Es geht los …

Das dumpfe Grollen ist überall, Harleys dominieren die Stadt, die Bikeweek 2019 hat angefangen. Man muss es mögen, und ich tue es, denn das Leben ist doch sehr verändert. Überall Staus, was wir sonst nicht kennen, überall haben die Bikes die Vorfahrt, überall röhrt es. Hundertausende sind in der Stadt und in ihrem Umkreis und man sieht sie.

Gestern Morgen hatte ich ein Meeting in Deland. In einem Privathaus und das war wieder eine schöne Gelegenheit für mich, zu sehen, wie die Menschen hier wohnen. Und wieder einmal beneide ich sie um ihren Lebensstil. Hier wohnt man schöner, lebt intensiver. Wenn ich meine einfache Wohnung mit dem Leben hier vergleiche, oder auch das Haus, in dem mein Sohn wohnt. Hier hat man mehr Platz, die Häuser sind raffinierter geschnitten, es gibt zu jedem Schlafzimmer ein Bad und die sind oft richtige Badepaläste. Ach, wär ich nur in Florida geboren ….

Aber egal, ich mache ja das Beste daraus und bin – fast – mit meinem einfachen Trailer zufrieden. Irgendwie möchte ich ja schon mein Leben nochmal von vorn anfangen.

Auf dem Rückweg nach Port Orange dann war Deland’s Hauptstraße gesperrt, für die Biker natürlich. Ich hätte ja am liebsten geparkt und mir alles angeschaut, aber das ging nicht. Als ich am Morgen zu dem Meeting losfuhr wollte ich unterwegs tanken, griff nach meinen Geldbeutel mit Kreditkarte, Führerschein und alles was wichtig ist, aber er war nicht da. Zu Hause gelassen. Wenn ich zurück fahre verpasse ich mein Meeting, vor mir liegen 27 Meilen hin und 27 zurück, die Tankanzeige sagt, ich habe noch Sprit für 90 Meilen. Also los. Aber eben ohne Führerschein und mit den vielen Bikes ist die Polizei schon präsent. Also ging es auf dem schnellsten Weg Richtung Heimat. Dazu fährt man den Highway 44 von Deland nach New Smyrna Beach und ich habe noch nie so viele Bikes darauf gesehen. In ganzen Gruppen kamen sie, hunderte, tausende.

Zuhause dann war nicht nur mein Geldbeutel, sondern auch eine Nachricht von Carla. Ich hatte sie im letzten Jahr kennengelernt und wir waren sofort ein Herz und eine Seele. Aber sie ging zurück zu ihrem Mann, der weiter südlich wohnt und ich hatte den Eindruck, sie will vom Leben hier nichts mehr wissen. Hatte ihr nur kurz eine SMS geschickt wegen der Bikeweek. Und nun schrieb sie, sie sei extra gekommen und warte auf mich in der Main Street. Aber schon ein paar Stunden. Also schnell ins Biker Outfit gewechselt und hingefahren. Die Main Street ist in Daytona Stadt das Zentrum für die Biker, sie patrollieren auf und ab, die Läden führen Bikerzubehör und man muss sich einfach sehen lassen. Und da war Carla mit ihrem David, den ich noch nicht kennen gelernt hatte. Ein netter ruhiger Mann. Sofort zog mich Carla hoch zum Tanzen und es war einfach wieder schön. Mein letztes Wochenende hier werde ich die beiden besuchen fahren.

Eine Liebesgeschichte

Vor ein paar Tagen habe ich Susan, eine nette Amerikanerin, kennengelernt. Wir waren zusammen auf der Mardi Gras Parade, einem Karnelvalsumzug in New Smyrna Beach. Der hat mich ziemlich enttäuscht. Klar kann man nichts mit dem deutschen Karneval vergleichen, und auch in New Orleans, wo Mardi Gras herkommt, ist die Parade schon etwas anders. Okay, New Smyrna Beach ist nur ein ziemlich kleiner Ort. Doch sind selbst die Xmas-Paraden größer und vielfältiger. Was aber interessant war, man hat nicht wie bei uns mit Bonbons geworfen, sondern mit Perlenketten. Das hatte ich auch schon mal auf dem Silvesterfest in der Main Street in Daytona Beach erlebt.

