Beach Life

Ganz unvermutet tauchte heute ein freier Tag in meinem Terminkalender auf. Was tue ich da nur? Am liebsten würde ich nach Mims zu dem freundlichen Bike Stop fahren und von dort aus bis nach Titusville radeln. Aber die Autofahrt würde insgesamt etwa 180 km sein und auch hier in USA ist der Sprit sehr teuer geworden und ich gezwungermaßen schon sehr viel auf der Straße. Doch da fiel es mir ein. Ein herrlicher Tag heute, wir erwarten 29 Grad. Das ist doch DER Tag für den Beach. Wir haben Spring Break, die Strände sind zum Platzen voll. Aber ich nehme mein Fahrrad, muss mich halt wieder über die hohe Brücke kämpfen und werde den Tag am Strand verbringen.

Ach, warum nur muss ich bald wieder zurück ins traurige, kalte Taunusstein.

P.S. Fotos folgen

Aunt Catfish

Seinen Geburtstag feiert man immer dreimal. So hatte ich noch eine Giftcard von Aunt Catfish and heute war der Tag. Wir haben herrliches Sommerwetter mit 30 Grad. Das warme Wetter hatte bis weit in den Januar gereicht, dann zu Ende kam der Florida Winter. Im Wochenabstand rollen hier Kaltwellen durch. Zu Beginn ging das tatsächlich nachts an die Gefriergrenze, aber dann schwächt es sich wieder ab, der eigentliche Winter hier hat etwa 2 Wochen gedauert. Das kann ich gerade noch so aushalten.

Aunt Catfish bietet Sonntags Brunch, das wollte ich einmal ausprobieren. Das Lokal liegt direkt am Fluss und ist sehr beliebt. Eine riesig lange Schlange stand vor dem Haus, in Doppelreihen und auch drin sah es nicht besser aus. Hochbetrieb hoch 3. Ich meldete mich an der Rezeption, man gab mir einen Transponder, über den ich verständigt würde, wenn was frei wird. Ich fragte nochmal nach, wird es draußen oder drinnen sein. Was zuerst frei ist, aber lieber draußen. Ach, sagte die nette Dame, ich glaube da ist was frei. Ein Zweiertisch mit Blick aufs Wasser in voller Sonne, ideal für mich. Also spazierte ich mit der Dame strahlender Laune an der ganzen langen Schlange vorbei und nahm Platz. Die Amis wollen halt lieber drin und wenn, dann schon gar nicht in der Sonne.

Diese dritte Geburtstagsfeier war also wieder mal der volle Erfolg und wurde mit einer Margarita besiegelt.

Alltag

Die liebe Silviane hat gefragt, was denn mit mir los sei, da ich nichts mehr schreibe. Andere haben vielleicht das gleiche gedacht, aber nicht gefragt. Deshalb hier so ein kleiner Situationsbericht. Eigentlich läuft alles smooth, aber vor einer Woche bin ich tatsächlich vom Klo gefallen. Beim Aufstehen wurde mir plötzlich schwarz vor Augen, ich fiel wie ein Stein um und dabei mit dem Po heftig auf die Klobrille. Das ist auch die Stelle, die immer noch weh tut. Zum Glück weder Knochen gebrochen noch Kopf angeschlagen.

Am Wochenende kamen meine Freunde aus Deutschland, auch das ein kleines Abenteuer, da ihr Flug zunächst gecancelt wurde. Samstag Abend sollten sie noch einen späten Flug aus Atlanta nach Daytona nehmen, und ich zitterte, dass sie den auch bekommen. Denn das war so ziemlich der letzte Flug bis Montag. Am Sonntag rollte ein schlimmer Schneesturm über Atlanta an die Ostküste und alle Flüge wurden gestrichen. So wartete ich denn ungeduldig in DAB Airport und sah keine Spur von ihnen, bis sie denn schließlich so ziemlich als letzte ankamen und ich sie in die Arme nehmen konnte.

