Die Kasbahs von Asslim

In meinem Reisehandbuch habe ich ausführlich über diese beiden Kasbahs in Asslim berichtet, die Jahrhunderte alt sind. Asslim ist ein Ortsteil von Agdz. Sie liegen sich gegenüber und ich kenne beide bereits seit 1987.

Der letzte Kaid der Familie, Si Ali, lebte Anfang des 20. Jahrhunderts zu der Zeit, als die Franzosen den Süden Marokkos unter ihre Kontrolle bekommen wollten. Der Glaoui, der in den Bergen von Telouet wohnte, war vom Pascha als Repräsentant für den ganzen Süden eingesetzt. Um seine Macht zu vergrößern, half er den Franzosen. Er versuchte, die Kaids zur Unterstützung zu gewinnen, aber die vom Sultan eingesetzten Fürsten hielten zu ihrem Herrn. Kaid Si Ali wurde zu einem großen Gegenspieler des Glaoui. Doch die Franzosen schafften den Durchbruch und der Sultan ging ins Exil.

Mitte der vierziger Jahre gelang es dem Glaoui schließlich, Si Ali von seinem Amt zu vertreiben und einen anderen Kaid einzusetzen. Als Mohammed V 1955 aus dem Exil zurückkam, pilgerten alle Kaids, die ihm die Treue gehalten und dafür ihr Amt verloren hatten, zu ihrem Sultan. Darunter war auch Kaid Ali. Aber er selbst war schon alt, einer seiner zahlreichen Söhne sollte sein Amt übernehmen. Doch jeder wollte diesen einflussreichen Posten, eine Einigung kam nicht zustande, das Kaidat ging der Familie verloren. Noch im selben Jahr starb Si Ali. Die etwa zehn in seinem Besitz befindlichen Kasbahs wurden unter seinen Kindern aufgeteilt. Sohn Si Ahmed bekam die Kasbah Asslim und wohnt dort noch heute mit seiner Familie, sein Bruder erhielt die Kasbah direkt gegenüber, verstarb aber früh.

Kasbah Caid Ali

Damals waren die Söhne der Familie gerade dabei das Gelände der noch intakten Kasbah Caid Ali zum Campingplatz auszubauen, und ich habe dabei eifrig mitgewirkt. War viele Jahre mit der Familie freundschaftlich verbunden. Später hat dann Sohn Aziz die Französin Gaelle geheiratet und den Campingplatz geführt. Sie war besonders für ihre wunderbaren Führungen durch die ein wenig restaurierte Familienkasbah bekannt, in drei Sprachen. Die Einrichtungen des Campingplatzes waren nie vorbildlich, aber die Gäste kamen einfach wegen dem unvergleichlichen Panorama, der Platz war trotz nicht perfekter Sauberkeit sehr beliebt.

Aber die Familie ist groß, es gibt viele Söhne, der Vater lebte lange und war der Patriarch. Das war nicht einfach für Gaelle und eines Tages beschloss sie, mit ihrer Familie zurück nach Frankreich zu gehen. Was letztlich ja auch der Schul- und Berufsausbildung der Kinder zugutekommt. Und seitdem ist die Kasbah abgestürzt, die verbliebenen Menschen haben sich mehr schlecht als recht um den Campingplatz gekümmert und schließlich wurde er geschlossen. Ich finde dies ist auch eine geschichtliche Lücke. Lest gerne nochmal im Reisehandbuch nach, ich habe sehr viel darüber geschrieben.

Casbah des Arts

Gegenüber dieser noch bewohnten Familienkasbah lag eine Ruine, die den gleichen Ursprung hatte, aber über die Jahre verfallen war. Bis Kamal El Kacimi, ein marokkanisch-deutscher Filmproduzent bei seinen Dreharbeiten in Südmarokko darauf aufmerksam wurde. Zusammen mit dem Erben, Abderzak Ait El Kaid, restaurierte er in fast fünfjähriger Arbeit dieses herrliche historische Bauwerk und rettete es vor dem endgültigen Verfall. Die Kasbah steht auf einem Hügel und ist so das höchste Gebäude des alten Ksar, von seiner höchsten Terrasse überblickt man die Palmeraie und schaut bis zum Oued Dra, hinter dem der Djebel Kissane, der Hausberg von Agdz, aufragt.

Während die meisten anderen Kasbahs, die als Gästehaus angeboten werden, neu errichtete Gebäude sind, ist diese Kasbah ein Denkmal der Geschichte und bietet dem Gast die Möglichkeit, in einer solchen Umgebung zu wohnen und sich als Teil dieser Geschichte zu fühlen. Ins Labyrinth der unzähligen Räume und elf Terrassen führen enge hohe Treppen, es geht ständig treppauf- und treppab und am Anfang macht es Mühe, das eigene Zimmer wiederzufinden.

