16. März Fes

16.3.
Schalen und Schälchen werden unentwegt zu meinem Frühstückstisch gebracht, wer nur soll dies alles essen? Das Frühstück hier im Riad ist nicht schlecht und man muss ziemlich aufpassen, um nicht doppelt so rund nach Hause zu kommen. Dann geht’s ab zum Stadtbummel. Ich spaziere gemütlich durch die engen Gassen, die hier etwas entfernt vom Zentrum noch sehr ursprünglich sind, Zedernholzduft streicht durch die Gassen und zeigt an, dass hier die Tischler arbeiten. Hoch beladene Maultiere schleppen schwere Lasten, denn Fahrzeuge kommen nicht durch. Tiefer und tiefer geht’s hinab und dann kommen auch die ersten Touristengruppen, wie die Schäfchen laufen sie hinter dem Führer her. Viel Deutsch höre ich, komisch, im Süden sind nie so viele auf einem Haufen. Und dann schaue ich mir den Führer an, na, den kenne ich doch. So klein ist die Welt mal wieder. Und ich schließe mich der Gruppe an, will doch mal sehen, wie es ist, sich im Pulk durch die engen Gassen zu quetschen. 44 Leute in der Weberwerkstatt, 44 auf der Terrasse über den Gerbern während an der Tür schon die nächste Gruppe wartet, zu guten Fotos kommt man da nicht, aber ich will das mal erleben. Der Führer animiert immer wieder zum kaufen, sagt die Preise an und meint, es sei unmöglich, in der Werkstatt, also direkt beim Hersteller, zu handeln. Die Preise, die ich höre, sind aber höher als beim Endverkäufer, die ich so gewöhnt bin. Naja, jeder muss irgendwie leben.
Gemütlich wird’s dann erst, als ich auf dem Heimweg ein neues Boutique-Hotel besichtige. Es liegt gleich neben dem herrlichen Palais Jamai, ist aber neu gebaut. Der Directeur Commercial führt mich herum und es entsteht ein richtig nettes Plauderstündchen mit ziemlich viel Flirterei. Ich gebe ehrlich zu, dass es mir Spaß macht, obwohl er erst 32 ist. Aber ist ja auch alles ganz harmlos. Sicher ein, zwei Stunden dauert die Führung und keiner hat Lust, sie zu beenden. Aber irgendwann muss ich doch mal ein Päuschen im Riad einlegen, bin ja schon den ganzen Tag auf den Beinen. Als er meinen Disco sieht würde er am liebsten Urlaub nehmen und eine Tour mit mir machen, aber so weit geht’s dann doch nicht. Und trotzdem, nett wars auch für eine Großmutter.

Hier ein paar Fotos

und ein Video vom Gästehaus
http://youtu.be/9bK0ymLAlYo

15. März

Nicht nur das Nachsinnen, sondern vor allem ein Telefonat mit Abdou, dem Boss von Sahara Services, hat geholfen, mein Ziel steht fest, ich will nach Fes. Hatte das zwar schon länger im Auge, aber wenn man in einem schönen Riad in der Altstadt wohnen will hat man immer das Problem mit dem vollgepackten Wagen. Aber Abdou hatte die rettende Idee: Warum stellst du den Wagen nicht ins Palais Jamai! Super, das ist es. Natürlich hilft es, wenn man Reisebuchautor ist. Ich hatte das wunderschöne Sofitel-Haus schon mal besichtigt und war sogar von der Direktorin eingeladen worden, eine Nacht dort zu verbringen. Also spaziere ich zur Rezeption, gebe den neuen Hotelführer ab, in dem ich das Hotel wirklich wärmstens empfehle, und bekomme die Erlaubnis, meinen Wagen dort auf dem bewachten Platz zu parken. Und das schöne Riad Tafilalet liegt nur ein paar Schritte entfernt, das Hotel ruft sogar dort an und bestellt einen Kofferträger. Das ist Service, ich liebe das Hotel. (Ja, das und noch so etliche andere …)
Im Riad Tafilalet ein traumhaftes Zimmer, ein liebenswerter Service, eine heiße, wirklich heiße und kräftige Dusche und sogar ein Haartrockner, Wi-Fi, eine zweite warme Decke, was will man mehr? Heute Abend mache ich es mir in meinem 1001-Nacht-Zimmer gemütlich und schreibe ein bisschen.
Auf der Fahrt hierher schien die Sonne, der Wind ruhte und das Thermometer zeigte mir zum ersten Mal in diesem Jahr 20 Grad an. Langsam wird es, endlich bin ich angekommen. Am Straßenrand kaufte ich eine Kiste mit 15 kg zuckersüßen Orangen für 65 Dirham, wer soll die nur alle essen? Mit den ebenfalls angebotenen Artischocken und Erbsen konnte ich leider nichts anfangen. Bei der Einfahrt in Fes hatte man alles mit roten Fahnen geschmückt, die Polizeimotorräder fuhren wild und blaulichternd herum, so viel Ehre hätte ich gar nicht erwartet.