Mardi Gras

Warum Perlen? Winzige Marken, die Wohlstand, Gesundheit und langes Leben repräsentieren, sind seit Jahrhunderten Teil der Menschheitsgeschichte. In Ägypten wurden Jetons in der Hoffnung verteilt, dass sie ein glückliches Leben nach dem Tod garantieren würden. Menschen, argumentiert der Archäologe Laurie Wilkie, zeigen eine Vorliebe für glänzende Objekte. Die klassischen Karnevalsfarben in New Orleans sind Violett, Gold und Grün. Dabei steht Grün für Glauben und Vertrauen, Gold für Kraft und Violett für Gerechtigkeit. Es ist ein möglicher Grund, warum Mardi Gras so viele Menschen  anzieht, die mit den Armen in der Luft begierig sind, ein billiges Plastikgeschenk zu erhalten. Und dort in dieser großen Stadt sollen auch besonders junge Frauen bereit sein, ihren blanken Busen zu zeigen, um eine Perlenkette zugeworfen zu bekommen. Das war in New Smyrna Beach nicht nötig.

Wir haben uns dann für den nächsten Tag in Port Orange verabredet, da meine Lieblingsbar dort am Mittwoch den Start der Bike Week feiern wollte, mit der Band Crashrockett, eine der beliebtesten lokalen Rockbands.

Eine Enttäuschung

Ich hatte mich so richtig auf einen Abend mit ausgelassenem Tanzen gefreut, denn Susan zeigte, dass sie sehr gern tanzt. Umso größer war die Enttäuschung, als sich heraus stellte, dass First Turn die Veranstaltung gecancelt hatte. Es war einfach zu kalt und man fürchtete, nicht genug Bier zu verkaufen, um die Band bezahlen zu können. Ich war total enttäuscht. Susan traf ein, auch noch Barbara, eine weitere Dame vom Fat Tuesday. Um es etwas auszugleichen lud ich die beiden zu mir nach Hause ein, denn ich wohne ja in der Nachbarschaft. Und das wurde ein richtig schöner Abend.

Susan erzählte mir, wie sie an ihren Ehemann kam. Und ich fand das so eine tolle Story, die wäre es wert, ein Buch darüber zu schreiben. Natürlich hat sie nur die Eckpunkte erzählt und die kann ich auch nur weitergeben, aber es genügt, um vor Rührung Tränen in die Augen zu bekommen.

Susan ist in den USA geboren, aber ihre Eltern stammen aus Serbien. Häufig fuhr die Familie dorthin in den Urlaub, sie stammten aus einem ziemlich kleinen Ort. Als Susan 13 Jahre alt war traf sie dort den jungen Dragan, 20 Jahre alt, der schönste Mann im Dorf. Sie verliebte sich sofort Hals über Kopf in ihn. Doch der Gute wollte nichts von ihr wissen, schickte sie heim zur Oma, sie solle ihre Milch trinken und früh ins Bett gehen. Susan war zwar beleidigt und musste nach Ende der Ferien zurück in die USA, vergaß ihren Dragan jedoch nie. Doch das Leben nimmt so seinen Lauf und mit 17 Jahren heiratete sie. Bekam einen Jungen. Doch kein Wunder bei so einer Frühehe, es ging schnell schief und mit 20 Jahren war Susan allein mit ihrem Sohn.

Auf der Suche nach Dragan

Sie hatte Dragan nie vergessen, hatte ihm auch geschrieben, aber er hatte es nie für Wert gehalten, ihr zu antworten. Daher hatte sie keine Ahnung wie sein Leben inzwischen aussah, ob er vielleicht verheiratet war. Trotzdem fasste sie einen Entschluss und fuhr nach Serbien. Mit dem festen Willen Dragan zu finden und zu heiraten. Susan kam im April an, von Dragan keine Spur. Es ist ein kleines Dorf, jeder kennt jeden, und so erfuhr sie schnell, dass er eine Arbeit hat und von seiner Firma nach Japan geschickt worden war. Susan ist redselig, und so erfuhr der ganze Ort von der Absicht der Amerikanerin, auf Dragan zu warten, ihn zu heiraten und mit nach Amerika zu nehmen.