Doch war ich bei meinem heutigen Besuch ziemlich enttäuscht. Seit der Renovierung damals, die ja noch lange nicht abgeschlossen war, hat man nichts mehr getan und die Zimmer entsprechen wahrlich nicht mehr dem heutigen Standard. Es ist ein Jammer, ein ganz großer Jammer, diese beiden geschichtlichen Denkmäkler in solch schlechtem Zustand zu sehen.

Deshalb habe ich keine neuen Fotos gemacht, sondern poste alte. Für beide Kasbahs.

Von der Camping-Farm zum Draa-Hotel

Nach so langer Zeit am Erg Chebbi muss ich aber nun endlich wieder los. So lange an einem Ort bin ich überhaupt nicht gewohnt. Es geht über Rissani und Tazzarine nach Nekob, dort will ich einen kurzen Besuch auf einer Farm machen. In Nekob gibt es das nette Hotel Kasbah Berber Nomad und dazu gehört eine Farm etwa 20 km außerhalb. Von dieser Farm habe ich auch schon berichtet:

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/bab-n-ali/

Oft kehren meine Rundreisegäste hier zum Mittagessen ein und machen danach einen Spaziergang in dieser wirklich unglaublich schönen Landschaft. Doch heute bin ich aus einem anderen Grund hier. Die Farm nennt sich Camping Bio Berber Nomad. Das Wort Camping sticht natürlich heraus und das muss ich untersuchen. Kann ich es zum Campingführer hinzufügen?

Zunächst fallen mir natürlich die vier kleinen Häuschen auf, die beim letztenmal noch nicht da waren. Was ist das? Oh, es sind nun vier schöne, unterschiedliche große Unterkünfte, jeweils mit eigenem Bad. Schön gelegen etwas erhöht und der Garten darunter ist voller Blumen. Es ist noch nicht ganz fertig, die Eingangstüren werden gerade gestrichen, vor dem WC sind noch keine Türen, aber man sieht schon, das ist so gut wie bewohnbar.

Es ist eine richtige Farm, die immer noch bewirtschaftet wird. Zum Tee werden mir Mandeln aus eigenem Anbau gereicht, und so kann ich auch bald die Mandel-Plantage besichtigen, wo die Bäumchen in langer Reihe stehen. Und genau dort soll der Campingplatz entstehen, hier könnte man im Frühjahr zwischen blühenden Mandeln Urlaub machen. Ein Sanitärgebäude soll gebaut werden. Noch ist der Platz nicht benutzbar, wer trotzdem bleiben möchte kann aber auf dem Parkplatz vor der Farm stehen, er ist einigermaßen eben.

Die Eltern von Mohammed Rachyd, der die Kasbah Berber Nomad betreibt und auch Wandertouren in der einmaligen Bergkulisse veranstaltet, wohnen auf der Farm und die Mutter ist diejenige, die die Speisen zubereitet. Deshalb kann man hier wirklich sehr gut essen, aber trotzdem empfehle ich immer die Berberpizza, ein gefülltes Fladenbrot, das man sonst nicht oft bekommt. Es muss natürlich vorbestellt werden. Ich bekomme auch noch ein paar frisch gepflückte zuckersüße Feigen mit auf den Weg.

A La Fraicheur de Draa

Nach dem guten Mittagessen geht es aber wieder weiter, denn ich möchte noch ein neues Hotel am Draa besuchen. Das war auch wieder so eine Geschichte. Ich kam in Marrakech mit einem Anbieter von Rundreisen ins Gespräch und wir sprachen über gemeinsame Bekannte, ich habe hier berichtet.

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/riad-tawargit/

Und so hörte ich von diesem Hotel, das ich gerne in meinem Buch aufführen möchte. Ich hatte ja schon in einem Telefongespräch gehört, dass der Inhaber mich kennt, aber ich wusste nicht wer er ist. Bei der Ankunft war das aber schnell geklärt. Yacoub betrieb früher das Restaurant in Tamnougalt, wo viele Rundfahrten zum Mittagessen stoppen (sprachen wir schon über Kommission?). Doch hat er sich nun ein wenig weiter südlich begeben und dieses kleine Hotel aufgemacht. Es ist direkt in der schönen, kühlen Oase am Draa, deshalb ist der Name sehr zutreffend, und es hat im blühenden Garten einen großen Pool und viele Sitzecken. Trotzdem gibt es nur sechs Zimmer, Yacoub setzt auf die marokkanische Art, klein anfangen und nach Bedarf erweitern. Die Zimmer haben ein Bad, natürlich eine Klimaanlage und jeweils einen kleinen Salon. Doch viel lieber setze ich mich auf die Terrasse direkt davor mit Blick auf den Pool und die Oase. Am Abend wird mir ganz romantisch am Pool der Tisch gedeckt und mit Lichtern und Blumen geschmückt. Mein Rindfleisch-Tajine ist sehr gut. Yacoub hat auf meine Wünsche Rücksicht genommen und mir wirklich nur eine kleine Portion serviert.

