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Melatonin

Seit vielen Jahren schon habe ich Schlafstörungen. Kann zwar meist einschlafen, wache nachts aber immer wieder auf und kann schlecht wieder einschlafen. Über Jahre hinweg habe ich es mir daraufhin angewöhnt, nachts den Fernseher anzumachen, auf 30 Minuten, weil es das einzige Mittel war, mit dem ich wieder einschlafen konnte. Ich habe es auch mit Lesen versucht, oder, wenn ich gerade an einem Buch schrieb, bin ich nachts aufgestanden und habe so lange gearbeitet, bis ich wieder müde genug war. In den ersten Jahren habe ich tagsüber keine Beschwerden gehabt, aber es wurde immer schlimmer. Hier in Florida habe ich keinen Fernseher im Schlafzimmer, also habe ich gelesen oder bin eben schon um 4 Uhr aufgestanden, wenn es absolut nicht mehr möglich war, einzuschlafen. Und so langsam merkte ich, wie abgeschlagen ich am Tage bin, wie sehr mir der Schlaf fehlt. Gegen Schlaftabletten habe ich etwas, diese nehme ich nur in den seltensten Fällen, zum Beispiel nach einem Flug gegen den Jetlag. Und nein, ich bin nicht zum Arzt damit. Hatte einfach nicht das Gefühl, dass der mir helfen kann, genauso wenig wie er ja auch bei meinen anderen Beschwerden wirklich hilft. Old age halt ….

Aber nun bin ich in USA und hier gibt es Melatonin, das in Deutschland nicht verkauft werden darf. Hatte schon öfter davon gehört, aber nie probiert. Da Melatonin ja kein Schlafmittel, sondern ein Hormon ist, wollte ich es mal probieren. Aber zunächst recherchierte ich und wollte wissen, was Melatonin genau ist.

In der Zirbeldrüse, einer winzigen Hirnregion, wird das Hormon Melatonin nur produziert, wenn es dunkel wird. Die Information, ob es hell oder dunkel ist, bekommt die Zirbeldrüse über mehrere Zwischenstationen vom Auge. In den Abendstunden beginnt die Zirbeldrüse langsam mit der Herstellung, zwischen zwei und vier Uhr nachts arbeitet sie auf Hochtouren. Fällt bei Tagesanbruch Licht ins Auge, wird die Ausschüttung des Hormons ins Blut eingestellt. Nachts, bei fehlendem Lichteinstrahl, wird Melatonin aus den Speichern abgegeben und kann seine schlaffördernde Wirkung entfalten.

Weil das Hormon vom Blut zu jeder Körperzelle transportiert wird, werden wir allmählich müde, wenn es Nacht wird. Ab etwa Mitte 40 lässt die Funktion der Zirbeldrüse drastisch nach, und die Melatoninproduktion sinkt auf etwa die Hälfte. Dieser Abbau geht leider ungehindert weiter. Mit 60 Jahren hat man nur noch zehn Prozent der ehemaligen Melatonin-Produktion, und mit 70 ist sie oft schon nicht mehr nachweisbar. Viele Wissenschaftler sehen in diesem Rückgang der Melatonin-Werte die Erklärung für den gestörten Schlaf bei Menschen jenseits der 55. Bei alten, unter Schlaflosigkeit leidenden Menschen finden sich niedrigere nächtliche Melatonin-Spiegel als bei gleichaltrigen mit ungestörtem Schlaf.

In den Drogerien der Vereinigten Staaten kann man synthetisch hergestelltes Melatonin ohne Rezept kaufen. In Deutschland darf es nicht verkauft werden mit der Begründung, dass es zu wenige Langzeitstudien über das Produkt gibt. In den letzten Jahren hat sich Melatonin einen Namen als Wundermittel gemacht und soll unter anderem die Zellalterung aufhalten, Fett verbrennen, vor Haarausfall schützen und Krankheiten wie Aids, Alzheimer und Krebs vorbeugen bzw. heilen können.

Das klingt ja alles ganz gut und deshalb beschließe ich, Melatonin auszuprobieren. Habe mir 2 Packungen gekauft, einmal mit 5 mg Wirkstoff für die erste Zeit, mit 3 mg für Langzeitbehandlung. Meine Schlafprobleme sollten ja hoffentlich früher gelöst werden, aber Melatonin hat noch andere positive Effekte und in meinem Alter den Alterungsprozess ein wenig aufzuhalten wäre ja nicht schlecht, oder? Auch der Fettverbrennung und geringerem Haarausfall bin ich nicht abgeneigt.

