Steckengeblieben im Salzsee

Am Morgen behielt ich noch das Zimmer und wollte einen schönen Tagesausflug machen. Zunächst ging es nach Tozeur, den Phosphatminenstädten Metlaoui und Moulares, dem wunderschön auf Felsen gelegenen Mides und zu den Wasserfällen von Tamerza. In Chebika erkundigte ich mich nach der Piste zurück nach Nefta. Aber niemand kannte sie. Schließlich fand ich eine breit angelegte Piste, die in die richtige Richtung führte.

Das erstemal wurde mir mulmig, als ich plötzlich mitten auf dem Chott Gharsa war und aus der breiten Piste nur einzelne Spuren wurden. Diese wurden immer spärlicher, und das Auto fuhr immer schlechter, da der Untergrund sehr weich war. Ich dachte an die Karl-May-Geschichten, wo Pferd und Reiter spurlos im Salzsee verschwanden und fürchtete schon, dort übernachten zu müssen, da die Sonne nicht mehr hoch stand.

Doch endlich war der Salzsee zu Ende, dafür aber auch die Spuren. Ich richtete mich nur noch nach dem Kompass, konnte sogar in der Ferne schon eine Oase erkennen. Aber wie viele Kilometer das in einer Wüste noch sind! Plötzlich vor mir ein Fluss. Das darf doch nicht wahr sein! Ich war schon ziemlich mit den Nerven fertig, stieg aus und betrachtete den Wasserlauf. Nicht höher als 20 cm das Wasser. Also durch! Nach zwei Metern stak ich dermaßen im Schlamm, dass das ganze Fahrwerk aufsaß, und die Sonne erfreute mich mit einem wunderschönen Untergang.

Ich räumte alles Gepäck aus dem Wagen, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, dass der Wagen in der Nacht ganz versinkt. Und ohne Gepäck auch leichter ist. Dann ging ich erstmal in Richtung Oase, deren Lichter verführerisch vor mir glitzerten. Nach etwa einer Stunde blickte ich zurück. In der Richtung meines Autos sind doch Lichter! Hat da jemand meine Sachen gefunden? Ich hastete zurück, kam völlig fertig an und sah, dass die Lichter ferner als je zuvor waren. Man wird hier in der Entfernung sehr getäuscht.

Zum Glück hatte ich die gesamte Campingausrüstung samt Wasser und Datteln dabei, der Rest war im Hotel, wo man mich sicher vermisste. Also Zelt aufbauen und schlafen. Im Zelt kam der Schock erst so richtig über mich. Ich zitterte am ganzen Leib, konnte es nicht kontrollieren. Schlief nur wenig. Vor allem die Angst: Ist das Auto vielleicht am Morgen im Schlamm versunken? Wird es noch fahren können? Was wird das alles kosten?

Bevor noch die Sonne richtig aufgegangen war, machte ich mich erneut auf den Weg. Nach über einer Stunde Fußmarsch in Richtung Ort ein neuer Schreck: Sumpfgebiet. Wenn ich da in der Nacht hineingeraten wäre! Es muss mir wirklich mein Schutzengel die  Lichter zum Umkehren geschickt haben. Es war nicht leicht, aus diesem Labyrinth herauszufinden; wie habe ich mir in diesem Moment einen dieser sonst lästigen kleinen Jungen gewünscht, der mich für ein paar Münzen führt. Ich musste einen großen Umweg machen. Endlich eine Piste! Eine größere Freude hätte ich zu Hause mit Weihnachtspäckchen auch nicht haben können, heute ist ja der 23. Dezember. Und bald traf ich zwei Männer auf einem Traktor. Erst viel später ging mir auf, was für ein Glück das wirklich war. Als ich nämlich die vielen Kilometer, die der Ort noch entfernt war (es war El Hamma), selbst fahren konnte.

Ich stieg auf den Traktor und wir versuchten, den Wagen zu finden. Leicht ist das nicht in dieser unendlichen Weite. Aber wie den Wagen rausbekommen? Der Traktor war jenseits des Flusses und das Seil reichte nicht bis zu dem eingesunkenen Fahrzeug. Also suchten die Männer einen Platz zum Überqueren und blieben prompt ebenfalls stecken. Erneuter Fußmarsch, diesmal nicht von mir.

Nach über zwei Stunden kam der freundliche Mann mit einem Hilfstrupp von weiteren zwei Personen. Aber so ist der Traktor nicht herauszubekommen. Sie zogen wieder ab, und ich wartete mit einem der Tunesier auf neue Hilfe. Glaube, wenn ich heimkomme, habe ich erstmal die Nase voll von der Wüste.

Ich erlebte den zweiten wunderschönen Sonnenuntergang an dieser Stelle und wir warteten immer noch. Wie gut, dass ich wenigstens den richtigen Tee für die Leute dabei hatte. Nur mit meiner Kocherei sind sie nicht zufrieden und übernehmen das selbst. Wir tranken viele Kannen leer in dieser Nacht.

Da endlich tauchten in der Ferne die Lichter eines Autos auf. Es dauerte lange, bis es sich einen Weg durch die unwegsame Landschaft gekämpft hatte. Ein Vortrupp, der verkündete, dass bald ein zweiter Traktor eintreffe. Es hatte stundenlange Verhandlungen und 50 Dinar (über 100 DM) gekostet, den Besitzer zum Kommen zu überreden. Wir versuchten, den Anhänger des Traktors herauszuziehen, es klappte. Als wir aber auch den Traktor befreien wollten, riß das dicke Stahlseil. Also, ab in die Stadt und wieder warten. Nach zwei Stunden kamen sie mit einer schweren Kette (wieder 20 Dinar weg, das wird ja teuer). In diesem Moment betete ich wirklich darum, dass sie es schaffen. Und tatsächlich, der Traktor kommt aufs Trockene. Hamdullah! Die Tränen kommen vor Freude. Wenn die Kette den schweren Traktor geschafft hat, ist der ausgeräumte Suzuki ein Kinderspiel. Und genau 12 Stunden nach dem ersten Eintreffen der Hilfe können wir uns auf den Heimweg machen. Inzwischen hat sich schon eine Piste zu der Unglücksstelle gebildet.