Doch Dragan war nicht da. Eine Tages im Juni ging Susan zusammen mit Kusinen und Freunden in eine Kellerbar,  ihr Dorf hat nur zwei Läden, aber fünf Bars, und auf der Treppe kam ihr Dragan entgegen. Es war, als träfe sie ein elektrischer Schlag. Aber auch er war in einer Gruppe, es gab nur ein großes Hallo und jeder ging seiner Richtung. Susan ging nach Hause, voller Wünsche und Erwartungen, aber hielt es dort nicht aus. Und tatsächlich, auf der Dorfstraße traf sie Dragan. Der natürlich auch längst von dem Dorfklatsch gehört haben musste.

Sie machten einen Spaziergang und Dragan erzählte von seiner Arbeit in Japan, aber auch, wie sehr er seine Heimat vermisst habe und so froh war, wieder zu Hause zu sein. Er hatte nie geheiratet, weil er zwar einer der bestausehendsten Männer im Dorf war, aber so arm, dass ihn niemand heiraten wollte. Er lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen, zusammen mit seiner Mutter in nur einem Zimmer, aber er hatte die Mutter sehr vermisst. Susan, die im Inneren ja ganz genau wusste, was sie wollte, fragte nur, also würdest du nicht mehr aus Serbien fortgehen? Er ahnte wohl, was hinter der Frage steckte und meinte nur, mal sehen, das weiß ich noch nicht.

Sie verabredeten sich ein weiteres Mal und ein drittes Mal und bis dahin gab es noch nicht mal so viel wie einen Kuss. Und da konnte Susan nicht anders, sie fragte ihn rundheraus: willst du mich heiraten?

Und er sagte ja.

Dragan wollte sie küssen, doch Susan wehrte ab. Ihr zweijähriger Sohn war beim Onkel und sie sagte, bevor er sie küssen darf müssen sie erst zum Onkel gehen und die Verlobung öffentlich bekanntmachen. Man muss mal eines bedenken: Es war in den 1980ern! Aber gesagt getan, Dragan war einverstanden und der Onkel öffnete den Selbstgebrannten. Und heute sind sie seit 30 Jahren glücklich verheiratet und haben zum Erstgeborenen noch zwei weitere Söhne. Ich kenne nur einen, aber das ist ein toller junger Mann.

Maul zu – für einen guten Zweck

Vor ein paar Wochen hatte ich das Foto dieses jungen Alligators in facebook gepostet, ich gebe zu etwas provokativ mit der Frage, ob das nicht ein Haustier für die Taunussteiner wäre. Ein Sturm der Entrüstung löste das aus. Tierschutz und so. Nun möchte ich euch etwas über den Hintergrund erzählen. Die Lyonia Preserve ist ein staatliches Naturschutzcenter, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Natur zu schützen und die Bevölkerung aufzuklären. Sie machen vor allem auch viele Veranstaltungen für Schulen.

https://www.volusia.org/services/community-services/parks-recreation-and-culture/land-management/conservation-lands-map/lyonia-preserve.stml

Das Alligatorfoto ist auf dem jährlichen Festival entstanden. Laura Albert arbeitet dort als Outreach Coordinator, das heißt sie leitet viele dieser lehrreichen Veranstaltungen. Sie hat nicht nur immer Schlangen um ihren Hals hängen, sondern ist auch für den Alligator verantwortlich. Natürlich nimmt man den Tierschutz sehr ernst und hat genau das Für und Wider abgewägt. Aber eine Veranstaltung, an der ein lebender Alligator teilnimmt und ein paar Schlangen, ist einfach besser besucht, als wenn nur trockene Theorie verbreitet wird. In der Preserve leben nur einige Alligatoren, die krank sind und sich in der Natur nicht durchschlagen könnten. So ist der auf dem Foto blind. Das Klebeband muss trotzdem sein, aus Sicherheitsgründen, aber es ist ein leichtes Band, das dem Tier nicht weh tut. Laura sagt, ein Alligator, der das nicht will, der lässt sich das Maul nicht zukleben. Es ist eigentlich mit einem Maulkorb für Hunde vergleichbar. Auch Hunde mögen das nicht besonders, es muss aber manchmal sein. Wenn sie ins Gehege gehen, um ein Tier auszuwählen, dann gibt es welche, die weglaufen, und andere, die auf die Menschen zukommen. Für den öffentlichen Vortrag werden natürlich nur letztere ausgesucht, denen das nichts ausmacht. Ich kenne Laura gut und weiß, wie gut und tiergerecht sie die ihr anvertrauten Kreaturen behandelt, ihr braucht euch also keine Sorgen zu machen.

Florida oder Marokko?