Also nochmal die Situation: Ich bin früh müde, oft schon um 20 Uhr völlig kaputt, kann auch einschlafen, aber wache nachts mehrmals auf. Kann jeweils nur schlecht wieder einschlafen und stehe schließlich zwischen 4 und 6 völlig erschöpft auf.

Am ersten Abend nehme ich die erste Pille. Es soll immer um die gleiche Zeit sein, aber ich bin so müde, dass ich es nur bis 20 Uhr rausziehen kann bis ich endlich eine Pille nehme und ins Bett gehe. Ich lese etwas, kann nach 1 Stunde einschlafen, wache aber wieder auf. Bemühe mich wieder einzuschlafen, so richtig geht es noch nicht. Langsam versuche ich nun die abendliche Pilleneinnahme auf 21:30 Uhr hinauszuzögern. Und schon bevor das erreicht ist merke ich eine deutliche Verbesserung in meinem Schlaf. Ich kann einschlafen, wache nachts hier und da auf, kann aber wieder einschlafen ohne je die Augen aufgemacht zu haben. Manchmal gelingt es sogar, bis um 7 Uhr zu schlafen. Ein oder zweimal ist es nun in den drei Wochen passiert, dass ich aufwachte und länger wach war, aber da gab es meist einen Grund, wie z.B. einen nächtlichen Anruf. Aber im Ganzen hat sich mein Schlaf sehr deutlich gebessert und mein Befinden tagsüber damit auch. Der Mittagschlaf ist nur noch selten nötig. Ich nehme aber immer noch die 5 mg Pillen und denke, das ist noch eine Zeitlang nötig.

Ich möchte Melatonin nun aber nicht für alle und jeden empfehlen. Es hat sich gezeigt, dass es für mich genau das richtige war, denn offensichtlich hat sich mein Schlafrhythmus durch die jahrelangen Probleme völlig verschoben und zersetzt. Melatonin hat es wieder in die Reihe bekommen. Wer aber zum Beispiel Schlafprobleme hat wegen Depressionen oder anderen Krankheiten, für den ist es sicher nicht das richtige Mittel. Schade eigentlich, dass Melatonin in Deutschland so wenig anerkannt ist.

Katzenbande

Als ich früher nur kurz in meinem Haus zu Gast war sah ich in der Straße vier wilde Katzen, aber sie kamen nicht näher, ließen sich nicht anfassen. Eine Nachbarin stellt ihnen regelmäßig Futter hin und hatte es auch geschafft, alle vier zu sterilisieren. Erst als ich in Rente kam und längere Zeit vor Ort war, wurde der starke rote Kater, Prince, immer zutraulicher. Im ersten Jahr kam er in meine Nähe, sprach vor allem sehr viel mit mir, und es ging so weit, dass er sich draußen am Zaun streicheln ließ. Die anderen drei hielten Abstand. Im Jahr darauf kam er sogar in die Wohnung, schmuste mit mir auf der Couch und ließ sich Fressen geben. Die anderen drei schauten nur von weitem zu.

Als ich dieses Jahr eintraf waren es nur noch drei. Die schöne, anthrazitfarbene Katze war nicht mehr dabei. Und die Nachbarin, die immer Futter hinstellt, hat offensichtlich einen Boyfriend, bei dem sie viele Nächte verbringt. Und ich bin durch Jetlag und Schlafstörungen früh wach. Also war Prince gut dran. Egal, ob ich um 5 oder um 6 aufwachte, Prince stand vor dem Haus und wartete auf sein Fressen. Die anderen immer noch in weitem Abstand. Lieber hungern. Es dauerte eine Weile, bis ich die Nachbarin zu fassen bekam und endlich herausfand, was mit der vierten Katze geschehen war. Sie war plötzlich ziemlich krank geworden, ließ sich aber nicht einfangen für den Tierarzt, und eines Morgens tauchte sie nicht mehr auf. Sie war immerhin 16 Jahre alt und hat sich vermutlich an ihren Lieblingsplatz zum Sterben gelegt. 16 Jahre sind für eine frei lebende Katze ein stolzes Alter und ich finde das viel schöner als beim Tierarzt eine Spritze zu bekommen. Er hätte eh nichts mehr machen können. Ich fand auch noch heraus, dass trotz ihrer häufigen Abwesenheit eine andere Nachbarin die Katzen mit Futter versorgt, aber eben nicht so früh wie ich.