Ich muss natürlich mit zur Familie, dort essen und die Nacht verbringen. Und nun will ich bezahlen. Da kommts: Sie wollen zwar das Geld, das sie ausgelegt haben, aber für sich keinen Pfennig! Im Gegenteil, ich werde noch reichlich mit Datteln bedacht. Da hilft auch kein Überreden. Für 12 Stunden Arbeit, vier Mann, die einen Arbeitstag versäumt haben, und einen Riesenstapel verschlammter Wäsche. In meinem Kleidervorrat finde ich noch einige schöne Kleidungsstücke für die Familie und auch mein Zelt schenke ich ihnen. Am Heiligabend war ich dann wieder in meinem Hotel in Nefta, wo mich kein Mensch vermisst hatte.

Rauswurf aus dem Hotel

Ich war schon einige Zeit in Tunesien unterwegs und es war nie schwierig gewesen, ein Hotelzimmer zu finden. Es ist meist in jeder Preisklasse etwas zu haben, die Hotels sind hübsch, preiswert und sauber und jetzt, Mitte Dezember, nicht ausgebucht. Doch das änderte sich schlagartig, als Weihnachten näher kam. Am Morgen des ersten Weihnachtstages war unter der Tür meines Hotelzimmers in Nefta ein Zettel durchgeschoben: Hotel ist komplett! Das ist ein Rausschmiss. Zudem war das Wetter schlecht, sehr windig, also packte ich meine Sachen und zog weiter. Wohin wusste ich noch nicht, aber schließlich landete ich auf Djerba, im Hotel Marhaba in Houmt Souk, das mir schon in Matmata empfohlen worden war. Das Abendessen musste ich mal wieder in Gesellschaft einnehmen.

Abstecher nach Algerien

Grenzübergang

Und nun geht es weiter zur algerischen Grenze. Die Ausreise aus Tunesien verläuft reibungslos und schnell, auf der algerischen Seite sieht es da schon anders aus. Zunächst muss ich einige Papiere ausfüllen und mich damit vor einen Schalter stellen. Es geht natürlich nicht der Reihe nach, vielleicht sollte man ein kleines Bakschisch geben, aber ich habe ja Zeit. Endlich nimmt man mir den Pass ab und ich muss ein Weilchen warten, bis ich ihn mit Stempel zurückbekomme. Aber dann fängt die Arbeit erst an. Nun muss ich Geld umtauschen, pro Einreise müssen etwa 300 DM zu einem sehr ungünstigen Kurs umgewechselt werden. Dann muss ich ins Versicherungsbüro, denn die deutsche Autoversicherung gilt in Algerien nicht. Ich schließe für 3 Wochen ab. Dann geht es zum Zoll, dort muss ich eine Devisenerklärung ausfüllen und meine Wertsachen, wie Fotoausrüstung, aufschreiben. Der junge Beamte schreibt und schreibt, er tut mir richtig leid, dass er so viel Arbeit hat, und das sage ich ihm auch. Er freut sich, dass sich mal jemand mit ihm unterhält und will persönlich mein Auto untersuchen.

Draußen am Wagen merke ich, dass ihm die Untersuchung nicht sehr wichtig ist, stattdessen fragt er mich, ob ich ihm nicht ein Buch zum Deutsch lernen besorgen kann. Er könnte so etwas im Land nicht bekommen. So ein Buch habe ich tatsächlich, also tauschen wir die Adressen aus. Das alles muss heimlich geschehen, denn den Zollbeamten ist jeder private Umgang mit Touristen verboten.

*** Anmerkung: Ein Jahr später bekam ich plötzlich einen Einschreibebrief von diesem Khaled und er fragte, ob er mich in Deutschland besuchen könne. Ich stimmte zu und er kam für 3 Wochen nach Wiesbaden. Ein interessantes Erlebnis.

Endstation Touggourt

Endlich kann es weitergehen. Eine gute Teerstraße mit wenig Verkehr führt nach El Oued. Nicht weit von der Grenze entfernt winkt ein Mann am Straßenrand, an der Hand einen etwa sechsjährigen Jungen. Ich halte und lasse ihn einsteigen, auch er will nach El Oued. Er spricht in Arabisch auf mich ein, ich kann ihn nicht verstehen und nicke freundlich zurück. Er wird aber immer fordernder, ich kann nur mit den Achseln zucken. Da macht er, trotz der Anwesenheit des Kindes, ganz eindeutige Zeichen, was er von mir möchte. Ich bin total geschockt! Wieviele Anhalter habe ich in Marokko schon mitgenommen, aber so etwas ist mir noch nicht passiert! Nur mit Mühe bewahre ich die Geduld und werfe ihn nicht auf offener Straße aus dem Wagen, aber im nächsten Ort halte ich und schicke ihn hinaus. Er sieht mich sehr verständnislos an, verlässt aber den Wagen.

Das war kein schöner Empfang in Algerien. Auch El Oued präsentiert sich mir nicht besser. Ich finde weder ein Hotel, das mir zusagt, noch die Ausfahrt nach Touggourt. Vielleicht liegt es nur an meinen gereizten Nerven. Endlich finde ich doch hinaus und kann wieder die Landschaft genießen. Meterhohe, gelbe Sanddünen reichen bis an die Straße. Ich halte am Straßenrand und steige eine Düne hinauf. In der Mitte befindet sich ein Trichter, auf dessen Grund Palmen angepflanzt sind. So können die Wurzeln gerade noch das Grundwasser erreichen. Für den Oasenbauer bedeutet das aber, dass er ständig den nachrutschenden Sand auf Eseln hinausschaffen muss. Eine mühevolle Arbeit!

Als ich weiterfahren will, hält ein Taxi an. Der Fahrer glaubt, ich sei im Sand hängengeblieben und bietet mir seine Hilfe an. Nun, das ist nicht nötig, meine Suzi schafft das auch allein, aber ich suche schließlich eine Unterkunft für die Nacht. Der freundliche Mann lädt mich sofort zu seiner Familie ein, die im nur wenige Kilometer entfernten Ben Naceur wohnt. Der Ort liegt mitten in den Sanddünen. Die Familie ist kaum überrascht über meinen Besuch, der Vater bringt öfter Fremde mit. Um einen Innenhof herum sind mehrere Hütten gruppiert, in jeder wohnt ein Bruder mit seiner Familie. Die Großmutter ist eine echte Berberfrau mit hennagefärbten Zöpfen und rotgemusterter Kleidung. Ihre Silberarmbänder sind aber nicht echt alt, und bei einem Tee holt sie gleich einen ganzen Beutel voll davon hervor, sie möchte mir welche verkaufen. Aber die Familie ist trotzdem sehr nett, die Nachbarn kommen zu Besuch, um diese deutsche Frau zu sehen, die allein durch Algerien reist. Später werde ich sogar noch mit dem Taxi des Hausherrn ins nächste Dorf gefahren, um auch dort den Freunden vorgestellt zu werden.