Der Winter war bisher bei uns in Florida wirklich gnädig, wir hatten bis zum Wochenende noch gut über 20 Grad und die vorgeschriebene Kleidung waren Shorts. Doch pünktlich mit der Ankunft der Freunde kam der Winter. Das ist eigentlich immer so. Ich verdächtige sie, das kalte Wetter aus Deutschland im Koffer mitzubringen. Naja, besser als Leichen.

Mit Shorts war also nichts. Aber wir hatten auch so ein volles Programm mit lauter Erledigungen, unter anderem haben sie mein Türschloss geflickt und meinen Radreifen gewechselt. Ja, solche Freunde kann man brauchen. Aber klar, dass ich da nicht dazu kam, Blog zu schreiben. Ich bin sogar nach ihrer Abreise auf die Couch gecrasht, bin einfach nur noch an mein ruhiges Singledasein gewöhnt. Trotzdem, keine Beschwerde, ich freue mich immer über ein bisschen Leben.

Heute nun ist der Winter in Florida erstmal wieder vorbei, das geht immer schnell, und so ging es heute Morgen mit der Gruppe zum Kayakfahren. Neulich hatte ich Radfahren schon abgesagt, eben wegen meinem Sturz, das tat ziemlich weh, aber nun kann ich ja wieder gut laufen und sogar Radfahren. Also sicherheitshalber noch eine Ibuprofen geschluckt und los. Am Ufer Kayak abgeschnallt, rein gesetzt. Autsch! Auf der Couch kann ich sitzen, selbst auf dem Rad, aber im Kayak brauche ich genau die schmerzhaften Muskeln, die wohl beschädigt wurden. Ich habe ein bisschen unter Schmerzenslauten versucht, aber keine Chance. Nichts wie raus, es geht einfach nicht. Stattdessen habe ich einen schönen Spaziergang gemacht zwischen Fluss und Meer.

Zu Hause hat mich dann wieder mein Pond gerufen. Den kennt ihr sicher noch nicht. Das ist der Teich hinter meinem Haus, der früher mal schön klar war und auf dem es viele Wildtiere gab. Doch ist der nun völlig überwuchert. Seit Monaten schon bin ich dabei, ihn einigermaßen frei zu machen, was schon ein echt heftiger Aufwand ist und eine schwere Arbeit. Teilweise bin ich mit einem Angler-Gummianzug rein, ich kann immer nur ein, zwei Stunden dort arbeiten, bin ja schon älter. Das Wasser sieht nicht sehr tief aus, man denkt vielleicht 20 cm, aber darunter ist ziemlich heftiger Schlamm, wohl 50 – 100 cm. Trotzdem reizt es mich, ist wie ein Puzzle, man will immer ein Stückchen weiter machen.

Und dann fiel ich rein. Echt zum erstenmal. Abgerutscht und dann abgesackt im Schlamm. Eigentlich bräuchte man am Ufer immer jemanden, der aufpasst und einem ein Seil reichen kann. Denn der Schlick ist heftig, der hält mich fest. Ich trug Clogs, und ein Schuh blieb auch im Schlamm stecken. Ich hoffe, wenn das Wasser wieder klar ist dann finde ich ihn. Zwar habe ich auch Gummistiefel, aber erstens sind sie nicht sehr hoch und zweitens komme ich nicht mehr rein mit meinen schlechten Füßen, die ja dringend eine OP brauchen. Die Belohnung für die Mühsal ist dann, wenn man sieht, dass doch wieder einige Tiere zurück kommen, wie die Schnappschildkröte, die mich immer so hungrig ansieht.

Naja, so ist das Leben. Ich habe es mir ausgesucht und es macht mir riesigen Spaß. Lieber im Teich versinken als auf der Couch verschimmeln.

Winter

Für heute war uns Winter versprochen. In den letzten Wochen hatten wir ein super Wetter, 25 – 28 Grad, ideal für den Strand. Aber in der Nacht sollte ein Tief durchziehen, Regen bringen und am Tag dann kühle 15 Grad. Man freut sich darauf in Florida. Im November gab es mal kühle Tage, da konnte man endlich mal seine Jeans anziehen, wenn auch nur die zerrissenen. Und ich habe ja auch noch wärmere, sogar einen Pullover. Aber nichts war es. Regen schon mal gar nicht, stattdessen Wind. Um 4 Uhr früh waren es immer noch 21 Grad, aber bis 9 Uhr sollte es auf 13 Grad zurückgehen. Freue mich auf lange Hosen. Aber für mehr als die Capris hat es nicht gereicht. Im Haus ist es gerade unter dem Limit, wo man die Kühlung einschaltet und draußen sind es 18 Grad. Sonne satt. Vorhersage für morgen 20 Grad. Ja, das ist Winter in Florida. Und ich jammere auf sehr hohem Niveau.

