Historicle Jungle Trail

Zurück von der Dominikanischen Republik bin ich wieder in Miami gelandet und wollte auch diesmal nicht in der Nacht noch den weiten Weg zurück fahren. Mein Radfahrer-Freund Curtiss wohnt in Vero Beach und hatte mich eingeladen. Er blieb tapfer bis fast Mitternacht auf, um auf mich zu warten. Rückflug und Abholung meines Wagens verliefen einwandfrei, nur die Kiste sprang nicht an. Batterie absolut tot. Das hat mich gewundert, sprang er doch nach dem langen Sommer einwandfrei wieder an. Doch die Mädels vom Parkplatz sind so etwas gewohnt, sprangen in den Golfcart und wir fuhren mit einem Startergerät zum Auto. Und dann fand ich auch heraus woran es lag. Ich hatte das Navi angelassen, es geht nicht von alleine aus und hat in den 8 Tagen allen Saft heraus gezogen. Nach der langen Fahrt bis Vero Beach war wieder alles in Ordnung.

Bei Curtiss erzählte ich nur kurz von meinen Erlebnissen, dann gings schlafen, denn wir wollten ja am nächsten Morgen wieder eine Rad tour machen, Curt hatte den Historic Jungle Trail ausgesucht. Diese Straße, die bis heute eine Sandpiste ist, wurde in den 1920er Jahren gebaut, damit die Zitrusbauern ihre Produkte entlang den Barriereinseln transportieren konnten. Heute wurde sie im National Register of Historic Places aufgenommen. Obwohl die Straße auch von Autos befahren wird, wird sie hauptsächlich von Radfahrern, Spaziergängern und Joggern genutzt. Eigentlich geht sie entlang der Indian River Lagune, aber der Blick aufs Wasser wird zumeist von den Mangroven verdeckt, die erst kürzlich angepflanzt wurden, um der Erosion entgegen zu wirken.

http://www.bikingflorida.mobilunterwegs.eu/update.html

Es war eine schöne Fahrt, wenn es auch nicht viel zu erzählen gibt, aber natürlich ist auch dies wieder ein Trail für meinen Bikeführer, der immer umfangreicher wird.

Hometown News

Hometown News ist unsere lokale Zeitung. Ich liebe sie, weil sie über lokale Ereignisse berichtet und ich immer erfahre, was so los ist und zu welchem Event ich gehen muss. Und genauso wie ich im Bereich Marokko eine Gegenspielerin habe, eine Konkurrentin, die ähnliche Bücher wie ich schreibt, so habe ich auch hier einen Konkurrenten. Roger Fulton schreibt ebenfalls Bücher über Biketrails und dergleichen. Als ich ihn vor Jahren zum erstenmal traf hat er mich vollkommen ignoriert, als ich erwähnte, dass auch ich Bücher schreibe, ist er absolut nicht darauf eingegangen. Roger ist ein Snowbird wie ich, nur dass ich von Deutschland für den Winter komme, er dagegen von dem Staat New York. Anders als ich hat er hier kein Haus zur Verfügung, sondern mietet sich immer für den Winter ein. Die vorletzten zwei Jahre wohnte er in Port Orange und war froh in mir eine Bekannte zu finden, denn seine sonstigen Freunde leben alle in DeLand. Wir sind zusammen geradelt und haben viele Veranstaltungen zusammen besucht. Da er gerade keinen Bikeführer hatte konnte ich auf seinen Vorträgen auch immer meinen Bike Trail Führer anbieten und einige verkaufen.

Doch nun wohnt er wieder in DeLand, nahe zu seinen alten Freunden und hat auch selbst einen neuen Bike Trail Führer. Seitdem bin ich eine Konkurrenz für ihn und er hat mich aus seiner Email Liste gestrichen. Roger wurde auch schon in der lokalen Zeitung vorgestellt, also dachte ich mir, das wäre auch was für mich. Email geschrieben und ganz schnell positive Antwort bekommen.