Die Saison für Wohnmobilreisende, also für die Mehrzahl meiner Reiseführer-Kunden, ist Winter bis Frühling. Dann sind sie unterwegs im Land und genießen das schöne Wetter in ihren Wohnburgen. Ich habe kein solches Gefährt, nur meinen kleinen Geländewagen und schlafe in Hotels. Und so schön die auch sind, nach 2 – 3 Monaten bin ich es einfach leid, immer aus dem Koffer zu leben. So habe ich hier in USA mein schönes Plätzchen gefunden und liebe es sehr. Für fest zu Wohnen ist es für mich hier sehr viel schöner und abwechslungsreicher als Marokko.

Doch einige Leute, die von meinen Aktivitäten im Blog oder in Facebook lesen, wundern sich. Viele meckern vielleicht nur vor sich hin, andere schreiben mir auch. Was ich denn in USA mache, warum ich nicht in Marokko bin. Also, ich muss ja nun wirklich nicht 12 Monate im Jahr in Marokko sein, um einen aktuellen Reiseführer zu schreiben. Und ich muss auch nicht gleichzeitig mit den Schreibern der Emails im Land sein. Keine Sorgen, ihr Lieben da draußen, Marokko ist für mich nicht vergessen, ich war zuletzt im September dort und ich werde auch 2019 wieder dort sein. Nur eben jetzt nicht.

Und Marokko ist ja auch in Florida in meinen Gedanken. Ich arbeite täglich, ich bin ja nicht auf Urlaub, sondern habe nur meinen Wohnsitz verlegt. Ich bin Frühaufsteher und nach dem Frühstück wird gearbeitet. Über Nacht kommen Anfragen, ich bin ständig mit meinem super guten Mitarbeiter in Kontakt und habe über alles den Überblick. Schreibe an meinen Büchern, beantworte Anfragen. Danach kann ich Kayak fahren.

Reisen nach Marokko

Aber meine Lieblingsarbeit ist es, Reisen zu organisieren. Und am liebsten ungewöhnliche. Schon im Herbst hat es mir großen Spaß gemacht, eine Reise für eine Mutter mit ihrem Sohn zusammen zu stellen, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, meine Pilotenreisen sind ja fast schon Routine geworden, aber jetzt kam doch wieder etwas neues. Zwei junge Männer wollten etwas besonderes erleben, wollten auf eine Kurzreise nach Marokko ohne ihre Freundinnen und es sollte etwas sein, wofür die Mädels zu ängstlich sind, sie wollten sich einfach etwas beweisen und Spaß haben. Na gut, das kann man in Marokko. Sie dachten zum Beispiel an eine Quadfahrt, von mehr wagten sie nicht zu träumen. Der Haken an der Geschichte, sie haben nur wenig Zeit, allzu lange dürfen sie nicht frei laufen, haha. Also 3 Tage Abenteuer. Schnell haben wir Handynummern ausgetauscht und uns via Whatsapp verbunden, wie schön, wie heute alles so einfach ist. Und ganz schnell kristallisierte sich das geeignete Abenteuer heraus.

Sie werden einen Mietwagen nehmen, einen Geländewagen. Natürlich kann man Marokko ganz alleine bereisen, aber ganz sicher nicht zum Erg Chegaga ohne jede Wüstenerfahrung und in kurzer Zeit. Also bekommen sie einen Fahrer mit, der daneben sitzt und Tipps gibt. Zuerst natürlich mal, wo die Polizeikontrollen stehen. Und dann in der Wüste. Wie fährt man im Sand? Wo ist die verdammte Piste. Und wie kriegt man den Wagen wieder heraus, wenn er eingesandet ist. Sie werden am ersten Tag über Telouet und Ait Benhaddou nach Zagora fahren. Zwar alles Asphalt, aber dennoch so ganz anders als die deutschen Autobahnen. Am nächsten Morgen dann ab in die Wüste. Hier haben wir den ganzen Tag für Sandspiele angesetzt. Und auch am Morgen danach ist noch genug Abenteuer zu erwarten, wenn es durch das FechFech gleich hinter dem Camp geht, wo ich selbst schon stecken geblieben bin. Wenn sie dann in Foum Zguid ankommen heißt es natürlich direkt zurück nach Marrakech, denn 3 Tage sind halt nicht länger.

