Wellness pur

Vom Thermalbad Moulay Yacoub ging es direkt weiter ins Wellnesshotel Tazarkount nach Afourer. Hierher komme ich schon seit 25 Jahren, kenne das Hotel bereits, seit es Baustelle war. Noch immer kümmert sich die Salzburgerin Ilse liebevoll um ihre Damen, die für eine Woche voller Entspannung und Wellness zu ihr kommen. Wer ins Hotel Tazarkount kommt, will nicht Marokko kennenlernen, sondern einfach mal abschalten, möglichst nichts sehen. Und das gelingt perfekt. Auch ich habe außer zum morgendlichen Joggen das Hotel kaum verlassen. Das Tagesprogramm ist ja auch anspruchsvoll, es beginnt mit Gymnastik am Pool um 8:30, geht weiter mit Fußbad um zehn, danach persönliche Anwendungen, ich genoss eine wundervolle Ganzkörpermassage, danach Gesichtsbehandlung, um zwei die fünf Tibeter, danach Wassergymnastik und um fünf wartete schon die Hammam. Abgerundet wird der Tag von einem leckeren Abendessen à la carte.

Während sonst immer ein Grüppchen von etwa 12 Frauen da ist waren es diesmal nur wenige Französinnen und außer mir war gerade Marnie (ja, nach Hitchcock benannt) frisch angereist und wir zwei haben uns zusammen durchgekämpft, was viel Spaß machte. Dadurch kam ich nicht zum Schreiben. Marnie ist Mitte dreißig und als Beruf Mutter. Angestellt vom Jugendamt kümmert sie sich um 4 Pflegekinder und macht das wohl sehr gut. Als Angestellte hat sie natürlich auch Anspruch auf Urlaub und so hat sie sich dieses Hotel perfekt ausgesucht, wollte sie doch mal ein paar Tage Ruhe haben, bedient werden und nicht telefonisch erreichbar sein. An meinem letzten Tag skippten wir ein paar unserer Anwendungen und fuhren zum See Bin el-Ouidane, um dort im Hotel am See unser Mittagessen einzunehmen. Es war ein perfekter Tag, sonnig und warm, während in Deutschland Schnee liegt.

Doch alles hat einmal ein Ende und ich fuhr weiter nach Ouzoud. Die Wasserfälle rauschen wie eh und je, doch was sich darum so tut gefällt mir nicht mehr. Es ist ein einziger Rummel, Ruhe sucht man hier vergebens. Und dabei haben wir Winter, wie muss das erst im Sommer sein, wenn ein Ausflug nach Ouzoud auf dem Programm eines jeden Marokkaners steht. Die Königsfamilie lässt gerade hoch über dem Wasserfall ein gigantisches Hotel bauen, das monströse Bauwerk erschlägt den winzigen Ort.

Ruhe findet man dagegen auf den zwei etwas entfernt liegenden Campingplätzen, die sehr unterschiedlicher Natur sind. Der Camping Zebra wird von einem holländischen Paar betrieben und ist bei den Campern überaus beliebt. Die Anlage ist wunderschön, nicht zu groß und die Camper finden sich sofort in Grüppchen zusammen. Und bleiben …

Ganz anders dagegen Tazrout. Hierher kommen vor allem junge Familien und Menschen, die ein alternatives, naturverbundenes Leben suchen. Eine junge deutsche Familie lebt auf der Hügelspitze und auf dem Hügel gibt es immer wieder Terrassen, die für Wohnmobile eingeebnet wurden. Dazu kann man auch in einem Tipi oder in einer mongolischen Jurte übernachten. Auch hier gilt: man kommt nicht für eine Nacht, sondern bleibt manchmal wochenlang. Mit den Eseln Bommeliese oder Jamaika kann man schöne Wanderungen machen, auch Mountainbikes können ausgeliehen werden. Manch ein Besucher war noch niemals bei den nahen Kaskaden, weil es hier einfach ruhiger und schöner ist.