Nun tippe ich auf meiner Terrasse meine Erlebnisse und freue mich auf das Frühstück, das sicher auch gut ist.

Merzouga-Besuch

Heute kommen Freunde. Darauf freue ich mich schon die ganze Zeit. Ich habe auch für sie eine Tour organisiert, mit Geländewagen und Fahrer und heute wollen wir uns in Merzouga treffen. Natürlich unterbreche ich ihr Programm und zeige noch etwas extra. Als erstes natürlich das Hotel, in dem ich gerade gewohnt habe, und sie sind völlig begeistert von der schönen Lage direkt an den Dünen.

Und dann gehen wir essen. Auf so einer Rundreise fahren die Chauffeure mittags natürlich die Lokale an, von denen sie eine Kommission bekommen, und das sind nicht immer die besten, eher so eine Art Massenabfertigung. Im Fall Merzouga wäre das das Restaurant Nora in Khamlia, dort stehen mittags Kolonnen von Geländewagen. Doch gehe ich natürlich mit ihnen in das Restaurant, das ich erst kürzlich entdeckt habe, das Sahara Time mitten in den Dünen. Dort kommen keine Chauffeure hin, gibt es doch keine Kommission. Die zwei sind begeistert, doch kann ich ihre Freude zunächst nicht teilen, denn ich entdecke, dass mein Reifen Luft verliert. Aber ich kann noch fahren und so geht es gleich in die Werkstatt. Der Nagel wird entfernt, das Loch geflickt und ich komme zurück ins Restaurant, noch bevor das Essen auf dem Tisch steht. Meine Freunde sind begeistert, sie sagen, das war das beste Essen bisher auf der Reise.

Dann geht es aber doch nach Khamlia, aber nicht ins Nora, auch nicht ins Dar Gnaoua, denn die machen gerade Mittagspause. Nein, wir besuchen Johanna. Über diese Künstlerin habe ich ja neulich schon berichtet, siehe hier.

Aber diesmal ist es ganz besonders schön. Ihr Mann Lahcen ist auch da und spielt uns ein wenig vor auf einem dieser Gnaoua Instrumente, von dem ich den Namen nicht weiß. Aber dann holt er noch ein anderes Instrument, das ich noch nie gesehen habe, es klingt ein wenig nach Klangschalen. Madeleine will auch probieren, aber ganz so elegant wie Lahcen bekommt sie es nicht hin, ist ja auch das erstemal. Wir schauen uns wieder die Bilder an, auch die von den Sultanen, und den Beiden gefällt es richtig gut. Ihr Fahrer ist erstaunt, hat er dieses Atelier noch nie gesehen und wie so oft zeige ich den Marokkanern, was es alles Schöne in ihrem Lande gibt.

Doch irgendwann geht es dann weiter zum Biwak, die Beiden steigen aufs Kamel, das muss einfach sein und schauen sich den Sonnenuntergang an. Danach sitzen wir noch so lange beim Essen, dass irgendwie die Jungs verzweifeln, ihr Feierabend lässt auf sich warten. Aber im Speisesaal haben wir dann noch einen ganz besonderen Gast zu bewirten, eine Wüstenrennmaus. Sie schaut ja so goldig mit ihren großen Augen und hat kaum Angst. Wir füttern sie mit Kuchenkrümel.

Kanz Erremal

Das Kanz Erremal ist das letzte in der Reihe der Hotels, die ich am Erg Chebbi ausprobiere. Ich hatte meine Favoriten schon gewählt und nichts mehr erwartet. Das Haus gehört zu den älteren, meine ersten Fotos sind von 2011, im Jahr 2014 habe ich sogar einmal hier gewohnt. Ich hatte aber nie eine besondere Beziehung zu dem Hotel, kenne die Erbauer, ein spanisch-marokkanisches Paar, nicht. Anders als die anderen Häuser ist es weitgehend immer noch so, wie es erbaut wurde. Die marokkanische Art geht ja eigentlich so, dass man ganz klein anfängt und dann immer noch was dazu baut. Wenn ich nur an Ali Mouni in seinem Nomad Palace denke, der hat mit einer winzigen Auberge angefangen, wir haben im Restaurant am Boden auf Sitzkissen diniert und heute hat er eine riesige Anlage mit 56 Zimmern und zwei Pools.