Ich fand das ganze Projekt so schön und nachahmenswert, dass ich es gleich als Tour in meiner Webseite aufgenommen habe.

http://marrakechtours.de/chegaga-for-boys.html

Gator-Schreck Edie

Alligatoren am Land liegend habe ich ja schon viele gesehen, aber wie es so ist, wenn sie im Wasser schwimmen, das hatte ich noch nicht erlebt. Nun aber weiß ich alles über die lieben Tierchen und ich glaube, so langsam spricht es sich in ihrer Reptiliengemeinde herum, dass man diesem pinkfarbenen Kayak besser nicht begegnet. Neulich schon im Blue Springs Park lag so ein kleiner Junge am Ufer, ich musste ihn natürlich möglichst nah aufnehmen und schwupps war er unter Wasser. Nun weiß ich also ganz genau Bescheid. Wenn sie ruhig am Ufer liegen kann man bis knapp 10 m heranrudern und sie bewegen sich nicht. Wenn sie vor einem im Wasser schwimmen und das Kayak sehen dann tauchen sie unter. Man hat noch nie davon gehört, dass sie ein Kayak umstoßen, Manatees können das schon eher. Und wenn man sich näher als 10 m heran wagt dann springen sie halt ganz schnell ins Wasser und sind weg, wie heute der ziemlich große Kerl.

Bewölkt

Heute stand kein Event im Kalender, aber meine Sinne standen unbedingt auf Oudoor. Raus, egal wohin. Aber nicht zu weit. Habe die Parks in der Nähe studiert, ich kenne sie einfach schon alle. Fehlt mir noch ein Biketrail? Ja, eine Menge, aber nicht in der Nähe. Während ich hin und her überlegte kam eine Email rein: Wir gehen kayaken, kommst du mit?

Ich habe den PC so schnell ausgeschaltet dass ich noch nicht mal auf den Antwort-Button drücken konnte, zog mich an, spannte das Kayak aufs Dach und weg war ich. Erreichte das Ziel um 9:58, die beiden Damen kamen um 10:03. Wenn das kein Timing ist. Es war ein trüber Tag und es sollte am Nachmittag regnen, aber wir wollten vorher noch etwas tun. Und schön war es wieder.

Komisch, zuhause in Taunusstein will niemand etwas mit mir unternehmen.

St. Joe Walkway in Palm Coast

Die letzten Tage waren angefüllt mit Arbeit, aber irgendwann muss ich dann auch wieder raus, die Biketrails locken und ich muss einfach wieder etwas anderes sehen. So fuhr ich gestern nach Palm Coast, etwa 55 km von mir entfernt. Dort sollte am Community Center ein kleiner Trail beginnen, der zum Fluss führt, der St. Joe Walkway. Parkte am Community Center auf dem großen Parkplatz, aber sah natürlich den Wald vor Bäumen nicht, d.h. meinen Biketrail. Also habe ich im Center nachgefragt und die junge Dame war sehr glücklich, dass sich jemand dafür interessiert, kam mit vor die Tür und zeigte mir stolz den Beginn. Der eigentlich nicht zu übersehen war. Palm Coast ist ein hübscher, ziemlich neuer Ort, wo vor allem sehr gehobene Wohnanlage für die vielen amerikanischen Rentner sind, die für den Rest ihrer Jahre eine schöne, warme Umgebung suchen. Und so gibt es auch viel Natur. Der Biketrail ging sehr urig durch dichten Hammock entlang eines Kanals, bald schon war ich am Fluß wo unzählige Boote vor Anker lagen. Aber was ich dann sah war doch ein First. Ich kam zum Childrens Memorial Garden. So etwas habe ich noch nie gesehen. Hier gedenken Eltern ihrer verstorbenen Kinder. Um den Biketrail bzw. Spazierweg sind viele Bänke und davor sind Gedenksteine für die Kinder, oft auch umgeben von ihren Lieblings-Spielsachen. Ich finde  das so schön. So schlimm es ist ein Kind zu verlieren, aber hier erinnert man sich in schöner Umgebung.

Der Biketrail ist wirklich hervorragend ausgeschildert und er ist mit weiteren Trails verbunden, so zum Beispiel dem Trail im Graham Swamp, einem Sumpfgebiet. Da man dort nicht fahren könnte wurde ein langer Brettersteig gebaut. Es raschelt und zwei Rehe kreuzen meinen Weg. Erst ärgere ich mich, mal wieder die Kamera nicht schussbereit zur Hand, aber der Ärger war umsonst, denn das nette Reh stellte sich in Position und wartete, bis ich ein schönes Foto geschossen hatte. Wie gut, dass ich kein Jäger bin. Aber es ist ja ein Naturpark und Jagen ist hier verboten, das weiß es vermutlich.