Edith allein unter Männern

Gleich am Morgen hatte ich eine Verabredung mit dem Direktor der Therme Moulay Yacoub. Gestern waren noch viele Fragen für mich offen, aber bis heute hatte ich recherchiert und es gab nicht mehr so viel Gesprächsbedarf. Aber im Stillen hoffte ich doch, dass er mich einlädt, das Bad zu besuchen, deshalb hatte ich auch Handtuch und Badeanzug eingepackt. Und tatsächlich, am Ende des Besuches bot er mir genau das an. Ich war ja ziemlich neugierig. Zunächst bekam ich einen Kleiderbügel, Badelatschen und einen Bademantel. Ich zog mich um und gab dann das Kleiderbündel an der Rezeption ab. Handy und Fotoapparat waren natürlich streng verboten und mussten gut versteckt werden. Dann hatte ich zur Auswahl das gemischte Bad oder das Frauenbad. Ich entschied mich für gemischt. Aber es waren tatsächlich nur Männer anwesend. Ein mittelgroßes rundes Becken, um das Liegen stehen, das Thermalwasser läuft aus verschiedenen Kanälen ins Becken. Ich habe mich als Frau durchaus wohl gefühlt, keiner hat nach mir geschaut, aber es gibt in meinem Alter ja auch nicht so viel zu schauen. Das Wasser ist fast 50 °C heiß, für mich Winterflüchtling ideal, manch einem dürfte es etwas zu warm werden. Vor allem im Sommer. Hab mal verdeckt ein Foto gemacht, aber natürlich ist es nicht gut geworden, durfte ja keiner sehen. Und die Linse war auch sofort beschlagen.

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So richtig Ausdauer hatte ich nicht, bin ja auch nicht krank, und so ging ich bald wieder. Zog meinen Bademantel an, spürte am Mund ein Haar, wollte es wegwischen … und hatte ein schwarz gekräuseltes Haar in der Hand. Lecker! Einzige Hoffnung war, dass es nicht gerade ein Schamhaar war. Es sieht so aus, als werden die Bademantel nicht nach jedem Kunden gewaschen.

Ich schaute noch mal ins Damenbad, aber das wäre nichts für mich. Ein winziges rechteckiges Becken und ziemlich viele Frauen dort. Einige hatten sogar einen Ganzkörper-Badeanzug an. Nein, dann doch lieber mit den Männern.

Auf den vielen tausend steilen Treppen hinauf kam mir eine richtige Prozession entgegen. Man reist hier mit Wolldecke und Kopfkissen. Jeder hat so was unterm Arm. Es wohnt ja kaum einer wie ich im 4-Sterne-Hotel auf der Hügelspitze, sondern fast jedes Haus bietet billige Privatzimmer an. Es gibt auch einige Hotels im Zentrum, parken muss man außerhalb und so gibt es eine endlose Karawanen von hoch bepackten Eseln, die den Transport des Gepäcks zwischen Parkplatz und Unterkunft erledigen. Ich komme mir vor wie auf dem Djebel Toubkal. Naja, es ist ja auch fast so steil. Man muss schon recht fit sein, wenn man die vielen Stufen zum Hotel mehrmals täglich zurücklegen will.

Eigentlich wären die heilsamen Quellen ideal für europäische Winterurlauber mit dem Wohnmobil, doch ist in den steilen Ort am Hang kein richtiger Platz zum Parken und erst recht nicht für eine Übernachtung. Die Parkplätze sind alle auf PKW ausgelegt. Zwar werden ab und an einzelne Mobile gesichtet, doch sind dies dann immer Einzelreisende, deren Drang zum Bad größer ist als der Wunsch nach einem guten Parkplatz und die dann am Straßenrand ein Plätzchen finden. Ideal ist es nicht.

