jahr und dann können sie so oft wie sie wollen ein Boot ausleihen. Für die kleine Tour heute genügte eine 18 ft Jolle. Zunächst fürchtete Vicki, dass kein Wind da ist, aber dann blies er eben doch und wir konnten diese wunderschöne Tour entlang der Skyline machen. Der Airport von St. Pete ist direkt am Meer, da vermisse ich doch, dass ich nicht mehr fliege, wäre gerne mal hier gestartet.

Die beiden machen es richtig. Sind Anfang 50 und in Rente! Haben ihr Haus in Washington State verkauft und leben nun hier in St. Pete vom Ersparten. Sie meinten, wenn das mal aufgebraucht ist, können sie immer noch in Walmart arbeiten. Vickie träumt davon einen Catamaran zu kaufen und dann fest darauf zu leben. Und natürlich damit um die Welt zu segeln. Ja, beneidenswert.

Skyway Trail

In meinem AirBnB gibt es außer dem Hausherrn noch einen weiteren Gast, Jose, so etwa 25 Jahre alt. Habe schon gemerkt, dass er sehr wortkarg ist, obwohl ich immer fröhlich grüße, kommt kaum was zurück. Als ich heute heim kam ging er genau vor mir ins Haus, schlug die Tür hinter sich zu und ich musste den Code erneut eingeben. Aber naja, die Menschen sind halt verschieden. Als ich heute früh aufwachte schliefen die beiden offensichtlich noch tief und fest, ich bereitete mein Frühstück zu, wozu es gehört, dass ich meine Nespresso Maschine und Milchaufschäumer in der Küche aufbaue. Aber keiner von den beiden rührte sich und als ich gegen 10 Uhr aus dem Haus ging schliefen sie immer noch.

Mein erster Weg führte zu einem Fahrradladen am Pinellas Trail, wo mir der Inhaber 3 Bücher zur Probe abkaufte. Mal sehen, ob er sie verkaufen kann. Denn die Saison geht zu Ende. Es wird hier langsam zu heiß fürs Fahrradfahren, ich glaube, die meisten von euch hätten auch aufgegeben, aber ich liebe die Hitze. Meine Tour heute war 72 km lang, 30 Grad meist ohne jeden Schatten, aber ich kann das gut wegstecken.

Fort de Soto

Schon beim erstenmal war mir ein Wegweiser zum Skyway Trail aufgefallen, den ich heute erkunden wollte. Und das hat sich voll gelohnt, wenn auch diesmal wieder Wünsche offen bleiben. Denn ich hatte noch viel mehr vor, wollte zu St Pete Beach und weiter, wollte nach Gulfport, aber meine Energie hat doch Grenzen. Und diese 44,5 Meilen waren einfach genug. Am historischen Fort de Soto machte ich eine kurze Pause und füllte meine Wasserflasche, hatte bis dahin 27 Meilen zurück gelegt, und machte mich wieder auf dem Heimweg. Wollte ein wenig abkürzen, denn es wären sonst ja 54 Meilen geworden, und ich fand tatsächlich eine Route, die zwar einige wenige Meilen über normale Straßen ging, aber die waren ruhig und ich konnte fast 10 Meilen einsparen, hatte ja auch zu Anfang einen Umweg zum Bike Shop gemacht. Dieser Trail ist unbedingt zu empfehlen, ich werde im nächsten Jahr noch mal wieder kommen, den St. Pete hat noch einiges zu bieten, wozu es diesmal nicht reicht.

Eagles Pinellas Park

Als ich nach Hause kam war eine Nachricht in WhatsApp für mich gekommen, Vicki erwartet mich morgen früh um 8 Uhr zum Segeln. Ja, das ist doch schön. Auch dies eine eher unamerikanische Eigenschaft, denn oft wird hier etwas versprochen, aber nicht gehalten. Und dann habe ich ja auch Hunger. Wie schon mehrmals gesagt, bin ich geizig, aber trotzdem wild auf Margaritas, deshalb bin ich ja auch den Eagles beigetreten. Habe schnell mal angerufen, ob sie etwas zum Essen bieten, und was meint ihr? Heute 2 Tacos plus ein Margarita für 8 $. Das lasse ich mir nicht entgehen. Auch hier sehr freundlicher Empfang, aber unser Eagles in Port Orange ist doch weiterhin der beste.