Wieder einmal fasziniert es mich und macht mich neidisch, wie viel Geld der Staat Florida ausgibt für seine Einwohner. Ich komme an den Winterpark Trailhead und auch hier natürlich wieder ein Gebäude mit ordentlichen WCs, Trinkwasser und einer Reparaturstation für die Fahrräder.

Wohnen in Florida

Gerade komme ich von einem zweitägigen Ausflug zurück, der mir einen weiteren Einblick gegeben hat, wie man so in Florida lebt. Das Wohnumfeld hat ja sehr viel mit der sozialen Klasse zu tun. Ich selbst lebe in einer Gegend, in der Mobilheime auf eigenem Grund stehen. Sie sind nicht mehr mobil, stehen fest auf dem Land. Und die Besitzer leben meist selbst darin. Hier in meiner Gegend sind dies, wenn es Einheimische sind, meist Menschen mit einer geringeren Rente, doch ausreichend zum Leben. Doch gibt es fast zur Hälfte Häuser von Snowbirds, das heißt Leute aus dem Norden der USA oder Kanada, die hier ein Ferienhaus haben und den Winter verbringen. Nicht weit ist eine Mobilhome Community. Das sind auch meistens Snowbirds, aber die Mobilheime stehen nicht auf eigenem Grund, sondern gehören zu einer Gesellschaft, die monatliche Leasingraten verlangt (etwa 500 $), dafür aber ein Clubhaus mit Pool und Fitnessraum anbietet. Sicher ist, wenn ich in Florida gelebt hätte mit ähnlichem Beruf und Einkommen wie in Deutschland, ich hätte in einer besseren Gegend gewohnt.

Mein Ausflug führte mich nach Oviedo, ich wollte 2 Nächte dort bleiben und musste feststellen, dass es dort keine Hotels gibt. Also habe ich in AirB&B geschaut und ein tolles Haus gefunden, ich habe neulich schon ein Foto gezeigt. Nun kann ich also berichten. Das Haus steht in einer Subdivision, das ist ein Neubauviertel, von einer Baugesellschaft gebaut. Die Häuser sind immer etwas unterschiedlich, auch in der Größe, werden mit Grundstück verkauft, aber auch in einer solchen Subdivision ist meist ein Wohngeld für Gemeinschaftsanlagen zu zahlen. Auf dem Foto sah das Haus ja sehr herrschaftlich aus, man glaubte, der Besitzer muss mindestens Millionär sein. Real war es doch etwas anders. Das Haus ist schön und auch recht neu, aber die Grundstücke sind nur klein, stehen dicht an dicht, was ich so aus Daytona Beach nicht gewohnt bin. Aber Orlando ist nah, Wohnraum ist gefragt, und zu den größten Arbeitgebern der Oviedo Area gehört – für mich überraschend – Siemens.

Das Haus mit 6 Schlafzimmern hat rechts und links der Eingangstür je eine Doppelgarage (ein unerfüllbarer Traum für jeden Deutschen). Nach dem Eintritt kommt man zunächst in eine große Diele mit Sitzgelegenheiten, von der man den Blick auf den Pool hat, der durch einen Screen (gegen die Moskitos) eingerahmt ist. Recht geht es dann zur großen Küche, die in einen Wohnbereich übergeht. Links lag mein Zimmer. Es gab zwar noch ein, zwei Türen, aber da habe ich nicht reingeschaut, es wird jedenfalls nur ein Zimmer zur Miete angeboten. Von meinem Zimmer führte eine Tür in den Kleiderschrank, eine andere ins Bad mit Dusche. Groß genug, fester, heißer Wasserstrahl. Eine weitere Tür führte hinaus zum Pool. Der war leider nicht gepflegt, der Hausherr sagte mir, sie schwimmen nicht und auch der Jacuzzi wurde nicht genutzt. Was für ein Jammer. Die Familie selbst wohnt im oberen Bereich, wie viele Badezimmer es dort genau gibt kann ich nicht sagen. Und die Klimaanlage ist super und sehr leise.