Flagler Trail

Für die, die selten Fahrrad fahren in USA will ich erst einmal erklären, was ein Trail ist. Es ist ein eigens angelegter, meistens asphaltierter Pfad durch die Natur, für Spaziergänger, Radfahrer, Skater oder was auch immer man ohne Motor machen kann, manchmal auch für Reiter. Am Anfang und Ende sind meist schön angelegte Park- und Rastplätze mit sauberen Toiletten und Trinkwasser, oft auch Reparaturwerkzeuge für die Radler. Und über diese Trails in meiner Region Central Florida habe ich einen Führer geschrieben.

Neulich war ich unterwegs und sah plötzlich neben der Straße das für Trails typische Schild „No motorized verhicles“ und einen Meilenmarker beginnend mit 0,0 und der Bezeichnung Flagler Trail. Nun waren wir weder in Flagler Beach nördlich von Daytona noch sah ich irgendwo einen Trail. Und hatte den Namen auch noch nie gehört. Aber ich bin sehr neugierig, wenn es um Trails geht und so notierte ich alles, um zu Hause zu recherchieren.

Andere fahren ja Fahrrad, um zu fahren. Bewegung zu haben, möglichst viele Kilometer zurückzulegen. Sicher auch, um etwas Schönes zu sehen. Ich fahre nicht einfach Rad, um zu fahren, sondern mir macht es sehr viel Spaß zu recherchieren, genau das, was ich ja auch in Marokko seit Jahren getan habe. Und da ist es einfach die natürliche Folge, dass man das in ein Buch fasst.

Das Internet war nicht sehr ergiebig. Ja, ich fand etwas, aber es war noch sehr vieles unklar. Wo genau der Trail verläuft und ob er durchgehend ist. Der Beschreibung nach sollte er es sein, aber vieles sprach dagegen. Also genau die richtige Aufgabe für mich.

Zunächst einmal die Geschichte. Das war einfach und fand sich überall. Henry Flagler (1830 – 1913) war eine wichtige Person für die Entwicklung von Florida. Er war vor allem auch der Erbauer der Bahnstrecke an Floridas Ostküste (Florida East Coast Railway). Für diesen Zweck wurde ein Streifen Land gekauft, das aber nach der Einstellung der Eisenbahnlinie nicht mehr benötigt wurde und 1984 vom Seminole County aufgekauft wurde, um eben als öffentlicher Weg zu dienen. Doch anders als viele solcher Trails, die auf der alten Eisenbahnlinie angelegt wurden, wurde dieser nach Henry Flagler benannte Trail nicht asphaltiert.

Ich fand heraus, wo das nördliche Ende des Trails liegt und fuhr hin zum St. Johns River Trailhead. Auch hier wieder ein Parkplatz. Der Trail war leicht zu finden, beginnt direkt am Ufer des Flusses und läuft ganz gerade in Nord-Süd-Richtung. Er ist uneben und wild, also nur für Mountainbikes. Zum Glück ist mein Rad ja genau das. Auf der ganzen Strecke habe ich keinen einzigen Menschen gesehen, es gab nur einige Farmen auf großen Grundstücken, aber keine Menschen und auch keine Tiere. Und am Ende war auch ganz klar, der Trail geht nicht weiter, sondern endet an einem privaten Grundstück mit Drohungen gegen die Menschen, die das nicht beachten. Naja, erschossen werden will ich ja nicht, in Florida muss man mit allem rechnen. Also zurück.

