Das Wüstenabenteuer beginnt

Die Geländewagenkarawane brachte uns zunächst von Errachidia nach Erfoud, wo im Restaurant des Dunes das Mittagessen auf uns wartete. Alle Teilnehmer entschieden sich für die Medfouna, das traditionelle Gericht der Region. Ein Fladenbrotteig wird mit einer Masse aus Fleisch, Kräutern und Gewürzen gefüllt und dann im Holzfeuerofen gebacken. Die armen Piloten hatten ja bisher überhaupt keine Gelegenheit, Geld auszugeben und ein paar Souvenirs für die Familie einzukaufen, also verkürzten wir die Wartezeit aufs Essen mit einem Besuch in der dazugehörigen Boutique. Es gab natürlich einen Chech für die Wüste, der ja unbedingt nötig ist, aber auch kleine Schönheitsprodukte mit Arganöl für die Frauen waren sehr gefragt, der Laden sah danach aus wie nach einem Heuschreckeneinfall, leer gekauft. Nach dem Essen ging es noch zu den Fossilienbrüchen und auch da waren die fliegenden Händler ganz glücklich über ein wenig Umsatz, wenn auch meist in Euro.

Weiter ging es offroad direkt zu dem Dünen, wo die Kamele schon auf uns warteten. Das Gepäck wurde in einem Pickup untergebracht, der Fahrer ließ natürlich zunächst etwas Luft aus den Reifen, damit er über die Dünen kommt, denn unser Camp liegt wirklich wunderschön mitten drin. Eine Dame konnte wegen Rückenproblemen nicht reiten, auch für mich war kein Kamel bestellt und dann war der Pickup voll und ich passte nicht mehr rein. Wie herrlich! Denn so wurde extra für mich ein Fahrer mit Quad bestellt und ab ging die heiße Fahrt.

Eigentlich sollte die Karawane rechtzeitig zum Sonnenuntergang ankommen, aber nichts tat sich. Das sind dann die Momente wo ich als Reiseleiterin nervös werde. Natürlich habe ich nicht gedacht, dass etwas passiert ist, nur dass sie doch den schönen Sunset verpassen. Irgendwann organisierte ich meinen Quadfahrer und fuhr der Gruppe entgegen. Aber alles in Ordnung, sie hatten sich unterwegs eine Düne ausgesucht und von dort geschaut. Man hat ja genug davon am Erg Chebbi.

Der Empfang im Biwak war dann einfach grandios. Eine Gnaoua-Gruppe aus Khamlia empfing uns, das war so schön. Es gab Tee und Kekse und danach verteilte ich die Zimmer, wir haben wirklich alle 16 Luxuszelte des Camps aufgebraucht und für mich blieb nur ein einfaches Zeltchen, doch auch mit WC und Dusche. Nur ohne Steckdose, doch die wurde flugs gelegt. Es ist einfach unglaublich, wie der Komfort in der Wüste fortschreitet, aber auch gefragt ist. Einige Zelte haben bereits eine Klimaanlage und ich bin sicher, die anderen werden folgen. So kann man auch im Sommer in der Wüste übernachten. Im Restaurant gab es natürlich Wlan, noch vor kurzem unvorstellbar, ich bin nur gespannt, wann es auch mitten in der Wüste einen Pool geben wird.

Zum Abendessen gab es Tajine und danach natürlich wieder Musik und Tanz. Was für ein herrlicher Abend, bei dem vor allem das Wetter wunderbar mitgespielt hat. Sowohl auf dem Flug als auch hier in der Wüste hatten wir einen klaren, windstillen Tag, nur um die Sterne zu sehen, muss man das beleuchtete Camp ein wenig verlassen.

Von Fes nach Errachidia

Traurig, dass wir dieses schöne Riad so schnell wieder verlassen müssen. Zwei Busse warteten auf uns. Der erste wurde mit allem Gepäck beladen, das an der Rezeption stand, die Leute stiegen ein und ab ging es. Der zweite wurde beladen, doch gerade als es los ging, sagte einer, seine Pilotentasche würde fehlen. Er ging zurück, suchte alles ab, aber nichts wurde gefunden. Ich tröstete ihn mit dem Glauben, dass die Tasche dann sicher in dem ersten Bus sei und wir fuhren los. Er erzählte, er hätte an der Rezeption gestanden und etwas bezahlt, als ihn ein Mann, der nicht zum Hotel gehörte, angesprochen habe und somit abgelenkt. Da wurde mir schon mulmig. Das sah eher nach Diebstahl aus. Und in der Tasche ist wirklich alles, was zum Flugzeug gehört, Schlüssel und Papiere, da kommt er nicht mehr aus dem Land ohne die Tasche. Aber im Moment können wir wirklich nichts machen, wir müssen erst zum Flughafen.

Mitten in der Neustadt, im dichten Verkehr, überholt uns plötzlich ein Mopedfahrer, stoppt den Bus und reicht dem Fahrer die Tasche! Wir wissen nicht wie die Zusammenhänge sind, werden es nie erfahren, aber die Erleichterung war unglaublich groß.

Am Terminal ging dann alles seinen Gang, ich durfte ja mitfliegen, wir mussten trotz Inlandsflug einen Fiche ausfüllen und trotz Privatflieger durch die Sicherheitskontrolle, man fand mein Schweizer Messer, aber nahm es mir nicht weg. Die Maschinen wurden vorbereitet und dann rollten wir in langer Reihe zur Runway. Das Wetter war so hervorragend, wie es besser nicht sein konnte, die Sicht in den blauen Himmel einwandfrei, der Wind ruhig. Und der Flug viel zu kurz. Schon nach 50 Minuten glitzerte unter uns der blaue Stausee von Errachidia und einer nach dem anderen berührte den Boden. Abgefertigt wurde immer nur die komplette Flugzeugbesatzung, also Pilot plus Passagier sofern einer da war, aber ich durfte trotzdem nicht passieren, der Zollbeamte behielt mich als Übersetzer zurück. Zuvor mussten auch hier drei Maschinen betankt werden, was aber in Errachidia viel flotter ging als in Fes und gerade, als eine größere Maschine Urlauber für eine Wüstentour heranbrachte wurden wir komplett noch alle vorher abgefertigt.

