Birding Tour

Birding ist in Florida ein bei älteren Menschen sehr beliebtes Hobby. Sie gehen mit starken Teleskopen, Ferngläsern und langen Zooms auf die Suche nach Vögeln. Ich habe das ja auch gemacht, heute nicht mehr, denn inzwischen habe ich mit einer winzigen Kamera über 100 Arten in Florida fotografiert und bestimmt und finde nichts mehr Neues. Aber gestern hat mich eine Bekannte auf eine geführte Birding Tour mitgenommen.

Also ehrlich, ich habe mich nur amüsiert. Es war so ganz anders, als was ich früher, und meistens alleine, gemacht habe. 25 Leute stürzten dem Führer hinterher, der Vögel in einer so weiten Entfernung zeigte, dass die Teleskope tatsächlich ihre Berechtigung hatten. Wenn ich alleine unterwegs bin sind die Tierchen zum Greifen nahe. Aber 25 Leute, die lauthals redend durch die Natur stiefeln, erschrecken jeden Vogel. Außerdem konnten sie auf den schmalen Wegen nur in einer langen Reihe einzeln hintereinander laufen, so konnten also nur die drei vordersten hören, was der Führer sagte. Im Ganzen konnten sie so nur 4, 5 Arten identifizieren. Und ich finde, das schönste Foto habe ich gemacht, nämlich das von den in die Ferngläser starrenden Menschen.

 

Hanoi, Vietnam

– oder wenn nicht jetzt, wann dann?

Man bekommt ja täglich ziemlich viel Werbung zugeschickt und das meiste wird von mir ungelesen gelöscht. Reiseangebote schaue ich mir allerdings meistens kurz an. Und so kam heute von einem mir bekannten Reisebüro das Angebot für einen Flug nach Vietnam für sage und schreibe 327 Euro. Wohlgemerkt, nicht nur hin, sondern auch wieder zurück. Der reine Flug war tatsächlich nur 80 Euro, der Rest waren Steuern. Und das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich war noch nie in Asien und solch ein fernes Land reizt mich doch sehr. Aber da ist ja nur der Flug dabei, sonst nichts. Also habe ich mich mal im Internet eingelesen. Vor allem hat es mich interessiert, was Hotels so kosten. Und die sind erstaunlich billig. Ich habe schon ein paar Stunden Überlegung gebraucht, aber dann habe ich den Flug gebucht. Natürlich erst meinen Mitarbeiter gefragt, ob er einsatzbereit ist. Ist er, er fährt genau ein Tag nach meiner Rückkehr selbst weg, klappt also.

Das ganze sieht nun also so aus: Da der Flug so billig ist, ist es natürlich kein Lufthansa Business Direkt Flug, sondern Air China. Und es gibt nur einen einzigen Termin, vom 12. bis zum 28.5.2020. Aber trotzdem viele Varianten, die teils 33 Stunden dauern mit 2 Stopps, einer hat 20 Stunden Aufenthalt in Peking. Da ich aber so schnell gebucht habe, habe ich einen ganz guten Flug bekommen, auf dem Hinweg nur 14 Stunden in Peking, wo ich mir den Flughafen mal so richtig gut anschauen und die Menschen mit ihren Gesichtsmasken betrachten kann. Auf dem Rückweg geht es schneller weiter und ich komme noch am gleichen Tag nach Hause. Wenn ihr also nun auch wollt, dies ist das Angebot:

elumbus

Ich habe vorläufig geplant, die ganze Zeit in Hanoi zu bleiben und die Stadt so richtig auf mich wirken zu lassen. Ich war mal 14 Tage in Tunis und das war sehr schön. Nachher kannte mich jeder Händler im Souk und ich hatte tolle Erlebnisse. Es hat mich etliche Stunden gekostet, das richtige Hotel zu finden. Es gibt so unglaublich viele. Und sie sind so preiswert. Nun habe ich eine tolle Suite gebucht mitten in der Altstadt für nur 480 Euro, inklusive Frühstück. Für 14 Tage. Die Bewertungen für das Hotel sind super und ganz offensichtlich kann man auch Ausflüge organisieren. Bei diesem niedrigen Preis lasse ich durchaus das Zimmer mal leer und mache eine schöne Tour, aber das wird erst vor Ort entschieden.