Gestern Morgen also saß ich am PC. Seit ich aus der Dominikanischen Republik zurück bin habe ich wirklich viel, viel Arbeit. Sitze an neuen Ausgaben für zwei Bücher und muss auch noch Anfragen beantworten. Mitten drin kommt einen Email vom Journalisten der Hometown News, ob ich heute 13 Uhr Zeit habe. Ja klar. Ist gerade eine Schlechtwetterzone, Fahrradfahren ist sowieso nicht so ideal, und überdies muss ich ja arbeiten und bin zuhause.

Weiter an die Arbeit, die bis über den Kopf reicht. Dann habe ich Hunger. Brate mir etwas, Küchendünste schweben in der Luft, Geschirr und Töpfe stehen herum, ich in alten Klamotten, die Haare eine Katastrophe. Als ich gerade den letzten Bissen im Mund habe und das Geschirr abräumen und spülen will, gehen draußen zwei Männer in Richtung meiner Haustür. Wer ist das?!

Natürlich der Journalist und der Fotograf der Hometown News. Die hatte ich vollkommen vergessen. Ich, die ich Ordnung liebe und eigentlich für Besuche gar nicht groß aufräumen muss, da eigentlich immer alles in Ordnung ist, werde im ungünstigsten Augenblick des Tages oder sogar der Woche erwischt. Oh shit. Da fragt der Fotograf als erstes, ob er fotografieren darf. Ich entschwinde im Schlafzimmer und ziehe mir als erstes meine Bikerkluft an. Dann machen wir Fotos. Ich bin ja so gespannt, bin so neugierig, was er da eingefangen hat. Er verspricht mir nächsten Montag, wenn er wieder im Büro ist, etwas zu schicken. Und wenn ich es bekomme werde ich es natürlich hier einstellen.

Dann setze ich mich mit dem Journalisten in den Florida Room, der etwas aufgeräumter ist und durch den auch keine Küchendüfte wehen. Und für eine ganze Stunde reden wir. Bin ja nun so gespannt, was in der Zeitung stehen wird.

P.S. Ein Foto bekam ich nie, aber hier ist der Artikel als PDF. Ein Link zur Zeitung kann ich nicht setzen, da diese nur aus den USA einzusehen ist.

A good read on bike trails of Volusia County News hometownnewsvolusia.com

 

eBike in Macau

Mein Sohn hatte sich so etwas Schönes ausgedacht zu meinem Geburtstag, wo wir doch alle so fahrradverrückt sind. Eine eBike Tour auf der Insel. Gebucht und bezahlt über einen Anbieter im Internet. Doch genau wie er ist hat er dann vorher noch nach Bewertungen im Internet geschaut zu diesem Veranstalter und gefunden, dass der seit Covid überhaupt nicht mehr im Geschäft ist. Wir waren traurig, hatten uns doch so gefreut. Schließlich hat er storniert und wir haben alle gezittert, dass er sein Geld zurück bekommt.

Am nächsten Tag war es tatsächlich da, aber auch eine Anfrage von einer anderen Agentur, ob wir nicht doch noch eine Tour machen wollen. Ja, bitte. Und so wurden wir bereits morgens um 8 Uhr am Hotel abgeholt, die vier eBikes hinten auf dem SUV. Wir fuhren nach Macau, ein kleiner Ort am Strand. Dort ging es aufs Rad. Okay ja, die eBikes konnte man nicht so direkt mit meinen Rädern vergleichen und auch Bike Trails gibt es nicht in der DomRep. Wir fuhren also über kleinere Landstraßen zu einem Bauern, der seinen Garten für Touristen öffnet. Unser Führer hat uns alle Pflanzen erklärt, ich hatte noch nie Vanille gesehen, auch Kaffee und Kakao gab es und wir konnten den hausgemachten Mama Juana probieren. Klar wollte er auch was verkaufen. Aber es war ein schöner lehrreicher Ausflug und wir fuhren zurück nach Macao und schauten uns den Strand an. Alles in allem 3 Stunden und 14 km.