14. März

Eiskalt ist der Morgen in der Sierra auf 1100 m Höhe. Und auch auf der weiteren Fahrt wird es eher kälter. Dafür aber sonnig und trocken und die Straße ist gut zu fahren. Der Orkan versucht mit allen Mitteln, mich von der Straße zu wehen, aber der Disco hält tapfer durch. Immerhin geht es durch eine der schönsten Gegenden in Spanien immer Richtung Granada. Die Berge sind schneebedeckt, wir steigen auf 1300 Meter. Erst bei Guadix mit seinen bizarren Sandsteinfelsen und den Höhlenwohnungen verschwindet der Schnee, aber viel wärmer wird es auch hier nicht.
Ich möchte unbedingt die Schnellfähre um 13 Uhr erreichen und bin gespannt, ob sie überhaupt fährt. Die Strecke zieht sich, von meiner Unterkunft noch 450 km. Aber kurz vor 12 Uhr komme ich in einem sonnigen, 14 Grad warmen Tarifa an, die Fähre ist noch nicht eingelaufen und ich bekomme ohne Probleme einen Platz.
Die etwa 20 Flaschen Wein habe ich im Fußraum der Rückbank, nicht wirklich versteckt, nur eine Decke drüber gelegt. Meist wird ja nur in den Kofferraum geschaut. Aber der Fahrer des schweizer Range Rover vor mir, der den Zöllner schon lange neben seiner geöffneten Heckklappe erwartet, muss statt dessen die ganze Rückbank ausladen. Das kann ja heiter werden. Obwohl die Zöllner eigentlich immer sehr großzügig sind.
Dann kommt er zu mir, und oh Wunder, schaut nur hinten nach. Fragt, ob ich Geld zu deklarieren und Waffen dabei habe. Klar, ich habe ein Millionenköfferchen zur Finanzierung der Islamisten sowie eine Tonne Sprengstoffgürtel dabei. Aber meine treuherzigen Augen und meine Versicherung, wie sehr ich Marokko liebe, veranlassen ihn, mich durchzuwinken. Alles in allem 15 Minuten in Tanger Stadt. Ich liebe diese Fähre!
Zunächst aber zur Tankstelle, mein Tank ist fast trocken. Sprit ist auch in Marokko teurer geworden, aber der Diesel zu 8,34 Dirham immer noch ein Traum gegen unsere Preise. Dafür muss ich natürlich auch viele Kilometer zurücklegen. Es geht zunächst nach Asilah, wo ich die beiden gut besuchten Stellplätze besuche und mit den Deutschen nett plaudere. Manchmal, wenn ich zu einem Wohnmobil gehe und freundlich guten Tag sage, schaut man mich ziemlich böse an ob der Störung. Wenn ich meinen Namen sage kehrt sich das zwar um, aber ich wundere mich doch ziemlich. Will man keinen Kontakt zu anderen?
Übernachten will ich in Moulay Bousselham. Vor Jahren hatte ich dort mal das reizende Gästehaus Maison des Oiseaux entdeckt und wurde sehr herzlich aufgenommen. Ich freute mich den ganzen Tag, wieder dort hin zu kommen und rief auch vorher an. Aber wie so oft in Marokko hatte sich mal wieder die Lage vollkommen geändert. Die französische Besitzerin, die schon damals schwer krank in Frankreich lag, war inzwischen gestorben und in das Haus nichts mehr investiert worden. Die marokkanische Familie betreut es zwar noch, aber der Mann muss außer Haus arbeiten, da er nicht mehr bezahlt wird, und die Ehefrau kümmert sich um die Vermietung. Eine ganze Schulklasse mit 5 Lehrern war da, um die Vogelwelt der Lagune zu studieren, aber ich glaube, europäische Gäste kommen nicht mehr. Ich fühlte mich ziemlich verloren, der Hausherr war noch auf Arbeit, die Hausfrau mit Kochen beschäftigt und keiner konnte mir Auskunft geben. Am liebsten wäre ich wieder gefahren. Aber es war inzwischen dunkel, wo sollte ich da noch hin.
Den Camping Flamant Loisir, der nicht weit entfernt ist, habe ich mir noch schnell angeschaut. Ich war ein paar Jahre nicht dort und war angenehm überrascht. Die Bäume sind wunderbar gewachsen und geben viel Schatten, der Platz ist sehr groß und man muss nicht dicht an dicht stehen. Und auch dort folgt ein längeres Schwätzchen mit meinen Lesern, bisher habe ich noch niemand ohne meine Bücher getroffen.
Das Abendessen nehme ich dann mit der Schulklasse ein. 15 Schüler und Schülerinnen um die 10 Jahre, 3 weibliche Lehrer, ein Mann. Eine Privatschule aus Rabat, man merkt es, alle sind sehr wohlerzogen, sagen freundlich Bonjour. Die Gebühren sind ca. 120 Euro im Monat plus Essensgeld, spottbillig für uns, aber in Marokko schon ein stattlicher Betrag. Der Lehrer spricht sogar deutsch, wenn er es auch seit seiner eigenen Schulzeit nicht mehr praktiziert hat, die Lehrerinnen haben ihre Augen überall und sorgen für Ordnung. Ganz zwanglos gruppieren sich zwei Tische, einer mit den Jungs, einer mit ganz in rosa gekleideten Mädels. Die Lehrerin sagt, sie wollen es so. Vor dem Essen werden französische Lieder gesungen, dann gibt es gegrillte Sardinen mit Linsen.
Die Nacht ist trotz Extradecke und Radiator kalt, das Haus eher gegen die Sommerhitze gebaut. WC und (kalte) Dusche sind außerhalb, weshalb ich mir letztere schenke und langsam nachsinne, in welches Paradies ich morgen flüchten kann.