Also zunächst hatte ich ja etwas Hemmungen, so etwas ganz fremdes zu buchen. Aber dann habe ich mir einen Ruck gegeben. Ich bin nicht mehr die Jüngste und so viel Zeit habe ich nicht mehr, etwas Besonderes zu unternehmen. Ich freue mich total.

Nachtrag vom 22.2.2020: Erst nachdem ich gebucht hatte erfuhr ich, dass Vietnam alle Einreisen mit Transit aus China verweigert. Ich habe daraufhin das Reisebüro angerufen. Sie zucken nur mit den Schultern, meinen, es ist noch zu früh, um vorauszusagen, was im Mai ist. Also heißt es warten und noch nichts  zusätzliches buchen. Die einzige Ausgabe war bisher für einen Lonely Planet Reiseführer, der hier in USA viel billiger ist. Das Geld für den Flug würde ich zurück bekommen und das Hotel kann ich bis zum 8. Mai kostenfrei stornieren.

West Orange Trail

Nun aber endlich der lange versprochene Bericht über den West Orange Trail. Immer wenn ich in meiner Umgebung von meinem Buch über Bike Trails berichtete fragte man, ob ich den West Orange Trail kenne. Es musste also etwas ganz besonderes sein und reizte mich sehr. Klar war vor allem, dass er in meine neue Ausgabe gehört. Allerdings liegt er auch dicht bei Orlando und damit in einer sehr verkehrsreichen Gegend. Achtspurige Straßen sind dort die Regel. Aber es musste sein. Ich suchte mir eine Unterkunft in Apopka, denn ich rechnete 4 Tage für die Recherche, es ging ja nicht nur um diesen Trail, rund um den Lake Apopka gibt es noch zwei weitere Trails, die sehr vielversprechend aussahen. Zunächst mache ich dann immer eine Internet-Recherche, um so viel wie möglich herauszufinden. Schön ist auch, dass es gerade über diese Gegend sehr gute Unterlagen gibt, so kann sich jeder in den Trail-Stationen eine gute Karte kostenlos besorgen.

Station ist übrigens das zutreffende Wort. Dieser Trail wurde großenteils auf einer alten, eingestellten Bahnlinie gebaut, und die Bahnhöfe, also Stationen, sind heute wunderschöne Trailheads. Ich fuhr zunächst zur Winter Garden Station, die schön in der Mitte liegt. Ich traf dann später Gisela, von der ich bereits berichtet habe, und sie sagte mir, dass sie die Trails in meiner Umgebung so langweilig findet. Ich war natürlich etwas gekränkt, liebe ich doch unsere Radwege so sehr, dass sie mich sogar zu meinem Buch veranlasst haben.

Doch nachdem ich den West Orange Trail kennengelernt habe, muss ich Gisela Recht geben. Er ist wunderschön. Hier geht es nicht nur durch Natur, sondern auch durch sehr schöne urbane Regionen. Winter Garden, wo ich begann, das aber in der Mitte des Weges liegt, ist wirklich ein Traum. Es ist eine kleine, sehr charmante Stadt, in seinem historischen Ortskern ganz ohne die üblichen Fastfood-Ketten, hier gibt es europäisch anmutende kleine Restaurants und Cafés, und der Trail geht mitten hindurch. Und er ist belebt. Es ist zwar gerade Wochenende, aber dieser Radweg wird sehr gut angenommen und bringt damit auch Kunden in das lokale Business, etwas, das anderen Orten sehr fehlt. Ein Radweg in Florida ist immer eine Bereicherung für den Ort, es hebt auch den Wert der Grundstücke, die daran grenzen. So haben Gisela und John ihr schönes Wohnhaus gerade deshalb gewählt, da es an den Trail grenzt. Dass es außerdem direkt am schönen Lake Apopka liegt war natürlich auch ein Argument.