Das Kanz Erremal dagegen wurde sozusagen in einem Rutsch erbaut und gehörte damals zu den schicksten Anlagen, vor allem die Location direkt an den Dünen ist ja einmalig. Von außen eher unscheinbar kommt man in eine große, traditionell dunkel gehaltene Halle, die herrlich kühl ist. Die spanische Partnerin ist Architektin und wollte gezielt ein der traditionellen Bauweise entsprechendes Gebäude haben ohne zu viel Farben und Schnickschnack. Im ersten Stock sind dann 14 Zimmer, von denen einige eine wunderbare Aussicht auf die Dünen haben. Aber es gibt auf dieser Etage auch eine Terrasse, wo alle diese herrliche Aussicht genießen können. Erst in neuerer Zeit wurden in einem kleinen Riad weitere Zimmer zugefügt.

Aber kommt man durch die Halle auf die große Terrasse, erlebt man die Wüste wie in einem Traum. Die Sanddünen erheben sich direkt hinter dem Haus, glänzen goldgelb und die Kamele ruhen im Schatten einer Palme und warten auf den abendlichen Ritt. Hier gibt es bequeme Sitzgelegenheiten, und hier kann man nach Wunsch auch speisen. Und dann der Pool, auf einer Ebene mit den Dünen, das ist richtig toll. Hier eine Liege okkupieren und den Tag verbringen, so kann mans aushalten.

In meiner diesjährigen Testreihe ist dies ja das Hotel, das am nächsten zu den Dünen liegt, und ich muss sagen, das hat schon was. Hier am Pool zu liegen ist richtig schön. Da kommt eigentlich nur das Tombouctou mit, auch dort ist der Pool direkt an den Sanddünen, aber hier einfach noch dichter. Die anderen Hotels haben ihn eher in Innenhöfen.

Mein Zimmer ist geräumig, ich habe richtig aufgeatmet, als ich reinkam und einen Arbeitstisch fand, es gibt auch einen Sessel mit Beistelltisch, ein Doppelbett und ein Einzelbett, aber das kann man als Sofa nutzen, und viele Ablagemöglichkeiten und Steckdosen. Zwar ist kein Kühlschrank vorhanden, aber ich habe ja meinen eigenen Kühlschrank. Und einen tollen Blick auf den Pool und die Dünen, ich freue mich schon auf den Sonnenaufgang morgen (den ich dann verschlafen habe). Aber direkt vor meiner Zimmertür geht es auf die Terrasse, dort kann man auch wunderbar sitzen mit Blick auf die Dünen. Ich empfehle mein Zimmer Nr. 8. Der Chef hier ist Ahmed, und er spricht sehr gut Deutsch.

Und am Abend warten die Kamele für einen Ritt in die Dünen.

Camping im Kanz Erremal

Doch können auch Wohnmobilisten diese schöne Atmosphäre genießen. Seitlich vor und neben dem Gebäude ist eine ebene Fläche unter Palmen, wo viele Fahrzeuge Platz haben. Dazu gehören sehr gute, saubere Sanitäranlagen. Stellplatz mit Strom, WC und Dusche 100 DH, Piscine 50 DH pro Person, Waschmaschine 50 DH.

Riad Merzouga Dunes

Heute muss ich euch zunächst Mohammed Ouattou vorstellen. Er ist der beste Pistenführer, den es in Südmarokko gibt.

Nicht jeder hat genug Pistenerfahrung, um diese wunderschönen Wüstenpisten allein zu meistern. Dies ist keine Schande, denn jeder fängt einmal an. In diesem Fall kann ein Führer sehr hilfreich sein und auch dabei helfen, die nötige Wüstenerfahrung zu vermitteln. Doch auch Wüstenprofis suchen manchmal einen Führer für Offroad.

Und so habe ich vor ein paar Jahren Mohammed Ouattou aus Taouz kennengelernt. Er ist als Nomadenkind in der Wüste aufgewachsen und kennt nicht nur jeden Stein zwischen Taouz und Foum Zguid, sondern ist auch ein sehr netter, bescheidener Mensch. Er war nie in der Schule, hat sich aber selbst Französisch und etwas Englisch beigebracht, aber auf Pisten genügt ein Handzeichen. Wir sind zum großen Teil offroad gefahren zu einer Zeit, als die Wüste unter Wasser stand. Mohammed hat immer den richtigen Übergang gefunden und nicht einmal Zweifel gehabt, wo er sich befindet. Und vor allem kennt er schöne Strecken jenseits des Asphalts, die in keinem Handbuch zu finden sind.