Hin und zurück mit Umwegen 27 km auf unebener Strecke, das reicht mir schon für einen Tag. Doch ich wollte zumindest sehen, wo genau der Pfad weiter geht. Und genau über diese Zwischenstrecke war auch nicht so recht etwas im Netz zu finden. Es gab aber den Hinweis, dass es ab der Geneva Wilderness Area wieder weiter geht. Dorthin fuhr ich also. Und auch an dieser Seite konnte ich sehen, dass es tatsächlich keine Verbindung mehr zwischen diesen beiden Trailenden gibt. An dem Kiosk der Wilderness Area beginnt der Pfad dann neu und ich dachte, ach, komm, ein bisschen kann ich ja noch fahren. Genau eine Meile habe ich geschafft, dann bin ich erschöpft umgedreht. Vollkommen sandig und keinerlei Radspuren. Nur Hiker sind hier unterwegs. Es war ja ohnehin schon spät, also bin ich heim. Nach so einer Fahrt findet der nächste Tag immer am PC statt, denn ich muss ja alles aufschreiben, zu jedem Trail mache ich auch eine Skizze, das kostet schon Zeit.

Aber an Neujahr bin ich dann zu dem Trailhead gefahren, der am Ende dieses Stückes liegt und habe den Pfad also von der anderen Seite aufgerollt. Das ging auch recht gut, auch hier wieder nur für Mountainbiker oder Hiker, ich sah die schöne Holzbrücke am Econ River, der komplett Econlockhatchee River heißt, aber das sagt ja niemand. Und kam an den sandigen Teil. Er ist nicht so lang, etwa 2 km, also möchte ich Radfahrer nicht entmutigen, das Stückchen kann man ja auch schieben. Denn die Landschaft ist schön und man sollte sich den Trail nicht entgehen lassen. Auf diesem südlichen Teil waren am Feiertag auch viele Menschen unterwegs.

Ja, aber fehlt da nicht etwas? Ich bin immer noch nicht bei dem 0,0 Marker angekommen, der mich ja erst auf den Trail aufmerksam gemacht hat und der gar kein Trail war. Im Internet gibt es nur Informationen über die beiden Teilstücke, die ich bisher zurück gelegt habe, nichts aber über dieses Ende, immerhin noch 6 km. Das reizt mich und ich machte mich auf die Suche. Und fand auch alles. Wir sind hier in Chuluota, einer Wohnstadt nicht allzu weit von Orlando, und ein großer Teil des Trails ging an Wohnsiedlungen verloren. Aber dennoch sind Reste da. Manchmal ein Grasstreifen neben der Straße, ohne aber ein Trail zu sein, manchmal auch das obligate „No motorized verhicles“ Schild. Und ich fand den historischen Pfad und werde vor allem in meinem Buch darüber schreiben, so dass zumindest die Leute, die es haben, genau Bescheid wissen.

Ach, wo kann ich denn noch was recherchieren, es macht solchen Spaß?!

Personal Diary

Heute gibt es mal was ganz persönliches. Es ist ja Feiertagszeit und ich bin ganz alleine in Florida. Diesmal keine Besucher und auch keine Einheimischen, die mich einladen. Man könnte da als Single schon ein wenig depressiv werden. War sogar kurz davor. Obwohl ich die Tage hier wirklich genieße und mir bewusst bin, wie gut ich es habe. Am Tag vor Silvester ging ich schnell nochmal in die Gym, nur kurz ins Jacuzzi, denn Training brauche ich zur Zeit keines, der Alltag bietet mir genug davon. Dort war es die letzte Zeit sehr ruhig, habe niemand zum Reden gefunden. Was ich ja gerne tue.

Auf dem Weg zur Umkleide sprach mich jemand an, hallo Edith. Oh, hallo. Du bist Michael, nicht wahr. Nein, ich bin Rick. Okay, sorry, aber da fiel es mir wieder ein. Es ist genau vier Jahre her, dass ich ihn traf. Wir gingen ein paarmal aus, einmal zu einem Basketballspiel.

https://marokkoblog.edith-kohlbach.de/my-first-ball-game-in-usa/

Aber dann meinte er, er will mich nicht mehr treffen, da ich keine ernsthafte Beziehung suche, sondern nur Freundschaft. Okaaay, ganz wie er will. Ich brauche ihn zwar nicht, aber Menschen, um etwas zu unternehmen und zu reden schon.