Von Winter Garden ging es dann zunächst ans westliche Ende, wobei man durch Oakland kommt. Das hat zwar nicht ein so hübsches Ortszentrum, es ist eher eine Schlafstadt für Menschen, die in Orlando arbeiten, aber dafür wunderschön. Herrliche alte Südstaatenhäuser unter moosbehangenen Eichen begrenzen den Weg und auch die neuen Siedlungen sind in einem passenden Stil gebaut. Ja, hier kann man es aushalten. Das Ende liegt dann in Killarney Station, von hier aus geht ein Trail weiter westlich zum Lake Minneola, aber der wird von mir später gefahren, heute muss ich zurück nach Winter Garden.

Am zweiten Tag habe ich mir dann die Strecke nordöstlich von Winter Garden angeschaut bis zum Ende des Trails in Apopka. Was für ein Unterschied. Apopka ist absolut hässlich, eigentlich genau so, wie man sich amerikanische Orte vorstellt, mit einer verkehrsreichen vierspurigen Straße durchs Zentrum und Fastfood an Fastfood. Trotzdem halte ich für einen Kaffee bei Dunkin Donuts und will am Drive-in Fenster bestellen, aber die Dame ignoriert mich vollkommen auf meinem Fahrrad. Erst als ein Pickup herankommt winke ich ihn vors Fensterchen und erst dann werde ich gefragt, was ich möchte.

Nein, Apopka ist nicht meine Welt. Es wird im Gegensatz zu Winter Garden sehr stark von AfroAmerikanern bewohnt und manch einer warnte sogar, es wäre nicht ganz sicher dort. Ich hatte keine Probleme, aber eins ist klar, diese Straße im Zentrum kreuzt man besser nicht mit dem Fahrrad, deshalb wurde hier auch ein aufwändiger Übergang gebaut, den ich dringend empfehle auch zu benutzen. Die Autos halten nicht. Jenseits geht es dann zur Apopka Station, auch dies wieder ein ehemaliger Bahnhof, und von dort noch einige Kilometer weiter nach Norden, die ich auch brav bis zum Ende fahre. Ich muss ja alles über den Trail erfahren. Aber jedem der hierher kommt kann ich nur raten, Apopka Station zum Umdrehen zu benutzen. Weiter geht es entlang einer sehr breiten verkehrsreichen Straße und von Schönheit ist hier nichts mehr zu sehen.

Zuvor hatte ich mir eine Unterkunft ausgerechnet in Apopka gesucht, ich kannte es ja nicht, wählte den Ort nur, weil er ideal an der Strecke lag und auch preiswert war. Doch war dies völlig okay. Orte in Florida sind ja meist sehr groß und weitläufig und so gibt es auch ruhige Gegenden. Meine Unterkunft lag in einem Privathaus in einer gepflegten Vorstadt und ich war recht zufrieden.

Das Buch kann im Onlineshop bestellt werden, es ist in Englisch.

Lake Woodruff National Wildlife Preserve

Diesen Park kenne ich gut und ich muss jedes Jahr wieder hin. Vor allem wegen seinem „Gator in Residence“. Diesmal war ich aber mit einer kleinen Gruppe geführt vom Master Naturalist Roger Fulton dort und unser Augenschein galt anderem, Kleinigkeiten, die man sonst oft übersieht. Vor allem fiel mir dieser Baum auf, dessen Stamm mit Stacheln übersät ist, der Zanthoxylum clava-herculis wächst nicht bei uns und deshalb gibt es auch keinen deutschen Namen dafür, noch nicht mal einen deutschen Wikipedia Eintrag. Sein Same wird durch Vögel übertragen, die seine Frucht fressen und die Körnchen ausscheiden, deshalb stehen sie oft völlig allein in einem Wald. Oder wie es hier heißt, in einem Hammock. Hammock ist das indianische Wort für schattiges Gebiet, also sehr zutreffend für einen Wald. Schön anzusehen sind auch die Sumpfzypressen, die hier zwar endemisch, allerdings nicht selten sind, gibt es doch reichlich Sumpfgebiete in Florida. Die Echte Sumpfzypresse erreicht Wuchshöhen von bis 35 Meter und einen Stammumfang von gut 5 m. Sie kann über tausend Jahre alt werden. Die Art wächst auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets und wird sogar in europäischen Parks angepflanzt.