Später zieht sich jede der Familien zum Schlafen in ihr Häuschen zurück, ich schlafe zusammen mit meiner Gastfamilie, sie haben nur ein Kleinkind, auf dem Boden. Am nächsten Morgen fragen mich meine Gastgeber, ob ich nicht Kleidung zu verkaufen habe. Ich habe schon etwas, aber das will ich nicht verkaufen, sondern ihnen als Dank für die Gastfreundschaft schenken. Die Freude ist groß, aber die Kinder werden losgeschickt, um hinter dem Haus noch Sandrosen für mich zu suchen. Man packt mir einen großen Karton voll ins Auto. Der Abschied ist herzlich und man bittet mich, auf dem Rückweg noch einmal vorbei zu kommen.

Am Morgen fahre ich weiter nach Touggourt. Die algerischen Städte stoßen mich irgendwie ab, ich kann mich nicht heimisch fühlen, vermisse mein Marokko. In Temacine traf ich wieder einen netten Mann, der mir alles zeigte. Ich dachte natürlich, für Geld, erst als ich ihm was geben wollte, hatte es den Anschein, er macht es wirklich aus Freude. Es fällt mir schwer, die Leute hier einzuschätzen, zu verstehen. Ich will wieder weg. In Tunesien haben mir wenigstens die Hotels gut gefallen, wenn schon nicht Marokko, dann wenigstens wieder zurück nach Tunesien.

Ich drehte also um und übernachtete in El Oued. Dort traf ich zufällig den netten Zöllner wieder und wir tranken einen Tee zusammen. Am Morgen dann einiges in der Umgebung angesehen, Teppich gekauft, Mörser. Zurück zur Grenze. Vorher Halt an einem Brunnen. Die Leute luden mich zu Kaffee gewürzt mit Pfeffer ein. Traf an der Grenze wieder Khaled. Lernte an der tunesischen Grenze einen dortigen Zollbeamten kennen, nahm ihn mit nach Nefta. Dort nahm ich mir ein Zimmer in dem schönen Hotel Les Nomades, das in ortüblicher Lehmziegelarchitektur errichtet ist. Am nächsten Mittag war ich dann noch beim Zollbeamten zum Mittagessen eingeladen.

 

Ksar Rhilane – Douz – Kebili

Gern wäre ich noch ein paar Tage an diesem schönen Ort geblieben, aber mein „ständiger Begleiter“ verleidete mir den Aufenthalt etwas. Also fuhr ich weiter, ich wusste noch nicht, wohin mich dieser Tag bringen würde. Zunächst ging es wieder entlang der Erdölpiste. Zum Brunnen Bir Soltane führt eine Abzeigung, er liegt zwei Kilometer entfernt. Ich füllte meinen Kanister mit frischem, klarem Trinkwasser. Ein Arbeiter half mir an der Motorpumpe, die in einem kleinen Häuschen untergebracht ist. Der Brunnen steht ganz allein hier, es gibt keine Ansiedlung, nur etwas weiter entfernt ein Militärlager. Aber die Nomaden kommen hierher, um ihr Vieh zu tränken und ihre eigenen Vorräte aufzufüllen.

Bald hinter Bir Soltane musste ich die schön ausgebaute Piste verlassen und nach Douz abbiegen. Bisher kam mir ab und zu mal ein Wagen entgegen, aber jetzt war ich ganz allein auf der Strecke. Die Piste ist manchmal vom Sand überweht, aber man kommt ganz gut durch. In Douz trank ich in einem Cafe eine Cola, aber sofort kam ein junger Mann, der sich als Führer anbieten wollte. Ich weiß wirklich nicht, was er mir noch zeigen soll, ich habe meinen Weg auch allein gut gefunden und wurde etwas unfreundlich. Er schimpfte hinter mir her. Ich wollte mich nicht länger in Douz aufhalten, da nach Weihnachten hier ein Sahara-Festival anfangen wird und ich dann noch einmal zurückkommen will.

Also fahre ich weiter nach Kebili. Das ist ein etwas größerer, aber nicht sehr schöner Ort, aber hier gibt es ein gutes Hotel und nach fast 300 Kilometer Piste sehne ich mich nach etwas Komfort und einem kühlen Bad. Beim Abendessen im Restaurant fragt mich der Direktor persönlich, ob es mir gefällt, es hat schon Vorteile, als Frau allein unterwegs zu sein.

Kebili ist der südöstliche Ausgangspunkt für die Fahrt über das Schott Jerid. Der Salzsee – aus Karl May’s Geschichten hinlänglich bekannt – hat viel von seinem Flair von Abenteuer und Gefährlichkeit verloren, seit es von einer Asphaltstraße durchschnitten wird. Vor Jahren hatte ich einmal eine organisierte Busfahrt in Tunesiens Süden gemacht und war dabei über das Schott gefahren. Seitdem hegte ich den Wunsch, einmal allein, ohne eine Reisegruppe hinter mir, über den See zu fahren und anhalten zu können, wo immer ich möchte. Und nun war ich endlich angekommen. Ich parkte das Auto und ging ein paar Schritte über das Salz. An den meisten Stellen ist das gut möglich, es sieht nicht aus, als sei man auf einem See, feiner Kies bedeckt den Boden. Zunächst gab es noch einige Pflanzen, die den salzhaltigen Boden aushalten, aber später findet man nicht mehr die geringste Vegetation. Und unvermittelt gibt es Wasserlöcher, an deren Rand sich dicke, pastellfarbene Salzkrusten gebildet haben. Ich versuche mit einem Taschenmesser einige Kristalle abzulösen, es ist nicht leicht. Mehrere Pisten führen über das Schott, aber ich probierte keine aus, später sollte ich noch leidliche Erfahrungen damit sammeln.

Gegen Mittag komme ich in Tozeur an und schlendere über den kleinen Markt. Tozeur ist ein Zentrum für Datteln und so werden sie an jeder Straßenecke angeboten. In kleine Kisten verpackt oder am Strang, so, wie sie am Baum wachsen. Ich kaufe einige Datteln und Orangen, einerseits fürs Mittagessen, andererseits, um eine eiserne Reserve dabei zu haben, man weiß ja nie, was einem so alles passieren kann.

