Straßburg 5: Auen-Wildnispark

Der Tag heute fing ganz anders an. Ich ging wie üblich zum Carrefour für meine Croissants, aber es war zu, an einem Samstag, komisch! Neben dem Laden lag ein Obdachloser und schlief auf dem nackten Pflaster, ohne Decken, hatte aber seine Schuhe ausgezogen. Er war unglaublich schmutzig, hatte bestimmt seit Wochen keine Dusche gesehen. Also nicht nur die Kleidung, auch die Füße und Hände waren tief schwarz.

Ich ging heim, bereitete mein Frühstück zu, mit Baguette, das ich vom Türken gegenüber hatte, aber der Mann ließ mir keine Ruhe. Er tat mir leid. Ich kenne seine Geschichte nicht, vielleicht liegt er auch da, weil der Carrefour ihm vielleicht immer ein Brot gibt. Keine Ahnung, hatte ihn zumindest vorher noch nicht gesehen. Je mehr mir mein Frühstück schmeckte, desto mehr dachte ich an ihn. Frühstück ist ja für mich die wichtigste Mahlzeit. Bin sonst kein Gutmensch, aber ich musste was tun. Also noch ein Ei gekocht, ein Baguette mit Frischkäse bestrichen (viel mehr habe ich nicht) und Geld für einen Kaffee in die Tüte gelegt. Als ich zum Carrefour kam war er gerade aufgestanden. Ich sagte nur: Bonjour, c’est pour vous, petit dejeuner. Und ging wieder. Er sah ziemlich überrascht aus. Er ist ein Weißer, also vielleicht Franzose, vielleicht aus einem anderen europäischen Land, sein langer Bart war rötlich.

Grundsätzlich hat dieses wunderschöne Straßburg aber auch ein Migrantenproblem. Man sieht sehr, sehr viele, und nicht immer fühle ich mich sicher. Zwar stehen direkt vor meinem Wohnhaus auch immer einige Männer herum, aber ich vorbei kam, hörte ich, dass sie Arabisch sprachen. Und habe sie sofort angequatscht. Zwei Marokkaner und ein Algerier. Da war ich natürlich in meinem Element. Sie waren erfreut, dass ich sogar einige Worte Berberisch kann, aber vor allem beeindruckt, dass ich Marokko viel besser kenne als sie selbst.

Aber in der Stadt sieht es anders aus. Ich wollte in eine schicke Einkaufsgalerie, aber ein sehr netter Security Mann hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich das Rad nicht mit reinbringen kann, aber wenn ich es draußen lasse, sei es nicht sicher. Gerade vor 20 Minuten sei wieder eines gestohlen worden. Auch Danielle, die ich bei der Sonnenfinsternis traf, meinte, Straßburg hätte sich verändert, nichts sei mehr sicher. Schade für die Stadt.

Heute ist mein letzter Tag, also schaue ich in Komoot, welche Tour sich für heute eignet. Allzu lang soll sie nicht sein. Ich finde: Fahrradtour nach Trail durch den Wald. Also sehr aussagekräftig ist dieser Titel nicht, muss ihn umändern. Aber mit 30 km genau richtig für heute. Bisher war ich eher im Norden von Straßburg unterwegs, diesmal geht es nach Süden. Zunächst wieder über eine Brücke nach Kehl, also Deutschland, dann wunderschön am Altrhein entlang nach Süden. Wo auch immer Trail sein soll, ich habe es nicht gefunden. Auf der französischen Seite ging es dann wieder zurück.

Heute hatte ich ein gutes Timing, was die Mittagspause betrifft. Aber es gab an der ganzen Strecke nur ein Restaurant. Eigentlich sehr schön, es haben sogar zwei Musiker gespielt, man hätte mich auch rein gelassen, aber sie hatten heute Barbecue-Buffet für 40 Euro. Nein, das ist nichts für mich, schon von der Menge her, die man für 40 Euro essen müsste. Also geht es wieder zurück in die Wohnung für eine lange Ruhepause und wer weiß, was der Abend noch bringt.

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