Skoura, 8 Uhr, Sonne steht schon am Himmel, Temperatur knapp über 0
Joggingsachen an und ab auf die Piste. Bin richtig stolz auf mich, dass ich auch hier laufe. Obwohl ich unterwegs dann doch auf andere Gedanken komme, als ich nämlich das Bellen der Hunde höre. Nur einer ist auf meinem Weg, ich bewaffne mich vorsichtshalber mit zwei Steinen, aber wie ein gesengter Blitz schießt er an mir vorbei, hatte wohl eine andere Verabredung. Aber ganz so wohl wie im Marrakechsmog fühle ich mich hier doch nicht. Die Hunde liegen mir im Magen, weiß ich doch, dass es Tollwut gibt und dass auch schon Touristen gebissen wurden.
Auf dem Campingplatz kam ich dann mit den zwei deutschen Wohnmobilbesatzungen ins Gespräch. Ein Mann alleine und ein Paar, beide noch unter dem Rentenalter. Nette Leute. Ich will mir heute die Kasbah Amerhidil anschauen, die 200 m vom Platz liegt. Sie war halb verfallen, aber die Familie hat alles schön restauriert. Es gibt einerseits das alte Kasbahgebäude, das man mit einem Führer besichtigen kann, pro Person 10 DH und 50 DH für den Guide. Daneben ist ein Teil der architektonisch wirklich wundervollen Kasbah zum Gästehaus umgebaut worden. Für Individualreisende ist das ein toller Tipp, hier wohnt man sehr angenehm in den alten Mauern. Alle Zimmer mit Bad, einige auch mit Klimaanlage, und das alles zu einem günstigen Preis. Gefällt mir.

6.1. Weichei
Diese luxuriösen Tage in meiner Prinzessinnensuite im Tichka haben mich doch etwas verweichlicht. Ich hatte mal wieder einen guten Plan, zunächst die neue Straße Zerkten (Tichka) – Demnate fahren, dann weiter Richtung Skoura, aber unterwegs übernachten in Toufghine. Dort hatte ich mir vor ein paar Jahren mal eine Gite angeschaut mit einem sehr netten Inhaber, der mir viele gute Tipps gegeben und einen Tee mit leckerem Brot und Honig dazu serviert hatte.
Aber immer kommt es anders. Die Gite ist noch da, alles unverändert. Der eine Bruder, mit dem ich gesprochen hatte, konnte gut französisch, aber er ist nicht da. Der andere Bruder spricht nur wenig Französisch, ich kann mich schlecht verständigen und er kann sich auch nicht an meinen Besuch erinnern. Ich schaue mir die Schlafräume an. Nur ein Matratzenlager, dünne Matten, dicht an dicht. WC und Dusche zwar sauber gekachelt, aber weit weg. Nein, das tue ich mir nicht an. Es ist schon spät, aber ich erkläre ihm, ich muss unbedingt Skoura noch erreichen. Er nimmt mich zumindest mit in die Privaträume, wo gerade alle Frauen der Familie um einen Teppichknüpfstock sitzen, Tee trinken und leckeres Schmalzgebäck essen. Nun, wenn das alles schon bereit ist, dann verliere ich ja keine Zeit.
Aber von vorn:
Im letzten Jahr übernachtete ich im Hotel Chems du Lac, am Stausee Bin el-Ouidane. Eine Gruppe von Motorradfahrern saß mit mir beim Abendessen. Sie waren die neue Straße von der Tichka-Passstraße herüber gekommen, die noch nicht in der Karte markiert ist. Und waren ganz begeistert. Ich habe die Route dann schon in mein Südmarokkobuch aufgenommen, wollte sie aber unbedingt selbst kennenlernen. Und habe es nicht bereut, es ist einfach immer ein herrliches Abenteuer, eine neue, unbekannte Route zu fahren. Man freut sich über jeden schönen, neuen Ausblick.