Marokko

Tarifa war stürmisch und regnerisch, aber die Fähre kam trotzdem pünktlich und wir konnten auch super pünktlich losfahren. Wie immer ist meine geliebte Schnellfähre wirklich schnell und bei einer Abfahrt um 10 Uhr war ich um 10:15 schon fix und fertig durch die Zollkontrolle in Tanger. Wie das? Nun, in Marokko ist es eine Stunde früher. Mein erstes Ziel war ein Campingplatz bei Ouezzane, die 230 km ein gutes Tagespensum. Es geht ja nicht über die Autobahn, sondern über kurvige Landstraßen. Ich hatte diesen Platz noch nie besucht, Gäste hatten mir die Daten übermittelt und ich hatte Kontakt mit dem Inhaber Mohammed aufgenommen, der gut deutsch spricht, weil er als Jugendlicher mal zwei Jahre in Deutschland gelebt hat. Nach dieser Beschreibung verfügt er über Stellplätze für Wohnmobile mit Wasser und Strom für jeden Platz sowie über 10 Gästezimmer. Klingt gut. Und so trug ich es in den Campingführer ein. Als ich mich ankündigte sagte er aber, nein, die Zimmer seien noch nicht fertig, aber er könnte mich im Haus seiner Mutter unterbringen. Mir schwante nichts Gutes, also entschied ich mich, die Nacht lieber auf einem mir bekannten Campingplatz ebenfalls bei Ouezzane zu verbringen. Eine gute Entscheidung, nicht nur gab es einen leckeren Couscous Royal, sondern ich traf auch ein deutsches Ehepaar und wir verbrachten einen gemütlichen Abend in ihrem mollig warmen Wohnmobil. Warm ist es nämlich bisher in Nordmarokko nicht.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter auf den 15 km entfernt Camping Panorama. Gut ausgeschildert, soweit alles top. Dann kam die Abzweigung von der Straße zum 50 m entfernten Anwesen. Und das wars dann. Super eng, ein rechtes Abbiegen nicht möglich und als ich dann endlich gedreht hatte war ich unsicher, ob ich dort durch komme. Sehr enge Zufahrt, geschätzt 2,10. Genau in diesem Moment rief Mohammed an, wo ich denn bleibe. Ich erklärte die Situation und er sagte, komm nur. Es ging, aber absolut haarscharf. Es stellte sich heraus, dass ein Nachbar eine neue Mauer um sein Grundstück gezogen hat und nun kein Platz mehr für Fahrzeuge breiter als ein VW-Bus ist. Das geht natürlich gar nicht. Das Tor zum Grundstück ist zwar breit genug, aber auch die Kurve zu eng. Ist aber egal, denn die Stellplätze mit Wasser und Strom gibt es tatsächlich, nur ist der Untergrund lockere Gartenerde und wenn es mal regnet ist das ganze eine Schlammwüste, aus der niemand mehr herauskommt. Die sanitären Anlagen, extra für Männlein und Weiblein getrennt gebaut, verfügen über schmutzige Stehklos und kalte Duschen und Zimmer gibt’s nicht. Dafür aber eine ausführliche Preisliste, wobei ein Wohnmobil mit 2 Personen inkl. Wasser, Dusche und Strom auf 130 Dirham kommen würde. Einfach ein Witz. So was kann vielleicht der Luxusplatz bei Agadir verlangen, aber nicht dieser Obstgarten. Macht aber nichts, es kommt ja eh keiner rein.

Mohammed war sehr freundlich, er hatte extra Fleisch und Gemüse gekauft, plante, mich wie Allah empfiehlt drei Tage bei seiner Mutter einzuquartieren, ein Bauernhaus mit noch weniger Komfort, und mir die Gegend zu zeigen. Also die Gegend ist wirklich schön, der Ausblick über die Berge des Rif wunderbar, aber nein danke, das ist nichts für mich. Deshalb fuhr ich weiter nach Moulay Yacoub, wo ich mich mal wieder in einem 4-Sterne-Hotel angesagt hatte.