All das würde in Deutschland Luxus hoch drei bedeuten. Deshalb war ich auch sehr gespannt, etwas über die Familie zu erfahren. Und das war doch ziemlich überraschend. Die Familie stammt aus Indien, kam 2010 nach Kanada und hat die kanadische Staatsbürgerschaft. Der Mann wurde von Siemens geholt, ist aber kein IT-ler wie man denken könnte, sondern bezeichnete sich als Techniker. Im Jahr 2017 schickte ihn Siemens dann nach Florida. Dass er kein Manager ist sah man daran, dass er eher einen „9 to 5“ Job hat. Die Frau ist Lehrerin, sie haben zwei Söhne. Der eine ist noch in Kanada und studiert dort Medizin, der andere ist zu Hause. In dem Riesenhaus wohnen also 3 Personen und die Einkommensschicht erscheint mir ziemlich durchschnittlich, so wie in meinen Kreisen in Deutschland. Ich finde es wunderschön, was eine Migrantenfamilie in Amerika erreichen kann, so was ist in Deutschland nicht so einfach, denn selbst eine deutsche Familie kann sich kaum ein solch hübsches und großes Haus in dieser Einkommensklasse leisten. Da kann man schon ein wenig neidisch auf USA werden.

Von daher gebe ich der Unterkunft auf jeden Fall 5 Sterne, vor allem auch, weil beide Hausherren sehr freundlich waren. Lata fragte oft, ob sie noch etwas für mich tun kann und versorgte mich gleich mit Papierfiltern für die Kaffeemaschine. Auch die Nähe zu meinem Biketrail und zu einem Park, den ich noch besuchen wollte, waren ideal, ich würde jederzeit wieder hingehen.

Aber – eines muss ich doch anmerken. Ja, ich habe mir gewünscht, dass dies mein Haus wäre. Dass ich es einrichten könnte. Ganz klar würde ich als erstes den Pool in Ordnung bringen und vor allem den Jacuzzi. Aber ich würde auch eine richtig gemütliche Einrichtung hinein bringen. Das Familienzimmer war eher kalt und ungemütlich, da hat viel gefehlt. Ach, warum haben immer die falschen Leute so schöne Häuser. Sorry, aber man kann ja mal träumen. Ich gönne es ihnen von Herzen.

Multi-Use-Trails in Florida – Deutschland sollte sich ein Beispiel nehmen

So leicht schaut man auf die Amerikaner herunter, sieht sie als faul an und dass sie ja keinen Meter laufen wollen. Nun – wie alles im Leben stimmt das so nicht. Ich kann nicht über die anderen US-Staaten sprechen, kenne nur Florida, aber hier wird von Staatswegen sehr viel für Freizeitsport getan. In Naturparks gibt es ausgewiesene Hikingrouten oder Biketrails, auch schwierige für Mountainbikes, es gibt unendlich viele Stellen, wo man mit einem Boot jeder Größe zu Wasser gehen kann, aber was mir am meisten imponiert, sind die hervorragenden Multi-Use-Trails. Das sind gut angelegte, asphaltierte Wege für Biker, Skateboard-Fahrer, Spaziergänger oder was auch immer man ohne Motor fahren kann. Sie sind meist abseits von Verkehrsstraßen mitten in der Natur, werden Straßen gekreuzt, sind diese Übergänge meist gut gesichert, und unterwegs auf dem Trail gibt es immer wieder Sitzbänke, WC, Trinkwasser und Reparaturstationen mit Luftpumpe. An den Endpunkten, aber auch zwischendurch, sind Trailheads, an denen man sein Auto parken kann, meist mit WC und anderen Einrichtungen, und alles ist sauber und gepflegt. Der Renner war an einem Trailhead bei Lake Mary, dort gab es sogar einen Automaten mit kostenloser Sonnencreme. Und oft sind an den Mountainbiketrails sogar Bike-Waschanlagen, damit man das dreckverspritzte Fahrrad so nicht mit nach Hause nehmen muss. Doch das absolute Highlight ist der Seminole-Wekiwa Trail, der bei Longwood an dem Bretterzaun, der den Trail einrahmt, etwa 500 Gemälde von Künstlern angebracht hat, eine Open-Air-Kunstgalerie.