Die Straße ist durchgehend asphaltiert, aber auch wenn sie recht neu ist, haben Wettereinbrüche doch schon wieder Teile davon geschwemmt. Für Motorradfahrer und 4×4 einfach ideal, sehr schöne Landschaft, für Wohnmobile nicht so geeignet. Vor allem das erste Stück ist wunderschön. Auf halber Strecke liegt dann sehr idyllisch der Stausee Moulay Youssef, ganz einsam, nur von Militär bewacht. Auf dem großen Parkplatz vor der Staumauer soll man auch übernachten dürfen.

Danach war es nicht mehr ganz so aufregend bis Demnate. Dort fuhr ich weiter Richtung Skoura. Noch vor wenigen Jahren war dies eine Piste, die im mittleren Teil nur für Maultiere möglich war. Dann hat man fast über Nacht eine Asphaltstraße gebaut, die ich auch im ersten Jahr gefahren bin. Sie war natürlich sehr gut und für alle Fahrzeuge möglich. Das hat sich nun aber doch geändert, denn es ist immerhin mitten im Hohen Atlas, die Winter sind hart und wenn es mal regnet kommen ganze Sturzbäche die nicht befestigten Hänge hinunter. Also ist auch diese Straße wieder ideal für Bike und 4×4, aber die Aneinanderreihung von Schlaglöchern werden einem großen Wohnmobil sicher nicht gut tun.
Es war also schon 16 Uhr, als ich in Toufghine ankam. Und das Schlaflager trotz den freundlichen Menschen verschmähte. Als Möglichkeit blieb nur, noch etwas einfacher bei einer Familie zu übernachten, die ich vor Jahren einmal kennenlernte, als dies noch Piste war und ich umdrehen musste, weil vierrädrige Fahrzeuge nicht weiter kamen. Der Bewohner wollte mir sofort sein Maultier ausleihen, weil er dachte, ich müsse unbedingt irgendwie über den Berg kommen. Sie hätten sich sicher gefreut, wenn ich sie mal wieder besucht hätte. Aber ich wollte doch lieber ein weiches Bett. Also fiel mir der Camping Ameridil ein, bei Skoura. Jedes Jahr fahre ich da vorbei, jedes Jahr lädt man mich ein, zu übernachten, und jedes Jahr sage ich nein. Also habe ich noch von der Piste angerufen, sie haben sich total gefreut. Und ich habe es tatsächlich geschafft, bis um 17:50, als es dunkel wurde, die kurvige Bergstraße hinter mir zu lassen und hatte nur noch gerade Straße. Als ich um 18.30 Uhr ankam, war mein Duschwasser geheizt, mein Zimmer bereit und das Tajine duftete.
Ach, das ist doch mein Marokko.
5.1. Frauen …
Wenn ich mich morgens aus dem breiten Bett meiner Prinzessinnensuite erhebe geht es zunächst zu einer 3 km Laufrunde ums Hotel. Sowohl in Afourer als auch hier in Marrakech ist es kein Problem meine Joggingrunde zu drehen. Hier in Marrakech begegnen mir sogar andere Läufer und grüßen nett, eben gerade ein Mädchen mit Trägershirt und langer Hose. Wenn ich nun morgen aufs Land fahre wird das natürlich anders sein.
Übrigens, was Frauen betrifft. Ich esse abends meist in Begleitung des Hoteldirektors. Und gestern haben uns eine Bekannte von ihm und ihre Freundin Gesellschaft geleistet. Beide so Anfang vierzig. Die eine Mikrobiologin, die andere Notarin. Beide ohne Kopftuch, und sie haben mit uns ein Glas Wein getrunken. Ich habe keinen Unterschied zu unserer Gesellschaft gesehen. Auch in Marokko gibt es moderne, selbständige Frauen.