Irgendwie hatte ich gedacht, vor dem Terminal stehen nun nur unsere Jeeps, aber das war ein Irrtum. Es stand ein Meer von Geländewagen dort, und die Fahrer hielten Schilder hoch, die Mehrzahl war vom schönen Hotel Xaluca. Man kann nun also auch einen Wüstentrip buchen mit Anreise per Flugzeug, aber diese Leute wissen ja gar nicht, was ihnen entgeht. In Marokko ist der Weg das Ziel, die Landschaft dazwischen so großartig. Von oben hatte ich nur bizarre, aber völlig kahle Bergformationen gesehen, aber ich weiß ja nur zu gut, wie es unten aussieht. Die Landschaft ist so vielfältig und oft auch so grün, und natürlich dann die schönen Dörfer und Kasbahs.

 

Ankunft der Privatflieger in Fes

Am Morgen erhielt ich die Nachricht, dass unser Führer Hicham mich um 11 Uhr treffen wollte. Doch die Piloten wollten frühestens um 12:45 eintreffen, also setzten wir uns in ein Café und warteten bis 12 Uhr. Hicham spricht sehr gut Deutsch, obwohl er unser Land nie besucht hat, er hat es während dem Studium erlernt und wollte eigentlich Deutschlehrer werden. Doch als er keinen Job bekam entschloss er sich Stadtführer zu werden und meinte, es sei eine gute Wahl. Sehr stolz war er auf seine zweite Tochter, weil die gerade erst vor 40 Tagen geboren war. Um 12 Uhr ging es dann los Richtung Flughafen und das war dann mal die erste Gelegenheit für mich nervös zu werden. Die Stadt war völlig verstopft, die engen Straßen um die Schulen total zugeparkt, wie in Deutschland von SUVs, die die Kinder von der Schule abholen. Da sage noch einmal jemand, Marokko sei unterentwickelt.

Wir trafen tatsächlich pünktlich um 12:45 am Flughafen ein, aber es war ja eigentlich klar, dass von unseren Piloten keine Spur zu finden war. Selbst wenn sie bereits gelandet sind, 13 Flugzeuge abzufertigen ist keine Kleinigkeit und zieht sich, vor allem, weil die noch tanken müssen. 13? Hieß es nicht 14? Ja, ein Flugzeug mit nur dem Piloten musste wegen technischer Schwierigkeiten zurück bleiben, so kam ich in den Genuss, in meinem Zimmer im Riad bleiben zu können, sonst hätte ich in ein anderes umziehen müssen. Zu unserem Riad Bleue muss ich noch sagen, dass das wirklich ein wunderbares Riad ist, das ist wirklich Schönheit mit Service vereint. Wenn man abends vom Essen in sein Zimmer zurück kommt ist das Bett aufgeschlagen, die Vorhänge zugezogen und die Lichter zum Empfang an. Ich kann das Maison Bleue wirklich nur in den höchsten Tönen loben. Natürlich hat alles seinen Preis.

Die Terminals in Marokko sind alle für Abholer gesperrt, eintreten darf nur, wer wirklich fliegen will. Und Informationen, ob unsere Flieger schon eingetroffen sind, konnte ich auch nicht bekommen. Die Flugzeuge sind unterschiedlich stark und damit schnell, wir hatten ein- und zweimotorige dabei, wobei die Sirrus mit nur einem Motor die schnellste war. Ich ging zum Rand des Terminals und schaute in die Richtung, aus der die Flieger zu erwarten waren und tatsächlich sah ich nach einiger Zeit einen kleinen Punkt in der Luft. Ob der natürlich zu uns gehört oder nicht konnte ich nicht sagen. Der private Flugverkehr in Marokko ist sehr gering, im ganzen Land soll es nur 30 Privatpiloten geben und so häufig kommt es ja nicht vor, dass Ausländer mit dem eigenen Flugzeug anreisen.

Eigentlich hatten wir für 15 Uhr die Stadtführung angesetzt und Hicham wollte so gerne seinen Job gut machen. Aber die ersten Piloten kamen erst gegen 14.30 Uhr endlich aus dem Terminal. Das große Problem war das Tanken, alle 13 Maschinen mussten aufgefüllt werden und dazu gab es einen Truck mit Anhänger, der daraus mit einer Handpumpe befüllte. Nach 2, 3 Maschinen war der Anhänger leer und musste zurück zum Depot. Es ist schon verständlich, dass eine so große Rallye zuvor angemeldet werden muss. Bis alle da und im Hotel untergebracht waren war es also schon nach 17 Uhr und der arme Hicham musste seine Tour sehr kurz halten. Sehenswürdigkeiten waren natürlich schon geschlossen und im Gerberviertel war es viel zu dunkel, um Fotos zu machen. Ich sage es ja immer wieder, kommt nach Marokko, aber bringt viel Zeit mit.

