Zurück in die Jugend

Schon mein Vater hat Schmalfilme von seinen vielen Reisen gemacht, und auch ich habe mir zu Beginn die Kamera gerne ausgeliehen und ein paar Familienszenen gedreht. Aber die Qualität war schlecht, ohne Ton und zu Anfang sogar noch schwarz-weiß. Dann schritt die Technik voran und ich legte mir eine Videokamera mit Kassetten zu, die ich früher oft und gerne genutzt habe. Dann ließ erst einmal das Interesse am Filmen nach und auch der Videorekorder, der Hi8 abspielte (kennt überhaupt noch jemand die Bezeichnung?) ging irgendwann kaputt. Also überspielte ich alle Filme auf DVD, die aber nicht auf einem PC, sondern nur auf meinem DVD-Player zu lesen waren. Und ich dachte lange nicht mehr daran.

Heutzutage muss aber alles in digitalisierter Form auf einem PC vorliegen. Und dann kann man das, was man früher ganz allein besaß und höchstens mal auf einem Familiennachmittag der gelangweilten Verwandtschaft vorführen konnte, plötzlich mit der ganzen Welt teilen. Also war es mir ein Anliegen, meine alten Filme zu digitalisieren. Karl Heinz erbot sich, das für mich zu übernehmen. Ich übergab ihm meine DVDs und den passenden Rekorder und machte mich auf nach Amerika, in der sicheren Gewissheit, Karl Heinz wird’s schon machen.

Und auch bald erhielt ich zwei Filmchen und freute mich sehr. Doch dann kam nichts mehr. Karl Heinz sprach von Problemen, die man so über den großen Teich nicht lösen konnte. Eilig war es auch nicht und so traf ich mich nach meiner Rückkehr mit ihm. Schnell stellte sich heraus, dass es eigentlich nicht möglich ist, diese DVDs, die viele einzelne Filme enthalten, ohne den, der die gedreht hat und genau kennt, zu konvertieren. Sonst würde man nur einen endlos langen Film erhalten, der auch endlos groß wird und mit dem man wenig anfangen kann. Ich fragte nach dem Gerät, mit dem das ganze digitalisiert werden kann und war erstaunt, dass es nur eine winzige Box von Terratec ist, die auch nur wenig kostet, für unter 80 Euro war sie schon einen Tag später mein.

Und dann gab es kein Halten mehr. Beim Konvertieren merkte ich sofort, dass dies keine Arbeit ist, die man einem anderen zumuten kann. Es dauert viele Stunden, denn nicht nur muss man die Filme in Echtzeit abspielen und auch anschauen, die Zeit für das Konvertieren dauert noch wesentlich länger. So waren denn schon einige Wochenenden mit heftiger Arbeit gefüllt.

Aber das Ergebnis war toll. Zwar waren die alten Filme immer noch in der gleichen schlechten Qualität, aber meinen heute fast 50jährigen Sohn als Baby zu sehen war doch schön. Oder die längst verstorbenen Eltern. Natürlich habe ich immer dann, wenn ich Leute in den Filmen gut kannte und noch Kontakt hatte, ihnen einen Link dazu über youtube geschickt, auch das gab immer tolle Momente. So schrieb mir ein tunesischer Bekannter, den ich schon Jahrzehnte nicht mehr gesehen habe: Merci, tu m’as fait vivre le meilleur moment de vie, et je suis devenue vie. Wer‘s nicht versteht, so etwa wie, danke, das war der beste Moment meines Lebens und ich bin ins Leben zurückgekehrt.

Einer Kusine schickte ich Fotos von ihren Eltern, die auch lange nicht mehr leben, und ihren kleineren Geschwistern. Und meine Nichte bekam einen Film von ihrer Erstkommunion, während das nächste Fest in ihrem Leben der Renteneintritt sein wird.

Aber das schönste Erlebnis war doch der Film über die Reise nach Griechenland, die ich 1980 gemacht hatte. Das Ganze kam sehr spontan zustande. Zu meinen Freunden zählte ein Student der Mainzer Uni, der über Ostern an einer geographischen Exkursion nach Griechenland teilnehmen wollte. Ich war schon ein wenig neidisch, wäre gerne mit, und kaum zu glauben, am Mittwochabend vor der Reise kam er zu mir und sagte, ein Student sei ausgefallen und man brauche Ersatz, weil sonst sein Kostenanteil von den anderen übernommen werden müsse. Zwischen Donnerstag und der Abreise am Samstag wurde ich dem Professor vorgestellt, ob er mich auch akzeptiert, musste ich um Urlaub fragen und meinen Sohn für die drei Wochen zur Schwester nach Holland schicken. Und am Samstag stand ich reisefertig am Bahnhof, denn damals flog man nicht mal so einfach nach Griechenland, man nahm den Zug für die 48 Stunden lange Fahrt.