Happy 75

Dann kam der eigentliche Geburtstag. Ich bin am 5. Dezember geboren, dem Nikolausabend, wie es bei uns im Rheinland gefeiert wurde. An diesem Abend wurden die Schuhe raus gestellt und der Nikolaus füllte sie. Meine ältere Schwester war daher sehr sauer, dass meine Mutter ausgerechnet an diesem Abend ins Krankenhaus musste (bin um 23.40 Uhr geboren) und ich glaube, das hat sie mir nie verziehen. Meine Familie hatte mich für 8 Uhr zur Lobby bestellt. Dann ging es zusammen ins Restaurant und natürlich war der Tisch schön mit Blumen und Luftballons geschmückt. Gemäß unserer Familientradition hatte mein Sohn lieber eine gute Flasche Sekt bestellt als eine Torte, was aber wiederum das Personal nicht richtig verstand. Sie schmückten ein kleines Muffin mit drei Geburtstagskerzchen und kamen singend an den Tisch.

Zurück in meinem Zimmer war auch das geschmückt. Mit einer Banderole an der Tür und Luftballons und Blumen im Zimmer, auch eine neue Flasche Rum gab es. Und die Zimmerfrau drückte mich ganz heftig.

Als Geschenk hatte sich mein Sohn eine Überraschung ausgedacht. Keine touristisch geprägte Tour zu den Highlights der DomRep, im Bus oder mit dem Partyboot, sondern eine Fahrt mit eBikes in der Umgebung. Das fand ich richtig toll. Allerdings haben wir die erst ein paar Tage später gemacht. Ansonsten war der Tag ausgefüllt mit feiern und Harmonie und es war traumhaft schön. Während des ganzen Tages konnten wir sehen, wie die Arbeiter in der riesigen Hotelanlage Lichterketten anbrachten und Zoe war sehr gespannt, wann die wohl leuchten würden. Und pünktlich um 18 Uhr, als sie mit ihrem Vater vom Tennisspielen zurück kam, begann in der Lobby eine wunderschöne Weihnachtsfeier. Eine Sängerin im Weihnachtskostüm, ein Klavierspieler, Sekt und Schnittchen, es war so wunderbar und ich bezog das natürlich alles auf meinen Geburtstag. Und dann kamen in langer Reihe die Kinder aus dem Familienbereich, angezogen wie die Wichtel und Helfer des Weihnachtsmanns und brachten eine weihnachtliche Stimmung, die ich so noch nie erlebt hatte.

Doch selbst dann war der schöne Tag noch nicht vorüber, zum Abendessen hatten wir uns das Tartuffo ausgesucht, mein Lieblingsitaliener. Das Hotel hat sieben Restaurants und man kann sich für jeden Abend eines reservieren. Auch da wieder eine wunderbare Atmosphäre und die mexikanische Musikgruppe sang dann natürlich auch noch Happy Birthday für mich. Ich habe mir gewünscht, dass es nun so weiter geht wie in dem Film: Und täglich grüßt das Murmeltier. Jeden Tag Geburtstag feiern, das wäre was. Aber auch so hatten wir eine unvergessliche, sehr harmonische Woche und nun sind wir alle traurig, dass wir wieder zurück in unserer Arbeitswelt sind.

Ankunft

Ich war einige Stunden früher im Hotel und freute mich sehr darauf, meine Familie zu sehen. Das Hotel hat einfach wundervolle Suiten, es sind schon fast Apartments, untergebracht in Villen mit 12 Suiten. Ich hatte zuvor das Hotel angeschrieben und nach dem gleichen Zimmer wie beim letztenmal gefragt, mit Blick zum Pool und zum Meer und da ich ja schon Stammgast bin hat man uns alle dort untergebracht. Zur Begrüßung stand in jeder der drei Suiten ein Obstteller und eine Flasche Rum, an der Tür ein Willkommensbanner und wir erhielten ein goldenes Bändchen statt dem blauen Normalbändchen. Nicht wirklich ein Unterschied, denn das Personal ist zu jedem sehr freundlich und hilfsbereit. Aber ja, ein kleines Trinkgeld hilft.Dann ging es gleich mal in die Bar zum Begrüßungsdrink und einige der Mitarbeiter kannten mich noch. Aber selbstverständlich empfing ich auch die Familie mit einem Begrüßungsdrink.