Zumindest das Abendessen im Riad Maison Bleue konnte dann pünktlich starten. Wir wurden von Gnaoua-Musikern empfangen und bekamen die vorzügliche Salatauswahl vorgesetzt, für die Fes so berühmt ist. Die Besucher hatten zuvor gefragt, kann man Salat essen ohne krank zu werden, doch da kann ich beruhigen, diese Feser Salatvariationen bestehen sämtlich aus gekochtem Gemüse und sind somit ganz sicher. Danach wurde ein Gericht gereicht, das selbst ich nicht kannte, eine große Schale nur mit Fleisch, ganz zartes, gekochtes Rindfleisch, das sehr delikat gewürzt war. Tangia Fassia. Ich kenne die Tangia Marrakschi, die auch nur aus Fleisch besteht, aber der Geschmack ist sehr unterschiedlich. Danach gab es Couscous, aber ebenfalls auf Feser Art, ohne Gemüse, aber mit Hühnchen, das mit glasierten Zwiebeln und Rosinen bedeckt war. Sehr lecker. Zum Dessert eine Auswahl der saisonalen Früchte. Ich war eigentlich noch nie zu dieser Zeit in Marokko und bin völlig begeistert von der Reichhaltigkeit der Obstsorten, vor allem die frischen Feigen haben es mir angetan. Und auch die Granatäpfel schmecken viel besser als man es aus Deutschland kennt.

Erwartungsvoll in Fes

Es ist ja nicht üblich, dass ich meine Kunden selbst durch das Land führe, normalerweise organisiere ich nur die Reise und die ausgezeichneten Fahrer der Agentur sind zugleich die Führer. Allerdings nur auf der Fahrt, in Städten gehen Sie nicht mit den Kunden, da müsste auf Wunsch ein zusätzlicher Stadtführer besorgt werden. Deshalb war es für mich eine Premiere, einmal drei Tage mit Kunden auf der Reise zu sein und ich war gespannt, wie es läuft. Das Paar hatte zwei Wochen gebucht mit Königstädten und Wüste, so fuhr ich also die ersten drei Tage mit von Marrakech nach Rabat und weiter über Meknes nach Fes. Die Beiden haben es mir leicht gemacht, es waren super nette Leute. In Casablanca ließ ich sie noch allein durch die Moschee laufen, in Rabat erklärte ich ein wenig, wo alles ist, denn ich wollte mich nicht zu sehr aufdrängen. Doch als ich merkte, dass sie die Medina doch nicht richtig gefunden haben bot ich in Meknes an, sie auf einen Stadtbummel mitzunehmen. Das war richtig schön. Und in Moulay Idriss schließlich war es unbedingt nötig. Wie schon gesagt, die Fahrer bleiben beim Wagen, gehen nicht mit, und Moulay Idriss hat sich in den letzten Jahren insofern verändert, als es nun eine Menge falscher Führer gab, die sich gleich zu Beginn aufdrängen. Ich ließ Khalid bis ganz nach oben fahren, wo sich von der Panorama-Terrasse ein toller Ausblick bietet, danach wollten wir den Berg hinunter alleine laufen. Ich war erst einmal dort, und das ist schon Jahre her, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Terrasse nicht auf Anhieb wiederfand. Doch ein Schuljunge zeigte uns den Weg und bekam ein paar Dirham. Hier geht der Blick vom Stadtteil Khiber hinüber auf die andere Seite und dazwischen liegt der grün gekachelte Grabbezirk. Das Herunterlaufen ist dann nicht so schwierig und wir kamen genau beim Mausoleum raus, wo Andreas sich gleich mit Nougat eindeckte. Dieser wird ja meist in der Nähe von religiösen Gebäuden verkauft. Durch den überdachten Souk ging es hinab zum Taxi-Standplatz, wo Khalid uns wieder einsammelte. Und Barbara deckte sich dort mit frischen Feigen ein, es ist gerade Saison und an jeder Ecke bekommt man diese leckeren süßen Früchte, die aber für marokkanische Verhältnisse nicht ganz billig sind. Das wiederum sind aber die Kaktusfeigen, die auch gerade reichhaltig angeboten werden. Vorher hatten wir noch Volubilis besichtigt, wo das Zurechtfinden nicht schwierig ist, und dann ging es nach Fes zu unseren jeweiligen Riads. Richtig schade, ich wäre gerne noch mit ihnen weiter gefahren.

Doch in Fes wartet ja erst die richtige Herausforderung auf mich. Hier wird es spannend. Ich bin im Maison Bleue untergebracht, weil am nächsten Tag dort meine Gruppe von 27 Personen ankommen soll, angereist in 14 kleinen Flugzeugen. Das ist schon ein ziemliches Unterfangen, es musste zuvor eine Genehmigung eingeholt werden, wozu 110 Dokumente eingereicht werden mussten. Und die Genehmigung kam dann gerade am Abend zuvor. Nun ist der Morgen angebrochen, die Spannung steigt und schon vor Tagesgrauen erhielt ich die Meldung, dass ein Flugzeug technische Probleme hat und nicht kommen wird. Ich werde berichten …

 