Und ein Film dieser Reise war unter den alten Schätzen!

Natürlich dachte ich gleich an diesen Studenten. Nach der Reise hatten wir den Kontakt verloren, die Leben drifteten auseinander. Dank meines Tagebuches war der Vorname klar, an den Nachnamen konnte ich mich nicht recht erinnern, nur dass er mit P begann. Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich fand ihn. Zunächst ein Versuch über google in Zusammenhang mit der Mainzer Uni, das brachte nichts. Aber in Facebook fand ich ihn ziemlich schnell und sendete ihm einen Link.

Thomas war ganz begeistert. Auch für ihn war es schön, einen kleinen Rückblick in sein Leben vor 37 Jahren zu erhalten und er schlug vor, dass wir uns treffen. Am Montag war es dann so weit und wir besetzten stundenlang einen Tisch im Café, um über die alten Zeiten zu reden. Es war richtig schön. Interessant dabei auch, wie zwei Menschen sich oft sehr unterschiedliche Reiseszenen merken. Aber wenn dann der eine ein Ereignis erwähnte, fiel es dem anderen auch wieder ein.

Ich finde ja oft, je älter wir werden, desto wichtiger wird die Vergangenheit. Ich würde gerne viel öfter Menschen aus meiner Vergangenheit treffen und über die alten Zeiten reden. Das heißt jetzt nicht, dass ich nicht in der Neuzeit lebe und aktiv bin, aber das alte sollte doch nicht vergessen sein, es gehört zu uns und hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Und diese Griechenland-Reise war eigentlich der Auslösepunkt für meine vielen Reiseaktivitäten, die danach kamen.

Kommödchen

Plötzlich erschien mir die bisherige Kommode im Schlafzimmer nicht mehr angemessen. Nicht nur außen abgestoßen, auch zu niedrig und man hat ja Rücken! In die niedrigen Türen den ganzen Kram zu packen ist nicht nur schwierig, tut weh, sondern bringt auch keinerlei Ordnung. Ich gierte daher nach einer neuen Kommode, in die alles passt und dazu übersichtlich angeordnet ist. Daher brach ich auf zu einer Möbelrundfahrt. Mann Mobilia war mein erstes Ziel, aber heute hat es ja den schrecklichen Namen XXL. Dieser Name ist völlig falsch gewählt, klingt eher nach Billigheimer und Ramsch, dabei haben die wirklich schöne Sachen und billig sind sie auch nicht. Aber ich war ziemlich enttäuscht. Mein Schlafzimmerschrank ist helle, glatte Eiche, aber offenbar ist es nun modern, alle Möbel nach uralten Kisten aussehen zu lassen, der Euro-Paletten-Look ist in. Passte absolut nicht zu mir. Zwar ist die vordere Ecke, wo die Kommode hin soll, eher schwarz, so war auch die alte, also geht entweder Esche oder schwarz. Nichts da, schwarze Kommoden gab es schon gar nicht.

Also ab zu Möbel Martin. Da fahre ich immer gerne hin, ist so ein schöner, freundlicher Laden. Aber auch hier ist nur Holzfurnier im Angebot, das auf alt gemacht ist. Einfach scheußlich und würde vor allem nicht zu glattem Holz passen. Deshalb fuhr ich mit leerer Ladefläche heim.

Dort trug gerade der Briefträger den neuen Ikea-Katalog aus. Also habe ich wirklich Seite für Seite durchforstet, und wo blieb ich hängen? An meiner geliebten Malm-Kommode, die ich auch schon in Florida gekauft habe. Diese Kommode ist einfach praktisch, geräumig, zeitlos und preisgünstig. Bei uns, nicht in Florida. Dort ist sie teurer. Das kann mit den Transportkosten zu tun haben, aber auch mit dem amerikanischen Markt. Möbel sind dort nicht nur ziemlich scheußlich, sondern auch sehr teuer, daher sind Amis bereit, bei Ikea mehr zu zahlen als bei uns.

Am nächsten Morgen ging es also zu Ikea. Und die Kommode war da und schnell eingekauft. Nicht ganz so schnell ins Auto gepackt, denn das Paket war so unglaublich schwer, dass ich es nicht allein schaffte und einen Vorübergehende jungen Mann ansprechen musste. In Gedanken dachte ich auch schon an die 387 Schrauben, die ich in Florida dort eingedreht habe und an den Arm, der mir die ganze Nacht weh tat.