Der Weg dorthin führte nicht über die Hauptstraße, sondern über eine Nebenstraße, die ich in den Anfangsjahren mal befahren und auch in meinem ersten Buch aufgenommen hatte. Dann wurde dort jedoch ein neuer Stausee gebaut, die Straße damit unterbrochen und ich hatte mir schon viele Jahre vorgenommen, sie auszuprobieren. Nun also endlich! Und es hat sich gelohnt. Eine der Straßen, die ich so liebe. Kaum Verkehr, kein einziges Touristenfahrzeug, kein Polizist mit Radarpistole, aber eine herrliche hügelige Landschaft. Es ist Haschischanbaugebiet, aber von der Straße her sieht man keine Pflanzen, oder wachsen sie jetzt nicht? Und es gibt auch keinerlei Belästigung, ich kann diese Straße nur lebhaft empfehlen. Und vor allem war es wichtig, dass ich sie erkundet habe, denn sie verläuft völlig anders, als in der Karte eingezeichnet. Ein Fremder würde so schnell nicht den richtigen Verlauf finden, es gibt viele Abzweigungen und Fes ist zu Anfang nicht ausgeschildert. Auch mein GPS kannte den Verlauf nicht.

Immer wieder sah man Bauersfrauen am Wegesrand auf Futtersuche, mit hoch bepackten Eseln. Männer ritten zum Markt, Schafherden zogen vorbei. Und dann endlich der erste Ausblick auf den größten Stausee Marokkos. Zunächst glaubt man es nicht, denn er zieht sich so lange kurvenreich dahin, dass man ihn nie voll im Blick hat. Und das schönste war, ich konnte auf dieser Straße direkt das interessante Moulay Yacoub erreichen, doch darüber später mehr.

4-Sterne-Test

Nachdem ich von Billigabsteigen zu 4-Sterne-Hotels gewechselt habe kann ich nach dem Besuch von zweien sagen, es hat sich gelohnt! Vom Preis her nur knapp doppelt so hoch, vom Komfort aber viele Stufen darüber. Der Haken ist der Preis. Wenn man ein solches Hotel so spontan anfährt wie ich das gerne möchte, findet man einerseits nicht das richtige entlang der Straße und bekommt andererseits keinen guten Preis. Ein Zimmer wäre oft doppelt so teuer als wenn ich es vorher bei booking.com gebucht habe. Dort bekomme ich, wenn ich das günstigste Zimmer nehme, zwar einen guten Preis, aber nicht unbedingt das schönste Zimmer, was man ja verstehen kann. Man könnte noch reklamieren und tauschen.

Nun also das Testergebnis. Das erste Hotel in Lorca, Jardine Almatea, war ein neueres Hotel mit 35 Zimmern. Mein Zimmer war top, ich gehe davon aus, dass alle gleich sind und es keine Unterschiede gibt. Die Klimaanlage hat super funktioniert, ein Schreibtisch mit genügend Steckdosen gab mir Platz zum Arbeiten. Der Spa war geschlossen, naja. Aber das Frühstück war mehr als bescheiden, etliche 3-Sterne-Häuser bieten besseres.

Heute nun in Algeciras im Reine Cristine. Von der Örtlichkeit her ein Traum. Ein maurisches, weitläufiges Anwesen, verschachtelt, verwinkelt, in einem großen Park. Doch das Zimmer ist enttäuschend. Ich habe keinen Balkon, während die meisten über einen verfügen und die Aussicht auf Wirtschaftsgebäude ist auch nicht berauschend. Da tröstet mich auch nicht das Tablett mit Wasserkocher und Teebeuteln, das zudem den Schreibtisch besetzt. Doch das Frühstück lässt keine Wünsche offen, da fehlt mir nichts und es gibt sogar einige lokale Spezialitäten. Sogar Sekt steht auf Eis, und ich kann auch morgens um 8 Uhr schon ein Gläschen genießen. Kann ein Tag besser anfangen?

Heute nun geht es auf die Fähre nach Marokko. Das Wetter ist miserabel, mal sehen, ob alles klappt.