Matmata – Ksar Rhilane

Endlich auf der Piste

Am nächsten Morgen ging es weiter. Kurz hinter Matmata begann endlich die Piste, das Abenteuer konnte beginnen. Nach Toujane bog ich auf eine wenig befahrene Piste ab, die mich nach Beni Khaddeche bringen sollte. Plötzlich waren keine Wegweiser mehr da. In einem Dorf endete der Weg, mehrere alte Männer saßen vor einem Laden auf dem Boden. Ich fragte sie nach dem Weg. Man wollte mich zurück nach Toujane schicken, aber ich blieb hartnäckig. Es musste doch eine Piste nach Beni Khaddeche geben. Ein Mann, später stellte sich heraus, dass es der Omda (Bürgermeister) war, zeichnete mir die richtige Piste auf und lud mich zum Tee ein. Es war schon ein erhebendes Gefühl für mich, in einem Land, in dem die Frau nicht viel gilt, im Kreis der Honoratioren von Smerten auf dem Boden zu sitzen und Tee mit ihnen zu trinken. Würden sie diese Gastfreundschaft auch einer auf der Durchreise befindlichen Tunesierin erweisen? Oder sehen sie mich etwa nicht als Frau an?

Später zeigte mir der Bürgermeister noch sein Haus und stellte mich der Familie vor. Das Haus bestand zum Teil noch aus der alten Höhlenwohnung, in der die Großmutter wohnte. Er selbst aber hatte sich davor ein neues Haus gebaut, in dessen Salon er mich stolz führte und mir ein Duftwasser zur Erfrischung anbot. Er wollte mir sicher zeigen, dass man in Smerten sehr modern lebte. Nachdem ich noch mit ihnen gegessen hatte, ging die Reise weiter.

Übernachtung in Ksar Hadada

Am Nachmittag kam ich durch Ksar Hadada. Das ist ein kleines Dorf in den Bergen, in dem es einen alten Ksar gibt. Diese Ksars sind ehemalige Getreidespeicher, die die Nomaden gemeinsam anlegten, um ihre Vorräte besser zu schützen, während sie mit ihren Herden unterwegs waren. Die Räume sind wie Bienenwaben neben- und übereinander gebaut. Um alles gibt es eine Mauer aus Lehm, so dass die Ansiedlung vor feindlichen Überfällen gut geschützt war. Dieser Ksar ist heute nicht mehr bewohnt, man hat aber einige der Räume restauriert und zum Hotel umfunktioniert. Das wirkt sehr gemütlich und originell und ich beschloss sogleich, hier zu übernachten. In Tunesien gibt es viele dieser ursprünglichen Hotels und man kann gut und preiswert dort wohnen und essen.

Im Hotel gibt es natürlich wieder die übliche Anmache, es findet sich sofort ein Angestellter, der meine persönliche Betreuung übernehmen will. Ich bleibe dann immer freundlich und höflich, ich unterhalte mich ja gern mal mit jemand. Es wird im Gespräch zwar auch mal auf den Busch geklopft und vorsichtig angefragt, was man denn ohne männliche Begleitung in Tunesien suche und ob vielleicht ein kleines Abenteuer gefragt sei. Aber wenn ich bestimmt dieses Ansinnen abweise, ist man auch zufrieden. Und meist geht es den jungen Angestellten auch nur um eine Unterhaltung, denn im Hotel ist um diese Jahreszeit nicht viel los.

Weiter ging es nach Chenini, einem Ort, der sich eng an einen Berggipfel klammert. Im Reiseführer steht, dass die Menschen dort sehr abweisend sind und ich muss das leider in meinem Fall bestätigen. Kurz vor dem Dorf begegnete mir ein Schäfer mit seiner Herde, der gerade bei einem neugeborenen Lämmchen kniete. Ich hielt, stieg aus und wollte mir dieses hübsche Bild näher anschauen – ohne Fotoapparat! Aber der Mann schickte mich so böse weg, dass mir jegliche Lust verging, hier länger zu bleiben. Lediglich die unterirdische Moschee sah ich mir an, schon bei der Anfahrt traf ich einen alten Mann, der mich herum führte. Er verdient sich damit ein kleines Zubrot.

Hinter Chenini verließ ich das Gebirge und fuhr weiter über steinige Hamada. Es war manchmal ein bisschen schwierig, die richtige Piste zu finden. Viele Wege in umliegende Orte zweigen ab, ich musste den Kompass zu Hilfe nehmen, um die Richtung nach Ksar Rhilane zu finden. Wegweiser gibt es kaum. Endlich traf ich auf die „Erdölpiste“, sie führt entlang der Pipeline, die algerisches Erdöl zum Hafen im Golf von Gabes bringt. Diese Piste ist sehr breit ausgebaut und meist schnurgerade. Leicht kann man hier mit 100 Stundenkilometern fahren. Aber schon nach kurzer Zeit geht von diesem schönen Weg eine kleinere Piste nach Ksar Rhilane ab. Hier beginnen nun endlich die Sanddünen, die man sich in der Sahara vorstellt. Das bedeutet aber auch, dass die Fahrspuren oft vom Sand überweht sind. Ich schaffte es aber, ohne einzusanden zur Oase zu kommen.

Übernachtung unter dem Sternenhimmel

Ksar Rhilane ist nur eine winzige Ansiedlung. Neben wenigen Häusern gibt es eine schöne Oase mit Gärten, in denen die Bewohner eifrig arbeiten. Wasser gibt es genug, zumindest jetzt im Dezember. Die Datteln hängen reif an den Bäumen. Hinter Tamariskenwäldern, in denen Vögel zwitschern, liegt ein See, der von einer warmen Quelle gespeist wird. Einem Bad steht also nichts im Wege. An dem See gibt es ein Zeltlager. Schwarze Nomadenzelte sind als Camp aufgebaut, um Touristen als Unterkunft zu dienen. Wenn aber nicht gerade eine Gruppe angemeldet ist, gibt es nicht viele Gäste und man kann die herrliche Umgebung genießen. Die Wüste blühte, überall grünte es. Das Camp ist von wunderschönen gelben Sanddünen umgeben. Es wäre ein traumhafter Platz, wenn ich nicht gleich wieder als Privatbesitz betrachtet würde. Mohamed wich nicht von meiner Seite, teilte mir ein Zelt zu und zeigte mir die Umgebung. Dann brachte er mir einen kleinen Fenek. Er hatte den armen Wüstenfuchs gefangen und hielt ihn in einem Käfig, um ihn an Touristen zu verkaufen. Das Tierchen war voller Flöhe, aber sehr süß mit seinen großen Ohren und federleicht. Am Abend kochte Mohamed für das Personal, denn weitere Gäste waren nicht da, einen Topf Couscous. Ich bekam auch eine Portion, aber er brachte sie mir in mein Zelt, ich durfte nicht mit den anderen mitessen. Das machte mich misstrauisch. Als es Zeit zum Schlafengehen war, verrammelte ich mein Zelt mit einer Wolldecke, aber es war nicht notwendig. Kein Angestellter kann sich leisten, einer Touristin ohne deren Einverständnis etwas zu tun, er wäre sofort seinen Job los. Und bei der Arbeitslosigkeit in Tunesien ist es nicht leicht, etwas Neues zu finden.