Das ist also das erste Mal seit vier Jahren, dass wir uns treffen. Ich bin da ziemlich gleichgültig, aber Rick flippt total aus. Ich sähe ja so gut aus, so toll, er könne es gar nicht fassen. Und wie er so da vor sich hin brummelt und Lobeshymnen schwingt kommt ein weiterer Herr vorbei, James. Auch ihn kenne ich aus der Gym, auch mit ihm ist die Freundschaft zerbrochen, will gar nicht genau erläutern warum, aber ihr könnt euch ja alle vorstellen, dass er schuld war und auf keinen Fall ich. Er auf dem Weg ins Jacuzzi, ich auch, und dort haben wir natürlich alle Differenzen beigelegt und uns für bald verabredet.

Ein kleines Erlebnis, aber das muntert auf. Danke. Und abends auf dem AB gingen die Lobreden weiter. Noch habe ich nicht zurück gerufen.

Doch damit ob der freudigen Ereignisse nicht genug. Silvester Nachmittag war ich mit Roger Fulton zum Radfahren verabredet, Schriftstellerkollege. Ich war früh dran. Parkte auf dem Trailhead für Biker, wartete. Direkt neben mir ein schöner weißer Jeep, der Mann schnallte sein Fahrrad ab. Irgendwann dann begannen wir ein Gespräch. Ich erzählte, dass ich ein Buch über die Biketrails veröffentliche, er völlig heiß darauf. Kaufte es sofort. Und beschwor xmal, wie froh er doch sei, mich getroffen zu haben. Wir tauschten Adressen aus. Dann kam Roger und auch das war richtig nett. Zunächst fuhren wir ein kurzes Stück 1), dann trafen wir Bekannte von ihm und dann gingen wir zur Picknickhütte zum „Socialising“, wie auch zuvor ausgemacht. Jeder hatte was zu trinken und knabbern dabei. War nett.

1) Ein kurzer Einschub hier. Wie ihr alle wisst, bin ich Ü70, also nicht mehr taufrisch. Und auch die Menschen um mich herum sind etwa im gleichen Alter. Aber was für ein Unterschied zwischen Mädels und Jungs. Wir Weiber sind alle topfit, aktiv und sportlich (tun zumindest so), und die Männer haben lauter Wehwehchen und jammern. Auch Roger. Er kann kaum noch ein paar Kilometer fahren, dann tut sein Knie weh. Okay, so ist es nun mal.

Silvester dann habe ich gefeiert nach deutscher Zeit, dass heißt, um 18 Uhr (Florida) mit Sekt, Dinner for One und Whatsapp mit Family und dann ins Bett. An Neujahr sollte es wieder eine schöne Biketour geben, alleine, etwas weiter weg, also fahre ich wie üblich mit Auto dorthin. Starte, Anzeige kommt: Ölwechsel notwendig“. Ja, das kam auch schon vor ein paar Tagen, so was vergesse ich dann leicht. Aber da ich heute eine längere Strecke fahren will prüfe ich schnell den Ölstand und sehe kaum einen Tropfen. Es ist Neujahr! Und morgen Sonntag! In Deutschland hieße das, bis Montag läuft nichts mehr. Vor allem nicht mein Auto. Ich suche mir die Rechnung des letzten Ölwechsels heraus, damit ich zumindest weiß, welches Öl benutzt wurde. Und wähle einfach mal so die Nummer der Werkstatt. „How can I help you“. Es dauerte einige Sekunden, bis mir klar war, dass dies kein Anrufbeantworter ist. Ja, ich soll gleich kommen, dann kann man mich noch dazwischen schieben. Und mit weniger als einer Stunde Verspätung war ich auf dem Weg zu meinem Trail.