Meknes

Es ist ja nicht üblich, dass ich meine Kunden selbst durch das Land führe, normalerweise organisiere ich nur die Reise und die ausgezeichneten Fahrer der Agentur sind zugleich die Führer. Allerdings nur auf der Fahrt, in Städten gehen Sie nicht mit den Kunden, da müsste auf Wunsch ein zusätzlicher Stadtführer besorgt werden. Deshalb war es für mich eine Premiere, einmal drei Tage mit Kunden auf der Reise zu sein und ich war gespannt, wie es läuft. Das Paar hatte zwei Wochen gebucht mit Königstädten und Wüste, so fuhr ich also die ersten drei Tage mit von Marrakech nach Rabat und weiter über Meknes nach Fes. Die Beiden haben es mir leicht gemacht, es waren super nette Leute. In Casablanca ließ ich sie noch allein durch die Moschee laufen, in Rabat erklärte ich ein wenig, wo alles ist, denn ich wollte mich nicht zu sehr aufdrängen. Doch als ich merkte, dass sie die Medina doch nicht richtig gefunden haben bot ich in Meknes an, sie auf einen Stadtbummel mitzunehmen. Das war richtig schön. Und in Moulay Idriss schließlich war es unbedingt nötig. Wie schon gesagt, die Fahrer bleiben beim Wagen, gehen nicht mit, und Moulay Idriss hat sich in den letzten Jahren insofern verändert, als es nun eine Menge falscher Führer gab, die sich gleich zu Beginn aufdrängen. Ich ließ Khalid bis ganz nach oben fahren, wo sich von der Panorama-Terrasse ein toller Ausblick bietet, danach wollten wir den Berg hinunter alleine laufen. Ich war erst einmal dort, und das ist schon Jahre her, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Terrasse nicht auf Anhieb wiederfand. Doch ein Schuljunge zeigte uns den Weg und bekam ein paar Dirham. Hier geht der Blick vom Stadtteil Khiber hinüber auf die andere Seite und dazwischen liegt der grün gekachelte Grabbezirk. Das Herunterlaufen ist dann nicht so schwierig und wir kamen genau beim Mausoleum raus, wo Andreas sich gleich mit Nougat eindeckte. Dieser wird ja meist in der Nähe von religiösen Gebäuden verkauft. Durch den überdachten Souk ging es hinab zum Taxi-Standplatz, wo Khalid uns wieder einsammelte. Und Barbara deckte sich dort mit frischen Feigen ein, es ist gerade Saison und an jeder Ecke bekommt man diese leckeren süßen Früchte, die aber für marokkanische Verhältnisse nicht ganz billig sind. Das wiederum sind aber die Kaktusfeigen, die auch gerade reichhaltig angeboten werden. Vorher hatten wir noch Volubilis besichtigt, wo das Zurechtfinden nicht schwierig ist, und dann ging es nach Fes zu unseren jeweiligen Riads. Richtig schade, ich wäre gerne noch mit ihnen weiter gefahren.

Doch in Fes wartet ja erst die richtige Herausforderung auf mich. Hier wird es spannend. Ich bin im Maison Bleue untergebracht, weil am nächsten Tag dort meine Gruppe von 27 Personen ankommen soll, angereist in 14 kleinen Flugzeugen. Das ist schon ein ziemliches Unterfangen, es musste zuvor eine Genehmigung eingeholt werden, wozu 110 Dokumente eingereicht werden mussten. Und die Genehmigung kam dann gerade am Abend zuvor. Nun ist der Morgen angebrochen, die Spannung steigt und schon vor Tagesgrauen erhielt ich die Meldung, dass ein Flugzeug technische Probleme hat und nicht kommen wird. Ich werde berichten …

Von Marrakech nach Rabat

Am Sonntagmorgen fing das touristische Programm meiner kurzen Reise an. Um 8 Uhr stand der Chauffeur vor dem Hotel, um mich abzuholen. Zunächst ging es in die Medina, um ein deutsches Ehepaar abzuholen, meine Kunden, für die ich eine zweiwöchige Marokkorundfahrt organisiert hatte und die ich auf den ersten drei Tagen begleiten wollte. Wir verstanden uns auf Anhieb und der arme Fahrer, der sonst ja gerne sich selbst um seine Gäste kümmert, kam gar nicht zum Zug. Aber dazu hat er noch genug Gelegenheit, wenn ich die Gruppe in Fes verlasse. Er heißt Khalid und ist sehr nett, aber das sind wirklich alle unsere Fahrer. Wir fuhren über die Autobahn nach Casablanca, denn auf dieser Strecke lohnt die Landstraße kaum, es gibt wenig zu sehen. Außerdem wollten wir Casablanca schnell erreichen, um noch eine Führung durch die Moschee Hassan II zu erwischen. Das hat geklappt, ich blieb aber lieber draußen, denn ich habe die Moschee schon früher besichtigt und wollte nicht wieder die 120 Dirham Eintritt zahlen. Dafür konnte ich außen fotografieren. Die Moschee steht ja immerhin auch schon über 20 Jahre und so gibt es immer was zu machen, überall sind kleine Baustellen, die ein schönes Fotomotiv stören. Anschließend wollten wir in einem typischen Café etwas trinken und sagten dies Khaled, er fuhr uns zu einem richtig teuren Restaurant. Ganz genau hat er noch nicht gespürt, was wir wollen. Aber direkt dahinter war ein ortstypisches Café und da waren wir richtig.

Die Beiden wollten eine Telefonkarte und so versuchten wir, einen Laden zu finden. Aber keine Chance, es ist Sonntag und alles ist geschlossen. Also ging es wieder auf die Autobahn und ab nach Rabat, das wir zu einer angenehmen Zeit erreichten, wo man noch wirklich etwas unternehmen kann. Und trotzdem reicht ein solcher Nachmittag nicht aus für einen Besuch dieser wirklich schönen Stadt. Vor allem seit Mohammed VI ist hier wirklich viel geschehen, das Flussufer vor der Ouadaia Kasbah ist ein richtiges Ausflugsziel für Einwohner und Fremde geworden und an diesem Sonntag fand sogar eine Kirmes statt. Die Ruderboote nach Salé waren ständig im Einsatz, die Überfahrt kostet nur 2,5 Dirham und lohnt sich selbst, wenn man Salé nicht besichtigen will, sondern gleich zurück fährt. Ich hatte einen langen Bummel gemacht, zunächst durch die geschäftige Medina, dann über den Jahrmarkt hinauf zur Kasbah, die gerade in den Abendstunden in einem wunderbaren Licht liegt. Die Semaphore Terrasse ist beliebt bei Jung und Alt für einen Spaziergang und gerade der Sonnenuntergang lässt sich hier prächtig genießen.