Carlos

Meine Wohnmobilleser kennen selbstverständlich Carlos. In seinem Büro in Algeciras kauft MAN einfach seine Fährentickets. Und dennoch habe ich es noch nie getan. Einfach deshalb, weil meine Erfahrung ist, dass man einerseits am günstigsten direkt im Hafen kauft und andererseits dort auch genau sieht, welches Schiff als nächstes abfährt. Und trotzdem bin ich meistens, wenn ich in Algeciras bin, im Büro vorbei gefahren. Habe Carlos aber noch nie angetroffen. Und die Dame, die dort arbeitete, war nie sehr hilfreich. Heute nun kam ich wieder hin, aber ein junger Mann saß hinter dem Schalter. Und war wesentlich netter, sprach halt auch Englisch und Französisch. Als ich erklärte, wer ich sei, rief er sofort Carlos an und der kam nach wenigen Minuten. Und ich hab mal aus erster Hand erlebt, wie es bei ihm zugeht.

Fazit: Ich kann Carlos nur empfehlen. Was ich bisher ja auch getan habe. Er macht einen Rundum-Service und vor allem die Leute, die zum ersten mal nach Marokko fahren, werde seine Dienste zu schätzen wissen. Es ist nicht die Tüte mit Wein und Kuchen, die jeder zum Ticket bekommt, auch ich, sondern die komplette Leistung, in der das Formular für das Fahrzeug komplett ausgefüllt und gedruckt wird. Und Geld tauschen kann man auch sofort. Das Schnellfähren-Ticket war ehrlich gesagt teurer als im Hafen, aber egal, ich wollte es mal ausprobieren. Und bei den Wohnmobilen, die mit der normalen Fähre übersetzen, sind andere Preise. Carlos hat mir einen Karton Campingführer abgekauft und wer nun bei ihm erscheint ohne diesen, kann das Buch bei ihm kaufen, der Vorrat reicht eine Weile. Also keine lange Lieferzeit auf einen spanischen Campingplatz und ganz klar soll ich im nächsten Jahr wieder mit einem Karton erscheinen. Ich fand ihn echt total nett.

Und vor seinen Toren hat Carrefour nun einen wunderschönen Stellplatz eingerichtet, er ist sehr gut besucht, hat aber auch viel Platz. Und Abstellflächen für die Carrefour-Einkaufswagen. Das ist doch mal ein Service. Komfortabel, dass dieser Platz auch direkt vor Carlos ist.

Die neue komfortable Langsamkeit

Meine Lieblingsfähre ist zur Zeit die Schnellfähre ab Tarifa, das bedeutet eine ziemlich lange Anfahrt, ca. 2600 km. Mit 2 Übernachtungen an der Strecke kann man das schaffen. Ich schlafe meist in einfachen Hotels, die so an der Route liegen und leicht zu finden sind. Doch diesmal lief irgendwie alles anders. Schon morgens um 2:30 ging es los, trotz Februar ein trocken kalter Tag, ideal zum Fahren. Und so legte ich auch bequem 1300 km zurück und war schon kurz vor 16 Uhr über die spanische Grenze. Doch dann ging es los. Es gab so wenige Hotels. Entweder sie waren auf der falschen Straßenseite und nicht einfach zu erreichen, oder sie waren geschlossen. Ich brauchte fast 2 Stunden, bis ich in Malgrat del Mar an der Costa Brava etwas Passendes fand. Es war ein ordentliches Zimmer für 20 Euro, da konnte ich nicht klagen, aber es gab weit und breit nichts zu essen. Also tat sich in mir ein großes Gefühl dafür auf, für den nächsten Tag bequem zu wohnen. Und ich suchte mir in booking.com ein Hotel in Lorca. Im Grunde wäre ich gerne bis nach Granada gefahren und hätte mir sogar noch am nächsten Tag die Stadt angesehen, aber ich weiß, wie grausam dort der Verkehr ist und ich fand einfach kein Hotel mit gutem Parkplatz für mein voll gepacktes Auto. Also Lorca. Hier wohne ich in einem 4-Sterne-Hotel. Es hat zwar Service-Mängel, aber das Zimmer ist warm und komfortabel und ich kann in Ruhe arbeiten. Deshalb fiel ich auch schon vor 22 Uhr total fertig ins Bett. Leider kein deutscher Sender zum Einschlafen, aber ein paar Seiten lesen tun es auch. Licht aus.