Dann sahen wir in einer Astgabelung ein Nest. Mit bloßem Auge konnte ich nicht erkennen, ob es bewohnt war, machte aber trotzdem mal ein Foto mit meiner zwar winzigen Kamera, die aber dennoch ein gutes Zoom hat. Und tatsächlich, zu Hause am PC konnte ich dann ganz klar den Rotschulterbussard erkennen, der seine Brut im Nest hütete.

Ab in den Dschungel

Heute stand Hiking auf dem Programm von Explore Volusia. Eine Extremtour von 2 km in 90 Minuten, da muss man sich natürlich entsprechend ausrüsten. Ich habe die Tour schon mehrmals gemacht und wollte eigentlich schwänzen, aber da hatte ich schon vor acht gut gefrühstückt, gespült und mein Zimmer gemacht, also warum nicht. 24 Leute gingen auf die Pirsch, natürlich vollständig ausgerüstet. Wenn schon, denn schon. Ich natürlich auch. Es folgen ein paar Fotos. Zu beachten die Dame voll ausgerüstet mit Moskitonetz um den Kopf und der schwere Silberarm. Und natürlich die Autorin in Tarnfarben. Damit mich die Wildschweine nicht sehen.

Back Home

Nun bin ich zurück in den eigenen vier Wänden nach einer dreitägigen Reise und bin total kaputt. Old Age or what. Klar, ich bin viel Fahrrad gefahren, aber habe auch recherchiert. Und bin einfach fertig. Es ist halt einfach nicht mehr so, als wäre man 20. Aber es war so schön. Der Trip hat sich wirklich gelohnt.

Alligator zum Frühstück

Geht der Wildlife Drive von gestern noch zu toppen?

Ja, geht. Obwohl heute etwas ganz anderes auf meinem Programm stand wusste ich nach dem Aufstehen doch, dass ich den Loop durch dieses Gebiet fahren will, also den Radweg und nicht wie gestern den Autodrive. Und so war ich schon richtig früh auf der Piste und das war einfach ein Traum. Das erste Tier, das mich am Eingang begrüßt hat, war ein Flussotter. Und so ging es weiter. Überall Vögel, es quakte, piepste und pfiff um mich herum. Der Fischadler saß hoch oben auf einem Baum und schaute nach einem Frühstückshappen aus, der Anhinga breitete seine Flügel zum Trocknen aus, Enten überall. Und natürlich Alligatoren en masse. Die größten und fettesten und längsten Exemplare, die ich je gesehen habe. Und vor allem zum Anfassen nah. Eigentlich habe ich keine Angst, aber so ein bisschen Respekt hat man doch. Der Riesenkerl liegt direkt neben dem Weg. Wenn er es sich jetzt in den Kopf setzt, mich anzuspringen, dann hat er mich. Schwimmsachen könnt ihr euch also sparen, denn ihr würdet sie zum letzten Mal nutzen.

Es ist Sonntag, ein bildschöner Tag und so ist der Trail gut besucht von Radfahrern und Wanderern. Ich rate aber jedem, der diesen Trail zum erstenmal macht, plant die doppelte Zeit ein. Man muss einfach ständig stehen bleiben und schauen. Ich habe so gut an die 20 Alligatoren gesehen. Da brauche ich keine Everglades.