Aber es ist halt gut, wenn man Freunde hat. Und meine besten Freunde in Taunusstein, die immer für mich da sind, sind nun einmal meine Roma-Flüchtlinge. Der Familienvater geht inzwischen einer Arbeit nach und ist nicht immer greifbar, aber der junge Erjon sprang sofort ein. Ich holte ihn in Orlen ab, er schleppte die schweren Pakete nach oben und ließ es sich nicht nehmen, mir beim Schrauben zu helfen. Was für ein Unterschied, wenn man so etwas zu zweit macht. Es ging flott, kein Arm tat weh und nach 2 – 3 Stunden stand die Kommode, danke lieber Erjon.

Er nahm dann auch gleich die alte Kommode mit, denn die Familie zieht gerade in ein neues, größeres Zimmer. So war beiden Seiten geholfen.

Ich habe Angst!

Wir alle wussten ja, wie gefährlich dieser Donald Trump als Präsident werden kann. Aber wir alle hofften, dass es nicht zu einer Eskalation kommt, wo er die berühmten Knöpfe drücken wird. Aber nun habe ich Angst, dass es genau dazu kommt, und schon nächste Woche. Natürlich wird auch in den deutschen Medien über die Verschärfung des Tones zwischen USA und Nordkorea gesprochen, aber ich schaue vor allem US-Medien und da klingt die Lage doch sehr viel ernster. Der dritte Weltkrieg könnte schon nächste Woche beginnen. Nordkorea droht für Dienstag einen Angriff auf die US-Kolonie Guam an und Trump will zurückschlagen. Damit ist der Krieg da. China und Russland werden sich auf die Seite Nordkoreas stellen und der dritte Weltkrieg ist da.

Ich habe Angst davor. Denn wir alle werden davon betroffen sein. Das Ausmaß kann so schrecklich sein, dass ich mir es kaum vorstellen will.

Daran gemessen sind meine persönlichen Sorgen eher klein. Ich habe für den Herbst einen Flug nach Florida gebucht, in mein geliebtes Häuschen. Und diesmal ist es, als persönliches Geburtstagsgeschenk, ein sehr, sehr teurer Flug. Jeder weiß, Flüge kann man nicht stornieren, wenn also Krieg ausbricht und Touristen vielleicht nicht mehr nach USA einreisen können, ist das Geld für diesen Flug futsch. Mein Häuschen vielleicht auch. Was natürlich alles egal ist, wenn wir alle unter der Atomwolke sterben.

Also so richtig rosig sind meine und die Aussichten der Welt nicht.

Heimweh

Auf Sixx gibt es am Nachmittag eine Sendereihe, die sich mit Häusern in USA befasst. Zunächst Lakefront, wo man mit einem Immobilienmakler Häuser an einem See in USA besichtigt, dann Beachfront, das gleiche am Meer. Danach Fixer Upper und Super-Makler, wo jeweils Bruchbuden saniert werden. Nein, ich sitze nicht alle Nachmittage am TV, aber ich schaue doch immer mal wieder gern in diese Sendungen rein. Und sie wecken in mir ein kolossales Heimweh nach Florida.

Die USA sind ein so wunderschönes Land, was es da an Landschaften gibt, ist beeindruckend. Und die Möglichkeiten der Menschen kolossal. Sie können einfach Arbeit und Freizeit ideal verbinden. Wenn da nur nicht die Politik wäre. Schon unter Bush gab es Probleme im Einvernehmen mit meinen Bekannten, aber Trump ist ja einfach indiskutabel. Und so sehr ich mich auf meine baldige Reise freue, ich habe auch Angst. Es könnte zu einem Krieg mit Nordkorea kommen, und dieser Krieg wird alles sprengen, was wir bisher über Krieg wissen. Also besser nicht zu viel darüber nachdenken.