Prince fühlt sich inzwischen bei mir vollkommen zu Hause. Allerdings kommt er kaum noch ins Haus, draußen fühlt er sich freier und meine Terrassenmöbel sind ja auch bequem. Am Nachmittag sitze ich gerne hinter dem Haus und beobachte die Vögel, die Kamera immer bereit. Das hat Prince Spitz gekriegt und kommt nun am Nachmittag immer vorbei. Legt sich auf meinen Schoß und schnurrt. Die Vögel stört es überhaupt nicht, man sieht auch hier, dass Katzen und Vögel durchaus nebeneinander leben können. Und auch der Hund der Nachbarin wird immer freudig mit miau begrüßt, wenn er mit Frauchen spazieren geht. Prince ist einfach durch und durch der freundliche Kater. Obwohl das vermutlich nicht in der Nacht gilt. Mein Mobilheim hat ein Blechdach und nicht selten wurde ich geweckt, weil da oben die Post los war, wilde Kämpfe schienen sich da abzuspielen und als ich hinausschaute kletterte Prince gerade am Pfosten hinab. Wer sein Kampfpartner war, keine Ahnung. Vielleicht ein Squirrel (Eichhörnchen).

Nachdem die zwei übrigen Katzen immer hungrig zusahen, wie Prince sich so vollfraß, dass er anschließend kotzen musste, haben sie sich eines Tages den Mut gefasst und kamen näher. Nun ist die Situation so, dass ich morgens meine Haustür aufmache, drei hungrige Katzen davor stehen, zwei wegsausen, unter mein Auto, wenn ich auftauche, und erst zurückkommen, wenn ich die Tür schließe. Da hat Prince natürlich den Vorsprung am Futternapf und die anderen müssen sich etwas gedulden, er ist ja auch der Chef. Ich muss ja eigentlich zur Straße, um meine Zeitung hereinzuholen, aber das geht nicht, ich würde die Katzenbande wieder aufstören, also gehe ich zur zweiten Haustür, wo ich ohne Aufsehen an die Zeitung gelangen kann. Und dann darf auch ich frühstücken.

Eroberung

Oh, my, die Tage fliegen hier nur so, sie gehen viel zu schnell vorbei. Kaum ist man aufgestanden und hat gefrühstückt ist auch schon wieder Abend. Heute lag nichts Besonderes an, vormittags Büroarbeit, dann einkaufen, heim zum Mittagessen, dann zum Strand. Der Erste, den ich dort traf, war Ricky. Ich habe ihn schon gestern kennengelernt. Im Gegensatz zu den vielen alten, fetten Männern, die man hier so sieht, mal ein richtig gut aussehender Sechziger mit sportlicher Figur. Nach oberflächlichem Geplauder wollte er sich wieder wie die vielen anderen, ob Mann oder Frau, mit „have a nice day“ verabschieden. Das ist den Menschen hier so eingetrichtert. Doch diesmal nicht mit mir! Nachdem wir beide Mitglied im gleichen Fitnessstudio sind, der Y, verabrede ich mich mit ihm für Mittwoch 10 Uhr. Und bin sicher, dass er kommt.

Aber heute bin ich ganz spontan zum Strand, gleicher Parkplatz wie gestern, dachte an nichts, und da saß Ricky. Auch er war gerade erst gekommen und nicht ganz unglücklich, mich zu sehen. So spazierten wir eine lange Strecke am Strand entlang und Ricky erzählte mir seine Geschichte. Vater Deutscher, Mutter Italienerin, kam er mit 8 Jahren nach USA. Und vor 5 Tagen starb ganz überraschend seine Mutter. Das ist schwer für ihn, weiß man doch, wie sehr italienische Söhne mit ihrer Mutter verbunden sind. Und er braucht zur Zeit einfach jemand, mit dem er reden kann. Das ergibt sich ja super. Im weiteren Gespräch fanden wir noch heraus, dass wir beide nur an einer Freundschaft interessiert sind, nicht an einer Beziehung. Als wir zu unseren Autos kamen stellte sich noch heraus, dass wir beide einen champagnerfarbenen SUV fahren. Wenn das nicht passt.

Morgen also zur Y, aber heute gehe ich erst noch zur LA, mein übliches Fitness- und Entspannungsprogramm.