Lake Apopka Wildlife Drive

Nach diesem traumhaften Abend hätte ich nie damit gerechnet, dass heute ein weiteres Highlight kommt. Und doch war es so. Zunächst mal kurz über mein AirBnB. Als ich ankam war ich nicht ganz so begeistert, denn mein Zimmer ist klein und es gibt keinen Tisch zum Arbeiten. Das ist ein Manko für eine Schriftstellerin. Aber das Paar, das dieses Haus betreibt, ist einfach super. Rafaele ist Spanier, kam vor 32 Jahren in die USA und arbeitet als Lehrer. Seine Frau Cindy hat er in der Schule kennengelernt, auch sie ist Lehrerin. Die beiden sind super nett. Da nimmt man auch das Fehlen eines Schreibtisches in Kauf. Und ihnen hatte ich ja den gestrigen Abend zu verdanken.

Heute ging es wieder auf den West Orange Trail und kurz nach Mittag hatte ich die Recherche dazu abgeschlossen. Also noch Zeit für eine weitere Aktion. Ich hatte eine Karte über den Lake Apopka und dort war ein Wildlife Drive eingezeichnet. Also ein Spaziergang mit dem Auto. Ich weiß, Greta wäre nicht begeistert und auch die Alligatoren sind es nicht, die sonst einen netten menschlichen Happen zu fressen bekämen. Außerdem ist er 11 Meilen lang, das wäre zu Fuß zu viel. Mit dem Rad ginge es ja, aber da kann ich gleich vorwegnehmen, dass es für Radfahrer einen separaten Trail gibt, dazu später. Und außerdem taten mir meine „privaten Teile“ weh, wie die Amis so schön sagen, vom vielen Radfahren.

Auch in der Nähe von Daytona, auf Merritt Island, gibt es einen Wildlife Drive. Auch der ist wunderschön, habe ihn mehrmals gemacht. Er kostet allerdings eine Eintrittsgebühr, während dieser Drive kostenlos ist. Und schon ging es los. Wer Entenbraten liebt und ein Gewehr hat wäre hier begeistert, noch nie habe ich so viele Enten gesehen, eine schöner als die andere. Und natürlich auch andere Wasservögel, groß und klein. Und Alligatoren. Aber natürlich ist es ein geschütztes Naturreservat, das wissen die Tiere auch, denn ich kam noch nie so nahe an die Vögel heran, sie haben keine Angst. Auch den ersten Alligator, der seinen Kopf tief im Wasser vergraben hatte, hätte ich bequem streicheln können, so nah war er. Aber es wäre vielleicht mein letztes Alligatorstreicheln gewesen. So unbeweglich die Tierchen aussehen können, so schnell sind sie auch wenn nötig.

Dann kam ich an die alte Pumpenstation. Hier treffen sich Auto-Drive und Fahrradweg und ich erfuhr, dass es rund um den Lake Apopka einen wunderschönen Trail gibt. Er ist nach Auskunft eines Radlers etwa 30 Meilen lang mit nur einem Ein- und einem Ausgang. Zu lang also für mich. Aber unglaublich schön. Für dieses Jahr ist das zu viel, aber ich verspreche euch, im nächsten Jahr kommt das in meine neue Ausgabe.

Mariachi – Musik

… oder Zufälle gibt es nicht.

Man muss das Haus verlassen, um etwas zu erleben, selbst wenn das Haus in Port Orange steht. Das war heute ein so grandioser Abend, war so toll. Das hätte ich nicht in Port Orange erlebt und erst recht nicht in Taunusstein.