Ich kann es kaum erwarten, bis ich wieder in Florida bin. Ich fühle mich inzwischen dort viel mehr zu Hause als in Deutschland. Und so sehr ich meine Reisen nach Marokko liebe, so wäre es doch niemals ein Land, in dem ich leben möchte, da sind mir die Kulturunterschiede einfach zu groß. Leider habe ich nicht die Mittel für ein so schönes Haus wie in den Fernsehserien, aber ich bin ja bescheiden und freue mich an meinem einfachen Trailer in Port Orange, immerhin liegt er in einer wahnsinnig schönen Natur. Ich freue mich auf meinen roten Kater Prince, auf die vielen Vögel in meinem Garten und auf die Überraschung, welche sonstigen Tiere ich diesmal im Garten finden werde. Und natürlich auf mein Kayak, mit dem ich wieder die Wasserläufer erforschen werde. Ich habe so einiges vor, der Floridaroom soll renoviert werden, aber vor allem der Garten verschönert. Leider bin ich weder Handwerker noch Gärtner. Am Haus kann ich nichts selbst machen, bin auf meinen Handyman Bob angewiesen, aber Bob ist alt und krank und ich muss damit rechnen, dass er nichts mehr machen kann. Und ohne ihn werde ich meine Pläne kaum bezahlbar umsetzen können. Im Garten kann ich mich zwar selbst betätigen, aber so richtig fehlt es mir an Kreativität, also muss ich erst mal abwarten, ob ich das, was ich im Kopf habe, auch umsetzen kann.

Aber egal, was passiert, ich bin aktiv und es wird wieder wunderschön werden!

Mein Kampf mit der Post

Gestern war der große Tag, an dem mein neues Reisehandbuch erscheinen sollte. Das ist immer ein ziemlicher Aufwand, denn zwei Paletten schwerer Bücher müssen über etliche Treppen ins Lager gebracht werden und ein Teil davon über noch mehr Treppen in die Wohnung für baldigen Versand. Zum Glück hatte ich freundliche Helfer, auch kam die Lieferung wie gewohnt gleich morgens, aber dann brach die Hölle los.

Und ich hatte es vorausgesehen. Vor einigen Wochen hatte ich meine Bankverbindung geändert. Das muss natürlich auch in allen Internetdiensten, mit denen man so arbeitet, gemacht werden. Vor allem auch bei der Deutschen Post, wo ich übers Internet meine Versandmarken ausdrucke. Natürlich hatte ich sofort überall die neue IBAN eingetragen, aber dann kam einfach keine Abbuchung. Ich habe es mehrmals überprüft, nichts. Und genau am Morgen, als die Bücher eintrafen und ich meine Vorbestellungen abschicken wollte, war die Portokasse im Minus und nichts ging mehr. Konnte zunächst mit der Kreditkarte noch einige Marken kaufen, aber dann ging auch das nicht mehr. Habe versucht mit der Kreditkarte die Portokasse auszugleichen, wurde nicht akzeptiert, und dann war alles gesperrt. Stundenlange Internet-Chats mit Helfern der Bank und der Post folgten. Nach einiger Zeit kam dann heraus, dass meine neue Bank kein D-Secure Abwicklung hat, die Post dies aber verlangt. Nun steht man da praktisch mit Geld in der Hand und kann es nicht loswerden. Nach Stunden nervenaufreibender Bemühungen kam ich darauf, mich mit gleichem Namen, aber neuer Email anzumelden und ich konnte plötzlich auch ohne secure-Verbindung mit meiner Kreditkarte bezahlen. Schnell die Päckchenmarken ausgedruckt. Am späten Nachmittag dann die Meldung von der Post. Obwohl ich jeweils eine schriftliche Bestätigung der Post bekommen hatte, dass über die neue Bank abgebucht würde, stellte sich nun heraus, dass ganz weit versteckt eben doch noch die alte Bank eingespeichert war. Das habe ich nun schnell geändert, meine Portokasse ist vorläufig aufgefüllt, aber erst morgen, wenn tatsächlich abgebucht wird, weiß ich genau, ob es auch geklappt hat.

Nach diesem Nervenkrieg und mit Blick auf den Dauerregen draußen gab es nur eine Lösung: Ab in die Sauna zur Entspannung. Dienstag und Freitag ist Frauentag bei uns im Haus und wir waren tatsächlich ein nettes Grüppchen. Meine Nerven haben sich da erholt, aber trotzdem bin ich danach völlig erschöpft ins Bett gefallen.

Vorher fand ich aber noch ein Werbe-Email in meiner Post: Die Bank N26 freut sich, dass sie jetzt auch mit mit Mastercard SecureCode arbeiten.

Häh?