4.1. Mal wieder ein wenig arbeiten
Heute habe ich mal wieder ein wenig gearbeitet. Die erste Aufgabe war, einen Mauretanienführer nach Sidi Wassay zu schicken. Es gibt doch jetzt, wo das Visum an der Grenze erhältlich ist, mehr und mehr Leute, die sich nach Unterhaltungen mit anderen dafür entscheiden, spontan nach Mauretanien zu fahren. Und wenn es auch das Visum bequem an der Grenze gibt, meinen Reiseführer, der einzige aktuelle, den es über das Land gibt, liegt natürlich nicht an der Grenze bereit. Also habe ich ihn heute der marokkanischen Post anvertraut. Innerhalb Deutschland hätte mich das als Brief 1,45 Euro gekostet, in der EU 3,45. Hier innerhalb Marokkos hat es 40 DH gekostet, das finde ich echt heftig. Nun bin ich gespannt, wie lange er für die Reise braucht.
Nach ein wenig Sonne tanken am Pool bin ich dann Richtung Ourika gefahren, um mir die beiden dortigen Campingplätze anzuschauen. Das Relais Jnane Baroud kenne ich schon länger, ich mag es sehr gerne, Ghislane ist eine nette Gastgeberin und der Platz ist sehr persönlich. Es gehört ja noch eine sehr schicke Auberge dazu. Hier hat sich nichts verändert, alles wie gewohnt. Der Nachteil des idyllischen Platzes liegt darin, dass er ein wenig abseits der Hauptstraße ist, daher gibt es weder Taxi noch Bus, um zur Stadt zu fahren. Es lohnt sich eigentlich nur für Leute mit Auto, die dann damit nach Marrakech fahren, oder Leute, die einfach ein wenig ausspannen wollen in der gediegenen Atmosphäre.
Schon letzten Mai wollte ich Ourika Camp besuchen, aber es kam damals etwas dazwischen. Die Webseite des neuen Platzes hat ja sehr viel versprochen. Aber wie das so üblich ist in Marokko, nicht alle Versprechungen wurden gehalten. Dennoch, ich würde nun, wo ich alle vier Campingplätze um die Stadt kenne (Manzil la Tortue, der fünfte, ist ja zur Zeit geschlossen), ganz klar sagen, dass dieser Platz der beste ist. Ein Pluspunkt ist die günstige Lage, es sind 10 km zur Stadt und direkt vor dem Platz hält der städtische Bus ins Ourikatal. Man ist also nicht auf ein Taxi angewiesen. Der Platz ist sehr hübsch und ordentlich angelegt, die Sanitäranlagen erstklassig, die Duschen mit Vorraum, ein schöner Pool. Ganz besonders hat mir das moderne, gemütliche Restaurant gefallen. Und auch für Dickschiffe gibt es genug Platz.


3.1 Der Disco ist wieder da
Viel gibt es vom heutigen Tag nicht zu berichten. Am Vormittag bin ich nach einem Jogginglauf ums Hotel in die Souks und unternahm einen neuerlichen Anlauf, mir paillettenbestickte Babuschen zu kaufen. Keine Chance, mit meinen Quadratlatschen bekommt man einfach keine. Echt schade, die sind so schön.
Sehr viel erfolgreicher war ich aber gerade jetzt. Meine kleinen Helferchen brachten mir den Discovery wieder zurück, gewaschen und repariert. Zwei verschiedene Mechaniker waren nötig zur Reparatur des Schlosses an der Heckklappe, einer für ein elektrisches, der andere für ein mechanisches Problem, mehr konnte ich aber nicht in Erfahrung bringen. Hab es nicht bei Land Rover machen lassen, sondern in einer von Abdous Spezialwerkstätten. Endlich komme ich wieder an mein Gepäck.