Am nächsten Morgen ging es dann auch dort aufs Fahrrad, um den beiden Neuen erst einmal die Anlage zu zeigen. Und schon vom ersten Augenblick an fühlten sie sich richtig wohl.

 

Warum DomRep

Seit 4 Jahren schon denke ich darüber nach meinen 75sten ganz groß zu feiern. Der Plan war, in Marokko im Camp Agafay bei Marrakech alle Freunde und Bekannten einzuladen, natürlich auch meine Familie. Zu einer richtig großen Fete mit Musik und Tanz. Aber dann kam Corona und hat alles verändert. Marokko hatte sehr starke Einschränkungen und ich hatte einfach keine Lust mehr dort zu feiern. Auch unter den Freunden stellte sich heraus, wer wirklich dazu gehört. Aber der wichtigste Anlass, nun meinen Geburtstag in der Dominikanischen Republik zu feiern, war das von Trump während Corona verhängte Einreiseverbot für alle, die die letzten 14 Tage in Europa verbracht hatten. Ich konnte nicht mehr zu meinem Haus in Florida reisen, musste den Winter im eiskalten Taunusstein verbringen und hoffte sehr, dass nach der Wahl Bidens zum Präsidenten dieses Verbot aufgehoben würde. Aber nichts da, er hat es noch verlängert.

Also musste ich nach einer Möglichkeit suchen eben diese 14 Tage nicht in Europa zu verbringen und entschied mich für die Dominikanische Republik. Zu den Möglichkeiten zählten auch Cuba oder Mexiko, eben verschiedene mittelamerikanische Länder, aber die DomRep hatte nun mal für Deutsche günstige Einreisemöglichkeiten trotz Covid. Und so kam ich im März 2021 zum erstenmal hierhin. Ich hätte natürlich auch hier mich für das abenteuerliche Reisen ala Marokko entscheiden können, aber vielleicht war es der Stress, den ein Jahr Corona und Lockdown hervorgerufen hatte, ich entschied mich zum erstenmal im Leben für ein großes Resort mit All-Inclusive. Zwar mietete ich ein Auto, wollte ein wenig im Land herum reisen, aber schon bald fühlte ich mich im Grand Bavaro Princess so wohl, dass ich keine Lust auf große Ausflüge hatte. Zwei Wochen später ging es dann nach Florida.

Auch im Herbst 2021 gab es noch immer das Einreiseverbot und ich buchte das Hotel erneut für zwei Wochen. Kurz vor der Abfahrt saß ich gemütlich bei der Familie zum Abendessen, als meine Enkelin plötzlich Interesse bekundete, mitzukommen. Sie hatte gerade das Abitur gemacht und die Universität noch nicht angefangen, sie hatte also die Zeit und flugs fanden wir noch einen Flug. Zoe war total begeistert. Die DomRep gehört zur Karibik, hier ist es das ganze Jahr gleichbleibend um die 30 Grad warm und mein Geburtstag ist im kalten Dezember. Da ist es in Marokko nicht unbedingt warm. So reifte also ganz langsam der Entschluss, in diesem Hotel meinen Geburtstag zu feiern und nur mit der engsten Familie.