13.3. im Schnee

Ach, das isses einfach. Ein wunderschöner Abend. Bin den ganzen Tag gefahren, etwa 1000 km, aber seit ich den Land Rover mit Tempomat habe, ist das überhaupt kein Problem. Man rollt einfach entspannt vor sich hin. Das Wetter ist ja echt heftig, Mitte März und der Winter kommt heftig zurück. Nicht nur in D, wo ich von 20 cm Neuschnee höre, sondern auch in Südspanien. Bin etwa 100 – 150 km vor Granada und es ist eiskalt und schneit. Bin in einem kleinen Gasthof eingekehrt, der ganz einsam auf einer Bergkuppe steht. Aber die Zimmer sind sehr gut, sauber, mit Bad, und der Wirt sehr bemüht. Ich will kein Menü als Abendessen, sondern einen Teller mit Serrano-Schinken und Käse, und dazu den kräftigen, tiefroten Tinto der Region. Ein Gedicht. Geröstetes Brot und lokales Olivenöl. Was braucht man mehr zum Leben. Aber der Höhepunkt kommt, als drei Schwarze das Lokal betreten. Wie ich auf dem Weg nach Marokko. Sie leben in Italien und wollen heim nach Senegal. Wir verstehen uns einfach sofort. Und endlich jemand, mit dem ich französisch reden kann, denn mein Spanisch ist nicht so gut, man könnte auch sagen, nihilente, nicht vorhanden. Immerhin hatte ich in der Schule Latein. Ach, ich freue mich ja so auf Marokko.
Und dann, bei einem weiteren Gespräch, erzählte mir der Senegalese Matar, dass er auch eine Deutsche kenne. Astrid mit Namen. Und ich: doch nicht etwa Astrid Därr. Er: ja sicher. So klein ist die Welt.