Und dann ging es los. Zunächst nur ein einfaches Trommeln, dann immer mehr im Rhythmus. An Schlafen war nicht zu denken. Irgendwann stand ich erbost auf, zog mich an und wollte mich an der Rezeption beschweren. Die hatten keine Ahnung, nein, das Hotel hat keine Disco. Also ging ich selbst auf Suche. Und fand es. In einer dunklen Straße hatten sich fast 100 Menschen versammelt, eine Gruppe von Musikern und eine große Gruppe junger Leute, die irgendwelche Stangen zusammen gebunden hatten, die am Boden lagen. Keine Ahnung, was das soll.

Dann ging es los. Die Musiker trommelten und gingen langsamen Schrittes voran. Die jungen Leute hoben die Stangen auf und folgten.

https://youtu.be/3iMZ7H0ZgTk

Im Hotel dann erfuhr ich, dass sie für die Prozession in der Semana Santa probieren. Und das nachts im Dunkeln im Gewerbegebiet!

Am Morgen dann Frühstück in der Cafeteria, Emails checken, Blog schreiben und was man so alles tut. Und es ist absolut keine Lust vorhanden, mich auf die Straße zu begeben, die 450 km bis Tarifa zu fahren und auf die Fähre zu gehen. Die große Langsamkeit hat mich ergriffen. Und auch die Lust, in gemütlichen Hotels zu wohnen. Also suche ich mir ein weiteres Hotel in Spanien aus und fahre erst morgen rüber nach Marokko. Ich entscheide mich für Algeciras. Und je nach Laune mache ich zuvor noch einen Abstecher nach Gibraltar.

Ach, wie liebe ich die Rente und die damit verbundene Freiheit. Und Langsamkeit.

Übrigens, hatte einen spontanen Entschluss, mir die Anreise in der Zukunft einfacher zu machen. Auch euch. Ich habe nun eine neue App entwickelt mit den Hotels, die ich auf der Fahrt durch Frankreich und Spanien nutze. Und wenn ihr noch Campingplätze beisteuert haben wir eine sehr praktische App, die auf Dauer kostenlos bleibt.

https://guidewriters.com

Sicherheit und Marokko

Ich hatte schon vor vielen Wochen in meinem Saharaforum den Menschen, die überlegen, ob sie weiterhin nach Marokko fahren können, um dort zu überwintern, gesagt, dass es im Moment scheint, als sei Marokko eine sichere Insel. Damals hatte ich noch keine Ahnung, von welchen Terroranschlägen und –versuchen Europa überrollt sein wird. Zwar habe ich Angst, etwas zu beschreien, aber im Moment sieht es tatsächlich so aus, als sei Marokko das sicherere Land. Schon im letzten Jahr sind nach den Charlie Hebdo Anschlägen tausende Franzosen überstürzt ausgereist aus Angst um ihr Leben. Das fand ich schon damals kaum verständlich, geschahen diese doch in ihrem eigenen Land. Aber sobald nur irgendwo ein Mensch islamischen Glaubens an einem schlechten Ereignis beteiligt ist, geraten alle anderen unter Generalverdacht. So wie auch ein Wohnungsbesitzer in Taunusstein – ein Franzose – mir sagte, dass er durchaus seine Wohnung an eine Flüchtlingsfamilie vermieten würde, aber nur an eine christliche. Nun habe ich das direkte Beispiel meiner Romafamilie, die offiziell dem Islam angehört, aber die saubersten und ordentlichsten Menschen sind, die ich kenne, während ich von vielen christlichen Familien weiß, deren Zuhause ein einziges Chaos darstellt. Die gefürchteten sogenannten Mietnomaden sind in der Regel Deutsche christlichen Glaubens.