Deutsch-Französische Freundschaft

Ich fasse es nicht! Wie im letzten Blog berichtet möchte der Franzose Emile, Autorenkollege und ein wenig älter als ich, ein paar Tage in Deutschland verbringen, und ich war ihm bei der Reservierung von Campingplätzen behilflich. Er wollte sogar für eine Nacht in die Nähe meines Wohnortes kommen. Ich habe mich total gefreut, ihn mal persönlich zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und mir schon Gedanken gemacht, wo im Rheingau ich mit der vierköpfigen Familie hingehe. Etwas Typisches sollte es sein, eine Straußwirtschaft. Doch mitten in diese Überlegungen kam eine Email, in der Emile mir sagte, dass es doch zu schwierig ist, dass ich die komplette Familie treffe. Er wolle versuchen, alleine zu kommen.

Mein erster Gedanke natürlich, oh, ist die Frau so eifersüchtig?

Aber nein, der Grund ist ein ganz anderer. Gut 70 Jahre nach Kriegsende will Emile mit seinem jüngsten Sohn und dessen Frau nach Deutschland kommen, um ihm den Platz zu zeigen, wo sein Großvater beerdigt wurde, getötet von den Deutschen nach seiner Deportation. Nähere Umstände sind mir nicht bekannt. Und deshalb kann sich die Familie nicht mit einer Deutschen treffen!

Ja, Moment, wo leben wir denn? Der Krieg ist seit 72 Jahren vorbei, ich und die meisten anderen Deutschen sind nach dem Krieg geboren. Einmal muss doch wohl Schluss sein mit den Ressentiments!

Was für ein schöner Tag!

Ich habe einen Counterpart in Frankreich. Emile hat zur gleichen Zeit wie ich, aber völlig unabhängig, einen Campingführer für Marokko herausgegeben. Konkurrenz machen wir uns aber nicht, denn sein Buch ist in Französisch, meines in Deutsch, und das spricht naturgemäß eine ganz andere Klientel an. Über die Jahre hinweg haben wir uns öfter ausgetauscht, er hat ein Forum, ich habe eines, aber ich kann Französisch, er nicht Deutsch. Daher konnte ich ab und zu aus seinem Forum auf gute neue Plätze aufmerksam gemacht werden, und wenn ich etwas fand, das ich Emile mitteilen wollte, habe ich ihn informiert. Wir sind beide oft in Marokko, auch die Campingplatzbesitzer dort sprechen oft von ihm, und zu ihm sicher auch oft von mir, aber noch nie haben wir uns persönlich getroffen.

Gestern nun bat mich Emile um Hilfe. Nein, es ging nicht um einen Campingplatz in Marokko, es ging um Deutschland. Er wollte in Bremervörde einen Campingplatz reservieren, bekam aber keine Antwort. Das wundert mich nicht, denn welcher deutsche Campingplatzbesitzer kann schon Französisch. Also rief ich dort an und konnte ihm schon innerhalb von Minuten sagen, dass die Reservierung in Ordnung geht. Aber natürlich sagte ich dann auch gleich, warum kommst du nicht auf dem Weg nach Bremervörde bei mir vorbei. Und kurz danach fragte mich Emile, welcher Campingplatz denn in Wiesbaden zu empfehlen wäre.

Oje, noch nie habe ich mir die Campingplätze dort angeschaut. Wohne inzwischen ja auch in Taunusstein, wo es erst recht keinen gibt. Doch dann fiel mir Hattenheim ein. Da gibt es einen kleinen Platz direkt am Rhein, dort habe ich vor Jahren mal ein Lesertreffen abgehalten. War sehr schön. Ich machte Emile darauf aufmerksam und tatsächlich zeigte er Interesse. Aber – es ist August – Ferien – da ist doch sicher kein Platz zu bekommen. Ich sagte, Fragen kostet nichts.

Also beschloss ich, heute einen Ausflug nach Hattenheim zu machen. Zur Zeit betreue ich einen Pool von Fahrzeugen, ja, nicht nur Haustiere brauchen eine Urlaubsbetreuung, auch für Fahrzeuge muss gesorgt werden. Und so brachte ich den nagelneuen, siebensitzigen Land Rover Discovery, der die letzten Tage vor meinem Haus parkte, zurück und wechselte ihn gegen ein Evoque-Cabrio ein, heute mit 30 Grad auf jeden Fall die bessere Alternative. Ich bin ein Kind der Hitze, werde erst jenseits von 25 Grad richtig lebendig, und fuhr in den Rheingau. Ein Traum. Nicht nur ein schönes Auto, auch das richtige Wetter dazu. Die Reservierung war schnell erledigt, ja, selbstverständlich, meine Bekannten können kommen, also ging es nach einer Rast auf einer Bank direkt am Rhein dann gleich weiter in den Rheingau auf der Suche nach einer Straußwirtschaft für den Besuch. Früher war ich so oft im Rheingau, eigentlich jede Woche gab es einen Besuch in einer Straußwirtschaft, aber seit ich in Taunusstein wohne, ist das wie abgeschnitten. Für die Nicht-Rheingauer: eine Straußwirtschaft ist ein Weingut, das an einigen Tagen im Jahr für Gäste öffnet und dazu eigenen Wein und kleine Gerichte bietet. Um wirklich einzukehren war es ja noch zu früh, und in Hattenheim fand ich auch absolut nichts. In Erbach schließlich gibt es zwei Betriebe, die sich eignen. Nun muss ich erstmal auf Rückmeldung von Emile warten und freue mich sehr, ihn endlich persönlich kennen zu lernen. Und weil ich nicht gern alleine in ein Restaurant gehe, solange es in Deutschland und nicht auf Reisen ist, und ich außerdem nicht alkoholisiert zurück fahren wollte, kaufte ich mir bei Aldi nur einen Laugenbrezel und ab ging es nach Hause auf den Balkon, wo Spundekäs und ein kühler Rosé den Tag ausklingen lassen.