11.3. Taunusstein – Narbonne

Abfahrt in Taunusstein bei 3 Grad und trocken. Bis Saarbrücken geht es runter auf 1 Grad und leichter Schneefall, nein, ich will hier raus! Nachdem die Route hinter Nancy endlich nach Süden abbiegt kommt leichte Besserung. Wie habe ich die 6-Grad-Anzeige im Auto bejubelt, als endlich das Schneeflockensymbol verschwand. Und hinter Lyon dann glücklich 18 Grad. Aber nachdem die Autoroute sich nach Westen Richtung Spanien wendet kommen auch Gewitterschauer auf. Aber nur leichte, alles in allem ist es eine gute Fahrt und ich schaffe die 1100 Kilometer bis Narbonne dank dem Tempomat im neuen Disco entspannt und ohne Probleme in zehneinhalb Stunden.
Hier haben Freunde aus Taunusstein kürzlich ein Haus gekauft und nehmen mich für die Nacht auf. Ein hübsches, typisch südfranzösisches Örtchen mit einem romantischen Kanal in der Mitte, ach ja, hier kann man leben. Dazu trägt auch das leckere Fischfilet bei mit einem guten Rose, den es zum Abendessen gab.

am Vorabend der Reise

Eben komme ich heim vom Kaffeetrinken bei meinen Katzen. Die habens richtig gut getroffen, ich glaube, es geht denen in der Pflegefamilie besser als bei mir. Nun haben sie drei Personen zum Knuddeln, und vor allem drei Treppen im Haus zum rauf und runter laufen. Und viele schöne Ecken, um sich zu verstecken. Der Kater sah absolut nicht so aus, als wollte er wieder mit mir nach Hause gehen. Ich bin sehr froh, so eine nette Familie getroffen zu haben und kann mich beruhigt auf die Reise machen.
Auf dem Heimweg fielen dann dünne Schneeflocken. Mich hält hier wirklich absolut nichts mehr.

Koffer packen

Puh! Ich bin am Packen meiner Kleidung. Also einfach ist das nicht. Ich will ja insgesamt 4 Monate bleiben, das heisst, man muss Sachen für kühle Tage haben und Sachen für heiße. Und auch noch ein paar Hosen für die optimistische Hoffnung, dass ich auf der Reise doch ein wenig abnehme;)
Eine Tasche für jeden Tag, eine für heiße Tage, eine für besonders kalte und eine mit Kleidung zum Verschenken. Ich bin nur froh, dass ich ein großes Fahrzeug für mich ganz alleine habe.
Gestern war ja der erste richtige Frühlingstag, also hab ich meine Heizung runter geschaltet. Am Abend wurde es mir dann immer heißer und ich sah mal nach, was mit der Heizung ist. Sie war glühend heiß, obwohl sie aus war. Und wo soll ich vor der Abfahrt am frühen Montag noch einen Heizungsmonteur herbekommen? Um halb zehn wagte ich es dann, noch einen Nachbarn anzurufen. Er kam hoch und schraubte das Heizungsventil ab, eine Kappe drauf, und die Heizung wurde kalt. Wie schön, nun kommt hoffentlich nichts mehr vor der Abfahrt dazwischen.

Bissl später: die Kappe tropft. Ich stelle eine Schüssel unter.

Luftfilter

Heute gab ich meinen Land Rover vor der Reise nochmal zur Inspektion. Mit dem Werkstattmeister kam ich auf meine Marokkoreise zu sprechen und auf den Luftfilter. Seit Jahrzehnten kenne ich es nicht anders, als dass dieser nach einer Pistenfahrt gesäubert werden sollte, mal kräftig durchgeblasen. Auch meine befreundete Agentur Sahara Sevices macht das mit allen ihren Toyotas. Doch der Werkstattmeister warnte mich eindringlich davor. Bei dem Durchblasen mit Druckluft gingen die kleinen Partikel des Filters kaputt. Auch blosses Ausschütteln bringe nichts, nur häufiges Wechseln.
Ist das euch allen schon bekannt? Bin ich die einzige Blöde? Oder will er nur an den Filtern verdienen?