2.1. Im Tichka-Paradies
Ach, wie geht es mir gut. So schnell kriegt mich keiner wieder hier von Marrakech fort. Ich bin im Hotel Tichka, es ist mein Lieblingshotel, wenn ich mit dem Auto da bin. Man kann leicht vor der Tür parken, ist dadurch viel flexibler als in der Medina. Und das Hotel hat einen gewissen Charme, obwohl es ein 4-Sterne-Haus ist, ist es kein anonymer Kasten. Charles Boccara hat es gebaut, auf dessen Konto auch das königliche Theater sowie noch viele andere besondere Hotelbauten gehen. Der Direktor hier hat irgendwie einen Narren an mir gefressen, und statt einem normalen Zimmer habe ich eine Suite bekommen. Salon, Schlafzimmer, 2 TV, 1 großes und 1 kleines Bad. Und alles mit Rosenblättern geschmückt. Damit keiner auf falsche Gedanken kommt, der Mann ist glücklich verheiratet. Ich habe mir auch schon eine Joggingstrecke abgesteckt, die ich morgen laufen werde. In der Stadt ist es ja nicht so einfach wie beim Tazarkount in Afourer, wo eine wunderschöne, ruhige 3km-Route ums Hotel führte.
Mein Discovery wurde schon vor ein paar Stunden abgeholt, wegen der defekten Heckklappe. Bis jetzt habe ich noch nichts gehört. Wir versuchen es erst mal bei einer kleinen Werkstatt, wenn er es nicht hinbekommt muss der Wagen zu Land Rover. Und das wird teuer.
So, den Rest des Tages werde ich erstmal meine Suite genießen, gemütlich auf der Couch liegen und ZDF schauen, der einzige deutsche Sender. War auch schon eingestellt, also waren meine Vorgäste in der Suite Deutsche.
1.1.2014 Bonne Année
Die Österreicherin Ilse kam vor 38 Jahren nach Marokko und baute mit ihrem marokkanischen Mann im Laufe der Zeit drei Hotels auf. Davon ist das Chems Tazarkount in Afourer ihr Stützpunkt. Neben Gruppen, die nur auf der Durchreise sind, bietet sie einen schönen Wellness-Bereich, der meist von Damen aus Deutschland für eine Schönheitswoche genutzt wird, die einfach nur mal entspannen wollen. Auf meinen Reisen gehe ich immer für einige Tage hierher, weil man immer nette Menschen trifft, sich nett unterhält und auch mal den Reisestaub von sich spülen kann. So auch diesmal. Dass ich gerade einen Tag vor Silvester ankam, war eher Zufall.
Aber auch Glück für mich. Ich war echt beeindruckt, was Ilse hier auf die Beine gestellt hat. Ohne jeden Aufpreis konnten alle Gäste, die eine Schönheitswoche gebucht hatten, daran teilnehmen. Und das Fest fand nicht etwa im gleichen Hotel statt, nein, wir wurden allesamt zum herrlichen Stausee Bin el Ouidane gekarrt, konnten unser altes Zimmer behalten und trotzdem im schönen Chems du Lac ein neues Zimmer beziehen.
Der Abend wurde eingeläutet mit einem Willkommendrink in der Bar, natürlich Ilse’s Spezialcocktail, von dem sie nie das Rezept verrät. Danach ging es in den schön geschmückten Festsaal. Es waren auch andere Gäste dabei, die einfach nur die Silvesterfeier gebucht hatten, auch einige marokkanische Familien mit ihren Kindern.
Die Musik spielte ohne Pause, ein bulgarisches Duo sang wohlbekannte Oldies und wechselte sich ab mit einer modernen marokkanischen Band, zu der Frauen typischen Tänze des Mittleren Atlas tanzten. Und auch die marokkanischen Kinder, noch recht klein, tanzten schließlich unermüdlich auf der Tanzfläche, viele Gäste natürlich auch.
Dazu gab es dann in langen Abständen ein Fünf-Gang-Menü, so getimt, dass gerade zu Mitternacht wie auf dem Traumschiff mit Wunderkerzen die Neujahrstorte hereingefahren wurde. Auf einem kleinen Podest saßen drei weiße Tauben, die umher fliegen durften. Und dann kamen bunte Beutel, in denen wir Hütchen und Trompeten und was noch alles fanden, richtig amerikanisch ging es zu. Nur Feuerwerk gab es nicht, das ist in Marokko weder üblich noch erhältlich.