Matmata

Übernachtung in der Höhle

In Gabes, der großen Oase am Meer, geht die Straße nach Matmata, dem Höhlendorf ab. Vor Jahren besuchte ich dieses Dorf mit einer organisierten Bustour und hatte seitdem den Wunsch, einmal eine Nacht im dortigen Höhlenhotel zu verbringen. Die Fahrt geht durch öde Landschaft, dann plötzlich schaut man hinab auf eine Mondlandschaft. Wie Krater sehen die Behausungen aus. Um einen offenen runden Platz werden mehrere Höhlenräume in den Felsen gegraben, die als Schlafzimmer, Küche, Salon und Vorratsräume dienen. Meist wohnen mehrere Familien zusammen. Einige dieser Höhlenwohnungen sind zu einem einfachen, aber sehr originellen Hotel ausgebaut worden und da wollte ich übernachten. Die Räume sind sogar übereinander angebracht, um mein Zimmer zu erreichen, musste ich über eine Strickleiter hochsteigen.

Mitte Dezember ist noch keine Saison in Tunesien, in den Hotels gibt es kaum Gäste. So traf ich beim Abendessen nur noch zwei junge Männer, die in Matmata geboren waren, aber nun schon längst nicht mehr dort wohnten, es gibt ja kaum Arbeitsmöglichkeiten. Beide hatten eine gute Schulbildung, da muss man sein Heimatdorf verlassen, um Arbeit zu finden. Sliman, einer der beiden, erzählte, dass sein Bruder Direktor eines Hotels in Houmt Souk auf Djerba sei und ich müsse selbstverständlich seinen Bruder besuchen, falls ich nach Djerba käme.

Als ich vor meinem kleinen Zimmerchen saß, winkten mir zwei Mädchen zu. Sie waren auf den Hügel gestiegen, in den die Höhlen des Hotels gegraben sind und wollten so Kontakt mit mir aufnehmen. Die beiden waren Berbermädchen, bunt gekleidet, und wollten mir die elterliche Wohnung zeigen. Viele der Häuser in Matmata haben unterirdische Ölmühlen, in denen die Oliven mit Hilfe von Kamelen, die einen Mühlstein ziehen, zerkleinert werden. Die Kinder versuchen so, von den Fremden einen kleinen Zusatz zum Familienbudget zu verdienen. Fast noch begehrter als Geld sind aber gebrauchte Kleidungsstücke, von denen ich immer reichlich mitnehme.

Einladung zu einer Berberfamilie

Die Familie bestand aus der Großmutter und zwei Söhnen mit ihrer Familie. Sie zeigten mir alle Räume. Manche Höhlen dienten als Vorratsräume für den Winter, in großen Tongefäßen war Getreide und Olivenöl aufbewahrt. In anderen wiederum war das Vieh untergebracht. Der Wohnraum war sehr gemütlich mit weißgekalkten Wänden und selbstgewebten Teppichen. Ich musste auf den Teppichen Platz nehmen. Die Schuhe blieben draußen vor der Tür, man brachte mir Kissen, damit ich es auch richtig bequem habe. Dann begann die Teezeremonie. Ein Junge brachte die Gasflasche, ein Mädchen frisches Wasser. Der Vater bereitete den Tee persönlich zu. Während das Wasser kochte, gab er eine Handvoll grünen chinesischen Tees in die bauchige Kanne. Dann wird der Tee kurz überbrüht und das Wasser weggegossen. Erst danach kommt kochendes Wasser auf den Tee und die Kanne wird auf den Kocher gestellt. Aus einer dänischen Keksdose nahm er nun einen Zuckerhut und schlug ein großes Stück davon ab. Der Tee wird in Nordafrika sehr süß getrunken, während des Tages bildet er oft die einzige Energiequelle der Landbevölkerung, die meist erst abends richtig isst. Zum Schluss gab er noch einige Zweige frische Minze dazu. Nun begann der Prozess des Abschmeckens. Der Tee wird mehrmals in hohem Bogen in ein Glas ausgeschenkt und wieder zurück in die Kanne gegossen. So spart man das Umrühren. Mit ernster Miene probierte der Vater den Tee, bis er ihn für gut befand. Dann bekam ich mein Glas, auch seine Frau durfte mittrinken. In dieser Familie waren die Sitten also nicht so streng, dass sich die Frau nur in der Küche aufhalten darf, wenn Gäste kommen. Oder lag es daran, dass ich eine Frau war?

Tunesien Winter 1987/88

Mit der Habib ab Genua

In Genua auf dem großen Warteplatz vor der Fähre nach Tunesien herrschte schon richtig orientalisches Leben. Die Wagen, die bereits seit dem Morgen in Schlangen aufgereiht darauf warteten, dass sie endlich Platz in dem großen Bauch des Schiffes finden, waren bis zum Äußersten bepackt. Viele tunesische Gastarbeiter nutzten die europäischen Feiertage über Weihnachten und Neujahr, um ihre Familien wiederzusehen. Da sind nicht nur Koffer und Kisten aufgeladen, es gibt vom Fernseher über Teppiche bis zur Waschmaschine wirklich alles, die Geschäfte müssen leer gekauft worden sein. Doch neben den Pkws der Gastarbeiterfamilien findet man auch die abenteuerlichsten Geländefahrzeuge. Ein knallroter Wagen findet die Bewunderung der Wartenden, er ist selbst gebaut, sieht toll aus, aber ob er auch den Anforderungen, die eine Sahara-Fahrt an ein Fahrzeug stellt, gerecht wird, bleibt anzuwarten. Die Fahrer der Geländewagen gingen von Wagen zu Wagen, fachsimpelten mit ihren Gesinnungsgenossen, Fahrtrouten wurden ausgetauscht und die ersten Reisebekanntschaften geschlossen.

Als ich in Genua ankam, musste ich zunächst mein Schiffsticket abstempeln lassen. Vor den Schaltern herrschte ein heilloses Durcheinander. Ich wurde von einem zum anderen geschickt, schließlich landete ich vor einem kleinen Fenster, vor dem sich sicher Hundert andere schon drängten. Aber ich hatte ja Zeit, vor dem Abend fuhr das Schiff sowieso nicht los, und ich kam schon gleich mit meinen Leidensgenossen ins Gespräch, manch einen wird man später sogar wiedertreffen.