Autoren aus Florida

Ich lese sehr viel und gerne, vor allem, wenn ich in Florida bin, da das US-Fernsehen für mich nicht sehr interessant ist. Vor allem amerikanische Krimis, aber sehr gerne auch Bücher von Autoren aus Florida. Und da fällt mir auf, dass diese doch wirklich sehr skurril sind. Mein neuester Hit is Dexter, ein bei der Polizei von Miami beschäftigter Forensiker, der im Doppelleben als Serienmörder Verbrecher tötet, die von der Polizei nicht dingfest gemacht werden können. Man kann ihn nur mögen kann. Jeff Lindsay heißt der Autor:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jeff_Lindsay

Genauso schräg sind die Bücher von Tim Dorsey, dessen Held Serge A. Storm ebenfalls durchs Land reist und Menschen umbringt. Auch er tötet immer nur Leute, die es verdient haben, und selbstverständlich lieben die Leser ihren Serge.

Jimmy Buffet ist eine sehr berühmte Person in Florida und umfassend begabt. Er schreibt, macht Musik und ist auch ein sehr guter Geschäftsmann, mit Margaritaville baut er Communities für reiche ältere Bürger in ganz Florida. Auch seine Geschichten sind schräg, aber nicht so mörderisch wie die anderen. Carl Hiaasen’s Stories sind lustig und komisch und spielen auch alle im Sunshine-State. Ich kann nur jedem Florida-Urlauber empfehlen, sich ein paar Bücher als entspannende Urlaubslektüre zu besorgen.

Bromelia Pinguin oder wilde Ananas

Vor einigen Tagen fand ich im Lake Ashby Park eine Pflanze mit leuchtend gelben Früchten. Ich pickte eine davon, machte ein Foto und versuchte, die Pflanze zu identifizieren. War gar nicht so einfach. Trey von Explore Volusia sagte, es wäre Kumquat, von der Frucht und von ihrem leicht säuerlichen Geschmack her gar nicht so falsch. Doch sobald ich im Internet Fotos von Kumquat sah war klar, das ist es nicht. Die Frucht sieht ähnlich aus, aber Kumquat wächst auf einem Baum und meine Pflanze war ein kaktusähnliches Gewächs mit schmalen, langen Blättern mit dornigen Rändern.

Facebook ist für vieles gut und so kontaktierte ich dort den Biologen Martin Friedrich. Und der brachte mich auf die richtige Spur. Es handelt sich um Bromelia Pinguin oder auch wilde Ananas. Die Frucht hat mit einer Ananas nichts gemeinsam, die Blüte schaut wohl eher ähnlich aus, habe nie eine blühende echte Ananas gesehen.

Die größere Familie, Bromeliaden, ist nach Olaf Bromelius benannt, einem schwedischen Arzt und Botaniker. Bromelia kommt jedoch vom griechischen Wort für Essen, „broma.“ Pinguin ist von „Penguis“ Latein für stark, ein Hinweis auf die Verwendung älterer Blätter für Tauwerk. Auf Spanisch heißt die Pflanze pinuelo oder pina salvaje. Die Eingeborenen nannten es Karatas und sie wird oft wilde Ananas genannt. In Zentralamerika beheimatet, wird es in Florida, der Karibik, Puerto Rico und Hawaii kultiviert.

Wilde Ananas hat eine schöne Blüte im April, abhängig von den jahreszeitlichen Bedingungen. Sechs oder sieben Monate später können Sie die zitronengelbe Frucht ernten. Sowohl die Blüte als auch die Frucht können außerordentlich attraktiv sein. Die Pflanze hat lange ledrige Blätter, die sich etwa einen Meter hoch und fünf Fuß lang wölben. Die Blätter wirken wie Tröge, die Wasser und Nährstoffe zum Zentrum der Pflanze leiten, wo sie absorbiert werden. Das dort gespeicherte Wasser ist so sauer, dass es Moskitos frisst und mehr Nahrung für die Pflanze gibt. Die Blätter haben wilde, hakige, scharfe Stacheln, die zum Boden der Pflanze oder weg zeigen können. Jede Pflanze produziert 10 bis 75 gelbe Früchte auf einer Dolde mit jeweils 30 bis 50 glänzenden schwarzen Samen. Neben Menschen und anderen großen Säugetieren sind sie das Lieblingsfutter der roten Landkrabbe Karatas.

Die reife Frucht, die sehr fest an den Stielen haftet, kann roh oder gekocht gegessen werden und wird verwendet, um eine Limonade zu machen. Es wird nicht empfohlen, sie roh oder genauer unverdünnt zu essen. Die rohe Frucht kann extrem sauer sein und kann die Lippen, die Zunge und den Hals verbrennen. Es muss verdünnt werden. Die neuen Blätter und Blütenstiele können wie Gemüse gekocht werden, ebenso wie die Blüten (ohne Brennhaare). Der Saft der Frucht wurde medizinisch für viele Zwecke zur Behandlung von Darmparasiten, Fieber, Mundgeschwüren und zur Einleitung von Abtreibungen verwendet. Ältere Blätterfasern wurden verwendet, um Stoff, Angelschnur, Netze und Schnur zu machen.