Ich unterhielt mich mit Doris aus Hamburg, sie ist im Rentenalter und kommt regelmäßig ins Chems Tazarkount. Sie sagt, in Deutschland würde sie entweder allein zu Hause sitzen oder bei Bekannten eingeladen sein, wo sie sich als das fünfte Rad fühlt. Aber hier fühlt sie sich wohl, hierher kommt sie immer wieder gerne. Und es ist wirklich ein Spitzenpreis, für das, was man hier geboten bekommt. Ein super Tipp für Alleinreisende, vor allem auch für Leute, die ein wenig Angst vor Marokko haben. Hier werden sie behütet und können sich ganz langsam eingewöhnen. Die meisten Gäste kommen immer wieder, und auch Männern gefällt das Wellness-Angebot.
30.12. Angekommen
Ich bin ein neuer Mensch. Endlich mal ein schönes Zimmer, endlich mal Koffer auspacken. Gleich joggen ums Hotel, dann duschen und im weichem Bademantel einkuscheln. Ja, das ist Leben. Nach 7 Tagen auf der Straße brauch ich das. Ilse sagte zum Empfang: Manchmal nehmen wir auch Straßenkinder auf.
Geschehen im Chems Tazarkount in Afourer.
Morgen soll Silvester im Hotel direkt am Bin-el-Ouidane gefeiert, ich freue mich schon.
Und erstens kommt es anders …
Hatte ich nicht schon vorher gesagt, dass ich keine Pläne machen soll? Es kommt ja doch immer anders. Heute wollte ich eine sehr interessante neue Route ausprobieren, auch für mein Buch. Von Taza direkt runter nach Midelt über die R 507. Ich hatte mit Youssef vom Camping Timnay telefoniert, er hat mir zugestimmt, die Strecke zu fahren. Sie ist ja auch wirklich schön. Von Taza aus geht es zunächst in Richtung Ras el Ma und dem Djebel Tazzeka, dann zweigt die R 507 links ab. Eine schmale kurvige Teerstrasse, meist gut, hin und wieder von Regengüssen ein wenig beschädigt. Der Himmel war sonnig und klar, von den dunklen Wolken, die am Abend zuvor über Taza hingen, keine Spur mehr. Man sah aber, dass es hier am Tag zuvor doch heftig geregnet haben musste. Das erste Stück war wenigstens noch hin und wieder belebt, aber nach Merhaoua in einem fruchtbaren Tal wurde es ganz einsam. Auf dem Wegweiser war von einem Ort namens Bouyblane die Rede, in der Karte ist nur ein Bergzug dieses Namens eingetragen. Vorher ging es aber noch durch einen ausgedehnten Zedernwald, ein schöner Anblick, denn diese Wälder wurden so viele Jahre lang abgeholzt. Und dann die Straße voller Schafe, ein netter Anblick und ich wurde so richtig froh gelaunt.


Mir fiel aber auf, dass nach Merhaoua kein einziges Auto entgegen kam. Irgendwie ahnte ich da schon böses. Aber es war weit und breit niemand zum Fragen da. Kaum Bewohner, sehr einsam, und wenn mal ein Hirte am Straßenrand stand, so konnte er kein Französisch.