Als ich wieder zurück in mein Riad kam, schenkte ich mir mein Abendessen, labte mich dafür an dem bereit gestellten Obstteller und fiel erschöpft ins Bett. Endlich mal schlafen!

 

Männerabend

Zum Schlafen komme ich im Augenblick recht wenig. Ganz unvermittelt geriet ich in eine Abendveranstaltung, die sehr typisch für das marokkanische Leben ist, wenn auch lange nicht so aufregend wie die Disco. Doch sehr vielfrüher als die Disconacht hat das auch nicht geendet.

Am Samstag ging es wie üblich gegen 19 Uhr zum Plauderstündchen auf der Hotelterrasse. Der Direktor saß alleine dort und fragte, ob ich mitkommen wolle, wir seien zum Abendessen eingeladen. Hm, warum nicht. So was kann ja nicht lange dauern, spätestens um 22 Uhr bin ich wieder zu Hause und kann den Schlaf nachholen, nach der kurzen Nacht bin ich schon reichlich müde. Kurz darauf kam ein weiterer Freund und wir fuhren in seinem Wagen los. Zu meiner Überraschung ging es nicht in ein Restaurant, sondern ich erfuhr, dass Abdelouahad uns in sein neues Haus zum Essen eingeladen. Ich nenne ihn jetzt kurzerhand Abdel. Er kommt zwar öfter mal auf ein Glas Wein ins Hotel, ich weiß dass er touristisches Transportunternehmen hat, aber über sein Privatleben weiß ich nichts, keine Ahnung, ob er verheiratet ist oder Familie hat. Irgendwie glaubt man ja, wenn man zum Essen eingeladen ist, muss es da zumindest eine Frau geben, die sich um die Küche kümmert. Aber vielleicht bin ich da auch zu eingefahren. Das Haus war ziemlich groß, wenn auch nicht schön, denn im Erdgeschoss bestand es aus einer großen Garage, wo auch mal seine Minibusse untergestellt werden können. Über neu geflieste Marmorstufen ging es hinauf, auf den Treppenabsätzen standen Blumenkübel, darum große Wasserflecken auf den neuen Fliesen und dennoch waren die Blumen verdorrt. Oben öffnete Abdel und war ziemlich erstaunt mich zu sehen, von wegen „wir sind zum Abendesen eingeladen“. Aber egal, er freute sich und begrüßte mich herzlich. Die Wohnung war groß, ja man sah, dass alles neu war, der Anschluss für das Klimagerät hing noch aus der Wand, aber vor dem Kamin war eine gemütliche Polstergarnitur und an der Wand ein großer Fernseher, der natürlich den ganzen Abend lief. Als ich mich umsah, sah ich schon ziemlich schnell, dass hier keine Frau für Dekoration sorgt. Aber was ist mit der Küche? Essensgerüche gab es nicht. Wir tranken Wein und knabberten Nüsse, gegen 22 Uhr fragte Abdel, ob ich hoffentlich nicht zu hungrig sei, denn wir würden noch auf weitere Freunde warten. Das Essen sei schon bereit, ich solle mir doch mal die Küche ansehen. Oh, die war schön, modern und offen, hätte direkt aus Deutschland kommen können, aber der Tajinetopf stand zwar auf dem Ofen, aber nicht auf einer Flamme, es hatte noch gar nicht angefangen zu kochen. Und dann fuhr auch noch unser Fahrer weg, meinte, er käme bald wieder, und alle Chance auf eine frühe Heimkehr war dahin. Nach einer halben Stunde waren plötzlich Schneidegeräusche aus der Küche zu hören, einer von Abdels Chauffeuren war eingetroffen und begann den Salat zu bereiten. Hat vermutlich auch das Tajine angeheizt.

Hunger quälte mich nicht, denn ich kann zur Zeit kaum was essen, aber müde war ich. Zum Glück war eine ganze Ecke der gemütlichen Couch meins und ich machte es mir richtig gemütlich, es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre eingeschlafen. Hier hätte mir Kamal gefehlt, der mich immer wieder zum Tanzen hochgezogen hat. Aber die Männer störten sich überhaupt nicht daran, dass ich etwas schlafen wollte, sie hatten sich viel zu erzählen und meist in Arabisch. Gegen Mitternacht kamen dann endlich die fehlenden Freunde, wir waren dann fünf Männer und ich, und es war genau 0:35 Uhr, als der Salat aufgetragen wurde. Als der große Tajinetopf aufgetragen wurde dampfte er herrlich, es war wirklich lecker. Zum meinen Ehren gab es sogar Teller, alleine würden sie alle aus der Schale essen. Wir sechs schafften ihn nicht ganz und dann kam unser Koch aus der Küche und vertilgte den Rest. Diesmal natürlich traditionell aus dem Topf aufgetunkt.

Um etwa 2 Uhr fragte mich mein Direktor, ob ich vielleicht müde sei. Ach, müde kann man das gar nicht nennen. Aber trotzdem, ich fand es doch sehr interessant, zu sehen, wie so ein gutbürgerlicher Männerabend in Marokko aussieht.

Ab in die Disco

Aber schön war der Abend schon, wann erlebe ich das einmal im tristen Taunusstein und die Disco ist wirklich genau gegenüber. Also gut, ich komme mit, auf einen letzten Drink. Was mir dort am meisten fehlte war Papier und ein Stift, denn ich hätte am liebsten nur gesessen, geschaut und alles aufgeschrieben, über eine marokkanische Disco könnte ich fast ein Buch schreiben. Es geht schon ganz anders zu als bei uns (wobei ich natürlich nicht unbedingt DIE Disco-Spezialistin bin in meinem Alter).