Ab zur Geburtstagsparty

Um 8.25 sollte mein Flieger gehen, ich hatte einen Parkplatz ab 6 Uhr gebucht. Plötzlich erhielt ich eine Email von Latam, der chilenischen Fluggesellschaft, in der es hieß, ich solle um 4.25 am Airport sein. Oh Gott, ab da war Hektik angesagt. Wie soll ich das schaffen? Was wenn meine Familie meinen Geburtstag ohne mich feiern muss. Zunächst habe ich endlos gesucht, ob der Parkplatz die ganze Nacht auf hat, denn irgendwo stand, dass er erst ab 6 Uhr geöffnet ist. Und ich brauche ja auch einen Shuttle zum Terminal, ob der schon fährt. Na, die wenigen, die mich kennen, können sich sicher vorstellen, dass ich furchtbar rumgerödelt bin, war mit den Nerven so fertig, dass der Gastgeber mir vor dem Schlafengehen noch ein Bier gab. Ein Corona! Meine Enkelin sagte dann, dass sie das auch mal gemacht hat, natürlich woanders, und dass die Parkplätze die ganze Nacht auf seien. Das hat mich etwas beruhigt.

Ich stand also noch vor 5 Uhr auf und war wenig später schon im Auto, hatte am Abend zuvor alles erledigt. Auch von den Gastgebern hatte ich mich schon verabschiedet. Um diese Zeit ist ja selbst Miami noch vom dichten Verkehr verschont, aber trotzdem habe ich für die 20 Meilen 40 Minuten gebraucht. Ihr in Deutschland wisst ja gar nicht, wie gut ihr es habt mit der grünen Welle. Wenn man mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit fährt sind alle Ampeln an der Durchgangsstraße grün. Nicht aber in Florida. Hier muss man wirklich an jeder Ampel halten, es sei denn man fährt mit der doppelten Geschwindigkeit. Das mache ich aber lieber nicht, denn es waren recht viele Streifenwagen zu sehen mit ihren blinkenden blau-roten Lichtern. Es scheint schon einiges los zu sein auf den nächtlichen Straßen Miamis. Miami Vice.

Der Parkplatz war natürlich auf, die ganze Nacht, und ich konnte mein Fahrzeug abgeben, samt dem Fahrrad, das hinten auf dem Bikerack war. Aus Sicherheitsgründen hatte ich aber nur das preiswerte Mountainbike mitgenommen. Ein Shuttle stand im Augenblick nicht da, aber ein Taxi. Ein kurzes Gespräch mit dem Fahrer ergab, dass er mich für 15 $ direkt zu meinem Terminal bringt, im Gegensatz zum Shuttle, der fährt zur Rental Car Station und man muss noch ziemlich viel laufen. Also, meinen gestressten Nerven waren die 15 $ nicht zu viel und es hat wirklich alles gut geklappt. Ich konnte sogar noch meine Muffins essen, die ich auf der Hinfahrt bei BJ’s gekauft hatte, super lecker und preiswert. Der Flughafenkaffee dazu war das natürlich nicht.

Pünktlich flogen wir ab, pünktlich kamen wir an. In der Dominikanischen Republik.

Miami – Dade

Mein Flug ab Miami sollte morgens um 8.25 abgehen. Von meinem Wohnort bis zum Miami Airport sind es 4 Stunden Fahrt, das heißt, die ganze Nacht fahren und nicht schlafen. Ach nein, dafür bin ich doch schon zu alt. Also gehe ich die Sache gemütlich an und suche mir ein AirBnB am westlichen Stadtrand von Miami, nahe zu den Everglades und verbinde das mit einer Fahrt in den Naturpark.

Zunächst lief es recht gut auf der Autobahn I95, doch ab Ft. Lauderdale war der Verkehr höllisch. 6 Fahrspuren auf jeder Seite und es ging nur schleichend. Ich fuhr in Ft. Lauderdale erstmal raus zu BJ’s, meinem Club, wo ich verbilligt tanken kann. Und ein Päuschen mit Kaffee habe ich dann auch gebraucht. Aber für die 30 Meilen durch das dichte Stadtgebiet bis West-Miami brauchte ich dann nochmal eineinhalb Stunden, es war einfach schrecklich.