Mohammed Ouattou, Taouz bzw. Merzouga, WhatsApp 0670 – 35 90 92, www.desert-raid-sahara.com, desert.raid.sahara@gmail.com. Da er nicht schreiben kann am besten eine Sprachnachricht senden.

Eine Nacht im Riad

Mohammed hat einen Bruder, den Said, der nun ein schönes Riad erbaut hat. Das muss ich mir natürlich ansehen. Es liegt nicht mitten im Trubel von Merzouga, sondern etwas außerhalb etwa 900 m von den Dünen entfernt. Aber die kann man von einigen Zimmern und der Terrasse sehr gut sehen, sogar den Sonnenaufgang erleben.

Mein Auto kann ich gesichert unter einem Schattendach abstellen, dann werde ich sehr freundlich empfangen. Da ich natürlich wieder viel zu früh bin, meine Anreise war ja nur exakt 11 Kilometer, wird mir zunächst einmal am Pool ein Tee gereicht und ich kann mich von der anstrengenden langen Fahrt erholen. Auch Said kommt persönlich vorbei, um mich zu begrüßen. Das Pool ist recht groß, das ganze Gelände ist großzügig.

Dann ist aber mein Zimmer fertig und ich kann mein Gepäck einräumen. Zum Mittagessen fahre ich zunächst noch ins Nomad Palace, um meinen alten Freund Ali Mouni zu treffen. Und als ich bei der Rückkehr gefragt werde, was ich abends essen möchte, bringe ich wieder meinen Wunsch zum Ausdruck, so wenig wie möglich zu bekommen, am liebsten eine halbe Portion. Das sage ich immer, aber es klappt nie. Doch diesmal nimmt man darauf Rücksicht, das finde ich so schön. Zur Vorspeise gibt es ein Süppchen, danach einen Teller mit einem Hähnchenschenkel, etwas Salat und eine panierte, überbackene halbe Avocado. Obst zum Nachtisch. Das finde ich ganz prima, das ist ideal für mich.

Am Morgen dann kann ich den Sonnenaufgang von meinem Fenster beobachten. Ich hatte die Klimaanlage ausgeschaltet und das Fenster aufgemacht, zwar ist es tagsüber immer noch um die 35 Grad, aber in der Nacht kommt doch ein wenig Frische, das ist angenehm. Und schon um 8 Uhr darf ich zum Frühstücksbüffet, bekomme meinen Kaffee, den ich zum Aufwachen brauche und kann mir hier wieder so wenig nehmen, wie ich möchte.

Ja, es hat mir ganz gut gefallen im Riad Merzouga Dunes.

Dar Hassan

Doch nun muss ich mir das Dar Hassan anschauen, das ich noch nicht kenne. Es wurde 2017 eröffnet und liegt mitten in Hassi Labiad. Das Haus hat einen ummauerten Parkplatz, wo mein Auto gut und schattig untergebracht wird. Dann werde ich von dem jungen Mohammed empfangen, mit seiner blauen Djellabah und dem Chech. Er ist sehr freundlich, zeigt mir mein Zimmer, das Marrakech, und bietet mir einen Tee an. Wenn man das Haus betritt schaut man gleich auf den Pool im Innenhof, das sieht sehr hübsch aus. Dort stehen bequeme Liegen, garniert mit Sonnenhut und Handtuch. Obwohl der Hut eigentlich nicht nötig ist, denn das Dach ist mit Plexiglas abgedeckt, so dass man hier sogar bei schlechtem Wetter baden kann.

Sechs Zimmer liegen um den Pool herum, es gibt zwar ein Restaurant, aber oft werden die Speisen auch direkt um den Pool herum serviert. Und man isst hier gut und reichlich, ich musste leider das meiste stehen lassen. Geschlafen habe ich gut, doch muss ich zu den Zimmern anmerken, dass dort zu viele Betten drin sind. Es gibt jeweils ein Doppelbett und ein Einzelbett, aber keinen Stuhl zum Sitzen und keinen Tisch. Das kleine Bett verdeckt sogar noch die Kleiderablage. Aber sonst ist es ein hübsches Riad, das man wirklich empfehlen kann.

Auf der Terrasse sind noch zwei weitere Zimmer, von dort hat man einen weiten Blick auf die Dünenlandschaft.