Also das interessiert mich. Mache ich doch gerne aus Wildfrüchten Marmelade. Ich fahre also erneut zum Lake Ashby, wo diese Pflanzen wachsen, dem Vernehmen nach aber dort mit Absicht gepflanzt wurden, sich nicht natürlich angesiedelt haben. Und ich schneide einige der fruchttragenden Dolden ab.

Zu Hause beginne ich dann mit der Verarbeitung. Wahnsinnig schwierig ist es bereits, die kleinen Früchte von den Stielen zu entfernen, ich brauche eine Zange. Dann schäle ich die Früchtchen, was geht, wenn auch langsam, erhalte aber nicht wirklich ein saftiges Fruchtfleisch, sondern eine sehr faserige Frucht mit einigen Samen darin, ganz sicher keine 30 bis 50. Bevor ich mich nun an die Stunden dauernde Arbeit mache koche ich zunächst einige Früchte mit Wasser auf. Und das ist gut so, denn es ergibt sich, dass dieses Vorhaben sinnlos ist. Ich erhalte keinen Fruchtsaft bzw. keine Fruchtmasse, die sich für Marmelade eignet. Es stimmt allerdings, dass das Kochwasser sehr gut schmeckt, sicher eine gute Limonade ergäbe, die aber die viele Arbeit nicht wert ist, denn die Früchte müssen vor dem Kochen geschält werden. Also leider kein neues Marmeladenprojekt, aber eine interessante Erfahrung.

Brazilian Pepper

Wer in Florida lebt und sich für die Natur interessiert hat ganz bestimmt schon von Brazilian Pepper gehört. Der Brasilianische Pfefferbaum (Schinus terebinthifolia) wird auch Weihnachtsbeere genannt, weil er im Dezember leuchtende rote Beeren hat. Obwohl der Baum nicht wirklich zu der Familie der Pfeffergewächse gehört schmecken die Beeren pfefferartig und werden auch in buntem Gewürzpfeffer als rosa Pfefferkörner genutzt.

Dieser nicht in Florida heimische Baum wurde einst als Schmuck in Gärten gepflanzt und hat sich sehr stark ausgebreitet. Er überwuchert natürliche Biotope, vertreibt die heimischen Bäume, vor allem die Mangroven, die der Erosion vorbeugen, und sie werden von Naturschützern stark bekämpft. Nur lassen sie sich nicht so leicht vertreiben, die Wurzeln sind extrem haltbar. Die beste Methode ist, den Stamm im Frühjahr dicht über dem Boden abzusägen und den Stumpf mit Glyphosat zu bearbeiten.

Zwar wurde bei den geführten Rundgängen oft gefragt, was man mit den Beeren anfangen kann, aber niemand hatte so recht eine Idee. Doch fand ich nun in Doreens Blog ein Rezept, in dem sie die Körner, die sie in Marokko gefunden hat, verarbeitet. Klar, dass ich dieses Rezept sofort nachmachen musste. Hier nun eine Schale der in Olivenöl, Lorbeerblättern und rosa Pfefferkörnern eingelegten Käsewürfel. Leider muss ich sie nun eine Woche ziehen lassen, bevor ich probieren kann.

Zur Erklärung, Doreen, die ich aus Marokko kenne, reist um die Welt in einem blauen Kastenwagen, manchmal in einem Segelboot, und hat ein Kochbuch geschrieben darüber, was sie alles so auf engstem Raum kocht.

Hier geht es zum Rezept:

Käse eingelegt in Öl und rosa Pfeffer

Mit dem Kayak ins Abenteuer

Heute war wieder Kayakfahren mit Explore Volusia angesagt. Und das mitten in der Kältewelle. Aufgewacht bin ich bei 5 °C, um 8 Uhr, als ich mein Kayak verstauen musste, war es noch so kalt, dass ich eisige Hände hatte und keine warmen Handschuhe. Früher hatte ich ja kaum Wintersachen in Florida, ist doch ein Sonnenland, aber nach den vielen Exkursionen mit Explore Volusia habe ich doch gelernt, dass es anders kommen kann und vorgesorgt. Also habe ich lange Leggings angezogen, T-Shirt mit langen Armen, Fleecejacke. Darüber dann einen Anzug aus Nylon, der Wind und Wasser abhalten sollte. Hat auch gut geklappt. Und natürlich habe ich eine trockene Ausrüstung plus Handtuch mitgenommen, falls ich ins Wasser falle.