Endlich ging es los! Zäh setzten sich die Fahrzeugkolonnen in Bewegung, nacheinander frisst dieses Ungeheuer all die Wagen in sich hinein. Nun musste ich meine Kabine suchen, ich teilte sie noch mit drei weiteren Personen, ein junges Paar aus Österreich und Hans aus dem Ruhrgebiet. Er hat einen tunesischen Kollegen, der ihm soviel von seinem Land erzählt hat, dass er sich spontan in seinen Wagen gesetzt hat, um seinen Urlaub dort zu verbringen. Die Kabinen waren nicht zu verschließen, es gab keine Bettwäsche und die Waschräume waren nach kurzer Fahrt völlig verdreckt. Aber ich hatte ja nur Touristenklasse gebucht, da kann ich keinen Komfort erwarten. In der Cafeteria traf ich Barbara und Peter, die ich schon in der Schlacht vor dem Schalter kennen gelernt hatte. Die beiden wollen ein Buch über Tunesien schreiben und nutzten diesen Urlaub, um noch die letzten Einzelheiten vor Ort zu recherchieren. Bei Kaffee und Erzählen verging die Zeit und wir gingen schlafen. Hans schnarchte fürchterlich, aber wenn wir ihn baten, sich doch lieber auf die Seite zu legen, tat er das sehr hilfsbereit.

Am Morgen waren wir leider immer noch auf hoher See, die Vorfreude war kaum noch zu bremsen. Die Geländewagenfahrer hatten sich zusammen gefunden, die Motorradfahrer auch und jeder freute sich auf die Abenteuer, die ihm bevorstanden. Wir mussten bis zum Nachmittag warten, bis die „Habib“ endlich in den Hafen La Goulette bei Tunis eingelaufen war. Die Familien der Gastarbeiter standen am Kai und winkten, aber die Polizei- und Zollabfertigung wartete auch schon auf uns. Das Ausladen der Fahrzeuge dauerte endlos, sofort bildeten sich wieder die bekannten Schlangen vor der Zollabfertigung. Die vollbeladenen Wagen der Tunesier mussten völlig ausgeräumt werden, bis ich endlich durch die Abfertigung kam, war es Abend.

Ich verließ Tunis auf dem schnellsten Wege und fuhr ins 60 Kilometer entfernte Nabeul, das ich schon von einem früheren Urlaub her kannte. Damals kam ich über ein Reisebüro in dieses als Club geführte Hotel und fühlte mich sehr wohl; ich hatte mich vorher schon telefonisch erkundigt, ob das Hotel geöffnet hat. Es hatte, aber ich war der einzige Gast. Für die eine Nacht hatte ich einen Bungalow für mich, in dem großen Restaurant servierte man mir ein Menü mit fünf Gängen und alle waren sehr nett zu mir. Nach dieser wirklich anstrengenden Anreise konnte ich mich hier erst mal erholen, bevor dann am nächsten Morgen endlich das Abenteuer anfangen konnte.

Autopanne vor Kairouan

Von Nabeul aus sollte es geradewegs in den Süden gehen. Am Straßenrand sind Verkaufsstände mit Orangen, sie sind herrlich süß und sehr billig. Kurz vor Kairuan, der berühmten „heiligen“ Stadt und Teppichmetropole, stand ein Fahrzeug mit geöffneter Kühlerhaube am Straßenrand. Einige Männer standen um den Wagen, einer winkte mir, stehen zu bleiben: „Wir haben eine Panne, können Sie mich bitte mit in die Stadt nehmen?“ Aber klar, obwohl ich schon weiß, was er wirklich will, nahm ich ihn mit. Auf der Fahrt fragte er mich dann, ob ich Kairuan besichtigen wollte. Ich sagte ihm, dass ich ohne Aufenthalt weiter in den Süden fahre. „Aber man muss Kairuan doch gesehen haben, ich kann es Ihnen gerne zeigen,“ meint der junge Mann. „Nein danke, ich war schon mehrmals dort,“ entgegnete ich. „Aber meine Schwester heiratet, ich lade Sie zur Hochzeit ein, kommen Sie doch mit mir!“ Als ich ihm nochmals versicherte, dass ich keinesfalls in Kairuan bleiben will, ist die Autopanne vergessen, und er will auf freier Strecke aussteigen, sicher wird er bessere Opfer finden, denen er seine Teppiche verkauft.

Weiter ging es auf einer sehr guten Straße durch einsame Landschaft. Nur hier und da mal ein Café mit Erfrischungen, kaum eine Ortschaft. Dann sah ich am Straßenrand Holzkohlenmeiler. Ich hielt an und sah den Männern bei der Arbeit zu. Holzkohle wird im Süden noch sehr viel verwendet, in den Dörfern wird sie zum Kochen benutzt und jetzt im Winter auch zum Heizen. Man füllt kleine Tonbecken mit glühender Kohle, dicht gedrängt sitzt dann die Familie im Kreis um das Becken und wärmt sich.

Erinnerungen ….

In diesen Coronazeiten hat der Reisende ja nur noch seine Erinnerungen, ansonsten ist er zu Hause eingesperrt. Gestern postete Abdellah vom Riad Fennek Sahara ein Foto eines Feneks, eines Wüstenfuchses. Und das weckte Erinnerungen in mir.

Es ist unendlich lange her. Wann war es? Vielleicht so Mitte der 1990er. Ich war in Merzouga, besuchte meinen guten Kumpel Hassan, der bisher sein Geld verdiente, indem er Touristen auf seinem Kamel vor der großen Düne für ein Foto posieren ließ. Das brachte ihm den Namen Hassan le Touareg und auch etwas Geld ein, so dass er eine kleine Auberge eröffnen konnte und natürlich wohnte ich bei ihm. Die Auberge war noch ganz einfach, aber ich hatte ein kleines Zimmerchen und draußen waren Gemeinschafts-WC und Dusche. Damals brauchte man nicht mehr.

Aber Hassan hatte noch etwas Besonderes. Bei seinen Ritten durch die Sahara hatte er ein kleines Fennek Baby gefunden, das wohl keine Mutter mehr hatte. Er nahm es mit, baute ihm einen kleinen Käfig und zog es auf. Besonders liebte er die frischen Erbsen, die Hassan vor der Auberge zog. Und dann kam ich. Natürlich verliebte ich mich sofort in den kleinen Kerl und der sah mich bald als seine Mutter an, er folgte mir überall hin. Inzwischen durfte er tagsüber frei laufen, unter Aufsicht, denn er soll ja nicht von Raubtieren gefressen werden. Nachts sollte er in den Käfig. Aber natürlich nicht mit mir. Ich nahm ihn mit ins Zimmer und bald schlief er in meinem Bett. Okay, gut, ganz sauber war er nicht. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf für so ein süßes Baby.