Sahara Garden

Zwischen meinem Umzug vom Ksar Bicha zu Dar Hassan habe ich einen kleinen Ausflug zu einem anderen Hassan gemacht, dem Hassan vom Camping Secret de Sahara. Ihn kenne ich schon seit 2005, seit er zusammen mit seinem Bruder Brahim in der Kasbah Ennasra in Rissani gearbeitet hat. Das war ein sehr schönes Hotel im Besitz von Italienern, aber heute ist es genauso wie die danebenliegende Kasbah Asmaa völlig zerfallen, weil niemand mehr in Rissani wohnen will, jeder fährt durch bis Merzouga. Die beiden haben dann zusammen ein kleines Hotel noch vor dem Erg Chebbi aufgemacht, das Sandfish, und es war einfach immer eine tolle Stimmung dort. Die Jungs haben am Abend in ihre Trommeln gehauen, was das Zeugs hielt. Ja, wir waren alle noch jung damals.

Aber lange behielten sie das Sandfish nicht. Hassan hat dann den Campingplatz aufgemacht und Brahim hat den Sahara Garden gegründet. Der liegt ganz am Beginn des Erg Chebbi in einem Oasengarten, von Palmen beschattet, aber gleich dahinter fangen schon die Dünen an, ist praktisch das erste Hotel, wenn man von Erfoud kommt. Man muss ein ganzes Stück Piste dahin fahren, aber auch hier scheint nun eine Teerstraße in Planung zu sein, es liegt ja auch ein kleines Dorf nicht weit entfernt, und die sollen natürlich auch besser angebunden werden.

Der Sahara Garden hat eigentlich als Biwakanlage angefangen, es gab ein schönes Restaurant und im weiten Oasengarten waren dann Zelte aufgebaut, dazu gab es Sanitäranlagen, aber vor allem am Abend wieder viel Musik. Es war eine tolle Atmosphäre, mein erster Besuch dort war 2011.

Natürlich wurde seitdem viel geändert, auch Zimmer gebaut, und ich war ab und zu dort, aber ich war trotzdem völlig platt, wie schön die Anlage inzwischen geworden ist. Nach dem Eintritt kommt man in einen schönen Hof, wo viele nette Sitzecken sind, und inzwischen gibt es 22 Zimmer. Sie sind unterschiedlich eingerichtet, manche haben sogar einen Balkon, und jeder wird finden, was ihm gefällt. Und natürlich gibt es auch einen Pool zum Entspannen.

Aber wahrscheinlich werden die meisten doch die Biwakanlage bevorzugen. Die ist so schön geworden und ganz anders als die Wüstenbiwaks. Ein weitläufiger Oasengarten, dazwischen die Zelte, es gibt sowohl einfache ohne WC als auch Luxuszelte mit eigenem Bad, aber das tolle ist einfach der sehr liebevoll und einfallsreich dekorierte Garten. Hier kann man lustwandeln, hier möchte man nicht mehr weg. So findet man das nicht in den Wüstenbiwaks. Aber auch von hier aus kann man mit dem Kamel in den Sonnenuntergang reiten. Und am Abend gibt es natürlich immer noch Musik.

Das schönste ist aber, auch Camper können in den Genuss dieser Anlage kommen. Es gibt zwei Stellflächen unter Palmen, man kann sich den schönsten Platz aussuchen und dann alle Einrichtungen der Anlage genießen. Es ist allerdings ein wenig teurer als die anderen Plätze am Erg, es kostet 80 DH pro Person, alles eingeschlossen, auch Strom.

Bicha zum Zweiten

Ich organisiere ja öfter auch Touren für Menschen, die durch Marokko reisen wollen. Den Flug buchen sie sich selbst, er geht meist nach Marrakech, und dann schaut man sich erst einmal 2-3 Tage die Stadt an, bevor ein netter Fahrer mit einem Geländewagen vorbei kommt und die Rundfahrt beginnt. Und die geht recht oft auch nach Merzouga, zu den Sanddünen des Erg Chebbi, wo ich gerade bin.

https://marokko-luxusreisen.com/

Früher war das oft so, dass die Leute am Abend ankamen, eine Nacht ins Hotel gingen und dann am nächsten Tag eine schöne Fahrt in die Wüste machten, bevor es dann am Nachmittag ins Zeltlager inmitten der Sanddünen geht. Und genau bei dieser Tour habe ich fast immer das Ksar Bicha eingebaut.