Die Gruppe war vollzählig versammelt, die lassen sich nicht so einfach von schlechtem Wetter abhalten. Trey zeigte uns auf der Karte die Strecke, die wir paddeln wollten. Ideal für den Tag, weil es ein enger Kanal war, also kein offenes Wasser und kalter Gegenwind. Wir paddelten los, ich war an dritter Stelle. Der Kanal wurde enger und enger. Wenn hier ein Alligator liegt ist er näher als nur zum Greifen nah. Wir wären eher sein Frühstückstisch. Zwar gibt es Alligatoren dort, Trey hat sie selbst schon gesehen, aber heute bei der Kälte liegen die eher auf dem wärmeren Boden im Wasser. Alligatoren können ihre Körpertemperatur nicht regulieren und müssen sich immer dort aufhalten, wo die Temperatur ideal ist, dafür können sie fast alle ihre Organe abschalten und lange unter Wasser sein ohne zu atmen.

Bald hatte ich aber auch keine Zeit mehr, nach ihnen Ausschau zu halten, denn das Kayak nahm mich voll in Anspruch. Der Kanal war inzwischen so breit wie das Kanu, ständig hing ich in den Binsen fest, zog mich an den Halmen weiter, denn Paddeln war nicht mehr möglich, so viel Platz war links und rechts nicht mehr. Und es stank! Total modrig. Ein Vergnügen war diese Fahrt nicht. Und dann plötzlich rief der Mann an der Spitze, we have to go back, that is the end. Das ist sehr viel leichter gesagt als getan, denn es war absolut kein Platz zum Wenden. Die Frau vor mir, die natürlich nicht an mir vorbei kam, rief mir zu, ich solle rückwärts paddeln. Hah, wie denn? Hinten habe ich keine Augen, das Kanu keinen Rückspiegel und sehr beweglich ist man mit den warmen Sachen und der Schwimmweste eh nicht. Es war ein ziemliches Manöver, alle zogen und zerrten an mir herum, der Gestank wurde immer größer, aber irgendwie war mein Kanu dann doch in der richtigen Richtung und wir konnten das Labyrinth wieder verlassen. Alleine würde ich mich niemals dort rein trauen. Die Fotos zeigen nicht die schlimmsten Stellen, denn da hatte ich keine Zeit zum Fotografieren.

American Sauna

Mein Winterdomizil Port Orange hat 30.000 Einwohner, gehört aber zu einem durchgehend städtischen Bereich, der sich in 7 selbstständige Gemeinden gliedert, die zusammen 176.000 Einwohner haben. Allein in dem kleinen Port Orange sind an die 20 Fitness-Studios, und alle haben gut zu tun. Mein Studio ist LA Fitness, es ist ziemlich neu und für den kleinen Ort überraschend groß, auf zwei Etagen sind unzählige Möglichkeiten sich so richtig auszuschwitzen. Und natürlich sind direkt vor der Tür massenhaft Parkplätze.

Es ist gut besucht von allen Altersgruppen und auffallend sind die schönen Männer und Frauen mit ihren Tattoos. Mein Programm sieht so aus, dass ich zunächst 10 Minuten an einem Ergometer aufwärme, dann 30 Min Workout an Maschinen, Programm extra auf mich zugeschnitten, dann 10 Minuten Runden schwimmen, 10 Minuten in den Whirlpool und am Ende 10 Minuten in die Sauna. Und das ist hier in USA ja wirklich etwas Spezielles.

In der Y, wo ich vorher war, war die Sauna ziemlich herunter gekommen und nur 60 °C warm. Im LA Fitness ist sie neu und groß und immerhin 80 °C heiß. Natürlich darf man auch hier nicht nackt rein und es ist auch streng getrennt nach Männlein und Weiblein, aber ich bin froh, dass es überhaupt so etwas gibt. Herrlich ist es, die anderen Saunagänger zu beobachten, die ganz klar nicht die geringste Ahnung haben, was eine Sauna ist.

Da sind zunächst die Schwimmer. Sie kommen im triefend nassen Badeanzug und werfen sich erschöpft auf die Holzbank, natürlich ohne Handtuch. Glitschnass ist danach alles. Die Männer kann ich ja in der Sauna nicht sehen, nur im Pool und da krieg ich mich nie ein, wenn ich die Kleidung sehe. Sie schwimmen mit Unterhose plus Shorts, und die gehen deutlich über die Knie herunter, haben oft ausladende Taschen, die nach dem Schwimmen nach außen raushängen. Es sieht nicht nur lächerlich aus, sondern hindert auch beim Schwimmen. Die Frauen dagegen dürfen knappe Tangas anhaben.