Doch irgendwann musste ich wieder heim und als ich im nächsten Jahr wiederkam fragte ich natürlich sofort nach meinem Fennek. Doch Hassan hatte ihn frei gelassen, seiner Wüste zurück gegeben.

In diesem Jahr hatte ich aber noch ein anderes Tier-Erlebnis. Ich war mit Kumpel Ali Mouni unterwegs, kam an einer Auberge vorbei, die wegen Renovierung geschlossen war. Sie liegt auf einem Hügel, bietet eine tolle Aussicht und heißt deshalb auch Panorama. Wir waren hoch gefahren um die Aussicht zu genießen. Und hörten ein jämmerliches Miauen. Ein Kätzchen, ganz offensichtlich eingeschlossen und schrecklich hungrig. Die Auberge war leer und verlassen, keine Ahnung, wie die Katze da rein gekommen war. Jedenfalls bemühten wir uns und bekamen schließlich die Tür unten so einen kleinen Spalt auf, dass ich meine Hand hinein schieben und das Kätzchen greifen konnte. Im Auto hatten wir noch eine Dose Ölsardinen und das Kätzchen fraß sich erstmal satt. Aber nun, wohin damit? Ali hatte noch lange nicht seine Auberge, aber da gibt es doch Hassan. Nichts wie hin zu ihm und um Asyl für das kleine Kätzchen gebeten. Und dort lebte es noch lange.

Und aus der kleinen Auberge, von der ich keine Fotos mehr habe, ja, damals gab es noch kein Smartphone, auf das man immer drückte, wurde die wunderschöne Auberge Le Toureg, eine der vielen Erfolgsgeschichten von Merzouga. Und ich kann nur hoffen, dass Corona ihr nicht den Garaus macht.

Aartal – Radweg

1. Tag

Meine erste Berührung, oder besser Nicht-Berührung mit diesem Radweg hatte ich, als ich aus den Wäldern nordöstlich von Adolfseck kam und einen Weg zurück nach Taunusstein suchte, möglich abseits von Verkehr. Ich nutze zur Navigation google maps, die schickten mich zunächst von Adolfseck über die B54, vorbei an dem Abzweig Bad Schwalbach. Mein Navi kannte keinen Radweg auf der Strecke, es war auch nichts ausgeschildert von der B54, also versuchte ich, nach Seitzenhahn zu kommen und wollte von dort durch den Wald nach Taunusstein. An der Straße nach Seitzenhahn sah ich tatsächlich einen Weg, der Richtung Bad Schwalbach abging, nicht aber nach Taunusstein. Und wie schon gesagt, von Beschilderung keine Spur.

Als ich dies in Facebook postete, in der Gruppe Rund um Wiesbaden, bekam ich von einem Herrn böse Bemerkungen, von wegen es gibt einen Radweg, auch ohne Unterbrechungen und ausgeschildert. Zum Glück habe ich aber die Facebook Gruppe Taunusstein fährt Rad gegründet und dort bekam ich hilfreiche Hinweise. Also fuhr ich noch am selben Abend los, um diesen Weg zu suchen. Was die Unterbrechungen betrifft, so gibt es sie natürlich, auf der ganzen Strecke. Ich fahre ab Wehen, da hat man schon im Ort eine Unterbrechung. Weiter geht es über die Dornbornstraße, zwar ruhig, aber kein Radweg, bis dann am Ortsende endlich wieder ein solcher beginnt. Dieser endet aber in Hahn und es dauert wieder ein Weilchen, bis man dann vorbei am Schwimmbad den weiteren Radweg nach Bleidenstadt findet. All das leider nicht komplett in google maps und auch nicht in Komoot, also kann ich mich nur teilweise navigieren lassen. In Bleidenstadt endet dann der Weg erstmal am Klärwerk/Tennisplatz, aber jenseits der B54 geht er weiter, der Überweg endlich mal gesichert, was in Taunusstein selten der Fall ist.

Dann kam ich an die Abzweigung nach Seitzenhahn, danach wurde der Weg merklich schlechter und endete bald mitten in den Brennnesseln. Das war also nichts, es ging wieder zurück. Eine Ausschilderung gab es nicht.

2. Tag

Am nächsten Tag wollte ich das ganze erneut probieren. Mit Komoot wollte ich navigieren und fand dort eine Route durch den Wald. Das fand ich interessant und sah es als gute Rundfahrt, denn so könnte ich von Bad Schwalbach aus den Radweg erkunden, der sollte ja an der Molkerei anfangen. Gesagt getan, zum großen Teil kannte ich den Weg schon. In Seitzenhahn war aber mal wieder Ende, Gelände, keine Beschilderung, kein Radweg. Ich suchte mich irgendwie durch und kam schließlich auf die Straße, die runter zur B54 führt. Und ich fand einen Weg, der nach Bad Schwalbach gehen sollte. Ob da jetzt ein Schild stand oder nicht, weiß ich nicht mehr. Der Weg war okay, es ging rauf und runter und schließlich kam ich nach Hettenhain. Wieder alles zu Ende. Mit Glück fand ich aber doch den Radweg, der weiter führte und kam in einem Wohngebiet in Bad Schwalbach an, also nicht an der Molkerei. So viel ich weiß waren es bis hier 17 km.

Dann ging es über die Hauptstraße zur Molkerei, und ja, ab der Stadtmitte ist der Aartal Radweg wunderbar ausgeschildert, aber eben nicht von der B54. Und dieser Weg trifft dann auch sehr bald den Weg, den ich gekommen bin. Bis zum Abzweig Seitzenhahn war alles genau das Gleiche, und dort an der Straße merkte ich dann, dass mein Weg, den ich gekommen bin, sehr viel höher durch den Ort führt, wenn man aber runter zur B54 fährt geht es kurz vor der Bahn weiter durch das Aartal. Das muss man erstmal wissen, weil ja weder das Navi noch Schilder das anzeigen. Von da aus war es dann wieder genauso wie gestern Abend, vorbei an der Mühle und dem dicken Fisch, und dann über die Straße bis zum Tennisclub.