Das hat sich heute ein wenig geändert. Die Leute haben keine Zeit mehr und eine Nacht für die Wüste muss doch reichen. Schade. Denn eigentlich braucht man mehr Zeit, um Land und Menschen kennenzulernen. Das ist das schöne an den Lesern meiner Bücher, es sind meist Rentner, die mit ihrem Wohnmobil lange Zeit in Marokko bleiben. 3 Monate oder sogar mit Verlängerung bis 6 Monate. Aber wer nun nicht so viel Zeit hat, aber trotzdem mal in Merzouga wohnen möchte, dem empfehle ich einfach Ksar Bicha. Die Riesenanlage hat nur 18 Zimmer, das ist gewollt so, hier will man keinen Massentourismus praktizieren. Die Zimmer sind groß, man fällt nicht über seinen Koffer, alles ist schön im einheimischen Stil gefliest, das Wasser ist heiß. Ich finde absolut keinen Kritikpunkt hier, alles stimmt.

Biwak

Und natürlich kann man von hier aus eine Übernachtung in der Wüste buchen. Diese Biwaks liegen am Rande der Wüste, nicht mehr mittendrin, um die Natur ein wenig mehr zu schützen. Es gibt die Standardcamps, wo ein extra Gebäude die sanitären Anlagen enthält, da ist es oft so, dass die Gäste in der Früh im Biwak ein Frühstück bekommen, dann geht es aber zurück zum Bicha, wo man nach Bedarf noch einmal duschen kann. Schöner sind natürlich die Luxuscamps, wo man sein eigenes WC und Dusche im Zelt hat. Elektrisches Licht gibt es auch und das Handy kann geladen werden, ein wenig Komfort muss sein.

Aber es gibt auch immer noch Menschen, die die Einsamkeit suchen und denken, die finden sie in Merzouga nicht mehr. Aber auch für die hat Ali ein Angebot. Feste Biwaks dürfen nicht mehr in den Dünen sein, mobile aber schon. Also bekommt man einen Kamelführer und zieht mit ihm los, mitten in die Dünen, wo dann ein Zelt aufgestellt und gemeinsam ein Tajine zubereitet wird. Genauso hat es angefangen, als ich um das Jahr 1990 zu meiner ersten Wüstenübernachtung bei Zagora aufgebrochen bin. Wir hatten noch nicht mal ein Zelt, sondern auf einer Matte im Freien geschlafen.

Buggy

Aber Ali hat sich für mich etwas Besonderes ausgedacht, er will, dass ich sein Renn-Buggy fahre. Im letzten Jahr hat er mich schon mal über die Dünen gejagt, mit dem normalen Buggy. Es gibt ja Quads und Buggys. Ein Quad ist offen und zweisitzig, Buggys haben ein Dach und sind oft viersitzig, so dass auch eine Familie mit Kindern damit fahren kann. Aber Alis Gerät ist ja für professionelle Rallyes gebaut und hat nur 2 Sitze.

Hier muss ich natürlich einen Einschub machen. Die Quads nehmen immer mehr zu in Merzouga und machen unendlich viel Krach. Schon in der Frühe werden Touristen aus dem Bett geschmissen, wenn so ein lautes Teil an ihnen vorbei rast. Sehe ich ganz klar auch so. Aber …

Wenn ich eine solche Einladung erhalte, dann kann ich einfach nicht nein sagen. Denn aufregend, ein Abenteuer, ist es schon. Zumindest die Jungs werden mich verstehen.

Ali fährt nicht nur Rallyes, sondern ist auch Fahrlehrer, so habe ich zwar Angst, aber auch volles Vertrauen in ihn. Und das braucht man. Er jagt mich mit Vollgas die höchste Düne hoch, man kann ja nicht sehen, was hinter dem spitzen Dünenkamm liegt, aber ich kann schon davon ausgehen, dass es ein steiler Abstieg ist. Hoch zum Sonnenaufgang ließ ich ihn noch fahren, aber zurück kannte er keine Gnade, da musste ich ran. Alleine würde ich nie hier fahren. Schon meine alten Knochen zusammenzufalten und in das Ding einzusteigen war nicht so einfach. Gleichzeitig bin ich aber sehr froh und dankbar, dass mir diese Chance geboten wird. Wer nur zuhause auf seiner Couch sitzen bleibt kann nur noch auf den Tod warten und keine Abenteuer mehr erleben.

Also Leute, wenn Merzouga, dann Ksar Bicha! Das ist der Platz für euch. Für Abenteuer und Entspannung, alles da.

Ksar Bicha

Ich kannte den Erg Chebbi noch ohne Hotels, heute gibt es weit mehr als 100, jedes Jahr gibt es neue, man kann den Überblick nicht mehr behalten. Aber trotzdem gibt es dort Unterkünfte, die einfach eine Tradition gebildet haben. Die nicht nur schon lange dort sind, sondern sich auch einen Ruf aufgebaut haben. Und dazu gehört einfach das Ksar Bicha.