Doch von vorn. Heute früh fuhr ich für drei Tage nach Winter Garden und Apopka, um den West Orange Trail zu erkunden. Das ist zwar nur knapp 100 km von Port Orange entfernt, aber ich brauche mehrere Tage dazu und wollte nicht täglich den weiten Weg zurück fahren. Darüber werde ich euch später berichten. Kurz zuvor schrieb ich eine Email an einen John, den ich zwar nicht kenne, der mich aber mal angeschrieben hatte, weil er über Bike-Ereignisse informiert werden will. Nun habe ich zwar ein Buch über Bike Trails geschrieben, aber über Bike Ereignisse weiß ich nichts. Mit einer Ausnahme, unser schönes Ereignis am 1. März. Also schrieb ich eine Email, um darauf hinzuweisen, und erwähnte auch, dass ich das Wochenende in Winter Garden sein werde. Umgehend kam eine Antwort zurück, dass er doch gleich am Orange Trail in Winter Garden wohne und er und seine Frau mich gerne treffen würden. Klar, wenn das problemlos geht, warum nicht. Ich parkte mein Auto in Winter Garden Station, fuhr den Trail zuerst in die eine Richtung, dann wieder zurück zum Auto, bevor ich die andere Richtung erkunden wollte. Und so ergab es sich super, dass ich John und Gisela für eine erholsame Kaffeepause treffen konnte. Und war überrascht, dass Gisela eine Deutsche ist. Und beide waren sehr, sehr sympathisch. Vor lauter Erzählen vergaß ich fast meine Aufgabe.

Doch die Zufälle waren für diesen Tag noch nicht erschöpft. Am Nachmittag kam ich in meine AirBnB-Unterkunft, duschte und fragte nach einem guten Tipp für ein Restaurant. Man empfahl mir La Porta, einen Mexikaner.

Nun muss ich aber erwähnen, dass ich sehr viel lese, und vor allem amerikanische Krimis. Im Augenblick ist Harry Bosch dran, geschrieben von Michael Connelly, und der Detektiv bei der Polizei von Los Angeles muss gerade den Mord an einem mexikanischen Mariachi-Musiker aufklären. Der Schuss ging direkt durch seine Vihuela, ein fünfsaitiges gitarrenähnliches Instrument. Das Opfer gehörte zu einer Mariachi-Band, die traditionelle mexikanische Musik spielen und sich am Wochenende in Los Angeles auf dem Mariachi-Platz treffen, um darauf zu warten, dass sie von jemanden engagiert werden. Erwähnt war auch, dass sie dafür traditionell gekleidet sind.

Ich war noch nie in Mexiko und kenne die Musik nicht. Der Krimi war trotzdem spannend. Und da schickte mich mein Gastgeber in dieses Restaurant. Er erwähnte schon, dass dort auch immer Polizisten essen und am Wochenende Musik spiele. Ohne diese Empfehlung wäre ich nie in das Restaurant gegangen, denn es sah ziemlich einfach aus. So ganz anders als die Lokale im blank geputzten Daytona Beach. Und drinnen saß tatsächlich der Sheriff. Schwer bewaffnet mit Frau und Tochter. Nie würde man so etwas in Deutschland sehen, aber hier ist es üblich. Die Gastwirte mögen es sogar, gibt es doch den Gästen ein Gefühl von Sicherheit. Ich fühlte mich direkt in meinen Krimi versetzt.

Zunächst musste ich aber einmal überlegen, was ich trinke. Im Angebot waren zwei Margueritas zum Preis von einem, was mich sehr anmachte. Aber dann nimmt mich draußen auf dem Parkplatz der Sheriff fest? Ach was solls. Wie sagte erst gestern mein Ex-Polizei-Offizier Roger? Die Polizei schaut nicht nach weißen gesetzestreuen Personen. Also zwei Margueritas und das Buffet. Der Polizist stellte sich nach dem Essen übrigens brav in die Schlange an der Kasse und zahlte, nicht dass man denkt ….

Und dann kam der Mann mit der Vihuela (der ja eigentlich tot sein sollte). Gitarrenähnlich ja, aber in der Größe eher wie ein Bass. Und in der traditionellen Kleidung. Ich konnte es gar nicht abwarten, dass es endlich losging, füllte die Zeit, indem ich versuchte, heimlich ein Foto vom Sheriff zu machen. Langsam trudelten auch die anderen Musiker ein, überraschenderweise waren auch zwei Frauen dabei. Und sie spielten ein Lied. Es war so schön. Und meine zwei wirklich köstlichen Margueritas hatten mich auch in die richtige Stimmung gebracht. Holte schon mal einen Geldschein aus der Tasche und richtig, die Gruppe ging von Tisch zu Tisch. Wer ihnen einen Schein zusteckte, dem spielten sie etwas. Fragten mich zuvor happy oder love. Ich sagte happy. Aber der Lovesong am Nebentisch war viel schöner, so dass ich beide aufgenommen habe. Es war richtig was los in der Bude und ich war begeistert. So ein schöner Abend. Und endlich weiß ich, wie Mariachi Musik klingt und kann meinen Krimi zu Ende lesen.