Mein AirBnB

Ich fand mein AirBnB, schöne ruhige Wohngegend, ein hübsches Haus, das ich auch genommen hätte. Super nette, herzliche Gastgeber. Mein Zimmer und das Bad, das ich mir mit zwei anderen Zimmern teilte, waren sauber, aber der Rest des Hauses? Unglaublich. Überall lag was rum, alles war schmutzig. Ich konnte die Küche mitbenutzen, ja, aber. Doch die Leute waren so lieb. AirBnB möchte ja, dass beiderseitig ein Feedback gegeben wird, aber ich mag das nicht. Lesen kann man erst, wenn beide geliefert haben. So weiß ich, dass Victor geschrieben hat, aber nicht was. Ich mag eigentlich lieber die anonymen Bewertungen, wo man die Wahrheit sagen kann. Aber diesen lieben Leuten zu sagen, dass es dreckig und unordentlich war, das bringe ich nicht übers Herz. Aber sagen, dass alles in Ordnung war, möchte ich auch nicht.

Krome Path

Noch am Nachmittag machte ich mich auf die Suche nach dem Krome Path, ein Bike Trail, der Miami und Homestead verbindet. Er verläuft absolut gerade von Nord nach Süd parallel zum Highway 997. Homestead ist eine Stadt von Gartenbaubetrieben und die säumen auch den Fahrradweg auf der ganzen Strecke. Es war nett, aber wäre kein Grund extra den langen Weg zu machen.

map krome path

Shark Valley Loop

Etwas mehr freute ich mich auf den nächsten Tag. Es sollte zum Shark Valley Nationalpark in den Everglades gehen. Auch dahin eine absolut gerade Straße in Ost-West-Richtung. Hier gesäumt von Anbietern für Airboat-Touren durch die Everglades. Das ist spannend, aber ich hatte es schon mal gemacht. Ich wollte ja radeln. Der Park kostet einen stolzen Preis von 30 $ pro Auto, aber er gilt auch für 7 Tage, was mir allerdings nichts nützt. Am Visitor Center kann man auch Fahrräder mieten, aber ich hatte mein Mountainbike dabei, das eBike wäre mir nicht sicher genug auf dem Flughafen-Parkplatz gewesen. Durch den Park führt ein Rundweg von 15 Meilen, eine richtig schöne Tour für mich. Wasser sollte man dabei haben, denn Schatten gibt es wenig. Am Umkehrpunkt ist dann ein Observation Tower. Ja, es hat mir gut gefallen, ich sah auch einige Alligatoren, aber die Parks in meinem Central Florida sind eigentlich noch schöner.

Auf meiner Webseite ist ein Link zu der Beschreibung dieser zwei Touren (in Englisch):  Update

Ein ganz normaler Tag in Florida

Heute ist Samstag, gestern war Black Friday, davor Thanksgiving. Nur zur Einordnung. Heute brauchte ich einfach mal wieder ein wenig Bewegung. Also aufs Fahrrad. Inzwischen pendelt sich hier der Benzinpreis bei so um die 3 $ pro Gallone ein, also unter 1 Euro pro Liter. Da kann ich mir doch wieder einige Meilen leisten. Fuhr also nach Winter Springs, 43 Meilen, und parkte da am Central Winds Park. Schöne Sportstätten, Restrooms, Picknick, Spielplatz und natürlich Tools für das Bike.

Ich möchte euch von dieser Fahrt so gerne etwas Aufregendes erzählen, aber es gab einfach nichts. Wunderschöne Tour auf Bike Trails, nur selten musste ich eine Straße mit Ampel überqueren, also es passierte einfach nichts. Alles in allem 68 Kilometer hin und leider auf gleichem Wege zurück. Aber einfach schön.