Es war noch recht leer und wir fanden bequem einen Tisch, was natürlich nicht ohne viele Umarmungen und Küsschen zwischen Kamal und der Mannschaft vor sich ging. Er scheint hier wie überall bekannt zu sein wie ein bunter Hund. Das erste, was sehr erstaunlich war, ist die Anzahl des Personals. Ich schätze, dazu gehören in dieser doch recht kleinen Disco mindestens 30 Personen, sie waren zu Anfang in der Überzahl. Aber das sollte sich ändern. Am wichtigsten schienen die Typen in den weißen Hemden zu sein, ich sah etwa fünf. Die kurzen Ärmel spannten sich über dem muskelbepackten Bizeps und die Krawatte deutete auf Autorität hin. Zu Anfang hielt ich sie für Kellner, aber es waren Sicherheitsbeamte, oder sagt man eher Rausschmeißer? Je weiter die Nacht fortschritt und der Raum sich füllte, desto mehr sah ich, wie sie alles fest im Griff hatten, den Saal ständig genau überblickten. Manchmal begleiteten sie sogar die Mädchen zum Ausgang oder auf die Toilette. Ich sah nirgends eine unfreundliche Geste unter den Gästen, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es nach reichlichem Alkoholgenuss leicht dazu kommen kann. Doch die fünf grimmig ausschauenden Kerle werden damit fertig.

Damit sind wir am zweiten Punkt, dem Alkohol. Auf jedem der noch leeren Tische standen eine Flasche stilles Wasser, eine Flasche Sprudel und eine Flasche Cola. Ist man hier so abstinent? Kamal fragte mich, was ich trinken wolle und ich sagte klugerweise, das gleiche wie ihr. Darauf kam ein großer Sektkübel gefüllt mit Eiswürfel, eine Tischrakete und eine Flasche Jonny Walker. Das ist hier so üblich. Mit einer Flasche Bier gibt man sich nicht ab. Und dabei sah ich auch die Kellner. Sie tragen durchweg zu ihren schwarzen Hosen ein weißes Hemd mit Werbeaufdruck, aber mit langem Arm und ohne Muskeln. Und dann gibt es noch die Jungs, die ein graues T-Shirt tragen. Das sind die Kohlenmänner. Auf jedem Tisch steht eine Chicha bereit und sie sind ständig unterwegs mit den glühenden Kohlen, um wieder aufzufüllen. Natürlich hat man hier noch nie von einem Rauchverbot in Räumen gehört, meine Lungen waren sehr froh, doch frisch genug zu sein, um mit der rauchgeschwängerten Luft fertig zu werden.

Was auch auffiel war die große Anzahl von jungen, schick gekleideten Mädchen mit meterhohen High Heels. Ich kenne das ja, was man darüber sagt, es seien Prostituierte. Dennoch kann ich das nicht genau bestätigen. Manche vielleicht, manche aber auch wollten sich nur mit ihren Freundinnen amüsieren. Ich blicke da nicht so recht durch. Jedenfalls habe ich nicht bemerkt, dass sie sonderlich auf die Männer zugingen. Uns betraf das ja nicht, wir waren 3 Männer und 3 Frauen und so vor allen Angriffen gefeit.

Und die Musik! Kein Rock, sondern richtig orientalisch und laut. Und so mitreißend, dass selbst ich mich nicht ruhig auf den Beinen halten konnte. Man braucht hier nicht unbedingt auf die Tanzfläche zu gehen, man tanzt im Sitzen, fasst sich bei den Händen, steht auf und schwenkt sich im Rhythmus. Ich habe voll mitgemacht und alle meine Freunde wissen, wie selten das ist. Es war einfach schön. Zwei Geburtstags-Parties waren da und natürlich wurde jede Gruppe mit einem großen Hallo von den Musikern gefeiert. Aber nicht nur die, die Musiker kamen auch an unseren Tisch, hatten Kamal vorher nach meinem Namen gefragt und sangen mir dann immer Edit ins Gesicht. Was noch konnte ich nicht verstehen. Dann bekam ich sogar eine rote Rose geschenkt, wie lange ist mir das nicht mehr passiert. Und natürlich wechselten ständig große Geldscheine die Besitzer. Ja, das ist auch Marokko. Es gibt nicht nur das touristische, oder das arme Marokko, das Menschen zur Flucht treibt. Es gibt auch eine Mittelschicht, die so richtig erst nach König Hassan II entstanden ist. Kamal zog mich immer wieder von meinem Platz, bezog die anderen Mädels mit ein und forderte zum Tanzen auf. Ach, was für eine Nacht. Brauche natürlich nicht zu sagen, dass bald die Whiskyflasche leer und Kamal voll war. Und ich mich langsam auf den Weg in mein Bett machen sollte.

Das lief tatsächlich ohne Probleme, wurde so gegen 4 von allen akzeptiert und ein herzlicher Abschied folgte. Und schon war ein Bodyguard zur Stelle, der mich bis an den Grundstücksrand begleitete. Asmaa kam noch mit in mein Hotel auf der anderen Straßenseite und beschwor mich, sie mal in Casablanca zu besuchen. Was mich in Marokko immer am meisten erstaunt ist die fehlende Grenze zwischen den Jungen und den Alten. Die gibt es einfach nicht, sondern nur Freundschaft und Menschlichkeit.

Mein Tag in Marrakech

WordPress

Die Nacht war kurz, erstens kann ich sowieso schlecht schlafen, und dann treffe ich heute Abdous Webmaster im Büro. Er soll mir mit einer WordPress-Seite weiter helfen. In Taunusstein hatte das schon die nette Elke getan und ich habe daraufhin einige Tourbeschreibungen in meine neue englische Reiseseite eingefügt. Aber ich hatte einen bestimmten Wunsch, und das gelang mir nicht. Ein kurzes Treffen mit dem jungen Studenten Amlal ergab, dass er ein anderes Design einführen möchte und ich richtete mich auf einen langen Arbeitstag ein, eigentlich meinte er, wir brauchen bestimmt drei Tage. Was mich wunderte, aber okay, er wollte es eben ganz neu machen.