Mein Ziel war, den Flagler Trail zu erkunden, und das allein ist schon ein Blogbeitrag für sich. Doch das folgt morgen. Unterwegs kam ich an eine Wegkreuzung, war mir ziemlich sicher, welcher Trail das war, wollte es aber genau wissen und fragte das junge Paar, das dort rastete. Ja, richtig, es ist der Florida Trail. Und natürlich kamen wir auch hier ins Gespräch. Ein junger Amerikaner, der einige Jahre in Frankreich lebte und auch Deutschland besucht hatte, sogar recht gut deutsch sprach. Okay, auch hier kamen wir darauf zu sprechen, dass ich ein Buch über die Biketrails habe, und auch er ganz heiß darauf. Nein, ich habe es nicht bei mir auf dem Fahrrad. Aber wir haben Adressen ausgetauscht und er will es haben. Im Weggehen fragte er: Parlez-vous francais? Ja, natürlich und wir haben uns noch ein bisschen auf Französisch unterhalten. Das sind einfach die kleinen Begebenheiten am Rande, die ich so liebe. Und meine Bücher helfen mir sehr, die Kontakte zu haben. Ich sagte ihm dann noch das, was ich wirklich immer erlebe. Die Menschen, die man in USA in der Natur trifft, sind immer ganz anders als die Amerikaner, die man sich gemeinhin so vorstellt. Nicht fett und rechtsradikal, sondern natürlich, offen und liberal. Ach, es ist einfach schön, in USA zu sein. Vor allem in der Covid-Zeit.

SunRail

Regionalverkehr in USA. Für mein Buch über die Biketrails wollte ich mal die Zugverbindung prüfen. Leider ist es so, dass es nur eine Linie gibt, der SunRail von DeBary über Orlando nach Kissimee, gut 80 km. Das ist nicht viel und sie fährt auch nur während der Woche, richtet sich also nur an die Commuter. Dennoch ist diese Zugverbindung auch für Radfahrer interessant, zumindest einige der Trails sind so zu erreichen.

Ich kam daher recht früh am Bahnhof in DeBary an. Der erste Pluspunkt für den Regionalverkehr in Florida, es gibt unzählige Parkplätze und kostenlos. Habe also mein Auto geparkt und das Rad abgeschnallt. Am Bahnsteig erst einmal Ausschau nach Tickets gehalten, es gibt einen Automaten. Aber auch einen Ambassador, in diesem Fall eine sehr freundliche Frau, die den ganzen Tag auf dem Bahnsteig herumsteht, an diesem Tag in der Kälte, und den Fahrgästen mit Rat und Tat behilflich ist.

Der Apparat erklärt sich von selbst, man zahlt mit Kreditkarte, aber die nette Dame wies daraufhin, dass ich das Ticket entwerten muss, „tap“. Hätte ich nicht gewusst. Nach dem Aussteigen noch einmal. Das ganze kostet mit Rückfahrt nur 3,85 $ für Senioren, da sollte sich der deutsche Regionalverkehr doch mal eine Scheibe abschneiden. Für etwa 50 km. Und das Fahrrad ist frei. Die Dame wies mich auch noch daraufhin, dass ich am besten in den ersten Wagen einsteige, es gibt eh nur zwei, da wäre mehr Platz für Räder. Und dann sagt sie noch, dass ich eine Maske brauche. Oh, daran hätte ich nicht gedacht, seit meinem Flug nach USA vor 2 Monaten hatte ich keine Maske mehr auf, aber ich krame in meiner Radtasche und finde eine. Nur, der Gummi ist ab! Doch die Ambassadorin kramt in ihrer Handtasche und gibt mir eine neue Maske mit den Worten Merry Christmas. Vorbildlich!

Im Zug dann gibt es eine Längsbank, die klappt man hoch und findet Platz für 2 bis 3 Fahrräder. Super. Ein Mann hinter mir trägt keine Maske, der Zugbegleiter moniert das. Ich höre die Antwort nicht. Nach einiger Zeit kommt der Zugbegleiter wieder, immer noch keine Maske, und der Mann fliegt aus dem Zug. Nein, nicht während der Fahrt, er darf an der Haltstelle aussteigen.

In Orlando dann habe ich Zugang zum Orlando Urban Trail und noch weiter zum Cady Way Trail. Ein wirklich schöner Tag.