Auf dem Heimweg dann kurz bei Safe a lot gehalten, brauche Milch zum Frühstückskaffee. Auch die ist hier, genau wie die Eier, sehr teuer geworden. Ich könnte ja mal nach Steaks schauen. Esse selten Fleisch, brauche es einerseits nicht, andererseits sind auch die teuer geworden. Doch heute die T-Bones 3.99 das Pound. Super Preis, schon lange nicht mehr gesehen. Also sofort eine Packung gekauft und eins auf dem Grill gelegt. Dazu gibt’s nur Steaksauce und eine Tomate. Lecker. Dann kurz mal in die Heuteshow geschaut. Was in Deutschland so los ist. Dann gelangweilt. Am liebsten gleich ins Bett gegangen, morgen ist ja ein schöner neuer Tag. Aber noch so früh.

Doch halt. Ich bin ja in Florida. Also habe ich das Rad wieder raus geholt und bin rüber ins First Turn. Eine Rock Band hat gespielt. Ich brauche da kein Getränk, stelle mich einfach vor die Band und tanze vor mich hin. Schön ist das. Tue so als sind die Rockband und ich die einzigen Menschen auf der Welt. Niemand, der mich mal wieder enttäuscht. Nur die und ich und ich tanze.

Genau das ist es, was mir in Taunusstein fehlt.

Thanksgiving with Shay

Thanksgiving ist in USA der höchste Feiertag, mehr noch als Weihnachten. Und niemand möchte an diesem Tag alleine sein. Im letzten Jahr war ein wunderschönes Weihnachtsessen veranstaltet von einer Kirche, dort habe ich mich sehr wohl gefühlt. Leider machen die das in diesem Jahr nicht.

Also habe ich in der lokalen Facebookgruppe mal nachgefragt, ob jemand eine andere Kirche kennt, die ein solches schönes Essen mit netten Menschen veranstaltet. Daraus ging unter anderem eine persönliche Einladung hervor, die ich schließlich annahm. Shay hatte Freunde, Familien, Nachbarn zu Gast zum Turkey Dinner und lud mich herzlich ein.

Also Shay. Ich sollte um 12 erscheinen. Es ist nicht meine erste Einladung zu einem amerikanischen Thanksgiving Dinner, so hatte ich in etwa eine Vorstellung, was mich erwartete. Man steht zusammen, trinkt ein Glas, setzt sich dann um einen großen Tisch und die vielfältigen traditionellen Speisen werden aufgetragen.

Bei der Anfahrt fiel mir auf, dass nicht allzu viele Autos vor der Tür parkten, was man bei vielen Gästen ja eigentlich erwarten würde. Die Familie saß versammelt in der Garage, hier in Florida gang und gäbe. Garagen werden selten für Autos verschwendet. Statt hallo waren die ersten Worte, die Shay zur Begrüßung sagte, wir rauchen Weed, stört dich das? Nein, überhaupt nicht! Ich fühlte mich auf einen Schlag versetzt in meine Anfangstage in Marokko, als die ganzen Jungs um mich herum Haschisch rauchten. Ich rauche gar nichts, weder Zigaretten noch Haschisch, das sagte ich auch, aber damit war dann alles klar. Ein Stuhl wurde bereit gestellt und ich wurde fröhlich aufgenommen. Ich hatte Wein mitgebracht, Shay suchte Gläser, was nicht so einfach war, denn sie trinken selten Wein. Sie trinken tatsächlich hauptsächlich Softdrinks, keinen Alkohol, und ich leerte die Flasche quasi allein. Dafür wird dann so eine dicke Tüte gedreht, die reihum ging. Man bot sie mir an, akzeptierte aber meine Weigerung, eben ganz genau wie früher in Marokko.

Shay stellte mir ihren Mann Kris vor, ihre Schwester mit Boyfriend und ihren Schwiegervater. Dazu gehörten ein Baby und ein vierjähriger Sohn. Alle sehr nett und es gab überhaupt keine Schwierigkeiten mit der Kommunikation. Irgendwann erwähnte Shay, dass Kris sich um den Turkey kümmern würde, während sie einen Kuchen als Nachtisch gemacht hatte. Dann bot sie mir stolz an, eine Tour durchs Haus zu machen. Nun könnte ich sagen, dass ich geschockt war, aber das stimmt nicht. Ich habe schon einige amerikanische Haushalte gesehen und die reichen vom Luxus bis zur totalen Unordnung. Das Haus hier war auf der Skala von 1 bis 10 so etwa bei 3. Aber Shay war so stolz auf ihr Haus mit Garten, das sie erst vor einigen Monaten bezogen haben und sah die totale Unordnung als völlig normal an. Dabei konnte ich auch einen Blick in die Zimmer der zwei großen Mädels (10 und 15) werfen, die noch zur Familie gehören. Sie lagen auf dem Bett und hörten Musik.