Von den Kilometern her musste ich nun in Bouyblane angekommen sein, auf 2.000 m Höhe. Aber es ist kein richtiger Ort, in der Ferne sehe ich eine Häusergruppe, die fast wie ein Sommercamp aussieht. Sonst nichts. Doch, eins gab es. Schnee! Zunächst nur auf den Hängen, dann aber auch auf der Straße. Man sah, dass es noch vor kurzem wohl auch Glatteis gab, inzwischen von der Sonne geschmolzen. Die nächste mir bekannte Ortschaft sollte Immouzzer Marmoucha sein, in der Karte verzeichnet. Ich schätze mindestens 60 km. Und der Straßenverlauf ist mir völlig unbekannt. Gibt es wohl noch Steigungen? Mehr Schnee? Als ich in der Ferne eine komplett weiße Straße sah, kehrte ich um, 110 km wieder zurück. Wäre ich weiter gefahren und hätte später ein Problem bekommen hätte der Diesel nicht mehr gereicht, es war also die einzige Lösung. Schöner Mist! 220 km für die Katz, Nacken und Rücken tun weh und kein schönes Zimmer und leckeres Abendessen in Timnay.
Damit ich endlich mal wieder spüren kann wie sich schnelles, hindernisfreies Fahren anfühlt, nehme ich nach Fes die Autobahn. Herrlich, Tempomat einschalten und einfach los, es gibt so gut wie keinen Verkehr. Ich halte es für besser, in Azrou Station zu machen, denn es ist schon Nachmittag. Sobald ich auf der Straße nach Ifrane bin sehe ich nur noch Stau. Oder zumindest dichter Schneckenverkehr. Auch in Marokko gibt es Wochenendausflügler, die mal schnell nach Ifrane zum Wintersport fahren. Außerdem haben gerade die Winterferien angefangen. Und Schnee ist in Ifrane. Als ich endlich in Azrou beim Kirschen-Hassan ankomme habe ich 9 Stunden am Steuer gesessen, ohne Stopp und ohne Essen, hatte noch nicht mal gefrühstückt. Und bin völlig fertig.
Auch bei Hassan liegt ein wenig Schnee, es ist knapp über 0 Grad. Ich telefoniere mit Idoumou in Mauretanien, dort ist es richtig warm. Ach, wie gern wäre ich jetzt dort!
Später
Hatte eben einen wunderschönen Abend mit Hassan. Da bei der Kälte kaum Gäste da sind ließ er uns beiden ein leckeres Hühnchen-Tajine kochen und wir tranken eine Flasche Wein dazu. Sehr gemütlich. Bisher war ich immer nur auf der Durchreise und ganz geschäftlich hier, aber so sprach man mal eher persönlich. Bin also doch noch ein wenig für den anstrengenden Tag entschädigt worden. Und die Katzen hier sind ja so süß. Ganz anhänglich. Kaum hatte ich die Autotür aufgemacht sprangen sie rein und wollten alles inspizieren. Und natürlich bekamen sie die Reste vom Tajine.
Ich habe auch schon einen neuen Plan für morgen, aber ich spreche nicht darüber. Bringt ja offensichtlich Unglück.
Nachtrag vom Morgen nach dem Höllentag:
Ich habe die Route aufgeschrieben und in google nachvollzogen. 5 km lagen vor mir, nur noch 5 km bis zu einer sicheren Kreuzung und niedriger Höhe. Aber die Info konnte ich auf der Strecke nicht bekommen! Weder Internet noch Mobilfunk noch Bewohner. Ich weiß nur eins, ich versuche es irgendwann noch einmal, denn die Route war schön und sie muss mit genauer Beschreibung in mein Buch. Damit es anderen nicht so geht wie mir.
Nachtrag zum Nachtrag vom 12.4.2014
Auf meiner Rückreise war ein ganz wichtiges Ziel, diese Strecke noch einmal vom anderen Ende zu fahren. Und das tat ich heute. Die Einschätzung nur noch 5 km bis zur Sicherheit war absolut falsch und die Entscheidung zurück zu fahren, absolut richtig! Es folgte ein ziemlich steiler und schmaler Pass, das wäre gefährlich geworden.