Aber die größere Gruppe der Saunagängerinnen kommt direkt vom Workout. Heute am kühlen Tag voll gekleidet in langen Leggins, Shirt, Jacke, oft Mütze, Schuhe. In den Ohren Stöpsel, dazu gehört ein iPhone oder sogar ein iPad. Sogar Bücher Lesende habe ich schon gesehen. Natürlich wird weder geduscht noch ein Handtuch benutzt, aber das wäre ja auch beides unnötig, ist doch kein Stückchen Haut auf dem Holz.

Für mich selbst habe ich nun die ideale Routine gefunden. In einem winzigen Fläschchen bringe ich einen Tropfen Zitrusöl mit etwas Wasser mit, dusche zunächst und wickele mich in ein Handtuch. Sobald ich allein bin kommt der Aufguss auf die Steine und das Handtuch wird geöffnet, geschickt drapiert, so dass ich es gleich wieder zudecken kann, wenn jemand kommt.

Ja, das ist USA. Wo die Männer oft gar nicht prüde Frauen gegenüber sind.

Winter in Florida

Während wir im letzten Winter noch bis Ende Dezember richtig schönes, warmes Wetter hatten und im Januar dann Kältewellen insgesamt FÜNF kalte Tage brachten, kommt der Winter in diesem Jahr deutlich früher. In Deutschland auch und ich erlebe oft, dass diese Wellen über die ganze nördlich Halbkugel gleichermaßen rollen. Wenn natürlich auch in Florida deutlich abgemildert. Am Samstag sollte die jährliche Toy Parade in Spruce Creek stattfinden, aber sie wurde wegen der Kältewelle, die mit Regen begann, auf Sonntag verschoben. Sonntag dann hatten wir herrliche Sonne, aber nur noch 12 Grad. Und dieser klare Himmel hat dann die Tore für die große Kälte geöffnet. Meine neue Air Condition musste die ganze Nacht ziemlich arbeiten, draußen waren es 37 °F, d.h. etwa 2 °C und im ungeheizten Zimmer sind es 11 °C. Mein Rasen ist auch jetzt um 8:30 noch von Raureif überdeckt. Das kleine, neu gesetzte Zitronenbäumchen hatte ich über Nacht mit einer warmen Decke eingehüllt. Auch die kommende Nacht müssen wir noch mit Frost rechnen, die Vögel plündern mein Futterhaus, die Katzen warten auf Futter, möchten aber trotz der Kälte lieber draußen bleiben. Inzwischen lacht die Sonne am Himmel, aber es sollen nur 15 °C heute werden, eisig für Florida.

Gestern war ich natürlich auf der Toy Parade mit Air Show, aber es ist seltsam, sie wird doch von Jahr zu Jahr kleiner, ich weiß auch nicht warum. Deshalb gibt es nur zwei Fotos. Beachtenswert ist, dass ich richtige lange Hosen anhabe, was äußerst selten vorkommt in Florida.

Ein Runder!

Natürlich wäre es schön, seinen Geburtstag mit der Familie zu feiern, besonders wenn es ein Runder ist. Welcher? Wer mich kennt, der weiß das. Aber noch wichtiger ist mir, dass ich den Winter in einer angenehmen, sonnigen Umgebung verbringe und nicht im tristen Deutschland in Depression verfalle. Eigentlich müsste mir ja meine Krankenversicherung den Aufenthalt hier bezahlen.

Bob ist da mein einziger Freund vor Ort, die Deutschen, die ich hier kenne, sind ja nur sporadisch im Land. Und so habe ich auch schon vor einiger Zeit mit Bob ausgemacht, dass wir uns an diesem Abend in unserer Stammkneipe First Turn treffen und ich einen Bucket bestelle. Ich weiß, das erfordert eine Erklärung. Ich komme ins First Turn, um die Musik zu hören, und trinke immer nur 1 Bier. Bob bleibt etwas länger und trinkt regelmäßig 3 vom billigsten, er ist genauso sparsam wie ich. Muss man ja auch sein, wenn man nicht allzu viel hat. Und zur Feier des Tages wollte ich eben einen Bucket bestellen, das ist ein mit Eis gefüllter Blecheimer mit 6 Flaschen Bier. Vielleicht noch ein paar Wings dazu. Für Unwissende: Hähnchenflügel in scharfer Sauce gegrillt. Was für ein Fest! Und es hätte mir vollkommen genügt.