Ach, wie schön. Allerdings fehlt mir doch ein wenig die Gesellschaft. Wer will denn mal auf meinen Balkon zu einem kühlen Glas Wein kommen?

Ein Besuch in der türkischen Hammam

Meine Schwiegertochter hatte Geburtstag und keiner war da. Tochter bereits in Urlaub, Ehemann geschäftlich verhindert. Bleibt nur die Schwiegermutter. Und ich dachte mir, was kann meine gestresste Geli besser entspannen als ein Besuch in der Hammam.

Nun ist ein kurzer Flug nach Marrakech ja doch etwas aufwändig. Eine Internetrecherche ergab, es gibt tatsächlich eine Hammam in der Region, in Kastel. Aber eine türkische, bisher kenne ich nur marokkanische Hammams.

Die auf der Webseite veröffentlichten Preise sind ganz schön happig, so kostet unser Paket 69 Euro pro Person. Aber auf Groupon kann man einen Gutschein für 2 Personen buchen, der zusammen nur 79 Euro kostet. Enthalten ist laut Beschreibung:

  • Begrüßung mit einem türkischen Tee
  • Hamam Benutzung
  • Sauna Benutzung
  • Dampfbad Benutzung
  • Hamam Natur Seife
  • Ganzkörper Peeling (10 min.)
  • Seifen Schaum Massage (10 min.)
  • Ganzkörper Ölmassage (15 min.)
  • Ruhe- und Entspannungsraum
  • Obstteller
  • Türkischer Tee
  • Ein Getränk nach Wahl

Voller Erwartung fuhren wir also los. Die Örtlichkeit ist nicht unbedingt ansprechend, im Industriegebiet direkt über einem Autohaus. Aber immerhin reservierte Parkplätze für die Hammam. Doch die erste Etage, auf der sich die Wellness-Oase ausbreitet, ist sauber gefliest und ordentlich. Der Empfang durch die junge Dame war eher kühl. Nirgendwo auf der Website war beschrieben, was wir mitbringen sollten. Wir hatten Bademantel, Handtuch und Shampoo dabei. Zu empfehlen ist aber ein zweites Tuch, Bikini und Badeschlappen. Wenn man Handtücher und dergleichen braucht gibt es dafür eine Leihgebühr, wir erhalten ein türkisches Hammamtuch, es soll laut Liste 2,- Euro kosten, aber sie berechnete uns nichts. Einen Tee zur Begrüßung gab es nicht.

Die Dame, durchweg türkisches Personal, nicht alle Damen sprechen deutsch, zeigte uns die Räumlichkeiten. Dann begaben wir uns in den eigentlichen Hammamraum. Verglichen mit einer marokkanischen Hammam war dieser sehr groß, mit unzähligen Wasserstellen, alles mit Marmor gefliest, in der Mitte ein weiter Marmortisch zum Liegen. Hier sollten wir uns zunächst im heißen Dampf aufhalten und weichen. Es war ziemlich warm und meine Geli hat das nicht so lange ausgehalten. Dann wurden wir in einen kleinen Nebenraum gerufen. Dort mussten wir uns nacheinander auf einen mit einer Gymnastikmatte abgedeckten Marmortisch legen und wurden bearbeitet. Zunächst mit dem berühmten rauhen Handschuh abgerubbelt, aber nicht mit der schwarzen Seife, die ich aus Marokko kenne. Versprochen auf der Webseite war, dass jeder einen eigenen Handschuh bekommt, den er später mit nach Hause nehmen darf. Auch das kenne ich aus Marokko, wurde hier aber nicht gemacht, es war ein bereits benutzter (hoffentlich gewaschener Handschuh), den wir auch nicht mitbekamen. Für uns beide der gleiche. Danach wurde es interessant. Ein Leinenbeutel wurde mit Seifenlauge aus einem Eimer gefüllt, hin und her geschüttelt, wobei sich schöner Schaum bildete und der dann auf unserem Körper ausgeleert. Dreimal das Ganze und dann wurde massiert. Insgesamt muss ich sagen, dass die Zeiten, die im Programm angegeben war, doch eher verkürzt wurden. Auch die 15 minütige Massage später, die in Marokko immer mindestens 30 Minuten dauert.