Inzwischen war es halb drei, in der Küche hatte ich vom Turkey weder etwas gesehen noch gerochen, und ich sagte, ich wolle aufbrechen. Auch das wurde sehr freundlich aufgenommen und ich verabschiedete mich herzlich.

Auf dem Heimweg stoppte ich bei deutschen Freunden vor Ort, die auch ein fettes Tier brieten, aber eine Einladung von denen erfolgte nicht. Obwohl ich viel für die tue. Also ging es nach Hause und eine Dose aus dem Gefrierschrank musste daran glauben. Ich aß gemütlich, trank noch ein Gläschen und dachte zwei Dinge. Erstens dass ich nun ein wenig Bewegung brauche und zweitens, dass es bei Shay doch eigentlich ganz nett war. Also stieg ich auf mein Fahrrad und fuhr wieder zurück. Alle freuten sich. Der Vierjährige war von meinem Fahrrad begeistert, worauf ich ihn durch die Nachbarschaft fuhr. Übrigens lief er die ganz Zeit barfuß. Ich war zuvor schon mit ihm und dem Baby spazieren gegangen, wobei er den ganzen Weg über spitze Steine barfuß zurück legte. Eben wie die Kinder in Marokko.

Um den Garagentisch fehlten einige Personen, dafür waren neue dazu gekommen. Man erwähnte sogar ganz kurz wieder etwas von einem Turkey, aber wiederum konnte ich ihn weder sehen noch riechen. Er schien aber bereits gegessen worden zu sein. Auf dem Tisch lagen einige interessante Tüten und ich wollte nun doch mal genaueres wissen. Was sie rauchen ist also medizinisches Cannabis, dafür braucht man ein Rezept, was aber alle Mitglieder der Familie hatten. In einer Dose war die reine Pflanze, die zerkrümelt und mit Tabak gemischt in einer selbst gedrehten Zigarette geraucht wird. Aber auf einer anderen Tüte stand Milchschokolade. Man zeigte mir ein Stückchen, bot mir es auch hier wieder freundlich an (nein, danke) und es gab noch eine zweite Tüte mit dem Geschmack von Pecan Nüssen. Mhm. Und die ganzen Kinder drumherum. Ich wollte wissen, was besser ist. Man meinte, geraucht wirkt es schneller. Der Vater litt unter Nackenschmerzen, ich fragte, ob er dafür das Cannabis rauche, ob es seine Schmerzen lindere. Nein, sagte er, er wäre nun schon so daran gewöhnt, dass es keinen Unterschied mehr macht. Warum also raucht man es? Ich weiß es nicht. Übrigens konnte ich den ganzen Nachmittag lang an den Menschen keine Veränderung feststellen, sie waren unverändert freundlich und herzlich. Wenn ich an Menschen denke, die so viel Alkohol trinken, dann verändern die sich doch sehr. Welche Droge ist also schlechter?

Ich blieb noch ein Weilchen, weil ich mich bei den Leuten wirklich wohl und herzlich aufgenommen gefühlt habe, dann machte ich mich auf dem Heimweg, es wurde ja schon langsam dunkel. Shay bot mir an, etwas von ihrem Kuchen mitzunehmen, was ich auch gerne tat. Den gab es also.

Zuhause musste ich mich sofort ausziehen und meine Kleidung in die Waschmaschine stecken, so sehr habe ich nach Weed und Zigaretten gestunken. Aber schön wars. Haben uns für die Weihnachtsparty verabredet.