Impfen

Ich möchte hier keine Position einnehmen für oder gegen Corona, sondern einfach mal schildern, wie die Situation um mich herum im Augenblick ist. Ich nehme schon seit einigen Monaten teil an einer Studie und muss regelmäßig einen Fragebogen ausfüllen, wie es mir geht, ob ich getestet, geimpft wurde oder an Corona erkrankt bin. Gestern nun gab es in diesem Zusammenhang eine Telefonkonferenz mit weiteren Fragen. Dabei wurde ich gefragt, ob ich bereit sei, mich für die Studie testen zu lassen.

Diese Frage hat mich erstaunt bzw. zum Nachdenken gebracht. Bisher wurde ich genau 3x getestet. Zweimal im Zusammenhang mit einem Flug in die USA, einmal vor einer OP im Krankenhaus in Deutschland. Bisher dachte ich, in meinem sicheren Umfeld lebend, ich brauche mich nur dann zu testen, wenn ich mich krank fühle oder Symptome habe, die auf Corona hinweisen.

Diese Frage aber hat mir zum Bewusstsein gebracht, dass im Moment in Deutschland testen alles ist. Natürlich schaue ich mir Nachrichtensendungen an, weiß von der 3 G Regel oder 2G+. Aber irgendwie habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht. Ja, es scheint so, dass man sich in Deutschland ständig testen muss. Wohin man auch gehen möchte.

Aber ich bin in Florida. Hier gibt es an jeder Ecke und in jeder Nachrichtensendung die Aufforderung, sich impfen zu lassen. Und wenn man das tatsächlich tun möchte hat man so viele Impfstellen, dass man sie kaum zählen kann und bekommt innerhalb einer Stunde einen Termin dafür. Nicht so beim Testen. Ja, es ist mir irgendwann mal ein Hinweis aufgefallen, dass zum Beispiel beim Drogeriemarkt Walgreens ein Testen im Drive-in möglich ist. Testen ist hier für nichts vorgeschrieben, testen lassen sich vermutlich nur Menschen, die glauben, sie sind krank. Ich jedenfalls treffe keine, die sich testen lassen. Warum diese Unterschiede? Wir hatten im Spätsommer auch einmal hohe Infektionszahlen, im Augenblick sind sie niedrig.

Was hier aber getestet wird ist das Wasser der Ableitungsrohre. Und dort fand man die Omikronvariante, auch in Florida und ganz in meiner Nachbarschaft. Also nicht an einem Menschen, sondern im Abwasser.

Wie schon zu Beginn gesagt, ich will hier keine Einordnungen treffen, einfach nur berichten, wie die Lage bei uns ist. Wenn man mich aber fragt, wo ich am liebsten wäre in dieser Situation. Ganz klar, hier in Florida. Wir leben das ganz normale freiheitliche Leben.

In den Händen des Jihad

Jihad meint wörtlich „Bemühung“ oder auch „Anstrengung“. Die islamische Tradition kennt sowohl den „kleinen Jihad“ als auch den „großen Jihad“: Der „kleine Jihad“ ist kriegerisch. Er beschreibt den kämpferischen Einsatz zur Verteidigung oder Ausdehnung des islamischen Herrschaftsgebiets. Von militanten Gruppen wird der Jihad häufig als religiöse Legitimation für Terroranschläge oder Befreiungskämpfe verwendet.

Aber heute habe ich mich ganz freiwillig Jihad ausgeliefert. Denn es ist auch ein Name für Männer und so heißt der junge Flight Instructor auf dem Airport von New Smyrna Beach, dem ich mich nun anvertraue. Denn ich möchte mir selbst einen Wunsch erfüllen und mich in die Luft begeben. Mit ihm.

Im Jahr 1997 habe ich in Daytona Beach meinen Flugschein für einmotorige Maschinen gemacht und bin fünf Jahre lang sehr viel geflogen. In Florida und in Deutschland. Doch das endete 2002, seit dem habe ich keine Controls mehr in Händen gehabt. Und als ich neulich nahe dem Daytona Flughafen die kleinen Maschinen hereinkommen sah zur Landung, da regte sich einfach mal wieder der Wunsch, selbst in die Luft zu gehen.