Danach ging es in den Ruheraum. Da Geli Geburtstag hatte, hatte ich für uns ein Piccolo dabei, aber das wurde uns nicht erlaubt. Speisen und Getränke darf man nicht mitbringen. Es gab dann ein Glas türkischen Tee und eine kleine Obstplatte, das war wirklich nett, aber ein Extragetränk wie in der Beschreibung gab es nicht. Der Ruheraum ist angenehm mit großen, bequemen Liegen, auf denen allerdings keine Tücher lagen. Die anderen Damen war zum Teil Türkinnen, zum Teil aber auch Deutsche. Ein Badeanzug ist übrigens vorgeschrieben. Die 7 Wochentage sind streng aufgeteilt, 3 Damentage und 4 für Männer, mal wieder total ungerecht.

Zwischendurch kam die Masseuse und holte uns ab in den Massageraum. Es wurde nur auf der Rückseite massiert, vielleicht 10 Minuten und dann wurde ich in Handtücher eingepackt, um noch ein wenig zu ruhen. Wieder zurück im Ruheraum beschlossen wir, auch die Sauna einmal auszuprobieren, wir sind beide wirklich erfahren darin. Aber hier konnten wir es nicht aushalten. Es war fast 120 Grad heiß, 5 Minuten war das Äußerste, dann mussten wir raus, wobei ich mich noch an den Schrauben verbrannte, mit denen der Türgriff angeschraubt ist. Dann noch ein wenig ruhen und nach knapp 3 Stunden ging es wieder nach Hause.

Als Fazit kann ich sagen, wenn man die schönen Hammams in Marokko kennt (über die Türkei kann ich nicht urteilen) ist das Angebot hier eher unterdurchschnittlich zu einem stolzen Preis. Wir haben es genossen, weil es ein besonderer Tag war, aber ich müsste nicht noch einmal hin. Vor allem nicht zu dem offiziellen Preis.

Für mehr Infos: www.omhara-hamam.de

Vibroshaper – mein persönliches Fitnessstudio zu Hause

Ich habe große Probleme mit meinen Füßen, die eigentlich eine OP erfordern. Bin immer gerne gejoggt durch den Taunus zur Platte, aber es geht einfach nicht mehr. Mein Körper könnte, selbst die Füße machen mit. Aber danach kribbelt es, die Zehen sind taub. Und es wurde immer schlimmer. Eine OP wollte ich nicht, denn das bedeutet, dass ich 3 Monate absolut immobil bin. Und so war ich ziemlich unschlüssig was ich tun sollte.

Joggen war immer einfach ab Haustür möglich. Ein Fitnessstudio, zu dem ich erst Autofahren muss, wollte ich auf keinen Fall. Das winzige Studio in meinem Ort hat auch nur eine winzige Kundschaft, und das ist ein oller Lästerhaufen, da wollte ich absolut nicht hin. Da wird mehr getratscht als trainiert, ich ziehe große, anonyme Studios vor. Was also tun?

Und dann stieß ich, als ich so von Sender zu Sender klickte, auf den Mediashop im TV. Die stellten eine Vibrationsplatte vor. Das hat mich doch sehr interessiert, aber nie würde ich etwas in einem TV-Shop kaufen.

Am nächsten Tag also studierte ich eingehend das Internet. Es gab gute und schlechte Kritiken, ich gebe sogar zu, dass die schlechten überwogen, so wie: Schrott, Betrug, Geldmacherei. Aber bei näherem Hinsehen erschienen mir die negativen entweder von Leuten zu kommen, die das Gerät überhaupt nicht haben, oder von Übergewichtigen, die die Platte in der Hoffnung auf einfache Gewichtsabnahme kauften, für die man nichts tun muss. Das trifft auf mich ja nicht zu. Mein Gewicht ist okay, auch wenn es mich unheimliche, mentale Kraftanstrengung kostet, alles was ich will, ist einen Muskelaufbau. Immer nur auf der Couch oder am PC sitzen trägt nicht gerade zu einer guten Konstitution bei, ich wollte einfach, dass meine Muskeln wieder trainieren ohne meine Füße zu überlasten. Fahrradfahren mag ich nicht, schon gar nicht im hügeligen Taunusstein, und Schwimmen macht mir auch nicht so viel Spaß, obwohl ein Pool im Haus ist.