Um dies vorzubereiten stand ich in aller Frühe auf und versuchte, die bisherigen Seiten auf eine neue Subdomain zu verschieben. Außerdem kaufte ich mir sogar eine neue Domain, die billig zu haben war. Aber dann gab es nur Probleme. Ich konnte aufrufen was ich wollte, immer wurde ich auf die alte Seitenadresse umgeleitet und es dauerte nicht lange, da war auch mein schöner Inhalt einfach futsch. Ich glaube jeder, der mit einem Computer arbeitet, hat das schon einmal erlebt. Obwohl ich eigentlich alles richtig gemacht habe.

Das war der Stand, als ich im Büro eintraf. Ich hoffte zwar, Amlal könnte mir helfen, die Seiten wieder zu finden, aber nichts. Und dann entwickelte er mir seinen Plan, was auch erforderte, dass ein neues Design aufgespielt werden müsste. Wie bei jeder PC-Arbeit üblich ging das zunächst einmal schief und es dauerte etliche Stunden, bis endlich alles so weit war, dass wir die erste Seite machen konnten. Das geht in WordPress eigentlich recht einfach und mit Elke zusammen hatten wir das ganz gut hinbekommen. Aber Amlal wollte seinen Seiteneditor nutzen, der ja so einfach ist, und legte los. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, stimmt, ist einfach, für einen Absolventen eines Informatikstudiums. Nicht für mich. Ich versuchte, ihm zu vertrauen, was für eine schöne Webseite ich erhalten soll und so, aber ich merkte immer mehr, dass ich das allein nie hinbekomme. Und es wurde mir immer klarer, dass Amlal wirklich vorhatte, eine komplett neue, professionelle  Webseite für mich zu machen, was schon ein, zwei Wochen dauern kann. Mir kamen echt die Tränen. Das schaffe ich nie und meine schönen Seiten, die ich entwickelt hatte, sind weg. Irgendwann konnte ich nicht anders, als ihm was vorzuheulen und er meinte, ich müsse meinen Provider anrufen, der könnte vielleicht helfen. Vor allem, weil ja auch die neue Domain immer umgeleitet wurde ins Nichts. Naja, ich bin in Marokko, das wird teuer. Amlal reichte mir sein iPhone und ich wählte. Ich bin bei 1und1 und muss sagen, deren Support ist einfach gut und funktioniert tatsächlich auch in Marokko. Die Umleitungen, die ich selbst nicht erfolgreich löschen konnte, waren weg und die Techniker versuchten, die verlorenen Seiten wiederzufinden. Am Ende, als ich zu lange auf Musik geschaltet war, legte ich auf, wollte das teure Gespräch beenden, doch ich traute meinen Augen nicht, als der 1und1 Mann in Marokko anrief, um mir zu sagen, dass die Seiten wieder da sind.

Hamdullilah!

Inzwischen war es Nachmittag und eigentlich waren die ganzen vorherigen Stunden verloren. Endlich konnte ich Amlal zeigen, was genau ich von ihm wollte. Nämlich dass ein kurzer Anriss meiner Touren schon auf der Startseite zu sehen ist mit Link auf die Beschreibung. Amlal atmete auf, denn auch ihm brannte die Zeit unter den Nägeln, neben der Fortführung seines Studiums hat er auch eine eigene Firma und ist mit Aufträgen ziemlich eingedeckt. So sieht meine neue Seite nun aus, sie ist in Englisch, um auch meine Freunde in Florida zu erreichen, sie ist aber weiterhin im Aufbau:

http://4x4morocco.club/

Zurück im Hotel war es richtig, richtig heiß. Ich ging noch mal kurz zum Pool, aber es war kaum auszuhalten. Man konnte schon richtig spüren, dass vielleicht ein Gewitter im Anzug war, also ging ich hoch, um noch ein wenig an meiner Seite zu arbeiten. Um 19 Uhr heißt es ja immer, runter ins Foyer oder auf die Terrasse und ein Plauderstündchen mit dem Direktor halten. Das ist der Grund, warum ich so gerne in dieses Hotel gehe, ich bin abends nie allein. Immer kommen irgendwelche Freunde von ihm vorbei und man lernt interessante Menschen kennen. Heute war es ziemlich ruhig, das Gewitter grollte, wollte aber doch nicht so richtig loslegen und ich bereitete mich schon darauf vor, an diesem Abend früh ins Bett zu gehen. Hatte ja eh wenig geschlafen die Nacht zuvor und stattdessen Webseiten zerstört.

Doch da kam eine Nachricht von Kamal. Wo bist du. Ich sitze auf der Terrasse. Ich komme vorbei. Es war schon nach 22 Uhr als er eintraf und zunächst mal eine Flasche von dem guten Sahari-Rotwein bestellte. Wir plauderten und plauderten und bei der dritten Flasche kündigte er an, dass noch Freunde von ihm vorbei kommen würden. Kamal ist ein unglaublich netter Kerl, wenn man ihn so sieht in seinem verschlissenen T-Shirt denkt man, der hat ja noch nie was auf die Reihe gebracht, ist aber lustig. Dabei ist er ein sehr guter Filmproduzent und hat schon ganz tolle Filme gemacht. Mein Lieblingsfilm ist 24h Marrakech.