 

Historische Beach Street im Umbruch

Eigentlich wollte ich nur nach Daytona Beach fahren, um ein paar neue Fotos vom Sweatheart Trail zu machen. War erst vor wenigen Wochen dort, aber hatte dies vergessen. Aber war baff erstaunt, was dort in der Beach Street vor sich geht. Diese hübsche, vierspurige Straße im ältesten Teil der Stadt hat auf der Westseite nette kleine Geschäfte, auf der Ostseite grenzt der Riverside Park an mit dem Biketrail. Und nun ist die Straße, eine Woche vorher noch unversehrt, aufgerissen. Ich musste mich erst durchgoogeln, um herauszufinden, was vor sich geht. Man will die Straße auf nur zwei Spuren verschmälern, was nicht ohne Proteste der Bürger vor sich geht. Um so dann mehr Platz zum Bummeln zu erhalten. Na, ich bin mal gespannt. Überhaupt wird ja in dieser Straße viel gebaut, auch ein vielgeschossiges Parkhaus, obwohl ich nicht so recht erkennen kann, wieso hier Parkraum fehlt. Wenn ich komme gibt es immer zahlreiche Leerstellen.

Ich fuhr den Trail zum Manatee Island, ein kleiner Park nur wenige 100 Meter entfernt auf einer winzigen Insel im Fluss, erreichbar über einen Boardwalk. Doch der war nun geschlossen. Und das historische Haus, das direkt am Zugang zur Brücke steht, stand auf Rädern. Es war das Heim von Josie Roger, der ersten Bürgermeisterin von Daytona, und wurde 1878 gebaut. Und aus irgendeinem Grund muss es nun weichen. Da ich keine Informationen darüber finden kann habe ich die örtliche Zeitung angeschrieben und muss nun abwarten, ob sich etwas tut.

Graham Swamp

Damit war meine Recherche beendet, aber noch nicht meine Energie. Also ging es zum Graham Swamp. Der gehört nicht zu meinen Biketrails, da er nicht schön geteert, sondern nur für harte Mountainbiker ist. Ich parkte, schaute mich um, der Pfad sah recht einfach und flach aus, aber da kam ein ziemlich kleiner, doch athletischer und schweißgebadeter junger Mann und wollte sein Bike in einem riesigen Pickup verstauen. Wir hatten einen netten Austausch und danach war es klar, diese Piste ist nichts für mich. Untypisch für Florida handelt es sich hier um ein hügeliges Waldgebiet und der Trail ist sehr anspruchsvoll. Also wanderte ich lieber ein wenig. Der Mountainbike Pfad ist getrennt vom rot markierten Wanderweg, aber die beiden kreuzen sich oft, und ich bekam so einen guten Eindruck. Der Pfad sollte knapp 5 km sein, aber plötzlich stand ich an einem Ausgang. Nicht der, wo mein Auto geparkt war. Das hieß also, ich muss den gleichen Weg zurück. Wie langweilig. Also ging ich einige Zeit über den Biketrail und verlor absolut das Gefühl für die Richtung, denn dieser Pfad schlängelt sich in unzähligen Kurven durch den Wald. Mein GPS war nicht dabei. Und dann stand ich wieder vor dem gleichen falschen Ausgang. Diesmal wollte ich lieber über die Straße zu meinem Auto gehen und dachte, das kann doch nicht so weit sein. So kann man sich täuschen. Es waren doch noch fast 2 km über eine ziemlich häßliche Straße.