Nachtrag vom Mai 2021: Hassan ist nun schon etliche Jahre tot, ich denke immer gerne an ihn zurück.
noch 28.12. Cala Iris
Aber ich muss ja weiter. Auf der herrlichen neuen Roqade geht es Richtung Cala Iris, die früher schwierige Piste ist nun eine super gute Straße mit drei Spuren bei den Steigungen. In Torres stelle ich fest, dass der beliebte Stellplatz noch ein wenig verschönert wurde, dann geht es weiter zum neuen Camping in Cala Iris. Der erste, den ich treffe, ist Heinz aus der Schweiz, bekannt aus meinem Saharaforum, er will in Marokko unter anderem Gleitschirmfliegen. Wir unterhalten uns ein wenig, aber auch Raschid, der auf dem Platz die Rezeption macht, kann kaum warten, mir alles zu zeigen. Ich war ja bisher noch nicht persönlich hier, hatte die Infos vor allem von Reisenden, und obwohl gerade ein schlimmer Sturm aufzieht, habe ich einen sehr guten Eindruck von dem kleinen Platz. Manche sagen, er sei überteuert, aber ganz stimmt das nicht. 120 DH sind nur für die 1. Nacht, dann kostet es 100 DH, dann 80 DH, und es ist alles sauber und ordentlich.
Vergangenen Mai schlug das Schicksal zu. Der engagierte Alaoui-Soussi, der den Platz aufgebaut und dabei schwer gegen die Behörden kämpfen musste, starb mit erst 51 Jahren bei einem Verkehrsunfall, kein seltenes Ereignis in Marokko. Die Leute dort sind noch immer geschockt und es hat auch dazu geführt, dass einige Arbeiten stagniert haben. Aber es geht aufwärts.
Ein Jammer ist es auch, das Gelände des ehemaligen Campingplatzes von Cala Iris zu sehen. Mehr noch als für europäische Camper hatte dieser Platz eine große Bedeutung für die marokkanischen Sommerurlauber. Er lag wunderschön direkt am Meer, war nicht zu groß. Vor vier Jahren wurde er zusammen mit einem ziemlich großen Areal an eine Investmentfirma verkauft, aber geschehen ist nichts, alles liegt brach und ist hinter hässlichen Pappwänden versteckt.

Alhoceima, wo ich mir das neu renovierte Hotel Mohammed V anschauen will, ist eher eine Enttäuschung. Es ist nun ein Suite-Hotel mit Preisen von 2200 – 5000 DH pro Suite. Das entspricht in keiner Weise dem, was geboten wird. Zwar sind die Zimmer hübsch und neu eingerichtet, aber nicht allzu groß. Und die Flure haben Teppichboden mit Flecken und die Bar völlig verdreckte Stühle. Nein, nicht für das Geld.
Besser ist da schon das neue Hotel Basilic. Die Zimmer sind schick, nicht viel kleiner, und kosten alle als Doppel 600 DH. Das ist ein echter Tipp für Leute, die bequem wohnen möchten.
Dennoch, ich will auch keine 600 DH ausgeben und fahre schnell weiter nach Taza. Habe dabei Gelegenheit, die direkte Verbindung Alhoceima – Taza auszuprobieren, die noch nicht im Buch ist. Die letzten 30 km werden zurzeit 4-spurig ausgebaut, was mich auf dieser doch nicht sooo wichtigen Strecke überrascht, und es ist kein Vergnügen, durch die lange Baustelle zu fahren.
In Taza wohne ich natürlich wieder in meinem Lieblingshotel, dem Dauphin. Es stammt noch aus der Kolonialzeit mit allem Charme und Altertümlichkeit, es hat Bar und Restaurant und es ist einfach preiswert. 185 DH zahle ich für mein Zimmer, wenn es auch nicht so komfortabel ist wie das Basilic. Aber es reicht mir.
Und für morgen habe ich mich in Timnay bei Midelt angesagt, auch das ein schöner Campingplatz mit Hotel. Und es sieht so aus, als werde ich doch zu Silvester am Erg Chebbi sein.