Aber im letzten Frühjahr traf ich ihn auch in Merzouga, wo er gerade für Sony einen Videoclip mit Namika machte, der marokkanisch stämmigen Sängerin, die in Deutschland gerade Furore macht.  Die Bar war schon geschlossen, Wein stand noch auf dem Tisch, als endlich lange nach Mitternacht die Freunde kamen. Eine Wahnsinnsfrau, unglaublich temperamentvoll und hübsch. Im Gefolge ihren geschiedenen Ehemann, den sie in wenigen Wochen wieder heiraten wird. Die beiden turtelten wirklich wie die Täubchen. Ich suchte die verlassenen Tische nach zwei Gläsern ab und spülte sie, denn das Personal war lange im Bett. Das Gespräch drehte sich um alles Mögliche, Kamal hatte mich nur als deutsche Freundin vorgestellt und ich hatte absolut nicht die Absicht, irgendetwas von mir zu erzählen, Kamal erzählte lebhaft von seinen Filmprojekten und da passte ich nicht rein. Ganz zum Schluss fragte der Mann noch einmal nach meinem Namen, ich sagte nur Edith. Ja, und der Nachname? Eigentlich eine ungewöhnliche Frage in so lockerer Runde. Kohlbach. Die Edith Kohlbach, die Reiseführer schreibt? Er war ganz aus dem Häuschen und ich ziemlich platt, dass er von mir gehört hatte. Mich sogar in Merzouga bei Freunden einmal getroffen, aber ich konnte mich nicht daran erinnern. Er arbeitet als Reiseleiter und seine Frau betreibt ein Gästehaus. Das war natürlich klar, dass es nun eine Einladung gab, aber ich habe diesmal ja wenig Zeit.

Dann kam noch ein weiteres Pärchen, Asmaa mit ihrem Freund. Sie ist die Assistentin von Kamal bei den Filmen, und das war gut so. Wie schon beim Filmen nahm sie auch hier alles in die Hand und wies Kamal darauf hin, dass dies ein Hotel sei, in dem Menschen gerade über uns schlafen wollen und wir sollten leise sein. Kamal schlug vor, in die Disco zu gehen. Ich freute mich für ihn, wünschte ihm einen schönen Abend, aber ich gehe nun ins Bett. Es war mittlereile 2 Uhr geworden.

Ob das geklappt hat könnt ihr in der Fortsetzung lesen.

Endlich mal wieder Marrakech

Darf ich mich vorstellen, ich heiße Herzliche Grube. Nicht etwa Edith Kohlbach, nein. Kam in meinem geliebten Hotel Tichka in Marrakech an und fragte nach meinem Zimmer. Nichts. Keine Reservierung und spät am Abend. Sofort ab zum Direktor. Er war völlig platt mich zu sehen, aber das Hotel sei ausgebucht. Also habe ich sofort die Agentur angerufen, habt ihr hier was verschlampt? Nein, wir haben doch eine Bestätigung. Aber Jawad kam sofort, um nach dem Rechten zu sehen. Und schließlich fand sich die Reservierung. Für Herzliche Grube, die Unterschrift meiner E-Mail, nur dass aus Grüße Grube wurde. Nun nennen mich alle hier so. Manche aber auch meilleur salutations.

Der Ryanair Flug nach Marrakech war problemlos gelaufen, die Einreise auch. Die Immigration Schalter sind nun genau wie in USA mit Kamera und Fingerabdruckgerät ausgestattet. Noch wurde es aber nicht eingesetzt. Ich frage mich, wann das auch in Deutschland kommt. Vermutlich wenn wir die AfD in der Regierung haben. Bisher gibt es noch nichts Aufregendes zu berichten, denn ich bin hier ja hauptsächlich zu einem Arbeitsbesuch. Also ging ich am ersten Morgen zunächst mal ins Büro der Agentur, um die letzten Details zu meiner Pilotenreise zu klären. Ich bin ja hauptsächlich hier, weil eine Gruppe deutscher Privatpiloten mit 14 kleinen Flugzeugen für zwei Tage ins Land kommt. Dies musste dem Transportministerium gemeldet werden, dafür mussten insgesamt 110 Dokumente eingereicht werden. Und nun warten wir immer noch auf die Zustimmung der Air Force.

Nach einem Stündchen am Pool, das Wetter ist hier schwülwarm, ging es zu meinem Lieblingsfriseur zur Pediküre. Die machen das hier wunderbar für nur 6 Euro. Dann fuhr ich zu den zwei Campingplätzen im Norden der Stadt und obwohl ich da eigentlich jedes Jahr hinkomme ergab sich doch wieder eine Menge neuer Informationen, man muss halt immer am Ball bleiben. Am Nachmittag dann wollte ich 2 Flaschen Wasser und ein paar Erdnüsse kaufen. Leider gab es keine marokkanischen, nur Import. Ich fragte nach dem Preis: 60 Dirham (6 Euro). Mhm. Teuer. Hatte mich aber darauf versteift. Brauche dazu noch 2 Flaschen Wasser. Das wären nach Adam Riese etwa 70 Dirham. Nur – Adam Riese war kein Marokkaner. Gab 100 Dirham und fragte nach der Gesamtsumme. Zwei Menschen warfen die Stirn in Falten, rechneten und rechneten, ganz ohne Maschine. Und kamen schließlich auf den Preis. 45 Dirham zusammen. Ich wies auf meinen 100 Dirham Schein. Man gab mir 45 Dirham zurück. Ich gab auf und nahm sie. Kurz zuvor beim Friseur betrug  die Rechnung 60 Dirham. Ebenfalls 100 Dirham gingen rüber. Zurück kamen 30 Dirham. Ich wies darauf hin, dann kamen die restlichen 10. Die gab ich zurück als Trinkgeld. Ich liebe sie einfach, meine Marokkaner. Aber rechnen können sie nicht.

Insgesamt war der Tag ziemlich anstrengend und ich fiel nur so ins Bett.