Der Begriff „Ksar“ (Mehrzahl Ksour) bezeichnet traditionelle, befestigte Siedlungen oder Speicherburgen der Berber im Maghreb. Ein Ksar ist oft von Mauern umgeben und kann mehrere Kasbahs, Wohnhäuser und Gemeinschaftsplätze umfassen. Diese Strukturen dienten ursprünglich als Schutz und Lagerstätten für Getreide. Der Begriff „Ksar“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Festung“ oder „Burg“.

Natürlich handelt es sich in diesem Fall um ein Hotel, nicht um eine Speicherburg, und dennoch ist die Bezeichnung Ksar sehr zutreffend. Viele Gästehäuser werden ja auch Kasbah genannt, obwohl sie nicht die Burg eines Stammesführers sind, sondern ein ganz neues Gebäude, das aber im Stil einer Kasbah nachempfunden ist. Und bei Bicha ist der Name Ksar einfach zutreffend. Es ist nicht einfach ein Gästehaus, es ist eine umfangreiche Anlage direkt vor den Dünen, zwischen Merzouga und Hassi Labiad. Eine Mauer umschließt alles, wie bei einem richtigen Ksar, hohe Türme bilden den Eingang, okay, ein Swimmingpool im Innern ist nicht so historisch, aber bei den Gästen im heißen Merzouga doch sehr beliebt. Die Zimmer sind wunderschön, immer anders eingerichtet, selbst oben im Turm gibt es welche, natürlich alle mit Bad und Klimaanlage. Ali, der Chef, vermeidet es, die Anzahl der Zimmer allzu sehr auszuweiten, er will das Familiäre beibehalten. Hier wird jeder Gast sehr freundlich begrüßt und behandelt, hier fühlt man sich wohl.

Meine ersten Fotos von Ksar Bicha sind von 2009, obwohl das Gästehaus sicher schon vorher bestand. Und seit dieser Zeit kenne ich auch Ali, den Inhaber. Er spricht sehr gut Deutsch. Wie macht es dieser Kerl nur, dass er jedes Jahr jünger aussieht. Dem können die Jahre einfach nichts anhaben. Aber das Hotel ist nicht sein einziges Standbein, Ali ist auch Rallyefahrer und fährt bei einigen Rennen mit. Geländewagen, aber am liebsten Buggy. Die kann man nicht nur bei ihm mieten, er ist vor allem auch Fahrlehrer und gibt Kurse. Denn so leicht es aussehen mag, so schwierig ist es. Man fährt mit Karacho eine hohe Düne hoch, muss man, weil man sonst nicht hoch kommt, weiß aber absolut nicht, was jenseits des steilen Dünenkamms auf einen wartet. Und das ist meist ein steiler Abstieg. Ali hat mir angekündigt, dass kein Weg daran vorbei führt, morgen früh geht es auch für mich los. Ob ich schnell noch eine Lebensversicherung abschließen soll?

Das wars für heute, morgen hört ihr mehr von Ksar Bicha.

Entertainement am Abend

Sahara Time

Meist hat man ja Halbpension in den Hotels und Biwaks um den Erg Chebbi. Aber manchmal möchte man auch zwischendurch etwas essen oder einfach nur einen leckeren Kaffee trinken. Und dafür gibt es nun eine super Adresse, Sahara Time! Das ist ein kleines Café-Restaurant mitten in den Dünen von Hassi Labiad. Wer schon im Camping Haven La Chance war, hat es vielleicht bereits entdeckt, denn es ist nur einen kurzen Spaziergang über die Dünen entfernt. Ich kann euch den Kaffee empfehlen, der ist besonders, der ist so, wie die Familien ihn zuhause machen, stark und gewürzt. Zum Essen gibt es keine Speisekarte, sondern es wird täglich das gekocht, was auf dem Markt frisch angeboten wird, meist ein vegetarischen Gericht und eins mit Fleisch. Man kann vor dem Restaurant im Schatten sitzen oder oben auf der Düne unter einem Sonnenschirm, ganz nach Wunsch.

Aber, was viele nicht wissen, man kann hier auch campen. Von der Asphaltstraße geht es über eine gute Piste 800 m zum Gebäude, dort sind ebene Stellmöglichkeiten, Offroader fahren direkt hinein in die Dünen. Saubere WC und Dusche werden angeboten und es gibt sogar eine Waschmaschine. Da der der Strom nur von Solar kommt wird für Camper kein Strom angeboten., aber das brauchen viele ja auch nicht. Ein wirklich empfehlenswerter Ort.