Aber als Kritikpunkte muss ich sagen: Die Stadt sollte mehr dazu beitragen, dass der Weg auch in google maps und dergleichen gefunden werden kann. Gerade an den Unterbrechungen durch Straßen stehen oft keine Schilder und die Orientierung für Fremde ist ziemlich schwer. Für Familien, die vielleicht kleine Kinder mit Rad bei sich haben, wegen der Unterbrechungen nur zu empfehlen, wenn die Kinder auf Straßen sicher sind.

Hier noch einmal die ganze Rundfahrt ab Wehen

Tunesien – eine Alternative?

Leider entwickeln sich die Corona Zahlen in Marokko nicht so gut, in Tunesien schaut es da schon viel besser aus. Tunesien wurde von Deutschland auch gerade aus der Liste der Risikogebiete genommen.

Könnte Tunesien also eine Alternative für den nächsten Winter sein? Für all die, die es zu Hause im kalten, grauen Winter nicht aushalten, so wie ich? Natürlich muss man die Entwicklung genau beobachten, keiner kann voraussagen, wie es schon im nächsten Monat aussieht, aber für mich stellt es sich doch als realistische Möglichkeit dar.

Im Jahr 1995 hatte ich ja einmal einen Reiseführer Tunesien herausgebracht. Es war damals noch im Werner Rau Verlag, und es lief nicht gut. Meine Leserschaft damals waren die Geländewagenfahrer, aber die Tunesien-Touristen suchten Ruhe und Erholung in den Strand-Resorts, dafür brauchten sie mein Buch nicht. Wohnmobile waren noch nicht in großer Zahl unterwegs.

Ich habe danach noch einige Jahre das Manuskript aktuell gehalten, so dass die Informationen nun etwa aus dem Jahr 2004 sind. Und dieses Manuskript stelle ich allen kostenlos zur Verfügung, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, nach Tunesien zu fahren. Ihr könnt es in meinem Shop im Bereich ebooks direkt herunter laden, auch ein extra Campingplatzverzeichnis ist angefügt. So könnt ihr euch schon mal einen Überblick verschaffen.

https://shop.edith-kohlbach.de/

Ich werde das Geschehen in Tunesien, aber auch in meinen Lieblingsländern Marokko und Florida genau verfolgen, aber wenn alles so bleibt wie im Moment strebe ich an, im Herbst nach Tunesien zu fahren und mein Buch neu herauszugeben. In der Zwischenzeit werde ich alle Infos, die ich bekomme, in das ebook einarbeiten, so sind ja zum Beispiel viele Pisten, wie die nach Ksar Ghilane, inzwischen asphaltiert. Neuere Versionen werden immer in den Shop eingestellt, daher vor der Abfahrt noch mal nachschauen, ob es was Neues gibt. Und schon am Ende des Jahres oder im Januar könnte dann das Buch erhältlich sein. Meine Facebook Gruppe Marokko – Mauretanien habe ich deshalb schon umbenannt in Marokko – Mauretanien – Tunesien mobilunterwegs

Nun aber zur Frage: lohnt sich Tunesien?

Wenn ich an die Camper denke, die sich in Marokko, was so viele wunderschöne und komfortable Campingplätze hat, über den Dreck und schlechte Sanitäranlagen beschweren, dann möchte ich sagen, bleibt zu Hause. Tunesien ist kein klassisches Campingland, es gab schon vor Corona nur sehr wenige Plätze, meist in schlechtem Zustand und wenig besucht. Durch den Einbruch des Tourismus ist nun natürlich noch mehr geschlossen. Von daher ist Tunesien ganz klar ein Land für abenteuerliche Touristen, die das Fremde suchen, das Aufregende und auch bereit sind, einmal etwas auszuprobieren. Es ist nicht so groß und abwechslungsreich wie Marokko, auch die Berge sind bei weitem nicht so hoch und in den fernen Süden darf man nicht reisen, aber es ist dennoch interessant. Die politische Situation zu Zeit ruhig. Ich freue mich darauf.

Rettbergsau

Der Entschluss stand fest, vor allem nach dem Zwischenspiel mit der Zimtzicke. Ich fahre nicht mehr mit der Gruppe. Zu anstrengend, zu wenig Pausen.

Und dann kam Markus‘ nächste Einladung. Mittwoch 18 Uhr zur Rettbergsau mit Picknick. Ich war platt. Das hat er ganz klar nur wegen mir gemacht, denn nur Aleks und ich wollten ja Pausen und nicht so schnell durchpaddeln. Also ging es ja nicht anders, ich lobte ihn für die gute Idee und sagte unsere Teilnahme zu. Wir erschienen mit minimalem Picknickzubehör, jeder sollte was mitbringen und dann teilen. Ich war sehr gespannt auf den Ablauf. Es kamen recht viele Leute, ich glaube es waren zehn. Und die Zimtzicke war nicht dabei. Raus aus der Hafeneinfahrt, rüber zur Auen-Einfahrt und an den Strand. Super kurze Strecke also, was mich noch mehr verwundert hat. Wir legten an, stülpten ein Boot um und breiteten darauf unsere Schätze aus. Wie gesagt, wir hatten minimal eingekauft. Aber außer Markusses Nudelsalat kamen nur ein paar Kräcker. Diese Picknickidee hat sich in diesem Club also noch nicht richtig durchgesetzt. Aber unsere kalten Bockwürstchen kamen gut an.

Es war recht nett, wir blieben fast eine Stunde, dann wurde eingepackt. Zur Ausfahrt, ab in den Hafen gedreht? Aber nein doch. Nun soll es doch um die Rettbergsau gehen. Oh mein Gott. Die Organisation dieser Ausfahrten ist doch etwas ungewöhnlich. Ich würde ja lieber erst eine größere Strecke machen und dann picknicken. Wollte schon abbrechen, aber Markus sagte, du kommst mit. Also noch mal die Tour von 10 km, die ich ja schon gemacht hatte. Diesmal klappte es bei mir zwar etwas besser, aber Aleks war ziemlich hinten und einen offiziellen Schlussmann, der auf die letzten aufpasst, gab es nicht. Ich sprach kurz mit Markus darüber und er gab die Info dann wohl auch weiter, aber trotzdem sagte mir Aleks später, dass er oft auf dem weiten Rhein, wo ja dann auch die großen Kähne vorbei zogen, ganz allein war und sich ziemlich unwohl gefühlt hat. Ich fürchte für ihn ist es die letzte Tour mit der Gruppe gewesen. Zudem sich am nächsten Tag auch sein Freund Iwan aus dem Urlaub zurück gemeldet hat, nun braucht er mich nicht mehr als Lückenbüßer.