Alle Multi-Use-Trails sind kostenfrei zugänglich, nur einige Naturparks kosten eine Eintrittsgebühr, ca. 2 $ pro Biker oder 4 – 6 $ für ein Fahrzeug voller Personen. Deutschland könnte sich da eine dicke Scheibe abschneiden. Und ich bin dabei, ein Buch über diese Trails zu schreiben. Auf dieser Seite kann man sich den Entwurf herunter laden.

http://www.florida.mobilunterwegs.eu/fahrrad.html

Es kommt manchmal anders als man denkt

Am Mittwoch sollte die Reise losgehen, auf die ich mich so gefreut hatte. Am Nachmittag zuvor wollte ich noch einiges besorgen und dann packen. Vorher musste ich im Garten noch ein Loch schließen, durch das Tiere wie mein Kater unter den Trailer kommen und einiges kaputt machen können. Direkt an dem Loch ist auch das Kabel, das ins Haus geht und Internet bringt. Wer als Deutscher sieht, wie hier Installationen gemacht werden, ist geschockt. Stromkabel und Internet hängen lose herum, Wasserleitungen sind ganz kurz unter der Erde vergraben. Wollte schnell noch mal meine Emails checken. Nichts. Kein Internet. Router neu gestartet, nichts. Also Spectrum angerufen, mein Internet Provider. Es wurde geprüft, aber keine Verbindung zum Router bekommen. Ja, es könnte an einem losen Kabel liegen. Okay, man will einen Techniker schicken. Morgen früh um 10. Oh nein, ich will doch spätestens um 9 wegfahren, vielleicht sogar früher. Nach langer Diskussion habe ich zugestimmt.

Alle meine schönen Planungen waren also erst einmal zunichte und ich fuhr direkt zu BestBuy, um ein neues Modem zu kaufen. Ich weiß zwar nicht, ob meines kaputt ist, aber es ist auf jeden Fall alt. Ein neues wäre besser und schneller, aber muss immer durch einen Techniker verbunden werden. Das ist also die Gelegenheit. Habe bei BestBuy auch sofort ein Moden gefunden für 120 $. An der Kasse habe ich 160 $ bezahlt. Was! Bin zurück zum Verkäufer und habe anstandslos die Differenz erstattet bekommen.

In der Nacht dann Regen. Und Regen. Und Regen. Und auch am Morgen noch. So kann ich ja keine Bike Trails erkunden. Um 7:20 Uhr jedoch, sitze noch beim Frühstück, klickt es auf meinem Telefon. Ich schaue erstaunt und tatsächlich, Emails kommen rein. Das Internet geht. Und dann kommen etliche automatische Anrufe von Spectrum, die alle meinen Termin mit dem Techniker canceln wollen. Nein, nein, ich kann sowieso bei dem Regen nicht losfahren und warte auf meinen Techniker. Der findet auch dass mein Modem zwar noch geht, aber zu alt ist und nach kurzer Zeit ist alles ausgetauscht und erledigt. Es regnet zwar noch immer, aber es wird schwächer und ich fahre los zum Anfang des Bike Trails.

Der ist ein Schock. Nach all den schönen Trails durch herrliche, einsame Natur stecke ich hier mitten im Verkehr fest. Eine Mehrfachkreuzung und Autobahnauffahrt, jeweils bis zu 6 Fahrspuren auf jeder Seite und keine Chance, den Beginn des Trails auf der anderen Seite zu erreichen. Ich schieße ein Foto von weitem und fahre zum Trailhead mit Parkplatz 3,5 km weiter. Auch hier nicht ganz einfach, die Einfahrt zu nehmen, wenn man von der Gegenseite kommt, aber mit viel Kurverei und Gehupe der anderen schaffe ich es ohne Unfall. Der Verkehr ist wirklich die Hölle, was lobe ich mir da doch mein geruhsames Daytona Beach und Umgebung. Verkehrschaos gibt es also auch in Florida.

Der Trailhead selbst ist jedoch super. Wie in USA gibt es auch hier ein WC-Haus, Einrichtungen, die man in Deutschland leider viel zu selten findet, einen Kiosk mit Getränken und Snacks, eine Luftpumpe und – einen Automat mit kostenloser Sonnencreme. Also das ist ein First. Ich bin sprachlos. Ab geht es auf die Bikebrücke über der vielbefahrenen Straße.

Am Ende schaffe ich es gerade, 12 km zu erkunden, viel zu wenig für den ersten Tag und ich fahre stracks zu meiner Luxusvilla. Was ich dort erlebe kommt im nächsten Bericht.