Doch als ich am Freitag im First Turn war schlug Bob vor, am Tag meines Geburtstags zusammen nach Crystal River zu fahren. Der Wetterbericht zeigt zudem für diesen Dienstag einen perfekten Tag an, sonnig, trocken, 25 Grad. Ja, das ist Geburtstagswetter. Crystal River liegt an der nördlichen Westküste von Florida, dort wo es eigentlich keine Strände gibt, sondern ein breiter Küstenstreifen mit Marschland und Mangroven. Und der Ort ist bekannt für die besten Krabben des Staates. Bob liebt Krabben und obwohl er sonst so sparsam ist fährt er regelmäßig dorthin, um einen Vorrat einzukaufen.

Es lag eine etwa dreistündige Fahrt vor uns auf Landstraße. Etwa in der Mitte liegt Ocala, dort war das erste Ziel, der Silver Springs State Park. In den frühen Jahren war das ein sehr beliebtes Ausflugsziel, der See in der Mitte wird von einer der 1000 Quellen Floridas gespeist, aber dann verfiel er langsam und ist erst seit einiger Zeit in Staatsbesitz. Es gibt herrliche alte Gebäude, aber alles ist viel zu groß für die wenigen Besucher und auch die Boote mit Glasboden, um die Fische und Manatees in dem glasklaren Wasser zu sehen, sind viel zu zahlreich. Aber der Park ist sehr hübsch, es gibt Spazierwege, wir trafen einen Bussard, von dem nicht klar war, ob wir ihn oder er uns beobachtete.

In Crystal River fuhr Bob dann zunächst zu seinem Krabbenladen, und das war gut so. Zur Crab Plant, also Krabbenfabrik, gehört eine Flotte an Booten, die nachts ausschwärmen und am Morgen mit ihrer Beute zurück kommen. Der Laden öffnet um 10, und um 10:15 ist oft schon vieles ausverkauft. Bob konnte von seinen Krabben gerade noch die letzten 7,5 Pound ergattern, das Pound zu 7,95 $, während andere Krabbensorten bis zu 28 $ das Pound kosten. Verpackt mit Eis kamen sie in eine Kühlbox.

Es war dann gerade Mittagszeit, als wir auf einer engen, gewundenen Straße, auf der man gerade mal 30 Meilen fahren darf, Ozello erreichten. Das besteht aus nur wenigen Häusern und dem schönen Peck’s Seafood Restaurant, wo man sich die Krabben lebend aussuchen kann. Bob lud mich dort zur Feier des Tages zum Essen ein. Wir saßen wunderschön am Flussufer, aber hier wie auch meistens an der nördlichen Küste war der Golf von Mexiko nicht in Sicht. Ich habe ihn den ganzen Tag nicht zu sehen bekommen. Das Restaurant war auch von einer großen Gruppe Motorradfahrer besucht, was kein Wunder ist bei der schönen Anfahrt.

Danach fuhren wir zu einem weiteren von Bobs Lieblingsplätzen, er hat hier mal gelebt und kennt sich gut aus. Homosassa liegt ähnlich wie Ozello am Fluss und hat ebenfalls ein schönes Restaurant, wo wir etwas tranken. Aber die ganze Zeit waren mir Affen versprochen worden, die hier leben sollten. Auch im Silver Springs State Park gibt es Rhesus Affen, aber wir konnte sie nicht entdecken. Also nun müssen sie sein, die Affen, und Bob versprach, ja, wir werden sie sehen. Was auch die Nachbarn im Restaurant bestätigten. Also fuhren wir um die Ecke zu Monkey Island. Gut, ich habe die Affen gesehen, es gibt fünf, aber enttäuscht war ich schon. Die Insel hat vielleicht 5 Meter im Durchmesser, man hat ein Baumhaus gebaut und dort leben die fünf Tierchen, das ist zwar besser als ein kleiner Käfig im Zoo, aber natürlich leben ist das nicht. Sie müssen ja auch vom Restaurant gegenüber gefüttert werden.

Eigentlich wollten wir noch zu einer anderen Lieblingsbar von Bob, aber die Vernunft siegte. Wir waren beide müde von dem langen Tag und Bob hätte nur Wasser trinken dürfen. So kamen wir dann gegen 19 Uhr wieder nach Port Orange zurück und es war einfach ein unvergesslicher Tag. Danke Bob.