Viel, sehr viel hat sich geändert seit 1997. Damnals ging es nicht nur sehr locker zu auf einem Flugplatz, es war auch viel billiger. Damals habe ich pro Trainingsstunde mit Instructor 68 $ bezahlt, heute kostet es 158 $. Und die Sicherheitsvorkehrungen sind groß. Man kann nicht mehr einfach so auf die Runway spazieren, wie das damals war, alles ist umzäunt und abgesichert. September 11 hat da sehr viel geändert.

Aber auch die Maschinen. Ich hatte mein Training damals immer in einer zweisitzigen Cessna 152 mit sehr einfacher Ausrüstung, natürlich kein GPS. Heute habe ich eine super ausgerüstete Cessna 172, die sogar einen Autopiloten hat. Und keine kleine Flugschule, die aus einem Büro und einem Hangar besteht, sondern eine Flight Academy, wo die Piloten in weißen Hemden herumlaufen und einem Laden, wo man seinen ganzen Flugbedarf kaufen kann. Damals mussten wir zum Laden der Embry Riddle University gehen.

Und dann kommt Jihad. Er war mir sofort sympathisch. Er ist in USA geboren, aber die Familie stammt aus Dubai. Sehr nett und verständnisvoll. Da ich als Pilotin nicht „current“ bin darf ich eigentlich nicht links auf der Pilotenseite sitzen. Aber natürlich setzt er mich sofort dorthin. Keine Panik, er kann natürlich die Maschine auch komplett von rechts bedienen.

Und schon während wir zur Startbahn rollen, nein, eigentlich schon beim Precheck, merke ich, wie viel ich vergessen habe, bzw. wie viel sich inzwischen geändert hat. Er bietet es mir an, aber nein, ich will den Start nicht selbst durchführen und auch später nicht die Landung. Aber in der Luft drehe ich munter meine Turns so wie er es ansagt, und wir haben Spaß. Wir fliegen sogar über mein Wohngebiet, immerhin Charley Airspace von Daytona, wofür wir eine extra Erlaubnis brauchen, und ich kann paar Fotos machen.

Danke Jihad, einen solchen Jihad nehme ich gerne in Kauf.

Ein Postpaket auf Reisen

In Coronazeiten träumen sicher viele vom Reisen und müssen doch zu Hause bleiben. Einer schafft es, bzw. eines. Nämlich mein Postpaket. Am 11. November wurde es in Wiesbaden aufgegeben und erreicht schon 2 Tage später den Flughafen Frankfurt, sind ja immerhin 35 km. Dort hatte es ausführlich Zeit, sich die landenden und abfliegenden Flugzeuge anzuschauen und darauf zu hoffen, dass es endlich in einem einen gemütlichen Platz erhält.

Das muss dann gelungen sein, denn am 1. Dezember traf es tatsächlich in New York ein. Konnte sich aber nicht die Stadt ansehen, sondern musste erst zum Zoll in New Jersey, wo es am 4. Dezember abgefertigt wurde. Am 7. Dezember machte es sich dann auf den Weg nach Florida, dem Zielbundesstaat, dieses Paket liebt genau wie ich die Sonne. Dann folgte ein wirklich aufregender Tag, denn am 8. Dezember kam es in Orlando an (80 Meilen vom Ziel), wurde sofort weiter geleitet nach Jacksonville (100 Meilen vom Ziel), wo es noch am frühen Abend eintraf.

Dazwischen muss man allerdings einschieben, dass die Empfängerin bereits am 6. Dezember die Mitteilung bekam, das Paket würde am 6. Dezember eintreffen, eine völlig wirklichkeitsfremde Aussage. Dennoch war die Empfängerin guten Mutes, dass das Paket doch vielleicht bald eintrifft.

Am 10. Dezember dann aber die überraschende Mitteilung, dass sich die Sendung auf dem Weg nach Miami befindet, wo es tatsächlich am 11. Dezember eintrifft. Miami ist ja auch eine interessante Stadt, wenn auch 280 Meilen vom Ziel. Aber Florida bietet noch viele schöne Örtlichkeiten und ich glaube, erst wenn mein Paket sich all diese angeschaut hat, wird es endlich in Daytona Beach ankommen. Falls es nichts Besseres findet.