Und da erschien mir die Vibrationsplatte einfach ideal.

Wie also komme ich schnell und preiswert an das Gerät? Es gibt verschiedene Anbieter, so etwa von 200 bis 350 Euro. Im Mediashop hätte sie 300 + Porto gekostet. Der billige Anbieter klang ja gut, aber seine Lieferzeit war irgendwann im August. Nichts für mich. Aber dann endlich fand ich den Activshop, die Platte kostet 255 Euro inkl. Porto und war genau am nächsten Tag da. Sogar auf Rechnung. Das nenn ich doch mal Service.

Noch bevor das Paket eintraf musste ich aber zum Hausarzt, was immer ein Erlebnis ist. Mehr als über Krankheit schwätzen wir über Urlaube und Aktivitäten, bei Reisen habe ich dem Arzt ja einiges voraus. Ich nenne hier auch lieber nicht seinen Namen, damit die Patienten nicht ärgerlich werden, wenn ich mal wieder so lange im Sprechzimmer sitze für ein Rezept (aber ich glaube, er ist zu allen so nett). Und so kamen wir auch auf die Vibrationsplatte. Er flippte total aus, sagte, die ist toll und er habe auch eine. Zwar nicht die gleiche, denn er hat sie schon länger, aber nach dem gleichen Prinzip. Sagte, dass auch einige Physiotherapeuten in der Region eine Platte haben und damit gute Erfolge erzielen. Auch bei Rückenproblemen.

Nun ja, mein Rücken ist auch nicht mehr der Jüngste und kann Entspannung gut gebrauchen. Also habe ich das ganz schön schwere Paket sofort ausgepackt, die Platte wiegt 12 kg, und gleich benutzt. Es liegt ein Poster mit verschiedenen Übungen bei, sogar in vielen Sprachen. Aber richtig hilfreich ist das nicht. Und so entsann ich mich meiner Erfahrung von letzter Woche und schaute in youtube. Und natürlich, das war es! Super nette Trainingsfilmchen gibt es da, mein Favorit sind die zwei hübschen Südamerikanerinnen, die ich zwar nicht verstehe, aber man muss ja nur nachmachen, was sie vormachen.

Okay, ich gebe es zu, habe die Platte nun erst drei Tage im Gebrauch und kann noch nichts Langfristiges sagen, aber bisher bin ich begeistert. Mache täglich 20 Minuten Workout und am Abend lege ich noch mal nur meine Waden auf die Platte, um hoffentlich dem nächtlichen Wadenkrampf vorzubeugen.

Ich werde alt!

Bisher habe ich immer geglaubt, ich komme mit der modernen Technik gut zurecht. Habe länger einen PC als mein Sohn, dem ich die ersten Schritte beigebracht habe, habe ihm und mir schon 1990 ein Mobiltelefon gekauft, als noch kaum jemand so etwas hatte, nutze heute Smartphone und social media stündlich.

Und doch bin ich nicht auf der Höhe der Zeit. Habe für eine befreundete Familie einen Kinderwagen abgeholt. Ein super Gefährt, bestehend aus drei Teilen, die man jeweils am Fahrgestell befestigen kann. Der Sportwagen war angeschraubt, wir brauchten für das Neugeborene aber die Wanne. Bloß, wie bekommt man das Sportwagenteil ab? Ich hab hin und her gesucht, probiert, geruckelt. Nichts. Leider war die Beschreibung nicht dabei, ich suchte auf meinem Smartphone und versprach der Familie, zu Hause die Beschreibung auszudrucken und vorbei zu bringen.

Da sagt doch Zena, Zena, die kaum richtig schreiben und lesen kann, du musst in youtube schauen. Ich, wieso? Was soll ich da finden? Ich suche auf der Webseite der Firma und druck es euch zu Hause aus.

Doch dann, klammheimlich, gab ich den Markennamen in youtube ein. Und bekam einen wunderschönen Film, der mir genau die Handhabung des Wagens erklärt! Oje, ich muss immer noch dazu lernen.