2.5. Angekommen

Aber dafür konnte ich schon um 6:30 aufbrechen, von meinen Gastgebern traf ich nur die Katze an. Suchte erstmal Diesel, denn in Frankreich darf man nicht an der Autobahn, sondern nur an den Supermarkttankstellen Sprit zapfen, Preisunterschied bis zu 20 Cent der Liter. Die haben das Geschäft inzwischen so dominiert, dass ich den ersten Carrefour als Autobahntankstelle gesehen habe.
Doch war das nicht das einzige, das ich sah. Ich fuhr so gemütlich vor mich hin, Tempomat eingestellt und ganz in Gedanken versunken, da leuchtete plötzlich oben ein Schild auf, meine Autonummer mit dem Vermerk „Trop vite“. Ich war geschockt. Völlig perplex. Ich hatte den Tempomat so eingestellt, dass ich ein wenig mehr als 130 fahre, eben so dass ich mit Toleranzgrenze keinen Knollen mehr bekomme. Aber die Anzeige zeigt das wohl genau ab 131 an. Peinlich irgendwie. Aber wenn das dann mehrmals vorkommt gewöhnt man sich auch daran.
Die Strecke für den Tag wurde durch regelmäßige Einkaufspausen in Supermärkten unterbrochen. Insgesamt hatte ich danach 4 Obststeigen voller Lebensmittel, 3 Six-Pack Wasser (da kein Pfand), 1 Palette Bier, 2 Kisten Wein, 9 Flaschen Muscat. Dazu mein ganzes Gepäck. Ich kam gegen 20:30 an meinem Haus an, fuhr in der Tiefgarage zur Tür ins Wohnhaus und lud ab. Ein Meer von Gepäck, einfach unvorstellbar, wie eine einzige Person so viel Zeug mitführen kann. Und ich muss durch zwei Eisentüren, die zufallen, und habe trotz Aufzug noch vier Treppen zu steigen. War schon eine Prozedur. Aber gerade da kam Hausbewohner Aleks im Bademantel, wollte in die Sauna gehen und ich kommandierte ihn sofort zum Gepäcktragen ab. Wenigstens bis zum Aufzug.
Und als ich alles in der Wohnung hatte, warf ich die Kleider vom Leib und stieg ebenfalls hinunter in die Sauna.

20.4. Rückfahrt

Schon die Ankunft in Almeria frühmorgens am Dienstag der Semana Santa war gut gewählt. Da ja fast alle Spanier in Marokko waren, war die Autovia ziemlich frei und ich konnte lange Strecken gemächlich mit Tempomat fahren. Ich liebe ja die spanischen Autovias. Vierspurig, gebührenfrei und dann immer die Via Servicio, mit Tankstellen, Restaurants, Hotels. Alles da, was der Autofahrer braucht und zu einem günstigen Preis, nicht so schreckliche Massenorte wie die deutschen Autobahn-Raststätten, die ich vermeide. Ich kam durch ganz Spanien ohne Gebühren und bis aufs Ebrotal und Andorra auch vierspurig. Da könnte sich manches Land – auch Frankreich – ein Beispiel nehmen.

Und die Abfahrt von Manfred am Ostersamstag war ebenso gut. Alles, was über Ostern verreisen wollte, war bereits angekommen und auch diese Strecke war recht verkehrsarm und kaum LKW. Mit vielen Stopps fuhr ich die 1250 km durch, ich zog es vor, lieber lange in der Nacht zu fahren, um dann in meinem eigenen Bett zu schlafen. Und es ist kaum zu glauben, was ein 45-Minuten-Schlaf hinter dem Lenkrad doch erfrischen kann. Ostersonntag um 2 Uhr war ich dann zu Hause. Und am Sonntag dann dermaßen kaputt vom vielen Schleppen der Sachen, vom Auto in die Wohnung, von der Wohnung zum Keller, 8 Waschmaschinen voll Wäsche gewaschen, gebügelt, aber ihr kennt das ja.

Und nun muss ich mich erstmal lange erholen!

19.4. Auberge de Fountescut

Das muss man sich wirklich merken. Und den winzigen Ort erstmal finden. Um 20 Uhr macht der Laden auf, an der Theke steht eine Batterie von dickbauchigen Flaschen (und ebensolchen Männern), alle hausgemacht und beschriftet und dann probiert man. Es sind Fruchtweine unterschiedlicher Art, Pampelmuse, Mandarine, Marone, Aprikose und was weiß ich noch alles, ich habe das ganze Dutzend durchprobiert. Dazu werden kleine Häppchen gereicht, Lachs auf frisch gebackenem Brot, mhm, eigentlich bräuchte man sonst nichts mehr. Wir bedienen uns selbst an den Flaschen, denn der Chef Jean-Francois steht ganz alleine in der Küche und hat zu tun. Das schöne ist, dass man mit den anderen Gästen dabei ins Gespräch kommt, denn es setzt sich noch lange keiner an den Tisch. Unser Grüppchen ist nett und international. Wir zwei Deutschen, ein Irländer, ein Spanier. Im Gespräch kommt eine interessante Lebensgeschichte heraus. Seine Mutter wollte 1939 aus dem bürgerkrieggebeutelten Spanien fliehen, mit dem 10 Monate alten Baby auf dem Arm. Sie wurde festgenommen und kam für zwei Monate ins Gefängnis, und erzählt noch heute, dass dies seine schönste Zeit war. Er als Baby unter all den gefangenen Frauen, wurde von jeder verhätschelt. Und irgendwie ist dann doch die ganze Familie über die Pyrenäen gekommen und lebt nun in der Gegend.

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Jean-Francois akzeptiert immer nur so viel Reservierungen, wie er schaffen kann, manchmal steht er alleine in der Küche, manchmal hat er Hilfe. Heute ist er allein und deshalb sind wir nur 12 Gäste, Gäste ist hier das richtige Wort, denn es ist eher ein Zusammentreffen von Freunden. Sobald er ein Minütchen in der Küche entbehrlich ist kommt er heraus und schreibt die Menüwünsche auf. Es gibt ein Menü zu 30 Euro, dazu gehört eine Vorspeise, ein Hauptgericht, Käseplatte und Dessert. Zum Menü für 34 Euro gibt es sogar 3 Vorspeisen, aber wer schafft das schon. Beim Hauptgericht hat man die Wahl zwischen Schwein, Rind und Fisch. Dann setzt man sich so langsam an den Tisch. Was ich besonders schön finde, Jean-Francois füllt die Wasserkaraffen am Wasserhahn. Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, warum die meisten Menschen lieber Mineralwasser in Flaschen kaufen, das Leitungswasser ist gesund und vollkommen in Ordnung. Dazu gibt es dann noch eine Karaffe Hauswein, die aber nicht im Preis enthalten ist. Es schmeckt einfach toll. Das Menü differiert nach Jahreszeit, als Vorspeise gibt’s œufs cocotte aux cèpes. Hab ich noch nie gegessen. Und bin wieder so gierig, dass ich nicht an Fotos denke. Vier Tische sind besetzt, die umfangreiche Käseplatte gibt’s nur einmal, und der Tisch, der vor uns dran ist, lässts sich schmecken. Und schmecken. Der Wirt streicht mehrfach an dem Tisch vorbei und endlich geht er hin und fragt, ob die Gäste fertig sind. Haha. Und dann bekommen wir die Käseplatte. Aber keine Angst, meine lieben Nachesser, ich bin inzwischen schon so satt, dass ich die Platte sicher nicht leer mache. Muss mir ja auch noch ein wenig Platz lassen für den Nachtisch, der danach kommt. Und der ist auch wieder nur lecker. Wir gehen glücklich und zufrieden heim und sind erstaunt, dass wir noch recht nüchtern sind. Haben die Aperos halt doch nur sehr sparsam eingeschenkt.

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